Mo 261. Freitag, den 9. November 1877. chießener AWjM Anjeige- unb Amtsblatt für bei Kreis Gießen. Erscheint «ä-slich mit Ausnahme deü Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. AWtkicher Hheik. Gießen, am 7. November 1877. Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch Landgestütsbeschäler für 1878. Das Großhl'rzogliche Ämearnt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Sie wollen binnen 8 Tagen berichten, wie viele Scheine Sie im Jahr 1878 in rubricirtem Betreff bedürfen. Dr. Boekm ann. Nr. 39 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. October l. I., enthält: (Nr. 1214.) Bekanntmachung, betreffend die Ausgaben von Schatzanweisungen im Betrage von 20,000,000 Mark. Vom 29. October 1877. Gießen am 6. Novbr. 1877. Großherzogliches Kretsamt Gießen. Dr. Boekmann. Pfarr-Conferenz Mittwoch den 1Z4. November zu Gießen. Lang-Göns, 7. November 1877. Strack, Dekan. Aolilisch Aeutschland. Dnrmstndt, 6. November. Während die Lehrkräfte und Lehrmittel an dem Schullehrer-Seminar zu Friedberg für eine Schülerzahl von circa 120, diejenigen an dem Schullehrer-Seminar zu Bensheim für eine Schülerzahl von circa 60 pro 1876 bis 1878 bemessen waren, hat schon in dem letztabgelau- senen Schuljahre 1876 die Zahl der Schüler nicht unbedeutend mehr betragen, indem sich solche in Friedberg auf 168 und in Bensheim auf 86 belief. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres, Ostern 1877, ist dann die Zahl der Schüler noch weiter, und zwar in Friedberg auf 210 und in Bensheim auf 128 gestiegen. Als natürliche Folge dieses Sachverhaltes ergibt sich, daß die vorhandenen Lehrkräfte und Lehrmittel an beiden Anstalten ungenügende geworden sind. Da nun aber zudem die Zahl der in einer Seminarklasse mit Aussicht aus Erfolg auszubtldenden Schüler nur 30 bis 40, und somit die Gesammt- zahl der Schüler eines dretklasstgen Seminars überhaupt nur 90 bis 120 betragen soll, so hält die Großh. Regierung die praktische Ausbildung der Lehrer durch die große Zahl der gegenwärtigen Seminarschüler, selbst wenn an den bestehenden Anstalten Lehrkräfte und Lehrmittel angemeffen vermehrt würden, erheblich beeinträchtigt und daher die Errichtung eines dritten Schullehrer Seminars für ein nicht länger abweisbares Bedürfniß. Die von der Großh. Regierung zum Zwecke der in Rheinhessen beabsichtigten Errichtung des dritten Schullehrer-Seminars etngeleiteten Vorverhandlungen sind jedoch zur Zeit noch nicht zu Ende geführt. Den an den beiden bestehenden Anstalten herrschenden Nothständen mußte indeß, soweit thunlich, sofort und einstweilen Abhülfe geschaffen werden. Die Großh. Regierung hat zu dem Ende im Schuljahre 1876 die Kräfte der vorhandenen Lehrer, denen für die stark gesteigerte Last des Unterrichts und der Beaufsichtigung Remunerationen in Aussicht gestellt wurden, in außergewöhnlichem Maße in Anspruch genommen und hat die zu Ostern 1877, also nach der letzten Session der beiden Kammern sich noch weiter als erforderlich ergebenen Einrichtungen an den beiden Anstalten — in Friedberg z. B. wurden der schon im Schuljahre 1876 gebildeten Parallelklaffe noch zwei weitere zugesügt, so daß sich also dort jetzt zwei vollständig dreiklassige Seminarien befinden — bereits getroffen, in der Ueberzeugung, daß die nachträgliche ständische Zustimmung zur Uebernahme der durch die neuen Einrichtungen bedingten finanziellen Lasten auf die Staatskaffe zweifellos erfolgen werde. Das Großh. Ministerium des Innern richtet nunmehr in einer vor einiger Zeit an die Stände gelangten Vorlage — indem es sich vorbehält, sobald die über die Errichtung eines dritten Schullehrer-Seminars eingeleiteten Verhandlungen zu Ende geführt sind, den Ständen eine wettere Vorlage mit der Folge zu machen, daß die Etats der beiden älteren Seminarien um die jetzt angeforderten Beträge, da solche das neue Seminar theilweise zu übernehmen hätte, sich wieder vermindern würden — das Ansinnen an die Stände: der Großh. Regierung 1) für einmalige Ausgaben den Betrag von 6650 Mk., 2) für dauernde Ausgaben, zunächst für die Jahre 1877 und 1878 den Betrag von 11,250 Mk. die entsprechende Summe aus Staatsmitteln zur Verfügung zu stellen. