Preis vierteljährlich 36 Fr. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich brefc mal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. V Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen. Nr. 2. Dienstag den 4. Januar 1870. Amtliche BekernntMKlungen Gießen, am 29. December 1869. Betreffend: Unentgeldliche Aufnahme eines notorisch armen Blinden aus dem Kreide Gießen. Das Grofihrrrogliche Kreisamt Gießen an die Größtmöglichen Bürgermeistereikn des Kreises. Mit Bezug auf das in Abdruck nachfolgende Schreiben der Directio» der Blindenanstalt zu Friedberg an uns vom 28. L M. fordern wir Sie zur unverzüglichen Berichlerstaitung auf, falls in Ihren resp. Gemeinden ein notorisch armer, im untenbezeichneten Alter stehender Blinder sich befinden sollte, dessen Eltern oder Pflegeltern die Aufnahme in die Blindenanstalt wünschen. Dr. G o l d m a n n. A bschrift. Die ® t r e c t i*i) n der Blindenanstalt an Großherzogliches Kreisamt Gießen. Da wir zur Zeit nur 20'Zöglinge in unserer Anstalt haben, aber für etlich und 30 Raum besitzen, so haben wir uns entschlossen eine Anzahl notorisch armer Blinder unentgeltlich aufzunehmen. Sollte sich ein solcher zwischen 12 und 15 Jahren, dürfte wohl jünger, aber nicht älter sein, im Äreise Gießen finden, so dürften wir wohl bitten, uns solches mitzutheilen, und wir würden uns dann erlauben, mit Großh. Kreisamt in Communication zu treten. Ihrer Nachricht sieht entgegen Schäfer. ®uns ***Um^er3^:rbetnI^7n d^m Bunde - KSSÄ1» ■“ ‘w WS» Gros, Krcisassessor. -Ith,. ... 7: T—z"’ bringen wir ifh Anschluß an Anweisung im Umberziehen betr. iu prüfen bat, ob einer derjenigen Gründe vorhanden ist, wegen deren nach den Bestimmungen des 57. der Gewerbe-Ordnung der Legitimationsschcin versagt werden darf, und sodann das Gesuch mit ausführlicher Angabe der bezüglichen Verhältnisse, unter Beifügung des Signalements des Nachsuchenddn, dem Kreisamt zur Entscheidung vorlegt. Wird von diesem die Ertheilung des Legitimationsschems verjagt, so ist die versagende Verfügung schriftlich zu erlassen, mit Gründen und einer Belehrung über das zustanelge Rechtsmittel zu ver-seben und dem Antragsteller gegen Behändigungsschein zuzustellen. er dagegen zulässige Recurs ist an die Provinzial-Direction zu richten, welche herüber als kollegiale Be- hörde auf Grund einer mündlichen Verhandlung, zu welcher der Neeurrent zu lad n 0 , entscheidet. Für die Verhandlung der Sache bei der Provinzial-Direetion und> ba« wertere erfahren sind die Bestimmungen des 25. der Verordnung vom 1. November 1869 lNcgie- n In Folge der Bestimmungen im dritten Titel der Gewerbe-Ordnung für fden Nord- < deutschen Bund treten die in der diesseitigen Gesetzgebung enthaltenen polizeilichen Beschrau- । kungen des Gewerbebetriebs im Umherziel)en,.insbesondere die Bestimmungen der Verordnung vom 6. November 1846, den Hausirhandel und die hausirend betriebenen Gewerbe betreffend, in den zum Norddeutschen Bund gehörenden Theilen des Großherzogthums "llvweit außer Wirksamkeit, als sie nicht in die Bunvesgesetzgebung Aufnahme gefunden haben. Dagegen smd die in den verschiedenen Bundesstaaten bestehenden Vorschriften über die Besteuerung der Hausir- gmerbe durck dl- B-stlmmung-n der G-w-rbe-Oidnung unbeirrt geblieben unb e8 untex, liegt daher dieser Gewerbebetrieb im Großherzogthum, insofern es sich hierbei nicht um den Betrieb eines von der Gewerbesteuer'befreiten Gewerbes Handelt, auch fernerhin den in der Gewerbesteuergesetzgebung des Großherzogthums enthaltenen Vorschriften. , , . n < 2) Nach den Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung ist von dem Gewerbebetrieb im Umherziehen nur der Ankauf und Verkauf der im 56. genannten Gegenstände, mit welcheri auch bisher schon der Hausirhandel im Großherzogthum nicht erlaubt war, ausgeschlosien. C l daher der Hausirhandel mit allen Waaren, welche nicht ausdrücklich ausgenommen sind, glättet, und treten' demzufolge für die zum Norddeutschen Bund gehörenden^Landesthei e die Bestm- mungen der 5—7. der Hausirverordnung vom 6. November 1846 — wonach die Erlaub- niß zum Hausiren mit anderen, als den in dieser Verordnung oder spateren Bekanntmackmngen namhaft gemachten Gegenständen und zur Ausübung anderer, als der dann genannten Gewerbe nicht' crthcilt werden kann, insofern nicht ausnahmsweise mit Rücksicht auf ein allgemeines oder örtliches Bedürfnis; besondere Genehmigung des Ministeriums hierzu erwirkt worden ist, - außer Kraft. Ebenso kommen die in 17. der gedachten Verordnung enthaltenen verböte des Hausirens mit Kaffee, Zucker, fabricirtcm Tabak und Salz, sowie das Verbot das .yausirhan- dels mit lithozraphirten und gedruckten Schriften in Wegfall. Ferner treten außer Wirksamkeit: w die Bestimmungen im $. 4- liL b- der Hausirverordnung vom 6^ November 1846 unb im letzten Absatz des 13. derselben Verordnung, da nach der Gewerbe-Ordnung die Ertheilung eines Lcgimation'sscheins zum Gewerbebetrieb im Umherziehen mir bei dem Mangel der im 57. angegebenen Voraussetzungen angegeben werden kann; , He Bestimmung im 2. alinea des §. 10. bei; Verordnung »°m ^November 18«, wonach der Hausirende vor dem Anfang seines Geschäfts außerhalb seines Wohnortes s ), der betreffenden Bürgermeisterei persönlich zu melden und sein Gcwerbspatent von erb'. 