Preis vierteljährlich 36 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 fr. Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentlich drei» mal: Dienstags, Donnerstag« und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Ltt. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen. Mx. VN. Dienstag den 24. August 186V. ____ Amtliche Bekannt mschANgerr. B e k a n n t m a ch u n g. Den praktischen Veterinärarzt Dr. Lorenz zu Giepen haßen wir zum Fleischbeschauer für die Stadt Gießen bestellt, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Gießen, den 16. August 1869. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. G o l.d IN a n n. aschkessel Knpserne CO in Vermieth ungen ;tm= it zu 1 36 16 allen Größen bei August Schlessinger. 7122) Ein Haus mit Werkstätte, im Mittelpunkt der Stadt gelegen, ist zu verkaufen- Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. Neue holländische Vollharrnge sind eingetroffen bei (7119) I- A- Busch Söhne. 7107) Eine kleine Familienmohnung ist an eine stille Familie zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 7106) Zwei Logis sind zu vermiethen bei Louis Flett, im Schwanen. Feilgebotenes. 7141) Künstliche Dünger, Incarnat- Kleesamen bei Emil Pi stör. werden. Voranschläge und Bedingungen können vom 23. l. Mts. an in unserem Geschäftslocale eingesehen und die Offerten von da an bis zum 26. l. Mts-, Vormittags 10 Uhr, daselbst eingereicht werden. Dieselben müssen verschlossen und mit der Aufschrift: „Submission für Arbeiten in dem Garnison-La- zarethe zu Gießen", unter Bezeichnung der betreffenden Arbeit, versehen sein. Zur Eröffnung der Submissionen wird Termin auf , _ Donnerstag den 26. August L I-, Vormittags 10 Uhr, in unserem Geschäftslocale anberaumt, welchem die Interessenten beiwohnen können- Gießen, den 17. August 1869. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. ________Holzapfel.__ Vergebung von Bauarbeitern 7024) Nachstehende, bei Anlage einer Ventilation in dem hiesigen Garnison-Laza- rethe vorkommenden Arbeiten und Lieferun- Versteigerungen. Arbeitsversteigerung bei der Stadt Gießen. 7146) Freitag den 27. August 1869, 4 des Morgens 9 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause nachfolgende Arbeiten an den Wenigstfordernden verge- Mobilien-Versteigerung. 7135) Donnerstag den 26. August L I-, Morgens 8 Uhr anfangend, sollen in der Wohnung des verstorbenen Johannes Seipp TL dahier die zu de sen Nachlaß gehörigen Mobilien, erbverther- lungshalber, freiwillig versteigert werden, Wagen, 1 Pflug, Ketten, 1 Futterbank und sonstige Oeconomie-, Hausund Küchengeräthe allerlei Art. Annerod, am 22. August 1869. Jacob Keßler, Curator. 7132) Eine frische Sendung von Häringen empfiehlt 'Fr. Bieler, am Kreuz. Rath und Hülfe für Drezeltlgen, welche an Gesichtöschwäche leiden und namentlich durch angestrengtes Studiren und angreifende Arbeit den Augen geschadet haben. 7123) Seit meinen Jugendjahren hatte auch ich die leidige Gewohnheit, die Stille der Nacht wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen. Sowohl hierdurch, als durch viele angreifcnde optische und feine mathematische Ausführungen war meine Sehkraft so sehr geschwächt, daß ich um so mehr den völligen Verlust derselben befürchten mußte, als sich eine fortwährende entzündliche Disposition eingestellt hatte, welche mehrjährigen Verordnungen der geschicktesten Aerzte nicht weichen wollte. Unter diesen betrübenden Umständen gelang es mir, ein Mistel ;u finden, welches ich nun schon seit 40 Jahren mit dem ausgezeichnetsten Erfolge gebrauche. Es ist nicht allein sene fortdauernde Ent- zünduug vollständig beseitigt, sondern auch meinen Augen die volle Scharfe und Kraft wiedergegeben, so daß ich jetzt, wo ich das 75ste Lebensjahr antrete, ohne Brille die feinste Schrift lese und mich, wie in meiner Jugend, noch der vollkommensten Sehkraft erfreue. Dieselbe günstige Erfahrung habe ich auch bei Andern gemacht, unter welchen sich Mehrere befinden, welche