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hält nach dem von dem Abg. Theobald desfalls erstatteten Bericht, welchem wir das Vorstehende entnehmen, sowohl das Vorgehen der Regierung für gerechtfertigt, als auch die gestellten Anforderungen für begründet und angemessen und beantragt, die Kammer wolle die angeforderten er Hß ei l. A. einmaligen Ausgaben: 1) für das Seminar zu Friedberg mit . . . 4,800 Mk. 2) für das Seminar zu Bensheim mit . . . 1,850 „ B. dauernde Ausgaben: 1) für das Seminar zu Friedberg mit 4,350 Mk. jährlich, daher für 1877 und 1878 mit . 8,700 „ 2) für das Seminar zu Bensheim mit 1,900 Mk. jährlich, daher für 1877 und 1878 mit . 3,800 „ 3) für beide Seminarien Erhöhung der Unterstützungs-Fonds um 5000 Mk. jährlich, daher für 1877 und 1878 mit...... 10,000 „ in Summa mit 29,150 Mk. nachträglich noch für die laufende Finanzpertode zu bewilligen. Berlin, 6. November. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Der Justiz- Minister theilt dem Hanse schriftlich die Einstellung des strasgerichtlichen Verfahrens gegen den Abg. Franz während der Dauer der Session mit. Eingegangen sind die Uebersicht über den Stand der in der Zeit vom 1. Januar bis 1. August 1877 im Bau begriffenen Staats-Eisenbahnbauten, für welche besondere Credite bewilligt worden sind, und der Bericht der Staatssckulden- Commijflon über die Verwaltung des Staatsschulden-Wesens. Abg. Windt- horst (Meppen) fragt an, ob eine Mittheilnng der Regierung bezüglich der in der vorigen Session zum Etat gefaßten Resolution eingegangen sei. Finanzminister Camphaujen erwiderte, daß die Stellung der Regierung zu der gedachten Resolution aus dem Etat ersichtlich sei. Der Nachtrags-Etat von 1876/77 wird nach einer unerheblichen Debatte in dritter Lesung unverändert angenommen. Es folgte die zweite Berathung des Etats vom Jahre 1878/79. Ohne erhebliche Debatte werden die Etats der Lotterie-Verwaltung, der Seehandlung, der Münzverwaltung, der Staats-Druckerei und der Porcellan-Manusactur genehmigt ; ebenso der Etat der Gesetz-Sammlung und derjenige des Reichs- und Staats-Anzeigers. Bei dem Etat für die Büreaus des Staats-Ministeriums und dem Dispositions-Fonds für geheime Zwecke erwähnt Abg. Richder (Hagen) die Besprechung der letzten Debatten im Abgeordnetenhause von Seiten der „Prov.-Correspondenz." Minister Friedenthal replicirt, er habe die erwähnten Artikel vor seinem Erscheinen nicht gelesen; er erachte jedoch den darin enthal- haltenen Paffus von dem vereinten Zusammengehen der Fortschritts-Partei und des Centrums nicht für correct, weil der betr. Angriff zwar nach demselben Ziele gegangen, aber in getrennter Schlacht-Ordnung erfolgt sei. Uebri- gens habe jener Artikel nur nachweisen wollen, daß die Staatsregierung seiner Zeit nicht ein theoretisches Vertrauens-Votum zu provociren beabsichtigte, sondern hoffe, auf dem Boden der Gesetzgebung und Verwaltung die Unterstützung und Zustimmung der Landesvertretung zu finden. Abg. Windthorst verlangte Aufhebung der „Prov.