N°llgOh ki-ivs. - r ; dnind 32 fr . 36 1 , 38 " ! - 40" ' . 42° * . 40* * . 42° Preis Lierreliährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig ' fl. 27 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint täglich, mit Aus nähme Montags. Gy>edttion: Canzletberg Sit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. 192, Sonntag den 20. August 1871^ BeDeüungen auf den Gießener Mnreiaer MrbnnV&°Sn,5^b f0W0?IJ’ei ber e$vebition, 6an3iet6erg $. i, ais cutinfassu"gcn ^rjce, und zwar prompt und 'd sich in meinem rhr P flftänbc igungti A m t l i rh e r Theil. Gießen, den 17. August 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinnalhauptstadt Gießen. ________I- B. d. P.: Wagner. Polizeiliche Bekanntmachung. 3n der Nacht vom 12. bis 13. d. Mts. wurde in Dillenburg der angebliche Wäschereibesitzer Heinrich Heid von Düdelsheim im Kreise Büdinaen wegen Verausgabung falscher Halbguldenstucke, Königlich Bäuerischen Geprägs mit der Jahreszahl 1869, verhaftet. In seinem Besike landen fick auck. ein solches falsches Ha-bgnldenstück, sowie 6 falsche Silbergroschen Königlich Preußischen Geprägs mit der Jahreszahl 1871Z MÄ“* . D-I, der angebliche Held, ein Mann von 40 Jahren, mit röthlichem Schnurr- und Pollbart, von schlanker Statur, bekleidet mit blauqrün'-l-incnem (3U',1)C) - .Heller Weste nut rochen Streifen, Heller sommerhose mit schmalen blanen Streifen und gelbem Strohhut, am Tage vor seiner Verhaft iua üb» ließen gereist em will ch durfte gegründeter Verdacht vorliegen, daß er auch hier oder in der Umgegend falsches Geld der erwähn en Gattunqe n Bahnhofs - Restauratwneu und Wirthshausern verausgabt habe. ’ ui ... . Wir "suchen daher alle Diejenigen, welche etwa in letzterer Zeit in den Besitz von falschen Münzen der fraglichen Art gekommen sein sollten uns schleunigst davon Mtttheüung zu machen. ö - ö uns D Gefundene Gegen ft au de : Ein Etuis mit 1 fl. 46 fr., ein kleines Portemonnaie mit 39 fr-, ein Buch über die Beschreibuna der verschiedenen Arten nnn Miiklen snnftr» ™ (tn d-r Wi-seck aufgefischt, ein kleines Zulegmesser, ein Bet- und Gesang-Büchlein für katholische Chrfiten und cm Lesebuch oon August Lüben unb Gar" 9?7cf7 8e”ge - - Die Elgenthümer werden ausgeforoert, Nch binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände ans Berlaimen an die später -u Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden- b vjegeiqianoe aus verlangen m. die Finder zuruckgegeben oder LS>ie6en, den 18. August 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen. I. B. d. P.: Wagner. P o litischer Uni. 19. August. *Die zweite Kammer der Stände wird in wenigen Tagen abermals über eine Mehrforderung der Regierung für bas wieder dem Sterben nahe Darmstadter Polytechnikum zu beschließen haben, da die Regierung gegen das unaufhörliche Drängen und Fordern der Lehrer besagter Anstalt unb einiger Darmstädter Local- Patrioten die Wünsche der Lehrer zu ihren Anträgen gemacht hat, nicht achtend die verderblichen Folgen, die durch Gründung einer zweiten mit Gießen theilweise concurrirenden nicht lebensfähigen Universität für unser höheres UnterrichtSwesen entstehen mußten. Wieder wie vor drei Jahren, als die Errichtung des neuen Polytechnikums, | das bis jetzt gänzlich Fiasko gemacht hat, beliebt wurde, will der Finanzausschuß i nicht die Verantwortung für diese cie Landesuniversität schwer schädigenden Gxpe- ’ rimente übernehmen unb lebnt das Verlangen der Reg'-rung ab; hoffen wir, daß r die Kammer nicht wie damals den Anträgen des Ausschusses entgegen beschließt. In der gegenwärtigen Sachlage glauben wir, daß es von Interesse ist, bas ju