29. 31. Januar Januar 36 kr. ftnb Maten 'M 8 Uhr, Preis vierteljährig 1 fl. 12 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr. Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags. Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. 20. Dienstag den 23. Januar 1S72. Bestellungen auf den Gießener Anzeiger 8, w-!ch° dis >r schöuftn und g«l, bl-ibende ! und manches in einuiülhiger tntionaltenfmal in mwidersteh- , nun Deutschen es treite Schau n hinüberrecht. 'iS auf den W mch dem ÄW •iss <^Xw i ,-wl; ab« fc'ra"fTn'w 11,1 ebiel* gb.lf rik- Deutschland. Darmstadt, 20. Jan. lieber den Antrag des Abgeordneten Hallwachs, die Gehaltsaufbesserung der Beamten der Main-Neüar-Bahn betreffend, primär dahin gehend: Großh. Regierung um eine alsbaldige Vorlage zu ersuchen, durch welche die Gehalte der hessischen Beamten der Main Neckar-Bahn, unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Anstregungen ihres Dienstes, aus hessischen Staatsmitteln angemessen erhöht werden; eventuell mit der Königlich preußischen und Großherzog' i-ch badischen Negierung wegen Erhöhung der Gehalte sämmtlicher Beamten und Bediensteten in Unterhandlung zu treten und dabei 4h^r>lichst »Avauf ErbaH l zu sein, daß diese Gehaltserhöhung nicht unter dem Maße der den übrigen hessischen Staatsbeamten verwilltgt werdenden Gehaltserhöhungen bleiben möge, hat der Abgeordnete Goldmann Bericht erstattet und beantragt der Ausschuß: den primären Antrag des Abg. Hallwachs abzulehnen, dagegen den eventuellen Antrag anzunehmen. Mainz, 18. Januar. Die Regierung hat ein neues Gemeindkgesetz aus- ardetten lassen. Aus Veranlassung des Gemeinderaths der Residenz hat in Folge dessen ein sogenannter „Städtetag", aus Delegrrten der Gemeinderathe der neun Städte des Großherzogthums bestehend, ebenfalls ein neues Gemeindegesetz auS- gearbeitet, welches dem Plenum der Gemeinderälhe tzer Städte zur Begutachtung und Beschlußfassung vvrgelegt und demnächst der Regierung zur Rücksichtnahme überreicht werden soll. Die Grundzüge dieser jetzt doch bekannt gewordenen „Städteordnung" sind im Wesentlichen: 1) Selbstverwaltung, beschränkt nur durch unerläßlich der Staatsiegierung zukomnunde Rechte der Oberaufsicht und Genehmigung von Immobilien-Erwerbungen oder Veräußerungen und Anlehen rc.; 2) Ausführung dieser Verwaltung durch einen aus einem besoldeten Ortsvorsiand, Bürgermeister und Beigeordnete, und einer Gemeindevertretung, welche erstere aus sich wählen soll. Außer den gewöhnlichen Organisationsbefugnissen, Anstellung der Gemeindebeamten, Anlage von Gemeindesteuern u. s. w. sollen den Gemeinden die OrtSpolizei im ganzen Umsang, die Organisation des Ortsschulwesens, Aus' stellvng des Lehrplanes und Ernennung diS Vorstandes zustehen. In Differenz- fällen zwischen Gemeinde- und Oberaulsichtsbehörde soll der RecurS an einen aus sieben Mitgliedern der städtischen Verwaltungen gebildeten Städterath gehen, dessen Gutachten dann der Entscheidung eines collegialischen Obergerichts zur Grunclage dienen soll. In der bisherigen Agitation gegen den alten Zustand war es neben der Forderung einer größeren Selbstständigkeit der Gemeinden auch die des freien allgemeinen direkten Wahlrechts. Während die alte Gemeindeordnung, welche neben dem angeborenen Ortsbürgerrecht für die Aufnahme in den Bürgerverband nur die Vorschrift hatte, daß der Auszunehmende sich rechtlich zu ernähren im Stande sei, allen Ortsbürgern ein gleiches Stimmrecht zuerkannte, dagegen die passive Wählbarkeit dahin beschränkte, daß ein Drittel des Gemeinderaths aus der höchstbesteuerten Hälfte der Wählbaren genommen werden mußte, verlangt jener neue Entwurf in so fern die Beibehaltung des Klaffenwahlsystems, als ein „allgemeines, jedoch den Brsitzverhältniffen entsprechendes Wahlsystem" wohl nur auf nach der Besteuerung der Wähler gebildeten