-Correspondenz." Der Dispositions-Fonds wird schließlich gegen die Stimmen der Fortschritts-Partei, des Centrums und der Polen bewilligt. Der Etat der Staats-Archive wird genehmigt und ebenso werden die Postulate für die General-Ordens-Commission, das Civil-Cabinet, die Ober- Rechnungs-Kammer, den Verwaltungs-Gerichtshof und die Ober-Examinatioris- Commission genehmigt. Der Etat des Disciplinar-Hofs wurde ohne Debatte angenommen. Bei dem Etat des Gerichtshofs zur Entscheidung von Compe- tenz-Conflicten fragt Windthorst, ob dem Landtage eine Vorlage zugehen werde, welche die preußische Competenz-Gesetzgebung mit dem deutschen Gerichts-Ver- fasiungs-Gesetze in Einklang bringe. Der RegierungseCommiffär sagt eine solche zu. Der Etat wird genehmigt, ebenso der Etat der Landes-Verwaltung. Es folgt der Etat des Ministeriums des Innern. Bei den Einnahmen aus der Strafanstalts-Verwaltung fragt Abz. Eberty, ob eine Vorlage in Betreff der Unterbringung verwahrloster Kinder einzehe. Minister Friedenthal erwidert, daß ein solcher Entwurf sich in den letzten Stadien der Vorbereitung befinde und dem Landtage demnächst zugehen werde. Äbg. Golting plaidirt für das Zellen-System. Abg. Richter (Hagen) erörtert die Agitationen gegen tue Ge fängniß-Arbeit. Um 3>/4 Uhr wird Vertagung beschlossen. Nächste Sitzung morgen. __ Berlin, 6. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." dementirt die Meldung, daß die Berufung des Reichstags für den Februar in Aussicht genom- nien sei und die Vorlagen sich auf Ergänzung der Justiz-Gesetze beschränken winden. Heflerreich. Wien, 6. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von vorgestern: Auf Befehl des Großvezirs wurden viele hervorragende Würdenträger verhaftet. Wie verlautet, ist eine Verschwörung der Partei des abgesetzten Sultans Murad entdeckt worden. Der nämlichen Corrcspondenz wurde aus Belgrad gemeldet: Die Bewegung serbischer Truppen nach der Grenze dauert fort, ohne daß hieraus auf eine Action zu schließen wäre. Theil- weise werden nur die Miliz-Brigaden an der Grenze abgelöst. Die anwesenden bosnischen Jnsurgenten-Chefs verlangen von der serbischen Regierung die Ernennung eines neuen Ober-Commandanten. Pesth, 6. November. In der Deputirten-Kammer interpellirte Apponyi wegen der Vorlegung aller auf die Vertrags-Verhandlungen mit Deutschland bezüglichen Documente noch vor der meritorischen Berathung des allgemeinen Zoll-Tarifs. Araukreich. Paris, 6. November. In der gestrigen Versammlung der Fractions- Vorstände der Linken wurde der Beschluß gefaßt, während der ganzen Dauer der gegenwärtigen Krisis den Journalen über die Berathungen der Linken keinerlei Mittheilungen zu machen. Demgemäß desavouirt die Versammlung der Linken im Voraus und erklärt für apogryph jede Mittheilung oder Information, welche in den Journalen ohne Unterschrift des Präsidenten oder des Secretärs jeder Versammlung erscheinen sollte. — Eine in den legitimistischen Journalen veröffentlichte Note theilt mit, daß in einer gestern abgehaltenen Versammlung der Rechten der Kammer Dele- girte beauftragt worden seien, sich zu Mac Mahon zu begeben, um ihm die Gefühle des conservativen Landes auszudrücken, welches, nachdem es dem Marschall in dem letzten Wahlkampfe gefolgt sei, auf sein Wort und seine Festigkeit rechne, um den revolutionären Umtrieben Widerstand zu leisten. Heute Abend findet wiederum eine Versammlung der Rechten statt. Paris, 6. November. Das Ministerium hielt heute Abend lange Zeit Berathung — Dem Vernehmen nach werden die Fractionen der Rechten morgen im Senat den Antrag einbringen: Unter dem Ausdruck des Vertrauens zum Ministerium, sowie der Billigung der Politik des Marschall-Präsidenten zur Tagesordnung überzugehen. Die Fractionen der Linken würden auf die sofortige Berathung dieses Antrags eingehen. — Viele Senatoren und Deputirte der conservativen Parteien haben im Laufe des heutigen Nachmittags im Elysäe- Palast Besuch gemacht. — Es sind nunmehr die Ergebnisse von 