1 Ausführung des Titels III. der Gewerbe-Ordnung für den Norddeutfchen Bund vom 21. Juni 1869 den Gewerbebetrieb 9 im Umherziehen betr. — in den zum Bunde gehörenden Theilen des Großherzogthums Hessen. rungsblatt Nr. 53.) maßgebend. , „ ' 5) 9incb dem letzten aliena des §. 58. der Gewerbe-Ordnung kann in den fallen, für welche die Gesetze die Ausstellung eines Gewerbescheins nothwendig machen, dieser auch zugleich den Legilimationsschein ersetzen. Der Gewerbeschein ist im Großherzogthum das Gewerbspatent zum Hausiren, und es kann daher für den Hausirbetrieb der Einwohner des großherzogthums im Inland von dem Erfordernis; des jährlich neu auszustellenden Legit.matlonssch ins abgesehen und derselbe durch das auf Grund der bisherigen kreisamtlichen Erlaubnis; ertheilte, nur bis zu Ende des Kalenderjahrs gültige, mithin jährlich neu auszufertigende Gewerbspatent zum Hansi- ren als ersetzt betrachtet werden. v ,an Diejenigen Inländer, welche die kreisamtliche Erlaubnis; zu dem von ihnen beaksichtigten Gewerbebetrieb noch nicht besitzen, haben nunmehr die Ertheilirng eines Legimationsschelns nach- rusuchen. Für die Ertheilung des Gewerbspatentes genügt es jedoch, daß dieser Legitlmatlons- schein das erstemal eingeholt unb der Bürgermeisterei vorgeleat wird, indem m den fo.gendcn Jahren die Vorzeigung des nächst vorhergehenden Gewcrbspatcntes hinreichend \\t Die Bürgermeisterei hat auch in diesen Fällen jedeSmal zu prüfen, ob keiner der Grunde vorliegt, aus welchen nach >7. der Gewerbe-Ordnung der Lcgitimationsfchem versagt werden darf, und eintretenden Falls die Entscheidung des Kreisamts zu erwirken, ehe fte das neue Gewerbs- patent ertOciJ^cit § -8 bcr Gewirbe-Ordnung unter 1 u. 2 erwähnten Geschäfte ein Legitimationsschein erfordert wird, ist derselbe nach Maßgabe des unter Nr. Bemerkten von dem Kreisamt zu erthetlen. . . . . 7j Die im $. 59. der Gewerbe-Ordnung bezeichneten Gewerbettelbenden sind jufofern besonderen Beschränkungen unterworfen, als: . a) sie zur Ausübung ihres Gewerbes der vorgängigen Erlaubnis; der Behörde vm «rükstabr 1870 soll in Darmstadt eine Ausstellung selbstverfertigter Arbeiten von Handwerkern und Fabrikarbeitern abgehalten werden, für welche alle Ennrnnisse der Klein-Gewerbe, der Fabrik-Industrie, der Kunstgewerbe, sowie laudwirthschaftliche Maschiueu und Geräthe zugelasten werden, wenn solche in einer inländischen Werkstätte angefertigt worden sind und von den Verfertigern, unter Angabe ihres Namens, ausgestellt werde» wollen. Es-können stcb bei der Ausstellung Fabrikanten, Meister, Gesellen, Fabrikarbeiter und Lehrlinge beiheiligen und ist nur bei ,edem Ausstelluugsgegeustaud anzugeben, ob der Aussteller den Gegenstand allein selbst verfertigt hat, oder welche Theile von ihm und welche Theile von Auveren verfertigt wurden. ' Der Termin fitt die Anmeldung begann mit dem l. December und läuft mit dem 15. Februar 1870 ab. Die auszustellenden Gegenstände muffen bis rum 15 Avril 1870 fertig und vir Absendung nach Darmstadt bereit sein. Die Transportkosten übernimmt der Großherzogliche GewerbverelN. * Ueberall können sich Local - Comitss von Gewerbtreibenden und Arbeitern bilden, welche die AnssteMingsanMegenheiten m ihren Kreisen betreiben und mit der Groüberroglichen Centralstelle für die-Gewerbe und den Landesgewerbverein dieserhalb in Verbindung treten. , . Alles Weitere besagt das Programm für diese Ausstellung, sowie eine gedruckte Erläuterung des Ausstellungsplans. Beide Drucksachen, sowie Anmel- dunasformularien, könne» sowohl von uns als wie von den Vorständen der Localgewerbvereine und den Local-Comitos der Arbeiter kostenfrei bezöge» werden. 9 Wr laden zu zahlreicher Betheiligung an dieser Ausstellung, welche geeignet sein wird, ein übersichtliches Bild über den Stand der Gewerbe nnd die Einzelleistnngen der Arbeiter im Großherzogthum zu liefern, ergebenst ein. Darmstadt, den 20. December 1869. Großherzogliche Ceutralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein. Schleiermacher. Fink. Prämien-Anleihe der Stadt Bari (Italien) von 9 Millionen, rückzahlbar mit 27 Millionen 350,000 Lire (28 kr.) Nächste Ziehung am 10. Januar 1870. 49) Jede Obligation im Nominalbetrag von Lire 100. — muß mit Lire 130. — oder ca. Rthlr. 40. — im Laufe der Ziehungen rückoerloost werden. Außerdem nimmt jede Obligation an 180 Prämien-Ziehungen Antheil, wobei die Prämien von 500,000, 300,000, 150,000, 20mal 100,000, 70,000, 60,000, 50,000 Lire u. s. f. gewonnen werden müssen. Durch die bis jetzt bei keinem anderen Loos - Anlehen bestehende Plaff - Einrichtung, daß jede Obligation, selbst wenn sie schon mit Lire 150. — rückgezahlt worden ist, dennoch an allen weiteren Prämienziehungen Theil nimmt und mithin eine unbeschränkte Anzahl Gewinne erlangen kann, bietet dieses Anlchen einen bisher noch nicht dagewcfenen Vorthetl. Original-Obligationen zu fl. 39. oder Rthlr. 22. 