Gießener Anzeiger Anzeige- und Amtsbtatlfür den Kreis Kietzen au Mittwoch sen 16. Oktober Bietzen, am 8. Bctobcr 1872. Betreffend: Den Zustand des Fasselwesens im Kreise Gießen. tont wieder 34 als gur, 18 als tauglich, A Resultat der im Jahre 1872 stattgehabten Besichtigung der Faffelochsen im Kreise Gießen. Namen Joh. Gg. Jung VII. Gemeinde Holzheim 21 2'/r gut. Albach Konrad Zeiß VI. Wwe. Dieselbe 5 untaugl. Wilhelm Kliebe Philipp Lenz Klein-Linden 22 Alt-Buseck Lang Göns Konrad Müller VIII. 23 Holland. r sehr gut. Heinrich Pfeffer II. Annerod Leihgestern 21 Vogelsb. 2 Philipp Hofmann III. gut. Bersrod Lich 25 .1 Beuern Derselbe Derselbe Handlung.) Burkhardsfelden Ludwig Wallbott 8 Gemeinde ^Heinrich Fuchs Lollar 26 Gemeinde Karl Braun gut. 9 Daubringen 2 Mainzlar Michael Sames II. ii Fürstliche Gutsverwaltung 2 Dieselbe gut. Gut gehalten. Ettingshausen 12 Oppenrod 32 Garbenteich 13 Reiskirchen 33 2>/r ehr gut. Ludwig Klinke! Gießen IV. 2Vr tauglich. Eberhard Pfeffer Groß-Buseck 15 Steinbach 37 4 tauglich. Tillmann Walter Konrad Kehr III. Treis a. d. Lda. Gemeinde Groh-Linden 16 Hch. Berghöfer III. u Grüningen kl. k> 17 gut. n ii VI. 3 gut- Heinrich Krailing Wagenbach. Dr. Winckler Georgi. F. Gros. Rehe sgez.) Brennemann 19 20 3 2 2 3 Dorf-Gill Eberstadt 2 2'/r sehr gut. tauglich, sehr gut. gut. gut. gut. gut. gut. 31 35 36 10 11 Vogelsb. Bastard Vogelsb. 3 2 2 2 2 3 2'/r 2i/2 2 2i/2 4 4 Die Accordzctt des Halters des 3. Ochsen ist abgclaufen. Der 2. Ochse soll angcschafft werden. Christian Rohrbach Kaöpar Müller II. Ludwig Krailing des Halters. sehr gut gut. tauglich, gut. ehr sehr sehr Allendorf a.d. Lahn Mendorf a.d. Lda. Berner Bastard. Vogelsb. Vogelsb. Bastard Vogelsb. gut. gut. gut. gut. Hausen Heuchelheim Johs. Amend II. Ludwig Muhly Kasper Becker VI. Philipp Kahl 4 1'/4 gut- gut. gut. tauglich. Rödgen Ruttershausen Staufenberg Johannes Henrich VII. Johannes Jäger Roch zu jung. Verspricht aber gute Entwickelung. Ein 2. Ochse ist unbedingt nothwcndig Bei ca. 125 Kühen und Rindern nicht ausreichend. Der 2. Ochse fehlt. Steht zum Verkauf, dadieAecord- zeit des Halters obläuft. Der 2. Faffelochs ist kürzlich verunglückt und ist zu ersetzen. Die Haltung könnte bester sein. Gut gehalten. Muß besser gcl)ab ten werden. Münster Rieder-Bessingen Ober-Bessingen Ober-Hörgern Ein 2. Ochsen ist nöthig. Rechnen. Lesendes Eigcn- ihümers. Hartmann Albert Gemeinde lPhil. Lutz II. Hans Georg Roth Gemeinde Johs. Alles IV. sreitag- Rechnen. der Gemeinden. iTtctox der en Leute :ie Letzteren Besuch des i zu wollen. > Muugs- ii Ausschuß um Dis- rich/sföcher der Schule i v/t von 8-10 Vorkommen. || schrist- treteru beiden Aus- jt Berner u. Holl. Kreuzg. Berner Bastarv. Vogelsb. u !• :v 3/ I1 !- Johannes Roth III. Derselbe ■ p,1 e Johannes Dern II. Georg Dern V. Georg Dern IV. Philipp Zimmermann Derselbe Michael Keil Wittwe Michael Sann Kaspar Wallbott VII. Philipp Schwalb Ludwig Keßler Gemeinde!Johs. Beloff II. „ IJacob Henß Rk. 243 «■■■■■■ skaspar Ätzbach's Wwe. Johannes Lemmcr Ludwig Jung Jacob Hofmann V. l'/r Art ‘ W dm lNtn bet Ludwig Euler Johannes Dern Heinrich Euler Wilhelm Bender Gemeinde IJohs. Roth II. tzreiS vierteljährig 1 ft 12 h. atit Bringrrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 ft. Gemeinde n 28 29 3" 31 n Md der stimmungen, st ab ßatt- ine Wieder- !du»gsschule °Sen ent; itcn Klassen Gegenständen ir uns t>et« oudere auf Htenb, hin- ö nochmals 1 n ti il r il n l. Ttbilbiuiflfr irzeichneteu gen nach äschiAung tchnologie- Gut gehalten. Zur Zeit krank, auch zu alt; daher abzuschaffen. Ein dritter Ochse ist nöthig. Recht gut gehalten. Neu ungeschafft. Anschaffung eines 3. Ochsen wird beabsichtigt. Der 2. Ockffe fehlt abermals und wird angeblich nur von Michaeli bis April gehalten. Zu schwach, wenn nicht ein 2. Ochse angeschafft wird. Erscheint täglich, mit An-- nähme Sonntags. Expedition: Canzletberg, Lit. B. Rr. 1. „ Joh. Georg Setp II. Jacob Balser Philipp Balser 1. Ludwig Mengei Heinrich Schmidt I. W Gemeinde ^Ludwig Moos n Heinrich Grölz wirb an die Großher^oglichen Bürgermeistereien des Kreises. Nachstehend theilen wir Ihnen das Resultat der Besichtigung mit, welche durch die von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein bestellten Commissionen im laufenden Jahre vorgenommen wurde. Im Wesentlichen hat sich der Zustand des Fasselwesens gegen das Vorjahr nicht verändert. Es fanden sich im Ganzen vor 71 Ochsen, gegen 73 in 1871 und 77 in 1870. Unter jenen 71 wurden bezeichnet 17 als sehr gut, gegen 15 in 1871 und 27 in 1870, gegen 37 in 1871 und 35 in 1870, gegen 15 in 1871 und 11 in 1870, 2 als untauglich, gegen 6 in 1871 und 4 in 1870. Es darf hierbei berücksichtigt werden, daß der minder günstige Zustand mehrerer Faffelochsen der kaum überstandenen Klauenseuche beizumeffen ist. Auch diesmal ist wieder in mehreren Gemeinden nicht die der Zahl der vorhandenen Kühe und Rinder entsprechende Anzahl von Faffelochsen vorgefunden worden und behalten wir uns vor, deßhalb, sowie bezüglich der sonst erhobenen Anstände, die geeigneten speciellen Verfügungen zu erlassen. v. Röder. ? M 6( 4 a tr “ Äst 35STaa Kation. 