,.L- Nr. ito) bei t Ls** °M 'tm faxten. en PMjkm Mte (in j>az "d bitte um taud). 227——— 5 ? dass wir umfasst das ■Geschäft, '■'esc haft testens em- ’U Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr. Gichrmr Anjeiger. Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags. Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. 7». Mittlvoch dm 27. März 1872. m M .....Hl—IIIIIIIMIIII I UJjS3MMLJUaiJUÜJMUMMMMHMIEM8aBM8^MMMBg Mm Abonnement =3öf auf den Lietzener Anzeiger. Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags, und kostet für die Abonnenten in der Stadt Gießen vierteljährlich 1 fl- 12 fr., frei ins Haus geliefert. Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im II. Quartal 1872 zusenden und 'den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen. Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fi. pro Quartal. Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementspreis 1 fl. 27 kr. incl. Postaufschlags. Dieselben können nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren. — Damit wir nun in den Stand gesetzt find, die Auflage des Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger abonniren wollen, dies sofort bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Exemplare zu liefern. Die Redaetion. Amtlicher T h e i l. / H Hal, rrnM coMuäsnM fl'cklllllst auf dm Ji wirken suchest ÄR iE.*« hblich uiw-V . Tamil dir^ den W;. nur abonnn Verbreitung, mehrmaligem^ bnc ick in llipstei», te ähvokqt. irr Mir. ig 1872. ®Ln Ä rSÄ oon ®- SJ C''€ Nr. 9 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben am 19. März 1872, enthält: _ r , 802.) Deklaration, betreffend die Ausdehnung der Zwischen Preußen und den Niederlanden am 16. Juni 1856 abgeschlossenen Konsular - Konvention auf die Konsuln des Deutschen Reichs m den niederländischen Colonien. Vom 11. Januar 1872. (Nr. 803.) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung der Bevollmächtigten zum Bundesrathe. Vom 13. März 1872. (Nr. 804.) Ernennung von Konsuln und Vicekonsuln des Deutschen Reichs. (Nr. 805.) Ertheilung der Ermächtigung zur Vornahme bürgerlich gültiger Eheschließungen von Deutschen und Beurkundung der Geburten, Heirathen und Sterbfalle an den Kaiserlichen Generalkonsul Will zu Havana. (Nr. 806.) Ertheilung des Exequatur an den Generalkonsul der hohen Pforte zu Hamburg und den Konsul der Republik Venezuela zu Mannheim. Nr. 10 des Reichs>Gesetzk>!attes, ausgegeben am 20. März 1872, enthält: (Nr. 807.) Verordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags. Vom 17-März 1872. (Nr. 808.) Allerhöchster Erlaß, betreffend die Verleihung der Kriegsdenkmünze für Kombattanten an Offiziere, Aerzte rc. der Marine. Vom 14. März 1872. Gießen, den 25. März 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Röder. Politisch Deutschland. I Mainz, 24. März. Zur Feier des kaiserlichen Geburtstages hatte eine Anzahl Soldaten des 118. (barmstädtischen) Regiments am Abend unter sich eine kleine Feier mit theatralischer Vorstellung rc. in einem Wirthssaale des Garten- feldes arrangirt. Trotz aller gütlichen Vorstellungen drangen in die geschloffene Gesellschaft einige Ariilleristen (ton dem Festungsartillerieregiment Nr. 3) und ließen auch nach Erscheinen einer Patrouille nicht noch. Es entspann sich auf diese Weise noch und noch ein Exceß, den selbst das Erscheinen mehrerer Patrouillen unter Anführung eines O'fizierS nur mit größter Mühe zu bewältigen