Dreis vierteljährig 1 st. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 ft. 27 kr. Gießener Anzeiger. Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags. Expedition: Eanzleib erg Vit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. 132 Samstag den 12. November 1S7O. ...........................!■ UHU miWlfl ll ............................................................................................................... Bestellungen auf den Gießener Anzeiger- °Az-Wm°n°nS dm aud’ Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpeditioll abbolen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December 1870 zu 40 kr. Brodpreise vom 12. bis 19. November 1870, nach eigener Erklärung der Backer: 4 Pfund gemischtes Brod 20 kr. 2 Pfund gemischtes Brod 10 kr. 4 Pfund Roggenbrot) 17 kr. 2 Pfund Roggenbrod 8% kr. 11. November. Die Nachricht, daß die Verhandlungen mit Thiers definitiv abgebrochen find, liefert von Neuem einen Beweis, daß vor der Einnahme von Paris kein Waffenstillstand gelingen könnie, selbst wenn ihn beide Theile ernsthaft verlangten; gelange er aber, so wäre doch die Wahl einer vollständigen Constituante damit noch nicht gesichert, ja nicht einmal eine allgemeine Abstimmung und Zustimmung der Mehrheit für die gegenwärtige Regierung; gelänge aber auch gegen allen Calcül die Wahl einer Constituante, so wäre damit für den Frieden nichts gewonnen, denn eine solche Versammlung könnte wegen der Elemente ihrer Zusammensetzung nicht zum geringsten Entschluß über die Form ihrer Regierung und nicht zu klarer Einsicht über die Nothwendigkeit und die Bedingungen des Friedens kommen. Es mag vortrefflich und geboten gewesen sein, als Zeichen der eigenen deutschen Mäßigung und Friedensliebe, sowie gegenüber dem neutralen Europa, daß die Verbündeten dem leisesten Wunsch der Verständigung die Hand reichten, und mit jedem Schatten von französischem Gouvernement zu unterhandeln bereit waren. Solche Unterhandlungen werden uns bei aller Welt nützlich sein, nicht nur bei den Franzosen, welche jetzt regieren; es bleibt uns doch die Nothwendigkeit nicht erspart, Paris zu demülhigen, um dann entweder mit andern als den heute herrschenden Elementen der zerrütteten Nation zu unterhandeln — was für uns mehr Gefahr als Nutzen haben möchte — oder aber gar nicht zu unterhandeln, sondern unsere Bedingungen allein zu formuliren, sie in den Tuilenen auf den Tisch zu schreiben, ein großes Gebiet von Frankreich, wie es als Unterpfand und zur Ernährung unserer Armee ausreichend scheint, zu besetzen und an unsere deutsche Grenze angelehnt, abzuwarten, dis eine geordnete französische Regierung sich einst gebildet und das hilfreiche Europa die Garantien übernommen bat, welche Frankreich jetzt nicht selbst bieten kann. Die Möglichkeit und Nothwendigkeit des letzteren Falles liegt sehr viel näher, als Manche glauben. Der Kampf zwischen den beiden größten Nationen hat längst einen europäischen Charakter angenommen; ja er hatte einen solchen von Anfang an, als die gedankenlosen Nachbeter der napoleonischen Phrasen roch lange von „Localisiren" des Krieges sprachen, als ob ein Kampf, der in dem äußersten Winkel der Welt als Entscheidungskampf gefühlt wird, noch local heißen könnte. Die Phrase ist freilich Deutschland zu Gute gekommen, welches unbeirrt von Anderen Zeit hatte, die Hauptsache an der Riesenarbeit zu vollbringen. Europa hatte keine Zeit, sich einzumischen; diese Rückhaltung würde sich aber, weil ganz Europa unter dem Kriege leidet, als unmöglich erweisen, wenn der Krieg noch lange fortdauerte. Nun steht aber außer dem Kampfe mit uns ein Jahre lang unentschiedener Bürgerkrieg in Frankreich in Aussicht, und jeder Tag, welchen sich Paris länger hält, kräftigt in den aufgeregten Gemüthern die Hoffnung, mit uns fertig zu werden; jeder Tag, welchen Paris länger cernirt ist, befördert den Zersetzungs- proceß und stärkt die verschiedenen Elemente zum Bürgerkrieg. Im Norden und Westen treiben drei monarchische Prätendenten, die sich unter einander hassen und ausschließen, ein entsetzliches Spiel; der Süden und Osten freuen sich, daß die Allmacht von Paris gebrochen ist und steuern auf tyrannische Communen los, welche aber doch noch ein gemeinsames Band in den Ideen Der socialen Republik haben. In einen solchen Bürgerkrieg