Abthetlungsverhältniß beruhen kann, wenn man nicht eine Wahl nach wirklichen Besitzklaffen will. Die Regierung ist in ihrem Entwürfe dagegen zu der Einrichtung der alten Gemeindeordnung zurückgekehrt. (K. Z.) Mainz, 22. Jan. Die Betheiligung an der wegen Abschaffung der Wein- steuer, Zapsgebühr und Kellercontrole auf kommenden Montag den 29. I. Mts., Vormittags 10 Uhr, hierher berufenen Versammlung der Wirthe und Weinyändler des Großherzogthums scheint eine solche Theilnahme zu finden, daß die Versammlung nicht im PorSberger'schen Locale, sondern im großen Saale des Frank- für ter Hoses abgehalten werden wird. Aus Der Provinz Rheinhessen wird die Theilnahme natürlich am stärksten fein , die Wichtigkeit der Sache aber laßt hoffen, daß die bereits von Gießen u. s. w. erfolgten Zusagen nicht verringert bleiben und die oberhessischen Weinorte sich, wenn auch durch Delegirte, vollständig an Der Sache betheiligen werden. Die Wirthe und Weinhändlcr Starkenburgs nehmen an den diesmaligen Bemühungen erfreulich gestiegenen Antheil. Diese erste Versammlung ist der Organisation wegen 'die wichtigste, und wird von den rheinhessischen Abgeordneten und den Mitgliedern des ständischen Finanzausschusses besucht sein. Berlin, 20. Januar. Der „Magd. Ztg." wild von hier geschrieben: Steht Falk noch in Rede? Die Abgeordnetrn sind fest überzeugt, es werde kein Anderer an Mühler's Stelle kommen. Inzwischen haben wir gar keinen Cultus- Minister; schon mehrere Tage wahtt das Provisorium, welches freilich besser ist, alv oas znryfmr MUyier; aoer nur sri-l«» bleibt ?a doch, daß, zumal wahrend der Landtagsscssion, ein Portefeuille vacanr sein funn. 2^™ all S Bangen in schwebender Pein vergessen, wenn die Neubesetzung gut ausfällt. Käme ein Mann an's Ruder, welcher nicht Falk hieße oder wie Falk geartet wäre, die Enttäuschung des Publikums und Der Kammer würde immens sein. Alle sind eben schon darauf vorbereitet, daß endlich mit einem tüchtigen Manne umfängliche Reformen werden in'S Leben treten. Falk ist BiSmarck'S Candidat, des einflußreichsten Ministers in Preußen und Deutschland. Man ist sehr neugierig, ob Der Kanzler, welcher das deutsche Reich zu Stande gebracht hat, auch ein Ministerium Falk zu Stande bringen wird. Die bisherigen Vorverhandlungen sind äußerst lehrreich für Den, welcher späterhin eine Geschichte des preußischen Verfassungslebens schreiben wird. Berlin, 20. Jan. Gestern Abend hat Se. Majestät der Kaiser das Ernennungs-Dekret des Geheimen Ober-Justizraths Falk zum Cultusminister unterzeichnet. (Berl. Tagebl.) Berlin, 20. Januar. Die Vorgänge in Versailles machen ein begreifliches Aufsehen. Herr Thiers wird schließlich wohl bleiben und die Schwierigkeit durch einen Kompromiß umgangen werden. Aber gestärkt wird der Präsident der Republik jedenfalls aus dieser Krisis nicht hervorgehen. An und für sich ist es eine cigenthümliche Erscheinung, die auch ihre Gefahren in sich birgt, daß der Präsident, der die höchste Stellung im Lande einnimmt, zugleich erster Minister ist und diese ministerielle Existenz bei einer Steuerfrage auf'S Spiel setzt. Vielleicht wird Die bei dieser Gelegenheit gemachte Erfahrung ihre guten Früchte tragen und Herrn Thiers zu etwas größerer'Vorsicht veranlassen. Es wäre übrigens aus naheliegenden Gründen kein günstiges Resultat, wenn der an und für sich wün- schenswerthe Ausgleich zwischen Thiers und der Nationalversammlung darin bestehen sollte, daß der Präsident in der Steuerfrage und die Versammlung in der Angelegenheit des Kriegsbudgets nachgeben sollte. Man sieht dem weiteren Verlauf mit Spannung entgegen. Berlin, 20. Januar. Mit begreiflicher Spannung fragt man besonders in parlamentarischen Kreisen nach dem Fortgang der Krisis im CultuSministerium. Neues liegt aber gar nicht vor. Fürst Bismarck ist auf die Jagd gefahren. Erörterungen und