Wft 1 ’*» % ,U*Sf* feJ "S^hr 1870 u>ooo nLt Gießener Anzeiger Anzeige- und Amtsötatt für den Kreis Hießen. Nr. 227. Samstag den 30. September 1871. Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Drtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 ff. 27 kr. Erscheint täglich, mtt «Ml «ahme Montags. Gxpeditisn: Canzletberg Lit. B. Nr. 1. HB« mt <641,699 J' 11.471,066 9 3.596,949 , 47 ' 46.747,692 , 5 Üamgs-Antchri'g. 8 'n Tichm. irnfss-ta n Glildru. > ■ ü. 6,103®.] I 4na ■ fl. 1,287,481.4 I ■ • fl. t,213,75U ■'-er Lolidilöi und i| 6 erworben, ijchm j I ‘m und aus' bmXr , 5it jSW Mw h 50- ÄMy». i 31. 39' bat Sntbcil nn Bi b: t 6.Gail, tt in Tietzen. ill4, iblun'j in *;,*i lintrti hitl31J/i: ÜflPllj- eilen Kedigllt M Vr\,vcrn v- N ■ p Arft «s»." Einladung zum Abonnement auf den Gietzener Anzeiger. Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und beträgt der Abonnementspreis in der Stadt Gießen vierteliäbrlick 1 fl. 12 kr. frei ins Haus geliefert. Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im IV. Quartal 1871 zusenden und den Abonnementsbetrag wie früher durch Quittung erheben lassen. Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fl. pro Quartal. Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementspreis 1 fl. 27 kr. incl. Postaufschlags. Dieselben können nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren. Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage des Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger noch abonniren wollen, dies sofort jetzt bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Eremplare zu liefern. Die Redaction. Brodpreife vom 30. September bis 6. October 1871, nach' eigener Erklärung der Bäcker: 4 Pfund gemischtes Brod 21 fr. 2 Pfunv gem^tes Brod 10y2 fr. 4 Pfund Roggenbrod 18 fr. 2 Pfund Roggenbrod 9 fr. t Concurrenz im Verkehrswesen. Man schreibt uns unter dieser Rubrik Folgendes aus Berlin: Angesichts der vielfachen Eisenbahnunfälle, welche sich in letzter Zeit in so beunruhigender Weiss drängen, haben wir unsere Ansicht wiederholt dahin geltend gemacht, daß der Organismus der großen Verkehrsanstalten nur durch eine einheitliche Verwaltung und Bctriebsführung dem öffentlichen Interesse gemäß geregelt werben kann, d. h. wenn dle Concurrenz der Verkehrsanstalten einer Concentration in die Hände des Staates Platz macht. Mir sind heute in der Lage, aus der „Deutschen Monatsschrift für Handel, Schifffahrt und Verkehrswesen" einige recht treffende Ausführungen über dasselbe Thema mitzutheilen, welche, gleich uns, in dem Ausspruch gipfeln, daß die Concurrenz, welche man bekanntlich als ein Universal-Remedium gegen alle wirthschaftlichen Schäden ansieht, im Eisenbahnwesen absolut zu verwerfen ist. In Belgien hat man der Eisenbahnconcurrenz bereits nicht nur principiell den Rücken gekehrt, sondern auch angefangen, sie durch allmähligen Rückkauf der Privatbahnen an den Staat gänzlich zu beseitigen. Ende 1869 bei Vorlegung eines bezüglichen Kaufvertrages erklärte das belgische Handelsministerium: In Belgien wie in England glaubte man die Wohlfeilheit der Transporte durch Verhinderung des Monopols der Bahnen zu sichern und den bestehenden Linien Con- currenz-Linien entgegen stellen zu sollen. Die Erfahrung jedoch lehrt, daß die Concurrenz die entgegengesetzte Wirkung hat, daß