rocke, 'cken, "lgc. ■Brett vierteljährig 1 fi- 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Lost bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr. Erscheint täglich, mit Aufnahme Montags. Expedition; Canzleiberg Lit. D. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. föleu. II, bie= jungen i. lnzösische Lloßhofe 1 kommt. n: Für nd: ch dem t Taben *n. e. it 105 unseres t Bolen, ist i^ung irgelegt Sgnben und der Unter* roofftn. Stnff« nllrhore erslveg $röul. tzkg'»' 179. —-*' :Zritung °l di-"' * »'s , »rin«1 bti att^n .,i in« denfllt< Freitag den 23. December Nr. 187 1870. 22. December. Antwort Sr. Majestät des Königs auf die Adresse des Reichstages des Norddeutjchen Buntes btt der in Versailles stattgehadten Ueber- reichung derselben durch die Reichstags-Deputation. Geehrte Herren! Indem Ich Sie hier auf fremdem Boden, fern von der deutschen Grenze, empfange, ist es Mir das erste Bedürfniß, Meiner Dank- barfeit gegen die göttliche Vorsehung Ausdruck zu geben, deren wunderbare Fügung uns hier in der alten französischen Königsstadt zufammenführt. Gott hat den Sieg verliehen in einem Maße, wie Ich es kaum zu hoffen und zu bitten wagte, als Ich im Sommer dieses Jahres zuerst Ihre Unterstützung für diesen schweren Krieg in Anspruch nahm. Diese Unterstützung ist Mir in vollem Maße zu Theil geworden, und Ich spreche Ihnen den Dank dafür aus in Meinem Namen, im Namen des Heeres, im Namen des Vaterlandes. Die siegreichen deutschen Heere, in deren Mitte Sie Mich ausgesucht Haden, fanden in der Opferwilligkeit des Vaterlandes, in der treuen Theilnahme und Fürsorge des Volkes in der Heimath, in der Einmüthigkeit des Volkes und des Heeres ihre Ermuthigung in den schweren Kämpfen und Entbehrungen. Die Gewährung der Mittel, welche die Regierung de« Norddeutschen Bundes noch in der eben geschlossenen Session dcs Reichstages für die Fortsetzung des Krieges verlangten, hat mir einen neuen Beweis gegeben, daß die Nation entschlossen ist, ihre volle Kraft dafür einzusetzen, daß die großen und schmerzlichen Opfer, welche Mein Herz wie da« Ihrige tief bewegen, nicht umsonst gebracht sein sollen, und die Waffen nicht aus der Hand zu legen, bis Deutschlands Grenze gegen künftige Angriffe sicher gestellt ist. Der Norddeutsche Reichstag, dessen Grüße und Glückwünsche Sie Mir überbringen, ist berufen ge» wesen, noch vor seinem Schluß zu dem Werke ter Einigung Deutschlands ent- scheidend mitzuwirken. Ich bin demselben dankbar für die Bereitwill gkeit, mit welcher er fast einmüthig seine Zustimmung zu den Verträgen ausgesprochen bat, welche der Einheit der Nation einen organischen Ausdruck geben werden. Der Reichstag hat, gleich den verbündeten Regierungen, diesen Verträgen in der lieber- zeugung zugestimmt, daß das gemeinsame staatliche Leben der Deutschen sich um so segensreicher entwickeln werde, als die für dasselbe gewonnenen Grundlagen von unfern süddeutschen Bundesgenossen aus freier Entschließung, nach Maßgabe ihrer eigenen Würdigung des nationalen Bedürfn sses, bemessen und dargcboten worden sind. Ich hoffe, daß die Vertretungen der Staaten, denen jene Verträge noch vorzulegen sind, ihren Regierungen auf dem betretenen Wege folgen werden. Mit tiefer Bewegung hat Mich die durch Se. Maj. den König von Bayern an Mich gelangte Aufforderung zur