'-A Gießener Anzeiger Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. HM72- Dienstag den 2. Juli Gießen am 25. Juni 1872. Betreffend: Die Voranschläge der Gemeinden des Kreises Gießen für 1873. an die Grostherzogtichen Bürgermeistereien. PcriS vlerretjahrig Ist. V2. fr. mit Brlnaerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 27 ft. Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags. Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1. Nr. LS2. 7 Die Stellung der rnbricirten Voranschläge in Erinnerung bringend, bestimmen wir zugleich den Einsendungstermin auf den 30. August d. I. Wir machen hierbei auf die darüber bestehenden allgemeinen Vorschriften — abgedruckt in den 469 bis 498 von Küchler's Handbuch aufmerksam und verweisen außerdem auf unser Ausschreiben vom 25. Juni I870 in Ansehung des für die Einnahmeüberschüsse zu beobachtenden Verfahrens. Im Weiteren ist anzusügen, daß diesmal das Vermögensverzeichniß, Beilage 2 nach § 34 der Voranschlagsinstruction zergliedert aufzustellen ist und die einqetrctenen Ab- und Zugänge in dem Berathungsprotocoll zum Vermögensstande genau und ausführlich nachzuweisen und zu begründen sind, sowre daß die Kosten des Bezirksbauaussehcrinstituts fortan getrennt von den sonstigen Kreiskassebeiträgen unter der neu zu bildenden Rubrik 162 vorgesehen werden sollen. Auch bemerken wir noch, daß bisher vielfältige Verstöße gegen die Bestimmungen des § 9 der bereits allegirten Instruction zu desideriren waren, indem die vorgeschriebenen Fristen oft nicht eingehalten wurden und der Vorauschlagsabschluß somit verfrüht erfolgte. Sie wollen hierauf Ihr Augenmerk richten und Sorge tragen, daß dergleichen Anstände künftig vermieden werden. v. Röder. Bekanntmachung. Betreffend: Anmeldung und Prüfung der einjährig Freiwilligen. Diejenigen Militärpflichtigen, welche als einjährig Freiwillige dienen wollen und im Großherzogthum Hessen nach 8 20 der Militär-Ersatz-Instruction vom 26. März 186t> (Reg.-Blatt Nr. 21) gestellungspflichtig sind, haben ihre Anmeldung schriftlich, unter Berücksichtigung der §§ 148, 149, 151, 152, 153, 154 und 155 der erwähnten Militär-Ersatz-Jnstruction bis zum 1. August d. I. bei der unterzeichneten Commission einzureichen, falls sie sich der im September d. I. stattfindenden Prüfung zu unterziehen beabsichtigen. Der Meldung sind beizulegen: a. ein Geburtszeugniß; b. eine beglaubigte Einwilligung des Vaters oder des Vormundes; c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) von dem Director bezw. Rector der betreffenden Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute aber von der Polizei-Obrigkeit auszustellen ist. Bei Nichtbeobachtung der bestehenden.Vorschriften, oder Einreichung des Gesuchs nach dem angegebenen Termine, kann die Zulassung zu der nächsten Prüfung mcht sowie das Local, worin dieselbevorgenommen wird, kann erst später bekannt gemacht werden; eine specielle Einladung erfolgt nicht. Die unterzeichnete Commission macht außerdem auf folgende Bestimmungen ausdrücklich aufmerksam. Die Berechtigung znm einjährig freiwilligen Militärdienst darf nicht vor dem vollendeten 17. Lebensjahre und muß bei Verlust des Anrechts svätestens bis znm 1. Februar des Kalenderjahres nachgesncht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird. Mit der Anmeldung um Zulassung zum einjährigen Militärdienst ist die Aufgabe des Rechts, an der Loosnng Theil zu nehmen, verbunden. Ausnahmsweise kann der durch die versäumte rechtzeitige Anmeldung verloren gegangene Anspruch durch Entschließung der Ersatzbehörden dritter Instanz wieder verliehen werden, wenn der betheiligte Militärpflichtige noch nicht an einer Loosnng Theil zu nehmen verpflichtet war, oder vermöge seiner Loos-Nummer disponibel geblieben ist. Im letzteren Falle darf diese Vergünstigung indeß nur dann eintreten, wenn der deßfallsige Antrag vor der zweiten Aushebung, bei welchem der be- tbeiliate Militärpflichtige zu eoneurriren hat, formirt wird. Gesuche um Wiederverleihuug der durch versäumte rechtzeitige Meldung verloren gegangenen Berechtigung sind an die zuständige Kreis - Ersatz- Commission zu richten. , Darmstadt, den 14. Juni 1872. