18-7. Athen, 20. November. Deputirten-Kammer. Petmezas beantragte die Vorlegung der Berichte der Consuln über die von türkischen Soldaten in den griechischen Provinzen der Türkei begangenen Verbrechen und die von der Psorte in Folge dessen verfügten Anordnungen. Der Minister des Aeußern, Trikupis, lehnte dies ab und erklärte, er werde seine Pflicht thun, die Docu- «rei- »ierteyckhrlich 1 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft te-s-en vierteljährlich 2 Murk 50 Pf. mitgetheilt werden. Paris, 20. November ordnetenhaus zugehen. ~ — Die „Nordd. Allg. Ztg." kommt aus die Meldung der „Agence Russe" zurück, daß die Pforte sich wegen Friedensvermittelung an den deutschen Botschafter gewendet, dieser aber die Pforte an das russische Hauptquartier gewiesen habe, erwähnt der in der ausländischen Presie hierbei zu Tage getretenen Ansicht, daß früher oder später Deutschland zwischen den jetzt.Kriegführenden zu vermitteln suchen werde und schreibt: Ebenso wie Deutschland tm Jahre 1871 es unvereinbar mit der Freundschaft Rußlands für Deutschland, ja als Kränkung der nationalen Ehre angesehen haben würde, wenn Rußland auf Frankreichs Verlangen als Vermittler aufgetreten wäre, werde schwerlich die deutsche Regierung es ihren Beziehungen zu Rußland entsprechend finden können, als Anwalt der türkischen Friedenswünsche bei der russischen Regierung sich zu geriren. Prinz Reuß hätte, wenn er um eine Vermittelung angegangen worden wäre, eine klügere Antwort nicht geben können. Ob er dazu Veran^ lasiung gehabt, könne heute wie früher dahin gestellt bleiben. _ Köln, 20. November. Die „Köln. Ztg." enthält folgenden Steckbrief: Der durch Erkenntniß der correctionellen Kammer des hiesigen königlichen Landgerichts vom 28. Juli d. I. wegen unbefugter Vornahme geistlicher Amts- Handlungen zu einer subsidiären Gefängnißstrafe von dreißig Tagen verurthetlte Doctor theologiae und vormalige Erzbischof von Köln, Paulus Melcher, geboren zu Münster, zuletzt wohnhaft zu Köln, 64 Jahre alt, 1,70 Meter groß, mit blonden Haaren und Augenbrauen, freier Stirn, braunen Augen etwas gebogener Nase, gewöhnlichem Mund, spitzem Kinn, länglichem Gesicht, von Hofier Gesichtsfarbe und schlanker Statur ist nicht zu ermitteln gewesen. Ich ersuche die Polizeibehörden, auf den rc. Melchers zu wachen, ihn >m Betrctungs- falle verhaften und mir vorführen zu lassen. Köln, 14. Rov. 1877. Der Oberprocurator Crome. Deutschland. Berlin. Der im Reichsjustizamte ausgearbeitete Entwurf einer Ge- richtsgebühren-Ordnuiig für das Deutsche Reich ist nunmehr soweit fertig gestellt, daß in den nächsten Tagen derselbe den Bundes-Regierungen zur Kennt- nißnahme und zur Jnformirung ihrer Vertreter im Bundesrats zugehen wird. Der Entwurf umfaßt das Gebührenwesen im Eivilproceß, im ^Ltrafproceß, im Coucursverfahren und die Gebühren der Gerichtsvollzieher und Sachverständi- gen. Die Gebühren Ordnung für die Rechtsanwälte ist noch im Rückstände, da es die Absicht ist, über den vorbereiteten Entwurf Sachverständige, bezw- Interessenten zu hören. Der Entwurf geht von dem Grundsätze aus, daß in den vor die ordentlichen Gerichte gehörigen bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, auf welche die deutsche Civilproceß-Ordnung Anwendung findet, Gebühren und Auslagen nur nach Maßgabe desselben erhoben weiden dürfen; und daß eine Erhebung von Stempel- und anderen Abgaben neben den Gebühren, wie das heute in Bayern, Baden, Hessen und in einige» preußischen Gebieten der Fall ist, nicht stattfinden darf. Ferner sollen Urkunden, von denen im Rechtsstreite Gebrauch gemacht wird, nur in sofern einer Stempel- oder einer anderen Abgabe unterworfen