können wir uns nicht mischen; wir haben alle diese Elemente nur zu bekriegen, wo sie Den Stachel wider uns wenden; wir haben aber auch keines dieser Elemente zu unterstützen, weil sich die Hoffnung, dadurch ein festes Gouvernement und einen geordneten Frieden zu erreichen, als trügerisch erweisen würde, da kein einziges dieser Elemente, — auch nicht durch unsere Unterstützung — jetzt so kräftig wäre oder gemacht werden könnte, um die andern Elemente zu beherrschen. Ein solches sich Nichteinmischen ist Der allgemeine Ruf in Deutschland und Graf Bismarck scheint diese Linie einhalten zu wollen, wenn er auch die Fiction aufrecht erhalten muß, daß der Gefangene von Sedan als Kaiser von Frankreich gefangen sei, wenn er auch Den Ehrgeiz Bazaines und fer.fcr „Armee Der Ordnung" benutzt haben mag, bis Metz ausgehungert war. Der Stachel aber, welchen alle diese Elemente noch wider uns wenden, würde ausgerissen sein in der Stunde, wo die Einnahme von Paris als vollendete Thatsache wirkt und an dem Tage, wo Die Republikaner zwischen Besannen und Lyon Die blutige Lehre erhalten haben, daß das Wort „Republik" ohne Inhalt kein magisches ist und daß die internationale Liga von unruhigen und unflann Köpfen zerstäuben muß, wo sie mit geordneten Zuständen zusammenstößt. Beides nicht dlos ein Gewinn für Deutschland, sondern für Europa. Ist Paris gefallen und die Armee von Lyon mitsammt allen italienischen Landsknechten der Revolution mit deutscher Gründlichkeit rücksichtslos belehrt, Dann kann Der faktische FrieDen beginnen, und dauern, bis Der geordnete möglich ist. Dies wäre freilich kein Frieden, wie ihn Deutschland wünscht; es wäre aber zugleich das Vermeiden eines europäischen ConflictS, welcher unvermeidlich scheint, wenn wir einen Frieden, wie wir ihn wünschen, zu lange abwarten, oder mit unrichtigen Mitteln und Sympathien zu erreichen suchen. Man fühlt Dies allenthalben in Deutschland und hat deßhalb Die jüngsten Waffenstillstands-Verhandlungen mit einem gewissen Bangen abgewartet; um so lauter tönt jetzt Der Ruf: „Paris muß fallen!" und zwar nicht durch Hunger allein, sondern durch unser Schwert; sonst würden die Pariser niemals glauben, besiegt zu fein. Das Paris der Nationalgarde hat durch Abbruch der Unterhandlungen sich selbst ausgegebcn und mag nun leiden aus Eitelkeit und Großmannsucht; es gilt jetzt, dem Paris Der Rocheforts unD Flourens, Dem Heerd unD Horst aller Unordnung unD Revolution m Der Welt. Das Paris Der NationalgarDe konnte auf eie Sympathien aller Welt rechnen, auch auf Milde und Schonung Derer, welche Den Geschützen Schweigen oder Donner gebieten; Das Paris der internationalen socialistischen Liga wird schwerlich darauf rechnen können. Der „K. Z." wird aus Berlin vom 8. geschrieben: Die sistirten Ordres zur NachsenDung von Geschützen u. s. w. sind aufgehoben, die befohlenen Sen- Düngen bereits in der Ausführung begriffen, auch Ersatzmannschaft ist von allen Seiten nach Dem Kriegsschauplatz beordert. In erfreulicher Weise ist zu berichten, daß Hunderte von wieder geheilten VerwunDeten in das Feld zurückkehren und hier in den letzten Tagen durchgckommen sind. Viele waren bereits mit Dem Eifernen Kreuze geschmückt. Alle brennen vor Kampfbegier, Dem Feinde wieder entgegen geführt zu werden. — Ich sprach heute einen Mann, der vom Kriegsschauplätze zurückgekehrt war, um seinen bei Le Bourget verwundeten Schn vom Regiment Der Königin Elisabeth zu holen. Nach übereinstimmenden Berichten, Die er aus Dem MunDe vieler Mitkämpfer empfing, war Diese Schlacht eine Der furchtbarsten unD blutigsten Des Krieges. Das Regiment „Königin Elisabeth" war bereits in's Wanken gekommen, als Der greise General BuDritzki Die Fahne ergriff unD mit einem „Vorwärts, KinDer !" eine Barrikade erstürmte, nach Deren Einnahme auch das Dorf Le Bourget sich nicht halten konnte. Vielfach soll sich in dieser Schlacht Die Tapferkeit geraDe Des einzelnen Mannes bewunDernswerth gezeigt haben. Wie Der Correspondcnt Der Times in Tours mittbeilt, hat E. Arago Den verschieDenen Maires von Paris Die Weisung gegeben, Das Eigenthum Der aus Paris vertriebenen Deutschen als steuerpflichtig anzusehen. Wenn Diese Steuer nicht gezahlt werDe, soll Daß Mobiliar mit Beschlag belegt werden. Man kann, so fügt der erwähnte Berichterstatter hinzu, Die