“"«Mm,. ^■Leutuet rin. Ön' N». HofcapeUe M. • • Grade. ’ kalter.) ■ - Beethoven. • • Vieuxtemps. )rte - A. King. A. Rubinstein. Brahms. • • - Liszt. • • - Wieniawsky. • ■ . kroch. r.) . . . Schumann. ist aus dem Pianoforte- [atz a Jl 1.50, sind in ph s Wwe. zu haben. u Gießen, mtag den 16. H»nl ■alidiulgebäube in fopji’S „ 13. Heil, non Mnzis taljiule. Garantie. aham Stein. Wagner meilier.------- keller. y® litt ifit ** * *£»-* iT, grttn Militär-, spe- “*5ÄS STOSSE UTo 83- Donnerstag, den 12. April 1857. KeßeW W^kkgÄ An^'igk- uni Amtsblatt für btn Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. politischer H y e i l. Die Beurlaubung des Fürsten Bismarck. Die alle Welt überraschende, alle Freunde des Deutschen Reiches überaus peinlich berührende Nachricht, daß Fürst Bismarck den Kaiser um Entlassung aus seinem Amt gebeten habe, und daß es sich bei dem ihm zunächst zu gewährenden einjährigen Urlaub um eine vollständige Entbindung von den Geschäften, um eine Uebertragung der vollen Verantwortlichkeit auf andere Schultern bandle, dieser Urlaub also nur den Uebergang zu Kem gänzlichen Rücktritt des Reichskanzlers bilden werde, war von Anfang an in zu bestimmter Form ausgetreten, als daß man es gewagt hätte, an der Richtigkeit ihres Inhalts zu zweifeln. So schwer es ging, man versuchte es wenigstens, sich en den Gedanken zu gewöhnen, daß der Mann, der das Steuerruder Preußens nnb des von ihm vorzugsweise geschaffenen Deutschen Reiches so lange zum Segen des Vaterlandes gelenkt und während dieser Zeit die Weltgeschichte in neue Bahnen geleitet, sich aus seiner hohen Stellung dauernd zurückziehen und die Sorge für die Erhaltung und Weiterführung der neuen Schöpfung Andern überlasten werde. Glücklicher Weise lauten die neuesten Nachrichten beruhigender für den Vaterland-freund. Die demnächstige Beurlaubung des Fürsten- Reichökanzlers auf längere oder kürzere Zeit steht zwar auch heute noch fest. Aber von seinem definitiven Rücktritt ist doch nicht mehr die Rede, lieber die Bedeutung seines Eutlastungsgesuchs verbreitet sich vielmehr neuestens ein Licht, welches dazu berechtigt, die erfreulichsten Hoffnungen an dies Anfangs einen so niederschlagenden Eindruck machende Ereiguiß zu knüpfen. Wie verlautet, handelt es sich nämlich bei demselben um gewisse Reformpläne auf dem Gebiete der Reichsverwaltung und der ganzen inneren Politik, mit denen der Reichskanzler zu stehen oder zu fallen entschlosten ist. Wir haben das Entlassungsgesuch des Fürsten Bismarck nie als eine aus kleiner Empfindlichkeit hervorgehende Laune, die von ihm als Motiv seines Gesuches bezeichnete Erschütterung der Gesundheit nie als bloßen Vorwand betrachtet. Ein Mann in der Stellung des deutschen Reichskanzlers hat das Recht, leidend zu sein. Es ist nur allzu begreiflich, daß sich seine Kraft unter der ungeheuren Arbeitslast und Verantwortlichkeit, die auf ihm ruhte, allmälig aufrieb. Wenn wir zumal bedenken, wie viel Unangenehmes gerade in der letzten Zeit durch die Affaire Stosch's, die Verhandlungen über den Sitz des Reichs-Gerichts und die ganze rückläufige Bewegung der Reichsfluth seinem Wirken entgegeutrat, wenn wir uns daran erinnern, daß nach seiner eigenen Versicherung drei Viertel seiner Arbeit in den fortwährenden Reibungen hinter den Coulisten bestand, so können wir uns nur darüber wundern, daß. seine geistigen und körperlichen Kräfte, mögen dieselben auch von Hause aus noch so hünenfest sein, noch so lange vorgehalten haben. Wir waren aber doch stets der Ueberzeugung, daß ein Mann von so glühender Vaterlandsliebe, wie Fürst Bismarck, der nöthigenralls den letzten Blutstropfen freudig für Kaiser und Reich hinzugeben bereit ist, seine verantwortungsreiche Stellung nicht aufgeben würde, wenn er nicht gerade durch eine zeitweilige Entfernung aus dem Amte wahrhaft Ersprießliches für das Vaterland zu erzielen gedächte. Er weiß ja