Verhandlungen über die Neubesetzung des Cultusministeriums finden daher im Augenblicke nicht statt. Bemerkenswerth sind die Aeußerungen Der officiöfen Korrespondenzen, wonach Geheimrath Falk ein Programm oder dergleichen nicht vorgelegt hätte, der Rücktritt Mühler's aber keineswegs durch das Unterrichtsgesetz, sondern „durch Acte von Allerböchsier Seite erfolgt sei, welche seine Demission zur Nothwendigkett machten". Solche Angaben würden den bisher allgemein angezwcifelten Gerüchten Recht geben, welche von Differenzen wegen Leit ng Der Kunstangelegenheiten wissen wollten. Im Abgeordnetenhause deutet man die Verzögerung dahin, daß am Ende Erwägungen über Theilung des bisherigen Resorts des Cultusministeriums in den Vordergrund getreten seien. Die Abzweigung der Kirchenangelegenheiten an das Justizministerium und die Ernennung nur eines Unterrichtsministers soll allerdings den Wünschen des Fürsten Bismarck nicht fern liegen; einstweilen liegt aber nicht der mindeste Anhalt vor, eine solche Entscheidung erwarten zu lassen. Berlin, 21. Jan. Die „N. A. Ztg." enthält an hervorragender Stelle Folgendes: Die „Brazil and River Plate Mail" gibt sich Besorgnissen in Betreff Oer Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien hin, welche, wenn auch die deutsche Presse sie nicht mehr theilt, bündig und unzweideutig widerlegt sein wollen. Die Beziehungen beider Lander sind so freundlich, wie sie je gewesen. Der Zwischenfall, welcher eine Trübung hätte herbeisühren können, ist durch das Entgegenkommen der kaiserlich brasilianischen Regierung in einer Weise erledigt, die nur die Erinnerung an dieses entgegenkommende Verhalten zurückgelassen hat. Daher wird die in Aussicht stehende UebungSfahrt unserer Schiffe, selbst wenn sie eine Richtung nach den brasilianischen Gewässern einschlüge, des demonstrativen oder gar feindlichen Charakters, welchen die „Brazil and River Plate Mail" darin erblickt, durchaus entrathen. Von irgend welcher Verstimmung gegen Bra- silien kann, wie wiederholt zu versichern i|t, keine Rede sein. München, 18. Jan. Der „A. A. Z." wird von hier gemeldet: Dem Ver- nehmen nach hat der deutsche Kaiser Sr. Majestät dem König die Kette des Schwarzen Adlerordens, begleitet von einem eigenhändigen Schreiben, verliehen. Aus Dresden, 17. Jan., wird der Wiener „Pr." telegraphisch gemeldet: Auf Grund der während der socialdemokratischen Lanvesversammlung gesammelten Erfahrungen hat die Regierung die Auflösung sämmtiichcr in Sachsen bestehenden internationalen Gewerkegenossenschaften (Chemnitz, Mittweida, Crimmitschau, Lim- bad), Rottluff, Altendorf, Ober- und Rieder-Radenstein rc.) verfügt. Oesterreich. Wien, 19. Januar. Die „Wiener Zeitung" schreibt: Die glückliche, durch eigene Entschlossenheit und Geistesgegenwart erfolgte Lebensrettung Sr. Majestät des Kaisers von Rußlanv aus der drohenden Gefahr hat Sr. Majestät dem Kaiser und König Veranlassung geboten, den warmen Ausdruck Allerhöchstsciner Theilnahme sofort im telegraphischen Wege zur Kenntniß Sr. Maj. des Kaisers von Ruhiand zu bringen, (s. unter Rußlanv Petersburg.) Die Kaiserin ist an der Grippe erkrankt. Wien, 22. Jan. Grillparzer ist gestorben. Pesch, 18. Jan. Im ungarischen Reichstage wurde am 13. Januar von dem Adg. Majoros ein Gesetzentwurf über die politische Emancipation der Frauen eingebracht; derselbe lautet: 1. Die dem weiblichen Geschlecht Angehörigen, die in diesem Lande geboren oder hier naturalistrt wurden, sind ohne Ausnahme im Genüsse aller Politiken Rechte dm Männern gleichgestellt. §.2. Alle bisher bestandenen Gesetze, die den Frauen die Ausübung bürgerlicher und politischer Rechte verbieten, werden hiermit außer Kraft gesetzt. §. 