PrkiS viertcljährtg 1 fl. 12 kr. ■ ■ H4& f&* ZjÄ % If 1 4% nahm?Montags! UPUIKIhT AllJnOft. ......-.-'...... Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis chießen. Nr. SS. Dienstag den U. Februar 1871. 11[■mih m-BIJ1J ._jumim-ii>qMn"aw:~JVW:r^?-/^»-«-.^^^M»wMPi«»jagaMMMMa»Kgwgwa>MMMBmeEMM«M«iiiriBi'BMigRSMM«B8mB^^« Wao werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Carizleiberg B. 1, als auch 5oCf 161111 tt^CIt aut v61l Ü>16^6U6T >5tll$6$(|6^ bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen. Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abbolen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und März 1871 zu 40 fr. Amtlicher T h e i i. Nr. 5 des Bundes-Gesetzblattes des Deutschen Bundes, ausgegeben zu Berlin am 3L Januar 1871, enthält: (Nr. 610.) Vertrag, betreffend den Beitritt Bayerns zur Verfassung des Deutschen Bundes. Vom 23. November 1870; nebst Schlußprotocoll von demselben Tage. (Nr. 611.) Betreffend die Ausstellung von Legitimationsscheinen zum Gewerbebetrieb im Umherziehcn für Ausländer und Angehörige solcher Bundesstaaten, in welchen die Bundes-Gewerbeordnung Gesetzeskraft noch nicht erlangt hat. Vom 17. Januar 1871. Gießen, den 11. Februar 1871. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. S t a r ck. 1 ■lLll_!1 ___________!__* Politischer T h e i l. 13. Februar. Die Convention von Versailles ist allgemein als sicherer Vorbote des naben FriedenSschlussrS begrüßt worden. Die milde und rücksichtsvolle Behandlung der feintlichln Hauptstadt, die Schonung der französischen Empfindlichkeit, die sich darin ausspricht, daß die Uebergabe der Pariser Forts nicht als unmittelbares Resultat des feindlichen Angriffs, sondern als Bedingung eines umfaffenden Waffen- stillstandsvertrages erscheint, der vorläufige Verzicht auf den Einzug in die unterworfene Stadt, das Verbleiben der Kriegsgefangenen innerhalb der'Enceinte, alle diese überaus maßvollen Bestimmungen machten es fast zur Gewißheit, daß der Reichskanzler die Ueberzevgung gewonnen hatte von der Bereitwilligkeit der Pariser Regenten, die in ibren Hauptzwecken und allgemeinen Umrissen bekannten deutschen Bedingungen als Grundlage definitiver Friedenövsrhandlungen anzunehmen. Noch klarer tritt die Bedeutung der Convention im Artikel 2 hervor, in dem ausdrücklich die Berufung einer freigewählten Versammlung, welche sich darüber auszusprechen haben werde, ob der Krieg weiter sortgesührt oder unter welchen Bedingungen Friiden gemacht werden solle, als Zweck des Waffenstillstandes erklärt wird. Unter den Umständen, unter welchen der Waffenstillstand abgeschlossen worden ist, läßt sich aus diesem Artikel mit Sicherheit folgern, daß Graf Bismarck und Herr Jules Favre zu einem Einverstäntniß über die Bedingungen des Friedens bereits gelangt sind; es ist unzweifelhaft, daß Jules Favre und seine Pariser Amtegenossen jede Hoffnung auf eine Wendung des Kriegsglücks aufgegeben haben, daß sie von der Nothwcndigkeit des Friedens übirzeugt sind, daß sie sich entschlossen haben, vor der Versammlung für die Annahme der deutschen Friedensbedingungen einzutreten. Durch Gambetta's Haltung wurden die Hoffnungen auf einen in nächster Zeit bevorstehenden Abschluß des Friedens etwas herabgestimmt. Es war dem ehrgeizigen und herrschsüchtigen Diktator nach seinem bisherigen rücksichtslosen und leidenschaftlichen Auftreten wohl zuzutrauen, daß er ein verzweifeltes Spiel wagen und seine ihm gegenüber völlig willenlosen Collcgen in Bodeaux zum offenen Kampf gegen die Pariser Regenten fortrcißen werte. Durch seine Weisungen an die Präsectem und vor Allem durch