PreiT vierteljährig 1 ft 12 ft. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr. Gichener Aiyeiger Erscheint täglich, mit AuS« nähme Sonntag«. Expedition: Eanzleiberg, Lit. B. Rr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. 1«8. Samstag den 20. Juli 1872. Brodpreife vom 20. bis 26. Juli 1872, nach eigener Erklärung der Bäcker: 2 Kilo gemischtes Brod 21 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 10y2 kr. 2 Kilo Roggenbrod 18 kr. 1 Kilo Roggenbrot» 9 kr. Deutschland. Darmstadt, 19. Juli. Das „Regierungsblatt" enthält eine Bekanntmachung, nach welcher Dem ultramontanen „Mainzer Journal" die gerichtlichen Anzeigen in Rheinhessen entzogen und dem „Mainzer Tageblatt" übertragen werden. Berlin, 17. Juli. Es steht also fest, daß die Regierung in Königsberg bereits den Befehl erhalten hatte, dem Bischof von Ermeland, der sich weigert, die Lande-gesetze unbedingt anzuerkennen, am 1. Juli sein vierteljährliches Gehalt nicht auszuzahlen, und dieser Befehl erst nach acht Tagen zurückgenommen wurde. Bischof Krementz hat inzwischen sein Gehalt bis zum 1. October in Empfang genommen und hat bis dahin Zeit, über seine Stellung im Staate nachzudenken. Der Ministerrath hat, wie uns gemeldet wird, überhaupt beschlossen, bis zum Herbste gegen die katholischen Bischöfe mit AmtS'Temporaliensperre nicht vor. zugehen. Es soll nichts übereilt werden. „Seid unterthan der Obrigkeit!" ist eine der bekanntesten Satzungen des Chrtstenthums. Freilich besteht daneben die andere Vorschrift, daß man Gott mehr gehorchen solle, als den Menschen, und man kann der Kreuzzeitung, die ein stiller Herzenszug nach dem absoluten Kirchen- regimeut hinzuziehen scheint, das Zugeständniß machen, daß diese Vorschrift eben so viel auf weltliche als auf päpstliche Gewalten Bezug hat. Den Satz in seiner Allgemeinheit kann man zugestehen und braucht darüber gar nicht zu streiten. Die Streitfrage ist nur die, ob der gegenwärtige preußische Staat, ein gesitteter, christlicher Staat, etwas anbefehlen könne, resp. etwas anbefohlen habe, was den göttlichen Befehlen widerstreitet. Nehmen wir diese Möglichkeit einmal an, setzen wir den Fall, daß die Staatsregierung etwas fordere, was mit dem Gewissen eines Einzelnen, z. B. eines Beamten, nicht in Einklang zu bringen sei. Was wird ein solcher Mann, wenn er gewissenhaft ist, thun? Er wird sein Amt niederlegen und somit jede Mitwirkung zu einer Verletzung des göttlichen Gesetzes versagen. Was Andere an seiner Stelle thun, dafür kann er nicht verantwortlich gemocht werden. Wenn päpstliche Beamte, z. B. Bischöfe,' in ähnlicher Weise handeln wollten, so könnte Niemand etwas dagegen haben. Dergleichen ist vor- gekommen. Als 1846 die radicale Regierung des Waadtlandes von den protestantischen Geistlichen die Verlesung eines Aktenstückes über die damals geänderte StaatSverfaffung verlangte und die Geistlichen dies ablehntev, als ihr Gewissen verletzend, so ließ die Regierung ihnen nur die Wahl, das Aktenstück Von der Kanzel zu verlesen oder ihr Amt aufzugeben. 