Gießener Ameiger Rr. 2«s Montag den 11. November L872 ,15 250 127 6« 25 fl- — fr 10 8 25 4) n. 65 5) ur 150 6) 190 r , t t 1) 2) 3) oorgebracht fl. 471/4 fr. rt en. re *Ar Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 fr. ?n ill ea r- r* ? oe aus ben Herrn Verwalter Krebs zu Neuhof, Pachter Brennemann zu Winnerod, Oeconom Georgi in Gießen und Kreisassessor Gros daselbst ernannt, welche mit Veranlassung des in dieser B Ziehung Erforderlichen beauftragt wird. Der Vorsitzende erwähnt sodann der im September l. I. gelegentlich beit Generalversammlung der landwirthschaftlichen Vereine bes Landes in Mainz stattfinbenben landwirthschaftlichen Ausstellung und labet zu zahlreicher Bethetligung mit dem Anfügen ein, baß Anmeldeformulare bei ihm zu erhalten seien. Die Besichtigung der Gemeinde-Zucht stiere soll, ungeachtet ber etwas vorgerückten Jahreszeit, durch die früher gewählten Commissionsmitglreber, (von welchen ber diesmal verhinderte Herr Krebs von Neuhof durch Herrn Oeconomen Georgi zu Gießen vertreten weiden soll,) auch im laufenden Jahre vorgenommen werben. Der Boi sitzenbe theilt sodann ber Versammlung mit, baß ber lanbw. Provinzial- Verein von Oberhessen bem Mittelbentschen Gartenbau-Verein unb bem lanbwirth- bei welcher insbesondere ein jeder Kreis mit seinen Probucten möglichst vollständig vertreten sein soll. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wirb eine Commission, bestehend Die Rechnung schließt mit einem Kassenvorrath von...... Hierzu fonnnen pro 1672 ber statutenmäßige Antheil an ben Beiträgen ber Mitglieder zur Prooinzialvereinsfasse mit circa . . . so daß, abgesehen von dem seiner Größe nach noch ungewissen Beitrag ber Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft, für 1872 bisponibel sind................. fuchs- rc. Stationen zu Darmstadt pro 1872 ..... Für Ausführung des bereits früher beschlossenen Drucks ber am 25. Aug. 1868 abgiänbertcn Statuten bes Bez.-V. Dem OberheNstchen Bienenzüchteroerein, welcher um einen Beitrag zur Deckung ber Kosten einer im Juli I. I. zu Gießen abgehaltenen, mit einer Ausstellung von lebenden Bienen, Bicnenproducten und Bienengeräthschaften rc. rc. verbundenen Wanderversammlung nachgesucht hat zu diesem Zweck . . . . '.............. Dem Lehrer Aubel zu Rödgen, welcher ben lanbwirthsch. Unternchtscursus für Volksschullehrer zu Darmstadt besucht, für ben Fall, daß ihm aus ber Provinzialoereinskasse nichts sollte bewilligt werden können, eine Subvention von . . Für landwnthsch. Fortbildungsschulen und Unterrichtszwecke, insbes. zur Unterstützung der Besucher der Ackerbauschule zu Friedberg aus dem Kreis Gießen . . . . zur Subventionirung landwirthschafilicher Kränzchen und Casino's.................. Zur Beglaubigung: v. R ö d e r. 50 Stuten jährlich diesseits in Aussicht gestellt zu werden vermöge. Der Vorsitzende bittet sich hierüber zu äußern und bmieifr, daß nach einer Zusammenstellung, welche er aus den bctr. Acten habe fertigen lassen, in ben letzten 15 Jahren burchschuittlich nur 27 bis 28 Stuten aus bem Kreis Gießen zur Bedeckung gebracht worden seien, '. woraus hervorgehen dürste, baß ber ©taub der Pferdezucht in unserem Kreise die ' Errichtung der fraglichen Beschälstation nicht erheische. Es steht auch zu befruchten, . daß die behufs Ausscheidung untauglicher Stuten in Wetzlar beabsichtigte Körung die Pferdebesitzer vor Benutzung der fragt. Station abschrecken werde. Nach staltgehabter Discussion, bei welcher sich die Herren Georgi und Peters von Gießen, Krebs von Neuhof, Schlapp von Rödgen und Erb von Lich in zu- - stimmendem Sinne aussprachen, zum Theil ab^c auch den Wunsch aussprachen, daß ' die dermalen in Grünberg und Berstadt bestehenden hessischen Beschälstationen bemijj Kreise Gießen näher gerückt werden möchten, coustatirt der Vorsitzende, daß nach der M Ansicht ber Versammlung bie Wiedererrichtung ber Station in Wetzlar zwar erwünscht^, fei, eine Betheiligung aber in bem Umfange wie sie für erforberlich erachtet werbe, nach'1 den Erfahrungen der letzten Jah'-e nicht in Aussicht gestellt werben könne. A » ft ll ümXo nt I Vx4 n. A 11 C X 4 a QT,’ <’ H (a ni 1 i t v» a a*v* fUr rtflf Äst Bekan ntmachun g, die Reinigung der Schornsteine betreffend g dl Summe 375 fl. — fr. Ein sich hiernach ergebender Ueberschuß soll dem Reservefonds zugewiesen werden. Nach einem sodann von Herrn Professor Dr. Thacr von Gießen gehaltenen und von der Versammlung mit großem Interesse angehörten Vortrag über die Geschichte der Kartoffel, macht der Vorsitzende die Mlttheilung, daß seitens des Königl. Preuß. 1'andratbs zu Wetzlar bei ihm angefragt worden fei, ob auf eine Betheiligung der Pferdebesitzer aus den benachbarten hessischen Orten gerechnet werden könne, wenn bie früher beflanbene Beschälstation zu Wetzlar roiiber hergestellt werden sollte, was jedoch nur dann zu erwarten stehe, wenn eine Betheiligung mit etwa Wegen vorgerückter Tageszeit wird ein von Herrn Lehrer Leithäußer zu Groß- . Linden angemeldeler Vortrag über bie länbliche Arbeiterfrage bis zur nächsten Generalversammlung verschoben, auf welcher auch über eine von Herrn Katz in Steinbach in Anregung gebrachte Vrehausstellung und Ausstellung landwirthschastlicher Geräthe disculirt werben soll. , Protokoll über die am 24 August 1872 auf dem Schiffenberg stattgehabte ordentliche Generalversammlung des landw. Bezirksvereins Gießen. Gegenwärtig: ber I. Director bes Vereins, Provinzialbirector Freiherr von Röber als Vorsitzenber und ca. 70 Vereinsmitglieder. u ’t > so «. ft rf ne \ü ts' ■M 1 r- er Um entstandene Zweifel zu beseitigen, werden folgende für die Stabt Gießen erlassene