sie, anstatt der Reducirung, die Vertheuerung der Transportkosten bewirkt. Das Beispiel Englands läßt keinen Zweifel darüber bestehen. In diesem Lande der kommerziellen und industriellen Freiheit empfindet man derart die verderblichen Folgen der Concurrenz, daß man den Rückkauf der Bahnen durch den Staat als ein Bedürfniß der nächsten Zukunft erachtet. Bei Gelegenheit der Discusstonen, welche bezüglich der Eisenbahnfrage jüngst im Schooße des bleibenden Ausschusses des deutschen Handelstages in Berlin ge- Pflogen wurden, hat Herr Dr. Soetbeer, einer unserer namhaftesten Volkswirthe, sich über die englischen Bahnverhältnisse informirt und unter Anderem von dortigen Handels-Jnteressenten folgende Auskunft erhalten; Die Eisenbahnfrachtsätze weichen auf den verschiedenen Bahnen sehr von einander ab. Bei einigen Bahnen werden die Frachten durch die Concurrenz des Wasserwegs dauernd niedrig gehalten. Häufig drückt die Rivalur zwei mit einander concurrirender Bahnen die Frachten zeitweilig herunter, allein fast immer bauert dies nicht lange und endet mit einer Combination der concurrirenden Bahnen, was zur Folge hat, daß dann, weil das Kapital für zwei Anlagen zu verzinsen ist, die Frachten sich oft hoher stellen, als dies der Fall gewesen wäre, wenn überhaupt keine Concurrenz existirt hätte. Auf englischen Handelstagen ist schon vor Jahren diese Ueberzeugung zum Durchbruch gelangt, wie sie sich unter Anderem in folgenden Worten eines kaufmännischen Redners äußerte: Es ist bis zur Evidenz bewiesen, daß mit einer Eisenbahn nichts concurriren kann, als eine Eisenbahn. Nun sagt man freilich, daß bei einer freiheitlichen Entwicklung des Eisenbahnwesens sich diese Concurrenz immer finden werde; allein die Erfahrung hat gezeigt, daß, wenn zwei, drei oder selbst sechs Eisenbahnen dieselben Punkte verbinden, die Concurrenz nicht lange dauert, die Coalition ist schnell fertig. In Nordamerika ist die Eisenbahnconcurrenz geradezu eine öffentliche Cala- mität geworden. Die „North American Review" schreibt zum Beispiel: Bis jetzt war die Concurrenz das Verderben der Eisenbahnen und die Frage, ob sie der Geschäftswelt, die von ihr Nutzen gegen das Monopol erwartete, nicht mehr Schaden als Nutzen zufugte, ist wohl erlaubt. Kein System kann logische Consequenzen erzielen, das fortwährenden Schwankungen ausgesetzt ist. Nun hat aber die Con- l-crenz auf die Eisenbahnen immer den Einfluß eines gewaltsam störenden Princips avsgeübt. Während für jetzt die Preise unvernünftig herabgedrückt, schraubt sie dieselbe ein anderes Mol unvernünftig hinauf. Die Folgen für den Lokalhandel sind noch viel verderblicher. Die Concurrenzbahnen, welche gewöhnlich alle dieselben großen Mittelpunkte zu ihrem Ziele haben, erreichen dieses, indem sie durch verschiedene Gegenden passiren. Sie beschränken die Concurrenz auf die Trans- Porte, welche sie zwischen diesen großen Mittelpunkten (zwischen den äußersten Punkten) effectuiren, während der Handel der Zwischenstationen jener Gegenden, durch welche die verschiedenen Bahnen gehen, nicht nur nichts von der Concurrenz profitirt, sondern oft noch eine nachträgliche, drückende Taxe bezahlen muß, welche die Bestimmung hat, das zu ersetzen, was jede solche Bahn bei ihrem heftigen Streben, die Der Concurrenz zugänglichen Geschäfte an sich zu reißen, verloren