Herstellung der Kaiserwürde des alten deutschen Reichs erfüllt. Sie, meine Herren, bringen Mir im Namen des Norddeutschen Reichstages die Bitte, daß ich Mich dem an Mich ergehenden Rufe nicht entziehen möge. Ich nehme gern au« Ihren Worten den Ausdruck des Vertrauens und der Wünsche des Norddeutschen Reichstages entgegen. Aber Sie wissen, daß in dieser so hohe Interessen und so große Erinnerungen der deutschen Nation berüh- renden Frage nicht Mein eigenes Gefühl, auch nicht Mein eigenes Urtheil Meinen Entschluß bestimmen kann; nur in der einmütigen Stimme ter deutschen Fürsten und freien Städte und in dem damit übereinstimmenden Wunsche der deutschen Nation und ihrer Vertreter werde Ich den Ruf der Vorsehung erkennen, dem Ich mit Vertrauen auf Gottes Segen folgen darf. Es wird Ihnen wir Mir zur Genugthuung gereichen, daß Ich durch Se. Maj. den König von Bayern die Nachricht erhalten habe, daß das Einverständniß aller deutschen Fürsten und freien Städte gesichert ist und die amtliche Kundgebung desselben bevorsteht. V Die „Münch. N. Nachr." schreiben hinsichtlich der Annahme oder Nichtannahme der Versailler Verträge zur Eonstituirung des deutschen Reiches: Die Der- werfung der Verträge ist eine Beleidigung ganz Deutschlands, dessen Volk feit fünfzig Jahren die Einigung anstrebt; sie ist eine Beleidigung Preußens, des mach, tigsten Staates Europas, der die größten Opfer für Deutschlands Ehre und Macht gebracht; sie ist eine Beleidigung des Königs von Preuß n und des Königs von Bayern, die ein so erhebendes Beispiel deutscher Eintracht gegeben haben; sie ist die Verhöhnung der gesammten deutschen, namentlich aber der bayerischen Armee, die ihr Blut wahrlich nicht deßwegen vergossen hat, damit die alte Zerrissenheit der alte Hader zwischen den Deutschen fortdauere; sie ist endlich die tiefste Schmach für Bayern, weil die Verwerfung des Vertrages einer, wenn auch nicht offenen, dock versteckten und daher um so gefährlicheren Bundesgenoffenschaft mit Frankreich gleichkornmt. Menn die Plane der Ultramontanen wirklich zur Ausführung kämen, wenn es ihnen diesmal und vielleicht auch in einer nächsten Kammer gelänge, die Verträge zu verwerfen, dann allerdings ist die Existenz Bayerns aufs äußerste gefährdet und keine Macht der Welt würde dessen Untergang aufzuhallen vermögen. Mir aber vertrauen auf den festen Sinn des Königs, auf die deutsche Treue des bayerischen Volkes, daß sie die Plane der bayerischen Franzosen und Römlinge zu Nichte machen werden. Bei Invalivitäts*Erklärungen junger Soldaten wird folgende Norm beob- achtet werden. Dem Sinne des §. 5 der kriegsministeriellen Instruction vom 2 August 1865 gemäß sollen solche Militärs, die nach kurzer Zeit invalide ge- worden sind, indem sie niemals gänzlich wiederherstellbare Knochenzerspl.tterungen, oder Zerreißung von Blutgefäßen, Nervxn, Sehnen oder Mu-keln erlitten haben, nicht zunächst für „temporär," sondern für dauernd ganz- oder halbinvalide er- klärt werden, wäh.end die vorhandene gänzliche oder theilweise Erwerbsunfähigkeit, da sie wieder in eine weniger gestörte oder vollkommene Erwerbsfähigkeit über- ' gehen kann, nur als eine temporäre zu bezeichnen ist. Für die Betreffenden hat diese Anordnung den Effect, daß sie sogleich in den Besitz des Civilversorgungs- scheines gelangen, sobald