^29,610 ^145,4^7, 12, 13, <8, 6'^1.799 , i8 prelö vierteljährlich 36 fr. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vinieljährlich 49 kr Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. - Expedition: Canzleiberg Lit. V Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für dm Areis Kießen. Dienstaß den 10. Mai 1870 Nr. SS Amtliche V e k a N bk t m sZ ch rr u g e rr. Monatl- Grundsteuer. Namen und Wohnort. Monatl. Grundsteuer. Namen und Wohnort. 9 fr- fr) u 2218) Cemcilt^ sowie Stuccat»^ Gyps, 12202z c,nptehlm Fl ^LKrödt- r—’ Das Kmnndk. CO le Liebhabern einer guten feinen ^d°rn Band Spitzen. Krag'm, Kr°«^«nd Manschten i« dem Lindenplatz gegenüber. Cigarre hiermit bestens zu em- lasse ich die bei mir die Knabcngarderobe selbst anfertigen wollen t) e die Knabengarderove icrog aipmiipii «»>», . -y , —' gekauften Stoffe nach Maaß gratis zuschnerdcn, so daß rede Naherm C c£ 9) 10) H) 12) 22 8 86 20 154 15 14 8 10 24 10 8 9 7 11 • > ü 1 bn naäfitn Woü> n bmbmonn. Kisten von je ‘/2 Mille, per Mille 32 fi. re 23) Wortmann, Theodor, zu Gießen 24) Zinßer, Adolph, zu Gießen . 67 9 11 v 8 7 7 2236) Ein gut dressirter Hühnerhund ist zu verkaufen Näheres bei^ ügt »fine Möbel fuhm 1 Mobrln aus ben a. M., besorge bei -'.'Frr, geschlossmer . - erbitte Vreo» (208) 2189) Mein Lager in allen Sorten Pin- fein für Maler, Lackirer und Vergolder empfiehlt Emil Fischbach, Seltersweg. 2233) Ein säst noch neuer Confirman dcnrock ist zu -erkaufens Schneidermeister, Neuenweg. sehr billig gestellten Preisen (2194) B e ka u ii t m a ch n n g. Die von der zweiten Abtheilung der höchstbcsteuerten Grundbesitzer vorznuehmende Wahl eines Mitglieds des Bezirksraths im Kreis Gießen betreffend. Veefteiger-srugerr. Holzversteigerung im Wiesecker Gemeindewalde. 2175) Donnerstag den 12. d Mts- sollen in dem hiesigen Gemeindewalde versteigert loÄs^Morgens 10 Uhr im Distr. Ursulum: 1175 Wellen Kiefern-Reisholz, 42 Kiefern Stämme, 798 Cubikfuß ent- Obige Cigarre erfreut sich eines ungetheilten Beifalls, ist gut abgelagert und erlauben wir uns, 45 „ 30'/. „ 303/. H 6 „ 463/. „ 5V. 5V» „ 18V. , 393/. „ 513/i „ 1) Bloch, Franz, Wittwe, zu Gießen......... 2) Faber, Wilhelm, zu Gießen........... 3) Fiscus, der Großherzogliche........... 4) Gail, Georg Earl, zu Gießen......- • - • " von Grolman, Ludwig, Hofgerichtsrath, Wittwe, zu Gießen Großen Buseck, die evang. Pfarrei......... 69 NadeUStämme, 717 Cubikf. enth-, 3 Birken „ 35 „ » 933 Nadel- (Fichten)-Stangen, 1774 Cu- bikfuß enthaltend. Wieseck, den 5. Mai 1870. t Großherzogliche Bürgermeisterel Wieseck. Lang. Mit diesem ausgezeichneten Mittel wird man sicher von dieser Plage befreit; alle Wanzen hören auf; garantirt. Aecht nur bei Carl Frech in Gießen zu haben. (2224) 2110) Ein Svmmerwagen (Breax) und eine gebrauchte Chaise mit H^lbverdeckstehen zu verkaufen bet Joseph, Mohl, Lackirer. 2160) 30 bis 40 Körbe stute Spreu sind zu haben bei Fricdrich ße b, 1 ö (Löber's Hof) Gießen. i g t k. Inna 2)orot6ro ■:rr, ^tiran M Trfirs. Cön'stoph * yrnq, ein untbtliän ’ 3.28 T, gcstorba m-es Noll, Bmga b-fT clr 64 3- fr 3». 9- 3priL 2237) Mein Kleidcrlager, bestehend in Nöcken, Joppen, Jaquett'^- r...... von 4 sl- an bis 16 fl-. 48 kr. bis 9 ft-, Trillhosen für Militär mid Turner zu 1 fl. 48 kr-, bringe ich in empfehlende Erinnerung. L. H 0 sch, Sonnenstraße. 2216) Montag den 16 Mai d. I-, des Nachmittags 1 Uhr, labt Karl Port seinen an der Staatsstraße von Steinbach nach Gießen gelegenen Stein- bruch auf Erb- und Eigenthum, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, versteigern. Steinbach, am 4. Mai 1870. In Auftrag: Großherzogliche Bürgermeisterei Stembach- Horn. pfehlen. Aufträge nach Auswärts werden franco ausgeführt. (2234) I. A. Busch Sohne. In Ecklldmcher G- f'ramd! vnq, lldiss tz.-'T? L'-t Stch tiin; °»° 2229) Das den Erben der Balth. Ganß Wittwe gehörende Wohnhaus auf demAstci- mea ist aus freier Hand zu verkaufen, iust- wagende können nähere Auskunft erhalten M Balth. Strauch. 