früher, selbst mit den schärfsten Brillen bewaffnet, ihren Geschäften kaum noch vorzustehen vermochten. Sie haben bei beharrlichem Gebrauche dieses Mittels die Brille hinweggeworfen und die frühere natürliche Schärfe ihres Gesichts wieder erlangt. Dieses Waschmittel ist eine wohlriechende Essenz, deren Be- standtheile die Fenchelpflanze ist. Dieselbe enthält weder Drastica und Narcotica, noch metallische oder sonstige schädliche Bestandtheile. Die Bereitung der Essenz erfordert indessen eine verwickelte chemische Behandlung, und ich bemerke daher, daß ich dieselbe seit längerer Zeit in vorzüglicher Güte von dem hiesigen Chemiker, Herrn Apotheker Geiß, beziehe; derselbe liefert die Flasche für einen Thaler, und ist gern erbotig, dieselbe nebst Gebrauchs - Anweisung auch auswärts zu versenden. Ich rathe daher den Leidenden, die Essenz von hier zu beziehen, indem eine solche Flasche auf lange Zeit zum Gebrauche zureicht, da nur Weniges, mit Flußwasser gemischt, eine milchartige Flüssigkeit bildet, womit Morgens und Abends, wie auch nach angreifenden Arbeiten, die Umgebung des Auges befeuchtet wird. Die Wirkung ist höchst wohlthatig und erquickend, und erhält und befördert zugleich die Frische der Hautfarbe. Es wird mich freuen, wenn vorzüglich Denen dadurch geholfen wird, welche bei dem rastlosen Streben nach dem Lichte der Wahrheit oft das eigene Licht ihrer Augen gefährden und einbüßen müssen. Vielleicht kann auch durch den Gebrauch dieses Mittels das leider in der jungen Welt so sehr zur Mode gekommene, entstellende Brillentragen vermindert werden, da dieses in den meisten Fällen die Augen mehr verdirbt als verbessert. Brillen können nur einer fehlerhaften Organisation des Auges zur Hülfe kommen, aber nie gesunde oder geschwächte Augen stärken und verbessern. Aken, a. d. Elbe. l>r. Romershaufen. Depüt der ächten Dr. Romersh ausen'schen Augen-Essenz bei Herren Müller K Schwager in Gießen. in allen Sorten, trocken so- oin Din wohl, als auch mittelst Dampfkraft auf's Feinste in Oel abge- rieben, Broncen, Blattgold, Maser- walren, alle Sorten Firnisse empfiehlt Emil Fischbach, (7143) Seltersweg. Zimmerarbeit, „ „ 112 Dachdeckerarbeit, „ „ 35 Schlosserarbeit, „ „ 2 Gießen, den 21. August 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Freiwillige Versteigerung. 7112) Dienstag den 31. August, Nachmittags 2 Uhr, lasse ich meinen „Gasthof zum Adler mit allen dazu gehörigen Grundstücken, zusammen oder getrennt, auf hiesigem Rathhaus meistbietend versteigern. Ernst Pitthan. 32 „ - 8 „ 12 ben werden, als; Maurerarbeit, veranschl. zu 12 fl. 30 fr. li „ Schreinerarbeit, „ Schlosserarbeit, „ Weißbinderarbeit, „ Lieferung v. Oefen, „ „ 106 „ — „ sollen auf dem Submissionswege vergeben Bekanntmachung, die gesetzlichen Forderungen an Studirende aus dem Sommer-Semester 1869 betreffend. Die tn diesem Sommer entstandenen gesetzlichen Forderungen an Studirende müssen bis zum 29. September d. 3. mittelst specisteirter Rechnungen zur Anzeige gebracht und länaftenS bis zum 13. November d. I. geltend gemacht werden, widrigenfalls dieselben den ihnen durch Art. 136 der Statuten zugewiesenen Vorzug verlieren. Gießen, den 19. August 1869. Grobherzogliches Universitäts-Gericht. (7142) Haberkorn. 0 m m. 7113) Ein Familienlogis im Hinterbau, bestehend aus 4 ineinandergehenden mern, Küche, Kammer und Zugehör, ist vermiethen bei H. M. IngHardt. gen, und zwar: Maurerarbeit, veranschl. zu 26 fl. — kr. 38 „ — „ 6658) Ein möblirtes Zimmer mit Ca- bimck ist in einer freundlichen Gartenwohnung zu vermiethen und alsbald zu beziehen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 7149) In meinem Hause auf dem Seltersberg ist eine große und eine, kleine Familienwohnung zu vermiethen. I. Ferber, Wittwe. 7127) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und Anfangs September zu beziehen. Eduard Plank, Marktplatz. 7121) Neue Anlage, in H. Becker's Nebenhaus, ist die Mansarden-Wohnung, bestehend aus 7 Pieren, Küche und Bodenkammer, nebst allen Bequemlichkeiten, bis September zu vermiethen. 