• ‘ Mo. «89. Erstes Blatt. Sonntag, dm IO. Liecemver: chiehcncr HtWiger Anreize- »st AmiÄiatt sm it» Kreis Gieße«. 8*6; Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags» Expedition r Schul st raße, Lit. B. Nr. 18. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit'Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark S0 Pf. Amtlicher H H e i k. Durchschnittspreise im Monat November 1876. afer Mk.: 19, 84; Heu Mk.: 12,00, und Stroh Mk.: 12,26 per 100 Kilogramm. Hefeen, den 7. Dec. 18/6. Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. R ö d er.„ W ien lL 'eher. , Yioün-SolO) von i Windsor“, von Än Geizigen“, in. 188. die Frage über den türkischen Sclavenhandel der Conserenz in Konstantinopel zu unterbreiten. Deutschland. Berlin, 8. December. Gortschakosss Erklärungs-Note ist den russischen Vertretern zugegangen. — Unter Hinweisung auf die unvermeidliche Besetzung Bulgariens wegen der Durchführung der Reformen und Verhütung neuer Greuel soll England selbst der Pforte angerathen haben, einer derartigen Occupation nicht zu widerstreben. — Es gehen Gerüchte von einer österreichischen Besetzung Bosniens und englischen Besetzung Konstantinopels. Oesterreich. Anglaud. Loudon 8. December. Am 12. December wird eine Versammlung der Gläubiger der Dairah-Anleihe staitstnden, der Göscheu ^^° '»en w^d. Der britisch- Antislaveu-V-rein beabsichtigt den Kaisern von Deutschland O st f reich und Rußland, dem König von Italien und MacMahon überreichen, durch welche dieselben ersucht werden, ihre Vertreter anzuweise,, Petersburg, 8. December. Um von hier aus Schwierigkeiten und Verzögerungen in den Conferenz-Verhandlungen so weit als thunlich zu vermeiden. bat man diesieits Jgnatieff große Actionsfreiheit gelaffen. Riaa 7. December. Die Riga'sche Telegraphen-Agentur meldet aus Dünaburg daß der Eisenbahn-Güterverkehr nach Wilna und Warschau von morgen ab bis auf Weiteres eingestellt werden wird, und nur noch Personen- züge verkehren. Türkei. Konstantinopel, 8. December. Sieben Mitglieder der Conserenz hatten einzeln unter sich mehrere Besprechungen, besonders hatte der Marqms v. Salisbury eine lange Unterredung mit Jgnatieff. Die eigentlichen Pralt- minar-Conferenzen beginnen erst später. Außer Salisbury werden noch andere Bevollmächtigte vom Sultan in Privat-Audienz empfangen werden. Die türkischen Minister und die Botschafter besuchten gestern Salisbury, brr heute Audienz beim Sultan hat. Gestern sand auf der österreichischen Botschaft em diplomatisches Diner statt. Die Vorbesprechungen werden einige Tage dauern. Die Nachricht von der bevorstehenden Ersetzung des türkischen Geschäftsträgers m Berlin, Turkhan Bey, durch den Staatsrath Kian Bey ist unbegründet. Nrrwänien. Wien, 6. December. Der „Neuen Fr. Pr." zufolge ist in Russisch- Polen eine neue Recruten-Aushebung bevorstehend. Zur Förderung des russischen Anlehens würden Zwangsmaßregeln angewandt. Wien, 7. December. Im Abgeordnetenhause wurde heute bie General- Debatte über das Budget geschloffen. Der Finanzminister de Pretis widerlegte in längerer, aber beifällig aufgenommener Rede die im Lause der Debatte gegen die Regierung vorgebrachten Anschuldigungen, indem er eine Besserung der volkswirthschaftlichen Verhältmffe, und daß der österreichische Credit unerschüttert sei, nachweist. Er