Preis vierteljährig 1 fl- 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fL 29 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint täglich, mit Ausnahme SonntagS. Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen. Nr. 233. Montag den 28. Oktober 1872. STRoft-offitttAott /tttf Sott fSltofiptlor 9ftt2oinor werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post- ^efreuungen aus oen Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen. Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December zu 40 fr. Amtlicher Theiß» General - Versammlung des Vereins zur Unterstützung von Invaliden und von Hinterbliebenen gefallener hessischer Soldaten vom Feldzug des Jahres 1866. Die Mitglieder und Freunde des vorgenannten Vereins werden hiermit zur Theilnahme an der Mittwoch den 30. October d. I., Nachmittags 4 Uhr, in dem unteren Saale des hiesigen Rathhauses stattfindenden ordentlichen General-Versammlung für das Jahr 1872 ergebenst eingeladen. Den Gegenstand der Tagesordnung bilden: 1) Die Entgegennahme des Rechenschafts-Berichts des Vorstandes über die Geschäftsführung im Jahr 1871; 2) die Vorlage der von dem Verwaltungsrath geprüften und abgeschlosienen Vereins-Rechnung für das Jahr 1871; 3) die Beschlußfassung über Anträge, welche von Seiten einzelner Mitglieder (§ 11 des Statuts) an die General-Versammlung gerichtet werden. Darmstadt, den 11. October 1872. Der Vorstand des Vereins. Der Vorsitzende: Der Schriftführer: Hahn. Dr. E. Iaup. Die Lage der Dinge in Frankreich. Herr Thiers scheint das Schaukelsystem, mittelst dessen er bisher die Parteien tm Zaume hielt, auch noch durch Einmischung internationaler Beziehungen unterstützen zu wollen. Wir haben gesehen, wie er, durch die Seebäder gestärkt, sich zutraute, mit der Majorität der National-Versammlung fertig werden zu können, indem er dem Drängen der Radikalen nach Auflösung jener nachzugcben schien und wie er, erschreckt durch die Rede von Grenoble, rasch wieder seinen Frieden mit der Rechten machte, aber doch nicht, ohne den Radicalen neue Bürgschaften wegen Erhaltung der Republik zu geben. Wir haben aber auch gesehen, wie er sich die Acußerungen eines russischen Staatsmannes zu Nutze macht, um ein LeumundSzeugniß für feine „konservative Republik" zu gewinnen; während er zugleich die Revanchepolitik die Hand reichte, indem seine bevorzugten Organe mit den radicalen wetteiferten, um auS der Optionsbewegung in gehässigster Weise Kapital zu schlagen. Es fragt sich invrß, ob ein solches System auf die Dauer haltbar ist und jedenfalls zeigen die Thatsachen, daß es nicht verfolgt werden kann, ohne imme. neue Schwierigkeiten herbeizuführen. Gewiß ist es Herrn Thiers unmöglich, die Revanche-Politik, in welcher nun einmal der französische Patriotismus seine Befriedigung sucht, offen und mit Energie entgegen zu treten, selbst abgesehen davon, ob er nicht innerlich mit ihr einverstanden ist. Als Regent Frankreichs kann er sich dem nationalen Pathos nicht entziehen und die deutsche Politik ist gewiß zu einsichtig und selbstbewußt, um dem Präsidenten der französischen Republik nicht mit Rcclamationen zur Last zu fallen, sondern geneigt, den Bedürfnissen seiner inneren Politik Rechnung zu tragen. Gewiß aber kann sie um der schönen Augen des Herrn Thiers willen nicht zugeben, daß unter der Revanchepolitik und