Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährig V fl. 27 kr. Gichmer Alynger. Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags. Expedition; Canzletberg Lit. B. Nr. 1. Mnzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen. Nr. 173 Freitag den 9. December 1870. Amtlicher T h e i l. Gießen, am 3. December 1870. Krtreflend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6- Juni 1853, die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr und die Vergütung der Brandschäden Das Gru ^herzogliche Kreisaml Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme derjenigen zu Lang-Göns, Eberstadt, Ruttershausen, Staufenberg und Wieseck. Wir fordern Sie auf, alsbald unter Zuziehung des Gemeinderaths die vorgeschriebene jährliche Reviflon der Brandkataster vornehmen und das Ergebniß binnen 14 Tagen vorzulegen. Dr. G o l d m a n n. Po l it i s ch 8. December. Die „Post" schreibt: Das Präsidium des Norddeutschen Bundes hat dem Bundesrathe eine Anzahl von Schriftstücken vorgclegt, welche dem auswärtigen Amte in der letzten Zeit in Bezug auf den pariser Troctat vom 30. März 1856 zugegangen sind, und hieran folgende Mittheilung geknüpft: Die russische Regierung hat den Unterzeichnern des Vertrages zu Paris vom 30. März 1856 durch Circular vom 19/31. October d. I. erklärt, daß sie, mit Rücksicht aus wiederholte Jnfractionen dieses Vertrage-, sich nicht mehr an die Verpflichtungen desselben, soweit sie ihre Souveränctatsrechte im Schwarzen Meere beschränken, gebunden erachte. In begleitenden vertraulichen Mittheilungen hat die kaiserlich russische Regierung erklärt, daß sie den übrigen Inhalt des Vertrages anzufechten nicht beabsichtige und sich gegen die Unterstellung verwahrt, als ob sie weitergehende Gedanken mit dieser Aufkündigung von Verpflichtungen, welche eine souveräne Macht auf die Dauer nicht ertragen könne, verbinde. Seitens des Prä- fldiums des Norddeutschen Bundes ist eine Antwort auf die kaiserlich russische Mittheilung noch nicht ergangen. In einer so wichtigen Angelegenheit hat dasselbe sich nicht amtlich anssprechcn wollen, ohne die Ansicht seiner Bundesgenossen zu kennen und die Stimme der Nation zu hören. Es hat sich daher einstweilen darauf beschränkt, die Vertreter des Norddeutschen Bundes bei den betheiligten Regierungen anzuweisen, daß sie nach Möglichkeit auf Erhaltung des Friedens unter den näher betheiligken Mächten hinwirken. In demselben Sinne hat der Bundeskanzler sich gegen den Unterstaatssecretär Herrn Russell, welchen der Staats- secretär für die auswärtigen Angelegenheiten Lord Granville nach Versailles geschickt hatte, ausgesprochen und ihm erklärt, daß das Bundes-Präsidium keine amtliche Erklärung abgeben werde, ohne zuvor die Stimme des Bundesrathes und des Reichstages gehört zu haben. Das auswärtige Amt des Bundes geht von dem Grundsätze aus, daß politische Schritte, welche die friedlichen Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn gefährden können, stets nur in soweit gerechtfertigt sein werden, als vertragsmäßige Verpflichtungen sie als eine völkerrechtliche Pflicht auferlegen, oder als unabweisbare Interessen der deutschen Nation sie fordern. Die ersteren liegen nach seiner Ueberzeugung nicht vor. Preußens Stellung zu der gegenwärtig angeregten Frage war von Hause aus eine andere als die der Mächte, welche den Vertrag vom 15. April 1856 abgeschlossen haben. Preußen hat an Letzterem, durch welchen England, Frankreich und Oesterreich ge- meinschastlich und einzeln die Unabhängigkeit und Integrität des osmanischen Reichs garantiren und erklären, daß sie jede Verletzung der Stipulation des Friedens- Vertrages vom 30. März 1856 als Casus belli betrachten werden, nicht Theil genomwtn. Es hat vielmehr nur cen Friedensvertrag vom 30. März mit unterzeichnet, in dessen Art. 7 die Contrahenlen sich lediglich verpflichten, die Unab- hängigkeit und Integrität der Türkei zu achten, ferner gemeinschaftlich die genaue Beobachtung dieser Verpflichtung garantiren und erklären, daß sie jeden Act, wel- cher dem entgegen wäre, als eine Frage des allgemeines Interesses ansehen werden. Um die Integrität und Unabhängigkeit des türkischen Reiches handelt es sich jetzt nicht, daher auch nicht um eine von Preußen oder seinen RcchtSnach. folgern zu fordernde Ausführung des Art. 7, sondern lediglich um die Pflichten und Rechte, welche an sich durch die Unterzeichnung eines Vertrages erwachsen. Besondere Garantien oder Pflichten ergeben sich für Preußen au» dem Vertrage vom 30. März 1856 nicht, sondern nur das Recht, die Erfüllung von Pflichten, welche von Anderen in dem Vertrage übernommen worden sind, zu fordern. Ob aber dieses Recht auSgeübt werden soll, darüber sind nur die Interessen der Na- tion zu Ruthe zu ziehen. Die Form, welche das Cabinet von St. Petersburg gewählt hat, und welche, nach seiner eigenen Erklärung, eine weitere Verständig- ung durch gemeinsame Besprechung nicht auSschließt, nach ihrer RrchlSbeständigkeil zu prüfen, würde erst dann in den Aufgaben des auswärtigen Amtes liegen, wenn feststänve, daß durch Formverletzungen die Interessen oder das Ansehen Deutschlands in Frage gestellt wären. Das Präsidium wünscht nun die Ansicht seiner Bundesgenossen über die Frage, wie weit die Interessen Deutschlands durch die Verhältnisse, auf welche die vorgelegten Actenstücke sich beziehen, berührt werden, kennen zu lernen, um sich demnächst in