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Pabst. Strecker. Politischer Theil. * Das Urtheil des Papstes über Deutschland. Wenn man die Urtheile der Ultramontanen über die Ursachen des gegen- rrärtigen Confl cts zwischen ihrer Partti und dem Staate vernimmt, so fragt man sich ost verwundert, ob die Herren denn von Dingen sprecht», die sich in der Grgcnwart, vor unfern Augen zugetrogcn haben, oder ob sie vielleicht die Urzeit des Christenthoms schildtrn wollen. Em versolgungSsücktiger, unduldsamer Staat, eine bedrückte, leidtnde Kirche, die für ihr Dasein kämpft, deren Diener und Bekenner sich auf das härteste Märtyrerthum gefaßt machen muffen I Man staunt. Das soll nicht eine Schilderung aus jener Zeit sein, wo die Gläubigen sich in Hohlen vnv Katakomben flüätcn wußten, um ihr Leben vor den Nachstellungen tyrannischer Imperatoren, fanatischer und grausamer Feinde zu retten. Nein, diese traurigen Zustände herrschen in dem neu n Deutschen Reiche, in diesem Preußen, dos noch vor wenigen Jahren als das Land gepriesen wurde, in welchem die katholische Kirche sich der freiesten Bewegung erfreue. Und seltsam, die Veränderung der Verhältnisse ist vor sich gegangen, ohne daß wir das Geringste davon gemerkt haben. Wir erfahren erst aus den Klagen ultra- montaner Abgeordneten, ultramontancr Zeitungen, daß die K.rche unter einem Drucke stufzt, dessen sie sich kaum noch erwehren kann. Und jetzt macht sich auch, in verschiedenen Erlassen und neuerdings m Der Anrede an dcn katholischen deutschen Leserirkel in Rom, der heilige Vater selbst zum Organ dieser Klagen. Er erkennt an, daß bis auf die neueste Zeit dte Katbolilen alle Ursache gehabt haben, mit der ihnen von Seiten der Regierung zu Theil giwordenen herzlichen Behandlung zufrieden zu fein. Jetzt aber herrsch, in Deutschland eine vorbereitete und bereits begonnene Verfolgung, deren Haupt» Urheber ein erster Minister einer Regierung sei. Aber' der Papst hat diesem furchtbaren Minister sagen lassen, daß ein Triumph ohne Bescheidenheit ein vorübergehender ist, und daß ein Triumph mit einem verfolgungssüchtigen Geiste gegen die Kirche die größte Thorheit von der Welt ist. Die Katholiken mögen einig und vertrauend fein, irgend ein Stein werde vom Berge herabsallen und die Ferse des Kolosses zertrümmern. Schließlich werden die Katholiken zur Achtung und Gefügigkeit gegen die Regierung ermahnt, jedoch keineswegs bei Gesetzen, die ter Kirche zuwider sind: also ein von dem Dafürhalten des Papstes, eines auswärtigen Herrschers, abhängig gemachter und bedingter Gehorsa^.'-da ja der Papst allein darüber zu bestimmen hat, was mit den Oidnungen ter Kirche im Einklang fleht, was ihnen zuwider läuft! Der Papst betrachtet also — gerade wie die Ultramontanen im Reichstage und in der deutschen Presse die Sachlage zu entstellen suchen — den gegenwärtigen Conflict als das Product des UebermutheS einer verfolgungssüchtigen ehrgeizigen Regierung, ohne doch erklären zu können, wie cs gekommen ist, daß diese, einst wegen ihrer Milde gepriesene Negierung, sich so völlig verwandelt Habe- Zu verwundern ist es natürlich nicht, daß der „Gefangene des Vatican" die Dinge genau so ansieht, wie die Jesuiten sie ibm darstellen. Er lehnt es ja ab, sich über die Sachlage von Seiten der deutschen Regierung belehren zu lassen. Er weist den Friedensboten zurück, der ihn über den Stand der Dinge und die Absichten der Regierung ausklärcn sollte. Kein