Preis vierteljährlich 36 kr. mjt Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen. Nr. 8. Dienstag den 18. Januar _______ Amtliche Bekannt MMchrrngerr» 187«. Bekanntmachung. Betreffend: Anmeldung und Prüfung der einjährig Freiwilligen. Diejenigen Wehrpflichtigen, welche als einjährig Freiwillige dienen wollen und im Eroßherzogthum Hessen nach 20 der Militär-Ersatz-Jnstruction für den Norddeutschen Bund vom 26. Mär, 1868 (Regierungsblatt 9ir. 21) gestellnugspfüchttg sind, haben ihre Anmeldung schriftlich, unter Berücksichtigung der es 14« 149 151 152, 153, 154 und 155 der erwähnten Militär-Ersatz-Jnstruction bis zimi 1. Februar dieses Jahres bei der unterzeichneten Commission einzureichen, falls sie sich der im März d. I. stattfindenden Prüfung zu unterziehen beabsichtrgen. Der Meldung sind beizulegen: e a. ein Geburtszeugniß (Taufschein) ; b. eine beglaubigte Einwilligung des Vaters oder des Vormundes; welches für Zöglinge von höheren Rillen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) von dem Director, beziehungsweise Rector der betreffenden Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute aber von der Polizei-Obrigkeit auszustellen ist. , "Da die Zeugnisse und Bescheinigungen bei den Acten zu verbleiben haben, so sind dieselben in den geeigneten Fallen in beglaubigter Abschrift einzureichen. Bei Nichtbeobachtung der bestehenden Vorschriften, oder Einreichung des Gesuchs nach dem angegebenen Termine, kann die Zulassung zu der nächsten auf die ergangene Meldung den Berechtigungsschein nicht zugeschickt erhalten, haben demnächst zur Prüfung zu erscheinen, da eine speciell^E'^rdel/in folgender Weise und zwar an jedem Tage von Morgens 8 Uhr an in dem oberen Saale des Rath Hauses dahier vorgenommen. ^itttopd) 9 März d. I. für Diejenigen, welche im Jahre 1850 geboren sind; 21 Donnerstaa den 20 März d. I. für Diejenigen, welche im Jahre 1851 geboren sind; . , r, r„ 3) Freitaq den 11. März d. I. für die in den Jahren 1852 und 1853 geborenen Angehörigen des Großherzogthums, sowie für sammt- liche Angehörige eines anderen Staates, welche nach §. 20 der Militär-Ersatz-Jnstruction im Großherzogthum gestellungspflichtig sind. “ n.» -6 * »-.l> »•« W Ausnahmsweisc kann der durch die versäumte rechtzeitige Anmeldung verloren gegangene Anspruch durch Resolution der Ersatzbehorden dritter Instanz wieder verliehen werden, wenn der Beteiligte Militärpflichtige noch nicht an einer Loosung Theil zu nehmen verpflichtef war, oder vermöge semer L°°s-N»mm-r disponibel geblieben ist. In letzterem Falle darf diese Vergünstigung indeß nur dann eintreten, wenn der deßfallftge Antrag vor der zweiten Aushebung, bei welcher der betheiligte Militärpflichtige zu concurriren hat, formirt wird. , .. r , ,, Gesuche um Wiederverleihung der durch versäumte rechtzeitige Meldung verloren gegangenen Berechtigung sind an die zuständige Krels-Ersatz-Commlssion zu afct g£n 7, 3anual 1870. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. ' B e ch st a t t. Strecker. Besondere Bekanntmachungen. 183) Die Schulgelder aus den städtischen Schulen und der Realschule pro IV. Quartal 1869 den Zahltagen: Dienstags, Donnerstags und Samstags, ohne Kosten zur Stadtkasse bezahlt werden. Gießen, den 11. Januar 1870. können an den drei nächstfolgen. Der Stadt-Rentmeister: Enders. Edictalladunq. 57) Nachdem Großherzogliches Hofgericht der Provinz Oberhessen über das um 1872 fl- 19V2 kr. überschuldete Vermögen des Peter Kaspar, genannt Theodor Keßler von Wieseck, den formellen Con- curs erkannt hat, werden alle Diejenigen, welche Forderungen oder sonstige Ansprüche an denselben zu bilden haben, aufgefordert, solche im Termin Donnerstag den 24. Marz 1870, Vormittags 10 Uhr, dahier anzumelden und mit etwaigen Vorzugsrechten zu begründen, widrigenfalls stillschweigender Ausschluß von der Masse erfolgen wird. In diesem Termine soll zugleich ein Arrangement versucht und in dessen Entstehung zur Wahl eines Gläubiger-Ausschusses und Massecurators geschritten werden. Die durch gehörig Bevollmächtigte nicht vertretenen Gläubiger werden deshalb insoweit als den Beschlüssen der Mehrheit der erscheinenden Gläubiger beitretend angesehen werden. Gießen, den 10. December 1869. Großherzogliches Landgericht Gießen. _____Bötticher.__ 240) Die aus dem Jahre 1869 noch rückständigen Pachtgelder von Universitäts- Triebvierteln, sowie die am 1. Januar 1870 fällig gewesenen Kapitalzinsen, können bis Ende l. Mts. noch ohne Kosten zur Universitätskasse bezahlt werden. Gießen, den 14. Januar 1870. Großherzogliches Universitäts-Rentamt. Schmitt. Berichtigung. 238) Die an die Gläubiger des Hofkappenmachers Heinr. Franck's Eheleute von Friedberg erlassene Aufforderung vom 15. v. Mts. wird hiermit dahin berichtigt, daß nach dem in derselben erwähnten Uebereinkommen die angemeldeten Forderungen nicht getilgt, vielmehr zwölf Jahre lang jedes Jahr echzig Gulden von der Wittwe und dem Sohne Christian bezahlt nnd an die Gläubiger behuis ihrer Abfindung vertheilt werden sollen. Im Uebrigen wird die fragliche Aufforderung wiederholt und allen Interessenten Einsicht der Acten gestattet. Gießen, den 12. Januar 1870. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Becker, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. 239) Im Firmen - Register des unterzeichneten Gerichts ist heute folgender Eintrag vollzogen worden: Otto Kempff von Gießen hat den Adolph Schaumann aus Münden in Hannover, jetzt in Gießen, am 1. d. Mts. als Theil- haber in das von ihm zuletzt allein unter der Firma: „Burk & Storck" betriebene Tabaksfabrikanons-Geschäft ausgenommen. Beide führen dasselbe unter der seitherigen Firma fort und jeder von ihnen ist berechtigt, die Gesellschaft allein zu vertreten und die Firma zu zeichnen. Gießen, den 13. Januar 1870. Großherzogliches Stadtgericht Gießen- Muhl, Stadtrichter. Versteigerungen. Bau-Verding. 