IVo. T71 Mittwoch, den 21. November 18-7. Kichmer Anzeiger Allffigk- «sd Avtsblstt fir des Kreis Gießen. Erscheint tL-Üch mtt Ausnahme M «O«tO-S. 6*ui#<*6e, LLt. B. Nr. 18. »ier^LjLhrlich 1 Sari 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierd ljährlich 2 Mark 50 Pf. Aoli 1 ischer d h e i c. Deutschland. Darmstadt, 17. November. Das Großh. Finanzministerium richtete unterm 9. November d. I. folgende Proposition an die zweite Kammer der Stände: „Die zweite Kammer der Stände hat bei den Verhandlungen über das Staatsbudget für die Fiuanzperiode 1876—78 beschlossen: a) an Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, die Staatsschulden- Ttlgungskasse mit Ablauf des Jahres 1877 als besondere Behörde aufzuheben und, unter geeigneter Verringerung des Beamtenpersonals, mit der Hauptstaats- kasie, sei es auch als besondere Abtheilung, jedenfalls aber unter gemeinsamer Oberleitung, unbeschadet der Controle der Stände, zu vereinigen; b) die in Pos. 1 und 2 für Besoldungen und Kanzleikosten angeforderte Summe von 33,782 Mk. für die Jahre 1876 und 1877 zu bewilligen, dieselbe Summe auch für 1878 im Hauptvoranschlag in Ausgabe vorzusehen, jedoch unter der Beschränkung, daß daraus unbeschadet erworbener Rechte bis zur Verständigung der Regierung mit den Ständen eine Verwendung nicht gemacht werden darf." Die erste Kammer der Stände dagegen hat sich dem unter a gestellten Ersuchen nicht angeschlosten und hat auch die Mittel für Besoldungen und Kanzleikosten der StaatsschuldenTilgungskasse für die ganze Finanzperiode ohne die unter b erwähnte Beschränkung bewilligt. Die Aufhebung der Staatsschulden-Tilgungskaffe als besondere Behörde und die Vereinigung derselben mit der Hauptstaatskasse erscheint zur Zelt ganz unthuulich. Es hatten sich bei der Hauptstaatskaffe theils in Folge des früheren ungenügenden Personalbestandes und unzureichenden Geschäftslokales, theils aber auch in Folge der in den letzten Jahren eingetretenen Geschäftsüberlastung wesentliche Rückstände im Rechnungswesen gebildet, zu deren Beseitigung die Großh. Regierung zwar schon seit längerer Zeit die nöthigen Maßregeln ergriffen hat, deren vollständige Erledigung jedoch erst im Laufe des Jahres 1878 erwartet werden kann. Mit den hierzu nothwendigen Untersuchungen ist aber auch die Erörterung der Frage verbunden worden, inwieweit die Ursache jener Rückstände etwaigen Mängeln der bisherigen Geschäfts-Einrichtung der Haupt' staatskasse zugeschrieben werden muß und ob und inwieweit daher diese aus früheren, von den jetzigen sehr verschiedenen Verhältniffen herrührende Einrichtung einer Abänderung bedarf. Schon jetzt hat es sich mit aller Bestimmtheit ergeben, daß eine solche Abänderung nothwendig ist; die hierzu erforderlichen Erörterungen sind in vollem Gange, bis jetzt aber noch nicht zum Abschlüsse gediehen. Die Untersuchung der Verhältnisse der Hauptstaatskasse gaben den Anlaß zur Entdeckung eines beträchtlichen Kaffendefektes bei der Staatsschulden-Tilgungskaffe, welcher durch seit Jahren fortgesetzte Veruntreuungen des früheren Kassirers geschehen ist, jedoch durch dessen Dienst-Caution und den entsprechenden Theil seines mtt gerichtlichem Beschlag belegten Vermögens voraussichtlich vollständige Deckung finden wird. Die Verhandlungen hierüber schweben noch, ebenso aber auch die Untersuchung darüber, wie es nach den bestehenden Dienstvorschriften der Staats- schulden-TLlgungskasse überhaupt möglich gewesen ist, daß solche fortgesetzte Veruntreuungen so lange unentdeckt bleiben konnten und