JVo. IGO. Samstag, den 14. Juli 18VV. Kießener "Anzeiger Aoxeige- uni AmtsM für ürn Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ansnabme deS MontagK. Expedition r Schul st raße, Lit. B. Nr. 18. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HAeik. Bekanntmachung. In Folge des Baues der Brücke über die Wieseck in der Reichensand-Bahnhofsstraße ist es nochwendig geworden, den Verkehr über den dort befindlichen Steg einzustellen. Es ist daher der Weg zu dem Letzteren bis auf Weiteres gesperrt und der Steg an der Main-Weser-Bahn am Fuße des Felsenkellers ausschließlich zu benutzen. Gießen, am 11. Juli 1877. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius. Bekanntmachung. Das Ableben des Kaminfegers Karl Neuling zu Gießen betreffend. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach Verfügung Großherzoglichen Kreisamts Gießen vom 11. I. Mts. die Geschäfte in dem Kaminfegerbezirk des verstorbenen Kaminsegermeisters Karl Neuling dem Kaminfegermeister Karl Zwesch dahier bis auf Weiteres übertragen worden sind. Gießen, den 12. Juli 1877. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius. Bekanntmachung. Der Großherzogliche Bürgermeister Wilhelm Walter III. in Daubringen ist als Standesbeamter des Standesamtsbezirks Daubringen bestellt und verflichtet worden, was man hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringt. Gießen, den 12. Juli 1877. Großherzogliches Landgericht Gießen. Erdmann, Landrichter. politischer Theil. Zur allgemeinen politischen Lage. Die kriegerischen Ereigniffe an der unteren Donau nehmen gegenwärtig fortdauernd und mit Recht das größte Jntereffe in Anspruch. Die lange ver- zögerle Eröffnung des Feldzugs in der europäischen Türkei war mit nicht geringen Ueberraschungen verbunden — mit kaum geringeren, als die des Jahres 1870 gewesen sind. Da die Türken Zeit genug hatten, die Donau-Uebergänge allerorten zu besetzen und die bedrohtesten Uferpunkte durch Artillerie zu schützen, konnte erwartet werden, daß jeder Versuch der Russen, den gewaltigen Strom Angesichts des Feindes starker Hand zu überschreiten, mit gewaltigen Opfern an Menschenleben und Kriegsmaterial für sie verbunden sein werde. In der Thal calculirte man auch fabelhafte Zahlen heraus, welche der Donau-Ueber- gang den Ruffen an Soldaten kosten würde. Und was geschah? Zuerst brach von Braila aus ein russisches Heer über die untere Donau in die Dobrudscha ein, ohne daß die Türken, welche doch den Vorbereitungen dazu, insbesondere dem Bau der später ausgeführten Brücke, zugesehen hatten, den Ankommenden mehr als einige Scharmützel lieferten. Daffelbe wiederholte sich im Centrum der russischen Armeen zwischen Rustschuk und Nikopoli, wo die Türken dem Uebergange des Feindes auf das rechte Ufer so geringen Widerstand entgegensetzten, daß das Gerücht entstehen konnte, die osmanischen Befehlshaber seien von den Russen bestochen, um ihnen die gefährliche Passage möglichst leicht zu machen. Noch mehr. Ließen die Türken vielleicht nur deswegen die Feinde in die Bulgarei einrücken, um alsdann mit überlegener Heeresmacht über sie herzufallen und sie zu vernichten? Nichts derart geschah. Schnell sind die Russen bis in das Herz Bulgariens eingedrungen und haben sich bereits der alten Hauptstadt des Landes, Ttrnowas, bemächtigt, ohne auf irgend eine namhafte und energische Gegenwehr zu stoßen. Da zu gleicher Zeit aber die Dobrudscha oder wenigstens deren nördlicher Theil vor ihrem vorrückenden linken Flügel von den Türken geräumt wurde, so kann der erste Theil des Feldzugs als von Seiten der Russen siegreich beendigt gelten. Selbst der Laie darf bereits über den Feldzugsplan, dem diese nunmehr folgen werden, ein Ur- theil zu fassen wagen. Wirst man einen Blick auf die