protestirte entschieden gegen die in der Debatte gefallene Aeußerung, daß eine Zins-Reduction bevorftehe. Bezüglich des Ausgleiches mit Ungarn solle man, bevor man ein Urtheil fälle, erst den Erfolg abwarten. Der Minister v. Lasser erklärte unter lebhaftem Beifall des Hauses, daß gelegentlich der Besprechung des Ausgleiches mit Ungarn und insbesondere der Bank-Frage Seitens der österreichischen und ungarischen Minister m Gegenwart des Monarchen allerdings eine Differenz bezüglich der gemachten Vorbehalte constatirt worden, doch wurde documentarisch sichergestellt, daß von keinem Theile eine tnala fides vorwaltete, sondern von beiden Seiten bona fides vorgegangen wurde. — In der heutigen Abendsitzung nahm das Abgeordnetenhaus mit allen gegen 7 Stimmen den Budget-Entwurf des Ausschuffes als Grundlage für die Svecial-Debatte an. _ ™ € __ Die „Polit. Corresp." meldet aus - Scutan : Derwisch Pascha be- drobte die Miridit-n mit Gewalt, um sie zu zwingen, mit der Türkei gemeinsame Sache zu machen. Diese Maßregel brachte eine contraire Wirkung hervor, die Miriditen beschlossen. definitiv mit Montenegro zu gehen. Wien, 8. December. Die kiesigen Blätter bekunden einmuthig den günstigen Eindruck der jüngsten Erklärungen des Fürsten Bismarck. So schreibt das „Fremden-Blat," : Die offene Anerkennung der Gemeinsamkeit der ^rteresien finde in allen politischen Kreisen den lebhaftesten Widerhall. Mehrseitig wird mit Genugthuung hervorgehoben, daß die Constatrrnng der Existenz des Drei-Kaiser-Bündnifles aus dem Munde Bismarcks eine ’^aSe,'be.^‘b”s legung der Spcculationcn sei, welche auf Zerwurfniffe zwischen den drei Mäch^ ten rechnen. Oesterreichs Politik finde so in der offene» Anerkennung Seitens des mächtigen Nachbarstaates ihre sicherste Gewähr, in der eigenen Kraft des 9leld)f^a6” ^t7en^^'m6®d’ Heute fand kein Studenten-Erceß statt. Wegen der früheren Exceffe wurden 6 Maler-Akademiker und 8 Studenten polizeilich bestraft und einer dem Landesgericht überwiesen. «S-fik 7. December. Der Vertreter Oesterreichs tn Belgrad ist ange- wiesen wo.den, wegen der Verletzung der diesseitigen Territorial - Hoheit durch die von der serbischen Polizei an Bord des Dampfers „Radetzky vorgenom- mkneu frandlungen energisch Satisfaction von Serbien zu begehren. Zur Unterstützung der Reclamation werden zwei Monitors nach Semliu entsendet. - Die Meldung eines Wiener Blattes, Oesterreich hab- die Occupation Bosniens beschloffen, ist sicherem Vernehmen nach unbegründet. Raausa 7. December. Die Demarcations-Comnussäre meldeten ihren Reaiernnaen den Abschluß ihrer Ausarbeitungen. Montenegro genehmigte die V p i irn von Niksic aus zwei Monate für 3000 Personen. In der Herzegowina und Bosnien finden stark- türkische Truppen-Bewegungen statt. Petersburg, 6. December. Nach aus Moskau hier vorliegenden Nachrichten ist der Ober-Commaudirende der ociiv-u Armee, Großsüist Nikolaus Nikolajewitsch, dort von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Der Großfürst b- gab fick nach Begrüßung durch die Spitzen der Militär- und Civil- behörden mit snnem Stabe in das Kloster von Troizka Sergz-w, wo dcr Archimandrit den Großfürsten und den Stab segnete. Daraus begab sich der Großfürst mit dem General Gouvermur, Fürsten Dolgorucki, zur Kathedrale des Erzengels Michael, zum