werden, als fie es ohnehin sein würden. Urfunte» dagegen, welche im Rechtsstreite errichtet werden, bleiben, soweit ihr Inhalt über den Streit-Gegenstand hinausgeht, den allgemeinen Vorschriften über Eihebung von Stempel- oder anderen Abgaben unterworfen. Eine Ausnahme von diesem Grundsätze soll nur zu Gunsten Elsaß-Lothriiigens gemacht werden, indem bestimmt wird, daß die bestehenden Landesgesetze unberührt bleiben, nach welchen neben der für ein Urtheil zu erhebenden Entscheidungsgebühr die Registrirnngs- gebühr für das im Urtheil festgestellte Rechtsverhältniß erhoben wird. — Die bisherigen Kosten unserer Münzreform baben das Reichs-Budget so gut wie gar nicht belastet. Allein bei den Reichs-Silbermünzen sind fast 48—49 Mill. Mk. erübrigt worden. Diese Kostenbeiträge hören nun auf, nachdem die Ausprägung von Silber, Nickel- und Kupfermünzen den gesetzlich» zulässigen Maximalbetrag in allernächster Zeit erreicht haben wird. Der Abschluß der Münzreform wird fortan beträchtliche finanzielle Opfer für die Verwerthnng des überschüfsigen Silbers fordern. Wie verlautet, soll man zu diesem Behufe in der nächsten Session des Reichstags dem Anträge auf eine Anleihe eut- gegenzufeben haben. Der Betrag für dieselbe soll gleich so vorgeschlagen werden , daß die Reichs-Regierung in den Stand gesetzt wird, mit der übrigen Einziehung des alten Silbercourants rasch vorzugehen, damit Ende des Jahres 1878 oder ein wenig später die Durchführung der reinen Goldwährung in Deutschland eine vollendete Thatsache sei. Berlin, 20. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Entwurf der Städteordnungs-Novelle liegt dem Staatsministerium vor, wird alsbald zur Berathung gelangen und jedenfalls in der nächsten Woche dem Abgeist, meldet, daß die Minister ihre Entlassung eingereicht haben und der Marschall-Präsident dieselbe angenommen hat. Dieselben bleiben bis zur Ernennung ihrer Nachfolger mit der Erledigung der Geschäfte betraut. Paris, 21. November. Der Budget-Ausschuß empfiehlt, einem reactio- nären Cabmet die Votirung des Budgets zu verweigern. Paris, 21. November. Die „Agence Havas" meldet aus Konstantinopel : General Klapka hat ein Manifest an die ungarische Ration erlassen, in welchem er seine Mitbürger auffordert, die Regierung mit allen legalen Mitteln zu zwingen, Angesichts der so beunruhigenden militärischen Lage der Türkei aus ihrer passiven Haltung herauszutreten. Andernfalls würde die Geschichte nicht das tausendjährige Jubiläum, sondern den Selbstmord Ungarns zu ver- «rschctnt tLchltq mit «utaahM bei SRou Schulst»«-«, 8tt B. Nr zeichnen haben. Versailles, 19. November. (Fortsetzung.) Der Minister-Pra,ident, Herzog v. Broglie, erklärte: Die von der Deputirten-Kammer beschlossene Untersuchung fei eine parlamentarische, nicht eine gerichtliche. Die Beamten blieben in Bezug auf diese Untersuchung ihren hierarchischen Vorgesetzten untergeordnet und dürften nur von diesen Befehle und Instructionen annehmen. „Dieses sind die Anordnungen, welche wir an dem Tage, ehe wir von der Gewalt zuiücktreten, erlassen haben. Diese Anordnungen lassen alle socialen Principien unverletzt, welche wir auch unverletzt unseren Nachfolgern überlassen wollen." Laboulaye behauptete: die Kammer habe die Befugniß, eine gerichtliche Untersuchung vorzunehmen, da ihr das Recht zustehe, die Minister unter Anklage zu stellen. Das Ministerium müsse demnach den Beamten befehlen, anläßlich der Untersuchung an sie ergehende Fragen zu beantworten. Der Präsident verlas hierauf folgende von den Gruppen der Rechten beantragte Tagesordnung : Der Senat, indem er Act nimmt von den Erklärungen der Regierung und seinen Entschluß