vermochte. Tie Seitengewehre waren inzwischen auf beiden Seiten tüchtig gc- brcucht morden. Zerstörte Fenster, Tische, Stühle v. s. w., niederger'ffene Gartenzaune zeugen von der Wuth der Streitenden, welche die ganze dortige Stadt- gegend unsicher wachten. Mau spricht von mehreren Verwundungen, darunter einer sehr ernsten. Die betriffeuden Mannschaften sind seit gestern in ihren Kasernen constgnirt und eine strenge Untersuchung Hot begonnen. — Eine andere Affaire scheint nun endlich zum Abschluß gekommen zu fein. In der letzten Sitzung des Bezirksgerichts ergingen nämlich zwei Urtheile in Sachen der Chaffepots- diebstählc. Das eine traf einen Bahnwärter der Taunusbahn, dos andere den Depothalter der Gewehre, zu deren Ankauf eine Zeit lang sich französische und belgische Unterhändler hier aufhielten. Die Untersuchung hatte bei dem Manne, einem Wirth in Castel, der die Gewehre von Militärpersonen erhalten haben will, 15 oder 18 mit solchen Gewehren angefüllte Kisten als niedergestellt nachgewiesen und scheint derselbe die Ueberlieferung derselben regelmäßig an die fremden Agenten besorgt, mindestens davon gewußt zu haben. Das Gericht verurtheilte denselben zu drei Monaten Gesängniß. (F. I.) Fulda, 26. März. Die anläßlich des SchulaufsichtSgesetzeS anberaumte Bischossconferenz wird hier am 9. April zusammentreten. Berlin, 22. März. Die Krcuzzeitung gibt den Geistlichen den Rath, die Schul-Jnspection nicht freiwillig niederzulegen, sondern so lange zu behalten, bis der Staat Forderungen an sie stellt, denen Genüge zu leisten die „Treue gegen die Kirche" ihnen verbietet. Berlin, 25. März. Die dem „Franks. I." entnommene Mittheilung von der nachträglichen Vertheilung kleinerer Dotationen, wird von der „Magd. Ztg." «rls richtig bezeichnet. Es sollen solche bis jetzt zwei Generalin zu Theil ge- worden sein, welche ohne Benutzung der Zinsen des ursprünglichen Dotationsfonds weniger leicht hätten bedacht werden können. Berlin, 26. März. Der zweite Bürgermeister Hkdemann ist vorgestern Abend gestorben. er T h e r l. Berlin, 26. März. Der Kaiser ist von seinem Unwohlsein vollständig genesen. Boppard, 23. März. Die „Bonner Zeitung" berichtet über einen hier vorglkommenen K'rchenscandal: „Heute wohnte Professor Knoodt aus Bonn in der hiesigen Carmelitcrkirche dem Gottesdienste bei, um der ersten heil. Communion eines ihm verwandten Gymnasiasten zu afsistiren. Der Religionslehrer Beinroth hatte schon eine Anrede an die Neucommunicanten gehalten und denselben das Glaubensbekenntniß abgenommen, als Professor Knoodt durch den Küster in die Sacristei gerufen wurde. Hier verlangte Beinroth von ihm, daß er die Kirche verlasse, weil er in seiner, des Excomwunicirten, Gegenwart das heil. Meßopfer nicht darbringen könne. Professor Knoodt erwiderte ihm, daß er diesem Verlangen nicht zu entsprechen verwöge, weil er sonst ja selber sich faktisch für einen aus der katholischen Kirche Ausgeschiedenen erkläre. Es möge Herr Beinroth sich einen Augenblick auf den Standpunkt des Professors Knoodt versetzen, dann werde er wohl begreifen, daß und warum derselbe sich als mitten im Schooße der Kirche befindlich betrachte, trotz erzbischöflicher Exkommunikation. Als dessen ungeachtet der Religionslehrer fortfuhr, den Professor Knoodt dringendst zu ersuchen, die Kirche zu verlassen, bemerkte letzterer ihm, daß er nach Empfang des erzbischöf- l'chen Excommunicationeschreibens wiederholt dem Gottesdienste