Karte, so erscheint die Stärke der türkischen Position, nämlich das von den beiden Donausesten Rustschuk und Silistria, sowie von den südlicher gelegenen Festungen Schumla und Varna gebildete sog. Festungsviereck durch den Feind schon in diesem Augenblicke umfaßt. Die in der Dobrudscha operirende Armee der Russen ist mit ihren zwei Armee-Corps stark genug, Silistria und Varna, die beiden östlichsten jener Festungen in Schach zu halten; das russische Hauptheer aber, welches mit vier Armee-Corps bereits die Donau bei Simnitza passirt hat, kann bei seiner ansehnlichen Stärke nicht nur Rustschuk und Schumla blokiren, sondern auch ein Expedittons-Corps nach Süden vorwärts zu senden wagen, welches den zurückwetchenden Feind in den Balkan verfolgt. Gelingt es den Türken nicht, die schwer zu stürmenden Päffe dieses unwegsamen Gebirges gegen ihren Feind zu halten, machen sie es vielmehr in den Bergen ebenso, wie sie es an der Donau gemacht haben, daß sie den Russen Vie Gelegenheit bieten, an irgend einem schwach besetzten oder schlecht verteidigten Punkte durchzubrechen, so ist ihre Sache verloren, denn der Weg nach Adrianopel und selbst nach Konstantinopel ist dann ihren Gegnern offen. Möglich freilich, daß die Türken sich noch einmal zu energischer Gegenwehr aufraffen, wie sie auch unter noch für sie ungünstigeren Verhältniffen auf dem asiatischen Kriegstheater bewiesen haben, daß sie noch fähig sind, selbst zur Offensive mit Energie und Erfolg überzugehen; möglich also auch, daß der Feldzug sich noch in die Länge zieht; die Überlegenheit der russischen Waffen aber haben die bisherigen Begebenheiten des Krieges doch schon so gezeigt, daß das unbefangene Urtheil über deren schließlichen Erfolg nicht in Zweifel sein kann. Droht nun etwa irgend eine Intervention Seitens einer europäischen Großmacht diesen Erfolg in Frage zu stellen? Wir meinen nicht, so lange Rußland darauf verzichtet, die etwa eroberten Provinzen der Türkei sich einzuverleiben. Und daß dieser Verzicht zu den Abmachungen des Drei-Kaiser-Bundes gehört, scheint die Haltung Oesterreichs zu verbürgen. Damit wäre dann zugleich die Hoffnung begründet, daß der Krieg im Osten localisirt bleibt und nicht zu einem allgemeinen europäischen Brand ausartet, welche Hoffnung wir trotz der Bewegung.der englischen Flotte, und selbst wenn Oesterreich zur Besetzung Bosniens und der Herzegowina übergehen oder selbst Griechenland aus dem Kampfplatz erscheinen sollte, noch nicht aufgeben dürfen. Drohender für die Ruhe Deutschlands, als der orientalische Krieg, ist die Lage der Dinge in Frankreich. Seitdem dort der Bonapartismus und, was noch schlimmer, der Ultramontanismus am Ruder des Staates ist, kann die Ruhe zunächst Italiens, aber auch Deutschlands, nicht mehr als gesichert gelten. Die schwarzen Vorkämpfer für die weltliche Herrschaft des Papstes machen auch gar kein Hehl daraus, daß sie sich der formidablen Rüstungen der Franzosen zur Erreichung ihres Ziels zu bedienen gedenken. Mag auch Mac Mahon selbst noch nicht den Zeitpunkt für gekommen erachten, den Krieg zu führen, und mögen daher auch seine osficiellen Friedensversicherungen insofern aufrichtige sein, wer steht uns dafür, daß, wie er auf klerikalen Einfluß hin überhaupt auf die abschüssige Bahn eingelenkt ist, die er gegenwärtig wandelt, er in der Folge nicht auch gezwungen sein wird, das volle Programm seiner schwarzen Hintermänner anzunehmen und auszuführen? Es wäre thöricht, wenn wir Deutsche vor dieser uns drohenden Gefahr die Augen verschließen und die Anzeichen des sich vorbereitenden Conflicts vertuschen wollten. Ohnehin ist derselbe nicht in nächster Nähe und das dem Fürsten Bismarck zugeschriebene Wort: „bis zu den Wahlen kann ich mich tobt stellen", hat