h'"" 8tQnftt»U? be< hi * *rt r-L<> X'S*'. -isSi *S:S " 16.653.926 -? >6.464,253* j 6fMll 'ri‘*" k*« * '1869 9** ’• 9i,K£M Ä! ■Sillm,l * 11 nicht andern. Ech^S-) Sprechen on Mei« ewig Uog,Wn tn> Stammet, der nie ■’ ''-erben kann und ml ,dtn tiark, ist im "'Ke Ümigtatiun. '$. krachten die Polen - ba ha„g izteur.-Anstallen Und - prache unk ihr, Literair t hnjt fummmi stch k Mtii kommen, um e.'is iü lo»i'i xottitn. Nst ntetifd)« Hand M # tasten: der Brastliue^ ' ii doch noch in Lr a in Rußland Reichlhümer werdrr tii men, und jerrinaw isti ii ist in Paris stärker, ü it dieselbe auf das &r i Einguß geübt. 3n: liest man unjiblijel' wo: Mn spricht lr erricht, deutsches Binr Paris kommen, um c z t, fleine Leute, die 'i >Uen. jefcer Lums, k tu. Äu« diesem Sm> Äes Lbeater in Panis - deutsche Pariser Zellig ne Stube ihr Dasein r ter deutschen Schneid wacher ist in Paris gras j Hebt zumeist ein beutlh Pans kommen, ^brmzi pranMN sustonirer glatten md mW ' cintt jeglich« Untoj^ ui ibn TamilimM, » ;en einwandnnd, MM g. 3. t,**®' a,n 3«ir. <>. Killisch in Berlin, jetzt HI Ittel- l H strftsse ]¥r« n. — Auswärtige brieflich. Schon über Hundert geheilt. 4735) Die Mitglieder der oberhessischen Viehversicherungsgesellschaft werden zur Hauptversammlung auf Dienstag den 8. Juni d. I., Nachmittags 1 Uhr, zu Großh. Bürgermeister Jäger in Münzenberg eingeladen. Arnsburg, den 24. Mai 1869. Der Director: Gros. | ™ 1. Juni lM»s> S 5000 Gewinne, wobei 11. 150,000. 11 20.000. 2 ä fl 5,000. 10 ä 11. 1000 eie- ahw. bis II. 3. werden bei der am I. Juni 1869 stattfindenden ersten Ziehung der Amsterdamer ludastric-Palast-Anlehens-Loose gezogen. Die weiteren Ziehungen dieses aus 400,000 Obligationen bestehenden Anlehens finden innerhalb 61 Jahren Statt, und bieten Gewinne von ft. 100,000, 30,000, 20,000 u. f. w Ein ObligationS-Loos, von denen jedes unfehlbar mit mindestens fl. 3. — gezogen und zurückgezahlt werden muß, kostet ft. 3 — oder Rthlr. 1. 22 Sgr. Bei Abnahme von 100 Stück werden 100 verschiedene Serien zuge- theilt und tritt eine kleine Preisermäßigung ein. Die Geldbeträge können pr. Posteinzahlung remittirt werden. — Pläne und jede Auskunft gratis. Moriz Stiebet Söhne, Bank- und Wechsel-Geschäft in Frankfurt a. M. Z Zinherücher Garten. Samstag den 29. Mai: Grosses Militär Coocert, ausgeführt von der Capelle des Pommer'schen Füsilier- Regiments Nr. 34 in Frankfurt a. M-, unter persönlicher Leitung ibres Capellmcisters, Herrn A. Parlow. Anfang 5Vr Uhr. — Entree ä Person 24 fr. Billete ä 20 fr. sind bei den Herren Carl Roloff nnd Ph. Schlatter _______________________________zu haben.______________________________ Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mänsbnrg. Telegraphischer Schiffs bericht, mitgetheilt von Chr. Wallenfels Jun. Angekommcn in Rew-Ä)ork r Das Hamburger Postdampfschiff Hammonia, Reisedauer 10 Tage 14 Stunden. Das Bremer „ Deutschland, „ 11 „ — „ Wegen Auskünften und Passagen beliebe man sich an Obigen zu wenden. Abgehend : Den 2. Juni Dampfer Baltimore - - von Bremen nach Baltimore. ii i> „ Cimbria . . . „ Hamburg „ New-Pork. ft o. „ „ Hermann . - „ Bremen „ „ 7. „ Hecla..... Liverpool „ „ " 12. „ City of Dublin „ Antwerpen,, „ tt 15- „ „ Santos . . . „ Hamburg „ Rio de Janeiro. Telegraphischer Bericht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten C. W. Dietz. Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Hansa, am 8. Mai von Bremen abgegangen, ist am 23. Mai, Morgens 7 Uhr, wohlbehalten in New-2)ork angekommen. Das Dampfschiff des Nordd. Lloyd Leipzig, am 5. Mat von Bremen abge- gangcn, ist am 23. Mai, Mittags, wohlbehalten in Baltimore angekommen. (E i n g e s a n d t.) Einsender hörte neulich zufällig, daß die Aufführung des „Messias" den 22. Juni, am Abend vor der Feier des Gustav-Adolphs-Festes stattfinden solle, was derselbe nur für einen entschiedenen Mißgriff halten könnte. Viele Gäste werden an diesen Tagen hicrherkommen, die sich mit gleicher Liebe an beiden Festen betheiligen würden, wenn es ihnen möglich wäre. Aber man frage sich selbst, ob man in der rechten Stim- inung zur Feier des Gustav-Adolphs-Festes sein könne, wenn man am Tage vorher nicht blos einer längeren musikalischen Aufführung, sondern auch einem Balle oder Bankette beigewohnt hat? — Auf der andern Seite werden dann viese Besucher des Gustav- Adolphs-Festes auf