widerholen, was damals unser Avg. Hr. Heß dem Project der Regierung ent- gegenhielt, leider dem mächtigen Einflüsse der Darmstädter Kirchthurminteressen § gegenüber ohne genügenden Erfolg; — seine Rebe lautete nach den stenographischen Berichten: «Meine Herren, wenn ich meine Zustimmung zu dem Antrag cer Majorität des Ausschusses motivire, so glaube ich nicht nöthig zu haben, vorauszuschicken, I daß ich nicht an den Unterrichtsanstalten gespart haben will. Sie wissen, m. H., daß mir nicht leicht eine Summe für Unterrichtszwecke zu groß ist, vorausgesetzt, daß ich überhaupt sehe, daß sie diesen Zwecken entsprechend verwendet wird. Ehe man aber den von der Regierung vorgeschlagenen Schritt thut, muß man sich doch F recht gewissenhaft die Frage vorlegen, ob denn durch die Erweiterung Der technischen L Schule zu einer polytechnischen dem Großherzogthum ein Vortheil erwächst und ob {* überhaupt zeitgemäß ist, eine neue polytechnische Schule zu gründen, die weniger t vielen soll, als die concurrirenden großen Anstalten in Earlsruhe, Stuttgart und Zürich, als die mit kolossalen Opfern neu zu gründenden in München und Aachen; üblich, m. H., ob es recht ist, eines zweifelhaften Versuchs wegen eine blühende ^sialt schwer zu schädigen. Das Gutachten ber von der Regierung ernannten Eommission sagt klar, daß es der Schule nicht an tüchtigen Lehrkräften, nicht an Lehrmitteln, nicht an Gelb, daß es ihr nur an Einem, an der genügenden Zahl »cn Schülern fehle. Es beschäftigt sich oeßhalb auch mehr damit, wie für Die vorhandene Schule Schüler, als wie für ein etwa vorhandenes Bebürfniß eine Schale zu schaffen sei. Eü thut mir auch vollkommen klar dar, daß mit Geld» । Mitteln allein der beabsichtigte Zweck nicht erreicht werden kann, sondern daß | hierzu noch and-re Mittel nöthig sind, die ja auch in der Vorlage der Regierung l ieben angebeutlt sind, nämlich Privilegien und Zwang dadurch, baß einzelne I naatSdienstApiranten an ber Schule geprüft werden sollen. Da muß ich aber I faßen, m. H., ist es recht, eine blühende Bildungsstätte im Land, an der die «technischen Fächer, trotz so außerordentlich geringer Mittel für dieselben, sehr l.krßreulich gedeihen, dadurch schwer zu schädigen, daß man ihr einen Theil der (ödjüler entzieht, um , doch immer auf bas Ungewisse hin, ein Experiment zu mQqjen, um einen Theil der Staatstechniker auf einer Schule niederer Ordnung auszub'.loen und sie dadurch eine Stufe niederer zu stellen, als die StaatStechnikrr benachbarter Länder, denen eine akademische Ausbildung gewährt wird. Man hat Dtc akademische Studienfreiheit als dem Studium der technischen Wissenschaften für febr nachtheilig erklärt. Das würde wohl, wenn es wahr wäre, nur beweisen, ®fl8 diese akademische Freiheit einigermaßen zu beschränken wäre. Es ist aber nicht roattr; Denn das bloße Kathederlehren ist ja auch auf der Universität längst über- rounDen und in allen DiSciplinen, vor Allem in Den technischen, totrD auch an Der Universität ein großer Theil Der Zeit zu praktischen Hebungen verwenDet. Man fängt Doch auch schon seit langer Zeit an, zu erkennen, unD bedeutenDe Fachmänner, wie Karmasch unD Culmann, haben eS ausgesprochen, daß es ein s- die technischen Anstalten von Der Universität ganz zu trennen und so Die Kräfte zu zersplittern. Es könnte ja doch etwas ganz Anderes geleistet toer- Den, wenn man es, wie in Zürich und in Paris, verstände, Die vorhandenen Jiraftc zu vereinigen und so an einer Anstalt Den Staatstechnikern Die höchste mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung zu geben, die das Land überhaupt bietet. Der ursprüngliche Zweck Der Schule