sein berüchtigtes Wahltecrct hatte er den K^mpf auch bereits wirklich eröffnet. Mit Hilfe der aufgeregten Bordeauxer Massen ließ sich ein Wohlfahrtsausschuß unter Gambetta's Leitung leicht impro^ visiren; in den großen städtischen Mittelpunkten des Südens würde derselbe zahlreiche Anhänger gefunden haben — kurz der Bürge,krieg stand vor der Thür. Der Bürgerkrieg würde Frankreich zertrümmern, uns aber würde er genöthigt haben, dem Thetle des Landes, über welchen wir verfügen — der sich nach Wiedereröffnung der Feindseligkeiten ohne Zweifel in wenigen Wochen verdoppelt haben toürte — zu einer Regierung zu verhelfen, um durch Uebcreinkunst mit derselben den Krieg zu einem förmlichen vertragsmäßigen Abschluß zu bringen. Dies wäre unvermeidlich geworden, hätte aber natürlich den Frietensabschluß verzögert und uns, durch Einmischung in die inneren Verhältnisse Frankreichs, mit einer Verantwortung belastet, die wir nicht auf uns nehmen mögen. Das feste Auftreten der Pariser Regenten, an dem Graf BiSmarck'S entschiedene Note an Jules Favre wohl einen nicht unbedeutenden Antheil hat, hat uns eine Verlegenheit, Frankreich das äußerste Unheil und die tiefste Demüthigung erspart. Gambetta hat seine Entlassung eingereicht und damit ist der weitere Verlauf der Dinge in den von der Waffcnstillstandsconvention vorgezeichneten Pfad gelenkt. Es läßt sich hoffen, daß der Sieg der gemäßigten Partei der Regierung über die radikalen Elemente derselben von entscheidendem Einfluß auf die Wahlen sein und der Versammlung in überwitgcnder Mehrheit solche Männer zusühren wird, die es als ihre wichtigste und höchste Aufgabe ansehcn, das Land von den furchtbaren Leiden zu befreien, die die Verblendung des Kaisers Napoleon über dasselbe heraufbeschworen und die die Verblendung der Republikaner tn's Maßlose gesteigert hat. Lb Gambetta auf eigene Hand unter Ausbietung der revolutionären Elc- mente in den großen Städten Sudfrankreichs ter Regierung Opposition machen und die verlorene Macht durch einen verzweifelten Staatsstreich wieder zu erlangen versuchin wird, steht noch dahin, ist aber unwahrscheinlich, da der Dic- ^,ll stverlrauulg, es sich doch nicht verhehlen kann, daß er in der letzten Zeit an Popularität außerordentlich eingebüßt, und äußerst geringe Aussichten hat, durch einen Gewaltstreich sich in den Besitz der Macht zu sitzen. Schon seit einigen Wochen reicht seine Autorität nicht viel weiter als sein Arm. Im Norden spricht man cS feit geraumer Zeit offen aus, daß man feiner Herrschaft überdrüssig :fl; und jetzt läßt sich in Bordeaux selbst, am S tze seiner Macht eine äußerst bittere Polemik gegen ihn vernehmen. Die Furcht vor seinem Namen ist geschwunden, und damit seine Macht gebrochen; denn seine Macht beruhte auf der Furcht, die er einflößte. Den Todesstoß hat seinem Ansehen wohl der klägliche und erschütternde Ausgang des Bourdaki'schen Unternehmens gegeben. Die herzzerreißenden Schilderungen, welche schweizer Blätter von dcn unsäglich traurigen Zuständen der über* getrehnen Truppen bringen, sind ebenso viel vernichtende Anklagen gegen den gewissenlosen und unfähigen Kricgsm'nister, der all' dies Unheil verschuldet hat. Gambetta ist der Urheber des Unternehmens, das einen so traurigen Ausgang genommen hat, er hat, nachdem der Plan gescheitert war, den Rückzug Bourdaki'S gehemmt, der allein die Masse des Heeres vom Untergänge retten konnte, er trägt die Verantwortung für die völlig unzulängliche Ausrüstung, für die Einstellung von Greifen und Kindern. Die empörende Rücksichtslosigkeit, mit der er Tausende im härtesten Sinne des Wortes als