2235) Steinkohle», reine Stückkohlen, meürt, für Ziegeleien, Herd- und Ma- schinenbraud, in Ladungen und einzelnen Partieen bei® in 11 P' stv - < in- den neuesten Formen und in größter Auswahl, für Damen, Levien und Kinder, Strohmützen von 18 kr. an, Blumen, 2um Lweck der Vornahme der regelmäßigen Ersatzwahl des Bezirksraths, für wUchcir in diesem Jahre von der zweiten Abtheilung der hochstbesteuerten Grundbesitzer ein Mitglied neu zu wählen ist, wird in Gemäßheit des Art. 11 des Gesetzes vom 10 Febri >, 1853, die Einrichtung des Bezirksraths betr-, das nachstehende Verzeichnis! der oierundzwanzia wegen eigenthümlichen oder nutznießlichen Grundbesitzes im Kreise Höcttstbc. .neuen hiermit unter dem Anfüqen zur öffentlichen Kenntmß gebracht, daß die Nachweisungen, auf welche sich dieses Verzcichniß gründet, bis zum 18. d. Mts. bei dem un ^zeichneten Kreisamte zur Einsicht offen liegen und bei demselben in Bezug auf tfintraa in das Verzcichniß innerhalb jener Frist Einwendungen oder Ansprüche unter Vorlegung der nöthigen Urkunden vorgebracht werden können. ri/ , wird ferner angefügt, daß den geschehenen, dem Verzcichniß zu Grunde liegenden Ermittelungen zu Folge die Nachweisung eines Grundsteuerbetrags von 11 fl. d'/r kr. und mehr monatlich erforderlich wurde, um gemäß dem Art- 11 des Gesetzes an der Abstimmung der zweiten aus 8 Wählern bestehenden Abtheilung Theil nehmen zu können- Verzeichnis der 24 wegen eigenthümlichen oder nutznießlichen Grundbesitzes Höchstbesteuerten. 386,321 4 Sä® WU1W werdenden B ® Eießen, orf und rg- 14) von Nordeck zur Rabenau, Freiherr, Generalmajor, Wittwe, zu Darmstadt............. 41 fl. 41-/4 kr- 15) von Nordeck zur Rabenau, Freiherr, Adalbert, zu Friedelhausen 16) Schwan, Earl Heinrich, zu Gießen......... 17) Solms-Braunfels, Fürst Ferdinand zu, zu Braunfels . 18) Solms-Hohensolms-Lieh, Fürst Ludwig zu; zu Lich . . 276 19) Solms-Laubach, Graf Otto zu, zu Laubach . . . 20) Spruck. Georg Christian, zu Gießen...... 21) Universität, die Großh. Landes-, zu Gießen . - - 22) Wallenfels, Christian L, zu Gießen...... eine gute, moderne Fa^on liefern kann. 9/. breite Bukskin von 1 fl. 10 kr. an. 4 S. Florsherm 2217) Einige Wagen voll Mist sind zu verkaufen bei Johann Pitzer, ________ Hintergasse. Em quter Schäferhund, 2 Jahre alt, ist zu verkaufen. Auskunft I im Lindenhof.(2169) 9 Kiefern-Stangen, 43 Cubikfuß enth-, H. des Nachmittags um 2 Uhr im District Badenburgcr Wäldchen: 23 Stecken Buchen-Scheidholz, 1V4 „ „ Prügelholz, 83/J * " Stockholz, 557 Wellen „ Reisholz, 8 Stecken Eichen - Prugelholz, 7 „ „ Stockholz, 310 Wellen „ Reisholz, 47 Stecken Kiesern-Prügelholz, 23 „ „ Stockholz. 2465 Wellen Kiefern- u- Aichten-Reisholz, 49 Eichen-Stämme, 20o6 Cubikfuß ent- Feilgebotenes 2219) Alle Arten Kochherde zu Holz- und Steinkohlenfeuerung^empfehlen^ 2144) Kinderwagen, Gartenmöbel, Gartenspritzen, verzinnte Drahtwaa- ren, Glaserkörbe, Käfige re. bei Emil Pistor. gefeint 2cw|e» 9 Tta Lür?n i° : !<■ 8*?“; „ laut SÄff» ilKT-*' * ' - ‘ C.c|)|L i ir- c,* 6 «*. ; £ ■ As<** I * von S. Flörsheim ist auf das Reichhaltigste in allen Neuheiten ausgestattet, und em- pfielstt sich unter Zusicherung solider Arbeit und reeller Bedienung. Aufträge nach Maaß werden gut und rasch ausgeführt. Für Confirmtmdm x JX? ** * •.bdm Etablbul w / (•:?rbtn den 1 Mai ( Dörsdorfer Aepfelwein. Den Verkauf dieses von mir mit größter Sorgfalt gepflegten Obstweins ü^gad .v s,pn fSpirpn A. Busch Sohne in Gießen. Derselbe ist von ausgezeichneter Güte und^dcm Traubenwein geringerer Qualität uorzuziehen. Der V-rkaupspreeS es per Schoppen 4 kr., in Gebenden b.ll.ger. Butzbach. 6) Großen Buseck, die evang. Pfarrei....... 7) Hofmann, Dominicas, Postcassier, zu Güßen . . 8) Kempff, Friedrich, Poststallmeister, zu Gießen . - 2238) ^upfelzeug in Auswahl, per Elle zu 14 kr und h?h-r. -"pstchU ; . J.l 0 I U)' 2205) Hwei tannene Kleiderschränke und eine tannene Commode sind zu verkaufen. Auch kann ein ordentlicher Junge bei mn in die Lehre tt-t-n.^ Schreiner, Mühlgasse. öeiievcnv i.l 2230) Eine Partie fertige Stubenthur- „'s, ganz moderne, Beschläge habe ich. billig abzugebem Auch §>o!eu von 1 fl. kann ein Junge bei mir IN die Lehre tre. -- - oex•.•lm-. fen L. 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Imper. 9 47-49 Doll, in Gold 2 253/4 Aiilehenglooüe. Kurh. 40 Thlr. Loose 58i/4 Nassau fl. 25 b. Roth. 3?!/4 Gr. Hess. fl. 50 b. R. — Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4% bayr. Präm. Aul. 106 40/g badische Loose 1043/4 Badische fl. 35 Loose 58% 1858r Prioritätsloose 153 1860r Loose 801/2 1864r „ 113 Aetien. Frankf. Bank 1287/a Oester. Bank 696 „ Creditaot 258 Darmst. Bankaot. 