247) Die zur Erbauung eines Gemeindehauses in Wismar erforderlichen Arbeiten und Lieferungen für Maurer, Steinhauer, Zimmermann, Dachdecker, Klempner, Glaser, Tischler, Schmied, Anstreicher, zusammen auf 2160 Rthlr. veranschlagt, sollen in Verding vergeben werden. Uebernahme-Offerten auf speziell zu bezeichnende Anschlag-Positionen sind nach hier vorher einzusehendem Kostenanschläge mit Bedingungsheft spätestens im Termine den 29. d. Mts., um 10 Uhr, an mich abzugeben. Krofdorf, den 14. Januar 1870. Der Bürgermeister: C o l n o t. HolzverstAgerung im Fürstlichen Thiergarten bei Hungen. 192) Montag den 24., Dienstag den 25. und Mittwoch den 26. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, kommen in dem Fürstlichen Thiergarten bei Hungen nachstehende Holzsortimente zum öffentlichen Verkauf, als: 652 Eichen-Rutzholz-Stämme, zusammen 21800 Cubikfutz, 45 Buchen-Nutzholz-Stämme, zusammen 550 Cubikfutz, 19 Gemischte Nutzholz-Stämme, zusammen 600 Cubikfutz, 45 Nadelholz-, resp. Stangen, zusammen 492 Cubikfuß. Es befinden sich darunter 14 Eichen- Stämme von mindestens 20 Zoll Durchmesser und 25 Fuß Länge, sowie 2 Ulmen von 27, resp. 26 Zoll Durchmesser und 28 Fuß Länge. Freitag den 28. und Samstag den 29. d. Mts., Morgens 10 Uhr, soll ebendaselbst eine bedeutende Quantität Brennholz (Buchen- und Eichen-Scheid-, Prügel-, Stockholz und Reiser) verkauft werden. Hungen, den 12. Januar 1870. Fürstliches Rentamt. __________Demme._____ 248) Samstag den 22. d. Mts. werden folgende Holzsortimente versteigert: I. um 9 Uhr zu Atzbach auf dem Rathhause aus den Districten Lanzenloch und Eichelstück: 61 Stück Eichenstämme = 1933 Cubikfuß, guter Qualität, ä 14—36 Fuß lang, 10—168 Cubikfutz Inhalt, 1V2 Klftr. Eichen-Nutzholz für Küfer, 10 „ „ Derbholz und Reiser; II. um 2 Uhr auf dem Rathhause zu Kinzenbach aus dem District Eselspfad : 26 Stück Eichenstämme = 391 Cubikfutz, in Stücken von 5—30 Fuß Lange und 12-31 Cubikfuß Inhalt, 31/2 Klftr. Derb- u. 20 Klftr. Reiferholz. Das Holz ist an guter Abfahrt gelegen, gegen Bürgschaft wird Zahlungsfrist be "'Krofdorf, den 14. Januar 1870. Der Bürgermeister: Colnot. Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Sich. 250) Künftigen Montag den 24. d. M-, Morgens 9 Uhr, sollen im District Fuchsstrauch, an der Eisenbahn zusammenkommend, und Nachmittags im District Reitschule versteigert werden: 5 Stecken Buchen- u. Eichen-Scheidholz, 83Vr „ Buchen-, Eichen- und Tannen- Prügelhoh, 71 „ Buchen-, Eichen- und Tannen- Stockholz, 5800 Wellen Buchen-, Eichen- u. Tannen- Reisholz, 31 Stämme geringes Eichcn-Bauholz und 1907 Stück starke Eichen-, Birken- und Tannen - Stangen. Lich, den 17. Januar 1870. Fürstliche Oberförsterei Lich. _____________Eigenbrodt._____ 165) Die sogenannte Weißmühle bei Großen-Buseck, mit allem Zubehör, soll Donnerstag den 20. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, einer nochmaligen Versteigerung ausgesetzt werden. Bemerkt wird, daß, wenn ein annehmbares Gebot erfolgt, der Zuschlag sogleich ertheilt werden soll. Großen-Buseck, den 11. Januar 1870. Der Massecurator: Balthasar Stephan I. ___!P__ fcsg___________==? Feilgebote»,eÄ 199) Tische und Bänke für Wirthe, 7 Fuß lang, sind zu verkaufen bei I. Rothenberger, Lindenplatz. 126) Ein Haufen guter Mist ist zu verkaufen im D armstädter Haus. 231) Trockenes Buchen - Scheidholz im Stecken, desgl. kleingemachtes im Centner, sowie'Braun- und Steinkohlen I. Qualität in ganzen und getheilten Waggons bis zu 1 Centner, an's Haus geliefert, empfiehlt 8S. Klinkel. Taubheit ist heilbar! 156) Ein in zahlreichen Fällen bewährtes, durchaus ungefährliches Mittel, auch das schlechteste Gehör noch bis zur Wahrnehmung selbst schwacher Laute zu kräftigen, welches mich selbst von einer 30sähri- gen, bis zum höchsten Stadium gediehenen, Gehörsschwäche schnell und vollständig befreit hat, ist die präparirte Gehörwolle, und versende ich dieselbe nebst genauer Gebrauchsanweisung rc. gegen Einsendung von 3 Thalern. Berlin. L. Oelsnev, neue Sckönhauserstraße No. 12. Zeugniß für,die heilsame Wirkung der L. Oelsner'schen Gehörwolle: „Ich habe mich der Gehörwolle nach Vorschrift bedient; ich befinde mich danach so wohl, daß meine Freunde mir gratuli- ren, mich an Sie gewandt zu haben und meine totale Genesung voraussagen. Gedankt sei es Gott und Ihnen, mein Herr, ich bin in vollem Gange, meine Genesung zu erlangen; ich bitte Sie, dieselbe zu beendigen, indem Sie mir dasjenige schicken, was Sie zu meiner Herstellung für nöthig halten." 29. September 1868. Pfarrer Solgendorff, in Erstorff. 224) Nuss. Caviar, russ. Sardinen, Anchovis, Neunaugen empfiehlt Emil Fischbach, Seltersweg. 193) Mull, Tüll, Tarlatan, wollene und seidene Stoffe werden coffrirt in allen Breiten. Auch habe ich eine Coffrirma- schine zu verkaufen. Maria Renner. 214) Zwei alte Fenster, 7,/2 Fuß hoch, sowie drei Stück noch fast neue Steinkohlen- Oefen, nebst Circulir-Ofen, werden billig abgegeben bei C. Stohr, Neustadt Nr. 209. 218) Ein mit guten Obstbäumen bepflanzter Garten am Rodt ist zu verkaufen. Näheres bei Frau Dr. Hanste in. Z Bettfedern und Dannen, in schöner Waare, empfiehlt zu billigen Preisen A u g. M o n t a n u s. Bermieth ungen. 249) Mehrere Familienwohnunqen, sowie Lagerräume in dem Fabrikgebäude, die sich auch zu Werkstätten eignen, sind in der früher Katzenstein'schen Besitzung zu ver- miethen. Näheres bei B. Katzen st ein, Neuenweg 139. 7) Ein Familicnlogis, bestehend aus 3 Zimmern, 1 Cabinet, Küche u. s. w., ist zu vermiethen bei M. Weißbäcker. 1) Ein Familienlogis ist zu vermiethen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 241) Mehrere möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei I. Göbel, zum Lindenhof. 206) Die Parterre-Wohnung mit Schaufenster in meinem Hause Lit- B- Nr. 85, Neuenbäuen, ist von April ab zu vermiethen. A-Balser. 242) Ein Zimmer für einen oder auch zwei Herren ist sogleich zu vermiethen. Näheres zu erfragen bei H. B- Peppler, Seltersberg, im Hinterhaus. 195) Ein kleines Familienlogis ist zu vermiethen bei H. Seibert- 194) Ein möblirtes Zimmer ist zu oer- miethen Lit- C- Nr. 8. 198) Meine Mansarden - Wohnung, bestehend aus drei freundlichen Zimmern, drei Cabineten, Küche und Zugehör, ist zu vermiethen und sogleich beziehbar. Carl Kaspar, vor dem Neuenweger Thor. 196) Ein größeres und ein kleineres Zimmer, beide mit Cabinet, sind Lit. A- Nr- 43, mit oder ohne Möbel, zu vermiethen. Vermischte Anzeigen. Gkmüthlichkeit. 