Wort, welches nicht die Billigung der unseligen Partei gesunden hat, welche die Kirche beherrscht — ur.v zu Grunde richtet, kann sich im Vatican vernehmen lassen. So ist denn der Papst dahin gebracht, eine Umwandlung der Dinge, die allein durch die Anmaßung der römischen Hierarchie verschuldet ist, als ein unerklärliches Phänomen zu betrachten. Berlin, den Gehorsam auch wenn die zuwiderlaufen. Aber allen Künsten des Jesuiti-muS, der die Curie auf die abschlüssige Bahn gedrängt hat, der den Papst tn weit härteren Banden gefangen hält, als die italienische Regierung, der alle Einwirkungen der Außenwelt, jeden einsichtsvollen Rath von ihm fern hält, — allen diesen Künsten wird es nicht gelingen, die Welt über die Wahrheit zu täuschen. Preußen — das ist die Wahrheit — hat die Kirche durch übergroße Nachsicht und Nachgiebigkeit verwöhnt und als der Staat endlich bis an die äußerste Grenze der Geduld gelangt ist, wo er nicht weiter gehen konnte, ohne mit eigener Hand seine Autorität zu vernichten; da schlägt der Ultramontanismus Lärm und klagt, daß die Kirche unterdrückt und geknechtet werde. Und dabei sucht er noch officiell den Schein festzuhalten, als ob er dem Reiche ergaben und auf das Wohl desselben bedacht sei, während seine anerkannten Organe, noch ehe der (Sonflict entbrannt war, vag neue Reich und den protestantischen Kaiser mit dem giftigsten Haß verfolgten; jene Organe, die in früheren Jahren Alles aufgeboten hatten, um die Wiederherstellung des v. Manteuffel gewesen sein, der, ursprünglich rein privater Natur, schließlich auf das dienstliche Feld hinübergetragen sein soll." Coülenz, 30. Juni. Heute Morgen traf der Kaiser von Em« hier ein und hielt eine große Revue über die Truppen unserer Garnison ab. Derselbe wird sich im Laufe des Tages wieder nach Em- begeben. — Die Enthüllungsfeier des Stein-Denkmals bei Nassau wird am 9. Juli, Mittags 1 Uhr, stattfinden. Ais Gäste sind geladen: der Reichskanzler, die Präsidenten des Herren- und Abgeordnetenhauses, die Oberpräsidenten der Provinzen Htffen-Nassau, Rheinland und Westphalen, der evangelische und katholische Bischof, die FestungS-Comman- danten von Mainz und Coblenz, die Oberbürgermeister von Frankfurt, Wiesbaden und Coblenz rc. Um 4 Uhr große BanketS im Kurhause und der Festhalle, Berlin, 30. Juni. In hiesigen militärischen Kreisen hat die Nachricht der „Schl. Zeitung" peinliches Aufsehen erregt, daß General-Lieutenant Graf v. d. Gröben nächsten- tn Glogau zu einem viermonatlichen unfreiwilligen Aufenthalt eintreffen werde. Bon anderer Seite wird dem „Börsen-Kur." das Factum bestätigt, nur soll in den Angaben der „Schl. Ztg." über die Dauer dieses unfreiwilligen Aufenthalts ein Jrrthum sich befinden, indem dieselbe nicht auf vier Monate, sondern nur auf zwölf Wochen festgesetzt sein soll. „Die Beran- laffung zu dieser Maßnahme", sagt das Blatt, „soll ein Streit mit dem General gestern Mittag 1 Uhr unter Vorsitz des Kriegsministers Grafen v. Roon iw Kriegsmtnisterium zu einer Sitzung zusammen. Wie verlautet, bildete die Angelegenheit des Bischofs von Ermland Gegenstand der Berathung. Cultusminister Dr. Falk hat dem Vernehmen nach sein schriftliches Votum den Cabinetsmit- gliedern schon zukommen lassen, doch dürfte zu endgültiger Beschlußfassung das augenblicklich stark gelichtete Cabinet sich erst vervollständigen müssen. Der Land- wirthschastrminister weilt tn Danzig, der Justizminister in Bayern, der Finanz- Minister in Bremen, und ist, wie verlautet, die Rückkehr des Letzteren nicht vor dem 6. Juli zu erwarten. Die „K. H. Z." bemerkt zu der Angabe der „D. R. C." von einem zweiten Briefe de- Dr. Krementz direkt an Seine Majestät den Kaiser, diese Behauptung erhalte durch die Vorgänge in Königsberg ihre Bestätigung. Das genannte Blatt schreibt bann wörtlich: „Der