Bto« Donnerstag, den 22 November 1897. Eichener WWM AMlgk- iah Amtsblatt für bea Kreis Gießen. •J*****»?*?* «utaiteM be* P»«44 sicrt.jjthrttch 3 Rarf 30 Pf. mtt Bring-rl-hn. ____ Dch»tG»«ße, Ltt. B. Nr. 18. Dvrch die Post tezOgen virrtrijLhrlich 1 Mark LO Pf. Amtlicher Hßeiü „ t r,r t Gießen, am 19. November 1877. Betreffend: Die Ausführung des Reichsmünzgesetzes, hier die Einziehung der % Thalerstücke. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Gemeindeeinnehmer, Kreiskasse-, Kirchen- und Stiftungs-Rechner. Nachträglich zu unserem Ausschretbeo vom 27. v. M. setzen wir Sie davon in Kenntniß, daß nicht blos die Großherzogliche Hauptstaatskasie unmittelbar, sondern auch alle Großherzoglichei, Rentämter und Districtseinnehmereien die dort erwähnten Anerkenntnifle einzulösen beauftragt sind. ________________________ Dr. Boekmann. Noli 1 ischer T h e i l. Zur allgemeinen politischen Lage. Europa ist augenblicklich wieder einmal an einem Zeitpunkte angelangt, wo es gespannt der Dinge wartet, die da kommen sollen. Sowohl im Osten wie im Westen des Welttheils erwartet man von einem Tage zum andern entscheidende Ereignisse. Nach dem Falle Plewnas würde den Russen nichts mehr tm Wege stehen, den Balkan zum zweiten Male zu überschreiten und auf die Hauptstadt des osmanischen Reiches loszugehen. In Konstantinopel herrscht schon jetzt in Folge der unglücklichen Wendung, welche der Feldzug auf beiden Kriegsschauplätzen in letzter Zett genommen, eine ungeheure Aufregung. Eine Verschwörung gegen den Sultan, der im Verdachte steht, Friedensgedanken zu hegen, ist noch bei Zeiten entdeckt worden. Bei fortdauernder Ungunst des Kriegsglücks glaubt man aber einem förmlichen Zusammenbruch des gegenwärtigen Standes der Dinge im osmanischen Reich entgegensehen zu müssen. Leider droht ein weiteres siegreiches Vorrücken der Rusten auch Oesterreich und England wieder in Besorgniß zu versetzen. Allem Anschein nach macht sich ersteres bereit, dem Wunsche der Ungarn, welche für den Fall einer Betheiligung Serbiens am Kriege immer ungestümer die Occupation dieses Landes fordern, zu willfahren. England aber hat zwar soeben durch seinen Premierminister viel von Friedenshoffnungen gesprochen; da derselbe indeß In auffälliger Weise an die früheren Versicherungen des Kaisers Alexander, keine Gebietserweiterung zu erstreben, erinnert und zugleich die Fortdauer der Unabhängigkeit der Türkei als eine Nothwendigkett bezeichnet hat, so fürchtet man nicht mit Unrecht, daß sich hinter seiner für Rußland scheinbar so wohlwollenden Sprache der Entschluß verberge, die Türkei in ihrem Widerstande zu bestärken und das Zustandekommen eines Friedens, welcher Rußland u. A. den Besitz Armeniens als Ersatz für seine Krtegskosten sicherte, zu erschweren. Zeigt aber der politische Horizont im Osten, wo er im Laufe der letzten Monate trotz des KriegsgeiümmelS verhältnißmäßig heiter geworden war, neuerdings wieder Wolken, so bietet derselbe im Westen einen noch trüberen Anblick. In Frankreich neigt sich, nachdem die bisherigen Minister es übernommen haben, vor der neuen Kammer auszutreten, das Zünglein der Wage mehr und mehr auf die Seite einer gewaltsamen Beendigung der Krisis durch einen neuen Staatsstreich. Gleichzeitig setzt der Vatican überall, in Polen wie in Frankreich , in Italien wie in Deutschland, seine Hetzereien gegen die bestehende Ordnung der Tinge fort, um den allgemeinen Zusammenbruch der modernen Staaten, aus dem er die päpstliche Weltherrschaft hervorgehen zu sehen hofft, zu befördern. Der Friede und die Ruhe Europas würde mithin von den ernstesten Gefahren bedroht sein, wenn es den Klerikalen gelänge, den Marschall Mac Mahon ganz in ihre Netze zu ziehen und Frankreich zum Werkzeug für die Ausführung ihrer Pläne zu machen. Trotz allem Widerstreit der sich gegenüberstehenden Jntereffen und Bestrebungen halten wir tudeß noch immer an der Hoffnung, daß der Knoten sich allmählig friedlich entwirren werde, fest, weil wir wiffen, daß das im Herzen des Welttheils liegende Deutsche Reich ein starker Hort des Friedens und bereit ist, zur Erhaltung desselben das Schwergewicht seines Ansehens, nöthigen- falls auch das seines Schwertes, in die Wagschale zu werfen. Im Osten wird die deutsche Reichsregierung ohne Zweifel, wie bisher, so auch fernerhin dafür Sorge tragen, daß Oesterreich nicht mit Rußland in Conflict gerathe, das Trei-Kaiser-Bündniß vielmehr aufrecht erhalten bleibe, und wird sich an der Mitwirkung bei der tm Jntereffe der Ctvilisation erforderlichen Neuordnung der Dinge tm Orient am allerwenigsten