ihre Dienstunsähigkeit thatsächlich anerkannt ist. Die „K. 3 " entnimmt einem Schreiben aus Brüssel vom 19. December: „Die belgische Regierung hat die strengsten Maßregeln ergriffen, um die Einfälle der französischen Franctireurs auf das belgische Territorium zu verhindern. Die Truppen, welche sich an der Grenze befinden, haben Befehl erhalten, gegen die Franctireurs nöthigenfalls von ihren Waffen Gebrauch zu machen. In den französischen Norddepartements wird die Verschärfung der Maßregeln an der Grenze Seitens der belgischen Regierung viel böses Blut machen. Schon jetzt herrscht in Lille und in den übrigen Städten der Norddepartements große Entrüstung über die Belgier, weil dieselben die Kriegsgefangenen nicht freilassen und den Waffenlieferungen Hindernisse in den Weg gilegt haben. Obgleich man die Preußen noch keineswegs los geworden ist und auch wenig Aussicht vorhanden ist, daß man sie bald lo« werden wird, so stoßen die Franzosen doch schon Drohungen gegen Belgien au«, und sprechen offen von dessen nothwcndiger Einverleibung in Frankreich, sobald man die Preußen vertrieben habe. Die Belgier, die den Drang nicht fühlen, sich von den Franzosen verschlingen zu lassen, werden, trotz ihrer Antipathie gegen die Deutschen, früher oder später doch wieder ihre Zuflucht zu diesen nehmen müssen." In Orleans wurden bei dem Einrücken unserer Truppen von dem Bischof Dupanloup für die französischen Truppen verfaßte Gebete gefunden, in welchen u. A. gesagt war: Frankreich habe viel gesündigt, aber es werde ihm viel verziehen werden, weil es viel geliebt habe. Der Volksverein in Wien- hat an die Geweindevertreter ein Gesuch um werkthät ge Unterstützung der durch die Unbilden des Krieges hart geschädigten Stadt Straßburg gerichtet. Das Gesuch wurde abgewiesen. Durch solche Ablehnung nicht gewitzigt, reichte der deutsche Verein nach einiger Zeit ein neues Gesuch' des Inhaltes ein: Der Gemeinderath möge zur Unterstützung der aus Frankreich vertriebenen deutschen Arbeiter eine Summe von 5000 Fl. bewilligen. Das Gesuch ward abermals einstimmig von der Finanz-Section des Gemeinde- rathrS «vgelrhnt. Kriegsnachrichten. Psalzburg, 14. Dec. Der (Kapitulation der Festung Pfalzburg folgte heute unser Einmarsch in die Stadt, und erkannte man nach den allseitigsten Strapazen und Entbehrungen in einer 17wöchentlichen Cernirung in den Gesichtern de« ganzen CernirungScorpS doch eine gewisse Zufriedenheit. Die Besatzung der Festung verzichtete auf olle miliiärischen Ebrcn in Hinsicht der Uebergabe, aber dennoch mag jedem unsere- Corps der Tag des Einmarsches in Pfalzburg, bei flatternder Fahne, im Gcdächtniß bleiben. Die Besatzung, 53 Offiziere und 1828 Mann, unter letzteren ein Drittel der Mobilgarde, wurde per Eisenbahn nach Rastadt instradirt und ein Theil des EernirungscorpS besetzte die Stadt. Die Gefangenen so wie die Bürger der Stadt freuten sich bei unserem Einmärsche anscheinend der Erlösung, aber mißgestimmt wurden sie, al« man sagte, daß ihre Armee im tiefen Süden, in Paris oder im Westen am Meere stehe, die sie aus einige Tagemärsche der Festung nahe glaubten. Ferner hörte man denn auch hier wieder das gewöhnliche: „Wir sind verkauft", trotzdem für die Seelenzahl der ganzen Stadt bei der Capitulation auch nur noch für einen halben Tag Verpflegung