Wo. 990. Donnerstag, den 13. December 1877. Aichener ^in;eiger Anffize- isi Amtsblstt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Amtlicher H L) e i l. ro . C£ c r , , , Gießen, am 10. December 1877. Betreffend: Die Einsendung der Handbuchsauszüge der Gemeinden des Kreises Gießen für 1877. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoqlicben Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern Sie, soweit noch rückständig, an Vorlage der rubricirten Handbnchsauszüge nebst Kassesturzprotocolle binnen 8 Tagen. ____________________ Dr. B o e k m a n n. No. 41 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 3. l. M., enthält: (No. 1216.) Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von 20,000 000. Vom 1. Decbr. 1877 Gießen am 11. Dezember 1877. Großherzoglichcs Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Uolilischer ISeiü Aeutschkand. Darmstadt, 10. December. Die „Darmst. Ztg." will aus competen- ter Quelle wlffen, daß bei dem demnächstigen Landgericht Darmstadt eine Handelskammer in dem Orzanisationsplan des Ministeriums läge. Wir misten nicht, ob damit gesagt sein soll, daß die Bildung weiterer Handelskammern, denn einer solchen in Darmstadt, nicht beabsichtigt sei. Da, wie allgemein die Rede, im Großherzogthum Hessen nur drei Landgerichte, Darmstadt, Mainz und Gießen, errichtet werden sollen, und die einer Einwohnerzahl des Groß- herzogthums von 900,000 aus ein Landgericht 300,000 und somit mehr Seelen kommen als in Preußen, so wirft sich die Frage auf, ob es nicht zweckmäßig sei, Kammern für Handelssachen auch in Mainz und Gießen zu errichten. Nach S 100 des Gerichts-Verfassungs-Gesetzes können, soweit die Landes-Justizverwaltung ein Bedürfniß als vorhanden annimmt, bei den Landgerichten für deren Bezirke, oder für örtlich abgegrenzte Theile derselben Kammern für Handelssachen gebildet werden. Solche Kammern können ihren Sitz innerhalb des Landgerichtsbezirkes auch an Orten haben, an welchen das Landgericht seinen Sitz nicht hat. Nach § 103 muß eine vor die Kammer für Handelssachen nicht gehörige Klage auf Antrag des Beklagten an die Civtlkammer verwiesen werden. Aus diesen Bestimmungen erhellt, daß eine Handelskammer in Darmstadt eben nur für den Landgerichtsbezirk Darmstadt, nicht auch für die Landgerichtsbezirke Mainz und Gießen competent sein kann. Wir bezweifeln aber, daß in Mainz und Gießen (namentlich aber in Mainz) demnächst erheblich weniger Handelssachen zum Ausrrag zu bringen sein werden, als dies trotz Offenbach (welchem in Rheinhesten annähernd Worms zur Seite gestellt werden kann) demnächst bei dem Landgericht Darmstadt der Fall sein wird. Abgesehen hiervon würde es, da in Rheinhesten und Oberhesten mindestens zahlreiche Handelssachen ebenfalls zur Aburthetlung kommen werden, eine gewisse Ungleichheit involviren, wenn in der Provinz Starkenburg Handelssachen vor der Handelskammer verhandelt werden könnten in den beiden anderen Provinzen, bei annähernd gleichen Verhältniffen dem Kläger aber die Möglichkeit benommen sein sollte, Antrag auf Verhandlung vor der Handelskammer zu stellen. _ (Neue Frkstr. Pr.) Berlin, 10. December. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Be- rathung des Budgets fort und bewilligte zunächst die Functions-Zulage für einen mit Wahrnehmung der Directorial-Geschäfte im Ministerium des Innern betrauten Rath, sowie die Position für Vermehrung der Räthe des Ober-Verwaltungs-Gerichts; letztere wurde von Gneist und den Ministern. Friedenthal und Camphsusen lebhaft befürwortet. Nachdem sodann nachträglich einige Positionen des Etats des Ministeriums des Innern, betr. beide Häuser deS Landtages, angenommen waren, folgte die Berathung des Anleihe Gesetz-Entwurfs. Minister