Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben MitMoch dm 2. August 1S71 WM LS57-5KS Bataillons-Ersatz-Bezirke allen andern militärischen Schritten vorhergehen und sich hrv Htiirn K i hi f oi m i fi f t f ii n .■» ittih bfn hrrptid itaHafhaKtcrt Die Zahl der sür Elsaß und Lothringen bestimmten Regimenter wurde früher auf 6 Jnfanter-e- und 4 Eavallerie-Regimenter t Tort L*Dl' -- j innnung« *0* ; norddeutschen Armee im Jahre 1867 noch rückständigen 4 Eavallerie-Regimenter, >on allo PretS rirckeljihrig 1 fl- 12 fr- mit Bringerlohn. Durch bit Post bezogen vierteljährig t fl. 27 fr. lose, welche die Leiter von sich stießen, auf der sie emporgcstlcgcn waren. unter dem jetzigen Könige ist freilich tu Auewahl nicht glücklicher gewesen, und selbst der kürzlich verstorbene Bischof von Speyer, aus den wohlwollende Deur- therler eine gewisse Hoffnung setzten, hat sich vollständig den Anforderungen des ultrawcntanen Jesuitismus und der Curie gebeugt. Die richt'ge Moral aus diesen Erfahrungen scheint uns zu sein, daß der Staat, der zuverlässig friedliebende Obcrhirten nicht zu erlangen vermag, sich in die Lage setzt, von den Feindseligen so wenig als möglich fürchten zu müssen. Einer solchen Politik wird zur Stunde die allergrößte Mehrheit der Gebildeten in Stadt und Land zur Seile stehen, dazu ist jetzt durch den Rücktritt des Grasen Bray die Gelegenheit gegeben. Die Möglichkeit, daß f'ste Schritte gethan werden, scheint uns auch nicht dadurch ausgeschlossen, daß der bayer. Cultusminister sich in diesem Augenblick außer Stand erklärt, auf die Eingaben der Allkotholiken eine Antwort zu geben. Im Momente des eingetretenen Ministerwcchsels war cs kaum möglich, in einer fo wichtigen Frage entscheidend zu reden; nur möge man jetzt nicht säumen, zu reden, und waS die Ansicht jetzt gegenüber Rußland und Preußen zur Anwendung zu bringen ist. Wir fürchten sehr, daß die Polen die Attractionekrast der polnischen Institutionen in Galizien auf die übrigen ehemals volnischen Gebiete weit überschätzen, denn was Rußland onlangt, so hat dieses hinreichend dafür gesorgt, daß die Bäume nicht bis in den Himmel wachsen. In Volhynien und Podolien sind die Polen längst in großer Minorität, sie bilden kaum rin Fünftheil der Bevölkerung, und schon beim letzten Aufstande im Jahre 1863 regte sich dort keine Hand für die Verwirklichung der polnischen Traume; außerdem werden aber die sortificatorischen iWrrle, welche Rußland gegenwärtig an ter österreichischen Grenze anlegt, bald eine solche Stärke erlangen, daß die galizischen Milizen schon beim ersten Versuche davon abfleh.n werten, dieselben zu durchbrechen. Preußen aber wird dieser von Oesterreich aus begünstigten polnischen Agitation mit größter Ruhe zuschaucn können; sollte dieselbe einen wirklich ernsten Choracter annehmen, so würde ihr sicherlich nicht in der Provinz Posen, sondern auf einem Gebiete begegnet werden, wo Deutschland bei seinen Stammesgencssen mächtigere Berührungspunkte findet, als die Polen Oesterreichs bei den polnisch redenden Unterthancn des deutschen Reiches. Durch Erlaß des GcneralgouverncurS im Elsaß vom 19. Juni d. I. werden sö'mmtlr'che deutsche, in ihren HeimathSstaaten zum Betriebe von VersichcrungS» gcschä'sten berechtigte Gesellschaften ermächtigt, ihren Geschäftsbetrieb auf Elsaß« Lothringen auSzudebnen, sobald sie hinsichtlich desselben durch eine notarielle, Srjchetnt täglt«», nm «uS nähme More^gS. Sg-edition: CanzUzbera 2it B. Nr. 1. Hauptsache ist, zu handeln. DaS VcrcinSgesetz des deutschen Reiches, über welches sich der Bundeörath geeinigt hat, ist im Wesentlichen dasselbe, welches in Preußen sich in Geltung befindet. Versammlungen, denln demonstrative Zwecke zu Grunde liegen, Massen- aufzüge und dergleichen werden nach Emanation des neuen Bundesgesetzes, sür den Fall, daß es in ter Form der Vorlage die Zustimmung des Reichstags findet, in allen deutschen Gauen von den Polizeibehörden verhindert werden. Den Ar- bettrrvercinen und insbesondere ter „Internationale" scheint bei den Berathungcn des Gesetz ntwurss eine sehr eingehende Aufmerksamkeit gewidmet worden zu fein, und wie wir hören, wird neben der Militäreinheit auch die Polizcieinheit eine viel stroffcre Ccntralisation als bisher erhalten. 