Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags. Expedition: Canzleiberz Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen. 1870. Samslng den 5. November Nr. 1£6. ----T—" “ — — werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch SRcÜßllllitllCit tlllf Den bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen. Abonnenten welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen taffen, erhalten denselben für die Monate November und ' December 1870 zu 40 fr. tulation des HcereS 4. November. Der Gedanke, im Kampfe besiegt zu fein, ist den Franzosen so uneriräg. _ . . ■ « • < r < . r. CC. i.i S a h ahm o A tl i m I Brodpreise vom 3. bis 12. November 1870, nach eigener Erklärung der Bäcker: 4 PsE g^isch.es Brod 19 kr. 2 Pfund gemischtes Brod 9'/, kr. 4 Pfund Roggenbrod 16 fr. 2 Pfund Roggenbrob 8 fr. ntU ^So'batte sich denn die fabelhaft. Vorstellung ausgebildet, daß Bazaine's Lage ecke durchaus gesickerte und günstige fei, daß er feine Verbindung mit Dbtonville hergestelli habe und nur auf den günstigen Augenbuck warte, um einige CorvS der CernirungSarrnee über den Haufen zu werfen und mit feinem siegreichen Le re dem bedrängten Paris zu Hilfe zu eilen. Und nun kommt statt der sehn- Uchst erwarteten Nackricht »°n seinem Durchbruä> S-dreckenS und. »°n dem Metz nur das Resultat eines Verbrechens sein könne, dessen Urheber außerhalb des Gesetzes gestellt werden müßten. Dies ist ein Wort, wie es nur der unsinnigste Haß, der wildeste und zugleich eigensüchtigste Parttifanalismus auSsprechen kann, wie es wohl selten den Erlaß eines Ministers, dir ehe er ächtet, doch zu untersuchen verpflichtet ist, befleckt hat. Es ist eine Infamie, die sich nur daraus erklären laßt, daß der vom Größenwahnsinn ergriffene Terrorist den von den Preußen besiegten Nebenbuhler nun auch sofort moralisch zu vernichten sucht. Verleumdung, Lüge, jedes Mittel ist diesem Menschen recht, durch welches er seine angemaßte Herrschaft, die mit dem Wicdererwachen der gesunden Vernunft, der Einsicht in die Lage der Dinge, in Trümmer fallen würde, verlängern kann. Und leider ist ja wirklich das Verdächtigungssystem ein sehr wirksames Mittel, um alle Regungen der Besonnenheit niederzuschlagen oder im Keime zu ersticken. Kein Einzelner, keine Partei wagt eS, den Frieden für eine Nothwendigknt zu erklären, weil keine den moralischen Muth hat, der Anklage des Verrathes Trotz zu biekzt. Und diese Furcht vor der überreizten öffentlichen Meinung wird fort- dauern, so lange Paris noch unbezwungen ist.' DerLall y?.n,_Mtz — dafür sprechen bereits einzelne Symptome — wird die Stimmung ernüchtern. Allgemein w«rd die Ueberzeugung von der Vergeblichkeit des Widerstandes aber erst dann werden, wenn das letzte Bollwerk desselben, Paris, gefallen ist. Dann erst wird vas Fr' dcnSbedürfniß sich so mächtig geltend machen, daß Manner von Ansehen es wagen können, das Nothwmdige offen auszusprechen, ohne sich der Gefahr aus- zusetzen, als Derräther an den Pranger gestellt zu werden. können, wenn er o------ , . - rntben worden, es geht durch Verrath zu Grunde. Daß das seit Monaten systematisch über die wahre Lage der Dinge getauschte Publikum so urtheilt, ist nicht zu verwundern. Daß Bazune'S ganzes Streben dabin aina sich in Metz bis nach der Einnahme von Pans zu halten, daß d chrgei/g.u polttifchm Entwürfe tei Marschall« auf der Erhaltung seines Heeres bsirubfrn daß ein vielleicht noch einen Monat lang fortgesetzter Widerstand ihm d D eiatur in °i. Hand? g-spielt haben würde, dass aksa ein V reath von s-mer SUteein Act "de« Wahnsinns gewesen wäre, sieht di- grosse Masse nicht em. Und diejenigen, ^ie es einigen, verschweigen es find, eine Gelegenheit gefunden zu Haden, um i**' Verräther br invmarken zu können. VxAs f;n so emvsindlicher^ Schlag für ihre matzio,e vjuchvu, vuB, ivmu ■ mehr gelingen will. dieRl-lMng- durch eine lügenhafte Darstellung in eenen I Seeg zu verwandeln, man nichts Wichtigere- zu thun hat. als eenen Einzelnen ausfindig zu machen, dem man für da- von Allen verschuldete Pießgescheck ver- antwortUch machen kann. Begnügt man sich Anfang«, die Ungeschicklichkeit der Führer anzullagen, so bleibt man, wenn ein Unglucksscklag dein andern folgt, bei dieser verhälinißmässig milden und harmlosen Beschuldigung neckt sthen: es folgt der Vorwurf der Feigheit und cndleck der schimpflichste von allen, der des Verrathes. Ist dies Wort einmal ausgesprochen, so wettert man überall Ver- rä her: jeder höhere Oificier ist verdächtig; der Soldat meßtraut eenen Borge, senten und sieht sich als ein Opfer an, vas nutzlos zur Schlachtbank geführt wird' die Bande der Disciplin lösen sich, der Mangel an Vertrauen zu den »übr'ern bat die äusserste Zuchtlosigkeit zur unmittelbaren Folge. , , Auch der tapfere und ehrenwerthe Uhrich, kern seine standhafte Vertheivi- auna auch die Achtung des feindlichen Siegers erworben hat, isti der Anschuidr- gung des V-rrathe- nicht entgangen; er sieht sich, wahrend Offictere, die ihr Ehrenwort gebrochen haben, in ganz Frankreich als Helden und Patrioten ge- feiert werden, gcnöthigt, gegen die