Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn- Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags. Expedition: Canzleiber Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen. Ne. 73. Montag den 25. März ”1872. wir etwa hoffen dürfen. Nachdem Hr. v. Döllinger in den sechs vorausgegangenen Vorträgen die Geschichte der Spaltungen der christlichen Kirche erzählt und die Unterschüde der Lehre und Organisation zwischen den verschiedenen Bekenniniffen entwickelt hatte, kam er in seinem am 20. März gehaltenen Vortrage zum Schluß, indem er an den bisherigen Resultaten die Aussichten einer fünf-- Stößen sie vollends stürzte. Sie sehen, wir dürfen das Schicksal der vaticanischen Dccrete den Händen dieses Ordens wohl überlassen, um so williger es ihm überlassen, als er Vaterpflichten an diesen Decreten zu erfüllen hat; denn er ist es, wie leb schon vorhin erklärte, der diese Deckte erdacht, entworfen und aukgefeilt hat, wenn auch unter der Beihülfe von zwei oder drei Bischöfen. Dollinger über die Wiedervereinigung der christlichen Kirchen. VII. Europa mit Ausnahme der Türkei ist, und, in Ermangelung einer eigenen gesunden Literatur, von fremder, französischer, und der schlechtesten französischen, sich nähet. Wohl mochte zur Zeit der Aufhebung dcö Ordens ein spanischer Diplomat in Rom äußern: „Die Jesuiten find für uns Spanier der Wurm, der unsere Eingeweide zernagt." Und waö haben sie in Deutschland Doch ich wende mich gern jetzt zu den Freunden unserer Sacke, zu denen, welche schon vor mir für sie Zeugniß abgelegt haben, zu denen auf deren Mitwirkung oder Entgegenkommen Auö der jüngsten Zeit liegen drei Schriften vor, welche sich mit der Frage der Kirchenvereinigung befassen. Sie haben alle drei meins Hoffnung genährt, meinen Muth gestärkt, denn sie geben Zeugniß, daß in Deutschland wie in England die Zahl der Unionsfreunde jetzt sckon nicht gering und noch im Wachsen begriffen ist. Ter Verfasser der einen dieser Schriften: „Pax vobis, die kirchliche Wiedervereinigung historisch-pragmatisch beleuchtet von einem Protestanten", der sich nicht genannt bat — die Schrift ist 1863 erschienen — ist, wie mir berichtet wurde, ein angesehener Geistlicher in Franken. Er schildert in grellen Farben die großen kaum zu überwindenden Schwierigkeiten, welche bei jedem Schritt auf der Bahn der Union sich darstellen; die gegenwärtige Zeit scheint ihm weder fähig noch berufen, ein solches Werk des Segens zu vollbringen. Aber, meint er, die Vorarbeit zu einem Werk solcher Art soll sie unternehmen, sie soll, was irgendwie als Hinderniß der Einigung sich erweist, nach Kräften beseitigen, und er verhehlt sich nicht, daß der Kampf um die Eristenz, welchen beide Kirchen gegen die riesenhaft empor- strebendrn Mächte des Unglaubens und der Zerstörung werden führen müssen, nur mit verernten Kräften von den Kirchen wird bestanden werden können. Die zweite Schrift, von dem Berliner Prediger Friedrich Wilhelm Schulze, betitelt: „Ueber romanisirende Tendenzen, ein Wort zum Frieden", ist erst jüngst in Berlin 1870 erschienen. Diese Schrift eines protestantischen Theologen geht in der Billigung und Anerkennung katholischer Lehren so weit, daß man beinahe sagen möchte: wenn dieß der Ausdruck einer überwiegenden Mehrheit in der deutsch protestantischen Kirche wäre, dann wäre das schwere Werk der Vereinigung für Deutschland zu vier Fünstheilen bereits gelhan. Vereinzelt steht diese Schrift jedenfalls nicht, das ergibt sich schon daraus, daß die Berliner evangelische Kirchenzeitung, ein angesehenes und verbreitetes Blatt, den Inhalt dieser Schrift mitgetheilt und vollständig gebilligt hat. Die dritte Schrift ist von Pusey in England, und ihre Ansichten werden im wesentlichen von tausend geistlichen und weltlichen Gliedern der - . Diese Schrift gebt noch weiter als die von Schulze. Der bc- ligen Union in folgender Weise abwog: „Hochverehrte Versammlung! Ich habe angekündigt, daß ich in diesem meinem letzten Dortroge noch von den Aussichten reden wolle, welche die Sache, mit der wir uns bisher beschäftigt haben, die Frage von der Trennung und Vereinigung der Kirchen in der Gegenwart und der nächsten Zukunft, habe. Die Einwürfe gegen die Möglichkeit der Sache liegen hier so nahe und dränge» fick so von selbst auf, daß ich gleich bannt beginnen muß, wenigstens den einen oder den anderen Einwurf, der am nächsten sich darbietct, wo möglich zu > eseitigen. Man