ausspricht, in Gemäßheit der conservatwen Principien, welche er immer aufrecht erhalten hat, den Prärogativen keiner von den öffentlichen Gewalten Eintrag thun zu lassen, geht zur Tagesordnung über. Dusaure bestieg sodann unter Zurufen der Linken die Tribüne. Versailles, 20. November. Sitzung der Deputirten-Kammer. Beth- mont verliest im Namen der Majorität eine Erklärung, welche dahin lautet, daß die Kammer Angesichts der in gestriger Senats-Sitzung von bem Herzog v. Broglie entwickelten Doctrine», besorgt um die Wahrung ihrer Würde und entschlossen, die Integrität ihrer Beschlüffe und ihrer Befugnisse gegen jeden Eingriff aufrecht zu erhalten, die Prüfung der Wahl des Deputirten Reille, Unterstaatssecretärs im Ministerium des Innern, auf solange vertagt, bis die Enquete-Commission die von Reille in den officiellen Kandidaturen gespielte Rolle geprüft und die Behörden von Castrcs, die unter seinen Befehl gestellt waren, vernommen haben werde. Die Vertagung der Wahl-Prüfung Reille s wird mit 297 gegen 210 Stimmen angenommen. Marion von der Linken sagt: Das Ministerium des 16. Mai hat gelebt. Ich beantrage Angesichts der Abwesenheit einer regelrechten Regierung die Vertagung der Sitzung auf morgen. Der Minister Caillanx sagt: Das Ministerium hat seine Entlassung gegeben, bleibt aber im Amte, bis es ersetzt ist. Es besteht somit eine reguläre Regierung. Die Kammer beschließt mit 233 gegen 231 Stimmen die Sitzung zu vertagen und die nächste Sitzung auf Donnerstag anzusetzen. Der Senat setzte die Berathung über das Generalstabs-Gesetz fort. — Die von den Bureaus der Kammer gewählte Budget-Commission besteht durchweg ans Mitgliedern der Linken. In den Bureaus fragten einige Mitglieder der Rechten, ob die Majorität sofort zur Votirung der birecten Steuern schreiten würde, worauf Gambetta schließlich erwiderte, es hänge dies von den Umständen ab. Ilrankreich. Paris, 19. November, Abends. Die Bildung des neuen Cabinets ist bereits weit fortgeschritten, doch ist es nicht wahrscheinlich, daß tef übermorgen im „Amtsblatt" verkündet werden wird. Dte Annahme des Ent- laffungs-Gesuchs des bisherigen Ministeriums wird morgen vom „Amtsblatt , Das „Amtsblatt", welches heute spät erschienen!mente aber nicht jetzt, sondern zu geeigneter Zeit vorlegen. Knglaud London, 20. November. In dem seit längerer Zeit gegen mehrere Detectives schwebenden Strafprocesse wurde heute das Urtheil gefällt; dasselbe verhängt über Meikejohn, Druscovich, Palmer und Froggat Zuchthausstrafe von 2 Jahren; Clarke wurde freigesprochen. London, 21. November. Der „Standard" fordert die Regierung auf, Angesichts des Falles von Kars Maßregeln zu ergreifen, um die in Lord Derby's Depesche vom Mai gekennzeichnete Position aufrecht zu erhalten. Spanien. Perpignan, 19- November. Ein Trupp von 25 spanischen Insurgenten , welche sich kürzlich in der Nähe von Figueras gezeigt, erschien neuerdings in einem Dorfe und forderte 1500 Frcs. Contribution im Namen der „föderativen Republik." Hriechentand. Der orientalische Krieg. Konstantinopel, 19. November. Der Gouverneur von Kassorod forderte die Mohamedaner der Provinz auf, sich gegen einen Einfall der Serben nöthigensalls zu vertheidigen, und gab den Befehl, ein Verzeichniß der zum Waffendienste fähigen Männer eines jeden Ortes anzufertigen. — Regierungs- Nachrichten zufolge meldet Mukhtar Pascha aus Erzerum, daß sich nichts von Belang zugetragen habe. Die Verbindungen seien durch Schneefall unterbrochen. — Aus Kars liegen keinerlei Nachrichten vor. — Der Flotten-Kommandant des Schwarzen Meeres, Husni Pascha, sandte am 18. Novbr. fünf Schaluppen gegen eine russische Abtheilung in