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Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen. Ne. Samstag den 29. April 1871. Beste Zungen auf den Gießener Anzeiger Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für 1 fl. pr. Quartal. Brodpreife vom 29. Avril bis S. Mai 1871, nach eigener Erklärung der Bäcker: 4 Pfund gemischtes Brod 21 kr. 2 Pfund gemischtes Brod lOVz kr. 4 Pfund Roggenbrod 18 fr. 2 Pfund Roggenbroo 9 fr. Amtlicher Tvei 1. M. Der bleibinde Antschnß de« deulschen Handklstagcs halte sich im März Der 1. bis 18. von Paris Listen sind „Univers" veröffentlicht drei Listen, denen zufolge in der Zeit vom April 47 Priester und andere geistliche Personen verhaftet, 26 Kirchen und 24 Klöster und geistliche Schulen geschloffen worden sind. Diese aber, wie der „Untvers" selbst sagt, noch lange nicht vollständig, zu der ersten eine Anzahl von Mönchen, welche in ihren Seminarien haben, zu den beiden anderen eine ganze Reihe von Capellen und Dag ossicielle Pariser Blatt enthält eine Reihe von Documentcn, die jedoch ohne besonderes Interesse sind. Eines betrisst die Aktenstücke, welche die Wittwcn und Waisen der auf dem Schlachtfelde gefallenen Nationalgarden vorbringen Man muß Hausarrest welchen die Beschränkung an den Sonn- und Festtagen eingeführt sei, nicht competent sei, eine Aenderung im Sinne der Petenten eintreten zu lassen. Dem Reichskanzler ist in diesen Tagen eine Adresse portugiesischer Bürger der Stadt Ponte Belgrda, San Miguel (Azoren) zugegangen, in welcher sie ihre Glückwünsche darbringen. Aus Wien berichtet der Telegraph von einem Antrag im Unterhause, in welchem die direkte Wahl der Abgeordneten durch die Bevölkerung verlangt wird. Die Herren scheinen also von uns nichts gelernt zu haben und noch immer von dem liberalen Aberglauben befangen zu fein, daß direkte Wahlen immer eine demo- kratische Kammer als Resultat haben wüssin. Und es bedarf doch nur eines Hinblickes auf die klerikalen Stellen im Centrum des deutschen Reichstages, um zu der Erkcnntniß zu gelangen, daß, so lange die Verbreitung einer gesunden Schul- bildung nicht die vornehmste Sorge jeder Staatsregierung ausmacht, das allgemeine Wahlrecht und die direkte Wahl das schneidendste Werkzeug in den Händen der Dunkelmänner sein werden. Gilt dies aber schon von Deutschland, dtssen allgemeine Bildung sehr gerühmt wird, um wievielmehr sollten dann die Liberalen Oesterreichs sich vor Experimenten hüten, welche einem politischen Selbstmordversuche gleichkommen. Das große Gegenstück zu der pariser Commune ist das diesseitige Oesterreich. Wie jene Commune Frankreich in einen Bund freier Reichsstätte umgestalten und das Ruchsparlament auf den Rang einer Versammlung von Dele- girten der souvtränen Gemeinden zurücksühren will, so suchen die Föderalisten des diesseitigen Oesterreichs die einzelnen Länder und Königreiche von dem Cen- trum der Regierung zu emancipiren und den Reichsrath zu einer Versammlung der Delegirten der unabhängigen Länder umzubtlden. Ungarn mit seinem Ausgleich soll noch aus dem Spiel bleiben, bis die Föderation diesseits der Leitha gesiegt hat und dem Dualismus den Krieg erklären kann. Ein Gesammtparla- ment, zu welchem die Lander und Königreiche beider Reichshälften ihre Beauftragten senden, soll den Schluß dieser Bewegung bilden. Berichten aus Rouen zufolge hatte die Stadt ausdrücklich das deutsche Oberkommando um eine zahlreichere und längere Besatzung gebeten, aus Furcht vor der pariser Revolution und deren Rückwirkung auf den Pöbel und die socia» list schen Banden von Rouen. Auch gibt die St..dt, wie