Camphausen erklärte: Nachdem die Budget-Commission die Gesammt- Anleihe abgelehnt, die einzelnen Positionen derselben aber in das Extra-Ordi- narium eingerechnet seien, habe er die allerhöchste Ermächtigung nachgesucht und erhalten, das Anleihe-Gesetz zurückzunehmen, was hiermit geschehe. Nach Befürwortung des Referenten der Budget-Commission, Rickert, wurden die Positionen für Master-, Hafen- und Canal,Bauten genehmige. Rickert csnstatirte, daß die Budget-Commission das Bedürfniß für die Bauten anerkenne und durch die Bewilligung der ersten Raten für dieselben die moralische Verpflichtung zur Bewilligung der folgenden Raten übernommen habe. Das Extra- Ordinartum des Handels-Ministeriums, bei welchem mehrere Abgeordnete Wünsche hinsichtlich der Regulirung von Waflerstraßen vorbrachten, wurde nach unerheblicher Debatte genehmigt. Eine eingehendere Discussion knüpfte sich nur an die Position für das Polytechnikum zu Berlin: die Wahl des dafür bestimmten Platzes wurde von mehreren Abgeordneten bemängelt, vom Handelsminister dagegen gerechtfertigt. Der Gesetz-Entwurf, betr. die Chaussee-Polizei, wurde bei der ersten Lesung an die Commission für die Wege-Ordnung verwiesen. Nächste Sitzung morgen Abend 7 Uhr. 10- December. Die Nachricht, daß das vom Präsidenten des Ober-Ktrchenrathes Herrmann eingereichte Entlastungs-Gesuch ein wiederholtes sei, wobei man auf Vorgänge aus vergangenem Sommer verweist, wird der „Nat.-Ztg." von berufener Seite als unrichtig bezeichnet; das dem Kaiser jetzt vorliegende Entlassungs-Gesuch sei das einzige, das von Herrmann eingebracht sei. Wetzlar, 10. December. Eine von Einwohnern des Kreises Wetzlar sehr zahlreich besuchte Versammlung sprach sich einstimmig für die baldigste Lostrenuung von der Rheinprooinz und den Anschluß anlbte Provinz Hessen- Nassau aus. Breslau, 10. December. Gestern Abend ist der Chef-Präsident des hiesigen Appellations-Gerichts, Holzapfel, gestorben. Hesterreich. Wien, 10. December. In der gestrigen geheimen Sitzung des Ausschusses der ungarischen Delegation für auswärtige Angelegenheiten gab Graf Audrassy nach der „Pesther Corresp." mehrfache Ausklärungen über die europäische Lage und die Politik der Regierung: nachdem der Minister sich dagegen verwahrt hatte, daß seine Politik in den sog. osfictösen Blättern angedeutet sei, erklärte er sich mit der Ansicht einverstanden, daß in Europa neben den Verträgen noch ein Factor entscheid., nämlich die Macht, und den Verträgen nur in sofern Geltung gesichert sei, als man sie nachdrücklich unterstützen könne. Das Drei Kaiser-Bündniß berührend, äußerte Graf Andrasty: die Monarchie verfügt frei über ihr Schicksal; fein Staat Europas kann sicherer darauf rechnen , daß seine gerechten und billigen Interessen zur Geltung gelangen werden. — Was die Stellung der kleinen Grenz-Staaten anlange, so erklärte sich d.r Reichskanzler entschieden dagegen, daß man die christlichen Völkerschaften des Orients noch länger dem Vorurtheil überlasse, als hätte Oesterreich Ungarn kein Herz für ihre Wohlfahrt, und als wäre es unser Interesse, die Türkei in dem Zustande, worin sie vor der Bewegung war, unverändert zu erhalten. Ihm fehle der Muth, für den Status quo der Türkei in solchem Sinne einzu- stehen und die Macht der Monarchie für einen Zweck einzusetzen, an dessen Berechtigung und Erreichbarkeit kein Staatsmann Europas glaube, auch die türkischen Staatsmänner nicht. — Der Minister widerlegte auch noch die irrige Ansicht, daß Oesterreich-Ungarn unter dem Drucke einer Macht handle: es gebe keine Macht Europas, die ohne uns die Regelung der orientalischen Angelegenheiten unternehmen könnte. Arankreich. Paris, 10. December. Die republikanischen Zeitungen melden: Die Mitglieder der