Billigkeit dieser Maßregel füglich in Frage stellen, zumal wenn man bedenkt, Daß es Die Behörden von Paris selber waren, welche Die Deutschen austrieben, unD daß viele von Den letzteren Durch Diese Ausweisung große Verluste erlitten, Die sie gern vermieden haben würden. Von einem ihrer Corresondenten im Gefolge Gariba 1 di'S bringen „Daily News Briefe bis zum 1. Nov., welche zunächst über Die Scharmützel bei Be- sanyon und Auxonne berichten. Bei Auronne ließen 7000 Mobilgarden unter dem Befehl des berühmten Lavalle ihre Waffen im Stich und liefen fort, so daß die Preußen, ohne einen Schuß gethan zu haben, in Dijon einzogen. Cambriels soll sich einen Extrazug bestellt haben unD per Eisenbahn entflohen sein. Von Dem vielgerühmten Enthusiasmus Der Bevölkerung ist in Den Departements Cüte d'Or unD Jura Nichts zu merken. Man glaubt nicht an Den Sieg, fürchtet die Rache Der Preußen unD hält es für unnütz unD hart, daß, trotz dieser Aussichten, ihnen so schwere Bürden zur Bekämpfung des Feindes auferlegt werden. TrabuSco, Der Helfershelfer Grcco's, die sich Beide als Retter ihres Vaterlandes auSgaben, während sie in dem vorgeblichen Complott zur Ermordung des Kaisers bezahlte Spione im Dienste der französischen Polizei waren, kamen Beide hierher, spielten sich g oß und jener erwartete nichts weniger als einen Generalsposten. Man wollte ihn aber nicht einmal als Corporal haben, sondern ordnete seine Verhaftung an. Der Ehrenmann scheint indessen von diesem wohlwollenden Vorhaben rechtzeitig Wind bekommen zu haben; man sand ibn wenigstens „nicht zu Hause." Wie es um die Ausrüstung der Garibaldianer bestellt ist, zeigt folgende Episode, die Der genannte CorresponDent erzählt. Am 31. Oktober saß er mit den Offizieren des Stabes zu Tisch, als im Gespräch erwähnt wurde, baß das erste, von Major Azzi befehligte Bataillon sich geweigert hatte, die für dasselbe ausgege» denen Flinten mit Feuersteinschlössern zu nehmen. Kurz darauf trat der Major selbst in's Zimmer und wandte sich an Den Oberst mit Den Worten: „Die Leute weigern sich nicht, zu kämpfen, sie sind bereit, unbewaffnet auf Vorposten zu ziehen, aber sie verweigern Die Annahme dieser catenacci, da sie sehen, daß die Mobilen, die vor den Preußen fliehen, sämmtlich mit ChassepotS bewaffnet find." Der Oberst, zugleich Vice-Chef des Stabes, bemerkte ernst, daß Feuersteinschlösser besser seien, als gar Nichts, aber die Leute waren anderer Ansicht, und ihnen stimmte General Frappoli bei. Als jedoch auch er seiner Meinung keinen Eingang verschaffen konnte, blieb nichts übrig, als das Diner fortzusetzen. Es dauerte nicht lange, so trat ein Capitän herein. „Colonello (so sagte er), die Leute vom zweiten Bataillon sind bereit, selbst mit diesen Gewehren auf Vorposten zu ziehen, aber geben sie uns Zündhütchen, die dazu passen." „Ah, das ist zuviel", sagte Oberst Bordone, „ich selbst habe sieben versucht, und sie gingen alle los " „Dann versuchen Sie diese einmal", und eine Hand voll wurde vor dem Obersten auf den Tisch gelegt, aber keines von ihnen war auf den Piston zu kriegen. „Gehen Sie nach der Cavalleriecaserne und sehen Sie, was Sie da bekommey können." Der Capitän ging und kam nach einiger Zeit zurück. „Nichts zu bekommen, Colonello. Das Einzige, was nun zu thun übrig bleibt, ist, alle Minis- Gewehre in der Stadt durch Requisition aufzutreiben. Es sind ihrer etwa achtzig da; mit diesen wollen wir gehen." Und so geschah es denn schließlich. Es bestätigt sich vollständig, daß die Mitglieder der Regierung, welche am 31. October in die Hände der Insurgenten gefallen waren, arg mißhandelt wurden. Man hat dieselben an Stühle festgebunden. Auf Jules Favre wurde auch geschossen, die Kugel ging aber fehl. — Unter den Personen, welche verhaftet wurden, befindet sich auch Jules Vales, welcher sich einer Mairie bemächtigen wollte. Es ist derselbe Jules Vales, welcher für die allgemeinen Wahlen von 1869 10,000 Franken von der Regierung erhielt, um gegen die Candidatur des Herrn Thiers zu wirken. — lieber die Befreiung des Generals Trochu vernimmt man folgende Einzelheiten: Das 106. Bataillon, das diese auSsührte, kam um 6 Uhr auf dem Hotel de Ville an; ohne einen Augenblick zu warten, marschirte es unter Trommelschlag die große Treppe hinauf und fiel in den Saal ein, in welchem sich die