2i/z tauglich. 18 Hattenrod 1 Beschreibung der Ochsen. Gutachten der Commission. Bemerkungen. Race. 1 i; '«niA Vogelsb. 3V2 ehr gut. Lei der Größe des Liehstandes (292 Kühe ohne Rinder) st mindestens 'in 3. Ochse nöthig. 11 1V2 auglich. Vogelsb. 31/2 gut. Ein Ochse ist bet Bastaro Der Zahl vcr vorhandenen Kühe ungenügend. Vogelsb. 2-/2 tauglich. Hatz.Z.dieKlauen- 4 tauglich. enche. Desgl. » 3 tauglich. Dcsgl. Anschaffung eines 4. Ochsen ist noth- wendig. II 3 gut- II 2 tauglich. tl 3 gut. II 3*/? gut. 3‘z tauglich. Möchte abzuschaffen sein. Berner 3 tauglich. Hat durch Klauen- Bastard. seuche gelitten. Berner. 4*2 untaugl. Untauglich in Folge ders. Krankheit. Berner 2'/2 gut. Der Viehstand der Bastard. Gemeinde erheischt einen 3. Ochsen. Vogelsb. 4 gut. 11 3 - gut. 3 ehr gut. Recht gut gehalten. H 3*/2 gut. f, 2V? ehr gut. II 2 ehr gut. Berner Bastarv. Vogelsb. 3‘/2 gut. 13/4 gut. Holland. V/2 gut. Der Halter ist ungenügend bezahlt. Vogelsb. 2*z 4 gut. Sehr gut gehalten. 11 3< 2 gut. 2‘/2 tauglich. Der 2. Ochse fehlt. 11 2 gut. Neu angeschafft. Vogelsb. 3 tauglich. Erlaß durch einen Bastard. besseren Ochsen ist zu wünschen. Holländ. 2 ehr gut. Sehr gute Haltung. Vogelsb. 2 sehr gut. Ein 3. Ochse ist nöthig. Vogelsb. 3 tauglich. Muß besser gehalten Bastard. werden. Vogelsb 3 gut- Gut gehalten. Bewe Halter sind zu schlecht bezahlt. Auch ist ein 3. Ochse nothwendig. 11 VA tauglich. Die Bezahlung des Halterö ist unge- nügend. n 2 gut. 1, 2'/ sehr gut Vogelsb Bastard . 1' tauglich. Vogelsb .V/ gut. Anschaffung eines n 3' sehr gut. 4. Faffelochsen ist 11 2'/ 4 sehr gut geboten. । Ordn.-Nr. | Namen Beschreibung der Ochsen Gutachten der Commission. Bemerkungen. II Ordn.-Nr. | der Gemeinden des Eigen- thümers. des Halters. Race. 55 39 Trohe Christoph Schmidt 10 Watzenborn und Steinberg Johannes Häuser IV. Jacob Philipp III. Gemeinde ^Johs. Brückel 11 Wteseck Kaspar Schmidt Johannes Schäfer Heinrich Sommcrlad. Deutschland. Darmstadt, 14. Oktober. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 8. l. M. den Stadtgerichtsassessor bei dem Stadtgericht Gießen Otto Becker zum HofgerichtSasseffor bei dem Hofgericht der Provinz Oberheffen zu ernennen geruht. Darmstadt, 14. Oct. Heute trat die zweite Kammer der Stände wieder zusammen. Nachstehendes ist laut „Darmstädter Zeitung" der Wortlaut der Er- klärung, welche der Präsident des Gesammtministeriums, Herr Hofmann, in der heutigen Sitzung Namens der Staatsregierung abgegeben hat: Da Vie großherzogliche Regierung in ihrer neuen Zusammensetzung heute zum ersten Male vor dieser Versammlung erscheint, so liegt mir, den das Vertrauen unseres Allergnädtgsten Landesherrn an die Spitze der Geschäfte berufen hat, die Pflicht ob, Ihnen, meine hochzuverehrenden Herren, in kurzen Zügen die von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog ausdrücklich gutgehetßencn Grundsätze kund zu geben, nach welchen die Regierung fortan die Verwaltung des Landes zu führen beabsichtigt. Wenn ich dabei zunächst das Verhältniß zum deutschen Reiche ins Auge fasse, so ist ver Weg, den wir zu gehen haben, klar sorge* zeichnet. Die großen Ereignisse der Jahre 1870 und 1871 haben Deutschland die lang erstrebte Einheit und zugleich eine Machtstellung verschafft, wie cd sie in früherer Zett kaum jemals einnahm. Kein deutsches Land aver hat mehr Ursache gehabt, die Gründung des deutschen Reichs mit aufrichtiger Freude zu begrüßen, als gerade Hessen. Denn Hessen war der einzige deutsche Staat, dessen Gebiet von der Mainlinie durchschnitten wurde. Die Schwierigkeiten, die hieraus entstanden, sind noch zu lebhaft in Ihrem Gedächtnisse, als daß ich sie hier aus führlich schildern sollte. Bet dem raschen Voranschreiten der norddeutschen Bundesgesetzgebung wußte der Zustand der Theilung unseres Landes in ein dem Bunde angehöriges und ein demselben fremdes Gebiet, trotz aller Verträge, die man zur Ausfüllung der Kluft zwischen Nord- unv Sübhessen abschloß, auf die Dauer geradezu unhaltbar werden. Auö diesem Zustande hat die Gründung des Reiches uns erlöst und es ist schon deshalb natürlich, daß in Hessen lebhafte Sympathien für