1* Die polnische Restaurationspolitik der österreichischen Regierung sangt bereits an, ihre Früchte zu tragen. Die Führer der polnischen Parteien in den lungen angesehen werden konnten. f Es darf als gcwiß angenommen werden, daß die für Elsaß und Lothringen so wichtige Frage der Verlängerung tcS sechsmonatlichen, am 30. August ablau- fenden Termins für die zollfreie Einfuhr einheimischer Fabrikate in Frankreich dem- nächst zur Entscheidung kommen wird. ES ist wahrscheinlich, daß die Ver.änge- rung der Begünstigung nur sür diejenigen Waaren zugestanden wird, welche vor dem 1. März auf LieserungStermine, welche über den 1. September hinausreichcn, bestellt worden sind. Beispielsweise belaufen sich die Bestellungen an Eisenbahn- material, die zu dieser Kategorie gehören, auf einen Werth von über 5 Millionen Francs. Eine Anzahl von in Moskau ansässigen Deutschen hat ein prächtiges Dreigespann von Silberschimmeln für den Preis von 4000 Silberrubeln angckaust, um cd dem Fürsten Bismarck zum Geschenk zu machen. Das Dreigespann stammt aus dem Marstall des bekannten Moskauer Fabrikanken Surikoff, desselben, der vor zwei Jahren ein ähnliches Dreigespann dem Kaiser Napoleon geschenkt hat, was damals in Rußland so große Sensation erregte. Wie man hort, wird General v. Manteuffel, ter sich gegenwärtig auf Urlaub befindet, die Stelle, welche er vor dem Kriege inne hatte, also die eines comman- crwahlt haben. Als feststehend darf betrachtet werden, daß die für Elsaß und Lothringen zu errichtenden neuen Regimenter und Truppentheile zunächst keinesfalls zu einem besonderen Armeekorps vereinigt, sondern einzeln den verschiedenen deutschen EorpS zugetheilt werden sollen. Wohl würden diese Regimenter hingegen gleicherweise wie alle anderen deutschen Truppentheile neben ihrer Nummer ihre Provinzial- bcnennung führen. Ueber den Zeitpunkt ihrer Errichtung stebt noch durchaus nichts fcst. Möglicherweise dürfte die Eintheilung der neucn Gebiete in Landwehr- 4 grelvev- I ft* Beftelkrnrgen auf den Giestcner Anzeiger bet allen Post-Expeditionen uni den Land-Postboten entgegen genommen. Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholeu lassen, erhalten denselben für die Monate August und September zu 40 fr. lingen hjllsn» fl(” sstrttll am dm Linien tti t bei Hecht, dilitlk Marionen, weite rrkcn nollflänbig toll ”i-c, umnindta t Lmclbäöldmtiig^ ±cr die Ztpridit ben 1! werden iß. c.t!, dem ttntw1 : orrectei llcöerr 7 ter dec ckM- i5i'2brun^MSi rd^atben, mutb« •lt bit chMch» CTiitd pr bitten, W r unb vLlhltz ist, - - iiattbT W r.ui| tzmahn ist d ttr.. düst der AuiMs c. lätgrv'batzedlM nlt iemer Ztptiit ct>r t ter @tlommiW w (öl, dnitln ßchü-I -dworbnunn), tje Tepeilbk 1. August. polnischen LandeStheilcn der drei TheilungSmächt? wollen sich im nächsten Mona + Wer die Stelle des bayerischen Ministers des Acußern erhalten soll, ist'auf einer Zusammenkunft in Lemberg über die Tactik einigen, welche noch ihrer noch immer in Dunkel gehüllt, trotzdem man in Bayern bezüglich dieser Angelegen- ........"k““ ,,mK .....