252) Mittwoch den 19. Januar, Abends 8 Uhr: außerordentliche Generalversammlung. 84) Ein Mädchen vom Lande wird zu alsbaldigem Eintritt in Dienst gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 251) In nächster Zeit begrüßen mir den Tag, an welchem sich das vorige Jahr der hiesige Verschönerungs-Verein constituirte- Sollte es nicht passend sein, diesen Tag durch ein feierliches Festessen zu begehen? Gießen, den 16. Januar 1870. Mehrere Mitglieder und Verehrer des Verschönerungs-Vereins. Beachteuswerth! 76) Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen, sowie Schwächezustände der Harnblase und Geschlechtsorgane. Spezialarzt l>r. Kirchhoffer, in Kappel bei St. Gallen (Schweiz). 207) In einem hiesigen Colonialwaaren- Geschäfte kann ein mit den nöthigen Vorkenntnissen versehener junger Mann als Lehrling Stelle finden. Das Nähere ist bei der Exped. d. Bltts. zu erfahren. 246) Einen Lehrling sucht Karl Schwan, Schuhmacher. 1 Offene Stelle für einen im Rechnungsfache erfahrenen jungen Mann. Wo? sagt die Expedition d. Bltts.________________________________________ 209) Ein Laufmädchen wird gesucht. — Näheres Neustadt D. 149. thhcim $ .TI Die nächste Nr. 16 des neuen, VI. Jahrganges enthält: Eine Cabinetsintrigue. Roman von G. Hiltl. (Forts.) — Ein Roccocobildchen von G. Hesekiel. Zu dem Bilde: Jst's gefällig? von O. Eromann. — Eis und Stahl. Von P. Wiedemann. Mit Abbildungen von Schlittschuhen. — Erinnerungen an Suez. II. Festesnachklänge. Von Dr. Ave-Lalle- mant. — Das gläserne Handwerk. Von F. Bücker. Mit 3 Illustrationen von H. Lüders. — Von allerhand Kochkünstlern. — Am Familientische. Das Marmorbad in Cassel. — Vom edlen Kraut. — Das Arndt- denkmal auf dem Rugard. ZU Bestellungen empfehlen sich die Ferber'sche Univ.-Buchhhandlung, E. Heinemann, I. Nicker. Hsmburg-Amrrikanische Packetfahrt-Atticn-Gssellschsst. 145) Directe Post-Dampfschifffahrt zwischen Hamburg und Rew-Aork, Havre anlaufenv, vermittelst der Post-Dampfschiffe Westphalia, Mittwoch, 26. Janr. > § Holsatia, Mittwoch, 16. Febr. 1 § Sammonia, „ 2. Febr. 5 Allernannta, „ 23. Febr. 5 ilessa, „ 9. Febr. 1 1 <$» Passagepreise r Erste Cajüte Pr. Crt. Rthlr. 165, Zweite Cajüte Pr. Crt. Rthlr. 100, Zwischendeck Pr. Crt. Rthlr. 55. Fracht L 2. — pr. 40 Hamb. Cubikfuß mit 15 % Primage, für ord. Güter nach Uebereinkunft. Briefporto von und nach den Verein. Staaten 4 Sgr. Briefe zu bezeichnen „per Hamburger Dampfschiss", und zwischen Hamburg und New-Orleans, auf der Ausreise Havre und Havnna, auf der Rückreise Havana und Havre anlaufend. Teutonia 12. Februar. Saxonia 12. März. Passagepreife: Erste Cajüte Pr. Crr. Rthlr. 180, Zwischendeck Pr. Crt. Rthlr. 55. Fracht ,C 2. 10. pr. ton von 40 Hamb. Cubikfuß mit 15 % Primage. Näheres bei dem Schiffsmakler Anton Bolten, Wm. Millers Nachfolger, Hamburg, sowie bei den für das Großherzogthum Hessen zum Abschluß von Ueberfahrts,-Verträgen concessionirten Haupt-Agenten________Carl RackO Comp. in Mainz. Landarbeit und Nebenbeschäftigung für Jedermann, welche Winter und Sommer geht, sich für männlichen und weiblichen Geschlechtes, sowie für Kinder über 10 Jahre alt, eignet, sehr reinlich in jeder Wohnung betrieben werden kann, keiner Vorkenntnisse bedarf und einen jährlichen Gewinn von 360 bis 700 Rthlr. ab wirft. Betriebs-Kapital sind nur 5 Rthlr. erforderlich. Niemand dürfte es bereuen, sich gegen Franko - Einsendung von nur einem Rthlr. Information durch das „Agentur-Büreau" für Güter-Ein- und Verkäufe in Cöln am Rhein, Pfeilstraße Nr. 23, eingeholt zu haben. Das Büreau garantirt den doppelten Betrag als ©nb schädigung, falls die Information die Annonce nicht rechtfertigt. (244) Hb'pckeptisckro Krumpfe (Fallsucht) heilt brieflich der Specialarrt für Epilepsie Dort- O. Biillisch H _____________in Berlin, Mittelstraße 6. — Bereits über Hundert geheilt- (201)WWW k FmwMgr städtische Fcueiwchr. Stift«»gsskst Samstag den 22. c., Abends 8 Uhr, im Lony'schen Biersaal. Karten zu 6 kr. bei den Herren Leo, E. Gail, G. Stieber und Gerlipp. — Die Einführung von Nichtmitgliedern ist zulässig. Der Vorstand. ____________________________________C. Weidig. Cafe Leib. 226) Dienstag den 18. Januar: 1. Abonnements-Concert, ausgeführt vom Musik-Corps des Grofih. Hess. II. Inf.-Reg., unter persönlicher Leitung seines Dirigenten, Herrn V. Reifert. Programm. Erste Abtheilung: 1) Schillerschlößchen-Marsch (neu) von Riede. 2) Ouvertüre zur Oper: „Die Puppe von Nürnberg" von Adam. 3) Cavatine aus der Oper: „Robert der Teufel" von Meyerbeer. 4) „Traumbilder", Phantasie von L- Lumbye. 5) „Jugenderinnerung" von E- Bach, Caprice für Waldhorn und Oboe, für Orchester instrumentirt von Reifert, vorgetragen von den Haut- boisten Lerch und Wenzel- 6) „Aus meinem Stammbuch", Melange von C. Faust. Zweite Abtheilung: 7) Ouvertüre zur Oper: „Fidelio" von L. v. Beethoven. 8) „Ein Blümchen im Mai", Walzer von A- Herzog. 9) Finale aus der Oper: „Maria Stuart" von Donizetti. 10) „Les Fauvettes“ (die Grasmücken), Concert-Polka für 2. Piccolo von Bosquetto. 11) Reminiscenzen aus der Oper: „Rigoletto" von Verdi. \ 12) Hedwig-Polka-Mazurka (neu) von Ziko f. Anfang 7 Uhr. — Entröe für Nichtabonnenten ä Person 15 kr. Die verehrten Abonnenten werden freundlichst ersucht, ihre Karten mitzubringen. __________________(Es wird höflichst gebeten, nicht zu rauchen.)__________________ is4) Verflchenmgs - Renten werden in allen geeigneten Städten, Flecken, Dörfern, von einer alten inländischen Feuerversicherungs- Gesellschaft von anerkannter Solidität nnd mit den vorzüglichsten Garantiemitteln versehen, unter günstigen Bedingungen angestellt und können Lebens- und Hagelversicherungs-Agenturen beigegeben werden. Nachdem die Verhandlungen gegenwärtiger Landtagssession eine freiere Entfaltung des Feuerversicherungs-Wesens in Hessen sichern, eröffnet sich den Agenten ein lohnendesFeld derWirk- s a m k e i t. Bewerber wollen ihre Offerten unter der Adresse: „H. L. 7. Agentur betreffend" bei der Expedition dieses Blattes niederlegen. Den 19. Wegen Auskünften und Passagen wende man sich gcf. an Obigen. Atalanta Smidt Nemesis Rhein Bremen Havre Bremen Liverpool Bremen New-Orleans. New-York. 20. 