den wüsten Expektorationen die deutsche OccupationSarmee leide. In der That aber scheinen die Hetzereien und die schamlosen Verleumdungen der Pariser Presse in den noch occupirten Departements Verhältnisse ganz unerträglicher Natur herbeigeführt zu haben; dies beweist der von dem Maire von Nancy in einem Schreiben an den Grafen St. Ballier niedergelegte Protest gegen die Ausschreitungen der Presse, welche er der lieber- treibung oder gradezu der Lüge zeiht. Offenbar sind diese „weisen und patriotischen" Kundgebungen des Herrn Bernard bestellt und die vertrauten Organe Thiers beeilen sich, dieselben der Oeffentlichkeit zu übergeben und ihnen noch einige „fromme Wünsche" mit auf den Weg zu geben. Aber ist Herr ThierS bereits so weit gebracht, sich auf „fromme Wünsche" beschränken zu müssen, wenn es gilt, den Beziehungen zu Deutschland einen muth- willig oder boshafter Weise eingedrückt'» Stachel zu benehmen, während er sich sagen muß, daß die deutschen OccupationStruppen indirekt der Ruhe Frankreichs von unermeßlichem Nutzen sind? Wagt er es nicht mehr, von den Hülfsmitteln, welche ihm der Belagerungszustand an die Hand giebt, Gebrauch zu machen, nm der staatsgefährltchen Preffe Zügel anzulegen, oder ist er gutmüthig genug, daß die verständige und patriotische Einsprache des MairS von Nancy auSreichen werde, um die Leidenschaften wieder zur Vernunft zu bringen? Wir fürchten sehr, daß Herr ThierS fick mit einer solchen Voraussetzung täuschen wird und daß er bald genug in die Lage kommen wird, entweder mit aller Energie seine Wahl treffen zu müssen,'oder gewärtig zu sein, aus dem Sattel gehoben zu werden. Offenbar fängt das bisherige System an, seine Dienste zu versagen und der Ausfall der jüngsten Wahlen sollte ihn darauf aufmerksam machen. Seit der Herstellung des Friedens haben die französischen Wahlen unausgesetzt die Tendenz nach dem Radikalismus gezeigt, und obwohl sich Herr. Thier- herzlich darüber freuen mag, daß bei den jüngsten Nachwahlen seine entschiedensten Feinde, die Bonapartisten, unterlegen, so fiel doch der Sieg — den radicalen Candidaten zu. Die Tendenz der französischen Wahlen mag unsinnig sein, umsomehr, al- die Rede von Grenoble gezeigt hat, wie unduldsam der Radikalismus ist und wieviel Schlimmeres er einer großen Gesellschaftsklasse vorbereitet; aber erklärlich wird sie zum großen Theil aus dem Schaukelsystem des Herrn ThierS, welcher durch abwechselnde Ermuthigung bald der einen, bald der andern Partei beide zu einer Steigerung ihrer Aspirationen verführt, bis die entschlossenste das Schicksal thatsächlich herausfordert. Im Augenblicke sind die Dinge nicht so weit gediehen; aber sie gehen täglich einen Schritt weiter und muffen sehr bald zur Katastrophe führen, wenn Herr Thiers nicht wenigstens zu einem bestimmten Entschluß bezüglich der con- stitutionellen Frage gelangt, vorausgesetzt, daß er noch die Macht in Händen hat oder in Händen behält, seinen Entschluß durchführen zu können. Es ist anzunehm n, daß in der National-Versammlung sich eine Combination der verschiedenen Gruppen vollzogen hat, welche eine Constituirung Frankreich« im Sinne des Herrn Thiers günstig ist, d. h. welche cine Consolidirung der sogenannten konservativen Republik will. Die letzten Wahlen aber haben wiederum bewiesen, daß der Radicalismus an Anhängern gewinnt und