c|en (4003 'S ** ” W" nläjt ' o^unbfii dxz 1. 1S79. Freitag, den 20. Juli ML. 163. AnM- uni) Amtsblatt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Expeditionr Schulstraße, Lrt. 8. Nr. 18. Preis vierteljährlich S Mark 20 Pf mit^Bnngerlohn. ^Durck die Post bezogen vierteliahrlrch 2 Mark 50 Pf. en ende Erinnerung Ittler. t Tanz kehr übergeben. Ml pfq. Deutschland. Darmstadt, 17. Juli. Die „Lärmst. Ztg." meldet: Der Großherzog und die Großherzogin sind heute im strengsten 3n«gmto nach Metz °bg«eist. Der Großherzvg kehrt morgen zurück. Die Frau Großherzogin wird sich ' Folge ärztlichen Anrathens zu einem mchimonatllchcn Aufenthalte m ein See- interventren solle" c »An k s Msgr. Stroßmayer's Gesuch wurde von dem Papste und dem Cardinal Simeoui einer eingehenden Prüfung unterzogen, Beide konnten sich jedoch aus Besorgniß. eine Reihe großer Schwierigkeiten heivorznrufen, brsher zu emer entschiedenen Antwort nicht ermannen. Einstweilen hat sich die päpstliche Curie damit aus der Verlegenheit zu Helsen gesucht, daß sie Msgr. Stroßmaher bis aus Weiteres freie Hand lasten zu wollen erklärte und ihn das zu thun anwies, was er, ohne den Jnteresten der Kirche und des heiligen Stuhles nahezu- trcten, für das Wohl der Katholiken am zusagendsten halte. Rom, 17. Juli. Die „Italic" bezeichnet die Nachricht, 3tatien werde Antivari besetzen, im Falle England Galipoli occupiren werde, .als vollkommen unbegründet. Rußland. Moskau, 17. Juli. Di- Vollziehung des Urtheils gegen Dr. Strous- berg auf Landesverweisung hat wiederum eine» Ausschub erlitten, da die Proceß- Acten sich in Petersburg befinden und ohne d'-s-lben der ihm zur Last fallende Theil der Gerichtskosten nicht zu bestimme» ist. Das hiesige Bezirksgericht hat deshalb dort bei dem Senate angesragt. — Die „Agence Rüste weist dn- Darstellungen angeblicher russischer Grausamkeiten als unbegründet zurückh .nd.m sie die strenge Disciplin der russischen Armee hervvrhebt. Di- türkische Bevölkerung sei in den von den Rusten besetzten Ortschaften M-ist-ns g-bbi-ben und werde dieselbe auf dem Fuße vollkommener Gleichheit behandelt. Das Lebe» und Eigenthum der Muselmänner werde wie das der Christen respecttrt. Amerika. Washington, 18. Juli. Das Cabittet hat gestern über die me;r- canische Frage bcrathen. Die Berichte des Generals Ord und des Gesandten der Union in Mexico lassen die Unterdrückuirg des Räuberwesens ohne Storung der internationalen Beziehungen hoffe». Di- Reg -rung will deßhaib keu>e neuen Schritte thun, in der Erwartung, daß Mexico seinen Verpflichtung» AranLreich. Paris, 16. Juli. Dem „Salut Public" von Lyon rufolge^kaufen mehrere Regierungen, namentlich die italienische, Pserde in Frankreich. Kardnial-Eirbtscbof von Paris hat einen Brief an alle französischen Kirche auf dem Mont-Martre zu schicken. ßngland Lo-don 17. Juli. Der „Standard" schließt -ine Besprechung des Balkan U-b-rgangs Seilens der Rusten mit der Versicherung, englanb toerbe Ä etarÄi Konstantinopels durch bie Rusten nicht passiv bleiben unb eine Besetzung Konstantinopels burch die Rüster। niemals zuseben £onboit 17.