10 Sgr. (Pläne gratis) rmpfebten Moriz Stiebet Söhne, Bank- und Wechsel-Geschäft in Frankfurt a. M. An- und Verkauf aller Anlehens-Loose, Staatseffecten, Actien, Cou- pons rc. besorgen wir zum Börsencourse. Besondere B e k a n n t m a eh u n g e n. a Dßerhksstsche Eilenlmhn-Gkselflchast. L 56) Mit dem 29. December 1869 ist der Betrieb auf den Oberhessischen Eisenbahnen, auf den Strecken Gießen - Grünberg und Gießen - Hungen, für den Personen- und Güterverkehr eröffnet worden. Die Auflieferung der Güter, sowie die Abnahme derselben erfolgt auf der Güter- expedition der Cöln-Gießener Bahn dahier. Tarife ä 9 kr., sowie die allg. reglemen- tärischen Bestimmungen ä 3 kr., sind auf unseren Stationen Lich, Hungen, Grunberg und Großen-Buscck, sowie auf dem Büreau unserer Central-Verwaltung hier zu haben. Gießen, im December 1869. Der Vcrwaltungsrath. 64) Für das hiesige Garnison-Lazareth wird eine mit guten Zeugnissen versehene Köchin zum alsbaldigen Eintritt, je- nung,MEewM2M, *^^..3886; führer im Garnison - Lazareth Seltersweg Lit. C. Nr. 57. Gießen, den 3. Januar 1870. Großherzogliche Garnison-Lazarcth- Cvmmission Edictalladung. 57) Nachdem Großherzogliches Hofgericht der Provinz Oberhessen über das um 1872 fl. 19Vz kr. überschuldete Vermögen des Peter Kaspar, genannt Theodor Keßler von Wieseck, den formellen Con- curs erkannt hat, werden alle Diejenigen, welche Forderungen oder sonstige Ansprüche an denselben zu bilden haben, aufgefordert, solche im Termin Donnerstag den 24. März 1870, Vormittags 10 Uhr, dahier anzumelden und mit etwaigen Vorzugsrechten zu begründen, widrigenfalls stillschweigender Ausschluß von der Masse erfolgen wird. In diesem Termine soll zugleich ein Arrangement versucht und in dessen Entstehung zur Wahl eines Gläubiger-Ausschusses und Massecurators geschritten werden. Die durch gehörig Bevollmächtigte nicht vertretenen Gläubiger werden deshalb insoweit als den Beschlüssen der Mehrheit der erscheinenden Gläubiger beitretend angesehen werden. Gießen, b,cn 10. December 1869. Großherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher. Feilgebote «es. 11) Alle Arten Pumpen empfehlen KiMostem Preisen^ 72) Eine sechspferdige Dampfmaschine sammt Kessel und vollständiger Armatur wird billig abgegeben. Näheres durch C. Geilfus auf der Aurorahütte bei Gladenbach. 10) Rübenschneider, vor- und rückwärts schneidend, empfehlen den Herren Landwirthen zur Abnahme _____________Flick & Kröll. 71) Ein FrachtschUtten ist zu verkaufen bei H- M. Jughardt. Für Metzger in Stadt und Land. 11979) Alle Sorten trockene und gesalzene Därmen, sehr billig, besonders Hammelscheide, sind zu verkaufen. Näheres im Gasthaus zum Schwanen in Gießen. 62) Ein Geschäftshaus nebst Scheuer, Stall und Hofraum, an einer Hauptstraße in der Nähe der Kaserne gelegen, ist wegzugshalber zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 73) Unterricht im Zitherspi len wird er- theilt; auch ist eine neue Zither und eine sehr gute alte Guitarre zu verkaufen bei Joh. Lerch, Sonnenstraße, bei Herrn B e p l e r, Tapezier. 6) Wasch- und Ringmaschinen, zwei verschiedene Constructionen, Wasch- Mangen, in jedem Zimmer sehr leicht zu handhaben und sehr gute Arbeit liefernd, Häckselfchncidmaschinen, anerkannt die besten, die jetzt cxistiren, für deren Güte ich ga- rantire, Rübenschneider von 14 fl. an bis zu 60 fl., Oelkuchenbrecher, Grünmalz- quctsche und Schrotmühlen für Bierbrauer, empfehle ich zur geneigten Abnahme. Gg. Renzel. 67) Das von Herrn Steuer - Erheber Walther bewohnte Logis nebst Garten rc., in dem Canzlei-Jnspector Schlatter'schen Hause, ist zu vermiethen und den 1. April beziehbar. Näheres bei PH. Schlatter. 63) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei H. Rübsamen, Mäusburg. 59) Mehrere Familienwohnungen, sowie Lagerräume, sind zu vermiethen in der früher Katzenstei n'schen Besitzung. Reflec- tanten wollen sich gef. an mich wenden. B- Katz en st ein, Neuenweg 139. 69) Ein älterer Herr sucht Zimmer mit Cabinet, womöglich unmöblirt, für jetzt oder Ostern. Näheres unter Preisangabe bei der Exped. d. Bltts. 4) Ein braves Mädchen für häusliche Arbeiten wird auf sogleich gesucht- Das Nähere bei der Erped. d. Bltts. 75) Stuttgart. Feinmechaniker finden dauernde Condition bei guter Bezahlung. Dr. E- F. Müller, _________________________mech. Institut- 22) Einen Lehrling sucht Heinrich Haßler, Schuhmacher. 60) In ein Colonialwaaren - Detail- Geschäft in Darmstadt wird ein Commis gesucht. Schriftliche Offerten unter Nr. 60 besorgt die Exped. d. Bltts. 66) Ein Kapital von 10,000 fl wird gegen genügende Sicherheit zu leihen gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Neuer Luruverein. 61) Dienstag den 4. Januar, Abends 8 Uhr, im Cafe Mosler: Generalversammlung. Der Vorstand. Beachtenswerth! 11773) Unterzeichneter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen, sowie Schwächezustände der Harnblase und Geschlechtsorgane. Spezialarzt I>r. Kckrchhoffer, in Kappel bei St. Gallen (Schweiz). Meyer Rothenberger, Gießen, Neuenweg, kauft hessische Urkunden, Papiere, Manu- scripte und sonstige Scripturen, die auf Hessen Bezug haben. Bitte Besitzer dieser Art, wenn sie auch nicht käuflich diese Sachen abgeben wollen, mich davon gef. brieflich oder mündlich zu benachrichtigen. — Auch kaufe ich alte Standuhren. (15) 74) Von einem stehenden Schlittengeläute wurde am verflossenen Mittwoch vom Schifsenberger Weg bis zur Hintergasse eine Glocke mit Klingelkreuz verloren. Es wird um gefällige Rückgabe gebeten. ___________________________L. Kauf. " An- und Verkauf von Staatspapieren, Actieaa, Anlehensloosen etc. etc. Carl Heimann, Bankgeschäft, Alte Mainzerstrasse 35, Frankfurt a. M. Vermiethungen 12) Im dem Brüh l'schen Hause am Brand ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen^__ 70) Neue Anlage Lit. C- Nr- 28 sind in den ersten Tagen des Monats März f. I. zwei unmöblirte Zimmer in der dritten Etage zu vermiethen. Näheres im unteren Stock. ___________________________ ,7) Ein großes und ein kleines Familienlogis sind zu vermiethen bei M- Weiß bäcker. 