Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Vrtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr. Gießener Aigtiger. Erscheint täglich, mit Aufnahme MontagS. Expedition: Lanzletberg Ltt. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kietzen. Stv. 173. Samstag den 29. Juli Jj Brodpreife vom 29. Juli bis 3. August 1871, nach eigener Erklärung der Bäcker: 4 Pfunv gemischte« Brod 21 kr. 2 Pfunv gemischte« Brod 10y2 kr. 4 Pfund Roggenbrod 18 kr. 2 Pfund Roggenbrot, 9 (r. Amtlicher T h e i l. Betreffmd: Kostenverzeichniffe wegen Beitreibung der Communalintraden vom II. Quartal 1871. am 24. Juli 1871. Das Großyrrsogltchr Krcisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien zn Allendorf a. d. Lahn, Allendorf a. d. Lda., Annerod, B«.khardsfelden Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich, Gießen, Hausen, Heuchelheim, Mainzlar, Münster, Ober-Bessingen, Oppenrod, Rödgen Ruttershausen, Trohe, Watzenborn und Wieseck. Wir erinnern Sie an die Einsendung der rubricirten Kostenverzeichniffe binnen acht Tagen. v. Starck. Polizeiliche Bekanntmachung. Einer heute dahier verhafteten Diebin wurden abgenommen: 8 S'sÄÄä - •-**> •** •***•• - “.VÄfSXJJ** ** ** - b" •“ 0- «**•«»«. "•»•» dl- Sie^n, den 27. Juli 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung. Die „Provinzialcorresp." vertheidigt in längerer Ausführung die Zusammen- legung der kaiholischen und evangelischen Abtheilung im preuß. CultuSministerium und kommt dabei zu folgenden Schlüssen: „Durch die Beschlüsse des vorjährigen Eoncils in Rom sind einerseits die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der Staatsgewalt so wesentlich berührt, andererseits so lebhafte Bewegungen und Zerwürfnisse innerhalb der katholischen Bevölkerung selbst hervorgerufrn, daß die Staatsgewalt sich dringender als zuvor veranlaßt finden muß, dafür zu sorgen, daß in Bezug auf die Wahrnehmung ihrer Stellung zu den katholischen Angelegenheiten ausschließlich und unbedingt staatsrechtliche Gesichtspunkte zur Geltung gelangen.... Die Verkündigung des Glaubenssatzes über die päpstliche Unfehlbarkeit hat innerhalb der katholischen Bevölkerung selbst, unter den Laien und unter den Geistlichen, Bewegungen und Spaltungen hervorgerufen, deren Folgen sich auch bereits in mehrfachen praktischen Fallen hinsichtlich der Beziehung zwischen den katholischen Bischöfen und der Staatsregierung geltend machen, namentlich in Betreff der Behandlung von Lehrern an den unter Staatsaufsicht stehenden katho- .lischen Gymnasien, welche sich weigern, den neuen Glaubenssatz zu lehren, und welche auf den Schutz des Staates in ihren Stellen und Rechten Anspruch haben. Es ist für jetzt nicht abzusehen, inwieweit die Bewegung unter den Katholiken eine festere Gestalt gewinnen und etwa zu tieferen Spaltungen führen wird. Die StaatSregierung aber kann den schon jetzt obwaltenden Schwierigkeiten gegenüber nur dadurch eine feste Richtschnur für ihr Verhalten finden, wenn sie sich unparteiisch auf den rein staatsrechtlichen Standpunkt stellt und demgemäß die einzelnen strei- tigen Fälle behandelt. Um diesen Standpunkt zu sichern, und auch äußerlich zu »kennen zu geben, erschien es zweckmäßig und geboten, in dem Ministerium und Angelegenheiten die bisher bestehende cvnfessionelle Sonderung der kirchlichen Ab- theilungen zu beseitigen und wiederum nur eine Abtheilung für die geistlichen An- grlegenheiten zu bilden. Die StaatSregierung bekundet dadurch, daß sie gesonnen ist, beide