im Münster zu Bonn beigewohnt habe, und es Niemanden eingefallen sei, ihn aus der Kirche auszuwcifen oder wegen seiner Anwesenheit den Gottesdienst zu sistiren. Aber auch das half nichts. Da machte Professor Knoodt ihn darauf aufmerksam, daß er bis jetzt nur durch ein Privatschreiben des Erzbischofs excommunicirt sei und daß alle von dir Kirche vorgeschriebenen Formen der Exkommunikation fehlten, welche ihn (Beinroth) formell berechtigen könnten, wegen der Anwesenheit kessel- ben die heil. Functionen zu stören. Umsonst. Dennoch machte thn Professor Knoodt auch noch auf das öffentliche Aergepniß, die persönliche Ehrenkränkung und Vie unvermeidlichen Folgen aufmerksam, falls er öffentlich vor der Gemeinde die Aufforderung an ihn ergehen lasse, sich aus der Kirche zu entfernen. Außerdem theilte Professor Knoodt ihm mit, daß auch fein Freund, Professor Reinkens aus Breslau, in der Kirche anwesend sei. Nach allen diesen Erklärungen beharrte Herr Beinroth auf der Forderung, daß Professor Knoodt die Kirche verlasse, letzterer dagegen auf der Unmöglichkeit, der Forderung Folge zu leisten, worauf er sich auf seinen Platz in der Kirche zurückverfügte. Wenige Minuten danach erschien Herr Beinroth in schwarzem Talar an den Stufen des Altars und rief mit feierlicher Stimme den in der Kirche Anwesenden zu: „Es befinden sich zwei Männer in der Kirche, welche excommunicirt sind; so lange dieselben anwesend sind, kann ich das heil. Meßopfer nicht darbringen. Ich fordere daher dieselben hiermit auf, die Kirche zu verlassen." Es entstand nun eine lange peinliche Pause. Dann erhob sich Herr Beinroth wieder von den Stufen des Altars, an denen er niedergekniet war, und rief in die Kirche hinein: „Die Herren Professoren Knoodt und Reinkens, die aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche ausgeschlossen und hier anwesend sind, fordere ich hiermit nochmals auf, sich zu entfernen." Professor Knoodt, der nur wenige Schritte von Beinroth entfernt kniete, richtete nun die Frage an denselben, ob er ihm erlaube, einige Worte an die ver- sammelte Gemeinde zu richten. Es wollte Professor Knoodt nämlich die schlichte Erklärung abgeben, baß er auö Rücksicht auf das Fest der Neucommumcanten, das er nicht stören wolle, aber auch nur aus dieser Rücksicht, die Kirche verlassen werde. Herr Beinroth aber rief dem Professor Knoodt zu: „Ich verbiete Ihnen, auch nur ein Wort zu reden," worauf letzterer die Kirche verließ. In Folge dieses Vorfalls herrscht große Aufregung in Boppard." Düsseldorf, 20. März. Ueber die Katastrophe, von welcher heute die hie- sige Akademie betroffen wurde, berichtet man der „Köln. Ztg.": Da« Feuer kam Nachts um etwa 2 Uhr im südwestlichen Theile des mit der Akademie zusammen- hängenden Ständehauseö zum Ausbruch, und war allem Vermuthen nach aus einem Kaminbrand entstanden. Die Flammen verbreiteten sich mit großer Schnellig- feit und zerstörten den oberen Theil des Ständehauses, dessen Thurm jedoch voll- ständig unversehrt blieb, sodann diejenigen Flügel des Akademiegebäudes, die sich vom Ständchause bis zu dem Theil erstrecken, worin sich der Ausstellungssaal befindet. Gegen 3 Uhr kam die erste Hülfe, aber erst um 8 Uhr wurde man des Feuers vollständig Herr. Vor allem sei bemerkt, daß die unschätzbare königliche Kupferstichsammlung gerettet ist. Im übrigen aber sind die ungerichteten Zer- störungen und Verluste sehr groß. Zunächst wurden hievon betroffen die