UltT Io. 919. Donnerstag, den 13. September 1S99. eiger Anxetze- «iiii Amtsblatt fär heu Kreis Gießeu Erscheint tLglich mit Ausnahme befi MontagS Gr-editto«r Schulstraße, Bit B. Nr. 18. Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post hezo-en vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Der orientalische Krieg. Petersburg, 10. September. Officiell. Karajal, 9. Sept., Nachts. Vom 6. auf den 7. d. machten Freiwillige unserer irregulären Kavallerie einen *** ">n visel» "tages Tr. Äon» °-n 12., Abu- ^remslocal. )er Vorstand, r-Fahrt udt i- und Ebenholz Mir en. •Stütfet __(V tun g/' mt biim «trföM fm> *’* e,,nip, Ulf MWl 10; fit °°» □ten SeitartiMn Ml »** ä Mi«««! Latttlandes gehen I Timu ten Lnhandlm« ntraiw 1 ’inww ten Aammm * L gljtli" ME Amtlicher Hsteit. B e k a n n t m a ch n n g. In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat August veröffentlicht: Hafer vH. 18,37, Heu vH. 5,00, Stroh vH. 6,50 per 100 Kilogramm. Gießen, den 10. September 1877. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. politischer Hsteil. Deutschland. Darmstadt, 10. September. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, werden Se. König!. Hoheit der Großherzog am 11. und 12. d. Mts. den Manöoern der Großh. Division beiwohnen. Berlin, 10. September, lieber die Behandlung des Viehes bei Trans- porten sind neuere Bestimmungen ergangen. Danach kann die Beförderung von Aiiere ist nur in denjenigen Fällen gestattet, in welchen eine thierärztliche Ve- sckeinigung von dem Treiber oder Führer vorgezeigt werden kann, daß die Thtiere ohne erhebliche Schmerzen sich fortbewegen können. Beim Ein- und Ausladen sind die Thiere, wenn die Beschaffenheit des zu benutzenden Fahrzeuges nicht gestattet, daß die Thiere in dasselbe hinein- und herausgeführt oder getrieben werden, zu heben und niederzusetzen, nicht zu werfen. Ganz besonders ist das Feffelu der Thiere bei dem Transpoite mittelst Fuhrwerks aus das Allerunvermeidlichste beschränkt und nur in vollem Umfange beim Transporte fron Bullen aufrechterhalten. Ferner soll auf die Geräumigkeit der Transport- Ftthrwerke geachtet werden. Geflügel jeder Art darf nur in Käfigen oder anderen luftigen Behältern befördert werden, welche so geräumig sein müffen, daß die Thiere nebeneinander zum Stehen und Liegen genügenden Platz haben. Der Transport in Säcken und Netzen ist unstatthaft, ferner das Binden der Flügel oder Füße und das Zusammenbinden mehrerer Thiere, sowie das Tragen an den Füßen. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnungen werden mit Geldbuße bis zu 30 Mk. oder verhältnißmäßiger Haft bestraft. Berlin, 10. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Angabe österreichischer Journale, daß die Begegnung des Grafen Andrassy mit dem Fürsten Bismarck zwischen dem 14. und 17. Septbr. in Galzburg stattfinden soll, steht nicht im Widerspruch mit anderen Andeutungen, denen zufolge dem Eintreffen Bismarcks zu Berlin in der zweiten Hälfte der nächsten Woche kütgegenzusehen ist. — Die „Nordd. Allg. Ztg." reproducirt die Erklärung, welche der Leneral-Superintendent Büchse! in der „Kreuz-Ztg." veröffentlicht hat, und bemerkt dazu ihrerseits: Von anderer Seite werde gutem Vernehmen nach in Erwägung gezogen, ob gegen einzelne Redner der August-Conferenz nicht disci- plinarisch eingeschritten werde« solle. Die Entscheidung hierüber dürfte nach her bevorstehenden Rückkehr des Präsidenten des Oberkirchen-Raths erfolgen. Berlin. Die Regierungsbehörden veröffentlichen einen von zuverlässiger Zelte eingegangenen Bericht über die Auswanderung nach Neu-Seeland. In Verfolg der seit dem Jahre 1873 von der Colonial-Regierung eingeführten Icftenfreien Beförderung von Einwanderern nach Neu-Seeland hat in den letzten Jahren eine sehr erhebliche Einwanderung daselbst stattgefunden, zu