^Juli, Abends. Im Unterhause kündigte Campbell an, daß /demnächst an die Regierung die A»sra«erichtenw-rde. ob^nunmehr bemüht sein werde, die Organisirung der christlichen Provinzen der Türkei als Italien Nom. Die römische Curie ist in arger Klemme. Im Herzen nimmt sie Partei für den ungläubigen Türken gegen den Rusten, welcher für die Christen zu fechten angibt. Aber da gibt es auch gutkatholische Slaven, denen mit dieser Parteinahme durchaus nicht gedient ist. Msgr. Stroßmayer, der Bstchof von Bosnien und Syrmien, hat, veranlaßt durch die immer hoher gehe^e Bewegung unter der katholischen Bevölkerung in Bosnien, dem Cardmal-Ltaatssecretar Simeoni ein Schreiben folgenden Inhalts zugehen lasten: „Es ist das zweite Mal, daß der Unterzeichnete Anweisungen verlangt, wie er die Katholiken seiner Diöcese leiten solle, welche von den Ereignissen gedrängt, alle Augenblicke ihren Bischof um Rathschläge angehen. Da er keine besonderen Instructionen erhielt und die Situation kritischer denn je geworben ist, indem eine flrojje Bosniaken dem österreichischen Kaiserstaate einverleibt zu werden wünscht, so ersucht der Gefertigte neuerlich ihm anzugeben: a) ob er der durch diese Bittsteller geschaffenen Strömung folgen solle, b) ob er Anweisungen ausgeben solle und wenn ja, in welchem Sinne; c) ob er sich unthätig verhalten und es den Katholiken überlasten solle, nach eigenem Gutdünken zu handeln; und d) ob er im letzteren Falle zu einer gewissen Zett unb auf welche Weife ber Basis ber Selbstregierung herbeizuführen, wie solche bereits von ben übrigen europäischen Mächten unb auch von Rußlanb m Vorschlag gebracht worbe» ei. Unter-Staatssecretär Bourke erklärte, veranlaßt durch Gourley, bie eng- rsche Regierung beabsichtige nicht, wegen ber von ber Pforte erlassenen Verfügungen bezüglich bes Schifffahrts-Verkehrs burch ben Bosporus unb nach ben Häfen bes Schwarzen Meeres bei ber Pforte Vorstellungen zu Anfrage von Diike beantwortete Bourke batji» : es feien 6ei ber Pforte Ccfyritte qethan hinsichtlich ber Wirksamkeit ber türkischen Blokabe ber russischen Häfen am Schwarzen Meere. D,e Pforte habe darauf Sibert i sie betrachte d, Blokade als effectiv. Als sodann türkische Fahrzeuge durck russische Schiffe aufgebracht worden seien, wären neue Vorstellungen bei der Pforte erhoben worbe». Auf Befragen Cave's erklärte SBourfe: die Regierung that ferne Schritte bei Peru bezüglich ber Einstellung bet Zinszahlungen. Eme wiedet- bolte Anfrage von Dilke würbe von Bourke folgenbermaßen beantwortet: bie Regierung ist von bem angeblichen Tobe bes Emirs v. Kaschgar nicht osficiell in Keimtniß gesetzt. Der britische Consul in Abrianopel hat bie Regierung benachrichtigt , baß bie russische Avantgarbe ben Balkan überschritt. Nachrichte» aus Konstantinopel zufolge ist bie russische Truppenstärke im Balkan nicht ,o groß, als die Zeitungen angeben. _ 3 London, 18 Juli. Der „Daily Telegraph meint , das Jntereste Englands und anderer Mächte erheische, dem weiteren Vordringen der Rusten gegen den Bosporus entschieden entgegenzutreten. Auch nur eine Zeitweilige Besetzung Konstantinopels durch die Russen wurde ein todtltcher Schlag für England sein. SMimlung am ' Turchst liegt h t. Sprecher, Rakturg °ciS8Uhr, stand. Hesterrcich. Wien. 18. Juli. Gegenüber ben Alarm-Gerüchte» wirb osficiös erklärt! Oesterreichs Haltung bleibe burch ben Uebergang bet Muffen übet ben Balkan vollkommen unberührt. Die Tragweite bes Ueberganges sei «och frag lich Erst nach ber Ni-berwerfung ber türkische» Armee s°'°" Maßregel» von Seiten Oesterreichs »othwenbig. Jebenfalls werbe Rußlanb bte Consequenze» bes Krieges nicht allein ziehen. dab b^'. 