Tschudowa-Kloster und endlich zur Uspenski-Kathe- drale, wo er von der gesammten Geistlichkeit empfangen und von dem Metropoliten gesegnet wurde. Nachdem der Großfürst alsdann den Kreml besucht hatte, fand bei dem Fürsten Dolgorucki ein Frühstuck statt, be, welchem derselbe einen Toast auf den Großfürsten ausbrachte, der mit den Worten schloß^ Es ist eine große Ehre für mich, daß der Feldherr des russischen Kriegsheeres aus meinen Hause zu seinen Waffenthaten auszieht.» Bei der Abfahrt vom Kursker Bahnhofe halte sich eine große Volksmenge eingefunden. - Der Adel des Don'schen Gebietes und der von Tula haben Ergebenhelts-Adreffen an den Italic». Florenz, 7. December. Prinz Louis Napoleon besuchte heute den König Victor Emanuel, dieser machte sodann mit dem Prinzen der Kaiserin Eugenie einen 7. December. Der Cardinal Linconti hatte gestern Abend eine lange Audienz beim Papste und wurde heute officiell von demselben empfangen, worauf er den Eid leistete. Außland. Bukarest, 7. December. Unter der Bevölkerung, insbesondere der der Donau-Städie, ist -ine Panique vor der sofort zu -rwartend-n Invasion d-r Türken eing-riff-n; viele Familien flüchten. Das „Romanul brachte gestern und heute berubigende Artikel, in welchen d.e Furcht vor eurer türkischen Invasion als nnbegründet bezeichnet wird, da die Beziehungen Rumäniens und der Türkei die allerbesten seien. Amerika. New-Uork, 7. December. Der Republikaner Chamberlain wurde feierlich als Gouverneur von Süd-Carolina -ingefetzt. Dermiscdte-. - Laut einer Publikation am schwarzen Brette der Universität Königsberg hat hör nfrthenitfrfaf (^onat btc Burschenschaft ,,A rminia aufgelöst. Man erfahrt, day mehrfache Duelle mit lebensgefährlichen Waffen (Pistolen rc), welche Mttglteder d« genannten Verbindung eingegangcn sind, den Grund dieser strengen discipltnar Ischen Maßregel bilden. L o k a L - se o t t z. Gießen, 9. December. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom I. Quartal 1877 werden Montag den 8. Januar n I , Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsidenten des Schwurgerichtshoss bestimmten Großh. HofgerichtSraths Herrn vr. Stammler bezw. des zu dessen Stellvertreter ernannten Großh.Hofgerichtsraths Herrn Dr. v. Grolman ihren Anfang nehmen und wurden demzufolge in dec gestern stattgehabten öffentlichen Sitzung Großh.Hofgerichts der Provinz Oberhessen dieHaupt- und Ergänzungs-Geschworenen in folgender Ordnung ausgeloost. I. Ergänzungs-Geschworene: 1) Dr. Karl Zöppritz, Professor. 2) Friedrich Barth, Hofgerichts-Adoocat. 3) Dr. Wilhelm Oncken, Professor. 4) Dr. Johann Baptist Wetter, Professor. 5) Dr. Heinrich Will, Professor- 6) Dr. Ludwig Noack, Professor. 7) Dr. Wilhelm Weiffendach, Professor. 8) Dr. August Streng, Professor. 9) Hermann Steinberger, Hofgerichts-Advocat. 10) Georg Wilhelm Karl Liebrich, Commissionär. 11) Dr. Egid Gutfleisch, Hofgerichts-Advocat. 12) Ottmar Wetdig, Hofgerichts-Advocat. (Sämmtlich in Gießen.) II. Haupt-Geschworene: 1) Johannes Bräuning, Müller in Groß-Eichen. 2) Friedrich Stein L, Landwirth in Stumpertenrod. 3) Kaspar Schmiermund, Landwirth in Ober Setbertenrod. 4) Theodor Köhler, Müller in Eichelsdorf. 5) Ludwig Plank, Ellenwaarenhändler in Gießen. 6) Dr. Etienne Laspeyres, Professor daselbst. 7) Heinrich Möser I., Müller daselbu. 