PrctL viecteljLhrtg 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr. Gießener Anzeiger. LrjcyUnt tägltch, mit AuL» nähme Montags. Expedition: Lanzleiberg 2it B- Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiefzen. Mr. L38. Sonntag den 11. Jnni M7I. MMMWIH WMMWM K IW —BB—MMHWII —HMWMMI III IIIIM !■ l—IIWj Besteiluwgen auf »en Gießener Anzeiger *“* Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für den Monat Juni zu 20 kr. f Das preußische Offiziercorps und die deutsche Armee. Es wird »on keiner Seite bestritten werden, daß va« preuß sche Ossiziercorpö, wie in den früheren Feldzügen, so auch im letzten Kriege, durch Tapferkeit, Ausdauer und intelligente Führung sich ungeheure Verdienste um Preußen und Deutschland erworben hat; ebensowenig laßt sich aber in Abrede stellen, daß in dem Offizierscorps der preußischen Armee durch Tradition bis auf die heutige Zeit ein Kastengeist erhalten und großgezogen ist, der mit der Bildung und der gesummten Richtung unserer Zeit im graffcstcn Widerspruch steht und dessen fernere Pflege unter den heutigen Verhältnissen dem gemeinsamen Vaterlande zum entschiedensten Nachtheil gereichen müßte. / Bon diesem Kastengeist hat eine Aeußerung des Bundcrcommissars Haupt» mann v. Plötz in den ReichStagSdebotten über das MilitärpensionSgesetz einen recht unerquicklichen Beweis gegeben. Herr v. Plötz behauptete, baß die Offiziere ein stärkeres Ehrgefühl walten lassen als die Mannschaften, und suchte diese Behauptung damit zu belegen, daß, «ährend in der Kriegsstärke auf 50 Mann durchschnittlich ein Offizier kommt, schon unter 15 Tobten regelmäßig ein Offizier zählt. Auch gegen diese Thatsache läßt sich nicht- einwenden; allein der bekannte und geachtete Mliitärschriststeller durfte nicht außer Acht lassen, daß diese Diff-.renz keineswegs aus einem schwächeren Ehrgefühl aus Seiten der Unteroffiziere und Mannschaften rcsultirt, sondern einmal aus dem Umstands, daß die französischen Soldaten notorisch vor allem die Offiziere aus'- Korn nahmen, und zum andern aus dem durch die Stellung des Offiziers für denselben gebotene größere Hervor treten während des Gefechts. Die Bravour der Mannschaften und da- dieser zu Grunde liegende Ehr» gefüöl ist bisher von keiner Seite bestritten worden; die authentischen Ausspruch: de« Kaisers in den Depeschen vom Schlachtfelde an die Kaiserin erkenne derselbe im höchsten Maße an. Daß die höheren militärischen Kreise sich berufen suhlt.n, daran zu mäkeln, eine Unterscheidung de- Ehrgefühls bei verschiedenen Elass n deL Heeres anzustellen, und vollends zu dem Behufe, höhere materielle Ansprüche der Offiziere daraus zu begründen, ist außerordentlich bezeichnend für das Vcrhältniß der Offiziere zu den Mannschaften ter Armee. Da- „Volk in Waffen" erhält dadurch eine neue Illustration, die zu der Ueberzeugung von der unbedingten Nothwendigkeit führen muß, daß dem von den Mannschaften sich abschließenden und diesen gegenübersteheuden Geiste de- Offiziercorp- dadurch entgegengcwlrkt werden muß, daß durch die Aufhebung der Kodetteuhäuser und durch Fortfall drr Bevorzugung des aristokratischen Elements bei der Ernennung der Offiziere, andere, der modernen Civilisation mehr entsprechende Anschauungen dem preußischen Offizier- corps zugeführt werden. Die Aeußerung de« in seinen Schriften so gewandten Herrn w. Plötz war jedenfalls eine äußerst taktlose, nicht blos gegenüber dem Reichstage, sondern auch in Beziehung auf da- dienstliche Verhältniß der Unteroffiziere und Mannschaften zu den Ofsijieren, da« nur einen gedeihlichen Boden finden kann in der gegen seitigen Achtung und in der unbedingten Anerkennung der Pflichttreue