daß, wenn man daran dächte, eine Constituante auf Grund neuer Wahlen einzuberufen, kein schützender Damm mehr vorhanden fein wird, um daß Hereinbrechen der Fluth zu hindern, deren verheerender Gang nicht zu berechnen ist. Herr ThierS wird zu bedenken haben, daß die kleinen Künste des Parlamentarismus, deren er sich bisher mit ebenso viel Geschicklichkeit als Glück bedient hat, in einem elementaren Kampfe versagen; er wird daher das Aeußerste thun müssen, um dessen Ausbruch zu hindern und er verkennt die Hülfsmittel, reren er sich mit Erfolg bedienen könnte, wenn er mit mehr Schlauheit als staatsmännischer Einsicht der Preffe die Zügel schießen laßt, um seine Stellung der deutschen Politik gegenüber zu compromitiiren. Deutschland. Darmstadt, 24. October. Die zweite Kammer beendigte in ihrer heutigen Sitzung dte Vorlage in Betreff der Gehalte der VolkSschullehrer. Zunächst handelte e- sich um die Gehalte der Vicare, die nach Beschluß der Kammer drei Viertel des Gehalts der betreffenden Stelle, mindestens aber 400 fl. betragen sollen, nachdem ein von Curtmann gestellter Antrag, den Vicaren, welche Stellen länger als fünf Jahre verwalten, von fünf zu fünf Jahren Alterszulagen von 50 fl. bis zum Betrag von 100 fl. zu gewähren, gefallen war. Die angestellten Lehrerinnen wurden den Vicaren ebenfalls gleichgestellt, obwohl Dernburg die« für unbillig erachtete und sie den angestellten Lehrern nicht nachgestellt haben wollte. Darüber, ob die zu gewährenden AlterSzulagen vom Staat ober der betreffenden Gemeinde zu tragen seien, entspann sich eine längere Debatte, in welcher für den Antrag der Mehrheit des Ausschusses, Uebernahme auf die StaatScasse, die Abgg. Kritzler, Golvmann, Becker, K. I. Hoffmann, Metz, Schäfer und Keil (Fürth) eintraten und geltend machten, daß sie die Gemeinden nicht unter dem zufälligen Umstand leiden lassen wollten, daß Lehrer zu Dienstalterszulagen berechtigt würden, wo überhaupt die Zahlung dieser von dem Willen der Gemeinden unabhängigen Zulage durch die Gemeinde zu den verschiedensten Uebelständen in Bezug auf Versetzung und Stellung des Lehrers führen würde. Die Regierung sowie die Abgg. Zentgraf und Volhard erachteten die Alterszulage als einen Theil der Besoldung, für den ebenfalls die Gemeinde aufzukommen habe. Der Antrag, die Alterszulage Einer Stelle auf die Gemeinde, die übrigen aber auf die Staatskasse zu übernehmen, gelangte nicht zur Annahme; die Kammer entschied sich vielmehr für den Antrag der Mehrheit, nahm aber einen anderen Artikel an, wonach der Staat da einzutrrten hat, wo die Gemeindewitte! zur Bestreitung der Schul- bedürfniffe nicht aus,-eichen. Schließlich wurde noch die Bestimmung angenommen, daß das gegenwärtige Gesetz, die WohnungSvergütungen ausgenommen, rückwirkende Kraft vom 1. Januar d. I. an haben solle, obwohl die Abgg. Heydenrcich und Keil (Fürth) den Antrag gestellt, daß der Staat die für 1872 erforderlichen Nachzahlungen übernehme. Die Regierung gab die Zusicherung, daß sie den Gemeinden hierbei in jeder Hinsicht entgegenkommen, sie auch durch Vorschüsse unterstützen werde. Hierauf wurde die Vorlage wegen Urbernahme der Mehrkosten der Parzellenvermeffung auf die Staatskasse mit der Einschränkung angenommen, daß nur die Gemeinden dieser Vortheile theilhaftig werden sollen, die sich bis Ende 1873 zur Vornahme dieser