17 3ul(- Die Leiche bes Bischofs v. Ketteler würbe heute Vormittag 10 Uhr am hiesigen Bahnhöfe von bem D°m-Capttel unb b-m Elerus der Stadt in Empfang genommen. An der Spitze der Geistlichkei fnnciiontrte Dom-Capitular Moufang, da der Dom-Dekan Heinrich erkrank war. Nachdem die Einsegnung der Leiche stattgesunden hatte, wurde dieselbe in feierlichem Zuge durch die Straßen der Stadt nach dem bischöflichen Hause geleitet. Die Betheiligung Seitens der Bürgerschaft und von auswärts war eme ^h^^bhastt^ . £eute Vormittag um 9 Uhr fand die Ueberführung der Leiche des Bischofs v. Ketteler aus dem bischöflichen Hause nach bemDome unter coloffaler Betheiliaung des Publikums statt. Der Zug bildete sich aus ben Schülern ber katholischen Schulen, ben Waisenknaben, ben Mitgli-bern ber katholischen Vereine unb ben Bauhandwerks-Melstern bes Domes, ferner aus den Geistlichen, ben anwesenben fremben Bischöfen, und schließlich ben Anverwandte» bes verstorbene» Bischofs unb den Militär- unb C'v'lbehotden. Der ziofmatschall Westerweller vertrat ben Grotzherzog, Mimstetialrath Weber war im Name» ber Regierung anwesenb. Der Zug trat burch bie Willigsp o in ben Dorn ein. Jrn Dome angelangt, wurde die Leiche auf den tm Mittel schiffe errichteten Katafalk aufgestellt unb das Beneblet»« gesungen. Hieraus begann bas Requiem, bem sich bie Trauerrede, die feierliche Einsegnung »nb Beisetzung der Leiche in der St. Maricn-Capelle anschloß. Berlin, 17. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." erfahrt zuverlässig,^daß, die im Bau befindlichen zwei Panzercorvetten die-Namen .Bayern" und ^ach^ sen" erhalten werden. Letztere werde am 21. Juli m Stettin vom Chef der Admiralität, General Stosch, persönlich bie Taufe erhalte» ; erstere könne erst in einigen Monaten zur Taufe in Kiel bereit gestellt werden. Aus Nassau, 16. Juli. Seitens des königlichen Ober-Ptasidiums ,,, ist anl 10. Juli an das bischöfliche Dom-Capitel zu Limburg die Aufforderung ergangen, nach nunmehriger Erlebigung des bischöflichen Ltuhles innerhalb 10 Tagen einen Bisthums-Verweser zu wählen und von dem Geschehenen Anzeige zu erstatten. Das Capitel wird dieser Aufforderung natürlich nicht nachkommen, da es bie Absetzung bes Dr. I. Mum nicht -»er enn unD deshalb den Bischofsstuhl nicht für erledigt ansiehd Die Ernennung emes staatlichen Commiffars ist deshalb unausbleiblich, unb zwar auf Grunb bes k 6 Alinea 2 bes Gesetzes vom 20. Mai 1874. Die _eü'ie,n™ ®erinogenä- Obiecte werben staatlicherseits jedenfalls schon in ben nächsten Tagen m Ver- wahruua genommen werde». — Dem katholischen Pfarrer Much m Dombach ist regierungsseitig verboten worben, im Schullocale Religions-Unterricht zu er- «heile». — Die durch barmherzige Schwestern geleitete höhere