Kanonenfutter gegen den Feind geschickt hat, kann und wird ihm Frankreich nicht vergeben. Und daher kann man wohl an- nehmcn, daß alle Versuche, die er etwa noch machen sollte, um hindernd in den Verlauf des Friedenswerkes einzugrcifen, sich als fruchtlos erweisen werden. Die ununtcrbrochcne Zufuhr von Liebesgaben nach den Entladestat-onen in der Nähe der mobilen Armee hat bei dem Mangel einer entsprechenden Abfuhr allmählich zu einer Ueberfüflung dieser Stationen geführt. Die Begleiter der Liebesgaben sind häufig ohne jede Verbindung mit den Truppentheilen, die sie zu erreichen wünschen, ohne Fuhrpark und meist auch ohne jede Kenntniß über den Standort der Truppen, so daß die Eisenbahn-BctriebS- Commissionen ost genöthigt sind, die Waggons mit Liebesgaben auf weniger frequente Bahnhöfe zurückzuführcn oder auf denselben sestzuhalten, bis eine Verständigung zwischen den Begleitern und dem empfangenden Truppcntheil hcrbcigesührt und die Abfubr der zu cntladendkn Gegenstände gesichert ist. Die Beseitigung dieser Ucbclstände läßt sich nur dadurch erreichen, daß die private und directe Zusendung von Liebesgaben re. an die mobile Armee gänzlich inhibirt wird. Dagegen werden diejenigen, welche solche patriotische Spenden beabsichtigen, aufgefordcrt, dieselben an den betreffcndcn E r f a tz-Truppentheil — transportsertig verpackt — abzuliefern. Letztere werden durch öffentliche Dekanntmachung darüber quittirin und dann für die Weiterbeförderung mit den BekleidungS- und Aus- rüstungS'Nachschüben zufammcn Sorge tragen. Für diejenigen mobilen TruppiN, welche eines eigenen Erfatz-Truppenthriles entbehren, wird durch die Königlichen stellrertretenden General-Commandos eine Einlieserungostelle anderweitig angewiesen werden. Diese Anordnung schließt nicht aus, daß auf bezügliche Anträge auch eine Begleitung der Sendungen durch Privatpersonen gestattet werden kann. Duo Siöcle, jetzt das Hauptorgan der Gambettisten, ruft: „Zu den Waffen, zu dcn Waffen! Einige aufrichtige und ehrliche Republikaner prvtestiren gegen die ausgeschriebenen Wahlen, sic wollen keine Nütionalverfammlung und empfehlen der demokratischen Partei Entbaltung von den Wahlen. Frankreich, sagen sie, durch verbrecherische Schwächen und unbegreifliche Capitulationen dem Feinde überliefert, kann nur einen temüthigendcn Frieden hoffen; diesen Frieden muß es dulden, doch darf es nichts annehmcn, es darf nicht dabei betheiligt fein. Mag Herr v. Bismarck eine National-Verfammlung einberufen und von ihr die Bedingungen, die bei ihm fcststeh'N, entgcg.nnehmcn lassen, einen solchen Frieden unterzeichne wer will; Frankreich darf durch eine Unterschrift nicht gebunden.... Bürger, wenden wir von der heuchlerischen Maske einer Nationalversammlung, die ihre Zustimmung gibt, die Augen ab. Wähler, gehen wir nicht zu der Scheinwahl; Rä'eher, machen wir uns schlagfertig!" So die ditzigeir Republikaner. Auch das Sichele ist der Ansicht, daß die ausgeschriebene Assemblee „keine wahre Nativnalvcrtrctung werden kann"; aber cs fürchtet, wenn die Rcpublikarrcr nicht wählten, so sei Gefahr im Verfuge; wenn die Assemblöe den demüthigenden Frieden annehme, habe die republicanischc Partei eine Schuld auf sich geladen; es gelte daher, eine Assemblee durchzusetzen, die keine mit der Volkswürde ver- uneinbare Bedingung zugestehe. Das Siöcle fordert Vie Delegation auf, „bis ans Ende den Widerstand fortzusetzen und Alles zum neuen Losschlagen vorzubereiten"; indeß solle das Land durch seine Wahlen beweisen, daß es „feine Verstümmlung Frankreichs dulde, daß es eher die äußersten Opfer bringen, als einen schimpf- lichen Frieden dulden werde." Daher: „Paris ist gefallen, es lebe die Provinz, welche gleichfalls den Pact der Unverletzbarkeit unseres Gebietes unterzeichnet hat: Aux armes! aux armes !