319 Feuilleton. In der Verbannung. Historisches Zeit- und Sittengemälde aus dem 18. Jahrhundert von Eduard Gottwald. (Fortsetzung^und Schluß.) Den Kapitain an sein Herz schließend, drückte der Graf den Kuß väterlicher Liebe auf die Stirn des in stummer Verwirrung ihn umarmenden Kapi- tainS, welcher im Kampfe mit sich selbst tief aufseufzenv ausrief: „Ist es denn möglich! Darf ich eines solchen Glücks mich erfreuen?" Da öffnete der Graf die Thür des Zimmers, in welchem Aim6 mit steigender Angst der geheimnißvollen Unterredung gewartet, und als sie den heiteren Ausdruck im Antlitz ihres Vaters sah, eilte sie freudig aufathmend in die Arme des überraschten Kapitains, welcher, sie herzlich umschlungen haltend, ausries: „So wollt Ihr den Mann, der nichts bieten kann, als ein treues Herz, nicht verstoßen?" „Also hat doch etwas Dich betroffen, was Dir Kummer bereitet?" fragte theilnahmsvoll Aim6. „In Folge der königlichen Ungnade, welche mich betroffen," entgegnete der Graf, „hat Se. Majestät seinem Garde-Kapitain die Wahl gelassen, entweder eine Kapitainstelle bei der Lanvarmee in den Kolonien, oder seinen Abschied zu nehmen. Es blieb daher Deinem Verlobten nur bas Letztere übrig. Aber weißt Du wohl, zu was ihn die Verzweiflung treiben wollte?" „Nun?" fragte forschend Aim6 und blickte in ängstlicher Besorgniß aus Trousier. „Er wollte in einem andern Welttheile Dich wieder von Neuem erkämpfen." „Wie Trousier?" ries Aim6 im Tone zärtlichen Vorwurfs. „Dw^hättest so weit von mir fortgehen können, und ich hätte Dich vielleicht nie wiebergesehen!" „Konnte ich als Bettler um die reiche Grasentochter werben?" fragte dieser "und drückte Aimä's Hand an sein Herz. „Schweig', Du böser, stolzer Mann!" flüsterte Aims, ihm mit einem Kusse den Mund verschließend. „Der Baron Trousier, unser ritterlicher Retter, erhält auch nicht als Bettler die Hand der Tochter des Grafen von Croissy," antwortete ernst aber freundlich der Gras. „Du weißt, daß ich bedeutende Güler in der Schweiz besitze, deren Verwaltung meine Kräfte übersteigt; dorthin wollen wir ziehen und treu vereinigt unsers ungetrübten Glückes uns erfreuen. Obgleich ich Frankreich wie mein Herzblut liebe, so verlasse ich es dennoch, denn ich sehe schweren, bösen Zeiten entgegen, und fürchterlich wird sich der Frevel rächen, mit welchem man so frech allem Recht, aller Sitte hier Hohn spricht. Ich werde eo vielleicht nicht mehr erleben, aber Euch und Eure Nachkommen möchte ich geschützt sehen gegen die Schrecknisse, die aus der Auflösung aller Bande der Ordnung und der Gesetze hervorbrechen müssen. Dort in den stillen, friedlichen Thalern des herrlichen Waadtlandes sollst Du, mein Sohn, da- Erbe Aimv's verwalten und schützen, dort foU|t Du ihr Trost und Stütze sein, wenn ich nicht mehr unter Euch weile." „Und unsere Liebe Dein Leben noch lange verschönern!" rief Aim6 und eilte mit Trousier in die Arme des Vaters, welcher Beide in freudiger Rührung an sein Herz drückte. ~ , .Nun denn" — rief Trousier nach einer kurzen Pause und ergriff tief bewegt des Grafen und Aimv's Hand — „so möge Gott mir helfen, durch treue Liebe des so reichen Glücks mich werth zu zeigen." „O, dessen bin ich gewiß!" rief Aime, den freudestrahlenden Blick auf Trousier richtend. Der Graf aber lächelte nnd sprach: , „Wohl noch nie hat eines Königs Ungnade drei Glückliche so innig als uns vereinigt. Drei Wochen nach Trousier's Ankunft in Valbonne fand die Vermählung desselben mit Aim6 statt, und als die glückliche Braut einige Tage vor dem Hochzeitsfeste mit Felice im Schloßpark allein war, rief sie, dieselbe liebkosend umarmend: „„ v Nun, Felice, da ich so unnennbar glücklich bin, nun darfst auch Du, treue Freundin, nicht länger in banger Sehnsucht harren; daher sprich: wie und wodurch wir Dein Glück herbeisühren können, gewiß, wir wollen Alles aufbieten, um auch Dich bald an der Seite des Mannes zu sehen, der Dein Herz schon seit Jahren besitzt." , , o. „Nun," entgegnete Fel.ce schalkhaft lächelnd, „noch hat zwar der Liebes- aram mir die Heiterkeit des Gemüths nicht so arg verbrannt, baß ich mich nicht schon unendlich froh fühlen sollte beim Anblick des Glückes meiner schonen und so herzensguten Freundin; aber da mein Verhältniß zur Baronesse von Trousier doch wohl ein anderes wird, als zu meiner lieben Aimo, so yave ich auch an mich gedacht." „Nun?" fragte Aimö gespannt. „Nun, es liegt in Deiner Hand, auch mich glücklich zu machen. „So sprich, auf welche Weise." Mein Verlobter ist ein tüchtiger Verwalter," sprach Felice, „und wenn der Herr Graf ihm die Verwaltung Vieser Besitzung anvertraute, da er seinen alten Etienne, der hier residircn soll, doch nur ungern in seiner Nahe vermiet, so wäre uns geholsen, und Du varsst mir glauben, dich