9) In der Nähe der Eisenbahn ist ein kleines möblirtes Zimmer sogleich zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bl. | 1) Ein Familienlogis ist zu vermie- Ithen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 5) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Hch. Hanitsch, Schuhmacher, Kirchenplatz A. 22. 68) Zwei Familienlogis zu vermiethen bei I. Friedel, Reichensand. 65) Ein gut möblirtes Zimmer mit Cabinet mnd ein kleines Zimmer, sofort beziehbar bei E- Eich en berg. 58) Der mittlere Stock meines Hauses ist zu vermiethen und alsbald beziehbar. Georg Möhl, Reichensand. Hamburg, Berlin, Basel, Wien, Leipzig, Stuttgart, Zürich, St. Gallen, Genf, Leipzigerstrasse, 46 ; Steinenberg, 29; Stadt, Neuer Markt, 11 ; Markt, 17, Königshaus; Kronprinzstrasse, 1 B ; Elsassergasse, 1 ; Obere Grabenstrasse, 13 ; Place du Molard, 2. HAASENSTEIN & VOGLER Zeitungs-Annoncen-Expedition, in Frankfurt am Main, grosse Gallusstrasse 1, im 1. Stock, Neuerwall, 50 ; 36) Auf eine Ziegelei wird für die Dauer von sechs Jahren ein mit der Ziegelbren- nerei vertrauter, zuverlässiger Mann, weicher gute Zeugnisse besitzt, gesucht. Derselbe erhält in der Ziegelei Trete Wohnung, etwas Land zu seinem Gebrauch, und außerdem noch Futter, um einiges Vieh halten zu können. Alles Uebrige nach lieberem; kunst. Franco-Offerten werden von der Exped. d. Bltts. entgegengenommen. 25) Trassiriing;, »iscoeit- u. Accept-Credit auf ein alt. resp. Firma (Fahr.- u. Comm.-Gesch.). Näheres Coln N. L 6 poste rost. NMional-Vieh-Versicherungs-Gesellschisit in Cassel versichert Pferde, Rindvieh, Schweine und Schafe gegen alle Verluste mcl. Seuchen und Unglücksfälle. Voll-Zahlungen der Schaden. Sofortige Regulirung. Wechsel im Viehstande gestattet ohne Anzeige. Für größere Landwirthe separate Abteilung. Versicherung ganzer Gemeinden, sowie Rückversicherung bestehender Orts- oereine unter erleichterten Bedingungen. Statuten, Antragsformulare gratis. Auskünfte werden gern ertheilt von allen Spezial-Agenten.sowie von der General-Agentur in Darmstadt: I. Gg. Schroder. 5x5=* An Jedem Orte werden Agenten angestellt! ______________ Das Hamburg-New-Yorker Postdampfschiff „Hammonia", Capitain Meier, welches am 15. d. von hier und am 19. d. von Havre abgegangen, ist nach einer R^se von 10 Tagen 16 Stunden am 30. d. 6 Uhr Morgens wohlbehalten in New- York angekommen. Hamburg, 31. December 1869. Feuilleton Weib werden. wird oder nicht Seligkeit war. Mittlerweile wurde Giovanni kränker und kränker, sein schwacher Körper „trug die stete Aufregung nicht und ruhelos walzte er st» auf seinem Lager. Beatrice wußte, daß ein einziges Wort von ihren Lippen ihm das Leben zu- Dir Mummnerkäuferin der PiaM del Ptebisriw. Novelle von F. Klinck. Giovanni seufzte tief auf. Gebe Dir die heilige Jungfrau, daß meine Ahnung^mick nicht betrügt — ich will für Euer Glück beten, Beatrice. Aber ich flehe Euch jetzt an, macht ein Ende. Entdeckt Euch Eurem Vater —" Meinem Vater!" stöhnte Beatrice, und zwei Thränen rollten über ihre Wangen. „Das ist der schwerste Schritt, den ich thun kann, Giovanm, und ich will ihn bis zuletzt ausschieben.' x „Thut das, Beatrice — vielleicht bleibt ihm dann ein namenloser Schmerz erspart, fügte Giovanni leise hinzu. > (Schluß folgt.) das letzte Mal sein sollte. Doch weinte sie dann wieder glühende Thränen, daß ste, die stolze Bca- trtce Pisano, von der noch Keiner sich rühmen konnte, ihr kaltes Herz gerührt tu baden, sich vor diesem Manne beugte. Was würde ihr Vater, der aristokratische Marchese Pisano dazu sagen, wenn er von ihrem Thun und Treiben soll l der lebten Zeit gewußt hätte? Seine Tochter sollte einen armseligen Sing- f 1 meister einen Nicolo Porpera lieben? Ah! es log Ironie in dem Gedanken, Det iecem Unparteiischen ein heiteres Lächeln entlockt hätte! Und Beatrice wußte taS. Sie wußte, daß sie ihres Vaters höchsten Zorn erregen wurde, wenn er uur das Mindeste von ihrem heimlichen Unterricht ahnte! Aber ste hatte nicht Den Muth, ein Verhältniß abzubrechen, was ihr höchster Schmerz und höchste iU mögt Recht haben, Signora Beatrice, aber es könnte doch anders fotnmen als Ihr es denkt, und es ist mir ein Räthsel, daß es noch nicht anders gekommen ist — der Maestro Porpera muß sehr leichtgläubig geworden^sein. Thal!" lachte Beatrice, selber belustigt über die Art und Weise, wie ihr Gesanglehrer alle ihre Ausreden aufnahm. „Nein, Gio> vanni, schlagt Eure Befürchtungen nieder, und überdies muß bet Untemdjt bald sein Ende erreicht haben - Ihr wißt ja, wie ich singe, ®io»«nm," schloß sie, ihm ihre Hand auf die Schulter legend. „Sffiie ein Engel, Beatrice!" rief Giovanni begeistert aus. "NUn? Beatrice,"Ich' schwärme nicht, ich spreche die Wahrheit. Ihr singt wie ein Engel: ich begreife nicht, wie man schöner singen kann. Und darum | denke ich immer, Ihr solltet Eure gefährliche Stellung diesem Meister gegenüber , aufgeben - ich