doch ebenso gut wie wir, daß seine Mission, so Großes schon erreicht sein mag, noch nicht ganz erfüllt ist, weiß, daß Deutschland, wenn er auch selbst von demselben das geflügelte Wort gesprochen, es werde, in den Sattel gehoben, schon zu reiten verstehen, doch so lange, wie Bismarck lebt, besten starke und kluge Hand nicht entbehren kann uub will. Unsere Erwartung ist denn auch nicht getäuscht worden. Das Enllastungs- gesuch hat schon seine Wirkung gelhan. Es ist nichts Geringes, daß die Ueberzeugung, wir würden Unersetzliches verlieren, wenn Fürst Bismarck seine Kraft dem Vaterlaude dauernd entzöge, so rasch und allgemein zur Geltung gekommen ist. Das Bewußtsein von seinem wahren Werthe war bisher nicht in der wünschenswerthen Stärke vorhanden. Wie ost hat der große Mann, um von seinen Feinden zu schweigen, sich selbst von seinen Freunden meistern lasten, wie oft hat er sich über unberechtigte Angriffe, über Mangel an Vertrauen selbst Seitens seiner Anhänger ärgern muffen ! Wenn uns der Helle Jubel der Schadenfreude, den die inneren und äußeren Reichsfeinde über seinen Rücktritt äußern, die staunende Verwunderung, mit der die Organe des befreundeten Auslandes die betr. Botschaft aufnehmen, die Schwierigkeit endlich, welche die Frage der Stellvertretung hervorruft, uns von Neuem eindringlich fühlen läßt, was wir an dem Staatsmanne, um den uns die ganze Welt beneidet, haben, so ist sein Entlaffungsgesuch sicher nicht vergeblich gewesen. Wie nun gar, wenn dieses Gesuch Anlaß gäbe, die vom Reichskanzler geplante neue Organisation der Reichsverwaltung und die von ihm seit längerer Zeit in Aussicht genommenen Reformen auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik durch neue, mehr einheitlich zusammenwirkende Organe in's Leben zu führen? Würde dann nicht sein zeitweiliger Rücktritt von den Geschäften einen außerordentlich heilsamen Einfluß auf die ganze fernere Entwicklung des Reichsorganismus üben? Auch bei dem Blick auf die Leitung der auswärtigen Reichsangelegenhetten, bereu Leitung die deutsche Nation bisher mit besonderem Vertrauen in der Hand seines Kanzlers sah, tritt uns ein Gedanke nahe, der uns mit einer Beurlaubung des Fürsten Bismarck wohl auszusöhnen vermag. Ein Mann wie er würde den gegenwärtigen Augenblick trotz aller Verstimmung sicher nicht zur Wiederherstellung seiner Gesundheit benutzen, wenn er nicht gerade die augenblickliche politische Lage für verhältnißmäßig friedlich hielte, wenn er nicht der Ansicht wäre, weder die orientalische Frage, noch Frankreich oder Rom würde den Weltfrieden in der nächsten Zeit stören. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, macht sein Urlaub also sogar einen sehr günstigen, durchaus beruhigenden, das Vertrauen in die Zukunft befestigenden Eindruck. Fürst Bismarck kennt freilich bester, als irgend ein Anderer, die Gefahren, mit denen das Deutsche Reich noch immerfort bedroht ist, er sieht es vielleicht insonderheit als zweifellos gewiß an, daß unser Erbfeind im Westen nach einiger Zeit unter dem Segen des „unfehlbaren" Papstes den Versuch machen wird, sich an dem verhaßten Sieger von 1870/7i zu rächen. Wenn es aber von Anfang an keinem Zweifel unterlag, daß der Reichskanzler in einem solchen Nothfall alsbald wieder auf seinem alten Platze erscheinen und Kaiser und Reich nicht ohne seinen bewährten Rath und Beistand lasten würde, so wird die Stärkung seiner Gesundheit in der Zwischenzeit gerade dazu beitragen, ihn zu dieser neuen Kraftleistung in erhöhtem Grade zu befähigen. Kurz, wir haben bei der bekannten Vaterlandsliebe und Aufopferungsfähigkeit unseres großen Kanzlers keine Ursache, uns über den zeitweiligen Rücktritt destelben von den Geschäften allzusehr zu beunruhigen. Liegt doch auch die Entscheidung über sein Entlastungsgesuch ht- der erfahrenen, weisen und sickern Hand unsers Kaisers, auf den das deutsche Volk in dem