welcher mich Deutschland ein namhaftes Contingent gestellt hat. Während die zuerst daselbst angelangten Deutschen fast ohne Ausnahme ein gutes Fortkommen gesunden haben und in gedeihlichen Verhältniffen leben, ward später durch den unverhältnißmäßig gesteigerten Zuwachs neuer Einwanderer deren Unterkunft und Fortkommen erheblich erschwert. Indem die südlichen Provinzen Neuseelands sich überhaupt weigerten, irgendwelche Ausländer aufzunehmen, konnte für letztere auch in den übrigen Theilen des Landes nicht ausreichende Arbeit gefunden werden. Namentlich haben auch die deutschen Ankömmlinge in Folge der Unkenntniß der englischen Sprache und weil sie deßhalb geringeren Lohn rchielten, mit den äußersten Schwierigkeiten zn kämpfen und gerieten zum Theil in große Noth und Unterstützungsbedürstigkeit, so dafl die Gesuche derselben um Rücksendung nach Deutschland wegen Arbeitslosigkeit seit längerer Zeit sich bäufen. Neu-Seeland kann daher zur Zeit als ein günstiges Feld für deutsche Einwanderung nicht betrachtet werden. Die Besorgniß einer weiteren erheblichen Auswanderung dorthin ist zwar dadurch vermindert, daß schon seit Anfang vorigen Jahres die kostenfreien Beförderungen solcher Per- Ionen, welche dem britischen Unterthaneuverbund nicht angehören, Seitens der Eolonial-Regierung wieder eingestellt worden ist. Dennoch erscheint es im Jnt-ereffe der betreffenden Auswanderungslustigen erforderlich, die oben rnitge- teilten Thatsachen zu möglichst allgemeiner Kenntniß zu bringen und das Publikum auf die Gefahren dieser Auswanderung aufmerksam zu machen. Hesterreich. Wien, 10. September. Das „Tageblatt" meldet aus Belgrad: Fürsts Zeretleff ist am Sonntag von hier in das russische Hauptquartier abgereist; derselbe ist Ueberbringer der Abmachungen mit der serbischen Regierung. Gleichzeitig hat sich auch Fadejeff nach Moskau zurückbegeben. AranLreich. Paris, 10. Septems - Die Mitglieder der Linken des Senats haben an Thiers' Wittwe eine ? ,i^' gerichtet, um derselben für ihren Muth und Patriotismus zu danken; Jaris habe dem Verewigten einen ihm würdigen Triumph bereitet; sein Leben lehre Mäßigung,-Beharrlichkeit, bürgerliche Pflichterfüllung und berechtige zu dem Vertrauen, daß die Sache der Freiheit und des Gesetzes siegm werde. Paris, 11. Septtmber. In der heutigen Sitzung des Zuchtpolizei- Gerichts , in welcher die Anklage gegen Gambetta zur Verhandlung kommen sollte, ist Letzterer, unter der Erklärung, daß sein Vertheidiger krank sei, nicht erschienen. Der Gerichtshof verurtheilte hierauf Gambetta wegen ungehorsamen Ausbleibens zu drei Monaten Gefängniß und 2000 Frcs. Geldstrafe. Bordeaux, 10. September. Auf die Ansprache des Maires erwiderte der Marschall-Präsident: Als ich vor zwei Jahren die Nachbargegend Ihrer Stadt besuchte, war ich erstaunt über den Geist der Ordnung und Arbeit, welche die Bevölkerung beseelte. Jetzt finde ich in dieser schönen großen Stadt dieselbe Thätigkeit, dieselben verständigen Gesinnungen. Ich stimme den Gefühlen bei, welche Sie mir soeben im Namen der Stadt ausgesprochen haben. Seien Sie versichert, der Friede, welcher das nothwendigste Bedürfniß für Sie ist, wird nicht gestört. Menn das Land auf meine Berufung geantwortet hat, wird die Verfaffung, an der Sie festhalten, über welche ich als treuer Hüter wachen werde, ohne Hinderniß functioniren, um die vollständige Entwicklung der nationalen Wohlfahrt zu sichern. Italien Rom, 9. September. Die „Agenzia Stefani" meldet: Die Nachricht der „Times" aus Belgrad, daß Italien die Betheiligung Serbiens am Kriege billige, wird in hiesigen politischen Kreisen alS absolut grundlos betrachtet. Die italienische Regierung hat nie aufgehört, Serbien zur Besonnenheit zu rathen, und niemals ihre versöhnende Haltung au,gegeben. Türket. Konstantinopel, 