einen großen musikalischen Genuß verzichten müssen. Denn die meisten derselben bleiben nach einer alten Festgewohnheit und bei nur einiger Entfernuug von der Heimatb der Natur der Sache nach zwar bis zum folgenden Tage da, zumal wenn ihnen ein so herrlicher Geistesgenuß geboten werden kann. Dagegen können es sehr Viele, besonders aus dem geistlichen Stande, nicht möglich machen, 3 Tage für jenes Fest zu verwenden, wie es die Aufführung des „Messias" am Dienstag den 22. Juni nöthig machen würde. Während es also vielen Besuchern des Gustav-Adolphs-FesteS auf diese Weise schwierig oder geradezu unmöglich gemacht würde, der Aufführung des „Messias" beizuwohnen, was nicht nur in pecuniärem, sondern auch in gastlich humanem Interesse gleichmäßig zu bedauern wäre, verschlägt eine Verlegung des Stiftungsfestes des Musikvereins auf Donnerstag den 24. Juni für die Besucher derselben nicht das Geringste. Wer von denselben blos dem letzteren Feste beiwohnen wollte, käme einfach am Donnerstag hierher, ohne sich an das kirchliche Fest zu stören; wer zugleich das Gustav-Adolphs-Fest besuchen will, braucht blos einen Tag früher hierherzukommen und der Feier desselben beizuwohnen. Auf diese Weise scheint dem Einsender das Interesse sowohl der beiden Feste als der beiderseitigen Festbesucher am besten gewahrt werden zu können, und er richtet daher im Namen Vieler an die maßgebenden und beschlußfassenden Herren die Bitte, die Aufführung des „Messias" auf Donnerstag den 24. Juni zu verlegen Die Aufstellung des Podiums in der Kirche und die Nummerirung der Plätze dürfte bei den langen Junitagen und einer ordentlichen Zahl von Arbeitskräften in Einem Tag ebenso gut möglich sein, als dies z B- beim Wormser Lutherfeste unter viel größeren Verhältnissen und bedeutenderen räumlichen Dimensionen in Bezug auf die Aufführung des „Paulus" der Fall war. Kietzen Um "ll Vopiig vel -B Einlaß Mik» W #J«8,t" Im digrußl 5)tr Finger t K/l mir eine Kreis mit erl schein abzw ' ,Es wo W nch zu lap. , in V' yi entsaften Zahm liefe folgtet Hein M Mi Münzen c nutzt den ! Well. Sc Waffen zu Nechtshande gleich seinen ist sein Lebt! vetG seinen Zügen hatte, ßch ni .heillileht oei öjsnete Vie 3 chaatkeile, ai ms den Tis Zügen!" - tat nahm es iHaud) Mi s mit der Ha herzlosen, n Vas mir dii hüllt mir v Mdk, kisk Kranlheit; tun getrau, frage seine lvanne, ed^ ßändigt. j Niederlage nicht unter Epsangenc Arbeit!" r i’if M »i. !* Jt, K-, Sotlii ** 3ü9til ""es Drin, seltsame •h. ^es (Sabine D'-se Unbe mit schrumpf/ die iK y^^erne, Mte '"Schatt? 1 Udl, 'Waben. 3a fl 'i.OOO, -fta* Mindestens st. 3 ^R'dlr. 1 «ne Serien ntQe. 1,1 gratis. p e, futl a. M. ,(frn Fiisilin- 1. M, ilnmstklg, 1 24 h. wb H. WG Edln-Milibem den Form , Tläubburg. (ft, I11 läge 14 Stunbta 11 . - „ Valnmork. New-Dor!- Rio de )aM°. tn ju wenden. t, 'ieh. toi von Bremen W ^orf mtlonnntn. Q! non St®101 MM" den 22.ZL n 'olle, was derB ste werden an W „ t £tb eiligen wurb‘i „ in btr rechten ei® nm läge vorher w ?SÄerM/ Vjudjer des E .N renn die me.1v n arr Entfern«« "'”Üm ottti ““’S®. '°"L 1 rtflfat «’ne te’Äi»t¥*2 ’S»*11# loer'er w an 1 ^am."> Auf dem Markt Auf dem Markt 22. 22. 25 125 Wicken. Aus dein IMM 2'12 '1|48^ 5 5 33 51] Normalgewicht per Dialter: WaizeN-2QQ^KorN-180^Gerste_16ch_Spelz-Und_Hafer^^ 1 4 M- Linsen. Auf dem dMrö Kartoffeln. AiMdemMit.- Feuilleton. Dir D 0 p p r t r h e. ♦ Frei aus dem Französischen, von Emma v. Nindorf. (Fortsetzung.) Um ein Uhr Morgens klopft? der angebliche Oberst Chabert an die Thüre des Aerrn Derville, Anwalt beim Tribunale erster Instanz im Seine-Departe- mens Der Thürsteher bedeutete ihm, Herr Derville sei noch nicht zu Hause. Als ter Greis sich mit der erhaltenen Bestellung ausgewiesen sah, trat er in die Wohnung des berühmten Rechtsgelehrten, der trotz seiner Jugend zu den hellsten Kopsen des Gerichtshofes zählte. Nachdem der zweifelnde Bittsteller geschellt und Einlaß gefunden hatte, fand er nicht -shne geringes Staunen den Ober- schreiber damit beschäftigt, auf dem Tische im Speisezimmer die zahlreichen Acten- stoße zu ordnen, welche den folgenden Tag an die Tagesordnung kommen sollten, ^ener begrüßte den Obersten auch etwas überrascht, und bat ihn, sich zu setzen. Der Kläger that eö. „Wahrlich, Herr, ich glaubte, Sie scherzten gestern, da Sie mir eine so ungewöhnliche Stunde zur Berathung bestimmten," sprach