jedes Einzelnen. t Die Bürgerdcputation, welche in Angelegenheiten der Mainzer Stadt- erweiterung in Berlin eingetrvffen ist, wurde vom Reichskanzler sehr zuvorkommend empfangen und hat dem Vernehmen nach die Zusage erhalten, daß da- bereits ausgearbeitete Probet der Erweiterung der Stadt Mainz noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden soll. Die Magdeburger Zeitung schreibt: „Für die vertriebenen Deutschen bestimmt die Regierungsvorlage eine Beihilfe von zusammen 14y2 Millionen Frc-. Man war bisher der Meinung, daß dics die ganze, für die AuSgewicsenen bestimmte Entschädigung sein solle. Am Freitag aber hat der Reichskanzler erklärt, daß die- nur eine erste Abschlagszahlung sei, welche von Rechtswegen den Beschädigten zu Gute kommen solle, daß aber die einzelnen Negierungen darüber einverstanden seien, später ihren ousgewiescncn Staatsangehörigen noch weiter zu Hilfe zu kommen, sobald die Vertheilung der Kriegscontnbution die« gestatte. Diese weitere Entschädigung ist allerdings in das Ermcffen der einzelnen Staaten gestellt, indessen eine moralische Verpflichtung liegt, nachdem der Reichskanzler sich im Namen de« Vundesrathes so geäußert bat, doch vor. Wir meinen, daß die AuSgcwiescncn unter diesen Umständen befriedigt sein sollten. Wir können ihnen nicht alle-ersetzen, was sic verloren haben, am wenigsten können wir den Wohlhabenden und Reichen ihren Reichthum wiedergeben. Ja, wenn wir dies thäten, so wäre es ein Unrecht, so lange den heimkehrenden Kriegsmännern nicht voller Ersatz für den Schaden ön Geschäft und Wirtschaft geleistet, so lange den Gewerbsleuten und Arbeitern der Heiwath nicht ihre Verluste ersetzt sind. Wer unter ein fremde« Volk sich begibt, der thut es, weil er dort gewinnreichere Geschäfte machen kann, aber er muß auch da- größere Risico mit in den Kauf nehmen. Die Ansichten, welche Fürst Bismarck in dieser Hinflcht aussprach, sanden die volle Zustimmung des Reichstags. Zu bedauern ist es, daß Fürst Bismarck aus Mangel an Arbeitskräften es ablehnte, eine Eentralinstanz für die Verthellung der Entschädigung zu bilden. Er will die- den einzelnen Regierungen überlassen, die ihrerseits an der IGesammtsumme Thcil hab^n sollen je nach der Kopfzahl der Vertriebenen, welche oem betreffenden Staate angehören. Dieser Modus der Vertheilung ist allerdings »ziemlich zufällig und genügt nur dann einigermaßen, wenn man den armen hessischen Strc-ßenlebnr, der nach Pari- gezogen ist, mit dem wohlhabenden Kaufmann ,us Frankfurt, Berlin oder Hamburg, der in Paris, Bordeaux oder Marseille sein Geschäft getrieben h. t, auf gleiche Stufe stellt. Aber unser Ziel kann auch nicht sein, diesen wohlhabenden Leuten den verlorenen Theil ihres Vermögen- zu ersetzen, sondern nur sämmtlichen Bedürftigen so viel zu geben, daß sie ihren Beruf von Neuem anfangen können." Von der Schweiz ist kürzlich die Erfüllung der 1860 auf Frankreich über* gegangenen vertragsmäßigen Verpflichtung zur Neutralistrung Savoyens bei der Versailler Regierung angeregt worden, jedoch vergeblich. Es läßt sich von den Franzosen begreifen, wenn sie weder in dieser Sache den Anforderungen der Schweiz, noch in Sachen Nizza'- den nicht minder gerechten Ansprüchen Italiens Rechnung tragen wollen; der Schweiz und Italien geschieht es aber ganz recht, wenn jetzt ihre Wünsche nicht die geringste Berücksichtigung finden. Dor dem Friedensschlüsse war Vie richtige Zeit zur Erhebung derartiger Ansprüche, und wenn die genannten beiden Staaten damals in ganz unmotivirtem Stolze gegenübcr Deutschland davon .»bstanken, mögen sie sich hinterher auch mit dem Nachsehen begnügen. Neuere Berichte aus Wien wollen