entscheidenden Augenblick mit vollem Vertrauen blickt. Er weiß noch bester, als wir, was er an seinem Bismarck hat. Wenn er ihm also eine Zeit lang sich von den Anstrengungen und Lasten des Amtes sich znrückzuziehen gestattet, so wird er auch die heilsame Frucht dieser Beurlaubung gerne reifen lasten, er wird zumal die Ueberzeugung haben, daß er seinen Kanzler im Augenblick der Gefahr nur zu rufen braucht, um ihn kräftiger und frischer als zuvor zur Vollendung seiner weltgeschichtlichen Mission wieder an seiner Seite zu sehen. Deutschland. Berlin, 9. April. Es verlautet gerüchtweise, die Türkei habe das Protokoll nur unter Bedingungen angenommen, welche weitere längere Verhandlungen erheischen. Anderslautende Meldungen sind tendenziös beeinflußt. — Bismarck hat sein Entlaffungsgesuch angeblich zurückgezogen, die Ur- laubs-Ai-gelegenheit ist indeß noch nicht erledigt. Wahrscheinlich wird dem Reichskanzler zeitweise voller Urlaub bewilligt, ohne daß dem Reichstag sofort Mittheilung davon gemacht wird, da eine Regelung der Frage durch das Reichs-Gesetz für unnöthig erachtet wird. — Die Stellvertretungs-Frage wird ohne Mitwirkung des Reichstags geordnet, vielleicht schon heute; alsdann tritt der Reichskanzler sofort seinen Urlaub an. Derselbe hat Übrigens sein Abschieds-Gesuch noch nicht zu- rückgezozei'. — Die hiesigen Abendblätter bringen widersprechende Meldungen hinsichtlich des Urlaubs des Fürsten Bismarck. Der „Nat.-Ztg." zufolge wäre eine kaiserliche Entschließung ergangen, wodurch das Entlastungsgesuch des Reichskanzlers abgrlehnt, dagegen das irr zweiter Linie gestellte Urlaubsgesuch bewilligt werde. Auch über die Stellvertretung beö Reichskanzlers wäre Entscheidung getroffen. Der heutige Ministerrath habe sich mit den Modalitäten der interimistischen Regelung beschäftigt; dem Reichstage würden morgen authentische Mittheilungen gemacht werden. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, der Reichskanzler habe nicht auf sofortige Entschließung betreffs seines Abschiedsgesuchs gedrängt; dieses sei keineswegs als erledigt zu betrachten. Der Kanzler werde seinen Urlaub antreten, sobald seine Vertretung während desselben geregelt sei. Derselbe führe einstweilen die Geschäfte bis zum Antritt seine- Urlaubs fort. Hiermit übereinstimmend äußert sich die „Post", welche noch hinzufügt, daß die Vertretungs-Frage vielleicht heute geregelt werden dürfte. Berlin, 10. April. Das „Berl. Tagebl." meldet die Erkrankung des Kaisers von Rußland an einem Steinleiben. Dl« Aerzte befürchteten, eine Operation vornehmen zu muffen. — Die Pforte verweigert bie Annahme bes Protokolls. Es steht der Erlaß eines Rundschreibens bevor, worin die Unannehmbarkeit begründet wird. Die Pforte ist entschlosten, jede Einmischung in innere Angelegenheiten der Türkei zurückzuweifen. Stuttgart, 9. April. Der „Staots-Anz." veröffentlicht das Ergebniß von Erhebungen über die öffentlichen Bauten in Württemberg, welche aus Anlaß von Klagen über die angebliche Arbeitslosigkeit angestellt find. Danach bieten beispielsweise die Eisenbahnbauten so reiche Gelegenheit zur Arbeit, daß die inländischen Arbeitskräfte nicht ausreichen. Rechne man dazu noch den seitherigen Manael an landwirthschaftlichen Dienstbeten und Arbeitern, so stelle sich heraus, daß die erwähnten Klagen im Allgemeinen grundlos feien. Die Löhne entsprächen den Preisen der Lebensmittel. Hesterreich. Wie«, 9. April. Fürst Midilinsky, General-Adjutant des Czars, ist angeblich in einer politischen Sendung hier eingetroffen. — Die Flotte des baltischen Meeres hat den Befehl zur Ausrüstung erhalten. Die in der Umgebung von Chotim stationirten russischen Truppen werden südwärts gezogen, dem Vorgeben nach, weil in Chotim die Diphteritis herrscht. Frankreich. Paris, 9. April. Der Papst soll Chambord^s Pilgerbesuch abgelehnt haben. Italien Rom, 9. April. In Beantwortung einer Interpellation