9. September. Der deutsche Botschafter Prinz Reuß nebst Gemahlin machten gestern beim Sultan Besuch. Aus Bulgarien wird gemeldet: Die Ruffen sind nach drei Tage währenden ernsten Kämpfen über den Kara-Lom zurückgegangen, haben Popkiöi geräumt und sich in der Richtung nach Bjela zurückgezogen. — Achmet Mukhtar Pascha berichtet über ein Gefecht auf den Höhen von Kisiltepe zwischen türkischer Auxiliar-Kavallerie unter dem Sohne Schamyl's und einer aus mehreren Dragoner-Regimentern, zwei Bataillonen Infanterie und einer Batterie bestehenden russischen Abth-ilunz. Letztere wurde nach mehrmaligem Avanciren und Retiriren mit 60 Mann Verlust geschlagen und zum Rückzug in ihr Lager genöthigt. Der türkische Verlust war ganz unbedeutend. Für die Ruffen treffen von Alexandropol täglich Verstärkungen an Artillerie in Kurukdara ein. Pera. Ans der Pforte herrscht große Bestürzung in Folge einer Note, die vom deutschen Botschafter, Prinzen Reuß, und dem französischen Geschäftsträger, Grafen Mony, überreicht worden ist und welche die Auslieferung der Verbrecher von Salonichi verlangt, da die Türkei nicht im Stande sei, für die Ausführung der festgesetzten Strafe Bürgschaft zu leisten. Es soll festgestellt sein, daß drei dieser Mörder, welche zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt worden, von dem Gouverneur von Widdin aus dem dortigen Gesängniß ent» laffen wurden und augenblicklich frei in Salonichi herumspaziren. Auf Grund dieser Vorstellungen soll dem Vali von Salonichi die strenge Weisung zugegangen sein, die Verbrecher sofort festzusetzen. Anlqus gegen Mukhtar Pascha's Kavallerie-Lager, metzelten nahezu 60 Mann nieder und erbeuteten mehrere Pferde und Gewehre. Auf dem Rückzug verlockten unsere Freiwilligen die verfolgenden Türken gegen das in einen Hinterhalt gestellte Daghestauische Kavallerie-Regiment, wobei der Feind neue große Verluste erlitt. Auf unserer Seite wurden 11 Milizen und Soldaten verwundet. Bei der Kabulet-Colonne begannen die Türken am 3. d. ein Artillerie- Geplänkel, wobei auf unserer Seite der Commandant des zweiten kaukasischen Schützen Bataillons verwundet wurde. Konstantinopel, 10. September. Eine Depesche Ali Saib Pascha's vom Donnerstag meldet, daß derselbe gegen die Montenegriner Vortheile errungen habe. — Von dem Kriegsschauplätze um Plewna, um den Schipka-Paß und um Rasgrad ist keinerlei amtliche Depesche veröffentlicht. Wien, 10. September. Die „Polit. Corresp." berichtet aus Bukarest, 10. Septbr.: Amtlicher Veröffentlichung zufolge wurde vorgestern das Feuer gegen Plewna auf der ganzen Linie eröffnet. Zwölf rumänische Batterien nehmen daran Theil. Die Brigade Alexander Anghelesco bemächtigte sich nach erbittertem Kampfe türkischer Verschanzungen. Die rumänischen Truppen, namentlich die Artillerie und das 13. Dorobanzen-Regiment, zeichneten sich aus, indem sie die Kaltbkütigkeit altgedienter Soldaten zeigten. Dieselben hatten mehrere Todte und 30 Verwundete. Der Kaiser von^Rußland Hai 40 Georgs- Kreuze übersendet für die rumänischen Officiere und Soldaten, welche sich ausgezeichnet haben. Gestern brachte der Kaiser einen Trinkspruch auf die rumänische Armee aus, deren Tapferkeit er rühmend hervorhob. Der Fürst von Rumänien verlieh der Fahne des 13. Dorobanzen-RegimentS das Kreuz des rumänischen Sterns. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Athen vom 10. d.: Der Ministerrath hat in den letzten Tagen über die Vorschläge des russischen Cabinets berathen, welche sich aus ein gemeinsames Vorgehen in der Angelegenheit der Sicherstellung der unter der türkischen Herrschaft lebenden Christen beziehen. Es gilt heute für gewiß, daß zwischen Griechenland und Rußland auf Grundlage bestimmter Ansprüche der griechischen Regierung eine Verständigung erzielt wurde. Eme vor Kurzem der griechischen Regierung überreichte Rote der britischen Regierung beantwortete Minister Trikupis mit einer desgleichen, welche die Politik Griechenlands darlegt. Petersburg, 10. September. Der „Golos" bringt folgende Depeschen : Jgdyr, 9. Septbr. Am 6. d., Nachts, begannen 200 Kurden, welche, von den Bergen bei Gulüdscha kommend, durch unsere Postenkette gedrungen waren und den Arako überschritten hatten, Plündereien zu verüben, wobei sie zwei Armenier tödteten. Kosaken nahmen den Kurden ihre Beute wieder ab und verfolgten die Räuber. Der russische Verlust betrug: 2 Kosaken tobt, 2 verwundet; die Kurden hatten 16 Todte, 10 wurden gefangen genommen. — Aus Karajal, 9. Septbr.: Wie General Tergukasoff telegraphisch meldet, erschien in der Nacht vom 6. auf den 7. Septbr. zwischen den Dörfern Kügüluk und Gulüdscha eine 200 Mann starke Bande türkischer Räuber, welche den Fluß überschritt und das Dorf Sardassaban überfiel. Hier wurden 27 unbewaffnete Armenier von ihnen gelobtet, barunter 2 nach qualvollen Martern, sowie 2 Knaben von 7 unb 12 Jahren verwundet. Judeß nahten 50 Tama- nier heran, welche jene Bande überfielen unb zur Flucht zwangen. Bei ihrem Rückzug würbe dieselbe von zwei Sotnien Kosaken angegriffen unb verfolgt, dabei ein türkischer Officier unb 3 Baschi Bozuks getöbtet unb 10 als Ver- wunbete gefangen genommen Alles von ihnen Erbeutete wurde den Räubern wieder abgenommen. Auf russischer Sette blieben 2 Kosaken tobt, 2 trugen Wunben bavon. Konstantinopel, 10. September. Die türkischen Truppen an ber Grenze von Serbien haben Befehl, sich bereit zu halten, um im Falle ber Theilnahrne Serbiens am Kriege sofort in bieses Lanb einzurücken. Wien, 11. September. Das „Tageblatt" melbet aus Schumla vom 10 b. : Die türkischen Offensiv-Bewegungeu sinb vorläufig sistirt. Das rechte Lom-Ufer ist jeboch von ben Ruffen vollständig geräumt worben. Am linken Ufer bes Lorn sind Ostriza, Ablawa unb Opaka in türkischem Besitz. Bei Pollomarka finden täglich Kanonaden statt. Aus Plewna fehlen Nachrichten, weshalb im türkischen Hauptquartier große Beunruhigung herrscht. Lokal-Stotiz. Glesien, 12. Septbr. Das gestrige erste Concert ber Tyroler Sänger-Gesellsckaft von Hans Lechner im Wenzel'schen Garten rechtfertigte in jeder Beziehung ben Ruf, der ber Gesellschaft vorangeht. Die Solis, Duette unb Sextette fanden allseitig lebhaften, ja oft stürmischen Beifall. Das Ensernblä ist ein vorzügliches. Was diese Sänger aus ben hohen Alpen besonders auszeichnet, sind nicht nur ihre guten, vorzüglichen Stimmmittel unb ihre piägnante Vortragsweise, sondern auch die vorzügliche Auswahl eigenartiger und melodisch schöner Lieder. Wir erinnern z. B- an No. 9 des Programms „Das erste Busser'l" unb Nr. 11 „Andreas Hofer's Tod" u. A- m- — Neben den so wirkungsvoll ausgeführten Gesangsnummern sind auch die staunenswerthen Leistungen des Herrn Hans Lechner auf dem Holz- u. Stroh-Instrumente m erwähnen. Wir heben hier nur „Variationen über ben Karneval von Venedig" rühmend hervor. Der Schluß des genußreichen Programms bildete ein Tyrolerlied „ber Frohsinn auf ber Alm" mit einem sehr originell ansgefübrten Nationaltanz, welcher das Publikum zu einem Sturm von Applaus hinriß. — Wir batten Gelegenheit die Nainer'iche Gesellschaft, welche ja bekanntlich die erste von derartigen Gesellschaften sein soll, schon mehrfach zu hören. Nach dem was wir gestern Abend gehört, müssen wir gestehen, daß in der Lechner'schen Gesellschaft der deS Herrn Rainer eine gefährliche Concurrenz erwachsen ist. — Auf vielfach ausgesprochenes Verlangen hat sich die Gesellschaft entschlossen noch ein dritte« Eoncert am Donnerstag Abend zu geben. Wir hoffen, daß Musikliebbaber bitfe Gelegenheit nicht versäumen werden, sich diesen Genuß zu verschaffen. Der Gesellschaft aber wünschen wir. wie am gestrigen