aufzutreiben gewesen wäre. Seit den letzten sechs Wochen hat keiner mehr Fleisch gesehen und eine geraume Zeit mußte da- Pulver das Saiz ersetzen. Wenn man neben dieser Entbehrung in Betracht zieht, daß die Stadt durch die Artillerie verhältnißmäßig noch mehr gelitten hat als Straßburg, und daß endlich sogar die schwarzen Pocken eine Zeit lang hier epidemisch geherrscht, so mag für die Besatzung wie für den Bürger Pfalzburg- ein Bene für das Natioualgefühl erwachsen, worauf virschiedene Festungen und die Feld-Armee Frankreichs hingewiesen werden dürften. Circa 60Häus>r der Stadt sind total niedergebrannt, dazu die in rein gothischem Style erbaute Kirche, welche nur eine Ruine als Uebcrrest zeigt. Morgen wird das Cernirung-corp- nach Straßburg abrücken und die Festung wird eine andere Besatzung erhalten. Aus Lille, 18. Dec., wird der „Independance beige" telegrophirt: „Das Gerücht geht, daß Ham vom Feinde wieder genommen fei, da es von den Franzosen nicht mit Truppen besetzt war. Der Durchmarsch von 20,000 Deutschen durch Chauny wird gemeldet." Am 15. Dec. kam ein „Gum" von zwanzig arabischen Reitern durch Lyon. Man kündigte diese Leute als den Dortrab eines größeren Importes von Beduinen an, welche gegen die Ulanen ins Feld geschickt wirken sollen. Am 11. wurden 2800 Pferde aus Algerien gelandet. Dieselben sind für die Zuavcn, Chasseurs d'Afrique, Spahis und Gebirgs-Artillerie der Provinz Constantine bestimmt, welche für Frankreich geworben wurden. In Lyon bildet sich jetzt eine Compagnie „verlorener Söhne der Rhone", welche keinen Sold nehmen und sich bloß dem Abfangen von preußischen Proviantzügen widmen wollen. Diese Compagnie fußt auf einem Actiencopital von 50,000 Fr. und gibt Aktien zu 1000 Fr. aus, die nach jeder Prise im Verhältniß zurückgezahlt werden sollen. In Besan^on verkauften die Bauern aus der Umgegend drei Pferde, das Stück zu 500 Fr.; die Bauern sagten aus, sie hätten diese Pferde drei preußischen Offizieren abgenommen, die sie todtgeschlagen hätten. Aus Dünkirchen wird berichtet: Der Obercommandant der Armee in der i „Region du Nord" hat folgenden Erlaß gegeben: Der Handelscommis D. Plan- Icaffflgue aus Dünkirchen ist zum Oberlieutenant der mobilisiiten Nationalgarde 6. Legion und zum Oberst-Commandanten des Platzes Abbeville ernannt. Hr.jFührer der FranctireurS, welcher auf belgischem Gebiete eine preußische Feldpost Plancassague verdankt diese Auszeichnung seiner Energie und seinen militärischen weggenommen, mit seiner Beute aber in die Hände der Belgier gefallen war, be- Antecedentlen." Diesem wunderbaren Decrete fügt der tief entrüstete „Messager findet sich gegenwärtig in Brüssel und ist Gefangener auf Ehrenwort. du Nord" hinzu: Hr. Plancassague diente ehemals in der regulären Armee als Sergeant. Seit 48 Stunden vom Commis zum Platzcommandanten in Abbeville avancirt, erließ er alldort am 13. Dcc. eine Proklamation, deren Kraftstellen Folgende sind: Der Feind ist an unseren Thoren, mögen sich die Derräther unter uns wohl in Acht nehmen. Ich bin zu Reprtssalien bevollmächtigt, die eine bittere Lehre für die Andern fein werden. Am nämlichen Tag erschien noch folgendes Decret: Place d'Abbeville, Etat-Major. Einziger Dccretartikel. Von heute an constituire ich hierorts den Martialgerichtshof. D. Plancassague, Oberlieutenant