theilte der Minister des Innern der Deputirten-Kammer mit, die Schaar Internationaler, welche in der Nähe von Benevent aufgetaucht sei, habe aus 50 Individuen der untersten Volksklassen bestanden; nach den bisherigen Anzeigen seien bereis 8 Mitglieder der Bande gefangen. Die öffentliche Ruhe könne nicht mehr gestört werden. Rußland. Petersburg, 9. April. Ju der Correspondenz der „Agence Ruffe" heißt es: Die Antwort der Pforte auf das ihr mitgetheilte Protokoll werde ausweichend lauten und zwar dahin, daß sie sich ihre vollständige Unabhängig keit in allen inneren Angelegenheiten wahre, doch geneigt sei, sofort einen außerordentlichen Gesandten nach Petersburg zu senden. Von dem vorherigen Abschluß des Friedens mit Montenegro sei jedoch in dieser Kundgebung der Psortc keine Rede, vielmehr sei solcher an Bedingungen geknüpft, welche deutlich erkennen ließen, daß die Pforte Zeit gewinnen wolle, um jeder Entscheidung auszuweichen und somit Rußland die Initiative eines eventuellen Bruches zuzuschreiben. Türkei. Konstantinopel, 9. April. Die Geschäftstäger Rußlands, Oesterreichs und Frankreichs haben bei der Pforte angelegentlich die Annahme des Protokolls, sowie die Entsendung eines türkischen Unterhändlers nach Petersburg befürwortet. Heute findet wiederum ein außerordentlicher Minifterrath statt. Dem Vernehmen nach wird die Pforte morgen das bereits angekündigte Rundschreiben an ihre Vertreter im Auslande absenden, worin sie ihre Entschließungen darlegt. Die montenegrinischen Abgeordneten bestehen ungeachtet der Weigerung der Pforte auf Abtretung der Districte Niksic, Kucci und Kolatschin. Amerika. Row'Aork, 9. April, Abends. Eine Menge feindlicher Indianer, gegen 1500 an der Zahl, erklärten ihre Unterwerfung. Lokal-Notiz. Gießen, 9. April. Die gestern hier abgehaltene öffentliche Socialisten-Versamm lung, welche von Nachmittags 3 Uhr bis Abends nach 8 Uhr währte, war außerordentlich zahlreich besucht. Wohl 900 bis 1000 Manschen wögen die Räume des Wenzel'schen Saalbaues gefüllt haben, in welchem der Präsident ber Socialisten, Kaufmann Reuter, die Versammlung eröffnete. Zuerst erhielt der socialdemokrattsche Agitator Frohme aus Frankfurt das Wort und entwickelte in anderthalbstündiger fließender Rede die Princtpie» der Socialbemokratie. Im Anschluß an das bekannte Programm des So- cialtsmus erläuterte der Redner die Motive und das Ziel der ganzen Bewegung in der Weise, daß er unter zabmer Umgehung der angreifbarsten Punkte mehr im Allgemeinen für die socialtstischen Ideale den Boden zu ebnen sucht. Nachdem Redner von dem Lob der Arbeit ausgegangen war, will er von den Forderungen des Programms das allgemeine Wahl- und Stimmrecht auch auf die Landtags- und Communal-Wahlen ausgedehnt sehen. Directe Gesetzgebung durch das Volk, Entscheidung über Kiieg und Frieden durch das Volk geben nach der Ansicht des Redners weitere Bürgschaften für das künftige Glück des Volkes, dem sogar bleibender Friede anstatt der seitherigen blutigen Kriege tn Aussicht gestellt wird. Dazu soll denn auch die allgemeine Volks- wehr an der Stelle der stehenden Heere das Ihrige beitragen. Redner versucht es nicht die von competenter Sette (dem schweizerischen General Herzog) gegen die Volkswehr- Jdeen geltend gemachten schwerwiegenden Bedenken zu wtederlegen, er ist vielmehr der Ansicht, daß die Volksheere für den Zukunftsstaat schon der Billigkeit wegen eine Noth/ wendigkett seien, auch 1813 habe das Volk tn Waffen die Fremden vertrieben. Die seiner Meinung nach unzureichende Preß- und Versammlungs-Freiheit führt den Redner zur Forderung, daß alle Gesetze abgeschafft werden sollen, welche das freie Denken und Forschen beschränken. Die Sprache der socialdemokratischen Organe scheint ihm das Maaß von Freiheit noch nicht erreicht zu haben, welches er für ein gedeihliches politisches Leben für nothwendig hält. Rechtsprechung durch das