Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig t ff. 27 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint täglich, mit Au-, nähme Montag«. Expedition: Canzleiberg Ltt. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben. Nr. 233. Donnerstag den 2. November 1871. Beste««,ge» auf den Gießener Anzeiger Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December zu 40 fr. ....... ........... im । 1. November. Um von vornherein dem Dorurtheile entgegen zu treten, welches sich bei früheren Volkszählungen gezeigt hat, daß nämlich die Bevölkerungsaufnahme auch zu Zwecken der Steuerveranlagung erfolge, soll, wo es erforderlich ist, durch die Regierungsbehörden öffentlich bemeikt werden, baß ein solcher Zweck gänzlich fern liegt. Es soll nur ermittelt werden, wie viel Einwohner das deutsche Reich zählt, wie viel die einzelnen Staaten, Provinzen, Regierungsbezirke, Städte und Dörfer enthalten, wie sich die Bevölkerung nach Geschlecht, Alter und Religionsbekenntniß vertheilt, wie viele Personen in den einzelnen Erwerbszweigen beschäftigt sind, in welchem Maße die Schulbildung verbreitet ist und wie viele zum Erwerbe größten- theils unfähige, namentlich taubstumme, blinde, blödsinnige und irrsinnige Personen vorhanden sind. Daraus soll ersichtlich gemacht werden, baß hier ganz andere Fragen als Steuerveranlagung zur Sprache kommen. Die Ermittelung für bie Bevölkerung ist wichtig für die Ausgleichung der Einnahmen und Herauszahlung bei der Zollvereinsabrechnung und Feststellung der Militärcontingente. Auf Grund des Artikels 50 der deutschen Reichsverfaffung hat der Kaiser jetzt neue Bestimmungen über die Uniformen der Postbeamten und Post-Unter, beamten, sowie über die Montirung der Postillone im Bereiche der Reichspostverwaltung genehmigt. Die Galla-(Staats-) Uniformen werden durch die neuen Bestimmungen nicht berührt, auch können die vorhandenen Uniformen aufgetragen werden. Die Festsetzung des Termins für das Anlegen der neuen Uniform bleibt Vorbehalten. Die Musser der neuen Uniformen werden in kürzester Frist zugänglich gemacht werden. 1 Auf die Nachricht hin, daß Graf Hohenwart sein Entlaffungsgesuch ringe- reicht habe, beglückwünscht die „Times" den Kaiser von Oesterreich, baß er dem Ralhe seiner besten Freunde gefolgt sei. Es sei erfreulich, daß Beust und Andraffy den Sieg davon getragen hätten. Wer auch immer die Männer sein mögen, denen der Kaiser die Bildung seines neuen österreichischen Ministeriums anvertraut, so viel stehe fest, irgend ein Plan müsse vorgelegt werden, welcher bie berechtigten Ansprüche der Czechen unter Bedingungen zuließe, wie fie sich mit der Verfassung und mit der Unversehrtheit der Monarchie vertragen. Die Krists dauert in Wien auch noch heute fort. Graf Hohenwart führt zwar nur noch provisorisch bie Geschäfte, aber ber Ausgleichsgedanke wird in den obersten Regionen noch festgehalten, und nur die Hohenwart'sche Methode der Operation ist aufgegeben. Eine ganze Schaar von föderalistischen Führern, Polen und Slovenen, stnb in Wien eingetroffen und suchen politische Zugeständnisse für ihre Partei zu gewinnen. Weder Graf Beust noch Andrassy sind daher in den Hafen der Ruhe cingekehrt, und Beide, von denen der Erstere das Zimmer hüten muß, conferiren sehr eifrig miteinander. Ueber die Zusammensetzung des künftigen Ministeriums cursiren nur Gerüchte; bezeichnend für die augenblickliche Stimmung und Situation ist es aber, daß unter den Mitgliedern des zu erwartenden Eabinets beständig hohe Militärs obenan stehen. Auch spricht man von einem katholisch- eentralistischen Ministerium. Die Frage über den Fortbestand de« Hohcnwart'schen Eabinets war am 27. vorigen Monats entschieden. Das am Abend des Samstag ausgegebene Bulletin des officiösen „Oesterreichischen Journals" lautet: Der Kaiser hat das Gesammt- entlaffungsgesuch des Ministeriums Hohenwart angenommen und bie Entlassung förmlich ertheilt. Am Freitag hat ber letzte Ministerrath unter Vorsitz Sr. Maj. des Kaisers stattgefunven. In den wärmsten Ausdrücken hat der Kaiser dem Ministerium insgesammt und den Ministern einzeln seine Anerkennung und seinen Dank ausgesprochen für ihre Thätigkeit bet ber unter seiner vollen Zustimmung geführten Action der letzten acht Monate; sein unerschüttertes Vertrauen begleite die Minister bei ihrem Austritt aus dem Amte. Nach dem „Pesther Lloyd" hat der Kaiser dem Grafen Hohenwart, als dieser mündlich fein Demisstonsgesuch