22. Telegraphischer Bericht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten Chr. Wallenfels. Abgehend : Januar Dampfer Cimbria von Hamburg nach New-Bork. „ „ New-York v i° dch, dc Wdornen Ein d Er ersten Glas Getränk ne- An'l'tz- und seine < Diese McbenS flcwonncn, lung eintril dann hasse Wenig Sand> ßincS Ins« lichen Dors „3» Hamburg b war die & Ehe ras * Ehe in em bezog einen reichte, eine Liebe gctväl in ihrer 3r den W scheine nach auch durch einzige Fehl Eitelkeit ai äußersten 8 seinen weife geschmückt, sich doch nc anderer Frc schasten ve Mutter um fesseln such Leide' zum unget aus btm ( fd^witgtn, i dauerte abe Krau von ' Mdurrr % heit und 2 lung nahe. Selbstversta zu Vorwür Hauses toüi von aufrich gelobte Bes hatte auch, Stunden zu So ve chen das L< Das hohe । lich, sonder Dauer. 9] solches fiin ihn und tr schasten au M die G * N hechten x Nt Bitt, dallsain ih ihres t* komn ?rflu nicht । heran. 1* Abe ?reij noch Minnns. ^si'gereni $ . Hier m, tfn »Men llM hlr; ,-ii m ba« lr, *, soll«. r nach ntn \l 100, aufend. r- SZ. rtragen linz. tes, so- etrieben 360 bis > dürste n durch eilstraße lls Ent- ersaal. lebet »M anb. -ig. , unter rt. ) Oboe, n Hautest) von ingen- t, von ft von ^antie- .-stellt n bev tiger je uff er»ff= ; ,F. dieses Die Geheimnisse einer jungen Mamsell. (Fortsetzung.) Ein dankbarer Blick Sanber'S belohnte Clara's hoffnungsreichen Worte. Er stieß mit ihr an und trank sein Glas in einem Zuge aus. Dem rrsten Glase folgte ein zweites, das Clara ihm aufnöthigte. Das belebende Getränk wirkte wohlthätig auf seine erschlafften Nerven. Die Leichenblasse seines Antlitzes verlor sich etwas. Er athmetc freier, seine Pulse gingen rascher und seine Augen begannen hoffnungsvoll zu glänzen. Diese gänzliche Veränderung seines Wesens machte das Herz des guten Mädchens vor inniger Freude klopfen. Dem Leben habe ich den Armen wieder gewonnen, dachte sie, nun gilt es zu sorgen, daß kein Rückfall seiner Verzweiflung eintritt. O, wenn er mir nur erst sein ganzes Vertrauen geschenkt hat, dann hoffe ich sicher, ihn zu retten Wenige Minuten darauf sollte der letzte Wunsch erfüllt werden. Sander, durch das Essen und den Wein gestärkt, begann die Erzählung seines Jugendlebens und vor Allem des Abschnittes, der ihn zu dem verdamm- lichen Vorsatze getrieben, Hand an sich selbst zu legen. „Ich erblickte," sagte der Unglückliche, „vor vierundzwanzig Jahren in Hamburg das Licht der Welt. Meine Mutter, die sich sehr jung verheirathete, war die Tochter armer, aber rechtschaffener Eltern, die aber bald nach ihrer Ehe das Zeitliche segneten. Ihr Gatte, Min Vater, war im Beginn seiner Ehe in einem hiesigen bedeutenden Handlungshause als Procurist angestellt und bezog einen Gehalt, der bei der damaligen billigen Lebensweise vollkommen ausreichte, eine kleine Familie anständig zu ernähren. Er hatte meine Mutter aus Liebe gewählt; denn sie war, wie jetzt noch ihre sanften, lieben Züge beweisen, in ihrer Jugend von Gott mit ungewöhnlichem Reize gesegnet. Die ersten beiden Jahre dieser Ehe, während dessen meine Geburt erfolgte, war, dem Anscheine nach, eine glückliche. Mein Vater war tüchtig in seinem Geschäfte und auch durch die Liebe zu seiner Gattin ein solider, pflichtgetreuer Ehemann. Der einzige Fehler, der meiner Mutter an ihrem Manne aufsiel, war eine unbegrenzte Eitelkeit auf seine allerdings hübsche Persönlichkeit. Er trug sich stets im äußersten Grade modern. Sein Jabot war mit einer Brillantnadel und seine feinen weißen Hände, auf die er sich viel zu Gute rhat, mit kostbaren Ringen geschmückt. Obwohl er meine Mutter aufrichtig zu lieben schien, so stellte es sich doch nach Verlauf einiger Jahre heraus, daß er für die freundlichen Blicke anderer Frauen und Mädchen nicht unempfindlich war, und gern in den Gesellschaften verweilte, wo solche kokette Geschöpfe anwesend waren, die meine Mutter um den schönen Mann beneideten und ihn an ihren Triumphwagen zu fesseln suchten. Leider gelang ihnen bas nur zu bald. Der bisher treue Gatte wurde zum ungetreuen, der Weib und Kind vernachlässigte und nur noch selten direkt aus dem Geschäfte nach Hause kam. Anfangs blieb meiner "Mutter das verschwiegen, was ihr Dasein für immer mit schwerem Kummer erfüllen sollte. Es dauerte aber gar nicht lange, als mitleidige Freunde unserer Familie die arme Frau von dem Betragen ihres Mannes und seinen lockeren Verhältnissen mit anderen Frauen in Kenntniß setzten. Meine Mutter, die an die Rechtschaffenheit und Treue ihres Gatten, wie an Gott, geglaubt hatte, war der Verzweiflung nahe. Sah sie doch mit einem Schlage ihr ganzes Lebensglück vernichtet. Selbstverständlich regte sich die Eifersucht in ihrer Brust. Es kam zu Klagen, zu Vorwürfen, die sie dem eiteln, leichtfertigen Gatten machte. Der Friede des Hauses war für lange Zeit gestört. Indessen schien mein Vater eine Zeitlang von aufrichtiger Reue ergriffen, oder er heuchelte auch nur dies Gefühl. Er gelobte Besserung, suchte meine Mutter durch herzliche Bitten zu versöhnen und hatte auch, wie er ost und laut betheuerte, dieser Versöhnung viele glückliche Stunden zu verdanken. So vergingen noch sechs Jahre. Meine Mutter schenkte noch zweien Mädchen das Leben, die von beiden Gatten mit unendlicher Freude begrüßt wurden. Das hohe Glück, hübsche, gesunde Kinder zu besitzen, die sich nicht bloS körperlich, sondern auch geistig früh herrlich entwickelten, war bei der Mutter von Dauer. Nicht sy bei dem Vater. Die Unruhe, welche stets in Begleitung solches Kindersegens ist, und die oft bis in die Nacht hinein währte, verstimmte ihn und trieb ihn wieder dazu, die längere Zeit von ihm gemiedenen Gesell- schäften aufzusuchen, in denen er, da er ein Mann von Geist und Witz war und die Gabe der Unterhaltung besaß, wieder gern empfangen wurde. Die allabendliche Entfernung des Gatten kostete meiner Mutter bittere Thränen, um so mehr, da sie ihn beargwöhnte, daß er auf's Neue den Pfad der von ihm beschwornen Treue verlassen habe. In diesem Verdachte wurde sie noch dadurch bestärkt, daß ihr Mann, der, um