inwieweit daher diese Vorschriften einer Verbesserung bedürfen. Die beiden Kassen befinden sich demnach zur Zeit noch nicht in dem von der Großherzoglichen Regierung mit allem Nachdruck erstrebten befriedigenden Stande, und ein solcher würde denn doch die unerläßliche Vorbedingung sein, damit die Frage, ob eine Vereinigung beider Kassen thunltch und zweckmäßig sei, überhaupt aufgeworfen und erörtert werden könnte. Bei dieser Sachlage aber erscheint es nothwendig, den Fortbestand der Staatsschulden-Tilgungskaffe für das Jahr 1878 zu sichern, und das unterzeichnete Großh. Ministerium der Finanzen beehrt sich daher an die zweite Kammer der Stände das Ersuchen zu richten: „die bei der Bewilligung der für Besoldungen und Kanzleikosten der Großh. Staatsschulden-Tilgungskaffe im Hauptvoranschlag für 1876—78 angeforderte Summe von 33,782 Mk. für das Jahr 1878 in dem oben erwähnten Beschlüsse b gemachte Beschränkung fallen zu lasten." Berlin, 18. November, Abends. Ein Pole ist verhaftet worden, weil er sich eines beabsichtigten Attentats gegen den Kaiser und Fürsten Bismarck verdächtig gemacht hatte. Ob eine Mystifikation vorliegt oder wirkliche Absicht, wird die eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. Berlin, 19. November. Der wegen eines beabsichtigten Attentates verhaftete Pole ist 33 Jahre alt und heißt Lujewski. Mitschuldige wurden bisher nicht ermittelt. Volle genaue Ermittelungen haben ergeben, daß Lujewski ein Schwindler und der Attentats-Plan Humbug ist. Hesterreich. Wien, 17. November. Die „Wiener Abendpost" constatirt, daß man in türkischen Kreisen hoffe, Mehemed Ali werde in kürzester Zeit wirksam zum Entsätze Osman Paschas vorgehen können. — Die hiesige türkische Botschaft läßt erklären, daß die russische Meldung, die Pforte habe die Vermittlung Deutschlands angesucht, im Interesse der russischen Anleihe ausgestreut worden sei. — Die „Polit. Corresp." signalisirt die Wahrscheinlichkeit einer Minister- Krise in Athen. Zunächst stehe in der Kammer eine Interpellation bevor, ob es verfassungsmäßig sei, daß das Ministerium ohne Präsidenten sei. Die Folge davon dürste die Demission des jetzigen Cabinets und die Bildung eines neuen Ministeriums aus einer einzigen Partei sein. — Die „Polit. Corresp." meldet gerüchtsweise aus Cattaro, daß die Montenegriner in letztverfloffener Nacht Antivari erstürmt hätten und weiter gegen Dulcigno' vorrückten. — Der oberste Gerichts- und Cassationshof hat heute die in dem Pro- cesse gegen den Engländer de Tourville wegen des Mords seiner Gattin eingewendete Nichtigkeits-Beschwerde verworfen. Pesth, 17. November. Morgen wird eine große Kundgebung gegen den Ausgleich und den Zolltarif stattfinden. Araskreich. Paris, 16. November, Abends 5 Uhr 35 Min. Die „Agence Havas" meldet: Wie versichert wird, hat die constitutionelle Vereinigung der Senatoren gestern Delegirte beauftragt, sich zum Herzog v. Broglie zu begeben und demselben ihre Bedenken gegen die Politik des Widerstandes und die Nothwen- digkeit darzulegen, in Folge der letzten Wahlen ein Ministerium aus gemäßigten Republikanern zu bilden, da die constitutionelle Fraction des Senats eine nochmalige Auflösung der Kammer für unmöglich erachte, wenn dieselbe nicht durch neue Thaisachen begründet würde. Die beabsichtigte Unterredung mit Broglie hat bis diesen Augenblick noch nicht stattgefunden. — Heute Vormittag fand zwischen dem Radikalen Allatn-Targ6 und dem Bonapartisten Mitchell ein Duell statt; Letzterer wurde am Arm verwundet. — Die von der Deputirten-Kammer