der Greis mit erkünstelter Heiterkeit, mit der Heiterkeit des Elends, das sich ein Lächeln abzwingt." Es war allerdings nur Scherz von den Schreibern ; doch sprachen sie auch wahr" nahm der Oberschreiber Vas Wort, ohne sich in seinem Geschäfte stören :u lassen. „Herr Derville setzte die Stunden fest für seine tiefsinnigsten Studien. ° Nur in der Stille dieser Augenblicke vermag sich sein reicher Geist ungehemmt iu entfalten und zu wahrhaft leuchtenden Gedanken aufzuschwl'Ngen. Seit sechs fahren liefern Sie das dritte Beispiel einer nächtlichen Berathung. Nach er- filater Heimkehr wird der Principal viMcht 4—5 Stunden lang, je nach Be- darf alles was vorliegt, durchsehen, erörtern, darauf mir klingeln und seine Erklärungen geben. Morgen von 10—2 Uhr hört er seine Clienten an und be- nutzt den Rest des Tages zu tausend Besprechungen. Abends gehört er der Welt. So bleibt ihm Denn nur die Nacht, um in seine Prozesse emzudringen, Waffen zu schmieden, Schlachtenplane zu entwerfen. Er möchte nicht Einen Rechtshandei verlieren, treibt seinen Beruf mit Leidenschaft und übernimmt nicht, gleich seinen Amtsbrüdern, jede Art Geschäft. Sehen Sie, so wundersam thätig ist sein Leben! Er gewinnt auch viel Geld." — Der Greis schwieg zu diesen Erläuterungen; aller Geist schien so sehr aus seinen Zügen gewichen, daß der Oberschreiber, als er den Ersteren angesehen hatte, sich nicht weiter mit ihm abgab. Noch einige Minuten verstrichen bis'zur Heimkehr des jungen Anwalts. Er war im Ballanzuge. Der Oberschreiber öffnete Vie Thüre,' und fuhr fort, jene Actenstöße zu orvnen. Derville riß eine Haarkette, an welcher ein Mevaillon hing, von der Brust, und warf es klirrend auf den Tisch. „Fort," sagte er halblaut, „fort mit den schönen, lügenhaften Zügen!" - Es war das Conterfer einer jungen, reichen Wittwe. Der Advo- cat nahm es wieder und betrachtete es noch einmal. „Ja," setzte er hinzu, „auch vaS Bild hat, wie Amalie, jenes gleißende Lächeln für Alle!" Er fuhr mit der Hand in die braunen Locken. „O, des seelenlosen Spieles, das sich diese herzlosen, reizenden Larven erlauben! Müde, übersatt bin ich von diesem Treiben, das mir Die Mitgeschöpfe nicht im besseren Lichte zeigt, wie mein Beruf: er enthüllt mir Die Untiefen menschlicher Natur; im lauten Leben lerne ich Die glänzende, eiskalte und glatte Oberfläche verachten." Derville litt auch an einer Krankheit; an Der Krankheit schöner Seelen, Denen aus Dem Weltspiegel statt Dem geträumten EbenbilDe eine häßliche Fratze entgegengrinzt, unD Deren Lebens- frage keine Antwort finDet. Bei Dem jungen Anwälte hatte sich Vas Herz, Vas warme, edelfühlenve, noch nicht recht mit vem DurchDringenDen, Hellen Kopfe verständigt. Der Kampf zwischen beiden, Den frieDlicher Vergleich, nicht Sieg oDer NieDerlage Einer Parthei, enDen soll; Der Kampf, in Dem nur Die Kräftigsten nicht unterliegen, Die Meisten es blos zum Waffenstillstanor bringen, Viele an empfangenen WunDen verbluten: war hier noch nicht ganz vertobt. „Arbeit, Arbeit!" rief Der junge Mann unD strich mit Der Linken über seine Stirne. „Arbeit soll Die müßigen Dünste verjagen!" Jetzt erst bemerkte er Die Anwesenheit eines Dritten, unD schien wirklich einen Augenblick betroffen, Da er im Helldunkel Den seltsamen Kläger gewahrte, Der seiner harrte. Oberst Chabert war so völlig regungslos, wie nur irgenD eine Wachsfigur des Cabinets Kurtius, in Das Der Dritte Schreiber seine Gefährten führen wollte. Diese Unbeweglichkeit müßte um so mehr überraschen, Da sie so sehr im Ein- klänge mit Der ganzen gespenstigen Erscheinung stanD. Der alte Krieger war verseh rümpft, mager, seine Stirne absichtlich unter Der langhaarigen Perrücke versteckt, Die ihm etwas Geheimnißvolles lieh. Wie nebelumflort schimmerten seine Augensterne, altem Perlmutter vergleichbar, Das mit bläulichem WiDerscheine im Kerzenlichte schillert; Das bleifarbige, scharfgeschnittene Gesicht; um Den Hals ein schlechtes, schwarzes SeiDentuch geschnürt; der übrige Theil des Körpers so ganz in Schatten gehüllt, daß lebhafte Einbildungskraft diesen alten Kopf für eine zufällig hingeworfene Silhouette, oder ein rahmenloses Bild Rcmbrandt's halten mochte. Der Hutrand, welcher tief in die Stirne gedrückt war, warf eine schwarze Furche über Den obern Theil des Antlitzes, unD Dieser schwarze Schatten bildete einen schroffen Gegensatz zu