hat. Durch diese Taxe bietet Der Lokalhandel Den Eisenbahnen die nöthigen Kräfte, um eine Concurrenz auszuhalten, welche den Tarif unter den Preis des Erträgnisses herabdrückt. Und dieser elende Streit, der für den Lokalhandel so verderblich ist, bringt den Geschäften, um Die er geführt wird, wenig Nutzen ein; spät oder früh wird man einen Waffenstillstand schließen, und wenn der Waffen- stillstand sich consolidirt und ein definitiver Frieden daraus wird, so hört die Con- currenz auf, während, wenn der Waffenstillstand nur ein zeitweiliger ist, sie heute unterbrochen wird, um morgen vielleicht hergestellt und Den folgenDen Tag viel- leicht wieder abgeschafft zu werden, der Tarif wechselt mit Der Situation der Kämpfenden, bis der Handel in Folge dieses heftigen, unlogischen und verderblichen Wechsels zum Theil unterliegt. Aus diesem Grunde wird Die Concurrenz von oen gewiegtesten Eisenbahnautoritäten seit langem schon als ein gefährliches Nebel betrachtet. Sie macht alle Berechnungen zu nichte, verändert, oder stößt alle Resultate um und zerstört jede rationelle Combination, indem sie jeder Erfah- rung spottet. Auch hat man in Nordamerika schon das logische Facit dieser Erfahrungen gezogen. Der Ankauf der Eisenbahnen durch den Staat würde wohl nicht lange auf sich warten lassen, wenn die Zerfahrenheit Der Dortigen Zustände und die zeitige finanzielle Lage der Vereinsstaaten dieser Maßregel nicht vorerst noch zu große Hindernisse in den Weg legten. Auch in Der Schweiz ist man des Eisen- bahnkönigthums herzlich müde. Bei uns verdanken wir Der Concurrenz zunächst die unsägliche Verworrenheit unseres Tarifwesens, ohne daß wir uns dabei absonderlicher Billigkeit desselben erfreuten. Demnächst hat die Concurrenz uns auch Die vielbesprochenen Differentialtarife gebracht, welche erst so heftige Remonstrationen Des Handelsstandes hervorriefen und gegen welche nunmehr die Landwirthfchaft von Neuem in's Feld zu ziehen sich anfchickt. Ueberdies bedingt die Concurrenz eine Vielköpfigkeit und Zersplitterung der Verwaltung, welche nach allen Seiten hin als ein schwerer Uebelstand empfunden wird. Die Erfahrung lehrt uns also in Summa, daß die nächstliegenden Folgen Der Concurrenz von allen Interessenten perhorriscirt werden und Daß Da, wo die Möglichkeit eintritt, daß das Publikum dauernd wirklichen Vortheil aus Der Concurrenz ziehen kann, Die Coalition unD Fusion dieses Resultat regelmäßig vereitelt da es sich dabei ja ganz natürlich um Die Selbsterhaltung Der Concurrenten handelt. Schon Stephenson, Der Erfinder Der Eisenbahnen, erkannte es ganz klar, Daß Die Concurrenz im Eisenbahnwesen unfehlbar zuletzt Der Coalition weichen werde und müsse. Dann hätten wir also zuletzt, wie jetzt z. B. schon in Frank- reich der Fall ist, Privateisenbahnen ohne Concurrenz. Nun gibt es bei uns noch eine Menge Leute, welche von der Staatscontrole gegenüber dem Privatbahnbctriebe alles Heil für die Zukunft erhoffen. Es ist dies eine ganz eigenthümliche Erscheinung. Man will Privatbahnen, weil man sich von der Concurrenz Wunder verspricht: —auf Der andern Seite verlangt man gegenüber den oben angeführten negativen Resultaten dieser Concurrenz Dir Inter- gegensehen. zu machen. und in die Sclaverci abgesührt. In Schiras hat sich die Bevölkerung gegen die Erpressungen des