* w-—ia hcit in ter größien Spannung lebt. Uns will scheinen, als brauche Deutschland 1 viescrhalb überhaupt sich nicht zu bernrubigen, denn der Schwerpunkt der aus- ' wärligen Politik liegt toch nicht in München, sondern in B-.rlin; diese Thatsache wird in Europa so sehr anerkannt, daß in allen großen Dertretungskörpern, in Oesterreich, England u. f. w., schon längst der Antrag gestellt ist, die Gesandt- schastSposten in München, Stuttgart, Dresden u. s. w. einzuzichcr'. Das Beste, was ter König von Bayern thun könnte, wäre, gar keinen auswärtigen Minister, mehr anzustellen, schon aus dem einfachen Grunde, weil Bayerns Aufgabe auf einem ganz anderen Gebiete als dem der auswärtigen Politik, auf dem kirchlichen Gebiete, gipfelt. Hier kann es sich Lorbeeren erwerben und zugleich der auswärtigen Politik des deutschen Reiches den kräftigsten Vorschub leisten, indem cs die Jntriguen abfchneidet, welche die Clerikalen mit dem Auslande bis auf den heuti- 6ulhm. •(B- fr 6.103,233.. • g-1-287,481.. • ' J- 1.213,75a. 11,1 col|bUüt unb V tntorbm, fiebert ij bnn ' laiche & ööiäbriv & 38' iwi Intbeil •< J-icntfn: •wil m Ärtzer, Lang in ,}riebl)frg. n-fuoir ""9 »tntirt, il: 131 «cbniar, x,e ®f»inne ttS > und .. je; MÜllO -^^ I i- 3« für bit W | gertt 1C. bei 1®^ 1 ideskanjlkr. i t । bezahlt worden. Für die weiteren JndemnitätSzahlungen hat die französische Finanz- Verwaltung den Beschluß gisaßt, dieselben nicht mehr ä jour fixe festzusetzen, sondern die Gelder adsühren zu lassen nach Maßgabe der eingehenden und verfügbar we'nn^^si'e "energisch und ^selbst durch^^ vorübergehende Rückschläge ungebeugt fest auf Wertenden Beträge. Es ist übrigens jetzt bekannt geworden, daß bei den letzten dos Ziel loesteuert. Eine kostbare Zeit ist versäumt worden, aber noch immer Zahlungen in Straßburg, welche der Räumung von Rouen, Annens re. voraus- kann das Rechte erfolgreich geschehen, und daß es vollständig und rasch geschehe, gingen, Mechstl gegeben werden sind, die erst in 10, 20 und 40 Tagen fällig ■- ' ou.u waren, und die daher, im Sinne des Frankfurter Friedens, nicht als Baarzah- gen Tag unterhalten. Die schon vor einigen Tagen in Aussicht gestellte Einlassung des Grafen Brvy ist jctzl erfolgt und damit das letzte Hinterniß we^gcräuwt, welches innerhalb des bayer. Ministeriums selber einer entschiedenen Politik im Wege stand. Die £a[e war in der That höchst dringend geworden. Auf der einen Seite mußte jede neue Maßregel in Berlin die Wucht der Frage in München verstärken: Will die bcyrr sche Regierung, deren verfassungsmäßige Mittel der Gegenwehr weiter reichen, als was das preußische Ministerium auf Grund der preußischen Verfassung thun _ , v u . . . kann, »edeS Vertrauen in den Ernst ihres Widerstandes verwirkend Auf ter an- mittelst der „Straßburger Zeitung" veröffentlichte Urkunde em rnlandtsches Domizil dein Seite geht der ultramentane Episcopat mit. einer sich täglich steigernd Dreistigkeit an's Werf. Wenn es wirklich war ist, was die Zeitungen gebracht haben, daß der Erzbischof von München dem Professor Friedrich sein zum könig- lichen Hosdienst gehöriges Benefizium habe abdecrctiren wollen, so sind die Bayern wirklich aus dem Wege, statt von drm Könige von Bayern, von dem Erzbischof von München regiert zu werden. Es ist nicht unmöglich, daß dieser letzte Schritt des Erzbischofs Averhöcksten Orts dem Faß den Boden ausgeschlagen und die schwe- bente Entscheidung über daS Bray'sche EntlassungSgesuch befördert hat. In der That hört man nicht selten eingiweihte Leute sich dahin aussprechcn, daß die w _ Nutung wenigcr von der Energie der Minister als der Gegner zu erhoffen ist. unmittelbar dcr neuen Civileinthcllung derselben und den bereits stattgehabten Bei dem Münchener Erzbischof scheint der bekannte ErfatrungSsotz von dem Elser der neuen Gemeindewahlen anschließen. Die Zahl der für Elsaß