Gitßcmr AWger begriffene 9lr. 237 Montag gen 3. NovcMcr fl Wlaz mit Dcutfrfjfanö. // I seiner Art Haffen, f» jsmi« vierteljährig 1 fl. 12 ft. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl- 29 fr. Unsere Leser ersehen aus dem Vorstehenden, daß der Kampf des Papstes der weltlichen Obrigkeit um die Herrschaft nicht neuern Datums ist. I I ' • ’ - Y • I I *•'7 ’ U | V/”» »y »»v tvyMt | f 11 Charakters entkleiden werden, muß zur Zeit uoch sehr in Zweifel gezogen werden. -vorzüglich erhalten wird, ist nun aufgehoben. „Religiöse Lehrer sind abgedank't und an ihren Platz Verführer der Jugend auf die Lehrstühle gesetzt worden." Zum Schlüsse kommend, sagt der Papst: „Da nun Gott (!) fordert, daß Wir jo vielen schrecklichen Nebeln mit aller Macht steuern, so baben Wir Uns entschlossen, dies apostolische Schreiben an Dich ergehen zu lassen. Wir hoffen demnach nicht ebne Grund, gelicbtester Sohn, in Christo, Du werdest diese Unsere väterlichen Ermahnungen Dir an's Herz dringen lassen und nicht dul- deii, daß die katholische Kirche unter der Last der Verfolgungen schmachte. Wo nicht, so werden Wir unfehlbar zum Besten der katholischen Religion mit) zum Heil der Uns anvertrauten Seelen nach dem Beispiel Unserer Vorfahren andere Rettungsmittel ergreifen, um Unsere Amts- und Berufspflicht zu erfüllen. Brodpreise vom 1. bis 8. November 1873, — rrach eigener Erklärung der B -cker: 2 Kilo gemischtes Brod 24 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 12 kr. 2 Kilo Noggenbrod: erste Sorte 21 fr., zweite Sorte 17 fr. Erscheint täglich, mit SuÄ« nähme Sonntags. Expedition: Canzlitbera, Llt. B. Nr. 1. „Gegeben zu Rom im Jahre Christi 1803, Unseres Povstthnnis im dritten." Man sieht, daß der Verfasser dieses Briefes die Abstellung von Miß- brauchen, welche mit der wahren Religion Jesu Christi nichts zu thun haben, fälschlich als eine Unterdrückung und Verfolgung dieser Religion bezeichnet, wodurch der unwissende Theil des Volkes nur zu leicht getäuscht und ine geführt wird, weil etwas Mangel au Einsicht und namentlich an historischen Kenntnissen außer Stande ist, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. Was Max Joseph dem Papste geantwortet, liegt uns nicht vor, wohl aber ist es bekannt, daß er auf dem Ungeschlagenen Wege zum großen Segen seines Volkes beharrte. Insbesondere wurde eine Mahnung an die Weltpriester erlassen, das Volk überall zu belehren, die Schule zu besuchen, richtige Begriffe über die wichtigsten Gegenstände der Religion, Naturlehre,, Geschichte und menschliche Einrichtungen zu verbreiten, den herrschenden Aberglauben zu verdrängen und keine Wundergeschichten auf den Kanzeln zu verkünden, besonders nicht in Wallfahrtskirchen! Solches geschah vor 70 Jahren, und wie steht es heute? „Nicht genug, daß Dll ben Glaubensaeguern das Bürgerrecht eingeränmt, wurde neuerdings den katholischen Pfarrern befohlen, daß sie die Eheverbmdungen zwischen einem theils katholischen, theils unkatholischen Brautpaare vor- Die weltliche Macht in Bayern maßt sich das ganz geistliche Recht an, das Urthiil über die Gültigkeit oder Ungültigkeit der Kloster gelubde zu sprechen. Eben diese weltliche Macht und Obrigkeit scheut sich nicht, von den Bischöfen zu fordern, daß die vierzigtägigen Fasten sammt den übrigen noch vorgeschriebenen Fasttagen für alle Zeit aufgehob drei Fasttage beibehalten werden. . v\ Posen, 1. November. Die „Posener Zeitung" veröffentlicht ein Schreiben Dulinski'ö vom 30. October, worin derselbe seine Behauptungen über tue Unterschlagungen von Collecteugelderu beim Waisenbaus und über die Dor- szewski'sche Angelegenheit aufrecht hält und erwähnt, daß wegen seines Protestes die Wahl Ledochowski's erst Ende 1865 vollzogen