wird vor allem nämlich mir wohl sagen: Tu redest von einer möglichen Wiedervereinigung getrennter Kirchen, und du hast doch selber zugegeben, daß die größte der Kirchen, die deinige, durch die ..o r „ ._ . , . „ Decrete des 18. Juli 1870 eine Einigung mit ibr unmöglich gemacht habe. Allerdings, wüide unsern Tagen vollzogen worden ist. Blicken wir nach Böhmen! Böhmen ist lange der Obsorge m— R-~ unj) Pfiege deö Jesuitenordens übergeben gewesen, aber was baden sie aus diesem Lande gemacht. Eie haben dix ganze ältere tschechische Literatur vernichtet, sie haben eS dahin gebracht, daß fast der gesammte böhmische Adel durch Hinrichtung, Verbannung und ConfiScation in seiner Eristenz zerstört, daß drcißic tausend Familien auSgetrieben wurden, daß die böhmische Verfassung gebrochen ward, und jetzt ist die CadmuSsaat der Drachenzähne, welche der Orden Loyola'S dort in Böhmen auSgesäet hat, aufgegangen, und wenn in dem Kampfe der beiden Nationalitäten, der tschechischen und der deutschen, dort kein Friede und keine Vermittlung zu finden ist, so tragen die Thaten deS siebenzebnten Jahrhunderts und die inellectuellen Urheber dieser Thaten die Schuld davon. Wie der Orden in den deutschen geistlichen Staaten gewirkt hat, das mag man an den Zuständen deS Kurstaates Köln ersehen, wie sie Perthes kürzlich in seinem Werk anschaulich geschildert hat. Dort war fast zweihundert Jabre lang, da sie die Beichtväter der Kurfürsten immer waren, alleS ihrer Leitung und ihrem Einfluß untergeben. In England find die Geset'icke der Katholiken über ein Jahrhundert lang durch den Einfluß der Jesuiten in Rom, und durch den Haß und Abscheu, den sie in der Hrimalh erregten, bestimmt worden, und wir haben irr der vorigen Stunde gesehen, welche Bergeslast deS Unbeils und der Bedrückung sie auf die Sckultern ihrer unglücklichen Glaubensgenossen auf jener Insel gewälzt haben. In Sckweden wollten die Jesuiten, mittelst einer Liturgie, welche sie dem Klerus aufzwangen und mit Hülfe der von ihnen geleiteten Könige, des Königs Johann und des Königs Sigismund, d.n KatholiciSmuS wieder einführen. Sigismund verlor darüber den Thron, und sie selber wurden für immer auSgetrieben. In Rußland unternahmen sie etwas später durch ihr Werkzeug, den falschen Demetrius, polnischen Einfluß und Unterwerfung deS Reiches und Volkes unter den römischen Stuhl zu erreichen; aber ihr Proselyt und Schützling Dimitri wurde erschlagen, und sie mußten aus Rußland entweichen. In Polen haben sie lange Zeit die Könige, den hohen Klerus, den Adel behezrscht und geleitet, und Polen ist darüber zu Grunde gegangen. In Portugal hatten sie im 16. Jahrhundert den König Sebastian völlig in ihren Händen;, er hat darüber in Afrika in Folge eines von religiösem Enthusiasmus eingegebenen thörichten Feldzuges sein Leben und sein Heer verloren, und hat damit Portugal in einen Abgrund von Unheil und Verfall gestürzt, aus dem es nie wieder zu früherer Blüthe sich zu erheben vermocht hat. Dann haben die Jesuiten die spanische Herrsci aft über Portugal gepflegt und gefördert, und auch diese ist bald gefallen, und da sie nachher wieder in Portugal mächtig wurden durch die ihrer Eeelenleitung untergebenen Monarchen, so ist das Land durch eine klägliche Mißregierung in einen Verfall gerathen, der noch immer nachwirkt. In Frankreich waren die Jesuiten die Gewissens- räthe der Bourbonen, ihre Beichtkinder, der XIV. und XV. Ludwig, haben das Schicksal der Dynastie- und die Revolution der Nation vorbereitet, und man darf sagen, unabwendbar gemacht, denn der tiefe Verfall deS Landes, die Verwahrlosung des größten TheileS der französischen Nation und die vom Hof aus verbreitete Sittenlosigkeit, das find vie Ursachen, welcke den ersten großen Umwälzungen in Frankreich den zerstörenden Eharacter aufgedrückt hab.n — einen Charakter der Zerstörung, welcher Frankreich zu genesen bis heute verhindert hat. Und hier muß ich selbst von der französischen Kirche sagen, daß die Jesuiten eS waren, welche während ihrer durch das königliche Patronat über sie geübten Herrschaft diese Kirche verwüsteten und entgeistigten, so daß die ehedem so ruhmvoll dastehende französische Kirche im 18. Jahrhundert so kraftlos dem Voltairia- nismus gegenüberstand und so schon im Zerfall begriffen war, daß die Revolution mit wenigeu gewirkt? Der deutschen Nation haben sie den 30jährigen Krieg mit seinen Folgen gebracht; der katholische Theil Deutschlands