au- kündigte, gesagt: „Ich anerkenne Ihren guten Willen und werde Ihrer nicht vergessen." In französischen Kreisen hegt man noch immer die Hoffnung, wenigstens Metz wiederzugewinnen, indem man Pondtchery an Deutschland abtrete! Man findet diese Fabel, mit vielen angeblichen Details über die Verhandlungen ausge- stattet, welche Pouyer-Quertier über diesen Gegenstand mit Bismarck eingeleitet, namentlich in legitimistischen Organen ber Provinzialpreffe ausgesponnen. Die vermuthung liegt nahe, als wollten gewisse Kreise auf biese Art versuchen, bie Machteifersucht und den seemännischen Argwohn Englands gegen Deutschland wachzurufen, indem man letzterem Absichten auf eine Eolontalpolitik unterschiebt, die ihm sicherlich ganz fern liegen. Da« Buch des Generals von Palikao: „Ein Kriegsministerium von 24 Tagen" enthält einen merkwürdigen Brief, den derselbe alsbald nach seinem Eintritt in's Ministerium von einem der Generäle des Mac Mahon'schen Eorps erhielt- Der Briefsteller constatirt zuerst den traurigen Zustand der Intendanz und des Derpflegungswcsens, sei es bei der Armee, sei es in Straßburg, gleich beim Beginn des Feldzuges. „Das erste, was uns die Commandanten der Mitrailleusenbattenen sagten, fahrt er fort, war, baß man bie Munitionen schonen müsse, weil man deren sehr wenig habe. In der That mußten in der Schlacht vom 6. August (ein Lapsus läßt den Verfasser immer vom 7. sprechen) die Mitrailleusen und andere Bat- tenen lange Zelt das Schlachtfeld verlassen, um neue Provisionen im Reservepark zu holen, der selbst nur sehr ärmlich ausgestattet war. Als man an diesem Tage Ordre gab, eine Brücke zu sprengen, fand sich im ganzen Armeecorps, weder beim Genie noch b:i der Artillerie, das mindeste Sprengpulver vor. Was aber das Schlimmste ist, daß unsere Artillerie in beklagenswerther Weise derjenigen der Preußen, sowohl was das Kaliber als die Zahl anbetrifft, nicht gewachsen ist. Unsere 4pfündigen Geschütze, hübsche Spielzeuge in einer Ausstellung, haben nirgends auch nur einen Augenblick vor den 12-Pfündern der Preußen Stand halten können; Tragfähigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit des Schusses, Alles ohne Der- gleich, ist bei unseren Feinden Überlegen. Während unsere Artillerie sich niemals halten konnte, verließ diejenige der Preußen nur ihn Stellungen, um vorzurücken; sie schien von der unseren nie getroffen zu werden und bewegte sich mit derselben Kaltblütigkeit und derselben Präciflon, wie auf dem Exercierplatz... Was uns am meisten in der Schlacht vom 6. fehlte, war Artillerie, während die der Preußen sich geradezu erdrückend zeigte. Diese Thatsache war so in die Augen fallend, daß der letzte und unintelligenteste Soldat sie sogar anerkannte. Die einzigen Waffengattungen, welche wirklich auf dem Niveau waren, sind diejenigen, die nicht gerade für gelehrt gelten. Als man die Cavallerie chargiren ließ, rückten zwei Kürassierbrigaden unverzagt mitten in die feindliche Infanterie hinein, die sie vernichtete. Was die Infanterie anbetrifft, so war ihre Haltung heroisch... Von ihrer Energie geben die erlittenen Verluste eine Idee: Der Durchschnitt der Verluste an Offizieren ist der von 40 auf 64, der an Soldaten von 1200 auf 2200 f es gibt Regimenter, welche weniger, es gibt deren, welche mehr verloren haben... Und nun, mein General, weshalb, wenn man 200,000 Mann in der Hand hat, die leicht zu concentriren sinv, weshalb muß jedes kleine Corps, eins nach dem anderen, sich von Massen des Feindes erdrücken lassen? Warum mußte man die Schlacht annehmen, wenn man weiß, daß man im Treffen einer gegen vier oder fünf stehen muß ? Warum, wenn man die Schlacht verloren sieht, konnte man nicht vom Rest der Energie der Trippen profitiren, um noch zu rechter Zeit die für einen anständigen Rückzug nothwendigen Befehle zu geben, um die Bagage, die Reserveartillerie, die Kriegskasse zu retten ? Warum dieser Masse von Menschen und Pferden eine einzige Rückzugslinie anweisen, auf der man sich weder zu bewegen, noch regelmäßig zu leben vermag, während jeder Commandaut, wenn man ihm von vornherein für den Rückzug einen Concentrationspunkt angegeben hätte, seine Division schneller und leichter dorthin führen konnte, wobei er seine Truppen nährte, ohne die Ortschaften auszusaugen. Ich berühre diese Fragen nur flüchtig, sie sind zarter Natur. Sie verstehen, mein General, warum ich nicht mehr darüber sagen kann." Diese harte Verurtheilung der Kriegsführung des