und Obercommandant. Am Abend des nämlichen Tags erschien daselbst ein neues Decret, lautend: I. Artikel. Der von mir eingesetzte Martialgerichtshof ersetzt den KriegSrath in Friedenszeiten. II. Artikel. Gegen dessen Beschlüsse giebt eS keine Berufung. III. Im VerurtheilungSfalle wird die Urthrilsausiührunq schon am Morgen nach der UrtheilSverkündigung zu erfolgen haben. IV. Mit Tod wird von diesem Gerichtshof bestraft: Mord, Todtschlag, Desertion, Spionage, Diebstahl, Marodage, Raub, Dienstverweigerung gegen Oberosfiziere, Nichtausführung von Befehlen, Injurie, Aufreizung in Wort oder That zum Nichtgehorsam, Wegwerfen der Waffen vor dem Feinde, um nicht kämpfen zu müssen, unnöthiges Lärmen mit Waffen. Noch am selbigen Tage erschien spät Abends folgende amt- liche Publikation: Der gemäß dem Gesetze vom 13. December 1870 constituirte Martialgerichtshof von Abbeville hat gestern den Jules Paullier wegen thatsächlich nachgewiesener Spionage zum Tode verurtheilt. Die Execution findet am näm- lichen Tage in einem der Gräben des Platzes statt. Abbeville, 13. Dec. 1870 D. Plancassague, Oberlieutenant und Obercommandant. Entsetzen herrscht in Abbeville seit dort das terroristische Regiment deö Handelscommis Plancassague eingeführt ist. Darmstadt, 19. Dee. Der Generalsekretär der landwirthschaftlichen Der- eine, Oeconomierath Dr. Krämer, der sich in der kurzen Zeit seines Wirkens in unserem Großherzogthume (er trat 1865 in den hessischen Staatsdienst) um die Landwirthschaft des Großherzogthume durch Hebung der Viehzucht, durch Förderung der Anwendung künstlicher Dünger und namentlich durch Hebung deö landwirthschaftlichen Unterrrichtswesens, unschätzbare Verdienste erworben, hat einen Ruf al« Professor und Vorstand der neu zu errichtenden höheren landwirthschaftlichen Lehranstalt (Abtheilung des Eidgenössischen Polytechnikums) in Zürich erhalten und angenommen. Diese Nachricht wirb hier nicht allein in den Kreisen der Fachgenossen, sondern auch anderwärts mit lebhaftem Bedauern vernommen, da nicht allein seine landwirthschaftlichen Leistungen, sondern auch sein vom all- gemeinen menschlichen Standpunkt aus beurtheilteS Wirken, dem anspruchslosen, von jeglichem bureaukratischen Zuschnitt freien Mann hier viele Freunde erworben. In dem Landbezirk Friedberg wirb durch den Abgang des Herrn Dr. Krämer nach Zürich abermals eine Abgeordnetenwahl nothwendig werden. Coblenz, 18. Dec. Gestern traf hier ein als Wasche declarirtes Colli an einen hierselbft gefangenen französischen Capitän, von Metz kommend, auf dem Bahnhofe ein, wurde revibirt, und fand man darinnen sorgfältig in Hemden ein^, gewickelt fünf sechsläufige Revolver und ein Dolchmesser, worauf der Capitän sofort in sichere Haft gebracht wurde. — Unser erster Commandant, Generalmajor v. Webell, erläßt folgende bemerkenswerthe Bekanntmachung: „Es ist mir durch hiesige Bürger mitgethrilt, daß Kriegsgefangene Sieges-Depeschen abreißen ober beschmutzen und daß französische Offiziere in Kaffeehäusern rc. auf unfern König und unsere Nation schimpfen. Ich halte das für Irrthum und Mißverständniß, da ich mir nicht denken kann, daß ein deutscher Mann sich solche unverschämte Frechheiten ruhig gefallen und im eigenen Vaterlanbe sich von Kriegsgefangenen maltraitiren unv terrorisiren läßt. Kamen dennoch solche