Plänkler von Tibaldi und Flourens befanden, welche die Weisung hatten, Niemanden einzulassen. Das 106. Bataillon störte sich aber nicht an die letzteren, drang in den Saal ein und pflanzte seine Fahne auf den Tisch auf, um welchen herum sich die Mitglieder der neuen Regierung, so wie auch die fest- gehaltenen Mitglieder der provisorischen befanden. Flourens stand auf dem Tische und hielt eine Anrede an seine Collegen. Unter den Plänklern sprach man davon, Trochu zu erschießen, um zu verhindern, daß er durchgehe. Zu gleicher Zeit kamen zwei Bataillone, Anhänger der „Commune", auf dem Platze des Hotel de Ville an und forderten bas 106. auf, sich zurückzuziehen. Der Commandant des letzteren, der davon in Kenntniß gesetzt wurde, rief nun aus: „Nehmen wir Trochu mit uns!" Sofort trat ein Mann aus dem Bataillon hervor und riß den General von seinem Stuhl weg, nahm ihn in seine Arme und trug ihn nach der Thür zu. Seine Kameraden folgten ihm. Die Belleviller riefen: „Schließt die Thüren!" aber die 106. walzten sich mit Ungestüm die Treppe hinab, und es war unmöglich, sie aufzuhalten. Sie hatten außerdem zwei andere Mitglieder der provisorischen Mitglieder in ihre Mitte genommen. Die Belleviller, welche die Mütze des Generals erblickten/ legten auf dieselbe an. Sie verschwand aber plötzlich, und Flourens gab seinen Leuten Befehl, nicht zu schießen. Das Verschwinden der Mütze des Generals ist dadurch zu erklären, daß die Nationalgarden sie dem General abnahmen und ihm den Czako eines Nationalgardisten aufsetzten. Inzwischen schrie man immer: „Schließt die Thüren!" aber die Belleviller, welche sich auf dem Platze befanden, und die Rufe nicht verstehen konnten, glaubten, daß das 106. Bataillon nur einfach abzöge und ließen es durch. Man holte einen Fiaker und Trochu fuhr sofort nach dem Louvre, wo seine Amtswohnung ist. Jules Favre, eines der befreiten Regierungs-Mitglieder, blieb bei den 106ern, die ihn nach der Wohnung des Generals brachten. Die Rolle, welche Rochefort an dem Tage spielte, war keine besonders glänzende. Als derselbe im Thronsaale erschien, wurde er mit den Rufen: „Es lebe Rochefort!" „Nieder mit Rochefort!" empfangen. Er bestieg einen Tisch und wollte sprechen. Er sah sehr bleich aus, schien sehr bewegt zu sein und brachte nur folgende Phrasen heraus: „Bürger! Die in diesem Augenblicke versammelte Regierung der nationalen Vertheidigung beräth über die Frage Betreffs der Ernennung der Commune„Keine Berathung" — so heulte bann die Menge — „keine Wahlen! Die Commune! Die Commune! Ihre sofortige Acclamation durch die hier versammelten Bürger." „Nieder mit Rochefort!" Ein Zuhörer springt auf den Tisch, erfaßt Rochefort um den Leib, und der Vorstand muß zu seinem Schutz eintreten. Neue Rufe ertönen: „Nieder mit Rochefort! Sie sind Mitglied der Regierung; wir wollen Sie nicht mehr, weder Sie, noch die Anderen. Nieder mit den Schläfern! Es lebe die Commune! Es lebe das Volk!" Es wird nun etwas ruhiger, und Rochefort ergreift von Neuem das Wort: „Ich bin, wie ihr, vom Volk." „Gehe zum Teufel!" (Rochefort hat bekanntlich den Grafentitel.) „Wie ihr, bin ich ein Pariser Kind." „Du bist ein Aristokrat! Nieder mit Rochefort!" „Wie ihr, will ich die Commune, und heute Abend wirb ein Anschlagzettel der Regierung den Tag der Wahlen festsetzen." „Keine Wahlen! Keine Wahlen!" Der Lärm nimmt zu, aber Rochefort bleibt fest: „Vier fremde Mächte haben dem Bürger Thiers angeboten, mit dem Feinde in Unterhandlung zu treten, um einen Waffenstillstand zu erhalten." Neuer, furchtbarer Lärm. „Keinen Waffenstillstand! Alle gegen den Feind! Nieder mit Thiers! Nieder mit den Schlafmützen!" Nochmals gelingt es Rochefort, sich Gehör zu verschaffen. „Ich kenne keineswegs den Bürger Thiers, und will ihn nicht kennen. Es ist mir unbekannt, ob die Negierung ihn mit einer Mission betraut hat, oder er es über sich genommen hat, zu tnteroeniren." Hier war es für Rochefort unmöglich, weiter zu sprechen. Das Geschrei wird immer furchtbarer: „Nieder mit ThierS; man muß ihn verhaften! Man muß ihn aufhängen!" Rochefort giebt es auf, weitere Versuche zu machen, um sich Gehör zu verschaffen, und verschwindet. So diese Scene. Die Insurgenten bewiesen im Ganzen wenig Muth. (K. Z.) Man schreibt der K. Z. aus London: Die letzte Sendung australischer