«tio- * Rüllekstraße '‘Manjen Hause en ^ourlin, i(jm "nb Böhm verlor tßflk Natürlich jvn anbftet Seite n m,t einen Theis "e dort umgesekt r Diebstahl ausge- Gnunel: (n iw Dienste deS luen kingrschlichen, ft sein Zim- verfcbloiJen hielt, ’5- Wie sich her- M’tligunj von nicht nur Lehmab- sondern auch ein rkzeug vorgesunden war, gebt darauS « aiZesertigt, den rii vor 2 Zohrm ch aavs regelrecht ’otTWMdtn Cut- daß hr. s. fin i%;L)tiat Dbro- N.'” ‘ W' ^•1|A At sUk * ^txxx^Lw (x \g.U\# anabmen rnit »mm «"^ieß- rstebr"' ■*»#* Pretb vterteljährltch 36 kr. mtt Bringerlohn. Durch die vost bezogen vierteljäbrllch 49 ft. Gießener Anzeiger. VM Anzeige- und Mmtsßl'aü für den Kreis Kielen. Nr. 88. " Donnerstag kn 29. Juli 180». Befondere Bekanntmachungen. 6363) Die »achverzeichneten städtischen Gelder; 1) Pachtgelder von verliehenen städtischen Triebvierteln, fällig gewesen am 15. d. Mts., 2) Schulgelder ans den städtischen Schulen und der Realschule pro II. Quartal 1869, 3) 11. Ziel Communalsteuer 1869, 4) Hvlzsteiggelder, fällig den I. k. Mts., , können in den ersten 8 Tagen an den Zahltagen Dienstags, Donnerstags und Samstags, ohne Kosten, zur hiesigen Stadtlasse bezahlt werden. Gießen, am 27. Juli 1869. Der Stadt. Rentmeister: EuderS. Main - Weser- Bahn. Extrazug von Frankfurt nach Cassel. einmalige Einrückung in öffentliche Blätter bekannt zu machen sei. wird dasselbe in Gemäßheit des Artikel 402 der Strafprozeß-Ordnung öffentlich bekannt gemacht. Gießen, am 26. Juli 1869. Der Oberstaatsanwalt am Großberzoglichen Hofgericht der Provinz Oberhessen. Wolff, Substitut. 6358) Sonntag den 1. August d. I. wird ein Extrazug (Vergnügungszug) von Frankfurt nach Caffcl abgelassen werden, welcher auch auf den Stationen Friedberg, Gießen und Marburg zur Aufnahme von Passagieren anhält. Bis zum Freitag, den 30. d. Mts-, Abends 6 Uhr, werden zu diesem Zuge Jnterims- Billete bei den Billets - Expeditionen zu Frankfurt a. .M., Friedberg, Gießen und Marburg verkauft, welche vor Abgang des Zuges (das Billetschalter ist 3/4 Stunden vorher geöffnet) am 1. August c. an den Billetschaltern der gedachten Stationen gegen Fabrbillete umzutauschen sind. Der Preis der Billete, welche zur Hin- und Rückfahrt berechtigen, ist gleich der Personen-Taxe für die einfache Fahrt in der betreffenden Wagcnklasse. Die Rückfahrt kann von Cassel und Wil- helmshöhe in sämmtlichen Personenzügen, mit Ausnahme der Courier- und Schnellzüge Nr. VI und XII bis zum 2. August c. Abends einschl. Zug XVIII erfolgen. Die Rückfahrt kann auf den Stationen Marburg und Gießen innerhalb der Gültigkeitsdauer der Billete unterbrochen werden, in welchem Falle dieselben Behufs Abstempelung den Stations-Vorständen daselbst vor- gezeigt werden müssen. Der Extrazug geht am 1. August d. I. ab : in Frankfurt a. M. 5 Uhr 30 Min. Mrgs., „ Friedberg 6 „ 20 „ „ „ Gießen 7 „ 15 „ „ „ Dtarburg 8 „ — „ „ und kommt an in Cassel 10 „ 30 „ Derselbe wird bei Station Wilhelmshöhe, um das Aussteigen daselbst zu ermöglichen, anhalten. Cassel, den 23. Juli 1869. Königliche Dircction der Main-Wcser-Bahn. Oeffentliche Bekanntmachimc;. 6366) Nachdem der Großh. Schwurge- richtshof der Provinz Oberhessen in seiner öffentlichen Sitzung vom 10. L Mts. nachfolgendes Urtheil erlassen hat: In Anklagesachen gegen Chr. Jcnsch, vorhinigen Einnehmer der Gemeinden Fauerbach und Lißberg, sowie Rechner der Kirchen zu Berstadt, Bingenheim, Bisses, Blofeld, Dauernheim, Geiß- Nidda, Heuchelheim, Leidhecken, des Pfarrbesoldungs-Fonds zu Echzell, des de la lieree'schen Armenfonds zu Hungen, des Fauerbacher Stipendienfonds, des Pfarrvacanzfonds zu Bisses und des Armenfonds zu Dauernheim, seither zu Nidda wohnhaft, 56 Jahre alt, verhei- rathet, wegen Veruntreuung im Dienst, verurtheiltder Schwurgerichtshofden Angeklagten in contumaciam wegen des Verbrechens der fortgesetzten Veruntreuung int Dienste zur Entsetzung seiner oerscliie- denen vorerwähnten Dienste und in eine Zuchthausstrafe von vier Jahren, sowie in die bis heute auf neunzehn Gulden dreißig sechs Kreuzer l-quidirten Kosten, verfügt zugleich die Sequestration des Vermögens des Angeklagten und verordnet weiter, daß dieses Urtheil durch Versteigerungen. Fenraqe-Lieferung. 