Volk soll mit unentgeltlicher Rechtspflege Hand in Hand gehen. Bis jetzt entspreche die Rechtspflege den An- forderungen der Gerechtigkeit noch nicht, wofür der Proceß gegen Bebel und Liebknecht zum Beweis angeführt wird. Statt Jedermann zum Mitwirken bei der Rechtspflege zu berufen erfolge die Bildung der Geschworenenbank nach einem Census. Allgemeine und gleiche Volkserziehung, Hebung des Volks-Schulwesens seien endlich noch weitere Ziele der socialen Bewegung, die ja nur die Veredelung des Volks und die Erhebung desselben zu einem menschenwürdigen Dasein bezwecke. Nach Herrn Frohme wendet sich Herr Klerx gegen den unlängst gehaltenen Vortrag des Prof. Gareis, der das focialtstische Programm nicht vollständig und nicht überall richtig wredergegeden habe. Redner betont als angegebene Wege zur Abhülfe den Werth der Productiv-Genossenschaften mit StaatShülre. Den beiden socialdemokratischen Rednern gegenüber vertritt Prof. GareiS voll ständig das, was er tn seinem unterdeß gedruckten Vortrage behauptet hatte, er hebt besonders die Verdienste der liberalen Parteien für Erringung der Freiheiten hervor, deren sich jetzt die Arbeiter-Partei mit anderen erfreue und macht darauf aufmerksam, welch unfreier Zustand vor jenen Freiheitsrechten gerade in Bezug auf die Arbeiter be stand. Er erklärt die von der Socialdemokratie vorgeschlagenen Mittel zur Abhülft bestehender Mißstände für unzureichend und größtentheils für vollkommen undmchführ bar, ja sogar als der Cultur Entwicklung geradezu feindlich. Die staatsrechtlichen Verhältnisse der Schweiz können für ein größeres Gemeinwesen nicht maßgebend sein und seien auch keineswegs in allen Stücken nachahmungswürdig. Redner vermißt in den Ausführungen der Gegner gewisse Punkte ihres Programms, wie die Frage nach der Güterentziehung und nach der Ehe, insbesondere aber positive Vorschläge für den Aufbau des künftigen Gemeinwesens. Ein vernünftiger Mann ziehe nicht aus einem Wohnhause aus, ehe er wisse, in welches andere Haus er einziehen könne, ebenso« ntg werde man vernünftiger Weise ein reparaturfähiges Haus abreißen statt dessen Mängel zu beseitigen. Deßhalb empfiehlt er Festhalten an der bisherigen Staatsordnung, welche alle Bedingungen der politischen Fortentwicklung in sich schließe. Herr Frohme sucht diese Ausführung zu wiederlegcn ohne auf die von Prof Gareis gestellte Frage, mit welchen Mitteln der socialdemokratische Staat Productions- krisen und dergleichen Mißstände vermeiden und beseitigen könne, eine andere Antwort zu geben, als da- Wort Productiogenossenschaften. Den liberalen Parteien, meint Herr Frobme, komme das Verdienst nicht zu, welches der Vorredner ihnen beimesse, namentlich sei das allgemeine Wahlrecht den Arbeitern nicht aus Wohlwollen gegen sie zuge- standcn worden. Gerade die socialistifche Bewegung, deren Bedeutung man noch vor wenigen Jahren nicht habe anerkennen wollen, habe wesentlichen Antheil an den neu- errungenen Freiheiten. Es handele sich jetzt um die Emancipation des vierten Sta». des, die Vorthelle, welche die französische Revolution gebracht habe, seien nur der Bourgeoljle zu Gute gekommen. Pcof. Hermann Sculfert bemerkt dagegen, daß nach der neuen Reichs-Gesitz- gebung jeder ohne Rücksicht auf Steuer zum Volkorrchtcramt berufen werden rönne folfllid? der Vocwurt btö Herrn Frohme bezüglich der Bildung Der Geschw^rnendarck unoeranlaßt fei. Er piolefurt gegen den Vorwurf, daß die Rechlshüife ein Privilegium der Reichen sei, und daß der arme Mann um seinen Rechtsschutz betrogen we de. Die Forderung der Unentgeltlichkeit der Rechtspflege sei mit Rücksicht auf die Proceß- trameiel und Die dadurch erforoeite unermeßliche Richterzahl unerfüllbar, das Bedürf im Haftpfllchtzesetz zum Wohl der Arbe'ter gegebenen Grundjatze gibt Redner zu, betont aber, es könne bezüglich der beim Eileubahndetrreb vorkommenden Unglucksfälle ichon jctzt ohne