Arbeiten entschließen. Eine Antwort der Regierung auf die Interpellation des Abg. Curtmann, die Verhältnisse des Bades Nauheim betreffend, besagt, daß kein Grund zu Befürchtungen gegeben sei, daß vielmehr die vorhandenen Mittel genügten, um den Kurgästen fast dieselben Annehmlichkeiten wie seither zu bieten. Darmstadt, 24. Oct. Das Großh. Ministerium des Innern hat an die zweite Kammer der Stände eine Vorlage wegen Erbauung eines neuen Univer- fltätsgebäudes gelangen lassen. In den Motiven wird hingewiesen auf das Er» suchen der beiden Kammern vom 19. Oktober 1871 um Einbringen einer Pro- pofition wegen gleichzeitiger Befriedigung der baulichen Bedürfniffe der Landes- Universität und der Justizbehörden zu Gießen, sobald die neue Organisation der Gerichte auf Grund der deutschen ReichSverfaffung seststehe. Da diese Organi- sation aber nicht sobald in'S Leben treten wird, auch mit der Errichtung eines UniversttätSgebäudeS keinen Zusammenhang hat, dieses zudem unter allen Umständen nöthig ist, so wird wegen desselben allein die Vorlage an die Stände gerietet Die Motive kommen sodann aus die Unzulänglichkeit der gegenwärtig zur Verfügung stehenden Lokalitäten für die Aufnahme aller Unterrichtsinstitute, sowie für die nothigen Auditorien und Laboratorien, und entwickeln eingehend die speciellen Pläne. Nach denselben sollen in dem neuen Gebäude untergebrachl werden: das Kunst-, Münzen- und Antikeu-Cabinet, das technologische Institut, das mathematische Institut, das mineralogische Institut, das Forst-Institut, das landwirthschaftliche Institut, das pharmakologische Institut, das architektonische Institut, das Institut für Jngenieurwiffenschaften, die Hörsäle für die verschiedenen Fakultäten. Außerdem ist ein Versammlungszimmer der Docenten und ein Zimmer für den Hausdiener vorgesehen. Nach Einrichtung des neuen Gebäudes sollen die dann frei werdenden Räume des alten, auf dem Brand befindlichen UniversttätSgebäudeS im unteren Stock für dos botanische Institut eingerichtet und im oberen Stock für das Universitätsgericht, als Sitzungszimmer des Senats und zu Prüfungen, als RectoratSzimmer, und als Sitzungszimmer der Facultät, des Disciplinargerichts, der AdministrationS-Commission und zu Prüfungen verwendet werden. Die große Aula soll ihre bisherige Bestimmung behalten. Durch diese Einrichtung wird das für 400 fl. gemietete Schloß, in wel- chem die oben erwähnten akademischen Behörden jetzt untergebracht sind, frei und es können dann in dasselbe, welches dem Fiskus gehört, das Stadt- und Landgericht verlegt werden, welche sich jetzt in sehr ungeeigneten Localen befinden. Die Kosten des Gebäudes sind auf 190,000 fl. veranschlagt. Da die Stadt Gießen zu den Baukosten einen Beitrag von 20,000 fl. leisten will, so gehen diese hieran ab, es bleiben daher 170,000 fl. Für einen Bauplatz stehen von der Stadt 2000 fl. zur Verfügung. Da ein solcher mit 2000 fl. nicht angekaust werden kann, hierzu vielmehr wenigstens 8000 fl. erforderlich sind, so kommen noch hinzu 6000 fl., so daß aus der Staatskasse auf- zuwenden wären 176,000 fl. Das Ministerium richtet die Propofition um Bewilligung dieser Summe an die Kammer. Darmstadt, 24. Oct. Bischof Ketteler hat in der „Germania" den Fürsten Bismarck als den Urheber der berühmten „Verfolgungen" der katholischen Kirche in Deutschland