sei. Dulinski bietet ... sich zum Beweise aller seiner Behauptungen vor einem coinpetenten unparteii- eu und nur noch scheu Gericht au. Di/blnä xtIpaVhÄxo"sröZ U -1*. k- cm . . ' . r. , _ 1 Gaffel, 30. October. Von Seiten der königl. Staatsanwaltschaft m "Elche Macht theilt die Pfarreien aus, besetzt sie mit Seel- Fulda geht dem „N. K. A" folgende Berichtigung zu- „In der Lebens- „Unserem geliebtesten Sohne in Christo Maximilian", begann Pius VII., und schrieb dann im ersten Satze also: „Wir können Dir die Größe des Schmerzes nicht mit Worten erklären, die unser bedrängtes Vaterherz empfunden hat, als wir die traurige Nachricht über jenes Edict erhielten, durch welches Du Deinen Untertbanen in Bayern hast ei klären lassen, daß künftighin, um das Bürgerrecht zu erhalten, die katholische Religion keine Bedingung mehr sein solle. Tief drang uns diese auf; faUenbe Neuerung zu Herzen . . . und ermangelten wir nicht, sowohl durch Gesandten am kaiserlichen Hofe, als durch andere Männer unser ernst- liches Verlangen bekannt zu machen, Du möchtest doch von diesen Neuerungen als ein römisch-katholischer Fürst Deiner Religion gemäß abstehen. _ -."Wir wurden die Schranken eines Briefes weit überschreiten, wenn wir Ein Brief des Papstes Pius VII. an den Herroa f°r$ern eigenmächtig nach Willkür und bestimmt ihre Grenzen. Geistliche wer- von Bera vor 70 ^adrerr ' den gezwungen, vor den weltlichen Gerichten zu erscheinen, und sogar aufge- * * fordert, in Criminalhändeln Zeugniß abzulegen. Dein geistlicher Rath maßt (Aus dem Düsseldorfer Anzeiger.) sich das Recht an, zu untersuchen und zu bestimmen, wo, wann und wie die So viel uns bekannt, ist dieser Brief des Papstes Pius VII. bis jetzt in'Pfarrer ihre geistlichen Functionen verrichten sollen. Die Klöster werden auf- feiner Zeitung erwähnt Das interessante Schriftstück wird nicht verfehlen, - gehoben und auf blos weltliche Gegenstände verwendet und umgeschaffen. Die im gegenwärtigen Augenblicke die allgemeine Aufmerksamkeit zu erregen. Im! Bücher - Censur, wodurch die katholische Glaubenslehre in ihrer Reinbeit Anfänge dieses Jahrhunderts — so beginnt der uns eingesandte Artikel ‘-n r * " mar Landesherr im Herzogthum Berg, mit der Hauptstadt Düsseldorf, der Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken. Dieser wohlwollende und erleuchtete Fürst suchte auf jede Weise die Wohlfahrt seiner Länder zu befördern und traf zu dem Zwecke mehrfache Anordnungen. So erließ er unter dem 12. September 1803 eine Verordnung in Betreff der Klöster, zu deren Begründung es im Eingänge heißt: „Da Wir überzeugt sind, daß die moralische Ausbildung eines Volkes die Grundbedingung ist, ohne welche es keinen dauernden Wohlstand erlangen kann, und daß die besten Regierungs-Anstalten ohne Wirkung bleiben, wenn die Um terthanen nicht durch jene dafür vorbereitet werden, so halten-Wir Uns auch für verpflichtet, die Hindernisse, welche dieser Cultur entgegenstreben, vor Allem wegzuräumen, und zugleich für eine zweckmäßige Erziehung der vaterländischen Jugend aller Classen zu sorgen. „//Eines der mächtigsten Hindernisse zeigt sich in der dermaligen Verfaffung der Klöster und besonders der Bettelmönche, die . . . mit verdoppelten Kräften für ihre Erhaltung dadurch arbeiten, daß sie in dem Volke durch Fortpflanzung des Aberglaubens und der schädlichsten Jrrthümer richtigeren Begriffen den Eingang zu erschweren, jede zu seiner wahren moralischen Bildung führende Aiistalt dem Volke verdächtig zu machen suchen und einen beständigen bösen Willen dagegen unterhalten." . Wie sehr die in diesen Worten enthaltene Schilderung gewisser früherer Zustände auch leider noch auf manche heutige Verhältniffe paßt, liegt dem Auge des unbefangenen