Vorschriften wiederholt bekannt gemacht: 1) Die Kamine, wo beständig gefeuert wirb, müssen alle Viertel-Jahr wenigstens einmal gefegt werden; wo aber nur Steinkohlen gebrannt werden, sind sie jährlich fünfmal zu reinigen, unb zwar breimal im Winter (Ofrober, December unb Februar) und zweimal im Sommer (Mai unb August.) Es versteht sich von selbst, baß bie Kamine, welche (behufs Stubenheizung rc.) nur im Winter benützt werben, im Sommer nicht zu fegen sind. 2) Die Kamme solcher Gewerbsleute aber, welche zum Betrieb ihres Gewerbes starke Feuerung nöthig haben, wie Bäcker, Bierbrauer, Branntweinbrenner, Seifensieder, Häsner, Schlosser, Schmiede, Gastwirthe unb Garköche, hinsichtlich ihrer Küchenschornsleme unb begleichen, sollen alle vier ober sechs Wochen gefegt werden, wenn nach ber Größe tus Gewerbes de-selben eine öftere Reinigung ber Schor nsteme als die gewöhnliche, nöthig ist. 3) Die engen, s. g. Russischen Kamine finb in den für bie gewöhnlichen Kamine vorgeschriebenen Terminen von bem sich darin anhäufenden flockigen Ruße mit einer Vüiste unb Kugel zu reinigen. Der sich barin anhäufenbe Glanzruß dagegen kann nur durch Ausbrennen Weggclchafft werden. Tiefes geschieht jedes Jahr wenigstens einmal; sogleich nach bem Ausbrennen muß das Kamin mit Bürste und Kugel gereinigt werben. 4) Die Kaminfeger haben folgenbe Gebühr en in Anspruch zu nehmen: a. für bie Reinigung' eines einstöckigen Schornsteins 4 fr. b. für jedes Stockwerk, du^ch welches der Schornstein weiter läuft, einen Kreuzer mehr. Bei gebrnctienen Dächern w rb der bewohnte Theil als Stockwerk, unb bei Küchenschornsteinen wird das Stockwerk, in welchem bie Küche befindlich ist, als besonderer Stock berechnet. c. für die Reinigung der rusfischen Schornsteine mittelst Bürste und Kugel werden die oben bemerkten Gebühren, und für das Autzbrennen und Reinigen derselben bas Doppelte bezahlt. d. bas zum Anzünben ber Röhren beim Ausbrennen erforberliche Brennmaterial haben die Hausbewohner zu stellen. Besondere Trinkgelder für bie Gesellen und Neujahrsgeschenke dürfen nicht gefordert weiden. Nach bem obm Bemerkten ist also für die Reinigung zu zahlen: wenn ber Schornstein ein Stockwerk hoch ist 4 fr. Der Vorsitzenbe eröffnet bie Generalversammlung mit einem einleitenben Vortrag, in welchem er hauptsächlich einiger Mißstände, bie sich im Bezirksvereinsgebiet in Bezug auf Lanbwirthschofts'Betrieb noch fänden, Erwähnung that, unb bewerft fobann, daß die Rechnung des BezirkSvercins pro 1871 gestellt, auch von ihm revtdirt worden sei, von dem Ausschuß aber noch nicht habe geprüft werden können, weil es unmöglich gewesen sei, inzwischen eine Ausschußsitzung abzuhalten. Nach Verlesung der Rechnung, wobei Bemerkungen von feiner Seile erhoben wurden, erklärt der Vorsitzende, daß solche zu Jedermanns Einsicht während der Dauer ber Versammlung offen liege und daß er ben Rechner als bechargirt betrachte, wenn Einwendungen nicht werben sollten. Der Vorsitzende macht hieiauf die Mittheilung von einem Schreiben der Großl,. Centralstelle für die Landwirthschaft rc., wonach dieselbe bei der im Jahr 1873 statlfindenden Weltausstellung in Wien eine Collectivausstellung ber landwirth-' 1 ichafllichen Prodncte bes Gronherzogthums veranstalten will, welche ein möglichst s^8 vollslänbiges Bilb der landwirihschaftlicden (Sifammtprobuction des Landes geben und 1 ■ -i1 Alt? hpn (Slfpfipnpy 9(112 Pt werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post UUJ VVU Expeditionen unb den Land-Postboten entgegen genommen. Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December zu 40 kr. 377 fl. 47(4 kr. Der Vorsitzende eröffnet bie Discussion über bie Verwendung dieser Mittel und wirb sodann beschlossen, folgende Positionen in das Budget pro 1872 aufzunehmen: Beitrag des Bez.-VereinS zu ben Kosten ber landw. Ver- Lrscheint täglich, mit Auv» nähme Sonntags. Expedition: Canzleiberg, ; Lit. B. Nr. 1. wenn er zwei Stockwerk hoch ist 5 fr. wenn er drei Stockwe'k hoch ist 6 fr. und wenn er vier Stockwerk hoch ist 7 fr. Für das Ausbrennen unb Reinigen der russischen Schornsteine das Doppelte dieses Fegerlohns. Benützen bie Bewohner mehrerer Stockwerke ein Kamin gemeinschaftlich, so theilen sie sich in die hier berechneten Gebühren. sch^fttichen Bezirks-Verein Gießen behufs Veranstaltung einer Obst- unb Gemüse-ij Ausstellung zu Gießen im Herbst l. I. ben Betrag von 200 fl. aus feiner Kaffe in zugewerbet habe unb schlägt als Mitglieb ber von dem Befirksoerein zu bestellenden ' Ausstellungs - Commission den Herrn Lehrer Schlapp von Rödgen vor, welchem bie Lj Zuziehung zweier weiterer Mitglieder Überlassen werben möge. Die Versammlung '1 *• erklärt sich hiermit einverstanden. Die so oft wiederkehrenden Streitigkeiten zwischen Kaminfeger und Hausbewohnern müßten fast ganz aufhören, wenn letztere das Anzeigeblatt, in welchem diese Vorschriften abgedruckt sind, aufbewahren und rocnn sie sich bie Tage, an welchen der Kaminfeger gefegt hat, aufschrelben würden. Gießen, den 8. November 1872. Grotzyerzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen. Nover. Gefundene Gegen ft ander Ein Portemonnaie mit 1 fl. 3 Pfg. Geld, ferner in ein Papierchen gewickelt 47V« fr-, ein Halbguldenstück, ein Schleier (schwarz), ein Stauchen von blauem und weißem Garn, drei kleine Schlüsselchen in einem Ringe, ein Kindermäntelchen, ein ^>chürzchen, ein Messer zum Pflasterschmieren, ein Kinderstola, ein Regenschirm, ein kleiner Regenschirm^o^nt^mer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegebcn oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. Gießen, den 9. November 1872. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen. Nover. P o l t t ischer L h e L L. Deutschland. Darmstadt, 5. Novbr. Die erste Kammer arbeitete heute im Eilmarsch, ohne viel zu debattiren, fast sämmtliche vorhandene Materialien auf und erledigte nach meist mündlicher Berichterstattung nachstehende Gegenstände: Den Ges tz Entwurf über die Gehalte der Volksschullehrer; die Nachweisungen der definitiven Einnahmen und Ausgaben bei dem Bau und Betrieb der Siaatt-Eifenbahnen und Staats-Telegraphen, sowie bei der Eisenbahnschulcen Tilgungskaffe während der Jahre 1866 bis 1868; die Gesetze wegen Erbauung eines neuen Unioer- sitätS-Grbäuve« zu Gießen; Rückerstattung der von den Kreiskaffen in den nicht zum vormaligen Norddeutschen Bunde gehörigen Theilen des Großhcrzogthum« den bedürftigen Familien der zum Dienste einveruf»nen Reserve- und Landwehr- Mannschaften gewährten Unterstützungen aus Staatsmitteln; Uebernahme der Mehrkosten, welche durch die nothwendige Toxerhöhung bet der Parcellenver- meffung in den noch rückständigen Gemeinden verursacht werden, auf die Staatskasse; ferner wegen Erhöhung der Miniwalgehalte der evangelischen und katholischen Pfarrstellen aus Staatsmitteln und Bewilligung der Kosten zur Abhaltung der außerordentlichen evangelischen Lmdes-Synove aus Staat-Mitteln; ferner den Gesetz - Entwurf über den Waffengebrauch des Militärs und die Mitwirkung desselben zur Aufrechthaltung der bürgerlichen Ordnung; die Gesetz-Entwürfe übe, die Todes-Erklärung von Ptlfonen, welche an dem Feldzuge der Jahre 1870 und 1871 Theil genommen haben und vermißt werden; über die Erweiterun-i der Sndt Mainz und die Erhebung einer außerordentlichen Eommunalsteuer fü die Stadt Mainz; die Uebernahme der Kosten zur Errichtung eines Denkmals auf dem SLlachtfelde bei Gravelotte für die im Feldzüge gegen Frankreich 1870/71 gefallenen Offiziere und Mannschaften auf Staatskosten; die Gewährung eint« Staalsvorschufsis an diejen'gen oberhessischen Gemeinden, welche für den Gelände- Erwerb zu den dortigen Bahnen Beiträge zu leisten haben, sowie die Uebernahme der bei den Verhandlungen hierüber erwachsenen Kesten auf die Staatskasse; endlich der Gesetz Entwurf über die Gemeinte - Ausgaben und die Mitwiikung der Forensen bei der Festsetzung des Gemeinde - Voranschlags. Die Differenz-Punkte zwischen den Beschlüssen der zweiten Kammer sind, den letzterwähnten Ges-tz Entwurf ausgenommen, von feiner Bedeutung, bei diesem aber so schwer wiegend, daß das Zustandekommen des Gesetz s gefährdet erscheint. Berlin, 6. November. Die „Prov.-Eorr." wirft einen Rückblick auf die Geschichte der KreisordnungSreforw, erk.ärt das Gelingen der Vereinbarung im Abgeordnetenhause für einen bedeutenden Erfolg einer zugleich echt freisinnigen und wahrhalt konservativen Politik und fährt dann fort: Zum zweiten Male in drei Jahren ist die Reform, welche zugleich der Grundstein aller weiteren inneren Neugestaltungen werden loll, nach sorgfältiger, besonnener Vorbereitung schließlich an dem W.derstreben dc« Herrenhauses gescheitert. Diesem hattnackigen Widerstande gegenüber übt die R'g erung eine entschieden konservative Pflicht, indem sie die als nothwenoig erkannte Reform und die Frucht der gewonnenen grundlätzlichen Vereinbarung mit dem Abgeordnetenhause nicht preiSgeben will. Die Regierung täuscht sich nicht darüber, daß durch ein wirtliches Scheitern der angebahnten Reform da- gesummte innere Pa.t.ilvesen unaufhaltsam zu der früheren Leidenschaftlichkeit uno Heftigkeit znrückgesührt und eine radikale Strömung erzeugt würde, welche das Staatswohl auf das Schwerste gefährden könnte. Schon jetzt hat die schroffe Ablehnung Seitens des Herren Hauses die Pa^teileioenschasten zu einer B.Nerkeit gereizt, wie sie seit Jahren tm politischen Leben nicht vorhanden war, und die leidenschaftlichen Stimmungen würden sich unfehlbar immer mehr steigern, wenn die Regierung des Königs nicht mit starker Hand die drohenden Gefahren abzuwenden entschlosst» wäre. Es ist Aufgabe einer echt konservativen Politik, zunächst dafür zu sorgen, daß das Ansehen der Krone und die gesummte innere Entwicklung nicht durch das Scheitern einer als dringend erkannten Reform tiefen Schaden erleive. Bei der Errichtung des Herrenhauses ist Vorkehrung getroffen worden, daß Sr. Majestät dem Könige in Fällen von entscheidender Wichtigkeit die Macht nicht fehle, einen hartnäckigen Widerstand der augenblicklichen Mehrheit des Hauses zu brechen. Wenn die Regierung des Königs von dieser Machtbefugntß im gegenwärtigen Falle Gebrauch macht, so wird ei zugleich mit der Absicht und Wirkung geschehen müssen, baß das Herrenhaus in Zukunft vor ähnlicher Verleugnung seiner Stellung und seines Berufs und damit zugleich vor der Nothwenbigkeit erneuter äußerer Einwirkung bewahrt bleibe. lieber den Weg, welchen die Staatöregierung für die neue Session einschlagen will, schreibt das halbamtliche Blatt: Die Staatsregierung ist inzwischen damit beschäftigt, den Entwurf der Kreisorbnung unter wesentlicher Aufrechterhaltung der ml dem Abgeordnetenhause vereinbarten Grundlagen, jedoch unter Abänderung einzelner Best mmungen, bet denen erhebliche praktische Bedenken obwalten, neu festzussillen. Der neue Entwurf wirb zunächst dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden, und er ist alle Aussicht vorhanben, baß hier die wiederholte Annahme in kurzer Frist erfolgen wird. Bis dahin werden die Maßregeln getroffen sein, durch welche das Gelingen der Reform auch im H.rrenhause gesichert werden soll. Endlich meldet bas Blatt: Unser Kaiser hat in der letzten Woche wieder- holte und längere Berathungen mit dem Minister des Innern