wir Euer Des tz- Itzum so sorgsam beaufsichtigen und bewilthschaften werben, als fee es unfer Etgenlhum nod) ^»le mein Bater Dir zustchern!" rief freudig Aimö. Aber." fragte sie lachend, „wo hast Du denn Deinen Bräutigam? „Er kommt morgen in La Grasse an und will Zeuge der Vermahlungsfeier unserer gütigen Gönnerin sein," entgegnete Felice. „Dann begrüße ihn nur als Verwalter von Valbonne/ Jprad) lad)e n Aimö, uno die sieuvig überraschte Freundin verlassend, eilte sie ihrem Geliebten •’WÄtXÄ ... MM das Herzensbündmß der Liebenden die kirchliche Weihe, und bald nachher umschlossen voll seligen Entzückens die Neuvermählten des glücklichen Vaters Arme. Der alte Etienne wehrte den Thränen nicht, die beim Anblick dieser so Glücklichen über seine Wangen herabtropsten, während Felice mit freudig klopfendem Herzen an der Hand eines noch jungen Mannes dem Grasen und dem Brautpaar sich nahte, ihre herzlichsten Wünsche für dessen Wohl und Heil in den Armen Aimv's aussprach, ihr Verlobter aber voll edlen Anstands sich zu dem Grafen und Trousier wendete, und für die ihm übergebene Verwaltung Val- bonne's mit offener Herzlichkeit dankte, durch welche auch er und Felice bas Ziel ihrer Sehnsucht nach jahrelangem Hoffen und Harren so glücklich erreichten. Noch bevor Graf Croissy mit bem jungen Ehepaare unv seinem alten Stallmeister abreiste, zog auch schon Armand de Rocroy als Verwalter in das gräfliche Schloß, und von der Hand Aim6's geschmückt, sah auch Felice als glückliche Braut sich für immer mit bem Manne ihrer Wahl verbunden. In der herrlichsten Gegend deö Waadtlandes aber, unweit von Lausanne, verjüngte noch eine lange Reihe von Jahren das Glück seiner Kinder des Grafen früher so ernst bewegtes Leben, unv oft rief Aim6e freudig aus: „Welch' Heil unv Segen ist aus jenem Räuberansall uns erblüht," woraus Trousier sie küssenv in seine Arme lchloß und lächelnd zufügte: „Und aus der Ungnade bes Königs!" Richten wir nach Schluß dieser Erzählung noch einmal aus König Ludwig XV. ven Blick, während dessen letzten Regierungsjahren die drohenven Anzeichen eines Ausbruchs der Volkswuth sich von allen Seiten kund gaben, und später unter dem unglücklichen Enkel desselben zu jener blutigen Revolution führten, deren Schreckensherrschaft Europa mit Entsetzen erfüllte. Hatte schon die Herzogin von Chateauroux den König zu Verschwendungen gedrängt, welche das Volk mit kaum erschwinglichen Steuern belastete, so wurden unter der Herrschaft einer Pompadour und Du Barry die Staatseinkünfte und die vom Volke erpreßten Gelder auf noch nichtswürdigere Art verschleudert. Mehr aber noch als diese Erpressungen, brachte Frankreich die Einmischung der Pompadour in die Politik an den Rand des Ververbens, welche zu einem Bündniß mit Oesterreich drängend, dessen große Kaiserin Maria Theresia sich nicht scheute, diese Buhlerin „ihre Freundin" und „Cousine" zu nennen, um durch das Bündniß mit Ludwig XV. sich von der Uebermacht ihrer Feinde zu retten, und dadurch Frankreich in einen Land- und Seekrieg verwickelte, der außer ven fürchterlichen Opfern an Menschen und Geld, auch noch Minorca, Kanada, fast den größten Theil der westindischen Inseln, die bedeutendsten Besitzungen in Ostindien, nebst allem eroberten Land in Westphalen unv Böhmen hinwegraffte. Unter ihrer Herr- schäft wurden zwar die Jesuiten aus Frankreich durch den Herzog von Choisel vertrieben *), dagegen war die Errichtung des berüchtigten Hirschparks ihr Werk; unzählige Unglückliche, die ihren Haß erweckt, verschwanden für immer in den unterirdischen Kerkern der Bastille, ünv indeß sie im Ueberfluß schwelgte, verhungerten Tausende in den Provinzen. Nach ihrem Tove nahm Mademoiselle Lange als Gräfin Du Barry den Platz derselben ein und verbrauchte in fünf Jahren 180 Millionen Franken. Unter ihrer Herrschaft ging Vie französische Gesellschaft ihrer Auflösung entgegen : Herzöge und Grasen duldeten stundenlanges Warten in den Vorzimmern Vieser Maitresse, und der König theilte Vie Gunst derselben mit den nievrigsten ihrer Bedienten; auch gelang eS ihr, den Minister Choisel zu stürzen, dessen letztes Werk noch die Verbindung des Dauphins (Enkel Ludwigs XV.) mit der Herzogin Marie Antoinette von Oesterreich war. — Die Parlamente Frankreichs, welche zu wiederholten Malen die Einregistri- rung der Steuern verweigert, und sich gegen die Willkürherrschaft dieser Mai- treffe offen erhoben, wurden zu gewöhnlichen Gerichtshöfen herabgesetzt, und diejenigen, welche, wie