6371) Dienstag den 10. August, Vormittags 10 Uhr, wird der bei den diesjährigen in der Provinz Oberhessen vom 23. August bis 3. September stattfindenden Hauptübungcn für die Grobherzogliche (25.) Division erforderliche Bedarf an Fourage auf dem Büreau des Proviant-Amts, woselbst auch die Bedingungen vorher offen liegen, durch Sum- mission in Lieferung vergeben. Darmstadt, den 25. Juli 1869. Großherzogliches Proviant-Amt. Becker. G r ö n r i ch. Die Versteigerung von Thuren, Fenstern und Fußböden. 6373) Montag den 2. August, des Nachmittags 1 Uhr, sollen in dem zum Abbruch bestimmten ehemals Ferber'schen Hause Thür en, Fenster und Fußböden an den Meistbietenden versteigert werden. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien werden um Bekanntmachung dieser Versteigerung ersucht. Gießen, den 28. Juli 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________Vogt._____________ Fouraste - Lieferung. 6362) Die Lieferung der für Pferde von hier einquartiert werdendem Militär nöthi- gen Fourage, bestehend in Hafer, Heu und Stroh, soll Montag den 2. August c., Vormittags 9 Uhr, im Bürgermeisterei-Büreau vergeben werden. Gießen, den 27. Juli 1869. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _____________ Vogt._____________ 6351) Donnerstag den 29. Juli, Nachmittags 2 Uhr, läßt Unterzeichneter seine Mobilien, als: Betten, Weißzeug, Möbel zc. öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigern. Gießen, den 26. Juli 1869 Chr. Stier- Keitgcbott t»rs 'N allen Sorten, trocken so- (jlll VIli rooijl, als auch mittelst Dampfkraft auf's Feinste in Oel abge- rtebcn, Broncen, Blattgold, Maser- walzen, alle Sorten Firnisse empfiehlt Emil Fischbach, (6376) ________________Seltersweg. Neue holländische Vollhäringe sind eingetroffen bei (6353) I. A. Busch Söhne. 6379) Bei Unterzeichnetem ist ein Koch- ofen zu verkaufen.__________A. D i cko rä. 6346) Feinstes Tranben-Gel«e wieder eingetroffen bei I. A. Busch Söhne. 6383) Geor tf D ö r r am Kirchenplatz empfiehlt seinen Ausschank /Alters- und und sein Lager in /g Hess. Ludwigsbahn 134 3% östr. Stsb.-Prior. 56 3°/o östr. s. Lombard. 48l/ß 3% Livorneser 337/e Toscaner — Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 97*^ 50/g Elisabeth-Prior. 75y2 do. II. Emiss. 73 Anlehen*loo*e. Kurh. 40 Thlr. Loose 56*/2 Nassau fl. 25 b. Roth. 383/4 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 178 Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4°/o bayr. Präm. Anl. 1051/4 4% badische Loose 103 Badische fl. 35 Loose 56 1858r Prioritatsloose 158 l860r Loose 85>/g 1864r „ 1183/. Wechsel. Amsterd. k. 8. 100 Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. 8. 1047/8 Bremen k. 8. 973/4 Cöln k. 8. 1047/8 Hamburg k. 8. 883/8 Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 120 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 95/, Pistolen . . 9 50-52 „ doppelte 9 51-53 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankenst. 9 31,/2-32,/a Engi. Souver. 11 57-59 Rübs. Imper. 9 51-53 DolL in Gold 2 28-29 Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten. Fruchtmärktc. Juli Waizen. Korn. Gerste. Auf Mc Spelz. it- is Hafer. Erbsen. Linsen. Wicken. Kartoff ein. J Wcisi- mehl. naöllorL Auf dem Markt Mlt^ preis Auf Kem Markt Mit.- preis Auf dem Markt Mit.- preis dem irkt M prt Auf dem Markt M prt lt.- is fr. Auf dem Markt Mil.- preis Auf dem Markt Mit.- preis Auf dem Markt MiK- preis Auf dem! Markt ! Mit.- preis 1 -jnv n fl. fr. 3 X <5 03 üerf.j fl. fr. auf-1 gef- o fl. fr. |uuh gef. fl. fr. auf- gef- fl. 1 auf: gef. i •paa | fr. Z « fl.fr- auf- gef- verk. fr. auf. gef. L fr. fl. fr. fl. fr. Gießen Alsfeld Grünberg Lauterbach Mainz 24. 24. 24. 23. M. 29 20] M- 17 43; 9] 245 12 12 12 12 10 4 M. 25 32 M- 25 30 25] 94 930 9 25 9 54 8|30 M. 2] M- 6; i 8 8 20 M. M. — — M. 7 10] M. 7 211 9.; 12 6 6 6 6 45 57 40 34 M. i M. 4 9 M. M. M. M. M. M- 3 20 ! Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.__________ Feuilleton. Der Dsrbone. (Barbone, im ital. VolkSdialect: der Bärtige.) Novelle von Fr. Büchner. (Verfasser der Preisnovelle „Jugendverirrungen.") (Fortsetzung.) , . Noch einigemal umwondelte er Den Tisch, aber er zog seine Kreise immer enger um denselben. Die Versuchung war zu stark, als daß ihr das Herz eines einsamen Schließers, unbeobachtet von seinen Mitmenschen, die ihn für seine hei- denmüthige Entsagung mit ihrem Beifall hätten entschädigen können, lange Widerstand zu leisten vermochte. Er wankte und — fiel. Als er die erste Flasche entkorkt hatte, nippte er, nippte wieder, bald trank er die köstliche Flüssigkeit in vollen Zügen und bald trösteten zwei