Töchterschule zu Oberlahnstein muß bereits mit dem 1. October b. Js. ihre THSt'gk-tt einstellen, ba alle Gesuche um Hinausschiebung des Aufl°fungs-Term»E "bschlägig besch den worben sind. — Di- neuerbaute Eisenbahn-Strecke Kamberg-Jbstem ber L^ssischen Lubwigsbahn-Gesellschaft wurde vergangene» Donnerstag bem V-r- ■ daß in i« aller' unfen^in ben ©tanb ' Die Beßeliimg-» bt8 Lktiis W ist reine pM* rS* K if: *' rorsteo^- Hu «S w und- 'Miss, einatdt >uKi-E ? w getel"^ nachkommen und die Nothwendigkeit einer Invasion des Landes beseitigen werde. Eine Abänderung der dem General Ord ertheilten Instructionen ist indeß nicht in Vorschlag gebracht worden. Der orientalische Krieg. Wien, 17. Juli. Eine Meldung der „Presse" aus Giurgewo zufolge ist die Bahnlinie Küstendsche-Czernawoda, sowie die Linie Jamboli-Karapnnar unterbrochen. Konstantinopel, 17. Juli. Der Minister des Auswärtigen hat den Vertretern der Pforte im Auslande folgende Mittheilung zugesendet: Nach den der Pforte zugegangenen Depeschen haben die Rusten mit einigen Bataillonen den Balkan bei Bonghaz überschritten, wo nur ein Bataillon Tücken zur Stelle war. Dasselbe mußte sich zurückziehen, nachdem es den Rusten in heroischem zweistündigem Kampfe den Uebergang streitig gemacht hatte. Der Marine- Minister, Reuf Pascha, welcher im Balkan gegenwärtig ist und nicht erwartete, daß die Rusten an dem genannten Orte übergehen würden, begab sich eiligst an jene Stelle, griff den Feind an und warf ihn zurück. Wien, 17. Juli. Auf die Anfrage der rumänischen Regierung, ob Oesterreich gegen die Ueberschreitung der Donau durch zwei rumänische Armee- Corps etwas einzuwenden habe, erfolgte der „Preste" zufolge die Antwort: Oesterreich wolle sich nicht in die militärischen Dispositionen Rumäniens einmischen, gebe jedoch zu bemerken, daß es aus dem rechten Donau-User absolut kein Gebiet für Seitens Rumäniens zu machende Eroberungen gebe. — Ferner meldet die „Preste" aus Bukarest, 16. Juli. Heute Nachmittag wurde in Giurgewo von der entgegengesetzten Seite von Rustschuk her starker Kanonendonner gehört. Die türkische Polen-Legion hat sich aufgelöst. — Das „Tageblatt" meldet aus Odessa: Vier türkische Monitors haben in der Nähe von Sebastopol Anker geworfen. Bukarest, 17. Juli. Im Balkan operiren 70,000 Rusten, nämlich das 8. Armee - Corps, Theile des 9. und 12. Armee-Corps, die bulgarische Legion und das „fliegende Corps" (Skobeleff); das 7. Armee-Corps folgt theilweise. Das 14. Corps steht in der Dobrudscha. Das 4., 11., 13. und 14. Corps, sowie Theile des 7. und 12. Corps operiren gegen das Festungs- Viereck. Die Bahn-Linien Küstendsche-Tschernawoda und Rustschuk-Varna sind in Folge des Vorrückens der Rusten unterbrochen. Konstantinopel, 17. Juli. Die Aufregung ist groß. Die Botschafter verlangen die Bewilligung der Einfahrt von Kriegsschiffen. Der Sultan dürfte dem allgemeinen Drängen nachgeben. Die SostaS sind unzufrieden mit der Unthätigkeit Abdul Kerims und verlangen die Entfaltung der Fahne des Khalisen. Wien, 17. Juli. Der „Polit. Corresp." zufolge hätten die Rusten bei Einnahme von Nikopoli 40 Kanonen und 2 türkische Monitors erbeutet. Die gefangenen Paschals