Beobachters offen da. m , Durch eine andere Verordnung hatte Maximilian Joseph allen christlichen Religions-Verwandten in seinen Erbstaaten den gleichen, vollen Genuß der bürgerlichen Rechte gewährt. Diese und einige andere Verfügungen in der angedeuteten Richtung gereichten den Ultramontanen innerhalb und außerhalb der bayerischen Laude zu eben so großem Aergerniß, wie solches noch heute der Fall ist, insbesondere aber erregten sie den Zorn des Papstes Pius VII. so gewaltig, daß er demselben dliA i" Einem sehr heftigen, ausführlichen Briefe an Max Joseph im jabre 1803 Luft machte. Einige Sätze dieses merkwürdigen Brieses dürften hinreichen, um zu zeigen, daß es sich, damals wie jetzt, nicht um Verfolgung der Religion, sondern um den Schutz der staatlichen Interessen und Ordnung und gegin die veralteten, aber stets erneuten Ansprüche der ultramontaneü Hierarchie handelte. cteit in Der5 cker ii. Wiesen r Blitz. . Stiefel, Beiten ■ inbe kauft unb »enberser. thenberger, ^ener Kunden! l bafriä) näch- imffcn werde, ;asie Lit- A- wollen. jelbarbt, iß Mainz. _ ht. . Us. (503j) n sichnarz) ß l abzugeben W pinlergaffe- SÄ ^/elsweg 2L_ ,urde zwgü.enj pacca-iLchnni! mitfltnommtn tu, denselben tzMüUer^I V.äkchen, todj eifahren I wib u^erftagen^. nrbtt dauernd' g. Müller Mtuin^ rb gesu--t ler Sch" gnlayn^. Schlitz, 31. October. Vier Eisenbahn-Projecte, durch deren Verwirklichung unsere Stadt und ihre aufstrebende Jndiistrie eine Schienenverbindung 511 erlangen hoffte, haben entweder eine unseren Wünschen entgegenstehende Feststellung erfahren oder sind gänzlich aufgegeben worden. Die Bcbra-Hanauer ^taatöbahn hat, anstatt durch das Fulda-Thal geführt zu werden, auf Ver- anlaffung des ehemaligen Kurfürsten den unnatürlichen Weg durch das Haune- Thal gesiichr; die oberhessische Eisenbahn wurde trotz der Bemühungen des Abg. Wadsack über Großenlüder geführt; das Bahn-Projecr Berlin - Frankfurt a. M. erfuhr durch die preußiiche Staatüregierung eine von dem Plane des Mühlhäuser Comitüs durchaiis abweichende Feststellung; der Plau der Erbauung einer Zweigbahn von hier nach Salzschlirf endlich mußte aus finanziellen Gründen aufgegeben werden. Jetzt taucht nun noch ein fünftes Project auf, das, wie behauptet wird, nicht ganz aussichtslos sein soll. Es betrifft alle Einariffe die Dn “7iul e,nc Verbindungs - Linie zwischen den Stationen Hünfeld der Bebra - Hanauer wollten 9 Nur die wichtigsten H."llgth"m erlaubt hast, hieher schreiben^und Salzschlirf der oberhessischen Bahn über Schlitz. Eine solche Bahnlinie S Wn'bofi / ±1 l"lb s'.'werdeu schon h-nr«-würde namentlich dem Transitverkehr- der beiden Eisenbahnen von Sachsen, einaeseben Dich endlick enO^ie^ 7s°^M>ßsollen darnber und die Bosheit Thüringen nach Gießen und weiter zu Gnte kommen. Ob dieselbe jemals z>. wieder ant ,n macke, 6,er Sitzung vom 23. October 1873. Anwesend waren: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Gcmeinderathsmitglieder Bücking, Felsing, Gail, Hanstein, Heß, Homberger, Keller, Körber, Lüdeking, Nagel, Noll, Pietsch, Silbereisen und Wenzel. handelt Versailles, 31. October. Die „Agcnce Havas" meldet: In Folge des Briefes des Grafen Chambord scheint die Absicht der Proclamirung der Monarchie völlig aufgegeben zu sein. Man versichert, daß die conservativen Fractionen darin einig seien, die Verlängerung der Vollmachten Mac Mahon^s zu beantragen. Die Bureaux der Rechten werden heute Abend in Paris zusammentreten. Skizze des Bischofs Christoph Florentius Kött (Nr. 286 Ihres Blattes vom. nirgends gestört. — Das „Journal des Debats" will als gewiß wissen, daß 19. d. Mrs.) kommt der Paffus vor: „„An seinem Todestage sollte er nochsMac Mahon eine Botschaft an die Nationalversammlung richten