3. Mit dem Vollzüge dieses Gesetzes wird der Justiz-Minister betraut. Das Haus beschloß, diesen Gesetzentwurf in Druck legen und vertheilen zu lassen. Graz, 17. Jan. Eine kaiserliche Entschließung ordnet an, daß der Fam-lle des ermordeten Bürgermeisters Hangt von Stainz das demselben verliehene goldene Verdienstkreuz mit der Krone ohne Vergütung des Werlhes der Decoration belassen werde. Frankreich. Variä 18. Januar- w« vcuqajcn övivuuu ln rUNeVille —rrnnnuei ycu, ist in EhalonS für Saone verhaftet worden. Er wollte dort übernachten und am nächsten Tage nach der Schweiz abreisen. Widerstand leistete er nicht und läugnete auch sein Verbrechen nicht, das er aus Patriotismus begangen haben will. In einer Eingabe, die er an den Präsidenten der Republik gerichtet, bittet er, bei dem Urtheile mildernde Umstände gelten zu lassen. — Die Commission, welche die Ursache des Aufstandes vom 18. März zu untersuchen hat, ist damit fertig. Der Berichterstatter ist der Marquis de la Rochetoulon. Thiers wird in dem Berichte, welcher der Oeffentlichkeit übergeben werden soll, ziemlich scharf mitgenommen. — Eine eigene Petition wird dieser Tage der Kammer überreicht werden. Dieselbe ist von 50,000 Unterschriften bedeckt, geht von der clerf- falen Partei aus und verlangt die Abberufung des französischen Gesandten bei Oer italienischen Regierung. Paris, 19. Jan. Wie verlautet, sind die Truppen des Lagers von Ville- neuve-L'Etang bei Paris nach dem Süden abgegangen. Die Stimmung in Marseille und im Süden überhaupt soll nämlich eine sehr erregte sein und man deshalb Vorsichtsmaßregeln ergriffen haben. In Lyon, von wo Truppen nach Riömes abgegangen sein sollen, ist die Stimmung ebenfalls eine sehr unruhige. Näheres darüber erfährt man noch nicht. — Der französische Kriegsminister hat einen Ausruf an die französischen Unteroffiziere erlassen, welche das Deutsche correct übersetzen können. Dieselben sollen nämlich den Militär-Intendanten beigegeben werden, welche sich in den occupirten Provinzen befinden, und die oft in Verlegenheit kommen, weil fast Keiner von ihnen Deutsch versteht. Paris, 20. Jan. Der gestrige Leitartikel der France ist in einen schwarzen Trauerflor gehüllt. „Der 19. Januar ist der Markstein, Oer das Ende des Krieges bezeichnete. An diesem Tage erlosch der letzte Hoffnungsstrahl, der uns geleuchtet hatte. Nichts blieb als eine Wirklichkeit voller Schrecken: die Niederlage, die erdrückende allgemeine Niederlage mit ihrer ganzen Demütigung und ihrer ganzen Verzweiflung. Am 12. Januar hatte Chanzy die Linie von Le Mans verloren, am 16. (vielmehr am 19.) war Faidherbe bei Saint Quentin geschlagen worden, am 18. mußte Bourbaki nach den unfruchtbaren Tagen des 15., 16. und 17. Januar sich zurückziehen, seine Verbindungslinie, die der durch feine angeblichen Triumphe bei Dijon festgehaltene Garibaldi nicht hatte schützen können, war ab- geschnitten und die unglückliche Expedition endigte mit einem Mißgeschicke, das die edle Gastfreundschaft der Schweiz sich zu lindern bemühte." So resumirt die France selbst die Lage der Dinge, an welcher, wie sie sagt, auch der letzte heroische, aber selbst in den Augen derer, welche damals die Leitung in Händen hatten, hoffnungslose Versuch, Paris zu befreien, nichts zu ändern vermochte. Die France wünscht, daß eine moralische Verjüngung Frankreichs die Enkel vor ähnlichen Unfällen bewahren möge. Sie wünscht, das Gefühl der persönlichen Verantwort- lichkeit möge in jedem Franzosen wieder lebendig werden. „Hören wir auf, uns gegenseitig anzuklagen, klagen wir uns selbst an, unsere Zwietracht, unsere Unverträglichkeit, unsere Eifersüchteleien, unsere Unvorsichtigkeit, unseren tollen Stolz, unsere unerträgliche Anmaßung. Klagen wir die verkehrte Richtung dcS öffentlichen Geistes an, die Tendenz unserer Literatur, den SkepticiSmuS, den sie verbreitet und welcher die Ursache der inneren Fäulniß ist, welche uns entkräftet. Es ist die moralische Wiedergeburt, welchcr wir bedürfen." Paris, 