gemeinsamer Berathung über die Behandlung der Frage zu verständigen und dem Reichstage die Sachlage mitzutheilen. Inzwischen hat das Präsidium einen Vermittlungsvorschlag an die Mitunterzeich- er Theil. ner des pariser Friedcnsvertrages vom 30. März 1856 gerichtet, welcher dahin geht: daß dieselben ihre Vertreter in London autorisiren möchten, zu einer Con- ferenz zusammenzutreten, um in derselben die Fragen zu erwägen, welche sich an die von dem kaiserlich russischen Cabinet durch dessen Circular vom 19./31. Oktober d. I. gemachten Eröffnungen knüpfen. Der Vorschlag hat in London, St. Petersburg und Florenz günstige Aufnahme gefunden und es scheint Aussicht vorhanden, daß er auch die Zustimmung der übrigen an dem pariser Fricdensver- trage vom 30. März 1856 betheiligten Mächte erhalten werde. Delbrück. Mit dem Ersatzgeschäft, das diesmal früher als sonst stattfindet, geht auch das ClasfificationSgeschäft Hand in Hand. Letzteres umfaßt die Reserven und Landwehrmannschaften aller Waffengattungen der Garde und Linie des ersten und bisherigen zweiten Aufgebots, so wie die Halbinvaliden, und hat die Entscheidung über die gejetzlichen Gründe zur Befreiung von der Einberufung bei eintretender Mobilmachung der Armee zum Zwecke. Die Zulässigkeit der ReclamationSgesuche ist eng begrenzt und die Befreiung gilt immer nur auf ein Jahr, so daß die früher Berücksichtigten sich immer neu zu melden haben. Wer es unterläßt, zur Zeit zu reclamiren, wird später nicht mehr berücksichtigt, es sei denn, daß die ReclamationSgründe erst nach der Classification hervorgetreten sind. Die K. Z. schreibt: Die Kaisersrage, auf welche auch ministerielle Blätter die Aufmerksamkeit gelenkt haben, tritt mehr und mehr in den Vordergrund. In allen unterrichteten Kreisen herrscht inzwischen die Ueberzeugung, daß auch bei der etwaigen Annahme des Kaisertitels in Folge des Wunsches der deutschen Fürsten, der in einer Adresse oder auf anderem Wege seinen Ausdruck finden könnte, Se. Majestät zu gleicher Zeit König von Preußen mit dieser letzteren Bezeichnung bleiben werde. Der Titel des deutschen Kaisers bedeutet die Ueber- nähme einer hohen Function und Würde in Deutschland. Der König von Preußen so wenig wie Preußen selbst wird deßwegen zu existiren aufhören. Angesichts der bevorstehenden Bundesverfassung wird ohnehin Sorge zu tragen sein, daß der solide preußische Boden inmitten der großen Opfer, welche wir Deutschland entgegenbringen, nicht verloren gehe. Die R. A. Z. schreibt: Das große Verdienst der Herren Bebel und Liebknecht um Frankreich fängt schon an, Früchte zu tragen. Hr. Lefaivre, französischer Consul in Wien, hat im Namen unseres Feindes an die genannten Herren folgendes Schreiben gerichtet: „Im Namen der französischen Republik, deren Negierung mich zu ihrem speciellen Vertreter bei der Demokratie Deutschlands bestellt hat, erachte ich es für meine Pflicht, Ihnen für die edlen Worte, die Sie im Berliner Parlamente inmitten einer durch den Geist der Eroberung und die Trunkenheit des Militarismus fanatisirten Versammlung gesprochen haben, meinen Dank auszudrücken. Der Muth, den Sie bei dieser Gelegenheit bewiesen, hat die Aufmerksamkeit von ganz Europa auf Sie gelenkt und Ihnen einen ruhmvollen Platz in der Reihe der Streiter für Freiheit erobert. Der freisinnige und humanitäre Geist Deutschlands erleidet in diesem Augenblicke, wie Sie, meine Herren, es so beredt dargethan haben, eine jener Verfinsterungen, die wir selbst während der Periode unseres ersten Kaiserreiches durchgemacht haben, und geht denselben Enttäuschungen entgegen. Eine Sucht nach brutaler Herrschaft hat sich der erleuchteten Geister be. mächtigt. Jene Denker, die noch vor Kurzem solche Lichtstrahlen über die Welt aussandten, sind heute, unter der Eingebung des Hrn. von Bismarck, zu Aposteln des Mordes und der Vernichtung einer ganzen Nation geworden. Sie, meine Herren, sind es und Ihre Partei, welche bei diesem allgemeinen Abfall die große deutsche Tradition aufrecht erhalten. — In unseren Augen sind Sie die großen Vertreter einer deutschen Nation, die wir mit einer wahrhaft brüderlichen Liebe umfaßten, und die wir zu achten nicht aufgehört haben. Frankreich begrüßt Sie, meine Herren, und dankt Ihnen; denn es erblickt in Ihnen die Zukunft Deutschlands und die Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen den beiden Völkern. — Wien, 2. December 1870. — Lefaivre, französischer Consul in Wien." Es ist dies derselbe Hr. Lefaivre, welcher unlängst in Prag Anwerbungen für die französische Armee veranstaltete. Die Oesterreicher kommen immer mehr dahinter, daß der Kriegslärm der Officiösen in den letzten Wochen nur darauf zielte, die Delegationen für die hohen Forderungen des Kriegs-Ministers breit zu schlagen. Wenn die Neue Freie Presse recht berichtet ist, so hat sich Graf Beust in der gestrigen Sitzung des Budget- Ausschusses der österreichischen Delegation vollkommen friedlich ausgesprochen. Das Streben unserer Politik gehe dahin, die Conferenz zu ermöglichen. Man müsse darauf bedacht sein, baß der russischen Methode, ein VertragSverhältniß in rechtswidriger Weise zu lösen, die Spitze abgebrochen werde. Dann erst könne man in die Conferenz eintreten und „unter Fallenlaffen" der Neutralität des Schwarzen Meeres für die Sicherheit der Donaumündungen sorgen. Als die königlich italienischen Truppen vor 10 Jahren nach dem Gefechte bei