constitutionellen Partei beauftragten gestern den Herzog v. Au- diffret-Pasquier, sich an den Marschall-Präsidenten zu wenden und denselben zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Dufaure zu veranlassen. Audiffrct konnte gestern den Marschall nicht aufsuchen. Heute Vormittag kam Audlff^et mit Dufaure zusammen, welcher erklärte, er sei, wenn einmal das Princip der Minister-Verantwortlichkeit Anerkennung gefunden, geneigt zu einer Transactton hinsichtlich der Wahl der Minister des Krieges, der Marine und des Auswärtigen. Audiffret begab sich darauf zum Marschall, welcher ihn aber bapm beschied, daß sein Entschluß bereits gefaßt, und das neue Ministerium gebildet ei; es könne weder von Transaction, noch von Versöhnung die Rede sein. Audiffret entgegnete mit einigen Worten des tiefsten Bedauerns über diese Entschließung, Paris, 10. December. Das neugebtldkte Auflösungs-Ministerium Darbte enthält drei bisherige Minister, nämlich den Marquis de Banneville, General Rochebouet und Admiral Roussin und sechs Senatoren der Rechten; darunter sind Graf Daru, Finanzen, Bonafous, Justiz (Bonapartisten), Baron Legouay, Unterricht, Montgolfier, öffentliche Arbeiten (Legitimisten), Batbie, Präsident und Inneres und Anciel, Handel (Orleanisten). Das Kabinet ist bezüglich der Auflösung der Majorität im Senat sicher. Sechszehn Orleanisten oder Konstitutionelle haben sich schriftlich verpflichtet, dafür zu stimmen, trotzdem Bocher und Lambert St. Croix in der gestrigen Fraktionssitzung gegen die Auflösung sprachen. Die Republikaner werden auch das heutige Ministerium gleich mit in den Anklagezustand versetzen. Die Regierung trägt sich mit dem Plane, das Budget eventuell durch den Senat allein votiren zu lassen. Zu welchen Schritten sich die Linke durch diese Politik des Maischalls Kinreißen lassen wird, ist noch nicht abzusehen. Die gemäßigten Republikaner wollen sich mit einem energischen Proteste begnügen, da eS sicher ist, daß die Neuwahlen ihnen doch wieder den Sieg geben müssen, Die Extremen hingegen predigen offenen und entschiedenen äßiberfhnb gegen die Herausforderung des Marschalls. Die Gefahr revolutionärer Erschütterungen ist drohend nahe geruckt. Die Gemüther und Leidenschaften find auf das höchste erregt und zwar in der Provinz noch mebr als in Paris. Der Marschall hat heute Morgen noch Niemand empfangen als den Polizei-Präfekten Voifin und den General Gallifet. Letzterer, bekannt durch sein blutiges Wüthen gegen die Kommunards, dürfte unter Umständen berufen sein, eine Rolle zu spielen, wenn eS zu Gewaltmaßregeln kommen sollte. Paris, 10 Decernber. Nach einer Mittheilung des „Ternps" wurde der Senats Präsident, Herzog v. Audiffret-Pasquier, als er bei der ihm heute Mittag vom Marschall-Präsidenten erteilten Audienz kaum einige Worte c\i- sprocken hatte, von Letzterem mit den Worten unterbrochen: „ES ist um nöthig, Herr SenatS-Präsident, über diesen Gegenstand noch ein Wort zu verlieren, mein Entschluß ist gefaßt, daS neue Ministerium ist gebildet, ich will weder TranSaction noch Versöhnung, ich gehe bis an'S Ende." Der Herzog v. Audlffret Pasquier habe sehr bewegt darauf geantwortet: „Herr Marschall, ich beklage tief die Worte, welche Sie eben gesprochen haben. Ich war NamenS meiner Freunde, ich könnte sagen im Namen des Senats, zu Ihnen gesandt worden, um Sie zum letzten Male zu beschwören, dem Lande die Leiden zu ersparen, womit es bedroht ist. Ich gehe, verzweifelt zu sehen, daß diese Mahnung nicht Gehör findet und ich schaudre ob der entsetzlichen Verantwortlichkeit, mit der Sie Sich belasten." Versailles, 10. Decernber. Die heutigen Sitzungen des Senats und der Deputirten-Kamrner verliefen ohne Zwischenfälle. stallirt und die Geschäfte des Ministeriums