die Parlamente von Languedoc und Bretagne, gegen die demüthigenve Behandlung des Königs und der Gcneralgouverneure laute Klagen führten und ihre AmtSthätigkeit einstellten, wurden aufgelöst und die wiver- spenstigsten Mitglieder üach ven Kolonien verbannt. Dreißig Jahre nach jenem Einzuge, wo Frankreich mit Jubel den dem Tode entrissenen König begrüßte, starb Ludwig XV. am 10. Mai 1774 im fünfundscchszigsten Jahre seines Lebens unter den gräßlichsten Schmerzen, an einer Krankheit, welche, durch die Blattern mit hervorgerufen, seinen Körper lebendig der Verwesung übergab. Alles flüchtete aus seiner Nähe nach Chotsy und nur drei seiner Töchter, die hochherzigen Prinzessinnen Adelaide, Victoria unv Sophie, welche unverheirathet geblieben, nebst seinem blinden Beichtvater, hielten an seinem Krankenlager aus und verrichteten die Dienste der Krankenwärter, da auch diese geflohen waren, und als Ludwig gestorben, fand man Niemand, als die Grubenmänner von Versailles, welche sich entschlossen, ven todten König in ven Sarg zu legen, der auf einen großen Jagdwagen geladen worden war und am 12. Mai nach St. Denis abgefuhrt wurve. Die Kutscher jagten mit demselben über Stock unv Stein, unv Vas französische Volk, welches ihm vor dreißig Jahren den Namen „des Vielgeliebten" gegeben, den er nie verdient, jauchzte jetzt in wilder Lust dessen Leiche nach unv tanzte auf öffentlichen Plätzen aus Freude über diesen Todesfall. Alle Wirthshäuser waren voll Betrunkener, und wo der Wagen vorbeifuhr, erschollen Spottlieder und Verwünschungen auf den todten König. Aber auch in ven höheren Kreisen gab viese Stimmung sich kund, unv als man dem Abt von Genevieve, welcher Die Reliquien der Heiligen ausgestellt, um die Rettung des Königs zu erflehen, Vorwürfe machte, daß diese nicht geholfen, entgegnete derselbe: „Aber, meine Herren, was wollen Sie Denn, er ist ja todt; mehr können Sie doch nicht verlangen!" Die Du Barry, welche man vor des Königs Tode entfernt, flüchtete beim Ausbruch der Revolution nach England; als sie aber 1793 sich wieder zurückwagte, um ihr Eigenthum, von mehreren Millionen an Werth, nicht confisciren zu lassen, nahm man sie als Hochverrätherin an Frankreich fest unv übergab sie der Guillotine. *) der Vertreibung dieses Ordens wurde der König dadurch am meisten bewogen, weil der Mordversuch, welchen Damiens am 5. Januar 1757 gewagt, als ein Werk der Jesuiten betrachtet wurde. 6. Mai. Wie man in gewissen Kreisen Berlins dem Zollparlament gegenüber Position nimmt, geht aus fol- genden Zeilen der „Krcuzzeitung" hervor: „Wenn die nun zum dritten Male vorgeschlagenen Reformen abermals scheitern sollten, weil das Zollparlament sich sträubt, die durch diese Reformen entstehenden Ausfälle decken zu helfen, oder weil eö die Deckungs- mittel so beschneidet, daß sie kein genügendes Aegui- valent für dieselben sind, so wird die Lage der Regierungen kaum eine ungünstigere, als sie jetzt ist. Handel und Verkehr aber werden geschädigt werden und Hoffnungen, welche man an die Errichtung des Zollvarlaments geknüpft hat, sowohl in politischer als in wirtschaftlicher Beziehung — man wird sie zwar nicht aufgeben, aber doch vertagen und die Wähler werden sich überlegen müssen, ob ihre Vertreter aus den Institutionen den Nutzen gezogen haben, den sie daraus zu ziehen die Pflicht hatten." Die „Petersburger deutsche Zeitung", erörtert die Stellung des Reiches zu den Baltischen Provinzen, sie erklärt, das Recht derselben sei nicht völkerrechtlicher Natur, sondern beruhe auf Gesetzen, welche widerrufbar seien. Der Nystädter Frieden Hobe, ähnlich wie der Prager Frieden, nur den PaciScenten, keineswegs aber den Provinzen ein Recht zu Recla- mationen eingcräumt. Das baltische Recht beruhe einzig und allein auf dem Provinzialkoder als einem Theile der Reichsgesetze. Zur Erläuterung des bereits kurz gemeldeten Kir- giseN'Aufstandes berichtet der russische „Invalide", daß der Commandant des Postens Manquisschlak, Oberst Roukine, am 24. März mit 38 Kosaken in der Umgebung des Forts Alexander von einer Bande der Kirgisen-Agai überfallen und zu Gefangenen gemacht wurden. Die Bande blvkirte hierauf bas nur von zwei Sotnien Kosaken zu Fuß vcrtheidigte Fort Alexander, welches durch fünf Tage tapferen Widerstand leistete, bis von PetroSk Verstärkungen eintrafen und die Kirgisen, die ihre Gefangenen mit sich schleppten, ohne große Mühe wieder vertrieben. Zu Deren weiteren Verfolgung wurden zwei Compagnien des 