war, die Schüler vorzubereiten $u höherer technischen Ausbildung, entweder eine höhere technische Schule ober eine Universität zu beziehen. Dieser Zweck wurde bei Der sogenannten Reorganisation im Jahr 1S64 im Wesentlichen zwar beibehalten, aber doch insofern geschädigt, ald eine Art Vermischung Der allgemeinen Klassen, Die Der Schule zur Zeit ihrer büebflen Blüthe ihren Hauptwerth verliehen, mit Den Fachklaffen eintrat unD für Icßtere ein ganz bestimmter StuDtenplan nicht mehr eingehalten wurde, was meiner Meinung nach wohl viel zum Rückgang der Anstalt beigetragen haben mag. Was die Mittel Der Anstalt anbetrifft, so hatte dieselbe zur Zeit Der Höchsts" blüthe, Ende Der Vierziger unD Anfangs Der Fünfziger Jahre, bekannt- lid) einen Staatsbeitrag von 6400 fl.; er wurDe später auf 10,100 und Dann auf 13,500 und zuletzt auf 19,500 fl. erhöht. Es laß sich leider nicht ableugncn, meine Herren, daß die Sache in demselben Maße zurückging, wie ihre Mittel "höht wurden, und gerade dieser Umstand läßt uns wenigstens nicht erwarten, durch eine vergleichsweise kleine Summe allein der beabsichtigte Zweck erreicht wird. Die Ursachen des Rückgangs der Schule sucht das Gutachten im Wesentlichen in der Gesetzgebung. Wie viel gerade in D(r Gesetzgebung und wie D el an anderem die Ursache liegt, will ich nicht untersuchen; man kann aber doch biutgertveife kaum erwarten, daß die Regierung einer Gewerbeschule oder technischen Swule zu Liebe darauf verzichten wird, ihren Architekten und Eameralisten eine iuchUge akademische Bildung zu geben, wie sie Die Techniker anderer Länder erhalten. ißa« nun da« Ledürfnik im Grojzhcr;ogthum nach einer polytechnischen anbelangt, so sagt das Gutachten, daß es nicht wohl thunlich sei, eine polpiechnische Schule auf die Inländer allein zu begründen, tah aber auch nicht zu erwarten sei, Latz von Norddeutschland Besucher in die Anstalt kommen würden, immerhin könnten Einige aus Süvdeutschland kommen. Das ist mir nun gerade wegen der vielen Anstalten in Süddeuischland sehr zweifelhaft. Speciell für den Staatsdienst vermag des Commissionsgutachten die Anstalt nicht als ein Betz ürfniß anzusehcn, sie hält im Gegentherl eine recht vielseitige Bildung nament- lich der Staatstechniker, sei es auch im Ausland, für räthlich, sie hält nicht ein- mal die Universität für ein dringendes Bedürfnitz, wie viel weniger eine kleine concurrirenve Anstalt. Am wenigsten hält sie für diejenigen Staatsdiener, die überhaupt keine volle wissenschaftliche Bildung nöthig hätten, die Anstalt für ein dringendes Bedü-fniß. Was das Militär betrifft, so glaubt das Gutachten ebenfalls, daß für dieses eine realistische Anstalt über den Realschulen kein dringendes Bedürfnitz sei, weil eineötheils die Realschulen dasjenige leisten, was vaS PortepeefäynvrichSexamen erfordert, und anderntheilS die OsfijierSaspiranten ihre Ausbildung zum Theil auf Kriegs- und Cavettenfchulen suchen werden. Auch von Landwirt h en erwartet das Gutachten keinen bedeutenden Besuch, weil diejenigen Lanowirthe, Vie die höchste Ausbildung suchen, auf die vorzüglichen land- wirthschaftlichen Anstalten, wie z. B. Hohenheim, gehen werden und diejenigen» welche sich mit geringerer Ausbildung begnügen, durch ihre mangelnde Vorbildung in den Lehren der Hilfswissenschaften die Schule wohl mannigfach stören werden. In Bezug auf die übrige Industrie sagt das Gutachten, datz eine höhere wissenschaftliche Bildung für die Mehrzahl der Gewerbe nicht nöthig sei, — so sagt vaS Gutachten, — mehr erforderten die Baugewerbe, noch mehr Jngenieur- wiffenschasten und Maschinenbau; Apotheker habe die Schule nicht zu