wissen, der Ausgleich mit den Ezechen drehe sich nur noch um eine reine Formfrage. Seitens der Negierung wird nämlich verlangt, daß die Verfassung wenigsten« äußerlich durch die Beschickung des Neichürüths anerkannt «erde, wogegen sie dann die Verpflichtung übernimmt, sofort einen Minister für Böhmen zu ernennen und in diesem Sinne die Verwaltung zu mvdifiziren. Ob alle diese Zugeständnisse Leuten gegenüber etwa« Helsen werden, von denen dieser Tage noch ganz unverblümt erklärt wurde, der Staat Böhmen sei der Monarchie nicht unkr-, sondern neblngeordnet, lst freilich eine andere, gar nicht schwer zu beantwortende Frage. Wie d.r „Times" au« Paris mitgetheilt wird, sollen Briese ausgelunden worden sein, welche beweisen, daß die deutsche Abtheilung der interkatioliaieu Liga die Commune bedeutend mit Geldmitteln unterstützt Hobe. In Lirrp, Departement Seine-ct-Oise, hat ein junger Franzoie einen preußischen Offizier nach einem Wortwechsel mit einem Revolvrr erschdssrn. Als andere Ofsiziere blank zogen uud auf den Mörder einhieben, kam dem Letzteren sein Vater zu Hilfe und wurde mit dem Sohne in's Gcfängniß gesteckt. Beide verurtheilte das Kriegsgericht zum Tode; Jules Favrc hat jedoch an den General Fabrice telegraphirt, in der Hoffnung, den Vater retten zu können. v Gießen, 10. Juni. W?e wir soeben vernehmen, wird auch in unserem Lande das Dank* und Frieden-fest am 18. Juni gestiert. Wiesbaden, 9. Juni. Heute Nacht ward ein Einbruch in die hiesige katholische Kirche verübt. Es sind Monstranzen, viele Kelche, Pokale, Ciborien, Statuen, mehrere Tausend Thaler an Werth, gestohlen worden. Die Thäl.r sind noch unermittelt. Berlin, 6. Juni. Der ungarische General Klapka ist hier eingetroffcn und hatte unmittelbar nach seiner Ankunft eine Unterredung mit Fürst Bismarck. Berlin, 6. Juni. Neber das Treiben der Pariser Commune hört man nachträgllch noch einige Einzelheiten, die auf jene Episode, an welche in Frankreich noch die Enkel mit tiefer Beschämung denken werden, ein grelle« Licht werfen. Ein englischer Banquier, der sich zufällig in Paris befand, wurde zu Verhandlungen wegen einer Anleihe ausg.fordcrt. Der sogenannte Finanz-Minister Jvurdc empfing ihn, verlangte fünf Millionen FrcS. und bot als Garantie die doppelte Summe in Obligationen des Eredit Foncier und anderer Werthpapiere, deren sich die Eommunisten bemächtigt hatten. Außerdem wollte man durch Vermittlung jenes Finanzmanne« eine große Menge von Schmucksachen, Edelsteinen und Kirchen- geräthen verkaufen, die auf der Münze angesammelt waren. Der Engländer sah das alles an, ließ sich Vorschläge machen und verließ unter dem Vergeben, daß er sein Haus in London befragen müsse, so schleunig wie möglich Pari«. Wa«' außerdem über die von jenen Menschen verübten Gräuelthaten Mannt wird, zeigt, daß die bisherigen Erzählungen diesmal nicht auf Rechnung der gewöhnlich über* treibcnben französischen Phantasie gesetzt werden dürfen. Ein jchweizerifcher Arzt hat einen Bericht im Journal de Geneve veröffentlicht, au- welchem hervorgeht, daß eine Anzahl von Offizieren und Soldaten der Versailler Armee wirklich von communistischen Weibern vergifteten Wein erhalten hatten und auf offener Straße an Eonvulsioncn starben. Derselbe ersichtlich unbefangene und wahrheit-liebende Augenzeuge bestätigt, die Soeialisten hätten, durch die Zeit gedrängt, die Ambulanz au- den Tuilerien nicht entfernen können und mehr al- hundert Verwundete durch angezündete- Stroh erstickt. Noch andere Gräuel werden in jenem Bericht erzählt, die alle- übersteigen, was die verworfenste Einbildungskraft ersinnen konnte. t Berlin, 8. Juni Das bereits vor mehreren Tagen