seien Achmet und Hassan. Derselben Correspondenz zufolge stände es nunmehr definitiv fest, daß die rumänische Armee nicht offensiv vorgehen, sondern nur die Aufgabe haben werde, die Donaulinie zu decken. London, 17. Juli. „Reuters Bureau" meldet aus Schumla vom 17. d.: Die Rusten haben Medschidie und Mangalir in der Dobrudscha besetzt, nachdem die Türken die Plätze geräumt hatten. Konstantinopel, 17. Juli. Der Ministerrath tagt in Permanenz. Die Mohamedaner werden durch eine Proclamation zur allgemeinen Bewaffnung aufgerufen. Die Pforte ist noch keineswegs entmuthigt. An der Linie Jenisagra- Jamboli finden Kämpfe statt, deren Ausganz noch unbekannt ist. Wien, 18. Juli. Das „Tageblatt" meldet aus Cetttnje vom 17. d.: Der Fürst von Montenegro ist heute in Ostrog eingetroffen, um morgen nach zwei Richtungen hin die Offensive zu ergreifen. Aus Serajewo: Die Aufständischen sind von Ismet Pascha bei Sreditz geschlagen; eine große Anzahl derselben wurde sodann bei Kobath in den Sair-Fluß getrieben; die übrigen entflohen in den Maroititzer Wald. In einem Tagesbefehl des Gouverneurs von Bosnien wird die Schonung der Gefangenen und Verwundeten anempfohlen und ferner eingeschärft, daß die Kirchen heilig gehalten und nicht beschoffen werden sollen. Konstantinopel, 18 Juli. Ueber den Vormarsch der Russen in Bulgarien liegen keinerlei osficielle Nachrichten vor; auch fehlen Details über die von Reuf Pascha über das den Balkan überschrittene russische Corps errungenen Vortheile. Ein Theil des Corps Suleiman Pascha's ist in Thracien eingetroffen. Die Türken sollen dem Vormarsch der Ruffen In der Dobrudscha Widerstand leisten. Lokal-Atotiz. Gießen, 19. Juli. Für Feuerwehrleute, die Zeit und Lust haben auswärtige Versammlungen zu besuchen, bietet sich in nächster Zett vielfache Gelegenheit. Am 29. l. M. hält die Feuerwehr Alsfeld Nachmittags eine größere Uebung ab und hat auf Wunsch benachbarter Kameradschaften hierzu Einladungen nach Fulda, Schlitz, Stock hausen, Lauterbach, Grünberg und Gießen ergehen lasten. Abfahrt Mittags 12 Uhr, Rückkunft Nachts V2II Uhr. Sodann folgt am 12. u. 13. August die Versammlung aller deutschen Feuerwehren in Stuttgart mit großer Ausstellung, zu der selbst vom Auslande — Rußland, Ungarn rc. — schon zahlreiche Anmeldungen ergangen sind. Die Theilnahme ist durch Preisermäßigung bei allen Bahnen abwärts Frankfurt erleichtert- Anmeldungen auf Karten müssen bis zum 22. I. M. bei hiesigem Commando geschehen. Endlich findet am 26. u. 27. August die Jahresversammlung der Hessischen Feuerwehren inBessungen statt, die voraussichtlich von hier aus stark besucht werden dürfte. Anmeldungen bis zum 18. August bei A. Scheyda. Gießen, 19. Juli. Wir lassen nachstehend das Protokoll der Stadtverordneten- Sitzung vom 12. Juli folgen: 1 . Die von Herrn P h. Christian Euler nachgesuchte Pflasterung der Trottoir vor seinem Hause an der Ludwigsstraße soll solange ausgesetzt bleiben, bis dieselbe auch vor der Besitzung des Herrn Bepler vorgenommen werden kann und die damit in Verbindung stehende, vorerst erforderliche Auffüllung vor derselben soll geschehen, wenn das angefangene Wohnhaus des Herrn Bepler unter Dach gebracht ist. 2 » Herr Redacteur A. Scheyda will seine, ehemals Wagner'sche Besitzung an der Ganenstraße mit einer Einfriedigung versehen lasten, bet deren Ausführung nach dem vorgelegten Plane nichts zu beanstanden ist. 3 . Der zur Vorlage gekommene Entwurf einer Instruction für die städtischen Schuldtener wurde genedmigt. 