erwarten. Auch die übrigen chemischen Gewerbe niederer Ordnung, wie Ferber, Gerber, Brauer, Seifensieder rc. suchten selten eine höhere wissenschaftliche Bildung. Es erkennt aber für die Mehrzahl Vieser wie der übrigen Gewerbe gerade die Schule als ein Bedürfnitz an, da die inländischen Anstalten von Bielen den ausländischen vorgezogen würden. Das mag für die Stadt allerdings, wo die Schule sich be- findet, der Fall sein, für Einwohner jeder andern Stadt des Landes ist es jedenfalls gleichgültig, ob sie ihre Söhne in eine Stadt im Lande oder in ein Nachbarland schicken. Manche werden tm Gegentheil einen hohen Werth darauf legen, dasi ihre Söhne durch den Besuch einer Anstalt in anderem Lande einen weiteren Gesichtskreis sich verschaffen. Hier sagt das Gutachten auch, daß der Schule die Maturitätsprüfung wieder ertheilt werden müsse, oder vielmehr erhalten werden müsse, denn sie rst ihr ja nicht genommen. Dagegen lätzt sich ganz gewiß nichts einwenden, wenn die Schule überhaupt vorher in einem solchen Zustande ist, daß sich überhaupt eine Maturitas auf ihr erreichen läßt. Es verlangt ferner, daß das akademische Triennium für die technischen Fächer aufgehoben werde, sagt jedoch, datz aber auch selbst dann nur ein sehr allmäliges Auskommen der Anstalt zu erwarten sei. Endlich verlangt es, daß die Staatstechniker vor einer Commission, zum Theil aus Lehrern der Anstalt bestehend, geprüft werden sollen. Die Forstleute sollen aus Rücksicht für die Universität, wie cd heißt, dieser verbleiben. Meine Herren, Sie sehen, daß diese Prüfungscommission ein sehr harter Schlag für die Lanvesuniversität sein würde. In B.zug auf den Handel endlich sagt das Gutachten, daß ein Besuch von Kaufleuten sehr wenig in Anschlag zu bringen sein werde, wie denn überhaupt Handelsschulen mit polytechnischen Schulen sehr selten verbunden sind. ES soll aber an der schule einiger Unterricht in kaufmännischen Dingen für Nichtkaufleute ertheilt werden. Das Gutachten führe endlich als Bestrmmungsgründe anderer Art noch an, daß man die Anstalt, da sie einmal da sei, doch nicht könne eingehen lassen, daß für die Lehrkräfte keine andere Verwendung vorhanden sei, daß endlich dem Staate möglicherweise durch einen Vertrag mit der Stadt wegen des Gebäudes schwere Opfer erwachsen würden. Nun, meine Herren, so viel ich weiß, will Niemand die Aufhebung der Schule, wir haben also keine Veranlassung, hierüber zu sprechen. Das Ziel der neuen Anstalt wäre nach dem Gutachten etwa folgendes: Ausbildung von Bauleuten des Hochbaues, sowie des Straßen- und Eisenbahnbaues, von Mechanikern, Chemikern, Landwirthen, und zwar von Allen so weit, daß sie nicht nöthig haben, noch andere Anstalten zu besuchen. Forstleute, Pharmaceuten und Bergleute werden ausgeschlossen, ebenso Kaufleute. Technikern für den Staatsdienst soll der Besuch der Anstalt erleichtert werden durch Prüfung an der Schule selbst. Ueber den eigentlichen Studienplan sagt das Gutachten sehr wenig; es scheint jedoch, als wenn man sich den Kenntnissen der Schüler überall etwas sehr stark anb?que- men wolle, um überhaupt welche zu bekommen, was meiner bescheiven n Meinung nach für da- Gedeihen einer Anstalt nicht gerade am förderlichsten sein möchte. In Bezug auf die Kosten endlich sagt das Gutachten noch, daß man niu)t darauf reflectirrn könne, Berühmtheiten erster Sorte zu berufen, da sie zu kostspielig seien, daß immerhin für erste Hauptlehrer 2000 fl. etwa aufgewandt werden müßten. Ich glaube, meine Herren, daß, wenn wirklich eine Schule gegründet werden soll, die auch Ausländer herbeiziehen soll, ganz andere Beträge als 2000 fl. erforderlich