1369 General- raths-Wahlen bekannt, davon fielen 764 auf Republikaner, 511 auf Conserva tive und 84 müssen durch Stichwahl entschieden werden. Nach dem aus 80 Departements bekannten Ausfall der Wahlen würden in 40 derselben die Republikaner, in 39 die Conservativen die Majorität haben. Die Republikaner haben 107 Sitze gewonnen. England London, 6. November. General-Feldzeugmeifler Campbell erhielt Ordre, den Krupp'schen Schießversuchen bei Bredelar beizuwohnen. — Contre-Admiral Hay wurde zum Kommandeur des Canal-Geschwaders ernannt. Kossand. Haag, 6. November. Das „Amtsblatt" veröffentlicht die Errichtung eines neuen Departements für Handel, Industrie und Schifffahrt. Der orientalische Krieg. Wien, 6. November. Die „Presse" meldet aus Tiflis: 6 Bataillone Türken, welche auf der Straße von Datum nach Erzerum am Fuße des Daman-Dagh südwestlich von Tortum von einer russischen Colonne angegriffen wurden, mußten den Rückzug nach Datum antreten. Sie ließen viele Waffen und Pferde zurück und verloren Gefangene. Die russische Colonne steht in Bar, 6 Meilen nördlich von Erzerum. — Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom heutigen Tage: Gestern versuchten die rumänischen Batterien in Kalafat die Errichtung einer neuen türkischen Batterie in Widdin zu verhindere Der Versuch gelang indessen nicht, da die Türken die bereits fertige Batterie demaskirten und die gegenüberliegende rumänische Batterie 4 Stunden hindurch beschossen. In Ka- lasat wurden nur einige Häuser beschädigt. Wien, 6. November. Aus Bukarest wird gemeldet: Der Czar hat die Bildung einer Reserve-Armee von 100,000 Mann mit einem selbstständigen Generalstab angeordnet, welche vorläufig in Rumänien verbleiben soll. Konstantinopel, 6. November. Die „Agence Havas" meldet, Mukhtar Pascha sei in der Stellung von Erzerum am Sonntag und gestern angegriffen worden. Ueber das Resultat des Kampfes ist bisher Nichts veröffentlicht worden. Lokal-Vkotiz. Gießen, 6. Nov. (Auszug aus dem Jahresbericht der Handelskammer in Gießen für das Jahr 1876.) (Fortsetzung.) b) Eisenbahnwesen. Eisenbahnen im Allgemeinen. Die Frage der für Deutschland zweckmäßigsten Etsenbahnpolistk wurde von uns dahin erledigt, daß wir gegen die Erwerbung der deutschen Eisenbahnen durch das Reich uns aussprachen und den Resolutionen, welche der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstags an seine Mitglieder zur Begutachtung übersandte, mit einigen Abänderungen der Pos. 1 und unter Hinweglassung der letzten Alinea der Pos. 2 und derjenigen der ganzen Pos. 3 zustimmten, die hiernach folgende Fassung erhalte würden: Pos. 1. »Die Eisenbahnen deS deutschen Reichs können nur dann in vollem Maße die wtrthschaftltche Wohlfahrt der deutschen Nation fördern, wenn sie als ge- meilmützige Anlagen nach festen Grundsätzen und Bestimmungen beaussichtigt werden." „Der Ausschuß des deutschen Handclstages heißt deshalb jeden Schritt der deutschen Staatsreglerungen und des deutschen Reiches willkommen, welcher diesem Zwecke dient." „Er erkennt es als eine Nothwendigkeit, daß alle deutschen Eisenbahnen, mögen sie einzelnen Parttcularstaaten oder Privatgesellschaften angehören, sofern sie nicht ausschließlich dem localen Verkehr dienen, bezüglich ihrer Einrichtungen, ihres Betriebes und ihrer Tarife den Forderungen entsprechen, welche vom Standpunkt der allgemeinen deutschen Interessen aus erhoben werden müssen." Pos- 2. „Zur Durchführung dieses Gesichtspunktes ist die Vereinigung einer starken Aufsichts- und Anordnungsgewalt in den Händen des Reichseisenbahnamtes unerläßlich." „Der Versuch, dieß im Wege der Gesetzgebung zu erreichen, ist bereits im Vor- bereitungsstadium auf ernste Bedenken gestoßen, die einestheilS in der berechtigten