Dinge wider Erwarten vor, so bitte ich die Bürger von Coblenz, im Namen unserer nationalen Ehre sofort einzuschreiten, und die Uebelthäter, welcher Charge sie auch angehören, mir zu bringen, der ich genau weiß, was ich mit solchen Leuten zu machen habe. Ich bemerke, daß ich alle Soldaten der Garnison angewiesen habe, eben so zu handeln, daß ich, wenn der Besitzer eines öffentlichen Local« in demselben Ausschreitungen, wie die angeführten, gegen König und Vaterland duldet, ein solches während der Dauer des Belagerungszustandes auf meine persönliche Verantwort- lichkeit hin schließen lasse." Göttingen, 18. Dec. Die hiesige Universität erhielt von der Dubliner Akademie sowie der dortigen Hochschule die Aufforderung zur Betheiligung an einem Monstreproteste der Gelehrtenwelt gegen das Bombardement von Paris, welches die wissenschaftlichen unv Kunstschätze der Ricsenstavt mit der Vernichtung bedroht. Gleichzeitig forderten die Dubliner gelehrten Corporationen zur Abord- nung einer Monstredeputation an die englische Regierung auf, um deren Einmischung zu erwirken. Der hiesige Senat hat ein — vz>n Professor Dove als Pro- rector unterzeichnetes — in sehr bitterm Tone gehaltenes Antwortschreiben erlassen, worin er die Zumuthung seiner irischen College» vollständig von der Hand weist. Dresden, 18. Dec. Die gestern zu Leipzig erfolgte Verhaftung der socialdemokratischen Führer, der Herren Reichstagsabgeordneten Bebel unb Liebknecht, erfolgte Seitens des dortigen Polizeiamtes auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft. Als Veranlassung wird dringender Verdacht vorbereitender Handlungen zum Hochverrath angegeben. Mit den genannten Personen wurde auch der junge 22jährige Berliner Literat Hepner, seit seiner bekannten Flucht von Berlin Hauptmitarbeiter am „Volksstaat," verhaftet. Ebenfalls gestern haben bei allen bekannteren Socialdemokraten im Lande, namentlich hier bei dem ehemaligen Redacteur der 1866er „Nassauischen LanoeSzeitung" und späteren Redacteur des „Bulletin international," Dr. Otto Walster, Haussuchungen stattgefunden. Wie ungeschwächt übrigens Herrn Bebels Einfluß bis in die jüngste Zeit unter der Arbciterbevöl- kerung seines Glauchauer Wahlkreises geblieben, erweist sich aus dem Ausfall der Stadtverordnetenwahlen in Glauchau selbst, einer Stadt von 20,000 Einwohnern. Daselbst wurden gelegentlich der heurigen ersten direkten Wahl gar keine Advokaten mehr, dagegen unter den 42 Stadtverordneten 20 Weber, 6 kleine Kaufleute und im Uebrigen lauter Handwerker gewählt. Bemerkenewerth ist dagegen, daß der Einfluß der Socialdemvkralen sich in Leipzig selbst unb Umgegenv fort und fort verkleinert und sie bei den Gemeindewahlen in dem von ihnen sonst stark beeinflußten Gohlis eine entschiedene Niederlage erlitten. Brüssel, 17. Dec. Wie aus sicherer Quelle verlautet, wird Antwerpen jetzt in vollständigen Bertheidigungßzustand gesetzt. Bisher waren nur die Forts armirt; jetzt werben auch die Wälle der Stabt ihre Ausrüstung erhalten. — Der Telegraphische Depeschen. 