sein werden. Zuletzt beschäftigt sich das Gutachten dann noch mit der Frage, was zu beginnen sei, wenn die Schule eingehe. Da ja aber Niemand Vie Schule eingehen lassen will, so brauchen wir das hier nicht zu untersuchen. Man sollte überhaupt, meine Herren, uns nicht sagen, wie so vielfach gesagt und gedruckt woroen ist, wir wollten die Schule eingchen lassen, wenn wir einer Schule, die zur Zeit ihrer höchsten Blüthe einen Slaatsbritrag von 6400 fl. hatte, jetzt 19,400 fl. bewilligen, einer Schule, die doch eigentlich Alles hat, was sie bedarf, nur unglücklicherweise nicht die genügende Anzahl von Schülern. Wie wollen, meine Herren, die geringen Mittel unseres Landes zweckmäßig verwendet wissen, wir wollen aber nicht die bestehende Bilvungsanstalt, auf der fast alle technischen Fächer höchst befriedigend gelehrt werden und die durch die politischen Berhältn-ffe schor» mannigfach geschädigt ist, zu Grunde richten oder schwer schädigen. Wir werden, wenn das Project der Regierung zur Ausführung kommen sollte, voraus- kchttich zwei hinsiechende Anstalten statt einer blühenden und einer hinstechenden haben. Das Gutachten sagt selbst unverhohlen, daß man des Gedeihens nicht sicher fein könne, es enthält sich aber, zu dem, meiner Meinung nach, einzig per- nünftigen Schluß zu kommen, zu dem nämlich, daß man dadurch, datz man nur rincn sehr geringen Theil der angesorüerten Summe den technischen Fäch.rn an der Universität zuweist, alles Das erreichen kann, was für Vas Land g.wünscht vird und was es erfordert. Meine Herren, stimmen Sie für die Anträge der 'usschußmajorität. Offenbach, 17. August. Heute Nacht wurden die vier Führer der hiesigen demokratischen Arbeiterpartei in ihren Wohnungen verhaftet. Der Grund dieser Verhaftungen ist uns bis jetzt noch unbekannt, man sagt, es sei in Folge höherer Ordre von Berlin aus geschehen. (Franks. Z.) Berlin, 15. Aug. Der heimtückische Uebersall unserer Dragoner in Poligny wird hier sehr ernst genommen, zumal er nur eines Der Symptome jener verbissenen Stimmung ist, die uns in Frankreich so gern wieder an den Leib möchte, wenn es nur ginge, und es dürften darüber Andeutungen nach Versailles gelangt fern, die sich dergleichen Ausschreitungen energisch verbitten. Man schoß bei dieser ver» rätherischen Attaque aus einer ganzen Anzahl von Häusern, an verschiedenen Stellen wurden Waffen gefunden, und wenn Derartiges vorkommt, während die Behörden sich stellen, als ob sie mit uns in Frieden und Freundschaft leben wollten, so ist es entweder Geschehenlaffen aus bösem Willen oder Schwäche und Ungeschick den bösen Absichten des Publikums gegenüber. Können die französischen Präfectcn und Maires vergleichen Schandthaten nicht verhüten, so müssen wir die Sache in die Hand nehmen, und wiederholen sich solche Vorfälle, so kann darüber — wir sprechen hier nicht blos unsere eigene Befürchtung aus — der Krieg wieder ausbrechen. Auf krinen Fall wird man französtscherfeitS daraus eine frühere Räumung Frankreichs von Seiten unserer Truppen erreichen. Wir lassen uns durch Kundgebungen von Haß, welche die Occupation unbehaglich machen, nicht verdrängen. Der rechte Weg zu Zugeständnissen in dieser Richtung, welche über die Bestimmungen des Friedens hinausgehen, wäre ein anderer. Man hätte eine frühere Räumung recht wohl haben können, aber nur gegen Concesstonen von der anderen Seite. Denkt man in Frankreich vor Allem an Beschleunigung des Ab» zugs der Fremden aus dem Lande, zunächst aus den Departements bei Paris, so denkt man in Berlin vor Allem an Erleichterung dec Lage der Industriellen des Elsasses, welche durch die neue Zollgrenze