4 Bet der in heutiger Sitzung vorgenommenen Verloosung der für das Jahr 1877 zur Rückzahlung kommenden Schuldverschreibungen auf Inhaber wurden folgende Nummern gezogen, und zwar: 1. von dem 3y2o/oipen Anlehen: Lit. A. No. 83, 102, 136 u. 146 a 1714 JL 29 X Lit. B. No 15, 17, 40 122, 123 u. 125 ä 857 14 Lit. C. No. 11, 25, 59, 338, 348 u. 376 a 171 43 X Lit. D. No. 31, 34, 38 u 52 ä 85 JL 71 H. 2. von dem 4o/gigen Anlehen: Lit. A. No. 7 zu 1714 JL 29 H. Lit. B. No. 55 u. 91 a 171 43 M 5. Eine vacante Hospttalpfründe wurde nach dem Vorschlag der Armendeputation vergeben. 6. Wegen verschiedenen Communalsteuerbeträgen aus dem Jahr 1876 mit zusammen 18 jl 47 ist Niederschlagung beschlossen worden, da über die Zahlungsunfähigkeit der Schuldner der erforderliche Nachweis erbracht wurde. 7. Auf ein an die Stadtverordneten-Versammlung gerichtetes Gesuch der Herren Metzgermeifter Pirr und Seng um Erlaubntß zur Errichtung von Schlächtereien in ihren Behausungen soll denselben geantwortet werden, daß sie dasselbe an Gr. Kreisamt zu richten hätten, indem dem Stadtvorstand nur die Begutachtung solcher Gesuche zustehe. 8. Das Gesuch des Herrn Kaufmanns L- A. Müller um Erlaubniß zur Vornahme von Aenderungen an dem Laden des ehemals Burckhardt'schen Hauses auf der Mäusburg soll befürwortet werden. Ebensa das Gesuch der Frau W. Z u r b u ch Wttw., welche in den Eichgärten ein neues Gebäude für Lackkocherei und Waarenlager errichten will unter Verweisung darauf, daß die Beibehaltung der Lackkocherei das dortige Bauquartier nicht begünstigen werde. Landwirthfchaftliches. Schlachtvieh- und Ileisch-Ausfuhr nach London. tDeutsche Landwirthschaftliche Presse). Der Fleischconsum in Großbritannien ist sehr beträchtlich und betrug im Jahre 1871 ca. 851/4 Pfd. per Kopf der damals 31,61 Millionen ausmachenden Bevölkerung, was 2,713,136,720 Pfd. ausmacht Im Jahre 1875 erreichte der Fleischconsum 96 Pfd. per Kopf, was bei der auf ca. 32y2 Millionen gestiegenen Bevölkerung 3,120,000,000 Pfd. beträgt. Im Jahre 1872 wurden an englischem Vieh geschlachtet: 1,290,000 Stück Hornvieh angenommen zu 853,720,000 Pfd. 460,000 „ Kälber „ „ 45,080,000 „ 10,640,000 „ Schafe u. Lämmer „ „ 712,880,000 „ 4,846,000 „ Schweine u. Ferkel „ „ 644,546,000 „ Summa 2,256,226,000 Pfd- Consum betrug 2,713.136,720 „ Ergab einen Mangel von 456,910,720 Pfd. — 203,978 Tons k 2240 Pfd. Solcher wurde ersetzt: a) durch fremdes „todtes" Fleisch (deadmeat), frisch und gesalzen, Schinken, Speck rc., im Betrage von........... 142,574 Tons Gewicht- b) durch eingeführtes lebendiges Vieh von. . 