Kirchen unparteiisch, gerecht, dem bestehenden Staatsrechte entsprechend, zu behandeln, das Interesse des Staats aber auch mit gleicher Kraft der katholischen, wie der evangelischen Kirche gegenüber zu wahren. I Bezüglich des Fortganges der Räumung Frankreichs von der deutschen ccupationsarmee, sagt die „Provinzialcorrespondenz", sind die Bestimmungen S Frankfurter Friedensvertrages maßgebend, nach welchen die Räumung der epartement» Oise, Seine et Oise, Seine et Marne und Seine, sowie t>.tr Forts n Paris stattfinden soll, sobald die deutsche Regierung die Herstellung der Ord- ng sowohl in Frankreich als in Paris für genügend erachtet, um die Aus- hrung der von Frankreich übernommenen Verpflichtungen sicher zu stellen. In len Fällen wird diese Räumung bei Zahlung der dritten halben Milliarde erfol- n. Die Okkupationsarmee besteht zur Zeit noch aus 8 Divisionen oder 16 ^ligaden: 25 preußische, 4 sächsische Infanterieregimenter und 1 Iägerbatatllon; 4 Cavalleriebrigaden: ( Kürassier-, 6 Dragoner-, 3 Husaren-, 3 Ulanen- und 1 sächsisches Reiterregiment; 8 Feldartillerie-Abtheilungen, 20 Festungsartillerte- Kompagnien, 8 Pionnier-Eompagnien, sowie den zu den betreffenden Divisionen gehörigen Trains und Administrationen. Hiervon kehren in nächster Zeit mit der l Division 4 Infanterieregimenter, 1 Iägerbataillon, 1 Dragonerregiment und l Feldartillerie-Abtheilung nach der Heimattz zurück. Außer den preußischen und sächsischen Truppen befindet sich auch noch die 2. bayerische Division bti der Occupationsarmee. Den katholischen Blattern geht zur Benutzung gratis ein Blättchen zu, die „Genfer Corrcspondenz", die ihre Inspirationen direct aus dem Vatican in Rom empfangt. In dieser wird von Frankreich gesagt, daß ihm von Gott die Mission übertragen sei, zu allen großen Thaten der Menschheit den Impuls zu geben. (Wir haben'S erfahren.) Den Fürsten aber, welche dem Papste nicht den schuldigen Beistand geleistet, wird folgende angenehme Perspective in Aussicht gestellt: Der Papst allein wird in seiner Hauptstadt wieder einziehen, während die unwür- digen Könige, verflucht wie Saul, ein schimpfliches Ende finden wie dieser, oder von der rächenden Nemesis überall, selbst in der Verbannung, von dem Bewußtsein der Erbärmlichkeit verfolgt werden. Der Tag wird nicht mehr ferne sein, da der Papst zu den Regierungen sagen wird: „Ich habe mit Euch immer zu Eurem Vorthelle gehandelt, Ihr habt mich nicht gewollt, Ihr sollt Euren Willen haben! Ich habe mit Euch nichts mehr zu thun. Die Völker bleiben mir, und mit ihnen die Macht, entweder Euch katholisch zu machen oder Euch zu erdrücken!" Wir wissen wohl, daß es Leute gibt, welche diese Dinge für sehr harmlos halten. Man braucht aber nur auf Oesterreich und neuerlich auf Bayern zu blicken, um sich zu überzeugen, daß die offene Auflehnung gegen Staat und Gesetz keineswegs auf dem Papier und in den kirchlichen Dogmen stehen bleibt, sondern sich in sehr greifbarer Weise kundzugeben vermag, und man braucht nur auf Belgien zu blicken, um die fernere Ueberzeugung zu gewinnen, daß auch die politische Freiheit und die Loslösung aller privatrechtlichen Acte von der Kirche keineswegs genügt, um den Gegensatz zu einem blos dogmatischen und für die praktischen Verhältnisse bedeutungslosen zu machen. Es ist hier ein absoluter Gegensatz vorhanden, auf dessen einer Seite nicht etwa der einzelne Staat — so sehr derselbe auch die kirchlichen Uebergriffe begünstigt oder mitverschuldet haben mag —, sondern die