übernommen. Mustapha Pascha ist zum Commandanten der Bürgergarbe ernannt — Nachrichten aus Rustschuk vom 9. b. zufolge dauert bas Bombardement zwischen Rustschuk und Glurgewo unausgesetzt fort. Mehrere türkische Monitors warben bei einer Recognosci- rungs-Fahrt von einer russischen Abtheilung aus Kadiköi mit 3 Geschützen angegriffen ; der Moniteur „Ftthi Islam" wurde von zwei Kugeln getroffen, ohne jedoch größeren Schaden für Schiff oder Mannschaft zu erleiden. Wien, 10. Decernber. Die „Polit. Eorresp." meldet aus Belgrar, daß der Krieg gegen die Türkei nunmehr nur noch eine Frage von Tagen sei, Mit dem russischen Hauptquartier seien Verhandlungen wegen des serbischen Operations-Plans im Gange. Nächstens erfolge die Veröffentlichung diplomatischer Actenstücke bezüglich des Verhältnisses Serbiens zur Pforte. Serbien wird 84 Bataillone in's Feld stellen. Gestern ist im Lager zu Kragujewatz in Folge commumstischer und conservativer Umtriebe eine Meuterei ausgebrochen. Der Ministerrath beschloß energische Maßregeln; der Eommanbant des Schumadjr-Corp- wurde mit 2 Bataillonen und 4 Batterien nach Kragujewatz entsendet, wohin auch von Semendria Truppen abgingen. Berlin, 11. Decernber. Die „Voff. Zig." meldet die bedingungslose Uebergabe Plewnas nach erbitterten, aber vergeblichen Kämpfen. Osman Pascha ist verwundet. Großfürst Nikolaus ist bereits in Plewna eingezogen. Die Rückkehr des Kaisers nach Petersburg steht bevor. Bukarest, 11. Decernber. Hier vorliegenden Meldungen zufolge hatte Osman den Versuch eines Durchbruches nach Widdin hin gemacht, mußte aber nach tapferem Kampfe, da er selbst schwer verwundet war, die Waffen strecken. Gestern Abend wurde hier mit Einbruch der Dunkelheit eine freiwillige Illumination veranstaltet; verschiedene Deputationen, darunter auch deutsche, zogen mit Musik und Fahnen, die russische National-Hymne intonirenb, zur Wohnung des Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff. Petersburg, 11. Decernber. Osman Pascha hat mit seiner ganzen Armee capitulirt. Zur Feier bes Sieges fanben in den Theatern Ovationen statt; auf ben Straßen und Plätzen ertönten Hurrahs und die National- Hymne ; die Stadt war zum Theil illuminirt. — Heute fand anläßlich der Einnahme von Plewna ein feierliche- Te- deum in der Kirche des Winter-Palais und in der Isaak-Kathedrale statt. Die Häuser der Stadt sind reich beflaggt und werden heute allgemein illuminirt ßngland. London, 10. Decernber. Das „Reuter'schc Bureau" meldet aus Konstantinopel: Der Ministerrath hat beschlossen, die Gouverneur-Stellen der Provinzen und Districte, sowie andere Verwaltungs-Posten auch Christen anzu- vertrauen. Die bevorstehende Thronrede des Sultans werde voraussichtlich diesen Beschluß bereits erwähnen. Aegypten. Alexandrien, 9. Decernber. Im Suez-Canal herrscht seit 3 Tagen heftiger Sturm. Die Post- und Telegraphen-Verbindung zwischen Jsmalla und Suez ist unterbrochen. Hier und in Ismail« werden 25 Dampfer zurück- fehalten. Im Canal fand ein Zusammenstoß zwischen den Dampfern „Histo- non" und „Chimboraffo" statt. werden. Der orientalische Krieg. Konstantinopel, 8. Decernber. Der Commandant von Novi'Bazar treibet vom 6. d., daß einige serbische Bataillone am Javor eingetroffen seien lind daselbst Befestigungen einrichteten. — Von Seiten der Regierung wird verbreitet: Eine Recognoscirungs- Abtheilung der bei Solonik stehenden Division hat die russischen Vorposten ans Avavik zurückgedrängt. Gleichzeitig hat eine russische Colonne die türkische Kavallerie bei Solonik angegriffen, wurde aber zum Rückzüge gezwungen. Ein Angriff der Ruffen mit zwei Bataillonen und einer Abtheilung Kavallerie aus bie Höhen von Keraschefta, nahe Kadiköi, wurde ebenfalls von den Türken