146 Geistliche zogen es vor, ihr Amt aufzugeben. So steht die Sache aber hier nicht. Die Bischöfe verweigern dem Staate den Gehorsam, aber sie denken nicht daran, deshalb aus ihre hohen Stellen zu verzichten. Sie stellen sich dem Staate als gleichberechtigt gegenüber, und fast scheint es, als ob sie den Kampf der beiden Schwerter im Mittelalter erneuern wollten. In diesem Kampfe der Hierarchie mit der weltlichen Monarchie ist die Geistlichkeit trotz so gewaltiger Vorkämpfer wie Gregor VII. und Jnnocenz III. zuletzt unterlegen, und trotz des größeren Einflusses, den die katholische Geistlichkeit seit 1848 wieder über die Gemüther erhalten hat, reicht ihre Macht schwerlich aus, diesen Kampf siegreich durchzuführen. Die Ober- Herrlichkeit der geistlichen Gewalt über die weltliche war selbst im Mittelalter nicht durchzuführen, und ein Papst, der sich selbst in Rom nicht als Herr zu behaupten wußte, wird schwerlich al- Herr der Welt anerkannt. Uebrigens denkt die deutsche Regierung selbst im schlimmsten Falle gewiß nicht daran, Die Bischöfe als solche abzusetzen; aber sie wird, wenn sie ihre Renitenz fortsetzen, ihnen ihre Anerkennung in allen Amtshandlungen versagen, die auf das staatliche Gebiet eingreifen. Uebrigens brauchen die Ultramontanen sich nicht darüber zu ereifern, daß die deutsche Regierung sich in die Papstwahl einmischen wollte. Wenn sie die Frage über das Veto der großen Regierungen überhaupt anregte, so that sie es im versöhnlichen Sinne. Könnte verhindert werden, daß abermals ein Papst gewählt wird, der in den Händen der Jesuiten ist, so ließe sich eher ein friedlicher Ausgleich der begonnenen kirchlichen Wirren denken. Die eifrigen Gegner der Ultramontanen wollen von einer solchen friedlichen Politik nichts wissen. Ihnen wäre es ganz recht, wenn auf PuiS IX. ein Papst folgte, der dieselben Ansichten hätte, statt einer milden gewinnenden Persönlichkeit, wie der jetzige Papst ist, ein zorniger Eiferer wäre, der sofort dem Kaiser, wie Petrus dem Malchu-, ein Ohr abhiebe. In der „Germania" finden wir folgenden Stoßseufzer, der, wie sie angibt, von einem „Protestanten" herrührt, ob von Gerlach oder von Dr. Schulz, wird nicht gesagt: „Unser liebes schönes Deutschland, die Heimath der Treue, des Glaubensmuthes, der Gerechtigkeit und frommer Duldung! Noch vor Jahres- frist so einig, glücklich und groß, ist das thcure Vaterland durch eine verkehrte Politik in Bahnen gerissen worden, welche, wenn nicht schleunigst eine Umkehr stattfindet, zu schlimmen Eventualitäten führen müssen. In der ungerechtfertigtsten Weise ist ein Krieg gegen alles Kirchenthum vom Zaune gebrochen worden, der dann auch mit den Waffen der Lüge, Verleumdung, Ausnahmegesetze, Polizei- maßregeln und Proskriptionen geführt wird. Es bedarf deff-.n nicht, von diesem Orte nochmals die Phasen, welche der Kampf bereits durchlaufen, aufzuzählen; es genügt, darauf hinzuweisen, daß von der Aufregung desselben kein Haus, keine Familie verschont bleibt und theilnahmslos wohl Niemand zuschaut, und daß auf der einen Seite die gesammelten revolutionären, radikalen und liberalen Elemente stehen, auf der anderen Seite die Verehrer Gottes und seiner Kirche, die steten Vertheidiger der Obrigkeit von Gott und des Gehorsams gegen die weltliche Gewalt sich befinden. — Noch zögert die Reichsregierung zu bekennen, wohin fie ihre» „Stoß ins Herz" zu richten vermeint, noch beschränken sich ihre Proklamationen auf die Jesuiten und Alles, was ihnen verwandt sein soll; daß aber die Kirche gemeint ist, das zeigen über allen Zweifel hinaus die Vcxattonen der Bischöfe, die Vertreibung der armen