* Kriegs nachrichten. Berlin, 7. Febr. Der Chef des Generalstabes der deutschen Heere, General der Infanterie Graf Moltke, hat durch Telegramm vom 1. d. Mts. die W.isung ertheilt, daß „mir Eintritt des Waffenstillstandes den französischen Behörden die Herstellung der Eisenbahnen und sonstiger Communicationen zu gestatten ist. Alle Eisenbahnen auf den am 26. orcupirten Gebieten bleiben in deutschem Betriebe. Torpedo« in den Flüssen sind zu entfernen". Berlin, 10. Febr. Gegenüber den Mittheilungen der Blätter bezüglich einer Verlängerung deS Waffenstillstandes bemerkt die „Kreuzzeitung": daß die Entscheidung hierüber nicht früher getroffen werden kann, bis sich erkennen läßt, wie weit die gewählte französische Nationalversammlung wirkliche Chancen für den FriedenSschluß darbictet. Darmstadt, 10. Febr. Nachdem im ganzen vergangenen Jahr nur schwä- chere, wenn auch zahlreiche Erdstöße in der hiesigen Gegend wahrgenommen tour» den — der letzte derselben wurde am 18. December zu Groß-Gerau beobachtet — erfolgte heute Morgen um 5 Uhr 35 Minuten ein Erdbeben, das, sowohl was die Intensität, wie auch, was die Dauer anlangt, alle diejenigen, welche wir seit dem 13. Januar 1869 hier beobachtet habrn, übertraf. Der um diese Zeit statt- gehabte heftigste Stoß dauerte auf dem felsigen Terrain der Lindendosstraße min* destens 4 Stunden. Die Bewegung war im Gegensatz zu früheren Fällen, wo die Erschütterung derjenigen vergleichbar war, die ein rasch vorüberfahrender, schwer biladener Bahnzug an einem Stationsgebäude hervorbringt, eine derartige heftige, rasch hin und her rüttelnde, daß eine Richtung der Bewegung gar nicht wahrgenommen werden konnte. Der Stoß schien sogar dircct von unten nach oben zu gehen und ein unbeschreibliches Etwas Wände und Möbel zu schütteln. Schreiber dieses verspürte heute zum ersten Mal die Erdbebenfurcht. Zwei Minuten nach diesem Stoß wurde das heftigeren Erdstößen in der Regel nachfolgende Rollen gehört. Es schien sich von Süden nach Norden fortzupflanzen. Um 5 Uhr 45 Minuten erfolgte eine zweite, leichtere, zwei Secunden dauernde, von Süden nach Norden sich verbreitende Erschütterung, der zwischen 6 und 7 Uhr noch einige folgten. Berlin, 9. Febr. Nach den neuesten Nachrichten hält man es für nicht unwahrscheinlich, daß der Fürst Karl von Rumänien auf feine Fürstenwürde ver- zichten werde, und zwar leicht erklärlicher We.se mit Rücksicht auf die Macht, welche die Partei der Rothm daselbst erlangt hat. Sobald der Fürst Karl feine deßsallsigen Entschließungen zur Kenntniß der Türkei gebracht haben wird, dürften ohne Zweifel die Garantiemächte diejenigen Maßregeln ergrc.fen, die zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung erforderlich erscheinen. Berlin, io. Febr. Es verlautet, daß die Formation der gesammten Reichsarmee im Zuge sei. Für das künftige dreizehnte Armeekorps sind die württem- bergischen und hessischen Truppen in Aussicht genommen. München, 9. Febr. König Ludwig hat an den ersten Bürgermeister der Stadt München, Dr. Erhardt, folgendes Handschreiben gerichtet: „Herr Bürgermeister Erhardt. Die äußerst geschmackvoll auSgestattete Adresse der hiesigen Gc- meindecvllegien habe Ich empfangen. Neben dem berechtigten Hochgefühle für Deutschlands Macht und Einigkeit werden die Vertreter und Bewohner Meiner Haupt- und Residenzstadt die altererbke Anhänglichkeit an die Dynastie und die warme Liebe für das Heimathlanv