und Lothringen be- Uebcrläuser sich wiederum zu bewähren. Der Metropolit von Münchcn.Freising stimmten Regimenter wurde früher auf 6 Infanterie- und 4 Eavallerie-Regimenter verdankt seine Stellung einer der unglücklichen DischvfSwahlen, welche unter Äönig angegeben, wozu dann an neuen Truppcnbiltungen die von der Organisation der Mcr II durch den Einfluß des Herrn Pfistermeister getroffen worden. Man wollte norddeutschen Armee im Jahre 1867 noch rückständigen 4 Eavallerie-Regimenter, x^te einer gewissen milden Denkart, die sich für die dem Episkopate verstattetk wie 12 vierte reitende Batterien und 3 Festungöartillerie.Abtheilungen hin- freiere Bewegung dankbar zeigen sollten, und siehe da, man hatte vielfach Charakter-zutreten. . }cfe, welche die Leiter von sich stießen, auf der sie emporgcstlcgen waren. Anch^ Ein französisches Blatt versichert, daß es TheerS gelungen fei, vom Fürsten Bismarck die Bezeichnung eines bestimmten Datums für die Räumung der Umgebungen von Paris zu erlangen, und zwar wäre dieser Termin der 31. August. Das Departement der Scine-ct-Oife würde gleichzeitig geräumt werden. Was die VeryflegunaSgelder für die vertragsmäßig auf französischem Boden noch stehende deutsche Armee anlangt, so sind dieselben bis zum 1. August pünktlich und voll direnden Genftals des 1. Armeekorps in Königsberg, nicht wieder etnnehmen und will man sogar bereits wissen, daß der Commandeur der 16. Division fein Nach- folger wepoen wird, wie ferner, daß General v. Manteuffel in gleicher Weife den Oberbefehl über die Besatzungtruppen in Frankreich niederlegen wird. Dom 1. August d. I. ab kann die Correspondenz zwischen Deutschland einer- fei^ und Indien, China, Japan und Australien anderseits aus dem Wege über Vrindisi befördert werden. Das Francaturporto beträgt 74/2 Sgr. Das „Tagblatt" berichtet: „Am Hofe des Exkönigs Georg von Hannover, der bekanntlich auch diesen Sommer in Gmunden zubringt, nimmt eine gewisse resignirte Stimmung immer mehr zu. Man verhehlt sich nicht, daß eine Rückkehr nach Hannover ganz aussichtslos ist, nachdem die letzten vor einigen Monaten in Berlin gemachten Versöhnungsversuche dort von maßgebender Stelle ablehnend behandelt worden sind. Man fürchtet, daß dir Frage betreffs der Nachfolge des braunschweigischen Thrones in nächster Zeit wieder Gegenstand der Discufsion bilden und die Person des Kronprinzen von Hannover in den Vordergrund dadurch gestellt werden wird, zumeist weil die preußische Regierung dann Schriftstücke der Oeffentlichkcit übergeben könnte, welche genau vor Jahresfrist zwischen einzelnen Mitgliedern der früheren hannover'schen Königsfamilie und dem Exkaiser Napoleon gewechselt wurden und wie so viele andere Aktenstücke den Siegern von Paris in die Hände gefallen sind." Je größer die Ungewißheit über die Stellung des neuen Frankreichs zu der römischen Frage gewesen, desto interessanter ist ein Wort, welches Thiers gespro- eben. Der päpstliche Nuntius warf, so wird erzählt, in einer Audienz bei dem Präsidenten der französischen Republik, nicht ohne Absicht die Frage hin, wie weit Avignon von Nom entfernt sei. „Die Meilenzahl — lautete die rasch ertheilte Antwort — kenne ich nicht, aber ich glaube, der Weg von Avignon nach Nom ist bedeutend weiter, als von Rom nach Avignon." Der Nuntius ist auf den Gegenstand seitdem nicht wieder zurückgekommen. Ueber den Brand des erzbischöflichen Palastes von Bourges wird folgendes Nähere gemeldet: In der Nacht vom Montag zum Dienstag um 2 Uhr brach das Feuer aus und hatte in wenigen Stunden einen großen Theil des Gebäudes, namentlich auch die Gemächer des Erzbischofs Latur d'Auvergne mit vielen Werth- gegenständen, Tüchern, AmtSgewändern u. (. w., verzehrt. Auch ein