der Sulina-Mündung ab und brannte ein Proviant-Lager nieder. — Suleiman Pascha meldet aus Rasgrad vom 18. d., der Feind recognoscire nach allen Richtungen. Ibrahim Pascha hatte bei Kochowo ein Gefecht mit den Ruffen. Nach Salonichi abgeschickte Truppen hatten ein Recognoscirungs-Gefecht mit den Ruffen in der Nähe von Tirnowa, ebenso fanden Gefechte türkischer Recognoscirungs-Truppen bei Pyrgos und türkischer Kavallerie mit den Ruffen bei Dedebal unweit Storno statt. Bukarest, 20. November. Nachrichten aus Poradim zufolge erregte die Eroberung von Kars großen Enthusiasmus bei den russischen Truppen vor Plewna. Alle Batterien gaben dreimalige Salven ab, um die glänzende Waffen- that zu feiern. — Auf der Eisenbahn Bender-Galatz ist der erste Zug in Ta- bacz eingetroffen. — Hier ist schönes Wetter. Petersburg, 20. November. Officiell wird aus Weran-Kaleh gemeldet: Der Sturm auf Kars wurde gegen die südöstlichen Forts geführt, mit Demonstrationen gegen die übrigen Forts. Die Forts Hafiz, Kanli und Siwari wurden durch Sturm genommen, Karadagh und Arab durch Freiwillige überrumpelt, ersteres vom Rücken, das zweite von der Front aus. Morgens versuchte die Garnison der verlaffenen Forts in die Berge zu flüchten, wurde aber umzingelt und gefangen genommen. Wir haben über 10,000 Gefangene gemacht und 300 Geschütze, sowie maffenhafte Vorräthe erbeutet. In den Spitälern wurden 4500 Verwundete und Kranke vorgefunden. Der Verlust auf unserer Seite beträgt 2500 Todte und Verwundete. Wien, 20. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cettinje von heute: Die Montenegriner nahmen das Spizza beherrschende Fort Nehab, nachdem sich Spizza am 16. d. ohne Widerstand ergeben hatte. Fürst Nikita befindet sich in Antivari, dessen Cttadelle dem Bombardement der Montenegriner widersteht. Moskau, 20. November. Der „Mosk. Ztg." zufolge hat sich die Hauptmacht der Russen gegen Erzerum gewandt und haben dieselben in Kars nur eine Besatzung zurückgelassen. Lokal-Notiz Gießen, 22. Nov. Es ist gut, daß die Woche bald zu Ende geht und mit ihr die aufregende Zett der Stadtverordneten-Wahl-Vorberathungen und Versammlungen. Man stumpft fast schließlich ab vor lauter Reden und Vorschlägen und denkt: Wählt wen Ihr wollt- In der gestrigen Wählerversammlung wurden als Einleitung zwei Privatschreiben verlesen und bewegte sich darauf die Discussion in ziemlich enger Grenze. Es wurden durch die Versammlung, welche 155 Stimmzettel abgab, mit einer größeren Anzahl von Stimmen nachstehende Herren bedacht: K. Grüneberg, Rechner, A. Katz, H. Werner, Andr. Euler, O- Kempff, Fr. Leib und E. Simon. Als Candtdaten zur Stadtverordnetenwahl wurden bis jetzt öffentlich bezeichnet 21 Herren, Auswahl genug, um 6 richtig zu bestimmen. Wir lassen die Namen alphab. geordnet hier nochmals folgen: Euler, Andr.; Gail, Ferd.; v. Gehren, Georgi, Ludw-; Grüneberg, Carl, Rechner; Dr. Gutfleisch; Habenicht, Friedr.; Hochstätter, Hetnr.; Hofmann, Ferd.; Katz, Aron; Kempff, Otto; Leib, Fritz; Lüdektng, Phil.; L-Petri II.; Pfannmüller, Wild.; Sack, Ed.; Simon, C.; Uhl, Phil.; Werner, Hermann; Wortmann, Theod.; Ztnßer, Adolf. — Wir glauben, daß es außerdem nicht schaden kann, daß wir nochmals die Namen der ausgeschiedenen Stadtverordneten erwähnen. Es sind dies die Herren: Buchhändler Ferber, Ferd. Gail, Wilh. Keller, PH. Lüdeklng, Rechner Körber -j-, Wilhelm Schmall. B e rmi f d) t e — Ominöses Geftändniß. Unter diesem Titel berichtet die „Saar- u. Moselztg." aus Trier folgendes nette Histörchen, das sich thatsächltch dort zugetragen haben soll: Zu einem hiesigen Metzger kam dieser Tage eine Hausfrau und wünschte einige Pfund von einem