bezeichnet. Die tolle Unwahrheit dieser Beschuldigung kann am schlagendsten aus der Geschichte Hessen-DarmstadtS in den letzten zwanzig Jahren dargethan werden. Unmittelbar nach der Reaktionsperiode von 1850 und ehe die Weltgeschichte den Namen Bismarck's, des damaligen unbekannten preußischen BundeStagSgesandten, in ihre Blätter eingetragen hatte, wußte Herr v. Ket» teler sich in den Besitz des ErziehungS- und AnstellungsrechtS der Geistlichen zu setzen, er riß die DiSciplinargewalt über dieselben an sich, er beseitigte den kano- Nischen Rekurs, bas placetum regium, führte Knabenseminarien, Convicte, Klö- ster und Orden, darunter auch die ehrwürdigen Väter der Gesellschaft Jesu im geistlichen und weltlichen Gewände in Hessen ein, er legte die katholische Facultät an der Landesuniversität brach, verschaffte sich größeren Einfluß auf die Schule, die Verwaltung des Kirchenvermögens und alle Branchen dcs Staates, insbesondere des Justizdienstes, kurz er geberdete sich als geistlichen Großherzog, als wel- cher er auch im pomphaften Aufzuge durch die katholischen Gemeinden zog und Visitationen der untergebenen Geistlichkeit abhielt, die er einer wechselseitigen Eontrole (alias Spionage) in majorem dei gloriam unterworfen hatte. Das war in einem kleinen Theile unseres Vaterlandes der Beginn eines Systems, das zum Syllabus und zur Encpclika führte, im JnfallibilttätSdogma gipfelte und nach und nach fortschreitend alle Diöcesen in Deutschland umgarnte. Während aber die Regierungen diese hierarchischen Anmaßungen duldeten oder förderten, hat sich ihnen nicht Graf Bismarck, wohl aber die Volksvertretung be- harrlich und einmüthig entgegengesetzt. Die Mainz-Darmstädter Convention war ein beständiger Zankapfel zwischen Herrn v. Dalwigk und der hessischen zweiten Kammer der Stände und selbst der 15. Landtag (1859/62), bekannt im Volks» munde als die Beamtenkammer, in allen Dingen fügsam und regierungsfreundlich, hat nahezu einmüthig die Aufhebung jener verfassung-feindlichen Convention gefordert. Spätere Stände erhoben sogar eine Anklage wegen Verfaffungsver- letzung gegen Herrn v. Dalwigk als Vater und Vertheidiger jener Convention. Der Kampf gegen Pfäsfische Herrschsucht und Uebergriffe, der jetzt das deutsche ^eich ergriffen hat, wogte seit Jahren in den engeren Grenzen unsere- Kleinstaates, und nicht ein noch so gewaltiger Minister war es, der sich zuerst dem jesuitischen Uebermuth entgegenstemmte, sondern der gesunde Sinn des Volks, das öffentliche Gewissen, die von Tausenden getragene Idee der Freiheit und Kultur unseres Jahrhunderts. Unter diesem Banner wird auch das deutsche Volk mit, ohne oder gegen Bismarck den römischen Drachen besiegen! (D. Pr.) Darmstadt, 25 Oct. Der vor Kurzem irrig todtgesagte Oberst Dornseiff, Direktor des Kriegsministerium i. P., ist gestern gestorben. Darmstadt, 26. Oct. Die nächste Sitzung der ersten Kammer der Stände wird kommenden Donnerstag, den 31. lfvn. Mts., Vormittags 9M2 Uhr, statt- finden. Tagesordnung: 1) Gesetzesentwurf, die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahl der Abgeordneten betr. 2) Gesetzesentwurf, die Abänderungen der in den Artikeln 19, 58, 61, 68 und 69 des Forststrafgesetzes vom 4. Februar 1837 erwähnten bisherigen Maße in das Metermaß betr. Darmstadt, 26. Oct. Der 2. Ausschuß der Ersten Kammer hat heute seinen