großer Theil der in einem Flügel des Palastes untergebrachten städtischen Bibliothek von 16,000 Bänden, worunter berühmte Manuscripte des Digeslum vetus u. A., wurde vernichtet, wogegen die Archive und die Kaffe der Diöcese zum größten Theil erhalten blieben. Die herrliche Kathedrale blieb zum Glück ebenfalls verschont; doch war der Brand, dessen Entstehen auf eine Unvorsichtigkeit zurückgefühlt wird, am Dienstag Mittag noch nicht vollkommen gelöscht. Gießen. (Fortsetzung der Rede des Reichstagsabgeordneten Kctteler in der 10. Sitzung am 3. Aprrl 1871): Zur Religion gehört nothwendig eine Genossenschaft; wir nennen sie Kirche; aber das Wesen der Kirche ist ja wieder das Genossenschaftliche. Zur Neligionö- freiheit gehört das Recht und die Freiheit, mit den Gesinnung«. und Glaubens- genossen in einem Bekenntniß zusammen zu fein, sich nach demselben frei zu be- wegen und die eigenen Angelegenheiten selbst zu verwalten. Diese wahre Ge Wissensfreiheit fordern wir auch für die christlichen Bekenntnisse, die gewiß die allerberechtigtsten dazu sind. Darum fordern wir für sie das Recht der Selbst- bewegung, der Selbstbestimmung, der Selbstverwaltung; immer selbstverständlich in dem Rahmen der allgemeinen Gesetze, nicht außer diesem Rahmen der o([gemeinen Gesetze. Wir behaupten mit dieser Selbstständigkeit in keiner Weise, daß wir uns über die Gesetze hinauSsetzen dürften, wir bestreiten nicht, Voß wir ihnen Gehorsam schuldig sind, wir maßen uns nicht das Recht an, nun alles uns Be- liebige willkürlich in den Kreis der Selbstverwaltung und Selbstständigkeit hinein- ziehen zu dürfen. Eö kommt eben für eine besonnene und kluge Gesetzgebung darauf an, hier an der Hand der realen Verhältnisse die rechten Grenzen zu finden. Es ist aber, um unseren Antrag richt g aufzufassen, vor allem nothwendig, dies im Auge zu behalten, daß wir nämlich die Selbstständigkeit nur fordern im Rahmen der allgemeinen Gesetzgebung, und daß wir nur die Specialgesetzgebung, die vorbeugende Gesetzgebung, die AuSnahmSgesetzgebung für Religion und religiöse Genossenschaften bekämpfen. Die Einwendungen gegen Unseren Antrag scheinen mir dagegen alle unhaltbar zu sein und das Princip der wahren Selbstständigkeit, der wahren Freiheit, wie es auf allen andern Gebieten anerkannt wird, zu verletzen. Darauf bitte ich Sie, meine Herren, bei der Diskussion besonders zu merken. Alles, was man gegen unsere Forderung sagen kann, widerspricht der wahren Freiheit, der wahren Selbstständigkeit, wie sie auf allen andern Gebieten des Staatslebens anerkannt wird. Der Abgeordnete Dr. Treitschke hat Ihnen namentlich gesagt — und darin bin ich nun absolut ter entgegengesetzten Meinung —, daß diese Versaffungs- bestimmungen der preußischen Verfassung gewissermaßen der Kinderzeit des freiheitlichen Lebens angehörten, und daß die Ansicht, zu der er sich bekennt, ein Fort- schritt zu einer wichtigeren und besseren FreiheitSerkenntniß sei. Dagegen muß ich mich aber doch im Namen aller der Männer, die im Jahre 1848 und im Jahre 1850 und später so lange in dem preuß schen Landtage diese Grundsätze als ein überaus werthvolles Gat vertreten haben, verwahren. Mir scheint das Gegentheil der Fall zu sein, mir scheinen die Ansichten des Abgeordneten von Treitschke nicht ein Fortschritt in der Entwickelung der Freiheit zu sein, sondern, geradezu ein Rückschritt zu den alten Grundsätzen des StaatS-Kirchenrechtes, denen wir entgehen müssen, wenn wir den religiösen Frieden im polit,schen Leden haben wollen. Um diesen Gegensatz klar zu machen, meine Herren, erlaube ich mir auf einen merkwürdigen Vorfall hinzudeuten, der in diesen Tagen in Berlin stattge- und der mir eigentlich die Seele jener Richtung zu fdn