1879. Anzeige- ob AMM fit den Kreis Gießen. Amtlicher Hheit. Bekanntmachun g. Wir hoben «„geordnet, daß das Schwemmen der Pferde in der Lahn nur an dem durch ein Piakai bezeichneten Orte und zwar oberhalb der dort in der Lahn angebrachten Barriere stattfinden darf. Indem wir dieses zu öffentlichen Kenntniß bringen, machen wir zugleich daraus aufmerksam, daß Ueber- tretungen dieser polizeilichen Anordnung nach Art. 296 des Polizeistrafgesetzes mit 1 bis 5,14 bestraft werden. Gießen, am 3. August 1877. . . Großherzogliche Polizeiverwaltung der Provmzml-Hauptstadt Gießen. Fresenius. era Herzform, verschiedene Schlüssel. Gießen am 2. August 1877. geordnet. Die hessische Regierung ist wegen der interimistischen Verwaltung der Diöcese Mainz, zu welcher auch mehrere preußische Kirchspiele gehören, mit der preußischen Regierung in Verhandlung getreten; das Mainzer Domkapitel hat bekanntlich den Domkapitular Dr. Moufang, einen der eifrigsten ultramontanen Agitatoren, zum Bisthumsverweser gewählt. Für die inneren Verhältnisse der ultramontanen Partei in Bayern ist es charakteristisch, daß das Haupt des „Vereins der deutschen Katholiken", Fürst Karl zu Löwenstein, in dem Kampfe des „Fränk. Volksbl." gegen die „Bavaria" offen für das erstgenannte Organ, also für Dr. Sigl Partei ergriffen hat; dieser Schritt eines Mannes, der um bedingter auf ein päpstliches Gebot hört und mehr für den Papst gethan hat, als irgend ein anderer deutscher Aristokrat, deutet darauf hin, daß die ultramontane Partei im Begriff steht, ihre Kampfweise zu ändern und jeder Transactton in politischer wie kirchlicher Beziehung den Krieg zu erklären gedenkt. In Oesterreich-Ungarn war das öffentliche Interesse ausschließlich den orientalischen Angelegenheiten zugewandt. In Pesth fand eine türkenfreund- ltche Volksversammlung statt, welche eine Resolution annahm, durch welche die Ausbreitung der Macht Rußlands für unvereinbar mit den Interessen Oesterreichs erklärt und die Regierung aufgefordert wurde, auf Beendigung der inhumanen Kriegsführung hinzuwtrken. Die Regierung scheint indeß, wenn sie auch eine verstärkte Kriegsbereitschaft in's Auge gefaßt hat, noch immer nicht geneigt, aus ihrer bisherigen Neutralität herauszurreten. Auch in England schreit man viel über die von den russischen Truppen verübten Greuelthaten, die Regierung hat sogar dem Unterhause ein besonderes Blaubuch mit Berichten über dieselben vorgelegt. Darum aber, daß man an die eigene Brust schlüge und einen Thetl der Schuld an den angeblichen Grenel- thaten aus eigene Rechnung schriebe, weil man den Ausbruch des Krieges durch mißtrauische Opposition gegen die Vorschläge des Drei-Kaiser-Bündniffes zur Verbesserung des Schicksals der Christen befördert hat, ist keine Rede. Uebri gens hat die Truppenverschiffung nach Malta keine Partei befriedigt. Die „Torys" tadeln die Halbheit der Maßregel und verlangen eine offene Action gegen Rußland, die Liberalen verurtheilen die Maßregel als inopportun. John Kaiser Wilhelm erfreute sich in Gastein sordauernd des besten Wohlseins und nahm täglich amtliche Vorträge entgegen. Es gilt nunmehr als ausgemacht, daß derselbe auf seiner Rückreise eine Zusammenkunft mit dem Kaiser Franz Joseph haben wird. Der Kronprinz, der sich mit seiner Gemahlin im Seebad Ostende aufhält, hat seine Anwesenheit in Belgien u. A. dazu'benutzt, die Sehenswürdigkeiten Antwerpens, insonderheit die Befestigungs- werke dieser Stadt zu besichtigen; bei dieser Gelegenheit trat das vertrauliche Verhältniß zur belgischen Königsfamilie, welche das Kronprinzen-Paar überall hin begleitete, in bemerkenswerther Weise hervor. Fürst Bismarck weilt noch immer in Varzin. Daß er dort