8) Friedrich Vollmüller III, Fabrikant in Lauterbach. 9) Eduard SUbereffen, Essigfabrikant in Gießen. 10) Kaspar Gustav Bücking, Rentner in Alsfeld. 11) Heinrich Keutzer, Branntweinhändler in Frischborn. 12) Georg Philipp Schillinger, Bäcker in Laubach. 13) Heinrich Goppel II., Landwirth und Müller in Pfordt. 14) Georg Heinrich Schirmer, Tabaksfabrikant in Gießen. 15) Georg Bailly, Mineralwasserhändler in Schwalheim. 16) Freiherr Bernhard v. Stein in Stauden. 17) Georg Seipp IV., Küfer in Ruppertsburg. 18) Wilhelm Philippi I., Bierbrauer in Melbach. 19) Ludwig August Müller, Materialist in Gießen. 20) Karl Kircher, Gastwlrth in Laubach. 21) August Weidig, Ctgarrenfabrikant in Gießen. 22) Adolph Carl Theodor Noll, Großhändler daselbst. 23) Carl Jäger, Kaufmann in Schlitz. 24) Heinrich Ruvpel, Oecouom in Kloppenheim. 25) Andreas Schäfer II., Müller in Benshausen. 26) Jacob Alles, Landwirth in Unter-Wegfurth. 27) Wilhelm Jakobi II., Landwirth in Rodhetm. 28) Christian Lang, Fabrikant in Angersbach. 29) Ferdinand Theophil Jung, Specereihändler in Freienseen. 30) Johannes Llßb^rger n., Landwirth in Hopfmannsfeld. Gießen, 9. Dec. (Concertoerein ) Am 17. December ist der Geburtstag unseres größten deutschen Tondichters L. v. Beethoven und zur Feier desselben ist das zweite Concert unseres Concertvereins für diesen Tag festgesetzt worden. — Bei der Wahl des Sonntags als Concerttag hat es bet unserem ersten Concert schwer gehalten, das Orchester in jeder Beziehung gut zusammen zu setzen. Der Zufall wollte zudem, daß einige ersten Stimmen plötzlich krank wurden, so daß die jüngste Orchesteraufführung Manches zu wünschen übrig ließ. Zur würdigen Aufführung einiger B e e l h o o e n'schen Meisterwerke an dessen Geburtstag ist es jedoch diesmal gelungen, nicht allein noch gute Kräfte für das Orchester zu engagtren, sondern auch in Der Person des H rrn Willem de Haan einen guten Interpreten für das B e e t h o v en'sche G—dur (Soncert zu gewinnen. Dieses unstreitig bedeutenste Clavierconcert des unsterblichen Meisters, wird neben der Pastoral-Symphonie das zweite Concert, Sonntag den 17. December bringen. — Dann wird Herr Valentin Müller aus Frankfurt die mit vielem Beifall aufgenommene Serenade für Violoncell von Volkmann vortragen. Diese ist diesen Winter von demselben Künstler im zweiten Museums-Concerte in Frankfurt gespielt worden, und ein Frankfurter Blatt brachte hierüber die nachfolgende Recension: „Das gestrige zweite Museums-Concert stand an Reichthum und Interesse der aufgeführten Kompositionen, wie an Gediegenheit der Aufführung mit dem ersten auf gleicher Linie. Gleich die erste Nummer, die Serenadefür Streichorchester op. 69 Nr. 3 in D—woll von Robert Volkmann (einem der gediegensten neueren Componiften, der sich besonders auf dem Gebiet der Pianofortemusik und des Streichquartetts her- vorgethan hat) sprach das Publikum lebhaft an und fand verdienten Beifall. Referenten schwebte bei dem Anhören des sinnigen Zwiegesprächs zwischen Cello (Herr Valentin Müller) und Orchester resp. dem Saitenchor, das den Charakter des Werkes bildet, Göthe's wunderbares Nachtlied vor: „O gib vom weichen Pfühle Träumend ein halb Gehör; Bei meinem Saitenspiele Schlafe, was willst Du mehr?