vom Reichskanzler angekündigte Gesetz, betreffend die Beschaffung von Betriebsmitteln für die Eisen* bahnen in Elsaß und Lothringen, dessen Berathung auf der morgigen Tages- ordnung des Reichstags steht, umsaßt nur einen Paragraphen, Inhalts dessen der Reichskanzler ermächtigt wirb, den Bedarf für die Ausrüstung der an Deutschland abgetretenen Eisenbahnen in Elsaß und Lothringen mit Betriebsmitteln bis auf die Höhe von fünf Millionen Thalern aus den bereitesten Mitteln der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung vorschußweise zu bestreiten. — In den dem Entwurf beigegebenen Motiven wird darauf hingewiesen, daß durch den Friedens- schluß die seither der französischen Ostbahngesellschaft angehörenden Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen ausschließlich des Lokomotiven- und Wagenparks erworben sind, unv daß die längere Verwendung der deutschen Betriebsmittel angesichts des in Folge des Friedens zu erwartenden Aufschwungs des Verkehrs mit den Interessen des Verbrauchs, des Handels unv der Gewerbsamkeit Deutschlands unvereinbar sein würde. Die größte Beschleunigung für die Beschaffung eines ausreichenden eignen Betriebsmaterials für die elsaß - lothringischen Eisenbahnen ist daher geboten. Nach den im übrigen Deutschland gemachten Erfahrungen ist zur mäßigen Ausrüstung einer Meile Eisenbahn mit Betriebsmitteln ein Betrag von durchschnittlich 100,000 Thlr. erforderlich. Bei einer Betriebslänge der in Rebe stehenden Bahnen von etwa 100 Meilen wird also ein Gesammtdetrag von 10 Millionen Thalern Verwendung finden müssen. Die Beschaffung von Eisenbahn- Betriebsmitteln, welche aus KriegsfondS stattgefunben hat, hat einen Werthbetrag von 2 bis höchstens 3 Millionen Thalern erreicht, so daß, wenn dieses für gemeinsame Kriegszwecke beschaffte Material auf die elsaß-lothringischen Bahnen übertragen wird, immer noch für 7 bis 8 Millionen Thaler Betriebsmittel zu beschaffen sein werden. Es wird aus diesen Gründen ein Vorschuß von 5 Millionen Thaler gefordert, dessen definitive Verrechnung bei der endgiltigen Ordnung der Derhältn sse der erworbenen Bahnen erfolgen soll. i Berlin, 8. Juni. Die Postbesörderung von Privatpäckereien für das 4. Armeecorps ist bis auf Weiteres inhibirt worben, so daß dieselbe gegenwärtig nur noch für nachbezeichnete Truppenkörper gestattet ist: 1., 2., 10. und 15. Armee- corpS, 6., 11., 22. und 24. Infanterie-Division. Heute Vormittag 11 Uhr traf der Kaiser von Rußland mittels Extrazuges auf dem Ostbahnhofe hier ein. Auf dem Bahnhofe empfing ihn Kaiser Wilhelm, umgeben von sämmtlichen hier anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, und nach kurzer Begrüßung geleitete der deutsche Kaiser den russischen Monarchen nach dem russischen Palais unter den Linden. Gegen 12 Uhr machte dec Kaiser von Rußland seinen Gegenbesuch im königlichen Palais, wo um 5 Uhr Familientascl stattsand. Abende besuchten die Majestäten das Opernhaus. Dresden, 5. Juni. Das DreSd. Journ. veröffentlicht eine Bekanntmachung, die Abhaltung eines Gottesdienstes zur Feier des zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossenen Friedens betreffend; dieselbe wirb im Anschluß an die im Königreich Preußen und in anderen deutschen Staaten dieserhalb getroffenen Anordnungen auf den zweiten Sonntag p. Trinit., den 18. Juni 1871, festgesetzt. >1 München, 7. Juni. Unter den in Ingolstadt internirten französischen Kriegsgefangenen Haden Unordnungen stattgefunben, welche jedoch durch energisches Einschreiten des Gouverneurs rasch unterdrückt wurden. 