sechszehn Jahre älter als sie und jetzt vierundvierzig Jahre zählte, noch mehr Sorgfalt auf seine Toilette als früher verwandte, seine etwas Hagern Wangen mit feiner künstlicher Rothe zu schminken und das ergrauete Haar dunkel zu färben begann. Was sie im bangen Herzen ahnte, sollte sich bald bestätigen. Eine kokette Dame, die zwar über die Ju- gendblüthe hinaus war, aber als die Wittwe eines reichen französischen Partikuliers, der Hamburg zum Aufenthaltsorte gewählt, großen Reichthum besaß, hatte den eiteln Mann in ihre Netze gelockt. Meiner Mutter wurde dieses schmachvolle Verhältniß von guten Freunden hinterbracht. Zuerst in heftigen gerechten Zorn ausbrechenß, rieth ihr doch die Vernunft, ihren Gatten durch sanfte Bitten und Thränen zu seiner Pflicht zurückzuführen. Sie bekämpfte ge§ waltsam ihr Erregtheit und war entschlossen, nachdem sie am Morgen die Untreue ihres Gatten erfahren, ihn am Abende, wenn er vom Comptoir nach Hause kommen würde, zur Rede zu stellen und ihn zu beschwören, der liebenden Frau nicht den Gatten, den Kindern nicht den Vater zu rauben. Der Abend tam heran. Es schlug acht, es schlug neun, zehn Uhr, mein Vater erschien nicht. Aber meine Mutter suchte die Ruhe nicht. Sie wollte um jeden Preis noch an diesem Tage mit ihrem Manne reden. Während wir Kinder |-i sanft in unfern Betten schliefen, saß die arme Frau in stummem, aber nur desto heftigerem Schmerze da und wartete vergebens." Hier machte der junge Mann eine Pause, um sich die mit Thränen gefüllten Augen zu trocknen und sich von dem Schmerze der Erinnerung an das Unglück seiner Mutter, der ihm fast übermannt hatte, etwas zu.erholen. Clara, die mitleidige Seele, sah ihn bedauernd an. Sie schenkte ihm noch ein Glas Wein ein, nöthigte ihn zu trinken und sagte dann: „Armer Sohn! Ich ahne, was kommen wird, und mein Herz zittert bei dem Gedanken, das Schlimmste zu hören. Aber Sie müssen Ihre Geschichte zu Ende bringen, wenn ich Ihnen rathen und helfen soll." Nach fünf Minuten fuhr Sander fort: „Die aufgehende Sonne blickte auf ein blasses Gesicht, dessen Augen roth- geweint waren. Mein Vater war nicht nach Hause gekommen und erschien auch den folgenden Tag nicht. Da mußte gehandelt werben. Meine Mutter kleidete sich an, befahl dem Dienstmädchen, über uns Kinder zu wachen und begab sich auf den Weg. Sie ging zuerst zu dem Prinzipal meines Vaters. Mit Entsetzen erfuhr sie, er sei schon zwei Tage vom Comptoir fortgeblieben. Sie suchte einige seiner Freunde auf, die sie den Namen nach kannte. Man hatte ihn wenige Abende vorher gesehen, seitdem aber nicht wieder. Da meine Mutter den Namen und die Wohnung des Frauenzimmers wußte, mit dem ihr Gatte in einem unerlaubten Verhältnisse stand, so verfügte sie sich in ihrer Verzweiflung zu ihrem Hause hin. Eine alte Kammerfrau empfing sie und erzählte ihr, ihre Herrin sei vor wenigen Tagen von Hamburg abgereis't; wohin, wisse sie nicht. Sie sei abgelohnt, habe nur noch ihre Sachen in Ordnung zu bringen und werde sich dann einen anderen Dienst suchen. In welchem Zustande meine arme Mutter wieder zu Hause anlangte, können Sie sich denken, gutes Mädchen. Ihre Furcht hatte sich bestätigt. Mein Vater war den Verlockungen der reichen Verführerin gefolgt und hatte mit ihr das Weite gesucht. Die arme, betrogene Gattin überließ sich aber nicht zu lange der Verzweiflung. Wir, die hülflosen Kinder, legten ihr die Pflicht der Selbsterhaltung auf. Der Entflohene hatte seiner Frau nur eine kleine Summe hinterlassen, die höchstens für ein paar Wochen ausreichte Als dieses Geld verbraucht war, dachte meine Mutter daran, sich und die Kinder mit weiblicher Handarbeit zu ernähren. Sie suchte sich denn auch Kunden zu verschaffen. Es gelang ihr, da mehrere reiche Leute, die von ihrem Schicksal gehört, Mitleid mit ihr hatten. Das Dienstmädchen wurde abgeschafft und die nöthige Einschränkung begann. Meine Mutter, die uns über Alles liebte, suchte darin Trost für ihr Unglück zu finden, daß sie für uns arbeitete, vom Morgen bis zum Abend, ja selbst oft noch bis tief in die Nacht hinein, ohne sich die nöthige Ruhe zu gönnen. Ein Jahr erwarb sie soviel, daß eigentliche Noth uns fern blieb. Dann aber änderte sich unsere Lage zum Schlimmern. Durch die feine, die Augen anstrengende Arbeit wurde ihre Sehkraft geschwächt. Ein Arzt wurde zu Rathe gezogen. Dieser erklärte, meine Mutter müßte der Arbeit, mit der sie sich in letzterer Zeit beschäftigt, für viele Monate, ja vielleicht für Jahre entsagen, wenn sie nicht nach und nach gänzlich erblinden wolle. Dieser Rath mußte befolgt werden. Die fleißige Nadel wurde bei Seite gelegt. Da wir indessen leben und die Miethe bezahlt werben mußte, so entäußerte sich meine Mutter aller Mobilien und Kleidungsstücke, die sie nicht nothwendig brauchte. So erhielt sie die Familie noch ein ganzes Jahr, dann aber trat die Noth bei uns ein, die so viele verschämte Arme in einer großen Stadt empfinden. Der Winter, ein harter strenger Winter, kam heran und es fehlte an Allem, an Heizung und Nahrung. Aber der Himmel wollte uns damals noch nicht gänzlich dem Unglücke preisgeben. Im Augenblicke der bittersten Noth kam uns Hülfe aus der Fremde. Meine Mutter hatte einen Bruder in Dresden wohnen, einen Musiker untergeordneten Ranges, der Orchestermitglied des dortigen HoftheaterS war. Dieser, dem die Schwester den Derrath ihres Mannes bald nach seiner Flucht mitgetheilt hatte, schrieb, daß seine Frau plötzlich gestorben sei und lud meine Mutter ein, mit ihren Kindern zu ihm zu kommen, und ihm die Wirtschaft zu führen. Er wollte für uns alle sorgen, soweit seine Mittel dazu ausreichten. Dieser Vorschlag wurde mit Freuden angenommen. Das Wenige, was wir noch besaßen, wurde zu Gelbe gemacht. Schon eine Woche nach dem Empfange des Briefes reiften wir nach Dresden ab. Wir wurden von dem Onkel herzlich empfangen und zogen in seine kleine, aber sauber gehaltene Wohnung ein. Der Onkel, ein rüstiger Fünfziger, sorgte väterlich für uns Kinder. Die Mädchen erhielten eine gute, bürgerliche Erziehung. Mich aber unterrich- tete er in der Musik, an der er mit ganzer Seele hing, wenn diese Kunst ihm selbst auch