gewählte Commission zur Untersuchung der Wahl-Mißbräuche besteht aus folgenden Mitgliedern: Goblet, Mercier, Le Cherbounier, Savary, Allain-Targe, Bernard Lavergne, Albert Grevy, Lisbonne, Latsant, Floquet, Leon Renault, Jozon, Lilievre, Crozet-Four- neyron, Fröminet, Menard, Dorian, Brisson, Casimir Perier, Varambon, Lur- Saluces, General Chanal, Villain, Louis Blanc, Ferry, Spuller, Girerd, Faye, de Massy, Millaud, Turquet, Chrtstophle, Albert Joly und Georges P6rin. Dieselben gehören sämmtlich den verschiedenen Nuancen an. — Der „Moniteur" meldet: Das Ministerium habe von Neuem seine Demission eingereicht, um die bestehenden Schwierigkeiten zu beseitigen und die Votirung des Budgets zu erleichtern. Der Marschall habe die Demission angenommen und die Minister gebeten, im Amte zu bleiben, bis ein neues Cabi- net gebildet sei. Die Minister meinen, der Marschall könne die Elemente zu einem neuen Ministerium in den constitutionelle» Gruppen der beiden Kammern finden. — In parlamentarischen Kreisen wird versichert, daß morgen eine Con- ferenz der Delegirten der verschiedenen Gruppen der Rechten des Senats über die Situation berathschlagen werde. Alle Dispositionen in Bezug auf die Bildung des neuen Cabinets würden von den Ergebnissen dieser Conferenz abhängen. Paris, 17. November. Der „Moniteur" sagt: Es stehen augenblicklich drei ministerielle Combinationen zur Dtscussion; die erste, welche mehr Chancen zu haben scheint, wäre die Bildung eines Cabinets aus der constitutio- nellen Gruppe des Senats; wenn diese nicht zum Ziele führt, würde der Marschall, der sich an keine der Gruppen von der Linken wenden will, aus der Rechten entweder ein Geschäfts-Ministerium oder ein Ministerium des Widerstandes bilden. In dem letzteren Falle würde das militärische Element im Cabinet überwiegen. Paris, 19. November. Wie das Journal „Ordre" wissen will, wurden in der von den Gruppen der Rechten des Senats zur Interpellation Ker- drel's beantragten Tagesordnung, trotz der Vorstellung der Minister, bei der Conferenz mit den Delegirten der Majorität, die Worte: „Der Senat geht, indem er die Erklärungen der Minister billigt", durch die Worte: „Der Senat geht, indem er von den Erklärungen der Minister Act nimmt" rc., ersetzt. Versailles, 17. November. Die heutige Sitzung der Deputirten-Kammer verlief ohne besonders hervorzuhebenden Zwischenfall. Die Wahl der Budget- Commission ist auf Dienstag festgesetzt. In der Sitzung des Senats kündigt der Senator Kerdrel eine Interpellation an bezüglich der Maßregeln, welche die Regierung zu ergreifen gedenke bezüglich der von der Deputirten-Kammer beschlossenen Enquete. Jules Simon und Dufaure protestiren gegen diese Interpellation als unconstituttonell. Der Präsident sagt, er habe sich bezüglich des Charakters der Interpellation erkundigt; aber der Senator Kerdrel habe erklärt, daß er lediglich zu wissen wünsche, welche Instructionen die Regierung ihren Agenten geben werde, und daß er nicht beabsichtige, sich über die LegaU- tät des Actes der Kammer auszusprechen. Er, der Präsident, glaube, daß die Kammer ihre Befugnisse nicht überschritten habe. Der Senat habe sich über Acte der Kammer nicht auszusprechen und könne lediglich sich über die Auflösung aussprechen, wenn dieselbe bei ihm beantragt werde. Auf Antrag Broglie's wurde die Interpellation auf die Tagesordnung vom Montag gesetzt. Die Gruppen der Rechten haben im Anschlüsse an die Interpellation folgende Tagesordnung vorbereitet: Der (Senat, intern er die Erklärungen der Regierung