ganze moderne Gesellschaft steht. Das mögen Diejenigen, welche über die jetzige „altkatholische" Bewegung die Achseln zucken, nicht vergessen. Das ultramontane „Bayerische Vaterland" in München schreibt nach den Einzugsfeierlichkeiten der bayerischen Truppen: „Was uns betrifft, sind wir froh, daß die Geschichten einmal vorüber sind. Die Leute kommen wieder etwas zum Nachdenken über die „Glückseligkeiten", die uns das „neue Deutsche Reich" bereits gebracht hat und noch bringen wird. Bet den Meisten hat sich der Katzenjammer bereits eingestellt, denn der Rausch war zu groß. Es kommt aber schon noch chöner, wenn man wieder allgemein zur Besinnung kommt. Nun, wir sind un- chuldtg, wenn es den Leuten katzenjämmerlich wird." Eine ähnliche patriotische Gesinnung spricht sich in einer Eorrespondcnz desselben Blattes aus Obersranken aus, in der cs heißt: „Ob jetzt „das Deutsche Reich" die gewünschte Ruhe haben und den von den Liberalen ersehnten Glanz entfalten wird? Ich meine, das hängt nicht von Bismarck ab, dem die Zügel der Weltregierung, ja, selbst des maßgebenden Einflusses in Deutschland längst aus den Händen gefallen sind; das wirb in Rom und Versailles entschieden. Beides sind verhängnißvolle Namen für ihn." Da ist es doch klar genug, wohin sich der sehnende Blick dieser sauberen Gesellschaft richtet. Aus München wird dem „N. W. T." geschrieben: „Es geht das Gerücht, Erzbischof Gregor hege die Absicht, zu resigniren und in seine frühere Stellung als Abt des DeneDictinerklosterS in Metten zurückzukehren. Als Thatsache wird es von unterrichteter Seite bezeichnet, daß der Erzbischof in den letzten Tagen nach Rom berichtet, er habe den unwioerlegbarsten Beweis in den Händen, daß das Vorgehen Döllinger'S und der sogenannten Altkatholiken die begeistertsten Anhänger in der Nähe des Papstes habe, und daß er den noch zu befürchtenden Hauptschlag der Gegner der Unfthlbarkeitslehre gegen die Kirche Christi von Rom ausgehend erwarte." Die „Internationale" hat durch ihr infernalisches Debüt während verletzten Pariser Insurrcction einen so allgemeinen Abscheu gegen ihr blutgieriges Treiben in Europa hervorgerufen, daß selbst Mazzini Veranlassung nimmt, in seinem „Roma del Popolo“ die italienischen Arbeiter auf's Eindringlichste vor den Irrlehren dieser socialdemokratischen Demagogie zu warnen. „Ihr müßt die Internationale nach dem Ziele beurtheilen, auf welches sie hinarbeitet, und nicht nach der Zahl ihrer Anhänger", ruft der alte Revolutionär den italienischen Arbeitern zu. „Ihr wißt wie ich, daß keine Gewalt von Dauer ist, wenn sie sich nicht auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründet; die von den Führern und den Hauptmitgliedern der Internationale gepredigten Lehrsätze sind aber: 1) die Verleugnung Gottes, das heißt der einzigen, ewigen und unerschütterlichen Basis eurer Pflichten und Rechte; 2) die Verleugnung des Vaterlandes und der Nation, das heißt des Stützpunktes, dessen ihr euch allein bedienen könnt, eure Interessen und die der Menschheit zu retten; 3) die Verleugnung jedes persönlichen Besitzes, das heißt jede- Anreizes, mehr zu erzeugen, als gerade für das tägliche Leben unumgänglich nothwendig ist. Das Eigenthum, wenn es Ergebniß der Arbeit ist, repräsentirt die physische Thätigkeit, wie der Gedanke die der Intelligenz repräsentirt." Die Seele der Internationale, Karl Marx, schildert Mazzini wie folgt: „Deutscher von Geburt, ist er ein intelligenter Mensch, aber wie Proudhon ein zersetzender