durch den Widerspruch Englands, an dessen Ernst die englischen Staatsmänner selbst nicht glauben, hindern laffen. Nach Westen hin wird Deutschland nach wie vor auf der Wacht stehen, um sich von etwaigen Angriffen seines revanchelustigen Nachbars nicht überraschen zu lasten, den gallischen Friedensstörer vielmehr nebst der gesammten Vaticanaille in- und außerhalb Deutschlands bei Zetten zur Ruhe verweisen. Sollte es aber trotzdem zum Kriege kon'.men, so wird — deß sind wir überzeugt — der Segen des „Unfehlbaren" Frankreich ebenso wenig nützen, wie sein Fluch Rußland geschadet hat, der Fluch vielmehr schließlich auf Denjenigen zurückfallen, der ihn unchristlicher Weise ausgesprochen hat. KeuLschcand. Berlin, 19. November. Der hier am Sonnabend verhaftete, unter dem Namen v. Lyskowski auftretende Pole ist als ein von Westpreußen verfolgter Urkunden-Fälscher erkannt. Derselbe hatte freiwillig das Geständniß abgelegt, daß er nach Berlin gekommen sei, um den Kaiser und den Fürsten Bismarck zu ermorden. Nachdem ihm seine hierher geschickte Photographie vorgelegt war, räumte er ein, der Privatsecretar Lugowsky aus einem Städtchen des Kreises Löbau zu sein, und erklärte, jenes Geständniß über die beabsichtigte Ermordung des Kaisers und Bismarck's sei unwahr. Berlin, 19. November. Die „Nordd. Allg. Ztg " bringt einen Artikel der russischen „St. Petersb. Ztg." vom 9. "b., betr. das Gewicht Frankreichs bei den künftigen Friedens-Verhandlungen, zum Abdruck. Die „Norddeutsche" hält diesen Artikel, der die blos „ideale Liebe Preußens" und die zweifelhafte Freundschaft Oesterreichs durch eine russisch-französische Intimität zu ersetzen hofft, für irgendwie französischen Ursprungs. Ernsthafte russische Politiker, so bemerkt die „Norddeutsche" weiter, würden darüber nicht zweifelhaft sein, daß eine russisch-französische Intimität die sogenannte zweifelhafte Freundschaft Oesterreichs und ideale Liebe Preußens nothwendtg in Gegnerschaft umwandeln würde. Hesterreich. Wien, 19. November. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses vertheidigte der Finanzminister v. Pretis in längerer, beifällig aufgenommener Rede der Bank-Vorlage, indem er die Vorthetle der Erhaltung der gemeinsamen Bank gegenüber der Errichtung einer selbstständigen ungarischen Bank hervorhob, die Nothwendigkett der dualistischen Gestaltung der neuen Bank begründete und ferner ausführte, daß der Credtt der Bank durch die neue Organisation nicht geschädigt werde, sondern aufrecht erhalten bleibe. Minister Unger wendete sich, als er gleichfalls zur Befürwortung der Vorlage das Wort nahm, gegen einige Vorredner, namentlich gegen v. Kellersperg, und betonte insbesondere die Nothwendtgkeit des Ausgleiches mtt Ungarn: zum ersten Male werde jetzt zwischen Oesterreich und Ungarn eine Brücke geschlagen, über welche man nicht nur von Oesterreich nach Ungarn, sondern auch von Ungarn nach Oesterreich gelangen könne. Es sei eine fortschreitende Besserung des Verhältnisses zu Ungarn vorauszusehen. Schließlich erklärte der Minister, die Annahme der Bank-Vorlage würde den staatsrechtlichen und wtrthschaftlichen Frieden, die Ablehnung den staatsrechtlichen und wtrthschaftlichen Krieg bedeuten. (Lebhafter Beifall). Hiernach wurde die allgemeine Debatte geschlossen. Morgen werden noch Herbst und Skene als General-Redner sprechen. — Die „Neue Fr. Pr." bringt folgende Depesche aus Bukarest vom 18. Novbr.: Die Directton der rumänischen Eisenbahn hat Befehl erhalten, für den Transport zwei neuer Armee-Corps täglich zehn Züge zu organisiren. Der Schnellzug Roman-Bukarest ist eingestellt. — In den Districten Jlfow und Teleorman ist die Rinderpest ausgebrochen. Wien, 19. November. Aus London wird gemeldet: Beaconsfield äußerte im Carlton-Club: Wenn Plewna gefallen sei und die Ruffen gegen Konstantinopel marschtrten, werde die britische Flotte mit hinreichenden Truppen sich zum rechtzeitigen Schutze Konstantinopels in Bewegung setzen. — Die „Wiener Abendpost" meint, die Pforte werde auch nach dem Fall von Kars den Krieg auf's Aeußerste fortsetzen. — Einige Blätter halten die englische Vermittlung bevorstehend. Wien, 19. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Pesth: Die Einberufung der Delegationen auf den 5. Decbr. ist im Laufe der Woche zu gewärtigen. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Belgrad: Gestern wurde die Mobilisirung des Schumadja-Corps angeordnet; ebenso erfolgte die Einberufung der Artillerie-Reservisten. Nach Cupria wurden 800 Freiwillige abgesandt. Heutige Mittheilungen laffen den formellen Bruch zwischen der Pforte und Serbien wegen sich mehrender Recriminationen aus Konstantinopel näher gerückt erscheinen. Die Nachricht von der Vereinigung des serbischen Timok- Corps mit der russischen Avantgarde ist unbegründet. — Aus Cattaro meldet die „Pollt. Corresp.": Am 17. d. nahmen die Montenegriner das Fort Volto- rica vor Antivari und schleiften die Bastion Lerbent. In Antivari ist der größte Theil der Häuser durch das Bombardement eingeäschert. Im Hafen von Antivari liegen keine türkischen Kriegsschiffe, ebenso wenig sind solche in Sicht. IrarrLreich. Versailles, 19. November, Abends. Der Senat hat mit 15 gegen 129 Stimmen die von der Rechten beantragte motivtrte Tagesordnung angenommen. Atalirrr Rom, 19. November. Die „Jtalie" dementirt die von mehreren Zeitungen gebrachte Nachricht, daß der gegenwärtige Botschafter in Wien, Graf Robilant, das Ministerium deS Aeußern, Senator Rossi das Portefeuille der Finanzen, Depretis das der öffentlichen Arbeiten und der Deputirte Puccioni das der Justiz übernehmen würden. Die über diesen Gegenstand umlaufenden Nachrichten seien vollkommen unrichtig. Das Ministerium sei nie so einig gewesen, wie jetzt und werde in der gegenwärtigen Zusammensetzung vor die Kammern treten. Die „Jtalie" versichert ferner, die Eisenbahn-Conventionen würden der Kammer am 22. d. vorgelegt werden. Türkei. Konstantinopel, 19. November. Die Gebrüder Geschoss sind hier angekommen, aber nicht in Gefangenschaft gesetzt, sondern im Polizei-Ministerium untergebracht. Der Großvezir hat den britischen Botschafter Layard benachrichtigt, die Genannten würden wahrscheinlich nach Aleppo verbannt. Der orientalische Krieg. Petersburg, 19. November. Amtlich wird aus Bogot vom 18. d. gemeldet: Einem Bericht von dem Detachement an der unteren Donau zufolge griff Oberst Launitz, mit zwei Escadrons Husaren auf -der Straße nach Basard- schik vorrückend, am 14. d. bei Orman Kujusaei eine Abtheilung berittener Türken und Tscherkeffen an und erbeutete dabei 400 Stück Vieh und 200 Pferde. Am 16. d. machten 400 Baschi-Bozuks und Tscherkeffen nebst regulärer Infanterie einen Angriff auf Novoselo. Hier wurden von denselben einige Häuser in Brand gesteckt, 3 Bulgaren ermordet, ein Weib verwundet und ein lOjähri- ges Mädchen enthauptet. Eine Compagnie des Regiments Jakuts', von zwei weiteren Compagnien aus Dschulan und Slatarizda unterstützt, warf die Baschi- Bozuks und Tscherkeffen gegen Kasbubek zurück. — Bei Abweisung des türkischen Angriffs auf den Schipka-Paß am 11. d. zeichneten sich die Regimenter Jenisseisk und Irkutsk aus, die hier zum ersten Male in's Feuer kamen. Zara, 19 November. Vorgestern verletzten 400 Türken die österreichische Grenze bei Tlavaniskahrda, zündeten ein Haus an, plünderten mehrere Häuser und trieben 46 Ochsen und 1 Pferd weg. London, 19. November. „Daily News" berichtet aus Weran-Kaleh vom 18. d. über die Einnahme von Kars: General Lazareff mit der 40. Division befehligte auf dem rechten Flügel und griff das auf steiler Höhe gelegene Fort Hastz Pascha's an. General Graf Grabbe griff mit dem Grenadier-Regiment Moskau und einem Regiment der 39. Brigade Kanli Tabia, die Thürme von Hawari, Tabari und die Cttadelle an, während eine von Ardahan gekommene Brigade nebst einem Grenadier-Regiment unter den Generalen Roop und Komaroff das Fort Inglis angriffen. Um 8j/2 Uhr Abends begann der Kampf im Centrum. General Grabbe fiel beim Sturm auf Kanli Tabia an der Spitze seiner Brigade. Hauptmann Kwadmtcki drang in die 11. Redoute ein. Die große Redoute Horaene ergab sich früh Morgens. Hierauf wurden die drei Thürme der Citadelle und Fort Lawary gleichzeitig mit Kanli Tabia eingenommen. Das Fort Hafiz Pascha's wurde ebenfalls gestürmt, gegen Morgen auch Karadagh und die übrigen Forts. Tikmet und Avale widerstanden bis 8 Uhr Morgens. 40 Bataillone versuchten darauf in der Richtung gegen Erzerum zu fliehen, wurden aber durch die russische Kavallerie aufgehalten unb gefangen genommen. Die ganze Festung mit der Stadt selbst, 300 Geschütze und Munittons-Vorräthe waren in die Hände der Russen gefallen. Die Türken verloren an Todten und Verwundeten 5000 Mann, sowie 10,000 Gefangene. Viele Fahnen wurden den Russen zur Beute. Die letzteren hatten einen Verlust von circa 2700 Mann. Friedliche Bürger, Frauen und Kinder wurden von ihnen geschont. General Loris Melikoff leitete die Schlacht. Im Laufe des Tages wohnte auch Großfürst Michael derselben bei. Loris Melikoff hielt Vormittags 1t Uhr seinen Einzug in Kars. Lokal-Notiz Gießen, 21. Nov. Nachdem das Gerücht an Nahrung