Castelfidardo Umbrien und die Marken besetzten, verhängte Pius IX. über die Angeber und Ausführer des Planes die Cxcommunication; dasselbe ist nun den Besiegern Roms widerfahren. Es ist davon die Rede gewesen, den König per- sönlich als Mitschuldigen der Katastrophe zu nennen und die Kirchenstrafe auch über ihn wenn auch glimpflich auszudehnen. Dieser Rath fand jedoch an der bestimmten Erklärung des Papstes Widerstand: „Ich werde warten!" Beim Empfange des diplomatischen Corps, der durch die Sequestrirung der Zeitungen mit der Excommunication veranlaßt wurde, sprach er in gehobener Stimmung den fremden Vertretern seinen Dank für die Theilnahme der Cabinete aus, wobei er freilich bedauerte, daß diejenigen, denen unbestritten das Recht gebühre, als erste Schutzmächte der katholischen Sache in vorderster Linie zu stehen, sich für die zweite Stelle entschieden: Frankreich liege ohnmächtig am Boden, wie wohl auch General Trochus Versicherungen der Ergebenheit und Hilfebereitheit dem heiligen Stuhle thäten, Oesterreich aber sei weit aus dem Fahrwasser der Schirmvogtei der Kirche verschlagen worden. Was aber auch im Vatikan gedacht und gethan wird, die weitere Entwickelung der Verwaltung muß die immer thätige Camarilla überzeugen, baß es nicht von einem bloßen Umsprung der Lüfte abhängt, das Verlorene sogleich leichten Kaufes wieder zu gewinnen. Es ist bemerkenswerth, wie sich besonders in der höheren Prälatur die Hoffnung auf Hilfe von Preußen her erhält, wenngleich eine auch nur einiger Maßen unbefangene Retrospektive auf daS Vorgehen des ConcilS wider den Protestantismus Bedenken erregen müßte. Ein' in Norbbeutschland wohl bekannter römischer Prälat erklärte dieser Tage, König Wilhelm sei der einzige Re Galantuomo. Das Siöcle sucht der neuesten Ballonpost zufolge in einem langen Artikel nachzuweisen, daß bas Elsaß niemals wirklich zu Deutschlanb gehört hat, sondern von den ältesten Zeiten her bereits ein integrirender Theil Galliens war. Ent- rüstet ruft cs aus: „Eher wirb ber Rhein sich umkehren unb seiner keltischen und schweizerischen Quelle zufließen, als daß dieser heldenmüthige Winkel beö1 alten Galliens die Präbende der Schlummer von Berlin wird! Das fruchtbare Elsaß, wie es ausgehungert werden würde! Seine schwere Gerste, seine reichen Hopfen, seine Weine von Ribeauville, sein schöner Flachs, sein Kohl aus der Jll-Ebene, sein würziger Tabak aus den südlichen Thälern, seine fetten Gänse von Molsheim und von Mutzig, seine ungeheuren Schweineherben unb tausend andere Reichthümer würden gar bald von dem Gargantua jenseit des Rheines erschöpft werden. Frankreich verlangt von ihm nichts als seine Hingebung. Deutschlanb würde ihm Alles nehmen und ihm Alles aufeffen." Frankfurt, 4. Dec. Polizei-Präsident v. Madai hat vor einigen Tagen einen seit vielen Jahren sich hier aushaltenben Zeitungs-Corresponbenten aus Bel- gien und resp. Agent eines Brüsseler Blattes unter der Anklage verhaften und der königlichen Staatsanwaltschaft übergeben lassen, dieses Blatt, welches die gröbsten Lügen unb Schmähungen über die deutsche Armee und deren Führer enthält, unter den hiesigen kriegsgefangenen französischen Ofsizieren vertheilt zu haben. (K. Z-) Konstantinopel, 2. Dec. Die Einschreibung der Baschi-Bozuks wurde suSpendirt. Auch ber Befehl zur Errichtung eines Lagers bei Skutari, das aus zwei Brigaden Redifs bestehen sollte, wurde zurückgeuommen. Telegraphische Depeschen. + Darmstadt, 7. Dec. Die „Darmstädter Zeitung" theilt folgendes bei dem Großberzog eingelaufenes Telegramm mit: Gestern in Orleans eingerückt, heute Dienstag gegen Tours weiter. Verlust der Division nicht sehr bedeutend. Viele Geschütze genommen, eine Menge Gefangene gemacht. Ludwig, Prinz von Hessen. A Stuttgart, 7. Dec. DaS bis jetzt bekannt geworbene Ergebniß der Kammerwahlen ist: 33 Nationale, 6 Zweifelhafte, 3 Gegner des Eintritts in den Bund. Die bisher bekannt geworbenen Ritterschastswahlen (national) find dabei nicht mitgerechnet. Es steht höchst wahrscheinlich eine Kammer in Aussicht, die den Eintritt Württembergs in den deutschen Bund votiren wirb. 4- München, 7. Dec. König Ludwig geht nach Versailles, sobald die allseitige Zustimmung des Kaisertitels feststeht. Die königlichen Waggons werden sofort reisefertig gemacht. Schwerin, 7. Dec. Eine Depesche des Großherzogs giebt den Verlust seiner Armeeabtheilung vom 2. bis 4. d. auf 3200 Mann an. Der Feind verlor 2000 Tobte, 14,000 Gefangene. A Tours, 6. Dec. 12 Uhr. General AurelleS berichtet: Die Armee zog sich in guter Ordnung zurück unb ist noch intact. Es ist ungenau, daß Proviantwagen genommen seien. Die Minister des Innern und des Kriegs haben drei Commiffäre ernannt, um eine Untersuchung über die Ursachen der Räumung von Orleans anzustellen. A Lille, 5. Dec. Zwei preußische Offiziere erschienen in Peronne und forderten die Stadt zur Uebcrgabe auf; ein Armeecorps folge ihnen. Sie wurden festgenommen. In Lille starke Truppenbewegungen. A Brüssel, 7. Dec. Die „Jnd." theilt mit, daß ein StabSosficier von Versailles nach Paris geschickt wurde, um ber Regierung die Besetzung von Amiens, Rouen unb Orleans mitzutheilen. — „Daily Telegraph" vermuthet, baß sich Preußen einen Hafen am Canal besetzen wolle, um die Verproviantirung der Armee aus der Somme (?) zu bewerkstelligen. A Brüssel, 7. Dec. Der „Constitutionnel" vom 4. d. meldet, die Regierung habe Lord Lyons den preußischen