Geist, von gebieterischem, auf jeden Einfluß eifersüchtigen Charakter, ohne besondere philosophische und religiöse Überzeugungen, und dessen Herz, wie ich fürchte, mehr Haß als Liebe zur Menschheit birgt." Für die fanatischen Pseudo-Arbeiterfreunde in Deutschland wird dieser Mahnruf allerdings umsonst erklingen; wir erleben eS vielleicht noch, daß Mazzini von ihnen ein „Nationalliberaler" gescholten wird. ^Leihgestern. Der Erlaß des preußischen evangelischen Ober. KirchenratheS in Sachen des Dr. Hanne hat bei Ihrem -s-Correspondenten das größte Befremden erregt.^ Darüber könnte man sich wundern, denn bei einigem Nachdenken muß sich doch Jedermann sagen, daß der Ober-Kirchenrath gar nicht anders entscheiden konnte. Aber nachzudenken ist eben nicht Jedermanns Ding; die Meisten begnügen sich damit, die Phrasen der liberalen Zeitungen nachzuveten. Zunächst erlauben Sie mir eine thatsächltche Berichtigung. Es ist nicht wahr, daß es nach der Meinung des evangelischen Ober - Kirchenraths „auf die moralische Befähigung, auf die Hingebung für die höchsten Ziele des menschlichen Daseins, für die idealen Güter, auf die werkthätige Liebe" nicht oder doch nicht in erster Linie ankommt; es ist nicht wahr, daß der evangelische Ober-Kirchen- rath „den Glauben, den blinden Autoritätsglauben", für „das erste Erforderniß eines Dieners der Kirche" erklärt. Nicht auf den Glauben allein sieht die preußische oberste Kirchenbehörde bei Anstellung der Geistlichen, aber allerdings — sie sicht auch auf den Glauben, und das mit vollem Recht. Wenn man einen Schreiblehrer anstellt, fo vergewissert man sich erst, ob der Bewerber auch schreiben kann. Und wenn man einen Prediger des Evangeliums anzustellen hat, sollte man nicht berechtigt sein, zu fragen, ob der Bewerber das Evangelium, oas er predigen soll, auch glaubt? Nach der Meinung Ihres Correspondenten freilich, soll die Kirche den Glauben vollständig freigeben; denn wenn eine Kirchenbehörde verlange, daß die Geistlichen sich nach den evangelischen Bekenntnissen richten, so sei das gerade so vicl, wie wenn der Papst seine Aussprüche für unfehlbar erkläre. „Wo bleibt der Unterschied zwischen dem unfehlbaren Ober-Kirchenrath und dem unfehlbaren Papst?" so schließt der Artikel Ihres Correspondenten. Wir meinen, der Unterschied wäre doch ein sehr großer. Der Papst nimmt für seine eigenen Aussprüche Unfehlbarkeit in Anspruch; die preußische oberste Kirchenbehörde denkt überhaupt nicht daran, Unfehlbarkeit zu beanspruchen; und es handelt sich auch bei ihrer Entscheidung nicht um Lehren, die sie selbst aufgestellt hat, sondern um die Lehren der evangelischen Bekenntnisse, und für diese nimmt sie auch nicht — Unfehlbarkeit in Anspruch, sondern sie verlangt nur, daß die Diener der Kirche diese Grundgesetze der Kirche respectiren. Und sie thut damit einfach ihre Schuldigkeit, wie der Iastizminister seine Schuldigkeit thut, der von den Richtern des Landes verlangt, daß sie nicht nach eigenem Gutdünken, sondern nach den bestehenden Gesetzen Recht sprechen. Aber — wird man erwidern — ein Pfarrer kann doch ohne Heuchelei nicht nach den Bekenntnissen predigen, wenn er ihren Inhalt nicht glaubt. — Aller- dingS; aber eben deshalb sollte ein Mann, dessen Glauben nicht mit den Bekenntnissen harmonirt, ehrlicher Weise nicht ein Amt begehren, bei dessen Uebernahme er daS Predigen nach den Bekenntnissen geloben muß, und wenn er cs doch begehrt, ist die Kirchenbehörde berechtigt, wie verpflichtet, ihn zurückzuweisen. Wohin