verschiedenen Atelier« der Historienmaler, die sich im obern Theile des Ständehauses be- fanden. Dahin gehören die Meister Molitor, Maßen, Ittenbach, Deger u. a. Betroffen und zerstört wurden ferner: das Sekretariat des rheinisch - westfälischen Kunstvereins, dessen Archiv mit sämmtlichen Schriftstücken, sämmtlichen Kupferstich- vorräthen, den vorhandenen Kupferplatten und Originalzeichnungen total verbrannte. Von Ateliers fielen ferner der Zerstörung anheim, die ver Meister Andreas Müller, Professor Keller und Roeting, von deren Inhalt sehr wenig gerettet werden konnte. Ganz besonders zu beklagen ist, daß ein für Zifflich bestimmtes großes Altar- gemälde, welches Andreas Müller vor vier Jahren begonnen und jetzt beinahe ganz vollendet hatte, ein Opfer der Flämmen geworden ist. Weiterhin ergriffen die Flammen, von Süden nach Norden gehend, den Flügel der Akademie, in dessen obern Etagen die Kupferstecherschule und die Landschafterclaffen sich befanden. Unter diesen Räumen lagen die großen Ateliers von Bendemann, Wislicenus u. a. Alle vorgenannten Theile und Räumlichkeiten sind bis auf den Grund ausge- brannt, so daß von der Akademie nur noch derjenige Theil steht, in welchem sich der AuSstcllungssaal befindet. Alle unter diesem Saale gelegenen Ateliers blieben verschont. Ebenso das Provinzialarchiv und die LandeSbibliothck, sowie die Räume, welche die Ramboux'sche Sammlung enthielten. Verschont blieben auch die augenblicklich im Ständesaal befindlichen, zur öffentlichen Verloosung bestimmten Gemälde des Künstler-Unterstützungsvereins, im Werthe von 40,000 Thlrn., und die Reste der ehemaligen kurfürstlichen Gallerie, unter welchen die Himmelfahrt Mariä von Rubens zu nennen ist. Diese Bilder der voretnst kurfürstlichen Gallerte waren zur Vornahme von Herstcllungsarbeiten von den Wänden herabgenommen, und im AuSstcllungssaal untergebracht. Aus den Leyrsälen und dem Conferenzsgale der Akademie konnte dagegen nur wenig gerettet werben. Die Bestürzung der Einwohnerschaft ist allgemein und groß. Zahlreiche Gruppen umstehen seit heute früh die Brandstätte, deren Trümmer zur Zeit, wo diese Zeilen geschrieben werden, Nachm. i Uhr, noch rauchen. Es ist ein ergreifender Anblick. TauberbischojSheim, 26. März. Für die Nachwahl eines Reichstagsabgeordneten an Stelle Ketteler'S ist von liberaler Seite Dr. Herth (Heidelberg) aufgestellt worden. Oesterreich. Ptsth. Es wird stark auf die Slavtsirung Oesterreichs hingearbeitet. Das Gestirn, unter welchem diese Umwandlung geschehen soll, ist Kossuth. Nachdem die äußerste Linke des ungarischen Abgeordnetenhauses sich unter diesem Namen, der jetzt die Allianz der Magyaren und Slaven repräsentirt, geschaart hat, erfährt man auch, daß die Ezechen von dem Einsiedler in Turin ihr Heil erwarten. So meldet jetzt die Pcsther „Reform", daß im Herbste 1871 die Czechensührer Skrej- sovszky, Gregr und SzladkovSzki, der Erstere nach Agram, die Letzteren über Turin nach Nizza reisten. Diese Reise wurde von dem Prager czechischen Comite beschlossen! Die Aufgabe SkrejsovSzky'S war es, sich mit einigen Führern der kroatischen Opposition in Verbindung zu setzen, während die zwei Mitglieder der jungczechischen Partei im Interesse des cisleithanischen Föderalismus mit Ludwig Kossuth confcriren sollten!" Da«, bemerkt „Reform", erklärt die Briefe Kossuth'S über das czechiiche Staatsrccht, wie nicht minder die gegenwärtige Haltung der czechischen Blätter