nichtswürdrgstcn Verleumdungen sich zu !h'idige7, Verleumdungen? die überall m,t Wohlgefallen geh rt und nut Ei,er verbreitet werden. Man ist eben in der Begriffsverwirrung so wert gekommem dass man lieber die tüchtigsten Männer, die man aufzuwetscn hat, Mit bewirft als sich zu dem Geständniß bequemt, dass mau von einer stärkeren Macht im ehrlichen Kampfe überwunden ist. Dass man darnrt der ganzen Nation, in d" die Saat der Ehrlosigkeit und de« Verrathes so upp'g wuchern kann, einen unauslöschlichen Schandflecken anbeftet, dafür hat man kerne Empfindung. M t einer Art von Wollust der Selbsterniedrigung stellt man fl® und ganz Frankreich an den Schandpfahl, man opfert die Ehre, um die Eitelkeit zu retten. Es liess sich mit Sicherheit erwarten, dass auch di^VerMdiger^on-Mtz A tEt Festung und der Capitulation der grossen Armee dem Vor> würfe de« Verraths nicht entgehen würden. Man hatte in Frankreich das Ein- treten diese- gewaltigen Ereignisses schlechterdings sür unmöglich gehalten. Baza.ne batte davon war in Frankreich Jedermann überzeugt, am 14., 16. und 8. Auaust glänzend gesiegt und sich nur au« strategischen Rücksichten in seine «t-l- luna bei Metz begeben. Als man endlich zu der Einsicht gelangt war, daß sem Verweilen in seiner Position denn doch kein sreiwillig-S sei, da ließ man sich bereitwillig durch die Lügenberichte täuschen, die von d.r Regierung über v wiederholten siegreichen Ausfälle BazaineS, über die glanzenden Erfo ge, d - r über die Armee des Prinzen Friedrich Karl davvngetragen habe, in Umlauf ge- etzt wurden Lie Regierung und ihre Organe, , B. der GrafKerairp schreck,en vor den abentcueriichsten Lügen nicht zurück; sie kannten ihr Publikum und muß >n, bn6 mün um Effect zu machkN, Vie Farben stark auftragen muffe. Ein kleiner Erfolg hätte.keinen Eindruck hervorgebracht; Vie Vernichtung von 20 preusschchcii Bataillonen war dagegen wohl geeignet, den ermattenden KriegSerier im Volke treter und Vorkämpfer der Nationen und Racen wäre. Jede Race oder Juuo- nalitat konnte wenigstens eine gefühlvolle Berücksichtigung beanspruchen, und auch noch mehr, wenn sie dafür bezahlen konnten. Und >etzt ficht Frankreich elbst ur Gebiet und gegen die Race. Ein König nach alter Art konnte z anz g Mann daran wagen und v-elleicht eine Million Seite«, um e.ne gepun9, einen Fluß oder einen Streifen Landes zu erobern; schließlich geichlagcn, . kann zurückgezogen sein und Frieden gemacht haben. Das Volk von Frankreich es' weil sie sehr zufrieden damit von Milliö7en/°mii^inem ^Worte," AlleE^nerst"^ °ni7 hinreichend ^»8^^ >"» wl" ■" sä'» "Ä* W?« L Der Staats-Anzeiger schreibt: „In der Rheinprovinz und Westfalen, so wie im Elsaß und Deutsch-Lothring-n ist die Kartoffelernte m diesem Jahre nn- günstig ausgefallen. Da der drückenden Theuerung dieses nothwendlgen Leben«, mittels nur durch Ermöglichung reicher Zufuhren aus denjenigen LandeStheilen, in welchen eine bessere Ernte erzielt worden ist, begegnet werden kann, so hat der Handels-Minister Veranlassung genommen, auf den preußischen Staats-Eisenbahnen die Fracht für Kartoffeln in Wagenladungen, welche nach Westfa en, der Rheinprovinz, dem Elsaß und Deutsch-Lothringen bestimmt sind, einstweilen biS zum 1. Mai k. I. auf den geringen Betrag von 1 Pf. pro Centn er und Meile nebst einem festen Zuschlag- von 1 Thlr. pro 100 Elr. »u ermäßigen. Derselbe Satz soll auf den occupirten Bahnen der genannten französischen Landestheile zur Anwendung kommen. Außerdem ist den Verwaltungen der p^^^n Privat- Eisenbahnen anempfohlen worden, auch für ihre Bahnen eine gleiche Frachtermäßigung für Kartoffeln eintreten zu lassen.- _ , . Die Times sieht die Lage Frankreichs als ganz verzweifelt an; sie fragt, was bleibt den Franzosen noch übrig, um dafür zu kämpfen? „Sie wissen selbst nicht, was. Sie sind nicht länger ein Volk oder eine politische (Sm^it nut ge- meinsamem Bewußtsein, Zusammenhang und Absicht. haben gefochten für den Ruhm, für Eroberungen, sür eine Idee, wie sie sich schmeicheln, „für da« Prestige", für was nickt alles; und in allen düsen luftigen Gefechten haben sie sich selbst verloren. Sie jagten einer Folge von Schatten nach und »trlcr'n darüber die Sache selbst. Seit einem Jahrhundert hat Frankreich sem Dasein verspirli im Haschen nach einem besseren Selbst- Der Erfolg ist ein allgemeine« t Zusammenbrechen. Der Kaiser konnte nicht leiten die auf «'nander folgenden ' Regierungen konnten nicht regieren, die öffentliche Meinung kannte k in s tz, ff»«, m kjö srjrss Sä ää»* Und doch ist Bazaine in allen Kämpfen siegreich ßewefen > er ^atu ? jüler Verarösieruna die nur für Könige paßten, abweisend, der besondere Ver- können, wenn ee gewollt hätte .folglich M « nicht gewollt; Frankreich ist ver. Vergrößerung, die wäre. Jede Race oder Ratio- die Wahrheit sagen": ihr erster und einziger Instinct ist, nicht- zu thun, was ihre eigenen theuren Namen mit dem Nationalunglück in Verbindung bringen könnte. Sie glauben, es würde Untergang und Schande dazu sein. Kein Regent, den Frankreich möglicher Weise wählen könnte, wird zu ihm die Sprache der Pflicht und des gesunden