Kaiser uud Reich vorhanden sind. Die Regierung weiß, daß sie mit den Gesinnungen der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung des Landes überein- stimmt, und daß sie zugleich das Interesse des großherzoglichen Hauses und des Landes am besten wahrnimmt, wenn sie ihre Pflichten gegen das Reich mit voller, freudiger Hingebung an die großen nationalen Aufgaben des deutschen Genuin- wesens erfüllt und wenn sie in demselben Geiste das ihr durch dre Reichsverfassung gewährte Recht der Mitwirkung bei den gemeinsamen deutschen Angelegenheiten ausübt. — Was sodann die inneren Verhältnisse des Landes angeht, so ist es zunächst die Reform des Wahlgesetzes, hinsichtlich deren die Regierung Ihre Mitwirkung in Anspruch nimmt. Die Regierung hofft, daß es gelingen wird, aus der Grundlage des von ihr umgeänderten Entwurfes zu der dringend wünschens- werthen baldigen Vereinbarung über das neue Wahlgesetz zu gelangen. Nicht minder ist es der Wunsch der Regierung, daß von den Ihnen bereits vorliegenden Gesetzentwürfen insbesondere diejenigen, welche sich auf die GemeindeauSgaoen, auf die Pensionirung der Civilbeamten und auf die Besoldungen der Geistlichen, sowie der Lehrer beziehen, noch auf dem gegenwärtigen Landtage erledigt werben möchten. Außsr diesen bereits in Verhandlung begriffenen Gegenständen sind in der nächsten Zeit noch eine Reihe wichtiger Aufgaben zu lösen. Es wird sich darum handeln, veränderte Personal- und Besoldungs-Etats auf Grundlage einer möglichst vereinfachten VerwaltungS-Organisatton zu entwerfen. Zugleich wird die Regierung ihr Bestreben darauf richten, Einrichtungen zu treffen, durch welche die Bevölkerung zur Theilnahwe an der Verwaltung in größerem Maße, als es bisher geschehen war, herangezogen wird. Einer besonderen Sorgfalt bedarf die weitere Behandlung der kirchlichen Verhältnisse, soweit das Staatsinteresse dabei in Betracht kommt. Es gilt, unter vollständiger Wahrung der Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Rechte Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs auch den kirchlichen Gemeinschaften gegenüber aufrecht zu erhalten und zur Förderung des konfessionellen Friedens in Anwendung zu bringen. Der evangelischen Kirche des Landes steht eine Neugestaltung ihrer Verfassung bevor. Erst wenn diese Neugestaltung vollzogen ist, wird auch das Verhältniß des Staates zur evangelischen Kirche neu g ordnet werden können. Was die katholische Kirche betrifft, so wird es vor allen Dingen darauf ankommen, den Rechts'ooden für das Verhältniß zwischen Staat und Kirche, so wett erforderlich auf dem Wege ver Gefetzgevung, wieder klar unv sicher zu stellen. Die Schule und das Uuterrichtöwesen über- Haupt in allen seinen Abstufungen wird von ver Regierung, die von der Wichtigkeit dieses Zweiges der öffentlichen Verwaltung durchdrungen ist, mit dem regsten Eifer gefördert werden, insbesondere wird dafür gesorgt werden, daß die Verhältnisse, welche in Bezug auf baö Volksschulwesen einer gesetzlichen Regelung be- dürfen, so schleunig wie möglich im Wege der Gesetzgebung geordnet werden. Es versteht sich ferner von selbst unv bevarf deshalb kaum einer Versicherung, daß die Regierung es sich angelegen sein lassen wird, auch den materiellen Interessen des Landes gerecht zu werden, die Landwirthschaft zu heben, Handel und Industrie zu pflegen und den schwierigen Fragen, welche durch die Lage und die Bestrebungen der Arbeiterklasse angeregt sind, die ernsteste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Regierung verhehlt sich die Schwierigkeit ihrer Aufgaben nicht, allein sie geht mit der Zuversicht an's Werk, welch.' aus dem Bewußtsein redlichen Strebens entspringt. Es ist keine Portetregierung, meine Herren, die vor Ihnen steht. Es ist eine Regierung, die kein anderes Programm hat, als das Wohl des Landes und die deshalb auf oie Unterstützung oller Derjenigen glaubt zählen zu dürfen, welchen dieses Wohl am Herzen liegt und welche gleich der Regierung wünschen, mit Gottes Hilfe die reichen Keime der Wohlfahrt, die unser Land in sich birgt, zur vollen Entwicklung zu bringen unv Hessen zu einem treuen unv kräftigt» und deshalb angesehenen und geehrten Mitglieve der deutschen Sraatenfamilie zu machen. Darmstadt, 14. Oct. Vor einem ungewöhnlich zahlreichen Publikum nahm heute die zweite Kammer ihre Sitzungen wieder auf. Nachdem sich das neue Ministerium bei der Kammer eingeführt, setzte der Präsident diese von der erfolgten Neuwahl iw zehnten Wahlbezirk, aus welcher Bürgermeister Heydcnreich von Affölterbach hervorging, und von der Mandatsniederlegung der Abgeord. Hallwachs unv Kempf in Kenntniß, welche