Herr Bischof bezieht bekanntlich ein Staat-gehalt von 35,000 Thlr., das ihm in vierteljährlichen Raten aus der hiesigen Regierungshauptkaffe bezahlt wird. Vor etwa acht Tagen langte aus Berlin die Ordre an, die am 1. Juli fällige Rate dem Bischof nicht auszuzahlen; diese Ordre ist aber vorgestern widerrufen und angeordnet worden, dem Bischof vorläufig die Zahlung am 1. Juli noch zu leisten. Ob Herr Krementz von der jedenfalls in Folge seines letzten Schreibens gegen ihn verfügten Maßregel Kenntniß erhalten und angesichts der ihm auf einem Punkte, wo auch für einen Bischof bie Gemüthlichkeit aushört, drohenden Sperre nachträglich noch einzulenken für gut befunden hat, können wir selbstverständlich nicht wissen." Um den Zweifeln zu begegnen, welche bei einigen Kassrnstellen in Betreff der Einnahme der in Zwanzig-Markstücken ausgeprägten Reichsgolvmünzen vor- gekommen sein sollen, sind die königlichen Kaffenstellen auf die Bestimmung in § 8 de- RetchSgesetzeS vom 4. December v. I. noch besonder- zur Nachachtung aufmerksam gemacht. Danach können alle Zahlungen, welche gesetzlich tn Silber- münzen der Thalerwährung zu leisten sind, oder geleistet werden dürfen, in Reichs- goldmünzen dergestalt erfolgen, daß das 10 Markstück zum Werthe von 3^ Thlr., das 20 Markstück zum Werthe von 62/3 Thlr. gerechnet wird. Die königlichen Kassenstellen sind daher zur Annahme von Zahlungen in Reichsgoldmünzen zu den vorbemerkten festen Werthen unbedingt verpflichtet, aber auch berechtigt, an Jeder» mann Zahlung in dergleichen Münzen nach dem gedachten Verhältnisse zu leisten. Ruches zu hindern. Und dieser Haß ist die beste Huldigung, die der JesuitlSmuS dem deutschen Reiche darbringen kann. Als durch das Vatikanische Conc>l die Bischöfe zur unbedingten Verfügung der Curie, d. h. des jesuitischen PrincipS, gestellt wurden, als durch die weiteren Concilrbeschlüffe die überspanntesten Grundsätze eines Bo- uifacius VIII. zu dem Range kirchlicher Dogmen erhoben wurden, da rechnete man in Rom darauf, daß die Staatsgewalt tn allen Händen viel zu schwach sein werde, um die Kirche zu hindern, die Consequenzen der neuen Lehren zu ziehen. Zwar warnten die deutschen Bischöfe in den beweglichsten Worten, an die sich gegenwärtig nicht gern erinnern lassen, die Curie vor den Gefahren, in die sie sich durch ihr verwegenes Vorgehen stürzen werde. Aber ihre Mahnungen und Warnungen waren in den Wind gesprochen. Die Jesuiten waren viel zu fest von der Schwäche der Regierungen überzeugt, um inneren Widerstand zu fürchten. Aber in Betreff der deutschen und preußischen Regierung hatten sie sich doch getäuscht. Grade die unerhörten Anmaßungen der Curie brachten der preußischen Regierung die Gefahren zum klaren Bewußtsein, die mit ihrer bisherigen schwachen und nachgiebigen Kirchenpolitik verbunden waren. Aber auch jetzt noch, weit entfernt, die vatikanischen Decrete als Anlaß zu einer Kriegserklärung gegen die Kirche zu benutzen, begnügte sie sich damit, tn jedem einzelnen vorkommenden Fall die bedrohten Rechte des Staates zu wahren und die Staatsbürger gegen den verfolgungssüchtigen Conoertiteneifer der Bischöfe zu schützen. Indessen ihre überaus maßvolle Haltung steigerte den Uebermuth de- Gegners, der sich zu offenem Widerstand gegen die Staatsgesetze verflieg, wozu er nach der Lehre des unfehlbaren Papstes ja auch vollkommen befugt ist. Die immer keckeren Aus. schreitungen mußten durch eine gesteigerte Repression in ihre Schranken zurückge- wiesen werden, und zugleich stellte e- sich im Verlaufe des Kampfes immer klarer heraus, daß die alte Politik der Nachgiebigkeit nicht länger aufrecht zu erhalten, daß sie principiell zu verwerfen sei, und baß dem Reiche die Pflicht zufalle, das Verhältniß von Staat und Kirche auf dem Wege der Gesetzgebung zu ordnen. Darin