Conferenzvorschlag zur Uebermittelung nach Paris übergeben, indem sie der dortigen Regierung die alleinige Entscheidung darüber überlasse. A Brüssel, 7. Dec. Nach Berichten Vitet'S ist Paris zum Mindesten noch bis zum 15. Januar verproviantirt. + Florenz, 6. Dec. Preußen verlangt von Italien die Zurückweisung der nach Jtallen geflüchteten kriegsgefangenen französischen Offiziere. Privatdepesche des Gießener Anzeigers. Lille, den 7. December. Die Preußen nähern sich in Eilmärschen Havre. Tours und Blois von den Franzosen geräumt. J Vermischtes. Leipzig, 1. Dec. Die „große Bitte an alle deutschen Kinder" in Nr. 47 der „Gartenlaube" Hat, wie zahlreiche Zuschriften an den Verfasser derselben (Dr. Friedrich Hofmann) und an die Redaction der Gartenlaube auf daS freundlichste beweisen, in ganz Deutschland Anklang gefunden. Namentlich aber hat der gute Gedanke, auch den durch den Krieg verarmten und per, waisten Kleinen in Elsaß und Lothringen den deutschen Weihnachtsbaum aufzurichten und durch die Kinder daS Volk mit dem alten Vaterlande rascher zu versöhnen, die Herzen der Jungen und Alten ganz besonders gepackt, und schon jetzt sind viele und zum Theil sehr reichliche Gaben, meist von köstlichen Kinderbriefchen begleitet, theils bei der Redaction der Gartenlaube, theilS bei Dr. Fr. Hofmann in Leipzig eingeganqen. Noch weil mehr Briefe bitten aber um Angabe einer bestimmten CentralsteNe für diese EhristbescheerungSsammlung. Diesen Allen diene zur Notiz, daß die Redaction der Gartenlaube bereit ist, die ausschließlich für die armen Kinder des Krieges in Elsaß und Lothringen bestimmten Gaben an Geld und Waaren in Empfang zu nehmen, darüber öffentlich s. Z. zu quittiren, die Verwendung derselben durch ihre bekannten weitreichenden Verbindungen zu besorgen und schließlich über diese erste deutsche National - Ehristbescheerung Bericht zu erstatten. Dringend nothwendig ist dazu aber, daß bis spätestens zum 12. December alle Gaben abgeliefert sind, damit die Vertheilung derselben und die nicht überall leichte Herstellung der Christ- bescheecung in möglichst gerechter und würdiger Weise geschehen könne. Bremen. Der Dampfer .Union", welcher am 27. Nov. mit 326 Passagieren und 700 Tons Ladung nach Newvork in See gegangen war, ist an der schottischen Küste bei Rattrayhead auf den Grund gerathen. Alle Passagiere sind jedoch glücklich gelandet. Eine Depesche von Peterhead meldet, daß daselbst bereits in letzter Nacht 250 Passagiere angekommen seien und die übrigen noch erwartet wurden. Die Unterbringung der Passagiere ist zunächst der Sorgfalt deS norddeutschen Bundesconsuls in Peterhead anvertravt, die Direction deS norddeutschen Lloyd hat jedoch umfassende Maßregeln getroffen, damit den Passagieren nichts fehle und jede mögliche Erleichterung geboten werde. Protoeorl über die am 13. October 1870 zu Staufenb erg abgehaltene Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Gegenwärtig: Der erste Direktor veS Bezirksvereins, I)r. Goldman n, als Vorsitzender, der Herr Präsident des Provinzialvereins der Provinz Oberheffen, Graf zu Solms-Laubach, Erlaucht, der General-Sekretär der landwirthschaftlichen Vereine, Herr Oeconomierath Dr. Krämer und eine namhafte Anzahl von Mitgliedern des Bezirksvereins. Der Präsident eröffnet die Sitzung mit einer Begrüßung der Anwesenden, erinnert sodann an die ungünstigen Zeitverhältniffe, mit welchen der Landwirth in Folge der jetzt größtentheils beseitigten Futternoth, der gering ausgefallenen Getreideerndte, der drohenden Kartoffelfäulniß und der aufgetretenen Rinderpest, wie auch des Kriegszustandes zu kämpfen gehabt habe und bezw. noch zu kämpfen haben werde. Auf Anregung des Vorsitzenden ehrt die Versammlung das Andenken eines langjährigen Mitglieds des Vereines, des kürzlich verstorbenen Großh. Bürgermeisters Wagenbach von Alt-Buseck, durch Aufstehen von den Sitzen. Der Vorsitzende lädt die Versammlung ein, eine von dem Freiherrlich von Rabenauischen Gärtner Buchsler zu Groß-Buseck in dem Versammlungslokal ausgestellte Sammlung von selbstgezogenen Aepfel- und Birn-Sorten, meist ausgezeichnete Produkte zweijähriger Stämmchen zu besichtigen, und spricht dem Veranstalter dieser Ausstellung seinen Dank aus. Auf der Tagesordnung steht zunächst: I. Beschlußfassung über die dem Verein pro 1870 zur Verfügung stehenden Mittel. Der Vorsitzende bedauert, der Versammlung in dieser Beziehung keine Vorschläge machen zu können, indem seine Absicht, vor Beginn der heutigen Generalversammlung eine Beschlußfassung des Ausschusses zu veranlassen, sich wegen Mangels einer hinreichenden Zahl anwesender Ausschußmitglieder nicht habe ausführen lassen. Die dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel pro 1870 betrügen circa 137 fl. wozu noch der von der Aachen-Münchener-Feuerversicherungs- Gesellschaft zu erwartende Beitrag hinzukomme und frage er an: ob die Versammlung dem Ausschüsse die Verwendung dieser Mittel anheimgeben wolle. Es bemerken hierauf: Herr Professor Dr. Pflug: Es sei für die Viehbesitzer ohne Zweifel von hoher Wichtigkeit, wenn die Veterinärärzte mit dem Wesen der Rinderpestkrankheit praktisch vertraut seien. Er frage daher an, ob nicht aus den Bezirksvereinsmitteln dem Kreisveterinärarzt zu Gießen eine Unterstützung von etwa 50 fl. zu Theil werden könne, um demselben Gelegenheit zu geben, an Ort und Stelle, namentlich in der Pfalz, wo die Krankheit besonders stark