mächtigen Stück Rindfleisch zu kaufen. Als sie nach dem Preise fragte, wurde ihr derselbe, weil das betreffende Stück von einem Ochsen sei, zu einem teuereren Preise angegeben, als vorher öffentlich annoncirt worden war, unter der Angabe, daß in der Bekanntmachung nur Kuhfletsch gemeint sei. Nachdem das gewünschte Quantum abgeschnttten und wtegefertig war, bittet die Käuferin, ein daran hängendes größeres Stück Fett, das sie nicht gern habe, von dem Ochsenfletsch zu entfernen- „Aber, liebe Frau, das ist ja gerade was Feines, das ist ja vom Euter!" versetzte ganz geschäfts- eifrig der Fleischer. Den Schluß der Scene kann man sich denken. — In Sachen der Dynamtlpatronen ist in Hagen das kaum Denkbare vorgekommen, daß ein Arbeiter der Berg.-Märk. Bahn die Zündhütchen der Patrone lose in der Tasche trug zwischen seinem Tabak, von diesem sich ein Pfeifchen stopfte und ein Zündhütchen gedankenlos zufügte. Beim Rauchen explodirte das Zündhütchen, |cr> »chmeNeUe den Pfetfenkopf und warf den Messingdeckel in das Auge deS Rauchenden und soll derselbe wunderbarer Weise noch mit blauem Auge davon gekommen fein. — (AdgeferNgt.) Justizrathswitlwe (zu ihrer ehemaligen Köchin): .Sie Haden ja, wie ich hörte, geheirathet, — was ist denn Ihr Mann?" — Köchin: ,,Scheeren- ichleifer, gnädige Frau!" — Justizrathsw.ttwe: ,,Soo! Das ist aber wenig!" — Köchin: „Nun ich mein’, ein lebendiger Scherenschleifer ist doch immer noch besser, alS em tobter Justtzralh! ’ In Cairo rettet jeden Morgen ein Polizeibeamter, der sog. Brodoogt, von mehreren Soldaten, einem Bettelvogt und einem Haufen armer deute begleitet, von einem Bäckerladen zum andern, um das Gewicht der zum Veikaufe ausgelegten Brode zu untersuchen. Wenn er nun einen Bäcker trifft, dessen Brode zu leicht gerathen sind, so läßt er ihm vom Betieloozte eine PcÜgelsuppe auf die Fußsohlen verabreichen, einen Haken mit einem Bindfaden, an dem ein Brod befestigt ist, durch die Nase bohren und dann das Gesicht mit Erde bedecken. Der übrige Brodoocrath wird unter die Armen vertheilt, die tm Gefolge des BrodoogleS sind. W-nn derartige Maßregeln bei uns Mode wären, wie viele durchboh te Nasen gab' es da'. — (Kellerwechsel.) Dem Vernehmen nach ist wieder eine Genossenschaft, der Creditverein Beerfelden, das Opfer einer großartigen Wechselreiterei geworden und soll oas den Verein treffende Deficit über 100000 x betragen, so daß eine ConcurSer- kiärung unausbleiblich fein Dürfte. Es ist geradezu unerkiäclich, daß nach den nun schon fett Jahren allerwärts gemachten traurigen Erfahrungen, namentlich auch in unserer Nachbarschaft, die Gleichgültigkeit und Faulheit der Mitglieder einer Genossenschaft in Wahrung ihrer eigenen pecuaiären und wirtschaftlichen Interessen so weit gehen kann, daß, wie in B- geschehen sein soll, der Vorstand mit einer einzigen Firma von zweifelhafter Solidilät Wechsel-Discont-Geschäfte bis zum Betrage von mehreren Hunderttausend Mark Jahrelang abzuschließen im Stande ist. Wo ist denn da die Controle des Vorstands durch den Aufsichtsrath uns die des letzteren durch die Ge- sammtheit der Mitglieder ? Was Helsen denn alle die von dem Anwalt und den Leitern oes Genossenschaftswesens zum Schutz der Mitglieder veranlaßten gesetzlichen Bestimmungen, die Rathschläge und Resolutionen der genossenschaftlichen Vereinstage, die ununterbrochene Thätigkelt der Presse in Besprechung genossenschaftlicher wirthschaftlicher Fragen, wenn eine solche Indolenz unter Denjenigen herrscht, die sich zusammengeihan haben, um sich durch Selbsthilfe, wie das schöne Wort heißt, vom Großcapstal unabhängig zu machen. Vom L-tarkenburger Genossenschaftsoerbande hat sich der