Marschalls Mac Mahon dürfte schwerlich ohne Antwort bleiben. Der „Nouvelliste de Rouen" meldet nach einem Schreiben des Dr. Conneau, daß der Kaiser Napoleon aus Gesundheitsrücksichten den Winter auf Malta zuzubringen gedenke, wohin er in nächster Zeit abreisen werde. Wie der „Daily Telegraph" erfährt, steht es nunmehr fest, daß, falls nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, das Conclave der Cardinäle, dem die Eröffnung des Testamentes von Pius IX. obliegt, nach einer französischen Stadt und nicht nach Rom einberufen werden wird. Zu der schon gemeldeten Nachricht von einem blutigen Ausstand, der am 2. v. M. in der Hauptstadt Mexico'« stattfand, ist einiges Nähere der „Newyork Tribüne" vom 14. Octbr. zu entnehmen: Am 1. October überrumpelte ein Corps Gensd'armen und ein Theil des 13. Cavallerieregiments, im Ganzen 400 Mann, die Citadelle und befestigten sich in derselben mit dem Beistände von 800 Sträflingen, die sie aus Dem Belengefängniffe befreit hatten. Die Führer der Revolte waren die Generale Negrete, Toledo, Riveras und Echavarria. Der loyal gebliebene Theil der städtischen Garnison griff unter Dem Commando der Generale Rocha, Alatorne und A. Garzia die Insurgenten an, und um Mitternacht nahmen die Nationaltruppen unter General Rocha die Citadelle mit Sturm. Die vier Führer der Revolte entkamen. Dem Fall der Citadelle folgte ein allgemeine« Gemetzel. Sämmtliche Offiziere und Sergeanten der Insurgenten, sowie die Rädelsführer der befreiten Sträflinge wurden gelobtet. Bis 10 Uhr Morgens am genannten Tage waren 250 Insurgenten erschossen. Gouverneur Castro wurde von Rlveras, den er verfolgt hatte, gelobtet. Darmstadt. Am 25. v. M. hatten sich in Dem hiesigen RathhauSsaalc auf vorherige Einlabung je Drei Delikte Der Gemeindevorstände der Städte Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach, Worms, Bingen, Friedberg und Alsfeld ver- sammelt, um über eine von Worms ausgegangene Vorlage, betreffend den Erlaß einer Stävteordnung für das Großherzogthum Hessen zu berathen und zu beschließen. Den Vorsitz führte Herr Bürgermeister Brück von Worms. Ja mehrstündiger eingehender Debatte verständigte man sich über die Nothwendigkeit des baldigen Erlasse- einer Stävteordnung für Hessen, stellte die Grundzüge einer solchen für die hessischen Verhältnisse, unter Beachtung der Stävteordnung für die preußischen Rheinlande unv Baden, fest und überwies die Ausführung wie die Mottvirung dieser grundlegenden Sätze einer dafür sofort gewählten besonderen Commission. Dieselbe besteht aus den Herren Buchhändler Diehl und Aovocat Ohly von hier, Bürgermeister Racke und Aovocat Dr. Jung aus Mainz, Buchhändler Ricker aus Gießen, Dr. Schroder aus Worms und Aovocat Dr. Weber aus Offenbach. Der Commission ist die Beschleunigung ihrer Arbeit, sowie die Berufung eines „Städte- tags" ausgetragen, zu welchem sämmtliche hessi,che Städte, die mindestens eine Bevölkerung von 4000 Seelen haben, eingeladen werden sollen, Delegtrte aus dem Kreise ihrer Gemeindevorstände zu entsenden. Darmstadt. Wie dem „Fr. I." berichtet wird, schwebte bei dem Theaterbrande unsere Neustadt in einer großen Gefahr, von welcher nur die Wenigsten die leiseste Ahnung hatten. Etwa 200 Schritte westlich von der Brandstätte befindet sich nämlich rin sehr bedeutendes Petroleumlager einer bekannten Firma, deren Fahrlässigkeit so weit ging, daß eine Menge Pttroleumsässer im Hofe lagerten. Der Wind trieb nun unaufhörlich glühende Kohlen westwärts über die Stadt und eine Menge derselben fielen auch in dem bewußten Hofe auf die dort gelagerten Fässer nieder, so daß u wirklich Wunder zu nehmen ist, daß wir vor dem fürchterlichen Unglück eines großartigen Petroleumbrandes bewahrt blieben. Es hat sich leider bestätigt, daß von ven aus dem Theater geretteten Gegenständen gewissenlose Menschen sich Vieles angeeignet haben. Darmstadt. Ein Ausruf einer Anzahl angesehener hiesigen Einwohner fordert die Kuastfreuuve auf, ven Betrag ihres Abonnements oder ihrer Theateraus- gäbe, bis wieder gespielt werden kann, fortzuzahlen, er fordert die Burger, welche Geld am Theater verdienen, zu Beiträgen auf, um dann vor die Theatervirection treten und sagen zu können: „Seht, toir zahlen fort — bezahlt Ihr auch weiter! — Vom Gemeinverath der Residenz wurden 12,000 fl. als Beitrag zur Erbauung eines Jnterimstheaters bewilligt. — Von den Bühnen München'-, Frankfurt'- unv Weimar's sind bereits Gastspielanträge an hervorragende Mitglieder des Hoftheaters eingelaufen. Darmstadt, 30. October. Major v. Hesse vom 3. Infanterie-Regiment ist in den Ruhkstanv versetzt worden. Diese Penfionirung erregt hier insofern Aufsehen, als man mit ihr gewisse Vorgänge, welche in dem Gefecht von Montli- vault stattgehabt haben sollen, in Verbindung bringen zu muffen glaubt. ($. I.) t Berlin, 30. October. Deutscher Reichstag. 