letztere jedow, im Hinblick auf einen früheren analogen Vorgang, von der Kammer nicht anerkannt wuide, worauf der neue Direktor ves Justizministeriums und der Ministerialrath Hall-achs wieder ihre Abgeordnetensitze einnahmen. Die Kammer genehmigte hierauf den Gesetzentwurf über die Verschmelzung der zweiten und dritten Klaffe der Communalumlagen, eine langjährige Forderung der Kammer, welche seither nur beim Grundadcl auf Widerstand stieß. Die Forensen, das heißt die nicht im Orte wohnenden, zur Gemeinde gehörigen Grundbesitzer, welche seither nur zur dritten Klaffe der Gc- meindeumlagen herbeigezogen werden konnten, müssen nunmehr zu sämmtlicheu Geweindeumlagen beitragen, dagegen sichert ihnen ein anderer Gesetzentwurf über die Mitwirkung bei der Feststellung des Gemeindehaushalts das Recht, durch Wahl eines Vertreters in den Gemeinverath ihre Rechte uud Interessen wahren zu dürfen. Ein dritter Gesttzentwurf, welcher die Genehmigung der Kammer erhielt, dehnt, gemäß den Bestimmungen der Militärconvention, die in Preußen über den Waffengebrauch des Militärs in Friedenszeiten unv dessen Mitwirkung zur Herstellung der öffentlichen Ordnung geltenden Bestimmungen auf das Großherzoa- tbuw Hessen aus. Darmstadt, 15. Oct. Die Tagesordnung für die heutige Sitzung der zweiten Kammer der Stände bildet die Berathung über: 1) die Vorlage der Großherzoglichen Ministerien des Großherzoglichen Hauses und des Acußern, des Innern, ver Justiz und der Finanzen, den Gesetzesentwurf. die Revision der Bestimmungen über die Versetzung der Civilbeamten in den Ruhestand betreff.; 2) die Vorlage der Großh. Ministerien der Justiz und des Innern, betreff. Gesetzesentwurf, die TodtSerklärung von Personen, welche an dem Fe'dzuge der Jahre 1870 und 1871 Theil genommen haben und vermißt werden; 3) den Antrag des Abgeordneten Heß auf Vorlage behufs Neubaues des Gymnasiums zu Gießen. Berlin, 12. October. Sämmtliche Urtheile der nicht ultramontanen Presse über die Fuldaer Denkschrift sind darin einig, daß sie an derselben am meisten ihre Kühnheit in Entstellung der Thatsachen anstaunen. So schreibt die Elbf. Z. u. A.: „Die Schilderung von der den Kriegen von 1866 und 1870 angeblich in Deutschland zu Theil geworbenen Auffassung ist eine vollkommen falsche. Allerdings haben im Jahre 1866 katholische Pfarrer in Westphalen für den Sieg der Ocsterreicher gebetet, allerdings predigte in Bayern eine Anzahl ultramontaner Abgeordneter, den Herrn Jörg an der Spitze, und die dortige ulttamoutane Presse eine Zeit lang von Vaterlandsverrath unv die Neutralität in dem Kriege gegen Frankreich. Ader so wenig in dem einen wie in dem anderen Kriege wurde deshalb der Neligionshaß in der von den Bischöfen dar- gestellten Weise angefacht, noch ist von einer fast durch ganz Deutschland hin eingeleiteten gerichtlichen Unteisuchung gegen katholische Geistliche wegen Vater- landSseindlichkeit dac Mindeste je bekannt geworden. Vielmehr beschränkte man sich, auf jene verräthenschen Stimmen als des ganzen deutschen Volkes unwürdig hinzuweisen, und stand einig und ohne Anschuldigungen dem Feinde gegenüber. Die Zuverlässigkeit des westphalischen und rheinischen Armeecorps im Kriege gegen Oesterreich ist mehr als einmal rühmend anerkannt worden, nicht minder als im Jahre 1870 die Haltung der Bayern. Aber allerdings wurde es, wie auch sonst jchon oft, wenn es zwischen Vaterland und Papst zu entscheiden galt, nach dem Kriege von 1870 anders, und die Bischöfe haben diese veränderte Gesinnung am lautesten proclamirt. Der Bischof von Regensburg erklärte sich zum Umsturz der Throne bereit, wenn sie nicht der Curie willfährig wären; der Bischvf von Paderborn fetzte Demonstrationen gegen das Staatsoberhaupt Preußens in Scene' der Bischof von Breslau hielt die Brandrede, in welcher er ausführte, daß der Staat so unheilvoll siech geworden sei, daß er nur durch das Feuer und das Elsen der Commune wieder heil werden könnte. Solcher Art ist die Loyalität, mit welcher die deutschen Bischöfe den Staaten gegenübertreten, dies der Geist, den sie erzeugen. Die Früchte, die sie gesäet, sind schnell aufgegangen. Unter dem stürmischen Beifalle einer Versammlung von 6000 Katholiken durfte Herr Lindau es am 6. Oktober aussprechen: „Unsere Sympathieen müssen wir der- jenigen Nation entgegentragen, welche sich des heiligen Vaters annimmt. Ihr wird unser Herz zugcthan sein. Wir werden ihr den Lorbeerkranz gönnen, wenn wir auch mit Trauer auf Germania schauen." Wenn solche Gtsinnung die allgemeine unter den Katholiken würde, bann allerdings wäre für unser überwiegend nichtkaiholischrS Volk das Zusammenleben mit der katholischen