aber nicht blos seiner Gesundheit lebt, beweist der rege telegraphische Verkehr, der zwischen Varzin und Berlin herrschte; die neueste Entwickelung der orientalischen Frage hat ihm ohne Zweifel genug zu thun gegeben. , Während die Wiederaufnahme der Unterhandlungen über Abschluß eines Haiidelsvertrags mit Oesterreich bis vor Kurzem weiter als je in die Ferne gerückt schien, haben die deutschen Unterhändler nun endlich Weisung bekommen , sich für die nächsten Tage zur Abreise nach Wien bereit zu halten. Die Fertigstellung der nicht weniger als 80 Meilen langen unterirdi s ch e n Telegraphenleitung zwischen Berlin, Leipzig, Frankfurt und Mainz, der ersten von dieser großen Ausdehnung auf der ganzen Erde, wurde vom General- Postmeister Stephan mit Recht als ein bedeutsamer Fortschritt auf der Bahn der Culturentwickelung gepriesen. Gegen den Coloradokäfer, der tu bet Gegend von Mülheim a. Rh. von Neuem aufgetreten ist, hat das landwirth- schastliche Ministerium sofort wiederum energische Vertilgungsmaßregeln an- Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius. Bright hielt in Bradford eine Rede, in der er sich entschieden gegen jeden Versuch. Rußland am Vordringen auf Konstantinopel zu verhinderu, aussprach, und in demselben Sinne äußerte sich Lord Hartington bei dem Fischhandler-Banket in der City. Der Marine-Minister Ward Hunt ist in dem deutschen Badeorte Homburg nach längerer Krankheit gestorben. Die griechische Regierung hat der französischen angezeigt, daß sie die für 1878 projectirte Weltausstellung der politischen Lage wegen nicht beschicken könne, und zugleich die Schließung der Deputaten Kammer, welche dieser Tage erfolgen sollte, aus Mitte September verschoben. Dies deutet daraus hin, daß Griechenland nunmehr endlich entschlossen ist, in die Action gegen die Türkei einzutreten, um bei der bevorstehenden Liquidation des osmanischen Reiches nicht zu kurz zu kommen. Die geheimen griechischen Comites in den verschiedenen türkischen Provinzen werden unter den Augen der Regierung von einem Ccntral-Comitü in Athen geleitet. Schon sollen griechische Freiwillige Gefundene Gegenstände: , Ein Teppich, 4 Regenschirme, 3 Portemonnaies, 1 carrirtes seidenes Halstuch, 1 blaues gehäkeltes Halstuch, 1 gtune Knabenmutze, 1 Medaillon m die thessalische Grenze überichritten haben. m l In Frankreich bildete die Reise des Marschall-Prasidenten nach Bourges und die Rede, welche der sonst so schweigsame Mann dort als Erwidern,ig auf eine Ansprache des Maire gehalten hat, bas wichtigste Tagesereignlß. Er erklärte, daß er entschlossen sei, nach Außen den Frieden zu erhalten, >m Innern durch fortgesetzte Bekämpfung des Radicalismus das System der moralischen Ordnung dnrchzuführen, unter allen Umständen aber auf seinem Posten zu bleiben. Er hat damit indeß nichts Neues gesagt und auch feine Partei befriedigt. Bei der fortdauerndeii Uneinigkeit der monarchischen Parteien und dem engen Zusammenhalten der Republikaner wird es nachgerade aller Manöver der Regierung ungeachtet, immer nnwahrschemlicher, daß die Neuwahlen dem Marschall Männer zusühren werden, welche seine Politik unterstützen wollen. Die Zukunft Frankreichs bietet daher noch immer recht trübe Aussichten. (ommen roicber Nachrichten über die unveränderte und unversöhnliche Gesinnung des Paticans. Die officiöse» Organe desselben dementtren nämlich ans das Nachdrücklichste die Gerüchte über die angebliche Neigung des Papstes, sich mit der italienischen Regierung auszusöhnen, und bestehen zugleich auf der Nothwendigkeit, die Grundsätze des Syllabus und des vatikanischen Coucils überall streng durchzusühren. Daß der Kreuzzugzur W'edkrherstellung der weltlichen und