leere Flaschen den einsamen Krug in der Ecke mit ihrer Gegenwart. Mährend der Schließer einen so schwachen Widerstand gegen die zu starke Versuchung geleistet hatte, war Johanna mit einem ziemlich umfangreichen Bündel unter dem Arm wieder in den Garten geschlüpft, wo ihrer der Mönch an dem steinernen Gartenhaus harrte. Nachdem sie einige Worte leise zusammen geflüstert, reichte das Mädchen dem Mönche das Bündel, welches sie unter dem Arme trug, das dieser nahm und in das Gartenhaus eintrat, um nach einigen Minuten wieder aus demselben, in die Kleidung des Obersten gehüllt, hervorzutreten. Johanna stand wenige Schritte von ihm, die Hände in tiefem Gebet gefaltet. Mehrere Male rief der Mönch leise den Namen des Mädchens, ehe rs dasselbe vernahm; als sie aber dann zu ihm hingetreten war, sagte er: „Nun hülle Dich rasch in meine Mönchskleivung, dann laß uns gehen." Als das Mädchen zauderte, fuhr er in einem Tone, der Johanna wie ein Vorwurf klang, fort: „Nur so kann er gerettet werden." Johanna war nun in einem Augenblick in die düstere Mönchskleidunz gehüllt und bald schritten Beide dem Hause zu, — der Mönch das Gesicht fast ganz durch denh ohne Kragen des Mantels verdeckt, der aber über die Brust zurückgeschlagcn war, so daß die reich mit Orden gezierte Uniform des Obersten sichtbar wurde; Johanna — das Haupt gänzlich in der Kaputze verhüllt und von dem langen, weiten Gewände bis zu den Füßen bedeckt. Am Eingänge des Hauses blieb der Mönch stehen, und Johanna schlich leise nach dem Gemach des Schließers. Als sie dasselbe geöffnet, bot sich ihr ein sonderbarer Anblick dar. Der Schließer lag ein — auf halb zurückgelegter Bahn nach der bekannten Ruhebank — gefallener Held in der Mitte des Zimmers, durch ein lautes Schnarchen seinen tiefen Schlaf verkündend. Das Mädchen nahm vorsichtig den großen Schlüssel, der alle Zellen des Gefängnisses schloß, von der Wand und verließ das Gemach ebenso leise, wie sie gekommen war. Bald stieg sie an der Seite des Mönches die breite steinerne Wendeltreppe hinauf, die in den andern Thcil des Gebäudes führte. Die ersten Wachen am Eingang salutirten und ließen sie ungestört vorübergehen; eine einsame Schild- wache auf dem langen, nur von einer einzigen Lampe spärlich erleuchteten Gange verrieth ihnen die Thüre zu dem Kerker Albrechts von Schauenstein. Der Soldat blieb auf seiner Wanderung vor der Zelle des Gefangenen ehrfurchtsvoll stehen, als er die Uniform eines Obersten seines Regiments gewahrte und ließ Beide ungestört eintreteu. Als sie in dem Zimmer des Gefangenen verschwunden waren, begann der Soldat wieder seine kurze, einförmige Wanderung vor der Thür des Gefängnisses, und eine kleine Weile dachte er auch des armen TyrolerführerS da innen, bei dem, wie er glaubte, jetzt der Mönch war, um seine letzte Beichte zu hören und ihn auf den Tod vorzubereiten. * „Möchte nicht in den Schuhen des armen Kerls stecken," sprach er halb- leise vor sich hin. Da und aber das Andenken an das harte Schicksal eines unser Mitmenschen selten lange zu fesseln vermag, vergaß auch der Soldat bald wieder des armen zum Tod Verurtheilten da innen, und ein munteres Liedchen, das er für sich hinsummte, bekundete zur Genüge, daß sich seine Gedanken in einen ganz anderen Jdeenkreis bald wieder verirrt hatten. Während eine solch rasche Umwandlung in dem Denken der einsamen Schildwache vor sich ging, ahnte sie nicht, daß innerhalb der vier Wände, die sie zu bewachen ausgestellt war, eine tzoch seltsamere Umwandlung in der äußeren Erscheinung der darin weilenden Personen stattfanv. Als der Mönch und Johanna eingetreten waren, saß Albrecht von Schauenstein auf einem niederen Stuhl in einer Ecke des düsteren Zimmers, in dem eine kleine, einem Todtenlicht nicht unähnliche Kerze brannte. Der gefangene Jüngling ging eben ernstlich mit sich zu Rathe, um gefaßt von dem Leben Ab- schied zu nehmen, aber es wollte ihm schlecht gelingen, sich durch Erwägung der guten Sache, für die sein Blut fließen sollte, das Scheiden leichter zu machen. Denn das schöne Bild Johanna's und das Glück der Zukunft, das er mit ihr vereinigt gefunden haben würde, trat vor seine Seele, — und die Sehnsucht zum Leben ergriff ihn wieder, die noch mehr durch den Gedanken gesteigert wurde, wie Johanna die Kunde seines schrecklichen Todes ertragen, und wie sich auch ihr künftiges Leben darnach gestalten würde. Der in dem Schlosse laut knarrende Schlüffe! hatte