zur Genüge. Mit diesem Auftreten der czechischen Presse beschäftigen sich „Naplo" und „Reform" auch in ihren Leitartikeln. „Nicht Kossuth oder die russische Invasion, sondern Kossuth und die russische Invasion", schreibt „Naplo". Die Czechen machen heute den Mann zu einem slavischen Apostel, der vor vierundzwanzig Jahren an der Spitze der ungarischen Nation einen Kampf auf Tod und Leben gegen die slavischen Stämme geführt. Der einzige Freund Mazzini'S und der polnischen Emigration glänzt heute neben Fadejew und den übrigen großen Männern an dem Himmel des Slavismus. Wie sich doch die Zeiten ändern. So lange der Dualismus besteht und Oesterreich mit Ungarn durch Stammes-und StaatS- intereffen eng verbunden ist, hat die Monarchie weder eine russische, noch sonst eine Invasion zu befürchten. Nur unter einer Anarchie, wie sie ein Experiment im Sinne der Kossuth'schcn Politik heraufbeschwören müßte, wäre eine Invasion möglich. Die Czechen müßten aber freilich dann statt der jetzigen die Losung aus- geben: „Kossuth und die russische Invasion". Frankreich. Paris, 23. März. Treue bonapartistische Wallfahrer, die aus Chiselhurst, wohin sie am 16. März gewesen waren, zurückgckommen, erzählen, daß der Kaiser nicht der Hoffnung, sondern der Gewißheit lebe, „demnächst" schon nach Frankreich zurückgerufen zu werden. Worauf sich diese „Gewißheit" stützt, ist freilich unerfindlich, obwohl in Frankreich ost da« Unwahrscheinlichste möglich zu sein pflegt. Sicher scheint wenigstens, daß man der Anwendung von Gewaltmitteln entsagte. Freilich ist diese Resignation doch nicht so gar alten Datums, denn wenn ich Indiskretionen Glauben schenken darf, die von wohlunterrichteter Seite stammen, so war noch erst am 22. December vorizen Jahres ein kleiner Staatsstreich durchaus kein Ding der vollen Unmöglichkeit. Einige Führer im Heere, handfest und actionsbereit, seien durch General Fleury gewonnen gewesen, und wenn schließlich der Plan verschoben werden mußte, so war nur der leidige Geldmangel allein daran schuld. Ob cs nun wahr ist, wie man erzählt, baß Na- poleon III. inzwischen ein großes Grundstück, das er in Newyork besessen, für 4,700,000 Dollars verkauft habe, um diesem Mangel abzuhelfen, vermag hier nicht festgestellt zu werden. Jedenfalls haben die Herren Rouher und Gavini bei einer neulichen Unterredung mit General Ciffey ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sie all' ihr Heil nur von einem Plebiöcit erwarten, das über kurz oder lang sich als unumgänglich erweisen werde. Paris, 23. März. Der Geburtstag des Kaisers von Deutschland wurde gestern von den Occupationstruppen in der angegebenen Weise feierlich begangen. Wie es in den vfficiellen Kreisen heißt, kam es nirgends zu bedauernswerthen Kundgebungen. Paris, 24. März. Die Angriffe auf Soldaten dauern in Paris und Umgegend fort. Mehrere Individuen, die sich dieselben zu Schulden kommen ließen, wurden verhaftet. — Gestern fand die erste Versammlung der Altkatholiken von Bordeaux statt. Dcr Professor des dortigen Lyceums, Laporte, hatte den Vorsitz; Beisitzende waren zwei Mitglieder des Gemcinderathes. Der Priester Iunqua hielt eine Vorlesung. Eine neukatholischer Priester, der sich zur Versammlung Zutritt verschafft harte und es sich herausnahm, Ianqua mit Schimpfreden zu überschütten, wurde, wenn auch auf ganz höfliche Weise, an die Thür gesetzt. — Bon den bekannten Schriftstellern Exckmann und Chartrian wird