Menschenverstandes reden und ihm sagen, wie was noch übrig ist aus dem Schiffbruche zu retten wäre." Es liegt gegenwärtig der Wortlaut der von der provisorischen Regierung in Tour« wegen der Lapitulation von Metz veröffentlichten Proclamation vor. Wir lassen denselben hier folgen: „Franzosen! Erhebet eure Seelen und eure Entschließungen auf die Höhe der erschrecklichen Gefahren, welche über das Vaterland hereinbrechen; es hängt noch von uns ab, da- Unglück zu ermüden und der Welt zu zeigen, was ein großes Volk ist, welches nicht untergehen will und dessen Muth sich selbst inmitten der Schicksalsschläge steigert. Metz hat capitulirt!!! Der General, auf wel« chen Frankreich, selbst nach der Expedition von Meriko, rechnete, nimmt dem Va> terlande in Gefahr mehr als hunderttausend Vertheidiger. Bazaine hat Vcrrath geübt, er hat sich zum Werkzeug des Mannes von Sedan gemacht und zum Mitschuldigen der Eroberer, und mit Verachtung die Ehre der Armee, über welche er die Obhut hatte, hat er, selbst ohne eine letzte Anstrengung zu versuchen, hun- dertundzwanzigtausenv Kämpfer, zwanzigtausend Verwundete, seine Gewehre, seine Kanonen, seine Fahnen und die stärkste Citadelle Frankreichs, Metz, jungfräulich bis auf ihn von aller Befleckung, den Fremden überliefert. Ein solches Verbrechen steht selbst über den Strafen der Gerechtigkeit; und jetzt, Franzosen, messet die Tiefe des Abgrundes, in welchen euch das Kaiserthum gestürzt hat. Zwanzig Jahre lang hat Frankreich diese corrumpirende Gewalt ertragen, die in ihm alle Quellen der Größe und des Lebens versiegen machte. Das Heer Frankreichs, seines nationalen EharacterS beraubt, ohne es zu wissen, ein Werkzeug der Regierung und der Knechtschaft geworden, ist trotz dem Heldenmuthe der Soldaten durch den Verrath der Anführer in den Unfällen des Vaterlandes verschlungen; in weniger als zwei Monaten sind zweimal hundertundzwanzigtausend Mann dem Feinde ausgeliefert worden. Unheilvolles Nachspiel zu dem militärischen Handstreiche vom December! Eö ist Zeit, uns wieder zu erheben und unter der Aegide der Republik, welche wir weder im Innern noch im Aeußern capi» tuliren zu lassen entschlossen sind, aus dem äußersten Maße unseres Unglückes selbst die Wieveroerjüngung unserer Moralität, unserer politischen und socialen Männlichkeit zu schöpfen. Ja, welchen Umfang unser Unglück auch haben möge, er findet uns nicht bestürzt noch zaghaft; wir sind bereit zu den letzten Opfern, und Angesichts von Feinden, welche Alles begünstigt, schwören wir, uns niemals zu ergeben; so lange wir noch einen Zoll des geheiligten Bodens unter unseren Sohlen haben, we.den wir die glorreiche Fahne der französischen Revolution fest- halten. Unsere Sache ist die der Gerechtigkeit und des Rechtes. Europa sieht es; Europa fühlt es; vor so viel unverdienten Unglücken ist es aus eigenem Antriebe, ohne von uns weder Aufforderung noch Zustimmung erhalten zu haben, gerührt worden und rührt sich; keine Illusionen. Lassen wir uns weder entkräften, noch entlarven, und beweisen wir durch unsere Handlungen, daß wir durch uns selbst die Ehre, die Unabhängigkeit, die Integrität, alles was das Vaterland frei und stolz macht, festhalten können. Es lebe Frankreich, es lebe die einige untheisbare Republik! Die Mitglieder der Regierung. (Unterz.) Cromi eux. Glai s° Bizoin. Ga mbetta." Es liegt Nr. 289 des „Nieuwen Rotterdam'schen Courant" vor uns; da erzählt ein Kriegsberichterstatter, daß er mehrmals französische Offiziere gesprochen habe, welche es nicht begreifen konnten, warum man es in Deutschland den. Franzosen so sehr verüble, daß sie die Turcos und andere barbarische Krieger ins Feld führten, da die Preußen doch auch die Bayern anwendeten („daar zij toch ook wol de Beieren aanwendden“) ! ! Der Vergleich muß unseren bayerischen Truppen in der That außerordentlich schmeicheln! Kriegsnachrichten. Ueber die Vorgänge bei Metz entnehmen wir zunächst den „Daily News" Folgendes: Nachdem die Verhandlungen wegen der Uebergabe von Metz am Abend des 25. so gut wie abgebrochen angesehen worden waren, ersuchte Bazaine den Prinzen Friedrich Karl gegen Mittag des folgenden Tages in einem eigenhändigen Briefe um eine abermalige Conferenz. Die Generale Stiehle und Graf Wartensleben wurden hierauf nach Frescaty geschickt, und die am Nachmittag stallfindende Unterredung dauerte drei Stunden. Seilens der französischen Com- missarien war sie Anfangs sehr stürmisch, doch ließen sie sich schließlich zur Annahme der hauptsächlichsten deutschen Bedingungen bewegen. Bazaine bestand darauf, daß alle Offiziere ihren Degen behalten sollten, und vom Könige, dem dieser Punkt zur Entscheidung anheim-estellt worden war, traf um 3 Uhr am Morgen des 27. auf telegraphischem Wege die Bewilligung hierzu ein. Früh am selben Tage wurde dann die Conferenz wieder ausgenommen. Sie dauerte bis acht Uhr Abends, wo dann die Capitulation unter den bekannten Bedingungen unterzeichnet wurde. Die französischen Commissarken waren der Chef von Ba- zaine's Generalstabe, General Jarras und Oberst Fay, sowie seitens des FestungS- Commandanten Major