möchte nicht, daß der le,feste Schatten d,e Reinheit Cures N""^Jch werde ste aufgeben, Giovanni," sagte Beatrice leicht, von der Liebe ihres bestimmten Verlobten gerührt, „nur noch kurze Zeit und dann werde ich blt Giovanni 'seufzte. Selbst dieser Gedanke bereitete ihm keine Beruhigung. Beatrice war so unbeständig wie schön, und man konnte es dem armen Giovanni nickt verargen, wenn er seine schöne Verlobte mit ArguSargen hütete. Und eine lange, lange Zeit war seitdem verflossen, aber Beatrice hieU nicht Wort. Immer mehr trieb es sie zu dem Singmeister Porpera, ob auch der leidenschaftliche, eifersüchtige Giovanni krank wurde vor'innerer Qual So oft sie es au» versprach, nickt mehr hinzugehen, sobald der erste Strahl der Morgensonne durch das Fenster ihres Gemaches brach, sprang Beatrice von ihrem Lager auf und eilte den gewohnten Weg, und Giovanni sah das hübsche Blumenmädchen vorübergleiten, und immer mehr gewohnte er sich an den Gedanken, Beatrice zu verlieren. Und Beatrice litt fast nicht minder als Giovanni. Anfangs hatte die Täuschung des berühmten Mannes ste belustigt, sie hatte über feine Leichtgläu- bjnfeil gelacht, sich über feine bewundernden Blicke gefreut und ihn übermuthig mehr und mehr in ihr Netz zu ziehen gesucht. Das war ihr nur zu gut ge- langen Nicolo Porpera hatte noch nie geliebt, und auch eine weniger in de» Künsten der fioquetlerie erfahrene grau, als Beatrice Pisano konnte sein arg- loses Gemstth in Fesseln schlagen. Der fortwährende Umgang mit dem scho- nen Mädchen, das ihn immer mehr an sich zu ziehen wußte, hatte ihm nur zu bald die Gewißheit gebracht, daß er Violetta liebte, mehr als fein Leben, mehr als feine Seligkeit, mehr als feine Musik und als feinen Gesang. Es war eine heiße Liebe für feine schöne Schülerin, die ihn ergriffen, aber er hatte es noch nickt gewagt, ihr dieselbe durch ein Wort oder auch nur durch einen Blick ,n oerratben Ein unbestimmtes-Etwas hielt ihn immer zurück. War es wohl die Furcht daß ste so hell auflacken würde, wie sie es schon so ost gethan, wenn.er ihr sagte, daß ihre Hände zarter als die einer Prinzessin wären, und .ihr Haar schimmerte, wie flüssiges Gold? Aber mit Beatrice wat plötzlich eine große Veränderung vorgegangen, sie batte einsehen gelernt, daß man nicht ungestraft mit den Gefühlen eines Men. fdien spielen darf. Wenn er die reizenden wehmüthigen Liebeslieder sang, wie nur Nicolo Porpera sie singen konnte, und er ste dabei mit feinen großen, dunklen Augen so glühend und verlangend ansah, dann war plotzl'ck BeatricenS ganzer Uebermuth wie vom Winde verweht, und sie mußte andächtig auf seine Worte lauschen, als habe sie nie etwas Schöneres gehört. Und wenn ste dann ui», weht die Lehrstunden des Maestro Porpera besuchen wollte, wie sie es Giovanni versprochen batte, aber doch jener Liebeslieder gedachte, so trieb es sie mit unwiderstehlicher Gewalt wieder zu ihm, mit dem festen Vorsätze, daß es (Fortsetzung.) , . „Immer dies knabenhafte Beginnen!" rief sie aus. „Giovanni ist em Kind — Ich kann ihu oftmals nicht begreifen." Uno als Giovanni balv darauf in ihr Gemach trat, fand er Beatrice in ü nicht hinabkommen in den Garten, Beatrice? Die Lnft ist fo mild, und kaum habe ich die Sterne schöner glänzen sehen? Ihr schwärmt, Giovanni," entgegnete Beatrice mit vernehmlichem Spott, laßt'doch die Dichter von Sternen und Mondschein sprechen und bedenkt, daß toir in der Wirklichkeit leben, wo wir nicht die geringste Freude davon haben." "Ihr nicht, Beatrice," gab Giovanni schmerzlich zur Antwort, „aber ich freue mich über einen prächtigen Sternenhimmel und über einen milden Som- merabend, wo der Duft der Orangen fast betäubend auf mich wirkt. Und cm solcher Abend ist es heute; geht doch mit hinab in den Garten. Beatrice, und dann sagt mir, ob Euch draußen nicht selig zu Muthe wird." „Gut, ich will, aber nur unter einer Bedingung, daß Ihr nie mehr tn meiner Nähe die Mandoline spielt." . „Ihr wißt, ich spiele sie gern," sagte Giovanni vorwurfsvoll — „es ist meine einnae Freude. „Ich gönne Euck diese Freude," spottete Beatrice, „nur in meiner gut werden." ES wird nie gut, Beatrice," sagte Giovanni traurig. „Ihr liebt mich — Ihr habt mich nie geliebt, ich füble es von Tag zu Tag mehr, und Ihr mich betrogt, das wird mir das Herz brechen." „3d> betrog Euch nicht, Giovanni," schluchzte Beatricee," ich liebte Euch, glaubte Euch wenigstens zu lieben, bis —" Bis Ihr den Einfall haltet, die Schülerin des Nicolo Porpera zu wer. den,""endete Giovanni traurig. „Da lerntet Ihr die wahre Liebe kennen, dem Manne war es vergönnt, Euch lieben zu lehren, während mein armes Herz ficb vor Jammer krümmte, indem ich den Abgrund sah, aus welchem Zhr toan- teltet und doch nicht die Macht hatte, Euch wegzureißen. Beatrice, ich habe Euch geliebt, ich hätte Euch auf den Händen getragen, als mein SHieib, euer Vater sah seinen innigsten Wunsch erfüllt, und nun ist Alles vorbei. Welchen flämefen geht Ihr entgegen, Beatrice! Was wird jener stolze, rechtschaffene Machro sagen, wenn er erfährt, daß Ihr ibn betrogt? O, ich zittere für Euch! Wenn er Eure Liebe nun von sich weist ? Beatrice zitterte, aber im nächsten Augenblick glänzten ihre schönen Augen schwärmerisch und ihr Mund lächelte. „Fachtet das nicht, Giovanni. Nicolo liebt mich mehr, als fein