Kirche unmöglich- dann sind die Bischöfe, welche solche Gesinnung erzeugen, srlost daran schuld* wenn, wie sie in ihr.r Denkschrift behaupten, „es immer mehr aufkommt, Deutsch» thum und Protestantismus zu identificiren." Berlin, 12. Oktober. In feinem nicht amtlichen Theile macht beute das „Militär-Wochenblatt" Vorschläge, tn welcher Weise die Verluste der Infanterie im fetndlichen Feuer zu vermindern sind. „Die unverhaltn'ßmäßtg großen Verluste im wiiksamen feindlichen Infanteriefeuer" haben bereits 1866 und dann 1870/71 dahin geführt, baß die Bataillons-Colonnen auf ebenem Terrain nur ausnahmsweise angewandt wurden. Der Gebrauch der Compagnie-Colonnen ergab sich in allen diesen Fällen als Nothwendigkeit. Wo man noch versuchte, bie BataillonS- Colonnen anzuwenden, waren, wie im Gardecorps bet St. Privat, „die Verluste ganz außerordentlich". Nach 1866 glaubte man noch, die frühere Colonnentaktik unverändert beibehalten zu können. Die Gewalten des Krieges waren aber mächtiger, unv es wirb nun varauf ankommen, Formen zu finden, in denen chie feindlichen Geschosse verhältnißmäßig geringe Verluste verursachen. Der Allerhöchste Erlaß vom 4. Juli d. I. sagt im Eingänge: „Die Erfahrungen des lrtzten Krieges zeigen, baß die Verwendung von geschloffenen Bataillonen in ebenem, freiem Terrain im wirksamen, feindlichen Infanteriefeuer unverhältnißmäßig große Verluste nach sich zieht. Dagegen ist mit Erfolg ein weit ausgedehnter Gebrauch von Compagnie-Colonnen und starken Schützenlinien gemacht worden". Definitive Festsetzungen sollen erst nach den eingeforderten Berichten der Truppen- befehlshaber erfolgen, weshalb bas Fachblatt eben Vorschlag: macht. Es treffen tn Berlin immer mehr Japanesen ein, welche alle den Zweck ihres Hierseins darin suchen, sich mit den Gebräuchen der kivilisirten Welt und den Fortschritten der Neuzeit bekannt zu machen. Sie besuchen nicht allein zu ihrer Ausbildung Hochschulen und Akademien, sondern arbeiten auch in Fabriken unD Werkstätten, doch nicht des Verdienstes, sondern nur der Vermehrung ihrer Kenntnisse wegen. Ein inniger Zusammenhang, wie er unter den Deutschen iw fernen Auslanoe sich kundthut, ist nicht zu bemerken. Eine hiesige lithographirte Correspondenz bringt eine Abbildung von eine« Dreipfennig-Milchbrod, wie es in Berlin am 12. October verkauft wird. Das! Bild hat etwa die Größe zweier neben einander gelegter Kupferdreier. Und die Qualität? — Darüber ließe sich auch viel sagen! Berlin 14. Oktober. Für den BunveSrath wird sofort nach Wiederaufnahme seiner ^Geschäfte die weitere Vertheilung der französischen KriegScontribution der Gegenstand eingehender Berathungen bilden. Nach dem tsm Reichstage angenommenen Anträge feiner Commission ist die Disposition über P/a Milliarden Vorbehalten und hinsichtlich der übrigen 31/2 Milliarden noch zu bestimmen, wie der Antheil NorvdeutschlandS unter die Mitglieder des ehemaligen norddeutschen Bundes vertheilt werden soll. Die „Pos. Ztg." schreibt: „ES ist bezeichnend, daß jetzt aus dem gelobten Land unserer Conscrvativen, aus Hinterpommern, die lebhaftesten Klagen über die Auswanderung der ländlichen Arbeiter ertönen. Ein landwirthschaftlicher Verein in Cöslin pet-tionirt um Beschränkung der Auswanderungsagenturen und um freie Rückfahrt aller Personen aus Amerika und Australien, welchen „etwa die Auswanderung leid geworden sein möchte." Noch immer bildet man sich ein, Verführung locke die Tagelöhner fort, während doch nur die Unmöglichkeit sie fvrttreibt, sich in der Heimath über ihr kümmerliches Dasein hinauSzuarbetten und rin Eigcnthum zu erwerben. Dee Mangel an verkäuflichen Grundstücken zeigt sich grade in Hinterpommern als ein wahrer Nothstand. Zu den zahlreichen Rittergütern (der Regierungsbezirk Cöslin zählt deren 853) kommt noch ein großer Besitz der todten Hand (Pfarrländereien, Domänen, Forsten, Fcheicommisse). Anstatt sich mit österreichischen Geheimräthcn über die „Arbeiterfrage" zu unter- halten, thäte die Regierung besser daran, hier Hand anzulegen durch Parzellirung der Domänen, Aufhebung der Fideikommisse u. s. w." Berlin, 15. Oct. Prinz Albrecht (Vater) von Preußen ist gestern Abend 11 Uhr 10 Min. verschieden. Hannover, 12. Oct. lieber die Mißhandlung von Soldaten durch Vorgesetzte berichttt die „H. L.