Verein in Beerfelden ferne gehalten, sicherlich zum Schaden feiner Mitglieder. — Die Militärverwaltung in Wien ließ aus Interesse an der Sache Brod von jeder Gattung kommen, wie solches die Nahrung der russischen Soldaten auf Dem Kriegsschauplätze bildet und übergab dasselbe Fachmännern zur genauen Untersuchung. Diese lieferte etn Ergebniß, welches begreiflich macht, daß die russischen Intendanten und Lieferanten kriegsrechtlich halbdutzendweise erschossen werden. Jenes Brod enthält nämlich nicht weniger als 19 Procent Sägespäne und 14 Proc. Sand. — Ein Abschlag des Bierpreises steht in Aussicht, denn nicht allein die Brauer mehrerer bayerischen Städte, sondern auch die Brauereien von Wien und Umgebung haben, den Zeitverhältnissen und dem Consum Rechnung tragend, den Biecpreis ermäßigt. Man wird anderwäits nicht umhin können, diesem lobenswerthen Beispiel nachzufolgen, da ja auch der Preis des Hopfens bedeutend niederer ist, alS in den Vorjahren. Literarisches. Illustrirte Jagdzettung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. Herausgegeben vom k. Oberförster H. Nitzsche. 5. Jahrgang. Nr. 4 enthält: Erkenntnisse des Könial. Preuß. Obertribunals zu § 292 des Reichs-Strafgesetzbuches. Jagdbilder aus der Ostindischen Inselwelt von H. von Clausewitz. Das beste Gewehr von M. Wagner. Eine seltsame Hasenentbindung. Die Hofjagden bet Ohlau. Literatur: Jagdbilder vom königl. Vice-Oberjägermeister R- von Meyerinck (mit Bild) und andere interessante Notizen. — Diefe Zeitschrift erscheint im Verlage von Schmidt & Günther in Leipzig. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen Abonnements an. 6285) Jedermann weiß, wie viel Tisanen, Pastillen und sonstige Medicamente man 'in Erkältungsfällen, bei Katarrhen oder zur Heilung der Bronchitis anwendet. Die neue Heilmethode dieser Krankheiten durch die G uy o t'sch en T h e er kap feln kommt nicht höher als 10 bis 12 H täglich zu stehen. Man nimmt zu jeder Mahlzeit 2 oder 3 Kapseln und häufig macht sich eine große Linderung schon nach den ersten Dosen bemerklich. Zur Vermeidung der zahlreichen Nachahmungen ist darauf zu achten, daß die Etiquette die Unterschrift des Herrn Guyot in dreifarbigem Drucke enthält. Depot in Gießen bei Dr. Hempel, Apotheker, und in den übrigen Apotheken. Handel und Verkehr. Limburg, 21. Nov. (Fruchtbericht.) Rother Weizen JC. 20.10, Korn JL 13.25, Gerste X 12.15, Hafer X 7.25. (Durchschnitts-Preis pro Malter.) Frankfurt, 21. November. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut >be- fahren. Heu kostete je nach Qual, per Ctr. X 2.50—3.40, Stroh per Ctr. X 2.10—2.30. Lutter im Großen kostete das Pfund 1. Qual. X 110, 2. Qualität 1 X, im Detail 1 Qual. X 1.30, 2. Qual. X 1.15—20. Eier, das Hundert «>4L 6—7.60. Weißkraut das Hundert X 10—15. Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 26—28 X. ganze Erbsen 21 bis 24 X, Bohnen 28—30 X. Linsen 30—36 x Fleischpreise: Ochsenfleisch per Psd. 75 Rindfleisch 60—63 H, Kuhfleisch 55—60 Hammelfleisch 55—63 H, Kalbfleisch 65 Schweinefleisch 70—80 6556) Der diesjährige Daheimkalender für das deutsche Reich bietet für den Preis von V/z X em fertig gebundenes Buch von stattlichem Umpfange, mit einer interessanten Weltumschau mit zahlreichen Abbildungen, außer allem Anderen, waS man in einem guten Kalender finden muß. Äklgemeiner Anzeiger. 