seine volle Richtigkeit. Vorläufig sind die Franzosen mit ihren inneren Wirren noch vollauf beschästtgt und die Situation kann erst nach vollzogenen Wahlen durchsichtiger werden, weil das Ministerium alsdann gezwungen sein wird, sein eigentliches Spiel zu eröffnen. Das, wie es scheint, nahe bevorstehende Ableben des Papstes Pius IX. wird in die allgemeine politische Lage schwerlich eine große Veränderung bringen. Trügt nicht Alles, so wird desien Nachfolger sich in gleicher Richtung bewegen wie er und die Politik des Syllabus fortzusetzen bestrebt sein. Auch dafür wird Vorsorge getroffen sein, daß sich die katholischen Mächte in die Papstwahl nicht mischen können auf Grund jener alten Vorrechte, welche dem Unfehlbarkeits-Dogma und dem an der Curie herrschenden Jesuiten-Einfluste gegeuübec zu einem völlig überwundenen Standpunkte geworden sind. Das Bild der allgemeinen politischen Situation gestaltet sich demnach so: das Drei-Kaiser-Bündniß hält nach wie vor den Krieg im Osten localisirt, während im Westen Deutschland und Italien sich genähert haben, um das unruhige Frankreich zu überwachen und für den Fall, daß es dem Papste Und seinen Jesuiten gelingen sollte, dasielbe mittelst des Revanche-Dranges für die Zwecke des Ultramontanismus zum Kriege zu treiben, schlagfertig dazustehen. England aber verfolgt ängstlich und argwöhnisch die Fortschritte Rußlands, ohne sich zum Beistand der Türket entschließen zu können, die allem Lermuthen nach von ihren an Zahl, Kriegskunst und Ausrüstung weit überlegenen Feinden über kurz oder lang besiegt, ihre slavischen Provinzen an der Donau, vielleicht auch einen Theil ihrer griechischen Provinzen in der einen oder anderen Form aufzugeben gezwungen sein und dadurch zur Ohnmacht herabsinken wird. Deutschland. Berlin, 11. Juli. Die „Prov.-Corresp." schreibt bezüglich der Reisen des Kaisers: Die Rückreise von Gastein erfolge vermuthlich am 8. August über Salzburg und die Ankunft in Berlin am 10. August. Im Laufe des genannten Monats gedenke der Kaiser den Uebungen des Garde-Corps und im September den großen Manövern am Rhein beizuwohnen. Berlin, 12. Juli. Die Kindersterblichkeit hat gegenwärtig in Berlin eine furchtbare Höhe erreicht. In der letztverflossenen Woche starben nicht weniger als 723 Kinder in einem Alter von noch nicht einem Jahre. Als Hauptursache gelten die schlechten Nahrungsmittel, welche den Kleinen verabreicht werden, die Milch ist niemals rein zu bekommen, sie ist stets verfälscht und bringt so anstatt Kraft den Kindern Krankheit und Tod. Vielleicht dürste man die äußerst ungesunde Luft noch hierzu zählen, welche gerade jetzt durch Aufwühlen des Erdreichs in vielen Straßen zu Zwecken der Canalisation entsteht- Berlin, 12. Juli. Wie es hier heißt, wäre die Nachricht von einer Besetzung Serbiens durch österreichische Truppen mindestens verfrüht. — Der neue Gesetz-Entwurf über das Eisenbahn-Concessions-Wesen enthält sehr verschärfte Bestimmungen und schreibt die eingehendste Concessions-Prüfung nach Vollendung der Vorarbeiten rc. durch eine neue juridisch-technische Behörde ein. — Der „Reichs-Anz." schreibt: Die Zeitungs-Nachricht aus Oeynhausen, wonach sich in der Gegend von Vlotho der Colorado-Käfer gezeigt haben sollte, hat sich nach den angestellten amtlichen Ermittelungen als unrichtig herausgestellt. Tübingen, 12. Juli. Die Schriftstellerin Ottilie Wildermuth ist hier gestorben. Irankreich. Paris, 11. Juli. Der „Agence Havas" zufolge soll der Versuch Serbiens, hier eine Anleihe aufzunehmen, gescheitert sein. Paris, 11. Juli. Nachrichten aus Konstantinopel zufolge ist dort das Gerücht von der beabsichtigten Zurückberufung Midhat Pascha's verbreitet. Ilalten Nom. Graf Chambord hat dem Papste durch eine Vertrauensperson