Leben." Si^ gingen hinab in den Garten, aber Giovanni hatte die Freude an tem schönen Abend verloren, uno Beatrice dachte an etwas ganz anderes, al« an cie balsamische Luft und das Gemurmel der Meereswellen, das leise her- überlbnte Schweigend sckritten sie nebeneinander her, beide vom Glucke zu einem heiteren Loose bestimmt, aber ohne den rechten Willen, es }u ergreifen. „Wann sind Eure Lehrstunden beim Maestro Porpera beendet? fragte endlich Giovanni, um nur das Schweigen zu unterbrechen. „Schon wieder diese Frage, Giovanni?" entgegnete Beatrice. <7.8 Weiß ich doch selber nicht, wann er mich als vollkommen entlaßt. Also eher werdet Ihr nicht gehen?" fragte jetzt Giovanni nicht ohne Bitterkeit. „Und denkt Ihr gar nicht daran, Beatrice, daß die Welt und vor aflem Maestro Porpera eines Tages erfahren könnten, daß die stolze Beatrice Pisano zu einer Lüge ihre Zuflucht nahm, um die Schülerin eines armen Srngmeisters zu werden? Daß ste in einer ihrer unwürdigen Verkleidung «eden Morgen in fein Haus schlich, um ein bischen Singen zu lernen? Denkt Ihr daran nicht, Beatrice Pisano?" Beatrice zog die stolze, Hobe Stirn in galten. „Ihr »ergeh e . «•“*“»'aber sie könnte und wollte das Wort nicht aussprechcn — Galanterie, um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen, ®to»«nm, - fegte ff rudgrten »urte, «n Seligkeit willen gekonnt. gereizt. Es kommt Euch nicht J“' “V"11“” n[AU" _ feine Weigerung, Nur jetzt nicht, Giovanni, nur jetzt besteht nicht auf eine Verbindung," midi Beatritt Pisano als Schülerin auszunehmen. So lange Ihr schweigt, flehte "eines Tag-s Beatrice unter heißen Thränen, ich kann nickt jetzt Euer fflioeMtri so lange wird kein Mensch von diesem Schritt erfahren, und wenn | Weib werden. Habt Erbarmen mit nur - nur cm wenig Geduld und Alles ich genug gelernt habe, dann wird das Blumenmädchen eine« Tages wegblei- den und ich sage Euch, Niemand wird daran denken, es im Palast- P-sano Politische Run-schau. 30. December. Zur braunschweigischen Eisenbahn - Angelegenheit wirv der „Post" m'tgelheilt, roß die Majorität der braunschweigischen Kammer in Verhandlungen mit Vertrauenspersonen der preußischen Regierung getreten und daß eine Verständigung erreicht worden sei. Demzufolge soll sowohl die preußische Regierung als auch die Opposition der braunschweigischen Kammer mit hem Verkauf der Eisenbahn einverstanden sein. Die preußische Regierung ließe ihr Einspruchsrecht fallen und wäre damit einverstanden, daß Kapitalien bis zur gewissen Höhe für ProvinzialsondS verwendet werden. „ Aus Irland wird berichtet, daß die militärischen Vorkehrungen im Süden des Landes gegen einen etwaigen ErhebungSvcrsuch der Fenier nunmehr sämmt- lich getroffen sind. Die fliegenden (Solennen sind mit den nöthigcn Trainabtheilungen ausgerüstet und können sofort auSrucken. In der Zwischenzeit üben sich die zu diesen EorpS detachirten Truppen-Ablhei» lungen durch Märsche in ihrer nächsten Nachbarschaft und die Kasernen und Waffenvorräthe werden mit einer Sorgfalt bewacht, als befände man sich in der unmittelbaren Nähe des Feindes und hätte jeden Augenblick einen Ueberfall zu gewärtigen. Die com- mandirenden Offiziere der fliegenden Colonnen sind überdies als militärische Friedensrichter vereidigt worden, um im Falle der Noth allen Verzug und Unregelmäßigkeiten in Betreff der vorläufigen gerichtlichen Schritte zu vermeiden. Das Land selbst ist, so viel sich die Situation übersehen läßt, durchaus ruhig. Von Aufregung ist neuerdings keine Spur zu bemerken, und die agrarischen Verbrechen sind das Einzige, was für den Augenblick Besorgniß erregt. Die Bevölkerung betrachtet die Maßregeln der Regierung anscheinend mit mehr Verwunderung als Interesse. In Dublin ist wieder ein Manifest der amerikanischen Fenier im Umlauf. In Betreff seiner hef- tiqs.en Ausfälle gegen England unterscheidet es sich wenig von früheren Schriftstücken der Art; im Gegensätze zu den letzteren indessen predigt es nicht offenen Ausstand, sondern empfiehlt nur eine stete und unaufhörliche Beunruhigung Englands durch die allgemeine Unzufriedenheit der Irländer und eine fort- währende drohende Erhebung. „Selbstregierung ist die einzige Rettung für Irland, Autonomie das Universalbeilmittel für seine Beschwerden." Im ferneren Verlaufe wird von den schrecklichen Leiden der feni- schen Gefangenen in englischen Gefängnissen, die alte Lüge wiederholt und dem Fenierbunde Lob gesungen. „Der FenianismuS — heißt es — ist eine Combination der vielen, guten Ideen, die ihm vordergegangen sind. Er hat eine stolze, erhabene Mission. Er widmet sich den großen Bedürfnissen eines Volkes, seiner Erhebung, seiner Umformung zur Nation und den sonstigen herauf bezüglichen Fragen, welche die Geschichte in unauslöschlichen Zügen verzeichnet hat. Das Hauptmittcl, welches Englands Widerstand in Irland lähmen und niederwerfen muß, ist Ausdauer. England kann jeden plötzlichen Angriff überwinden, es kann mit Verachtung eine nur vorübergehende Opposition strafen; aber es kann nicht über die dauernde Unzufriedenheit, über die stets den Ausbruch drohende Widerftandelust des irischen Volkes, die von seinen Stammesgenossen auf dem amerikanischen Fest- lande genährt werden kann und wird, Herr werden." Das Schriftstück ist von John Savage, dem zeitigen Präsid'Nten7 