6509) Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, der Stadt Hungen die Genehmigung ertheilt hat, eine höhere Schule zu errichten, und dem Stadtvorstand es gelungen ist, in der Person des Herrn Dr. phil. Kellner, seitheriger Oberlehrer der Realschule zu Hanau, sowie des Herrn Pfarramtscandidaten Gauert, seitheriger Jnstitutslehrer dahier, anerkannt tüchtige Lehrkräfte zu engagiren, so wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß diese Schule am 1. December 1877 ihren Anfang nimmt. Bezüglich des in dieser Schule ertheilt werdenden Unterrichts sowohl, als auch der zu leistenden Schulgeldern ist der Unterzeichnete bereit, jede gewünschte Auskunft zu ertheilen, sowie Anmeldungen entgegen zu nehmen. Hungen, den 19. November 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Bender. Oeffentliche Ladung. Gegen den Maurermeister Wilhelm Steinbach von Gießen ist der förmliche ConcurSproceß erkannt worden. Es werden daher Alle, welche Ansprüche an denselben zu bilden haben, hiermit aufgefordert, fa che in dem Termin Montag den 7. Januar 1878, Vormittags 9Vs Uhr, bei Meldung des stillschweigend erfolgenden Ausschlusses von der Masse dahier anzumelden und etwaige Vorzugsrechte bei Meidung Verzichts auf dieselben zu begründen. Auch soll in diesem Termine die Güte versucht und eventuell ein Massecurator und Gläubigerausschuß erwählt, sowie deren Befugnisse feftgeftellt werden. Die nicht erscheinenden Gläubiger werden in diesen Punkten als den Beschlüssen der Mehrheit der erschienenen beitretend angesehen. Sämmtlichen Betheiligten ist Acteneinsicht gestattet. Gießen, den 29. October 1877. (6254 GroßherzoolicheS Stadtgericht Gießen. Bötticher, Stammler, Stadtrichter. Stadtg.-Assessor. Brauerei-Inventar- Verkauf. 6503) Wegen Aufgabe des Geschäfts sollen Dienstag den 27. November, Vormittags 11 Uhr, sämmtliche Inventar-Gegenstände der Gräflich Sto l berg'schen Brauerei dahier unter den bei der Versteigerung bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich meistbietend verkauft werden. Es befinden sich darunter: 1 kupferner Braukessel, 43 hl haltend, 1 „ „ 12 . „ 1 gußeisernes Kühlschiff, 51 „ „ 1 Maischbütte mit gußeisernem Senkboden, 102 hl haltend, 1 Maischbütte, 28 hl haltend, 9 Gährbütten, 46 u. 28 hl haltend, 1 Quellbottig, 46 hl haltend, 40 Stück Lagerfässer ä 16 hl, :500 Transportfäffer, ca. 80, 40 und 20 1 haltend, 1 Maischpumpe und 1 Malzschrotmühle, 1 Kastenkühler und 1 Bierwürgel, beide ganz neu, 1 Decimal- und 1 Schnellwaage, Schläuche, Blechrohre ic. rc. Vorbenannte Gegenstände sind theils erst in den letzten 10 Jahren neu angeschafft und befinden fich meistens noch in sehr gutem Zustande. Ferner werden versteigert: ca. 115 Ctr. Malz, 5 „ Saazer Hopfen von 1876. Gedern, den 16. November 1877 Gräflich Stolberg'sches Rentamt. Brumhard, Domänenrath. Neue ital. Haselnüsse empfiehlt (6523 Cmil Fischbach. Montag den *1. Januar k. Js. Vormittags 11 Uhr, Verpachtung des Stadt-Wirthshauses zu AlSfcld. 6573) Nach Gemeinderaths - Beschluß soll der seither auf Rechnung der Stadtkaffe geführte Branntweinzapf mit Ende März 1878 aufhören und demgemäß das geräumige dreistöckige, zu jedem Geschäftsbetrieb stch eignende, mit großen gewölbten Kellern versehene, sogenannte Weinhaus, am Marktplatz, nach drei Setten frei gelegen, im Rathhause auf 12 Jahre zur freien Benutzung des Uebernehmers öffentlich in Pacht gegeben werden. Die Pachtbedingungen können vor dem Termin bei uns eingesehen werden. Alsfeld, am 19. November 1877. Grotzherzogliche Bürgermeisterei Alsfeld. Ramspeck. Oberhessische Eisenbahnen. Bezugnehmend auf unsere Bekanntmachung vom 22. v. Mts., den mitteldeutschen Verbandsgüterverkehr betreffend, bringen wir weiter zur Kenntniß des Publikums, daß in dem vom 1. December er. ab in Kraft tretenden I. Nachtrag zum Tarifhefte 19 des mitteldeutschen Verbandsgütertartss, auch Tarifsätze für den Verkehr der Stationen Gießen, Grünberg, Alsfeld, Lauter bach u. Stockheim mit den Stationen Jena und Gera der Wetmar-Geraerbahn enthalten sind. Der Nachtrag ist bei den Expeditionen, sowie auch bei unserer Drucksachenverwal- tung käuflich zu haben. Gießen, den 19. November 1877. Großherzogliche Direction. 