zur Verstärkung der geistlichen Macht des Papst-s u, Zukunst mit noch größerer Energie betrieben werden soll als bisher, beweist die Gründung einer „internationalen katholischen Liga", deren Plan der Papst ge> nebmiat hat, mit dem Sitz in Rom- Mittlerweile nimmt der Scandalproceß über die Erbschast des Cardinals Antonelli seinen Fortgang l di«^ Entscheidung des Gerichtshofes für Zulassung der Zeugenvernehmung sprich dafür , daß der Äusgang für die natürliche Tochter des Cardinals günstig ausfallen wird. Der Kriegs-Minister Mezzacapo geht mit dem Plane um, Rommit werken zu umgeben, um die Hauptstadt gegen einen feindlichen Handstreich iU ^7' den Vereinigten Staaten Nordamerikas ist Pie Situation be- ruhigter geworden. Jedenfalls scheint sich der plötzlich so rechend ^geschwollene Strom des Eisenbahn-Aufruhrs in den östlichen Staaten langfan‘ »u »erfaufen, wenn er sich auch im Westen und Sudwesten, wo die staatlichen Machtmitel verhältnißmäßig schwach sind, noch einigermaßen behauptet. Deutschland. Darmstadt, 2. August. Se. König!. Hoheit der Grobherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 19. v. Mts. bem ®efu$e‘ Stallmeisters Fre,Herrn van der Capellen van Berkenwoube um Versetzung den Ruhestand mit Wirkung vom 1. August ab zu willfahren geruht. Mit der Führung der Geschäfte des Oberst-Stallmeisteramts ist d Großh. General-Adjutant, General der Kavallerie Freiherr von Trotha, mit de Leitung des Hofstalls der Großh. Major ä la suite der Kavallerie Freiherr von Nordeck zur Rabenau beauftragt worden. Darmstadt, 3. August. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben durch Allerhöchste Entschließung vom 31. Juli den seitherigen Hossekretär Karl Ackermann zum Cabinetscassier mit dem Amtstitel „Rechnungsrath" mit Wirkung vom 1. August d. I. ernannt. Hesterreich. Pesth, 2. August. Minister-Präsident v. Tisza empfing heute die Deputation der kürzlich hier gehaltenen Volks-Versammlung, an deren Spitze Franz Pulszky erschien. Nach Verlesung der von der Versammlung gefaßten Resolutionen erklärte der Minister Folgendes: Eine dauernde Abhülfe gegenüber den verurtheilten Greuelthaten sei erst nach Herstellung des Friedens möglich. Die unberufene Einmischung einer einzelnen Macht könnte die Dimensionen des Krieges nur vergrößern. Er hoffe, die Zeit sei nicht fern, in welcher den europäischen Mächten die Gelegenheit geboten sei, den Greueln dauernd ein Ende zu machen. Die Regierung betrachte den Schutz der österreichisch-ungarischen Interessen als ihre Aufgabe, müffe jedoch hierbei Gut und Blut der Nation möglichst schonen. Es ist nothwendig, unter Besiegung selbst der berechtigtsten Gefühle die Eretgniffe nüchtern abzuwägen, die Lage und Stimmung Europas bei jedem Schritte zu berücksichtigen und nur als Ziel im Auge zu behalten, daß die Jntereffen der Monarchie den zukünftigen Ereignissen gegenüber unver« letzt gewahrt blieben. Die Regierung werde zu der geeigneten Zeit nicht zögern, die geeigneten Mittel zu ergreifen, sich aber vor jeder Uebereilung hüten. England London, 2. August. Unterhaus. Northcote antwortete auf eine Anfrage Whalley's, er habe von Setten der russischen Regierung niemals eine Mittheilung erhalten, in welcher dieselbe sich geäußert habe, England müßte, um die Verletzung seiner Interessen in Aegypten zu verhindern, seinen Einfluß dahin geltend machen, daß Rußland nicht durch offene Feindseligkeiten Aegyptens gezwungen sei, sich seinerseits durch einen Angriff zu schützen. Spanien. Madrid, 2. August. Die „Gaceta" veröffentlicht den Plan der spanischen Armee-Organisation. Danach besteht die Armee in Kriegszeiten aus 243,000 Mann Infanterie, 30,000 Pferden und 206 Geschützen. Das Trup- pen-Contingent wird in Friedenszeiten nach den Bedürfnissen des Budgets vermindert. Amerika. New-Uork, 2. August. Die hiesigen Bürger haben ein Sicherheits- Comit6 gebildet. In Scranton wurden gestern Ruhestörer gewaltsam zerstreut. Bei Wilkesbarre wurden von strikenden Arbeitern Eisenbahnzüge angehalten; auch an mehreren anderen Orten sanden aiifständtsche Zusammenrottungen statt. Nach der Grafschaft Luzerne sind 2000 Milizen zur Wiederherstellung der Ord- nung abgesendet worden.