Abend, ein ausverkausteS Haus. Vermischtes. Offenbach, 4. Sept. Heute hat die hiesige Polizei das vom Publikum schon längst erwartete Revisionsgeschäst der Biere begonnen. Die Schutzmannschaft erhebt, — damit eine Verwechslung gar nicht möglich ist, — nach einander bei jedem Wirth zwei Flaschen Bier ber im Zapf befinblichen Sorten, bringt bleie auf's Polizeibüreau, wo dieselben sofort mit dem Dienstsiegel verschlossen und etiqueltirt werden, um dann von einem Chemiker auf ihren Inhalt genau geprüft zu werden. Wir sind auf das Resultat ber chemischen Analysen gespannt. — Die N--Y. H.-Z. schreibt: Was für Humbug mit „Illustrationen" getrieben wird, ersieht man auch an folgendem Beispiel: Eine new-yorker Verlagshandlung gibt Biographieen berühmter Verbrecher heraus. Um nun billige Illustrationen zu be kommen, kaufte sie von einem bostoner Hause die Portraits eines alten Werkes: ..Berühmte Kanzelredner Neu-Englands." Der Mörder Roloff wird durch einen früher sehr berühmten bostoner Prediger iUuftrirt und so fort. — Baumwollenabsälle als Tüngermaterial. Die oben genannten Abfälle werden von den Spinnereien als ganz nutzlos verworfen, sie bieten aber behufs Bereitung von Mistbeeten ein sehr wertbvolles Material und zwar in Beimengung mit Gerberlohe oder mit gewöhnlichem Stalldünger, in der Art jedoch, daß die Baumwolle keine Klumpen bilde. Ist die Verwendung der Mistbeete eingestellt, so dient dieser Baumwollendünger zur Verbesserung des Bodens der Obstgärten, bei Einpflanzung von Obstbäumen u. drgl. Besondere Erwähnung verdient die Verwendung oer Baumwolle tn der Sparg lkultur. £)err tötbault $u Arcis-sur-Aube erfreut sich schon seit mehreren Jahren kostbarem Spargel- mittel im Winter. Im Herbst gibt er auf das Spargelbeet eine 20 Centm. hohe Schichte von den m Rede stehenden Abfallen, der Schnee schmilst sogleich in Folge der künstlich erzeugten Wärme, im Januar entwickeln sich die L-teckknospen der Spargeln und so ist es möglich, zu dieser Jahreszeit weiße, zarte, gesunde und geschmackvolle spargeln zu genießen. Saarbrücken, 4. Sept. Em geistlicher Correlpondent schreibt d^r Saarzeitung aus Marpingen unterm 31. August Folgendes: „Auf einem Ausflug nach Marpmgen kam ick durch das Dorf Berschweiler und gewöhne, wie sich viele Leute um ein kleines Haus sammelten. Als ich dort etntraf, fand ich fünf Mädch n von 12—19 Jahren auf einem Bette, von mächtigen Convulsionen hin- unb hergeworfen. Dieser Zustand soll mehrere Stunden lang dauern. Diese Mädchen gehören nicht einem Hause an, sondern sollen auf Mahnung der Muttergottes zusammenkommen, um Seelen zu erlösen. Hierbei kommen aber so viele ber Offenbarung miberftrebenbe Aeußerungen vor, daß man alle nach Marpingen ziehenben Pilger vor bern Besuch diescs Hauses strengstens roainen muß. Wer hat gehört, baß man eine abgeschiebene Seele aus ben Klauen des Teufels erlösen kann? Welll, em Unsinn, baß eine Seele aus dem Himmel wieder hinaus- gestoßen wird, weil ihre Anverwandten auf Erden nicht alles glauben, was jene unglücklichen Mädchen mitiheilen! Es ist hohe Zeit, daß die Behörde hier einichreitet unb die diabolisch erregten und von finfkren Mächten betrogenen Mädchen einer Heilanstalt übergibt. Das allgemeine Unheil ist dieses: Wie man in Marpingen durch das ruhige unb schlichte Wesen ber ersten drei begnadigten Kinder erbaut wird, so fühlt man sich durch die ärgernißgedenben Vorgänge in Berschweiler abgestoßen. Als ich als Priester es versuchte, nut guten Worten biete Häuser zu räumen unb die anwesenden betende,. Pilger fortzuschicken, fand ich wenig Gehör, im Gegenlhefl Widerspruch von den eigenen Eltern, welche sich sehr aufgeregt unb erbost zeigten, baß man ihren Kindern die „milgetheilten Offenbarungen" nicht glauben wolle." Also m Bcrsch- w-iler soll die Behörde gegen ben