Ä®. 917. Mittwoch, den 19. September 1S79. Kictzener MWger Adrige- uni AMME für in Kreis Gießen. Erscheint mit Ausnahme deS DLontagL». Er-O-Uionr Schulstraße, SU. B. Nr. 18. Wo uTTFi Deutschland. Berlin, 15. September. Gegenüber den Meldungen ausländischer Blätter über angebliche Einflüffe der deutschen Regierung bei dem Eintritte Rumäniens und Serbiens in die Action wird die „Nat.-Ztg." in die Lage versetzt, mitzutheilen, daß alle derartigen Unterstellungen durchaus und in jeder Beziehung unrichtig seien. Tie deutsche Regierung habe sich zu keinerlei Beeinflussung, weder in Rumänien noch in Serbien, im Sinne der neuesten Entschlüsie dieser Staaten herbeigelasien und stehe den Schritten dieser Staaten wie allen Verhandlungen, die etwa darüber gepflogen worden, absolut unbetheiligt gegenüber. Berlin, 14. September. Nach einer Bekanntmachung des kaiserlichen Patentamtes ist bei Einreichung von Patentgesuchen auf Hand- und Faustfeuerwaffen (Gewehre, Flinten, Karabiner, Pistolen, Revolver) außer den bestimmungsgemäß erforderlichen Beschreibungen und Zeichnungen stets ein Modell oder eine wirkliche Ausführung des zur Patentirung vorgelegteu Gegenstandes dem kaiserlichen Patentamte etnzusenden. Im Falle der Ertheilung des Patents wird das Modell oder Probestück nicht zurückgegeben. — Im Reichskanzler-Amt werden die legislatorischen Ausgaben: Gewerbe- Ordnung, Unterstützungs-Wohnsitz u. s. w. in nächster Zeit weiter bearbeitet Und da der Präsident Hofmann im Laufe der Woche gleichfalls zurückkehrt, wird diese Tbätigkeit natürlich noch gesteigert werden. Definitive Entschließungen werden selbstverständlich nur unter Mitwirkung des Reichskanzlers gefaßt werden. — Die telegraphische Verbindung Europas mit Ostasien hat durch Legung eines neuen Kabels Aden - Bombay in diesem Jahre eine weitere Sicherung erfahren. Auch zwischen Rangan und Penang ist ein neues Kabel gelegt worden, und die Legung eines zweiten von Singapore nach Port Darwin (Nord-Australien) soll bevorstehen. — Für die in den ersten Novembertagen hier zusammentretende Commission zum Zweck der Bearbeitung eines Gesetzes gegen die Verfälschung der Nahrungsmittel sind folgende technische Mitglieder berufen worden: Geh. Regierungsrath Professor Hofmann, Berlin; Geh. Hofrath Professor Fresenius aus Wiesbaden; Geh. Sanikätsrath Dr. Varrentrapp aus Frankfurt a. M.; Pro- seffor Dr. Knapp vom Polytechnikum in Braunschweig. Im Reichs-Gesundheits- Amt wird ein erster Entwurf ausgearbeitet, an dessen Hand diese Commission berathen soll; sobald dieselbe zu einem Resultat gelangt ist, werden durch das Reichs-Jnstizamt berufene Justiz- und Verwaltungs-Beamten hinzutreten, um den Entwurf für den Bundesrath fertig zu stellen. Der öffentlich ausgesprochene Wunsch des Directors des Reichs-Gesundheits-Amts um Zusendung von Material über die bezüglich der Nahrungsmittel-Verfälschung gemachten Wahrnehmungen bezw. Vorschläge zur Abhülse hat bisher, wie die „Nat.-Ztg." meldet, nicht in dem erweiterten Umfange Erfüllung gefunden. Einsendungen von Behörden und Instituten aus allen Theilen des Reichs lasten noch immer auf sich warten Es ist dies um so mehr auffällig, als die Klage über verfälschte Nahrungsmittel allgemein verbreitet und überall gleich lebhaft ist. Rlüdesheim, 16. September. Die Feier der Grundsteinlegung des National-Denkmale auf dem Niederwald fand heute bei günstigem Wetter statt. Die Betheiligung der Bevölkerung an der Feier war enoirfi und waren nicht allein der Festplatz selbst, sondern auch alle umliegenden Höhen, welche die Aussicht nach dem Denkmalsplatz gewähren, mit einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge bedeckt. Der Kaiser und die Kaiserin, von dem Publikum enthusiastisch begrüßt, trafen etwa um 12 Uhr auf dem Bahnhofe in Aßmanns Hausen, wo die Spitzen der Behörden versammelt waren, ein und fuhren hierauf, von den anwesenden Fürstlichkeiten begleitet, auf den Niederwald. Bei der Ankunft auf dem Festplatz wurden die Majestäten von dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschustes, Ober-Präsidenten Grafen zu Eulenburg und den Mitgliedern des Ausschustes begrüßt und nahmen in einem