scheint, soweit teb sie richtig aufzufaffen im Stande bin. In einer Versammlung des Protestanten- verems hat der Abgeordnete Prediger Müller in längerer Ausführung zu recht- fer tgen gesucht die Ablehnung ter hessischen Kirchenoersaffung und seine Gründe dafür vorgebracht. Bei dieser Gelegenheit hat er nach dem Bericht ter Bekliner Rettungen ""^r Anderem gesagt, die Regierung habe die hessische Kirchenvorlaae gemacht mit absoluter Anerkennung des landesherrlichen KirchenregimentS. Zn einer solchen durfte man sich jedoch nicht hergeben. Der Unionsverein müsse nach V'e vor die -öcfeihgung des lanvksherrlichln KirchenregimentS dringend verlangen. Dagegen ist nun der Herr Professor Bluntschli, der College, so viel ich weiß, unseres Herrn Abgeordneten Dr. Treitschke, aufgestanden, und die Worte, die er da gesprochen hat, bezeichnen ganz genau den Gegensatz, welchen wir vor Augen haben müssen, wenn wir die Kontroverse, welche uns beschäftigt, recht auf ihre Grundgedanken zurücksühren wollen. Der Professor Bluntschli war nicht der Meinung, er tadelte das Vorgehen der Gesinnungsgenossen des Abgeordneten Prediger Muller in Ablehnung der hessischen Kirchenverfassung. Welche Gründe hatte er tafur? folgende: Daslondeshcriliche Kirchenrcgiment zu beftitigen, sei eine politische Unmög- Ilchkeit. Ich w>ekerhole: eine polilischc Unmöglichkeil! Ferner: von ihm seien alle Reformen, teic die Äirchengeschichte lehre, auügtgangen. Ich Hute mich wohl, iu untersuchen, inwieweit da« behauptet werden darf; Herr Professor Bluntschli hat c« aber gesagt. In Baven zumal habe der Grotzherzog sehr viel für die Kirchen- reform gethan. Die Consistoricn seien ein Generalstab, dem es an einem guten Generalstabs - Chef mangele: sie brauchen einen Fürst Bismarck oder einen Graf Zottle. Die Prutcipienreitereien in Betreff der Ausführung des Artikels 15 ge- bbren in vie Schule, aber nicht in das politische Leben. Man müsse nehmen, was man bekommen könne. So weit Herr Bluntschli. Das sind gefährliche Grundsätze. Ich glaube nicht, daß Männer der wahren Freiheit diesen Grundsätzen huldigen können. Ich glaube, daß das das Gegentheil von dem ist, was man tm Jahre 1848 und im Jahre 1850 in den vorgelegten Verfaffungsbestimmungen anerkannt hat. Ich glaube, daß diese Grundsätze ein Aufgeben, eine Art 23er- jmeiflung an der wahren Freiheit sind. Sie gehen von dem Bestreben aus, von oben herab die Systeme, welche man sich nun einmal entworfen hat, einzuführen, weil man sie durch die wahre Freiheit nicht verwirklichen kann. Das bedeutet diese Zusammenstellung der Consistorien mit einem Generalstab in Verbindung mit der Nennun? solcher Namen, die dazu nothwendig wären, um die Ideen des Herrn Professor Bluntschli zur Ausführung zu bringen. Wollen Sie dies System annehmen oder es verwerfen? Das ist die Frage. Ich bitte Sie, wohl darauf zu achten. Hierüber müssen Sie sich entscheiden. Wer glaubt, daß von jetzt an Deutschland bezüglich der Religion von Consistorien geleitet werden müsse, in der Art, wie die Generalstäbe die Armee befehlen, und daß das im Interesse der Freiheit sei, habeat sibi! meine Meinung ist es wahrlich nicht. Und wer dagegen glaubt, daß auch diese Freiheit eine Freiheit des deutschen Volkes sein müsse, daß eie Religion nicht von staatswegen regulirt werden dürfe, und daß namentlich auch das Volk, welches dem christlichen Bekenntnisse anhängt, das Recht hat, von dieser Freiheit Gebrauch zu machen, der muß, wie mir scheint, wenn er consequent fein will, für unfern Antrag stimmen. Das, was der Herr Abgeordnete Treitschke also für einen Fortschritt be» krachtet auf dem Wege der Freiheit, das halte ich für den allerkolloffalsten Rück- schritt auf dem Wege der Freiheit, ich halte es