mitgetheilt, er werde von einflußreichen Persönlichkeiten bestürmt, aus seiner Reserve herauszutreten. Des Vaticans Antwort lautete, augenblicklich sei eine directe Action gefährlich, der päpstliche Stuhl wolle ihn jedoch nicht behindern und überhaupt keinerseits Schwierigkeiten heraufbeschwören. Der päpstliche Nuntius in München berichtete nach Unterredungen mit Personen der dortigen Regierung, Bayern weise jede Einmischung des Nuntius in die religiösen Angelegenheiten des übrigen Deutschlands zurück. Spanien. Madrid, 11. Juli. Der Senat hat das Budget ohne Modiflcationen genehmigt. Türkei. Konstantinopel, 11 Juli. Das Gerücht von dem Tode. des Kriegsministers Redif Pascha wird von Seiten der Regierung für unbegründet erklärt. Der orientalische Krieg. Wien, 11. Juli. Ein Telegramm der „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 10. d. Mts.: Nach glaubwürdigen in militärischen Kreisen entstandenen Angaben soll der Donau-Uebergang der rumänischen Armee am 12. d. Mts. oberhalb und unterhalb Kalafat stattfindeu. Der Fürst von Rumänien wird persönlich das Commando übernehmen. Das russische Hauptquartier wird nach Batak verlegt werden. Die in den von den Rusten besetzten bulgarischen Districten wohnenden Mohamedaner wurden entwaffnet. London, 11. Juli. „Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum: Ismail Pascha besetzte mit einer Abtheilung des rechten türkischen Flügels die Bajazid beherrschenden Höhen. Türkische Vorposten tödteten 6 Kosaken, welche Nachts zum Fluste herabgestiegen waren, um Master zu schöpfen, und nahmen 4 Kosaken gefangen. Petersburg, 11. Juli. Offlciell. Alexandropol, 9. Juli. Nachdem General Lons-Mellkoff die Nachricht erhalten hatte, daß sämmtliche Kräfte Mukhtar Pascha's gegen Kars marschirten, stellte er vorläufig das Bombardement von Kars ein, schickte die Geschütze nach Kurukadra und Alexandropol, concentrirte die Kavallerie bei Chadrijali und die Infanterie bei Saim. — Die Colonne des Generals Tergukasoff übernahm auf ihrem Marsche aus Dajar nach Surpophannes die Beschützung von 3000 christlichen Familien, die vor den Greuelthaten der Bsschi-Bozuks und Kurden aus dem Thale von Alasch- kirt flohen. Da hierdurch die Bewegung der Colonne verzögert wurde, war es der türüschen Infanterie möglich, die russische Nachhut anzugreifeu. General Tergukasoff schlug hierauf den Weg nach Jgdyr ein, wo er am 5. d. Mts. eintraf, und marschirte sodann nach Bajazid. Petersburg, 12. Juli. Osficiell. Eupatoria. 9. Juli. Vier türkische Monitors beschosten Eupatoria während 3^ Stunden und gaben 62 Schüste ab, ohne jedoch einen Schaden zu verursachen. Die Rusten erwiderten aus vier neuupfündigen Geschützen mit 36 Granatschüsten, worunter sechs Treffer waren. Nach der Beschießung gingen die türkischen Monitors wieder in See. Pera, H. Juli. Der Minister des Aeußern richtete folgende Mittheilung an die Vertreter der Pforte im Auslande: Der Feind wurde von der Division Bajazid verfolgt und über die Grenze getrieben. Dieser Theil des türkischen Gebiets ist vollständig von den Rusten befreit. Einige hundert Rusten, welche in dem Regierungs-Gebäude cernirt sind, wurden zur Ergebung aufgefordert und wird dieselbe jeden Augenblick erwartet. Wien, 12. Juli. Die „Presse" meldet aus Bukarest: Die vor Niko- poli liegenden türkischen Monitors wurden durch Artillerie-Feuer kampfunfähig gemacht und sind von ihrer Equipage verlasten worden. — Die Besetzung Tirnowa's erfolgte durch die Brigade des Prinzen Leuchtenberg nach hartem Kampfe. Das türkische Lager mit vielen Munitions- und Proviant-Vorräthen wurve erbeutet. — Bei Bjela hielt das 11. Kosaken-Regiment der türkischen Uebermacht Stand, bis es, von Dragonern und Husaren unterstützt, nach zweistündigem