Samuele. Am 24. sollte Major Sanbkuhl vom Genie-Corps der zweiten Armee ge- maß den Abmachungen nach Metz hineingehen, um die Minen vor dem Einmarsch des 7. Armeecorps zu entfernen, und um 1 Uhr Nachmittags sollte die fran- zöllsche Armee ihre Waffen niederlegen, aber alles dies wurde wegen innerer Unruhen um 24 Stunden verschoben, und erst um 10 Uhr am Morgen des 30. nahm die Artillerie des 7. Corps Besitz von den Forts. Um 1 Uhr marschirte fcann die kaiserliche Garde mu Waffen und Gepäck aus Metz heraus, und legte sie in Frescaty nieder, währrnd sie vor dem Prinzen Friedrich Karl Revue pas- «C*-L -Ur LCr iaifir.lichen Garde allein wurde die Ehre zugestanden, während alle übrigen Truppen ihre Waffen in den Arsenalen niebergelegt batten, und dann in iä":t Cantvnnements vor der Stadt marschirt n, um ihre Auslieferung abzuwarten. Um 4 Uhr Nachmittags wurden dann die französischen Wachtposten an den verschiedenen Thoren, Depots und Arsenalen von den Preußen abgclöst und General von Zastrow nahm Besitz von dem Gouvernement der Stadt und Festung. Mit der Bevölkerung scheint Bazaine sich — diesem Telegramm zufolge - iu h"ben. Fast allenthalben herrscht die Ansicht, daß Bazaine, ehe die Mehrzahl seiner Cavallerie- und Artilleriepferde geschlachtet waren, sehr leicht einen erfolgreichen Ausfall hätte machen können, so daß der Mangel an Entschlossenheit einem „Complot" mit der Regentschaft zuzuschreiben sei, demzufolge seine Armee bis zum Abschlüsse eines Friedens im westlichen Frankreich mit Preußens Zustimmung in statu quo hätte bleiben sollen, um dann die Jntcreffen der kaiserlichen Familie aufrecht zu halten. In der Stadt und selbst im Lager wurde Bazaine während ter Einschließung nur äußerst selten, und in den Laza- rethen niemals gesehen. Selten oder nie sagte er ein Wort, um den Truppen Muth zu machen. Canrobert suchte dies zuweilen zu thun, und dann riefen die Truppen: „Viva Canrobert! ä bas Bazaine!“ Schließlich — so sagt man — durfte er sich, aus Furcht ermordet zu werden, seinen eigenen Soldaten nicht mehr zeigen. Zweifelsohne ist es der schrecklich lässigen Disciplin zuzuschreiben, daß die Uebergabe zu einer Zeit stattfand, wo noch Mundvorräthe für eine ganze Woche da waren. Während der Stab geradzu praßte, fand man am Morgen des 29. fünf vor Hunger gestorbene Soldaten in Montigny, und am nämlichen Tage wurde der ganzen Armee Proviant für vier Tage ausgetheilt, nachdem sie zwei Tage vorher nichts zu essen gehabt hatte. Anfangs fütterte der Generalstab feint Pferde nur mit Brod, und wären die Vorräthe vernünftiger gehandhabt worden, so hätte die Festung noch einen Monat länger aushalten können. In der Stadt allein sind während drr Belagerung 35,000 Menschen gestorben, meist aus Mangel an ordentlicher Pflege. Als die Uebergabe bekannt wurde, war die Bevölkerung wüthend. Die Nationalgarden weigerten sich, die Waffen zu streck n, ein Dragoner-Capitain ritt am 27. Nachmittags an der Spitze einer kleinen Truppe durch die Stadt, welche schworen, eher sterben als sich ergeben zu wollen, und ein Frauenzimmer, welches allenthalben die Marseillaise sang, rief grenzenlose Aufregung hervor. Die Tbore der Kathedrale wurden gesprengt, die Sturm- und B.'gräbnißglocken die ganze Nacht über geläutet, und als der Commandant der Festung, General Coffinieres, erschien, um die Leute zu beruhigen, wurden drei Pistolenschüsse auf ihn gefeuert. Schließlich gelang es ihm, die Straßen durch zwei Linienregimenter zu säubern. Als man dann aber am nächsten Morgen hörte, daß 1000 Waggons in Courcelles bereit ständen, um ihnen Lebensrnittel zu bringen, und als die ganze Belagerungs-Armee ihre Brodportionen freiwillig an die Gefangenen abtrat, zeigte sich vielfach eine tiefe Rührung, und die Bevölkerung sah sich von ihrer übertriebenen Furcht zum großen Theil befreit. Bazaine selbst lehnte den Vorschlag des Prinzen ab, daß alle Truppen ihre Waffen vor der Stadt, vor den Augen der Sieger strecken sollten, anstatt sie im Arsenal abzugeben. Er sagte, er könne in solchem Falle nicht für daö Betragen der Truppen stehen. Die kaiserliche Garde habe allein ihre Disciplin streng genug gewahrt, um dieses Vertrauens würdig erachtet zu werden. Am 29., 4 Uhr Nachmittags, passirte Bazaine in geschlossenem Wagen, der indessen seinen Namen auf dem Schlag trug, und von mehreren Offizieren seines Stabes begleitet, durch Ars. Die Frauen des Ortes, die von seiner An- kunft gehört hatten, empfingen ihn mit den Rufen „Verräther," „Feigling," „Schuft" u. s. w. „Wo sind unsere Gatten, die du verrathen hast?" „Wo find unsere Kinder, die du verkauft?" Sie machten selbst einen Angriff auf seinen Wagen, zerschmetterten die Fenster mit ihren Fäusten, und hätten ihn sicherlich gemordet, wenn die preußischen Gendarmen nicht dazwischen getreten. Allenthalben im Lande herrscht jetzt die Ansicht, daß Frankreich nicht länger existirt. Der Hauptstadt schreibt man weniger Widerstandsfähigkeit zu, als Metz, doch glauben vernünftige Leute noch immer nicht eher an das Ende des Krieges, bis Paris gefallen ist. Einem Frankfurter Feldpostbrief aus Metz vom 