6576)_________Mohn._____________ Bekanntmachung. Die Lieferung des für das Bürgerhospital im Jahr 1878 erforderlich werdenden Bedarfs an: Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Nieren- uud Schweinefett, Wurst, Brod, Wecken und Milch, soll ttn Submissionsweg vergeben werden und werden Uebernehmer ersucht, ihre deß- sallsigen Offerten bis zum 26. l. Mts. bei dem Unterzeichneten, bei welchem auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können, verschlossen abzugeben. Gießen, am 19. November 1877. Wittich, Armenkasserechner. Zleilgeöoienes. 6567) Berliner und Westfälische Patent- Offen, Ofenschirme, Kohlenkasten, Eoaks- trommeln, Uhrenwaagen, Laubsägen, Apparate, Holz- und Werkzeugkasten, Haushal- tungs- und Küchengeräthe, empfiehlt ____Emil Pistor. Hemden von 2,50 an bis zu den feinsten Qualitäten empfiehlt (6569 A Haubach, Mäusburg. Bestellungen nach Matz werden in solider Waare billig ausgeführt._________________ II. von Gimboni's T a n n i n-, A1 i z a r i n-, Gallus-Kaiser-, Salon- und andere Tinten zeichnen sich durch lebhafte Farbe, grosse Flüssigkeiten und schnelles Trocknen aus und liefern [noch nach längerer Zeit scharfe, nie bleichende Copien. Lager in den div. Sorten, sowie auch in Garmin, blauer Tinte, flüssigem Leim, Stempelfarben etc. befinden sich bei Julius Koos in Giessen. 3320' H. Kühn „ „ Holz- & Fournir-Handlung PIl Mannheimer 6570) 16 Fahrgasse 16 FRANKFURT a. M. 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Ohne Jedem zu nahe zu treten in politischer Beziehung erlauben wir uns nachstehende Herren als Candidatcn vorzuschlagen: Friedr. Habenicht, Phil. Uhl, ilh. Keller, Grüneberg, Rechner, Theod. Wortmann. Es sind dies lauter Namen, welche der Bürgerschaft Garantie für Bürgersinn, Rechtschaffenheit und Charakterfestigkeit geben. _____Viele Burger. Mitbürger! 6578) In der gestern Abend im Cafe Leib abgehaltenen Wähler-Versammlung wurden als Candidate n zur Ersatzwahl der Stadtverordneten die Herren: Otto Mempfl* mit 87 Stimmen Aron Hatz „ 120 r Hari Grüneherg, Rechner, „ 121 v Hermann Werner „ 90 T) Fritz Leib „ 64 n Andreas Euler „ 88 v erwählt. Indem wir dies unseren Mitbürgern zur Kenntniss bringen, bitten wir sie, uns in der Wahl unserer Candi- daten, welche als freie unabhängige und ehrenfeste Männer bekannt sind, zu unterstützen. Giessen, den 22. November 1877. Der Wahl - Ausschuss. 6 5,) Mitbürger! Wir haben bisher in diesen Blattern das Wort zu der Stadtverordneten- Wahl nicht ergriffen; einmal, weil wir mehr die großen Principien, die uns einen, als Personensragen, die uns trennen könnten, in den Vordergrund zu stellen bestrebt sind, zum Anderen aber, weil wir eS für überflüssig hielten, unseren aus nahezu sechshundert Gießener Einwohnern aller Berufsklassen bestehenden Verein gegen die unbegründeten Vorwürfe zu rechtfertigen, die nmn hie und da wider ihn erhoben hat. Unser Verein empfiehlt seinen Mitgliedern und allen Wählern die Herren: Ferdinand Gail, Carl Grüneberg, Rechner, , Heinrich Hochstätter, Ortsgerichtsvorfleher Lüdeking, Louis Petri II., Hosgerichtsrath Pfannmüller, als Candidaten für die nächsten Mkmtisg äen *<£<»• Berl gntiruif, l des Justizmi In Aachen a Ter Seitifl- Geschäste in Entwurf, l Ausgaben [ Budget-Eon auf die Be^ Unverstands die Derwer klärte sich pellation b beschlostene gen sich da legung übel Georg an für Rechn» folgen. 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