__________________________________ Der orientalische Krieg. Konstantinopel, 2. August. Ueber den Kamps der türkischen Corps unter Reuf Pascha mit den Ruffen wird noch weiter gemeldet: Am Dienstag griffen die Ruffen dieses Corps bei Eskisagra an; dasselbe zog sich nach siebenstündigem Kampfe auf Karabuna zurück. Am selben Tage nahm Suleiman Pascha den Kampf wieder auf, schlug die Ruffen zurück und nahm Eskisagra wieder ein. Der russische Verlust ist bedeutend. Wien, 2. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 1. August: Die Schlacht bet Plewua begann am 29. Juli um 9 Uhr Morgens und dauerte ohne Unterbrechung bis 30. Juli um 2 Uhr Morgens. Die türkische Armee, durch Corps von Niksic, Sofia und Widdin verstärkt, zählte 80,000 Mann und nahm eine außerordentlich feste Stellung auf der den Wid- fluß dominirenden Hügelkette ein. Die russischen Armeen, bestehend aus dem Corps Krüdener, der Division Schachowsky und der Kosaken-Brigade Skobeleff, griff die beiden Flanken des Feindes an. Die Division Schachowsky vertrieb durch einen vehementen Bajonnet-Angriff die Türken aus drei Positionen, konnte sich jedoch wegen des Feuers von höheren Punkten nicht behaupten. Im Centrum gelang es einem russischen Bataillon, sich auf kurze Zeit Plewnas zu be mächtigen, daffelbe mußte sich aber in Folge eines Kreuzfeuers alsbald unter empfindlichem Verlust wieder zurückziehen. Die Verluste waren auf beiden Setten bedeutend. Der Verlust der Ruffen beziffert sich auf 2000 Todte und 4000 Verwundete. — Die rumänische Armee eröffnete heute an mehreren Punkten des Donau-Ufers ein heftiges Bombardement. Wien, 3. August. Ein Telegramm der „Neuen Fr. Pr." meldet aus Bukarest vom 1. August: Osman Pascha, welcher augenblicklich über 60,000 Mann commandirt, zieht Verstärkungen heran. Seine Armee rückt gegen Si- stowa vor. Die Division Manu hat Nikopolis verlassen und wurde mit einem russischen Corps nach Plewna dirigirt. An deren Stelle hat die Division Angelescu Nikopolis besetzt. Lokal-Notiz. Gießen, 4. August. Leider machen es die höheren Zweck«? der Staatsverwaltung nicht immer möglich, daß Verwaltungsbeamte in Kreisen, In welchen sie segensreich gewirkt und sich das Vertrauen der Bevölkerung erworben haben, — entsprechend gar vielen Wünschen — belassen werden, so ungern sie auch selbst aus den ihnen ltebge- wordenen Verhältnissen sich trennen und so wenig allzuhäufiger Wechsel für den betreffenden Kreis von Vortheil sein mag. Die allgemeine Anerkennung ihrer Wirksamkeit auch seitens der Kreisangehörigen mag ihnen dann das Scheiden aus den lieb gewordenen Verhältnissen in etwas erleichtern. Der Kreis Gießen und die Provinz Oberhessen verliert durch die neuesten Versetzungen in den höheren Verwaltungsstellen seinen bisherigen Kretsrath und Provinztaldirektor Freiherrn Röder von Diersburg und in wie hohem Grade der aanze Kreis, in dem er seit Errichtung des neuen deutschen Reiches segensreich wirf.;, fein Scheiden bedauert, davon gaben zwei in den letzten Tagen ihm zu Ehren gegebene Abschiedsessen lebhaften Ausdruck. Am 25. Juli waren sämmtliche Bürgermeister des Kreises Gießen im Gasthaus zum Einhorn versammelt, um ihrem bisherigen Kreisrath