und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Staats-MinisteriumS in Betreff der parlamentarischen Krisis gehabt. Se. Majestät widmet der Durchführung der als unerläßlich erkannten Maßregeln die vollste Thetlnahme und Entschiedenheit und wirb vermuth- lich nach ter am Mittwoch (6.) erfolgenden Rückkehr von einem zweitägigen Jagd- ausfluge nach Hannover in den nächsten Tagen den Ministerrath zu einem Eonseil unter des Königs Vorsitz berufen. Berlin, 7. Novbr. Wie die „Krztg." hört, soll in Kurzem das Porto für Packeie und G^ldbriefe ermäßigt werben. Berlin, 7. Novbr. Die Prinzen des kaiserlichen Hauses sind bekanntlich mit dem Einiritt ihrer M^jorennität geborene Mitglieder des Herrenhauses, haben sich ober bisher vollständig von diesem gesetzgebenden Körper zurückgehalten. Wie man uns wittheilt, schreibt die „Ger. Ztg ", hat Der Kaiser diese Zurückhaltung — wohl in Folge des Widerstandes der Majorität des Hauses gegen die Kreisordnung — nicht gebilligt und den lebhaften Wunsch auSgedrückl, daß künftighin die Dem Herrenhaus angehörigen Prinzen auch ihre Sitze dort einnehmen und sich an den Arbeiten des Hauses betheiligen möchten. „Wer so viel Rechte hat", soll Der Kaiser geäußert haben, „muß auch Die damit verbundenen Pfllch- »en erfüllen." Berlin, 8. Novbr. Der „Staatsanzeiger" meldet die Theilnahme des Kronpnnzen an dem heutigen Ministerconfeil. — Der „Spen. Ztg." zufolge haben die B fchlüffe des Ministeriums über die Abänderungen der KreiSordnung bereits des Kaisers Genehmigung erhalten. Berlin, 9. Novbr. Im gestrigen Ministerrath wurden unter Vorsitz des Königs definitive Beschlüsse über Den PairSjchub gefaßt. Derselbe erfolgt in Der Richtung einer principkllrn R form. Das Ministerium des Innern hat Die Ausarbeitung einer Vorlage zur Reform des Herrenhauses angeorDnet. — Bis jetzt sind zwei Sitzungen Der socialen Conferenz adgehalkcn unD eine VerftänDigung erzielt worDen. — Heute finDeu Verhandlungen Der Regierung mit Abgeordneten zum Zweck: ter Erzielung eines neuen KrcisorDnungs-CompromiffeS statt. Berlin, 9. Novbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt: .Die Konferenzen über Die sociale Frage tragen einen vertraulichen Charakter. Die Bevollmächttg- ten haben über das Ergebniß demnächst ihren Regierungen zu berichten; die vorherige Veröffentlichung des Inhaltes des Gedankenaustausches ist selbstverständlich unstatthaft. Die Nachricht, daß der Gesetzentwurf über Die obligatorische Eivilehe grade im Justizministerium mit Hindern-ffen zu kämpfen habe, daß Dr. Leonhardt sich dieser wichtigen Reform gegenüber lau erweise, ist, wie Der „Magdeb. Ztg." von hier geichrieben wird, wohl nur eine tendenziöse Ausschmückung des Umstandes, daß Die Einführung Der obligatorischen Eivilehe, namentlich in Den östlichen Provinzen der Monarchie, bei dem Mangel an geeigneten Behörden, welche mit Der Führung Der Eivilstandsregister beauftragt wcrDen könnten, eine höchst verwickelte unD schwierige Ausgabe ist. Mit Denen freilich, Die meinen, eö genüge, einige Paragraphen DcS französisch.n Eivilgesetzbucheö zu copiren, um ein in Preußen autführbares Gesetz zu Stande z» bringen, läßt sich über diese Frage nicht streiten. D-r in Rrde stehende Gesetzentwurf ist bckanntlich in einer Commission ausgearbeitet worden, in welcher Die Drei beteiligten Rrssorts, Cultus, Justiz und JnneriS, Durch besonders zu Dltfem Zwecke destgnirte Räthe vertreten waren. In dieser Eommtfston nun herrschte über das Princip des Gesetzes von Anfang an völliges Einvernehmen; die Schwierigkriten, welche sich erhoben, bezogen sich auS- fchiicßlich aus die Anwendung Dieses Princip» auf Die tatsächlich vorhandenen Verhältnisse. Daß es sich hierbei nicht um Schwierigkeiten handelte, welche geheime Gegner Des Gifltzes künstlich geschaffen ober übertrieben hätten, erzieht sich aus Der vollständig verbürgten Tyatsache, Daß Dasjenige MitglieD Der Commission, welches am entschiedensten Die Schwierigkeiten, mit Denen Der Gesetzgeber in dieser Materie zu lämpfen hat, im Schooße Der Commission betonte, Der Delegirte des Min sters des Innern, Geheimer RegierungSrath Wohlers war, ein Mann, der wegen seiner entschieden liberalen Gesinnung hinlänglich bekannt ist. Ja Der That hat sich denn auch Die Unmöglichkeit herausgestellt, in allgemeiner Weise unD für Den ganzen Umfang Der Monarchie von vornherein die Behörden zu bezeichnen, welche mit Der BevrlunDung des Personenstandes beauftragt werden sollen. Die Commission hat sich Dahin geeinigt, Der Regierung in Den einzelnen Fällen die Bezeichnung Der Behörden anheim zu stellen und nur Dadurch einen Fingerzeig gegeben, daß sie eine Bestimmung in das Gesetz ausnahm, welche gewissen Beamten die Vetpflichtung auferlegt, das Amt des CivtlftandS-Beamten, wenn ihnen dasselbe durch die Regierung übertragen wird, anzunehmen. Gleichwohl ist es immer noch fraglich, ob Die Regierung nicht gezwungen sein wird, namentlich in den ländlichen Bezirken der östlichen Provinzen, besondere CivilstandS-Beamte zu ernennen. Das Zustandekommen der KreiSordnung würde allerdings die Aus- sühruna auch dieses Gesetzes wesentlich erleichtern. Alls Ostpreußen einlaufente Berichte constatiren leider das weitere Urnstch. greifen der Ci-olkra. In Kölln, Kulmer Kreis, find zehn Personen an der Cholera erkrankt; vier davon find gestorben, zwei genesen und vier Personen sind krank Verblieben. Nachweislich fand ein lebhafter Verkehr mit dem ursprünglich iuficirten Hause und hierdurch eine Einschleppung Der Krankheit statt. Zur Abwehr Der Krankheit hat Die königliche Regierung zu Marienwerder ebenfalls Sine Verordnung zur Beaufsichtigung Der Weichselschiffe erlassen. — Aus Johannisburg schreibt man cer „K. H. Z.": Heute Nacht ist auch hier Der erste Cholerüfall vorgekommen. Ein Schwarzviehhändler, welcher gestern aus Polen hier ankam, ist an Der Cholera erkrankt unD nach wenigen StunDen gestarven. Auch Dieser Fall liefert den Beweis, daß Die Seuche lediglich eingefchleppt wird. Aus Dem Dorfe Sdorren ist Die Krankheit weiter nach Dem benachbarten Dorfe Blitzen geschleppt worDen, unD find daselbst einige Eikrankungsfälle vorgekommen. Nur eine vollständige tu bftfe feen. * »eifiem nn kleiner * oder len. MJagd. m Lonski! ba« Porto bekanntlich eses, baden llen. Wir iilktzaltung bie Arri-. i künftig. rinnehmn viel Rechte nen Pjlich. nähme des !