weder Reichthum noch Lorbeeren geschenkt hatte. Da ich nicht ohne Anlage für diese Kunst war, so machte ich leibliche Fortschritte und konnte, als ich bas achtzehnte Lebensjahr erreicht, schon Stunden im Clavier- und Violin- spiel geben, wodurch sich unsre Lebenslage dort um Etwas verbesserte. Bis vor sechs Jahren lebten wir zufrieden, wenn auch nicht vom Ueberfluffe umgeben. Da wies uns ein feindseliges Schicksal aufs Neue ein drohendes Antlitz. Meine ältere Schwester, die sich auf einem Spaziergange eine starke Erkältung zugezogen, wurde von einer Lähmung des rechten Armes befallen, die lange ärztliche Hülfe und sorgfältige Pflege erforderte. Die nöthigen Mittel dazu wurden anfangs herbeigeschafft. Da tauchte plötzlich die einen großen Theil von Europa heimsuchenbe fürchterliche Krankheit, die Cholera, auch in Dresden auf. Mein braver Onkel wurde in wenigen Tagen ein Opfer dieser Seuche. Vermögen hinterließ er nicht; also mußte ich jetzt der einzige Ernährer meiner Familie werben. Da ich aber dort keine feste Anstellung erlangen konnte und Musikstunden eines unberühmten Lehrers nur schlecht bezahlt werden, so wurde unser Hausstand nur durch die Entbehrungen, die wir uns auferlegten, mühsam mehrere Jahre ausrecht erhalten. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Mehrere Familien, in deren Hause ich unterrichtete und die meine besten Kunden waren, verließen die Residenzstadt. Dadurch wurde meine Einnahme noch um die Hälfte vermindert. Von der Zeit an, da die Lähmung meiner armen Schwester nicht weichen wollte unv die Mutter wegen anhaltender Augenschwäche nicht mit erwerben konnte, wuchs unser Elend mit jedem Tage. Auf einmal aber schien uns ein Hoffnungsstern aufzugehen. Ein Freund aus frühe- rtn Zeiten, der oft in Hamburg zu uns in's Haus gekommen und das traurige Schicksal meiner Mutter kannte, war schon vor langer Zeit als Kaufmann nach Paris gereift und hatte sich dort etablirt. Von diesem Freunde erhielten wir unvermuthet einen Brief. Derselbe theilte meiner Mutter mit, daß er mit meinem Vater in Paris zusammengetroffen sei, baß bieser bort unter fremdem Namen in glänzenden Verhältnissen gelebt habe; aber fuß vorher, ehe der Freund und Nachricht gesendet, von Paris abgereift und, dem Vernehmen nach, nach Hamburg, feiner Vaterstadt, zurückgereift sei. Als ich den Bries gelesen, war mein Entschluß gefaßt. (Fortsetzung folgt.) Politische Run-icharr. 13. Januar. Wie die „Wehrzeitung" zu berichten weiß, haben die zu Wien in den letzten Tagen unter Beisein deS ungarischen Minister-Präsidenten über die Militär- grenz-Frage geflogenen Verhandlungen insofern zu einem günstigen Resultate geführt, als der Verkauf der 30,000 Joch Grenzwaldungen unter Aegide des KricgSministeriumS, die Verwendung der hieraus er- fließenden Einkäufe ausschließlich für den Bau von Eisenbahnen, Canälen, Schulen rc. im Militärgrenz- Gebiete und die sogleiche Durchführung der vom Kriegsministerium für die Grenze vorgeschlagenen Reformen beschlossen wurde. Mit diesen Reformen soll auch der Antrag des Kriegsministeriums, die auf den Waldungen lastenden Servitute durch Ueberlas- sung des halben Grundcomplexes in das volle Eigcn- thum der Gemeinden abzulösen, angenommen worden sein. Das militärische Blatt fügt hinzu: „Sollten sich diese Nachrichten bestätigen, so geben wir umsoweniger die Hoffnung auf, daß auch die Bitte der Militärgrenz-Bevölkerung um Berufung und An- hörung einer gewählten Vertretung zum Zwecke der Vereinbarung der weiteren EinverleibungS-Modali- täten ebenfalls noch erfüllt werden wird." Wie man hört, wird unter den Abgeordneten eine Interpellation im Reichsrath vorbereitet, welche die Mili- grenze zum Gegenstände hat. 14. Januar. Die „Marseillaise," die mit schwarzem Rande erscheint, bringt folgenden im höchsten Grade extravaganten Artikel von Rochefort: „Mordthat, ausge- übt von dem Prinzen Peter Napoleon Bonaparte gegen den Bürger Victor Noir. Mordversuch, aus- geübt von dem Prinzen Peter Napoleon Bonaparte gegen den Bürger Ulric de Fonvielle. Ich habe die Schwäche gehabt, zu glauben, ein Bonaparte könnte etwas Anderes als ein Mörder sein. Ich habe mir einzubilden gewagt, ein ehrliches Duell wäre in dieser Familie möglich, wo Meuchelmord und Hinterlist traditionell und üblich sind. Unser Mitarbeiter Pascal Grouffet hat meinen Jrrthum getheilt, und heute beweinen wir unseren armen und thxueren Freund Victor Noir, hingemordet von dem Banditen Peter Napoleon Bonaparte. Wohlan, seit achtzehn Jahren befindet sich Frankreich in den blutigen Händen dieser Wegelagerer, die nicht zufrieden damit, die Republikaner auf den Straßen nieder zu kartätschen, sie auch in schmutzige Fallen locken, um sie zu Hause zu erwürgen. Französisches Volk, findest Du nicht endlich, daß dem jetzt genug ist? Henri Rochefort." 15. Januar. Die Berliner „Börsenzeitung" schreibt: „Bei dem vierteljährlich veröffentlichten Nachweis des den Truppen in den verschiedenen Garnisonen zu gewährenden Verpflegungszuschuffes, wie der Vergütigungssätze für Brod und Fourage findet sich in diesem Quartal zum ersten Mal auch die Sächsischen und Hessischen Garnisonen, und zwar diese letzteren sowohl diesseits wie jenseits der Mainlinie ausgenommen. Es bildet diese Erweiterung der bisherigen Nachweise und Berichte aber überhaupt den ersten Fall dieser Art, indem bisher bei derartigen Veröffentlichungen immer für das XII. Sächsische Corps und die Heffen-Darm- städtische Division eine Ausnahme gemacht wurde. Darüber, ob diesem Vorgang eine tiefere Bedeutung zu Grunde liegt, verlautet noch nichts Näheres und ebenso muß ein Verharren bei demselben abgewartet werden. Der „Karlsr. Ztg." wird von Wien ofsiciös getrieben : Polnische Blätter wissen von militärischen Vorkehrungen in Böhmen zu erzählen, von der Verstärkung der böhmischen Festungen, von der Einberufung der böhmischen Regimenter aus Böhmen — Vorkehrungen, deren Richtung sich durch das Beifügen kennzeichnet, „um nicht von den Ereignissen wie in Dalmatien überrascht zu werden." Ich dar einfach, aber auf das Bestimmteste versichern, daß der Inhalt der betreffenden Meldungen im Ganzen wie im Einzelnen