dortigen Gouverneurs Jemin-ed-Daole, eines Sohnes des Schah, mit bewaffneter Hand aufgelehnt; in Täbris, wo der Kronprinz Muzzafyrr-ed-Din Mirza residirt, kam ähnliches vor und man verlangte ganz offen die Einsetzung des Prinzen Abbas Mirza, Bruders des Schah, der bekanntlich 20 Jahre im Exil zu Bagdad lebte und nun einer Einladung des Sultans nach Konstantinopel folgte. Unterdessen ist die Cholera in Täbris ausgebrochen und zeigen sich an der türkischen Grenze bei Solimanieh bedenkliche Fälle von Pest. (In einer der letzten Nächte wurde Täbris von einem ausgetretenen Bergstrome überschwemmt und die Hälfte der Stadt verschüttet.) — Rußland unv England haben wiederholt ihre Hilfe angeboten, allein die Negierung schlägt solche Anerbietungen aus; der Czaar bot dem Schah eine Zusammenkunft in Tiflis an, der sich dieser jedoch zu entziehen wußte und es vorzog, in den Gebirgen zu jagen. Die Bevölkerung der Residenz bereitete eine Monstrepetition an den Schah vor, um Abhilfe der unerträglichen Zustände zu erwirken. Da ersahrungsmäßig auf solche Eingaben keine Antwort erfolgte, so wandten sich die Wortführer an die auswärtigen Missionen, die aber natürlich eine solche Vermittlung ablehnen mußten. Als der Schah nun in den ersten Tagen dieses Monats aus den Mazenderaner Bergen zurückkehren sollte, wurde eine Massendemonstration in Scene gesetzt. Tausende von Weibern zogen, das Haupt mit Erve und Asche bestreut, vor die Thore der Residenz, um den Schah mit Geheul zu empfangen, wurden aber von den Prügelknechten unter einem Steinhagel vertrieben. Der Schah erachtete es unter solchen Umständen für angemessen, seinen Einzug zu verschieben und im nahen Lustschlosse Sultanietabad zu verbleiben. Gleichzeitig erschien ein Maueranschlag, daß fortan „auf Allerhöchsten Befehl" und bei Todesstrafe das Brod um den normalen Preis verkauft werden müsse. Trotzdem war in der ganzen Stadt kein Brod zu haben und die wüthende Volksmenge riß jene Placate ab und trat sie unter Verwünschungen mit Füßen. Am andern Tage ließ der zornentbrannte Schah den Vezir der Stadt ’ in Ketten schlagen, an den Schwanz eines Esels binden und in der heißen Mittagssonne barhäuptig und bloßfüßig durch die Bazare schleifen, ferner dem Oberbäckermeister . den Bauch aufschlitzen und einige Bäcker entweder in den Ofen sperren oder ihnen i Ohren und Nasen abschneiden. Die Erneute wurde dadurch zwar gestillt, aber . nicht die herrschende Noth, und so kann man einer furchtbaren Katastrophe ent- Wir haben ein instructiveS Beispiel der letzteren Art in Frankreich vor Augen ES gibt nun bei uns Stimmen, welche einen solchen oder ähnlichen Zustand als das Zukunftsideal unserer Entwicklung ansehen. (Schluß folgt.) -j- Die Friedens- und Freiheits-Liga, welche in dieser Woche zu Lausanne ihren fünften Congreß abhält, dürfte wohl von allen politischen Vereinen in der Welt am wenigsten dazu beitragen, unserem Erdthcil die Segnungen eines dauern- den Friedens zu Theil werden zu lassen und die freiheitlichen Institutionen unter den europäischen Nationen erheblich zu mehren, denn der Weg, der bei der heutigen Konstellation der europäischen Verhältnisse allein zu dem ersehnten Ziele führen !ann, — die Herstellung eines mächtigen, alle deutschen Volksstämme in sich ver- einigenden freien und vom Geiste echter Humanität