wird. — ausgepfändet werden, weil die Einziehung des Gehaltes nicht genügte, um die 400 Thlr., die ihm als Strafe zuerkannt waren, zu hiuterlegen. Die Pfändung unterblieb, weil er schon im Todcskampfe lag."" Diese Behauptungen sind unwahr. Die bereits früher verfügte executvrische Beitreibung der Geldstrafe wurde mit Rücksicht auf den damaligen Krankheitszustand des Verurtheil- ten diesseits ausdrücklich sistirt. Um mit möglichster Schonung die Strafe einzuziehen, wurde nun auf diesseitige Veranlassung die am 1. d. Mts. fällige Rate der bischöflichen Dotation einbehalten. Ebenso hat die Kassenverwaltung des Kreisgerichts aus gleichem Gruude die wegen der Kosten bereits angeordnete Execution einstweilen sistirt. Es ist hiernach am Todestage des Verlebten weder wegen der Geldstrafe noch wegen der Kosten eine Pfändung beabsichtigt, noch weniger versucht worden." Dresden, 30. October. Das Thronbesteigungs-Manifest König Albert's hiermit kund und zu wissen: Nachdem durch Gottes unerforschlicheu Rathschluß des Allerdurchlauchtigsten Königs und Herrn, Johann, Königs von Sachsen, Unseres vielgeliebten Herrn Vaters Königliche Majestät, zum größten Schmerze Seines Hauses wie Seiner Unterthanen aus diesem Leben abgernfen worden ist, haben Wir die Regierung des Königreichs Sachsen vermöge des nach der verfassungsmäßigen Erbfolge an Uns geschehenen Anfalls der Krone übernommen. Wir versehen Uns daher zu Unseren getreuen Ständen, den Königlichen, sowie den sonst zu öffentlichen Diensten eingestellten geistlichen und weltlichen Beamten und Dienern, auch zu alle» Unterthanen und Einwohnern Unseres Königreichs, daß sie Uns als den rechtmäßigen angestammten Landesherrn die schuldige Dienstpflicht, Treue und Gehorsam so willig als pflichtmäßig leisten werden. Dagegen versichern Wir sie Unserer, auf Handhabung von Recht und Gerechtigkeit und Beförderung der Wohlfahrt und des Besten des Landes unausgesetzt gerichteten landesväterlichen Fürsorge, werden auch die Verfassung des Landes in allen ihren Bestimmungen während Unserer Regierung beobachten, aufrecht halten und beschützen. Damit der Gang der Staatsgeschäfte nicht unterbrochen werde, ist Unser Wille, daß sämmtliche Behörden ihre Verrichtungen bis auf Unsere weitere Bestimmung pflichtmäßig fortsetzen. Gegeben zu Pillnitz, am 29. October 1873. Albert. Richard Freiherr v. Friesen. Georg Friedrich Albert v. Fabrice. Hermann v. Nostiz-Wallwitz. Dr. Karl Friedrich Wilhelm v. Gerber, Christian Wilhelm Ludwig Abeken. Dresden, 31 October. Der Beisetzung der Leiche des Königs Johann in der Fürstengruft der katholische» Hoskirche wohnten außer dem König Albert und dem Prinzen Georg viele fürstliche Personen an, deren Reihe der deutsche Kronprinz, Prjnz Alfred von England und Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich eröffneten. Sodann folgte der Großherzog von Baden, der Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar, die regierenden Herzoge von Altenburg und Meiningen, Prinz Hermann von Weimar, der Erbprinz von Meiningen, die Prinzen Elimar von Oldenburg, August von Coburg, Günther von Rudolstadt, endlich beide regierende Fürsten von Reuß. Die preußischen, bayerischen und österreichischen Regimenter, deren Chef König Johann gewesen, waren durch Deputationen vertreten. Morgen wird Prinz Adalbert von Bayern erwartet. iMeiTeidj. Wien, 31. October. Die „Neue Fr. Presse" meldet, Graf Chambord habe in Folge ungünstiger Nachrichten über die Restaurations-Angelegenheit die Reise nach der französischen Grenze vertagt; Graf Chambord sei nicht zu bewegen gewesen, ein von dem fusionistischen Unterhändler Falloux aufgestelltes Manifest zu erlaffen. Wien, 31. October. Die von dem Tagblatt gebrachte Nachricht, die