4- Nürnberg, 21. Dec. In Rothenburg (Mittelfranken) ist ein Luftballon niedergefallen. Vier darin befindliche Franzosen wurden zu Gefangenen gemacht, aber dem Ballon selbst gelang es, mit der Brief-Post und einem Franzosen wieder aufzusteigen. Er ist dann in Zwiesel (Mittelfranken) aufgefangen worden. Der Franzose ist entwischt. △ Brüssel, 21. Dec. Zwischen Pepinster und Lüttich hat gestern Nach, mittag eine Elsenbahnstörung stattgefunden. Der Brüsseler Eisenbahnzug ist durch losgelöste Güterwagen, welche mit ihm zusammenstießen, verunglückt. Zwei Ma- schinisten blieben todt, 3 Reisende und 2 Zugführer wurden verwundet. 4- Brüssel, 21. Dec. Mittheilungen aus L'lle vom Sous-Präfecten von VervinS besagen, daß 1200 Preußen, nachdem sie Marle bombardirt, im Anmarsche auf VervinS seien. (Marle unb VervinS im Departement Laon, nördlich von Laon.^) 4- Bordeaux, 20. Dec. Ein Circular der Regierung an die Präfecten fordert auf, vor falschen Gerüchten auf der Hut zu sein, und im Vertrauen und in der Seelenstärke sich Paris zum Vorbild zu nehmen. Die Regierung habe Alles mitgethrilt, ausgenommen die strategischen Bewegungen bei Paris, sowie an der Loire. Die Sachlage fei eine gute. Wenn das Werk der Vcrtheidigung nicht durch das Hereinbrechen plötzlicher Ohnmacht und unerklärlicher Panik ge- hemmt werbe, so dürfe man dos unerschütterliche Vertrauen haben, daß Die Der- geltungsstunde nahe, nur möge man Alles aufbieten, um falsche Gerüchte zu verhüten, welche dem Vaterlande eben so schädlich seien, wie eine Verschwörung. A London, 21. Dec. Der Lordmayor hat die Abhaltung des französischen Meetings in Guildhall gestattet. Officielle militärische Nachrichten. V6 1'8ai 11 es, 21. December. Nachdem die Forts in der Nacht vom 20. zum 21. wiederum ein heftiges Feuer unterhalten hatten gingen am Vormittage des 21. etwa 3 Divissionen der Besatzung von Paris zum Angriffe gegen die Fronten des Garde-Corps und des 12. Armee - Corps vor. Der Angriff wurde nach mehrstündigem, hauptsächlich von der Artillerie geführten Gefechte in unserer Vorpostenstellung zurückgewiesen. Unsere Verluste nicht bedeutend. General Voigt s-Rhetz hat am 20. etwa 6000 Mobilgarden mit Cavallerie und Artillerie oon Monnoye über Notre-Dame cTOe in Unordnung auf Tours zurückgeworfen. General Goltz überraschte den Feind in 4 Cantonnements bei Langres und zersprengte ihn nordwärts. Der Feind hinterließ Hunderte von Gewehren, Gepäck und Bagage, sowie 50 Gefangene. v. Podbi elsky. Vermischtes. Essen, 15. Dec. lieber das schreckliche Unglück aus der Zeche Neu-Iserlohn bei Marten können wir nunmehr, schreibt die Essener Ztg., nähere Angaben machen. Es war am Montag, den 12. December, Mittags gegen 1 Uhr, zur Zeit, als 180 Mann der Morgenschicht noch in der Grube waren, die um 2 Uhr auSzufabren hatten, als die Nachricht über Tage anlangte, daß unten in der Grube ein Unglücksfall vorgekommen sei, und zwar im Flöh Nr. 9. Dieses Flöh wird, da eS im Querschlag angefahren in, durch eine große Wechselstürung abgeschnitten, hat ein Einfallen von 3—6 Grad und eine Mächtigkeit von 34 Zoll, dabei eine sehr feste Kohle, die ohne Schießarbeiten nicht gewonnen werden kann; noch besonders hervorzuheben ist, daß dieses Flötz sehr reich an Wetterklüften ist. In diesem Flötz, wo der Heerd der Erplostoncn zu suchen ist, deren nähere Feststellung indeß bis jetzt nicht zu ermöglichen gewesen ist und schwerlich noch erfolgen kann, waren zur angegebenen Zeit an 60 Mann beschäftigt, davoy mehrere in dem tiefer gelegenen Theile des Flötzes. Auf die geschehene Anzeige fuhr der betreffende