den weißen, starren Falten, dem farblosen Ausdrucke dieser Leichenmienen. Dabei weder Bewegung im Körper, noch Lebenswärme im Blick, wohl aber ein gewisser Ausdruck finstern Wahnsinns, entwürdigender Geistesabwesenheit — Grauen erregend! Indessen mochte ein scharfer Beob- achter, vorzüglich ein Rechtsmann, Spuren tiefster Schmerzen erkennen, welche diese Züge verheert hatten, wie Regentropfen mit der Zeit den schönsten Mar- mor aushöhlen. Dem Arzte, Schriftsteller oder Richter mußte sich im Anschauen dieser schauerlich erhabenen Linien ein ganzes Drama erschließen. Als der Unbekannte den Anwalt gewahrte, durchzuckte es jenen krampfhaft; er nahm schnell Den Hut ab, unD erhob sich, Den jungen Mann zu grüßen. Das Innere Des Hutes mochte wohl sehr beschmutzt und fett fein; die Perrücke blieb Daran hängen, ohne Daß es Der Alte bemerkte; ein furchtbar zerhauener SchäDel warD sichtbar; eine tiefe, röthliche Narbe, Die schräg vom Hinterhaupte bis zum rechten Auge lief. Die plötzliche Entführung Der unfaubern Perrücke, welche Der Aermste trug, seine WunDe zu verbergen, reizte nichts weniger als Die Lachlust Der beiDen Rechtskundigen: Der gespaltene Schädel war entsetzlich anzusehen. Unwillkürlich erweckte Der Anblick Dieser WunDe Den GeDanken : „das war die Bahn, auf welcher der Geist entfloh!" — „Oberst Chabert, oder ein arger Gauner!" dachte der Oberschreiber. „Mein Herr," sprach Derville, „wen habe ich die Ehre vor mir zu sehen?" — „Oberst labert." — Welcher?" — „Der bei Eylau blieb/ entgegnete der Greis. Der Blick, Den Schreiber und Advocat bei diesen Worten miteinander wechselten, hieß es so viel als: ein Wahnwitziger! „Mein Herr," begann der Oberst, „ich wünsche, Ihnen allein das Geheimniß meiner Lage anzuvertrauen." — Berner- kenswerth ist ein den Anwälten eigenthümlicher Muth. Sei cs nun Gewohnheit, vielen Menschen zu begegnen, Ueber^eugung, unter dem Schutze Der Gesetze zu stehen, Amtsvertrauen : jene Dringen, gleich Priestern unD Aerzten, furchtlos überall ein. Herr Derville gab BoucarD ein Zeichen; Dieser verschwand. „Mein Herr," Hub Der Anwalt an; „ich geize bei Tage nicht allzusehr mit meiner Zeit; Nachts ist mir aber jcDc Minute kostbar. Also kurz unD bündig, ohne Umschweife zur Sache. Ich werde selbst Erläuterungen verlangen, wo sie mir nöthig scheinen. Reden Sie." — Nachdem er seinem Clienten einen Sitz angewiesen hatte, ließ er sich am Tische nieder unD blätterte in seinen Acten, lieh aber Dabei dem Obersten aufmerksames Ohr. „Mein Herr," sagte der Verstorbene, „Sie wissen wohl, Daß ich bei Eylau ein Cavallerieregiment befehligte? Auf meine Rechnung kommt ein Antheil von Dem glücklichen Erfolge bei Murat'S berühmtem, entscheidenDem Angriffe. LeiDer ist mein ToD geschichtliche Thatsache, aufgezeichnet in unfern „Schlachten unD Eroberungen", unD daselbst umständlich berichtet. Wir durchbrachen Drei russische Reihen, Vie, alsbalv von Neuem sich bilvenv, uns zwangen, sie nach entgegengesetzter Richtung wieder zu zersprengen. Als wir eben, nach Zerstreuung der Russen, zum Kaiser zurückflogen, stieß ich auf einen Haufen feindlicher Reiterei. Ich warf mich auf die Starrköpfe. Zwei russische Offiziere, wahre Riesen, griffen mich zu gleicher Zeit an. Der Eine führte gegen meinen Kops einen Säbelhieb, Der Durch alles, sogar durch die schwarze Seidenmütze Drang, welche ich trug, unD mir Die Hirnschale tief spaltete. Murat kam auch noch zu Hülfe: Weg ging es über mich, er unD Die Seinen, fünszehnhunDert Mann — Kleinigkeit! Mein Tod ward Dem Kaiser hinterbracht; aus Vorsicht (er mochte mich leiDen, Der Herr!) wollte er wissen, ob es ganz unmöglich sei, Den Mann zu retten, Dem er Den kräftigen Angriff dankte. Er sandte noch zwei Wundärzte aus, um mich zu suchen und in'S La- zareth zu bringen; sagte ihnen, vielleicht zu nachlässig, Denn er hatte Arbeit: „geht Doch, seht, ob mein armer Chabert nicht zufällig noch lebt!" Die verdammten Carabiner, Die eben erst gesehen hatten, wie Die PferDe zweier Regimenter über mich hinbrausten, hielten es sonder Zweifel für überflüssig, mir Den Puls zu fühlen, unD erklärten, daß ich toDt sei. Die Urkunde über mein Verscheiden wurde demnach vermuthlich nach allen Regeln Der Militärjustiz abgefaßt." — Als Der junge ADvocat sich überzeugte, tote fein Client mit so völliger Klarheit wahrscheinliche, wenn schon seltsame Thatsachen