* u. s. w. Vielleicht spricht das Werk Aehnltches aus — so weit sich eben die gehet nniß- volle, vieldeutige Sprache der Töne in die Klarheit der Worte übersetzen läßt." Schließlich fei noch erwähnt, daß eine Schülerin der bet un5 in gutem Andenken stehenden Fräulein Thomä, und von dieser warm empfohlen, Frau Wetm ar aus Frankfurt am 17. Dec. bet uns debütiren wird. Neben B eetho o en'schen und Schumann'scheu Liedern wird sie eine Arie aus „Paradies und Peri" singen. Möge das verehrliche Publikum dieselbe freundlich aufnehmen. — Postalisches. Gießen, 9. Dec. Laut Bekanntmachung des Kaiserl. Postamtes Hierselbst in Nr. 284 d. Bl. ist endlich auch hier der Anfang gemacht, die Bestimmungen der Postordnung in Betreff der Dienststunden der Postanstalten zur Ausführung zu bringen. Nach der Postordnung sollen die Postbureaus für den gewöhnlichen Verkehr mit dem Publicum geschlossen sein an den Wochentagen von 1 bis 2 Uhr Nachmittags und an den Sonntagen von 9 Uhr Morgens bis 5 Uhr Nachmittags. Diese Bestimmung gelangt bei sämmtlichen Postanstalten in Preußen, Sachsen, Baden rc. rc. voll zur Ausführung, ohne daß eine Schädigung der Interessen des Handelsstandes, welcher hierbei vorzugsweise in Betracht kommt, zu Tage getreten wäre. Hier findet dagegen ein Bureauschluß der beiden Postanstalten an den Wochentagen im Laufe des Tages überhaupt nicht, an den Sonn- und gesetzlichen Festtagen aber nur in sehr beschränkter Weise statt; geschlossen werden blos die Packet-Annahme- und Ausgabestellen. Abge sehen davon, daß diese Maßregel nur eine halbe ist und dem Postpersonal die beabsichtigte und nothwendige Erleichterung thatsächlich nicht gewährt, indem die unbeschränkte Annahme und Ausgabe aller übrigen Sendungen die Anwesenheit des Personals nach wie vor erfordert, so liegt für Denjenigen, der in der Lage ist, einen Vergleich der Verkehrsverhältnisse des hiesigen Orts mit jenen größerer Städte, wie Frankfurt, Cöln, Elberfeld, Leipzig, Berlin u. s. w. aus eigener Anschauung anzustellen und nicht durch — allerdings anerkennenswerthen, ein gesundes Urthell ober leicht k p tu r ~~ Local-Patriotismus von vornherein für den Umfang und die Bedeutung des hiesigen Handelsverkehrs eingenommen ist, ein ausreichender Grund gegen die unbegrenzte Durchführung der einschlä stgen Bestimmung der Postordnung nicht vor. Denn vergegenwärtigen wir uns zunächst den Umfang, die Bedeutung und Natur des hiesigen Verkehrs und der vorzüglichsten Verkehrsartikel, so tritt, wenn wir die Cigar- rensabrikatton, deren wir noch gedenken wollten, hier außer Betracht lassen, kein Gegen "EN Vordergrund, daß ein Ausnahmezustand als „berechtigte Eigen- thümlichkett gerechtfertigt wäre. Der Local-Versendungsverkehr überschreitet nicht die Grenzen des ähnlichen Verkehrs anderer Städte von gleicher Größe, der Durchgangsverkehr kann in vorliegendem Fall selbstverständlich nicht Gegenstand der Erwägung sein. Was die Cigarrenfabrikation betrifft, so ist deren Bedeutung an und für sich gewiß nicht zu verkennen, bedarf indessen für den sich entwickelten Postoerkehc keiner außergewöhnlichen Einrichtungen und Vorkehrungen. Es steht vielmehr als Thatsache fest daß gerade die größeren Cigarrenfabriken die Post an den Sonntagen am wenigsten frequenttren. Ziehen wir ferner den Gang der Posten und der Bahnzüae mit Postbe, föroerungen in den Kreis unserer Erwägungen, so