dieser Tage ein neues Buch erscheinen und den lächerlichen Titel führen: „Finis Germaniae“. Pasoeloup, der bekanntlich dem Pariser Schillerfest (1859), dessen musikalische Leitung ihm Meyerbeer verschaffte, seinen Ruf verdankt, zeigt sich den deutschen Musikern jetzt feindlicher denn je. Man darf dies demselben aber nicht zu sehr verübeln, da er alles aufbieten muß, damit man ihm seine Abkunft verzeiht. Er ist nämlich aus Sachsenhausen bei Frankfurt, wo sein Vater, ein jüdischer Händler, sich Wolffsprung nannte. Versailles, 25. März. Nationalversammlung. Bamberger bringt einen Antrag ein, welcher verlangt, daß die Entscheidungen des Untersuchungsraths über die Capitulationeu der Nationalversammlung vorgelegt und im „Journal officicl" veröffentlicht werden. Die Versammlung erklärt sich mit großer Majorität für die Dringlichkeit des Antrags. England. London, 25. März. Unterhaus. Der Schatzkanzler legt das Budget vor. Die Ausgaben sind auf 71,313,000 Pf. St., die Einnahmen auf 74,915,000 Pf. St. veranschlagt, mithin ein Ueberschuß von 3,602,000 Pf. St. Der Schatzkanzler schlägt eine Herabsetzung des EinzangSzolles für Kaffee und Cichorie, sowie der Accise für Cichorie um die Hälfte, eine Herabminderung der Einkommensteuer um 2 Pence und die Abschaffung der HauSsteuer für Speicher, Comptoire und Läden, deren IahreSmicthe unter 20 Pf. St. geschätzt ist, vor. Der Ueberschuß wird hierdurch auf 362,000 Pf. St. reducirt. Die Staatsschuld ist seit 1869 um 12,740.000 Pf. St. vermindert und beträgt 792,746,000 Pf. St. London, 25. März. Das Unterhaus nahm die Anträge Lowe's auf Herab- setzung der Cichorien-und Kaffeesteucr, sowie die Abschaffung der HauSsteuer, ohne Abstimmung an. London, 25. März. Das Unterhaus nahm die beantragte Verminderung der Einkommensteuer an. Die Steuer auf gemahlenen und gerösteten Kaffee wurde von 4 auf 2 Pence pro Pfund, die Steuer auf rohen Kaffee von 28 auf 14 Shilling, auf Cichorien von 26% auf 13% Shilling, die Accise auf Cichorien von 24% auf 12% Shilling pro Centner herabgesetzt. Rußland. Petersburg, 26. März. Die Kaiserin ist heute früh nach der Krim abgereist. Die „Petersburger Wiedern." sprechen sich in einem Leitartikel mit großer Entrüstung gegen die barbarischen ExecutionSmittel aus, welche noch immer zur Beitreibung rückständiger Steuern in Rußland in Anwendung gebracht werden, z. B.: „Das Gesetz gestattet den Gemeindegerichten, die Bauern wegen verspäteter Steuerzahlung mit Ruthen zu züchtigen. Dieses Gemeinderecht ist leider zur allgemeinen Praxis geworden, die auf Befehl der Behörden in der barbarischsten Weise geübt wird. So wurde unlängst im zwienigroder Kreise, im Gouvernement Moskau, ein Bauer, der dem Staate nur 6 Rubel Steuern schuldete, obwohl er krank im Bette lag, doch mit Gewalt herbeigeschleppt und so lange un- barmherzig mit Ruthen geschlagen, bis er bewußtlos da lag. Nach drei Tagen war er eine Leiche." Laut der „Nordd. Presse" ist in Odessa aus der dortigen Kathedrale daedelsteingeschmückte Marienbild abhanden gekommen und da man den Diebstahl natürlich gleich wieder den Juden in die Schuhe geschoben, der Pöbel in so erregter Stimmung, daß zur Osterzeit eine neue Judenhetze zu befürchten stehe, weß- halb die Behörden umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen hätten. Odessa, 18. März. Eine amtliche Bekanntmachung in Betreff des Diebstahls des wunderthätigen Heiligenbildes läßt das Ereignrß als sehr