gewonnen, daß gewisse Herren, auf welche die gestrige Local-Notiz hinzlelte, die Veranlasser der letzten Bürger- Versammlung in Wenzel's Garten gewesen seien, erklären wir, nach gewonnener lieber; zeugung, daß dieselben an der ihnen angedichteten Berufung vollständig unschuldig sind und der Urheber dieses bedauerlichen Vorkommnisses andrrwo zu suchen ist. --In der gestrigen außerordentlichen Generalversammlung des nationalen und liberalen Vereins, welche von ca. 130 Personen besucht war, wurde Herr Rechner Grüneberg altz höchstbestimmter Candidat zur Stadtverordnetenwahl an Stelle des Herrn Ed. Sack ausgestellt. Gießen, 20. November. Wir entnehmen der „Deutschen Reichspost": Berliner Blätter belichteten in voriger Woche von einem Bagatellproceß, der wegen 25 Pfennigen beim Stadtgertcht Berlin anhängig gemacht und vor kurzem entschieden wurde. Der Fall war folgender: Zwei Berliner Gerichts-Referendare fuhren vergangenen Winter mit der Pferdebahn nach einem andern Stadttheil, erlegten 25 H und erhielten dafür von dem Kondukteur eine Marke, die aber einem der beiden Herren gleich darauf in Folge eines Windstoßes aus der Hand entführt wurde. Als nun bei Abgang des Wagens die Billets abgefordert wurden und dem einen Referendar dasselbe fehlte, wurde er zur Nachzahlung der 25 $ aufgefordert, weil jeder Mttfahrende nach dem bestehenden Reglement sich durch seine Marke legitimtren müsse. Dem Aufgeforderten blieb auch nichts übrig als zu zahlen; er erhob darüber aber gerichtliche Klage gegen die Direktion der Pferdebahn. Beide Parteien nahmen nun Rechtsanwälte an, mußten in verschiedenen Terminen vor Gericht erscheinen, und schließlich wurden auch noch Sachverständige vernommen. Da die erstmalige Zahlung der 25 $ von Seiten des Klägers durch Zeugen konstatirt war, wurde die beklagte Direktion zuletzt zur Rückzahlung der nachgeforderten 25 $ und zur Tragung der Kosten verurthetlt, die über 70 x betragen haben sollen. — Unsere Stadt bat ein interessantes Seitenftück zu diesem .Monstreprozeß* auszuweisen, in dem ebenfalls 25 $ dos Streitobjekt bildeten. Die Veranlassung war diese: Ein hiesiger Gaftwtrth gab zu Anfang dts Jahres 1875 an einen Frankfurter Wildpret- u. Geflügelhändler auf hiesigem kaiierl. Telegraphen Bureau ein Telegramm auf, in welchem er mit dem „Zweiuhrzug" deffelben Tays die Ueber- sendung von vier Kapaunen rc. verlangte. Das Telegramm wurde von dem gerade sungtrenden Beamten als ein aus 20 Worten bestehendes angenommen und von dem Gastwirth mit der gesetzlichen Taxe bezahlt. Einige Zett nachher erhielt er zu seiner nicht geringen Verwunderung wegen desselben eine Nachforderung von 25 Die kon- troltrende Telegraphen-Direktton zu Frankfurt a. M. hatte nämlich bei Prüfung der Rechnungen des Gießener TelegraphenamtS herausgefunden, daß besagte- Telegramm 21 Worte enthalte, Indem „Zweiuhrzug" alS drei Worte zu berechnen sei, während der die Depesche abfertigende Beamte, entsprechend der Schreibung deS Aufgebers „zwei Uhr- zug", für aus zwei Worten bestehend angesehen hatte. Da der Gastwirth sich in seinem Recht glaubte, verweigerte er die Nachzahlung der 25 H, worauf die kaiserliche Tele- graphen-Dtrektion beim hiesigen Stadtgericht gegen ihn klagbar wurde. Der nun beginnende Prozeß nahm im März 1875 seinen Anfang und ist im Oktober d.J. endlich zur Entscheidung gelangt. Auch bei ihm traten Anwälte für die streitenden Parteien auf und wurden verschiedene Termine anberaumt und zur Entscheidung der eigentlichen Streitfrage, ob Zweiuhrzug nach Sprachgebrauch und Zusammenhang als ein, zwei oder drei Worte anzusehen sei, drei wissenschaftlich gebildete, beeidigte Experten bestellt, die sich in einem ausführlichen schriftlichen Gutachten endlich einstimmig dahin aussprachen, daß nach den für die deutsche Sprache giltigen Kompositionsgesetzen wie nach dem Zusammenhang der daS Telegramm bildenden Worte das streitige „Zweiuhrzug" nur für ein Wort erklärt werden könnte, nach welchem Verdikt das besagte Telegramm also statt 21 nur 19 Worte enthielt. Demgemäß wurde die kaiserliche Tele- qraphen-Direktion mit ihrer Klage abgewiesen und in fämmtliche Kosten verurthetlt, die aber nahezu 500 X (!) betragen. Unglaublich, aber wahr! Die Sache erregt hier viel Heiterkeit. Nur schade, daß bei ihr als einer Bagatellsache keine Appellation zulässig ist! Die Summe der Prozeßkosten würde dann vielleicht noch höher. Ein- ist aber doch diesem Thatbeftand gegenüber tröstlich, daß nach Einführung des neuen deutschen Gerichtsverfahrens so lange sich hinziehende Prozesse Über Kleinigkeiten jedenfalls