Beamte in dem alten (bis jetzt allein thätigen) Schachte ein und versuchte mit Hülfsmannschaften zur UnglückSstätte vorzudringen; dieselben konnten jedoch nur bis zum Flötz 3 gelangen, woselbst eine starke Wetter- Circulation ist, und die Schwaden au- dem ErplosionSrevier mit einer solchen Macht herauSzogen, daß ein weiteres Vordringen der Lebensgefährlichkeit wegen geradezu unmöglich war. In Folge dessen wurde der Zutritt zur Unglücksstätte durch den neuen Schacht versucht, welcher voraussichtlich im nächsten Monat als zweiter Förderschacht in Betrieb gesetzt werden wird und an dem jenes Flötz 9 angelegen ist. Dieser Versuch gelang und stieß man hier auf Tobte und Verletzte, welche letztere schleunigst nach oben befördert wurden. UebrigenS waren durch den neuen Schacht bereits mehrere der Bergleute, welche, wie voibemerkt, im unteren Theile des FlützeS gearbeitet hatten, ausgefahren, andere befanden sich noch beim Schachte, und wurden von hier aus zu den Rettungsarbeiten mitgenommen. Nack einer halben Stunde hatten sich die Schwaden übrigens so verzogen, daß man auch von dem alten Schachte Vordringen konnte und so die NettungSarbeiten von beiden Seiten erfolgen konnten. Man fand 29 Todte und 12 Verletzte, wovon 3 nachträglich noch gestorben sind, 1 noch schwer verwundet liegt, während die anderen wohl genesen werden. Um 5—6 Uhr war diese traurige Förderung beendet. — lieber die Ursache der Erplosion liegt die Verrnuthung vor, daß durch einen Schuß eine Bretterkluft angeschossen ist. Die dadurch erfolgte Entzündung hat nut zum geringsten Theile gewirkt, indem die meisten Tobten, drei Viertel, keine Brandwunden tragen, sondern alle durch die giftigen Schwaden erstickt sind; die Verwundeten haben größteutheils Brandwunden. Im Uebrigen befinden sich fast gar keine Zerstörungen im Grubenbau vor, und nur an einigen Stempeln füllen sich VerbrennungS-Producte. Leider sind unter den getödteten Bergleuten, auch der Steiger Rademacher fand feinen Tod, acht ver- heirathete, die zusammen ca. 18 bis 20 Kinder zurücklassen. Der Schrecken und die Trauer in der Gegend der Unglücksftätte sind begreiflicher Weise ungemein groß und richten sich die Hoffnungen der Hinterbliebenen in dieser schweren Zeit, wo das Vaterland so ungemein schwere Qpfer fordert, nicht, wie 1868 bei jener furchtbaren Katastrophe auf derselben Zeche, auf die allgemeine Wohlthätigkeit, sondern auf das Eomite der 1868 gebildeten, aus freiwilligen Beiträgen hervor- gegangenen UnterstützungScaffe, die gewiß ausreichende Mittel auch für die Hinterbliebenen dieses neuen schweren Unglückes bieten wird. Manche der damals unterstützungsbedürftigen Frauen sind jetzt wieder durch neue Heirath ?c. in besserer Lage, und veßhalb hoffen wir, daß dieser allgemein gehegte Vorschlag günstige Aufnahme an betreffender Stelle finden wöge. Schließlich sei noch erwähnt, daß keinem der Beamten der Zeche noch den Betriebsvorrichtungen irgend welche Schuld bei diesem Unglücksfalle zuzuschreiben ist. Der Wetterzug ist ganz außerordentlich lebhaft. Die Herren Berghauptmann Prinz Schönaich-Karolath, Ober-Bergralh Wagener, Bergmeister v. Re- neffe haben die Gruben vorgestern befahren und die ordnungSmaßigkeit constatirt. * Die „Frankfurter Presse" hat sich seit der kurzen Zeit ihres Bestehens als ein vortrefflich r