20. Jan. Die meisten Mächte machten der französischen Regierung! Vorstellungen in Betreff der unliebsamen Folgen einer Kündigung der Handelsverträge. Versailles, 22. Jan, Morgens. Sämmtliche Mitglieder des diplomatischen Corps drückten ,hre Freude über die glückliche Lösung der Krisis aus. In den Versammlungen der parlamentarischen Gruppen herrschte durchaus der Wunsch, daß eine dauernde Verständigung 'wischen Thiers und der Nationalversammlung cintreten möge. Man versichert, daß Thiers künftighin seltener in die Berathungen der Nationalversammlung eingreifen werde. Die Frage der Rückkehr der Regierung und Nationalversammlung nach Paris scheint auf lange Zeit vertagt zu sein. — Die Ruhe wurde nirgends gestört. — ThierS hat nach einer Unterredung mit fern Fürsten Orloff denselben nach Paris begleitet. England. London, 20. Januar. Die Expedition zur Aufsuchung Livingstone's wird am 2. Februar in dem Dampfer AbydoS durch den Suezcanal nach Zanzibar abgehen. An ihrer Spitze steht der Seelieutenant Llewellyn Dawson, welcher sich vor drei Jahren bei den schwierigen VermeffungSarbeiten an den Stromschnellen des oberen Iangtsekiang auSzeichnete; ibn begleitet außer einem zweiten Offiziere, einem Handwerker und einem in Zanzibar anzunehmenden Dolmetsch auch ein zwanzigjähriger Sohn des verschollenen W. Oswell Livingstone, welcher selbst in Afrika, in Der Nähe des Nganiisee's geboren ist und gegenwärtig in London Medicin studirt. In Zanzibar wird Lieutenant Dawson schon ein bewaffnetes Geleit von 50 auserlesenen Eingeborenen und die nothwendigen Träger antreffen, für welche Vorbereitungen Dr. Kirk sorgt, und von Dort wird der Weg über Udschidfchi und Den Tanganyikasee in Der Richtung eingeschlagen, in welcher man Den Manyemasee und Den letzten bekannten Aufenthaltsort Livingstones ver- muthet. Rußland. Aus Petersburg, 17. Jan., wird der Wiener Zeitung telegraphirt: „Der Kaiser ist gestern durch eigene Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart einer ihm auf der Jagd drohenden Gefahr entgangen. Ein verwundeter Bär, der gegen den kaiserlichen Stand losstürzte, brachte das Leben des Kaisers in die höchste Gefahr, wurde aber durch einen Schuß Sr. Maj. getödtet." Australien. Man erinnert sich, daß auf einer der melanesischen Inseln unlängst der Bischof Patteson erschlagen worden, und zwar als ein unschuldiges Opfer des Rachegefühls, welches durch europäische und amerikanische Menschenräuber in jenen Insulanern entzündet worden ist. Von Den Fidschi-Jnseln kommt jetzt eine ähn- liebe Nachricht, nur daß die Opfer nicht so unschuldig waren wie jener Bischof. 40 geraubte Salomon-Insulaner, welche auf einem Schooner von Seruka zu einer Pflanzung gebracht worden, überfielen ihre weißen Aufseher und tödteten vier derselben mit Namen Warburton, Whitaker, Keystone und Robinson, so wie einen Pflanzer von Fidschi. Der Capitän und ein Matrose der Barke Cambria, welche zwischen den Salomon-Inseln kreuzte, um Kulis zu fangen, sind ebenfalls er- leurven. lLs i|t nicht im Geringsten zu bedauern, daß die Eingeborenen sich solcher Maßen mit Gewalt der weißen Räuber erwehren. Die Generalvertretung von Neuseeland hat an die britische Regierung jetzt von Neuem das Gesuch gerichtet, dem Menschenraub in dem süDpacifischen Jnselmeer ein Ende zu machen. Handelsberichte. Frankfurter Bank. Die Dividende für daS abgelaufene Geschäftsjahr ist auf 41 fl. festgesetzt. Manufacture imperiale de tabacs de Strasbourg. Man schreibt vom Rhein darüber Folgendes: Die van den größeren süddeutschen TabakSsabrikanten gegen daö Vorgehen der „Manufacture imperiale de Strasbourg“ gerichtete Agitation ist fast von allen deutschen Firmen sdic Zahl übersteigt bereits 200] gut geheißen worden. Die betreffende Eingabe an daS Reichskanzleramt enthält folgende Petita : 1) daß die kaiserliche Tabaksmanufactur