Rücksichtnahme auf die Prioattnterefsen einzelner Staaten und Eisenbahngesellschaften, andernthetls in den parttculanstischen, mit der Förderung des Wohles der gesammten deutschen Nation unverträglichen vorurtheilen wurzeln." „Bet Bekämpfung der letzteren Schwierigkeit hat der deutsche Handels- und Gewerbestand, die deutsche Retchsregierung kräftig zu unterstützen, dringende Pflicht." Wir gingen von der Erwägung aus, daß die Erwerbung der deutschen Eisenbahnen durch das Reich ein Monopol zur Folge haben würde, welches schwerlich auf die Dauer dem Verkehr die gleichen Vorthelle bieten könne, als die freie Eoncurrenz. Nicht nur wü.lschenswerth, sondern unumgänglich nothwendig würde eS dagegen sein, daß das Retchsctsenbahnamt mit weiter gehenden Befugnissen alS seither ausgeftattet werde, da eine Behörde, die keine directe Verwaltung, wohl aber genügende und entsprechende Aufsichtsrechte haben wird, die hier in Betracht kommenden mannigfaltigen Interessen am besten und nachhaltigsten zur Geltung bringen könnte. Wenn auch bis zur Dtunoe die Grundlage für vollständig genügende Bestimmungen noch nicht gefunden, so sei doch keineswegs nachgewtesen, daß ein zeitgemäßes, die dringenden Forderungen befriedigendes Gesetz nicht Herbetzuführen wäre. — Für den Fall der Erwerbung der deutschen Eisenbahnen durch das Reich sprachen wir in theilweiser Ueber- einsttmmung mit der Pos. 3 des Antrags des Referenten des bleibenden Ausschusses des deutschen Handelstags die Erwartung aus, daß dann dem deutschen Reichstage eine fortwährende Einwirkung aus die Verwaltung und den Betrieb zustehen müsse, daß die Reichsregierung die Verwaltung der Reichsbahnen, mag sie diese selbst in die Hand nehmen oder Dritten übertragen, nach Grundsätzen regele, welche fiscaltsche Interessen über das Ziel einer mäßigen Verzinsung und Amortisation deS CapttalS hinaus aus- schließen und die Mitwirkung erfahrener Männer aus den Kreisen deS Handels, der Industrie und der Landwtrthschast sichern. Speciell Gießen berührende Eisenbahnen. Zu einer Beanstandung gab uns der in der vergangenen Periode herausgezebene Winterfahrplan der Matn-Weser-Bahn Anlaß. Wir sprachen uns dahin aus, daß es im Interesse des Verkehrs höchst wünschens- werth und nothwendig sei, daß den Bewohnern der Wetterau und dem reisenden Publikum überhaupt Gelegenheit geboten werde, den hiesigen Platz schon vor Abgang der ersten Züge der Oberhessischen Eisenbahnen erreichen zu können, und daß diesem Be- dürsntß etwa durch die Einrichtung Genüge geleistet werden könne, wenn der gemilchte Zug Nr. 20, welcher um 7 Uhr 20 Min. Abends von Cassel abgeht, bis Frankfurt laufen und Morgens etwa um 5 Uhr von dort wieder abgelassen würde. Es wurde uns hierauf von Großherzoglichem Kreisamte dahier eine Verfügung deS Großherzog- lichen Ministeriums der Finanzen mitgethetlt, nach welcher keine Veranlassung genommen werden könne, jetzt noch eine Aenderung für den Gang der Eisenbahnzüge zwischen Frankfurt und Gießen eintreten zu lassen, weil der Wtnterfahrplan schon seit dem 15. October zur Ausführung gekommen set. Wir sahen uns daraufhin zu einer Eingabe an das Großherzogliche Ministerium veranlaßt, worin wir das Wünschens- werthe der alsbaldigen Einrichtung eines Frühzuges eingehend darlegten; — wenn auch der Wtnterfahrplan schon 3 Monate lang in Kraft set, so würde doch der Gang der Züge noch 4 Monate derselbe bleiben und die In Frage stehende Cnlamität so lange fortbesteben, abgesehen davon, daß auch der Zug 5 des Sommerfahrplans diese nur dann beseitigen könne, wenn er in Frankfurt so früh abgelassen würde, daß er in Gießen vor 7 Uhr 30 Minuten eintrifft. Wenn auch unfern Wünschen bis jetzt noch nicht entsprochen worden, so glauben