der „Wsr. Ztg." we- nigstcns von dort stationirten Militärs geschrieben wird, der deutschen Besatzung aus freien Stücken eine Tageözulage von 2V2 Sgr. pro Mann. Der Bürgerkrieg in Frankreich ist noch in vollem Gange und schon sind selbst Blätter wie die „France" wieder im Zuge, den Franzosen Illusionen über den Frieden mit Deutschland zu machen. Ein obskures Florentiner Blatt hat als „begründet" gemeldet, Mühlhausen werde bei Frankreich bleiben, und sofort wird dies als unbestrittene Wahrheit in die Welt posaunt. M. Die Verzögerung des definitiven Friedensabschlusses, Dank der Ohnmacht der Versailler Regierung, den Pariser Aufstand zu bewältigen, hat die größten Nachtheile für unsere politischen, socialen und wirthschaftlichen Ausgaben im Gefolgt« Nicht nur, daß durch Die verzögerte Heimkehr der älterer Mannschaften unserer in Frankreich stehenden Truppen sich überall der Arbetter- mangel sowohl für die Landwirthschaft, wie für viele Geschäfte in den Städten fühlbar macht, die durch die Pariser Unruhen hervorgerusene unsichere Lage Frankreichs wi kt auch aus den Gang des Handels und der Industrie in ganz Europa zurück, sie stört alle Geschäftsunlernehmungen und vermindert den Wohlstand aller Volksclassen. Ist bas schon ein großer Nachtheil im Allgemeinen, so leidet Deutschland noch ganz besonders unter den französischen Zuständen, insofern es sich der ungeheuren Vortheile einstweilen beraubt sieht, welche die Kriegsentschädigung ihm gewähren würde. Die Erledigung der Ansprüche der Invaliden und der Hinterbliebenen der Soldaten läßt sich nicht in einer den Ansprüchen der Humanität entsprechenden Weise durchführen, ohne die Gewißheit, daß Frankreich mindestens den für dieses Jahr vertragsmäßig übernommenen Verpflichtungen nachkommt; außerdem ist es nicht möglich, die Staatsbauten, Eisenbahnarbeiten u. s. w., die selbst vom politischen und strategischen Gesichtspunkte von großer Wichtigkeit sind, so energisch zu betreiben, als dies nach vollendetem Friedensabschlusse der Fall sein würde. Auch der freiheitliche Ausbau unserer Relchsverfaffung muß unter dieser Unsicherheit der Zustände leiden, die den Blick weniger auf die Bedürfnisse unserer inneren Politik, als auf fcie Sicherstellung un-ercr auswärtigen Interessen richten. Es wäre also dringend zu wünschen, daß die deutsche Bundesregierung den Moment bald für indicirt halte, wo dieselbe sich die Garantie verschaffen muß, daß die Friedensbedingungen zur Ausführung kommen. Je länger die Herstellung regelmäßiger Zustände für Frankreich hinausgefchoden wird, desto mehr wild dieses Land in seiner Kraft und Fähigkeit geschwächt, seine Verpflichtungen gegen Deutschland abzutragen. Nun liegt allerdings die Schwächung Frankreichs im deutschen Interesse nicht minder als im europäischen, insofern eine Störung des Friedens dadurch verhindert, jedenfalls auf eine entferntere Zeit hirausgefchoben wird; indessen leidet doch auch Deutschland unter den zerfahrenen französischen Verhältnissen so sehr, daß es wohl endlich die Geduld verlieren darf und die Franzosen an die ernste Nothwendigkeit erinnern kann, Deutschland zu entschädigen für die furchtbaren Opfer, welche ihm der Krieg kostete, den Frankreich allein heraufbeschwor und verschuldet. Gegen den Verdacht einer interventtonSlustigen Politik hat sich die deutsche Bundesregierung hinreichend gesichert durch ihre bisherige Enthaltsamkeit, deren sich die Franzosen, wären sie als Sieger aus dem Kampfe hervorglgangen, sicherlich nicht befleißigt hätten. Wir würden deshalb mit Freuden den Augenblick begrüßen, wo den Fran- zosen mindestens ein Termin gestellt wird, bis zu welchem sie ihre Streitigkeiten beizulegen haben, um sich der Arbeit der Ausführung der Friedenspräliminarien mit aller Kraft zu widmen. Bekanntmachung. / Die Feierabendst»nde betreffend. Der nachstehende Paragraph 365 des Bundes-Strafgesetzbuchs wird hiermit zur Nachachrnng bekannt gemacht. Gießen, den 26. April 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen. Nover. §. 