begegnen wir auch hier den günstigsten Bedingungen für Beschränkung der Dienststunden der Postanstalten. Zwischen 12 Uhr Mittags und 4 Uhr Nachmittags findet eine Postbefördcrung weder ankommend noch abgehend statt. Nicht minder günstig für die DienststundenbeschrLnkung ist die unoer- hültnißmäßig geringe Zahl der abholenden Correspondenten. Wir halten demnach dafür, daß in den Verkehrsverhältnissen des hiesigen OrteS kein stichhaltiger Grund für Aufrechtyaltung des jetzigen Ausnahmezustandes zu finden in, daß dieser sein Fortbestehen vielmehr der Courtoisie der Poftoerwaltung der Groß- herzoal. Regierung, bez. der hiestgen Handelskammer gegenüber verdankt. Bezüglich meiner heute angezeigten Musikwerk-Auction erlaube mir im Jntereffe der Käufer noch crgebenst zu bemerken, daß genannte Musikwerke von dem ältesten und bedeutendsten Musikwerkfabrikanten der Schweiz bezogen und sich sämmtlich in einem normalen Zustande befinden. Wer ein Werk von dem Reclamen-Fabrikanten Herrn Heller in Bern bezieht, hat noch lange nicht dircct bezogen, wie die Meisten glauben, denn wirkliche Fabrikanten treten selten mit Privaten in Verbindung, überhaupt zeugen auch die Heller'fchen hohen Preise nicht dafür. Es ist auch ferner sehr begreiflich, daß, wer ein sog. Heüer'sches Werk kauft, auch seinen Antheil der erheblichen Jnsertionskosten (denn Herr Heller ist bekanntlich fast in allen Blättern der Welt vertreten) mit bezahlen muß. Nicht selten kommen auch die Werke durch den Transport defect an und spielen nicht. Währenddem nun der unglückliche Besitzer sich auf die lange ersehnte Stunde gefreut, wo er einmal glücklich verlebte Zeiten durch ein Heller'sches Werk vergegenwärtigen mochte, bleibt ihm schließlich nichts anders übrig, als das schadhafte Spielwerk zu re- tourniren. — Sehr fatal! g. Gültige Privat Banknoten. Die beschränkenden Besttmmungen des $ 43 des Reichs-Bankgesetzes vom 14. März 1875 sind (nach dem im Reichsgesetzblatte erschienenen Bekanntmachungen) bezüglich nachstehender Privat-Nolenbnnken als nicht anwendbar erklärt worden und kS dürfen daher die Noten dieser Banken in ganz Deutschland, auch außerhalb desjenigen Staates, welcher denselben die Befugntß zur Notenausgabe erthetlt hat, zur Zahlung gebraucht werden: 1. Badische Bank in Mannheim. — 2. Bayerische Notenbank in München. — 3. Bremerbank in Bremen. — 4 Breslauer Bank in Breslau. — 5. Chemnitzer Stadtbank in Chemnitz. — 6. Colntsche Privatbank in Cöln. — 7. Danziger Privttbink in Danzig. — 8. Frankfurter B ink 'n Frankfurt am Main.— 9. Hannoversche Bank ui Hannover. — 10 Leipziger Cassenoer^in in Leipzig. — 11. Lübecker Commerzbank in Lübeck. — 12 Magdeburger Privatbank in Magdeburg. — 13. Posener Privatbank in Posen. — 14. Sächsische Bank in Dresden. — 15. Bank für Süddeutschland in Darmstadt. — 16. Württemberaer Notenbank in Stuttgart. — Die Verwendung der Noten anderer deutscher Privat-Notendanken oder Corporationen zur Leistung von Zahlungen außerhalb desjenigen Landesgebietes, für welches dieselben zugelassen sind, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft. (S-S* Seitens der Nationalbank für das Großherzogthum Luxemburg sind neuerdings auf NeichSwährung lautende Banknoten in Abschnitten zu 5. 