in Straßburg, sobald als es mit den Interessen des deutschen Reiches irgend vereinbarlich ist, aufgehoben resp. dem Erwerbe von Privaten zugänglich gemacht werde, 2) daß, wenn überwiegende Gründe dafür sprechen sollten, die Manufactur noch längere Zeit im Staatsbetriebe zu belassen, der Termin der Aufhebung find und bekannt gemacht, und auf Grund einer über den bisherigen Betrieb unter Zuziehung von Privat- Tabaks-Jndustriellen anzustellenben Untersuchung die völlige Gleichheit in den Concur- renzbedingungen zwischen der Manufactur und der Privatinduftrie hergestellt, insbesondere 3) die Manufactur wie jedes andere Privatgeschäft zu den entsprechenden gleichen Abgaben an den Staat, wie sie durch Zölle und Steuern jeder Art bedingt sind, heran- gezogen werbe. Es scheint in der Absicht zu liegen, womöglich alle deutschen Tabaksfirmen zu dieser Er- kiä rung zu vereinigen und ist das Haus Carl Äraeff in Bingen a. Rh. und in Creuzuach erbötig, etw ige Zustimmungserklärungen Seitens der Concurrenz in Empfang zu nehmen. Börsenberichte. Frankfurt a. M., 22. Januar. Die Börse constatirte mit dem heutigen Tage, daß sie den Weg der Hausse nicht nur nicht zu verlassen, sondern im Gegentheil weiter auf demselben vorzugehen gesonnen sei. Die Stimmung war eine sehr animirte und daS Geschäft in fast all' fernen Theilen ein recht lebhaftes. Staatsbahnen wurden bis zu 421 bezahlt, Creditactien mit 357 und Lombarden auf gute Berliner Notizen hin bis 221, nachdem sie lange nicht über 217 hiiiauskommen konnten. Nur Nationalbank war heute matt, 898, da man wissen will, daß die österreichische Regierung den neuen Statuten derselben die Genehmigung verweigern werde. Silberrente lebhaft gehandelt und mit 645,4 bezahlt. DaS größte Geschäft außer in obigen Specula- tionswerthen fand aber entschieden in Loosen statt, von denen österreichische 1860er mit 94y8 bis 943/4 bezahlt und 1854er sehr begehrt waren. Raab-Grazer bei lebhafter Nachfrage 86, ebenso Donau-RegulirungSloose und Finnländer gesucht. Ungarlsose 117H^. Auch die kleineren Gattungen dieser Branche im Verkehr. Von Banken waren Darmstädter wieder höher, 491, auf daS „man sagt" einer sehr guten Dividende hin; ferner waren Provinzial-DiSconto, würltembergische Notenbank und die hiesigen Institute beliebt und theilweise besser bezahlt. Bahnen dagegen erfreuten sich weniger Beachtung, und sind nur Oberhessen österreichische Franz-Joseph, junge Staatsbahnen, ungarische Ost und Alfold in größeren Posten umgeseyt worben. — Von Prioritäten Elbthal fest bei 96. — Pfandbriefe, russische wie preußische, anhaltend beliebt. — In Amerikaner« verhältnißmäßig beschränkter Umsatz, 1874er 95‘/4, California-Ertension 99^, Union Pacific 70. Sehr gute Meinung bringt man der durch Rothschild zur Auflage kommenden neuen Anleihe von 15 Millionen Dollars der Stadt Newyork entgegen. Borsennachrichten. 22. Januar 1872. Preuss. 4% 0/g Oblig. 102% Frankf. 3%% Odl. 88% Nasa. 4^/zO/g Obi. 99% Kurhess. 4% „ 93 Vorbehaltlich definitiver Feststellung. Gießen, im Januar 1872. Der VcrwaltnngSrath. (837) Vcrmiethungen. 230) Die mittlere Etage unseres Hauses (früher Möhl'- scher Garten) ist abzugshalber zu vermiethen und Anfangs Februar zu beziehen. Auf Verlangen kann auch ein Stall für zwei Pferde abgegeben werden. Krausgrill & Koch. 342) Im Brühl'schen Hause auf dem Brand ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen; auch kann auf Wunsch die Kost gegeben werden. Feilgebotenes. 2 Maronen (süße große italienische Kastanien), um damit zu räumen, pr. Pfund 8 kc., empfehlen 3. A Busch Söhne. Z Arsuermal), beste Qualität, stets vorräthig bei Fr. Textor, Bierbrauer auf der Hardt bei Gießen. 333) In ßit. A. Nr. 196 ist eine freundliche Stube, unmöblirt, zu vermiethen. .'.ä- heres bei der Exped. d. Bltts.