Schulschwestern, da- Kanzel- und Schulaufstchtsgesetz, die zärtliche Fürsorge für die von der Kirche Abgefallenen. Und laut verkünden die osficiösen Redner und Schreiber und die freiwilligen Satelliten de- Despotismus, Daß es auf den Papst und die Kirche gemünzt sei, nicht allein auf die katholische, sondern auch auf die protestantische, der ja auch die Schule entzogen, gegen die ja auch das Kanzelgesetz gerichtet ist und wider die ja auch Alles, wa- Cbristen- thum leugnet, zu den Waffen greift und den Reichskanzler als modernen Heiland anruft." Berlin, 18. Juli. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche wurden, Der „Th. Z." zufolge, in Gniewkowo (Kreis Juowraclaw) drei Patres der Gesellschaft Jesu, welche bereits drei Tage lang dort eine Jesuitenmisston abhielten, auf eingetroffenen Befehl dckrch Gensd'armen auf den Schub gebracht. Eine große Menge Volkes aus Gniewkowo und UmgegenD durchzog Die Straßen tumultuirend; doch wurde dieselbe durch die aufgerufenen Gen-d'ar- men und andere waffenführende Beamte im Schach gehalten. Frankreich. Paris, 15. Juli. Wie man der Times telegraphirt, wird der Proceß gegen Bazaine energischer seit einigen Tagen betrieben. Auch in Der Behandlung des Marschalls ist eine Aenderung eingetreten. Der Verkehr mit seiner Frau ist ihm untersagt worden und diese hat sich nach Versailles in ein Kloster zurückgezogen. Paris, 16. Juli. Am 15. Juli hat zu Lyon vor dem Kriegsgerichte der 8. Militär-Division der Proceß gegen den Ex.General Cremer und einen Herrn Wieczwinski, genannt De Serres, der zur Zeit Delegirter des Kriegs-Minister- bei der Ost-Armee war, begonnen. Die Anklage lautet auf Mord, weil der General Cremer am 27. Dec. 1870 zu Beaune, wo er cowwandirte, einen gewissen Arbinet aus Dijon ohne Urtheil und Recht hat erschießen lassen, und zwar auf einen telegraphisch mitgetheilten Befehl jenes De Serres. Dieser letztere ist denn auch des Mordes und Cremer der Mitschuld angeklagt. T);r erschossene Arbinet besorgte Provianteinkäufe für Dijon, welche- damals von den Preußen besetzt war, und hatte sich auf die leichtsinnigste Weise in den Verdacht gebracht, ein Spion der Preußen zu sein; als solcher wurde er verhaftet und ohne Umstände nächsten Tages erschossen. Der Präsident des Krieg-gerichte-, vor welchem der Proceß verhandelt wird, ist der Marschall Baraguay d'Hillier-, Richter sind die Marschälle Mac Mahon und Canrobert, die Generale Mettmann, Abbatucct, Texier und Dupreuil. Der General Barry ist Commiffar der Regierung. Unter den 37 Belastungszeugen befinden sich der General Bourbaki, der ehemalige Präfect von Dijon, Der Unter-Präfect von Corte in Corsica, die Herren Carragon- Latour, (Sßrrä de Bufferollet, General Clinchant und andere bedeutende Persönlichkeiten; unter Den Entlastungszeugen sind der Bruder Des Generals Cremer und der Oberst Collavet-Laperche, Adjutant des Generals Bourbaki. Versailles/ 17. Juli. National-Versammlung. Bouillerie, Berichterstatter der Budget-Commission, hält 135 Millionen neue Steuern für ausreichend, und nicht 200 Millionen, wie Thiers verlangt. Er empfiehlt Ersparnisse. Thier- hält die Forderung von 200 Millionen aufrecht und sucht die Nothwendigkeit der Erhöhung des dem Kriegsminister eingeräumten Credits um 65 Millionen zu beweisen. Er würde selbst eine Erhöhung diese- Credit- Vorschlägen, wenn