wir uns doch der Hoffnung htngeben zu dürfen, daß bei Aufstellung des Winterfahrplans der Matn-Weser-Bahn pro 1877/78 dieselben die geeignete Berücksichtigung finden werden und erlauben unS unsere dahin gehende Landwirthschaftliche s. Am 23. October hielt der landwirthschaftliche Local-Verein Gießen seine zweite Sitzung. Eine Frage, welche die Landwirtbe neuerdings sehr beschäftigt, wie man sich gegen eines der verderblichsten Unkräuter die Kleeseide Cue- cula europaea schützen kann", kam zunächst zur Besprechung. Da der Samen dec Kleeseide tn der Regel mit dem Kleesamen selbst gekauft wird, würde man sich nach der Ansicht der meisten der Anwesenden zunächst beim Einkauf des Kleesamens oorzu- sehen haben. Gute Samenhandlungen garantiren für den von ihnen geführten Samen, d. h. sie machen sich verbindlich, Kleesamen frei von Kleesetdesamen zu verkaufen. Die Erfahrung der Landwirthe liefert jedoch Beispiele, daß selbst Kleesamen aus reellen Handlungen, immer noch genug Kleeseidesamen führte, um den jungen Klee in seiner Entwickelung noch sehr zu beeinträchtigen. Da außerdem der Kletsetdesamen, ohne seine Keimfähigkeit einzubüßen den Darmkanal unserer Hausthtere pafftren oder jahrelang tn der Erde liegen kann, so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch im Klee Kleesetde Vorkommen kann, ohne daß der Kleesetdesamen mit dem Kleesamen auSgesäet ju sein braucht. —Das Ratbsamste bliebe danach nur möglichst reinen Kleesamen zu säen und falls trotzdem Kleeseide tm wachsenden Klee vorkommen sollte, diese durch Untergraben und zwar ehe sie zum Samentragen kommen kann, zu vernichten. Würde von allen Setten in dieser Weise die Kleesetde bekämpft, so würde sie bald aufhören unsere Klee- äcker zu verwüsten. An der Gleichgültigkeit vieler Landwirthe scheitert zumeist der Vernichtungskrieg gegen die Kleesetde; was hilft es, wenn der Eme seine Kleefelder davon frei hält, während der Nachbar die Kleesetde Samen tragen läßt und auf diese Weise sorgt, daß für eine ganze Gemarkung Kleeseide vorräthig wird! — Und hieraus entsteht die Frage, sollte nicht von Seiten der Polizei gegen solche fahrlässige Nachbarn oorgegangen werden müssen? Andere landwirthschaftliche Vereine haben mit Erfolg entsprechende Anträge gestellt, doch fand man, daß diese darin zu wett gegangen seien Es ist in manchen Gemarkungen der GrundetgenthÜmer in Folge jener Anträge gezwungen, die Kleesetde, wo sie sich auf seinem Eigcnthum findet, vor der BlÜtbe zu »ernichten. Soll eine solche Bestimmung consequent durchgeführt werden, so wü den viele Grundeigentümer werihvolle Wiesen in denen Kleeseide vorkommt, ohne dem Gr is- wuchs mehr zu schaden als unzählige andere Unkräuter einfach umbauen, b. h. Jahre hindurch als Ackerland behandeln müssen, um die Kleesetde zu zerstören, ein Verfahren, das für viele Wirtschaften absolut verderblich sein würde. Um nicht zu wenig und nicht zu viel vor allem um nichts Uebcreilres in ' er Klee- seidefrage für unsere Gemarkung zu unternehmen, wurde der Antrag, jene nochmals auf die nächste Tagesordnung zu setzen, angenommen. r , Ein weiterer Gegenstand der Vereinssitzung war die Frage, ob die begehenden Schäfereigesellschaften noch existenzberechtigt seien oder nicht. Man hatte speciell die Gefellschaftsschäferelen oer Stadt Gießen tm Auge. Daß dtese Schäfereien renttren und besonders dem kleinen Grundeigenthümer manche Vortheile einbringen, sollte nicht bestritten werden; daß sie aber auch für viele Grundbesitzer und Pächter, selbst wenn sie Schäfereiantheile haben ober haben könnten, eine Landplage geworden sind, wurde von mancher Seite geklagt. Es ist Landwirthen eine alte Erfahrung, daß Schäfer und besonders gute Schäfer am liebsten die ganze Gemarkung als Weideplatz für ihre Schafe ansehen und daß nur bestimmteste Weisungen, empfindliche Strafen sie abhalten können danach zu verfahren. Die vielfachen Uebergriffe, welche sich städtische Lrchäfer beim Hüten der ihnen anvertrauten Heerden zu Schulden kommen lassm, ver- rathen jedoch, daß ihnen von Setten der Schäfereioorsteher bis dahin nicht mit der gehörigen Entschiedenheit entgegengetreten ist. Es wurde das von maßgebender Seite E2 von Holzhandlung. 