11. Sitzung. Präsident Dr. Simson eröffnet die Sitzung um 121/* Uhr. Am Tische des Bundesraths: Fürst Bismarck, v. Roon, Delbrück, v. Pfrttschner, v. Mittnacht, Admiral Jachmann, General-Posi-Director Stephan, Dr. Kirchenpaur rc. Auf der Tagesordnung sieht die erste Berathung des Gesetz-EntwurfeS, betr. den HauShalts-Etat des Deutschen Reiches für das Jahr 1872. Die Berathung wird eingeleitet durch den Präsiventen des Reichskanzler- amtes Minister Delbrück: Der vorliegende Gesetz-Entwurf unterscheidet sich von dem Staatshaushalt des Rorvveutschen Bundes, welcher bisher zur Berathung des Reichstages stand, in sehr wesentlichen Beziehungen. Er enthält zuerst den Ausdruck der neuen verfassungsmäßigen Gestaltung Deutschlands und der Der- einigung von Elsaß und Lothringen mit dem Deutschen Reiche, soweit diese Ge- staltung einen finanziellen Ausdruck erhält. Er hat ferner die Ausgabe, den Haushalt des Reiches unv den Haushalt der einzelnen Bundesstaaten unabhängiger zu gestalten, als es bisher der Fall war. In Folge der ersten von mir erwähnten Verschiedenheit wird es überaus schwer, unv beinahe unmöglich, die einzelnen Der- schiebenheiten von dem früheren Etat hervorzuheben. Der Unterschied dieses Etats ist so bedeutend, daß e< überflüssig ist, auf diese Verschiedenheiten weiter einzu- gehen, als solches in der dem Etat beigefügten Denkschrift geschehen ist. Ich glaube indessen, daß es von Interesse sein wird, wenn ich nach einer andern Seite hin eine Vergleichung der Eeats anstelle. Der vorliegende Etat schließt mit einer Ausgabe von 110,522,816 Thlr. ab. Von dieser Ausgabe sollen gedeckt werden, theils aus der von Frankreich gezahlten KriegSentschävigung, theils durch die vom Hause bewilligte Anleihe ein Gesammtbetrag von 8,432,000 Thlr. Es bleiben also aus regelmäßigen Quellen zu decken 102,030,816 Thlr. Von dieser Summe wird ein Theil durch die eigenen Einnahmen des Bundes gedeckt; es sind dies in erster Linie die Zölle unv Verbrauchssteuern. Der vorliegenve Etat weist an Zöllen und Verbrauchssteuern eine Einnahme von 62,536,100 Thlr. nach. Hierzu würde treten der Antheil der von den Südstaaten als Aequivalent für die Bier- und Branntweinsteuer zu entrichten ist, unv es würde als gemeinschaftliche Einnahme eine Summe von 65,750,980 Thlr. sich ergeben. Dieser Einnahme treten ferner hinzu verschiedene Einnahmen der elsaß'- unv lothringen'ichen Eisenbahnen mit 2,954,550 Thlr., so daß sich eine Gesammtsumme von 70,410,273 Thlr. ergiebt. Hiernach bleiben noch aufzubringen 31,637,475 Thlr. In Beziehung auf diese Summe muß nun entschieden werden zwischen denjenigen Bundesstaaten, welche in Gemeinschaft der Post- und Telegraphen-Verwaltung stehen und zwischen denjenigen, bei' welchen dies nicht der Fall ist. Indem ich diese allgemeinen Zahlen gebe,' muß ich ausdrücklich hervorheben, daß ich hierbei alle die kleinen Rüancen habe außer Betracht lassen müssen, da eine solche Darstellung zu weit führen würbe. Es kam wir heut nur darauf an, dem Hause durch Zahlen, welche Sie controltren können, ein ungefähre- Bild davon zu geben, wie sich jene Post der Ausgabe des Bundes berechnen wird, welche nicht durch die eigene Einnahme des Bundes ge- deckt wird. — Redner geht nun auf den weitern Inhalt der Vorlage über und verweist darauf, daß der Umstand, daß der Norddeutsche Bund bei seiner Gründung fein Vermögen besessen, zu manchen Unzuträglichkeiten geführt und es cr- forderlich gemacht hätte, an seine einzelnen Mitglieder Aniorderungen zu stellen, welche von Vielen schwer empfunden seien. In dieser Beziehung sei nun eine önbere Lage geschaffen, so daß es möglich sein werde, die Lasten nach Möglichkeit zu erleichtern; Revner bittet zum Schluß um Annahme der Vorlage. i Ö empfiehlt den Etat zur Annahme, indem er ausführt, in Anbetracht der ganzen politischen Lage Europa'- die Bewilligung des pro- vlsoriscken Etats für die Militär-Verwaltung erforderlich sei. Greil findet den Etat zwar durchsichtig, aber sowohl die für Militärzwecke, ttie die für den Betriebsfond zu verausgabenden Gelder