aufgetreten, Studien zu machen. Der Herr Präsid ent des Provinzialvereins erklärt, daß eventuell der Provinzialverein eine solche Unterstützung gewähren werde, wozu derselbe in diesem Jahr in der Lage sei. Freiherr von Rabenau: Der Provinzialverein habe schon früher zu ähnlichem Behuf Mittel bewilligt und zwar an Obsr-Medicinalraih Wüst in Darmstadt und Dr. Castres in Mainz, während noch kein oberhessischcr Veterinärarzt eine solche Unterstützung erhalten habe. Er beantrage deshalb den Herrn Präsidenten des ProvinzialoereinS zu ersuchen, aus den Mitteln des Provinzialvereins 50 fl. zu dem von Herrn Professor P fl u g angegebenen Zweck anzuweisen. Herr Oeconomierath Dr. Krämer berichtigt diese Bemerkung dahin, daß die Herren Wüst und CastreS von der Regierung unterstützt worden seien, man möge sich deshalb auch im vorliegenden Fall an die Negierung werden. Herr Professor Dr. Pflug: Es sei in hohem Grade wünschenswerth, daß möglichst viele Veterinärärzte in fraglicher Weise sich ausbildeten, wenn daher Herr Dr. Winkler von Girßen aus den Bezirksvereinsmitteln unterstützt werden könne, so könnten der Provinzialverein und beziehungsweise die Regierung ihre Subventionen einem anderen Veterinärarzt zufließen lassen. Nach einigen weiteren Bemerkungen des Freiherrn von Rabenau, des Herrn Provinzialvereins-Präsidenten und des Vorsitzenden beschließt die Versammlung: Dem Großh. KreiSveterinärarzt Dr. Winkler zu dem in Rebe stehenden Zweck aus DezirkSvereinSmitteln 50—70 st. zur Disposition zu stellen, den Provinzialverein aber zu ersuchen, eine gleiche Unterstützung einem anderen Veterinärarzt zuzuwenden und bei der Regierung auf Rückersatz hinzuwirken. II. Der Vorsitzende eröffnete hierauf die DiScussion über die Bedeutung der Schafhaltung für die Landwirthfchast der hiesigen Gegend. ES bemerken: Herr Pfarrer Müller aus Watzenborn: Die vorliegende Frage fei von eminenter Wichtigkeit. Obwohl die Vortheile, welche die Schafhaltung Einzelnen bringe, weit überwogen würben durch die mancherlei damit verbundenen Nachtheile für die Gesammtheit, obwohl auch der Preis für Fleisch und Wolle durch die von Australien her stattfindende Concurrenz sehr gedrückt worden sei, so habe doch die Schafhaltung in einem Maße an Umsang gewonnen, welches mit den Interessen der Landwirthschaft schlechterdings nicht vereinbarlich sei. Es bestehe bei uns ein wahrer Unfug mit der Schafhaltung; bei Gemarkungen von 1 bis 2000 Morgen würden oft nicht weniger als 3 Heerden gehalten und die durch Statuten oder sonstige Bestimmungen gestattete Zahl von Schafen werde gar häufig mit Hülfe eines geringen Trinkgeldes an die Schäfer von Vielen namhaft überschritten. Die Folgen lägen klar zu Tage. Das zur Weide bestimmte und erlaubte Gelände reiche zur (5p nährung einer so großen Anzahl von Schafe nicht aus, die Schäfer würden zu Weidefreveln veranlaßt, der Wiesenschluß werde nicht einge- halten, die Schäfer hüteten oft bis Mitte Mai und selbst unmittelbar nach und mit der Heuerndtc würden die Schafe in Vie Wiesen einge- trieben. Alle Bemühungen des Kreisamts diesen Mißständen zu steuern führten nicht zum Ziel, weil dasselbe in der Handhabung der gesetzlichen Vorschriften von der Bürgermeistern häufig nicht genügend unterstützt werde. Es sei unbedingt erforderlich, die Zahl der Schafe im Verhält- niß zu dem Flächengehalt der Triften und veS Brachfeldes zu reduciren und Vie Aufgabe des Bezirksvereins sei cs, - sein Möglichstes zu thun, um richtigen Anschauungen in dieser Hinsicht Eingang zu verschaffen. Die Statuten der Schäferei-Gesellschaften würden häufig geändert, je nachdem es dem Interesse der an der Spitze Stehenden entspreche und es sei einleuchtenv, wie hiermit geradezu die Unsittlichkeit gefördert werde. Redner führt hierfür einige Beispiele an und schließt mit dem Hinweis darauf, daß ohne Beschränkung der Schafhaltung eine Vermehrung des Futterbaues, die so dringens nothwendig, nicht möglich sei. Der Herr Präsident des Provinzialvereins, Graf zu Solms Laubach, Erlaucht: Die vorliegende Frage lasse sich nicht generalisiren; in vielen Gemarkungen würde es ein Fehler sein, die Schafhaltung aufzugeben, in anderen aber sei allerdings der Schaden größer, als der Nutzen. Das Gesetz vom 7. Mat 1849 habe seinen Hauptzweck verfehlt, indem, wo die Schäfereigerechtigkeiten abgelöst worden, sich Gesellschafts-Schäfereien gebildet hätten. Dem Tadel des Vorredners könne er nicht so allgemein beistimmen. Es komme wesentlich auf die Statuten an, und wenn in solchen bestimmt sei, daß Jeder wenigstens ein Schaf halten dürfe, mehr aber nur nach Verhältniß seines Grundeigenthums, und wenn diese Bestimmung auch gehandhabt werde, so lasse sich dagegen Nicht- einwenden. An vielen Orten beständen freilich gar keine Statuten und hier herrsche dann die größte Willkür. Die Negierung möge daher darauf sehen, daß überall Statuten errichtet würden. Herr Bürgermeister Vogt von Gießen referirt über die dortigen Schäferei-Verhältnisse und spricht sich wohl für Beschränkung, aber gegen gänzliches Aufgeben der Schafhaltung, namentlich aus dem Grunde aus, weil das Unkraut in diesem Falle zu sehr überhand nehmen weroe. Die letztere Behauptung widerlegt Herr Pfarrer Müller von Watzenborn. Herr Lehrer Schlapp von Rödgen: Der Vorwurf, der den Bürgermeistern gemacht worden, sei wohl hier und da, aber doch nicht überall begründet; die Bürgermeister seien nicht immer