•" infolge 'kiSoednung Ml des lgt in tet kie Ans- Bit \^\ titdntigung dgrmnetm alt. Lonfeienzrn vollmächtig, n; die vor- ^verständlich >r'/r-r grabt rnhattl sich , Zlg.' von ümftanvet, glichen Pro- Iche mit bei st vrrtvilkeltt üge, einigt in Peechir t nicht wisfios au<* 3afi mann. 3® Infang an in stch aut' rorhanbnlkll tvelche ge« , »«UH M (Jomini(Soni btt tn dieser Urlegirte bet Kann, ber Za kkl Thak Deist unb für 1U btttiihvkU, sollen. Dfk ;n Kallen N sinzttjeig p >«*? , fin6 M"1 «tS ab»«»1 *” ?>* Schweiz Agenten in Civil von dem Gefängnrß, wo er nach seiner Ankunft in Versailles gegen bas Dogma der Unfehlbarkeit und um die Canton-egielung zu Solothurn zu energischen Maßregeln gegen die Klerisei aufzufordern, sowie der Haltung der Gemeinden Starrkirch und Dulliken tn Sachen de- Pfarrer- Gschwind zuzustimmen. Sperrung der Grenze kann hier helfen, und wir können nur abermal- einen Mahnruf an die Regierung richten, in dieser Weise »orzugehen. Wie die „Nut. Ztg." hört, hat nun auch die Regierung tn Frankfurt a. O-, dem Vorgänge von Marienwerder folgend, tn Driesen für die auf der Netze und in Lanosberg a. W. für die die auf der Warthe ostwärts herkommenden Schiffer und Flößer Revision-- stationen errichtet, an welchen die letzteren sich durch Att ste oder Untersuchung durch einen S-zt darüber au-weisen müssen, daß sie und ihre Mannschaft von der Die Lvcomotive erfaßte den Wagen, auf welchem eine Frau mit zwei Kindern sah, zerschmetterte den Hinteren Tyril dessrlben vollständig, brachte der Frau furchtbare Schävelverletzuogen bei und riß einem Kinde beide Beine ab, während der vordere Theil dcS Wagen-, auf dem der Kutscher mit dem anderen Kinde saß, ganz unversehrt blieb. Dar entsetzliche Ereigniß soll ourch Unachtsamkeit Des stellvertretenden Bahnwartü (der angestellte Bahnwart selbst war an jenem Tage beurlaubt), der die Barriere nicht geschloffen, Herbeigeführt worden ein. Wenn übrigen- der Unglücksmensch von Stellvertreter nicht kopflos gewesen wäre, so hätte der Zusammenstoß noch im letzten Augenblicke verhindert werden können. Als nämlich der Führer der Chaise, Herr Ziegler Kehrt von Zbetzheim, d-e offene Bariiere noch schnell pasfiren wollte, sprang der stellvertretende Bahnwa t hinzu, sperrte die Passage auf der anderen Seite und zwang Herrn Kehrt zur Umkehr, die sich natürlich auf dem Bahnkörper nicht schnell genug vornehmen ließ. Da brauste denn der Zug heran und zertrümmerte den Hintertheil des Wagens. Düne die Kopflosigkeit des Bahnwart- hätte derselbe leicht den Bahnkörper noch passiren können. na» dem GkfLngniß zurückgibracht und wird heute «bmd nach dem Fort Marti». be-R6 zurückgchen. Cholera nicht inficirt sind. Man erwartet, daß die Regierungen in Potsdam und Stettin, sowie die zu Bromberg und Danzig diesem Beispiele für ihre Flußgebiete folgen werden. Posen, 7. Novbr. Erzbischof Ledochwoski hat dem Geistlichen Glabisz, welcher an dem Gymnasium in Wongrowitz den katholischen Religionsunterricht ertheilt, besohlen, der Anordnung der Regierung, seine Predigten in deutscher Sprache zu halten, nicht nachzukommen. Dresden, 8. Rovbr. Nach dem „Dre-d. Journ.» empfing da- sächsische Königspaar heute von 9 dis 2 Uhr zur Beglückwünschung di- fremden und fach, fischen Militär-Deputationen, ertheilte dem Grafen Beost und dem französischen Botschafter zu Berlin, Henn Gontaut-Biron, besondere Audienzen, nahm die Glucka ünfche de- diplomatischen CorpS, sowie der besondtren Abgesandten meh. rerer Fürsten entgegen und nahm von zahlreichen Deputationen der LandeSräthe Ehrengaben an. Der König erthetlte mehrfache Gnadenbezeigungen rc. Der KriegSminist'k v. Fabrice wurde zum Gmeral der Cavallerte ernannt, dem frühe- ren Kriegsministcr v. Rabenhorst der Charakter als General der Infanterie ver. liehen. Nachmittags 3 Uhr traf die Königin-Wittwe Elisabeth von Preußen, die Zwillings-Schwester der Königin von Sachsen, ein. Die Stadt ist festlich geschmückt und beflaggt. Aus der bayerischen Rhempsalz, 7. Novbr. In der Gegend von Rohr- bach bei Landau ereignete sich am Sonntag ein bedauerlicher Etsenbahnunfall. Der um 3 Uhr 44 Min. von Weißenburg auf der Station Rohrbach eintreffende Zug stieß kurz vor der Station auf ein Fuhrwerk, das eben den Bahnkörper, welcher an jener Stelle von der Chaussee durchschnitten wird, pasfiren wollte. (Komische Selbstmordscene.) Ein Pariser Blatt verbürgt die Thatsächlichkeiten der folgenden drauischen Geschichte: Kürzlich, schreibt dasselbe, hat hier ein Doppel-Selbstmord mit sehr merkwürdigen Nebenumständen stattgesunden. Wenn wir sagen, „hat stattgesunden", sind wir eigentlich im Jrrthume ... wir wollen nicht oorgreifen. Zwei Eheleute, die ihre Zärtlichkeiten mit einem Besenstiele auszutauschen pflegten, wohnten seit Kurzem in der Rue Bleue. Zum großen Verdruß der Nachbarn brachte jeder neue Tag einen Zank und Streit. Zu derselben Zeit, nach einer sehr heftigen Scene beschloß das Ehepaar D, gemeinschaftlich