aus der Luft gegriffen ist. Der „N. fr. Pr." schreibt: Eine sehr interessante, bedeutungsvolle Nachricht wird uns heute aus Paris telegraphirt. Graf Daru, der neue Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Frankreich, soll in einer Unterredung mit dem Kaiser diesem erklärt haben, daß die bisherige Politik Frankreichs Deutschland gegenüber nicht acceptiren könne; Frankreich müsse, sobald es sich um den Prager Friedensvertrag handelt, dessen moralische und materielle Ausführung erstreben. Ist diese Nachricht (die unser Correspon- dent dem heutigen „GauloiS" entlehnte) richtig, dann haben wir es mit einem vollständigen Desaveu des bekannten Lavalette'schen Rundschreibens vom 16. Sept. 1866 zu thun, welches, ob seiner Preußen- rcundlichkeit in Berlin mit solchem Jubel ausgenommen wurde; dann erklärt Frankreich sich offener als bisher gegen jede Ueberschreitung der Mainlinie und verspricht Dänemark, welches noch immer verge enS auf die Ausführung des Art. V. des Prager Friedens wartet, seine diplomatische Unterstützung. Ein römischer Correspondent der „Augsb. Postztg." erklärt die vor einiger Zeit von einem Berichter- tatter der „Allg. Ztg." nach angeblichem eigenen Augenschein gegebenen Nachricht, daß in dem den Vätern des Concils zur Prüfung vorgelegten Material die Frage der päpstlichen.Unfehlbarkeit behandelt sei, geradezu für eine Unwahrheit. 15. Januar. Zu dem neuerdings festgestellten Entwürfe eines Strafgesetzbuches für den Norddeutschen Bund theilt die „Deutsche Allg. Ztg." weiter mit, daß auch in der neuen Redaction von einer gesetzlichen Regelung der Strafvollstreckung nicht die Rede ist, sondern die Absicht bestehen dürfte, „es bei den in dieser Beziehung in den einzelnen Bundesstaaten bestehenden Bestimmungen zu belassen." Auch die „Weserzeitung" bringt eine Mittheilung aus dem in der Ausarbeitung begriffenen Entwurf einer Bundesstrafprozeßordnung. Zu der früheren Nachricht über den beabsichtigten Wegfall des Staatsgerichtshofes wird jetzt hinzugefügt, daß „begründete Aussicht gegeben sei, die Preßprozesse in Zukunft den Geschworenengerichten überwiesen zu sehen." Die Bestätigung ist jedenfalls abzuwarten. — lieber das neue Preßgeseß, dessen Vorlage der Minister des Innern noch für die gegenwärtige Session des Land- tags zugesagt hat, meldet derselbe Correspondent, „daß dasselbe mehr nur eine Reform der administrativen Seite der Preßgesetzgebung erstreben und die strafrechtliche Seite unberührt lassen würde." Der „KarlSr. Ztg." wird officiös aus Wien geschrieben : Es mögen noch einige wenige Tage vergehen, bevor die „Wien. Ztg." wirklich den Austritt derjenigen Minister verkündet, welche das Memorandum der Minorität unterzeichnet haben; aber es leidet schon jetzt keinen Zweifel, daß die Majorität fortzuregieren berufen sein wird. Sie wird fortregieren, bis der praktische Beweis vorliegt, daß sie und ihr Programm der Lage nicht gewachsen sind. Der holländische Minister Thorbecke hat in einer Rede über das Kriegsbudget folgende bemerkcns- werthe Aeußerung gethan: „Was mich anbetrifft, so denke ich über die nothwendige Sorge für unsere Verteidigung anders, als ich vor der Mißhandlung Dänemarks und den Ereignissen von 1866 dachte. Ich bin mit Herrn Knoop der Ansicht — welche ich bereits vor einigen Jahren in diesem Saale aussprach —, daß seit diesen Ereignissen die Unabhängigkeit von kleinen Staaten größere Gefahr läuft als je. Bis zu jener Zeit durfte man sich schmeicheln — und so schmeichelten sich die Völker, dis großen und die kleinen Mächte —, daß allmälig Mäßigung in der Bew ffnung, wenn nicht Entwaffnung, sich nähere. Darf seit dem Jahre 1866 Jemand noch diese Hoffnung hegen? Seit 1866 ist das Bestreben der europäischen Staatengesellschaft gerade das Umgekehrte des Verlangens, welches man, und mit vollkommenem Rechte, an die innere Organisation der Staaten stellt. Während hier, was man Decentralisation nennt, verlangt wird, ist dort Con- centration von Macht die Loosung geworden. Es wird uns wenig nützen, wenn wir gegen diese Richtung uns aus den Beweis der eigenen Nationalität berufen. Ich würde es wünschen, doch befürchte ich, daß, sobald es darauf ankommt, bewaffnete Schritte der einen oder der anderen Macht vor diesem Beweise nicht still stehen würden." Die Väter des Concils sind, wie das „UniverS" und die „Köln. Volksztg." übereinstimmend melden, in den Besitz einer Denkschrift gelangt, in welcher die „Notwendigkeit" des Dogmas der Unfehlbarkeit des Papstes auseinandergesetzt wird. Die Denkschrift ist von mehreren Bischöfen unterzeichnet und schließt, nach einer sechs Seiten langen Motivirung, mit der Definition der Formel: „Supremus paslor ideoque ab omni errore immunis.“ (Er ist der oberste Hirt und als solcher frei von allem Jrrthum.) So soll das Dogma der Unfehlbarkeit lauten. Hessen. Darmstadt, 14. Jan. Prinz Ludwig, der seit einigen Tagen bereits unwohl, ist am Scharlachfieber erkrankt. Der Hofball, den der Prinz zu geben beabsichtigte, ist deßbalb abgesagt. Bremen, 13. Jan. Die Bürgerschaft hat den Vertrag mit Preußen betreffend die Gebietserweiterung Bremerhafens einstimmig angenommen. / Frankreich. Paris, 11. Jan. Der „Constitntionnel" macht über die Affaire des Prinzen Peter Bonaparte folgende Mittheilungen. Prinz Peter Bonaparte warf in einem Brief an Rochefort demselben vor, er habe ihn durch die Feder einer seiner Handlanger persönlich beleidigt. Gestern begaben sich die Herren Victor Noir und Ulrice Fonvielle als Beauftragte deS Unterzeichners des betreffenden Artikels der „Marseillaise," Grouffet, zu dem Prinzen. Nachdem sie in den Salon deS letzteren eingeführt worden waren, fragte der Prinz, ob sie die durch Rochefort abgesandten Handlanger seien. Darauf hätte Victor Noir dem Prinzen heftig in das Gesicht geschlagen und Fonvielle einen Revolver hervorgezogen. Gegenüber einem sa gewaltigen Angriff habe der Prinz rasch ein an der Wand hängendes Pistol herabgerissen und dasselbe auf Victor Noir abgedrückt, welcher todt niederstürzte. Der Justizminister befahl die sofortige Verhaftung des Prinzen, welcher sich bereits freiwillig als Gefangener gestellt hatte. Derselbe