Zeitungen, welche die Post hieher brachte, ist mit bedeutender Heiterkeit empfangen worden. Es ist aus dem Inhalt derselben nämlich ersichtlich, daß die Colonisten von Victoria beim Ausbruche des jetzigen Krieges ohne Weitere« den Schluß machten, baß England auch in denselben verwickelt werben müsse und daß somit auch ihren Küsten ber fremde Dränger leicht einen Besuch machen könne. Für den Fall wird man Ihrer britischen Majestät Untertanen in Victoria wenigstens vorbereitet finden, denn die zeitige Warnung ist nicht in den Wind geschlagen worden. Der letzte englische Soldat war aus Victoria abgezogen, ehe die Nach- richt vom Ausbruche der Feindseligkeiten anlangte, aber die Colonisten dachten: „Selbst ist der Mann", und taten sofort die nötigen Schritte, um die Strand- batterieen in Hodsons Bay in VertheidigungSzustand zu setzen. Gleichzeitig schickte man sich an, ein permanentes Artillerie-Corps aus gedienten Leuten zu bilden und die Freiwilligen, im Ganzen gegen 4000 Mann, zu Miliztruppen umzuformen. Ueberdies fing die Marinebrigade alsbald an, mit der größten Rührigkeit an Bord des Uebungsschiffe« Nelson sich auf blutige Kämpfe zu rüsten und die aus diesem einen Fahrzeuge bestehende Seemacht der Colonie zu großen Thaten her- zurichten. Kriegsnachrichten. * Alt-Breisach, 10. Nov. Neu-Breisach hat die weiße Fahne aufgezogen und da« Feuer eingestellt. (F. I.) Tours, 6. Nov. IuleS Favre erließ ein Circularschreiben an die französischen Gesandten im Auslande bezüglich des Scheiterns Der Verhandlungen über den Waffenstillstand. Das Rundschreiben geht davon aus, daß Preußen vorgebe, zur Fortsetzung des Krieges gezwungen zu sein durch die Weigerung Frankreich«, zwei Provinzen abzutrcten, von welcher Weigerung Frankreich weder abgehen könne, noch wolle. IuleS Favre führt alsdann aus, daß Preußen einen Waffenstillstand von fünfunbzwanzigtägiger Dauer und die Wühlen, obwohl mit Beschränkungen für den Elsaß und Lothringen, zugegeben, die Verproviantirung von Pari« aber zuruckgewiesen habe. Daran seien Die Verhandlungen gescheitert, Denn der Waffenstillstand ohne die Verproviantirung sei die Herbeiführung der Capitulation innerhalb Der bestimmten Zeit. Hierdurch sei auch das Zusammentreten Der Nationalversammlung vereitelt worDen. Europa werDe Diese Politik in richtiger Weise würdigen. Wir haben alles Mögliche gethan, um als Männcr von Ehre dem Kampfe Einhalt zu thun, doch jeder Ausweg ist verlegt, nur unseren Muth haben wir jetzt noch zu Rathe zu ziehen, indem wir Die Verantwortlichkeit für weiteres Blutvergießen auf Die werfen, welche systematisch jeDe TranSaction ver- hinDern. Die Note ruft Die neutralen Mächte zu Zeugen gegen jene inhumane Politik auf; sie hebt schließlich hervor, Daß Die Regierung Alles thue zur Herbeiführung eines würdigen Friedens, aber ihr seien Die Mittel genommen, um Frankreich zu Rathe zu ziehen. Die Regierung habe inzwischen Paris befragt und Die ganze Stadt habe sich in Waffen erhoben, um zu zeigen, was ein Volk vermag, das für feine Unabhängigkeit kämpft. Bern, 9. Nov. Wie Der „BunD" meldet, hat Garibaldi sich mit Den Franctireurs überworfen. / Altbreisach, 8. Nov. Heute Vormittag hat die DeSarmirung der schweren Batterien nördlich von der Stadt am Rheindamm (60-Pf.-Mörser, 24» und 12- Pf.-Kanonen) begonnen. Die leichte Batterie vom Schloßberg befindet sich bereit» in Der UnterstaDt. — 9. Nov., Nachm. 5 Uhr. General v. Schmeling ist hier. Er sprach soeben unserer braven baDischen Artillerie seinen Dank und seine Anerkennung für ihre Leistungen gegenüber Fort Mortier aus. Er freue sich, sie zu begrüßen. (Karlsr. Z.) Der General Cosfiniöres de Nordeck, Der währenD Der Belagerung von Metz Den Oberbefehl in Der Festung führte, richtet folgenDes Schreiben an die Independance Beige: Hamburg, 6. November 1870. Herr Redakteur! Ich wurde sehr peinlich überrascht, als ich bet meiner Ankunft in Hamburg in einem so ernsthaften Journal, wie Independance Beige, böswillige und vollständig irrige Anklagen las, welche gegen mich gerichtet sind. Jedes Mai, wenn ich berufen wurde, meine Ansicht auszusprechen, behauptete ich fest: daß der Platz Metz von Denen Der Rheinarmee verschieDene Interessen habe, und Daß eine jeDe politische Nebensorge beseitigt werden müsse, um nur an Die Nothwendigkeiten Der VertheiDigung