31. Oct. entnehmen wir Folgendes: „In der Stabt liegen auf den Straßen Hunderte von tobten, halb zerschnittenen Pferden; an jedem derselben sitzen einige Franzosen, damit beschäftigt, die noch genießbaren Stücke herauSzuschneiden und zu kochen. Die Ueber- reste von diesem leckeren Mahl bleiben dann liegen und es ist unseren Truppen überlassen, sie wegzuräumen und die Stadt zu reinigen. Allen lebenden Pferden sind, wie ich selbst sah, die Schwänze abgeschnitten, jedenfalls um aus den Haaren Kissen für die 20,000 Mann Kranke, welche in der Stadt lagen, zu bereiten. Der Geruch von den zu Aas verwandelten Körpern der Pferde ist derart, baß man allein davon krank werden kann." Ein Londoner Telegramm bringt eine gewichtige Nachricht: Die „Times" meldet, Thiers sei befriedigt von der Unterredung mit dem Grafen Bismarck zurückgekommen und Letzterer habe ihm einen Gegenbesuch abgestattet. Wenn dies richtig ist, so sind wir wahrscheinlich nicht weit mehr vom Waffenstillstand und — hoffentlich vom Friedensschluß. Eine Depesche des Generals v. Werder meldet ferner von dem rapiden Fortschreiten des 14. Armeecorps im Süden von Dijon, das die Badenser erstürmt haben. Bei Esserteune und St. Seine haben glückliche Gefechte stattgefunden, d. h. die Truppen stehen bereits über. Beaune und Autun hinaus bei Chalons für Saöue. Versailles, 2. Nov. Gestern Mittag hatte Thiers eine dreistündige Be- sprechung mit dem Grafen Bismarck. Heute früh fand eine militärische Berathung beim König statt, welcher der Bundeskanzler beiwohnte. Um zwei Uhr war eine zweite Zusammenkunft des Letzteren mit Thiers. , 3. Nov., Vormittags. In Folge der gestrigen Verhandlung hat Graf Bismarck dem Hrn. Thiers zum Behufs der Vornahme allgemeiner Wahlen in Frankreich einen fünfundzwanzigtägigen Waffenstillstand auf der Basis des am Tage der Unterzeichnung bestehenden militärischen Status quo angeboten. Wien, 2. Nov. Die „Abendpost" nennt Gambetta einen politischen Gari- balbi und bemerkt zu dessen Proclamation: „Die nächsten Tage werden die gebührende Erwiderung auf seine Fälschung und sein blödsinniges Raisonnement bringen. Hoffentlich werden dem französischen Volke endlich die Augen aufgehen gegenüber solcher Phrasenhelden, die unendlich mehr Schaden brinaen, als ver- lorene Schlachten." d Nov. Es sind günstige Aussichten für bas Zustandekommen eines Waffenstillstandes vorhanden. In Paris war am 28. v. M. das Gerücht von dem Verrathe Bazaine's bereits an der Börse verbreitet. - Der Vorrath an frischem Fleisch ist fast zu Ende. Ein Pfund Butter kostet 25 Francs. — Thiers ist lau empfangen worden. Brüssel, 3. November. „Constitutiomiel" schreibt, daß die von Thiers vorgeschlagenen Waffeustillstandsbedingungeli keine politischen Stipulationen, c^Züglich der Einberufung einer Coiistituante enthielten, da solche das Recht Preußens zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten tnr schlössen. Durch stillschweigende Uebereinkunft würde die Möglichkeit geboten, das Land zu cousultireu. Der „Moniteur" schreibt: wir fort in der Vertbeldiauna der Integrität der Gebiet; und der Weingarten sollen je einige Hundert erhalten. Die Mehrzahl kommt wieder nach sp„ Hnnfihflmiifeit" Ulm, wo die vielen Kasematten noch Raum bieten. Unter den Gefangenen, die 1864r sollen 5500 Mann nach Württemberg kommen, wovon etwa 500 aus kem Hohen. nier, (n to(l*,n ein G-i-bSf, statlfaad, haben sich von ihrem Rückgang- wieder elwaS a«p°rg untrrgcbracht werden. Auch Stut,gart, Ludwigsburg, Mergentheim und «Mi. Madrider Laos. 22^-Nnw^ ns 9 5 9 Div. Cass.-A, Pr. Friedrdor. Pistolen . . „ doppelte Holl. fl. 10 St. Dnoaten . . 20 Frankenst. 9 58-59 9 45 Gld.fehl 9 45 „ „ 55 35-37 32-33 54-58 46-48 26-27 Bflrsennachrichtcn. 3. November 1870. nationalen Unabhängigkeit. befahlt worden. , . Stuttgart, 1. Nov. Auf die Nachricht von der Einnahme von Metz sind hier trotz starken Regenwetters viele Flaggen ausgehängt worden, welche zum Theil noch sichtbar sind. Aber ein Victoriaschießen konnte nicht stattfinden, well weder hier noch im Arsenal zu Ludwigsburg auch nur eine einzige Kanone sich wehr vorfindet. Alle unsere Felddatterien und ein Theil der FestungS-Artillene stehen bei der Armee in Frankreich. Nur in der Festung Ulm sind noch FestungS- geschütze und wohl auch noch einige Feldbatterien, und es soll daher im Kriegs- Ministerium beschlossen worden sein, einige Kanonen von Ulm hierher kommen zu lassen, um beim nächsten großen Siege, wohl Einnahme von Parts, Victoria schießen zu können. — Der König soll entschlossen sein, der Einladung des Königs von Preußen folgend, sich demnächst nach Versailles zu begeben, um dem Einzug in Paris anwohnen zu können. Vom König von Bayern ist dieß, hier angelangten Zusicherungen gemäß, gleichfalls gewiß. — Von den Metzer Gefangenen Local-Notizen. Gießen. Wir machen an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß das Cosmorama des Herrn Förster im Leib'schen Saale, welches einer früheren Anzeige gemäß schon vergangenen Donnerstag geschlossen werden sollte, vielfach geäußerter Wün'che wegen noch bis zum Montag geöffnet bleiben