______________ 233) Ein Familienlogis zu vermiethen auf der Textor'schen Hardt bei Gießen. 49) In meinem neu erbauten Hause, Wilhelmsstraße, sind der Parterre-Stock, zweiter Stock und eine Mansarde zu vermiethen. Dr. Weichei. । 5077) Die untere Etage meines Hauses in der Alicenstraße ist zu vermiethen. I Gaquoin. Straße, unweit Hof Albach, bei Brenn- holz-Nnmmer 1. Lich, am 20. Januar 1872. Fürstliche Oberförsterei Lich. ___________Wimmenauer.____ 258) Donnerstag den 25. d. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen in dem Wiesecker Gemeindewalde, Di- Sa. pp- 4682TÄF- S K l' 0 p p 0 l , Spiegelrinde öffentlich meistbietend verkauft werden. fierren Ober-'täglich frisch, bei Das Königliche Landrathsamt zul Wetzlar, sowie■ bte 6^e^e^^IlnefIe@ee,inänbenI August Noll, im Stern, förster sind bereit, Kauflustigen über die Loh - Quantitäten der einzelnen ^einemu |-----------------U-- resp. der einzelnen Schläge, die erforderliche Auskunft zu ^ben. Wetzlar und jciotduh, (gez) von Helldorf. 6 ’ § Kreppei, täglich frisch, bei F. Zülch Wittwe. I 299) Das seither von Herrn Postsecretar ------------- ——-------------------, Hu ltzsch bewohnte Familienlogis ist durch 294) Steinkohlen, Prima - Qualität! dessen Versetzung vom 15. April d. I- an trockene Braunkohlen vom Hessenbrücken- anderweit zu vermiethen. L Todt, - - Briefträger. — 'versteigert werden. Kril6V. i Der Anfang ist zur bestimmten Stunde N Eich-nstämm- mit 19,60 Cubik-M°t-r, im District selbst bei Nr. 1. 1871. || Personen-Verkehr. Güter - Verkehr. Nebenerträgnisse. Gesammt- Ertrag. Total vom 1. Januar bis 31. Dec. Anzahl. J)iunats« Äbonne- inents Ertrag. Ctr. Ertrag. 1 27,536 6 fl. \ fr. 12,140144 140,273 st. kr. 11,391 40 st. kr. 584 56 fl- 24,117 kr. 20 fl. kr. 328,773 22 11 Hilf em Lues 36 kr. sind £> ezs Wo bleibt Kmyier's? 341) Samstag den 3. Februar 1872 : 312) (124) Gesucht 291) Kartoffeln Erbsen Linsen Wicken. ^Tüf"dem Mit- Markt fl. kr- fl. fr. fl. kr. kr. Tl fl»kr. M- j M7 M- M- M- M- M. 25 1 29. 31. Januar Januar Auf dem Markt 4 4 4 33 40 30 CO CO 30 16 Auf dem Markt Jos. Wertheim, in Frankfurt a. M. Mit.- preis Mit.- preis 1. Sorte Bürger: Rothenstein. Profeffor. Iust-Peter. Trucho. Borges. Lambes. 313) Ein williges, in allen häuslichen Arbeiten erfahrenes Dienstmädchen wird auf Ostern zu mielhen gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Frucht- und Atehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten. KL 12' 11 14 2 3 Auf dem Markt Mit- preis Mechaniker und Dreher finden lohnende und dauernde Beschäftigung in der Nähmaschinenfabrik von liest in der kleinen Aula der Universität Montag den SHakespe ar e's „Julius Cäsar" und Mittwoch den „König Lear." Billets für beide Abende ä 1 fl., für einen Abend ä in der Expedition des „Gießener Anzeigers" zu haben. Cassenpreis 42 kr. Anfang 7 Uhr. Nach §. 15 der Telegraphenordnung für die Correspondenz auf den Linien des Telegraphen-Vereins rc. von 1868 hat der Aufgeber einer Depesche das Recht, dieselbe zu recommandiren. In diesem Falle wird die Depesche von allen Stationen, welche bei der telegraphischen Beförderung, beziehungsweise Aufnahme mitwirken, vollständig kol- lationirt und die Bestimmungsstation sendet dem Aufgeber telegraphisch, unmittelbar nach der Bestellung an den Adressaten oder nach der Abgabe an die Weiterbeförderungsanstalt, eine Rückmeldung mit genauer Angabe der Zeit, zu welcher die Depesche dem Adressaten, beziehungsweise der Weiterbeförderungsanstalt zugestellt worden ist. Die Einführung der recommandirten Depeschen hatte den Zweck, dem correspon- direnden Publikum ein Mittel zu bieten, die Wahrscheinlichkeit einer correcten lieber* Mittelung seiner Depeschen an den Adressaten, so weit dies bei der Nahur der telegraphischen Betriebsmittel überhaupt zu erreichen ist, zu vermehren. Erfahrungsmäßig werden reeommandirte Depeschen jedoch nur in