33 Rädelsführer wurden ermittelt und tHeils in das Militärgefängniß abgeführt, theils in eine Straf- compagnie versetzt. Außcrvem wurde den Gefangenen die Erlaubniß zum Aus- gehcn entzogen und die Verkündigung des Standrechts angedroht. Freiburg, 6. Juni. Graf Moltke ist bei seiner gestrigen Ankunft hier von zwei Gesangvereinen begrüßt worden, denen er freundlich dankte. Seine kurze Ansprache, in welcher er an die bcängstigenden Tage des Januar erinnerte, schloß mit den Worten: „Seien Sie beruhigt, meine Herren, wir lassen sie (die Franzosen) nie mehr herein!" Versailles, 5. Juni. 10,000 Arbeiter sind damit beschäftigt, Paris zu reinigen und die Barrikaden sowie andere Hindernisse in den öffentlichen Straßen aus dem Wege zu räumen. Versailles, 6. Juni. Die Nachrichten aus Lyon indiciren eine Zerrüttung der politischen und finanziellen Zustände dieser Stabt, welche ein trauriges Progno- sticon für die Zukunft der inneren Verhältnisse Frankreichs stellt. In gewissen Klassen der Bevölkerung herrscht eine dumpfe Gährung, die sich zeitweise durch heimliche Maueranschläge aufrührerischen Eharakters Zusammenläufe und andere unverkennbare Zeichen eines fanatischen Hasses gegen die bestehende Regierung kund giebt. Es Haden bereits wieder zahlreiche Verhaftungen stattgefunden. Der Mörder des Eommandanten Arnaud Deloche hat über die Projekte der Meuterer, welche Brandstiftung und Plünderung planten, Enthüllungen gemacht, die behrfs weiterer Untersuchung die Behörde veranlaßte, seinen Transport nach Riom, wo er seine Strafe abbüßen soll, zu vertagen. Der „Pcogres" ist angeklagt, Adressen eommunlstischer Tendenz publicirt zu haben, der Retacteur der „Droits de l'homme" ist verhaftet. Der „CoL6di6 politique" wurde wegen Derläumdung eines Stadtraths der Proceß gemacht. Alle diese Vorfälle halten die Einwohnerschaft in Aufregung. Versailles, 8. Juni. Die Nationalversammlung ist sehr erregt. Batbie, der Berichterstatter, sagt, die Commission schlägt vor, den Antrag auf Zurücknahme der Gesetze über das Exil der Familie Bourbon anzunehmen. Er erinnert an das Circular der Prinzen nach ihrer Wahl, worin sie sich der Entscheidung der Nation unterwerfen, ob diese für die Republik oder für die konstitutionelle Monarchie ausfclle. Der Bericht des neunten Bureau'S ist für die Giltigkeitserklärung der Wahl des Prinzen von Joinville. DaS zehnte Bureau erklärt sich für die Giltig- fett der Wahl des Herzogs von Aumale. Billy verliest einen Antrag bcr Dcpu- tirten aus den von den Preußen besetzten Departements, welche die Vertagung der Zurücknahme der Exilgefftze unv die Prüfung brr Wahlen der Prinzen von Orleans verlangen, um eine Agitation zu vermeiden, welche die Lage der besetzten Departements verschlimmern könnte. Etwa zwanzig Mitglieder von der Linken bringen etnen gleichen Antrag ein. Der Generalprocuralor Leblon hebt die Gefahren bcr ' igkettserklarung der Mahlen und der Zurücknahme der Extlges tze hervor. Er ^^nh,^QnQnn rfld) unter diesen Prinzen solche befinden, die sich als Kron- Städten nnrh fn t Er sagt, der Bürgerkrieg bestehe in den großen L Ua?» nl ' -toenn auch in latenter Wcise. Batbie widerspricht. Th.erS L? clner so schwierigen Frage gegenüber befunden; er hebt b e Nolhwkndlgk.it h-r°°r, .m Inter-ff- der Ordnung und des Credit, aüt auf, ngenctB »ragen zu vertagen. Man habe ihm die Republik anve,traut, er werde sie nicht verrathen, er werde Niemanden vrrrathen. — Die Zurücknahme der exckgefttze w,rd darauf mit 484 gegen 103 Stemmen angenommen. Die Wahlen »on Aumale und Ioin-ill- werden mit 448 gegen 113 S.unmen für giltig erklärt. ... Ju.n,‘ Xle "iuestcn englischen und belgischen Blatter bringen Mülhetlungen über die Fusion der beiden Bourbonlschen Familienzwcigc, welche an Bestimmtheit wenig