soll es denn führen, wenn jeder Geistliche predigen darf, was er will? Jene tapfern Streiter gegen die päpstliche Unfehlbarkeitslehre, ein Döllinger, ein Friedrich, ein Michelis u. A., denken gar nicht daran, daß die Lehre inner- halb der katholischen Kirche soll freigegeben werden; sie wollen keine neue, sondern die alte katholische Lehre, und sie wehren sich gegen das Unfehlbarkeits- Dogma, gerade deshalb, weil ein unfehlbarer Papst jeden Augenblick der Kirche irgend einen neuen Einfall als göttliche Wahrheit aufladen kann. Sie nennen sich ja deshalb auch A l t katholiken. Wenn aber in unserer evangelischen Kirche die Lehre völlig freigegeben wäre, dann wären unsere Gemeinden schlimmer daran, als die katholische Kirche unter dem unfehlbaren Papste. Da könnte heute ein Harrer kommen, der predigt: Der Hcrr Christus ist Gottes Sohn, hat Wunder auferstanden und gen Himmel gefahren; morgen einer, der da? gerade ,8, ’ l l wahr erklärt; es könnte heute einer kommen, der bekennt: Ich moraen °einer ""mächtigen Schöpfer Himmels und der Erden, und Naturkrast 'llnh hV ' ma« gewöhnlich Gott nennt, das ist eigentlich die «„v- L ( J dttsem verwirrenden Durcheinander ständen die Gemeinden voll- mußten sich alles gefallen lassen, was ihre Herrn Pfarrer ich mir doch h/jS e Nein, einem solchen Willkürzustande gegenüber lobe UL « ^rrL4aft bf6 Petzes, wie sie - Gott Lob! - noch in un-l (ercr evangelischen Kirche, vorab in Preußen, besteht. Mag es auch oft genug! vorkommen, daß evangelische Pfarrer anders lehren, als sie sollen (wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter): wenn, wie in dem Hanne'schen Falle, Gemeindeglieder gegen einen Pfarrer, der offenbar den Glauben der evangelischen Bekenntnisse nicht , protestiren, oder wenn sie gegen einen Pfarrer, der unevangelisch lehrt, Klage erheoen, so kann keine evangelische Kirchenbehörde in der ganzen Welt wenn sie ihre Pflicht thun will, anders urtheilen, als der evangelische Ober-Kirchen- -alh B-rl.n gkurttz-M hat. Eckstein, Pfarrer. H-ralllsurt, 27. Juli. Unter Begleitung einer entsprechenden Anzahl Schutz. Mannschaft trafen gestern wieder 6% Millionen Thaler Kriegskosten aus Straß, bürg hier ein. Bei Der Uebernahme in Straßburg und hier wird jetzt ganz genaue Controle gehalten, ob nicht irgend ein Wagen defect ist. Von den abhanden gekommenen 12,000 Francs ist auch noch nicht eine leise Spur vorhanden. Jugenheim, 26. Juli. Seine Majestät der Kaiser von Rußland und Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Großfürsten Wladimir und Alexis nebst hohem Gefolge sind gestern Abend 7 Uhr von Jugenheim über Berlin und Warschau nach St. Petersburg zurück gereist. t Berlin, 26. Juli. Im Reichskanzleramte ist nunmehr desinitiv entschieden worden, daß die oberste Leitung des Eisenbahnwesens in Elsaß, Lothringen und Luxemburg einer selbstständigen, dafür einzusetzenden, vom Reichskanzleramte un- mittelbar ressortirenden Central-Dtrection anvertraut werden soll. Zu Räthen beim Bundes - Oder-Handelsgericht zu Leipzig sind neuerdings ernannt worden: 1) Der k. bayerische Rath Hr. Johann Wernz zu München- 2) der k. bayerische Advokat Dr. Marquard-Barth zu München; 3) der k. wirrt- tembergische Professor der Rechte Dr. Robert Römer zu Tübingen; 4) der großh. ^bische Kreis- und Hofgerichts - Director Dr. Ernst Sigismund Puchelt rü Karlsruhe. 