Beweis eines Verschuldeiis Entschädigung erlangt werden. u B Hierauf verwahrt sich Herr Frohme regen die Unterstellung, daß von Seiten der Socialiften die Greuel der französischen Revolution verherrlicht werden. Dem gegenüber tue in Prof. Naumann aus der socialistischen Presse idem .Neuen Socialdemokrat , dem „Volktstaaf und dem ,,Vorwärts") nach, daß die Socialisten Eommumsten sind unb die revolutionäre Bewegung vertreten. So heiße es' der Eommunlsmus ist der durchgeführte Socialtsmus".....Wer wahrhafter Socialist lein will, muß Communist sein" . . . ,,Der heutige Socialismus ist communistisch' ^ocialismus und Commamsmus baden sich soweit genähert, daß ihre Unterschiede beinahe oerfchwunden sind". Der friedliche Weg sei bei solch bedeutenden Umwälzungen unmoguch, Niemand werde sein Eigenthum gutwillig zur allgemeinen Ausnutzung ber- d-^N' und für diesen Fall habe der Socialismus selbst die „Revolution aus dem ge- fahrltcheil Wege der Gewalt^ in Aussicht gestellt. Es heiße in dieser H-nsicht ferner: ",yQt d'e machthabende Elaste so lange die friedliche, gesetzliche, sociale Revolution verzögert, dann wird wie Lassalle ankündigte — die sociale Revolution m't Gewalt hereinbrechen mit wilbwe^enbem Lockenhaar, eherne Sandalen an den Füßen." Hierzu über bedürfe der Socialismus eine große Zahl Unzufriedener, die man durch die Aar latlon zu lchast n suche. Deßhalb habe man auch von einem „für die Arbeiter höchst unsinnigen Besitz eines Häuschens und einer Scholle Land" geredet, weil derselbe für die socialistischen Ideen weniger zugänglich mache Die verlesenen Aeußerungen der soclaldemokiallichen Presse zeigten, was man öou den Behauptungen Frohme's zu ballen habe, daß der Socialismus fern vom Communismus sei und seine Biele nur unter Achtung der bestehenden Gesetze erstrebe. Dagegen versucht Hen Frohme in höchst gewundener Weise die Bedeutung der verlesenen Aeußeiung^n der socialistischen Preste abzuschwächen. Die betreffenden Ai- tikel feien als „wissenschaftliche Abhandlungen" anzusehen, durch Grundbesitz falle der Arbeiter siicht in oie Hände Der Wucherer. Freilich wolle er nicht ableugnen, daß oer hartnäckige Widerstand der besitzenden Elaste zu gewaltsamer Resolution treiben könne. Prof. (Slcmm theilt durchaus den Standpunkt seines Collegen Naumalln und weist auf die neueste Feier der französischen Commune im weitesten Kreise der Arbeiter- paitci hin. Selbst ein Mann wie Albert Lange bezeichne neben den falschen Auffassungen vom Staat die Furcht vor der Revolution als wesentliches Hemmniß der socialen Bewegung. Den bewußten Widerstand gegen die letztere müsse nach Lange der volle Fluch treffen, den bcr kurzsichtige Doctrinär jeder Revolution als solcher eot- gegenschleudere. Die Socialisten säeten allerdings nur Unfrieden, d.iS Gefühl der Dankbarkeit gegenüber wirklichen Fortschritten sei ihnen fremd. Sonst müßten sie anerkennen, daß gerade das von den be de» socialistischen Rednern so lebhaft angegriffene Schulwesen allenthalben. und nicht am wenigsten in Hessen, unablässig gefördert werde. Einzelne Mißstände könne man abstellen, aber darum dürfe man nicht die heutige Staatsordnung umstürzen wollen. Gegen solche Consequenzen des Socialis- muS müsse man mit aller Entschiedenheit protestiren und festhalten an dem theuere,! deutschen Vaterlande, dessen sociale Grundlagen man jetzt zu erschüttern suche Der Vorsitzende des Vereins der nationalen und liberalen Partei, Hosg.