seinem Leben und damit jedem weiteren Hader für immer ein Ende zu machen. Sie kamen nach langem Hin- und Herreden überein, daß am Abende Punkt 9 Uhr Herr D. sich im Spcisesaale eine Kugel durch den Kopf jagen werde, während genau zur selben Minute Madame sich aus dem Küchenfinster der im dritten Stockwerke gelegenen Wohnung auf das Granitpflaster des Hofes zu stürzen hätte. Langsam und still wie noch nie vergingen die Stunden des Tages. Beide waren vollauf mit ihren Gedanken beschäftigt. Kein Sterbenswörtchen kam über ihre Lippen. Um halb 9 Uhr trennten sie sich, nachdem sie ein letztes Adieu, einen letzten Kuß getauscht hatten. Er zog sich in den Speisesaal zurück, sie suchte d.e Küche auf. Die halbe Stunde, l utlos und schrecklich, schien kein Ende nehmen zu wollen. Langsam und vorsichtig lud Hr. D. seine große Pistole. Endlich tönten von der nahen Kirche neun dumpfe Schläge herüber. Im nächsten Augenblicke vernahm er einen durchdringenden Schrei und darauf das Geräusch eines auf das Pflaster fallenden Körpers. Rasch griff er zur Pistole und feuerte sie — in die Luft ab. Die Nachbarn, welche auf den Schuß in die Wohnung gedrungen waren, fanden Herrn D. bleich, mit verstörtem Antlitz. „Mein Gott," rief er, „wenn Sie wußten! ..." — „Was ist denn los?" fragten die Nachbarn. — „Meine Frau hat sich soeben zum Küchenfenster hin- ausgestürzt! Ich wollte diesen furchtbaren Verlust nicht überleben.... weihe mich auch tobten, aber in ber Verwirrung, ber Aufregung .... ging der Schuß fehl!" sprach's und fiel erschöpft auf einen Sessel. Die entsetzten Nachbarn eilten in die Küche und fanden daselbst Madame D. — srilch und gesund, denn sie hatte es voigezogen, statt sich selbst, eine Matratze zum Fenster hinauszuwerfen. Sprachlos standen eine Weile Mann und Weib einander gegenüber, dann fielen sie sich in die Arme und schwuren sich, die Comödie nie mehr zu wiederholen. Krankreich. Paris, 6. Novbr. Heute Morgen fand im Krankenhause zu Versailles, in welchem sich Mille. Renaut befindet, die Heirath Rochesort's Statt. Der Maire von Versailles, Herr Rameau, vollzog dieselbe. Rochefort hatte sich dazu verstanden, daß seine Ehe auch kirchlich eingesegnet werde. Der Abbs Follet, der bekanntlich Gefängnißgeiftlicher in Versailles ist, soll ihn dazu bestimmt haben. Es war der Deputirtc Adam, der von der Regierung diese Gunst für Rochefort erhielt. Er hatte sich au Frau Thier- gewandt und diese die Sache in die Hand genommen, da es sich um einen frommen Zweck handle. Die beiden Kinder von Rochefort waren bei ber Ceremonie nicht anwesend. Das eine ist ein junge- Mädchen von 17 Zähren und da- andere ein lljähnger Knabe, den Adam zu fich genommen hat. Rochefort, der, als er nach Versailles kam, erfuhr, daß Fräulein Renaut nur noch einige Tage, vielleicht nur noch einige Stunden zu leben habe, weinte bittttlich. Er ist sehr gealtert. Er wurde um 9y2 Uhr vom Vermischtes. * In Frankenstein in Schlesien gaben kürzlich sogenannte Kunstreiter ihre Vorstellungen, unter Anderem würbe ber Exkaiser Napoleon unb Lulu von zwei Clowns copirt, die sich ber besonderen Aufmerksamkeit eines Bäuerleins erfreuten. Endlich fragte dasselbe einen Nebenstehenden, wer denn die Beiden seien? Als ihm die Antwort wurde: Lulu und Napoleon, schlug er die Hände zusammen und sagte in weichherzigem Tone: Jesses, Jesses, ich buchte doch, der Napoleun hätte wos hinter sich gebracht, er ullte ja Geld tn England hon, und jetzt muß der orme Teifel seltanzen; ich muß ihm doch och etwas gähn, sprach's, zog fein Portemonnaie vulgo Taschentuch unb brückte Napoleun einen — Dreier in die Hand. Amerika. Den bis jetzt eingtlaufenen Berichten über den Ausfall der Präsidentenwahl in Amerika zufolge unterliegt es wohl kaum einem Zwiiftl, daß UlvffkS Grant oaS zwe te Mal zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden ist. Oie vollständigen Details ber Abstimmung liegen noch nicht vor, aber man glaubt, Oü6 fammtl chea Staaten die republikanischen Majoritäten hinter den Etwar- tungen nicht zurückgeblieben sind. Zn N w York selber, der V sie der Demokratie, hat Horace Greeley eme totale Niederlage erlitten, indem diese Haupstadt Grant eine Majorität von 25 OOO Stimmen gegeben. Selbst Louisiana, obwohl e- im allerletzten Moment der Opposition einen Hofinungschrn mer leuchen ließ, indem es dem ,,Staats.Ticktt" der liberal. republikanischer, Partei seine Stimme gab, hat sich bei der Präsidentenwahl für die Regierung entschieden. Herr Hermann Kratz in Glauchau — ein geborner Geßener, Chcf der berühmten -v"»»•" ......— ’— - —-r -.......-- — - ----.Firma Kratz und Durk in Glauchau, ist für seine großen Verdienste um die sächsische untergebracht worden war, nach dem Krankenhause geführt; er wurde wtederlJndustrie vom Könige von Sachsen zum Commerzienrath ernannt worben Koltern (Tirol), Unser sonst so ruhiges Dorf befindet sich seit einigen Tagen in großer Aufregung, die durch eine nichtswürdige That unseres Pfa-rers heroorgerufen wurde. Der katholische Pfarrer Miller lebte seit einigen Jahren mit «einer Wirthschafterin Therese Wendl in vertrautestem Verhältnisse, welches natürlich nicht ohne Folgen blieb. Wendl gebar nun vor acht Tagen Drillinge, bereit Dasein den Herrn Pfarrer höchst unangenehm berühren mußte, denn er beschloß, int Einverständnisse mit der Wirthschafterin, die Kinder bei Seite zu schaffen. Gesagt, gethan- Er preßte den armen Würmern mit einer Schnur die Kehle zusammen, so daß der Tod durch E-stickung eintreten muß e, unb grub sie Abends in einem Winkel seines Gartens ein. Das Verbrechen wäre gewiß noch heute unentdeckt, wenn man nicht durch Zufall darauf