berichtete, ließ er seine Acten liegen unD sah, Den linken Arm auf Den Tisch, Den Kops in die Hand gestützt, unverwandt nach Dem Obersten hin. „Wissen Sie," unterbrach er ihn, Daß ich Sachwalter Der Gräfin FerrauD bin, Der Wittwe Des Obersten Chabert?" — „Meiner Frau! Ja, Herr. Nach hunDert vergeblichen Versuchen bei Rechts- kunDigen, Die mich alle für wahnsinnig hielten, entschloß ich mich, Sie auszu- suchen. Von meiner unglücklichen Lage nachher. Lassen Sie mich erst Die Thatsachen orDnen; ich kann in Den meisten Fällen nur annehmen, wie sich jene aller Wahrscheinlichkeit nach aneinanDer reihen mußten. Gewisse UmstänDe, Die nur Der Dort oben kennt, veranlassen mich, Manches nur als Vermuthung hinzustellen: So mögen also Die Wunden, welche ich erhielt, vielleicht einen Starrkrampf verursacht haben, oder eine CrisiS, Der Krankheit ähnlich, Die man, glaube ich, Ca- talepsie heißt. Wie wollten Sie es sich sonst erklären, Daß ich nach KriegSge- brauch meiner Kleiber beraubt und in Die SolDatengrube geworfen wurde, Durch Leute, Denen Das BeerDigen Der ToDten obliegt? Es sei mir gestattet, hier NebenumstänDe zu berühren, Die erst nach jenem Ereigniß, das ich wohl meinen Tod nennen muß, zu meiner Kenntniß kamen. Im Jahre 1814 traf ich zu Stuttgart einen alten Quartiermeister meines Regiments. Der gute Mann, Der Einzige, Der mich roieDer erkennen wollte, — ich tocrDe sogleich auf ihn zurück- fommen — erklärte mir das Wunder meiner Erhaltung: mein Pferd erhielt eine Kugel in Die Seite, im Augenblicke, wo ich selbst sank. Roß und Reiter überschlugen sich also wie Kartenkönige. Beim rechts oder links Stürzen ward ich zweifelsohne durch Die Leiche meines PferDes gedeckt, unD konnte so weder von Nossen zerstampft, noch von Kugeln getroffen werden. Ich kam in meiner Lage, in einem Dunstkreise, wieder zu mir, wovon ich Ihnen kein Bild zu entwerfen vermöchte, wenn ich auch bis morgen davon erzählte. Verpestet war Die Luft, welche ich athmete. Ich wollte mich regen, und fand nicht Raum dazu. Nichts sah ich, da ich Die Augen bffhete. (Forts, folgt.) Darmstadt, 24. Mai. Die Stempelabgaben sollen für vie Justizverwaltung, gesetzlicher Bestimmung zufolge, in der Höhe erhoben werden, daß hierdurch die Kosten der Justiz gedeckt werden können. In Nheinhessen ist der Ertrag jedoch weit höher, als zu diesem Zweck erforderlich; in den beiden anderen Provinzen wird der Bedarf durchschnittlich durch den Ertrag nicht gedeckt. Der Abgeordnete George hat deßhalb den Antrag gestellt: Die Staatsregierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, wonach in den drei Provinzen des Großherzogthums die Sporteln und Stempelabgaben gleichmäßig vertheilt und nach preußischer Art erho- ben werden. Darmstadt, 25. Mai. Die Kammer erklärte in ihrer heutigen Sitzung die Ergebnisse der Der- waltung der Staatsschuld in den Jahren 1863—65 für gerechtfertigt und stellte an die Großh. Regierung folgendes einstimmiges Ersuchen: 1) die Verwaltung der StaatSschulden-Tilgungskasse zu veran- lassen, hinsichtlich aller Depositen, welche 20 Jahre ober länger hinterlegt sind, ohne daß ihre Erlcdi- gung in Anregung gekommen ist, die Deponenten, oder, wenn tue Hinterlegung von einer Behörde aus- gcgangen ist, diese rcsp. das Ministerium, in dessen Ressort diese Behörde gehört, auszuforbern, das De- positum zu erledigen, und im Fall die Vermuthung begründe! ist, daß das deponirte Object herrnlos geworden fei, das Großh. Finanzministerium zur Wahrung des fiscalischen Interesses davon in Kennt- niß zu sitzen, auch 2) den Ständen vom Erfolg demnächst Kenntniß zu geben. Auf diese Weise wird, wie der Bericht berechnet, eine Summe von 120,000 fl. dem Fiscus zufallen. Berlin, 24. Mai. Der „Staatsanzeiger" enthält eine Verordnung des Präsidiums des deutschen Zoll- und Handelövereins, durch welche das Zoll- parlamcnt auf den 3. Juni einberufen wird. — Wie in Abgeordnetenkreisen verlautet, soll der Schluß der Reichslagviession mit dem Zusammentritte des Zollparlaments nicht erfolgen, sondern der Reichstag während der Sitzungen des Zollparlamcnts weiter tagen. Berlin, 24. Mai. In der heutigen 21. Sitzung des Bundesraths, in welcher der Bundeskanzler den Vorsitz führte, ^folgte die Vorlegung des Berichts der Bundesfchulden-Commission über die Verwaltung des BundesfchuldenwefenS im Jahre 1868, sowie der Mitthcilungen des