schuldet ihnen den Verfall seiner Schulen, das dadurch bedingte Zurückbleiben seiner Bildung und seine lange geistige Unfruchtbarkeit. Sie sind eS, welcke das alte deutsche Reich und das katholische Kaiserthum vollends untergraben und den Fall desselben vorbereitet haben; alö die alles vermögenden Gewissenöräthe der Habsburger, deS zweiten und dritten Ferdinand, und des ersten Kaisers Leopold haben sie auf ihren Gewissen die Vernichtung der ständischen Freiheiteu, die Durchführung deS Absolutismus, die Unterdrückung und Austreibung der Protestanten, jene ganze Aussaat eines unauslöschlichen Hasses, welchen das Haus Habsburg im protestantischen Deutschland ehedem ausgestreut hat, und unter ihrem Einfluß wurden in den österreichischen Erbländern jene geistigen Quarantänen gezogen, durch welche die österreichischen Staaten vom übrigen Deutschland vollständig getrennt, der deutschen Geistesbildung entfremdet wurden, und so j.ne Schulung und Ausschließung Oesterreichs herbeigeführt ward, welche in ' ~ " u - !A. Blicken wir nach Böhmen! Böhmen ist lange der Obsorge ich darauf erwiedern, wird keine andere Kirche an eine Vereinigung denken mit einer Genossen- , schäft, welche sich das vorher in der ganzen christlichen Welt nie erhörte und nie beanspruchte . Reckt beilegt, neue Glaubensartikel zu machen, und welcke dieses Reckt noch dazu dem Gutdünken ; eines einzigen Menschen überläßt. Schon darum wird keine andere Kirche daran denken, weil mit einer so völlig despotisch constiluirt.n Kirche überhaupt eine Vereinigung nicht stattfinden kann, sondern da nur eine unbedingte Unterwerfung und eine Verrichtung auf alles eigene Wissen , und Urtheil möglich ist, und auch darum, weil der Gedanke sich jetzt sckon zum Voraus zur Annahme erst künftiger noch zu rechtfertigender und jetzt noch ganz unbekannter und unerrathbarer - Glaubensartikel zu verpflichten, den christlichen Grundbegriffen widerspricht. Tenn wir sollen ja noch nicht ganz am Ende deö neu verfertigten Glaubensartikels sein, künftige neue sind ja noch 1 In Aussicht gestellt, nur daß natürlich Niemand noch sagen kann, welches denn diese etwa sein möchten. Wenn nun eine große Veränderung durchgeführt, wenn eine Umgestaltung einer großen Institution vollbracht, eine neue Lehre eingebürgert werden soll, wie eS hier der Fall ist, dann fragt eS sich doch vor ollem: auf welcher Seite wird dann die jüngere Generation, wird das Heranwachsende Geschickt stehen? Denn nicht den Alten, sondern den Jungen gehört die Zukunft. ES fragt sich demnach: werden denn wirklich unsere Knaben und Jünglinge sich in diese neuen Glaubensartikel hinenliben, werden sie, wie man eS ihnen jetzt vorfagt, dieselben zum Fundament ihres Glaubens macken; zum Fundament, mit welchem für sie künstighin das ganze Ehristenthum steht und fällt, werden sie wirklich sich sagen: mein unfehlbarer Meister, mein rechter Herr und Gebieter, dem ich mit Leib und Seele unterthan bin, ist jener italienische Priester, den man Papst nennt. Ich halte das sür unmöglich. Es ist sckon darum unbenfbuv, weil unsere ganze Erziehung unb Bildung in Deutschland eine geschichtliche ist, und weil die Geschichte auf jedem ihrer Blätter dieses System des geistlichen Absolutismus Lügen stralt, weil bei dem jetzigen Stand und der weiteren Verbreitung der geschichtlichen Kenntnisse in Deutschland unsere Jugend unvermeidlich die Enideckung machen wird, daß dieses neue Dogma der päpstlichen Allgewalt ein späteres Erzeugniß und ein Erzeugniß des Trugcs und dt«Wd “ b,ch »Iti Jn p^gt ti 1" ®w« °’a< V'riitf.- ' in ber 41 uno 1546 befennta, lltf- ’Ünmai «rikchische n er mit der n Toncorditn- i8' f» wie fix Der Wibrr- r froteftaati: i ailhllgrbrL itflitung btr in bet §ad}t iuzrhtk, toQ8 luf btn trften l!> twum kein ötthdjei itheten ßlttut Gemeinschaft enf, auf pro- " mm t bem MU beruf pt Ehe- tjebmen Anlage öom heil. >g des Kelch,- ’f und.ffritgt mmefunq bei 'niche Kirche, kdenfM also : nschast nicht beutllch, wie Ptateitantischk c nut Himmel oMung ver- - Zweifels am antiken Theo- LLnterunzsjiu um btr Leben- Itimfäe Kirche -n Keilers als feinen Wnüofi fit, welche in ttche um btn jte betrifft, so .inroirfung auf iMt einer M tiiwsuv.- bie W i® 3n b-.l baV be, bu W-nit gemeinen Vkichi ;itet M tfif itt »ieter F |(a, »ul' d idiza cht anßcheki, s« btn ein Äorjug araötyM nur ib eine zauber- einanbet uayer li-den Dttbrn- in seiner Ülb'k t immer mehr iirthdifeit