Bericht über das Wahlgesetz (Referent: Graf Görtz) festgestellt. Die Be- rathung darüber in der Ersten Kammer soll nächsten Donnerstag stattfinden. Dem Schluffe des Landtags sieht man spätestens Mitte November entgegen. Die Be- rathungen über den Landtags-Abschied haben im Gesammt-Minifterium, wie wir hören, bereits begonnen. Berlin, 25. Oct. Gestern früh, nachdem der Entscheid des Kaisers bekannt war, besuchte Lord Odo Ruffel Herrn Bancrost. Die beiden Diplomaten tauschten herzliche Worte aus und beglückwünschten sich, daß durch den Entscheid des Deutschen Kaisers die letzte Schwierigkeit zwischen England und Amerika beigelegt sei und beide Nationen fortan in Frieden und Freundschaft mit einander leben würden. Berlin, 26. Oct. Sehr großes Aufsehen wacht in allen politischen Kreisen die (telegraphisch gemeldete) Verwahrung des Bischofs Dr. Krementz gegen den Erlaß des CultusministerS Dr. Falk, demzufolge die Temporaliensperre in Kraft trat. Der Bischof wird klagbar gegen den Fiskus werden. Das war vorauszusehen, denn die bloße Temporaliensperre ließ sich nicht rechtfertigen. Der Etat von 1872 garantirte dem Bischof den Bezug von Emolumenten, die eine unzweifelhafte gesetzliche Unterlage haben. Aber der Bischof von Ermeland will von der Klage absehen, wenn Dr. Falk abbtttet. Der Rechtsweg soll nicht beschritten werden, wenn mit dem CultuSminister das gesammte Staatsministerium erklärt: wir haben dem preußischen Episkopat schweres Unrecht zugefügt, wir wollen euch fortan gewähren lassen. Unwillkürlich fragt man sich, wie es komme, daß gerade jetzt der UltramontanismuS solche Sprache führe. Die klerikale Jn- folen^föflt zusammen mit der feudalen Arroganz, und ist es Zufall, daß dem Berlin, 26. Oktober. Die Reisedispofltionen des Kaisers haben durch den Tod des Prinzen Albrecht zwar eine Abänderung erfahren, doch wird der Kaiser sich nach einem Aufenthalt in Ludwigslust auf einen Tag nach Hannover begeben und alsdann dem sächsischen KönigSpaar zu dessen golvcner Hochzeit persönlich seine Glückwünsche bringen. Berlin, 26. Oct. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt: Das dem Landtage vorzulegende Gesetz über den Mißbrauch geistlicher Gewalt ist be- bestimmt, die Grenzen des Rechts zur Verhängung von Kirchenstrafen genau festzustellen. Die nächste Sitzung des Herrenhauses findet nächsten Montag statt. Weimar, 26. Oct. Heute Vormittag um 7 Uhr starb Ottilie v. Göthe, die Wittwe des einzigen Sohnes Göthe's. Schweiz. Bern, 26. Oct. Bischof Manlley von Freiburg zeigt der Genfer Regierung an, er verzichte auf die Functionen und den Titel eines Bischofs von Genf. Frankreich. Paris, 26. Oct. Das Handelstribunal hat in Sachen der Mkffagerien, welche der Suezcanal-Gesellschaft das Recht bestritten haben, aus eigener Jnitia- tive die Basis ihrer Tonnen-Abgaben zu ändern, sein Urtheil abgegeben und sich zu Gunsten dieser Transportgesellschaften ausgesprochen. Es heißt, die Suezcanal-Gesellschaft werde gegen das Urtheil Berufung einlegen. Italien. Rom. Am Hofe Victor Emanuel's erregt eine Ansprache des Papstes an die Bewohner von Trastevere viel böses Blut. In der That hat auch PiuS IX. feinem Herzen in eine: Weise Luft gewacht, die im Quirinal wenig Befriedigung Hervorrufen kann. Der Papst sagte in feiner Allocution: „Ich war noch jung, als Pius VII. nach Rom