21. Scharfschützen - Bataillons ausgcsendet. Aus London wird der „Jnd. beige" geschrieben, daß der griechische Zwischenfall nicht den Ernst an- nehmen werde, wie man anfänglich besorgte; von einer Occupation Griechenlands sei nicht im Entfern' testen die Rede. Die britische Regierung werde sich darauf beschränken, von der griechischen Regierung Den Beweis zu erhalten, daß alle Briganten, welche an der Ermordung der drei Engländer Theil nahmen, gefangen und nach der Strenge der Gesetze bestraft werden. Die britische Regierung werde Kriegsschiffe zur Bewachung der Küste beistellen, um jede Entweichung der Mörder zu hindern. Hierauf und auf nicht mehr, werde sich die ganze Action des britischen Cabinets in diesem außerordentlichen Falle beschränken. Die Aufständischen am Red River werden ihre Ansprüche um so weniger von Canada anerkannt sehen, als sie nicht nur ungewährbare politische Forderungen aufstellen, sondern auch noch die Abtretung eines großen Gebietes vom Assiniboin-Flusse bis zur Grenze der Vereinigten Staaten zu besonderen Niederlassungsstätten für die französischen Ansiedler verlangen. Ferner wollen sie nicht zugeben, daß britische oder canadische Truppen nach dem Red River gesandt werden; sondern schlagen die Bildung einer inländischen Miliz von 1000 Mann zur Aufrechthaltung der Ordnung vor, welche Mannschaft jedoch von der kanadischen Regierung ausgerüstet und bezahlt werden soll. Die Abgesandten Riel's in Ottawa dürfen sich nicht ein» bilden, baß diese Forderungen zugestanden werden. Vielmehr wird in Canada die Expedition nach dem aufrührerischen Gebiete, 600 Mann regulärer Truppen, 1400 Freiwillige 300 Mann Polizeisoldaten, schon ausgerüstet. Der Oberbefehl ist dem Obersten Wolseley zugedacht, welcher bisher General-Quartiermeister für Canada war, ein noch junger und thatkräftiger Offizier, welcher den Krimkrieg mitgemacht hat. Da es aus nahe liegenden Gründen unstatthaft war, die Truppen durch das Gebiet der Vereinigten Staaten zu befördern, so werden dieselben von Ottawa nach Collingwoob mit der Eisenbahn geschafft, dort auf Dampfern eingeschifft und nach Thunder Bay an der nordwestlichen Küste des Oberen See's befördert. Da der Huronensee mit dem Oberen See durch den kleinen amerikanischen Canal bei Sault de St. Marie verbunden ist, so müssen Die Truppen in der Nähe dieses Kanals an's Land gehen und an Der kanadischen Seite um denselben herum mar- schiren, was übrigens nur etwa 20—30 Meilen erfordert, dann sich wieder einschiffen und bei Fort William, einem alten Posten Der Hudsonsbai-Gcsell» schäft, landen. Von dort bis Fort Carry ist noch eine Strecke von 450 Meilen, Die zum Theile stromaufwärts in leichten Booten, deren etwa 100 mitgenommen werben, zurückzulegen sinb. ? Die „Zeidl. Corr." schreibt: „Wie wir hören, soll allerdings eine Anzahl von Mitgliedern des Reichs» tages, welche bei der zweiten Lesung des Strafgesetzbuches gegen die Todesstrafe gestimmt haben, bereit sein, bei der dritten Lesung ihr Votum für die Bei- behaltung abzugeben, falls die verbündeten Regie- rungen die Gegenconcession machten, Die Todesstrafe auf die Fälle des eigentlichen Mordes zu beschränken und dieselbe, namentlich für den Hochverrath fallen zu lassen. Nach unseren Informationen möchten wir nicht annehmen, daß ein derartiges Compromiß Aussicht auf Annahme habe." Aus Wien wird Den „Hamb. Nackr." gemeldet: „Eine in Nom überreichte preußische Note zur Unterstützung Der französischen Vorstellungen betont den Eindruck, welchen die in Aussicht genommenen Concils- beschlüsse in Der ganzen civilisirten Welt machen würden." — Die Bestätigung ist wohl, namentlich was die Form der Vorstellung betrifft, noch abzuwarten. Dem Wiener telegraphischen Correspondenzbureau wird als authentisch versichert, daß der päpstliche Nuntius dem Grafen Beust letzter Tage eine Note des römischen Staatssekretärs Cardinal Antonelli vorgelesen und dem Reichskanzler auf De (feil Wunsch eine Abschrift der Note übergeben hat. Diese Note ist eine Antwort der Kurie auf die österreichische Note vom 10. Febr. D. I. — die erste in Angelegenheiten des Concils — welche unabhängig von anderen Schritten fremder Kabinete zu einer Zeit nach Rom gerichtet wurde, als daselbst Die canones de ecclesia zur Diskussion gelangen sollten. Die nunmehr hier abschriftlich übergebene Note Antonelli'S hält Den römischen Standpunkt fest und macht sich durch eine gewisse Gereiztheit des Tones bemerklich, die wahrscheinlich ihren