treu bewahren und nach ihren Kräften dahin wirken, daß die Wiederkehr des deutschen Reiches auch zum dauernden Segen Meines geliebten Bayern Werde. Indem Ich hierin auf die biedere Gesinnung der Einwohner Münchens baue, sage Ich Ihnen als erstem Bürgermeister für 'die Mir in der Adresse niedergelegten Huldigungen Meinen freundlichen Dank und verbleibe mit geneigten Gesinnungen: München, den 7. Februar 1871. Ihr gnädiger König Ludwig." Wien, 8. Febr. Vor ungefähr zwei Wochen signa'isirte Graf Beust in Pesth die Annäherung an Deutschland, wofür ihm sowohl tn der deutschen wie in der ungarischen Delegation ein Vertrauensvotum gegeben wurde und j ^t erhalten wir ein klerikal-czechiscbeS Ministerium, gewiß die seltsamste Illustration der von dem Reichskanzler angekündigten deutschfreundlichen Politik. Hier nennt man das neue Ministerium das Proiections-Ministerium. Der neue Justizminister mit dem wohlklingenden Namen „Habietinek" verdankt namltcb seine jetzige Stellung dem Umstande, baß er feiner Ze t im Hause des Grafen Hohenwart als „Hofmeister" fungirte, der Unterrichtsminister mit dem unaussprechlichen Namen Jirecek, in den 50er Jahren eine Creatur Leo Thuns und eines der brauchbarsten und brutalsten Weikzeuge der clerikalen Reaktion ist wieder mit dem neuen Justiz- Minister verschwägert, welcher letzterer ein intimer Freund Schaeffle, ist, der sich selbst einen heftigen Gegner Preußens nennt und fein Hehl daraus macht, daß er die hiesigen Verhältnisse nicht fennt. So erklärte er kürzlich ganz offen in der dritten Sitzung der Kohlen-Enquete-Commission, daß er an den Arbeiten der Commission nicht erfolgreich theilnehmen könne, weil er mit den speciellen österreichischen Verhältn ff n viel zu wenig bekannt sei. Me»n wird zugeben, daß einiger Muth dazu gehört, die Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen, die mit der Uebernahme eines Portefeuilles verbunden ist. Charakteristisch ist die Mittheilung, daß Dr. Stremayr, der frühere Unterrichtsminister, Die Absicht hatte, den Hofrath Jirecrk und zwar gewiß nicht deshalb, weil Letzterer in Jahren vorgerückt wäre, zu pen sioniren und daß die bezüglichen Einleitungen bereits getroffen waren. Nun scheidet Stremayr aus dem Unterrichtsministerium und der Hofrath, der pensionirt werben sollte, wirb Minister. — Ein günstiges Prognosticon wirb bem neuen Cabinet von keiner Seite gestellt und allgemein glaubt man, daß wir bald um ein Experiment werben reicher geworben sein, durch welches bas Vertrauen in den Bestand der Verfassung noch tiefer erschüttert, das Band zwischen Den Volkern deS Reiches noch mehr gelockert toercen wirb. (F. P.) Paris, 6. Febr. Das Haus Rothschild legt in nächster Woche in London die Contributionsanleihe der Stadt Paris von 200 Millionen Francs zum Ernis- sionscourse von 85 ä 86 auf. Die Anleihe ist mit 5 pCt. in fünf Jahren al pari zurückzablbar. Bismarck gestattet Theilnahme der Deutschen. Elbtttf, 3. Febr. (Von einem Offizier der 22. Division.) Seit dem vor einigen Tagen sistirten Vormarsch und der nach so schwierigen Märschen einge- tretenen Ruhe hat sich sofort der Krankenstand unserer Regimenter vermindert. Der Abgang an Menschen war auch durch Die vorhergegangenen furchtbaren Strapazen ein außerordentlicher und übertraf die Verluste durch Gefechte bei den meisten Abtheilungen. Nur bei einigen, wie z. B. dem 83. Infanterieregiment, welches durch Die Kämpfe so immens verloren hat, stellt sich jenes Verhältniß ungefähr gleich. Einen Begriff von Den Verlusten dieses Regiments geben folgende Notizen: Das Regiment rückte natürllch vollzählig, per Bataillon 