Kampfe die Türken gegen Rustschuk znrückwerfen konnte. — Meldungen des „Tag-Bl.": Turn-Magurelly, 11. Juli. Der bulgarische Exarch wird aufgefordert werden, statt in Konstantinopel, in Tirnowa zu residiren. Die türkische Besatzung von Tirnowa zog gegen Osmanbazar. Russische Truppen, welche von Sistowa auf Plewna vorrückten, besetzten gestern Trestenik. Cavallerie- Patrouillen recognoscirten gegen Lowatz. Aus Nikopoli wurden 4000 Mann türkischer Truppen zum Schutz von Plewna abgesandt. — Belgrad, 11 Juli. Eruer Meldung aus Bosnien zufolge hielt Oberst Despotovic eine Versammlung der Jusnrgenten-Chefs ab, worin ein Comite zur Berathung der Angelegenheiten der Rajahs in Bosnien eingesetzt wurde. Die Versammlung ging mit Zivio's auf Fü^st Milan und das serbische Volk auseinander. — Der „N. fr. Pr." wird aus Bukarest telegraphirt: Die Türken ziehen sich in festen Stellungen zwischen Schumla und Rustschuk zusammen, um Den Rusten eine Entscheidungs - Schlacht zu liefern. Kosaken-Trupps streifen bis Osmanbazar. Der Kaiser weilt seit gestern in Zarowitz. Minister Bratiano wird am Freitag in Bukarest erwartet. Die rumänischen Kanonenboote „Fulgerul" und „Romania" sind von Braila aus bei Kalarast östlich von Silistria vor Anker gegangen, wo Vorbereitungen zum Donau-Uebergang getroffen werden. Zwischen den rumänischen Batterien bet Rastu und einer türkischen Batterie bei Lompalanka entspann sich gestern ein heftiger, jedoch resultatloser Geschützkampf.. — Ein Telegramm der „Deutschen Zeitung" meldet aus Bukarest: Rußland hat den rumänischen Eisenbahnen neuerdings 100 Locomotiven zur Verfügung gestellt. Gerüchtweise verlautet, der Großfürst Thronfolger werde den Befehl über die Dobrudscha-Armee übernehmen, der Fürst von Rumänien über die zwischen Widdin und Nikopolis operirenden Truppen und Großfürst Nikolaus über die Centrums-Armee, zugleich mit der Oberleitung des Ganzen. — Die Rusten haben mit einer Frankfurter Firma die Lieferung von 80,000 Centner Heu, 4000 Zug-Ochsen und 800 Wagen zum Zwecke der Cernirung und Belagerung von Rustschuk abgeschlosten. Vermischtes. — Der neueste Titel. Wir glauben, selbst trotz aller Tttclsucht, die eine Natio- nal-Eigenschast des Deutschen bildet, werden sich nicht Allzuviele finden, die sich um einen allerneuesten Titel bewerben würden. In officiösen Blättern nämlich finden wir folgende Notiz: „Der vom landwtrthschaftltchen Ministerium eingesetzte Heuschrecken- Commtssar, Amtmann Deutsch, hat sich nach Posen begeben, um die Vertilgung der Heuschrecken im Birnbaumer und Frauenstädter Kreise persönlich zu leiten." .... Wie denken unsere Lesere über den Titel „Herr Heuschrecken-Commissar" oder gar „Frau Heuschrecken-Commissarin"??? — Aus der Zett der Censur. Im Jahre 1842 sollte in der „Rheinischen Zeitung" eine Annonce erscheinen, welche die Uebersetzung von Dante's „Göttliche Komödie" von Phtlalethes (dem späteren, jetzt verstorbenen König Johann von Sachsen) ankündigte. Der Censor der „Rhein. Ztg.", Poltzeirath Dolleschall, streicht die Annonce mit dem Bemerken: „Mit göttlichen Dingen soll man keine Komödie treiben." — (Ein guter Rath.) In Amerika herrscht die gesetzliche Bestimmung, daß, wenn ein Angeklagter keinen eigenen Verthetdiger hat, ihm ein solcher ex officio gestellt wird. In einer letzthin stattgefundenen Gerichtsverhandlung in der großen Republik war nun ein Angeklagter des Diebstahls angeschuldigt, und da er sich keinen Vertheidiger genommen hatte, ersuchte der Präsident der Verhandlung schnell einen Advokaten, demselben seinen Rechtsbeistand zu Theil werden zu lassen. Dieser accepttrt und der Präsident bittet ihn, sich mit dem Angeklagten einige Zeit zurückzuziehen, um ihm nach bestem Gewissen seine Rathschläge zu ertheilen. Er