gezeichnet und schließt mit einem Ausruf an Irlands Söhne und Irlands Freunde, Alles für die Erlangung der Freiheit zu tbun. 31. December. Dem „Franyais", Organ des Biichofs bon Or- leans, schreibt sein römischer Cerresponvent: „Ich glaube nicht indiscret zu sein, wenn ich Ihnen die nachstehenden Details mittheile, da Dieselben in meiner Gegenwa»t von einem Bischof in einem Salon gegeben worden sind. Von d n 700 Mitgliedern des Concils wi'uden sich ungefähr 500 für die Angemessenheit einer Unfehlbarkeikselklärung und 200 gegen eine solche entscheiden. Das ist eine Mino- rikät, aber e«ne impofante Minoutät, namentlich wenn man in Betracht zieht, einmal, daß diese 200 Bischöfe meistcnS Franzosen, Deutsche und Amerikaner sind, also drei Nationen angehören, welche an ter Spitze der E vilisation schreiten, am Besten über die Bewegung der modernen Ideen uud des Fortschrittes Der gcmaß'gten Freiheit unterrichtet sind und gleichzeitig die meisten Beweise von wirk! eher Hingebung für die Sache ter K-rche und des heiligen Stuhles geliefert haben, zweitens aber, daß in der Majorität mehr als 200 B-schöfe in parlibus und Missionsbischöfe figurinn, welche füglich N'cht Zeugniß für die Ueber- lieferung einer Diözese ablegen können, die noch nicht oder nicht mehr besteht. UebrigenS versichert man allgemein, daß die Frage der Unfehlbarkeit nicht direct an das Concil gebracht werden wird ; die An- Hänger der Angemessenheit dieser Frage würden sich damit begnügen, zu verlangen, daß man die Lehre der Verfassung der Kirche darlege; es wäre Dies ein Umweg, Der aber Demselben Ziele führen würde." Die Pforte glaubt augenscheinlich Grund zu haben, sich vorsehen zu müssen. Das Observationscorps in der Suttorina ist auf 12000 Mann gebracht, längs der montenegrinischen Grenze weiden in aller Eile befestigte Thürme errichtet und mit Geschützen schwe- ren Catchers armirt, bei Mostar, wohin der Sitz des Generalgouvernements von Bosnien verlegt worden, wird ein befestigtes Lager bezogen, und endlich sind Die sammtlichen irregulären Truppen Bosniens (Die Baschi-Bozuks) einberufen. Der türkifch-egyptische Conflict scheint in derThat wieder neu aufzuleben. Auch der Konstantinopeler Correspondent Der „N. F. Pr." bestätigt, Die Pforte verfange Die Auslieferung Der vom KheDive angeschafften ChassepotS und Panzerschiffe, sowie die Unterordnung der egyptischen Armee und Flotte unter einen vom Sultan ernannten türkischen Commandon- ten. Der Vicekönig aber will, wie eS scheint, darauf nicht eingehen, und darum zieht sich auch seine Reise nach Konstantinopel, Die gleich nach dem Beiramsfeste stattfinden sollte, in Die Länge. .Die australische Post bringt eine schauderhafte Erzählung von den Fidschi-Inseln. Ein früherer Ladenbesitzer aus Melbourne, Namens Lattin, hatte in Fidschi etwa 280 Eingeborene an Bord Der französischen Barke Morea eingeschifft, um sie als Kulis nach QueenslanD zu verhandeln. Ehe aber Das Schiff aus hoher See war, erhoben sich Die Insulaner und töDteten alle Weißen mit Ausnahme des Steuermanns. Dann sprangen sie über Bord, um an's . Land zurückzuschwimmen, aber nur 30 erreichten das Gestade, so daß etwa 250 in den Wellen ihren Tod fanden. 1. Januar. Die amerikanischen Fenier geben wieder ein Lebenszeichen. Außer dem von ihrem Präsidenten John Savage unterzeichneten Ausrufe, welcher seine Spießgesellen in Irland zum hartnäckigen Widerstande gegen die angelsächsische Tyrannei auffordert, gehen sie nach einer Mittheilung Der „New - Jork Times" in Amerika selbst mit dem Plane um, wieder einmal einen Kriegszug gegen die britischen Theile Nordamerikas ins Werk zu setzen. Sie rühmten sich so- gar des Besitzes verbesserter Zündnadekgewehre. Ihr General O'Neill ist beständig auf R.isen und die höheren Offiziere Der edlen Brüderschaft gehen mit geheimen Aufträgen von Stadt zu Stadt. Denn dieses Mal sind die Fenier entschlossen, über ihre Pläne reinen Mund zu halten, damit weder die Behörden der Vereinigten Staaten Anlaß finden, für die Neutralitätsgrsetze einzutreten, noch die britischen Feinde Kenntniß erlangen sollen, wie sich Der fenische Angriff am wirksamsten abwehren lasse. Der preußische „Staatsanzeiger" meldet, Die bayerische Regierung habe sich bereit erklärt, über Den Abschluß eines Iurisdittlonsvertrags mit Dem NorD- Deulschen BunD zu unterhandeln. Demzufolge habe Der BunDeSrath unterm 18. D. M. seine Zustimmung zur Einleitung von Verhandlungen behufs des Vertragsabschlusses ertheilt. Die Pforte ließ zwei KriegsDampfer mit Truppen nach Dem adriatischen Meere abgehen und Die Gar- nisonen an Der montenegrinischen Grenze verstärken. Hessen. Darmstadt, 29. Dec. In der heutigen Sitzung brr zweiten Kammer beantwortete der KriegSrnrnisier die von den Avgg. Dumont, Edinger und Oechöner eingebrachte Inteipellalion in Betreff der fortgesetzten Pensioniiungen höherer Llfieiere, insbesondere die an thr Spitze der Interpellation stehende Frage: Cb großherzoglicheS Kriegöministerium, trotz solcher bedeutenden Belastung des Militärbudgets mit Ruhege.