365. Wer in einer Schankstube oder an einem öffentlichen Vergnügnngsorte über die gebotene Polizeistunde hinaus verweilt, ungeachtet der Werth, sein Vertreter oder ein Polizeibcamter ihn znm Fortgehen anfgefordcrt hat, wird mit Geldstrafe bis zu fünf Thalern bestraft Der Wirth, welcher das Verweilen seiner Gaste über die gebotene Polizeistunde hinans duldet, wird mit Geldstrafe bis zu -waniia Thalern oder mit Hast bis zu vierzehn Tagen bestraft." 6 6 a ö diese« Jahrc« an da« Generalpvstamt mit der Bitte gewandt, die Brusbestellung P.esbpterien hinzurcchnen, die ebenfalls geschlossen und deren Möbel entweder an den Sonntagen zu erweitern. D;e Forderung muß gewiß als eine bin jetzigen weggenowmen oder unter Siegel gel'gt worden sind. Berkehrsverhaltnissen entsprichende bezeichnet weiden. Trotzdem hat das General- Postamt das Verlangen abschlägig bescheiden müssen, weil, wie es in dem Antwortschreiben heißt, das Generalpvstamt mit Rücksicht auf die Beweggründe, aus müssen, um ihre Pensionen zu erhalten, und ein anderes ordnet an, daß die ge- tödteten Nationalgarden, deren Identität mau nicht feststellen kann, photographirt und dann auf Staatskosten begraben werden. Zu erwähnen ist noch eine Bekannt- machung des Bauten-Ministeriums. Dieselbe lautet: „Die Bürger, welche von den dem Staate und der Stadt angehöreuden Niederlagen von chemischen Pro- ducten, Maschinen, Luftballons u. dgl. Kenntniß haben, werden gebeten, dieses der wissenschaftlichen Delegation im Bauten - Ministerium mitzutheilen. Die Besitzer Von Petroleum sind genöthigt, schriftlich und binnen drei Tagen ihren Vorrath anzugeben. Die Erfinder von VertheidigungS- oder Angriffswaffen können ihre Pläne oder Modelle an die nämliche Adresse abgeben. Die Chemiker, die Re- volver- und Gewehr-Fabrikanten rc., welche Arbeit wünschen, können sich jeden Tag im Bauten-Ministerium vorstellen." Die militärischen Berichte des osfictellen Blattes sind ohne alle Bedeutung. — Außerdem enthält das offictelle Blatt noch folgende, den Handelsstand betreffende Note: „Die Kaufleute, welche sich während der Belagerung geflüchtet haben und denen die Stadt Plätze eingeräumt hat, um ihre Waaren unterzubringen, werden aufgefordert, sich in kürzester Frist zur Direction der Communal-Miethen, Rue de Ber^y 45, zu begeben. Widrigenfalls werden ihre Waaren auf ihre Gefahr in fpeclelle Magazine gebracht." Wir entnehmen einem Schreiben aus Paris vom 23. April: „Wie man versichert, wird morgen endlich ein Waffenstillstand für Neuilly abgeschlossen werden. Die Lage der Dinge ist dort furchtbar. Dieser Ort. ist seit zwanzig Tagen der Hauptschauplatz des Kampfes zwischen den Parisern und den Versaillern. Die Verwüstungen, welche die Kugeln dort anrichten, sind um so größer, als es fast nie zu einem eigentlichen Kampfe kommt, sondern man sich nur kanonirt und chassepotirt und bald die eine oder die andere Partei vor- oder rückwärts geht. Irgend etwas Entscheidendes fällt nie vor. Man schlägt sich, wie in Südamerika, wo, wenn es zum Kriege kommt, man auch mehr Lärm macht, als sich wehe thut. Die Verluste auf beiden Seiten waren in Neuilly zwar ziemlich ernst, aber sie stehen doch in