thut dies und nach zwanzig Minuten erst erscheint er wieder im Saale. „Wo ist der Gefangenes" fragt der Präsident. „Der Gefangene läßt sich empfehlen" antwortet der Advokat. „Der Präsident hat mir befohlen, ihm diejenigen Rathschläge zu ertheilen, die aufs Beste sein Interesse wahren würden, und da er mir gestanden hat, daß er schuldig sei, so war ich der Ansicht, daß ich am besten thäte, ihm den Rathschlag zu ertheilen, sich auf und davon zu machen. Mein Client hat sich vollkommen meiner Meinung untergeordnet; er hat sich sofort auf und davon gemacht!" — (Amerikanische Selbstkritik.) In dem Theater einer kleinen amerikanischen Stadt wurde jüngst ein Stück ausgepfiffen und ausgetrommelt, so daß dasselbe kaum zu Ende gespielt werden konnte. Als der Vorhang sich zum letztenmale gesenkt hatte und die Zuschauer sich zum Gehen anschickten, erdröhnte plötzlich noch auf der Bühne ein Schutz Erschreckt blieben die Leute stehen, und eS entstand ein lärmendes Durcheinander von Fragen, was denn dort auf der Bühne vorgefallen sei. Da trat, um den Sturm zu beschwichtigen, der Director vor den Vorhang und erklärte: „Beunruhigen Sie sich nicht, verehrte Gönner! ES ist nur der Autor des Stückes, welcher an sich Gerechtigkeit geübt hat." — In Kissingen fand im Jahre 1525 die erste große sociale Bewegung in Deutschland großen Anklang. Die Bürgerschaft stellte Ostersonntags ihre Forderungen an ihren damaligen Landesherrn, den Markgrafen Casimir von Brandenburg, worin sie unter anderem forderte, „daß das Weinmaß künftighin solle größer gehalten und die Metzgerzunft solle verbunden sein, die Würste fortan fetter zu machen." So hatte diese hochtragische Katastrophe auch ihre komischen Momente. Der Markgraf antwortete, indem er 7 Rädelsführer enthaupten und 59 Bürgern die Augen ausstechen liefe. So meldet die „Alte Chronik". Köln, 7. Juli. Die Dampf-Chocoladenfabrik der Gebrüder Stollwerck Hierselbst hat auf Anlaß des Bürgermeisters Steinkopf in Mülheim am Rhein, za Nutz und Frommen der Landwirthschaft, den bösen amerikanischen Gast, den Coloradokäfer, sammt Puppen, Larven und Eiern, Alles in natürlicher Größe und Zeichnung und in möglichst treuen Farben nachgebildet. Die kleinen Gebilde sind von täuschender Aehn- lichkeir, so daß man dieselben, wie sie in niedlichen, mit GlaSdecken versehenen Kästchen auf ebenfalls nachgebildeten Kartoffelkraut dasitzen, beim ersten Blick für die wirklichen Eier, Larven, Puppen und Kartoffelkäfer zu halten versucht ist. Ein solches Kästchen enthält auf der unteren Seite eines Blattes 14 Eier, ferner eine Larve von drei Tagen, eine zweite von 14 Tagen und eine dritte von 3 Wochen, und daneben eine Puppe und einen Käfer. Das Ganze kostet eine Mark. Wir möchten Landleute und Lehrer besonders auf diese schöne und wahrheitsgetreue Darstellung des Coloradokäfers aufmerksam machen, da dieselbe dazu angethan ist, Jeden mit dem verderblichen Jnsect in allen Stadien seiner Entwicklung bekannt zu machen. Literarisches. Die neuesten Nummern der Jllustrirten Frauen Zeitung (vierteljährlicher Abonnementspreis JL. 2 50) enthalten: I. Die Moden-Nummer (25): Sommer-Toiletten für Damen, junge Mädchen und Kinder, einzelne Ueberfleiber, Tunikas, Jacken, Kleiderröcke und Kleiderärmel, Shawl-Mantille, Cravaten, Hüte, Shawl als Kopfhülle, Armband, gestrickte Halbhandschuhe, Morgenhauben, Taschentücher, Kleider, Jacken, Schür- zen und Corset für Kinder von 3—7 Jahren. Lätzchen, Jäckchen und Stiefelchen für Babies. Fensterblende, Durchzugarbeit in Tüll. Decke, Buntstickerei, Skizzenbuch mit Malerei. Toilettenkissen, Flechtarbeit mit Stickerei. Kreuzstichstickerei für Decken, verschiedene Feanzenabschlüsse für Decken auf Java-Caneoas, gehäkelte und gestrickte Spitzen rc. rc. mit 