zu wünschen übrig lassen. So soll das Resultat der Fusion die Anerkennung de- Grafen Chambord als König von Frankreich, mit dem Grafen von Paris als Thronerben und die provisorische Ernennung de- Herzog- von Aumale zum Geserallieutenant de- Königreichs fein. Die Verhandlungen in Betreff der Fusion wären von dem Erzbischof Dupanloup geleitet worden. Paris, 6. Juni. Unter den Mitgliedern der Assemblee wurde ein Brief Guizot's vertheilt, den derselbe an Grevy gerichtet hat. Guizot führt au-, ThierS habe dem Lande die größten Dienste geleistet und schließt, daß ein feste- unerschütterliches Band zwischen ThierS und der Assemblee allein dahin führen könne, das Werk der Pacification und Reorganisation des Landes, welches die Gründung definitiver Constitutionen ermöglichen wird, zu beenden. Entweder die wahre, nicht revolutionäre Republik, oder die wahre konstitutionelle Monarchie. Man hat begonnen, das Wohl des Landes zu begründen, sagt er, an uns ist es, die Gewalten, welche für dasselbe arbeiten, zu unterstützen, damit sie ihre Zwecke erreichen können. Guizot erinnert sich daran, daß die Frage der definitiven Institutionen noch Vorbehalten fei und bleibe und ist der Ansicht, daß der Augenblick noch nicht gekommen, um sie zu besprechen und mit Schicklichkeit, Freiheit und Einsicht sich schlüssig machen zu können. Er fügt hinzu, das sei überdies unmöglich, die vor- behaltenen Fragen zu prüfen, so lange noch 135 Deputirte zu wählen wären. Bezüglich der Gültigkeitserklärung der Wahlen des Prinzen von Orleans constatirt Guizot, daß das Exil der Prinzen nie eine legale Thatsache eine rechtliche Verbannung gewesen sei, sondern eine ausschließlich politische Maßregel sei , er fügt hinzu, sie seien keine Prätendenten und verlangen lediglich ihre bürgerlichen Rechte. WaS die Abschaffung des Gesetze- betrifft, welche- den Grafen von Chambord verbannt, so stützt sich Guizot auf die Erwägung, daß der erste Prinz des französischen Hauses Opfer der Fehler, welche er nicht begangen hat, nur darnach strebt, die Stütz? der Macht (le fonefö de pouvoirs) Frankreichs zu sein. Die Kürze ist der Hauptzweck des Guizot'schen Briefes, die Kammer zu verhindern, jetzt schon über die Form der Regierung zu diScutiren, Frankreich darf nichts ab orato thua. Lyon, 6. Mai. Unsere städtischen Finanzen sind eben Gegenstand vielfacher Erörterungen. Die Kaffen sind leer, so daß selbst Zahlungen tn Beträgen wie Fr. 500 nicht mehr geleistet werden können. Die Stadt bat in einigen Monaten 14 Millionen Fr. ausgegeben, andererseits aber auf die Einnahmen, welche man aus dem städtischen Octroi zog, Verzicht geleistet, da sie anstatt deffelben eine direkte Steuer einzusühren beabsichtigte. Letztere findet nahe unbesieglichen Widerstand. Die Kriegssteuer ist nur zur Hälfte von der Bevölkerung bezahlt worden. Um die Lage zu erschweren, gehen der Stadt Anweisung auf Anweisung zu^md der lokale Patriotismus charakterisirt sich durch Hemmnisse aller Art, welche man Der Verwaltung der Municipalbehörden in den Weg zu legen sucht. Athen, 8. Junt. Die Session der Kammer wurde durch königliche- Dekret geschloffen. Die Königin leistete heute den Regentschaft-eid vor dem Cabinet und dem Präsidium der Kammer. Der König wird nächsten Sonnabend nach Em- abreisen. Telegraphische Depeschen. 4- Berlin, 9. Juni. Die Abreise des Kaisers von Rußland ist auf morgen Vormittag festgesetzt. — Der „Krcuzzeitung" zufolge wird die Reise de- Kaiser- nach Ems gegen Anfang Juli stattfinven. — Die Angelegenheit der Dotationen besonders verdienter Feldherren gilt der „Kreuzzeitung" zufolge keineswegs für aufgegeben. Dieselbe dürfte, nach ihr, bei Gelegenheit der definitiveu Beschluß- nahme über die gesummte Kriegscontribution in der Herbstsession des Reichstages zur Erledigung gelangen. + München, 9. Juni. Der Redakteur des „Volksboten", Dr. Zander jun., wurde wegen des Artikels, worin er die deutsche Armee unberechtigter Aneignungen im letzten Kriege beschuldigt, vor das Schwurgericht verwiesen. 