zu Denken. Nach langen und sehr belebten Diskussionen, in welchen ich Der Einzige meiner Ansicht war, und nachdem ich zwei Mal meine Entlassung eingereicht, beugte ich mich nur vor Der entgegengesetzten Meinung, welche im KriegSrathe Die OberhanD gewonnen, vor der voll- stänDigen Erschöpfung unserer Nahrungsmittel und besonders vor Dem förmlichen Befehl des Oberbefehlshabers. Was Den Proviant anbelangt, so genügt es, um zu beweisen, daß er ausreichend war, zu sagen, daß Der Platz Metz, welcher in normalem Zustande eine Bevölkerung von 90 —100,000 Seelen, die Garnison mit einbegriffen, enthalten sollte, 240,000 Mann während 21/2 Monat ernähren konnte. Ich bin sicher, später und bis zur Evidenz darzuthun, Daß ich auf loyale Weise meine Pflicht als SolDat und Bürger erfüllt habe; einstweilen bitte ich Sie, jede perfide Insinuation bei Seite zu lassen und mein Schreiben in eine Ihrer nächsten Nummern einzurücken. Genehmigen Sie rc. General CoffiniöreS De NorDeck. Der CorrefponDent Der „InDepenDance" in Metz bringt nachfolgend Einzelheiten über die letzten Momente Der Rheinarmee in Der Festung: „Von zehn Uhr früh an sah map von der EsplanaDe Durch Den strömenden Regen Die Deutschen herankommen, Deren schwarze Schatten nach und nach au« Dem Nebel hervortraten, um Dann in Den Forts St. Quentin, Queulen, Saint- Julien unD Plappeville zu verschwinden. In Metz harrte Die Armee, schon ohne Waffen, auf ihre Bestimmung; aus Anlaß Der gewollten Erschöpfung, in Die unsere brave Armee verfallen ist, schlenDerten Die Soldaten unter Den Fenstern auf und ab, entlang Den hungrigen, trügerischen Mauern, unD Die Fenster wurDen ihnen zu Tischen Der Reichen unD alle Hände spendeten Brod diesen armen Lazarus. Was ist schmerzlicher, als der Anblick Dieser kräftigen Gestalten, Dieser SolDaten, welche selbst es offen aussprechen, Daß sie verrachen seien, welche meinen, wenn sie Den Sieger in Die StaDt einziehen sehen, welche 160,000 Mann nicht haben beschützen, vertheiDigen können! Die sichere Folge Dieser traurigen Noth- wendigkeit war Insubordination, unD in ihrem Mißvergnügen, in ihrem erhabenen Patriotismus ließen sie sich hinreißen, Das Betragen ihrer Führer zu kritisiren und Dieselben zum ersten Male zu verachten, Die unfähig, ihre Truppen zu einer besseren Bestimmung zu führen! Die Zuaven besonDers zeigten offenen Wider- ftand. Schon am VorabenD hatten sie ihre Fahne zerrissen, Damit Jeder ein geheiligtes Stück des theuren Banners besäße. Vier Officiere, ganz junge Leute, Söhne Der Truppe, hatten sich Dem General GirauD vorgestellt: „General, wir wollen Die Fahne retten!" „Meine Kinder, es ist Befehl Des Marschalls, sie in’» Arsenal abzuliefern." „Nein, lieber zerreißen wir sic unD theilen uns in ihre Fetzen." Und heute früh noch empfing General GirauD seine Ernennung zum BrigaDegeneral. Aber er ist auch Schwager Des verstorbenen Herrn Troplong. In allen Regimentern war übrigens Diese Liebe zur Fahne Veranlassung zu rüh- renDen Scenen. Der Oberst vom 84. Regiment machte Dem Oberbefehlshaber seine Aufwartung; Dieser weigerte sich anfangs, ihn zu empfangen, enDlich mußte er ihn aber Doch vorlassen. Der Oberst zeigte seinen festen Entschluß an, seine Fahne nicht ausliefern zu wollen. „Es ist dennoch nöthig," antwortete Bazaine, „sie in Das Arsenal abzuliefern." „Niemals! ich und mein Fahnenträger werden uns unter ihren Falten tbDten." Die GarDeartillerie bringt ihre Fahne zum Arsenal und fordert zugleich, daß man sie auf Der Stelle verbrenne. „Alles zu (einer Zeit!" sagt man. „Sofort und vor unseren Augen!" „Nein, Alles zu 7 *... h!,. fe rn nw > 3.) 7 faiw 79'" über 7 »»9-6e, 1 ^Lckrilht e>it »dg.h, Nen. 6,1 n9 von Parjz di»i> d» •“piMation eten ter Nn, in richtiger "tt von Ehre unseren Muth ortlichkeit für nsaction ver. lM inhninane " zur Herbei, en, um Frank- sragt uno die Volk vermag, ßch mit den der schweren 24- und 12. bet sich bereit» ding ist hier. >t feine Arier- - M, fit zu Lagerung von hreiben an die r 1870. ich bei meiner entance Bilge, gerichtet sind, behauptete ich ilteresen habe, n Ml an tu । sehr belebten iü nachdem ich :er entgegengt. vor Mr voll« dem förmlichen genügt es, um letz, welcher in die Garnison tonat ernähren ich auf loyale -eilen bitte ich hreiben in eine Nordeek. folgende Einzel- den strörnenren und nich aus utultn, Saint- ntt, schon ohne öpsong, in die en Lenstem aus Fenster w* tfcn armen U- Aestallen, * melche'rt'NkN, Dnn nicht rnorigen Noth' Herrn klhabenkN r zu frl,l ttn «in iu nnrr ■j, . ^>er ein 91 ä" 5*» Üttt 'N len u"' um ^nennunsi 1 ■frrfl Tro^oN ' SL rlld) mUp , i”tU® (.