wird sich der Staat auch durch die schlimmen Prophezeihungen Pius IX. nicht beirren lassen. Denn stark durch seine Macht fühlt er sich dop- pelt stark durch das Bewußtsein seines Rechtes. Er wird die Kirche nicht in eine Lage bringen, die sie hindern könnte, ihrem wahren Berufe zu leben. Aber gegen seine Gesetze wird er fordern, und nöthigen Fall- erzwingen, Curie befinden sollte, daß seine Gesetze den kirchlichen Satzungen Abends festliche Beleuchtung des Denkmals und der Berghöhen; am folgenden Tage großes Volksfest. Nassau, 30. Juni. Die Aufstellung der Stein-Statue ist heute Vormittag ohne jeglichen Unfall bewerkstrlligt worden. Dortmund, 1. Juli. Die „Westfälische Zeitung" meldet: Der Strike der Bergleute im Dortmunder Kreise ist als beendigt anzusehen. In der gestrigen Versammlung der Bergarbeiter ist fast einstimmig beschlossen worden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Das An- uud Einfahren soll von den Arbeitgebern bei der Schichtdauer mit eingerechnet werden. Auf der Zeche „Westphalia" sind von 320, auf „Tremonia" von 290 je 280 Mann zur Morgenschicht an- gefahren. Die Ruhe wurde nirgend- gestört. Heute Abend findet die von Tölcke ungesagte social-demokratische Versammlung statt. Thorn, 28. Juni. In Wangerin (Wegorzyn) ist am 26. d. Morgen-, wie es heißt, au- Anlaß von Arbeiter-Unruhen, ein Mensch von dem Gutsbesitzer Gildemeister durch einen Schuß getödtet worden. Die schon angeordnete Absendung einer Gerichts-Commission nach Wangerin zur Untersuchung und Feststellung der Thatsachen unterblieb, weil vor Abfahrt der Commissarien schon Gildemeister in Begleitung eines Gendarmen hier eingetroffen ist. (Th. Z.) Aus Lothringen. Von dem stillen Haß und Widerstand gegen die Eroberer merkt man in Lothringen viel weniger als im Elsaß, noch weniger werben Trotz und Verbissenheit zur Schau getragen. Vielleicht wird man nicht irre gehen, wenn man die Stimmung je nach den folgenden vier Volksclaffen unterscheidet. Die erste Claffe bilden die großen Grund-, Fabrik- und Bergwerks- oesitz r. Ihr Herz ist bei Frankreich, von dem sie seit einem J ihrhundert Sitte und Bildung haben, mit welchem sie fast eben so lange den Stolz der französischen Waffen teilten. Allein im großen Besitz liegt etwas, das seinen Eigen- thümer leicht über nationale Befangenheit wie Vorliebe hinweghebt. Die meisten aus diesem Stande warten noch der Entwicklung der Dinge. Jedenfalls fängt ihnen die Macht und Geschlossenheit Deutschland- zu imponiren an. Am wehesten fühlt sich die zweite Claffe getroffen, der höhere Bürgerstand, die zahlreichen Rentiers, die Advocaten, Beamten, Profefforen und Geistlichen, kurz, die gebildete Mittelklasse. Von ihnen verkaufen verhaltnißmaßig viele Grundbesitz und Geschäft und wandern aus. Da- sind nicht blos Zugewanderte aus dem Innern Frankreichs, sondern auch eine bedeutende Anzahl alter, erbgesessener Familien wendet Deutschland. 29. Juni. Da- Staatsministerium trat, wie bereits gemeldet, der Vaterstadt Den Rücken. Gerade so wie das Metzer Patriciat in den Jahren, welche der französischen Besitznahme 1552 folgten, in Menge fortzog, wie die stolzen Reichsstäbter kamals um keinen Preis die Vergewaltigung durch Franzosen, obgleich sie deren Sprache redeten, erdulden wollten und den deutschen Reichstag mit ihren Klagen füllten: so unerträglich dünkt diesen lothringer Hitzköpfen heutzutage die Herrschast der Deutschen. Ich hörte von einem Metzger sagen: sie wären es noch zufrieden gewesen, wenn man sie wenigsten- zu einer ville libre gemacht hätte, wie Frankfurt und Lübeck; das allein sei einer Bürgerschaft wie die Metzer würdig. So fest sitzen alte historische Erinnerungen. Es gibt aber auch Andere, die ihr Anwesen noch nicht aufgeben, wohl aber sich beeilten, in Frankreich anzukaufen, um dort Bürgerrecht