durchwehten Gemeinwesens im Herzen Europas — ist weit entfernt, von den Männern der Friedens- und Freiheis- Liga beschritten zu werden, er wird vielmehr als ein Hinderniß für die Erfüllung ihrer vermeintlichen Mission betrachtet. Mährend alle praktischen und einsichtsvollen Staatsmänner und Politiker Deutschlands der Ueberzeugung sind, daß die Nothwendigkeit einer stets kriegsbereit unv schlagfertig vastehendeu zahlreichen Armee im deutschen Reiche ihren Grund allein in der europäischen Situation hat, und daß es daher nur mit Hülfe dieser Armee gelingen kann, diese Situation von Grund aus so zu verändern, daß allmählich eine allgemeine Entwaffnung möglich wird, sind die Führer der Friedens- und Freiheits-Liga in dem Wahne befangen, daß die Kriege in der Existenz der stehenden Heere basiren, und daß aus diesem Grunde mit ver Beseitigung derselben ver allgemeine Völkerfrieden hergestellt wer- den könne. Jene Liga ignorirt damit sowohl alle geschichtlichen wie alle thatsäch- lichen Verhältnisse der Gegenwart. Soll Europa in eine Föderation von Republiken umgewanvelt werden, so muß man sich die russische Weltmacht und mcht minder das Deutsche Weltreich als gar nicht vorhanden denken, denn, von Oesterreich ganz abgesehen, liegt doch weder für Deutschland noch für Rußland ein An- laß vor, sich zu Gunsten einer republikanischen Föderation aufzulösen. Diese beiden Reiche, die seit kaum einem Jahrhundert einen so ungeheuren Aufschwung ge- nommen haben, sollen nun mit einem Male vor Ver Phrase der Frievens- und - FreiheitS-Liga Halt machen!? Es läge ja immerhin etwas Berechtigtes in der < Forderung, Rußland über die Weichsel zurückzuwerfen, ihm Constantinopel vorzu- i enthalten unv seine Aufgabe lediglich auf die Civilisirung Asiens zu beschränken, anderseits Deutsch - Oesterreich mit Deutschland zu vereinigen und diesem die ge- 1 sammten links- und rechtS-rheinischen Territorien einzuverleiben; allein der Fehler i der Friedens- und Freiheits - Liga ist, daß sie von der gegenwärtigen Staaten- bilvung, von den gewaltigen Staatenumwälzungen ver letzten fünf Jahre und^ ven muthmaßlichen Eonsequenzen derselben ganz absieht, vaß sie ausschließlich auf der, Grundlage ver Gleichberechtigung aller europäischen Republiken den Frieden, das Völkerwohl und das Völkerglück befestigen will. Um dies zu erlangen, müßte zu- nächst die Arbeit der beiden letzten großen Kriege wieder rückgängig gemacht und eia allgemeiner europäischer Krieg heraufbeschworen werden, welcher Europa die Segnungen eines dauernden Friedens entreißen würde, den sich dieser Welttheil bei den durch die Salzburger Uebereiukunft errungenen festen Einvernehmen der beiden mitteleuropäischen Reiche ohne Zweifel auf lange Jahre hinaus zu erfreuen haben wird. Das nächste Resultat der Frievens-unv Freiheits Liga würde mithin nicht die Erhaltung und Befestigung, sondern die Zerstörung des gegenwärtigen FriebenSzustanveS in Europa fein, wie auch die freiheitlichen Bestrebungen der Liga gerave auf das Gegentheil dessen hinauslaufen müßten, was man im ge- wohnlichen Leben unter Freiheit versteht. Darüber morgen ein Näheres. 