zurückkehrte, aber ich sah den Einzug mit an von Potta Popolo bis in die PeterSkirche. Und wer empfing den heiligen Vater an der Thür der Peterckirche unter so vielen anderen? Ein König von Sardinien war es, der hernach, ein Muster jeglicher Tugend, im Ruf der Heiligkeit in Rom gestorben ist. Jener König von Sardinien warf sich dem Papst zu Füßen und dankte Gott mit Thränen in den Augen, daß er den heiligen Vater wieder in den Besitz der Stadt Rom und des Kirchenstaates gefetzt hatte, und der Papst umarmte den frommen König mit väterlicher Zärtlichkeit. Wenn ihr mich aber fragt: „Sage doch, heiliger Vater, warum sind denn heute . . . ?" fo sage ich euch, fraget mich lieber nicht und kehrt mit mir zum Könige in der Parabel zurück, der fein anderer ist, als Jesus Christ, der allmächtige Gott, der einst mich und euch und alle Christen zur Rechenschaft ziehen wird, die Kaiser und Könige, die Minister und Deputirten, vor allen aber die gottlosen Schriftsteller und Zeitungsschreiber, diese Helden der Lüge und Verleumdung." Vermischte-. Altenburg, im October. Unter den vielen Belegen todesmuthiger Kriegsthaten >er braven deutschen Armeen im letztoergangenen Kriege verdient folgendes Reiter- tücklem der Geschichte anfbewahrt zu werden. Nach den Mittheilungen eines hiesigen Blattes war am Tage der Kriegserklärung Frankreichs von Stammgästen des Restaurants „Zum Baierischen Hofe" hier ein Betrag von 50 Thalern für einen Soldaten gestiftet worden, welcher sich im bevorstehenden Kriege besonders auszetchnen würde. Nachdem diese Summe von 50 Thlrn. nach beendetem Kriege Seitens des königlichen Kriegs-Ministeriums in Berlin dem Cuirassier Bauer vom Cuirassier-Regiment Königin zuerkannt worden war, richtete man von hier aus an den Commandeur dieses Regi- ments, Oberst v. Pfuhl, das Ersuchen, um nähere Auskunft über die kühne That Bauer s und um Veranlassung des letzteren zur Gnsendung einer für das Restaurant- ztmmer bestimmten Photographie, worauf folgendes Schriftstück einging: „Pasewalk, We*fiis«ä. ioov8 Bayer. 5% Papierrente 60 */4 1882r 961/4 I6OV2 1864r Börsenberichte. dem Flasche fl. — 42 St. JEmilion Weisse Bordeaux-Weine Cerons St. Oroix du Mont . pr. Flasche fl. "I. — Sauternes kr. Flasche pr- Cognac Flasche fl. pr- petite Champagne . • zeichnet. empfehlen (4594) J. A. Busch S&hne< Gießen, im September 1872. vleux Bois 1885r 971/4 1887r 97 2. 2. 2. 12 kr., 30 „ 42 „ pr- fi 11 11 n u incl. ii Glas, tr u ir ii H II U Glas, 11 kr. 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Den Bericht über die des rc Bauer, auf welchem ihn von Seiten des königlichen Kriegs-Mmistenums Tbalerrugesprochen wurden, füge ich abschriftlich bei und kann hierbei nur nnckmals^^versiche?n daß sich der rc. Bauer durch sein kühnes Benehmen und durch den mlckUaen dadurch erreichten Zweck der erlangten Anerkennung wohl werth gemacht hat. Der rc Bauer ist bereits entlassen und lebt in der Gegend von Pasewalk als Oekonom. Sein Vater ist Gastwirth Hierselbst. Der Wunsch der geehrten Gesellschaft ist demselben mi gethettt worden und wird derselbe nicht verfehlen dem Wunsche binnen kurzer Ze.t mikdr ikommen. Hochachtungsvoll v. Pfuhl. — Bericht über die Ueberbrmgung einer telegraphischen Depesche von Boynes zum General-Lieutenant v. VoigtsMhetz wahrend der0Schlacht von Beaune-la-Rolande am 28. Noo. 1870 durch den Cuirassier Otto Bauer der 3. Escadron des Cuirassier-Regiments Königin (pommerisches) Nr. 2 Der Cuirassier Bauer war mit mehreren anderen Emrassteren am Tage der Schlacht von Beaune-la-Rolande commandirt, um von der Telegraphenstation boynes Depeschen so^ fort an den Adressaten zu befördern. Als Beaune-la-Rolande bereits zum großen Theil von Franzosen umschlossen war, erhielt der rc. Bauer eine Depesche nn BuschenthaPs 3,230,000. 