7114) Eine anständige Familie wünscht ein Zimmer nebst Cabinet, mit oder ohne Möbel, an eine einzelne Dame zu vermiethen. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. 7136) In Lit. C. Nr. 144, Tiefenweg, ist ein Familienlogis zu vermiethen und am 1. October zu beziehen. 7147) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei Kraus köpf, Hofgerichtsadvocat. 7117) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei C h r. Reiber, am Kreuz. 7120) Das seither von Herrn Heinz bewohnte Mansarden-Logis im Vorderhaus, bestehend aus 4 Zimmern, Küche, Magd- und Bodenkammer, nebst Wasserleitung und allen Bequemlichkeiten, ist durch dessen Wegzug im September zu vermiethen. H. Becker, Neue Anlage. Vermischte Anzeigen. 7148) Ein Sonnenschirm ist letzten Samstag auf dem Wochenmarkt bei einem Verkäufer stehen geblieben, und kann der Eigen- thümer denselben gegen Erstattung der Jn- seratgebühren in Empfang nehmen bei I. M. Schulhof. 7105) Ein Kindermädchen wird zum sofortigen Eintritt gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. 7137) Bei Gelegenheit der letzten Clubpartie am 11. August ist auf der Gallerte des Zinßer'schen Saales ein braunseidener Damen-Regenschirm vertauscht worden. — Man bittet, denselben bei Kaufm. Pi stör abzugeben. 7131) Der dritte Stock meines Hauses, bestehend aus 4 Zimmern, Küche mit abgeschlossenem Korridor, sowie 3 bis 4 Man- sarden-Zimmern, sind zusammen oder getrennt zu vermiethen. Fr. Bieler, am Kreuz. 9139) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und den 1. November beziehbar bei L. Klinkel. Eine möblirte Stube nebst Cabinet ist zu vermiethen im Brühl'schen Hause, am Brand. 7144) Einmachefsig, Pcraamentpapier empfiehlt Emil Fischbach, Seltersweg. 7140) Krame r'scbes Iagdpulver, Pa- tentfchrot, Zündhütchen, Lcfaucheux- Patroncn, Pfropfen empfiehlt EmilPistor. 7118) Heu, Korn-, Warzen- und Hafcrstroh ist zu verkaufen bei F. Zülch Wittwe. A uffordern n g. 7145) Alle Diejenigen, welche noch Forderungen an mich zu machen haben, werden ersucht, solche innerhalb 14 Tagen bei mir geltend zu machen. C. Viering, Hotel zum Prinzen Carl. Grosse garanürte Gcldverloosung. 7133) Win 20. September d. I. beginnt die vom Staate eingerichtete und aarantirtc große Gcldverloosung, worin: 25,300 Gewinne mit zusammen 3 Millionen 677,400 Thaler zur Entscheidung kommen. Hierzu kostet ein ganzes Voo» 2 Thlr., „ halveH „ I „ „ Viertel „ V2 ,, diese versenden wir auf vorherige Einsendung des Betrages mit amtlichem Plan, und nach Entscheidung sofort die betreffende Liste. Gewinngeldcr zahlen ivir gegen Einlieferung der Trefferloose sofort baar aus, uud berufen uns aus unsere bekannte reelle Geschäftsführung. Unter den größeren Gewinnen figurircn folgende: 2MI.000. 150,00(1». 100.000. 50,000. l0,000. 25,000. 2 ü 20,000. 3 ü 15,000. 3 i. 12,000. 1 ä 11,000. 5 >. 10,000. t " 8,000. 5 » 0,000. 11 n 5,000. I 11 4,000. 20 u 3,000. 131 ü 2,000. 0 1,500. 5 ä 1,200. 150 11 1,000. 200 11 500 rc. rc. Mit dem Verkaufe dieser Loose sind wir betraut worden und wolle man bei Bc- stcllnngen sich direct an uns wenden. Beträge können der Postersparniß halber auf Postanweisungen machen, wobei um deutliche Adresse der Absender bitten. S. X. llelirens «fe ('<>., Bank- und Wcchsclgeschäft in Ilnmhiu-K* 7151) Dienstag den 24. August. Geijllichis ^rgekoncert in der hiesigen Stadtkirche imd) classischem Programme. Anfang 4 Uhr Nachmittags. Oeffnuug der Kirche 3/44 Uhr. ' Eintrittspreis nach Belieben. Programme beim Eingänge. Sparruth, sind, iheol. 