Unsinn einschreiten! Warum denn nicht auch — so fragt die Saarbr. Z. — in Marpingen? So gut wie dort angeblich eine Mabonnen- erschemuttg statthatte, kann dies auch den fünf Mädchen in Berschweiler widerfahren sein. Der von ben ultramontanen Blättern gehegte Schwindel, dem von der Kanzel nicht widersprochen wurde, verbreitet sich epidemisch über ganze Gegenden, und wahrlich nicht zum Nutzen der Kirche unb ber wahren Religiösität! — lieber bk Verfütterung bes Grünmais. Es ist eine burch Wissenschaft und Erfahrung reftgefteUte Thatsache, daß reine Maisfütterung Verschwendung ist. weil der Mats zu stickstoffarm ist Derselbe enthält nämlich auf 10 Tbeile stickstoffloser Theile blos 1 Theil Protem, während Klee und Wickhafer dessen 2 bis 3 Theile führt. Wenn daher eine milchende Kuh bei bloßem Kleefutter sich ganz wohl befindet, so wird sie bet bloßem Grüumais mit dem Mangel an plastischem Nährstoff zu kämpfen haben unb deshalb m ihrer Milch-, Fleisch- unb Kraftprobuction gar bald auf bie geringste Leistung lebucirt werden. Es ist baher dringend geboten, daß man die tägliche Ration der Thiere nur zur Hälfte aus Mais bestehen läßt; die übrige Hälfte sei guter Grün- fke oder W'ckfutter. In Ermangelung desselben beansprucht jedes Stück Großvieh täglich eine preuß. Metze Bohnenschrot oder Oelkuchenpuloer als trockenen Zusatz. Unter diesen Bedingungen wird der Mais zum vortrefflichen Milchsutter. Um den Mais auch während des Winters verfüttern zu können, schneidet man ihn kurz vor dem Froste, bindet ihn mit Weidenruthen in kleine Bündel unb stellt dieselben pyramidenförmig zusammen, 10 bis 15 in eine Pyramide, so daß fit von der Luft durchzogen werden kann. Um die oberen Theile der Pyramide wird, damit dieselbe vom Sturme nicht umgeworfen werden kann, ebenfalls ein Band gelegt. — Alle Zeitungen können ihre Collegin, bie Daily-News in London, um ihren Kriegsberichterstatter Forbes beneiden. Es ist derselbe, welcher die vortrefflichen Berichte über den deutsch-französischen Krieg von 1870 geliefert bat, die ein Muster an Klarheit, Anschaulichkeit und Wahrheitsliebe sinb. Forbes ist soeben aus den Kämpfen am Balkan nach Bukarest zurückgekehrt,'aber wie! er hat in Folge der unaeheunn Strapazen und der Hitze fast kein Fleisch mehr am Leibe und keine Haut auf dem Ge sicht. Seine Haut ist von der Sonne beinahe schwarz gebrannt unb schält sich streisen- wels ab. Ein halbes Dutzenb ber besten Racepferbe hat er zu Schanden geritten, obgleich er einer der besten Reiter ist, die es gibt lieber die Kämpfe im Schipkapasse war er als Augenzeuge auf russischer und türkischer Seite besser unterrichtet als irgend em Militär, kaum vom Pferde gestiegen und kaum noch fähig zu gehen, mußte er dem Kaiser Alexander persönlich Bericht erstatten. Der Kaiser hat ihm das Georgskreuz verliehen, die höchste militärische Auszeichnung, die nur für persönliche Tapferkrit vor dem Feinde verliehen wird. Wenn irgend Jemand so hat FordeS diese Auszeichnung verdient, nicht im Dienste Rußlands, sondern im Dienste ber Wahrheit uvb ber Geschichte, verdient nicht durch Schönfärberei ober gefälliges Verschweigen unb Vertuschen, sondern für hohen Muth, wunderbare Kaltblütigkeit unb unerschütterliche Wahr heitsltebe. — (Barletta-Loose nicht kaufen, sie sind faul.) Es werden in letzter Zeit Hefe Loose in den Zeitungen vielfach angepriefm, und es ist darauf abgesehen, sie dem fUinen Mann besonders auf dem Lande, auszuhängen. Der niedrige Preis wird damit erklärt, daß ein großes Haus auf einmal losschlagen müsse. Dem ist aber nicht so. Die Loose lauten auf 100 Frcs., galten aber gleich zu Anfang nur 25 fl. unb in der fitzten Zeit vor der jetzigen Anpreisung mochte man sie kaum um 12 JL (7 fl.) Daß kommt daher, weil erstens die Art der Ausloosung ungünstig ist, sodann aber unb