Präsidenten des Reichstags über a) die Zustimmung des Reichstags zu dem Gesetzentwürfe, betreffend den außerordentlichen Geldbedarf zum Zwecke der Erweiterung der Bundes- kriegsmarine u. s. w.; b) die Beschlüsse des Reichstags zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Portofreiheit; c) die Beschlüsse des Reichstags zu dem Gesetzentwürfe, beir. die Beschlagnahme des Arbeite - und Dienstlohnes; d) die Beschlüsse des Reichstags zu zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Einführung der allgemeinen deutschen Wechselordnung u. s. w. als Bundesgesetze; e) die Beschlüsse de« Reichstags zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Cautionen der Buntesbeamten; f) die Beschlüsse des Reichstags zu dem Wahl- gesetz für den Reichstag; g) die Beschlüsse des Reichstags zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Errichtung eines obersten Gerichtshofes für Handelssachen; h) den vom Reichstage beschlossenen Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Art. 4 Nr. 9 der Bundesverfassung; i) die Zustimmung des Reichstags zu dem Postver- trage mit tem Kirchenstaat; k) den Bejchluß tes Reichstags, betr. die Vorlegung eines Gesetzentwurfs über Erwerb und Verlust des Staatsbürgerrechts; I) den Beschluß des Reichstags, betr. die Gleichstellung der Hajtpflicht der Eisenbahnen mit der Haftpflicht der anderen Frachtführer; m) den Beschluß des Reichstags über Petitionen, betr. vie Mecklcn- burg-Schwerin'fche Virfassungsangelegenheit; n) den Beschluß des Reichstags über eine Petition, betr. die Haftpflicht der Bahnverwaltungen ihren Beamten rc. gegenüber; o) den Beschluß des Reichstags über eine Petition, betr. die öffentliche Sittenlosigkeit. Die Vorlagen des Präsidiums, betr. 1) den Gesetzentwurf über die Stempelsteuer von Quittungen; 2) die am 12. Mai v. I. unterzeichnete Literarconvention mit Italien; 3) den Ankauf eines Grundstückes für das Consulat in Belgrad wurden den betreffenden Ausschüssen überwiesen. Es folgte demnächst die Be- rathung über die Beschlüsse des Reichstags bei der zweiten Lesung der Gewerbeordnung und mündliche Berichterstattung der betr. Ausschüsse über a) den Beschluß des Reichstags, betr. die Aufhebung der akademischen Gerichtsbarkeit; b) die Beschlüsse des Reichstages zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Einführung des allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches Redaction, Dr und der Wechselordnung als Bundesgesetze; c) die Beschwerde des Straube im Gräfenrode wegen Iu- ftizverweigerung; d) die Beschwerde des Advokaten Reincke in Schwaan wegen Iustizverweigerung; e) Vorlegung von Eingaben. Berlin, 25. Mai. Der Reichstag genehmigte । beute in erster und zweiter Lesung die Uebereinkunft des norddeutschen Bundes mit der Schweiz wegen des gegenseitigen Schutzes der Rechte an Kunstwerken und Literaturerzeugnissen. Hierauf folgte die dritte Berathung der Gewerbeordnung. Der Antrag, die Paragraphen 7—9 der Regierungsvorlage wieberherzustellen, mit der Maßgabe, daß die Aufhebung der noch bestehenden ausschließlichen Gewerbe- Berechtigungen, Zwangsrechte und Dannrechte, mit Ausnahme der Abdeckereien, vom 1. Januar 1877 an, statt 1875 stattfinbe, wurde, nachdem Delbrück die Zustimmung der Regierungen ausgesprochen, angenommen. Pesth, 21. Mai. Ministerpräsident Graf Julius Andrassy wäre am 17. d. beinahe das Opfer eines unglücklichen Zufalles geworden. Er ritt in der Umgebung von Ofen spazieren, und als er eben an dem Friedhof vorüber kam, rasselte ein Todten- wagen aus der Pforte desselben hervor. Das Pferd des Ministerpräsidenten überschlagt sich, wirft den Reiter ab und fällt selbst zu Boden. Der Todten- wagen fährt gerade auf den Gestürzten zu, und wenig hätte gefehlt, so wäre der Reiter sammt dem Rosse überfahren worden. In dem Momente der höchsten Gefahr gelang es dem Bereiter Anvrassy's, das Fuhrwerk zum Stehen zu bringen; der Ministerpräsident konnte sich wieder erheben, Vas Roß besteigen und langsam nach Hause reiten. Da er jedoch sowohl beim Falle sich verletzte, als auch von dem mit den Beinen um sich schlagenden Rosse mehrmals getroffen wurde, so mußte er, zu Haufe angelangt, in kalte Tücher gehüllt werden, und dieser Behandlung ist es zu danken, daß der Unfall feine weiteren schädlichen Folgen hatte. Paris, 24. Mai. Die Wahlen gehen überall in großer Ordnung unter starker