Lebewohl zu sagen und am 28. hatte sich eine größere Versammlung, bestehend aus Mitgliedern der VnwaltungS-, Gerichts- und Militärbehörden, der städtischen Vertretung, der Universität und einer großen Zahl von Einwohnern der Stadt und Umgegend, in Wenzel's Saal vereinigt, um den Gefühlen der Anerkennung für sein Wirken und des Bedauerns über sein Scheiden Ausdruck zu geben. Die tiefe Bewegung bei den herzlichen Worten, mit welchen Herr v. Röder bei beiden Gelegenheiten von den Theilnehmern der Fcstoelsammlungen, wie schon slüher von der Kreis- und Provinzialvertretung, Abschied nahm, war untrüglicher Ausdruck, daß er ebenso mit schmerzlichem Bedauern den Kreis seiner bisherigen Wirksamkeit und seine bisherigen Mitarbeiter verläßt, wie diese dem ebenso freundlich wohlwollenden und anspruchslosen wie gerechten und eifrigen Beamten ein dauerndes Andenken bewahren werden. Wir zweifeln nicht, daß auch in dem neuen Kreise seiner Wirksamkeit, dem Kreise Mainz, der ja auch seinen bisherigen verdienten Beamten sehr ungern verlor, ihm das Vertrauen der Angehörigen des Kreises und der Provinz ebenso entgegenkommen wird wie hier und ihm dadurch eine segensreiche Wirksamkeit erleichtert wird. Vermischtes. — Durch die Blätter geht eine Anzeige, überschrieben ,,Zur Beachtung für Alle!* Ein schönes Geheimnitz sehr stark zu rotrben", und unterzeichnet „M. L. Müller in Erfurt", worin gesagt wird, daß man für 1 JL das Gehermniß erfahre, allgemeine Kraft und Stärke zu erlangen. Ein Kölner Einwohner sandte, wie die„K. Z" mittheilt, die verlangte Summe an den rc. Müller und erhielt dafür m einem unfrunfirttn Couvert folgenden gedruckten Zettel: „Um stark zu werden! Man nehme eine Flasche guten Rothwetn, vergrabe den Wein in die Erde in einen Ameisenh rufen und lasse den Wein ein ganzes Jahr darin. Dann nehme man den Wein wieder heraus und trinke zuweilen etwas davon, so wird man Kräfte bekommen, die mit Verwunderung zunehmen. M. L. Müller in Erfurt." Der Betrüger hat diesen Wisch noch mit der Anmerkung „Nachdruck verboten" versehen. — E n wichtiges diätetisches Mittel zur Abwehr resp Bekämpfung verschiedener Krankheiten bildet der Wein; namentlich sind es einzelne Weinsorten, wie Malaga, Portwein, Madeira, Ungarwein u. s. w. die zu Heilzwecken verwandt werden. Desto strafwürdiger aber erscheint die Verfälschung gerade dieser Weine, wie sie gegenwärtig in wahrhaft schamloser Weise betrieben wird. Wie man der N. A. Z. schreibt, hat dieser Tage nun eine an die Behörde erstattete Anzeige das Geheimniß der Fabrikation derselben in einer der größten Kunstwetnfabriken Berlins enthüllt. Von den großen Vorräthen des Kunstweinlagers ist je nach den EttquetteS eine Flasche mit Beschlag belegt und chemisch untersucht worden, wobei sich ergab, daß sämmtliche Weine aus Spiritus, einer Zuckerauflösung und aus verschiedenen Medicamenten je ncd) dem Geschmack, den der Wein dem Etiquett entsprechend haben soll, bestehen. Namentlich ist viel Gewürz in der Flüssigkeit enthalten, dagegen auch nicht ein Tropfen natürlicher Wein. Um einen recht großen Absatz dieses der Gesundheit keineswegs zuträglichen Getränks zu erzielen, haben die Fabrikanten zu einem neuen Zugmittel ihre Zuflucht genommen. Sie haben nämlich in verschiedenen kleinen Städten Auctionen veranstaltet, auf denen ganz erhebliche Quantitäten verkauft worden sind. Ob die Untersuchung auf Betrug oder auf Verfälschung von Getränken nach 8 367 Nr. 7 Str.