vo- Allem baher, weil bie Funbiruug eine ganz unzureichende unb unzuverlässige ist. Es ist in ben fitzten Jahren den Leuten so viel sauer verdientes unb erspartes Geld aus den Taschen geschwindelt worden, daß es Schade wäre um jeden Pfennig, ber noch auf diese Weise zu Grunbe gehen sollte. — Erfolge ber Kalibüngung auf Wiesen. Im Anschlüsse an unsere vielfachen günstigen Mitthetiungen über die Erfolge ber Anwendung der Kalisalze zrinr Zwecke ber Düngung, bringen wir hier einige Erfahrungen über denselben. Herr Oberförster j Sons, Sections-Director für Wiesenbau und Drainage im rheinpreußifchen landwirth- schaftlichen Verein, berichtete in der Generalversammlung des Vereins über die (Erfolge der Kalidüngung nut saur-n Wiesen. Herr So^s hatte ein von der Firma Forster u. Grüneberg zu Kaik und Staßfurt unter dem Namen Wiesendünger bezogenes Kalidüngergemenge < 10 Kali, 4 Phosphorsäure, 2 Stickstoff), angewendet und zwar 2 Pfd. pro Ouadratruthe. Der Dünger wurde Anfangs März aufgebracht und äußerte sich bald in einem üppigen Gedeihen ber damit gedüngten Fläche. Schon beim ersten Schnitt erschien das Wachsthum der süßen Gräser besonders deS Honiggrases erheblich erhöht Beim zweiten Schnitt hatten dieselben bie sauren Gräser säst ganz verdrängt und schienen letztere vollständig überwuchern zu wollen, da die Wurzelstücke z. v deS Honiggrases einen außerordentlichen Blüthenreichihum zeigten. Die ganze Ernte betrug pro Morgen eilf Centner Heu und sieden Centner Grummet mehr als von einem daneben liegenden Morgen, welcher keine Düngung erhalten hatte. Bei den augenblicklichen Heupreisen hat diese Meh,ernte einen Werth von ca. 15 Thlr. 10 Sgr. (46 J4), während die Kosten der Düngung 8 Thlr. betrugen. Herr SonS empfiehlt dringend die Herdstdüngung. _____ Ausländische Werthe auf deutschem Markt. Wohl in keinem anderen Lande macht sich der internationale Charakter deS Geldmarktes in so auffallender Weise geltend, wie im deutschen Reiche, und man darf nur den Kurszettel irgend eines Berliner Fachblattes zur Hand nehmen, um sich von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen. Es find hiernach an den deutschen Börsen die Anleihen fast sämmtlicher Staa» ten Europas im Verkehr und zwar mit Summen, die es als zweifellos hinstellen, daß das deutsche Volk darin einen erheblichen Theil seines Kapital-Vermögens angelegt hat. Dieser Umstand giebt unS heute Veranlassung zu einer etwas näheren Untersuchung der für unsere Wirts chast» . lieben Verhältnisse daraus entstehenden Konsequenzen. Es ist zunächst zu constatiren, daß die Summen sämmtlicher Anleihen der Staaten: Rußland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Italien, Rumänien und Türkei sich aus rund 46 Milliarden Mark beläuft, wovon circa 28 Milliarden auf die erstgenannten beiden Reiche fallen. Wir heben Rußland und Oesterreich- Ungarn besonders hervor, weil von diesen beiden Staaten allein circa 6x Tongues empfiehlt 4925)_______________ Bekanntmachung. Freitag den 14 d. Mts-, Vormittags 10 Uhr, wird nuf dem Hofe der Zeughaus-Kaserne das Obst von 25 Zwetschenbäumen gegen gleich baare Bezahlung versteigert werden Gießen, den 12. September 1877. (5076 Großherzogliche Garnison-Verwaltung. Ia Braun und Steinkohlen liefert zum Zechenpreise (4831 Gg. Unverzagt I., verlängerte Asterwegstraße. Neue mnrinirte Häringe empfiehlt (4859 Gg. Wilh. Weidig. Kettseöern und Bannen Zwillch und Barchent, Feder-Leinen, Lieferung vollständiger Betten in streng re-ller Ausführung, bei 4519) Th. Brück, Kanzleiderg B. 1. Toilette-, Bade-, Ienster- unii Vftrdeschwämme in größter Auswahl empfiehlt 2950)Emil Fischbach. Oberhessische Eisenbahnen. Bekanntmachung. Mit dem 15. d. Mts. wird ein directer Tarif für Holz- und Schwellensendungen .zwischen Ehringshausen und Gustavsburg, Station der