viel zu hoch; der Ab-I solutismus werde dadurch genährt unv ein gesundes Staatsleben untergraben.! Er will die Militärlasten des Volkes abgemindert sehen und hofft, daß der Etat einer ernstlichen Prüfung in der Commission unterzogen werde. Lasker wendet sich gegen die Neuerungen des Vorredners, die Regierung kräftigen, heiße nicht, den Absolutismus stärken, aber wer die Regierung schwächen wolle, der spiele mit dem StaatSwohl. Wenn Bayern Millionen B.ckriebsfond habe, so sei die Summe von 10 Millionen für das Reich nicht zu viel; in demselben Maße, wie der Rcichsbetriebsfond wächst, werde er sich hoffentlich in den Einzelstaaten vermindern. Bezüglich des Etats tadelt der Redner, daß die Zinsen der Kriegsschuld nicht in Einnahmen nachgewiesen und die Jnvalivenpensionen gar nicht ausgenommen sind. Weiter tritt er dem Vorurtheil entgegen, daß eine starke Militärmacht die Freiheit untergrabe; die waffenfähige Macht sei durchaus nicht das Gegentheil der Freiheit; nur müsse der Reichstag streng controliren, daß nicht die Entwickelung der Militärmacht als einseitiger Staatszweck verfolgt werde. Für das Pauschquantum von 89,996,000 Thlr. wird Revner stimmen, weil die Ver- hältn'.ssr die rechtzeitige Vorlegung eines neuen Etats verhmverttn, ebenso ist er mit der Erhöhung des Pauschquantums von 225 auf 240 Thlr. wegen besserer Verpflegung einverstanden, aber er glaubt trotzdem, daß große Ersparnisse gemacht werven könnten. Vor Allem verlangt er, daß die Contingentziffcr bestimmt fest- gesetzt werde, und daß die Regierung schon jetzt über die Hohe derselben Auskunft gebe. An der Debatte betheiligten sich noch weiter bis zu der Stunde, wo wir zur Presse gehen müssen, der Kciegsminisier v. Roon, welcher auf die Monita Lasker's einging, unv die Abgeorvneten Bebel, mit Ausfällen gegen Vas bisherige Verhalten der liberalen Partei im Reichstage, das zur Lösung der socialen Frage nicht beitrage, unv Dr. v. Mohl mit einer Zurückweisung der Vorwürfe Bebel'S. Den Schlußbericht müssen wir uns bis zur nächsten Nummer aufheben. t Berlin, 30. October. Heute Mittag fand auf dem Schießplätze des Garde-Schützen-Bataillons im Beisein des Kaisers, des Kronprinzen, der Prinzen Carl, Friedrich Carl, Albrecht Sohn und August von Württemberg die feierliche Enthüllung des Denkmals zum Andenken an die während des letzten Krieges ge- fallenen Kameraden des Bataillons statt. Die Feier bestand in einem kurzen Gottesdienst, in welchem der Divisionsprediger Jordan an den Jahrestag der Er- stürmung von Le Bourget erinnerte und in einer Besichtigung des Bataillons durch den Kaiser, der mit mehren der decorirten Mannschaften längere Zeit sich unterhielt; besonders ausgezeichnet durch kaiserliche Hulv wurde der Premier- Lieutcnant v. Appel, der am 30. October 1870 mit seiner Compagnie den übermächtig starken Feind aus Le Bourget hinauswarf und dafür das eiserne Kreuz 1. Classe erhielt. Auch mit mehren der anwesenden Cioilisien, namentlich mit der Deputation des Vereins ehemaliger Gardeschützen unterhielt sich der Kaiser längere Zeit und belobte ihren während des Krieges bewiesenen Patriotismus. Die Ver- abschiedung geschah durch eine Ansprache des Kaisers an das Bataillon, in welcher er für die an ven Tag gelegte Bravour dankte und betonte, daß gerate dieser Truppentheil seine Erwartungen vollkommen erfüllt, ja übertroffen habe; der jetzige Frieden muffe benutzt werden zur Stärkung ter Wehrkraft, damit, wenn dereinst der deutschen Nation wiederum ein Krieg aufgezwungen würde, was Gott verhüten möge, dieselbe Kraft und derselbe Opfersinn walte. Heller Jubel begleitete die Rückfahrt des Monarchen. — Das Denkmal selbst, aus freiwillrgen Beiträgen von Angehörigen und Freunden des Bataillons erbaut, ist ein fast quadratischer, etwa 5' hoher Bau von Cementarbeit, der an seinen 4 Seiten Votivtafeln trägt und von einem schlafenden Löwen bedeckt ist; die vordere Seite zeigt das eiserne Kreuz und das Königswort: „Gott war mit uns, Ihm sei die Ehre", die Hintere Seite die Wivmung des Bataillons an die gefallenen Kameraden, rechts und links sind vie Namen des ehemaligen BatailloncommandeurS Falkenstein v. Fabeck eines Hauptmannes, sieben Lieutenants, eines Bataillonarztes, zwei Portepeefähnrichs, eines Sergeanten, 15 Unteroffizieren, 20 Gefreiten und 146 Schützen, welche sämmt- lich den Heldentod für'6 Vaterland starben, verzeichnet. Ein ganz gleiches Denkmal steht auf den Höhen von St. Privat. Versailles, 