die Begütertsten und sie hätten an den meisten Orten, wo Gesell- schaftS-Schäfereien beständen, mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß die Leute glaubten, sie hätten eine Schäferei g e r e ch t i g k e i t; dieser Glaube sei zu bekämpfen. Bei der fast allerwärts zu großen Zahl der Schafe fehle es vorzugsweise an ordentlichen Statuten. Redner macht aufmerksam auf die Nachtheile der zu langen Behütung der Wiesen und wünscht, daß das Verbot der Behütung nach eingetretenem Wiesenschluß strenger gehandhabt werde. Der Vortheil der Schafhaltung werde vielfach überschätzt, der wirkliche Ertrag sei gering und bestehe der Hauptsache nach nur in Pferch unv in der Verwerthung des Unkrautes. FreiherrvonRabenau: Die Nachtbeile der übermäßigen Schafhaltung seien allgemein anerkannt. Die Entwerfung von Statuten und die Beseitigung des Uebels durch solche habe aber ihre großen Schwierigkeiten, weil Niemand gezwungen werden könne, sich diesen Statuten zu unterwerfen. Redner findet einen Mangel unseres Gesetzes darin, daß wenn eine ganze Heerde auf unerlaubtem Grundstück weide, der Richter nicht unter eine Strafe von 30 fl. herabgehen könne. Eine solche Strafe könne kein Schäfer bezahlen unv es werde deshalb in der Praxis (von ihm selbst sei das schon geschehen), wenn auch in Zuwiderhandlung gegen die Dienstpflicht Seitens der Feld- schützen, von etner Anzeige meistens abgesehen. Es sei deshalb wünschens- werth, daß dem Richter gesetzlich die Möglichkeit gewährt werde, auf ein Strafminimum von etwa 5 fl. hcrabzugehen. Gegen letztere Ansicht erklären sich der Bürgermeister Lang von Wieseck und der Vorsitzende, welcher Letztere darauf aufmerksam macht, daß nach bestehen- der feldstrafgesetzlicher Bestimmung im Falle des Unvermögens des Schäfers dessen Dienstherrschaft, also die Schäferei-Gesellschast, die Strafe be- zahlen müsse. Herr Lehrer Leithäuser von Groß-Linden erwähnt de- Mißstandes, daß den Schäferei-Gesellschaften viel zu viel Gemeinveeigenthum ohne, oder wenigsten- gegen geringe Entschädigung zum Nachtheil der gering Begüterten überlassen werde. Herr Lehrer Schlapp: Auch da- sei durch Statuten zu regeln. Er finde es zweckmäßig, die Gesellschafts-Schäfereien in Gemeinde-Schäfereien zu verwandeln, so daß alle Einnahmen in Vie Gemeinvekasse flößen unv der Pferch versteigert werde. Herr Oeconomierath Dr. Krämer bemerkt, daß er eine Abhandlung über die vorliegende Frage für die landwirthschaftliche Zeitung vorbereitet habe und bedauert, daß solche noch nicht habe zum Abdruck gelangen können. Redner weist durch statistische Notizen aus verschiedenen LandeS- theilen nach, daß die Zahl der Schafe falle im Verhältniß der zunehmenden Zahl der Menschen auf einer gewissen Fläche landwirthschaftlich benutzten Bodens. In stark bevölkerten Staaten fei es die Aufgabe, dem Boden die größtmöglichsten Erfolge abzugcwinnen, man müsse deshalb auf diejenige Production sich werfen, welche der uneingeschränktesten Ausdehnung fähig fei. Redner wirst dem gegenüber die Frage aus: warum hat sich die Schafhaltung bei uns nicht in dem Maße verringert, wie in Nachbarländern? und findet die Gründe hiefür 1) in den hier noch vorfindlichen Spuren der früheren Feldgemeinschaft (Weidedienstbarkeiten, wechselseitige Behütung der Grundstücke), 2) in der Zerstückelung und der verworrenen Lage der Grundstücke (man sanctionirte den Flurzwang, weil man größere weidbare Flächen haben mußte), 3) in der Übertriebenen Vorstellung von dem Abnutzen der Schäferei, dargestellt in dem Pferch. Der Pferchdünger sei unbedingt zu theuer, er sei nur eine kostspielige Consequenz der bestehenden Uebelstände. Durch Haltung anderer HauSthiere könne der Dünger auf viel vortheilhaftere und wohlfeilere Weise producirt werden. Herr Landrath von Hellvorf von Wetzlar, welcher inzwischen als Gast in der Versammlung erschienen war, macht Mittheilungen über die Schafhaltung in seiner Heimath, der preußischen Provinz Sachsen. Dort sei die Con- solidation beinahe vollständig durchgesührt und damit die Privatschafhaltung verschwunden. Sie würde von Niemanden zurückersehnt und habe der Rindvieh- und Schweinezucht Platz gemacht. Das Uebermaß der Schafhaltung, wie es auch im Kreise Wetzlar bestanden habe, führe zur Ungerechtigkeit der größeren Grundbesitzer gegen die kleineren, zur Verschleuderung des Gemeindevermögens, zur Erschwerung des Wiesen- und des Futterbaues überhaupt. Der Vorsitzende resumirt die Ergebnisse der heutigen Verhandlungen dahin: Die Landwirthschaft hiesiger Gegend könne die Schafhaltung nicht ganz entbehren, aber eine Verminderung derselben und die Beseitigung der bestehenden Mißbräuche sei wüuschenSwerth. Die Entwerfung von Statuten sei allerdings zweckmäßig, aber es sei sehr schwierig festzustellen, in wie weit dadurch die Freiheit der einzelnen Grund- und Viehbesitzer beschränkt werben könne. Es dürfte wohl angemessen sein, seitens des Provinzialvereins eine Commission zu bilden, welche mit einer näheren Erörterung der Frage zu betrauen wäre. Der Herr Präsident des Provinzialvereins erklärt sich bereit, den Gegenstand für die nächste Provinzialvereins-Sitzung auf die Tagesordnung zu setzen. Herr Pfarrer Müller von Watzenborn hebt noch bezüglich des Nutzendes Pferchs hervor, wie bei den Gesellschafts-Schäfereien der Berechtigte den Pferch oft gerade dann bekomme, wenn er ihn nicht brauchen könne, so daß er ihm eher Nachthcil, als Vortheil bringe, während bei Gemeinde-Schäfereien Jeder den Pferch, je nachdem er ihn wolle, nehmen oder nicht nehmen könne. Auf Antrag des Freiherrn von Rabenau wird schließlich von der Versammlung beschlossen: Eine Commission aus den Bezirksvereinsmitgliedern mit der Entwerfung von Schäferei-Statuten zu beauftragen. Die Ernennung der Commis- sionSmitglieder soll dem Vorsitzenden überlassen bleiben. Zur Beglaubigung. Dr. Goldmann. Börsennachrichten. 