Betheiligung der Wähler vor sich. In Paris hat etwa die Hälfte der Wähler gestern abgestimmt. Die Enthaltungen von der Abstimmung werden voraussichtlich wenig zahlreich sein. Paris, 25. Mai. Gesammtresultat der Wahlen : RegierungS-Candidaten wurden gewählt circa 20U, der radicalcn Opposition angehörende 26, zur Mittelpartei gehörige 10. Ballotagen finden 59 statt; von speciellen Wahlresultaten ist noch Folgendes zu erwähnen: Glais-Bizoin ist unterlegen, ebenso Bancel im Departement du Drome. Zwei Legitimisten wurden gewählt, einer in Morihan und Maiue et Loire. Vermischtes. Gießen, im Mai. Unsrem jungen Landsmann, dem Großherzoglich Badischen Hof-Eapellmeister, Hermann Levi zu Karlsruhe, dem Sohne des Großh. Rabbinen Dr. Levi dahier, ist kürzlich doppelt hohe Ehre und Anerkennung zu Theil worden. Seine König!. Hoheit der Gioßherzog von Baden Haden ihm nämlich vor etlicher. Monaten in Folge höchst gelungener Aufführung der Wagnerischen Meistersinger einen kostbaren Brillantring mit Seiner Namenschiffre überreichen lassen, und dieser Tage ihm, in Folge eines glänzenden Rufes von Wien auS, der an ihn ergangen war, den er aber ausgeschla- gen hat, das Ritterkreuz erster Classe Seines Zähringer Lö- wenordenS verliehen. Darmstadt, 22. Mai. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben gnädigst geruht, den Oberforstsecretär Braun durch allerhöchstes Decret vom 19. d. M. zum Mitglied und Rath der Ober-Forst- und Domänen-Direction mit dem AmlS- titel „Oberforstrath" und den Rentamtmann des Rentamts Langen, Schenck, durch allerhöchstes Decret vom 20. d. M. zum Mitglied und Rath derselben Behörde mit dem AmtStite „Oberdomänenrath" zu ernennen. * Berlin, 19. Mai. Die achtzehnte allgemeine deutsche Lehrerversammlung wurde am Dienstag, den 18. Mai, früh 9 Uhr, in der festlich geschmückten Turnhalle bei einer Theil- nahme von weit über 2000 Personen durch den Schulvorsteher Bohm eröffnet. Unter den Anwesenden sah man auch den Kultusminister v. Mühler. Bohm begrüßt die Bersammlung in Berlin, wo die Manen der größten Pädagogen sie umwehen, Stadt-Schulrath Fürbringer heißt sie Namens der städtischen Schuldeputatioa willkommen, Stadtverordneten Vorsteher Kochhann im Geiste der deutschen Forschung und der deutschen Vaterlandsliebe. — Nach Gonstituirung des BüreauS (Hoff, mann Hamburg, Bohm-Berlin und Bornemann-Leipzig) begannen die Vorträge, Rektor Seyffahrt (Luckenwalde) spricht unter lebhaftem Beifall über „Preußen und die Pädagogik", wird aber von Schäfer (Berlin) heftig angegriffen wegen des in dem Vortrage wehenden theologischen Geistes. Die Versammlung gibt während der Rede Schäfers, sowie seines Nachfol« gers, deS pietistische» Missionspredigers Hildebrand (Berlin) ihre Bei- resp. Mißfallsäußerungen in so geräuschvoller Weise kund, daß lange vor Klärung der Ansicht der Schluß der De. batte herbeigefuhrt wird. Hoffmann (Hamburg) spricht über den Satz: „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei in Beziehung auf die Volksschule." Er verlangt die Volksschule als Eigenthum des ganzen Volkes, nicht als einer politischen Partei. „Man soll uns keine Regulative vorschreiben, denn wir t und Verlag bet Brl'lhl'schen Druckerei (Fr-. Ehr. Pie acceptiren nur diejenigen Beschränkungen, welche durch päda- gogische Rücksichten geboten werden; für uns ist jedes Kind ein Selbstzweck." Er schlägt folgende 6 Thesen vor, die nach kurzer Berathung fast einstinimig angenommen werden: 1) die bisher in vielen Seminarien geübte willkührliche Beschränkung der Lehrerbildung ist verwerflich; 2) die Wahl der Methode deS Unterricht« und der Lehrbücher ist den Lehrern selbst zu überlassen, jede Uniformirung der Schule in dieser Beziehung verwerflich; 3) das Schulgesetz muß ein Minimum der Leistungen festsetzen; es darf aber keiner Schule verwehrt sein, über diese« Ziel hinauszugehen; 4) die Verwaltung der Schule darf nur unter Mitwirkung pädagogisch gebildeter Männer geschehen, die Aussicht über die Schule ist nur durch Schulmänner zu üben; 5) die Schule ist nicht Sache einer religiösen oder politischen Partei, sondern Sache des ganzen VolkeS; 6) das Korrektiv in Schulsachen ist die unbedingte Oeffentlichkeit. Zn der zweiten Hauptversammlung am Mittwoch hielt Wichard Lange (Hamburg) einen anziehenden Vortrag über das Thema: „Die Schule des erziehlichen Princip«". Redner