eigens hierzu errichteten Pavillon Platz. Die Musik intonirte alsdann die National-Hymne, von welcher ein Vers von der ganzen Versammlung mitgesungen wurde. Der Vorsitzende des Ausschustes legte hierauf die Urkunde, welche in den Grundstein versenkt werden soll, den Majestäten zur Vollziehung vor. Nachdem dies ge- schiehen, unterzeichneten die anwesenden Fürstlichkeiten und deren Gefolge, sowie die Ebren-Gäste ebenfalls die Urkunde. Nunmehr erfolgte die Vorstellung der Mitglieder des großen Denkmal-Comit6s und der ausführenden Künstler, der Professoren Schilling und Weißbach aus Dresden. Der Vorsitzende des Ausschustes hielt die Festrede. In dem Momente, als der Kaiser nach Beendigung derselben die Hammerschläge vollzog, wurden Kanonenschüsse abgefeuert, die Glocken aller umliegenden Ortschaften begannen zu läuten und unter Musik- Begleitung wurde die „Wacht am Rhein" gesungen. Nach Schluß der Feier fuhren die Majestäten unter dem ununterbrochenen Jubel-Rufen der Bevölkerung nach Rüdesheim und nahmen daselbst in der „Rheinhalle" das Dejeuner, woraus deren Abreise nach Karlsruhe (über Frankfurt) etwa um 3 Uhr Nachmittags erfolgte. vierteljährlich 2 Mark 20 Af. mit Vringerlohru Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Hesterreich. Wien, 17. September. Hier gehen Gerüchte von einer großen Bewegung in Petersburg. Die Regierung habe die ernstesten Maßnahmen getroffen. — Auf dem Kriegs-Theater ist die Situation den Türken überaus günstig; Plewna ist gesichert. Die Rusten beabsichtigen, ein Beobachtungs-Corps aufzustellen und die Belagerung aufzugeben. Suleiman Pascha bat ausgiebige Erfolge errungen und den Schipka-Paß nabezu genommen. Nach dem „Pestber Lloyd" hat sich in Berlin ein rascher Umschwung zu Gunsten der Mediation vollzogen. Pestb, 15. September. Im Abgeordnetenhaus? wurden folgende Interpellationen eingebracht: von Helfy über den Anschluß Oesterreich-Ungarns an die Demonstrationen gegen die türkischen Grausamkeiten, von Apponyi über den Eintritt Serbiens in die Action, von Ernst Simonyi über die Politik der Regierung hinsichtlich des russisch-türkischen Krieges, von Jranyi, ob zwischen Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Rußland ein Bündniß bestehe, von Ludwig Simonyi, ob ein Drei-Kaiser-Bündniß existire oder ob überhaupt bestimmte Abmachungen getroffen worden seien. Araukreich. Paris, 15. September. Nach einer den Journalen zugegangenen ofst- ciösen Mittheilung sind die Wahlen zur Deputirten - Kammer definitiv auf den 14. October anberaumt. Paris, 16. September. Mac Mahon wird morgen Abend nach Paris zurückkebren. Paris, 17. September. Der Pertheidiger Gambetta's wurde vom Parquet benachrichtigt, daß die weitere Verhandlung gegen Gambetta auf den nächsten Sonnabend anberaumt sei. — Das Decret in Betreff der Vornahme der Neuwahlen soll am Mittwoch veröffentlicht werden. — Der französische Botschafter in Konstantinopel kehrt Ende der nächsten Woche auf seinen Posten zurück. Türkei. Konstantinopel, 15. September. Der ehemalige Großvezir Ruschdt ist ernstlich erkrankt. Nach Meldungen der Journale ließen die am Dienstag bei Plewna im Kampfe zurückgewiesenen Rumänen mehrere Kanonen zurück. Die Straße nach Arhanic soll noch im Besitze Osman Pascha's sein. Kriechenland. Athen, 15. September. Admiral Kanaris ist heute Nacht einem Schlaganfall erlegen. Wie verlautet, wird der König und die Königin der Leichenfeier beiwohnen. — Die Minister-Krisis ist eine schwierige. Das Ministerium bleibt wahrscheinlich provisorisch bis zum Zusammentritt der Kammer, deren schleunige Einberufung bevorstebt, in Activität. Der orientalische Krieg. Wien, 15. September. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 15. d.: General Skobeleff verlor, als er am Tage zuvor die eroberte Redoute nach sechs Stürmen aufgeben mußte, die Hälfte seiner Mannschaft und drei Geschütze. Von den Türken bedrängt, verlangte er wiederholt Hülfe, welche ihm aber von dem Souschef des Generalstabs, General Levitzky, verweigert wurde. Eine endlich doch abgesandte Verstärkung kam iu spät. Die Haupt-Redoute von Grivica befindet fich in russischen Händen. Die Rumänen, welche sich darin befestigten, haben die Beschießung PlewnaS fortgesetzt. Der Gesammtverlust der Montenegriner in dem letzten Kampfe betrug 1500 Todte und Verwundete. London, 15. September. Die „Daily News" melden aus Bukarest vom 14. d.: Die Türken eroberten in den wieder gewonnenen Positionen zwei Kanonen. General Skobeleff forderte vorgestern mehrmals Verstärkungen. General Levitzky hielt General Skobeleff stark genug und schlug daher dieselben ab. Schließlich sandte General Koiloff auf eigene Verantwortung 1000 Mann. Dieselben trafen jedoch zu spät ein, ebenso ein anderes vom Hauptquartier zu Hülfe gesandtes Regiment. Die Redoute von Grivica befindet sich in russischem Besitz. Konstantinopel, 15. September, Abends. Eine Depesche Mehemed Ali's von heute meldet: Gestern wurden die Ruffen, 22 Bataillone Infanterie, 3 Regimenter Kavallerie und 65 Kanonen stark, geschlagen und nach Sinan zurückgeworfen. Die türkische Colonne bestand nur aus 12 Bataillonen, denen sich sodann 6 andere im Verlause des Kampfes anschloffen. — Suleiman Pascha meldet, daß der Artillerie-Kampf am Schipka-Paffe fortdauere und abermals mehrere russische Batterien zum Schweigen gebracht worden feien. Ein Telegramm Mehemed Ali Pascha's vom Mittwoch meldet: Bei Djuma und in der Umgebung von Osman-Bazar fanden für die Türken günstige Gefechte statt. Wien, 16. September. Ein officielles Telegramm der „Polit. Corresp."! aus Bukarest vom 15. d. meldet: Nach dem letzten Kampfe bei Plewna hißten die Rumänen die Parlamentär-Flagge auf und entsandten Abtheilungen auf das Schlachtfeld, um ihre (Sefalkuen aufzulesen. Die Türken schoflen jedoch auf bie Sanitäts-Officiere und tövieten zwei derselben. — Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad vom 15. d.: Nach officieller Versicherung erhielt der serbische Agent in Konstantinopel bis jetzt keinen Auftrag, die diplomatischen Be Ziehungen abzubrechen. Derselbe bleibt bis auf Weiteres in Konstantinopel. — Auf eine Reclamation von serbischer Seite in Koiistankinopel räumten die Türken das von ihnen besetzte Bujuklijaga. — Sämmtliche Truppen aus dem Lager von Topschider sind nach der Grenze abmarschirt. — Dieselbe Corre- spondenz veröffentlicht den Wortlaut der griechischen Note vom 4. d., welche die Note Lord Derby's beantwortete. Petersburg, 16. September. Telegramm des Großfürsten Nicolaus aus Poradim vom 15. d.: Gestern besichtigte ich den ganzen Taz die Positionen, wählte neue Stellungen für die Batterien aus und recoznoscirte die Dispositionen des Feindes, fand daher keine Zeit, zu telegraphiren. Am 13. d. den ganzen Tag und am 14. bis Abends 6 Uhr beschossen unsere Batterien Plewna. Die Türken erwiderten das Feuer nicht; sie scheinen die Munition für beu Fall einer Wieberholung bes Sturmes zu sparen. Am 14. d., Abends, eröffneten bie Türken ein heftiges Feuer gegen die Grivica - Redoute, griffen dieselbe später an, wurden jedoch unter Mitwirkung unserer und der rumänischen Reserve zurückgeworsen. Die ganze Affaire dauerte 31/* Stunden. Heute fahren wir fort, bie feinblichen Befestigungen zu beschießen. Die Stadt brennt. — Nachrichten vom 14. b., Abends, zufolge passirten seit dem 7. d. bie verschiedenen Verband-Plätze 239 verwundete Officiere, 9482 Soldaten; tobt sind gegen 3000; es ist noch nicht mögl.ch, die ßatyl derselben genau anzugeben. Der Gesammt-Verlust beträgt gegen 3000 Officiere und 12,500 Soldaten. Die Rumänen verloren bis zum 14. d., Morgens, gegen 60 Officiere und 3000 Soldaten tobt und verwundet. Die Stimmung unserer und der rumänischen Truppen ist ausgezeichnet. Die jungen rumänischen Truppen kämpfen vortrefflich. — Auf den übrigen Punkten des Kriegsschauplatzes ist Alles, ivie früher, ruhig. Cattaro, 16. September. In der verfloflenen Nacht umzingelten einige Tausend Montenegriner Bilek, Gubowir und Korjenic und forderten diese Ortschaften zur Uebergabe binnen 24 Stunden auf. Konstantinopel, 16. September. Bei dem Kampfe am Freitag bei Sinan wurde das uns angreifende zwölfte russische Corps mit großen Verlusten zurückgeworfen. — Eine russische Recognoscirungs Abtheilung wurde bei Osman- Bazar neuerlich zurückgewiesen. Ein tscherkessisches