nicht mehr möglich sind. Vermischtes. Erbach, 15. Nov DaS Großherzogliche KretSamt Erbach hat folgendes Aus- schreiben an die Bürgermeistereien des Kreises erlassen: „An verschiedenen Orten deS Kreises haben wir die Wahrnehmung gemacht, daß größere und kleinere Flächen ge» meinheitlichen Eigenthums, Böschungen rc., auf welchen Obstbaumpflanzungen angeleat werden könnten, unbebaut beließen und nur alS Weideplätze benutzt werden. Ebenso fehlen häufig an den Vicinalwegen noch Obstbaumpflanzungen. In allen Gemeinden, in welchen der Obstbau mit Erfolg betrieben werden kann, liefert derselbe säst alljährlich hohe Erträge und können hiermit theilweise die Gemeindeausgaben bestritten und in Folge hiervon die Umlagen verringert werden. Wir müssen Ihnen daher dringend anempfehlen, nach Benehmen mit den Gemeinderäthen an den Vicinalwegen und an sonstigen geeigneten gemeinschaftlichen Platzen Obstbäume anpflanzen zu lassen und auch die Privatgrundbesitzer zu dergleichen Anpflanzungen auf ihrem Eigenthum möglichst zu veranlassen. Bis zu dem 1 Mai k I. sehen wir Ihrer Berichterstattung über den Erfolg Ihrer Bemühungen, sowie darüber entgegen, ob an den Vicinalwegen unb sonstigen geeigneten gemeinheitlichen Plätzen Obstbäume angepflanzt worden sind oder welche Hindernisse der Anpflanzung von ObstbSumen an diesen Stellen entgegenftehen?" Aus Baiern. (Patriotischer (vchlachtgesang.) Dr. Sigl's boshafte „Bremse" läßt die fromme Gesellschaft im katholischen Casino zum Schluß der Debatten bei trefflichem Franziskanerklosterbier ihr (nachstehendes) Programm absingen; „Mir fan Patrioten, dös woaß mer ja eh'; Wir heb'n wieder b’ Köpf' und die Nasen in d' Hoh. D' Minister wem schaun, wie 's jetzt abithan wem; Mir fan dösmal gestellt, wir zoag'n eahna d' Herrn; Den Lutz freff’n mer z'erscht als Frühstück am Kraut, Und der Pfeufer, der wird nachher a abt g'haut. Beim Berr mach'n mer's kurz, den blasen mir weg, Und nachher den Pfretzschmer, den schiab'n mir um's Eck, Beim Minister für’n Krieag schneib'n mer a net viel um Mir brauch'n foan Krieag, mir, dö8 iS uns lang z'dumm! Die Steuern derhöh'n, dös fallt uns net ein, Dös is foan Bedürfnis wie Diäten oanS fein, A ©teuerrefurm müaß'n mer Ham, döS is gewiß, Weil mit dem viel'n Zahl'n nimmer ausz'komma is. Die beste Furm war': die Juden kriag'n Wix Und zahl'n dafür d' Steuern; b' Patrioten zahl'n nix. Und wem dös net taugt, o mein lieber Gott! Der is halt a Breiß aber koan Patriot!" Zweite Sammelliste des Iweig-Hülssvereins unter dem rothen Kren; für die permundeten und Kranlien in dem russisch-türkischen Krieg. Eingegangene Gaben: 1) bei den Mitgliedern des Vorstandes: Geh.-Rath Dr. Völcker X 3. Hofg.-Rath PfannmÜller X 3. Hofg -Rath Becker X 3. Dr. K X 3. Engisch X 3. Buchhändler Ricker X 3. F. Koch X 3. Landrichter Reitz X 2 Durch Dr. W. Diehl Sammlung im geselligen Kreise der hiesigen Fr.-Loae X 33. Bürgermeister Bramm X 3 Rentner Louis Bücking X 10. Assessor Limpert X 1. Rentner F. Bücking X 2. Rentamtmann Lyncker X 3. Prof. Dr. Lemcke X 3. Oberfinanzrath Mohn X 3. Dr. Glasor X 2. Weinhändler Schwan X 5. Oberpoftdirektor Lochmann X 3 2) bei der Expedition des Gießener Anzeigers: Professor Hoffmann X 3. Schul-Jnspector DigeliuS X 5. Gesammelt in der Gemeinde Oppenrod X 7.70. 3) bei Herrn Kaufmann Fischbach: Dr. Winckler X 3. 4) bei Herrn Kaufmann Michel: Frl. B. H. X 3. Frl. Mühlbach X 2. Im Ganzen 114 x 70 Vorstehende Gaben werden dankend bescheinigt, und wird um weitere Beiträge gebeten, weil das Bedürfnis groß ist. Listen zum Einzeichnen liegen bei den oben Genannten unb bei Herrn Kaufmann Balser (Neustadt) offen. Gießen, den 17. November 1877. Der Vorstand des Zweig-HülfSvereins. Hahn. x'-v »s. i t‘II TiC'--hr:CTL. NII IMl ■ 6560) Wer sich noch nicht mit dem unentbehrlichen Hausrath eines Kalender- Iversehen hat, wird beim diesjährigen Daheimkalender am besten seine Rechnung finden. Prima ital. Maronen empfiehlt (6529 Gff. With. Wertig. Zu verkaufen Harzer Canarienvögel (gute Sänger). Wo? sagt die Exped. d. Bltts._______(6533 6513) Ein saft neuer Militär-Rock billig zu verkaufen. G. Löb, Wetzsteinsgasse A. 62. Allgemein Neunaugen empfiehlt (6500 ______________Emil Nschbach. Waschklummern 6388)_____________bei K. E. Winter. 6335) Billige Regenschirme (durch vortheilhaften Einkauf) zu haben bei I. Rothenberger, Lindenplatz. r Anzeiger. 