4- Brüssel, 8. Juni. Das „Echo du Nord" in Lille meldet: Die Exkaiserin Eugenie hat jede Schilberhebung zu Gunsten de- kaiserlichen Prinzen mit Den Worten zurückgewiesen: „Ich will nicht in die Fußstapfen Marie Antoinette'- treten und nicht meinem Sohne das Schicksal Ludwig's XVII. bereiten." Der Kaiser verhält sich schweigsam. Prinz Napoleon will eine Schilberhebung auf eigene Faust versuchen. 4- Brüssel, 9. Juni. Die „Jndependance beige" schreibt aus Paris: Eindringliches Zureden von Freunden Thier»', die ein Attentat befürchteten, bestimmte Denftlben, bei Der Leichenfeier Darboy's nicht zu erscheinen. — Alle Commune- mitglieder sind erschoffkn oder gefangen, außer Pyat, der spurlos verschwunden. △ Paris, 8. Juni. Es ist neuerdings wieder die Rede davon, im Innern von Pari- ein starke- Fort zu erbauen, wie man glaubt auf die Buttes Montmartre und Chaumont. Genieoffiziere haben bereits mit der Untersuchung des Terrain- begonnen. Die Verhaftungen werden fortgesetzt. Man nennt als verhaftet Dr. LeSnefle, Ambulanzdirector der Commune; Sassin, ehemalige- Mitglied oes Centralcomite's; Villaume, Mitredacteur dr- „Pere Duchene"; Andree Gill, Carricaturenzeichner,. von Der Commune zum Conservator de-Museums im Luxembourg ernannt. Bourster, Der Commandant Der ersten Legion, erschoß sich, als er verhaftet werden sollte. In Den Katakomben hat man 10,000 Brandbomben gefunden. Nach Den bei Gcfanglnen aufgefundenen Schriftstücken hat Die Commune 23,000 derselben anfertigen lassen, e- blieben somit, Da nur eine geringe Anzahl zur Anwendung kamen, noch viele zu entdecken übrig. Die Eröffnung des Knegs- gerichts ist wieder auf einige Tage hinausgeschoben. Die Verzögerung rührt von Den durch die Entdeckungen neuer wichtiger Dokumente nothwendig gewordenen Supplementen zu Den Anklageakten her, mit Deren Abfassung man beschäftigt ist. + Konstantinopel, 8. Juni. Gestern Morgen brachen fast gleichzeitig an vier verschiedenen Punkten Der Stadt Feuersbrünste aus. Etwa 170 Häuser sind abgebrannt. Man vermuthet Brandlegung. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. a. Evangelische Gemeinde. Kopuliere. Den 4. Juni. Johannes Becker, Arbeiter von Garbenteich; und Elisabeth Borrn aus Saasen. Denselben. Heinrich Friedrich Wilhelm Hofmann, Gastwitth dahier des Bürgers und Schneidermeisters in Hungen, Peter Hofmann, ehelicher Sohn-' und Katharine Johannette Konradine Neuling, des verstorbenen hiesigen Bürgers und >Kaminfegers, Heinrich Neuling, eheliche Tochter. Den 9.31 ’w * ft Den 3.31 Bericht tagt MtzM Den 4 31 MM W®“' > -7' LS**" Berste, Ä 8inbe. bre,te R 2«A ' 'de £nS= 'ch 3. trbMecheigei Stil) Dienstag des Morg, fillen auf dem hi sichende Bauarbeite Nßtrung in Accor MaarnaM, w Zimmerarbeit, rachdeckerarbeii, Lchreinerarbeit, Zchlosserarbeit, Malerarbeit, ' Weißbinderarbeit, i Materiallieferung, oteinbrechen i Fahr Iund Zerschlagen veranschlagt zu _ Witan, den 8 HMmlicheBür s- 3 __Corner, HldMvnstklAn ^0) Dienstag .. ^5 Nachnri aus hiesige ^beeten durch ^geben EgrabenundAu ÄS“ >U«ckich, dm ( U 'im a Pfl “ W k. k. 8. 913/4 Oberhessen 75 101'/» Spanier, neuest. 