- ! halten, mit der ihm für diese Periode verwilligten Pauschiumme I auezukomuien vermöge. Der KriegSminister äußerte, er sei bis- i her mit der verwilligten Summe ausgekonimen; sehe er sich s zu einer Nachforderung veranlaßt, so werde er nicht unterlassen, ; dieselbe zu rechtfertigen. Der Abg. Dumont stellt hierauf den ! Antrag, die Kammer wolle gegen eine Ueberschreitung des ! Militärbudget« Berwahrung einlegen. Prcupen. Dieser Tage werden die Ernennungen zum ' Bundes Overhandelsgericht in Leipzig zum Vollzüge gelangen. Als Präsident ist Herr Heimsoeth ,Senatepräsident des Appellhofes in Köln, und alS Vrcepräsident Herr Drechsler, Mitglied deS lubecker ApPellationSgerichtS, in Aussicht genommen. Das Abgeo duet-nhau« hat in seiner 42. Sitzung am 18. d. U)i. den SlaatshauehaltSrtat erledigt. Die Gesammtein- nahmen betragen 168 251,372 Thlr., die ordentliche Ausgaben 162,252,8aO Thlr., die außerordentlichen Ausgaben 5,848,522 Thlr., wonach sich ein Ueberschuß von 150,000 Thlr. Ergibt. — Das Haus vertagte sich hierauf bis zum 7. Ian. 1870. Oesterreich. Die Wiener Burschenschaften „Silefia" und „Teutonia" hatten zur Feier bei 100jährigen Geburtstage« Ernst Moritz Arndt's einen großen FestcommerS arrangirt. Das Festlocal war mit schwarz-roth-goldenen und schwarz weiß-- rothen Fahnen geschmückt. Einer der Redner ließ den Fortschritt auf der Bahn zur Einheit, den Deutschland seit dem letzten Kriege gemacht, hochleben, ein anderer sprach von den Kämpfen, welche da« Deutschthum in Oesterreich zu führen hat gegen die übrigen Nationalitäten und schloß unter mächtigen Beifallsrufen mit einem Toast auf den Sieg der deutschen Sache in Oesterreich, ein Dritter grüßte zehntausendmal die Nordbundfarben und trank auf die große Zukunft der deutschen Nation. Italien. Venedig, 29. Dec. .Tempo" veröffentlicht eine Depesche von Santa Maura («ine der jonischen Inseln), wonach am Morgen deS 28. December die Stadt gleichen Namen« durch ein Erdbeben gänzlich zerstört worden est. Vermischtes. Berlin, 24. Dec. In den Nheinlanden und Westphalen ist seit Jahren ein bedeutende« Geschäft mit Befreiung militari Pflichtiger junger Männer vom Militärdienst durch Fälschung der Controllisten, Ausstellung falscher Tovtenscheme und in ähnlicher strafbarer Weise betrieben worden, und sind die Eommis- fionare dieses Geschäfts, durch deren Hand die Vermittelungen gegangen, die Kaufleute Gebrüder Dick hoff in Bochum, vor einigen Wochen verhaftet worden. Wie die „Geiichtszeitung" mitlheilt, hat nun die Untersuchung einen Umfang angenommen, der ein schlimmes Bild von dem „norddeutschen Patriotismus" dieser jungen und alten Rheinländer liefert, denn die Väter mußten ja das Geld für die unkriegerisch gesinnten Söhne zahlen. Nach diesen Angaben ist im Besitz der Gebrüder Dickhoff ein Depot von 100,000 Thalern gefunden worden, da» zur Bestechung der Beamten und überhaupt zur Bestreitung der für die Befreiung vom Militärdienst erforderlichen Kosten bestimmt war. DaS Verzeichniß der Kunden dieses Geschäfts ist im Pulte der Gebrüder D'ckhoff gefunden worden und soll Hunderte von Namen enthalten. Eö sind nicht weniger al« 22 Militärärzte und ein Oberstabsarzt verhaftet worden, auch soll ein bei der Aushebung mitwirkender Eivilbeamter, jedoch nur wegen bewiesener Fahrlässigkeit, arg comprimittirt sein. Entdeckt wurde der böse Handel durch einen Bauer, der für die Befreiung seines Sohnes einen Wechsel von 500 Thalern ausgestellt hatte, diesen aber zur Berfallzeit nicht bezahlen wollte, weil inzwischen sein tapferer Sprößung bereits militärfrei geworden war. Nach Bauernart hing der Alte stark am Gelde, glaubte aber wohl, daß die betrogenen Betrüger den Mund halten würden; sie thaten es aber nicht, klagten den Wechsel ein — und so kam durch die Klagebeantwortung die Sache an den Tag. Die dem Dienst entzogenen jungen Leute sind bereits sämmtlich ohne Ausnahme zum Militär eingezogen worden. Die „BreSl. Ztg." schreibt aus Breslau: „Nachstehend verzeichneter Unfall möge alle, welche sich des Petroleums bedienen, zur Vorsicht mahnen. Als kürzlich eine Hausfrau einer hiesigen angesehenen Familie Abends mit einer brennenden Petroleumlampe in die Schlafstube getreten war, erplodirte dieselbe, das Bassin zersprang in kleine Stucke, während sich die Flüssigkeit über den Arm und die Kleidung der Dame ergoß und letztere gleichzeitig in Brand steckte. Glücklicher-weise befand sich der zwölf Jahre alte Sohn in der Schlafstube; er hatte Geistesgegenwart genug, sammtlicheS im Waschtische Vorgefundene Wasser über die Mutter zu gießen und so doch wenigstens das Weiterbrennen der Kleidung zu verhindern. Die Mutter hatte dennoch WundrN an der Hand, in der sie die Lampe gehalten, davongetragen, während der Sohn, der sich im Augenblicke der Crplosion zu Beite begeben wollte, barfuß auf die herumgelegenen Glassplitter bei dem Rettungswerke seiner Mutter nicht geachtet und sich 22 Glassplitter eingetreten batte. Auch war etn Bett in Brand gerathen. Als man der Ursache der Erplosion nachfolgte, wurde von Sachverständigen festgestellt, daß der Docht schmaler als der Brenner war, d. h. er hatte ! nicht den ganzen Raum ausgefüllt, wodurch sich in dem leeren Raume Gase entwickelt haben, welche bei deni Luftzuge, als die Dame aus einer Stube in die andere gegangen, erplvdirten. Am vorhergeganqenen Abend hatte man bei gleicher Veranlassung einen schwächeren Knall bemerkt." Kassel, 26. Dec. Gestern Morgen entgleiste in der Nähe der Station Donenburg d dem «JIM et? Ai sonst her Älenbt dm.wll-b. i-ich, be @r. Fe 4 s