wird. Wer also noch nicht Gelegenheit gehabt hat, die Ausstellung zu besuchen, möge Veranlassung nehmen, sich an emem der MV den Tage nock den seltenen und doch so billigen Genuß zu verschaffen, den d« prachtvollen stereoskopischen Ansichten des Herrn Förster bieten. Insbesondere dürften die neu ausgestellten Statuen der verschiedenen Museums, sowie 50 Ansichten von Ostindien in seiner mannichfaltigen Vegetation, für Manchen von großem Interesse sein. ct. kntnkhllmi mir von tcdtka, halb feo, W Was- hkv. Die lieber* I unseren Truppen i ItbtiMn Men ibi aus den Haaren gen, zu bertittn. re ist LtMl, laß ccr süddeutschen Minister in Versailles hort man, daß, nachdem Bayern von einigen Forderungen, welche es ausstellte, abg gangen sei, die Sache bereits zu einem befriedigenden Resultat geführt habe und daß Seitens unserer Regierung vor den Wahlen ein Manifest erlassen werde, welches noch präciser formulirt sein soll, als die bekannte Erklärung brr Regierung im „Staatsanzeiger". — UebrigenS wünscht man hier sehnlichst den Abschluß des Friedens herbei, damit unsere Truppen nicht auch noch in Frankreich überwintern müssen. Natürlich überwiegt trotz dieser Sehnsucht der Wunsch, daß ein für Deutschlands Opfer hinlänglich entschädigender und seine Sicherheit für die Zukunft verbürgender Friede ge- schaffen werde. Für einen solchen werden im Nothfall auch noch weitere Opfer gebracht. Madrid, 2. Nov. In einer Versammlung von vierzig Deputaten der liberalen Union griff gestern Abend Rios Rosas die Candidatur des Herzogs von Aosta an, indem er behauptete, Montpensier oder Espartero seien die einzig möglichen Candidaten. Riolla unterstützte die Candidatur des Herzogs von Aosta. — Prim wird in der Versammlung der Cortesmajorität die Candidatur des Herzogs von Aosta zur Sprache bringen. Es wird versichert, daß der bezügliche Gesetzentwurf morgen eingebracht werden soll. Die Sitzung für die Abstimmung soll auf den 11. Novbr. festgesetzt worden sein. Es geht das Gerücht, die Republikaner würden aus den Cortes ausscheiden. Rom, 30. Oct. Die Regierung überläßt den Jesuiten da- Collegium Romanum mit Ausnahme des vom Militär besetzten Theile-, in welchem das Lyceum installirt wird. — In Folge päpstlichen Protestes hat die Regierung ihre Ansprüche auf den Quirinal zurückgezogen. — Der Papst richtete eine Circularnote an die Nuntien, worin er sich beschwert, daß die Regierung alle päpstlichen Paläste in Besitz nehmen wolle. — General Kanzler hält sich noch tm Vatican auf. (Allg. Z.) 1121/2 Frischbäckcr ) tt Gießen. Sonntag den 6. November. Heinrich Kuhn am Kreuz, Ludwig Schneider in der Neustadt und Wilhelm Löber an der Brandgasse _________________ Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 Schluß-Cours e. Darmstädter Bank —. Oesterr. Bankaktien 699. Oefterr. Creditactien 248s/6-48. Staat-bahn A-Mn 378s/8. 378>/,. Sombarten 1703/,, 721/4, ? I3/*- Elisabcthbabn - Actien 2153/4-1/2. Galizier 242. Böhmische Westbahn-Acticn 240^. Silberrente 56',.4. 1860er Loose 78‘/a 1864t Loose —. 1882er Amerikaner 95%. 3% neueste Spanier 3P/16, 9/16, 3/8, 7/ie- Frankfurt, 3 Nov. (Börsenbericht) Die Hauung der heutigen Börse war ziemlich fest und namentlich Bahnpapiere in steigender Tendenz. Die Lombardische Bahn zeigte eine Mebreinnahme von fl. 132,185 an. Napoleons wurden in Posten ä fl. 9. 32V2 bez. Wiener, Londoner und Amste.damer Wechsel fester. Dollars-Coupons fl. 2. 24^. Neuester Spanier trotz zahlreicher Realisationen behauptet und fest. _ (A bendbörse.) In Folge der Nachricht, das; GrafBiSniarck Hrn. Thiers günstige Waffenstillstandöbedingungen angeboten, zeigte sich größere Kauflust und wurden die meisten Werthe bei bedeutenderem Umsatz besser bezahlt. Lombarden hoben sich um 11/2-2 st-, auch neueste Spa- meldet: „Die Preußen zeigen einen ausgezeichneten Tuet. Die Kcusergaroe bat am 26. v. M. verhindert, daß das Volk von Metz sich des Waffenarsenals bemächtigte. Gegen Bazaine und seine Collegen macht die Volksstimme allgemein ihrem stärksten Unwillen Luft." Tours, 1. Novor. Gambetta hat folgende Proclamation an ine Armee erlassen: „Soldaten! Ihr wurdet verrathen, aber nicht entehrt. Jetzt, wo Ihr der unwürdigen Führer entledigt seid, kämpfet für die Rettung de« Vaterlandes, für den heimathlichen H rd, Eure Familien, für Frankreich, Eure Mutter! Rachel Eure Ehre, welche die Ehre des Landes ist. Eure Brüder von der Nheinarmee haben ihre Stimme gegen jenes feige Attentat erhoben, ihre Hände von der fluch- würdigen Kapitulation freigehalten. Führet Ihr den L>ieg zu uns zuruck, Euch sind die Geschicke des Landes anvertraut." Aus Tours, 2. Nov., wird gemeldet, daß laut Nachrichten aus Paris vom 29. Oct. Decrete veröffentlicht wurden, welche die kaiserliche Garde für abgeschaffl erklären und den Orden der Ehrenlegion streng auf militärische Verdienste be- Kassel, 3. Nov. Die Kaiserin Eugenie ist gestern Abend um 6 Uhr nach Hannover gereist, gleichzeitig reisten die Herzogin von Hamilton und die Prinzessin von Monaco nach Frankfurt a. M- zurück. Gestern Nacht sind die Marschälle Canrobert und Leboeuf angekommen und