8 Auch die 2. Emission der fünsprocentigen Schatzanweisung des Norddeutschen Bundes im Betrage von 51,000,000 Thlr. ist nunmehr gekündigt worden. Ihre Einlösung gegen Zahlung des Nennwerthes erfolgt vom 1. Februar 1872 ab und ihre Verzinsung hört mit diesem Tage auf. T>er Bau des Sitzungssaales des provisorischen ReichstagSgebäudes ist nun- mehr so weit vorgeschritten, daß bas Gerüst zum Ausstellen der Dachba'nder er- richtet werden konnte. Der Saal wird ein Oberlicht von 40 Fuß Breite und 60 Fuß Länge erhalten und durch 660 Gasflammen erleuchtet werben können welche über der bas Oberlicht bewirkenden Glasbedachung angebracht sind. Der Saal für den Bundeörath ist im Rohbau ziemlich vollenvet. Bei der Wohnungsnoth, der man zum nächsten Umzugstermin hier wieder entgegensieht, blicken einige Optimisten wieder auf den Mann, der vor langer, langer Zeit den Anlauf nahm, ein zweiter Peabody zu werden, seitdem aber das Wohl des Volkes auf seltsamen Gebieten suchte, auf welchen für ihn gefüllte Taschen und einige Bagatellprozesse, für die vertrauensseligen deutschen Kleinbürger aber rumänische Kopfschmerzen resultirten. Schon 1866, als Dr. StrouSberg noch auf der Höhe des Mannes stand, „der Alles kauft", wurde er bestürmt, Arbeiter- Wohnungen nach englischem Muster Herstellen zu lassen, doch ist es damals bei einigen allgemeinen Höflichkeitsphrasen geblieben. Jetzt wird derselbe Versuch ae- wagt, voraussichtlich aber mit demselben Erfolge. Die Frage des „Soll und Habens« scheint j-tzt die einzige Stelle zu sein, wo der Millionen - Doctor sterb- lich ist! München, 22. Juli. Das Handschreiben des Königs an die Kaiserin Auguste, welches Generalabjutant Spruner an seine Adresse zu überbringen hatte lautet wie folgt: ' „Durchlauchtigste, großmächtigste Fürstin, freundlich liebe Schwester und Muhme! In freudiger Rührung über die liebevolle werkthätige Theilnahme, welche während des letzten Feldzugs hülfsbedürftigen bayerischen Kriegern von allen Gauen Deutschland- cntgegengctragen wurde, hatte Ich beschlossen, für hervorragende Leistungen dieser Art eine besondere Auszeichnung unter dem Namen „Verdienst- kreuz für die Jahre 1870 und 1871" zu errichten. Nachdem nunmehr die Vorbereitungen für Vertheilung dieser Dekoration ihren Abschluß gefunden haben wäre es Mir eine reine Freude und hohe Genugthuung, wenn Eure kaiserl. und königl. Majestät als leuchtendes Vorbild hingebender Fürsorge für die Heldensöhne Der Nation Dem neugestifteten Ehrenzeichen durch dessen Annahme erhöhte Weihe verleihen würden. Indem Ich diesem Wunsch Ausdruck gebe, drängt es Mich, zugleich Den tiefgefühlten Dank zu erneuern, welchen Ich Eurer Majestät für alle den bayerischen Truppen erwiesenen Licbeswerke aus ganzem Herzen zolle und be- wahre. Empfangen dieselben zugleich die Versicherung der vorzüglichen Hochachtung und Freundschaft, womit Ich verbleibe Eurer kaiserl. und königl. Majestät freundwilliger Bruder und Vetter. Ludwig. Schloß Berg, 16. Juli 1871." Paris, 26. Juli. Die Commission für die Reorganisation Der Armee hat folgende Fundamentalbasis als endgültig angenommen: Alle Franzosen sind vom 20. bis 40. Jahre dienstpflichtig. Sie Dienen vier Jahre in Der achten Armee, fünf m Der ersten, Drei in der zweiten, acht in Der Dritten Reserve. Alle National- garDen werden aufgelöst. Der Staatschef ist berechtigt, die erste Reserve Durch Dekret einzuberufen, Die übrigen Reserveclassen nur durch Erlaß eines Gesetzes. — In Bourges wüthete eine heftige Feuersbrunst. Der bischöfliche Palast ist ein Aschenbaufen. ' London, 25. Juli. Aus Versailles wird gemeldet, daß Thiers Die antt- cipirle Zahlung Der zweiten halben Milliarde angeboten habe, um Die Räumung mehrerer neuer Departements zu erreichen. (Presse.) Frifchbäckrr ju Gießen. den 30. Juli. Georg Busch am Kreuz, Heinrich Plank in der Neustadt und Hermann Spies in der Wallthorstraße. m*rrcHCThrasr-n mm um«■jikiiim—mm,n Kirchliche Anzeige Der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst. , ) Morgens: Pfarrer Landmann. Am 30. Jul r: (Feier des heil. Abendmahls.) \ Nachmittags: Mitprediger Drescher. Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 30. Juli bis 5. August besorgt Pfarrer Landmann. N,so«r>e« ZS» -L- Morgen Kr Mitglied, solche nie Zahlung eingeleg ien Forlbeiland der SSM« Namens des Ams Spar- und Gemeind Gerstel! 3137) Montag den Nachmitt Uen in dem Hause den aus dem Tiefenw in Commoden, Tisch den, einem Kleidcrsc schlank, Bettwerk, : haus- und Küchengei dielend versteigert rot Gießen, den 25. Z Semml ArbeMechche 3164) Dienstag den Bo. mitt I sollen auf der hiesig ^Vollendung des We^ jsen erforderlichen i tj Accord gegeben werd |j Steinbrcchen, oera I Steinsahren, I Steinsetzen, I Mirarbeit, । Lum, dm 27. Jr ^herzogliche I L. Hahn,) Für A 308°) Dienstag b Nachmitti y. Unterzeichnet "Änderung der £ Ees laufende und st miede gehörende @ W'Ä Äftfi Wen im m’4®'11« I Ml? “ I Mäfn- »en 27. o - bi P-et t L »fr 9)Jt yerlte unh ■ärt'W Itb» ' Pfarrer, Schutz. 6/rjj. $t ga»z ge. «HL « H!,, u nach St. * k°tschikbri» ‘vnndtn und Wtrtmlt un- 6 »kurrding- lu Lunchen! tn k. Lui/. ) 2er großh. Ptichrlt |u ^rddeutschen orten. Ih„ .872 ab und "dkt iß nun. achdandrr et« i Breite und rrtkn fenntn, ft ßnd. Dtr h'tl teitbtt ngn, langer r tat Wohl ülllr Taschen ndürgkr aber »erg noch auf It, ItbtiltP l tamali in' Versuch y- । „Soll uni )octor flttb’ it Äa^ttin ingtn hatte, chncher und »dm, velche allen Gauen hervorragende i „Verdienst- ehr die Ver- nbtn haben, faiftrl. eint Dt Weihe gl et Ä stak (it -He olle unt HochachlM inlflt (rennt» 571/ x Armee hat (en find w« etieen llroee, lOeNon»1; Refme durch ine« Wl* Palast >st tt° inf m «* tu jjfljrf In der »<»• l Besondere Bekanntmachung. Die Spar- und Leihkasse zu Lich betreffend. 3163) Zu der nach Beschluß der Hauptversammlung vom 1. März d. I. zusammenzuberufenden weiteren Hauptversammlung werden hiermit alle Mitglieder und, die Rechte der Mitglieder besitzenden, Gläubiger der hiesigen Spar- und Leihkasse auf Donnerstag den 10. August 1871, Morgens 10 Uhr, in den Rathhaussaal hiesiger Stadt mit dem Bemerken eingeladen, daß Anträge von Seiten der Mitglieder und Gläubiger, insofern sich solche nicht auf den Modus der Rückzahlung eingelegter Capitalien und auf den Fortbestand der Anstalt beziehen, in dieser Hauptversammlung nur dann Berücksichtigung finden können, wenn solche längstens bis zum 7. August d- I. bei dem Unterzeichneten schriftlich eingereicht worden sind- Lich, am 26. Juli 1871. Namens des Aufsichts - Ausschusses der Spar- und Leihkasse Lich: Volp, Gemeinde - Einnehmer. Versteigerungen. 3137) Montag den 31. Juli d. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen in dem Hause der Peter Pistor's Erben auf dem Tiefenweg Mobilien, bestehend in Commoden, Tischen, Stühlen, Bettladen, einem Kleiderschrank, einem Küchenschrank, Bettwerk, Bütten, Waschmange, Haus- und Küchengeräthen aller Art, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 25. Juli 1871. In Auftrag: Semmler, Ortsgerichtsmann. Arbeitsversteigeruilg zu Beuern. 