ihn aus diesem düsteren Sinnen aufgescheucht — und kaum hatte er den Mönch an der Seite des Obersten wahrgenommen, als er sich rasch erhob, den Eingetretenen entgegenging und tief bewegt sagte: „Ich danke für diese letzte Gnade, die man mir vergönnt." Aber das leise von dem vermeintlichen Obersten ausgesprochene Wort „Albrecht" ließ in dem nächsten Augenblick den Jüngling mit dem Ausrufe: „der Barbone" in kessen Arme sinken. Als nach der ersten Ueberraschung Albrecht den Mönch wie fragend anblickte, legte dieser zum Zeichen, daß er das tiefste Schweigen beobachten sollte, den Finger auf die Lippen — und führte ihn an die Seite des Mönches, schlug die weit vorgezogene Kaputze desselben zurück — und trotz dem Verbote des Freundes entfuhr den Lippen des Jünglings der laute Ausruf „O Gott, meine Johanna ist bei mir?" Nicht ohne Besorgniß sah der Mönch nach der nahen Thüre, und sie schwand erst wieder, als er, das Ohr an das Schloß legend, den eintönigen, ununterbrochenen Schritt der Schildwache vernahm. Als er sich wiederum umgewandt, blieb er eine Weile unbeweglich stehen bei dem Anblick, der sich ihm darbot. Albrecht hielt das Mädchen mit seinen Armen umfangen, das sich, leise weinend, eng an seine Brust angeschmiegt hatte. Nachdem aber nun der Mönch eine Thräne aus den Augen gewischt hatte, trat er zu ihnen und sprach: „Kinder, wir müssen jetzt handeln; jeder Augenblick der Zögerung bringt Gefahr." „Albrecht, Du wirst Dich in meine Kleidung hüllen und mit Johanna diesen Kerker verlasien." „Aber was wird mit Dir werden, Barbone?" fragte der Jüngling, in dem wieder neue Lebenshoffnung erwacht war. „Ich bleibe hier," sagte der Mönch in gelassenem Tone. „Nie und nimmer," rief Albrecht; „Dir würde dasselbe Loos zu Theil, welches mir zugedacht ist." „Du sollst mir vertrauen und folgen," erwiederte der Barbone, etwas un- mulhsooll. „An dem ersten „Aufsteig" harrest Du bis Mitternacht und wenn ich dann nicht bei Dir bin, halte Dich den morgenden Tag bei „Mariehilf" verborgen, aber es darf Niemand Eure Nähe ahnen, bis ich selbst unter Euch bin." Der Glaube an außerordentliche, geheimnißoolle Kräfte, welche diesem son- baren Wesen zu Gebote standen, bemächtigte sich auch des Jünglings, und ohne ferneren Widerstand folgte er dem Gebote desselben. Während Johanna an das kleine Fenster getreten war und beiden Männern, den Rücken zugekehrt, dort verweilte, wurden diese rasch mit ihrer Umkleidung fertig. Als das geschehen, fragte Albrecht noch einmal: „Barbone, wagst Du nicht zu viel? Wie, wenn Dein Plan scheitert?" „Dann," erwiederte der Mönch, „hoffe ich noch Rettung von meinem Amu- let, welches mir der Kaiser umgehangen." Bei diesen Worten zeigte er eine schwere goldene Gnadenkette, die doppelt um seinen Hals geschlungen auf seine Brust herabfiel. „Man wird," fuhr er fort, „die Gabe dcö Kaisers ehren und nicht Hand an mein Leben legen." Damit beruhigte er den noch immer widerstrebenden Jüngling völlig, obwohl jener nur allzugut wußte, daß dieses Zeichen der kaiserlichen Gnade ihn nicht vor der Rache des Feindes sicher stellen würde. Die beiden Männer hielten sich lange in den Armen, ihre Lippen ruhten auf einander, als wenn sie Abschied sür's Leben nehmen. Der Mönch ermannte sich zuerst wieder und drängte den zum Obersten umgekleideten Jüngling, mit Johanna den Kerker zu verlassen. Das Mädchen kniete vor dem Mönch nieder, ergriff feine; Hand, druckte einen Kuß darauf und sagte tief ergriffen : „Dank, Dank, guter Mann; Gott segne Dich und lasse die Rettung gelingen !" Beide verließen das Gemach, die Wachen salutirten ehrerbietig, wie das erste Mal und bald befanden sie sich vor dem kleinen steinernen Gartenhaus, an dem Johanna verweilte, bis sich der Jüngling abermals in das Gewand des Mönches umgekleidct hatte. An dem eisernen Gitterthor schlossen sich dann Beide noch einmal in die Arme, und nachdem das Mädchen weinend zum letzten Mal geflüstert hatte: „Behüte Dich Gott und die heilige Jungfrau," schwang sich der Jüngling behende über das Thor. Als der Schritt des rasch davon Eilenden verklungen war, kehrte Johanna, das bekannte Bündlein unter dem Arm, wieder zu dem Haufe zurück. Dort schlich sie mit einiger Angst in die Stube des Schließers und öffnete geräuschlos die Thüre desselben. Aber ihre Befürchtung war unnöthig gewesen. Noch schlief der Schließer Ve.t den Schlaf des Gerechten und behauptete seine alte Lage mit ungeteilter