3% 323/g 7ÄM Für 2251) ioHen auf dem hiesig« tehende Bauarbeiten d Sä teigerung in Accord gegeben werden, als zu S Lüste F r a n k f u r t a. M. Große E s ch e n h e i m e r g.a s s e 41. Gebrüder Sachseuroeder Fluß rc. Heber 1OOO geheilt- (206) Formulare, sind zu haben bei W. Klee, am Markt S r-» Zu Bestellungen empfehlen sich ten unter R. U. 2, poste restante FranI Hit» pr h »r’fA» h«;» furt a. M. VexMifchts Anzeigen. 2462; Ein Notizbuch mit rotbem Einbgnd, auf der Eisenbahn - Fahrt von Friedberg bis Marburg verloren Abzugeben gegen gute Belohnung in der Exped. d. Bltts. 2358) Für ein größeres Specerei- und "andcsproduften-Geschäft in Frankfurt a. M. wuö em Lehrling unter günstigen Bedin- ISfSsKtttf.1' WerE§ bci ber ($£peö- ______________ 2423) Ein sauberes, anständiges Mäd- 2384) Ein kleines Familienlogis, gleich wird gesucht in einen kleinen Haushalt. • - 1 - 1 - Adresse bei der Exped. d. Bltts. Betrag sämmtlicher baar vorhandenen Reserven Prämt'cn-Ncserve der noch in vereinnahmenden Prämien Summe der im Jahre 1870 laufend gewesenen Versicherungen 2461) Eine Familienwohnung mit Zubehör im zweiten Stock meines Hauses ist zu vermiethen und Anfangs August zu beziehen. Bierbrauer Weller, Woikengasse. 533) Ein neues Haus ist ganz oder auch getrennt sogleich zu ver. miethen bei Dr. Königer. 2070) In günstiger Lage der Stadt ist ein Laden mit Eabinet zu vermiethen und baldigst zu beziehen. Das Nähere'bei der Exped. d. Bltts. 2382) Ein Logis ist zu vermiethen in Lit. B. Nr. 90, Neuenbäuen. 1130) In meinem Hause ist ein Familienlogis von 5 Picgcn zu vor- Lehrlings Gesuch. 2318) Ei ? Junge aus anständiger Familie kann das Raseur- :c. Geschäft erlernen. Wo i sagt die Exped. d. Bltts. 2'159) Dor Nntor;oLchneLo sucht oinon in dor Buchführung und im Registratur- Der Münzthurm. Ein vaterländisch 1$ • Roman von Georg Hiltl. (Fortsetzung' 1 Elsässisches Bauernleben. " 2395) Ein möblirtes Zimmer mit Eabinet zu vermiethen Seltersweg 9ir. 61. 2380) Ein Familienlogis, bestehend in 3 Stuben, Eabinet, Küche, Kammer, Keller, u. s. w., ist zu vermiethen in Lit. A. Nr. f»4, dem Liudenplatz aeg nüber. Daheim Die soeben erschienene Nr. 37 , enthält: hb i .,e That ? l|«ikn f "I i ystt " !' iUM ‘i!0e tie?tc uou 14 bi? 18 Jahre» finbin Arbeit m der Vampenfabrif von ______ •O^udcr & Kauffmann. ( ^69, Ein such, für freie stunden kaufmännische (d rift irfP. beiten. Offerten bittet man unter ^4 an die Exped. d. Bltts. »elangen zu 2357) Arbeiterinnen gesucht von Koch ck Patz (Corsettenfabrik.) WerVnethungLK. 2016) Das von Herrn Oberförster Georgi bewohnte Logis in meinem Hause, bestehend in 5 Zimmern im 3. Stock und 1 Zimmer mit geräumigem verschließbarem Vorplatze und einer Geräthekummer in den Mansarden, ist mit Holzremise, Keller re zu vermiethen und bis im August zu beziehen. Außerdem können zu diesem Logis noch 3 Zimmer mit 1 Eabinet im 2. Stock meines Hauses gegeben oder getheilt ver- miethet werden. Dr. Weber I. 1642) Ein Logis im zweiten Stock, auf Wunsch auch ganz und ein Mansarden-Logis zu vermiethen. S>Seibert. 2464) Der zweite Stock in meinem Hause ist zu vermiethen und Anfangs August beziehbar. I. Schäcker, ________________________Weißbinder. 2460) Ein Zimmer, mit oder ohne Möbel, ist zu vermiethen Wolkengasse Nr. 89. 2/106) In Kleinem Hanse ist noch eine Etage niit 2 Mtansarden-Stuben zu ver- nn'ethen und sofort zn be- Hofger.-Advoeat. 2466) Ein tüchtiger Schuhmacherge- hulfe findet bei mir dauernde und lohnende Beschäftigung. Heinrich Hornfeck. finden bei hohem Lohn dauernde Beschäftigung bei Hkyligeustaedt S> Menges, Maschinen-Werkitätte. 2421) Ein ordentliches Dienstmädchen kann auf Johanni eintreten. Bei wem? sagt die Exped. d. Blatts. 2456) Ein Mädchen, welches alle häuslichen Arbeiten versteht, sucht eine Stelle als Kinder- oder Hausmädchen. Näheres bei der Exped. d. Bltts.