gekommen wäre. Der Bauerssohn Kuhring begab sich nämlich des andern Tages nach Verübung der grauenhaften That zum Pfarrer, um sich in einer Heirathsangelegenheit mit ihm zu besprechen. In seiner Begleitung befand sich ein Hund, der während Kühring beim Pfarrer weilte, im Garten herumlief. Als nun der Bauer fein Geschäft beendet hatte und sich entfernte, vermißte er feinen Hur d; er chrie und pfiff, doch der Hund kam immer nicht. Er ging in den Garten hinaus unb ah bort bett Hunb mit ben Pfoten in einem Winkel die Erde aufwühlen. Kühring rat näher unb bemerkte zu feinem Entsetzen, baß der Hund eine Kindesleiche zu Tage orderte. Kühring lief zum Gensdarmencommando und machte dort die Anzeige. Nach kurzer Zeit erschien eine Commission an Ort und Stelle und nahm eine Durchsuchung des Gartens vor, und bald fand sie auch die andern zwei Kinderleichen. Der Pfarrer und seine Wirthschafterin wurden verhaftet und dem Kteisgerichte emgeliefert. Bem, 9. Novbr. Der Gemeinderath von Olten beschloß die Einberufung einer außetordentlichen Gemeinde-Versammlung behufs eines öffentlichen Protestes Uzzgemerner Anzeiger. Bekanntmachung. 6203) Mittwoch ben 13. b. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll die Lieferung der Metzger- unb Bäcker- öaaren für das hiesige Garnisonlazareth Pr<> 1. Januar bis ultimo December 1873 im öffentlichen Submissionswege vergeben Derben. Die bezüglichen Bedingungen liegen auf dem Geschäftszimmer des unterzeichneten Berftelgerungen. 5214) Die im Gießener Stadtwald, Schutzbezirk Fernewald, aufgearbeiteten 167 Lüste altes Gras sollen als Streumaterial Mittwoch ben 13. November d. I., Vormittags 11 Uhr, im Nathhaussaale dahier versteigert werden. Gießen, den 9. November 1872. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. bis zum 28. November d. I., Vormittags 10 Uhr, portofrei, versiegelt unb mit der Aufschrift: „Offerte zur Lieferung von Betriebs- unb Werkstätten-Materialien" an die unterzeichnete Direktion einzusenden. Die Lieferungsbedingungen können bei unserer Canzlei, Magazinsverwaltung dahier, sowie auf den Stationen: Grünberg, Alsfeld, Lauterbach und Nidda eingesehen, auch gegen eine Gebühr von 18 fr- von der Canzlei bezogen werden. Gießen, den 8. Movember 1872. Die Direction. Oberhessische Eisenbahnen. 5233) Die Lieferung nachverzeichneter Betriebs- unb Werkstätten-Materalien, als: Mühlen-Verkauf. 5234) Samstag des 23. b. M-, Nachmittags 1 Uhr, ,, ____, soll bie bei Wetterfeld gelegene Sträuches- soll im Wege öffentlicher Submission ver- Mühle nebst drea 2'/2 Morgen Gelände geben werden. in dem Gemeindehaus zu Wetterfeld, unter Lieferungsangebote sind spätestens den bei ber Versteigerung bekannt gemacht ^Garnison-Lazareths, woselbst auch bie Sub- imisston abgehalten werden wirb, zur Einsicht offen. Gießen, ben 8. November 1872. I Großh. Garnifon-Lazareth-Commission. Bohlen von Pappelholz, Dochtband, Filz, grauer unb weißer, Fruchtgummi, Hanf, Heede, Kupferoitriol, Lampen- cyltnder, Leinölfirniß, Menning, Petroleum, Plomdirkorbel, Putzbaum- wolle, Reiserbesen, Rothguß, Nüböl, rohes und rafftmrteS, Schmirgelleinwand, Talg, Unterlagsplatten, Vorhänge zu Wagenfenstern, Wafferjtanbs- gläfer, Zündhölzer, _ werdenden Bedingungen, auf freiwilliges Anstehen versteigert werden. Wetterfeld, am 8. Noyernber 1872. Großherzogliches Odtzgdicht Wettecfeld. __________ Hossrn an n._____________ Donnerstag den 12. December d. I., Vormittags 11 Uhr, will die Gemeinde Treis a. d. Lda. das von demFiScus überlasfeneHaus, das sogenannte frühere Amthaus, auf den Abbruch auf dem diesigen Rathhause verkaufen. Das fragliche Haus kann zu jeder Zeit von den Kauflustigen eingesehen werden. Trais a. d. Lda., ben 7. Nov. 1872. Großh. Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. 5235) Berghöfe r. Keiigedoteueö. 5136) Stearin- unb Paraffinlichter, ä 20 bis 28 fr. per Pirquet, empfiehlt Carl Hoffman«. lU re tn u m ill ta r- ib r- l- ? oe g ch T1 / r. er -g in ' en bingung. ii (5189) d. Bltts II Vincent ii ti 55 Sauternes H incl. fr. ii u ff J. J. lausch. Siilrne» Rascher r zur (5232) Wer eine Annonce Redaction, Druck und Verlag der BrühNchen Unio^Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) tu Gutzr» n n ii ii n ii ii ii II II II II ff II 2. 2. 2. ii ii ir u fl II tf II ft 45 48 Glas, ii pr. ii 12 fr. 30 „ 42 „ Glas, ii ii n n 600 Francs ab Bordeaux. Gießen, im September 1872. 5237) Zwei Zimmer mit Küche werden auf den 1. December zu miethen -gesucht. Heinrich Neuß I. in Wetterfeld. St. Emilien . . . „ C’hristoly . - - Moulis . - Esteplie . - - ClV"- Ifrnplessis . - St. Pauiilac . • Camensac . . 4893) Gegen guten Lohn wird in , eine größere Stadt eine erfahrene Köchin 1 gesucht, welche sich zugleich der Haus- J arbeit unterzieht. i Eintritt den 15. December d. I. Näheres Universitätsstraße Lit-E- 79, I Parterre. F. Schumann, Berlin, Kreuz Nr. 1. zeichnet. Für Weinhändler empfehlen sich ganz besonders 2 Sorten rother 23or beaiij, pr. Tonnecuix — 4 Oxhoft oder 1200 Bordeaux - Flaschen zu 5 und Bank wesentlich erleichtert. Versicherungen werden vermittelt in Gießen durch Buchhändler A. Nicker, in Büdingen durch Ortscinnehmer Louis Hohler, in Lich durch Lehrer H. K. Walz, in Marburg durch Oskar Ehrhardt. Zu häufen gchicht: einige Körbe guter Bux bann, zum Verpflanzen. Näheres bei der Cxped. Vermischte Anzeigen. 5240) Für eine Lampen- und Bronce- Garnituren-Fabrik wird ein sicherer, gewandter Mann als Aufseher bei 600 Thlr. dauernd verlangt. Fachkenntnisse nicht Be- 52 Hi) L . - , käse in Stanniol emvfehlen 3. A. Busch Söhne. 1 — 54 1. — i. 6 1. 