10 und 20 Mk. ausgegeben worden. Die Verwendung dieser Banknoten zu Zahlungen innerhalb des Reichsgebiets ist nach $ 11 des Bankgefetzes vom 14. März 1875 verboten und wird mit Geldstrafe von 50 bis 500 Mk., im Falle gewerbsmäßiger Verwendung daneben mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft. Mittheilung. Französische Mühlsteine werden hiermit den Herren Mühlbesttzern aus der Fabrik aus Nord Haus en zu entnehmen empfohlen, wo ihnen die drei- bis fünffache Dauer derselben gegen die Accord-, oder gar der feilen französischen Herstellung garantirt wird. Das beste Existirende bietet denn auch merklich das größte aller Lager, das größer ist, als die einzelnen Lageroorräthe der Bruchbesttzer in Frankreich und dem alle Brüche steuern, namentlich die von Süd-Frankreich, die das feurige, starke Gestein liefern. Wir empfehlen so aus Ueberzeugung und aus Dankbarkeit für unsere in einer ungekannten Mahltüchtigkeit uns erfreuenden und die größtmögliche Dauer versprechenden Steine, nachdem wir Alle der meist aus Frankreich bezogenen Mühlsteine nach nur kurzer Benutzung verlustig fliegen. Wendekind's Fabrik bietet uns in Nordhausen bequem die Prüfung unserer Mühlsteine ohne Decke und im Rohbau. Und dazu rathen wir. Man weiß seine guten Steine bann auch von der inneren Sorgfalt und Güte, also der wohlthätigen Beständigkeit. Die Namen der Einsender und Referenzen sind in der Exp. d Ztg. zu erfahren. Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen. Vom 2. bis 9. Dec. 1876. Eheschließungen. Am 8. Dec. Wilhelm Heinrich.Hermann Fillmann, Glaser dahier, mit Amalie Karoline Vöhl dahier, gebürtig aus Nidda. Geborene. Am 2. Dec. Dem Gendarm Anton Rück, eine Tochter, Amalie. — 3. ein uneheliches Kind von hier, Philipp. — 3. Dem Stations-Assistenten an der Main-Weser- Bahn, Jeremias Wolf, eine Tochter, Anna Marie Margarethe Auguste. — 29.Nov. Dem Kaufmann Karl Wenzel, eine Tochter, Antonie. —2 Dec. Ein uneheliches Kind von Auswärts, Kail Reinhold. — 3. Ein uneheliches Ki"d von Aus varts, Katharine. — 2. Dem Spenglermeister, Gusttv Rühl, ein ©otm, Karl Emil Johann. — 3. Dem Sattler- meister, August Brühl, eine Tochter, Charlotte. — 1. Dem Gärtner, Johannes Balser, fine Tochter, Anna Emilie — 5. Dem Sergeanten im II. Gr. Jns-Reg Nr. 116, Theodor Wanke, eine Tochter, Lina. — 3. Dem Schlossermeister, Karl Pfaff, eine Tochter, Marie. Gestorbene. 1- Dec. Eine in der Geburt verstorbene Tochter deS Gendarmen Anton Rück. — 2. Der Spenglermeister August Becker, 37 Jahre alt, von Gießen. — 4. Dec. Weißbinder Karl Schenk, 27 Jahre alt. gebürtig von Nidda. — 6 Philipp Brück II. Wlttwe, 74 Jahre 5 Monate 5 Tage alt, von Burkhardsfelden. —8. Wilhelmine Louise, Tochter des Fuhrmanns Christoph Spieß, 1 Monat 3 Tage alt. Auszug «us den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 3. Dec. Heinrich Gorr, Weißbinder und Lackirer dahier, des Ackermanns dahier, Philipp Gorr II., ehel. Sohn; und Elisabethe Schneider, des Bürger-und Küfers dahier, Daniel Schneider, ehl. Tochter. Getaufte. Den 3. Dec. Dem Buchdrucker, Heinrich Belz, ein Sohn, Wilhelm Heinrich, geb. den 14. Nov. Denselben. DemRangtrer an der Köln-Gteßener-Bahn, Johannes Christ, ein Sohn, Wilhelm Philipp, geb. den 13. Nov. Denselben. Dem Bremser, Wilhelm Keiner, eine Tochter, Louise Karoline, geb. den 20. Nov. Denselben. Dem Rangirer an der Main-Weser-Bahn, Konrad