zu erwerben und einstweilen daselbst zu wohnen. Die dritte Claffe, der kleine Bürgerstand, scheint im Ganzen nicht so unzufrieden mit der Wendung Der Dinge. Diese Leute haben eingesehen, daß alles Lüge ist, was man ihnen von Den schlechten Eigenschaften Der Deutschen vorrebele, baß sich vielmehr ganz gut mit ihnen leben läßt, und, was vielleicht noch mehr gefällt, man verdient viel Geld von den Deutschen. Endlich bei Dem Landvolk muß man unterscheiden. Der Bauer französischer Zunge nimmt Den Wechsel des Regiments in dummer Ergebung hin, wie ein Schicksal, freut sich aber Der größeren Ruhe und Ordnung, besonders wenn sie Dauer verspricht. Er hegt gegen Die französischen Gewalthaber, Denen er so viel Erduldetes zuschreibt, beinahe mehr Haß als gegen die Deutschen Abneigung. Anders soll es in dem größeren Theile des jetz gen Deutsch-Lothringens stehen, der von jeher deutsche Bevölkerung hatte. Dort soll man etwas merken wie leise- Aufathmen und Ausleben des deutsche Wesens, das sich von langem Druck befreit fühlt, jedoch sich in die neuen Zustände noch nicht recht zu finden weiß. Bei alledem ist von Zuneigung, ja, nur Zuwendung der Gemüther zur neuen Re- gierung nicht vie Rede, auch an gesellschaftlichen Verkehr zwischen den Lothringern und eingewanverten Deutschen noch nicht zu denken. Man lebt nicht mit, sondern neben einander. Allein im Ganzen genommen dürfen wir mit Dem, was sich jetzt schon herausstellt, zufrieden sein. Insbesondere in Metz hat Der deutsche Be» standtheil Der Bevölkerung eine Stärke und AuSDehnung gewonnen, Die für so furze Zeit überraschend ist. Vielfach sieht man deutsche Inschriften an den Häusern, in allen Gasthöfen hört man Deutsch reden. Französisch ist nicht mehr allein vornehm, Deutsch ist die Sprache der Regierenden — da- allein macht schon viel au-. Schon jetzt -darf man Über ein gutes Viertel Der Stadtbevölkerung als deutsch rechnen. Metz hatte nämlich schon früher eine starke Beimischung deutscher Herkunft. Die Dienstboten kamen durchgehend- au- der Allemagne, wie man Den deutschrrdenden Tbeil Lothringens nannte; mit ihnen eine Menge Arbeiter. Ein Stock deutscher Juden war von jeher ansässig. Endlich hatten sich theils aus dem Elsaß, theils au- Luxemburg unD den Rheinlanden Handwerker, Bahnwärter, Kaffee- und Speisewirthe und andere kleine Geschäftsleute eingefunden. Fast alle diese finden es jetzt bequemer und vortheilhafter, wieder ihre Muttersprache zu rede». Zu ihnen nun kam außer der deutschen Besatzung im Jabreslauf eine ,ehr beträchtliche Einwanderung von Beamten, Lehrern und Geschäftsleuten aus Deutschland hinzu. Umgekehrt aber verlor in derselben Zeitfrist Die französische Bevölkerung duich Den Abzug de- französischen Militär- und seine- großen Anhanges, so wie der Stockfranzosen und französischgesinnten Lothringer. Ein Unglück war eS, jedoch unvermeidlich, daß von jenseit des Rheines Leute herbei» strömten, welche den Kopf voll Plane und in Der Tasche fein Geld hatten. Sie fingen frischweg allerlei Geschäfte an, verloren sehr bald Den Boden unter Den wurden. sächlich herabsetzt. Wechsel« k. 3. 98V4 8. 8. 8. 8. 1181/4 93'/2 105 Vj 1053/8 Amsterdam Augsburg Berlin Bremen Brüssel Hamburg Leipzig London Lyon Paris Wien ditto ditto Dis conto Börsennaclirichten. 1. Juli 1872. 8. 993/« 8. IO4P/3 8. — 8. 935/8 8. 875/e 8. 105 Geldsorten. fl. kr. Pr. Friedrdor 9 58V2—591/g Pistolen . . 9 40—42 „ doppelte 9 40—42 Holl. fl. 10 8t. 9 53—55 Ducaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 23—24 Engi. Sover. 11 49—51 Buss. Imper. 9 42—44 Dollar in Gold 2 25i/2—26i/2 m. 8. 1. 8. 4% k. k. k. k. k. k. k. k. k. k. aus 1 tin aaulWt Unb Wlnlanb resthallt, ^lgrnden vormittag Strikt 3n der n worden, tn Ardeit« ^Malia" nlNt an« von Nk Aetleo. 150/0 östr. F. St. E. B. 367 Lombard. Bahn 219V2 Ludwigsh.