für einen Akt der Desperation an den Grundsätzen der Freiheit. (Fortsetzung folgt.) Kassel, 29. Juli. Auch die Direction der Main. Weser - Bahn hat sich dieser Tage veranlaßt gefunden, Rundreise-BilletS zu ermäßigten Fahrpreisen, mit Gewährung von 50 Pfund Freigepäck, gültig für alle fahrplanmäßigen Züge, welche die betreffende Wagenclaffe führen, auszugeben. Wir müssen der großen Ausführlichkeit wegen, die Leser auf die in Placatform erlassene betreffende Bekannt- machunq verweisen. Ems, 31. Juli. Der Kaiser wird am 1. August Nachmittag- von hier nach Coblenz abreisen und dort den 2. und 3. verbleiben; am 4. reist der Kaiser nach Wiesbaden ab, am 7. findet in Mainz eine Truppenbesichtigung statt, nach ceren Beendigung sich der Kaiser nach Homburg v. v. H., wo derselbe seinen Aufenthalt bis zum 9. August zu nehmen gedenkt, begiebt. München, 29. Juli. Zur nächstjährigen vierhundertjährigen Bestehungsfeier der Ludw'gs-Universität stellte Cultusminister Lutz 20,000 fl. in die Budgetvorlage an den Landtag ein. — Die theologische Facnltät enthielt sich der Wahl ihres Senators und Rectors. Friedrich's Wahl wird vom Ministerium beanstandet. München, 29. Juli. Der König wird diesen Herbst einer Einladung zufolge den kaiserlichen Hof in Berlin und zugleich einige bayerische Städte (Regensburg, Bayreuth, Hof) auf dieser Reise besuchen. — Der deutsche Kaiser wird am 8. August München passiren, gegen Abend in Salzburg eintreffen und am andern Tag nach Gastein gelangen. Wien, 30. Juli. Der „Tagesbote aus Böhmen" meldet: „Cardinal Schwarzenberg hat durch den päpstlichen Nuntius in Wien die Weisung erhalten, Professor Schulte zu excommuniciren." Wien, 31. Juli. Der deutsche Gesandte wurde beauftragt, ein Handschreiben des deutschen Kaisers an den Kaiser von Oesterreich zu überreichen. Sodann sollten Bestimmungen über die Zusammenkunft der beiden Kaiser erfolgen. Neapel, 28. Juli. Palmieri kündigt auf Grund der neuesten Beobachtungen e^nen starken Ausbruch des Vesuvs an. — Ein Geschwader, bestehend aus den Lchiffen: „Noma", „Castelsidardo", „San Martino" und „Principe Humbert", erhielt Befehl, sich bei Cagliari zu concentriren. Der Zweck dieser Concentrirung ist vorläufig unbekannt, wahrscheinlich gilt e- einer Demonstration gegen Tunis. Paris, 28. Juli. Seit gestern Abend ist die Demission Jules Favre's Thatsache. Goulard verwaltet provisorisch das Departement des Auswärtigen. Gambetta und Louis Blanc berufen heute die Mitglieder des Abgeordnetenclubs Ramenau zu einer Beratung behufs Anstrebung einer Fusion zwischen den Republikanern und Radicalen. (Weser-Ztg.) Paris, 31. Juli. Einer Nachricht der „Agence HavaS" zufolge bestätigt es sich, daß Thiers die Demission Jules Favre's angenommen habe. Der Nachfolger desselben ist noch nicht ernannt. Der Rücktritt Simon's wird dementirt. London, 31. Juli. Zwci Cholerafälle sind auf Kronstäoter Schiffen im Hafen von Hüll vorgekommen. Der Staatsrath hat die Inspektion aller cholera- verdächtigen Schiffe, besonders aus den Ostseehäfen, angeorvnet. Landwirthschilstliches. Da der Kartoffelpilz wieder massenhaft austritt, so dürfte eS sich in Betracht des feuchten Wetters empfehlen, auf den stark befallene« Acckern sofort alles Kraut abzuschneiden und zu entfernen. Gießen, den 31. Juli 1871. Hoffmann. Spanier, neaest """Adi Frankf. Bank 1 Frankl. Vereins' DannsL Bankac Wien Bankaeto I Galizien 239V? I Borsenya 31. Preus*- 4V10'0 frankf. ^11 4. Nass. 4*/i jo Kurhees, l /o | ' '-Mo Bayer. 5°/o ) 4Vt°/o 4% IM Würteab. 