1,616,008. 337,585. aus den Fabriken von Lucas Herren! y Obes y Co., Montevideo. 4893) Gegen guten Lohn wird in eine größere Stadt eine erfahrene Köchin gesucht, welche sich zugleich der Hausarbeit unterzieht. Eintritt den 15. December d. I. Näheres Universitätsstraße Lit. E. 79 Parterre. 8. 19. I>r. Olschowsky. B resl a n. ©et Dorstand Set Gewerbebank ______11 ff- Nage l. Schmitt. 4995) Möblirte Zimmer zu vermiethen. Neustadt Lit- D. 57. 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Bezahlte Schäden ...... , ls o=tc> » Art ^eTmTflf-Vetfi^r- beweglich- und u»b°weglich'e-GeK'Sd E°r nnd ExplostonsHefahr"'''°'' ^«a-en Bedingung-,. g^,. Feuers- 3KÄ™s«s«?ä F Schröder in Darmstadt, 4777) Die eben so beliebten als rühm- l'chst bekannten Rähmaschinen aus Bielefeld verkauft zu billigen Preisen im Auftrag der Herren Koch & Patz Frida Strobel, Kanzleibcrg 66. Gründlicher Unterricht gratis. 4595) Wallrath - Del- Rachtlichter sind wieder ein« getroffen. Z. A. Busch Söhne. ^r. Weihl, Gastwirth in Friedberg, ^ean Böck in ßuP&,,„ Scbactlon- Druck und Verlag her BrüH^-n UniEruckkr-i (Fr. Chr. Pietsch) io «lch^------------------—------ Danksagung. 5000) Allen Denen, welche meinen Mann, Heinrich Waaner gJte,9**.«w*y*M s-M- Z®T"; M" 3"‘ r"*1'* "«™l« f«ge I» xta tnu, ----------------Die tranernde Hinterbl.>b-n- Bekanntmachung. 4994) Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß für den verstorbenen Rechner der Gewerbebank, Herrn A Balser da hier, von uns Herr Kaufmann l,er Da- I Lager in ächt italienischen und deutschen Teigwaaren, als: iMaccaroni, DermicelltS, i Suppenteiae, Eterge- müse- und Eiersuppennudeln. Parmesan- und Emme nt Haler Käse. Thee, vanille, Chocolade, Sardellen und Gothaer Cervelatwurst. Blockchoeolade, pr. Pfund 28 kr. Würfelzucker. Champignons, Trüffeln. Sardines a l’huile, russ. Sardinen, Cavlar und Mixed-Pickles. Tafelmandeln, Tafelrostnen, Jtal. Haselnüsse. 4873) Die Specerei-, Materlal- und Farbwaaren - Handlung von Emil Fischbach in Giessen (Seitenweg) empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens. Große und kleine Rosinen ausges. große Mandeln Citronat, Orangeat, ganzen und gestoßenen Zimmet, gestoßene Rassinade, Citronen, AniSsaamen, Ammonium und Pottasche. Reinschmeckendes Schweineschmalz, pr. Pfund 28 kr. Condensirte Milch. Jtal. Brünellen, getrocknete Kirschen, Aepfelspalten, ganze Aepsel, Mirabellen, Catharina-Pflaumen und türk. Zwctschen. Reisstärke. Toilette-, Bade-, Fenster- und Pferdeschwämme. Bienenhonig, Znckersyruv. j ß-F' nitS' N M. Best A 8t «n die Gieftn des Pas, lung übt barftii iu übeim dir lettitnt les Gtji lltintn Aufme: Lulleibi 1870) ter täpj fttn ke)i Kirche fj Papstes lifcher ® Dar von Herrschaft A'rche g, iiigt, nm nun vodi 'st ja sie stavunr. spater di, ivesenllich galten, u Pctrns, । derfung Q Ne übt jnb ^ar ,ci verfchi levischer ' 1CD 3eruf( un Nt । >^i S, t *i, «’S &