-Bexbach 202V« Maxbahn 147 Bayer. Ostbahn 1405/ö Rhein-Nahebahn-Act. — Hess. Ludwigsb.-Act. 181 Oberhessen „ —_____ Prioritäten. 30/0 öster. Stsb.-Prior. 59i/2 ZO/g öst. s. Lombard 5 l7/ö 3% Livorneser 393/8 50/g Toscaner 62 50/0 Elisabeth.-Prior. — do. n. Emiss. 83 72 Inlehen«loo«e. Darmstädter fl.50Loose 1825/g „ „25 „ 53 Kurh. 40 Thlr. Loose 71i/2 Nassau 25 fl. 45 Braunschweiger 21 30/g Oldenburg, ä 40Thlr. 39 40/0 bayr. Präm.-Anl. 113 40/g badische Loose 111 Badische fl. 35 Loose 70 Oestr. fl. 250 v. 1854 1858r Prioritätslooae — 1860r Loose 943/« 1864r „ — Morgens, ^^sblsttzer rOncte Ab« Md Jlj. äritn fdon 3.) ;«i tit Er- iger werben nicht ine affen unter« Bergwerks« -nbert Sitte I trr fran« men 6igen» Die meisten lsalls fängt Im wehesten zahlreechen >it gtdilbete unt Geschäft \nttn Frank« ilien wenbtt ist in ben nge sortjog, igung durch :en deutschen n lothringer inenr Metzger enS ju einer \W Bürger« Zungen. 64 ohl aber stch tn unb einst« d, scheint fcnili haben Eigenschaften 1 lätzt, und, n Deutschen, sranjostscher in, wie tin er« wenn ße en er so vi^ B Abneigung, ingen- steheU/ fea wie leises Drud befreit 1 ®l|6- !' ir niotnW' nEoti*” mit, l°°U'° tm, > deutsche Be- . tit iüt «° n $iu(tt«! 'n Itin l6« «i,i « ». al, dm'sch ’„s rmiW« ° , man °-° ® Sin svr'ter. ii tb.il««' ZS; 'S** Schweiz. Bern 1 Juli. Der Nati°na!raihs. Präsident Brunner ist in der letzt-n SFä'ää'Z äs Bürgichasten anb.elm. frri «Jmm« 6tä?h der Deutschland fein. Deutschland st-h e- f 0@febietitl,’ilin Frankreichs aus OceupalionStrupp-n m den nach f fQr tiefelbtn vermindert sich oui-n 2ß «• jffiÄÄS ZÄJ“» Hohle, toe^('rleen^aotroe^ S°@Treit gerieten. Ein/Duell wa"r die unmittelbare Folge. T »- ^ntten ihre Revoltier nickt bei sich. Sie kamen daher überein, sich mit Di- beiden Kampfer hatte h bombardiren. Eine Stunde spater fanden Go dklumpenund Stuckenn Qebabet Tadermann war bereits tobt, Goldgräber bie be den K .Pf _ ... qqoo Franc« den Schädel zerschmettert. Der ihm hatte ein (Mbflurnpen im Je m 7^ lagen etwa 60,000 Francs in ganze Rumpf war zerquetscht un ft v B , Zustand war auch nicht viel Barren von verschiedener Große, ^riedo alymer om, i aber •ft, sä i “ ?äs- •■"•■ al« den Erben Tadermann'S zu betrachten. __________________________________________ England. o 4 <>uti Die Times" theilt Folgende» über den d-ntfch.franjo. .•j^ÄTSÄS.'S der Ratisicntion. Fünfzehn Tage nach dier d 0 « Milliarde ist ss“,,"" nm 1 • m ^täumuna der Departements Äogefen um 1. März 18^4 i-hlbar, w°r s i R g 3i„fen ist fällig am und Ardennen erfolgt. Die B «. Departements Meurthe und 1. März 1875. Nach deren 3ah ung werd n d» welche die k7sch.n'°Truvven°rÄ'" i »kr Ästkndig.n Zahlung nur diejenige Militär. ma^ ba.i°7w.lch° " Lus.echtdaltu^ der Ordnung noihwendtg macht. Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oberbessische Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen ' ' ' i W. Klee, am Markt. m Solche Leute schufen dem deutschen Namen Füßen und «ußtcn Bankerott mach ejn , (obQlc ein Land den Heren kein- Ehre; ihr- Art st-kit ( fc (e«tfn ßeit bedeutend aufgeklärt, wechselt- In dieser "°Ke^chäft«ku.-h. kämen die erst da- Land und Jetzt wäre es Zeit ® seine Bedürfnisse und B'^tuvung , 81° » Die schönsten Häuser und Grundlage ihre Uutern.hmung n QUen Z^jsel lassen sich eine Gärten und 8 diesen Worten drückte er den Unoer-- Ä „u. wart-, da- will «»«•»»«ld,"’Btt“Ä”i|en »rr ick besorgen, M-.st-r- saa'- schämten mit Iraftrgen Fanst-n >n t,a"7'n^nua \,n fflü^ug iu sein Han« -nzutreten w° er der lieben Schuljugend »eranlaßten >hn, bolb g h kibtr nicht nach dem Namen Rach, brütet, ohne zn «ljsen, an wem er fi. kühlen tm^^ d-ff-n g-sragt, »er >hm den „Pennbruder so ckl » $olt6i^lung p-sßrte, erzählt der Sin drollige« G-schlcht-hen, da« wahre b l unru^lg