6083) Einzelne Bettttzeile: Deck- unb Unterbetten, Kissen rc., sowie mehrere voll ständige ein- und zweischläfrige, febr gut erhaltene, reinliche Betten mit Bettstellen billig zu verkaufen. I. Rothenberger, Lindenplatz. Heue ital. Haselnüsse empfiehlt (6523 Chni! Fischbach. Universal- Reinigungs - Salz. 3283) Von allen Aerzten als das einfachste und billigste Hausmittel empfohlen gegen Säurebildung, Aufstossen, Krampf, Verdauungsschwäche und andere Magenbeschwerden. V< Originalpaket ä X 0.25, Vr „ ä X 0.50, V1 n 1—, zu haben bei C. F. Semmler in Giessen. Bekanntmachung. Betr.: Die Spritzenmeisterstelle bei der Stadt Gießen. 6551) Bei der Stabt Gießen ist eine Spritzenmeisterstelle zu besetzen und wollen sich darauf Reflcctirende binnen 14 Tagen bei der unter- zeichneten Behörde anmeiden. Gießen, am 17. November 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. Bekannt in a ch n n g. Die Steigerer von Holz in den Districten Alteviehweide, Venusberg, Heingesboden und Neuhege werden hiermit benachrichtigt, daß die Abfuhr desselben von heute ab innerhalb drei Wochen Montags, Mittwochs und Freitags geschehen muß, weil nächstdem die täglichen Militärschießübungen beginnen werden. (6562 Gießen, den 20. November 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. Wclliiiachts-Iiisvffrkaiin Mein Weihnachts - Ausverkauf beginnt Montag den 19. d. M., und verkaufe ich mein fammtliches Lager in Kleiderstoffen, um damit zu räumen, zu äußerst herabgesetzten Preisen und einem Extra-Rabatt von 29pCt. F» Hotberg^ 6488) Kirchenplatz. 6509) Nachdem Greßherzogliches Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, der Stadt Hungen die Genehmigung ertheilt hat, eine höhere Schule zu errichten, und dem Stadtvorstand es gelungen ist, in der Person des Herrn Dr. pbil. Kellner, seitheriger Oberlehrer der Realschule zu Hanau, sowie des Herrn Pfarramtscandidaten Gauert, seitheriger Jnstitutslehrer dahier, anerkannt tüchtige Lehrkräfte zu engagiren, so wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß diese Schule am 1. December 1877 ihren Anfang nimmt. Bezüglich des in dieser Schule ertheilt werdenden Unterrichts sowohl, als auch der zu leistenden Schulgeldern ist der Unterzeichnete bereit, jede gewünschte Auskunft zu ertheilen, sowie Anmeldungen entgegen zu nehmen. Hungen, den 19. November 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Bender. Bekanntmachung. Die Lieferung des für das Bürgerhospi- tal im Jahr 1878 erforderlich werdenden Bedarfs an: Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Nieren- uud Schweinefett, Wurst, Brod, Wecken und Milch, soll im Submissionsweg vergeben werden und werden Ucbernehmer ersucht, ihre deß- sallsigen Off rten bis zum 26. 1. Mts. bei dein Unterzeichneten, bet welchem auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können, verschlossen abzugeben. Gießen, am 19. November 1877. Wittich, Armenkasserechner. Bcssenttichc Aufforderung. Christine Ott-von Leihgestern, seit vielen Jahren verschollen, wird auf diesem Wege aufgefordert, binnen drei Monaten ihre etwaigen Ansprüche an den Nachlaß ihres am 23. August 1857 verstorbenen Vaters Paul Ott l. zu Leihgestern und ihrer am 23. Aug. 1876 verstorbenen Mutter Katharine Ott geb. Seipp bei dem unterzeichneten Gericht geltend zu machen, widrigenfalls dieselben bet Ordnung des Nachlasses nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 13. November 1877. (6549 Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Bötticher. Oppermann- Deffeultiche Bekanntmachung. Johannes Dern III. von Watzenborn ist wegen verschwenderischen Lebenswandels unter (Suratei gestellt worden. Rechtsgeschäfte mit demselben können gültig nur durch Vermittelung seine- Curators Balthaser Hirz IV in Watzenborn abgeschlossen werden. Gießen, den 16. November 1877. (6650 Großherzogl. Stadtgericht Gießen. Bötticher, Stammler, Stadtrtchter. Stadtq-- Assessor. (gebotenes. Steinkohlen, trockene Braunkohlen ii. kleingemachtes Holz empfiehlt Heinrich Weber, 6553) Wallthorstraße A. 145 im Hause des Herrn Pitthan. 6558) Eiserne leichtgehende Handdreschmaschinen 100 Jt. per Stück bet __________Emil Pistor. Strickwolle! in allen Farben und Qualitäten das Pfund von 3 TBfi. 30 Pf. an, sowie Rockwolle, das Pfund 1 Mk. 40 Pf. empfiehlt (5561 J. H. Fuhr, Sonnenstraße. 6557) Lung- und Sandstetnkrtppen, Tröge, Schleifsteine rc. bei Emil Pistor. 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He Bübsamen^ GIESSEN, Mausburg D. 9. empfiehlt sein reichhaltiges Lager in weißen und farbigen Hemden für H-rren und Knaben, Kragen, Mtanfchetten, Chemisetten, sowie stets das Neueste in allen Arten Halsbinden, ferner wollenen Hemden, wollenen und baumwollenen Unterjacken und Unterhosen, in Socken, Hosenträgern, Glace-, Wildleder-, Buckskin-, Zwirn- 11110 Militär Handschuhen, eine sehr reiche Auswahl tn Kragen- und Manschetten Knöpfen rc. (5101 Bekanntmachung. Mittwoch den 28. b. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im Schuldenwesen des Georg Phi lipp zu Königsaasen: 2 Pferde nebst Pferdegeschirr, 1 Kuh, Julienne, Julienne-Gries, Tapioca, Tapioca-Julienne, empfiehlt (6498 Emil Fischbach. ?iuilizereien, m, und Alabaster-Maaren W sowie Marmor - mit und ohne Stickereivorrichtung/ in empfehlende Erinnerung Z" io 2 2 1 10 5 Gr. Ortsgericht Nieder-Ohmen. 6504) Ohnacker.____________ Hühner, Wagen mit Zugehör, Pflüge, Egge, bringen. Grosse Auswahl. Reelle Bedienung. Billigste Preise. U Morit® Grefjori 4* Sohn* | Fuder Korn, Fuder Waizen, 60 Ctr. Heu, sowie sonstige Oeconomiegeräthschaften und Hausrath aller Art, versteigert werden. Nteder-Ohmen, am 18. November 1877. 6565) Frische Bückinge zum Backen sind eingetroffen bei I. A. Pusch Söhne. ~ SchklMlchk treffen heute ein (6566 Emil Fischbach. VL 5788) Die Unterzeichneten beehren sich für die diesjährige 4 Saison ihr reichhaltiges Lager in: D Hofesclmiiaereien, Brrmiethungen. 6514) Eine gewöhnlich ausmöblirte Stube zu vermiethen. _____________Wetzsteinsgasse A. 62. 6559) Der 2. Stock meines Hauses kann in 2 kleineren Wohnungen getrennt sofort vermiethet werden. _________________Cbr. Schopbach. 5416) Ein Familienlogis aus 6 geräumigen Zimmern nebst allem Zubehör bestehend, per 1. Januar 1878 zu vermiethen bei A. Marcus. 6524) Zwei moblirte Zimmer zu vermiethen. C. Fr. Conra d, Friseur, Mausburg. 5851) Ein kleines Familienlogis zu vermiethen. L. Müller, _______________ Mat.- u. Farbw.-Hdlg. 6341) Ein Famillel'logis von 5 Zimmern nebst großen Mansarden und ein Solches von 2 Zimmern zu vermiethen- Beide mit Gartenantheil. Dr. Weber. Vermischte Anzeigen. 6518' Möblirtes Zimmer zu vermietheni bei G. Sauer, Bäcker. Neparaturen an Nähmaschinen, auch wenn sie nicht in meinem Geschäft gekauft sind, werden schnell und gut ausgcführt. l4777 Theodor Haubach. Reichensand-Bahnhofstr. No. 99,g. 6564) Ein Gymnasiallehrer gibt Privatstunden im Lat Grich., Gcsch und Geogr. Näheres in der Exped b. Bltts. 3526) Eine Wohnung an eine ruhige Familie zu vermiethen ___________bei Alexander Mayer. 5599) Familienlogis, aus 5 Zimmern und sonstigem Zubehör bestehend, zu ver miethen bei F. Jutzi, Gartfeld. 5786) Möblirtes Zimmer zu vermiethen. Lit. D. 16. 6101) Mehrere Logis von verschiedener Größe, außerhalb der Stadt, zu vermiethen. Näheres bei______________ 5 Blitz 6365) Ein Laden mit Logrs m bester Lage, zu vermiethen. Näheres bei I. Blitz. - 6468) Ein Mansaidenzimmer zu ver- miethen. Ferd. Felsina, Neuenme-r. 6490) Zwei Familien'.oglS zu ve miethen und sofort zu beziehen. Lud. Geißler Wittwe, Reickensand-Bahnhosstroße 6554) Anisformen werden ausgeliehen ____________________ W. Ockel. 6552) Gesucht auf gleich nach Dillenburg ein freundl. jung. Mädch.n am liebsten Waise -'Us anflänoi er Familie mit einiger Bildung zu 2 Kindern von 2 — 4 Jahren. Familiäre Stellung wird zugesichert. Frau Amtmann Freytaq, Dillenburg. 6556) Ein ordentliches Dienstmädchen auf Weihnachten gesucht. Frau A. Marcus. 656,) Mitbürger! Wir haben bisher in diesen Blättern das Wort zu der Stadtverordneten-Wahl nicht ergriffen; einmal, weil wir mehr die großen Principien, die uns einen, als Personenwagen, die uns trennen könnten, in den Vordergrund zu stellen bestrebt sind, zum Anderen aber, weil wir es für überflüssig hielten, unseren aus nahezu sechshundert Gießener Einwohnern aller Berufsklassen bestehenden Verein gegen die unbegründeten Vorwürfe zu rechtfertigen, die man hie und da wider ihn erhoben hat. Unser Verein empfiehlt seinen Mitgliedern und allen Wühlern die Herren: Ferdinand Gail, Carl GrünebevH, Rechner, Heinrich Hochstatter, Ortsgerichtsvorsteher Lüdeking, Louis Petri II., Hofgerichtsrath Pfannmüller, als Candidaten für die nächsten Montag den ?6‘. <1. Jl, stattfindende Ergänz»ngSwahl zur Stadlverordneten- Versammlung. Es liegt diesem Vorschläge einzig und allein das Bestreben zu Grunde, unsere Stadt durch charakterfeste, intelligente, reicbstrene nnd freisinnige Männer vertreten zu sehen Mitbürger! Wenn Ihr der Meinung seid, dass die Empfehlungen anonymer Gruppen, die lediglich durch persönliche Liebhabereien oder Quartier-Interessen vorübergehend zusammengeführt werden, mehr Vertrauen verdienen, als die Vorschläge unseres Vereins, dann legt unsere Liste bei Sette. Wenn Ihr aber mit uns überzeugt seid, daß eine große politische Vereinigung, welche durch die Liebe zur bürgerlichen Freiheit und