zu- rückgeschlagrn. Nach der Besetzung Keschlowas durch die Türken griffen die Letzteren die Ruffen an, welche mit acht Bataillonen, zwei Kavallerie-Regimentern und zwei Batterien die starken Abhänge von Tschevrich besetzt hielten. Die Kanonade dauerte den ganzen Tag und wurden die beiderseitigen Positionen behauptet. Die Verluste waren unbedeutend. — Eine Abtheilung Tscher- keffen erbeutete einen russischen Vieh-Transport. — Aus Rustschuk wird vom 6. Decbr. gemeldet, daß die Türken Flöße, welche für die neue russische Brücke an der oberen Donau bestimmt waren, weggenommen haben. Der Gouverneur von Koffowa meldet unterm 5. b.: Serbische Truppen-Abtheilungen sind am Javor erschienen. Gleichzeitig kamen vier ser- biscve Beamte über bie Grenze, gingen nach Senibje, verlangten baselbst Aufklärung über bie Gegenwart ber türkischen Truppen an der Grenze und forderten, baß bieselben bis zum Mittag bes solgenben Tages abziehen sollten. Am selben Tage fanden Schlägereien zwischen Serben und der türkischen Bevölkerung statt. — Mehemed Ali hat Baker das Commando einer Division übertragen. Petersburg, 10 Decernber. Amtlich wird aus Bogot, 9. Decbr., gemeldet: Vorgestern und gestern fand kurzes Artillerie- und Infanterie-Geplänkel bet Slatariza und Jakowiza statt. Heute war bis Nachmittags 3 Uhr Alles i-tll. Die Ruffeu halten Slatariza und Jikowiza besetzt; die Türken stehen ihnen gegenüber. Konstantinopel, 10. Decernber. Die über die angeblich von den Serben begangene Grenzverletzung eingeleitete amtliche Untersuchung hat ergeben, daß dabei nur ein Mlßverständniß vorliegt. Im letzten Kriege nämlich ar eine Reihe Pallisaden, welche die Grenze bezeichneten, zerstört worden, und stttdem noch nicht wieder hergestellt: auf diesem somit noch nicht wieder abgegrenzten Gebiete hatten sich die Serben bewegt. Konstantinopel, 10. Decernber. Ein Telegramm Mehemed Ali's meldet aus Kamarli vom 9. Decbr.: Beide Armeen halten sich fortgesetzt in der Defensive und errichten Befestigungen. Die ungünstige Witterung verhindert Operationen. London, 10. Decernber. Das ..Reuter'sche Bureau" meldet: Die vom Kbedive neuerdings beschloffene Verstärkung der ägyptischen Hülfstruppen für d,n Sultan soll in 1200 Mann Infanterie, 1000 Mann Kavallerie und 4 Batterien bestehen. Konstantinopel, 10. Decernber. Der heute neuernannte interimistische Kriegsminister Iteiif Pascha ist hier eingetroffen, hat sich im Seraskierat in- L o k a l- N v t i - Gießen, 12. Decbr. Die von dem Schwurgerichtshof gegen Karoline vopo au8 Mehlbach und Georg Schutt von Dorheim wegen Giftmords ausgesprochene Lodes- ftrofe wurde unterm 7. I. M. von Seiner König!. Hoheit dem Gr^ßherzoq in lebenslängliche Zuchthausstrafe verwandelt. Gießen, 12. Dec. Wir lassen nachstehend die T age ü ordnung für die Stadt- oerordneten-Sitzung am Donnerstag den 13 Decernber 1877, ytachmittag« 4 Uhr, tm Sitzungssaale des alten RealschulgebäudeS, folgen: 1. Die Festsetzung der Jahrmärkte für das Jahr 1879. 2. Die Vereinigung der confessionellen Schulen in gemeinsame Schulen. 3. Die Erhebung der Realschule zu einer Schule erster Ordnung. 4. Voranschlag für die Realschule pro 1878. 5. Klage des Ortsarmenverbands Gießen gegen den Landarmenoerband Gießen. 6. Gesuche um Erlaß von Schulgeld. 7. Frtstgesuche auf Communal-Rückstände. 8. Gesuch der Firma Gebrüder Kaufmann um Bauerlaubmß 9. Gesuch des Bauauffehers Schmidt um Erlaubniß zur Erbauung einer Waschküche. G^^^ Schreinermeisters Christoph Hoffmann um Bauerlaubmß. 11. Gesuch des Kaiserlichen Post Amts Gießen um Erlaubniß zur Anlegung, zweier Treppeit.ite vor dem Haupt-Postamts Gebäude. 12 Gesuch des Bauunternehmers Adami, Tauschvertrag betreffend. 13. Forderungen der Stadt an die Firma Gebrüder Köhler betreffend. 