74 Abbildungen und einer Beilage mit 12 Schnittmustern, verschiedenen Muster-Verzeichnissen und Namenschiffren. II. Die Unterhaltunas-Nummer (26): Ein Mädchenräthiel. Novelle von Ida von Düringsfeld. — Der Flüchtling im Keller- Nach einer lateinischen Kellerinschrtft von Alexander Kaufmann. — Fanny Janauschek. Von W. Anthony. — Der Friedhof von St. Peter in Salzburg. Von C. R. Struwy. — Zur Naturgeschichte der Landpartieen. Von Richard Schmidt- Cabanis. — Am goldenen Horn. Von Nuredin Aga. 5. Liebe, Verlobung, Heirath. — Verschiedenes — Wirtschaftliches: Der Juli in der Küche. — Briefmappe, Frauen- Gedenktage. — Ferner folgende Illustrationen: Fanny Janauschek. Von C. Kolb. — Die Aegidius-Kapelle und die Kapelle des heiligen Maximus am Friedhof zu St. Peter in Salzburg. Von Paul Burmeister. — Eine Landpartie. Von Erdmann Wagner. SehifTeberlcht, Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in G i e tz e n. Bremen, den 10. Juli. Das Postdampfschiff Hohenzollern, Capt. F. Himbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute Mittag von Brasilien wohlbehalten in Antwerpen angekommen. Southampton, den 10. Juli. Das Postdampfschiff Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 28. Juni von Baltimore abgegangen war, ist heute 12 Uhr Mittags wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Poft und Ladung 1 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Nürnberg überbringt 60 Passagiere und volle Ladung. Southampton, den 10. Juli. Das Postdampfschiff Rhein, Capt. H. C. Franke, vom Norddeutschen Llyod in Bremen, welches am 30 Juni von Newyork abgegangen war, ist heute 11 Uhr Vormittags wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 1 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Rhein überbringt 199 Passagiere und volle Ladung. Irischbäcker in Gießen. Sonntag, den 15. Juli. Ludwig Kroneb erg in der Neustadt. Karl Steinberger in der Löwengasse. Konrad Haas am Wallthor. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst. Sonntag, den 15. Juli. Morgens: Pfarrvicar Schöner. Nachmittags: Pfarrer Schlosser. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 15. bis 21. Juli besorgt Pfarrer Dr. Seel. Allen Kranken Kraft und Gesundheit ohne Medicin und ohne Kosten durch die Heilnahrung: Revalesciere “XL. Beit 80 Jahren hat keine Krankheit dieser angenehmen Gesundheit?' speise widerstanden und bewährt sich dieselbe bei Erwachsenen und Kindern ohn-. Medicin und ohne Kosten bet allen Magen-, Nerven-, Brust-, Lungen-, Leber-, Drüsen-, Schleimbaut-, Athem-, Blasen- und Nierenleiden, Tuberkulose, Schwindsucht, Asthma. Husten, Unverdaultchkeit, Verstopfung, Diarrhöen, Schlaflosigkeit, Schwache, Hämor- rhotdm, Wassersucht, Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrousen, Uebelkeit und Erbrechen se.bst während der Schwangerschaft, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht; auch ist sie als Nahrung für Säuglinge schon von der Geburt an selbst der Ammenmilch vorzuziehen. — Ein Auszug aus 80,000 Certi. ficaten über Genesungen, die aller Medicin widerstanden, worunter Certificate vom Professor Dr. Wurzer, Medicinalrath Dr. Angelstein, Dr. Shoreland, Dr. Campbell, Professor Dr. D4d4, Dr. Ure, Gräfin Castlestuart, Marquise de Bröhan, und vielen anderen hochgestellten Personen, wird franco auf Verlangen eingesandt. Abgekürzter Au-zug aus 80,000 Certistcaten. Nr. 62476. Dem lieben Gott und Ihnen sei Dank. Die Revaleeoifcre hat meine 18jährigen Leiden im Magen und. in den Nerven, verbunden mit allgemeiner Schwäche und nächtlichem Schweiß gänzlich beseitigt. I. Comparet, Pfarrer, Sainte Romaine des Des. Nr. 89211. Orvaux, 15. April 1875. Seit vier Jahren genieße ich die köstliche Revalesciere und leide seitdem nicht mehr an den Schmerzen in den Lenden, die mich während langer Jahre fürchterlich gefoltert hatten. In meinem 93. Jahre stehend, erfreue ich mich jetzt der vollkommensten Gesundheit. Leroy, Pfarrer. Nr. 45270. I. Robert. Von seinem 25 jährigen Leiden an Schwindsucht, Husten, Erbrechungen, Verstopfungen und Taubheit gänzlich hergestellt. 