7 Die letzten aus Oesterreich nach Berlin gelangten Mittheilungen bestätigen vollkommen unsere neuliche Behauptung, vaß man in den entscheivenvcn Krelfen Wiens nicht im entferntesten daran denkt, die Politik des Grafen Hohenwart irgendwie abzuschwächen, vielmehr genießt derselbe nach wie vor das unbeviugteste Vertrauen von Seiten des österreichischen Hofes. Graf Hohenwart wird auf halbem Wege nicht stehen bleiben. Sollten diejenigen Landtage, in welchen die deutsche Versassungspartei die Mehrheit hat, sich weigern, die Wahlen zum Reichstage vorzunehmen, so würde die österreichische Regierung sich damit zu helfen wissen, daß sie directe Wahlen in den Reichstag auSschreidt. Damit würde denn die Der- sassungspartei aus allen ihren Positionen gerrängt und die Theorie des passiven Widerstandes von Neuem in ihrer ganzen Erbärmlichkeit hingestellt sein. Zweihundert Metzer Frauen haben folgende Bittschrift an den Präsidenten Darmstadt, 27. September. Nach der „Mainztg." haben an den beiden Wahltagen 1236 Wahlberechtigte ihre Stimmen bei den Kirchenvorstandswahlen abgegeben, also ca. 25 pCt. aller Berechtigten. Der Sieg der Liste des Protestantenvereins ist als gesichert zu betrachten. t Berlin, 27. September. Mehrere Wiener Blätter bringen die auffällige Nachricht, der Veranstalter des Audo da Fe auf der hohen Salve, der österreichische Erzherzog Karl Ludwig, sei am 23. in Berlin eingetroffen unv im königl. Schlosse abgestiegen. Selbstverständlich ist daran nicht ein Wort wahr; das heißblütige Wiener Kind brauchte auch kaum in so auffälliger Weise baß pater peccavi zu beten, denn in Berlin hat man sich schon längst daran gewöhnt, jeden Menschen nach seinen geistigen Fähigkeiten zu beurtheilen. Behufs Erleichterung des GeldoerkehrS kann vom 15. October er. ab die Einziehung von Geldern bis zu 50 Thalern oder 87i/2 Gulden einschließlich vurch Mandat erfolgen, wozu Formulare zum Preise von 3 Pfennigen für 5 Stück bei allen Postanstalten bezogen werden können. Dem Mandate ist das ein- zulösende Papier (die quittirte Rechnung, der quittirte Wechsel, der Coupon rc.) zur Aushändigung an venjenigen, welcher Zahlung leisten soll, beizufügen; das Mandat muß den Namen und den Wohnort des Schuldners, sowie den einzuziehenden Betrag deutlichst tragen. Zu schriftlichen Mittheilunzen an den Schulvner ist das Postmandat nicht zu benutzen, weil es in den Händen der Post verbleibt; es muß nebst seinen Anlagen unter verschlossenem Couvert an die Adresse ver- jenigen Postanstalt, welche die Einziehung bewirken soll, mit der Aufschrift „Post- mandat" recommandirt einzesenvet werden. Einem Postmanvat können mehrere Quittungen, Wechsel, Coupons rc. zur gleichzeitigen Einziehung von demselben Schulvner beigesügt werden, sofern die Gesammtsumme des einzuziehendrn Be- »rages die Summe von 50 Thaler resp. 87^/2 Gulden nicht übersteigt; die Ver- einigung mehrerer Postmanvate zu Einer Senvung ist nicht statthaft; die Gebuht beträgt einschließlich des Portos und der Recommandationsgebühr, ohne Rücksicht ■ aus die Höhe des Betrages, 5 Sgr. beziehungsweise 18 Kreuzer, welche vom Ab- , sender getragen werden muß. Die Uebermittelung des eingezogcnen Betrages an 1 den Auftraggeber erfolgt durch Postanweisung, wofür die Gebühr an dem eingezogenen Betrage verkürzt wird. , München, 28. September. Das Münchener Pastoralblatt veröffentlicht ein Schreiben des Erzbischofs von München-Freising an den Cultusminister, d. d. 26. September. Der Erzbischof bekämpft darin die Ansicht, daß Vas