billigt und, entsprechend den conjervativen Grundsätzen, welche er stets unterstützt hat, von dem Streben beseelt, die Prärogative, welche jeder der öffentlichen Gewalten zukommen, aufrecht zu erhalten, geht zur Tagesordnung über. Versailles, 19. November. In der Sitzung des Senat- beantragte Arago im Namen der Gruppen der Linken die Vorfrage hinsichtlich der Interpellation Kerdrel's, da letztere unconstitutionell sei und in die Rechte der Depu- tirten-Kammer eingreife. Der Senat wies jedoch die Vorfrage mit 155 gegen 130 Stimmen zurück. AtaNerr Rom, 17. November. Die aus mehreren italienischen Officieren bestehende Commission, die bei Besichtigung und Prüfung der neuen Krupp'schen Belagerungs-Geschütze in Bredelar anwesend war, besucht noch wettere derartige Etabliflements und hat auch dem Creuzot in Frankreich einen Besuch zugedacht. — Der hiesige deutsche Verein veranstaltete ein Diner zu Ehren seines neu gewählten Vorsitzenden, Bildhauers Cauer, wozu auch der deutsche Botschafter v. Keudell eingeladen war. — Der italienische Botschafter in Wien, Graf Ro bilant, kehrt am Dienstag nach Wien zurück und wird vorher vom Könige in Audienz empfangen werden. Außland. Petersburg, 19. November. Von einer Note Lord Derby's, die sich angeblich gegen die etwaige Besitzergreifung Armeniens durch Rußland richten soll, ist hier in bestunterrichteten Kreisen nichts bekannt. Türkei. Konstantinopel, 16. November. Die Zeitung „Vakit", welche England feindliche Artikel veröffentlichte und die Mohamedaner Indiens zur Erhebung aufforderte, erhielt eine Zuschrift, welche besagt, die Regierung dulde solche Artikel nicht, weil England der Freund der Türkei sei. — Abends. Von der Versammlung der 40 Delegirten der Konstantinopeler Wähler, welcke im Ganzen 10 Deputirte zum Parlament zu wählen hat, wurden heute 6 Deputirte gewählt, 4 Mohamedaner und 2 Christen. Konstantinopel, 16. November. Der Sultan überreichte heute der Bürgergarde Fahnen und hob in seiner Ansprache hervor, die Ehre der Nation erfordere die Vertheidigung des Vaterlandes, seiner Rechte und Würde durch Ausübung des allgemeinen Kriegs-Dienstes. Er sei glücklich, zur Vermehrung der Streitkräfte durch die Schaffung der Bürgergarde beizutragen. Gott möge die Fahnen ein Zeichen der Unabhängigkeit und Wahrung der Rechte der Türkei sein lasten. Konstantinopel, 18. November. Heute fand hier die Wahl zur Vervollständigung der Deputirten- Wahlen statt. Von den gewählten 10 Deputaten sind 4 armenische Christen, 6 Muselmänner, unter diesen Sadyk Pascha. Aumänien Bukarest, 17. November. Durch fürstliches Decret sind die Kammern auf den 27. November Unberufen. — Bei einem Gefecht vor Plewna am 15. d. wurde General Skobeleff leicht verwundet. Derselbe behält jedoch sein Commando. Der orientalische Krieg. Konstantinopel, 17. November, Abends. Nachrichten aus Erzerum von Donnerstag Abend zufolge hatten die Rusten Verstärkungen erhalten und trafen Vorkehrungen, die Stadt von der Nordseite anzugreifen. Das Wetter war bester geworden. Konstantinopel, 18. November, Abends. Nach einer Meldung Reuf Pascha's aus Schipka hatte derselbe neue 44pfündige Mörser in Position gebracht, durch welche zwei russische Geschütze im Fort Nikolai demontirt wurden. — 732 früher nach Oesterreich geflohene römisch-katholische Bosniaken haben ihre Unterwerfung angezeigt und sind in ihre Dörfer zurückgekehrt. Petersburg, 18. November. Amtlich wird aus Wecan-Kaleh von heute gemeldet: Kars ist heute erstürmt worden. Der Kampf, der gestern Abend 9 Uhr begonnen