die Lage Frankreichs eine bessere wäre. Er sagt: 87 Millionen sind schon bewilligt, es fehlen also noch 113 Millionen, welche allein die Rohstoffe ergeben können. Vicomte de Meaux besteht auf Ersparnissen und beantragt, die Discusfion über Die neuen Steuer zu vertagen. Im Verlaufe seiner Rede tadelt Meaux Thier-, daß er durch seine Politik die Allianzen compromittire. Thier- wirft Meaux die verlangten Ersparnisse vor und sagt, dieselben würden zur Desorganisation der Armee führen. Die Regierung habe die militärischen Ausgaben erhöht, weil sie ein starkes Frankreich wolle. ThierS fügt Den Wunsch hinzu, daß ein ernster Mann die Tribüne betreten möge. Dies Wort ruft lebhafte Protestationen seitens der Rechten hervor und eine Stimme verlangt, vatz Thier- zur Ordnung gerufen werde. Thiers erwidert, indem er die Rechte aussordert, eine motivirte Tagesordnung zu provoeiren, und fügt hinzu, er werde nie eine wohlfeile Popularität suchen, welche darin bestehe, das Land zu täuschen und ihm seine Bedürfnisse zu verhehlen. Er werde nie vor der Vertrauensfrage zurückweichen und sei bereit, den Beschwerden der Opposition, welche mehr politischer, al- finanzieller Natur seien, Antwort zu stehen. Er constatirt, daß er bei allen Gelegenheiten alle möglichen Conceffionen gemacht, weil er die Ueberzeugung habe, daß ein Regierungswechsel ein Unglück für das Land sein würde. Schließlich fügt er hinzu: Ohne Ihr Vertrauen kann ich vor den Credit Europas nicht hintreten. So lange Sie sich darüber nicht aussprechen, muß ich annehmen, daß ich noch Ihr Vertrauen besitze. (Lebhafter Beifall auf der Linken.) Die Discussion wird darauf auf morgen vertagt. (Große Aufregung.) Spanien. Ohne Humor geht es auch in dem Carlistenkriege nicht ab. So richtet der „General" Sanz folgendes Schreiben an den Gemeinderath von Pont de Armentcra: Königliches Heer, Provinz Tarragona. Meine Herren vom Gemeinderath! Ich ersuche Sie, mir gefälligst am 8. b. M. die Summe von 400 DuroS spanischer Währung zuzustellen, deren ich zur Ergänzung des Soldes meiner Freiwilligen benötbigt bin. Poblas, 7. Juli 1872. Der zeitweilige General-Commandant der Provinz Tarragona, Sanz. Die Antwort des Gemeinderathes lautete: An Herrn Sanz, Führer der carlistischen Truppen. Da sich die Partei, deren Sache Sie verthetdigen, in Waffen erhoben hat, so haben wir in dieser Stadt die nöthigen Vertheibigungö-Anstalten treffen muffen, um uns von Ihnen zu befreien, so daß der Gemeinverath seine beschränkten Mittel ganz aufwenden mußte. Wir sind deshalb in der Lage, Geld empfangen statt geben zu muffen; und wenn Sie uns dasselbe liefern wollen, in schweizerischer, spanischer oder auch amerikanischer Währung, und zumal in doppeltem oder dreifachem Betrage der von Ihnen verlangten 400 DuroS, so würden Sie uns aus einer großen Verlegenheit reißen. Gott erhalte Sie lange Jahre. Pont de Armentera, 8. Juli 1872. Der Bürgermeister, Benito de Garriga p Marti. Juan Maffagu^, Secretär. Madrid, 19. Juli. Als der König und die Königin diese Nacht gegen 12 Uhr aus dem Garten Buen Retiro nach dem Palast zurückkehrten, wurde von fünf Individuen, welche sich in der Arsenalstraße postirt hatten, nach dem könig, liehen Wagen geschossen. Da- Königspaar blieb indeß unverletzt. Einer der Attentäter wurde getödtet, zwei andere gefangen. Die Entrüstung ist