5985) O Brünellen L. Müller. nach Maass. (6113 empfiehlt Carl Hoffmann. (4037 Bielefeld. E. 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Fletschpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 75 Hammelfleisch 54—63 H, Kalbfleisch 64 bis 70 X Schweinefleisch 75—80 H. Erbsen, geschälte, (per 100 Kilogramm) 26-28 X, ganze Erbsen 21—24 X, weiße Bohnen 28—30 X, Linsen 30—32 X Eiligem ff ff ff empfiehlt Steinkohlen, Braun- 'vhlen, kleingemachtes Buchen- und Tannenholz empfiehlt S. Katzenstein, Haarbalsam. Dieser Balsam reinigt die Kopfhaut, als das beste Mittel, das Wachsthum Haare zu befördern und das Ausfallen Das Neueste in Desatzartikeln, als: farbige Gallons und Sammtborden, sowie Knöpfe, Einfastbänder, Seide, Zwirne in allen Farben, empfiehlt zu billigsten Preisen J. HL Fuhr. Sonnenstrasse. Chocoladc* per Pfund JA. 1.20 bis JA. 3.50, aus der Fabrik der Herren Joh PH. Wagner 8? Co. in Mainz, empfiehlt 6235'> Emil Fischbach. ViwOu J Handel und Verkehr. Gießen, 8. Novbr. Auf dem letzten sogen. Martini-Markt waren aufgetrieben: 723 Stück Rindvieh und 1945 Schweine; bei dem gestrigen Markttage standen ca. 600 Säcke Mein zum Verkauf. x 20 30, Weißer Wetzen 20,K°ru^13«0 Gerste X 12.15, Hafer X 7.20. (Durchschnitts Preis pro Malter.) Sonntag, den 11. November wird um S'/r Uhr attkatholischkr Gottesdienst in der Hospitalkirche Hierselbst gehalten werden. Der Vorstand» in das Haus des Herrn Bau-Unternehmer Merz, Reichensand-Baliiiliofsstrasse 184,5, verlegt habe. Zugleich halte zur bevorstehenden Saison mein gut assortirtes Lager bis zu den feinsten Stoffen unter Zusicherung rascher, reeller und billigster Bedienung einem geehrten Publikum bestens empfohlen. Hochachtungsvoll Gustav Kauls* früher Zuschneider bei Herrn 8. Flörsheim. ‘ZQ 's rjjvblttylM ‘JÖ1OA1 il<5|Opim asutzchj ui usjisag; uotzsj W nsdimg »ihijetmz Ul qim qttviQs »q -rstvmsq 'ua8uiqn$ n u»)W 'jsljvZ m piiuipad -uoipmijuog aatzsggoj qun astzaq es[u,ert[ostteq.uevcm9oa 279) Die regelmästig stattfindenden Sonntags* Abend - Unterhaltungen beginnen am 11. November, Abends y28 Uhr, im Saale der Restauration Bramm. Änterrichls - Anzeige! 4989) Anmeldungen für meinen Unterricht im Zuschneider» und Ansertigen von Damenkleidern werden jederzeit en'- gegengenommen. A. Rothenberger, Lindenplatz. Wirthe und Wiederverkäufer erhalten solche bei größerer Abnahme zu Fabrikpreisen. (6283 Außerordentliche Generalversammlung dcs (amerik. Rinder-Roulade) 2-Psd.-Büchfe ff Bücbse Emil Elschbach zu vermiethen bei C. Rahn. miethen. 6230) Kleines Familienlogis zu vermie- mich then bet Andr. Bärrn Wittwe. C Rahn großem Boden bei Fernando kommt und bringt viel Neues mit! Näheres folgt durch Plakate. Geschw. 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Bl. sub 8. 12 erbeten. _______________________________ 6238) Zn möglichst baldigem Eintritt suche ich gegen hohen Lohn eine gewandte erfahrene Köchin, welche einen Theil der Hausarbeit übern nimt Frau Lanoralh von Ticschowitz _____________________in Wetzlar.____________ 6267) Em zuverlässiger, ehrlicher Mann, unverheirathet, sucht unter besch.idenen Ansprüchen für sofort Beschäftigung als Aus- loufer, Kolporteur, Hausdiener oder bergL — Gefl. Offerten nimmt die Exped. d. Bl. unter J. K. entgegen.