Recognoscirungs-Detachement batte nach einem Telegramm aus RystfHuk einen Zusammenstoß mit den Ruflen bei Pyrgos, wobei letztere 200 Mäim an Tobten verloren. — Der Großvezir theilte bcm britischen Botschafter Layarb mit, baß Osman Pascha gestern bie Ruflen geschlagen habe. Dieselben sollen 8000 Tobte unb Verwunbete, mehrere Kanonen und Munition verloren haben. Der Kamps bauere fort. Paris, 16. September. Die „Agence Havas" inelbet: Die Montenegriner bombarbiren Bllek. Petersburg, 16. Sept., Abenbs. Osficiell. Karajal, 16. Sept. Am 13. b. recoznoscirte Generalmajor Lous-Melckoff mit brei Bataillonen Infanterie, vier Schwadronen unb sieben Sotnien Reiterei unb zwölf Geschützen, um den rechten Flügel von Mukhtar Pascha's Position eingehend zu besichtigen. In der Nacht ausrückend, besetzten unsere Truppen bei Tages-Anbruch einen Theil des Berges Aladscha, wobei sie auch eine« Theil des über den Bergrücken führenden Weges besichtigten. Diese Bewegung rief fast im ganzen, feindlichen Lager große Aufregung hervor. Ungeachtet des starken Artillerie- und G^wehrfeuers des Gegners verloren wir beim Rückmarsch blos einen Todten und 23 Verwundete. Der Feind hatte allein gegen 85 Verwundete. — Im Terek-Gebiete beschränken sich unsere Truppen auf Operationen gegen die zurückgebliebenen unb am meisten hartnäckigen Auf ständischen. Petersburg, 16. September, Abends. Osficiell. Porabim, 15. Sept. Am 13. b. stellten die Türken an die Mitte bes Abhanges bes Nikolaibergs nach dem Dorfe Sckipka hin 3 achtzigpfündize Mörser aus unb bombarbirien bie ganze Nacht ben Nikolaiberg. Unser Verlust betrug am 13. b. 38 Mann. Ein Ariillerie-Stabscapitäu blieb tobt. Am 14. b. belief sich unser Verlust aus 117 Mann. Poradim, 16. Sept. Die Beschießung Plewna's dauerte gestern den ganzen Tag. Die Türken erwiderten das Feuer beinahe gar nicht. — Dem Fürsten Karl von Rumänien wurde der Georgsordeu dritter Clafle, dem General Cernat der Georgsordeu vierter Clafle verliehen. General Dragomiroff, Fürst Jmeretinsky und General Skobeloff wurden zu General-LieutenantS ernannt. Konstantinopel, 16. September. Osman Pascha meldet Folgendes: Die Ruflen, weiche die Redouten östlich von Plewna occupirt hatten, wurden von den Türken wieder verdrängt und zogen sich in Unordnung zurück; sie verloren 8000 Todte unb Verwundete. Drei Geschütze und große Masten Munition fielen den Türken in die Hände. Somit sind die Rusten bei ihren Angriffen auf Plewna vollständig geschlagen^ ihre Artillerie richtet gegenwärtig nur noch ein sehr schwaches Feuer auf die Lstadt. — Ein Telegramm Suleiman Pascha's berichtet^Dic türkische Artillerie hat an den Befestigungen des Schtpka-Pastes großen Schaden angerichtet. Konstantinopel, 17 September. Informationen aus verschiedenen Quellen bestätig.n bie Richtigkeit der Melbnng über die Erfolge Osman Pascha's bei Plewna. — Ein officielles Telegramm aus Schipka vom heutigen Tage meldet, daß Suleiman Pascha sich der befestigten Position Sveti Nicolai im Schipka-Passe bemächtigt hat. — Eine Depesche Mehemed Ali Pascha's vom 15. September meldet: Astaf Pascha, der jim Donnerstag mit 12 Bataillonen aus Kischlowa vor- marschirt war und Sinankiöi besetzt hatte, wurde am Freitag vom 12. russischen Eorps, welches 32 Bataillone Infanterie, 2 Cavallerie-Regimenter unb 64 Gesetze stark war, angegriffen Nachdem von Kischlowa her 6 Bataillone zur Unterstützung gesendet waren, wurden die Rusten mit großen Verlusten zurück- g«-'schlagen und bis Banikalom verfolgt. — Nach einem weiteren Telegramm Osman Pascha's wird der Verlust der acht russischen Colonneu, deren Angriff auf Plewna zurückgeschlagen wurde, auf 15,000 Mann geschätzt. Lokal-Notiz. Gießen, 18. Sept- Wir lassen nachstehend das Protocoll der Stadtoerordnsten- Sitzung vo.-ir 6 September 1877 folgen: 1. Auf der Strecke von der Loge nach Wenzel's Garten hin ist die Slcaßen- beleuchlung für mchl ausreichend erkannt worden und es ist deshalb nach dem Antrag der Baudeputalion die Aufstellung von 2 weiteren Laternen beschlossen worden. 2 Die Baugesuch- der Herren Wilhelm Steinbach, Wilhelm Schäfer, Kaspar Scho mb er und Gg. Unverzagt sollen, nachdem die oorgelegten Pläne geprüft und daran nichts za beanstanden war, befürwortet werden. 