räthselhaft erscheinen. Die äußere Thür ist nicht beschädigt; die kleinen an dem Ikon befindlichen silbernen Heiligenbilder sind unbeschädigt. Die Aussagen des WächkerS sind wirr. Den jüdischen Hausbesitzern ist angeboten worden, die polizeiliche Aufsicht zu verstärken, im Falle das Heiligenbild irgendwo in ihre Häuser ober in die Nähe derselben hingeworfen werden sollte. Rumänien. Bucharest, 21. März. Aus Rumänisch-Beffarabien langen massenweise Deputationen und Petitionen um Vertreibung der Juden aus jenen LandeStheilea an. Die Presse unterstützt diese Agitation; die Regierung verhält sich rcservirt. (D. Z.) Amerika. Lima, 12. Jan. Die peruanische Armee zählt gegenwärtig einen Offizier in ihren Reihen, der Ritter von drei deutschen Orden ist. Herr Arevalo au» Mopobamba, der auf deutschen Kriegsschulen seine militärische Ausbildung erhielt, W wurde ’i« und Um, 'Honken von Vorsitz; 3unqua "rsaminlung upfreben zu r Schtzt. - M lagt ein Germaniae“. । musikalische ten deutschen nicht zu sehr verzeiht. Er cher Händler, bringt einen 'gSrathr übet urnalossieikl" Majorität für i Badget vor. 5,000 Ps. St. Schatzkansier it, sowie der nwensieuer um irr und Läden, berschutz wirb 7/ 1869 um 4 Herab» uösieuer, ohne kämpfte in dem Feldzüge von 1866 als Offizier in einem hessen-darmstädtischen Reiterregimente gegen Preußen und erhielt zur Erinnerung daran die hessische Kricgsdenkmünze. Im deutsch-französischen Kriege nahm er zuerst mit der 25. Division an den Kämpfen bei Metz, dann mit der 22. an den Loire-Schlachtcn Theil und errang sich, mehrfach verwundet, durch Muth und Tapferkeit das Eiserne Kreuz und den Orden der Wendischen Krone. Nach der Rückkehr in sein Later- land trat er in die peruanische Armee ein und erhielt vom Präsidenten Balta die Ernennung zum Aide de camp mit CapitänSrang. Als decnstlhuender Ofi^zicr hatte Arevalo am Neujahrstage das diplomatische Eorps in dem Vorzimmer des Präsidenten zu empfangen, allwo der Vertreter Frankreichs es nicht über sich gewinnen formte, den Gruß des Aide de camp zu erwiedern, sondern ihn grimmig ignorirte. Börse «berichte. Frankfurt a. 9)1., 26. Mälz. Der morgige Ultimo- drückte heule schon schwer auf dir Börse, namentlich übte er einen niederschlagenden Einfluß auf das Geschäft in Bankwerthen, in Schmiedeeiserne Träger bei Bauten. Die Berliner BaugewerkS-Zcltung macht darauf aufmerksam, daß noch vielfach gußeiserne Träger bei Bauten verwendet werden, obgleich sie sich viel theurer stellen, als schniiedeeiserne Träger, da die Baupolizei pro Ouadratzoll nur 35> Centn er Belastung gestatte bei Gußeisen, dagegen 100 Centner bei Schmiedeeisen. Da aber der niedrigste Preis für Gußeisen 4 -ficherteS ist, anderntheilS dasselbe den Klee als Grünfulter vollkommen zu ersetzen vermag. Hierdurch wird eö auch den Landwirthen ermöglicht, ein größeres Kleequantum als bisher zu gewinnen, wodurch im Hinblick auf die Lahmlegung der Brennereien für die Winterfuttermischung «in weit günstigeres Nährstoffverhältniß erzielt wird, als dieö ohnedies der Fall ist. Stand des Weinstocks. Die Befürchtungen, die mau in Betreff der Beschädigung des Weinstocks durch den Frost gehegt hat, waren geringer als der Schaden, den man gegen wärtig gelegentlich deö Schnittes wahrnimmt. Zwar läßt sich die ganze Tragweite der strengen Frosteinwirkimg erst ermessen, wenn die Saftbewegung beginnt, die Augen zum Treiben kommen, aber immerhin vermag der kundige Winzer jetzt