1000 Mann stark, aus; während des Krieges erhielt es 6mal, zum Theil von Ersatzbataillonen anderer Regimenter, Ersatzreseve nachgeschickt; trotzdem ist eS bis jetzt per Bataillon nur 400—500 Mann stark. Der Verlust an Offizieren ist noch kolossaler; derselbe beträgt 89 Köpfe, wovon 24 toot, also 15 mehr als das Regiment beim Ausmarsch hatte. Ein Bataillon hat bereits Den Dritten CommandirenDen, Die beiDen Vorgänger wurden todtgeschoffen. Loudon, 6. Febr. Die Sammlungen zur Linderung Der Noth in und um Parts, welche in voriger Woäie auf Anregung DeS LorD-Mayors begonnen wurden, haben bereits über 34,000 PfD. Sterl. erreicht. Mögen Die Ansichten über Englands politische Haltung während Des Krieges auch noch so getheilt sein, über seine Mildlhättgkeit kann nur eine Stimme herrschen. Der Kanzler Der französischen Botschaft in London fordert in Den Spalten Der „Times" Diejenigen augenblicklich in England lebenden französischen Steuerzahler, welche die Abgaben für 1871 ganz oder theilweise im Voraus zu entrichten wünschen, auf, ihre Zahlungen an das hiesige Bankhaus I. S. Morgan u. Comp. zu machen, welches für Den Empfang gültige Quittung ausstellen roerDe. London, 9. Febr. Die Königin eröffnete heute Das Parlament mit einer Thtonred.', welche besagt: Der Krieg, der bisher gewüthet, könnte möglicherweise in wenigen Tagen wieder beginnen, wenn nicht Mäßigung die Hindernisse des Friedens beseitige. England habe strenge Neutralität beobachtet und jede aussichtslose Intervention vermieden. Der gegenwärtige Waffenstillstand lasse endlich eine vollständige Verständigung hoffen, welche mit Der Sicherheit und Ehre beider Nationen vereinbar wäre. Zu Der Annahme des Kaiscrtittls durch den König von Preußen habe Die Königin Glückwünsche abgestattet. Die Wiederherstellung der deutschen Kaiserwürde bezeuge die Festigkeit und Unabhängigkeit Deutschlands, welche Der Stetigkeit der europäischen Staatsverhältnisse nur zuträglich sein könnten. Die Königin spricht Die Hoffnung aus, Das Resultat Der Conferenz werde Die Principien des öffentlichen Rechtes betreffs Der Verträge aufrecht halten und andererseits ein herzliches Einvernehmen Der Mächte bezüglich Der Orientfrage herbeiführen Die Königin bedauert Die Abwesenheit eines französischen Gesandten auf Der Conferenz. Bezüglich des Ausgleichs Der mit Nordamerika schwebenden Frage sei eine besondere Commission eingesetzt. Die Königin bedauert, daß die Untersuchung bezüglich Der Marathouaffaire noch nicht abgeschlossen sei, sie (Die Königin) werde bestrebt fein, Den Abschluß herbeizuführen. Die Thronrede hebt Die freundschaftlichen Beziehungen zu allen civilisiiten Mächten hervor. Zu den inneren Angelegenheiten übergehend, verspricht Die Thronrede eine Reihe von Gesetzesvorlagen, darunter über Die Heeresorganisation. Telegraphische Depeschen. 4- Straßburg, 11. Febr. Der „Nicderrheinische Courier" sagt in Betreff Der Wahlen: „Die Betheiligung bei Den gestrigen Wahlen war eine sehr starke. Wenn in Straßburg z. B. von 17,083 eingeschriebenen Wählern nur 10,226 stimmen, so übersetze man ja nicht, Daß ein großer Theil Der Eingeschriebenen als kriegsgefangen, im französischen Heere DienenD, flüchtig oder aus anderen Gründen abwesend nicht mit gezählt werden Darf. Schlägt man diese Abwesenden, was noch hinter der Wahrheit zurückbleiben Dürfte, auf 6000 an, so bleiben etwa 11,000 Stimmfähige, von Denen Diejenigen, die wirklich ihr Votum abgegeben , mehr als elf Zwölftel bilden. — Dasselbe Blatt bringt ein Schreiben eines Elsässers, das zum Wählen auffordert. Es heißt Darin : „Sagen wir Der constituirenden