haben den Kaiser im Laufe des Tages besucht. „ Berlin, 2. Nov. Die „Provinzialcorrespondenz" schreibt bezüglich der Landtagswahlen: Vor Allem mahnt die jetzige glorreiche Zeit daran, die weitere Entwickelung nicht im Gegensatz gegen die Regierung, sondern in vertrauensvoller und dankbarer Gemeinschaft mit den Männern zu suchen, welche im Rathe und Vertrauen des trefflichen Königs das Große, vorbereiten und vollbringen halfen, auf das das Vaterland stolz ist. — Dasselbe Blatt sagt ferner: Von den bisher vor Metz verwandten Truppen wird das 7. Corps in Metz bleiben und zugleich zu weiteren Operationen gegen Thionoille verwandt werden. Die Division Kummer bringt gefangene Franzosen nach Deutschland und bleibt dann in der Hei- moth. Der größere Theil der Armee von Metz bleibt unter dem Oberbefehl Friedrich Karls, vermutlich zu Operationen gegen den Süden und die Mitte Frankreichs. Die von dtr früheren ersten Armee verfügbar gewordenen Corps werden voraussichtlich unsere Herrschaft im Norden ausbreiten und befestigen. — Das Befinden des Königs ist fortdauernd sehr befriedigend. Berlin, 2. Nov. Graf Bismarck hat unterm 28 Oct. in Beantwortung der Granvllle'fchen Depesche vom 20. Oct. einen Erlaß an den norddeutschen Botschafter in London, Grafen Bernstorff, gerichtet, in welcher der Bundeskanzler die Ueberzeugung betont, daß es vor allen Dingen nöthig sei, dem französischen Volke die Wahl einer Nationalvertretung zu gestatten. Die Bereitwilligkeit, deren Zustandekommen zu fördern, sagt Graf Bismarck weiter, ist deutscherseits vollständig documentirt. Es fehlt aber die Zustimmung der Pariser Machthaber. Das Bestreben Englands könne nur dankbar anerkannt werden, obgleich zu befurchten sei, daß die Pariser Negierung dasselbe mißverstehe und darin eine Erwuthigung zu fernerem Widerstande finde. Deutscherseits könne nach den gemachten Erfahrungen selbstverständlich keine Initiative zu neuen Verhandlungen ergriffen werden. Der Erlaß schließt mit der Versicherung, „daß wir jeden von französischer Seite uns rugehenden, auf Anbahnung von Friedensverhandlungen gerichteten Vorschlag bereitwilligst entgegennehmen unv nut dem aufrichtigen Wunsche auf Wiederherstellung des Friedens prüfen werden." Berlin. Die französischen Offiziere, welche sich in deutscher Gefangenschaft befinden, bezogen bis jetzt einen Sold aus den diesseitigen Staatskaffen, doch ist derselbe geringer, als ihre heimische Gage. Die jetzige französische Regierung hat kürzlich die Nachbewilligung des Fehlenden beschlossen und durch diplomatische Vermittelung der preußischen die betreffenden Gelder auszahlcn lassen. Die Differenz ist vor einigen Tagen den französischen Offizieren aus- Aus Zabern meldet man der „KarlSr. Ztg." unterm 30. Oct.: „Heute kamen preußische Artilleristen auf dem Wege nach Pfalzburg mit sechs Stahl- kanonen hier durch." c _ m London, 3. Nov. Die „Times" enthalten folgende Depesche aus Versailles vom 1. Nov.: „Thiers ist in der verwicheneu Nacht von Paris zurück- gekommeu; er ist ermächtigt, auf der von Seiten Englands vorgeschlagenen Basis wegen des Waffenstillstandes zu unterhandeln. Thiers hatte eine lange Unterredung mit dem Grafen Bismarck. Er erklärte sich von dessen Aufnahme vollkommen befriedigt. Graf Bismarck erwiderte heute den Besuch Thiers. Thiers steht mit Tours in Verbindung. — Die Belagerungsarbeiten werden rührig fortgesetzt." alle Truppen ihn !len, anstatt jie iv für das BMazei ^ciplin streng ge. - schloffenkw Wagt«, mehreren Oistziem I die von seiner An« I ithn," „zeiglillg," hen hast?' ,Io einen Angriff auf Wien ihn stchtt' i getreten. kreich n.cht langer gleit |u, als Metz, Ende des Krieges, ’■ L°" t„ 25 hl: Die „Times | dem Grasen Bis- A besuch abgestattet. I tttbr vom Waffen- j icbe des Generale ■ 14. Ameecorpe bei :unb :ie Truppen stehen aüne» m. « trti^ünMl'8 |$li W »«1,11 ™en L- *** MDd anf Sen Sin«» quo » *'S# i,ä «X«* ne W bringt - Preuss. 4i/Ä0/0 Obi. 913/< Frankf. 3V2% 0dl- 793/4 Nass. 4*/2°/o Obi. 9l7/s Kurh. 40/0 Obi. 83 Hess. 40/ü Obi. b. Roths. 92i/2 „ 31/2% do. do. - Bayer. 5% Obi. — „ 41/2o/o 1jährige 913/4 „ 40/0 2jährige 851/4 Würtemb. 41/2% Obi. 91 Baden 41/2% Obi. 0. E.L. Oestr. 50/0 b. R. 557/g „ 5O/o National 48‘/8 „ 50/g Metall. Obi. — w 5°/o M. steuerf. — Amer. 6o/q 1882r Bds. 95®/g T 6% 1885r 941/4_____ Actien. Frankf. Bank 1291/2 Oester. Bank 698 „ Creditact. 247 Darmst. Bankaet. 324 Prioritäten. 50/0 östr. F. St. E. B. 3781/4 Ludwigsh.-Bexbach 1633/4 Maxbahn 1081/g Bayer. Ostbahn 125 Hess. Ludwigsbahn 1333/8 30/0 östr. Stsb.-Prior. 563/8 83% Östr. s. Lombard. 46*/2 30/0 Livorneser 32 50/g Tosoaner 501/2 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 50/0 Elisabeth-Prior. 773/4 do. IL Emiss. 