in feinem Salon auf und dortiae Figaro": Ein braver Pariser BurgerSman g f t der Beamte vom 1 nÄ, denn in wenigen Minuten soll « werden, ^^kommt....... Bureau mit Bieifeder und Papier tn der Hand^ Sie verheirathet — »3«. , Stands" Der Bürger beantwortet alle Fragen. mir bie Ehre schenken wollen «mge „Wie viel Kinder haben Sie?" — „Drei; aber n> Beamte erwidert mit einem Cacöelti, Minuten zu warten, dann werde ich deren vier habe • bet Ehemann eilt hinein- Doch da hürt man im benachbarten Zimmer einen Schrei a ’ J. e toi^cnt>; „Schreiben Sie fünf. _ , ,, . , dalb kehrt « zurück unb ruft, stch ben Schmiß von „„ Highbury in -in« engen, Loxmulare, sind zu haben bei In London entdeckte die Polizei in einem a Scherz, ist ti aber keineswegs. n der remen uno e Giftstoffes in stch tragenden tn dem meist übelriechenden, die Keime b^^Zaulmn Berlangm wird. 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Bapst. einen tüchtigen jungen Mann zur Uebernahme der Oberaufsicht in der Fabrik. Derselbe muß die Formenwickelfabrikation durchaus kennen, ebenso das Sortiren verstehen, um auch die Sortirstube Flalchenbier-Verkauf: 3139) ' pr- Flasche Frankfurter 8 fr. Tafelbier o „ Ltcher .......® " Gießener b " wirb frei in's Haus qeliesert von G- Boos, Seltersweg. w Uhr im District Buchscheer bei Holz-Nr. 28. — Alter Heegwald wird am Ende der Versteigerung im District Allgemeine Familien-Zeitung, Jahrgang 1872. Jnhalts-Verzeichniß von Nr. 39: Text: Frau Domina. Erzählung von Claire v. Glümer. (Fortsetzung.) - Feuerversicherung auf chemischem Wege- Von Emil Sommer. ßteber tobt, Sklav'! Historische Novellette von Th- Justus. — Augenlose Thiere- Von Paul Kummer. — Die Polizei und die Verbrecherwelt m London. Em Zeitblld von Wilhelm Baer. — Erzherzogin Sophie von Oesterreich. Die allgemeine Industrie-Ausstellung in Lyon. - Wahrend der Ernte. Nach einem Gemälde von A. Bouguereau. - Der Ausbruch des Vesuvs. HL - Die Fortschritte un Bau der 'Eisenbahnwagen. - Der Prozeß gegen den Marschall Bazaine. - Das schwache Geschlecht. Em modernes Märchen von L K. v. Kohlenegg (Poly Hennon.) (Schluß.) — Aus Natur und Leben — Chronik der Gegenwart. — Mannigfaltiges. — Offene Korrespondenz. — Silben-Räthsel. — Bilder-Räthsel. ri , „ Illustrationen: Erzherzogin Sophie von Oesterreich. - General-Ansicht. der Gebäude der Universal-Ausstellung zu Lyon. - Wahrend der Ernte. Nach emem Gemälde von A. Bouguereau. — Skizzen vom Ausbruch des Vesuvs. - Die neuerfundene Eisenbahnwagen mit Seitengalerie: Coupä eines Waggons I. Klasse. Seiten- Ansicht. — Das Gefängniß des Marschalls Bazaine zu Versailles. — 1 2154) Eine geräumige Familienwohnung, den 1. Juli beziehbar, ist zu vermiethen. l Kanzleiberg Lit. B. Nr. 68. Zusammenkunft.... II. Donnerstag den 11. d. M., in den Diftricten Buchscheer, Kammerwald Alter Heegwald: Nadelholz 796 Aspen I 14 Erlen I 3140) Graue Tmner-DrcilS uud farbige Leinen für die jetzige Saison, zu Herren- und Knaben- Anzugen sich eignend, offerire von 13 fr. an per Elle. S. Hirsch Sohn. RMnnkimuht^GurkkN empfehlen ' I. A. Busch Söhne. , ~ 2953) Einige Fuder Haferstroh find bei Ludwig Kämmerer, Seltersweg, zu haben.________ ' 3153) Ein Stoßkarrcn, für Schreiner sich eignend, ist zu verkaufen. Näheres bei Gg- Unverzagt. 6851 Liebig's Fleischextract, achtes, von Fray Bentos, und Condensirte Milch von der Anglo-Swiss Condensed Milk— Comp. in Cham (Schweiz), in frischer Sendung, empfehlen I. A Busch Söhne. Zusammenkunft Das Holz im District . Kammerwald versteigert, weshalb Steiglustige es vorher ansehen wollen. Grünberg, den 1. Juli 1872. , Großherzogliche Oberförstern Nieder-Ohmen. Hüter. Holzart Scheitholz R a • e t e r 8 ist, wird gegen guten Lohn alsbald in leiten zu können. 'Dienst gesucht. 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