geschaffen sein wird. Will die französische Regierung in jener Hinsicht den Friedensvertrag abgeändert wissen, so muß sie sich bequemen, auch in dieser Hinsicht Zugeständnisse zu machen. Davon aber hat man bis j?tzt in Frankfurt, wo darüber verhandelt werden sollte, nichts bemerk, und bet solcher Unbereitwilligkeit auf jener Seite scheinen weitere Versuche, zu einer Verständigung im beiderseitigen Interesse zu gelangen, diesseits aufgegeben zu sein. Biedenkopf, 15. August. Die aus 5 Hüttenwerken mit 7 Hochöfen betriebene bedeutende Eisenindustrie im oberen Lahngebiet geht einer entscheidenden Krisis entgegen. Schon seit fast einem halben Menschenalter hofft man auf die Erbauung einer Eisenbahn von Altenhunden nach Marburg. Nachdem schon die hessische Regierung dies Project begünstigt hatte und, wäre das Hinterland nicht annectirt worden, es sicher auch ausgeführt haben würde, nachdem alsdann von dem preußischen Handelsminister wiederholt die Nützlichkeit und Nothwendigkeit der fraglichen Bahn anerkannt und von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft am 20. Februar 1869 einstimmig die Ausführung derselben beschlossen worden war, erscheint es höchst auffallend, daß die genannte Gesellschaft sich jetzt plötzlich weigert, ihren Beschluß auszuführen und andere Projekte ins Auge faßt. Den bindenden Zusicherungen der Gesellschaft gegenüber vermögen wir nicht die Gründe zu erforschen, welche stark genug fein konnten, die Erfüllung so lange gehegter Hoffnungen, die Berücksichtigung so hoch bedeutender Interessen fallen zu lassen, wenn uns auch bekannt ist, wie die lichtscheue Agitation unserer Gegner in Siegen, D llenburg, Wetzlar und Gießen kein Mittel zur Erreichung ihrer selbstsüchtigen Pläne scheut. Die Besitzer der Hüttenwerke haben deshalb den Beschluß gefaßt, im Falle der Nichtausführung unserer Bahn ihre Werke in ein benachbartes Bahngebiet zu verlegen, weil sie den Tag nicht erwarten wollen, an dem sie sich sagen müssen, daß ihr unbegrenztes Vertrauen auf hohe und höchste Versprechungen ihren Ruin herbeigeführt habe. Was dann aber aus dem armen Hinterlande werden soll und werden wird, das kann nur Der beurtheilcn, welcher weiß, daß die genannte Industrie die einzige und letzte HüifSquelle für unfern dürftigen Landstrich ist. Unsere Staatsregierung hat wahrlich die größte Ursache und die heiligste Pflicht, mit allen Kräften dahm zu wirken, daß nicht ein Bezirk, dessen Industrie durch einen bloßen V.rkehrSaufschluß zu hoher Blüthe gebracht werden könnte, daß nicht eine Bevölkerung von über 100,000 Menschen, die zu den biedersten und strebsamsten des Staates gehören, rettungslos dem Untergang preiSgegedLn werde. (Fr.Journ.) v Saarbrücken, 11. Aug. Vorige Woche ist in dem hiesigen Stadtwalde, Distrikt „Habsterdick", noch die Leiche eines der Braven vom westfälischen Füsilier- regiinent Nr. 39 ausgefunden worden, der vor beinahe Jahresfrist, am 6. August vorigen Jahres, wahrscheinlich daselbst den Heldentod gefunden hat. Nur eint Schichte Laub war über den Todten ausgebreitet, der jetzt an derselben Stelle unter amtlicher Aufsicht dem Schooße der Erde übergeben worden ist, nachdem die nach vorhanden gewesenen Knöpfe mit der Compagnrenummer 7 von den Rrsten des Waffcnrocks losgetrennt worden waren. Hamburg, 18. August, 2 Uhr 6 Min. Nachm. Großes Feuer bei C. Wörmann und G. W. Benckers. Gastein, 16. August. Gestern fand bei Kaiser Wilhelm eine zweistündige Hoftafel statt, zu welcher Der Reichskanzler Graf Beust, der Landespräsident von Salzburg Fürst v. Auersperg, Prinz Rohan und Wirklicher Geheimrrath v. Hofmann geladen waren. — Die Großfürstin