-Ges -B- zu richten ist, wird sich aus dem Abschluß derselben ergeben. — Aus Teplttz gehen der Bohemia folgende Mittheilungen zu über eine sogenannte „religiöse Secte", deren Treiben dieser Tage aufgedeckt wurde. Im nahen Eichwald wurden schon seit längerer Zeit geheime Versammlungen abgehalten zum Zweck, eine neue religiöse Secte, „Aposteloerein" zu gründen. Die „Propheten" des neuen Glaubens, zwei Mitglieder ähnlicher Secten in Sachsen, fanden einen großen Anhang für ihre Lehren in den Arbeiterkreisen mehrerer Ortschaften der Umgegend, so daß die geheime Gemeinde schon an 300 Mitglieder zählte. Von jedem verdienten Gulden mußten die Arbeiter 10 Kreuzer in die „Brudercasse" abliefern. Freilich waren die Hauptsatzungen des neuen Glaubens auch solche, welche namentlich auf das geistrsbe- schränkte Proletariat eine besondere Anziehungskraft ausüben mußten. Wer Schulden hat, braucht dieselben nicht zu bezahlen. Wer Soldat ist, braucht nicht einzurücken. Eigenthum ist Diebstahl und alle außerhalb der Gemeinde stehenden Besitzenden müssen mit den Apostelbrüdern theilen. Klöster und Kirchen fallen der Bruderschaft zu. Auch der Deutsche Kaiser und der Papst seien Mitglieder des Vereins, letzterer jedoch nur in der Eigenschaft als Bischof und unter der Bedingung, daß er sich den Satzungen des Vereins unterordne, sonst werde er abgesetzt. Am letzten Sonntag überraschte die eichwalder Gendarmerie, die von dem geheinmtßvollen Treiben des ..Apostelvereins" Kunde erhalten hatte, die „Brüder und „Schwestern", als sie just Im Eichwald versammelt waren. Als der Leiter der Versammlung, „Consistorialraih' genannt, entpuppte sich ein czechischer Schneidergeselle, der einige Jahre in Sachsen lebte. Dian verhaftete den „Consistorialrath" und nahm das „Archiv" des Vereins mit. Der Coloradokäfer in Mülheim ftm Rhein. Köln, 28. Juli. Leider ist der Wunsch, den wir in unserem Bericht über den in den Gemarkungen unserer Nachbarstadt Mülheim vorgenommenen Vertilgungsaet des Coloradokäfers ausgesprochen, daß der Nerbrennungsproceß der erste und zugleich der letzte in den Rheinlanden und in Deutschland sein möge, nickt in Erfüllung gegangen. Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr machte einer der Leute, welche angestellt sind, um in den mülheimer Feldern nach Käfern und Larven des gefürchteten Feinves der Kartoffelpflanzungen Nachforschungen zu halten, dem Bürgermeister genannter Stavt Vie Anzeige, daß er neuerdings einige Larven des gefräßigen Jnsects aufgefunden habe, und zwar auf einem Kartoffelacker, welcher im Nordosten an dasjenige Terrain angränzt, das unlängst desinfieirt worden ist. Der Bürgermeister begab sich an Ort und Stelle unv fand die Mittheilung des Mannes bewahrheitet. Auf einer kleinen Fläche von wenigen Quadratmetern zeigten sich an den Karteffelsträuchem einige vierzig Larven in den verschiedensten Stadien des Wachsthums Sofort wurden Seitens der Behörden die schärfsten Maßregeln zur Vertilgung der Thiere getroffen. Nicht allem das betroffene, sondern auch die nebentiegenben S-ücke, an der -inen Seite bis zu einer breiten Straße hin, nach den beiten anderen bis zu Parzellen, die mit Küchenkräutern bepfi.nzt sind, wurden mit Gräben umzogen, mit Sägespänen bestreut und mit Steinkohlenbenzoyl getränkt. Auch in die Gräben goß man bedeutende Quantitäten dieses leicht brennbaren Oels. Dann begann man den Verbrennungsproceß; jedesmal behandelte man eine kleine Fläche und sckritt so auf dem zur Desinficirung bestimmten Terrain immer weiter. Heute Vormittag erfolgte die Fortsetzung des Vertilgungskrieges. Das Ausgießen des Benzovls in die gezogenen Gräben hatte den Zweck, daß diejenigen Larven, welche etwa vor der Feuersglut fliehen sollten, in den Gräben, in die sie unbedingt hineinfallen mußten, von dem Geruch des Oels betäubt und später durch das Feuer getödtet würden. Versuche, welche der Bürgermeister mit dem Benzovl angestellt, hatten