7. December 1870. Actien. Oest. Creditact. 238% 50/o östr. F. St. E. B. 368 Lombard. Bahn 172% Ludwigsh.-Bexbach 162 Maxbahn 108 Bayer. Ostbahn 124% Hess. Ludwigsb.-Act. 135 Alsenzbahn-Actien 86 Oberhessen „ 67 Prioritäten. 3% öster. Stsb.-Prior. 55% 3°/0 öst. s. Lombard 46% 30/0 Livorneser 31 % 50/0 Toscaner 49% 5% Elisabeth.-Prior. 77 do. II. Emiss. 75% Anieliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 64% Nassau 25 fl. 38% 4% bayr. Präm.-Anl. 106% Ansbacher 7 fl. 11% 40/0 badische Loose 105% Badische fl. 35 Loose — Oestr. fl. 250 v. 1839 — 1858r Prioritätsloose 159 1860r Loose 75% 1864r „ 111% Braunschweiger 16% Stadt Madrid 21,%6 Wechsel. Amsterdam k. S. 100% Augsburg k. S. 99% Berlin k. S. 104% Bremen k. S. 96% Cöln k. S. 104% Hamburg k. S. 88% Leipzig k. S. 104 *%6 London k. S. 119%6 Lyon k. S. — Paris k. S. — Wien k. S. 96%g ditto m. S. — ditto 1. 8. — Discont» 4°/i) G. Geidsorten. Pr. Cassen-Sch. 1 44%-45% Sachs. „ — Div. Cassen-A. Pr. Friedrdor 9 58%—59% Pistolen . . 9 47—49 „ doppelte 9 48 — 50 Holl. fl. lOSt. 9 54 — 56 Ducaten . . 5 37—39 20 Frankens!. 9 33 — 34 Engi. Sover. 11 56 — 12. Russ. Imper. 9 48 — 50 Dollar in Gold 2 27—28 Preuss. 41/2 0,0 Oblig. 91 % Frankf. 3% % Obi. 78% Nass. 4% 0 0 Obi. 91% Kurhess. 4% „ 83 Gr. Hess. 5% Obi. — » n 4% „ 92% n » 31/2% „ - Bayer. 5% „ 95% » 4%v/o 1jährige 91% n 4O/o % jährige 85% Wiirtemb. 4 % % Obi. 90% Baden 41/2% Obi. c. E. L. 91 Oesterr. Silberrente 54 „ Papierrente 46% „ 5% M. steuerf. — Amerik. Bonds 1881r 96% „ _ 1882r 94% » „ 1885r 93% » 1887r 93% Spanier, neuest. 3% 30 % Aetien. Frankf. Bank 131% Frankf. Vereins-Kasse 101% Darmst. Bankact. 321 Wien Bankactien 701 Galizien 233 * 4 Frachtbriefe für die Main-Weser-, Eö!n-Mindeuer und Oberhessische Eisenbahn, sowie fämmtliche joNamtlichen Formulare, und zu haben bei W. Klee, am Markt. Versteigerungen. 6069) Die Lieferung des Brodes und der warmen Speisen für die Gefangenen des hiesigen Provinzial-Arresthauses für das Jahr 1871 soll unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen Montag den 19. December l. J„ Vormittags 11 Uhr, im Vorderhause des Prooinzial-Arresthauses in Accord gegeben werden und werden Steiglicbhaber hiermit eingeladen. Gießen, den 2. December 1870. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Dr. u. Schmalkalder, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. Fleisch- und Brodlieferung für das Garnisons-Lazareth Gießen. 6029) Dienstag den 13. l. M., Vormittags 10 Uhr, wird die Lieferung des Fleisches und Kran-, kenbrodes, sowie der Semmel und Zwiebacks für das Jahr 1871 für das Garnison - und Reservelazareth in der Turnhalle mittelst Soumission vergeben und können die Lieferungsbedingungen täglich von 8 bis 12 Uhr Vormittags und 2 bis 5 Uhr Nachmittags auf dem Geschäftszimmer des Garnison-Lazareths eingesehen werden, wo auch die Soumissionen bis zum 13. d. M-, Vormittags Vz 10 Uhr, versiegelt abgegeben sein müssen. Gießen, den 5. December 1870. Großherzogliche Garnison - Lazareth- Commission. Seilgebstsrietz Aechten Rum dc Jamaica, „ Mandarinen-Arrac, „ Arrac de Goa, „ Arrac de Batavia, w (£ ognac, feinste Rum- ) und , Punsch-Essenr Arrac-) empfehlen Gebr. Adami, (6078)______________________im Ritter. 6017) Ertrafeine, gesiebte Raffinade, sowie feinstes Blüthcnmehl und andere Sorten, aus der Kunstmühle der Herren Franz Peppler K> Comp., empfehlen ______________I- A. Busch Söhne. 6071) Schlittschuhe in allen Sorten, größte Auswahl, empfiehlt Louis Senner, Scltersweg. | Gummi Schuhe, Prima-Qualität, bei Wilhelmine Fuhr, ______________________Marktplatz.________ 6062) Das Neueste in Pelzgarnituren für Damen und Kinder ist soeben einge- trossen und empfehle außerdem Iagdmuf- fen, Fußtaschen, Pelz- und Löinter- Mützen, sowie eine reiche Auswahl in Kindermützen, zu billigen Preisen. ______________________H. Rübsamen. Kalt flüssigen Leim, Mastix, zum Kitten für Porzellan, Glas, Marmor, Alabaster, Meerschaum, Bernstein; zum Leimen für Holz, Kork. Tuch und Leder pr. Glas 12 fr., bei Ernst Hermes, (6057) Materialist. Straßburger Schachtelkäse und Rahmkäse in Staniol empfehlen Gebr. Adami, (6079) im Ritter. 5076) Ausgarnirte Hüte sind wieder zu allen Preisen vorräthig ; auch habe ich wieder Blumen und Federn ganz neu erhalten. Wilhelmine Fuhr, _______________________Marktplatz.________ 5074) Schellfische, fortwährend frisch, sowie russische Sardinen, Sardellen und marinirte Ostsee-Häringe, empfiehlt Bäcker Vogt, Wallthorstraße. 6056) Putzpulver, chemisch rein, für Messing, Blech, Gold, Silber rc.. pr. Packet 4 fr. Alleinige Niederlage für Gießen und Umgegend bei Ernst HcrmcS, ________________Materialist. ß Seefische: Frische Egmonter Schellfische treffen, so lange keine stürmische Witterung, wieder wöchentlich dreimal ein Für Cabliauen, Zungen und Turbots erbitten wir uns Aufträge mehrere Tage vor Gebrauch. — Heute frische Schellfische. NB- Da jetz! wieder größere Parthieen von Schellfischen eintreffen, so haben wir, so lange keine stürmische Witterung eintritt,; den Preis auf 12 fr. pr. Pfund festgefetzt. § I. A. Busch Söhne. 