wurde in'das Gefäng- niß abgeführt. Der Kaiser hat die Anordnung des Justiz- minifterS gebilligt. — Daö „Journal officiel" veröffentlicht ein kaiserliches Decret, durch welches die Anklagekammer der „haute cour de justice“ einberufen wird, um über die Anklage auf „Todtschlag" gegen Peter Bonaparte zu beschließen. — | Ferner veröffentlicht das „Journal officiel" einen vom Kaiser gebilligten Rapport deS JusttzministerS, welcher sich dahin ausspricht, Ledru Rollin könne wieder nach Frankreich zurückkehren. / Paris, 12. Januar. Die Aufregung über die Affaire Pierre Bonaparte's ist begreiflicher Weise in dem Volke noch ungeheuer. Daö Schicksal Victor Noir'S erregt erst allgemeine Theilnahme. Derselbe war erst 23 Jahre alt und allgemein beliebt. Sein Vater (er ist ein Uhrmachergehülfe) liegt im Spital am Tode. Als man ihm die Nachricht von dem Tode seines Sohnes brachte, sagte er: „Laßt mich allein. Sagt ihr (der Mutter) nichts; ich will es ihr selbst mittheilen." Als die alte Frau vernahm, daß ihr Lieblingssohn ermordet worden, schleppte fie sich nach dessen Wohnung in Neuilly (im fünften Stock), um ihn nochmals zu sehen. Man ließ sie aber nicht vor. Einen schreckhaften Eindruck machte die 16 Jahre alte Braut, als sie die Nachricht von Noirs Tode erhielt. Sie wurde bleich wie der Tod, blieb aber kalt und unbeweglich. Sie ist eine Ereolin. „Vor drei Tagen" — so sagte sie — „spielten wir, um zu sehen, wer zuerst sterben werde, und er verlor." Victor Noir war, als er sich zum Prinzen begabt ganz heiser. Er und Fonvielle hatten sich der erste mit einem Stockdegen, der andere mit einem Revolver bewaffnet, weil man ihnen gesagt hatte, daß der Prinz äußerst brutal sei und sie auf ihrer Hut sein müßten. Der Prinz stellte sich sofort dem Polizeicommiffär von Auteuil, das bekanntlich seit 1860 zu Paris gehört, als Gefangenen. Ollivier, als Justizminister von dcm Vorfälle benachrichtigt , verfügte sofort die Verhaftung des Mörders und seine Ueberführung in die Conciergerie. Der Kaiser gab, erbleichend, seine Unterschrift. Der Staatsgerichtshof wird durch ein besonderes Decret einberufen, um über das Mitglied der kaiserlichen Familie das Urtbeil zu sprechen! Man weiß, daß derselbe aus einer Jury besteht. welche durch Mitglieder der Generalräthe des Landes bezeichnet, gebildet wird. Gestern Morgen publicirte die „Marseillaise" in Riesenledern einen förmlich zur Revolution herausfordernden Artikel Rochefort's. Die Nachfrage nach dieser Nummer tbaV so ungeheuer, daß eine Auflage von 150,000 Eremplaren nicht hinreichte, um ihr zu genügen. Um 1 Uhr Mittags wurde die Druckerei der „Marsellaise" polizeilich besetzt und die Beschlagnahme der vorhandenen Nummern verfügt. — Ulrice Fonvielle ist gestern Nacht schon verhaftet worden aus ^Anlaß seiner ausweichenden Antworten während der (Konfrontation mit dem Prinzen bezüglich deS von ihm hervorgezogenen Revolvers und bezüglich eines Stockdegens, den Noir getragen und der in der Stube des Angeklagten gefunden worden sein soll. Vermischtes. Darmstadt. Bei Klein-Rohrheim wurde vor Kurzem ein schändliches Verbrechen verursacht, das, wenn es nicht noch rechtzeitig entdeckt worden wäre, den Verlust vieler Menschenleben hätte zur Folge haben können. Ein dort stationirter Bahnwärter der Riedbahn fand nämlch kurze Zeit bevor ein Zug diese Strecke Passircn mußte, vor einer Brücke eine Schiene und Eisenbahnschwellen über daS Geleise gelegt. Kaum hatte er dies Hindcrniß entfernt als auch schon der Zug vorbeibrauste, der, wenn der Frevel nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre, voraussichtlich an der gefährlichen Stelle hätte entgleisen müssen. Die angestellten Recherchen führten bald zur Entdeckung deS Urhebers deS Verbrechens. Derselbe war eine Zeit lang provisorisch an dieser Stelle als Bahnwäner verwendet, dann aber entlassen worden. Um nun seinen Nachfolger unmöglich zu machen,'sich aber womöglich die Stelle wieder zu verschaffen, ersann er diesen wahrhaft höllischen Plan, an dessen Mißlingen nur die Wachsamkeit deS Bahnaufsehers die Schuld trug. Paris, 12. Jan. Heute Nachmittag gegen 3 Uhr fand in Neuilly die Beerdigung Victor Noir'S statt. Der Leichen, wagen war ganz mit Jmmortellenkränzen und Blumensträußen bedeckt; mitten auf dem Sarge lag eine phrygische Mütze. Der Bruder deS Ermordeten, Louis Noir, schritt hinter dem Leichenwagen her. Gr trug einen rothen Blumenstrauß in der Hand. In der Avenue Neuilly verlangte ein Theil der Menge, daß man die Leiche nach Paris bringe. Louis Noir intervenirte aber und man gestattete endlich, daß der Zug nach dem Kirchhofe von Neuilly weiter gehe. Am Kirchhofe waren die Thore noch geschlossen, als der Zug ankam. Aber Alles drängte nach dem Eingänge. Rochefort wurdt ohnmächtig und mußte zu einem Apotheker getragen werden. Die Menge selbst, die sich bis dahin ruhig verhalten, stimmte nun plötzlich die Rufe an: „Vive la Rdpublique!“ „A bas l'Empereur!“ „A bas l'Im- pi1ratrice!“ Zugleich ertönte von allen Seiten die Marseillaise. Die Rübe wurde dann wieder herqestellt, und LouS Noir, der Bruder deS Berstorbenen, den man bei der Ankunft auf dem Kirchhofe hingetragen hatte und den man auch nach feinem Wagen zurücktrug, hielt die erste Ansprache. Er empfahl seinen Bruder dem Andenken der Demokratie. Paris, 13. Jan. Der .Rappel" hat eine Subscription zur Errichtung eines Grabdenkmals für Victor Noir mit der Neberschrift eröffnet: „Dem Bürger Noir, ermordet durch Se. Kaiser!. Hoheit den Prinzen Peter Bonaparte!" Aus Florenz vom 10. Januar meldet ein Telegramm der „Presse" : Am Piano-del-Voglio in den Appenninen fand ein weitausgedehnter Erdsturz statt; große Wälderstrecken, siebzehn Gebäude und die Straßen wurden verschüttet. In Savona droht eine Ueberschwemmung. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Bet Beson! 238) t Hoskapp Eheleutl Aufsord! hiermit da in derselbe angemeldel vielmehr sechzig Gu Sohne 6 Gläubiger werden so liche Aus Interessen Gießen, Groß St, Holzmj 250) S ! sollen im! jcnbahn z mittags ir werden: 5 Steck M Well, 31 Stm 1907 Stü LH, de ! ß°Ppenr( Wrobherzo 270) M soll in bei Distrikt ft versteigert N dis 1