Dogma von der Unfehlbarkeit eine wesentliche Aenverung an dem Lehrbegriffe der katholischen Kirche enthalte; damit falle das ganze Gebäuve der vom CultuSministerium aus Vieser Vorfrage gezogenen Consequenzen in sich selbst zusammen. Der Erzbischof erklärt „vor allem Volke", daß, so lange der movernr Staat nicht vom göttlichen Gesetzt abfalle, von der katholischen Kirche für ihn nichts zu befürchten sei; „unv auch vann, wenn je die Zeit kommen sollte, wie es fast den Anschein hat, daß wir mit den Aposteln sagen müssen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen, ist für den Staat von uns gar nichts zu fürchten, denn er, nicht wir, tragt das Schwert." Der Erzbischof bestreitet, daß bereits Uebergriffe der Kirche erfolgt seien, daß in ver Publication des Dogmas ohne Placet eine Verfassungsverletzung liege, und daß die Staatsregierung, selbst wenn die Bischöfe vurch diese Publi- cation die Verfassung verletzt hätten, das Recht habe, dcr katholischen Kirche da» noch bestehende verfassungsmäßige Recht zu verweigern. Dcr Erzbischof lehnt schließlich für die bayerischen Bischöfe die Verantwortung der vom Minister signal^ der französischen Republik gerichtet: Das dritte Kriegsgericht hat Vie Todesstrafe gegen den Hauptmann Rossel ausgesprochen. Das Kriegsrecht zwang ohne Zweifel seine Richter zu Vieser Der- urtheilung. Aber über dem Gesetze steht die Gnade, über der Gerechtigkeit Vie Barmherzigkeit, und muß nicht aus dem Herzen der Frauen der Ausruf an die Barmherzigkeit kommen! Mütter, bitten wir Sie, ein Kind seiner Mutter zu erhalten, den einzigen Sohn eines alten unv loyalen Solvaten, der ungeachtet seines hohen Alters noch kämpfte, um Paris gegen Ven Feind zu vertheidigen. Namens ver Mctzer Ambulanzen beschwören wir Sie, den Verurtheilten zu be- gnavigen, und wir verlangen sein Leben im Namen jener verwundetem und kranken Solvaten, welchen die Frauen unserer unglücklichen Stadt das ihrige geweiht haben. Genehmigen Sie rc. Mrtz, 11. September 1871. Aus Algier, 24. September, wird gemeldet, daß in Kabylien die Entwaffnng langsam vor sich geht. Die Stämme bringen schlechte Waffen und verstecken die guten. Drohungen sind nothwenivg erschienen, um die verborgenen Waffen zu erlangen. General Deplanque hat ein Dors zwischen Tizi-Ouson und Bougia nieder- sirten Verwickelungen ab. K h h,r brennen lassen. I Berlin, 27. September. Laut Privatnachnchten aus Baden-Baden soll der Dre Offiziere der Garnison von Versailles erhalten seit einigen Tagen deut- Kaiser die Absicht haben, in Begleitung des Kronprinzen und mehrerer andern schen Unt rricht. Die Offiziere, welche in Paris sind, sollen binnen Kurzem in fürstlichen Personen in nächster Zeit einen Besuch in Straßburg, Metz u. |. der deutschen Sprache ebenfalls unterrichtet werden. «ffion d-s (Staates. Dabei ist man sich jedoch niemals flat darüber, wie der; Aus Persien wird der „Köln. Zig." untcrm 7 August geschrieben: Die Staat ciaentlich iu intervcniren habe. Man möchte nur, daß der Staat „gewisse ^Lage des Landes gestaltet sich durch Cholera, Pest, Hungersnoth und Mrßwtrth- SuSscheittunaeu der Coneuerenz" verhütet, ohne sicher angeben ,u können, wo die schast immer gräulicher. So sind im vorigen Monate in Mescyad, der Hauptstadt der Concurrenr aufbort unv die „Ausschreitung" anfängt. Man der Provinz