durch die Trette für Kaiser uiit) Reich zusammengehalten wird, größere Garantieen für eine würdige Vertretung unserer allezeit national gesinnten Stadt bietet, dann wählet die Herren: Ferdinand Gail, Carl Grnneberg, Rechner, Heinrich Hochstätter, Ortsgerichtsvorsteher Lüdeking, Louis Petri II., Hofgerichtsrath Pfanumüller. Gießen, den 20. November 8S77. Der Vorstand des Vereins der nationalen u. liberalen Partei. Warme Bader. Achmer Concerluerein. Erstes Concert Sonntag den TL. November, Abends 5 Uhr* im Clubsaale, unter Leitung des Grossherzoglichen Universität^ - Musikdirectors Herrn Adolf Felchner und unter gefälliger Mitwirkung des Fräulein Cornelia Travers aus Mannheim und des Herrn 8. Herzog, Pianist aus Berlin. PROGRAMM: I. Symphonie Nr. 4 in B-dur von L. van Beethoven. II. Arie aus der Oper: „Linda von Chamonnia“ von Doni- zetti (gesungen von Frl. Travers). III. Concertstück für Clavier in F-molI von Carl M. v. Weber (vorgetragen von Herrn Herzog). IV. Lieder (vorgetragen von Frl. Travers): a. Das Mädchen an den Mond von Dorn, b. Wiederschein von Schubert. V. Solo-Vorträge für Clavier (vorgetragen von Herrn Herzog): a. Scherzo H-moll von Chopin. b. Rhapsodie Nr. 12 von Liszt. VI. Ouvertüre zur Oper: „Oberon“ von Carl M. v. Weber. Der Flügel aus der Fabrik von Blüthner in Leipzig ist aus dem Ru do 1 p h’schen Pianoforte-Lager dahier. Eintrittskarten für Nichtmitglieder sind in der J. Ricker’schen Buchhandlung und R u d o 1 p h’schen Musikalienhandlung (in Ersterer nur bis Sonntag Mittag um 12 Uhr) zu haben. Nummerirte Plätze, soweit solche noch disponibel, JL 3. Anfang des Concertes präcls 5 Uhr. — Oeffnung des Saales 4 Uhr. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass der kleine Saal neben der einen Seitengallerie auch geöffnet ist. (6555 Cafe Leib. Donnerstag den 22. November 1877: 4. Aboitttemeitls-Cimcert ausgeführt von der Kapelle des II. Grossh. Hess. Inf.-Reg. Nr. 116. Anfang !/28 Uhr. — Eutr6e 50 Pfg. X X w Geschäfts Eröffnung. 6424) Einem verehrten hiesigen, sowie auswärtigen Publikum die ergebene Anzeige, daß ich von heute ab im Hause des Herrn <7. JLony, Seltersweg Nr. IST, ein wohlassortirtes Lager in Lampen, Mitchgtasschirmen, Oylindern und Dochten, sowie tackirten und RkiMechlvaaren etrichtet habe. ES wird jederzeit mein eifrigstes Bestreben sein, durch reelle Maare, sowie billige Preise, mir das Vertrauen eines verehrten Publikums zu erwerben und zu erhalten. Gießen, den 16. November 1877. Hochachtungsvoll Chr. Rosenberg. Sämmtliche Spenglerarbeiten, sowie Reparaturen an Lampen rc., werden jederzeit pünktlich und sorgfältig von mir ausgeführt. Erlaube mir, meine Bade Anwalt in empfehlende Erinnerung zu bringen. 87)___________Andr. Euler.__ Wntrn- u. Lrdrnsnrrslchrrnngs-Anstall zu Darmstadt. Dorr jetzt ab bis Ende December werden die Renten täglich von 12 bis 2 Uhr in meiner Wohnung (Bahnhofstraße) gegen Einhändigung der 1877er Coupons ausbezahlt. Die Rentenbezugsberechtigten, welche mir nicht bekannt sind, müssen die Lebens und Alifenthalts Atteste auf der Rückseite der Coupons bescheinigen lassen. Der Bevollmächtigte: _______________4. Müller. i BSu! ;!»<«<• her Katharinen - Markt. Abends BALL im Hessischen Hof, wozu höflichst einladet Zur Beachtung für alle Geschwächte und Kranke! Das bereits in mehr als 50,000 Expl, verbreitete, für Jedermann Verständliche Werkchen: Vollständige Beseitigung männlicher Schwäche, sowie der hieraus entstehenden Folge zustande, wie Nervenschwache, Mattigkeit, Abnahme deS Gedächtnisses und Sehvermögens rc. durch ein erprobtes, sicheres und reeUcS Verfahren von Dr. Lavier hat vielen Tausend Leiden den ihre Gesundheit wiedergegeben und wird gegen Einsendung von 60 (aucb in Briefmarken) an Friedrich Otto’* Buchhandlung in Leipzig franco in Couvert versandt.____________________(5125 6066) Für eine sehr alte Feuerversiche- rungs-Gesellschaft I. Ranges in für Gietzen und Umgegend die Haupt-Agentur zu vergeben. Schriftliche Offerten, nebst Angabe von la. Referenzen, unter B. S. Nr. 6066 an die Exp?d. d. Bltts. zu richten. 6522) DaS Flechten von Stroh- und Rohrstühlen, Ai fertigen aller Gattungen in Stühlen von den gewöhnlichsten bis zu feinsten wird prompt und reell ausgeführt von Philipp Henkel, Stuhlmacher in dem Hause des Herrn Julius Strack am Wall- thor. | Spritzmalerei. Große Auswahl - in I Gegenständen, Werkzeugen und Materialien. Verzeichnisse gratis bei 11. Kühn, I 5808) Seltersweg. Verantwortliche Siebaction: A. Scheyba. — Druck unb Verlag ber Brüh I'lchcn Unto. - Druckerei (Fr. Che. Pietsch) in Sieben.