preußische Negierung habe hier 100 Millionen für Anlehen zur Verfügung gestellt, findet wenig Glauben. Immerhin bereiten sich große Finanz-Operationen vor, welche zwar geheim gehalten werden, mit denen aber Bleichröder wahrscheinlich in Verbindung steht. öchweiz. Genf, 31. October. Nach dem officiellen Bericht Turretins an den Stadtrath über die Hinterlassenschaft des verstorbenen Herzogs von Braunschweig beträgt das Activ-Vermögen 20,510,000 Frcs., die Schulden 1,964,000 Frcs. Zu ersterem kommt noch das „Hotel Beaujou" in Paris im Werthe von 520,000 Frcs., und Actien von Eisenbahnen in Amerika und Deutschland, worüber später berichtet wird. Frankreich. Paris, 30. October. Heute Abend bringt die „Union" einen Brief Chambord's an Chesnelong, worin er erklärt, daß er seinem Princip getreu bleibe. Der Brief erregt große Sensation in Paris und macht selbst unter den Legitimisten einen schlechten Eindruck. „Bien Public" bringt den Brief um 7 Uhr in einer Extra-Ausgabe und bemerkt dazu: Der „Roy" will seinem Princip getreu bleiben. Er gibt in Nichts nach und weigert sich, König der Revolution zu sein. Die Monarchie ist noch nicht gemacht und dieser Brief setzt die in große Verlegenheit, welche früher, um den zu weit Vsrgegangeneu Muth zu machen, ankündigten, daß sie die Brücken hinter sich abgeschnitten, um zu vcrhinderu, daß man zurückgehen könne. Paris, 31. October. Der „Agence Havas" zufolge hätte der Marschall-Präsident Mac Mahon heute einem ihn befragenden Mitgliede der Neu- ner-Commission gegenüber erklärt, daß er nicht anstehen werde, auf seinem Posten zu bleiben, wenn die conservative Majorität geneigt sei, mit ihm die Verlängerung der Gewalt auf einer neuen Basis zu vereinbaren. — Die Nachrichten über die Ministerkrisis sind als verfrüht zu bezeichnen; es wird aber der Austritt des Justizministers Ernoul und des Handelsministers de la Bouille- rie sicher erwartet. — Nachrichten aus den Departements melden, der Brief des Grafen Chambord habe die größte Sensation erregt, doch sei die Ruhe 1. Gelegentlich der Verhandlung wegen Erhöhung des Schulgeldes an der Realschule und der Vorschule wurde bestimmt, daß das von den Schülern vierteljährig mit 27 kr. zu entrichtende Tinten- und Vibliotheksgeld vom 1. Juli d. I. nicht mehr erhoben werden, und daß dem Realjchulpedellen, welcher die Tinte zu liefern habe, hierfür eine noch zu bestimmende Vergütung aus der Stadtkasse geleistet werden solle. Heute wurde diese Vergütung nach Antrag Großherzogl. Realschulvirection bestimmt und beschlossen, dem Pedellen Link hierfür jährlich 100 st., für Lieferung der Tinte in die Vorschulklassen 40 fi. und als Diener der Letzteren 20 fl. jährlich zu bewilligen. Die Auszahlung dieser Beträge soll vom 1. Juli d. I. an geschehen. 2 Bei der am 12. Mai d. I. abgehaltenen Holzversteigerung ist der Tarifpreis nicht erreicht worden, da aber von Großherzogl. Oberförsterei die Genehmigung befürwortet wurde, so gab auch der Gcmeinderath seine Einwilligung und Genehmigung zur Versteigerung. 3. Eine Offerte des Heinrich Adami, aus den Brüchen von Fr. Schwaab, 200 Kubikmeter Pflastersteine 1. Sorte und 30 Cubikmeter Pflastersteine 2. Sorte für den Preis, erstere für 9 fl. 55 kr. und letztere für 8 fl. 24 kr. per Cubikmeter zu liefern, wurde acceptirt, wenn die Ablieferung auf die vom Stadtbaumeister bestimmt werdende Plätze erfolge. 4. Die bei Pflasterung der Schulstraße für Sandlieferung entstandenen Mehrkosten mit 93 fl. 11 kr. wurden genehmigt und die Mittel hierfür zu Lasten der Ueberjchüsse des Jahres 1873 bewilligt. 