74'/2 AHilehensloofiie, Kurh. 40 Thlr. Loose 65 Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hess. fl. 50 b. R. — Gr. Hess. fl. 25 b. R. — - 4O/o bayr. Präm. Anl. 1063/4 40/0 badische Loose 1051/4 Badische fl. 35 Loose 581/2 1858t Prioritätsloose 151 1860r Loose 78 der evangelischen Gemeinde zu Gießen. o , i Morgens: Pfarrer Landmann. Gottesdienst am 6. November ’ Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel. Die Pfarrgeschäfte für diese Woche (vom 6. bis 11- November) besorgt Pfarrer Landmann. A11 ge in einer A nzeiger. Besondere Bekaiilltmachnnq. Die Schulgelder aus de» städtischen Schulen und der Realschule pro III. Quartal können in den ersten zwei Zahltage» ^Donner- stagS nnd Samstags- ohne Kosten zur hiesigen Stadtkasse bezahlt werden. Stadt - Rentmeister: Gießen, den 1. November 1870. Inders (4649) teibtn ft 9"«« ,In 8r"« ä; “in tle $ «11 » Mb» ft* 7 i» K. * Um bfn -> "t* "Ä „'0 sagt man. 5** M «t in « "*”rit|ei ®wtralj}ab .3" k!i 6ut| -iiiR«,,,, vüthtkld. Dik ^er-ssapitain rill ™ Stadt, vklch! unilmmtr, welche !nö(»• DirTdvii Wodtn die General Gofjinierte, 1 öuf ihn giftuttl. ^ntrr zu fäubtw, i000 Waggon- ia und als die renkli abtrat, von ihrer übtrlrit» Wechsel. Amsterd. k. 8. lOO'/g Augsb. k. 3. 997/g Berlin k. 8. 1043/4 Bremen k. 8. 97 Cöln k. 8. 1047/g Hamburg k. S. 88 Leipzig k. 3. 1043/4 London k. 8. 119 Lyon k. S. — Paris k. 8. — Wien k. 8. 97 V2 Dißconto 4°/0 G. Geld^orten. Pr. Cass. Sch. 1 44is/16 Krüfid 3 Nov. Ein Teleqramm der ,Jndepe»dance beige" vom 1. d. nach Württemberg kommen, soll auch der 80jäbrigc General Changarnier sich be. " ist durch den Wegzug des letzten Miethers! nach Frankfurt anderweit zu vermiethen und sogleich zu beziehen. ____________Chr. Reiber, am Kreuz. 4049) Im (Safe Kuhlmann find möblirte Zimmer an ledige Herren zu Der; miethen und sogleich zu beziehen.__________ 4658) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen. Neuenweg Lit. B. Nr. 194. 4651) Auf dem Seltersberg, im Neben- Hause von Lit. E. Nr. 4, ist eine möblirte Stube mit Cabinet zu vermiethen. „Concordia.66 4698) Heute (Samstag), Abends V29 Uhr: Generalversammlung. Der Vorstand. Ein Junge kann Beschäftigung finden. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes. 4688) Ein junger Mensch, der Lust hat, sich als Kellner auszubilden, findet eine Stelle. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl- § Tanfllutirricht. Der Unterzeichnete macht hiermit einem geehrten Publikum die ergebenste Anzeige, daß den 7. November ein Tanzcursus beginnt- Diejenigen, welche daran Theil nehmen wollen, werden ersucht, unter sich Gesellschaften von 12 bis 16 Personen zu bilden. Anmeldungen beliebe man bis dahin an den Unterzeichneten gelangen zu lassen. R o e s e , Univ.-Fecht- und Tanzmeister. Unterricht für Damen. 4699) Künftigen Montag beginne ich einen neuen Cursus im Zuschneiden und Anfertigen von Damenkleidern und bitte Damen, welche hieran theilnehmen wollen, sich baldigst bei mir anzumelden. Frau Rosa Rothenberger, Lindenplatz. 4687) Zwei Schneidergescllen werden für dauernde Arbeit gesucht von Wernhard Brück. 4683) Ein braver, zuverlässiger Junge kann bei gutem Gehalt sogleich eintreten bei Georg Schmehl, Spezereihändler und Wirth am Brand. Vorläufige Anzeige. 4548) Einem hochgeehrten Publikum in Gießen die ergebene Anzeige, daß ich Anfangs December d. I. einen Tanz Cursus, verbunden mit gesellschaftlicher An° standSlehre, im „Gasthof zum Einhorn" Hierselbst eröffnen werde. Preis für 16 Stunden 2 fl. 42 fr. ä Schüler. Alles Nähere besagt die Anfangs December circulirende Subscriptionsliste. Anmeldungen können schon jetzt in meiner Wohnung bei Herrn Zimmermeister Herbert vor dem Neustädter Thor gemacht werden. Zu recht zahlreicher Bethetligung ladet ergebenst ein Emilie Pietsch, __________________________________________________Tanz- und Anstandslehrerin.______ Kriegslillliilnerll der Gartenlaube. Die Nr. 44 bringt folgende Beiträge: Aus eigener Kraft. Von W. v. Hillern, geb. Bii ch. (Fortsetzung.) — Zuflucht unter der Erde. Aus einem Briefe unseres Feldmalers F. W. Heine. Mit Abbildung: In der Bauernhöhle bei Annet. Nach der Natur ausgenommen von unserem Feldmaler F. W. Heine. — Im Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl. Von unserem Berichterstatter Georg Horn. Fünfter Brief. Im Schlosse von Corny. (Schluß.) — In den Parallelen einer belagerten Festung. Von Fr. Gerstäcker. Mit drei Abbildungen: Gezogene Niesen in örser vor Straßburg. Nach der Natur ausgenommen am 28. September von R- Heck. — Die Lünetten 52 und 53 vor Straßburg. Nach der Natur vom Thurm deS Münsters aus ausgenommen von R- Heck. — Das Steinthor in Straßburg, am Tage der Uebcrgabe. Nach der Natur ausgenommen von R Heck. — Blätter und Blüthen: Am Ziel. Von Robert Heck- — Bitte eines Tobten- — Die Waisen des Kriegs- — Neueste Heldenmedaille. — Zwei Preisfragen. — Für die Verwundeten und die Frauen und Kinder unserer unbemittelten Wehrleute. Das Strnmpfwaaren - Si Garngeschäft her I. A. B u f d) 5 ä I) n e empfiehlt fiir die Winterfaison ihr reichhaltiges Lager aller in dieses Fach einschlagenden Artikeln und erlaubt sich die ergebene Anzeige, daß durch Aufstellung mehrerer Fa^on-Strickmaschinen Aufträge aller Art, durch geübte Arbeiter rasch erledigt, namentlich alle Sorten wollene und baumwollene Strümpfe sowohl neu angefertigt als auch angestrickt werden (4612) Redaction, Druck und Verlag her Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.