Weller, eine Tochter, Marie Karoline Kithartne, geb. den 12. Nov. Denselben. Dem Rangirer an der Main-Weser-Bahn, Leonhard Schneider, eine Tochter, Anna Georgine, geb. den 12. Oktober. Den 7. Dec. Dem Bürger und Oekonomen, Christoph Spieß, eine Tochter, Wilhelmine Louise, geb. den 5. Nov. Beerdigte. Den 5. Dec. August Becker, Bürger und Spenglermeister, alt 37 I. 1 M. 19. T-, gest. den 2. Dec. Den 6. Dec. Karl Schenk, Weißbinder, alt 26 I. 11 M- 22 T., gest. den 4. Dec- Ankgesetzez Stockholz, dahier, mit Amalie MMich-Ligarren a ®t 4 Pf. Gerste, 6522) bei Christian Frech it w zwanzig vierzig fünfzig bum Lu;e mburg initten |u 5. 10 iten zu Gablungen März 1875 ver- wtidsmahiger Ver- Bekanntmachung. Betr.: Die Reichstagswahlen. Die Listen der bei der Reichstagswahl Stimmberechtigten liegen von Montag den 11. bis einschließlich Montag den 18. December l. I-, Vormittags von 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, in dem Bürgermeisterei-Local zu Jedermanns Einsicht offen -und sind Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Listen innerhalb dieser achttägigen Offenlegungsfrist, bei Vermeivung des Ausschlusses damit, bei uns vorzutragen. (6409 Gießen, am 9. December 1876. Größtmögliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. . Die Weinwirthschaft von etneOuonmäüDitft und sonstig-Oeono- miegeräthschaften. Lang-Göns, am 8. December 1876. Großherzogiiches Ortsgencht ßanß - ® Brückel. " „ Stockholz. „ Nadel-Prügelholz, 'r4r®i Jn ’*S: für ff« i-ht ir f bdiloung., Preis 1 Mark.—Dieses dorzügl. Werk p, jnn allen kranken, qlcichviel an welcher Krankheit //< letDenD, umsomehr dringend evipfohle« werden, M aL6 brü^Jlctitfftnt,e Heilverfahren sich als zu- verlusfig bewahrt hat, wie die in dem Buche abgedr-rcklcn zahlreichen glanzenden Atteste beweisen. oölz29SKSs 6396) Ein kleines Logis hat zu ver- mietben.__________Earl Lehrmund. 6395) Ein unmöblirleS Zimmer nach der Straße zu oermiethen bei Wittwe El ar, Wallthorftraße 135. 6380) Der 3. Stock meines Hauses, Seltersweg E- 45, ist zu oermiethen und am 1. März beziehbar. F. Hoffmann. AerMieryungcn. 6424) Ein Familienlogis auf sogleich zu vermiethen bet B a l t h. W e b e r, ___________________Grünberger Straße. 6421) Eine geräumige Stube mit Eabi- 6430) In meinem am Rtegelpfad gebauten Hause ist der ganze Maosardenstock, bestehend aus 4 heizbaren Zimmern, 3 Ea- bineten, Küche, Bodenkammer, Holzstall, 2 Kellerräume, sowie Mitgebrauch der Waschküche, zu vermiethen. ___________Gerhard, Bahnmeister. 6418) In meinem Wohnhause am Krof- dorfer Weg ist die Mansarde mit 3 Zimmern, Küche, Keller rc. zu vermiethen und gleich zu beziehen. _____________Philipp M 0 rgel. 6427) Eine freundliche Wohnung tm mittleren Stock, mit verschließbarem Cor- ridor, ist durch Wegzug zu vermiethen und logleich beziehbar. Karl Kaspar. " E. Gail, Mäusburg I). 8. wesel. Von N. Hocker. Mit Originalzeichnung von B- Marn seid. — Russische Auswanderer aus Deutschland. — Die Geschichte einer entthronten Königin. Mit 2 Illustrationen von H. Knackfuß. — Am Familien- tische: Wie sollen Weihnachtsgaben verpackt und verschickt werden? — Bücherschau. XXXIX. — Drei türkische Kugeln. Mit Illustrationen. Zu Bestellungen empfehlen sich: die Ferber'sche Univ.-Buchhandlung. E Heinemann, I. Ricker. Modellfchreiner gesucht