hatte, war heute Morgen 8 Uhr beendigt. Ueber die Trophäen, sowie über die Verluste der Rusten ist noch nichts bekannt. Konstantinopel, 19. November. Einem amtlichen Telegramm zufolge besichtigte Mehemed Ali Pascha die Festung Ntsch und traf am Freitag in Sofia ein. Eine russische Abteilung, die vorübergehend Berkowatz besetzt hatte, mußte sich wieder zurückziehen, nachdem die Türken Verstärkungen herangezogen hatten. Petersburg, 19. November. Eine Depesche des „Golos" aus Weran- Kaleh vom 18 d. meldet: Die Rusten kämpften bei der Erstürmung von Kars mit beispielloser Tapferkeit; auch die Türken vertheidigten sich mit verzweifelter Bravour. Ein Theil der Garnison versuchte gegen Olti hindurchzubrechen, wurde aber durch Kavallerie abgeschnitten. 7000 Türken wurden gefangen genommen, darunter zwei Pascha's und der Stabs Chef der Artillerie. Die Beute der Rusten bestand in Fahnen, 300 Geschützen, Gewehren, Munition und Proviant. Ihre Verluste sind noch nicht bekannt. Lokal-Notiz. Gießen, 20. Nov. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung für die Sladt- verordneten-Sitzung am Donnerstag den 22. November 1877, Stachmittags 4 Uhr, im Sitzungssaale des alten Realschulgebäudes, folgen: 1. Die Erbauung eines Garntsons-LazarethS. 2. Gesuch des Maschinenbauers Hetligenft äd t um Erlaubniß zur Errichtung eines Hintergebäudes. 3. Gesuch des Kaufmanns L. A. Müller um Erlaubnis zu Vornahme von Bauveränderungen. 4. Bauwesen des Stadtverordneten Kauf in der Kaplansgasse. 5. Bauwesen des Löb Süß. 6. Den städtischen Platz zwischen der Reichensandftraße und dem Tiefenweg betreffend. 7. Erdauffüllungen im Gartfeld und der Schwarzlach. 8. Anlagen auf der Schoor zwischen Wallthor und Neustadt. 9. Anlegung einer Straße vom Asterweg nach dem Gartfeld. 10. Straßenumbau zwischen SelterS- und Neustädter Thor. 11. Die Anlegung eines Trottoirs vor dem Neuftädter Thor. 12. Bedürfnisse im Schulhause in der Schulstraße. 13. Bauliche Veränderungen im rechtsseitigen Thorhaus am Wallthor. 14. Verwendung eines Theils des Gartens der alten Realschule zu Schulzwecken. 15. Graben-Arbeiten in der Altentischwiese. 16. Die Instandhaltung der städtischen Karre. 17. Frachtsendungen für die Stadt Gießen. 18. Die Bedingungen bei Holz Versteigerungen. 19. Der Transport von Leichen Verunglückter betreffend. 20. Gesuche um Erlaß von Communalrückständen. 21. Die Ueberlassung des RathhauSsaales an den Frauen-Verein. 22. Kostendecretureu. 23. Die Ergäozungtzwohl der Stadtverordneten. 24. Die Verwendung einer Diaconissin für die Armenkrankenpflege. Gießen, 20 Nov. Die in einem sehr ruhigen und anständigen Tone geschriebene Einladung zur Bürgeroersammlung am 19. Oktober sowie auch das ,,Eingesandt" in unserer Sonntagsnummer lockte eine sehr große Anzahl, von wir möchten hier den Ausdruck gebrauchen, „Kernbürger", die Elite der Bürgerschaft, nach Wenzel's Garten. Aber, man findet kaum einen bezeichnenden Ausdruck um das Benehmen der „Herren" zu charakterisiren, die diese Versammlung berufen haben und das Publikum an der Nsse herumführten. Es dauerte bis gegen 9 Uhr und noch immer fand sich keiner der „Herren" bereit die Versammlung zu ei öffnen und die Verhandlungen einzuleiten. Es erfolgten Interpellationen an das Publikum und an den Wirth wer die Versammlung berufen, keine oder ausreichende Antwort geschah, so daß mit tiefster Erbitterung das Publikum den Saal verließ. Es ist traurig, daß wir uns anderen Städten unseres Großherzogthums gegenüber bloSstellen müssen. Aber, indem wir das Faktum der