allgemein. Die Ruhe ist nicht einen Augenblick gestört worden. England. London, 15. Juli. Ein großer Theil Iorkshire's, Lancashire's und anderer benachbarter Grafschaften wird gegenwärtig von Ueberschwemmungen stark heim- gesucht. Bereits sind Menschenleben zu beklagen, und der dem Eigenthum der Bewohner zugefügte Schaden ist ein sehr beträchtlicher. Ein schauriges Ereigniß hat sich in Manchester zugetragen. Ein Kirchhof wurde daselbst überschwemmt und viele Leichen wurden von den Fluten davongetragen. Etwa fünfzig sind wieder aufgefischt worden. London, 18. Juli. Der britische Botschafter in Petersburg telegraphirt, daß die Cholera daselbst erschienen sei. Die englischen Hafenzollbehörden sind angewiesen, Vorkehrungen zur strengen Ausführung der Quarantaine-Vorschriften zu treffen. Türkei. Am 10. Juli hat der Vicekönig von Aegypten in Konstantinopel dem österreichischen Gesandten Grafen Ludolf und hierauf dem deutschen Geschäftsträger, Herrn v. Radowitz, einen Besuch in Bujudere abgestattet, wobei Nubar Pascha den Khedive begleitete. Das „Journal des Debats" veröffentlicht einen zweiten Artikel über die orientalischen Angelegenheiten, welcher an der Hand von „Correspondenzen aus Wien und Konstantinopel" die innere Politik des türkischen Ministeriums Mahmud- Pascha beleuchtet. Auch diese sei eine entschieden rückschrittliche, der europäischen Civilisation in vollem Bewußtsein und systematisch abgewanvte. In diesem Sinne habe der neue Großwessir eine wahre Razzia auf die Staatsbeamten aller Grade und aller Verwaltung-zweige gemacht, die da in dem Rufe standen, der aufqe- klärten Schule Aali-Pascha's anzugehören: so seien durch Absetzung oder Verbannung Huffein-Avni-Pascha, der Kriegsminister unter Aoli, Namik-Pascha, der Präsident des Staatsraths, Haidar-Effendi, der ehemalige Botschafter in Wien und zuletzt Präfect von Konstantinopel und viele andere entfernt worden. Die Verwaltung der Vilayets, sagen die Korrespondenten, wurde eingestellt, alle Christen wurden aus dem Staatsrathe entfernt, die französischen und englischen Professoren des Lyceums von Galata Serai wurden entlassen. Unter dem Vorwande von Ersparnissen wurde eine ganze Reihe von mehr ober wenigen wichtigen Posten gestrichen; so wurden die europäischen JnstructionSosfiziere der Armee und die fremden Ingenieurs in den Provinzen mit einem Federzuge heimgeschickt, ja, in seiner Jagd nach Oekouomieu verflieg sich Mahmud sogar zu dem unglaublichen Gedanken, den Kalender zu verändern und das Jahr auf neun Monate zu redu- ciren, um auf diese Weise in den Staatsgehältern, die „monatlich" ausgezahlt werden, ein Abstrich von 25 Procent zu bewirken. Auf der anderen Seite hat der sparsame Wessir nichts dagegen, wenn der Sultan ungeheure Summen in überflüssigen Bauten (5 Millionen allein für die Restauration des Palastes von Dolma-Bagdfche) verschwendet und ihn selbst mit reichen Werth- und Geldgeschenken überhäuft. Um den muselmännischen Leidenschaften zu schmeicheln, verfolgt Mah- mud-Pascha auch in den Angelegenheiten der morgenländischen Christen eine aggressive und aufhetzende Politik. Aus eigener Machtvollkommenheit hat er die bulgarische Kirche für unabhängig erklärt und ihr einen Exarchen ernannt, der nicht mehr dem griechischen Patriarchen untergeordnet ist, ferner in Sachen der armenischen Katholiken alle