14. Weihnachtsfeier der Kletnkinderschule. 15. Ksstendecreturen. 16. Die Wasserleitungsarbeiten resp. Pachtvertrag mit dem FtScus betreffend. 17. verkauf von PappelbSumen aus der Hand. 18. Abgabe von Baumstützen aus der Hand. 19. Vergebungen von Arbeiten in den Altentisch-Wieseu. 20. Die Pflasterung der Trottoirs auf dem Sellersberg. 21. Die Oderhesstschen Eisenbahnen betreffend._____________________ V ? r m i f ch t e *7 Paderborn, 4 Dec. In Bezug auf den am 5. v. M. hier verübten Stan- darten-Dtebstahl, von welchem wir s. Z. berichteten, scheinen die Nachforschungen bisher kein Resultat ergeben zu haben, denn der dortige Staatsanwalt erläßt jetzt folgende Bekanntmachung: Unter.Bezug'rahme auf me ne Bekanntmachung, betreffend den in d-r Nackt zum 5. Nov. in der Wohnung des Oberst-Lieutenant Herrn »on Niefewand hter- seldst verübten schweren Diebstahl, bei welchem außer mehreren anderen Gegenständen ote Spitzen der Standarten des 1. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 8 und de« 5. Reserve-Husaren Regiments, sowie die Fahne des hiestzen Landwehr Bataillons gestohlen sind, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß. daß Demjenigen eine Belohnung von „fünfhundert Reichsmark" zugesichert ist, welcher den »ber dieThater zur A zeige bringt, beziehentlich so nachwetst, daß deren Bestrafung erfolgt. Ich «riuche daher Jeden, welcher über die Tbäter oder den verbleib des gestohlenen Gutes Aus- f.mft geben kann, sich an die hiesige Polizeibehörde oder auch dtrett an mich mit feinen Mtttheilungen zu wenden. Paderborn, den 3. Dec. 1877. Der Lrtoatsanwalt. Müller — (Was ein Kaiser zum ersten Male hört.) Der Kaiser von Oesterreich hat gelegentlich seines Besuches im israelitischen Seminare zu Pesth den Erbauern desselben seine besondere Befriedigung darüber ausgesprochen, baß das Präliminare nicht überschritten wurde. Er fragte den Miniftettalrath Karl Szaß, welcher Nachtrag ,um Prä li.. inare der Bausumme erforderlich war. „Wir hatten einen Ueberschuß von 3O,ovu Gulden, Majestät", entgegnete Szaß. - „Es wurde also weniger gebraucht, als oer. anschlagt war ?" — „Ja wohl, Majestät, weniger". — .Na, bas höre ich zum ersten Male, seitdem ich Kinrg bin", bemerkte der Monarch lächelnd. — (Die Engel ) In einer Gesellschaft nannte ein Herr eine alte, aber W tttic Stau immer „mein Wei." - .O, mein Herr-, sprach fie. «nblto ben Spott bt- merkend, „den Namen verdiene ich ja nicht." — „Doch, doch ', erwiederte Jener „Vie ältesten Ereaturen Gottes sind ja die Engel" ~ n «nr q* Hne - In Passau kam in einem Gasthause der eigenthümliche Fall daß sich eine Ratte in em Vogelhaus bineinzwängte und den darin befindlichen Kanarienvogel aus. fraß, aber dann nickt mehr auS dem Käfig herauskommen konnte und soein Ge- sangener bbeb, bis ihr das rächmde Schicksal in Gestal^Besitz er s anncn Vögleins erschien und dem frechen Kanartenmörder ben »erd enten GarauS mochte. Berlin. „Arrettren Sie mir mal", sagte der «rb'iter Volksseines e nem Sckutzrnann, der einen «uaenblick vor dem Schaufenster ^nes Wiener C stehen gebluben war. „Warum nicht gar," weinte der «3 ® a>retiren. Sie baden ji nichts gethan!" „Wat, ick habe nochnischt - g gnrte Volks, „ick wer' aber wat dhun, passen Se uf! - und bautz lag oie mach t ge Spiegelscheibe des Cafö's in Trümmern- Natürlich wurde nun Volks Wunsch erfüllt. Gestern wurde Volks von der achten Eriminaldeputation wegen Sachbeschädigung zu neun Monaten Gesan^niß verurtbeilt, trotz 'einer Versicherung, daß er sich nur aus N°ib me 3m 6itfi6tn Orte °öchm.U» der „Allg. Anzeiger", dessen Besitzer in seiner letzten Nummer einen Artikel über die reue katholische Kirche in dem benachbarten Hersen aufaenommen hatte. Dem ländlichen Co!re