5. Auf den Bericht des Stadtbaumeistcrs in Betreff der Errichtung eines Denkmals für die dahier beerdigten deutschen Soldaten wurde beschlossen: a) den mit Heinrich Spahr von Lich abgeschlossenen Vertrag über Aufstellung des Denkmals zu genehmigen, b) dem Todtengräber Noll die Herstellung der Gräber zu übertragen und ihm hierfür als Vergütung 30 kr. pro Grab zu bewilligen. 6. Das Spalten der Tanncn-Prügel für das städtische Magazin war dem Paul Happel in Hausen für 16 kr. pro Meter veraccordirt worden und hierzu crtheilte der Gemeinderath seine Zustimmung. 7. Nachdem die Besitzer des zur Fortsetzung der Reichensandstraße erforderlichen Geländes sich bereit gefunden, dasselbe für 4 fl. pro Klafter abzutreten, wurde beschlossen mit diesen und dem Herrn Heß, welcher sein Gelände zu diesem Zweck unentgeldlich offcrirt hat, Kaufverträge abzuschließen 8. Auf eine Beschwerde der Firma Flick & Kröll über gehemmten Wafferabfluß aus ihrem Hof, lehnte der Gemeinderath die ihm angesonnene Mitwirkung zur Beseitigung des für sie gewordenen Mißstandes ab, weil das hier in Betracht kommende Gäßchen nicht städtisches Eigenthum sei. Gießen, 2. November. Auf den hiesigen Bleichen ist in der letzten Zeit öfters Wäsche gestohlen worden. Gestern wurde die Frau des Percr Jakob aus Erda von der Polizei verhaftet, weil ihr ein großer Theil der verübten Wäsche-Diebstähle zur Last fällt. Sie hatte sehr vorsichtig, ein Stück nach dem anderen, gestohlen und so nach und nach bedeutende Vorräthe zusammengetrage». Ihr Mann, der vor einigen Jahren hierher überzog, ist wegen mehrerer auf der Eisenbahn begangener Diebstähle im November v. I. verhaftet und mit 11 2 Jahren Zuchthaus bestraft worden. Die Gemeinde wird nun die 3 kleinen Kinder ver in Gefängnissen itzenden Eltern verpflegen lassen müssen. — --In der Nacht vom letzten Freitag auf den Samstag ist einem jenseits der Lahn wohnenden Bürger ein Fensterladen und ein Fenster cingeschlagen worden, was die Hausbewohner sehr erschreckt hat. Der übermüthige Thäter ist ermittelt worden, er sieht seiner Bestrafung entgegen. — — Die Klagen der arbeitsscheuen Subjeete über die geringen Strafen werden immer lauter. Ciü eben hier sitzender wegen Diebstahls und Bettelns schon oft bestrafter Strolch aus Gelnhaar äußerte in diesen Tagen, nackdem er wegen Bettelns bestraft worden war: „ich sehe ein, das Verteln thuts nicht; ich muß wieder stehlen gehen" — und ein hiesiger junger, die Arbeit hassender, den Brandwein liebender, schon mehrfach bestrafter Bursche, äußerte gegen die Polizei: „in der Meinung, ich könnte freies Winter-Quartier kriegen, habe ich ein Hemd gestohlen; aber sie haben mich gleich wiederaus dem Gefängniß gejagt; es bleibt mir nun nichts übrig als ein paar Ochsen zu stehlen oder Einem den Hals abzuschneiven•" — Wie wohlthätig würde ein Zwangsarbeitshaus wirken, wenn es den Abschaum der Menschheit zwischen seinen Mauern beherbergte! Gießen, 3. November. Man ist es sozusagen hier gewohnt, daß dem Publikum von Zeit zu Zeit im Wenzel'schen Garten irgend ein Genuß seltener Art geboten wird, den man neben dem Alltäglichen sehr gut milnehmen kann. So hat der unermüdliche Wirth des Gartens mit sehr bedeutendem Risteo daS Erste Europäische Damenorchester veranlaßt, hier zwei Coneerte zu geben, was verschiedenen Herren in Mainz und Offenbach nicht möglich gewesen. Wir glauben, daß Herr Wenzel wohl sein Geschäft nicht im Auge hatte, sondern nur dem Publikum einen Genuß bieten wollte, als er das Orchester engagirte; denn bei einer so bedeutenden Garantiesumme, wie sie gegeben, wird wohl schwerlich ein Ueberfluß erzielt. Wir möchten unsere Musikfreunde hierauf aufmerksam gemacht haben. Vermischtes. Köln. Die „Kölner Zeitung" schreibt unterm 26. Octobcr: Die Erderschütterungen, die in der Rhein-Provinz in den jüngsten Tagen aufgetreten sind, scheinen sich seit dem 22. d. M., wo die Stöße