Unterhandlungen mit Rom abgebrochen und den vom Papst ernannten Bischof Hassun abgesetzt, so daß sich selbst Griechen und Bulgaren, Haffuniten und Anti-Haffuniten in den Haaren liegen. Kurz, die innere Lage ist, Dank den gewaltthätigen Maßregeln des neuen Ministeriums, politisch und kirchlich eine voll- kommen zerrüttete, die Portefeuille gehen von Hand zu Hand, und in allen Zweigen der Verwaltung herrscht eine grenzenlose Anarchie. So die Correspon- denzen des Journal des Debats aus Wien und Konstantinopel. Frischbäcker zu Gießen. m d en 21. Juli. Christian Lampus auf dem Seltersweg, Jacob Ronstadt rn der Neustadt und Jacob Vogt in der Wallthorstraße. Kirchliche Anzeige der evangelischen Gemeinde zu Gießen. G o t t e s d i e n st. Am 21. uli. ( Morgens: Pfarrer Dr. Seel. \ Nachmittags: Pfarrer Landmann. (Künftigen Sonntag den 28. Juli: Feier des heiligen Abendmahls.) Die Pfarrgefchäfte für die Woche vom 21. bis 27. Juli 1872 besorgt Pfarrer Dr. Seel. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadl Gießen. Evangelische Gemeinde. Kopulirte. . ^,Den 18. Juli. Reinhard Schober, Großh. Gerichts-Accessist in Friedberg des Großh. Steuercommissärs daselbst, Georg Friedrich Christoph Schober, ehelicher Sohn; und Louise Emma Emlie Elisabeth von Grolman, des verstorbenen Großh Hosgerichtsraths dahier, Ludwig von Grolman, ehelicher Sohn. Getaufte. Den 14. Juli. Dem Bürger und Sattlermeister, August Brühl, eine Tochter. Karolme Auguste, geboren den 18. Juni. Denselben. Dem Ortsbürger in Beuern und Bremser an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Karl Müller, ein Sohn, Konrad, geboren den 27. Juni. Denselben. Dem Ortsbürger in Rödgen und Kutscher dahier, Heinrich Herdt, eine Tochter, Katharine Eleonore, geboren den 12. Juni. Denselben. Ein unehelicher Sohn von hier, Karl Johann Ludwig, geboren den 27. Juni. Denselben. Dem Bürger und Kaufmann, Ludwig Frohnhauser, ein Sohn. Otto, geboren den 17. Juni. Denselben. Dem Bürger und Metzgermeister, Karl Malkomesius, eine Tochter, Karoline Susanne, geboren den 14. Juni. Denselben. Dem Ortsbürger in Klein.-Linden und Gensd'armen zu Pferd dahier, Johannes Röder, eine Tochter, Anna Emilie Elisabeth, geboren den 9. Juni. Denselben. Dem Bürger und Schuhmachermeister, Martin Nagel, ein Sohn, Peter Heinrich Martin, geboren den 9. Mai. Beerdigte. Den 14. Juli. Anna Brennemann, geborne Hildebrand, des verstorbenen Bellnhauser Hof bei Treisa, Jacob Brennemann, Wittwe, alt 5b I. 10 M., gestorben den 12. Juli. ß £ 15. Juli. Katharine Vogt, geborne Vogt, des verstorbenen Bürgers und Kupferschmieds, Konrad Vogt, Wittwe, alt 68 I. 10 M. 23 T., gestorben den 13. Juli _ Den 17. Juli. Ein todtgeborner Sohn des Ortsbürgers in Hattenrod und Kutschers dahier, Johannes Plaum, geboren den 16. Juli. Den 18. Juli. Adolf Martin Ludwig Mühlig, des Ortsbürgers zu Trohe und Maurers dahier, Anton Mühlig, ehelicher Sohn, alt 4 I. 3 M. 11 T , gestorben den 15. Juli. Börsenberichte. Frankfurt a. M., 19. Juli. Ein Tag wie der andere! Es wird einem Berichterstatter nachgerade sauer, seiner Aufgabe nachzukommen. Geschäftslosigkeit herrscht überall wo man hinschaut, und werden auch seitens der Interessenten manche Versuche gemacht, Leben in das Ganze zu bringen, so scheitern dieselben jedeömal wieder an der allgemeinen Apathie. Die SpeculatlonS- effecten