{ne •«ui1 . N« L«< < »" ’ affe, i“ 'm i“ seiner Zeit!" „Nun, dann werden wir sie wieder mitnehmen." Und die Artil- lensten ziehen mit ihrer Fahne davon, zerreißen das Tuch, zerschlagen den Stock, zerbrechen den Adler und werfen Alles in die Mosel. — Auch im Kreise der Officiere mehren sich die Vorwürfe. Der alte General Viala wirft offen dem Marschall Le Boeuf vor, dieses Unheil herbeigeführt zu haben. „Sie allein haben uns so weit gebracht!" „Aber die Forts waren ja nicht armirt," entschuldigte sich der Marschall. „Nun, wer hatte denn für ihre Armirung zu sorgen? Sie haben uns zu Grunde gerichtet, mehr noch, Sie haben uns erniedrigt!" Nach diesen Worten wandte der Greis dem Marschall verächtlich den Rücken zu. Doch machte das nichts aus. Am andern Tage wollte ihm Le Boeuf die Hand reichen. „Was wollen Sie?" sagte Viala, „das thut ja nichts!" Brüssel, 10. Nov. Die „Liberte" vom 7. Nov. besorgt eine Ueberschwem- mung der Rhone und Saone. Dasselbe Blatt meldet, die Preußen rückten in Eilmärschen auf Lyon. Nach der „Independance belge" erhielten die Einwohner von Lyon den Befehl, sich auf zwei Monate zu verproviantiren. Der Generalrath der Haut-Saone bewilligte die Aufnahme eines Anlehen- im Betrag von einer Million zur Unterstützung der mobilen Nationalgarde. Telegraphische Depeschen. △ Frankfurt n. M., io. Nov. (Privatdep. d. Frkftr. Pr.) Berlin, 9. Nov. Da nach den bisherigen Verhandlungen in Versailles eine Verständigung wegen des vollständigen Beitritts von Bayern zum deutschen Bund nicht in Aus- sicht steht, so soll auf dem Wege des Vertrags ein weiteres Bundesverhältniß zwischen Bayern und dem Bunde vereinbart werden. x Versailles, 9. Nov. Die mit den in unsere Hände gefallenen drei Ballons gefangenen sieben Personen sind zur kriegsrechtlichen Aburtheilung in preußische Festungen gebracht. Die ihnen abgenommenen Papiere compromittirten Diplomaten und andere Personen, denen man mit Rücksicht auf ihre Stellung und ihr Ehrgefühl den Vetkehr von Pari- au- gestattet hatte. /X Brüssel, 10. Nov. Die Pariser Nachrichten reichen bis zum 7. d. M. Der „Moniteur" erklärt, er wisse nichts davon, daß der Schluß der Zeichnungen auf die in London von der RegierungSabtheilung in Tours veranstaltete Anleihe, wie ein Börsengerücht wissen will, aufgehoben werde. — Die Theuerung der Lebensmittel ist außerordentlich, das Brennmaterial knapp, die tägliche Fleischration für Jedermann auf 50 Grammes (3 Loth) festgesetzt. A Brüssel, 10. Nov. Der „EauloiS" vom 4. Nov. sagt: „Die Loire- Armee ist keine Mythe. Thiers hat sie gesehen; sie hat eine Stärke von 80,000 Mann und wenn uns nicht mehrere leicht begreifliche Bewegungsgründe Discretion auferlegten, würden wir wohl sagen können, in welch bestimmten Ausdrücken Thiers seine Vertrauenszuversicht auf diese französische Armee geäußert hatte. A Brüssel, 10. Nov. Eine heute eingetroffene „Correspondance HavaS de TourS" enthält folgendes wichtige Fehlcreingeständniß der RegierungSabtheilung in TourS: „Es soll demnächst ein Regierung-.Circular verschiedene Aufgebote in der AlterSclasse von 21 bis 40 Jahren zu den Waffen rufen," mit andern Worten, das Massenaufgebot erweist sich als bei den heutigen Zuständen Frankreichs unausführbar. A Brüssel, 10. Nov. Die „Jndep." beurtheilt Favre'S Circulär in ruhig objectiver Weife und erkennt den militärischen Standpunkt Moltke's in der LebenS- mittelfrage als vollkommen berechtigt an. — Die Tours-Correspondenz des BltS. signalisirt die Uebersiedelung der Regierung nach Bordeaux und die Nothwcndig- fett eines neuen in England aufzunehmenden Anlehenö, sowie den Plan Gam- betta's, sich in den noch nicht occupirten LandeStheilen das Votum der Volksvertretung ertheilen zu lassen. A Brüssel, 10. Nov. Der „Moniteur belge" vom Montag enthält ein Telegramm aus Paris vom 4. Nov., wonach General Trochu das Vdtum der unter den Waffen Stehenden speciell zu publiciren verbietet, da dies die Belagerer über die Stärke der Truppen aufklären könnte. A Brüssel, 10. Nov. Der hier