4‘/r' Baden M/o Oesterr. Silbe«' Papierre 5°/0 M.' Amerik. Bonds Verfiel Besonderes Dkl SÄ»« W w A Die Hol "Försterei ».MtS. üt ßtr.tb' DuMfuhrichm fln von Grotzh. r werden. Mr lleberliefen -r. Abfuhrlag, rtJ1? stimmt. Mm, den I. ^herzogliche O. WMnb‘e4U| avNtf ^°öherzojM ___ W oi ih Bekllu W17)Friedric ler dahier, hat m nchtsbekannten (J dmz förmlichen ment adgefchloffe die unbekannten Verstattung der Wochen auf dem neten Gerichts, a Frist ihre ssorderi Meldung Ausscht! gen dahier oorzub O'ckn, den 21. Großherzoglich Muhl/ Stadtrichter. if li L *VU 1 a' tlnJufü^rtn, L „ * bkdriikt 8 s*fcuDg mit ■ Zdtkll bt, .6« tue 6»jhi :u' »ohl daraus M roa jetzt q: rttn müsse, m de 1 ’® 3°teeessr 6» UnD »er bogeyi 1 sei» müfff, tij -t tag naaunlhj 's Siecht hat, tcn roll er cosskqM m Kon schritt br« Icuo^l^n Rü 7 t i*efrti4tD- * „ e,if« «* .infrcbt»“!1 Kid»«-'” >KK »«•bn ' --SS td »'"2 18 * l'f*** I* ' fe#»11 hirftt fi iar( Rw** :frnr. Gruitrr'a (9 e b ö r»jÖ e 3. 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Großherzogliche Oberförsterei Schiffcnbcrg. Georgi. Versteigerung eines Brauhauses nebst Braugerälhschaflen. 3228) Montag den 7. August I. I., Mittags um 12 Uhr, lol auf hiesiger Bürgermeisterei das Gemeinde-Brauhaus, welches circa 31 Fuß 27 Fuß tief und 20 Fuß bis unter hoch ist, sich gut häuslich ein- jWcn laßt, zum Abbruch nebst nachstehen- ^"tisEhschasten öffentlich verstei- gert werden, als: Ä. kupferner Braukessel, circa 5% Ohm haltend, 2) zwei gute Draubütten auS Eichenholz, D-LnhW ®Urd,meffer UN" 35 Z°U Ettingshausen, den 29. Juli 1871. Großherzogliche Bürgermeisterei Ettingshausen. Sommer. 3213) Die Cultur- und Bauoeränderungen sind auf Großherzoglichem Orts gericht 4 Wochen lang zu Jedermanns Einsicht offen gelegt worden. Gießen, den 1. August 1871. Grobherzogliches Ortsgericht Gießen. W 0 rtmann. Heinrich Enqel jun., Büchsenmacher lBrandqaffe.) 3200) Häckselmaschinen, Rübcnschncidcr i Gefcknlittenes Bauholz. Ed. Lejeune'sche Dämpssäge Friederödors empfiehlt sich ini Anferliqen von geschnittenem Bauholz in allen Dimensionen zu billigen Preisen. Aufträge nimmt entgegen Nachmittags 2 Uhr," ~j Musiklocrkc und Spicldoscn Sdläfer, 3197) Mittwoch den 2 August, Nachmittags 2 Uhr, werden im Gasthaus zum Pfau dahier verschiedene Oeconomie-Geräthschaften, bestehend in zwei sehr guten Wagen, drei Pflügen, zwei Eggen, noch ganz neu, einer Ackerwalze, einer Fruchtfegmühle, einem ganz vorzüglichen Drehschleifstein, Erndte- leitern, Wagenbohlen, vielen Ketten und noch sonstigen verschiedenen Gegenständen, öffentlich meistbietend versteigert. 3208) Dienstag den 8. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, lasse ich in meiner Hofraithe verschiedene Mobilien, sowie zwei äitere und eine neue Ehaise, einen zmeispännigen und einen ein spännigen Wagen, Pflüge, Pferdegeschirre, einen Schlitten, eine größere Anzahl von trockenen Birnbaum-Bohlen und Dielen und sonstige Gegenstände versteigern. Auch will ich meine geräumige Hofraithe verkaufen oder vermiethen. Friedrich Jung zu Grimberg. S Erbsen zur Stoppelsaat sind angekommen bei ____A. Kaß, Neustadt. 3201) Frühkartoffeln zu verkaufen bei Daniel M 0 0 g, Wettergasse. Simmern, Küche, Eorridor rc., nach Wunsch vt-t uu *Vt (1 rjC6-di 111 C nebst theilweifer Mitbenuhung des Gartens, empfehlen I. 21. B tl s ch Söhne. (2371) ist zu vermiethen. Näheres bei der Exped. Vermietbringen. 3151) In unserem neuerbauten Hause in der Alicenftraße sind zwei Logis zu vcr- miethcn. Deibel & Becker. 3210) Das von Herrn Major Kreuter bewohnte Logis ist zu vermiethen und vom 1. Octobcr an zu beziehen. ____________________O- Kempff. 3130) Ein möblirtes Zimmer ist in Lit. B. Nr. 80 zu vermiethen. 3178) Ein Logis, bestehend aus drei Milchverkanf. 3209) Ein freundliches Logis nebst Zu- LI i) X’lltcl) B^VNNdl'^mietbcn und den 15. August zu beziehen, tllltfl des FalntettplattS ist Seltcrsweg Lit. E. Nr. 181.__ nunmehr tä