-Z." wie folgt: Der Musketier N. der 4. Comp. 74. Jnfan- tericregimentö kehrte krank und fast lahm aus Frankreich nach hier zurück. Der Hauptmann v. N. und auch der Feldwebel glaubten indeß, daß derselbe seine Krankheit fimulire, und stellten nachfolgende Procedur mit dem Unglücklichen auf: derselbe ward Morgens früh auf den Welfenplatz gelegt, um hier den ganzen Tag über ohne jegliche Nahrung und jeder Witterung pretsgegeben zuzubringen. Abends ward derselbe tn die Caserne zurückgetragen. Anwohner der Celler Straße erbarmten sich jedoch des Unglücklichen und reichten ihm Speise und Trank; hierüber wurde der Herr Hauptmann erbittert und um dieses zu inhibiren, ließ er sein Opfer auf den Kasernenhof setzen, mit dem strengen Befehle, falls einer seiner Kameraden demselben etwas zustecke, denselben mit scharfem Arrest zu bestrafen. Als dieses bet den Anwohnern der Celler Straße ruchbar wurde, machten die» selben beim Militär Oberkommando Anzeige, und in Folge dessen wurde eine Untersuchung eingeleitet. Der Unglückliche wurde in'S Hospital geschafft, und als derselbe so weit genesen war, daß er sich an Krücken sortbewegen konnte, unter- nahm er die Reise nach Berlin, um bei dem Kaiser diesen Fall zur Kenntniß zu bringen; dieses Glück wurde ihm jedoch nicht zu Theil, wohl aber erhielt er Audienz bei dem Kronprinzen, dem Prinzen Friedrich Karl und dem General von Moltke, von welchen er durchaus freundlich empfangen wurde und die seine Klagen dis in's Kleinste sich erzählen ließen. Die Untersuchung scheint jetzt beendet zu sein, denn der Hauptmann v. N. ist vor etwa drei Wochen abgeführt worden, um 6 Monate Festung zu verbüßen. Was die übrigen Mitschuldigen für Strafe bekommen, ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Am 24. September Abends erhängte sich von derselben Compagnie ein Recrut. Dieser Unglückliche hatte fast beständig zerrissene Ohren und zerschundene Backen gehabt in Folge der Behandlung seines Unteroffiziers. Aus Elsaß-Lothringen 13. Oktober. Der „Karlsr. Ztg." schreibt man aus Metz: Es scheint, daß die französische Regierung nun doch dem Friedens- vertrage gerecht werden wird. Neulich wurden mehrere junge Leute von hier, die ohne Eltern ausgewanbert waren, um französische Kriegsdienste zu nehmen, von Nanzig aus wieder nach Hause gewiesen. — Der „Als." schreibt: Die erforderlich gewordenen GemeinderathSwahlen in Mülhausen sind auf den 26. und 27. b. M. festgesetzt. Die Theilnahme der aus Altdeutschland eingewanderten Bürger dürfte dadurch wesentlich beeinträchtigt sein, daß die meisten dieser Kategorie Angehörigen unterlassen haben werden, bet Ausstellung der Wählerlisten iw verflossenen Monat Januar ihre Namen eintragen zu lassen. Straßburg, 9. October. Seit dem festlichen Acte der Grundsteinlegung der neuen Veste Straßburg werden mit sichtbarem Eifer die Arbeiten an den bereits begonnenen Forts weiter befördert. Die Abholzung des städtischen Waldes auf dem Terrain zu Fort 1 in der Rupprechtsau, dem sogenannten Niederwald, soll gleichfalls beschleunigt werden, so daß dann in einigen Wochen die ersten sieden Forts ter neuen FeflungSerweiterung in Erbauung begriffen fein werden. Die Ervaufwürfe und Anfüllungen sind bereits weitaus sichtbar und in kürzerer Periode, als man anfänglich vermuthete, soll der moderne steinerne Gürtel die alte Reichsstadt umgeben. Die langersehnte Ausdehnung der Stadt wird sich dann vollziehen. München, 10. Oktober. Der Allg. Zeitung zufolge wird das königliche Hoflager auf Schloß Berg am 12. d. Mts. aufgelöst und nach Hohenschwangau verlebt. Der König wird am Samstag hier eintreffen. Speyer, 9. Oktober. Durch eine gestern hierher gelangte Mtnisterial- Entschließung ist der Geschichtsunterricht am hicsigen humanistischen Gymnasium den Reli^tons-Profefforcn abgenommen und für jede einzelne Claffe dem betreffen- den Classenlehrer übertragen worden. An den technischen Lehranstalten ist der confessionSlose Geschichtsunterricht schon im vorigen Schuljahre zur Em- führung gelangt. Oesterreich. Wien, 12. October. Sehr peinliches Aufsehen hat die in der gestrigen Gemeinderath-sitzung zur Sprache gekommene Bestechungsangelegenheit des Advocaten Dr. Georg Schmidt hier erregt, welcher sich dem Vertreter eines Pariser Con- sortium- zur Erbauung von Marktstellen gegenüber erboten hat, die Entscheidung des Gemeinderaths zu Gunsten des ConsortiumS zu lenken, falls ihm für feine Mühewaltung die Summe von 10,000 Gulden zugeflchert würde. Bürgermeister Felder hat sich in den Besitz der Dokumente zu setzen gewußt, welche die Schu v des Dr. Schmidt außer allen Zweifel stellen und denselben dadurch veranlaßt, seine Stellung als Gemeinderath niederzulegen. Damit hat aber der Gemeinderath die Angelegenheit nicht für erledigt erklärt, sondern auf Vorschlag der RechtSsection einstimmig beschlossen, die Belege der Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen, und sie um Mittheilung vom Ausgange der Untersuchung zu ersuchen. An Skandal fehlt es hier