eingetroffene „Moniteur universel de Tours", das Organ der Regierung, schreibt: „Man hat bemerkt, daß Keratry in der Rede, die er zu Nantes hielt, sich durchaus nicht jenen Anklagen gegen Bazaine zugesellen wollte und daß er gegenüber Narniaud, der durchaus in seiner Erwi- derungSrede den Marschall brandmarken wollte, sich auf die Gegenäußerung be- schränkte, er sei nicht nach der Bretagne gekommen, um sich mit Politik zu beschäftigen." — Die „Liberts" vom 6. Nov. schreibt an der Spitze des Blattes: „Die Mitglieder des diplomatischen Corps in Tours betrachten den Abschluß des Waffenstillstand- als gesichert. Die Loire-Armee hat von Gambetta, der sich zu ihr hinbegab, die Ordre erhalten, den Feind nur dann anzugreifen, wenn er selber, was nicht vorauszusetzen, die Offensive ergreifen sollte. — Das Maffenerhe- bungsgesetz ist nur eine Vorsichtsmaßregel gegen die Gefahren der Zukunft. — Gambetta befindet sich seit dem 3. Nov. in der Umgegend von Bkvis beim Gros der Loire-Armee, um sich mittelst Augenschein von deren Zustand zu unterrichten. Er kann mit dem Resultate seiner Beobachtungen zufrieden sein. — Man meldet, daß in Orleans nur 2000 Preußen, mit jedoch mehr als 150 Kanonen, in Garnison seien." A Brüssel, 10. Nov. Wie man vernimmt, hat sich Bazaine die Erlaub- niß zum Aufenthalt in Aachen erbeten, da seine Frau nicht im Stande ist, zu ihm zu reisen. — Angel Miranda ist trotz des gegebenen Ehrenwortes aus Mainz hierher entflohen. — Ein Circular Favre'S vom 7. Nov. bürdet dem Ehrgeize des Grafen Bismarck, Frankreich ruiniren zu wollen, die alleinige Schuld an den gescheiterten Verhandlungen auf. — Es wird ein Circular des Grafen Bismarck erwartet. — Die „Jndep." veröffentlicht die Abschrift eine- Briefe- eines hochge» stellten französischen Diplomaten an Gambetta, worin ihm unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Rath, zu allen Bedingungen Frieden zu schließen, ertheilt wird. — Die neueste „France" enthält folgendes Communiqus: Das Prisengericht soll vom 15. Nov. ab über nachstehende erbeutete Schiffe aburtheilen: „Gerhardine", „Elise v. Lützow", „Angela", „Borussia", „TonnerS", „Voß", „Blücher", „Finke", „Adler", „Norddeutschland", „AgneS", „Perle", „Brillant", ebenso auch über die anderen nach dem 20. Sept, in die französischen Häfen gebrachten Prisen. Hamburg, 9. Nov. Die „Börsenhalle" meldet aus Cuxhafen von heute Abend 6 Uhr: Officiell wird mitgetheilt, daß, zuverlässiger Nachricht zufolge, die französifche Flotte, 30 Schiffe stark, in die Nordsee gegangen ist. Die Elbschiff- fahrt hört auf. Alle Seezeichen werden entfernt. Die Lootfen gehen nicht mehr aus. Officielle militärische Nachrichten. Kühnheim, 10. November. JVeu-Breisacli hat soeben ca pitulirt. Etwa 100 Officiere und 5000 Mann sind kriegsgefangen; 100 Geschütze erobert. Die Uebergabe erfolgt morgen Vormittag 10 Uhr. v. Schmeling. Versailles, 10. Nov. Beim Vorrücken der Loire-Armee auf dem rechten Ufer der Loire über Beaugency hat General v. d. Tann außerhalb Orleans am 9. gegen dieselbe Stellung genommen und nach constatirter Stärke des Generals sich unter Gefecht auf St. Pöravy zurückgezogen. v. Podbiels ky. Versailles, 10. November. General v. d. Tann, welcher Orleans räumte, meldet, daß am 10. keine Vorbewegung des Feindes bemerkbar war. v. Podbielsky. Frischbäckrr pt Gießen. Sonntag den 13. November. Georg Busch am Kreuz, Daniel Rühl am Rathhaus und Carl Plank in der Wolkengasse. Kirchliche Anzeige der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gott« am 13. N°°°mber j Die Pfarrgeschäfte für diese Woche (vom 13. bis 19. November) besorgt Pfarrer Dr. Seel. Börsennachrichten. 10. November 1870. Preuss. 41/2°/q Oblig. 91 Frankf. 31/2% Obi. 793/4 Nass. 41/2 0 0 Obi. 915/g Kurhess. 4% „ 83 Gr. Hess. 5<>/0 Obi. 1011/2 „ „ 4% „ 927/8 „ „ 31/2% „ - Bayer. 5% „ 97Vz „ 41/2% 1 jährige 91 Montag den 14 d Mts Frankfurter Straße sind zu verkaufen bei I. Schlund, Schloßgasse. Gg. Reiber. ___________ _____ ua " 4228) Ein kleines Familienlogis ist zu vermiethen bei Heinrich Sauer, Neuenweg 134. 4130) In dem H ast'schen Hause in der Schlößgasse sind zu vermiethen: eine Familienwohnung im dritten Stock, und ein großer gewölbter Keller. D o r n s e i s s. 4588) Häringe in frischer Sendung, 3 u. 4 fr. pr. Stück, bet Fr. Bieler, am Kreuz.