gestrigen Versammlung constatiren, vermögen wir nicht unsere Entrüstung solchen Herren gegenüber hintanzustellen, welche sogar dte F—reihett hatten den gesamnnen Stadtvorstand zu dieser Versammlung einzuladen. Wir wissen nicht, wir es Feigheit oder Dummheit, daß man sich nicht hinstellte und sagte, „wir sind diejenigen die die Versammlung beriefen um aus dem Partetgetrtebe daS Beste für unsere Stadt zu besorgen." Dem Wirth kann man keine Schuld betmefsen, er war nur selbst der Dupirte. Das Publikum aber wird sich für die Zukunft hüten einer anonym einberufenen Versammlung Folge zu leisten. Wir gebrauchen nicht gerne scharfe Ausdrücke, aber wenn man mit Ehrensachen der Bürgerschaft Spott und Hohn treiben will, bann ist es am Platze, d.ß man den „Herren" sagt, was ihnen zu wissen nökhtg ist. Handel und Verkehr. Gießen, 20. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pid. XAAO, Hühnereier, per Stück 7—8 Käse, per Stück 5—11 Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 18 Linsen, 1 Liter 22 H, Tauben, das Paar 50 Hübner, per Stück 70 H, Hahnen per St. 60 H, Enten X 2, Gänse per Psd. 50 H, Kartoffeln 100 Kilo 7 x Frankfurt, 19. Nov. Der heutige Viehmarkt war mit Ochsen etwas besser befahren als der voi'ge, die Preise hielten sich auf früherer Höhe. Angetrieben waren 320 Ochsen, 150 Kühe, 180 Kälber und 600 Hämmel und Schafe. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 73—75, 2. Qual. X 67—69, Kühe 1 Qual. X 60—63, 2 Qual. X 54—56, Kälber 1 Qual. X 58 — 60 2. Qualstät X 51—54 Hämm l 1. Qual. X 51—54, 2. Qual. X 48—50, Schafe 1. Qualität X 46—48, 2. Qualität X 40—42. 6285) Jedermann weiß, welch ein ausgezeichnetes Medikament der Theer gegen Bronchitis, Schwindsucht, Katarrh, Erkältungen, und im Allgemeinen gegen Hals» und Lungcnkrankheiten ist. Unglücklicherweise wenden viele Kranken, denen dieses Produkt nützlich sein würde, dasselbe gar nicht an, sei es nun seines Geschmackes wegen, der nicht Jedermann zusagt, oder sei es der Umständlichkeiten halber, welche die Bereitung des sogenannten TheerwasserS stets verursacht. Heute ist, Dank der sinnreichen Erfindung des Herrn Guyot, Apotbeker in Paris, auch dieser mehr oder weniger gerechtfertigte Wioerwillen der Kranken gegen obigeS Produkt beseitigt. Es ist Herrn Guyot gelungen, den Theer in eine leichte Hülle durchsichtiger Gallerte zu verschließen und daraus runde Kapseln, etwa in Pillengröße darzustellen. Man nimmt diese Kapseln beim Mittag: und Abendesien und lasten dieselben hierbei auch nicht den geringsten Nachgeschmack zurück. Im Innern löst sich dann die den Theer verschließende Hülle auf, letzterer wird frei und mit der größten Raschheit absorbirt. Diese Kapseln besitzen eine unverwüstliche Erhaltungskraft; selbst bei angebrochenen Flacons haben die restirenden ihre volle Wirksamkeit noch nach Verlauf mehrerer Jahre bewahrt. Die Guyot'schen Theerkapseln schließen für sich allein eine vollkommen rationelle Cur in sich, deren Kosten auf nicht höher als 10 — 12 H täglich zu stehen kommen und welche die Anwendung jeder weiteren Medikamente, Tisanen re., alS überflüssig erscheinen läßt. Wie alle guten Produkte, haben auch die Guyot'sche Theerkapseln zahlreiche Nachahmungen gefunden. Herr Guvot kann daher nur für diejenigen Flacons eine Garantie übernehmen, welche mit seiner Unterschrift in dreifarbigem Drucke versehen sind. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Die verehrlichen Mitglieder des Spar- und Leihkasse- Vereins zu Gießen werden auf Donnerstag den 22. d. M., Nachmittags 3 jdjr, in das Sparkassehaus zu einer Hauptversammlung einge- laden. Tagesordnun g : 1) Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1876. 