Standhaftigkeit. Der Schlüssel hing wieder, seines begangenen Verbrechens unbewußt, an seinem Na- gel, und Johanna halte sich wieder so leise, wie sie eingetreten war, entfernt. Während sie auf ihrem Zimmer in brünstigem Gebet Gott für die Rettung des Geliebten dankte, war der Mönch in seinem freiwillig erwählten Kerker längere Zeit aus- und abgeschritten, wie cs schien, in tiefes Nachdenken verloren. Nun blieb er stehen und betrachtete sinnend das einzige Fenster des Gemaches, das groß genug war, um einen Mann hindurchzulaffen. Nachdem er den Tisch unter dasselbe an kie Wand gerückt hatte, stieg er auf diesen und untersuchte die eisernen Stäbe, welche in die steinerne Brüstung von oben nach unten eingelassen waren. Sie hatten sich in der Länge der Zeit in ihren Emsenkungen von dem Kitte losgemacht, und der Mönch fühlte, als er mit feiner ungeheuren Kraft sich wider einen der Stäbe stemmte, wie derselbe sich leicht krümmte. Noch ein Paar weitere Anstrengungen und er hielt den ersten Stab los in den Händen, lieber eine Stunde mochte er ununterbrochen fortgearbeitet haben, da glitt ein zufriedenes Lächeln über sein von der schweren Arbeit geröthetcs Antlitz. (Fortsetzung folgt.) Berlin, 26. Juli. Der Obertribunalrath Dr. Waldeck hat aus Gesundheitsrücksichten die Mandate für den Reichstag und Landtag niedergelegt. Fulda, 25. Juli. Hr. v. Farnoczy, Primas und Fürstbischof von Salzburg, hat in Gemeinschaft mit unserem Bischof an das österreichische und deut- sche Episcopat eine Einladung erlassen, wonach sich die hohen Herren am 1. September d. I. am Grabe des heiligen Bonifacius, des Apostels der Deutschen, zu einer Berathung über Eoncilangelegenheiten einfinden sollen. Der Ort der Wahl schon bekundet, daß man dem Primat des Papstes nicht feindselig gegenüber treten wird, denn auch der heilige Bonifacius war ein getreuer Knecht der römischen Hierarchie. Im Uebrigen verlautet über die Absichten der zeitlichen Würdenträger nichts Näheres. Wie über alle früheren Versammlungen wirb wohl auch über die bevorstehende tiefes Schweigen beobachtet werden. Dürfen wir übrigens einigen uns gewordenen Andeutungen Glauben beimeffen, so möchten, angeregt von den ersten Autoritäten der katholischen Theologie (namentlich wird uns Döllinger in München genannt), dennoch manche Bedenken gegen die vom römischen Stuhl gemachten dogmatischen Propositionen laut werden. Man fühlt oder ahnt, daß die Welt sich nicht ganz in die Finsternisse des Sylla- bus zurückdrängen läßt. Wien, 24. Juli. Von ofsici'öser Seite wird jetzt meine Mittheilung über die Gründe der raschen Begnadigung des Bischofs Rudigicr bestätigt. Der Reichskanzler Graf Beust hat den kaiserlichen Gnadenact unverzüglich nach Rom telegraphiren lassen, und der in Aussicht stehende päpstliche Protest ist dadurch beseitigt worden. Pius IX. hat sogar dem Kaiser Franz Joseph für die gute Rücksicht gedankt, welche er der Kirche erwiesen. Das Organ des Preßministeriums spricht heute von den Vortheilen, die das rasche Handeln des Monarchen für die libe- rate (!) Sache hatte. Graf Beust hat übrigens die Nothwendigkeit gefühlt, sich der öffentlichen Meinung gegenüber zu rechtfertigen. In der gestrigen Sitzung des FinanzauSauSschuffes der österreichischen Delegation beantwortete der Reichskanzler eine Interpellation über seine Haltung in der römischen Frage mit der Erklärung, daß das Glaubensbekenntniß der großen Mehrzahl der österreichischen Staatsbürger besondere Rücksichten nothwendig mache; der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Rom würde die inneren Schwierigkeiten vermehrt haben, und auch von ungarischer Seite habe man einen solchen Schrit nicht gewünscht. Außerdem, fügte der Reichskanzler hinzu, lege ihm gerade seine Eigenschaft als Nlcht- katholik eine besondere Diskretion auf. Krakau, 26. Juli, lieber die in Folge der Klostergräuel hier ausgebrochenen und telegraphisch signalisirtcn Unruhen entnehmen wir der Wiener „Presse" nachstehenden Bericht; „Die Straßen- tuwulte vom Samstag waren bedeutender, als man Anfangs vermuthete. Tie Volkmassen umlagerten bis 3 Uhr früh fast alle Klöster, erbrachen die Klö- sterthore, zertrümmerten die Klosterfenster, verwundeten den Jesuitcnprior, sowie mehrere Jesuiten. Das Volk wurde überall vom Militär verdrängt. Der commanbirende General und der Statthalterei- Delegai beschwichtigten das Volk. Gegen 40 Per- fönen wurden arretirt und an das Strafgericht