am heftigsten waren und in weitester Ausdehnung auftraten, bis heute nicht wiederholt zu haben. Es sind uns noch sehr viele Mittheilungen zugegangen, aus denen hervorgeht, daß man in Herzogenrath, nördlich von Aachen, und Umgegend die Erschütterungen allgemein und am heftigsten wahraenommen. Besonders sind noch als Orte des Erschütterungs- bczirks zu erwähnen: Stolberg, Eupen, Crefeld, Düsseldorf-Oberbilk und Umgegend, Bonn und Umgegend und am entferntesten Gießen, von wo wir nachstehendes Schreiben erhalten: „Bei den zahlreichen Mittheilungen über das Erdbeben vom 22. d. M. aus Orten westlich des Rheins wird es von Jntereffe sein, zu wissen, daß dasselbe auch hier in Gießen von mir beobachtet worden ist. Nach der Bahnhofsuhr, welche gewöhnlich ziemlich genau die mittlere Zeit von Gießen angiebt, bemerkte ich den Stoß um 9 Uhr 49 Min. 15 See." — In einem Kreisstädtchen im Nordwesten unserer Provinz ereignete sich dieser Tage folgende Seene: Ein ultramontaner Caplan kommt zum Arzt: „Unsere Partei stellt den Lichterzieher Dunkel als Wahlmann der zweiten Classe auf, während die liberale Partei auf den Kaufmann Ehrlich stimmen wird, ich hoffe, Herr Doetor, Sie, —" — Arzt: „Ich merke schon, Herr Caplan, Sie leiden am ultramontanen Wahlsieber; lesen Sie bis auf Weiteres zwei Mal täglich die Kölnische Zeitung, enthalten Sie Sich jeder Agitation., und Sie werden in einigen Tagen wieder hergestellt Mn. Meiden Sie aber in Zukunft den Umgang mit Ihrem Pastor, von dem Sie jevenfalls angesteckt sind.--- — Der nächste Patient kann eintreten." Berlin, 23. Oet. In dem Foyer des Schwurgerichtsgebäudes spielte sich am Dienstag eine ergreifende Scene ab. Ein junges Mädchen hatte sich von einem hiesigen Kaufmann auf Grund eines Briefes mit gefälschter Unterschrift ein Pfund Choeolade und zehn Sgr. haar erschwindelt und war in Folge dessen wegen Urkundenfälschung angeklagt. Im Gefühl ihrer bereits in der Voruntersuchung reumüthig eingestandenen Schuld erschien sie gestern zum Audienztermine, war aber durch fetnetlei Zureden zu bewegen, in den Saal einzutreten und auf der Wechsel Pistolen 9 42—44 1858r 1860r 1864r — fl- - fl- - fl- - fl- 65 45 55 90 1670 1680 1690 1700 1710 1720 1730 Börsenuachrichten. 1. November 1873. Actieiie Frankf. Bank 1457/h Franks. Vereins-Kasse 93 Darmst. Bankact. 380 Rheinische Hyp.-Bank 106 Wien Bankactien 990 Oest. Creditact. 223 Galizien — fl. 250 v. 1854 — Prioritätsloose — Loose 873/^ „ 142 Certificat Nr. 65,715. Paris, 11. April 1866. Mein Herr! Meine Tochter, die außerordentlich leidend war, konnte weder verdauen, noch schlafen; sie war von Schlaflosigkeit, Schwäche und nervöser Aufregung überwältigt. Sie befindet sich ganz wohl durch die Revalesciere, die sie ganz hergestellt hat, mit gutem Appetit, guter Verdauung, beruhigten Nerven, erfrischendem Schlaf und festem Fleisch, nebst einer Fröhlichkeit, der sie längst fremd war H- de Montlouis. Certificat Nr. 73,716. Baden bei Wien, 14. Juli 1871. Lange zögerte ich, meinen Namen als öffentliches Zeugniß hinzustellen; doch meine Dankbarkeit half endlich über diese Scrupel hinweg, und von vollem Herzen bezeuge ich zum Wohle aller Leidenden, daß, nachdem meine Frau sowohl als ich lange Zeit hindurch an Appetitlosigkeit, ich insbesondere an Erbrechen nach dem Essen und peinigender Schlaflosigkeit litten, wir endlich nach vergeblicher ärztlicher Hülfe zu Ihrer Revalesciere unsere Zuflucht nahmen und erst nach einmonatlichem Gebrauche wie neugeboren uns wohlbefinden und Ihrer recht dankbar erwähnen. Hugo Baron v. Dunay, Gutsbesitzer. verurtheilt wurde. , — Als einziges Werthobject wurde kürzlich in Berlin einem Schuldner ein Häuschen mit weißen Mäusen abgepfändet, welches vorschriftsmäßig