nämlich ergeben, daß der Coloradokäfer und seine Larven, wenn man sie in die Nähe eines mit dieser Flüssigkeit getränkten Papiers brachte, sofort betäubt wurden. In diesem Zustande in die Sonne gelegt, kamen sie nach etwa 3/< Stunden wieder zu sich. Tauchte man dagegen die Thiere in die Flüssigkeit, so waren sie bald verendet. Heute Vormittag iah man eine ziemliche Anzahl von Leuten auf den abgebrannten Stellen den Boden mit Spaten umgraben und in diesem sorgfältig nach Puppen forschen. Für den Nachmittag war die Fortsetzung dieser Durchsuchung des Bodens angeordnet. Nachdem diese beendigt sein wird, wird das ganze vesinsicirte Feld umgepflügt, von Neuem mit Benzoyl übergossen und fo_ einer nochmaligen Durchbrennung, resp. Durchglühung ausgesetzt werden. Auf diese Weise hostt man die letzte Spur des gesährliichen Ungeziefers zu vernichten. Don einem praktischen Arzte empfingen wir nachstehende Zuschrift, die wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen. „Gestützt auf meine mehrjährigen, vielseitig mündlich und schriftlich geführten Correspondenzen mit Blasen- und Geschlechtskranken und beseelt von dem Wunsche die gesammelten Erfahrungen (da die Medicin ja eine Erfahrungswissenschaft ist) auch einem weiteren Kreise zu Nutzen kommen zu lassen, bringe ich hiermit zur Veröffentlichung, daß ich die von dem Herrn Apotheker Dr. Tiedemann in Stralsund her iteten Pen- t*ao -Präparate gegen Geschlechtsschwäche, ganz besonders bei chronischen Bla« sevkatarrhen, Blasendlennorhoeen, hervorgegan-en aus früheren acuten Blasenkatarrhen, in zahlreichen Fällen angewendet habe, und daß dieselben von so vortreffl'cher Wirkung sich zeigten, daß ich in meiner vierzigjährigen Praxis kein besseres pharmaco-dynamisches Heilmittel gegen diese Leiden kennen gelernt habe. Da auch der Preis für dieselben von 7 ein so geringer, wie der Heilwerth der Präparate ein gleich hoher, so kann ich dieselben jedem Hülfesuchenden in obigen Fällen aus innerster Ueberzeugung nur empfehlen. Solingen, den 22. Juli 1877. Dr. Padberg, 4300) Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer. «r|t «* ’iSlS‘1»Vrao«i- h'ufei, unb NunL^ no$ mit der An- tes* ’* K‘“ ®enfflerätben und fsnftiaen ®'0enft“n(^ Mer-, Esten-, Stahl, und Weißblech, sowie Reparaturen werben schnell und billig besorgt. (4299 Hochachtungsvou , . x Ed. Trautmann, Kupferschmied, GIESSEN, Tiesenweg D. 49. 4313) Ein Familienlogis ist bis 1. September zu vermiethen. C. Straub, Heuchelheimer-Chaussee " 4337) Ein kleines Logis an eine einzelne Person zu vermiethen bei Georg Vogt. ' 4323) Eine Wohnung ist zu vermiethen und bis 1. October beziehbar. Brück, Forstwart. Vor den vielen betrügerischen Nach- ■ ahmungen unter gleichen oder HS ähnlichen Namen wird gewarnt. WW 4204) In meinem neu erbauten Hause ist ein Laden, der mittlere Stock und Mansarde mit allem Zubehör zu vermiethen und bis September beziehbar- Bierbrauer Weller, Wolkengasse C 94,5- 3818) Alicenftratze 98 Mausardenwoh- nung, 4 Zimmer, Küche mit Wasserleitung, zu vermiethen. __. ' 3743) Der seither von Herrn Sleuer- einnehmer Walther bewohnte mittlere Stock ist anderweit zu vermiethen und bis rum 15. September oder Ende August beziehbar Ehr. Schopbach. 4226) Der untere Stock mit allem Zu- behör zu vermiethen und den 1. September beziehbar. Näheres im Hause selbst bei Herrn Gensd'arm Heppner, Frankfurterstraße E. 33,1. Holz-Versteigerung iw Gießener Stadtwalde. Montag den 6. August, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Districten Neuheege und Heingesboden nach- verzeichneteS Holz versteigert werden: A. Brennholz: Scheith. Prügelh. Stockh. Reitzh. Raummeter Wellen Nadel 186 725 196 7120 B. Bau-, Werk- und Nutzholz: 138 Kiefern- und Fichtenstämme bis zu 30 Centmetcr Durchmesser und 15 Mtr. Länge mit 41,60 Feftmtr. 