Hessischen Ludwigsbahn in Hrait treten und ist das Nähere bei den betreffenden Expeditionen zu erfahren. Gießen, den 8. September 1877. Großherzogliche Direction. Eingemachte Gurken empfiehlt (4985 Gg. Wilh. Weidig. ÄepfelniiihlenimdOlisliiresseii(Keltern) neuester Construetion, in verschiedenen Größen, vorräthig bei 1/2 Flacon ä 0.60, Vi » * 120, zu haben bei Wegen Localveränderung verkaufe von heute ab zu herabgesetzten Preisen. — Eine Partie älterer Borbwaaren unter dem Einkaufspreise. Achtungsvoll 4958) CL Fr» OoäMT&cU Auch ist der von mir seither innegehabte Laden und Wohnung anderweit zu vermiethen und bald zu beziehen. Der Obige. B c k n 1111 tmach 11 n g. 5039) Die Stelle eines Schutzmannes in hiesiger Stadt ist zu besehen. Concurrenzfähtge Bewerber wollen innerhalb 8 Tagen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei der unterzeichneten Stelle ihre Meldungen einreichen. Gießen, am 7. September 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V. d. B.: Keller, Beigeordneter._______________ von annähernd 9 Morgen Wiesen in theilungen nach Belieben der Kaufliebhaber ,.ickt »ur Sand waren, haben wir Schätzungen vorgenommen, die indessen, wie wir versichern zu Än ^uben der Wirkt ckkeit eher nachstehen dürften. - Es erhellt hieraus, daß em ganz 1 enorme/ Betrag' unseres Rallonalvermögens ins Ausland gegangen ist - eme Summe, die, wäre < unserer Industrie zugewendet worden, zur Entwickelung und Befestigungderselben m großar- Sdfe bZ/traqen baben würde. Man wird daher dreist behaupten können, daß durch die Ent ielmnq jener Summ» allen Zweigen unseres Wirthschaftslebens cm unberechenbarer Schaden Tn uns gegenüber auf dem Geldmärkte Reciprocitat zu üben; und wenn wir auchvorläufig -i ' foirßen alücklicherweise nicht bedürfen, so ändert dies doch nichts an der Thasiache, daß man unserer Industrie enorme Beträge entzogen hat und noch fortgesetzt entzieht. Es mochte zu bezweifeln sein ob der gegenwärtig herrschende wirthschaftliche Nothstand so gewaltige Dimensionen angenommen haben würde, hätte man bei Zeiten, d. h. dem sogenannten "?"^s unser ^r Aufschwünge" Maßregeln ergriffen zur Verhütung desi Äußerl and cs fließ enS uns er er Ersparnisse. — Sollen nicht unsere wirthschaftllchen Verhältnisse, ,oll nicht speziell un ere Industrie noch mehr geschädigt werden, so ist es hohe Zeit, tafe tie beutle aeschilverten Uebelstanve ihre volle Aufmerksamkeit zuwendct. Es ist dies um so nothwendlger, als vielleicht schon in den nächsten Monaten, sowohl Rußland, als tvieber mit größeren Anleihen hervortreten werden, bei deren Placirung erster Lmie f den deutschen Markt abgesehen sein dürfte. Wo, wie hier, wirthschaftliche Motive m Frage kommen, dürfen politische Rücksichten oder gar Sympathien für die "ne oder andere befreundete Macht nicht auf uns cinwirken. Es sind jene Motive tn der That so schwerwiegender Art und '^^undM2P und äußerte J t! 6t6 ÄÄ, Aräser snst bi a die SÄä S-s« chtM Heldin^ SK ■t lü Ungar"' . < w ft 1 .- < 2 inschlagE, n viel^ ä ,1t». Das Neneste und Belle in Oefen find Musgrave s Patent irische Sparöfen auf 5 Ausstellungen prämiirt. 4887) Alle Herren Jntereffenten, welche eine billige flesunde Heizung wünschen, bitte ich. diese, auf meinem Lager, Weidengaffe B. 92, stehenden, sehr empfehlenswerthen Oefen in Augenschein zu nehmen. Fegmühlen, Obstkeltern zu bedeutend ermäßigten Preisen bei_______________ (amertk. Rinder-Roulade) per 2-Pfd.-Büchse Jl. 1.80 0 11 ", Ochsenzungen Marinirte Häringe empfiehlt (5027 Emil Fischbach. Weisse Vorhänge aller Art^ Rouleaux, Drell in den gangbarsten Dessint Anfertigung jeder Decorations - Arbeit in geschmackvollster Ausführüng, bei 4518) Th. Brück, Kanzleiberg B. 1. Bretter u. Bohlen, meistens buchene, bis zu 10 Ctm. 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