keinem Vergleiche zu den 22tägigen Kämpfen. Stark gelitten haben natürlich die Bewohner dieses Orts. Die Versailler sowohl als die Pariser sind ohne Barmherzigkeit für dieselben. Man hatte zur Zeit den Deutschen vorgeworfen, daß sie einige Bomben nach Paris hineinwarfen, ohne daß man dieses officiell vorher angekündigt, und heute schießen die Franzosen einen Ort, der nahe au 40,000 Einwohner hat, zusammen, ohne daß man dieselben vorher benachrichtigt und ohne daß man ihnen gestattet, sich entweder in Paris oder bet den Versaillern in Schutz zu bringen. Das Schlimmste ist noch, daß man dem Orte nicht erlaubt, sich zu verproviantiren, d. h. weder über Paris noch über Courbevoie die Einführung von Lebensmitteln gestattet. Die Zahl der Bewohner, die sich in die Keller geflüchtet und dort vor Kälte und Hunger umkommen, oder auch unter den Trümmern der einstürzenden Häuser begraben werden, beträgt noch über 15,000. Und wenn dabei die Versailler Armeen noch die geringsten Fortschritte gemacht hätten, denn ihre Stellung ist ungefähr die, welche sie gleich nach der Einnahme der Neuillyer Brücke inne hatten! Sie stehen von der Brücke auf der linken Seite der Avenue bis zur Rue des Huiffiers, die etwas über der Brücke liegt, und halten dann den Park Neuilly und in neuester Zeit den Theil des Ortes, der Sablonville heißt, besetzt. Die Pariser sind dagegen im Besitze des Theiles von Neuilly, der auf der rechten Seite der Avenue von dem Boulevard du Chateau an liegt und dessen Rückseite an das Boulogner Gehölz stößt. Das Terrain/ welches man sich dort seit ungefähr 17 Tagen streitig macht, ist kaum 200 Meter breit, und bald sind die Einen, bald die Anderen, man kann nicht sagen, Sieger, sonc-ern die, welche zurück- oder vorgehen. Neuilly ist es natürlich nicht allein, welches heimgesucht ist, sondern der ganze Theil von Paris, der sich ungefähr eine halbe Stunde hinter den Wällen erstreckt, die von Auteuil und Passy bis nach Batignolles gehen. Der Kanonendonner bei Tag und Nacht ist ein entsetzlicher. Eine Unzahl Fensterscheiben zersprangen selbst in Vierteln, bis wohin die Bomben bis jetzt nicht gedrungen sind. Die Stimmung in Paris selbst ist, wie man sich denken kann, auch eine furchtbare. Ueberall sieht man nur trostlose, ängstliche Gesichter, und viele Derjenigen, welche der Belagerung und ihren Drangsalen Trotz boten und die sich selbst nicht durch den 18. März verscheuchen ließen, suchen jetzt Vas Weite, da sie anfangen, einzusehen, daß, wenn der Kampf sich erst nach Paris hineinspielt, halb Paris zu Grunde gehen wird. Was die Commune betrifft, so läßt es sich noch keineswegs absehen, wann es mit ihrer Herrschaft zu Ende sein wird. Zwar sind wieder zwei Bataillone, das 220. und das 261., durchgegangen, d. h. sie verließen die Stellungen, die sie zu bewachen hatten; im Ganzen genommen, herrscht aber unter den Anhängern der Commune noch sehr viel Eifer. Was dieser noch besonders zu Statten kommt, ist der Umstand, daß diele derer, welche ihr Auftreten und ihre Handlungsweise mißbilligen, deßhalb nichts Ernst« liches gegen dieselbe thun, weil sie die Reaction in Versailles am Ende noch mehr fürchten, als die Bestrebungen des Rathhauses. Was die Miethsfcage anbelangt, so hat die Versailler Lösung dieser Frage in Paris nicht besonders be- srirdigt. Das betreffende Gesetz wird hier übrigens etwas ironisch ausgenommen. Man meint, daß die Versailler Generale die Frage dadurch lösen werben, daß sie das Befitzthum der Hauseigenthümcr und zugleich das der Miether, welches die Garantie für die ersteren bildet, zusammenschießen