2) Ergänzungswahl des Ausschusses. 3) Berathung über die von dem Rechner zu zahlende Miethe. Gießen, den 6. November 1877. Ter Director des Spar- und Leihkasse-Vereins zu Gießen: Haberkorn. 6509) Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, der Stadt Hungen die Genehmigung ertheilt hat, eine höhere Schule zu errichten, und dem Stavtvorstand es gelungen ist, m der Person des Herrn Dr. phil. Kellner, seitheriger Oberlehrer der Realschule zu Hanau, sowie des Herrn Pfarramtscandidaten Gauert, seitheriger Jnstitutslehrer dahier, anerkannt tüchtige Lehrkräfte zu engagiren, so wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß diese Schule am 1. December 1877 ihren Anfang nimmt. Bezüglich des in dieser Schule ertheilt werdenden Unterrichts sowohl, als auch der zu leistenden Schulgeldern ist der Unterzeichnete bereit, jede gewünschte Auskunft zu ertheilen, sowie Anmeldungen entgegen zu nehmen. Hungen, den 19. November 1877. (Srosiherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Bender. Ein kleiner transportabler Röder'schcr 6371) Zu verkaufen ein 2l/rjähriger Herd fammt Rohr zu verkaufen Wo? sagt ^asselochS (Vogelsberger Race) bei die Exped. d. BlttS. (6530 Konrad Knöß, Stockhausen b. Gründ. Oeffentliche Aufforderung. Die nachverzeichneten, in der Gemarkung Lollar gelegenen und dem Grobherzoglichen Baufiskus vor Namen stehenden Parcellen sollen auf den Titel: „Das Großherzogthunr" „Landes-Eigenthum" in dem betr. Grundbuche überschrieben werden. Einwendungen hiergegen sind binnen sechs Wochen, vom Erscheinen dieser Aufforderung an, bei dem unterzeichneten Gerichte anzu- melden, als sonst obiger Eintrag erfolgt. I. 620a. 52a. 110a. 292a. II. 191a. 255a. VI. 526a. 247a. VIII. 2a. Gießen, den 19. October 1877. Großherzogliches Landgericht Gießen. Erdmann, 5937) Landrichter. Oberhessische Bahnen. Für die Beförderung von Extrazügen, von Salon-, Kranken- und besonderen Gepäck wagen tritt mit dem 1. Januar 1878 ein neuer mit thetlweiser Erhöhung der Fahrpreise verbundener Tarif unter Aufhebung der bezüglichen Bestimmungen und Tarifsätze des Local-Personen - Tarifs vom 29 December 1869 in Kraft. Näheres hierüber kann bei unserer Ober- Güter-Jnspection erfahren werden. Gießen, den 18. November 1877. Großherzogliche Direction. 6539) Mohn. Kersteigcrungen. Donnerstag den 22. November, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Oltsgericbt auf frei= williges Ansuchen des Herrn Philipp Becker dabier die demselben gehörigen Grundstücke: Flur. Klftr. 17/ni,3 49 Garten am Hamm, 19/3 * 182 l Acker zwischen dem Wetzlarer Weg und der Lahn, i»/8a 182 ] Wiese daselbst, i9/95 259 Acker an dem Gänswinckel, am Mittelweg, 24/ii4a 145 Acker am Hasenköppell, 20/13$ 242 Garten auf der Rothhohl. meistbietend versteigert werden. Gießen, den 15. November 1877. Gsvßherzogliches Ortsgericht Gießen. Müller. (6457 Donnerstag den 22. November, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht auf freiwilliges Ansuchen die den Herrn Louis Labroisse Erben gehörigen Grundstücke meistbietend versteigert werden: Flur Mlr. is/418 2288 Acker in den Gräben, 24 2n 3362 Acker am Schwarzacker, auf den Leihgesternerweg, 25/;$ 1662 Acker vor dem Weiher, 32 73a 888 Acker am Hegstrauch, 33 79 1081 Wiese am Hegstrauch, 42133 2406 Acker an der Steinkaute, gegen die Hohl, 42/i34 1031 Acker daselbst, 43/gQ 2306 Acker an der Lahn, neben den Wiesen, 48' 6800 Wiese in den Ochsenwiesen, bei den Schenkischen Wiesen. Gießen, den 15. November 1877. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. 6458) Müller. 6540) Wegen Aufgabe meiner Oecouo- mie lasse ich Mittwoch den 28. d. M-, Morgens 9 Uhr, in meiner Wirthschaft Folgendes versteigern, als: 2 Wallachpferde (9 und 10 Jahre alt), 2 junge trächtige, zum Fahren eingelernte Kühe, 1 zweispännige Chaise (ungefähr 1 Jahr im Gebrauch, 1 einspännige Chaise, 1 zweispännigen Wagen, 1 einspännigen Wagen, 1 Paar Erndteleitern, 30 Fuß lang, nebst Wagenbohle, 1 Paar Holzleitern nebst Wagenbohle, 1 Kasten mit Vorsteller, 2 Paar Dunghorten nebst Wagenbohle und Vorsteller, 1 Jütlsnder 1 1 Schaufel- ! Pflug, 1 Kartoffel- \ 2 Pferdegeschirre zu Wagenfuhrwerk, 2 „ zu Chaisenfuhrwerk, 2 „ zum Ackern, 1 einspänniges Pferdegeschirr zum Wagensuhrwerk, 1 neuen Reitsattel mit Reitdecke und Reitzaum, 1 Wagenstengel mit Stllscheide, 1 Stumpftrog, Mehrere Ketten rc. Laubach. Gg. PH. Schillingen 6540) Bäcker und Wirth. Aeilgeöotenes. 6534) Ein an der Hauptstraße gelegnes Haus mit geräumigem Ladm, Comptoir und Lagerräumen ist preiswerth zu verkaufen, event. zu vermiethen. Näheres bet der Exp. d. Bltts.______________________________________ 6531) Gute durchfaule Handkäse bet ______H. Rain, Neustä^tertbor. Jeden Dienstag und Freitag treffen frische frankfurter Würstchen ein. (6547 fcg. Willi, Weidig. Zu verkaufen Harrer Canarienvögel (gute Sänger). Wo 5 sagt dte Exped. d. Bltts._______(6533 6083) Einzelne Betttheile: Deck- und Untcrbetten, Kissen rc., sowie mehrere vollständige ein- unb zweischläfrige, sebr gut erhaltene, reinliche Betten mit Bettstellen billig zu verkaufen. I. Rothenberger, Ltndenplatz. Kallkränze in jedem Genre empfiehlt billigst 6532)____A. Fangmann. Aechten Berger Medicinal - Leberthran empfiehlt in */i und */z Flaschen, sowie im Anbruch. (6545 . Gg. Will). Weidig. 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Wählerversammlüng! Heute, Mittwoch Abends 8 Uhr, findet im Saale des Cafe Leib eine Wähler Versammlung znr endgültigen Feststellnng der Candi- daten znr Ersatzwahl der Stadtverordneten statt. Indem wir hiermit um recht zahlreiche Betheilignng bitten, unterlassen wir nicht hinzuzufüqen, daß allen hiesigen Einwohnern der Zutritt gestattet ist, welche nach Artikel 13, Absatz In. II*), der Stadteordnung wahlberechtigt sind. Im Auftrage der von der Versammlung am 12. d. gewählten Commission: 6544) August Oppenheimer. *) Absatz I und II des Artikel 13 der Städteordnuug lauten : Stimmfähig sind: 1) alle in der Gemeinde gründ-, gewerb- oder einkommenstener pflichtigen Ortsbürger derselbkn, 2) alle männlichen Einwohner, welche die deutsche Relchsa»igehölig- keit besitzen und welche seit zwei Jahren ihren Unterstützunge Wohnsitz in der Gemeinde erworben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zur Zeit der Wabl 25 Jahre alt sind und vom 1. Januar des dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhe - gehenden Jihres an zur Einkommensteuer zuqezogen worden sind. Hur gefl. Beachtung! 6463) Unterzeichneter erlaubt sich, die verehr!. Viehhändler bcr Umgegend zu benachrichtigen, daß er einen Stall gebaut hat, in welchem ungefähr 100—120 Stück Rindvieh Platz finden und welcher sich unmittelbar am Viehmarkt befindet. Für Futter u. s. w. ist gesorgt. Auch kann Logis ge geben werden. Unter Zusicherung reeller Preise und prompter Bedienung bitle um geneigten Zuspruch. Reflectanten bitte, mich vorher zu benachrichtigen. Achtungsvoll Justus K