Helena von Rußland wird heute hier erwartet. Salzburg, 14. Aug. Ein unverzeihlicher, nur durch die außerordentliche Frequenz während der letzten Tage einigermaßen erklärbarer Act Der Fahrlässigkeit seitens des Posthalters in Werffen (dritte Station von Salzburg) war Ursache einer Unannehmlichkeit, die Dem Kaiser auf Der Fahrt nach Gastein begegnete. Bei dem Pferdewechsel in Werffen bestieg nämlich (in Postillon den Kutschbock des kaiserlichen ReisewagenS, an welchem sich bald die Symptome Der Vollkrunkenheit einstellten. Der Bursche hatte wahrscheinlich das zu erhoffende „Trinkgeld" anti- cipirt und sich über Gebühr gütlich gethan. Genug, der Kaiser, welcher neben dem Grafen Lehnvorff saß, bemerkte diesen Zustand an den höchst bedenklichen Schwankungen des Roffelenkers, die sich alsbald auch dem Wagen mittheilten. Obgleich die Straße dort eben ist uno nirgends an Abgründen vorbeiführt, wie auf der früheren Station, so konnte Vie Trunkenheit des Postillons doch Gefahr herbeiführen, und so blieb nichts Anderes übrig, als ihn auf die Straße abzusetzen — wo man ihn später in einem Graben schlafend auflas — und die Zügel dem kaiserlichen Lakai anzuvertrauen. Der kaiserliche Rcisewagen begegnete der von Gastein gen Salzburg zu fahrenden Post und Der kaiserliche Adjutant forderte Den ConDucteur auf, seinen Postillon abzutreten. Der Convucteur war nicht wenig bestürzt ob dieses Scan'.als, erklärte jedoch, auch für seinen Postillon nicht gutstehen zu können, weil dieser nur ein simpler Bauernbursche sei, Der aushilfsweise für diesen Dienst requirirt wurde, nachdem Die wenigen Postillons durch den massen- Kpl'" Strengt vorgt Palls, Ifkiligung an ffloittn- . ttliari Aus? Den 13 Schuhmacher fr Bürgers, HE Demel! jenen Ortsbürg John; unb Ra' Omg Bub , e Deniel des hiesigen BL unb Friederike dieners, Kaspo Den k mann M »i lieber Sohu; u unb Metzgers, Den 12. M geboren i Den 13. Wilhelm Rinn, W) •) b) c) b iöitnm in den 1M Arden. Gieße 'üerst 3373) Dkr Hanse gehörig, Öfilftr. Mche e Dienstag f Von bin u N $lonlQg . ß&inberürbeii >Ma-'beit. W versteh Men, den l(j. 11 Gießen, den 19. August 1871. Aecht zu haben bei (3507) 3399) Stone eittgomachte KeitgebotettLs empfehlen Flick eltersweg. | Emil Fischbach, ,3466). F-itterschneid-Maschine», vonl^_______________edta-gnten- 25 fl. bis 60 fl., bester Construction, auf! Garantie, bei Emil Pistor. ! L35«, 7." „,3234) Ein fast noch neuer Seffel miliGurkc» bei Näheres bei her; I. Bll sch Svl)Nk. Brustschmerzen, Heiserkeit. 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Pietsch) in Gießen. Mit dir naGn (Nr. (He^og/Hum L Gieß« Der Borstand. In Auftrag: Fr. Chr. Pietsch 3417) Oeftere Anfragen und sonstige Gründe veranlassen mich, einem geehrten Publikum bekannt zu geben, daß ich nach wie vor die Anfertigung von Grabdenkmälern, Grabeinfaffungen und Grabsteinen in jeder beliebigen Form und Größe, und zwar durch gediegene Kräfte hierzu in den Stand gesetzt, prompt und billigst besorge. Meine Steinhauer-Werkstatte befindet sich in meinem Hause am Seltersthor. Gießen, den 14. August 1871 August Nauheimer, Maurermeister. Ttaates T T fc'OOl) (Nr (Nr Vom 14 Jul lN' licken Mappe lNr (Nr (Nr konsuln Md b (Nr. (Nr- Deutsche Reich. (Nr. 3484) An eine stille Familie ist eines 3458) Ein ordentliches Mädches, welches Wohnung zu vermiethen. Wallthorstraße^ mit nach Darmstadt gehen will, wird sofort Lit. A. Nr. 227. gesucht. Das Nähere bei PH. Walther. H. ( 110,1 Ausland Mnnimadju CO 00 Tf< CQ i M eingeladen. 7’ Gießen, 19. August 1871. 