-Adv. Dr. Dtttmar kennzeichnet zunächst die eigenthümliche Taktik der socialdemokrattschen Agitation, welche die Masse der Unzufriedenen aufruft und sich zum Aushängeschild einen großen Theil der Forderungen aneignct, welche schon in dem Programm der liberalen Parteien gestanden, als man an eine deutsche Socialdemokratie noch n-.drt dachte. Er verweist dabei weiter auf den Kunstgriff der Agitatoren, i* den Volksoer sammlungen das zu verschweigen, was ihre Preste unverblümt sagt. Zum Belege da» für diene, daß Herr Frohme sich heute lebhaft gegen den Vorwurf deS Communismus verwahrt habe, während man doch den Communismus nicht offener predigen könne, als dies zum Beispiel geschehen sei von dem Volksstaat, der da sagt: „Das Pnoat- eigenthum ist in letzter Linie der Urquell fast aller Verbrechen, die in unserer Gesellschaft vorkommen. Den Diebstahl provocirt es ganz birect. Solange es Prioateigen' thum gibt, wird es auch Diebe geben. Eines verschwindet erst mit dem anderen, die Wirkung erst mit der Ursache". Oder: „Es ist der socialistifche oder communistiiche Kampf der unerbittliche Krieg gegen das Besitzthum". Im Weiteren bebt Redner hervor, daß über der wirthschaftlichen Frage der Nation ebensowenig wie der Einzelne seine Ehre vergessen Dürfe. Dieseni^Vorwurf sitze sich aber die Partei aus, welche wie die socialdemokrattsche die größten Schmähungen auf bad deutsche Heer gehäuft Ihibe, welche der Pariser Commune die Hand reiche und kein Gefühl dafür habe, daß diese Hand,' da sie ans Deutschland kommt, nur mit Widerstreben ersaßt wird. Wer Denio- krat fein wolle, möge wenigstens die Worte Ziegler's zum Wahlspruch erheben: „Das Herz der Demokratie ist stets da, wo die Fahnen des Vaterlands wehen". Herr Frohme erklärt einen solchen Appell an den Patriotismus für überflüssig und bestreitet den Vorwurf, daß die Socialisten nicht national seien. Nachdem noch hieraus Herr Klerx die Berichtigung des Reichtagsabgeordnelen Kapell bezüglich des NothNands in Schlesien verlesen hat, schließt bcr Präsibent bk Versammlung, indem er den Anwesenden für ihre während der Verhandlungen beobachtete Haltung dankt. Wir enhalten uns näherer Bemerkungen über den Eindruck, den die fünfstünbigen, mit Spannung verfolgten Verhanblungen auf bie überaus zahlreiche Zuhörerschaft gemacht haben müssen. Soviel glaubten wir aber boch sagen zu sollen, baß der gestrige Tag kein Siegestaq für die Socialisten war. ---LJ_'_--------1--J ____r i_.J____L—...____L__ Vermischtes. Marburg, 5. Apnl Der Vorort Marburg hat die Turnvereine des Gaues Hessen zu dem auf Sonntag, den 15. April d. I., Mittags 1 Uhr in den Saal des Turnergartens dahier anberaumten Turntag eingeladen, bevollmächtigte Vertreter zu senden. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Bericht des Gauoertreters C. Demuth. 2. Rechnungsablage des früheren Vororts Bad Nauheim. 3 Antrag von Marburg und Butzbach: „Bei den Gaufesten sind als Preisturner nur den Vereinen des Gaues angehörige Turner zuzulasten." 4. Antrag des Gauoertreters C- Demuth: „Berathung der Gau-Grundgesetze. 5. Neuwahl des Gauturnwarts. 6. Nachträgliche Forderung des Vereins Friedberg aus dem Jahre 1875. 7. Antrag von Nidda: „Den jetzigen Frühjahrs Turntag in den Monat November zu verlegen." Handel und Verkehr. Gründer g, 7. April. (Fruchtpreise). 308,0 Ctr. Weizen 50 K- ob. 1 Ctr. 12 JL 76 H. 56,0 Ctr. Korn 50 K. ober 1 Ctr. 10 Jt 1 H. 102,0 Ctr. Gerste 50 K- oder 1 Ctr. 9 JL 32 207,0 Ctr. Hafer 50 K. ob. 1 Ctr. 8 JL 92 4,0 Ctr. W'cken 50 K. ob. 1 Ctr. 10 JC. 50 H. 90.0 Erbsen 50 K- ober 1 Ctr. 9 JL 81 1,0 Ctr. Saamen 50 K- ob. 1 Ctr. 17 at 296,0 Ctr. Kartoffeln 50 K. ob. 1 Ctr. $ JL 43 Im Ganzen 1004,0 Ctr. Mainz, 7. April. (Productendericht.) Weizen per Mai JL 23 35. Roggen per April —, per Mai JL 17.20. Hofer per April —, per Mai JL 16.40. Rüböl per Mat Jt 34.80. Akademischer Gesangverein. 1992) Die Proben zum „Elias“ von Mendelssohn beginnen am nächsten Montag den 16. d. M., Abends 7 Uhr, in der kleinen Aula. Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der akademische Mufikdirector an den Uebungsabknden Montag und Donnerstag im Uebungslocal, sowie täglich in seiner Wohnung entgegen. Der Vorstand, Alle Sorten Oelfarben, fiehlt (1994. H. Kurth (1974 die Material- »nd Jarbwnaren-Handlung von Gg. Wilh. Weidi Harkt 8 empfiehlt (1979 Stuttg. kath. Kirchenloose f (1930 beabsichtigt, ein Exemplar gratis und franco. H. K Ü l) N. (402 28 5 ä K. Grünebaum 1913) mtethen bei Bäcker Steinberger. kaufen bet miethen bei Elias Meier Wittwe. miethen. vermtethen im Frankfurter Hof. dto. dto 31,5 19 112 1) 2) 3) 4} 5) 6) 7) 8) 9) 10) H) I. Kohlermann, Mäusdurg D. 12. frankfurter (Kasseler empfiehlt 755) 238 3121 1832 298 1903 2294 1227 295 1898 1089 1105 1565 S- Katzenstein, Seltersberg. Hardt 3 besondere Bekanntmachung. Submission. Ausgabe für das Grossherzogthum Hessen. olksschul-Atlas, Dr. R. Andrees, in 34 Karten. Ausgeführt in der Geographischen Anstalt von Velhagen & Klasing in Leipzig. PretS 11V1 . Zum Schulwechsd empfohlen. PreiS IJM. Ausgabe für Hessen mit Specialkarte. Durch Verordnung des Grossherzogl. Ministeriums des Innern vom 14. Juli 1876 ist Andree’s Volksschul- Atlas in das Verzeichniss der in der Volksschule zulässigen Lehrbücher aufgenommen worden. Wir übersenden gern jedem Herrn Lehrer, der den Atlas einzuführen dick, sowie zum Anstrich fertig, Fußboden-Anstrich, Fußboden-Lack, Damarlack, Copaltack, empfiehlt in besten Qualitäten (1535 Gg. Wilh. Weidig. Waschpulver und Fettlaugenmehl, Kernseife in diversen Sorten, empfiehlt Königs-Reisstärke, Mais- und Waizenftärke, Patent-Stärke-Glanz, verleiht als Zusatz zur Stärke der Wäsche elastische Steife und blendende Weiße, Bau- it. Bvennholz- Versteigerung. 1978) Montag den 16. April er., von Morgens 9 Uhr an, werden für die Gemeinde Erda im District „Eichen- 1990) Ein fast neuer Rollwagen zu verkaufen. Näheres bei der Expedition dieses Blattes. 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Ferner empfehle meine Besatzartikel, als Kcilgeöütenes. 1970) Ein Confirmanden Nock zu ver- kaufen. Wo? sogt die Exped. d. Bltts. 1986) Mehrere Wagen Kuhmist zu ver- kr, . i (Jfr, 12^ «SM r- H •* ü JL 81 4 a zz \ .er ln öO § Pj -n il 23 35- Ä 3J1<* I»« ®*f*.*1’ Nachfolgend bezeichnete Arbeiten zum Bau eines Krankenhauses in Herborn sollen auf dem Submissionswege uergeben werden: Nermietstungen. 1973) Zwei möbl. Mansarden-Zimmer mit Alkoven sind zu vermiethen. Seltersberg 4- 1984) Alicenstraße Nr. 102 ein freund^ lich möblirteS Zimmer im untersten Stock zu vermiethen.__ 1985) Ein freundlich mödlirtes Zimmer zu vermiethen Mäusburg Lll. D. 19. 1982) Ein mödlirtes Zimmer zu ver- schnkll und hart trocknend, Petersburger Möbellaok Gisenlack, Seccatif, Leinölfirniß, 59 „ 30 „ 24 „ 68 „ 24 „ 87 „ 74 „ 12) Tüncherarbeit 1565 „ 62 „ Pläne. Kostenanschläge und Bedingungen liegen für die Interessenten auf dem Rath' Hause zu Herborn zur Einsicht offen. Verschlossene Offerten sind bitz zum 23. April c., Nachmittags 2 Uhr, bei dem Unterzeichnete ^4 J be.„ '""»ul Dii hffrniü ODilf; =r$Qhi UcMl auf l,ri6»6«r U.t,rfi(aün Seiten e "Revolution in bitiVr a, ■!be« fle östliche, feciale sociale ücDoluti?« utl6n va- 'dal-n on^'^ait dsner, die man bÄ A'4 emem „für hij N b,e N ie verlefenen 9b .? |elbe ’Ur tessSs Lrn v , 4>lk öekrestenden jh ' k“'* Mibn nam^»^ rabIcU9ncn' ÖQB btt »nm •nts fliegen Naumann uni Xmd TnRrd,e ber Arbeiter «je neben den falsche. Aus als weimtlichks Hemmniß dei ■ öie müsse nach Lang, wer Revoluilon als solcher u>|: Unrriebeii, Gefühl der Dank- md. Sonst müßten sie anee- M Rednern fi lebhch ange- filten in Hesien, unablässig p :n, aber Datum dürfe man nicht olch-Konsequenzen des Soeioli;: nd sesthalten an dem theumi ;<8t zu erschütteri suche 'd liberalen Partei, Hofg.-iü.'. Takük der socialdemoktatW- t und sich zum Aushängesaö fdun in btm Programm '■ t SociolbtmotreHt nod) Suitatinn, ii bin ftoltiw. blümt sagt. Zum ödeflt bat i Pmwusi des Communismus , E vsteM r>rediM Vm. j t, der do W\ M W । drechen, die in unfern W- lirect- Solange es Priv«t--en- - inbet erst mit dem andern, die | i.rlaüstische ober communifii'4e 4 Weiteren hebt Redim i ebensowenig wie her AM . b°- btutf». H--r jei«« * ■ ®