3. Wegen des Ablebens Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig HI. ist auch m der kath. Kirche das Trauerqeläute besorgt worden und die dadurch entstandenen Kosten sind aus die Stadtkaste übernommen worden. 4. Bei der demnächst nöthig werdenden Verbreiterung des Asterwegs nach Maßgabe des neuen Stadtbauplans ist auch ein Streifen Gebäude der Herrn Hartmann Euler s Erben zu verwenden. Auf eine von besagten Erben jetzt schon gemachte Offerte konnte die ^tadloerordnelen-V-rsammlung wegen des für die ganze Besitzung gestellten Preises nicht eingehen, weil die etabt, sobald das Bedürfniß der Verbreiterung ein- tritt nur das hierzu erforderliche Gelände zu erwerben beabsichtigt. 5. Zur Anweisung verschiedener Rechnungen über aus der Hand vergebene Arbeiten wurde Ermächtigung ertheilt. 6. Dem Herrn Occonomen Friedrich Kempff wurde auf sein Nachsuchen die Verrichtung einer Ueberbrückung nach seinem Acker am Krosdorfer Weg und die Abhebung eines Rains vor seinem Grundstück am Wartweg unter der Bedingung gebattet, daß alle hierbei nöthig werdenden Arbeiten nur unter Aufsicht des Stadtbaumeisters ausgefüort werden dürfen. 7. Für die Polizeiwachstude wurde die Anschaffung der verschiedenen Gegenstände als: 1 Tisch, 1 Schrank, Stühle, Handtücher u. s. w. genehmigt. 8. Durcp die Theilung von 2 Klassen in der Realschule werden noch Schulge- rathe, welche zu 566 JL veranschlagt sind, erforderlich, deren Anschaffung genehmigt wurde. Ebenso ist zur Ausführung der im rechtsseitigen Wachthaus am Neuenweger- lhor erforderlichen und auf 106 jl berechneten Arbeiten Genehmigung erthM worden. Gießen, 18. Septbr. Die Empfangsparade der Kriegeroereine des hessischen Landesverbands vor Sr. Majestät dem Kaiser, Sonntag den 23. Sept- in Darmstadt, nimmt größere Dimensionen an als Anfangs erwartet und gehofft wurde. Aus unter* r'chteter Quelle geht uns die Mittheilung zu, daß sich bereits am Sonntag 2500 Theil- nehmer angemeldet hatten, welcher Zahl der Darmstädter Verein mit 400 Mann hinzu- tritt. Inzwischen sind noch weitere Meldungen eingegangen, so daß nahezu 4000 Mann in Parade stehen werden. Die Bemühungen, für den hiesigen Verein in Darmstadt gemeinschaftlichen Mittagsti,ch zu beschaffen, haben bis jetzt keinen Erfolg gehabt, da auf alle Schreiben die Antwort einging: „Bedaure sehr, es ist alles bestellt" Es mag dies einen Begriff von der Menschenmasse geben, welche am „Kaisertag" in Darmstadt zusammenströmen wird. Vermischte-. ** Lauterbach, 17. Sept. Nächsten Samstag den 22. d. M- wird die von dem oberhessischen Gartenbauverein veranlaßte Obst., Gemüse- unb Blumen-Ausstellung in ben freundlichen Raumen des hiesigen Casinogebäudes, welche der Vorstand der Casino Gesellschaft zu diesem Zweck bereitwillig zur Verfügung gestellt hat, eröffnet werden. Obgleich die Zeit zur Anmeldung der auszustellenden Gegenstände bereits m 1' *° glauben wir doch, daß das Ausstellungs-Comitö Anmeldungen, welche ohneVerzug gemacht werden, noch berücksichtigen wird. Wir möchten daher denjenigen, welche sich noch an der Ausstellung betheiligen wollen, empfehlen, nicht länger damit zu säumen. Indem wir aufrichtig wünschen, daß das Unternehmen seinen Zweck vollständig erreichen möge, hegen wir die Ueberzeugung, daß von Seiten des Comit^'S alles Mögliche aufgeboten werden wird, die Besucher der Ausstellung zu befriedigen. ... Darmftadt, 15. Sept- Bei Wahlen entscheidet oft nur eine Stimme, daS hat sich auch gestern wieder deutlich gezeigt. In einem Revier war ein aufgestellter Can- öib«t zugleich im Amt als Wahlcommissar, was wohl besser abgelehnt worben wäre; da kommt em Wähler ohne feinen Steuerzettel (!) und wird zurückgewiesen, um den- felben erst zu holen — das thut derselbe denn ganz zornentbrannt und legt dann den Wahlzettel in die Urne, auf dem natürlich der Wahlkommiflär nicht stand! DaS war die 41te Stimme! Schade! — Wie man hört sollen die beiden Großb. Dragoner-Regimenter Nr. 23 und 24 in der Folge statt der seitberigen dunkelgrünen Waffenröcke hellblaue Waffenröcke, gleich den übrigen Dragoner-Regimentern der deutschen