werden." (KZ.) Der Aufstand in Algerien nimmt immer größere Dimensionen an. Die ganze westliche Hälfte der Colonie, sowie auch ein Theil der östlichen Colonie befindet sich in vollem Aufruhr. Der französischen Regierung fehlen augenblicklich die Mittel, die Bewegung zu dämpfen. Einem von Petersburgern Blättern erwähnten Gerücht zufolge wird der Großfürst-Thronfolger sich nach der Rückkehr der preußischen Garde-Regimenter aus Frankreich nach Berlin begeben, um ihrem feierlichen Einzug in die neue Haupt- und Residenzstadt des deutschen Reiches betzuwohnen und dem steggekrönten deutschen Kaiser seine, Glückwünsche und die Gefühle der Verehrung und Bewunderung persönlich auszusprechen. Der Großfürst-Thronfolger soll seinen kaiserlichen Vater selbst um die Erlaubniß zu dieser Reise gebeten und sie auch er- halten haben, damit ihm Gelegenheit werde, die vielfach verbreiteten Gerüchte von seiner angeblichen Antipathie gegen Preußen und Deutschland thatsächlich zu widerlegen. Aus Rußland wird gemeldet, daß die Consequenzen der Ergebnisse der Londoner PontuSconferenz sich bereits praktisch geltend machen. Außer der Wieder- bcfestigung von Sebastopol ist Nicolajew, das mit seinen Vorstädten bereits 65,000 Einwohner zählt, zum eigentlichen Kriegshafen für die künftige Pontus- flotte Rußlands ausersehen. Die Negierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat in Bucharest ein Consulat errichtet und die Geschäfte desselben Herrn Belchiotto — einem Israeliten — übertragen, der die specielle Mission erhalten, dort für die Verbesserung der Lage der Juden in den Herzogthümern zu wirken. Darmstadt, 27. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom Gestrigen geruht: Allerhöchst Ihren Herrn Neffen, den Major im 3. Jnf.-Rgt. Prinzen Wilhelm von Hessen, Großherzog, liche Hoheit, zum Oberstlieutenant und Allerhöchst Ihren Generaladjutanten Generallieutenant Freiherrn von Trotha zum General der Cavallerie zu ernennen. Berlin, 26. April. Deutscher Reichstag. Die heutige 23. Plenarsitzung wird vom Präsidenten Dr. Simson um liy4 Uhr mit mehreren geschäftlichen Mittheilungen eröffnet, daß sich die Commission zur Vorberathung des Gesetzes über die Jnhaberpapiere mit Prämien constituirt und zum Präsidenten den Abg. v. Benda, zum Stellvertreter v. Blanckenburg, zum Schriftführer Dr. Bank, zum Stellvertreter Nieper erwählt hat. Auf der Tagesordnung steht: 1) Interpellation des Abg. Dr. Gerstner: ob der Bundeskanzler die An- sicht hat, auf Grund der §§. 41 ff. der Reichsverfassung Erhebungen über die Klagen des Handelsstandes bezüglich der durch die Militärtransporte nicht gerechtfertigten Störungen im Gütertransport der deutschen Eisenbahnen zu veranlassen und dafür Sorge zu tragen, daß die Unregelmäßigkeiten im deutschen Eisenbahnverkehr nicht jenes Maß überschreiten, das die Erfüllung der militärischen Aufgabe unvermeidlich macht? — Nachdem der Fragesteller seine Interpellation mit den Klagen des Haudelsstandes begründet , erklärt Minister Delbrück: es sei ganz selbstverständlich, daß die Regierungen Sorge tragen werden, daß die Unregelmäßigkeiten das durch die Umstände gebotene Maß nicht übersteigen , nichtsdestoweniger würden die Verkehrsstockungen in der nächsten Zeit nicht nur anhalten, sondern wo möglich durch die Truppen-Rücktransporte sich noch steigern. Das liege hauptsächlich daran, daß durch den Krieg und durch den strengen Winter, welcher die Waffercommunication auf Monate ganz verschloß, das Betriebsmaterial in einer Weise ausgeuutzt wurde, welche eine umfassende Erneuerung desselben bedingt. Uebrigens leide nicht nur der Handelsstand, sondern die ganze Bevölkerung darunter. 