96 Kiefern - und Fichtenstangen mit 7,05 Festmeter. Die Zusammenkunft ist auf der Grünberger Chaussee an der 1. Schneiße. Gießen, den 31. Juli 1877 Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. 4225) A. Bramm. Bltts.___. 4310) Eine tüchtige Waschfrau findet lohnende Beschäftigung. Do? sagt die Exped. d. Bltts.___ Gesucht 3723) Eine Wohnung von 6 Zimmern rc ist zu vermiethen und bis 1. October beziehbar._______Garten-Straße B. 1656/10. 4.15) In meinem neuerbauten Hause vor dem Neuenweger-Thor find drei Familienwohnungen von je 5 Zimmern und allen Bequemlichkeiten zu vermiethen und bis zum 1. October beziehbar. Das Nähere kann bei Herrn Chr. Vix, am Neuwegerthor erfragt werden. Peter Pitz, Zimmermetster. Jerwieryungen. 4290) Das von Frau Rech seither bewohnte Logis ist anderweit zu vermiethen. Louis Noll, Pulvermühle. 4307) Ein Familienlogitz zu vermiethen bei Jacob Thomas, Schiffend. 2Bc0. 4315) Ein kleines Logis ist zu vermiethen. B. 167 Grünbergerstraße. 4316) Der untere Stock meines Hauses, bestehend aus 5 Zimmern nebst Zubehör und allen Bequemlichkeiten , ist zu vermiethen und Anfangs October zu beziehen. Joh. Fifcher, Alicenstraße. 4318) Ein möblirtes Stübchen zu vermiethen. Seltersweg 50. , . . — w 4314) Eine gangbare Wirtschaft ist Restauration Bramm- mtt ^noentar zu verpachten. Näheres bei .Heute Moraen 9 Uhr: der Exped. d. Bltts.__ 4321) Der mittlere Stock meines Hauses mit Wasserleitung und allen Bequemlichkeiten ist per 1. October zu vermiethen. Carl Böß, Bismarckftraße. 4164) Der dritte Stock meines Hauses ist anderweit zu vermiethen. L. Th. Fels in g, Neue Anlage. 4248) Ein möblirtes Zimmer zu vermiethen bei Schreiner Weiß, am Gartfeld, Nr. 122az. ' 4172) Zwei große schön möblirte Zim- mer sind zu vermiethen. Riegelpfad E. 8s/ig. 4151) Einige Familienlogis in meinem neu erbauten Hause an der Reichensand- BahnhosSstrahe, -nthaltenb je 5 Sterner, Küche, Speisekammer, abgeschlossenen Corri bor unb jonitiges Snbebör per .Dctober zu vermtethen, I. Stein, Architekt- nehmen Anmeldungen entgegen: Georg Marr und M. LooS. Der Hauptmann- GeM-lsäri«.-Verlegung. 4327) Meinen werthen Kunden diene hiermit zur Nachricht, daß ich mit dem Heutigen mein Geschäft in das Haus des Herrn Iteischbeschauer Buouy, sseiieiiweg §. 130 °"'^FÜr^d-s (eit6erifle Zutrauen bestens dankend, bitte, mir dafietbe auch fernerhin beivahren zu wollen. _ Gießen, den t. August 1877. Hochachtungsvoll Georg Toat, Schuhmacher. von Mitgliedern der hiesigen Regiments-Musik. Anfang V2S Uhr. - Entree 25 Pfg (433° Zimmerspäne. Nächsten Dienstag den 7. d. MtS., Nachmittags 2 Uhr, lasse ich auf meinem Zimmerplatze vor dem Neuenwegerthore eine große Partie Zimmerspäne und Abfälle haufenweise gegen Baarzahlung versteigern. 4328) Peter Pitz, Zimmermeister. Aeilgebolenes. 4291) 1 Kinderwägelchen zu verkaufen Wo? sagt die Exped. d. Bltts.__ 4304) Haar-, Zahn-, Nagel-, Taschen-, Kleider-, Hut- und Möbel-Bursten, Fristr-, Staub-, Taschen- und Neift Kämme verschiedenster Art, empfiehlt billgst Christian Frech. 4322) Ein Klavier zu verkaufen bei LoniS Benner, Schoor. 4335) Die zweite GraSerndte zu verkaufen bei Dr. Weber. von einem armen Eolbaten. «er ehrliche für einen «an »»'* b‘8 F'nber wirb gebeten, solche in ber Ergeb. Z m^/-.er«,^w ber Nahens Bah — 1. September. Offerten in ber Exped d Bltts. abzugeben. _ Llrri Ein junger gebildeter Mann mit schöner Handschrift sucht Stelle als Aufseher, Magazinier, oder bei einem Advokatem Gest. Off, sud 0. 8. besorgt die Exped. d. Bltts. 4325) Einige Maurergesellen sucht Chr. Haubach. atu»