Armee tragen. DaS 1. Großh. Dva- goner-Regiment Nr. 23 soll schon im k. Jahre damit den Anfang machen, während die vorhandenen Bestände von dem anderen Regimente aufzutragen sind. . , Darmftadt, 14. Septbr. Die Großh. Bürgermeisterei Darmstadt hat heute folgende Zuschrift an die hiesigen Blätter gelangen lassen: , »Vielfachen Nachfragen bezüglich des Programms für die Kaiferempfangsfeier- uchkeiten gegenüber machen wir darauf äufmcrfiam, daß die eigentliche Feststellung eines solchen erst nach dem 16. Septbr. stattfinden kann, weil an diesem Tage bei Ge legenheit der Durchfahrt Seiner Majestät mit der Main-Neckarbahn erst die Entgegennahme Allerhöchster Intentionen bewirkt werden kann. In verschiedenen Blättern ist die Nawrichl verbreitet, daß die Empfangsfeier lediglich einen militärischen Charakter habe. Indem ist Dies nicht so. Nach der Ankunft Sr. Majestät am 23. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr 25 Min., werden Allerhöchst dieselben bei dem Heraustreten aus dem Bahnhof durch den Stadtoorftand begrüßt werden, dann nach Entgegennahme eines Bouquets die aufgestellten Kriegeroereine abgeben und dann in langsamer Fahrt durch die mit Schulkindern und Vereinen bestellte Rheinstraße ins Schloß fahren, um °?n_ bj' gegen 6 Uhr einen Besuch im Gr. Palais am Wilhelminenplatz abzuftatten. Des Abends nach dem Theater wird großer Zapfenstreich auf dein mit großen Gaspyramiden erleuchteten Paradeplatz stattsinden, wobei besonderer Werth auf die Huldigung und resp. Betheiligung der Vereine und (Korporationen gelegt werden dürfte " v Ul ß' 11 ^epl. Die Norddeutsche Affinerie (Silber-Schmelze), welche von der MÜHlensttaße, dem neuen Steinweg und der ersten Elbstraße begrenzt wird und mit ihren Gebäuden das zwischen den genannten Straßen belegene Terrain bedeckt, ist in der vergangenen Nacht ein Raub der Flammen geworden. Vier Dampfspritzen waren in Thätigkeit und richteten ihr Augenmerk vorzüglich darauf, daS Feuer auf seinen eigenen Herd zu beschränken und die anliegenden Gebäude zu schützen. Diese Absicht wurde auch erreicht. Der Haupt-Schornstein ist als gut erhalten befunden worden, und es scheint, daß auch zwei der vorhandenen Oefen nicht gelitten haben. Die ^lektrolittschen Apparate dürften in kurzer Zeit wieder in Ordnung zu bringen sein. Von den in den Gebäuden lagernden Chemikalien, die den Flammen reichliche Nahrung boten, explodirten viele, und die Hitze war so intensiv, daß nicht nur die Fenster der benachbarten Häuser sprangen, sondern daß diese letzteren selbst große Risse aufzu- weisen haben. Das Feuer soll auf dem Trockenboden aus unbekannter Urfache ent- standen sein und hat sich von dort mit rufender Schnelligkeit fämmtlichen Gebäuden mitgethetlt. Durch die Zerstörung der Affinerie sind für den Augenblick etwa 180 Ar- better brodlos geworden. Versichert ist die Affinerie bei 29 verfchiedenen meist englischen Compagnien im Gesammt-Betrage von 4i/2 Millionen Mark. ui 77 $n America wird das .Hängen" in der Regel so ungeschickt gehandhabt, daß die Delinquenten oft eines langsamen und qualvollen Todes sterben. Ein Mörder, Namens Guidry, der in New-OrleanS am 25. Juli gehenkt wurde, war indeß glück- lich genug, augenblicklich zu sterben in Folge des Umstandes, daß er die Anordnungen für feine Hinrichtung persönlich beaufsichtigte. Als Guidry, der ein merkwürdig intelligenter Mörder war, das Schaffst bestieg, besichtigte er sofort den Strick, mit roeb a»em er gehenkt Werden sollte, und fand, daß er nicht lang genug sei. .Der Fall" — tagte er zu dem Sheriff — .wird nicht genügen. Ich wünsche einen gehörigen .hals- brechenden Fall, von etwa zehn Fuß liefe." Der Sheriff that sofort die nöthigen Lchritie, um diesem Gesuche zu willfahren und der Strick wurde demgemäß verlängert Delinquenten um den Hals gelegt. Guidry machte sodann nach einigen spöttischen Bemerkungen darüber, daß man in America nicht einmal zu henken verstehe, den Sheriff darauf aufmerksam, daß der Strick zu dicht zusammengezogen und der Knoten an der unrechten Stelle sei. Der Sheriff traf die nöthigen Abänderungen und zog bann dem Delinquenten die Kappe über daS Gesicht. Guidry brach hieraus in ein verantwortuwe yteDflctton : wwevoc. xjiua uuu *■ Handel und Verkehr Lahrer hinkende Bote, Reichsbote, 5196) Versteigerungen auf !res bei J. Blitz Bäcker Stein berste r. 5037) Ph. Mayfarth & Co., Frankfurt a. M. 4722) 91. Bramm- 5192) 5)77) Wein- it ühslpresseii (Heitern), 4374) 5175) Eisenberg, Rheinpsalz. J. P. Sann. Buchbinder. womit ein Mann bis 50,000 Kilo Druck ausüben kann, in neuester und bester Construction, liefern in verschiedenen Größen unter Garantie. für Güte. — Jllustrirte Beschreibung franco und gratis. 