Grund in der Erkenntniß Der Con- scquenzen hat, welche die österreichische Note vom 10. Febr. nach sich zog, nämlich alle späteren diplomatischen Schritte anderer Mächte. In Der Jahressitzung Der Pariser Socistd Histo- rique hielt Fürst Czartoryski einen Vortrag, in welchem er Das Programm der Polen entwickelte. Oesterreich , sagte er, welches für Europas Freiheit, Civi- lisation und Gleichgewicht unentbehrlich ist, welches von Preußen und den moskowitischen Barbaren bedroht wird, Oesterreich, Polens letztes Asyl, muß mit allem Krästen-Aufgebot unterstützt werden; Oesterreich anerkennt jetzt auch den Werth Der Polenfreundschaft. Die Polen streben, schloß er, nach einer Conföderations - Monarchie vom baltischen bis zum Schwarzen Meere. Ein Friedensrichter Der Grafschaft Cork hat einen Brief von einem amerikanischen Fenier erhalten, das in Der Nachbarschaft von Skibvereen eine große Menge Feuerwaffen und Piken verborgen und ein bestimmter Tag für eine allgemeine Schilderhebung angesetzt sei. Er bietet Der englischen Regierung für 500 L. werthvolle Auskunft über alle Einzclnheiten an und fügt hinzu, Daß eine Anzahl Fenier von Amerika nach verschiedenen Plätzen in England abgereist seien. In Enniskillen wurde auf einen Herrn Henry d'Acry Irvine durch das Fenster seines Schlosses geschossen. Vor einiger Zeit war ihm in einem Drohbriefe der Tod angekündigt worden, falls er fortfahre, gerichtliche Aussetzungen unter seinen Pächtern vorzunehmen. Der „Monde" erzählt, ein amerikanischer Bischof habe ihm mitgetheilt, daß man in Den Vereinigten Staaten damit umgehe, eine nationale katholische Kirche unabhängig von Rom und dem Papste zu gründen. Ein Statut dieser neuen Kirche, welches bereits 49 katholische Priester unterzeichnet hätten, reproducirt der „Monde" nach einem amerikanischen protestantischen Blatte „The Christian Advokate." Der „Philadelphia Demokrat" schreibt: Das Ter- ritorium Neu-Mexiko klopft an die Pforte des Capitols und verlangt Aufnahme als Staat in die Union. Neu-Meriko gehört seit dem 2. Februar 1848 zur Union, wo es im Frieden von Guadalupe-Hidalgo von Mexiko nebst Obercalifornien an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde. Es bildete damals mit Californien und einem Theile von Texas ein Territorium, Californien wurde dann zum Staate gemacht, 1854 kamen weitere Abtretungen von Mexiko hinzu, und am 24. Febr. 1863 wurde Der westliche Theil des Gebietes zum Territorium Arizona gestaltet. Die jetzige Einwohnerzahl von Neu - Mexiko wird auf 120,000 angegeben. Dieselbe besteht aus angesessenen Indianern, Mexikanern, Spaniern und Amerikanern. Die spanische Sprache herrscht vor und wird in Der Territorialgesetzgebung gesprochen. Preußen. Berlin, 5. Mai. In der heutigen Sitzung des Zollparlaments wurde der Handelsvertrag mit den Hawai'schen Inseln ohne Debatte ange ommen; eS folgt hierauf die DiS- cussion über den Antrag Bamberger wegen Ausdehnung der Münzrekorm auf die süddeutschen Staaten. Minister Delbrück erklärt die Bereitwilligkeit deS norddeutschen BundeSratheS, dem Antrag zu entsprechen. Becher spricht im Namen der süddeutschen Fraktion gegen den Antrag, welcher die Kompetenz deS ZollparlamentS überschreite und die Landesvertretungen Präju- dicirc. Der Antrag wurde schließlich angenommen. Württemberg. Stuttgart, 6. Mai. Der neue CultuSminister v. Geßler richtete in seiner Eigenschaft als bisheriger Präsident der zweiten Kammer ein Schreiben an den ständischen Ausschuß, in welchem er die Niederlegung des Kam- merpräfidiumS anzeigt und Folgendes sagt: Ich hielt rmch bet der gegenwärtigen schwierigen Lage verpflichtet, dem Ruf deS Königs zu folgen. Die Wahrung der Selbstständigkeit Württembergs, in Verbindung mit einem freundlichen Verhältniß zu den übrigen deutschen Staaten wird auch künftig für mich Richtschnur sein. Die Mitwirkung zur möglichsten Erleichterung der Opfer, welche Württemberg, gleich den anderen Staaten, wegen der in manchen Punkten nicht vollkommen festen Gestaltung der politischen Verhältnisse zu tragen hat, wird mein besonderes Anliegen sein. Die Einigkeit von Regierung und Ständen ist bei der Lösung schwerer Aufgaben der mächtigste Schutz gegen äußere Gefahren, während eine Uneinigkeit die Bedeutung solcher namhaft erhöhen würde. Die Erreichung jener Einigkeit muß dcßhalb von Jedem, welchem das Wohl von König und Vaterland am Herzen liegt, angestrrbt werden. Frankreich. Paris, 3. Mai. Der „Rappel" veröffentlicht folgenden Aufruf