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ZDurch den Austritt von 12 Mitgliedern des Vorstandes unter E^rl Iuiird eine Ergänzungswahl dieses Vorstandes nothwendig und -koch, ,en die Mitglieder des Vereins zu zahlreicher Betheiligung hier- (} W*' I sl.27 Bürger-W 3476) Die auf den 2o75uflJ sehene Parthie wird an diesem der Badenburg abgehalten. NB. Bei ungünstiger Witterung wird du selbe verschoben. Billigste und reellste Beförderung der Auswanderer nach New-Uork, Baltimore, New-Orleans Havannah, San Francisco, Brasilien, Australien, Westindien rc. mit den berühmten Dampfschiffen des Norddeutschen Lloyd über Bremen, der Hamburg- Amerikanischen Packet-Actien-Gesellschaft über Hamburg, sowie über die Häfen Antwerpen, Liverpool, Rotterdam, Grimsby ev. Havre. Wechsel zum Tagescourse, direct gezogen auf alle größeren Plätze Amerikas. — Commission, Spedition, Jncasso, Auszahlungen, Auskünfte, Erbschaften, Vollmachten rc. besorgt prompt und billigst (1091) Chr. 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Jäger - Bataillons zu Wetzlar, unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten, Herrn Ohst. Entree ä Person 12 kr. DMen bei Dr. Königer. 3490) Der zweite Stock meines Wohnhauses ist zu vermiethen und Ende d. Mts. beziehbar. Georg Herbert. 3094) In meinem Hause ist noch eine Etage mit 2 Mansarden - Stuben zu vermiethen und sofort zu beziehen. _________________________G abriel. 3497) Ein kleines Familienlogis mit Zubehör ist zu vermiethen und den 1. October beziehbar bei Peter Plank Wittwe, _______________Wolken g ässe. etablirt habe und verspreche bei geneigten Aufträgen reelle und pünktliche Bedienung. Heinrich Röhl ich, Dachdecker, Flügelsgasse Nr. 90. 3281) Ein braves Mädchen, in Küche und Hausarbeit gründlich erfahren, wird alsbald oder auf Michaeli gegen guten Lohn zu miethcn gesucht- Kreuz Lit. V- Nr. 114. 3460) Meine Bohnenschncidmaschinc bringe ich in empfehlende Erinnerung. Aufträge wolle man bei Herrn A- Schmidt auf dem Kreuz abgeben. Frau Zinßcr, wohnhaft in der Katzenstein'schen Besitzung (Wallthor.) 3493) In meinem Laden ist ein brauner En-tous-cas liegen geblieben. Emil Fischbach, Seltersweg. 3380) Ein Mädchen von auswärts, welches in allen Arten Näharbeit, sowie im Kleidermachen gründlich erfahren ist, wünscht in und außer dem Hause Beschäftigung. Zu erfragen Brand 67. 3464) Ein zuverlässiger Knecht sofort ge- 3095) In meinem Nebenhause ist der mittlere Stock nebst allem Zubehör zu vermiethen und sogleich zu beziehen ___________________H. Becker. 3496) In schönster Lage des Seltersbergs ist ein Logis von 5 bis 6 Zimmern und Cabinet, pr. October, eventucll auch früher beziehbar, zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts._____________________________ 3405) Gut möblirte Zimmer, mit und o ne Cabinet, werden vermiethet von E. Eich en berg. 3402) Der mittlere Stock meines Hauses ist zu vermiethen und den 1. November beziehbar. G- Ph. Fillmann Wittwe. 3495) Eine neu eingerichtete Familienwohnung, welche bis zum 15. October bezogen werden kann, ist zu vermiethen bei Weißbindermeister Ehr- Petri, _________________Neicheniand._____________ 3396) Das von Herrn Stadtbaumeister Gros bewohnte Logis, bestehend aus 4 Zimmern nebst allem Zugehör, ist bis zum 1. October zu vermiethen. A- K. Worms. 3397) Ein Laden nebst Wohnung ist zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden in Lit. C. Nr- 184. 3021) Das seither von Frau Pfarrer Kreckmann im Darmstädter Haus bewohnte Logis ist im Ganzen oder auch getrennt zu vermiethen und vom 1. October an zu beziehen. 3443) Eine Familienwohnung und eine Schlosser-Werkstätte auf dem Neuenweg sind zu vermiethen. Näheres bei D- Löb er, Spenglermeister, Weidengasse.