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Mts.: 1.1ustus Georg Unverzagt!, zu Gießen, Inhaber der Firma I. Georg Unverzagt I. daselbst, hat die seinem Sohne Ca r l Un v er z a gt ertheilte Procura zurückgezogen und solche auf seine, des Justus Georg Unverzagt I Ehefrau Maria, geborne Koch übertragen. Am heutigen: 2. Peter Schandua zu Gießen betreibt daselbst seit dem 21. Juni l. I. ein kaufmännisches Geschäft unter der Firma „Peter S ch a n d u a." Gießen, den 17. September 1877. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. 5090)Bottich er. Ph. Mayfarth 8t e. Snordnul's!! er in- ein MU i,^el- sofort w ^^ ch einigen 'S«**” Ä* dl-»' unbändiges Gelächter aus, weil, wie er sagte, die Kappe so dünn sei, daß er durch dieselbe sehen könnte. Als endlich die Klappe fiel, starb der Delinquent augenscheinlich ohr:.' Schmerz ob.r Todeskampf, weil er sich, wie der New-Ao k Herold bemerkt, das Geschäft selber besorcit und dadurch die erste gründlich erfolgreiche Hinrichtung, die seit lajuet Zeit in den Vereinigten Staaten Statt gefunden, gesichert hatte. Berlin, 8. Sept. Die »Vossische Zeitung" enthält Folgendes: Die Erinnerung an den heißen Sturm des Düppeler Schanzen ist am Dienstag bet einem hiesigen Tischler in seltsamer Weise auigesrischt worden. Der Mann, welcher durch die Ungunst der Zeitverhästmsse fast verarmt ist und in den drückendsten Verhältnissen lebt, empfing von efmm Kopenhagener Advokaten ein dickes Schreiben, welches erst durch die Der? mtttlung der Behörde an seine Adresse gelangt ist und in welchem dem Manne ange? zeigt wird, daß der frühere dänische Oberlieutenant L . - ■ . e verstorben und den Tisch ler zum Erben einer Summe von 3500 Reichsthalern eingesetzt. Die unerwartete Erbschaft ist jederzeit zu erheben, uyd bittet der Advocat nur um die genaue, behördlich bescheinigte Adreffe 'des Erben. Dem Schreiben d.eS Anwalts lag ein verschlossener Brief bei, dessen interessanter Inhalt also lautet: „Mein Freund und Retter! Ich führe Ihre Erinnerung in eine bewegte Zeit zurück. Erinnern sic sich an den Schanzensturm bet Düppel. Ein dänischer Officier lag verwundet am Boden, als kurz vor Beendigung des Angriffes der Preußen eine Colonne, unter welcher auch oteSectton war, der Sie angehörten, jubelnd und Hurrah rufend gerade über den Platz stürmte, auf welchem ich lag, denn ich war jener Officier. Das Getöse, hauptsächlich das Siegesgeschrei der Ihrigen, machte mich wild und veranlaßte mich, trotz meiner Wunde, den Revolver auf Ihre Section abzufeuern. Das war vom soldatischen Standpuncte nicht hübsch, doch kann andererseits auch wieder nur der Soldat die Seelenstimmung deS Besiegten begreifen. Nach dem ersten Schutz sprang ein Mann aus Ihrer Section auf mich zu, hob das Gewehr und würde nur unfehlbar den Schädel zerschmettert haben, wenn Sie ihm nicht in den Weg getreten wären. Das Gefecht ging zu Ende; Sie fanden mich schließlich wieder, begleiteten mich zur Ambulanz und ich sah Sie später noch einmal im Lazareth wieder in meiner Krankheit und Gefangenschaft selbst, als ich wieder in die Armee der Meinigen zurückgekehlt war. Niemals ist die Erinnerung an Ihre edle That aus meinem Gedachtnitz entschwunden. Es gelang mir im Lazareth, Genaues über Ihre Person zu erfahren, und nicht nur in meinem Buche steht Ihr Name verzeichnet, auch mein Herz läßt ihn nicht. Leider habe ich das unendliche Glück im Kreise btrßkben nicht lange genießen sollen. Der Tod entrttz mir Weib und Kind bereits im Jahre 1867. Zehn Jahre habe ich, schwer leidend, einsam gelebt und fühle meinen Tod herannahen. In der lebendigen Erinnerung an jenen Moment auf den Schanzen von Düppel weiß ich mit dem kleinen Rest meines kleinen Besitzes nichts Besseres an zufangen, als ihn meinem Lebensretter zu vermachen. Vielleicht kann er für sich unb Personen, die ihm lieb sind, Gutes damit flirten. Wenn dieser Brief, den ich wahr schetnlich kurz vor meinem Ende schreibe, in Ihre Hände gelangt, bin ich nicht mehr. Bewahren Sie einem Leidenden ein freundliches Andenken und leben Sie wohl- Ihr ehemaliger Feind L . . . - e, früherer Ober-Lieutenant.