30. October. Die Ratification der Zollconvention ist aus Berlin eingetroffen. Der Austausch erfolgt morgen. Prag, 30. October. Rieger ist hier eingetroffen. Am Bahnhof von Abgeordneten empfangen, hielt derselbe über das Scheitern des Ausgleichs eine Rede. Die böhmischen Studenten spannten die Pferde von Rieger's Wagen aus und zogen den Wagen bis zur Wohnung. Rieger hielt nochmals eine Rede, worauf die Menge singend und Slavas rufend zur Wohnung Clam - Martinitz' zog. In der Ferdinandgaffe wurde dieselbe jedoch auseinandergesprengt. Etwa 10 Verhaftungen wurden vorgenommen. Newyork, 26. October. Namens der Bürger von Newyork hat O'Connor eine Cioilllage gegen Tweed angestrengt. Newyork, 27. October. Die Verhaftung Tweed'S hat ftattgefunden, doch wurde derselbe gegen Bürgschaft von 1,000,000 L. wieder auf freien Fuß gesetzt. Bisher haben die Untersuchungen bereits Veruntreuungen von 19,500,000 L. zum Nachtheil Der städtischen Caffe ergeben. — Der Präsident hat Hrn. William M. Ewarts und Hrn. Benjamin Curtis zu Anwälten beim Genfer Schiedsgericht ernannt. Da Hr. Caleb Cushing schon früher zu dem nämlichen Posten bestellt worden war, wird die amerikanische Seite durch drei Rechtsanwälte vertreten sein. Vermischtes. In der Ortschaft TaraSct des Kiewer Gouvernements haben die Dauern eine gräßliche Unthat begangen. In der Gegend trieb sich ein Pferdedieb herum, der den Bauern vielen Schaden Ulfügte. Als diese den Dieb nach langem vergeblichen Aufpassen endlich dach erwischten, da risse» sie ihm die Kopf- und Barthaare einzelmeise aus und stachen ihn mit Strohhalmen in die Augen. Dann schlugen sie so lange auf die nackten Sohlen des Delinquenten, bis diese übermäßig an- schwollen; hierauf rissen sie ihm die Augen aus und zertraten dieselben. Zum Schluffe flöchte» sie ihm Arme und Beine auf ein Wagenrad, daß sie ganz zerschmettert wurden, und führten die Leiche in hockender Stellung auf ein Pferd gebunden in die Stadt zu Gericht. Die Thäter wurden sofort in Hast genommen. Literarisches. 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Nicht auf eine einzige Ursache ist dieses weltgeschichtliche Ereigniß zurückzuführeu, aber darin stimmen die denkendell Betrachter aller Nationen überein, daß die beispiellosen Thaten des deutschen Heeres auf der in demselben vertretenen geistigen Einsicht und Bildung beruhen, aus denen zu gleicher Zeit eine reiche Quelle hoher sittlicher Kraft entsprang. Die großen Errungenschaften dieser Tage würden wir schon jetzt an ihrer Wurzel untergraben, wenn wir uns durch sie zu eitler Selbstbespiegelung verleiten ließen. Der wiedergewonnene Friede muß uns zur ernstesten Selbstprüfung und zu erneuter Aufnahme der Cr^turarbeiten bereit finden, die der Krieg gewaltsam und wider unfern Willen unterbrochen hat. Hier steht in erster Linie die Arbeit an der allgemeinen Volksbildung. Gestehen wir uns osten: mag bei uns auch die Zahl der Gebildeten vergleichsweise eine große sein, an sich genommen ist sie hut gering. Große Massen unserer Bevölkerung sind noch unwissend und geistig träge; unfähig, selbstständig zu urtheilen und zu handeln, folgen sie der Strömung, wo sie zum Guten führt, aber auch dort, wo sie vom Nebel ist. Der Erfolg, den wenige gewissenlose Männer mit ihren socialistischen Bestrebungen hatten, gibt uns einen deutlichen Beleg hierfür; wohin diese führen, zeigt heutzutage Frankreich. Die Schulzeit ist für den gewöhnlichen Mann zu kurz und häufig genug noch vielfach unterbrochen, um ihm mehr als die Grundlage und elementaren Mittel der Bildung zu bieten. Wenn darauf nicht weitergebaut wird, verkommen diese bald und werden vom Unkraut überwuchert. Es kommt nicht allein darauf an, ob das Volk lesen und schreiben kann, sondern vielmehr, ob es überhaupt liest und was es liest. Daher gibt der bloße Prozentsatz Derjenigen, die in ihrer Jugend lesen und schreiben gelernt haben, keinen ausreichenden Maßstab für die Volksbildung. — An alle Freunde deutscher Bildung und Gesittung, besonders aber an die bereits bestehenden Volksbildungsvereine richten wir daher die Aufforderung, sich mit uns zu vereinigen zur Gründung einer „Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung", welche sich folgende Ziele stellt: 1) an allen Orten, welche noch keine Fortbildungsschulen haben, solche zu begründen, und zwar zunächst in den städtischen Gemeinden, später, soweit sich dies als ausführbar erweist, auch in den ländlichen Bezirken. 