Versammlung: Zieht nur das allgemeine dringende Interesse des ganzen VatcrlanDcS in Erwägung! Opfert uns, wenn's sein muß! Mir entbinden Euch einer Ehrenpflicht, Deren Erfüllung Euch jetzt unmöglich ist. Es werden wieder bessere Tage kommen, wo Die Völker, nicht mehr unter Dem Einfluß beklagenswenher Traditionen stehend, sich nicht mehr durch Vogesen oder Rhein trennen lassen. Bis dahin möge die Liebe, die uns das härteste Opfer b ingen, in unsere Abtretung an ein anderes Land willigen heißt, Alles was den Namen Elsässer trägt, jedem französischcn Herzen theuer machen. Das Elsaß kann vielleicht Frankreich Den ausgezeichnetsten Dienst leisten und zwar im verfänglichsten Augenblicke seiner Geschichte." 4- Straßburg, 11. Febr. Die „Straßburger Zeitung" meldet aus Mülhausen: Die Capitulation von Paris trägt bereite gute Früchte; die Fabriken haben wieder Arbeit. Obschon die Tage länger geworden, sieht man wieder bei Licht arbeiten und in solchen Fabriken, wo bisher nur 4 Tage in Der Woche gearbeitet wurde, laufen Spindeln und Webstühle wieder die ganze Woche. - Es stehen blos noch diejenigen Fabriken stille, in Denen es an mehr als an Arbrit mangelt. + Paris, 10. Febr. Die Zufuhr von Lebensrnitteln Dauert ununterbrochen fort, doch wird während des Waffenstillstandes Die Rationirung derselben noch aufrecht erhalten bleiben. Auf Den Bahnhöfen beginnt der Verkehr in gewohnter Weise sich wieder herzustellen. Seitens der Behörden wird Die Reorganisation Der Gensd'armerie lebhaft betrieben △ Paris, 7. Febr. Zwischen Rampout und Den Deutschen Autoritäten wurde neuerdings vereinbart, daß nunmehr 2000, anstatt 1000 Kilogramm Briefe aus Paris gesandt werden können. — Eugen Vermersch befürwortet in einem Artikel mit Der Ueberschrift: „Paris capitulö“, Daß Die Bevölkerung Der Stadt Die republikanischen CandiDaten wähle^ welche einen ehrenvollen Frieden wünschten. Nur eine Republik, welche Die Uebd heile, Die Die Monarchien Frankreich geschlagen, können Das Land retten. △ Bordeaux, 6. Febr. Die „Patrie' sagt: „Gambetta hat sich beim General Billot Die Depeschen bestellt, welche ihn in seinem System, Die Schuld Der Katastrophe Der Ostarmee auf die Pariser Regierung abzuwälzen, unterstützen sollen. Dieser Versuch ist jedoch resultatlos geblieben. toöi#n w WM SLl lilaouanwatl IpfdiMiit Passt ri^en. 477) I MW'.! 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Friedrdor 9 58—59 iHGir 117': Bekannt m a ch u n g. in de» ersten folgende» fr. c) 4 V d) 4 40 V Siehrn, den 13. Febrnar 1871. J f i l fl f b o t f n f s hoiilioiiN^ <*iiiimii-llimb<*rieeii. sowie KrlÜff- Nlnlx- Hofger.-Advocat Batst. Bekannt ina chu nst. o 60 Fichten- Specerel -, Material- Eichcn- Buchen- u. Eichcn-Prügelh., und 10 „ deSal. Stockholz, 11500 Buchen-, Eichen- u. Weichholz-Wellen. .fdvlnvanrcn - Handlung von Emil Pi.sch ha di Block cl)vcolade. in 28urfelzttcker. Reisstärke. Tafrlrvstnen l OXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXx -/4 Leipzig Alsenzbahn-Aotien 85'/4 London Oberhessen „ 66 '/4 Lyon 2) Donnerstag den 16. Februar: Stecken Buchen-Schcidholz, Krofdorf, den 9. Februar 1871. T)er Bürgermeister: Eoluot 5% östr. F. St. E. B. 365'4 Augsburg Lombard. Bahn 1733/4 Preuss. 41/2° 0 Oblig. — Frankf. 8'/2% Obi. 81 Nass. 4' a 0/0 Obi. 9O3/4 ' Kurhess. 4% n 82'/3 Gr. Hess. 50/0 Obi. 10H/8 » n 40/0 n 93'/4 n n S'/gü/o n — Bayer. 50/0 n — n 41 2% 1jährige 92'/2 n 40/g 1jährige 853/4 Wörternb. 41/30/0 Obi. 91 >/z Baden 4'/20/0 Obi. o. E. L. 92 Oestorr. Siiberrente 557/lti „ Papierrente 48 n ft°/o M. steuert. — Amerik. Bonds 1881r 973/4 n n 1882r 953/8 n n 1H85r 947/g „ n 1887r 94a/4 Spanier, neuest. 