- Der Schreiber hat seinen Tod vorausgeahnt, denn der Brief dattrt aus dem Jule 1877. Der brave Tischler ober, hiessen Namen wir verschweigen, der sich aber in sehr dürftigen Verhältnissen befindet, Hot sofort die nöthigen Schrilte gethan, um die unerwartete Erbschaft zu erheben, die ihn in den Stand setzt, sich empor zu arbeiten. D armstadt, 3 September. Wir lesen im „Berliner Tageblatts eine interessante Lager sei. Darauf erhielt sie umgehend, eingeschrieben und frankirt das folgende uns im Or: ginal vorliegende „Verzeichniß der dort vorräthigen Kandidaten": 3 Fürsten, 8 Grafen, 91 Barone, 250 Gutsbesitzer, 380 Offiziere, 800 Beamte, 120 Gelehrte, 240 Fabrikanten, 1400 Kaufleute, 800 Landwirche, 1790 Industrielle unb 110 Rentiers. Hier hat nun die junge Dame das Aussuchen, ganz nach Belieben. Ehe aber das „Office for Mariages" in weitere Verhandlungen eintreten kann, hat Fräulein X. erst 27 gedruckt beigegebene Fragen zu beantworten. Zum Beispiel Frage 6: „Wie groß sind Sie und wie ist die Farbe Ihrer Haare?" Frage 7: „Haben Sie irgend einen Schaven an ihrem Körper?" Frage 9: „Spielen Sie Klavier und wieviel Sprachen sprechen Sie?" Frage 13: „Haben Sie Besitzthum oder wohnen Sie zu Miethe?" Frage 14: „Wie hoch ist Ihr Mitgift?" Frage 18: „Reflcktiren Sie auf adelige Abkunft, ober sehen Sie davon ab?" Frage 20: „Darf es auch ein Wittwer sein und bis zu welchem Alter?" Frage 21: „Welcher Religion darf der Herr angehören?" Frage 23: „Waren Sie schon verheirathet und wie viel Kinder haben Sie?" Frage 26 (bei Wittwen): „Wessen Sohn war Ihr Mann?" Frage 27: „Sind Sie vielleicht mit Ihrem Manne geschieden, oder liegen Sie noch in Scheidung? Diese Fragen sind erst wahrheitsgemäp zu beantworten; bann ist die Photographie der Heirathslustigen und zur Bestreitung der Registratur, Frankatur, Korrespondenz- und Insertions-Kosten, sowie der etwa nöthig werdenden Depeschen, Expreße und rckommandirten Briefe eine beliebige Summe nach Vermögen und Stand beizulegen. Damit verbunden ist eine „Eintritts-Gebühr" von mindestens zehn Mark. Sind diese Zahlungen richtig geleistet, so behält sich die Direktion zum Zustandebringen einer Heirath eine vierteljährliche Wirkungszeit vor; innerhalb dieser Wirkungszeit ist der Bewerber an die Anstalt gebunden; wenn er sich während dieser Zeit, ohne Zuthun der Anstalt verlobt oder gar verheirathet, so hat er dem Institut 100 Mark „Konventionalstrafe" zu bezahlen. Von entsprechender Gefängnißhaft im Unvermögensfalle wird glücklicher Weise abgesehen. Sollte der leidige Fall eintreten, daß kurz nach der Vcrheirathung der eine oder andere Theil verstirbt, so hat der Ueberlebende die Verpflichtung, zehn Prozent von der ihm zufallenden Erbschaft an das Institut zu entrichten. Wenn aber, nach abgelaufener „Wirkungszeit", also nach drei Monaten, es überhaupt zu keinsr Vcrhcirathung kommt, so ist der Auftraggeber ohne Weiteres berechtigt — seine Photographie zurück zu verlangen Als Illustration trägt der Prospekt ein Kreuz, ein brennendes Herz und einen Anker, welches bekanntlich Glaube, Liebe, Hoffnung bedeuten soll; darunter aber, und das ist die Pointe des Ganzen, die Worte: „Honny soit qui mal y pense!“ Lateinisch: „Mundus vult decipi“, und deutsch: „Die Dummen werden niemals alle." 36*Ä •*«% ,ne "Mm ar: fcNfufabie Wfl unb bie Uh, 1'" "°4 Sd>u(9„ ^affun« genebmiot "i Wfflt »orm. «Pt-in Dirmitiit, unter! 1 Äann Jlniu, MhnMMfcri «m In SDarmftabt «qilfl gehabt, da iUeä bestellt." A mserta-" Harm; 5152) Gothaer Cervelatwurst , Knackwürstchen und Blasenschinken empfangen wöchentlich zweimal in frisch geräucherter Waare J. A. 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