5068) Für die Weihnachts-Saison empfehle billigst und stets frisch: Citrouat, Pommeranzenschaalen, verzuckerte, Ceylvn-Zimmct, ganz und gestoßen, Nelken, beste, „ „ Anis, gesiebten, Citronen, Ammonium oder Hirschhornsalz, Mandeln, süße, Corinthen, Rosinen ohne Stiele, Vanille, Häringe und Sardellen. Zucker, weißen, feinst gestoßen, Ernst Hermes, Materialist, _______________Mäusburg._________ 6067) Ein starkes Zugpferd nebst Wagen ist zu verkaufen. Näheres bei Herrn Jacob Walther, im Hause der Herren Flick & Kröll. Baschliks und Capuzen für Damen und Kinder in Auswahl bei Wilhelmine Fuhr, (5077) Marktplatz. 5099» Hnarspiritus zu Vertreibung der Kopfschuppen und Beförderung des Haarwuchses. Dieses einfache unschädliche Mittel schreibt sich von Herrn Geh. Hofrath Dr. Dilius zu Erlangen her. Das Flacon mit Beschreibung kostet 1 fl. 12 fr. Allein zu haben bei Ehr. Oppermann, Coiffeur, sowie in größeren Städten bei den ersten Coiffeurs. 6025) Feinstes Blüthenmehl bei K. Wallenfels, Wettergasse. 6076) Capntzen, Seclenwärmer, Echarpe's, Handschuhe, Hutstoffe, Filz- uud Stoffhute von 36 fr. an, Hut-Fayons zu 12 fr. und sonstige Waaren in neuester Auswahl empfiehlt zu den billigsten Preisen _______________________________H» Heß, dem Lindenplatz gegenüber. | Neu eingetroflen: Filzschuhe und Stiefel mit Filz-, Leder- und Doppel - Sohlen, mit und ohne Besatz, in der besten Qualität, zu den billigsten Preisen. W. Seulilftg, (Neuenbäuen.) 4981) Wegen Pelzwaaren wende man sich gefälligst au Unterzeichneten. Größte Auswahl jeder gangbaren Sorte, als : Muffe, Boas, Pelzkragen, Pulswärmer, Pelzröcke, Pelzstiefel, Fußsäcke, Fuß- und Neisedecken 2C. rc., beste Qualität, reelle Behandlung und billigste Preise zusichernd. Darmstadt. Georg Graeff, am Markt. I Zurückgesetzt für Weihnachts- Geschenke: Gestreifte Seidenstoffe, circa 3: 0 Kleider, ü fl. 18, fl. 20, fl. 22 und fl. 24 das Kleid, sowie alle sonstigen Seidenstoffe in großer Auswahl, Sammet zu Paletots, zu ungewöhnlich billigen Preisen. Seidenwaarenhandlung von Theodor Beer, Neue Kräme Nr. 32 in Frankfurt a. M. 6068) Die unter dem Heutigen eröffnete Weihnachts-Aus st ell ung von 3( n i ( Ui c n z c f empfiehlt in reicher Auswahl: Kragen, Seelenwärmer, Kaputzen, Baschliks, Herrntücher, Shawls, Damenröcke Kinderkleidchen, - Röckchen, -Jäckchen und Gamaschen; Flanellhemden, Unterjacken, Unterhosen, Socken Gla^e- und Winterhandschuhe; Weißwaaren, Taschentücher, Hosenträger, Binden, Broche» und Ohrringe! s D i e Theehan - lunq der I. A. Busch Sühne empfiehlt srische Sendung von chinesischem Thee neuer Erndte, in den beliebtesten Sorten, Sonchong, Conjou, Peeco mit Blüthen, Gunpowder, Haysan und Imperial. Bermiethnngen 6075) Eine neu eingerichtete Wohnung, im Nebenhouse des M- Heß, ist zu öcr^ miethen und alsbald zu beziehen._________ 6072) Ein möblirtes Zimmer ist zu ver- miethen bei____________*_________H. Keck. 4372) Ein Logis im Nebenhause von drei Zimmern rc. ist an eine stille Farpilie zu vermiethen und alsbald zu beziehen bei _______________ Flick & Kröll. 6023) Ein großes Familienlogis ist zu vermiethen bei I. Mann berg er. 6037) Zwei möblirte Zimmer sind zu vermiethen bei S. Goldenberg, ____________________ Löwengasse. 4933) Ein möblirtes Zimmer mit Ca- binet (mit 1 ober 2 Betten) ist zu vermie- tben. Seltersweg Vit. E. Nr. 2.___________ 6065) In Lit. A. f)tr. 130 auf dem Asterweg sind zwei ineinandergehende Zimmer zu vermietben.______________________________ 4921) Bei Wirth Kahl an der Klcin- Lindener Chaussee ist ein Familienlogis zu vermiethen und sogleich zu beziehen. 5010) Ein Logis von 4 Zimmern, Küche und 2 Cabinetten ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei ____________Cbr. Reiber, am Kreuz. 6045) In Lit. C- Nr. 8 ist ein möblir^ tes Zimmer zu vermiethen._______________ 6041) Ein fleines Logis ist zu vermie- then bei_____________Gebr. Wenzel. 6032) Ein möblirtes Zimmer zu vermiethen Neuenweg B. 117. Vermischte Anzeigen | Verloren wurde ein neues Toiletten-Necessaire. Der Finder wird gebeten, dasselbe gegen eine Belohnung in Lit. B. Nr. 60, Sonnen- ftraße, abzugeben.__ 6043) Ein Schuhmacher - Lehrling fann in die Lehre treten bei Heinr. Noll Vl. 6026) Ein braves Mädchen, gesetzten Alters, welches die Küche und alle Hausarbeiten gründlich versteht, wird gegen guten Lohn auf Weihnachten in Dienst gesucht- Näheres bei der Exped. d. Bltt^. Ii Roßhlütte bcn r,ö4ftEn ______Louis Lotz, Gerber, Reichensand. 6044) Ein ordentlicher Junge kann in die Lehre treten bei Karl Haas, Schuhmacher in Steinbach. 6074) Ein gewandtes Frauenzimmer, in der Manufacturwaaren-Branche erfahren, und ein jüngeres Mädchen, suchen Stelle in einem Geschäfte oder bei einer feinen Herrschaft. Offerten beliebe man an Herrn Karl Fuhr in Gießen zu richten. s Einquartierung wird fortwährend angenommen von Heinrich Schnell, am Markt. i II- Dortrag des Herrn Professor Dncken: Freitag den 9. Dec.: „Der Staatsstreich vom 2. December 1851"> Abonnement für die drei letzten Vorträge 1 fl. 30 fr. Karten sind am Eingang des Saales zu haben. I Einquartierung nimmt fortwährend an Nt. Rothenberger s Wittwe, Kaplansgaffe. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Untv.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.