61,404 „ „ Letzteres bestand aus: 110,537 Stück Ochsen und Bullen, 28,840 „ Kühen, 33,525 „ Kälbern, 809,817 „ Schafen und Lämmern, 16,102 „ Schweinen. Den Bedarf an lebendigem Schlachtvieh lieferte Großbritannien, also bis.........83.16 pCt. und das Ausland zu nur........5.07 „ an sog. „todtem" Fleische das Ausland freilich 11.77 „ Es erhellt, wie winzig klein die Zufuhr von Schlachtvieh gegen den beträchtlich wachsenden Fleischbedarf Englands ist und der deutsche Viehzüchter und -Mäster sic- wegen eines künftig abnehmenden Exports daher beruhigen kann — freilich aber auf ein Liefern guten Schlachtviehes mehr und mehr sehen und streben muß. Auch die neueren Sendungen frischen Fleisches von New-Bork können keine Gefahr für uns bieten, denn abgesehen davon, daß das amerikanische Fleisch im Allgemeinen wenig schmackhaft sein soll, sind die Preise desselben in New-Aork hoch und der Vtehtransport aus dem fernen Westen theuer; ebenso die Schiffsfracht bis Liverpool, sowie die Eisenbahnfracht nach London, wozu die beträchtlichen Verpackungs- und Bewahrungskosten, die Speesen und mancherlei sonstige Kosten kommen, auch doch ein Gewinn dabei erübrigt werden soll. Uebrigens können die Schlächter in den deutschen Hafen-Städten mit den New- Aorkern leicht concurriren, indem sie das frische Fletsch, in halben Cadavern sorgsam etngenäht, ohne große oder absonderliche Vorrichtungen z. B. von Hamburg u. Bremen binnen 50 Stunden bestens nach London liefern können, und zwar für vielleicht y10 der Fracht, die der New-Aorker zu zahlen hat, dessen Unternehmen sich schwerlich im yohen Sommer durchführen lassen wird. Ein 2—3 Tage altes Fletsch zieht aber die Hausfrau (auch die englische) dem ganz frischen vor. Erwägt man endlich die Kosten, das Risico und die Gewichtsverluste, welche mit dem Senden von Schlachtvieh nach England verknüpft sind, sowie die Schererei, welche die dortigen sanitätspolizeilichen Maßregeln herbeiführen und meistens das Schachten des ausgeschifften Viehes, oder ein Quarantainehalten am Hafenorte vorschretben — so wird das Senden von ganzen oder halben Cadavern nach England mehr und mehr zunehmen und in unseren Hafenorten voraussichtlich ein derartiges großes Geschäft sich ausbilden, was für unsere Viehzüchter und -Mäster nur erwünscht fein kann. Mr. Read, ein bedeutendes Parlamentsmitglied und Vertreter von Norfolk im Unterhause, durch dessen Güte ich die vorstehenden Zahlen habe, äußert sich ähnlich. — Wie beträchtlich übrigens der Fleischconsum und die Vteheinfuhr in Großbritannien seit btr 1836 durch Robert Peel veranlaßten Aufhebung jeden Einfuhrzolls auf Vieh (wie auf Korn) zugenommen haben, das sagen nachstehende Zahlen: Jahr Rindvieh Schafe Schweine 1842 4,264 644 410 1845 16,833 15,957 1,509 1849 53,449 129,266 2,653 1856 83,306 145,059 9,916 1862 97,887 299,471 18,162 1870 202,172 669,905 95,724 1875 263,698 977,863 71,928 An „todtem Fleische" aller Art, an Schinken und Speck, frisch resp. gesalzen, geräuchert, stieg der Import seit 1842 bis 1875 incl. von 92,000 Ctr. auf 3,431,542 Ctr. Der Preis für „Beef" war de 1848/53 in London 4 sh. 21/r d. für 8 Pfd. de 1874/75 „ „ 5 „ 8«/2 „ „ „ „ Der Preis für „Mutton" war de 1848/53 in London 4 sh. 5 d. für 8 Pfd. de 1874/75 „ „ 6 „ 5 „ „ „ „ Die Fleischpreisc erhöhten sich demnach innerhalb 22 Jahren: für „Beef" um . . . 