2) Erste Lesung des Antrages Schulze (Berlin) auf Annahme eines vorgeschlagenen Gesetzes über die privatrechtliche Stellung von Vereinen. Dasselbe wird nach kurzer Debatte, in welcher Minister Delbrück die Entschließungen des Bundesraths bis nach extrahirt-'m Beschluß des Hauses reservirt, einer Commission von 14 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen. 3) Antrag des Abg. Dr. Bamberger, eine Commission niederzusetzen, welche eine authentische Berichterstattung über die Plenarsitzungen des Reichstages auf Grund des stenographischen Berichts vorbereitet. — Der Antragsteller führt in längerer Rede aus, daß der Oeffentlichkeit, der Seele des parlamentarischen Le- bens, in dem jetzigen Sitzungssaale in keiner Weise Genüge gethan werde. Die schlechte Luft im Saale legt die Frage nahe, ob nicht die Zahl der Zuhörer auf den Tribünen zu beschränken ist; der stenographische Bericht dringt nicht ins Publikum, die ZeitungSreferate geben kein correctes Bild der Verhandlungen, weil die Reporter unmöglich 4—5 Stunden lang den Reden mit der nöthigen Aufmerksamkeit folgen können. Abhilfe schaffe nur eine unparteiische Redaction, welche die stenographischen Aufnahmen benutzt. — Dr. Becker (Dortmund). Wenn das Haus Lust habe, eine solche RedactionS-Commisston einzusetzen, so möge es nur ihn nicht htneinwählen, denn diese werde es weder den Rednern noch den Zeitungen recht machen. In England existire gar keine offictelle Berichterstattung, nicht einmal eine stenographische Aufnahme der Reden, und doch bringen die englischen Zeitungen die besten Parlamentsderichte; die den Journa« listen durch eine offictöse ReichStagS-Correspondenz bereitete Concurrenz werde bas Uebtl noch verschlimmern. — v. Kardorff folgert aus dem Versehen, baß bie Breslauer Hausblätter kürzlich in einer Sitzung das Wort den Grafen Bethufy- Huc ergreifen ließen, in welcher er gar nicht anwesend war, die unbedingte Noth- wendigkeit einer osficiösen Correspondenz. — Dr. Wehrenpfennig. Man schaffe nur eine Journalistentribüne, auf der man die Redner hören und verstehen kann, dann würben auch die Klagen aufhören — Damit ist die Debatte geschlossen; für den Antrag erheben sich kaum 10 Abgeordnete, darunter Prinz Wilhelm von Baben und mehrere Freiconservative. 4) Antrag des Abg. v. Kardorff, den Bundeskanzler zu ersuchen, die nöthigen Schritte zu thun, um zu verhindern, daß durch vertragswidrige Manipulationen der italienischen Regierung thatsächlich ein Prohibitiv- und Schutzzoll zu Gunsten des in Italien fabricirten Spiritus geschaffen wird, welcher die Con- currenz des in Deutschland fabricirten Spiritus auf italienischen Märkten ausschließt, wird nach kurzer Debatte angenommen. 5) Petitionsbcrichte. Die Petition des Gutsbesitzers Hillmann zu Nordenthal, welche sich über verschiedentliche Beschränkungen der Wahlkreise Oletzko und namentlich darüber beschwert, baß bei ber Zusammenlegung mehrerer Orte nicht der größte derselben als Wahlort benutzt ist, wird der Regierung zur Abhilfe überwiesen. — Die Bitte mehrerer landwtrthschaftlichen Vereine um Wiedereinführung der zwölftägigen Quarantaine für Steppenvieh wird verworfen, dagegen der Bundeskanzler ersucht, über die zur Verhütung des Etnschleppens ver Rinderpest erforderlichen Maßregeln, namentlich über etwaige Verpflichtung ber Eisenbahnen zur Sicherstellung ber Desinfektion ver Viehwagen Ermittelungen anzustellen. Schluß 31/2 Uhr. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Marburg, 26. April. Es ist nunmehr auch der dritte unserer Professoren, die dem Heere auf den Kriegsschauplatz gefolgt waren, der Director der hiesigen medicinischcn Klinik, Professor Mannkopff, zurückgekehrt und gedenkt Anfangs Mai seine Vorlesungen zu eröffnen. Ems, 26. April. Kaiser und Kaiserin von Rußland mit Familie treffen Mitte Mai zur Cur hier ein. Die Wohnung ist noch unbestimmt, Gefolge und Dienerschaft bereits im Curhause abgestiegen. (Also besucht der Kaiser nicht Kissingen, wie die „N. Pr. Ztg." meldete?) Frankfurt, 25. April. Gestern kam auf dem Rückwege aus Frankreich ein Fuhrpark von 150 Wagen hier durch. Dieselben waren von Magdeburg im verflossenen Winter mit Fourage und Proviant zur Armee abgegangen. Sie sind dem deutschen Heere bis hinter Le Mans gefolgt und kehren nun in mäßigen Etappen in die Heimath zurück. Die Fuhrleute fanden in Frankreich Gelegenheit, ihren Pfervebestand mitunter zu Spottpreisen zu ergänzen. So sah man an einem ber vordersten Wagen einen stämmigen Gaul, ber ursprünglich für 3 1 J:*1' J... - Li tiirW »S"fl »11 . 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Dchlbt "schlitßungen des fintr Lomlnission «ft *”l« ®8,. ■sts* !** Zis 4f?ra,^tnten v^riWirtr Dr. ^usthtn, »eiche Xtideta^te auf rrMtr fuhrt io lawcntarifchen Le- chan werde. Die jrhl ter Zuhöeee i dringt nicht iti r Lts-andlnngti, ait ttr Mifytn lischt Rteactwn, t (Dortmund), i einjufeyn, so der den Rednern nnt vPltlle St» Ktttn । und doch die rrn Zonrna« SrntBrrtDj werde Sersebrn, taß die Grafen Sethuf-' uidediogte Noth» lig. Kan schaffe t oerßetrn kann, batte Miosen; Bj Wilhelm von nsnchrn. du no» witn&t >, Md 6W wd4tt die Gon- jtn Märlten aui- leanB ju M» Ifrrift STi?«* , 'nB ©irtt«'1' .rreorfü, ’Zw *** ’jioij ter i Kr. Theodor Franck’sehe 684) 1 Messer 1735) Die empfehlen Flick & Kröll. macttw, Druck und Verlag der Brühl'schm Univ.-Druckerei (Fr. CHr. Pietsch) in Gießen. 6.3. weiten iti Zhrer C Ein olteS schürzchen, eine Lik Eiger Mn zu Gunst Nehm, SeAcli Ab° (1366) Wer , 1503) Ein möblirtes Zimmer, mit Aussicht auf die Straße, vermiethet Lehrer Mayer. Mäusbmg Lit. D. 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Wallenfels, am Markt. 1696) Zwei ineinandergehende möblirte Zimmer sofort zu vermiethen bei _______________Bäcker Vogt, Wallthor. 1695) Meine Scheuer in der Judengasse ist anderweit zu vermiethen. _______________ Fr. Möhl. 709) Frische Samen- u. Leinkuchen, Kornkleie, Waizen- schalen und Futtermehl, sowie alle Sorten feines Waizen- mehl, bei I. M. Schulhof, am Rathhaus. 1732) Alle Sorten Frühpflanzen verkauft Joh. Spies, in der Sil bereisen'schen Fabrik, Alicenstraße. Sonntag den 3 0. April: Harmonie- und Tanz-Musik, , öon Nachmittags 3 Uhr an, auf dem Staufen berg. l17^J__Heinrich Fink. (5034 " ‘ Sü ”---------- Dr. Steffau'sche Augenheilanstalt in Frankfurt a. M m (Krögerstraße 8 und Sachsenhausen Dreikönigsstraßes', aus s Bequemste eingerichtet, nimmt jeder Zeit Augenkranke auf. Unbemittelte ZU ermäßigtem Preise und unentgeltlich. Vermischte Anzeigen. 1733) Ein guter Geselle kann in Arbeit treten bei Justus Benner, _______ Schuhmacher.______ 1619) Hiermit zeige ich dem verehrten Publikum ergebens! an, daß ich nun bei Herrn Gasthalter L. Flett im Schwanen im Hinterbau wohne. Gießen, den 13. April 1871. Joseph Ruckstuhl, Dachdeckermeister. 1083) Job wohne «unmehr bet Herrn Bäcker dtoll im Stern. Dr. Gutfleifch, Hofgerichts-Advocat. 1538) Ein braver Junge wird sogleich ober zu Pfingsten unter günstigen Bedingungen in die Lehre gesucht von _____Georg Völckner, Kupferschmied. 1332) Junge Leute von 14 bis 18 Jahren finden Arbeit in der Lampenfabrik von Müller