verkehrten zwar heute bei fester Stimmung. aber still- Nur Staatsbahn wurde auf 353V. getrieben. Oesterreichische Bahnactien andauernd flau, mit Ausnahme von Donau-Drau für welche heute mehrere Kaufaufträge vorlagen und 1 Procent in die Hohe gingen Für Banken zeigten sich heute weniger Liebhaber und neigten die Eourfe derselben zum weichen. Blo- Mälzer Bankverein und Deutsche Effectenbank hielten sich fest. Letztere hat, seit ihr CourS in Procenten notirt wird, noch mehr an Beliebtheit gewonnen. Am animirtesten war wieder der Prioritäten- markt und zeigt« sich namentlich Vorliebe für neue Lombarden, welche um >/4 Procent anzogen Von StaatSpapleren verkehrte österreichische Silberrente bei matterer Stimmung, ebenso ungarische Staatsanleihe. Bei Loosen zeigte sich einige Frage für österreichische 1860er, die eine Kleinigkeit theurer wurden. Finnländer-, Braunschweiger- und Ungarloose umgehend. Börsenoachrichteo. 19. Juli 1872. Preuss. 4i/a% Oblig. 103i/8 Frankl. 3i/a% Obi. 8?i/2 Nass. 41/1% Obi. WZ/, Kurhess. 4% „ 933/4 Gr. Hess. 50/0 Obi. 103 » » 40/o „ 981/3 , n 31/30/0 » 93 Bayer. 5% n 100V8 n 4i/,o/o 1jährige 1001/g „ 4O/o 1jährige 95 Würtemb. 41/3% Obi. 99?/6 Baden 41/3% Obi. 0. E. L. 993/4 Oesterr. Silberrente 641/2 „ Papierrente 58 Spanier, neuest. 3% 28*/2 Amerik. Bonds 1881r 993/4 „ „ 1882r 963/8 , » 1885r 973/8 n „ 1887r 971/2 Aetien. Frankf. Bank 1413/4 Frankf. Vereins-Kasve 142 Darmst. Bankaot. 477i/2 Wien Bankactien 898 Oest. Oreditact. 347i/a Galizien 256 Aetlen. 5% östr. F. St. E. B. 354 Lombard. Bahn 219 */2 Ludwigsh.-Baxbaoh 200*/3 Mai bahn 1443/4 Bayer. Ostbahn 140 Bhein-Nahebahn-Act. 453/4 Hess. Ludwigsb.-Act. 1773/4 Oberhessen „ 8V/8 Prioritäten. 3O/o öster. Stsb.-Prior. 583/4 3O/o öst. s. Lombard 507/q 3O/o Livorneser 3 91/4 5O/o Tosoaner 613/4 50/0 Eliaabeth.-Prlor. 845/g do. II. Emiss. — Anlehenelooee. Darmstädter fl.50Loose 188 n n 25 n — Kurh. 40 Thir. Loose 71 Nassau 25 fl. 451/2 Braunschweiger 21i/g 3O/o Oldenburg, ä 40Thlr. 39 4% bayr. Präm.-Anl. 113 4% badische Loose 1111/4 Badische fl. 35 Loose 693/4 Oeetr. fl. 250 v. 1854 853/g 1858r Prioritätsloose — 1860r Loose 941/4 1864r „ 1561/2 Wechsel. Amsterdam k. S. 981/° Augsburg k. 8. 993/4 Berlin Bremen Brüssel Hamburg Leipzig London Lyon Paris Wien ditto ditto Dis conto k. 8. 1047/g k. 8.' 931/, k. 8. 873/g k. 8. 105 k. 8. 1185/8 k. 8. — k. 8. 935/g k. 8. 1053/4 m. 8. 1055/g 4 °/o * ~ Gelds orten. fl. kr. Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 41—43 h doppelte 9 41—43 Holl. fl. 10 St. 9 53—55 Ducaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 22 elsvereln. Generalversammlung Montag bcn 22. Juli, Abends 8 Uhr, im Caf6 Ebel. Tagesordnung: 1) Geschäftsbericht, 2} Besprechung wegen der zu errichtenden Handelskammer. Sängerfest des Maui thal-Sängerbundes in Llikni-Unislnin. MM" Programm an der Kaffe und ans de» Plakaten. Auftlllg präcis 6 tlhr. Entree a Person 24 fr. Billets ä 18 fr. sind bei den Herren Gebr Wenzel am Kreuz zu haben. Bei ungünstiger Witterung Coucert und Illumination im Saale. % Ein verehrliches Publikum auf die Leistungen der K. Kgl. Oesterreichischen 11. Jnfanterie-Regiments-Kapelle aufmerk- machend, zeichnet Achtungsvoll II. Wettset« Verloosungs - Anzeige. 3235) Mit der am 11. September d. 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