ab- geliesert. Statthalterei-Delegat Bobowskt und Bürgermeister Ditl erließen gestern Nachmittags ernste Aufrufe. Beide begreifen die Volkserbitterung über die mittelalterliche, unmenschliche That, warnen jedoch vor beklagenswerthen Exccffrn. Gestern Abend besetzte Reiterei und Linien-Jnfanterie alle Klöster und sperrten viele Straßen ab, um weiteren Excessen vorzubeugen. Polizei- und Magistrats - Beamte ersuchten das Publikum, sich vor den Klöstern nicht anzusammeln. Gestern Nacht wurde die Ruhe nirgends gestört; starke Militär-Patrouillen durchzogen die Stadt." Der „Kraz" (in einer außerordent- liehen Beilage) ermahnt die Bevölkerung zur Vermeidung und Hintanhaltung von Excessen. Dasselbe Blatt veröffentlicht den Wortlaut einer in der Stadt cursirenden Petition an den Stadtrath um Entfernung der Jesuiten und Carmeliterinnen aus der Stadt. Die Petition sagt wörtlich: Die Jesuiten werden allgemein anerkannt als Verdummungs- und Dcpravirungeguelle. Die Jesuitenentfernung sei daher angezeigt wegen der ungeheuren Gereiztheit, die in der Stadl herrscht. Wie cs scheint, will die Justizbehörde in der That die frühere Ver- säumniß durch verstärkte Energie in der Untersuchung wieder einholen. Gestern Nachmittag wurde d>e Klosteroberin und ihre Stellvertreterin unter Husaren- Escorte ins Erimiual abgesührt, wodurch die Volks- maffen bedeutend beruhigt wurden. Somit ist wenigstens nachträglich geschehen, womit man hätte beginnen sollen. Paris, 25. Juli. Das „Journal officiel" veröffentlicht heute einen sehr ausgedehnten Bericht des Marschalls Niel an den Kaiser, datirt vom 19. Juli, in welchem sich der Kriegsminister zunächst über die allgemeine Unzulänglichkeit der Zahl der Offiziere des Generalstabs für den Fall eines Krieges beklagt. Die Organisation des Jahres 1860, welche 35 Oder- sten, 35 Oberstlieutenants, 110 Escadrons - Chefs (Majore), 300 CapitainS und 100 Lieutenants, zusammen 580 Offiziere des Generalstabs normirte, sei selbst um 132 Offiziere geringer, als das Orga- nisations-Decret von 1818 für den Fall einer Mobilmachung von 300,000 Mann als nöthig angenommen hat, da dasselbe die Zahl der Generalstabs- Offiziere auf 112 festsetzte. Um diesem Ucbclstande nun abzuhelfen, ohne das Budget mehr zu belasten, schlägt der Marschall-Kriegsminister vor, die Zahl der jährlich zu den Generalstabsschulen zuzulassenden Jünglinge je nach Maßgabe der Umstinke, aber mindestens um die Hälfte des gewöhnlichen Bedarfs, zu vermehren; die so gebildeten O sizicre sollen dann nicht sofort in den Generalstab, sondern in die übrigen Truppentheile eintreten, und so gleichsam eine Reserve bilden, mit Hülfe derer im Fall einer Mobilmachung die Zahl der GcneralstabSoffiziere ange- jnoffen erhöbt werden könnte. Em dem Bericht an* -gehängtes Decret des Kaisers billigt denselben und ^verfügt die zu seiner Ausführung nothigen Einzelnbestimmungen. Ein anderes Decret des Kaisers beruft die Generalräthe des Reichs zu einer Session ein, die am 23, August beginnen und spätestens am 6. September schließen soll. Die Arrondiffements- räthe aller Departements vereinigen sich zu einer füngtägigen Session am 5. September. Dieses Decret hat für das ganze Kaiserreich Gültigkeit mit Ausnahme des Departements der Seine (Paris).— Der zum Nachfolger Benedetti's in Berlin disignirte Hr. Baukin ist gegenwärtig Gesandter Frankreichs tn Holland. Brest, 26. Juli. Sämmtliche Sektionen des Kabels, 3330 Meilen, sind nun aneinandergefügt. Die Leitung erweist sich als perfect. Madrid, 25. Juli. Die „Gaceta" bestätigt die Zerstreuung der Earlistenbande in der Mancha. Es herrscht Aufregung in mehreren Provinzialstävten; in der Hauptstadt blieb Die Ruhe ungestört. Die Negierung ist wachsam. Madrid, 26. Juli. Es wurde eine Verschwörung entdeckt, deren Zweck war, die Citadelle von Pampeluna in die Luft zu sprengen. Carliftische Priester, Offiziere und Agenten wurden dabei verhaftet. Vermischtes. Giessen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 22. Juli.) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Bogt, die Ge, meinderathömitglieder Löber, Felsing, Heß, Rosenberg, Ricker, Petri, Bücking, Haustein Gail, Wallenfelg und Silbereisen. Die durch den Transport des Gießapparatö von Darmstadt nach Gießen erwachsenen Kosten wurden zur Zahlung auf die Stadlkasse übecrommen. Auch wurde d'e Herstellung einer Hemmmaschine an dem Gießapparat genehmigt, ebenso die Aufstellung einer Pumpe an der Homberger'scheu Fabrik zur Beschaffung von Wasser zum Begießen der Hauptstraßen, dec Neuen Anlage, des SchoormegS von dem Neustädter - nach nach dem Selters - Thor rc. Der Kaufvertrag mit der Postverwaltung in Betreff deS hiesigen PosthaufeS wurde, nachden^ die Letztere auf den Vorbehalt des Rechts der Einfahrt als Servitut verzichtet, vom Gemeinterath unterzeichnet. Es wurde eine Commission, bestehend aus den Gememde- rathSmitgliedern Bücking, Hanstein und Ricker, gewählt, welche über die mangelhafte Beförderung von Fahrpoststucken mit der Main Weserbohn in Verbindung mit dem neuesten, der Stadt äußerst nachthciligen Fahrplan der Main-Weserbahn sich mit dem hiesigen Handelsvereine zu benehmen, und alsbald in die. ser Angelegenheit die nothigen Schritte zu thun hat. Der Gemeinderath lehnt den Antrag des Vorstandes der städtischen Feuerwehr auf Aussetzung eines dritten Stockes auf das Steighaus ab. Durch die Legung des Wegs am Langensteg veranlaßt, wurde beschlossen, den Ingenieur Lippold darauf aufmerksam zu machen, daß die Auf- bez ehungSweise Abfahrten über die Bahn mit demjenigen Gefäll angelegt werden muffen, wie dieß in Beziehung auf die Staatsstraßen vvrgeschrieben ist. Amerikanische Zustände. Ein Newyorker Journal bringt über die Räuberbanden, die in der Stadt New Orleans in förmlicher Organisation eristiren und ihr Handwerk treiben, und von denen eS unter Andern bekannt -ist, daß sie für Bezahlung die Verübung eines Mordes unternehmen, folgende Schilderung: „Es sind hauptsächlich Italiener und Spanier, welche diesen Banden angehören. Menschen, die wegen ihrer Ruchlosigkeit aus ihrer eigenen Heimath vertrieben und gewissermaßen als Abschaum hierher geworfen sind, für die ein Menschenleben genau so viel Werth hat, als das Leben einer Fliege, und bei denen die letzte Spur eines Gewissens schon vor Jahren verloren gegangen ist. Dieses Gesindel treibt sich in Massen in den Schlupfwinkeln und Spelunken des zweiten ! und dritten Districteö umher, ui.d durch dasselbe ist das Leben । fast eines jeden Burgers von New-OrleanS fortwährend direct oder indirect bedroht. Als Waffe dient diesen Mördern meistens der Dolch oder das Messer, da diese Instrumente am wenigsten Lärm machen. In manchen Fällen scheinen sie sich jedoch auch nichl vor dem Gebrauch von Feuerwaffen zu scheuen, und dann ist namentlich die fürchterliche „Blunder- büchse" ihr Lieblingsinstrument. — Man hat die Existenz dieser organisilten italienischen Mordbanden Hierselbst allerdings schon seit langer Zeit gekannt, aber niemals haben sich dieselben so bemerkbar gemacht, als seit den letzten neun Monaten. Keine Woche ist vergangen, ohne daß diese gedungenen Mör< der eine oder mehrere Schandlhaten verübt hätten, und nur selten ist ihnen eine solche mißglückt. Sie haben sich nicht gescheut, am Hellen, lichten Tage und an sehr lebhaften Orten ihre Mordangriffe zu machen und Morde zu verüben, wovon die Affairen am Poydrasmarkt, in der Dryadeöstroße, im La- fayette Square und an mehreren Plätzen in der unteren Stadt hinlänglich Zeugniß oblegen; gewöhnlich aber benutzen sie daS Dunkel der Nacht und entlegene Plätze als Bundesgenossen zur Verübung ihrer ruchlosen Pläne. — Die Frechheit, mit der diese Buben zu Werke geben, scheint auf den ersten Augenblick geradezu unbegreiflich zu sein; allein sie erklärt sich sehr leicht, wenn man bedenkt, daß eS nur in den wenigsten Fällen gelang, einen der Mörder zu verhafte«. Entweder waren diese zu flink, oder es fehlte unserer Polizei an Eourage, den Kerlen, deren Schlupfwinkel man doch gut genug kennt, ernstlich auf den HalS zu rucken. Und da «och niemals ein einziger dieser Gesellen bestraft worden, so ist eS sehr leicht begreiflich, daß die Zahl ihrer Schandlhaten schnell, erschreckend schnell znnimmr, uud daß sie sich nicht im Geringsten mehr scheuen, ihre Morde am lichten Tage zu verüben. Wird ja einmal ein solcher Bursche auf der That ertappt und verhaftet, so gelingt es der übrigen Bande nur zu leicht, ihn entweder durch Drohungen »der andere „überzeugende Argumente" zu befreien, und eS finden sich sofort schuftige, gewissenlose Advokaten genug, die ihre Talente und Kenntnisse der Ges.tzverdreherel dahin zu benutzen wissen, den Elenden den Klauen 'deS Gesetzes ;n entreißen. — Unbegreiflich ist nur die wahrhaft sündliche Gleichgültigkeit, mit der die Bewohner von New Orleans seit so langer Zeit auf daS