eigentlich niemals, bald sind es skandalöse Processe, bald unerhörte Vorgänge im Schovße der Aktiengesellschaften, bald Bestechung von Gemeinveräthen, bald Sequestration von Eisenbahnen. Frankreich. Paris, 13. Oktober, Abends. Man versichert, Thiers beabsichtige nach Zusammentritt der Kammer ein Ausnahme-Gesetz gegen die Familie Bonaparte einzubringen. „Bien publie" versichert, daß in Folge der letzten Erklärung des Präsidenten der Republik in der Permanenz-Commission eine große Anzahl der Mitglieder des rechten Centrums entschlossen fei, sich der Politik dcS Präsidenten anzufchließen. Paris, 13. Oktober. Prinz und Prinzessin Napoleon sind heute Morgen tn Gens angekommen. Spanien. Madrid, 12. Oktober. Die Amtszeitung sagt, daß an dem republikanischen Aufstande von Ferrol ungefähr 1000 Leute Antheil genommen haben. Eine Panzerfregatte und zahlreiche Truppen sind nach dem Herde des Aufstandes hingeschickt worden. Die Insurgenten haben sich ins Arsenal eingeschlossen. DaS Fort San Felipe wird ihre Fahrzeuge am Auslaufen verhindern. Alles ist zum Angriff bereit. Die Aufrührer haben den Muth verloren und viele von ihnen schon die Waffen gestreckt. Schweden. Stockholm, 14. October. Der König verlieh dem preußischen General v. Steinäcker das Großkreuz des Schwertordens. Heute findet am Hofe große Cur statt, mit welcher die Trauerfeierlichketten für den verstorbenen König zum Schluß gelangen. England. Dublin, H. Oktober. Seit zwei Tagen herrscht in Lisburn Aufregung; die Volksmenge verbrannte in effigie den katholischen Priester Kelly. Die Behörden haben von Belfast Polizei und Truppen requirirt. Türkei. Konstantinopel, 14. October. Das hiesige officiöse Journal „Baffiret" führt in einem Artikel aus, Montenegro sei eine Provinz der hohen Pforte, seine Regierung und Bevölkerung sei der Pforte unterthan. Die Regierung des Sultane halte es deshalb nicht für geboten, sich betreffs der Bestrafung der Aufrührer, wie es früher wohl für nothwendig erachtet sei, einer Besprechung mit den fremden Botschaftern zu unterziehen — ein Verfahren, welches die Schuldigen öfters ermuthigt habe, ihr widerrechtliches Beginnen fortzusetzen: Ellad Pascha ist zum Kri^sminister und Mustopha Pascha zum Marineminister ernannt worden. Vermischtes. //cord- Am 6. October, Abends, ereignete sich in Gebweiler (im Elsaß) ein scheußl X r Mord. Ein dortiger Bürger, ein Maurermeister (so viel bekannt, geborener Baden r), wurde auf der Hauptstraße in der oberen Stadt Nachts ein Viertel zwölf Uhr mit fast gänzlich abgeschnittenem Kopfe aufgefunden; zwei seiner Arbeiter, in denen man die Thäter entdeckt zu haben glaubt, sind verhaftet. Die That läßt sich nicht anders erklären, als daß der Eine den Ermordeten vom Rücken her packte, während der Andere den Hals durchschnitt. Ain gleichen Abend soll ein Soldat, welcher am Kopfe durch 2 Hiebe ziemlich bedeutend verwundet worden ist, ins Lazareth gebracht worden sein. (Kurzes Glück.) Wie die „R- S- Petersb. Ztg." meldet, war der Gewinn von 40,000 Rubeln bei der Ziehung der Obligationen der fünfprocentigen Prämien-Anleihe auf das BiUet des Sohnes eines der Wald-Industrie beflissenen Bauers in Wassilssursk (Gouvernement Nischnei Nowgorod) gefallen- Als der junge Mensch von seinem Glücke erfuhr, begab er sich nach Kasan, um der dortigen Bankabtheilung sein Billet zu übergeben, und in seiner Freude labte er sich weidlich an allerlei Getränken. Doch nicht lange war es ihm vergönnt, sich seines Glückes zu erfreuen. Nach Hause zurückgekehrt, starb er in Folge des übermäßigen Genusses spirituoser Getränke. Seine Erben sind seine junge Frau und sein Vater- (Eine neue Art reich zu werden) Einer unserer ehrenwerthen Mitbürger, schreibt ein Newyorker Blatt, hat kürzlich eine neue Art, reich zu werden, erfunden. Derselbe klemmt allabendlich den Schwanz seines großen schwarzen Katers in eine dazu besonder- coustruirte Zange, bindet dieselbe an einen Strick und befestigt letzteren an einen Pfahl mitten auf dem Hofe- Dem Manne ist es so ermöglicht, jeden Morgen auf 20 Schritte im Umkreis des Thieres eine reiche Ernte an Stiefelknechten. Zahnbürsten, ©eifreften, Wichstöpfen, Kartoffeln, Mohrrüben u. dgl. auf und an sich zu nehmen, welche die umwohnenden Nachbarn als Zeichen ihres aufrichtigen Beifalls ob der nervenerschütternden Katzenmusik dem klugen Thiere während der Nacht zugeworfen haben- Alle diese Liebesgaben trugen die Devise: „Wenig, aber vom Herzen." Börsenberichte. Frankfurt a. M., 15- October. Die heutige Börse war fast nur der Mcdioregulirung gewidmet, die sich, wie gestern schon erwähnt, ziemlich coulant abwickelte, indem Geld zu Prolongation