Garibaldi'S an die französische Armee: „Soldaten! Ich habe die Ehre gehabt, einmal mit euch und zweimal gegen euch zu kämpfen, immer für die Sache der Gerechtigkeit. Wir sind also alte Bekannschaften und ich erlaube mir daher, mich in einer Frage, welche die ganze Welt in- teresfirt, an euch zu wenden. Gewiß, ich will nicht lügen und sagen, daß ich der Freund der Armee deS zweiten Kaiserreichs bin, dieses Kaiserreichs, welches sich eurer Tapferkeit zur Niederwerfung der Völker bedient hat, dieses Kaiserreichs, welches sich noch eurer imposanten und wackeren Masse bedient, um eine verlogene Tyrannei zu schützen, die ohne euch nur noch der Geschichte unseres Unglücks angehörte. Gleichviel! Freund oder Feind, ich wende mich an die ritterliche Armee, welche bei Fontenay vor dem Beginne der Schlacht rief: „Meine Herren Engländer, schießen Sie zuerst!" Ein charakteristischer Zug einer Armee von Braven. Selbst als ich bereit war, in euch die Vernichtungswerkzcuqe eines Despoten zu bekämpfen, suchte ich — das muß ich bekennen — in meinem Herzen vergeben« etwaS, was dem Haß für die edlen Kinder Frankreichs nur ähnlich gesehen hätte, für jene Armee, die freudig zur Befreiung meiner heimathlichen Erde auSzog und mit dem Blute ihrer Helden die Ebenen von Magenta und die Hügel von Solferino benetzte, deren EchoS noch heute das SiegeSlied deS französischen Soldaten wiederholen. Statt dec Soldaten von M.riko und Mentana möchte ich — versteht mich recht! — in euch nur noch die würdigen Abkömmlinge der Freiwilligen von FleuruS und IemmapeS sehen, nur die Söhne der Kämpfer jtiicr vierzehn Armeen, welche die Welt durch Wunderwerke in Erstaunen setzten und die alten Monarchieen von Europa zur Raison brachten. Denn Marengo und Austerlitz, welche diese Monarchieen vernichteten, waren die Correlate von FleuruS, IemmapeS und Zürich. Dann würde ich, obgleich Invalide, eure stolze republikanische Fahne grüßend, wieder an eurer Seite ziehen und euch bitten, mich wieder den Posten zu eurer Linken rinnehmen zu lassen, welchen ich so glücklich war, im Jahre 1859 inne zu haben, als ihr der österreichischen Tyrannei mit den Braven unserer Armee über den Leib hinweg gingt. Eaprera, 22. April 1870. G. Garibaldi." Italien. Palermo, 4. Mai. Der Gouverneur von Sicilien, General Medici, verlangte Truppenverstärkungen, um die Ruhe und Ordnung auf der Insel aufrecht erhalten zu können. Türkei. Konstantinopel, 4. Mai. Der Patriarch erwiderte auf die Note des GroßvezierS, daß er auf der Zurückweisung deS Fermans beharre und die Nothwendigkeit des ökumenischen Concilö nicht bestreiten lassen könne. Vermischtes. Berlin. Am 1. April 1870 befanden sich in Berlin woh- nungsloS 350 Familien mit 1604 Köpfen. Von diesen Familien hatten in ihren letzten Wohnungen Miethe bezahlt bis 30 Thlr. 121 Familien; von 31 bis 60 Thlr. 17b; von 61 bis 100 Thlr. 36 und endlich über 100 Thlr. 18. Der WohnungS- mangel erstreckte sich somit zu bei Weitem größtem Theile (296 gegen 54) auf kleinere Wohnungen zu einem Miethvreise unter 60 Thaler. Don diesen 350 Familien wohnten 178 in Vor dergebänden; 102 in Hof, und Seitengebäuden und 70 in Kellerwohnungen. In Bezug auf Geschlecht und Beruf der Häupter der wohnungslosen Familien befanden sich unter denselben 101 Frauenspersonen — Wittwen, geschiedene und eheverlassene Frauen und unverehelichte Frauenspersonen mit Kindern — 69 Arbeiter, 54 Bauhandwerker, Schmiede, Schlosser und Former, 31 Schuhmacher, 21 Schneider, 17 Maler, Tapezierer, Buchbinder, 16 Dienstmänner, Lohndiener und Kellner, 9 Handelsleute, 8 Weber, 6 Droschkenkutscher, 5 Müller, Bäcker und Schlächter, 4 Schreiber und Buchhalter, 4 Tuchmacher und Hutmacher, 3 Beamten und frühere Offiziere und endlich 1 Musiker und 1 Schauspieler. — Die 1604 Personen sind zwar inzwischen unter Dach und Fach gekommen; dagegen sind die Fälle nicht vereinzelt, daß einzelne Stuben nunmehr von 3 verschiedenen Familien bewohnt werden und Räume, welche früher Zubehör selbst zu den kleinsten Wohnungen waren, jetzt als besondere Wohnungsräume vermiethet sind. — Dem herrschenden WohnungSmangel gegenüber standen nach dem 15. April in Berlin überhaupt nur 133 Wohnungen leer, von denen nur 2 unter 30 Thlr., 12 zwischen 31 und 60 Thlr. und 7 zwischen 61 und 100 Tblr. Miethe kosteten, während für 41 Wohnungen über 100 Thlr. bis 300 Thlr. und für 71 Wohnungen über 300 Thlr. Miethe gefordert wurde. Redactiou, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.