3% 30s/l0 478) In dem Hause des Herrn B- Emme-! rich am Seltersweg sollen Mittwoch den 15. Februar und die folgen den Tage, jedesmal Nachmittags 42 Uhr, nachfolgende zum Nachlaß der Frau v. Rabenau gehörigen Gegenstände versteigert' Möbel, Bettwerk, Kleidungsstücke, Por billigsten Preisen; ferner die so beliebte Stuttgarter Cncoiihi (enb zell an und Glas, Eingeinacktes, Silber ölten Kiiiser ächte St 0 llwerck 'sche llru.st- und Gold, Haus- und Küchcngeräthe ' " ‘ " und Bücher. k. S. 1047/8 k. s. 88yB k. S. 105 k. 8. 119'/, k. S. — k. 8. — k. S. 953/8 m. S. — 1. 8. — 31 Wo G. :XXXXXX.WXXXX>C fuib, bezw. | Nachm. 410 Güterzug mit Pers.-Bef. II. III. CI. Nachm. 12" Schnell! I. II. III Abds 728 Personenzug I. II III. CI. Nachm. 416 Hamburg, Berlin, Basel, Wien, Leipzig, Stuttgart, Zürich, St. Gallen, Genf, Personenzug I II. 111. CI. Nachm. 445 Schnellzug I. II. 111. CI. Abds. 731 Personenzug I. II. III. CI. Vorm. 1121 Personenzug I. II. III. CI. Nachm. 430 Güterzug mit Pers.-Bef. I. II. III. 01. Vorm. 723 Güterzug mit Pers.-Bef. I. II. III. 01. Abds. 1053 $ü fein «nb sich @ie| Personenzug I. II. III. CI. Vorm. 9” Güterzug mit Pers.-Bef. I. II. III. CI. Abds. 940 Schnellzug I. II. III. CI. Abds. 720 Personenzug I. II. III. CI. Vorm. 932 Personenzug I. II. III. IV. CI. Vorm. 1123 Personenzug I II. III. IV. CI. Nachm. 350 Güterzug mit Pers.-Bef. I. II. III. CI. Vorm. 88 61) Häckselmaschinen, Dickwnrznnchlen, Oelkuchen- brecher der verschiedensten neuesten Constrnction, stets vorräthig bei Georg Nenzel (Maschinenfabrik.) 474) Ein möblirtes Zimmer vermiethet Wern Hard Brück, Flügelsgasse. 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Zum Slnzeigen gutem Erfolge empfehlen wir Das Krrlsblatt für bni Dillkms (Qltut Dillenburq.) Bei einer Auflage von über 600 Exemplaren beträgt die EinrückungsgebM kleine Zeile 1 Sgr.; bei drei- und mehrmaliger Einrückung einer Anzeige wir entsprechenden Rabatt. UllMlische Prämicn-IOO-fl.-Loosc Ziehung 15. Februar 1871. 470) Diese Loose, unsireitig zu den sichersten Lotterie-Papieren gehören sind von der kvuigl. Ungarischen Regierung garantirt. Ziehungen am iS. Febiuar, iS. Mai, 15. August, 15. Novenibk Haupttreffer: fl. 250,000, 200,000, 150,000, 100,00(1 ^edes Loos muß mit mindestens fl. i04 gezogen werden. Die Gewinne ei leiben keinen Steuerabzug. Diese Loose sind bei allen Bank- und Wechselhäusern des In- und Auslac des zum jeweiligen Tageskurse zu haben. (47(jj %<. ^,r fr Nti 186? ® s 1 _________________ Die Redaction. mach-» jedcr Att Sei«, Schuhe, „n e„,, und Stiefel, pr. Pfund 32 fr.,1 lienlogis von 7 Zimmern, 3 Kammern nebst e * ’ ’ J I ($• r n ft JS erntet allem Zugehör zu vermiethen und vom a (15a d fc Abds. 8 Nur von Nidda (Bad Salzhausen) kommend? Vorm. 650 Frachtbriefe für die MaiwWeser-, Cvtn^Mmdener u Oberhessische Eisenbahn, sowie sammtliche Zoilamtlich Jormmtare, sind zu haben bei W. Klee, am Mm Gummi - Clasticum- Auflösnng, Stiefel, Pferdegeschirre, Spritzenschlauche wasserdicht, weich und mild zu machen, pr. Glas 12 fr., verfertigt von Ernst Hermes, (475) Materialist. 473) 20 bis 30 Gentner gutes Heu sind zu verkaufen. Bei wem? sagt die Exped. dieses Blattes. 28. März an zu beziehen. Frau Advocat Wießell. 455) Ein neues Haus ist ganz oder auch getrennt sogleich zu ver> mielhen bei Dr. König er. Ruhrkohlen. 233) Ich habe gute Mischkohlen täglich in Wagenladungen ä 200 Ctr. abzugeben. Bestellungen erbitte ich an mich oder den Herrn C. H. £rrtor1 gr. Gallusgasse, zu richten. Frankfurt a. M. C. Wolfg. 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