ruchlose Treiben jener Leute blicken. Man scheint die drohende Gefahr, die über eines jeden Bürgers Haupte schwebt, nicht sehen zu wollen, oder ist ganz abge- stumpft dagegen. In einer so großen Stadt, wie New- OrleanS, gibt eS Tausende von schlechten und gefährlichen Eharakteren, die gerne den einen oder den anderen ihrer Mitmenschen auS diesem oder jenem Grunde aus dem Wege hoben möchten, die ober zu feig sind, oder zu viel „Gewissen" haben, um selbst einen Mord zu begehen. Wenn solche Menschen nun für 2 oder 5 oder selbst 20 Dollar mit Bequemlichkeit einen Mörder dingen können, der die gewünschte Arbeit prompt und ohne Lärm besorgt, wer ist da schließlich seines Lebens noch sicher? Schwebt der Dolch nicht fortwährend über Tausenden, die Besitzthum haben, oder die einen gewissenlosen Men» scheu zum Feinde haben? Und haben nicht zahlreiche Beispiele immer und immer wieder bewiesen, daß sich die Sache so verhalt? In welcher civilisirten Stadt der Erde könnte ein solcher Schreckenszustand auf die Dauer bestehen! (Lord Taunton f) In seinem 71. Lebensjahre verschied in London vor einigen Tagen plötzlich der erste und — in Ermangelung männlicher LeibeSerben — letzte Baron Taunton of Taunton. Interessant ist eine Geschichte, die man sich von seinem Vater erzählt, die Geschichte nämlich, wie dieser ein steinreicher Mann und mit dem House Boring verschwägert wurde. Sie lautet folgenderweise: „Peter Eaesar La- bouchore — so hieß der Vater deS eben Verstorbenen — diente als junger vermögensloser Mensch im weltberühmten, reichen Hause Boring. Durch sein angenehmes Wesen eroberte er sich Zutritt in den Familienkleis seines Chefs, und da er im Geschäfte tüchtig war, wurde er von diesem oft mit wichtigen Sendungen beauftragt, wie sie sonst nur vertrauten Bu- reau Chefs anvertraut zu werden pflegen. Eine derartige Mission führte ihn einmal noch Amsterdam zu dem berühmten Banquier Hope, der großes Gefallen an dem jungen Monn fand und diesem nach Abschluß deS Geschäfts, daS ihn herübergeführt hatte, die Versicherung gab, daß er sich's zum Vergnügen machen würde, „ihn in feiner Laufbahn nach Kräften zu poussiren." „Wenn Ihnen dieß recht ist", bemerkte der junge Laboucböre darauf, „dann bitte, machen Sie mich zum Compagnon in Ihrem Geschäfte." Der alte Hope, verdutzt über diese Unverschämtheit, hielt eS für seine Pflicht, den jungen Mann zurechtzuweisen. „Wie aber", entgegnete dieser, „wenn ich Schwiegersohn von Baring toäre?" „Schwieger- sohn von Baring! DaS freilich würde die Sache ändern. Als solcher sollen Sie in meinem Geschäfte herzlich willkommen fein. „Ein Mann, ein Wort," sagte der Andere und reiste nach England zurück. Wenige Tage später überraschte er seinen Chef mit dem Ansuchen, ihm die Hand seiner einzigen Tochter zu 'geben; er liebe sie und schmeichle sich mit der Hoffnung, ihre Zuneigung gewinnen zu können. „Junger Monn, ich achte Ihre geschäftliche Begabung; aber Sie sind verrückt, oder noch Schlimmeres," so ungefähr lautete die Antwort deS stolzen Banquiers auf die kühne Bewerbung. „Wie aber" — entgegnete der unerschütterliche Labouchvre — „würden Sie mir auch dann die Hand Ihrer Tochter verweigern, wenn ich Theilhaber der Firma Hope n. Comp. in Amsterdam wäre?" „Tas allerdings wurde die Sachlage ändern. Als Compagnon von Hope, junger Mensch werbe ich Sie von Herze« als meinen Schwiegersohn acceptiren." „Ein Mann: ein Wort," sagte der Andere, schrieb an Hope, daß ihm Baring'S Tochter zuge- sagt sei, documentirte vor Baring seine GeschüftöTheilhaber- schaft bei Hope, wurde darauf hin wirklich Hope'S Compagnon und Baring's Schwiegersohn und--die Moral mag sich jeder ehrgeizige junge Comptoirist selber zurechtmachen. In SO Togen um die Welk. Wenn man einige Tage für Aufenthalt rind Verspätungen zugibt, nimmt eine Reise um die Welt jetzt nur 80 Tage in Anspruch. Von Paris nach Newyork (Bahn und Dampfer) 11 Tage; von Newyork nach Sau Francisco (Bahn) 7 Tage; von da nach Vokuhama (Dampfer) 21 Tage; von Vokuhama nach Honkong (Dampfer) 6 Tage; von da nach Calcirtta (Dampfer) 12 Tage; von da nach Bombay (Bahn) 3 Tage; von da nach Ca ro (Bahn und Dampfer) 14'Tage, und von Cairo zurück nach Pans (Bahn und Dampfer) 6 Tage. Von der ganzen Route sind nur 140 (englische) Meilen — zwischen Alahabad und Bombay — ohne Dampfbesorderung, jedoch wird auch hier schon an einer Bahn gebaut. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Giessen.