3164) Dienstag den 1. August d. I., Bo. mittags 9 Uhr, sollen auf der hiesigen Rathsstube die zur Vollendung des Wegbaues nach Geilshausen erforderlichen Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden, als: Steinbrechen, veranschl. zu 62 fl. 52 fr. Steinfahren, „ „ 180 „ 24 „ Steinsetzer:, „ „ 13 „ 40 „ Ehaussirarbeit, „ „ 172 „ 12 „ Beuern, den 27. Juli 1871. Großherzogliche Bürgermeisterei Beuern I. A.: _______L- Hahn, Bezirksbauaufseher. Für Müller! 3080) Dienstag den 1. August, Nachmittags 1 Uhr, läßt Unterzeichneter wegen gänzlicher Umänderung der Holzmühle bei Lollar alles lausende und stehende zum Mühlenbetriebe gehörende Geschirr öffentlich versteigern. Heinrich Christ. Arbeisversteigerung zu Bersrod. 3166) Dienstag den 1. August d. I., Nachmittags 1 Uhr, sollen im Büreau der Bürgermeisterei zu Bersrod nachfolgende Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden, als' Steindeckerarbeit an der Kirche, veranschlagt zu.....95 fl. — fr. Weiß inderarbeit daselbst, veranschlagt zu......15 „ 15 „ Rödgen, den 27. Juli 1871. Zn Auftrag des Kirchenoorstandes: ________L- Hahn, Bezirfsbauaufseher. 3122) Samstag den 29. Juli l. I., Nachmittags 2 Uhr, soll die Erndte von den Grundstücken, welche Herr Stallmeister von Gremv gepachtet hatte, auf dem Halme an die Meistbietenden versteigert werden. Die Erndte besteht in Korn, Gerste und Hafer und wird mit der Versteigerung am langen Steeg der Anfang gemacht. Gießen, den 25. Juli 1871. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. _____________Wortmann.____________ Arbeitsversteigerung zu Winnerod. 3165) Dienstag den 1. August d. I., Nachmittags 3 Uhr, (ollen im Pfarrhofe zu Winnerod nach- folgende Arbeiten einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden, als: Maurerarbeit, veranschl. zu 44 fl. 48 fr. Zimmerarbeit, „ „ 144 „ — , Dachdeckerarbeit, „ „ 141 „ 15 „ Schreinerarbeit, „ ,, 14 „ 24 „ Schlosserarbeit, „ „ 182 „ — „ Rödgen, am 27. Juli 1871. In Auftrag des Kirchenvorstandes: Hahn, Bezirfsbauaufseher. Feilgebotenes. 3167) Endivien-, Kopfsalat-, sowie auch Kohlpflanzen, in bester Qualität, empfiehlt billigst Carl Pipp. Strickmaschinen. 3159) Außer der Anfertigung aller Sorten wollener und baumwollener Strümpfe werden auch solche zum Anstricken jetzt wieder angenommen. I. A. Busch Söhn e. Landwitthschaftlichc Bücher, als: Birnb.mm's Landwirthschaft, Roscher's Natinalöconomie, Pabst's Betriebslehre, _ Balling'S Branntweinbrennerei. Sämmtliche Bücher, elegant gebunden, sind zum halben Ladenpreise zu haben bei Meyer Rothenberger, (3157) Neuenweg. s Erbsen zur Stoppelsaat sind angefommen bei ____________________A. Katz, Neustadt. 1444) Röder'sche Patcnt-Kochherde, sowie verschiedene andere Sorten von Her« den in schöner Auswahl, empfehlen ______________________________Flick r. O. Hiillisclt in Kerlin. 0 9 jetzt Neuenburgerstrasse 8. — Schon Hunderte vollständig geheilt. (2970) ■ Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oberhessische Eisenbahn, sowie sämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei W. Klee, am Markt. Meilen. 8 L L CO H m. 173 Befteü« Slbonncntcn, Meilen. 'VD ft a 2 © X W W W w W N M 1>S N C 03 CO CC GO GC 2D Q t/D (T> N X uq s ft N 09 GO ft s fi Q M 0: 9 SS z SS s 8 bi. r&> W 2D z * SS z N X X c — s der p derB Kilometer. Kilo- aU i Re © s ft 5 Personen- zug. ft ft % 3 £ p p 0 Personenzug. ir g 6 % ft S e B ro 0 95 51 n 3 c 09 OD Q C t£> CD CD 5 cv' tSJ 22: _ 09- O cv cv <$ S 20 3 y Cv s 2D 5; 3 5 to Mit dem 31. d. 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