2) Einen Verband herzustellen zwischen allen Vereinen, welche sich die Hebung der Volksbildung zur Aufgabe gestellt haben, behufs gegenseitiger Anregung, behufs Austausch der Ansichten und gesammelten Erfahrungen und behufs gegenseitiger Unterstützung. 3) Gründung eines Blattes, welches ausschließlich den Interessen des freiwilligen Bildungswesens gewidmet ist rc. 4) Gewinnung befähigter Lehrer zur Abhaltung volkstümlicher Vorträge über wichtige Angelegenheiten des öffentlichen Lebens und Gegenstände von allgemeinem Interesse. Mehr als je drängen jetzt die Umstände zu einem derartigen Unternehmen. Die nächste Folge des Krieges wird eine gewaltige wirthschaftliche Anspannung sein, um das Verlorne wieder einzubringen, um unsere Stellung auf dem Weltmärkte zu behaupten, wo möglich zu erweitern; aber diese Periode wird zugleich ein Zeitraum der politischen Erschlaffung und der Lähmung des Sinnes für geistigen Fortschritt sein. Schon die Wahlen zum preußischen Landtag im November 1870, mehr noch die diesjährigen Neichstagswahlen haben dies bewiesen; nach Verkündigung der .Unsehlbarkeitslehre" trat die ultramontane Partei zahlreicher als je' in' geschlossener Phalanx in den preußischen Landtag und in den deutschen Reichstag. Kein würdigeres Denkmal können wir dem jungen Frieden widmen, keins, das ihm längere Dauer verbürgt, das uns mehr vor dem Neide der Fremden und vor eigener Ueberhebung schützt, als indem wir nach großen kriegerischen Siegen mit Ernst und aus freiem Antriebe zur Ausfüllung der Lücken unserer Volksbildung schreiten, stets eingedenk, daß die großen socialen , politischen und freiheitlichen Fragen der Gegenwart allein durch die Theil- nahme der Bildungsmittel über sein jetziges Niveau emporgehoben werden muß, im Sinne menschheitlicher Gesittung gelöst werden könne.-- zur Erhaltung und Verbreitung von Volksbildung sein von dem Augenblick an, wo der Besuch derselben in gleicher Weise wie der Besuch der Elementarschule der Jugend zur Pflicht gemacht wird. Dem Schulzwange allein haben wir zu verdanken, daß die Bildung unseres Volkes jetzt schon die anderen Nationen weit überragt, und derselbe Schulzwang ist nöthig, wenn die Fortbildungsschule den höher gestellten Anforderungen unserer Zeit genügen soll. So lange aber dieser Schulzwang nicht durch staatliche Einrichtungen geschaffen ist, muß er ersetzt werden durch eine gründliche Unterstützung seitens Derer, die, wie Väter, Vormünder, Lehr- und Dienstherrn, auf die Erziehung und Bildung der Jugend zu wirken berechtigt und berufen find, sowie auch dadurch, daß allgemein die Aufnahme junger Leute in's Handwerk, in's Comptoir, in den Laden, in's Büreau, von Zeugnissen über den Besuch der Fortbildungsschule abhängig gemacht wird. Ein mit der sicheren Aussicht auf eine solche Unterstützung von Außen begonnenes Werk kann allein die Bürgschaft des Gedeihens und einer segensreichen Wirksamkeit in sich tragen. Das Bedürfniß einer solchen Fortbildungsschule gerade auch für unsere neu aufblühende Stadt Gießen schon längst sühleud und in der Hoffnung aus eine ausreichende Unterstützung seitens der Einwohnerschaft, hat sich eine Anzahl hiesiger Lehrer entschlossen, einen Versuch zur Gründung einer Fortbildungsschule zu machen, nachdem wohllöblicher Stadtvorstand ihnen in bereitwilligster Weise für Local, Heizung und Beleuchtung zu sorgen versprochen hat. Der Unterricht soll jungen Leuten von 14—18 Jahren und zwar unentgeltlich ertheilt werden. Vorläufig sind an vier Abenden in der Woche die Stunden von 8—10 Uhr für den Unterricht in Aussicht genommen. Die zu behandelnden Unterrichtsgegenstände sind vorerst Rechnen und Geometrie, Geschäftsaussätze, Geschichte, Geographie, Lesen und Literatur, Schreiben. Nach Umständen aber kann der Lehrplan noch erweitert werden, und ist unter anderm in Aussicht genommen, daß, wenn bei einzelnen Schülern das Bedürfniß sich ergeben sollte, auch Unterricht in Französisch und Englisch ertheilt werden kann. Wenn dem Unternehmen auch die Absicht zu Grunde liegt, daß eine Fortbildungsschule für alle aus der Elementarschule entlassenen jungen Leute geschaffen werden soll, die nicht Schüler einer höheren Lehranstalt sind, so sollen doch nur solche ausgenommen werden, bei denen eine Garantie vorhanden ist, daß sie den Unterricht regelmäßig und bis zu einem gewissen Abschlüsse besuchen werden, und darum ist es nothwendig, daß die Anmeldung von Schülern durch die Eltern oder deren Stellvertreter (Vormünder, Lehr- und Dienstherrn rc.) mündlich oder ffchristlich geschieht. Dieselben verpflichten sich dadurch, die ihnen untergebenen jungen Leute zum regelmäßigen Besuch des Unterrichts nach Kräften anzuhalten und so die Anstalt in ihren Bestrebungen zu unterstützen. Von Zeit zu Zeit sollen Mittheilungen über den Stand und Fortgang der Schule veröffentlicht und den Schülern Zeugnisse über den Besuch des Unterrichts und ihre Leistungen ausgestellt werden. Die Anstalt wird es sich zur Aufgabe machen, soweit ihr Einfluß reicht, tüchtigen Schülern durch Empfehlungen rc. bezüglich ihres Fortkommens Vorschub zu leisten. Die betheiligten Lehrer wollen der neuen Anstalt gern Zeit und Kräfte widmen und wünschen nur, mit einem recht großen Schülerkreise tüchtige Erfolge erzielen zu können; sie glauben sich aber darum auch der Unterstützung aller Derer versichert halten zu dürfen, die für die Sache Interesse haben und durch Stellung und Verhältnisse irgendwie in der Lage sind, die Anstalt heben und fördern zu Helsen. Indem die betreffenden Lehrer hiermit ihr Unternehmen allen hiesigen Bewohnern dringend ans Herz legen, bitten sie um baldige Anmeldungen, die täglich von 12 — 2 Uhr in der Wohnung des mitunterzeichueten Lehrers Müller (Ferber'sche Buchhandlung geschehen können. Gießen, am 25. October 1871. Der Ausschuß: Albach, Reallehrer. Freiensehner, Mitpr.-Vikar. Müller, Lehrer. 4664) Sonntag den 5. November, von Abends 7 Uhr an, zum Besten der Brandbeschädigten in Chicago: Concert in dem Burg-Saale zu Staufenberg von dem Gesang- Verein daselbst, wozu ergebenst einladet H. Fink. Z Harrr Arbeiten genommen. find das dringendste Bedürfniß unserer Zeit, und sie werden das beste Mittel' So weit der Aufruf. Es handelt sich hier um eine der wichtigsten Fragen unsrer Zeit, um eine Frage, die das höchste Interesse eines Jeden verdient, der fühlt und erkennt, daß die Bildung unseres Volkes entsprechend sein muß der Weltstellmig, die es errungen, eines Jeden, der weiß, daß Bildung in neuer Zeit ein nothwen- diges Bedürfniß ist zum materiellen Fortkomnien und eine schöne Zierde sowohl des Einzelnen wie auch eines ganzen Volkes. Leider aber müssen wir mit dem Aufrufe darin übereinstimmen, daß es mit der Bildung der großen Masse unseres Volkes noch lange nicht so bestellt ist, wie es sein sollte, und zwar vorzugsweise darum, weil in den meisten Fällen der Unterricht da vollständig aushört, wo er erst anfangen kann, nachhaltig für das Leben zu wirken, mit der Confirmation, und weil dann, wie die Erfahrung vielfach zeigt^nach wenig Jahren schon die Früchte eines achtjährigen Schulunterrichts zum großen Theil wieder verschwunden sind. Eiue Grundlage zur Bildung des Menschen zu legen ist, wie auch der Aufruf hervorbebt, die Aufgabe der Schule; die Erhaltung und Erweiterung ihrer Erfolge bedarf eines noch jahrelang fortgesetzten Unterrichts, und darum ist auch in jenem Aufrufe zunächst und vor Allem die Einrichtung von Fortbildungsschulen in Aussicht werden schnell und gnt besorgt gicdjteufraiitc und Brustleiüende Fortbildungsschulen in dircctem Anschluß an d'.e Elementarschule ber " ~ * *** - - — - -- • - - - Georg Petri Neuenweg. 4590) Bei uns können noch einige Mädchen und Jungen dauernde Beschäftigung erhalten Gailische Wollenspinnerei. heilt Dr« Iochheim in Darmstadt, Lud^ ! wigsplatz. (2478) Im großen Saale des Caf^ Leib. 46.50) Freitag den 3. November: 1. Abonnements-Coucert (ä Irr Strauss), ausgeführt vom ganzen Musik-Corps des Großh. Hess. II. Znf.-Reg. unter persönlicher Leitung seines Dirigenten, Herrn D. Reifert. Anfang 7 Uhr Abends. 4662) Einen guten Schuhmacher sucht Th. Schneider. 4660) Ein kräftiger Junge wünscht hei IlntPFFIpIlf Q - ÄnTPlfFP Metzgerei zu erlernen. Näheres bei der> Ulltll IIvIIId ©Xpeb. d. Bltts. । 4658) Gymnasiasten und 'Realschülern —--------------------------------------—----। wird französischer und englischer Unterricht * ' ertheilt. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Redacnon, Druck und Verlag ber Brühl'scben Univ. - Druckerei (Fr. Ehr- Pietsch) in Gießen- mit Post bezogen i V- Nr. 2i OMk! Äetreffe Mi an den ein- in dein Rec in dm Ral Es i wendeten gift Men »norde der Gegenstände. Kaufleute, Tc Gegenstände, MW sü Nr m Farbe: Gies , t Diel >um gemeinen A JH« Aer m Vereen. ffi k auf die ( Eelb bietet ? ""'««glich * «im **1, ” "•iiWin W, » 'S * <,»• »ui „ ’irli Wie d- »S ft« ° Äiihl.. "Äut- W?,r iS** des tz i« 10 D »i