sehr geringer Zahl aufgegeben, muth- maßlich weil die Taxe für die Reeommandation gleich derjenigen für die eigentliche Depesche ist. Um nun dem correspondirenden Publikum ein ferneres Hülfsmittel zu bieten, sich eine correcte Uebermittelung seiner Devesche, — so weit es thunlich und nötbig ist, — zu sichern, soll vom 1. Juli c. an versuchsweise im internen Verkehr das Recht der Reeommandirung, wie solches durch S- 15 der Telegraphenordnung gewährt ist und auch noch fernerhin in Geltung bleiben wird, dahin erweitert werden, daß der Aufgeber einer Depesche, welche nach einem Orte innerhalb des Norddeutschen Telegraphengebietes gerichtet ist, die Vortheile der Reeommandation auf einzelne Theile seiner Depesche beschränken kann, ohne verpflichtet zu sein, gleich das Doppelte der Gefammttaxe zu bezahlen. Zu diesem Zweck hat der Aufgeber diejenigen Worte, Zahlen, einzeln stehenden Buchstaben oder Buchstabcn-Gruppen (cfr. §.14, 6 der Telegraphenordnung), deren correcte Uebermittelung er vorzugsweise für nothwendig hält, damit die Depesche ihren Zweck erfüllen könne, zu unterstreichen. Jedes unterstrichene Wort re. wird bei der Ermittelung der Wortzahl, abweichend von den allgemeinen Bestimmungen des §. 14, 7 der Telegraphenordnung, doppelt gezählt, dafür jedoch von allen bei der Beförderung resp. Aufnahme der Depesche betheiligten Stationen collationirt werden. Gelangt trotzdem ein solches unterstrichenes Wort rc. entstellt in die Hände des Adressaten, so daß die Depesche nachweislich ihren Zweck nicht hat erfüllen können, so werden dem Ausgeber aus dessallsige rechtzeitige Reclamation die für die Depesche gezahlten Gebühren zurückgezahlt werden. Im Falle der Verstümmelung nicht unterstrichener Worte rc. bei unrecom- mandirten Depeschen werden fortan die Gebühren nicht zurückerstattet. Berlin, den 13. Juni 1869. Der Bundeskanzler. Im Auftrage: D c 1 b r ü ck. i Die billigste mncrikkmische Priorität!!! ßprocentigc Lexmgton St. Loiris-Boiids sieben 75 bis 76, find von der Missouri-Pacific-Bahn garantirt. t ßprocentigc Missouri - Pacific - Bonds notiren 83. Man tausche daher Mfssouri-PaciflcBonds gegen Lcxington l St. Louis - Bonds, 6 da ein sicherer Ruhen vorauszusehen isi. 339) Die Mitglieder der Viehversicherungs-Gesellschaft werden auf Mittwoch den 24. Januar, Abends 7 Uhr, zu einer Generalversammlung in das Local des Herrn König eingeladen. Da Gegenstände von Wichtigkeit zur Verhandlung kommen, wird eine zahlreiche Bethetligung gewünscht. Der Präsident: Konrad Simon. FxaÄ)tdriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oberhesstsche Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen !Formulare, sind zu haben bei W. Klee, am Markt. Zeil 45. | Straßburg, München, Nürnberg, Berlin, Wien, Prag, Hamburg, Zürich. 0 dTLi M Mi wird Jedermann Rath ertheilt, welche Zeitungen für jeden einzelnen Fall g sich als erfolgreich erwie- | sen haben: & hfü- werden alle Annoncen i sorgfältig abgefaßt und für einen augenfälligen Druck hergerichtet; ü 21-4 (vk oder einen solchen sucht, ■ mpl* irgend etwas in eine beliebige | a Tvt k Anzahl von Zeitungen einzu- I rücken beabsichtigt, wende sich | an die Annoncen - Expeditwn | von | Rudolf HZ0886, | officiellen Agenten sämmtlicher Zeitun- § 's gen des In- und Auslandes, Frankfurt a. M. | Gerste. Spelz. Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit-- preis 1 , | verk. fl.fr. l““K 1 0=f- o fl. kr. M. M. M. M. 2 2 845 — — — — — 41 7,28 — — — — — — 9 9 — — — — Hafer. Auf dem Markt, Mit.- preis auf-1 ges. 1 J | verk. «• fr. M. । M. 8 8 184 4 4 30 32 — 2 9 20 Waizcn. Korn. Fruchtmärkte. Jan. Auf dem Markr L2'1^ ä ö ®j a Mit.- preis fl.fr. Auf dem Markt a q Mit.- preis fl.jfr. Gießen Alsfeld Grünberg Lauterbach Mainz 20. 20. 20. 19. § m 11 M. 2 7i> 113 15 15 15 15 45 26 26 25 M. 19 M. 17 68 24 11 — 11 17 12 45 111 6