willig war und sich der Zinsfuß auf 43/4—5 Procent stellte. Von Speculalion^effecte« waren StaatSbahn in Prolongation gesucht und bot hier der EvurSgang starke Schwankungen. Bei 350 einsetzend, stieg man bis 352 V«, sank auf nicht entsprechende Berliner Notirungen wieder bis 350, um bald darauf wieder auf 351% zu gehen. Dabei erreichten die Umsätze bedeutende Dimensionen. Auch Creditactien schwankten, wenn auch nicht so heftig wie Staatsbahn, un> schließen zu gestriger Notiz, während Lombarden entschieden im Rückzug begriffen waren, namentlich durch VerkaufSordreS aus Berlin gedrückt. Alle anders Effecten mußten mehr oder weniger den drei HauptspecieS nachstehen. Von Banken waren vorzugSwe se Deutsche Vereinsbank, Bankverein und Brüsseler begehrt, sodann Oesterr.ichische Nationalbank, welche circa 7 fi. höher ging. Darmstädter 1 fl. besser. Deutsche Effectenbank, für welche in Berlin gute Meinung herrscht, begehrt. Deutsche Handelsgesellschaft preiShaltcnd, auch Berliner Bankverein nicht unbeliebt. Dagegen war es in Bahnactien sehr still. Galizier gaben von der gestrigen Avance wieder etwa» ab. Bayerische Ostbahn abermals t/z Procent schlechter. Von Prioritäten waren alte und neue Lombarden offerirt. Oesterreichische Renten beliebt und abermals höher. Dagegen konnten c< österreichische Loose zu keinem rechten Aufschwung bringen, wie denn überhaupt Loose derzeit dir Aschenbrödel der Börse sind. Nur Braunschweiger Loose wegen der Nähe der Ziehung gefragt. Der Pfandbriefmarkt erhielt durch die neue Emission russischer Bodencredit-Pfandbriefe wieder etwas mehr Leben, und wurden mehrere Abschlüsse bei festen Coursen gemacht. Rheinische Hypo- thekrnbank und ^/yprocentige Frankfurter sehr beliebt. ju seiner letzten Ruhestätte begleitet haben, sagen wir hiermit unfern herzlichsten Dank- Die trauernden Hinterbliebenen. 4808) Allen Denjenigen, welche unfern unvergefflichen Gatten und Vater Andreas Baerrn, 12-121, Rehandü öffnet wer lchn daselbst, eingestellt Unters' Utteruns tzGleht Nähe bei euiSvw utt Brink Nb,i In Mifnt da J, aller B "'kchenfoch, !* " btt Egltehrr W fir ?• im ®| >2 Ä N"': e'w#n« Mt» 8*a>i L>li| ^Ichvs-.g dl» fo ®**fu B&rseon&chrichteD. 15. Oelber 1872. Preuss. 4i/a% Oblig. 103 Frankf. 3/8 h 41/,0/g 1jährige 1001/* q 4% 1jährige 93‘/2 Wtirtemb. 41/3 0/0 ObL 99’/a Baden 4i/3°/o ObL 0. E. L. 993/& r>esterr. äilberrente 647/g n Papierrente 60 Byanier, neuest. 3% 29 V4 /Xmerik. Bonds 1881r 985/8 , „ 1882r 96 , „ 1885r 971/4 „ n 1887r 965/8 A eilen. Frank/. Bank 145 Frankf. Vereins-Kasse 1583/* Dünnst. Bankaot. 5091/2 Wien Bankaotien 994 Oeat. Oreditact. 357 Galizien 250 A eiten« 50/o detr. F. 8t. E. B. 353 Lombard. Bahn 218i/2 Lud wigsh.-Bexbach — Max bahn 143 Bayer. Ostbahn 1301/* Rhein-Nahebahn-Act. 56% Hess. Ludwigsb.-Act. 178 Oberhessen „ 8ü>/2 Priorttftten. 30/o oster. Stflb.-Prlor. 57’/8 3O/o öst. s. Lombard 51 3°/q Uvorneser 381/4 5O/o Toscaner 6OI/2 5% Elisabeth.-Prlvr. 843/4 do. EI. Emiss. — AnlehenaBooae. Darmstädter fl.50Loose 20) » n 25 „ 553/4 Karh. 40 Thlr. Loose 721/* Nassau 25 fl. — Braunschweiger 223/4 3O/o Oldenburg, ä 40Thlr. 381/4 4O/o bayr. Präm.-Anl 112 >/4 4% badische L oose 110’/* Badische fl. 35 Loose 70 Oestr. fl. 250 v. 1854 893/4 1858r Prioritätslooae 2061/2 1860r Loose 94 */2 1864? „ 161 Weeheel. Amsterdam k. 8. 98 Augsburg k. 8. 100 Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 175% Brüssel k. 8. 923/4 Hamburg k. 3. 87«/8 Leipzig k. 3. 105 London k. 8. M8I/4 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 923/8 Wien k. 3. 1O73/8 ditto m. S. IO71/4 ditto i. 8. 106% Diaconto 5 % OeSdworteii» fl. kr. Pr. P'riedrdcr 9 58—59 Pistole?. . 9 41-43 » doppelte 9 42—44 Holl. fl. 103t. 9 53—55 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankenst. 9 19 */2— 20r. Schneider. Daheim Die soeben erschienene Nr. 52 enthält: Katharina Heiz, wohnhaft bet Herrn Zimmermann < - , -■ - ----------------- Schmidt, vis-ä-vis dem Schützenhof. und Zwerglandes tn Afrika. Mit Portrait -7^7-—~— ---——■ ----— — Stratzburger Gänseleberpasteten. — Am br->°-s Hausmadchm wird gamilientitoe: Der Weinhüter von Meran, gesucht. Lohn 60 fl. _ _ Mit Origmalzeichnung von Franz Skarbina. Zu Bestellungen empfehlen sich: die Ferber'sche Univ.-Buchhandlung, I E. Heinemann, I. Ricker. Mai» - Weser - Bah». 4769) Die Lieferung des nächstjährigen Bedarfs an folgenden Betriebsmaterialien, als: Buchenholz, Neiserwellen, Dochte, rasfi- nirtes und rohes Rüböl, Petroleum, Stearinlichter, Zündhölzer, Lampengläser, Pechfackeln, Hansheede, Leinen, Reiserbefen, Piasaoabefen, Harz- u. 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