in den Pfandstall des Stallmeisters Nicolai wanderte, es dauerte aber nicht lange, so meldete Herr Nicolai, daß die Mäuse ihre Behausung zu durchknabbern begonnen und er deshalb um Abnahme des werthvollen Objects bitten müsse, da ihm sonst die Insassen desselben entwischen würden. Daraufhin wurde dem Auctions-Kommissar der Auftrag crthcilt, die Thierchen zu verkaufen. dieser stellte jedoch das Ersuchen, ihn mit dem Ungeziefer zu verschonen. Seiner Bitte konnte jedoch vom Gericht selbstverständlich nicht willfahrt werden, und es blieb bei dem Berkaufsauftrag, da sich aber fein Käufer für die Mäuse fand, so sind, der G.-Ztg. zufolge, dieselben schließlich dem Verklagten auf Kosten des Klägers wieder zugesandt worden. London, 24. Oct. Hiesigen Blättern wird aus dem benachbarten Woolwich von einer sonderbaren Erscheinung berichtet: „Der Vormittag war naß und düster, aber um 1 Uhr wurde es vlötzlich stockfinster. Es konnte diese Finsterniß nicht einem der Nebel zugeschrieben werden, wie sie so oft die Nachbarstadt London Heimsuchen. Es war vielmehr eine Mitternachtsfinstemiß, denn man sah in einer großen Entfernung den Glanz der Lichter in den Fenstern. Der Himmel war wie von einem großen Feuer rothlich gefärbt. Die Atmosphäre war schwer und drückend, her Regen hatte aufgehört und der Südostwind gänzlich nachgelassen. Der Eindruck auf alles Lebende war sehr bedeutend, sogar schrecklich. Nervöse Leute wußten vor Angst nicht, was an- zufangen; ruhigere griffen nach den Kalendern und glaubten da eine Sonnenfinsterniß angegeben zu finden, fanoen sich aber getäuscht. Tauben und Vögel hielten im Fluge an und kehrten schleunigst zum nächsten Obdach zurück, die Hühner suchten ihre Nachtquartiere u. s. w. Fünf Minuten dauerte die dichteste Finsternis dann schwand sie allmählich und machte einer glänzend strahlenden Sonne Platz." So die Beschreibnng, welche von Uebertreibung nicht frei zu sein tioldsorten. fl. kr. Pr. Friedrdor 9 58—59 Anklagebank Platz zu nehmen. „Auf die Bank soll ich mich setzen, wo sonst immer Räuber und Mörder fitzen, nimmermehr!" schrie sie verzweifelt und versetzte sich in so hohe Aufregung, daß sie schließlich in Weinkrämpfe verfiel. Der als human in der höchsten Bedeutung des Wortes bekannte und verehrte Präsident des Schwurgerichts, Herr Stadtgerichtsrath Johl, ließ dem armen Mädchen Zeit, sich von seiner Aufregung zu erholen, worauf es tiefbeschämt auf der Anklagebank Platz nahm und unter Bewilligung mildernder Umstände zu einer Woche Gefangniß scheint. — Holzpreise der letzten 200 Jahre. Wie der Preis des Holzes gestiegen und zugleich der Werth des Geldes gesunken ist, ergiebt sich aus einer auf der Wiener Weltausstellung befindlichen Geschichte der Preise. Nach den sorgfältigen Ausschreibungen einer rationell bewirth- schafteten Domäne in Mittelböhmen kostete die Klafter Welligen Scheitholzes im Jahre Allen kranken Kraft und Gesundheit ohne Medici» und ohne Kosten. „Revalesciere Du Barry von London.“ Die vorzügliche Heilnahrung Revalesciere du Barry bewahrt sich bei allen Krankheiten, die der Meoicin widerstehen: nämlich Mägen-, Nerven-, Brust-, Lungen-, Leber-, Drüsen-, Schleimhaut-, Athem-, Blasen- und Nierenleiden, Tuberculose, Diarrhöen, Schwindsucht, Asthma, Husten, Unverdaulichkeit, Verstopfung, Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrausen, Uebelkeit und Erbrechen selbst in der Schwangerschaft, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht. — Auszug aus 80,000 Certificaten über Genesungen, die aller Medicin getrotzt: Certificat Nr. 73,621. Wien, 1. Februar 1871. Unendliche Dankbarkeit gegen Sie veranlaßt mich, Ihnen diese Zeilen zu schreiben. 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