12 643) Thür- und Grabschilder, sowie Klingelgriffe und Taffen werden mit beliebiger Schrift angefert'ai bei Wilh. Balser. 5201) Die zur Debilmasse des Julius Landauer dahiei gehörigen Putz-und Modewaaren, bestehend in Herren-. Damen- und Kinderhüten, Regen- und Sonnenschirmen Gummischuhen, allen Sorten Handschuhen und Bändern Blumen, Federn, Blonden, Cachenez, Foulards Caputzen und alle dahin eiuschlagenden Artllel weiden von heule au zu herabgesetzten Preisen ausverkauft. Dec Laden, im Hause d s Herrn N. Rosenthal in den Reuenbäuen, ist täglich von Morgens 8 Uhr bis Abends 8 Uhr geöffnet. Giesten, den 9. November 1872. Ter Massecurator: M. Pilger. Herde und Desen in den verschiedensten Sorten, namentlich die sich so sehr bewährenden, in jeder Beziehung ausgezeichneten Regulir - Füll - Oese» (4869) empfiehlt I. G. D. Brpst. 5229) Im früher Ebel'schen Hause mb noch mehrere Logis, wobei auch ein Parterr-Zimmer, zu vermietben. H. M. Jughardt. Die Nr. 43 bringt folgende Beiträge: Was die Schwalbe sang. Erzählunz von Friedrich Spielhagen. (Fortsetzung.) - Das Conversationslerikon und seirt Gründer. Eine literar - historische Skizze. Bon Hermann Franke. - Buhnen- Er- inmrungen. 1. Bogumil Dawison Bon Arno Hempel. — Doch nach Eanopa! Mil IUustralion: Schloß Canossa Nach einem Canon von Fr. Preller jr. in Dresden, — Ein Besuch bei den Jesuiten. Aus fiüherer Zett von Arnold Nuae. — Blatter und Blüthen: Jugenderinnerunpen eines deutschen Schriftstellers. Bon A. Fr. Die Lazaretbcameraden. Mit Abbildung: „I, wat Sie sagen, Manneken. Originalreichnuna von E. Crofts. _ — fl. 1. 54 „ 2. 12 „ 2. 24 „ 2. 42 „ 3. 30 tlbrrhkssischc Gcsrllschall für Natur- tiitii Hkilkuiide. 5247) Mittwoch den 13. November 1872, Abends 6 Uhr, in der kleinen Aula: Prof. Thaer, landwirthschaftliche Mittheiluugen. Prof. Heß, über forstwirthschaftliche Cultur-Iastrumente. Der Borstand. K Krautfasfer zu verkaufen bei K- Klemmrath. • ii n et tj n e » pr. Flasche 4285) Die vereinigten Weingutsbefltzer in Bordeaux, unter dem Patronat der Herren: c ,, L. M. de Bigouse, General-Director der Comp. Fmancwre, Fürst Adam Wisznicwski, Herzog von Mclfort, Alarquis de Bethisv, General Baron de Boyer, ™ „ haben uns die General-Agentur ihrer Eizeugmsie von Bordeaux- Weinen, Cbampagner und Cognac für die Provinz Oberhrsim und Umgegend Überträgen Dec gute Ruf, den diese schon seit 1830 bestehende Gesellschaft genießt, berechtigt uns zu der Erwartung, daß nur durch sie den Wünschen unserer geehrten Abnehmer resp. Auftraggeber m jeder Hinsicht Nech- 5110) Brillen und I®ince-nez in Gold-, Neusilber-, Stahl- und Hornfassuug, sowie alle Sorten einzelne Gläser empfiehlt «J. liley. pr. Flasche fl. febcnsucrfidjeriingsbank für Deutschland in Go!ha. Versicherun^sbestand am 1. Nov. 1872 77,355,000 Thlr. Effektiver Fonds am 1. Nov. 1872 . 19,080,000 „ Jahreeeinncihme pr. 1871 3,311,570 ,, Div dende der Versicherten im I. 1872 . • • 37 Proc. Tiefe Anstalt gewährt durch den großen Umfang und die jolitc bypo- thekarische Belegung der vorhandenen Fonds eben so nachhaltige Sicherheit, wie durch die unverkürzte Vertheilnng der Ueberschüsse an die Versicherten möglichste Billigkeit der Versicherungskosten. Durch eine neue Einrichtung in der Prämienzahlung wird der Zutritt inet. Glas, H ii Weisse Bordeaux-Weine ~ ‘ - fr. nung tragen können. , Zur größeren Bequemlichkeit des Publikums halten wir ein gutassorttrtee Lager der gangbarsten, beliebtesten Sorten und empfehlen hiermit. Bot he Bordeaux - Weinet Flasche fl. — 42 fr. incl. 4884) Die bekannten von allen Aerzten empfohlene Brustbonbons ^Arainsche Gummikugeln^ von W- Stuppel L Co, Alpirsbach, , sind in stets frischer Waare vorräthig ä 14 und 7 fr per Schachtel bei I £3 n II a d) in Gietz.n; Chr Rullmann in Büdingen; E- Krautze m Alsfeld; A- Wind eck er in Friedberg. Cerons St. Croix du Mont . pr. 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Cognac Bois Cogciac petite Champagne . • Heber weitere Sorten Bordeaux - Weine, Champagner und Spirituosen geben wir Preiscourante und finden sich die Ln§ror>-Preise ab Bordeaux ver- 5206) Packfässer und Kisten werden billig abgegeben bei_______Emil P ist o r. Der Lahrer hinkende Bote ist erschienen und zu haben bei (5041) Wilh. Klee. Feinste Gothaer Cervelatwurst, Feinsten Blasenschinken, empfiehlt Emil Fischbach, (5217)__________________Seltersweg. 5230) Mehrere Wagen Pfcrdcmist zu verkaufen bei Friedr. Schwaab. Marone« (Italien, süße Kastanien) empfehlen 5105, I- A. Busch Söhne. 4777) Die eben so beliebten als rühm- lichft bekannten Nähmaschinen aus Bielefeld verkauft zu billigen Preisen im Auftrag der Herren Koch & Patz Frida Strobel, Kanzleiberg 66. Gründlicher Unterricht gratis. en gros Fcnfterglaslagcr en gros circa 150 Kisten stets auf Lager. 1530) Bei Aufträgen auf Lieferzeit zu Fabrikpreisen. Mousselinglas, Goldleisten, Spiegel und Spiegelglas, Photographierahmen. 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Bltts.____________________________ 5748) Einen Scribenten zum baldigen Eintritt gegen 200 fl. Gehalt sucht __________Funk, Stadtgerichts-Actuar. Regenschirm vertauscht. 5246) Den im Gasthof zum Rappen gestern Abend jedenfalls irrthümlich mitgenommenen grünseidenen Regenschirm ersucht man daselbst gegen Empfangnahme des zurückgelassenen gefälligst abzugeben. 5245) Unserm lieben Heinrich zu seinem Morgen stattsindenden Geburtstage em donnerndes Hock, daß das ganze Kleeblatt wackelt. Ij .. . . r. Das Kleeblatt. 6«1 irit Ri ss Be sind fii fieber, nach d« mit eilt 2°hr kann di faslest >n gute l°W'h! Etc baden, । 8lift gq Schtviee Aufgabe !chtvängl Nropaga "nd Do diesklben als durch iiMrh. DH M einj, » btutfd "°HI, Ä”ft bef