schon zu ermessen^ daß der Frostschaden groß, sehr groß ist. Es fehlt zwar nicht an Stimmen, die behaupten, der Schaden werde größer geschildert, als er sei; auch fehlt eS nicht an Lagen, die allerdings gar nicht gelitten haben; allein wenn man die auf die Beobachtung gestützten Ansichten ganz zuverlässiger Winzer vergleicht, so kann man sich doch der Ueberzeugung nicht erwehren, daß ganz wunderbare Verhältnisse eintreten müssen, wenn man in dem Glauben an eine einigermaßen befriedigende Entwickelung deS Weinstocks bestärkt werden sollte. Wohl mögen Manche glauben, daß das fortwährende Steigen der Weinpreise künstlich geschraubt sei; wer aber mit Aufmerksamkeit bk Ibthellc der Winzer aus den verschiedenen Gegenden beachtet, dem wird eS zweifellos sein daß die aufsteinnden Bewegungen der Weinpreise mehr als vorübergehende Conjunctur sind. — Bei dem Schnitte in den durch den Frost beschädigten Lagen ist Heuer mehr der Schwerpunkt auf die Holz- als auf die Traubenzucht USrsennachrlcliteß. 26. März 1872. Preusfl. 4% °/u Oblig. — Frankf. 3%o/o Obi. 89 Naas. 4%% Ob). 993/4 Kurhcss. 4% „ 94 >/2 Gr. liess. 5% Obi. 1033/4 » n <% n 97% , n 3Wo n 92% Bayer. 5% „ lOtt'/s n 4%% 1jährige 100 n 4% Ijährigo 95 Wtirtemb. 41/2% Obi. 99% Baden 41/2% Obi. 0. E. L. 997/e Oesterr. Silberrente 64% „ Papierrente 59 Spanier, nenest. 30/0 31 Amerik. Bonds 1881 r 100% „ n 1882r 957/g „ n 1885t 971/4 _n_____„ 1887t - __ Aetlen. Frankf. Bank 144 >/4 Frankf. Vereins-Kasse 148 Darmst. Bankaot. 48.» Wien Bankactlen 882 Oest. Creditact. 368% Galizien — Aetlen. 50/0 östr. F. St. E. B. 412 Lombard. Bahn 220 Lndwigsh.-Bexbaoh 207 Maxbahn — Bayer. Ostbahn ISOVa Rhein-Nahebahn-Aot. — Hess. Ludwigsb.-Aot. 192 */2 Überliessen n 86% Prioritäten. 3O/o oster. Stsb.-Prior. 60 3% Öst. s. Lombard 51 % 3% Livorneser 40% 5O/o Tosoaner 61% 5% Elisabeth.-Prior. 84% do. II. Endes. 83% Anlehien*loo*e. Kurh. 40 Thlr. Loose 72% Nassau 25 fl. 45% Brauneohweiger 21 3% Oldenburg, ä 4OThlr. 40 40/o bayr. Präm.-Anl. 113% Ansbacher 7 fl. 13% 4O/o badische Loose 114% Badische fl. 35 Loose 70% Oestr. fl. 250 v. 1854 84% 1858r Prioritätsloose — 1860r Loose 92% 1864r n — Stadt Florenz 86 Weeliwel. Amsterdam k. S. 98% Augsburg k. 8. 99% Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 96% Brüssel k. 8. 93% Hamburg k. 8. 87% Leipzig k. S. 105 London k. 8. 118% Lyon k. 8. 93% Paris k. 8. 93% Wien k. 8. 105% ditto m. 8. — ditto 1. 8. 105% Disconto 3% % GeldNorten. fl. kr. Pr.Friedrdor 9 57—58 Pistolen . . 9 40—42 „ doppelte 9 40—42 Holl. fl. lOSt. 9 53-55 Ducaten . . 5 32—34 20 Frankens!. 9 20%—21% Engi. Soven 11 47—49 Rnss. Imper. 9 40 42 Dollar in Gold 3 25%—26% Frankfurt a. M. — Neben einer großen Anzahl der rcnominirtesten in - und ausländischen Zeitungen, als deren bedeutendste, hinsichtlich der Verbreitung, wohl der Kladderadatsch genannt werden darf, ist neuerdings der seit langen Jahren in Frankfurt a. M. erscheinende „Frankfurter Beobachter" in den Annoncen-Pacht der in Frankfurt a. M- doinicilirten, allgemein bekannten Firma Rudolf Mosse übergegangen. Es darf dieses als neues Aeguivalent für das der genannten Firma allgemein entgegengetragene Vertrauen bezeichnet werden. DU legen. 8trillint>esU0g \W- Mdt on 2% U aas (Sidjww du Ädm * fd mH grchl l'Mtk |Uf lvtrdti» \tn wrfpatdti tlücr jur all' barbakisltßra m GoüvttlN» ob' jo W w ch vlü Tag'" fibtl i” l° ttn i* * bei (T. 3-) Allgemeiner Anzeiger MALZ - PRÄPARATE