35yt pCt. und für „Mutton" um 45 „ Bemerkenswerth ist ferner, daß die verschiedenen Gesetze, welche theils sehr strenge resp. erschwerende Maßregeln für das importirte Vieh enthalten, namentlich die Gattie Diseases Prirention Act (1864), ferner die Contagions Diseases (Animal) Act (1869), und endlich die Animais Order of 1875 den Import von Vieh nicht verminderte, wie aus den vorstehenden statistischen Erhebungen heroorgeht. Die vor dem diesjährigen Ausbruch der Rinderpest in England von der Central Agricultural Chamber bet dem Privy Council eingebrachten Anträge, die Sicherheitsmaß- regeln gegen importtrtes Vieh betreffend, bestanden im Wesentlichen in folgenden: 1. Erlaß eines neuen allgemeinen Gesetzes mit „befehlenden" (imperativen) statt unter Umständen „gestattenden" (permissiven) Bestimmungen, mit Aufhebung aller Verordnungen (Orders) des Priry Council. 2. Alles einzuführende Vieh dürfe nur auf Schiffen kommen, welchen besondere „Licenz" dazu ertheilt ist und vorgeschrtebene Einrichtungen rc. in den betr. Räumen haben. *,5 Inspektoren 3. D mit gl! sande"',? S 6. 1 Lieh & i heu kostete: Heues Heu 403 a wn Sumst gelüsten. ®ie Z 2 Sa soü auf bem Wer bas gewonnene Arb M sollen auf bi siehenbe Ai gerung in! 1) Mastere 2) tzhaussm Gießen, t 4013) “Säi St« »ns btr Dbeflöstere beliebige Qi Elangeiiho( 7 je nach ( d>r Abnahi werben Melbach ^ie jrelbei 40!S) 3. Aus Landern, wo erweislich die Lungenseuche herrscht, muß das Vieh nicht nur mit glaubwürdigen Gesundheitsbescheinigungen begleitet sein und einer Untersuchung unterworfen werden, sondern entweder beim Ausschiffen geschlachtet oder 28 Tage in Quarantaine gehalten werden. 4. Das Vteb aus gesunden (unsheduled) Landern ist, wenn auch gesund befunden, 7 Tage in Quarantaine zu halten. 5. Alles fremde Vieh sollte nur in bestimmten englischen Häfen landen, auch 6. nur nach besonderen Märkten geschafft und aufgestellt werden, wo englisches Bieh nicht hinkommen darf. 7. Alles fremde Vieh sollte beim Ausschiffen gezeichnet (gebrannt) werden. 8. Alles erkrankte und verdächtige Vieh sollte am Hafenorte geschlachtet werden. 9. Nur licenziirte Viehhändler — fremdländische wie englische — müßten zulässig sein. 10. An den betr. Hafenorten müßten aprobirte Thierärzte und hinreichende Vieh- Znspectoren dauernd angestellt sein, u. s. w. Qual. A 1 —, im Kleinhandel 1. Qual. JL 1.30, 2. Qualität JL. 1.20. Eier, gewöhnliche, das Hundert A 4.60, italienische JL 6.—. Kartoffeln A 9.—, neue per Malter 10.50. Die Kartoffel-Ernte verspricht ein sehr günstiges Resultat. Erbsen, geschälte (per 100 Kil.) 28-32 ganze Erbsen 21-24 jl Bohnen, weiße 23—26 Linsen 21—30 JL Ochsenfleisch per Pfd. 70 Rindfleisch 55—60 Kalbfleisch 60 bis 70 Schweinefleisch 75—80 Hammelfleisch 50—60 Sonntag 22. Juli, 9 Uhr Morgens, wird altkatholischcr Gottesdienst in der Hospitalkirche sein. Gießen, 17. Juli 1877. Der Vor stand* Handel und Verkehr. Frankfurt, 18. Juli. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner A 4.— , Stroh per Gentner . Bapst. 3723) Eine Wohnung von 6 Zimmern rc. ~ r ist zu oermiethen und bis 1. October be- . . ziehbar._______Garten-Straße B. 1656/<0. alle Arten ^2efen und 3702) Ein Familienlogis an eine ruhige Familie zu vermtethen und am 20. Juli ä«