Chorassan mit 120,000 Einwohnern, beinahe zwei Drittel der Be- bedenkt dabei gar nicht, daß jede Beschränkung der Conrurrenz von Staatswegen »olkerung durch Hunger und Krankheit umgekommen, der Rest wurde theilS fluchtig, den Eisenba nkn immer ein willkommener Vorhand sein wird, ihre Tarife mag- theilS von den durchs ßa^ flnifenten lutiomanr«. * lichst hoch zu halten und daß kein Mittel dieser Art die Privatbahnen hindern - ™ -- “■*....... künn, zuletzt, wenn sie der Concurrenz satt sind, sich zu coaliren und zu fusioniren, wie sie anderwärts bereits in großem Maßstabe gethan haben. Alsdann haben wir, wie gesagt, große Privatbahnen ohne Concurrenz und es ist klar, daß als- dann nur der Staat das Publikum vor schonungsloser Ausbeutung retten Sonntag ibt und Herv 1 Wie»/ ; I ^einlichteit de Eine- angtm v°>' I tif M* u M*»* ::l >««» bnit'i'i. C“S, (ttjifi; tu* i, H . eil»1 :t: ia initfrr- rcäD(Vn Ä»«' il»«’’lirflitS 'M " ‘,'SV Priorltilten. 30/g öster. Stsb.-Prior. 57t/2 3°/0 öst. s. Lombard 753/q 30/g Livorneser 34^4 5% Toscaner 537/g 5% Elisabeth.-Prior. 79^4 do. II. Emiss. 783/<________ Aiilehenaloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 667/g Nassau 25 fl. 401/a 4% bayr. Präm.-Anl. 14 4 Ansbacher 7 fl. ll5/g 4% badische Loose Hl Badische fl. 35 Loose 69 Oestr. fl. 250 v. 1854 761/2 1858r Prioritätsloose 182 1860r Loose 847/ö 1864r n 1341/4 Braunschweiger 185/a Stadt Florenz 821,^_________ «itrlwrfd)ulcn und von kenoaUchrn Gymnasien und Realschulen. : schül-72 rLiMRnLÄTsch^V ÄV Mm..,.. «I M. to‘ Ä 'S» Ä recht zahlreichem Besuche derselben einzuladen. »SÄ Se“ ****** Vermischtes. Wien 26 September. Das hieiige Hofmarschallamt zeigt an, daß nach olürhöchfter Anordnung der Kaiser von nun an alle zwölf Taze zur Beichte gehe. Es ist etwas Schones um - Styi« 6W W M« "‘««mo-.an, „Donau,-Nung". 3« ihr« «ss ff trocknet". (4086) Carl Deines, Asterweg. 3673) Wir empfehlen Full-Ncgulir- vfcn, Wormser Oefcn, Mantelöfen, sowie sonstige Feuer- und Kochntensillen, zu den billigsten 4 j?rön. Oeffentliche Anffordorung. 3436) Nachdem Grobb-rzoallch-s H°lg°- ridjt der Provinz Oderhcffen über das Vermögen des fluchtig »ewordenen, - früheren Lehrers und Rechners der Spar- und Leü^ lasse in Lang-GönS Georg <3 formellen Concurs erkannt hat, sind Forderungen und Ansprüche aller Art an denselben in dem auf . aRontiixs^'!;nctein Gerich/mnum?^ "^b^ünden 4114) Dicnstng den 3. October, 3K mcrbcn LSfi: S-pha, Be3nbemZnmnüKlfoU Übe7 Liquidität und gommobm, Stühle, betten, Porzellan, Priorität der angemeldeten 5^^lfun9cn' Qefen, Dreien, 1 strohes ö^oftyor, über Versilberung der Masse, Wahl etneß sm(le([)s)rcfle, Metzgergeschirr, eine Par- Gläubigerausschnsses und etnes Massecura^ I . Raufen Mist und son- tors verhandelt, auch nochmals d.e Güle,thie Jhtteii, ai x i »ersucht werden und werden alle nicht tx- I ftigc Hnusgeräthschasten ss Icheinenden Gläubiger, die durck einen,ge-! steigert. iC1„. hörig legitimirten Bevollmächtigten mchL ;A. n ^eu 29. September 1871. vertreten sind, den Beschlüssen der Mehrheit! iVlepen, Börsennachrichten. 28. September 1871. Preuss. 44/z0/g Oblig. 99!/2 Frankf. 3ftz % Obi. 831/2 Nass. 41/2% Obi. 973/4 Kurhess. 4% B 90 Gr. Hess. 5% Obi. 1031/4 » n 4% n 96 „ n 31/2% n 9H/4 Bayer. 5% „ 1003/4 „ 41/2 0/0 1jährige 991/2 „ 40/g 1jährige 93