verlangt größere Auseinanderhaltung der Volksschule und der rein wissenschaftlichen Anstalten. Die Frage, ob Religion in der Schule getrieben werden solle, bejaht Redner insofern, al« nur das, was die Menschen vereint, nicht das, wa- si, trennt, den Kin- ddr» veranschaulicht werden solle. — Di« Debatte schließt mit einer Resolution, die das Ertheilcn von Militär-QualificationS- Attesten Seitens der höheren Schulen für unzweckmäßig erklärt. Zum nächsten Versammlungsort wird Wien erwählt. Berlin, 20. Mai. Zn der zweiten Hauptversammlung des deutschen Lehrertages hielt Lüben-Bremen einen Vortrag über die „Bedeutung des Lesebuchs in der deutschen Volksschule". Er rügte daS unmittelbare Folgen der Bibel auf die Fibel, sondern fordert allgemein als verbindendes Mittelglied ein vom idealen Standpunkte aus entworfenes Lesebuch, welches die besten Produkte unserer klassischen Literatur enthalten müsse. Eine bestimmte religiöse Färbung des Lesebuchs sei unbedingt zu verwerfen, da daS zum Gewissenszwang führe, und es müsse der Lehrer bei Einführung eitles neuen Buche« gehört werden. Holscher-Hildeöheim beklagt die Octroyirung eines bestimmten Lesebuchs für die Volksschulen, die Hannover schmerzlich habe erfahren müssen, sie sei ein ArmuthSzeugniß für die ganze Leh, rerschaft. Er beantragte eine Erklärung des Lehrertags, daß die Einführung eines Lesebuchs nur nach Wahl der Lehrer und Gemeinden erfolgen könne. Unter den übrigen Rednern über diesen Gegenstand erregte Missionslehrer Hildebrandt-Berlin offe. nes Mißfallen, als er betonte, die Regierung habe die heilige Pflicht, die Schule zu beaufsichtigen, Uebelstände zu rügen und den Lehrer zu maßregeln. Tie Lehrer sollen ja nicht so hoch hinaus gehen, selbst über die Schule befinden zu wollen. Ein Lesebuch, welches auch dauernden Werth sür di« Familie hat, könne nur das ächte deutsche Volksbuch, die Bibel, sein. Der deutsche Lehrer habe die Aufgabe, dieses Universalbuch in die Familien einzufuhren; jedes andere Lesebuch solle nur zum Ver« ständniß der Bibel dienen. Petsch-Berlin hält eS für Zeitverschwendung, wenn man die Bibel als einziges Volksbuch prei- sen wolle und verlangt für die unteren Klaffen Lesebücher mit guten Bruchstücken aus der deutschen Literatur, für die höheren Klaffen größere, einheitliche Produkte aus derselben. Heinrich- Prag erklärt, die Oesterreicher seien auf dem Gebiete der Schule freier als die Preußen, sie hätten zwar ein octroyirteS Lesebuch, aber keine Regulative. Krämer-Marburg sagt, Oesterreich dürfe auf seine Schulgesetzgebung stolz sein, in jedem Schulrath fitzen die Lehrer und diesem steht allein die Bestimmung über die Lehr, mittel zu. Aus der blutigen Saat von 1866 sei für Oesterreich das freieste Schulgesetz entsprungen. Lüben hält es für unerläßlich, daß neben der Gemeinde und dem Lehrer auch die Negierung bei Einführung eines neuen Lesebuchs gehört werde, und tadelt die von Hildebrandt herbeigeführte DiScussion der Bibel. Der Holscher'sche Antrag wird abgelehnt und die Sitzung geschloffen. Berlin. GlaSbrenner'S Berliner MontagSzeituug gibt der Stimmung über den wachsenden Steuersegen in folgenden Versen einen den Umständen nach recht launigen Ausdruck: Es ist bestimmt im hohen Rath, Daß man von Allem, was man hat. Gibt Steuern. Du zahlst von jedem Gegenstand Ein Pflichttheil deinem Vaterland, Dem theuern. Du ißt und trinkst ein Gläschen Wein, Du rauchst in deinem Kämmerlein, So einsam. Es steht der Staat an deiner Thür Und ißt und trinkt und raucht mit Dir Gemeinsam. Er kommt gefälligst in dein Haus, Zählt freundlich die Familie ans, Nach Köpfen. Um zu dem Heil für Seel' und Leib Kind, Kutscher, Köchin, Mann und Weib Zu schröpfen. Theilnehmend prüft er den Besitz, Ob Schulden dich und Deficit's Belasten. — Darum verschweig' ihm keine Last, Und sag' ihm deutlich, waS du hast Zm Kasten. Von Geld und Gold, von Schaaf und Schwein, Don Spiritus, von Bier und Wein, Vom Brode. Von Seid' und Zwirn, von Knopf und Band Gib dem geliebten Vaterland ’ne Quote. Der Staat, er braucht es nicht zum Staat, Wenn er den Steuerapparat Läßt rollen! D'rum sollst du, wenn er, was ihm taugt. Mit Gier in alle Poren saugt, Nicht grollen. Drum klage nicht und zage nicht. Und drückt der Steuern Vollgewicht Auch bleiern, Als Deutscher denke früh und spat. Daß wir auf einen großen Staat Los — steuern! in (Steffen.