62845. Pfarrer Boilet von Eerainville. Von Asthma mit häufige« Erstickungen völlig hergestellt. 80416. Frau Major Deutsch, geb. von Horn in Posen; deren Kinder vom Drüsenleiden hergestellt. Nr. 64210. Marquise von Bröhan von 7 jähriger Leberkrankheit, Schlaflosigkeit Zittern an allen Gliedern, Abmagerung und Hypochondrie. Nr. 75877. Florian Köller, K. K. Militärverwalter, Großwardein, von Lungen- und Luftröbren-Katarrh., Kopfschwindel und Brustbeklemmung. Nr. 75970. Herr Gabriel Teschner, Hörer der öffentlichen höheren Handels- Lehranstalt in Wien, in einem verzweifelleu Grade von Brustübel und Nervenzerrüttung. Nr. 65715. Fräulein de Montlouts, von Unverdaultchkeit, Schlaflosigkeit und Abmagerung. Nr. 75928. Baron Sigmo von 10 jähriger Lähmung an Händen und Füßen rc. Die Revalescifcre ist viermal so nahrhaft als Fletsch und erspart bei Erwachsenen und Kindern 50 Mal ihren Preis in anderen Mitteln und Speffen. Preise der Revalesciere t/r Pfd. 1 80 H, 1 Pfd. 3 JL 50 2 Pfd. 5 Jü 70 4 12 Pfd. 28 JL 50 Revalesciere ChocolaUe 12 Taffen 1 JL 80 24 Tassen 3 JL 50 48 Taffes 5 JL 70 u f w. Revalesciere Biscuites 1 Pfd. 3 JL 50 2 Pfd. 5 JL 70 Zu beziehen durch Du Barry u. Co. in Berlin W., 28-29 Passage (Katser- Gallerie) und bei vielen guten Apotbekern, Droguen-, Specerei- und Delicateffmhändlern int ganzen Lande, in Girficn bei Mfiller 4? Schwager. (682 Die Annoncen-Expedition Th. Dietrich # Co. in Cassel über nimmt die prompte Besorgung von Anzeigen in sämmtliche Zeitungen Deutschland» und des Auslandes zu Originalpreisen. (Alleinige Jnseraten-Annahme f. d. „Casseler Tagespost.") Allgemeiner Anzeiger. 3918) Wegen an der Hauptrohrleitung vorzunehmen- -er Arbeiten kann am 14., 17., 19 und 21 dieses Monats in den Mittagsstunden von 12 bis 2 Uhr kein Gas in die Stadt geleitet werden und bitten wir diejenigen Consumen- ten, welche während des Tages Gas gebrauchen, ihre Einrichtungen hiernach treffen zu wollen. Giessener Gaswerk. Vom 10. Juli er. ab ist für den Transport von Kohlen rc. von Stationen der Nheinischen Eisenbahn nach Stationen der Frankfurt - Bebraer , Main - Weser- und Oberhessischen Eisenbahn via Gießen ein Ausnahme-Tarif zur Einführung gekommen, und gleichzeitig der bezügliche Special-Tarif vom 1. März 1876 nebst Nachtrag aufgehoben. Näheres ist auf den diesseitigen Verbands- Äationen zu erfahren. Cassel, den 10. Juli 1877. (3922 Königliche Direktion der Main-Weser-Bahn._____ Bekanntmachung. Der Vieh- und Krämermarkt, welcher in 'dem Landkalender irrthümlich auf den 24. d. Mts. gelegt ist, wird nicht an diesem Tage, sondern Mittwoch den 23. d. MtS. dahier abgehalten. Grünberg, den 12. Juli 1877. Großh. Bürgermeisterei Grünberg. Pracht. (3920 Aeilgeöoltnes. 3931) Besten saftigen Schweizerkäse empfiehlt____________C. W. Dietz. 3925) Eiserne Bettstellen per Stück 2 Mark zu haben bei _________Heinemann Hermann. Die Wagenfabrik von den. Näheret darüber in dem uuntnl, fUullrirkn, 501 Seiten starken Buchei Dr. Airy's Naturheil, metbode, 90. Auflage, Preis 1 Mark, Leipzig, Rtchter's VerlagS'Anstalt, welche daö Buch aus Wunsch gegen Einsendung von 10 Briefmarken ä x 10 Pf. direct versendet. // (2868 Köln-Gießener Lalfii^ Abfahrten von Gießen nach: Deutz 645, 12, 443. Dillenburg 6<5, 12, 443, 9». (2684 Tiegen 6<5, 12. Wetzlar 6<5, 8", 9* 12, 4«, 7, 9s Verantwortliche Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei lFr. Cbr. Pietsch) in Gießen.