7138) Unter dem Ehren Präsidium des Bundeskanzlers Grasen von Bismarck Excellenz. — —। t ■ 1 ■ 'm ■ t Vom ~ / • August bis 27. September geoff' nct, mit Biel) Ausstellung 3. bis 7. Sept., Belocidepenreiten am 10. Sept., Trabrennen l 11. bis 12. Sept., Hunde-Ausstellung 18. ere b(ö 22. September. Diese Ausstellnng wird an Umfang nur übertroffen durch die Weltausstellungen in London und Paris. Sic zählt an 3000 Aussteller. — Personelle Partoutkarten für die ganze Jifliiq- 6 Thaler. Ciilinjche Feuer -Vcrstcherungs - Gesellschaft C o I o 11 i a. 6994) Der Geschäftsstand der Gesellschaft crgiebt sich aus nachstehenden Resultaten des 9technungs Abschlusses pro 1868: Grunb-Cäpital..........st. 5,250,000 Prämien und Zinsen Einnahme für 1868 (excl. der Prämien für spätere Jahre) . . . „ 2,206,034 Gesammelte Reserve . <.......„ 3,251,442 st. 10,707,476 Versicherungen in Alraft am 31. Decbr. 1868 fl. 1,239,194,082 Zur Vermittelung von Versicherungen bei dieser Gesellschaft gegen feste und müftige Prämien empfehlen sich bestens Darmstadt, im Angust 1869. Die General-Agentnr: I. (S. Kahlert 8? Söhne. Die Agenten der Gesellschaft: Friedr. Barth in Gießen, Ehr. ftiinF in Hungen, Carl Löffler in Gambach. 7152) Zwetschen, in der gegenwärtigen Reife begriffen, werden zu hohem Preise gekauft. Näheres zu erfragen auf dem L e n z'schen Felsenkeller. 7iso) Verloren wurde am Sonntag, den 22. August, Nachmittags, ans dem Wege von der Schloß gaffe bis an den Markt ein Prcuß. 5 Thaler Schein. Der redliche Finder wird gebeten, denselben gegeli eine angemessene Belohnung an die Exped. d. Blttü. abgebcn zu wolle«. 7108) Ein Dienstmädchen wird zum so sortigen Eintritt gesucht. Wo? sagt dic Exped. d. Bltis. 7115) Eine gebildete Dame wünscht ein langes Mädchen, welches seiner weiteren Ausbildung wegen gesonnen ist, sich längere Zeit dahier anfzuhalten, in Pension zu nehmen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 7150) Aus Michaeli wird in eine kleine Haushaltung ein braves Dienstmädchen gc sucht. Näheres bei der Expedition dieses Blattes. 7126) Die Willi)schuft auf der T er t 0 r'scheu Hardt ist geschloffen. 7123) Es wird ans Michaeli ein brave« Dienstmädclien gesucht. Vou wem? sagt die Erpcd. d. Bltts. Lurnnerein. 7110) Dienstag den 21. August, Abends präciü 9 Uhr: Generalversammlung in der Turnhalle. Tagesordnung: Besprechung deS Vertrags mit der Stadt und etwaiger Acndc rungen desselben. Der Vorstand. 7125) Ein braveS Dienstmädchen wird gesucht bei _________________Cd. Silbcrctseu. 7128) Ein braves Dienstmädchen, welches mit allen häuslichen Arbeiten umzugehen versteht, wird auf Michaeli in Dienst gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Bl. 7116) Eine stille Familie sucht ein kleines Logis, womöglich in der Nähe des Bahnhofs. Näheres zu erfragen bei Herrn L. Katt rein.__________________________ 7129) Eine Hausmagd, die eine Kuh versorgen und im Garten arbeiten kann, wird gegen hohen Lohn in Dienst gesucht. Eintritt sofort- Näheres bei der Exped. d. Bltts.________________________________________ 7023) Ein Oeconomie - Lehrling, der die nöthigen Schul- und Vorkenntnisse besitzt, wird auf eine Oeconomie im Kreise Grünberg gesucht. Nähere Auskunft giebt I. Peters hier. Freiwillige städtische Feuerwehr. 7153) Mittwoch den 25. l. Mts., Abends 9 Uhr: Generalversammlung im Darmstadter Haus zur Besprechung über das Fest. Gießen, den 23. August 1*69. Der Vorstand. <* erma 11 ia5 Lrlmisvrrsichrrunfls - Aitirn - Grsrtl! chast in Stettin. Grund-Capital..............Gulden 5,250,000. Reserven Ende 1868 ............. „ 5,316,206. Seit Eröffnung des Geschäfts bis Ende 1868 bezahlte Versicherungssummen........... „ 4,477,401. Versichertes Eapital Ende Juli 1869 ...... „ 90,169,457. Jahres-Einnahme.......... . . „ 2,841,554. Im Monat Juli sind eingegangcn 2482 Anträge auf- „ 2,208,054. Mäßige Prämicnsähc. Schleunige Ausfertigung der Policen. Darlehen auf Policen. Prompte Auszahlilng bei Todesfällen. Gegen Kriegsgefahr kann bei Ausbruch eines Krieges versichert werden. Für die Versicherung von dienten bietet die Gesellschaft dic vortheilhaftesten Bedingungen. Prospecte und Antragsformulare gratis durch: Ga. PH. Fillmann in Gießen, PH. Zimmer in Lich, Rechner Schmidt in Londorf, 3. Henrich in Lang-Göns, Balth. Seibert in Wieseck. Neuer Turnverein. Generalversammlung Dienstag den 24. d. Mts., Abends 8 Uhr, bei Herrn W. MoSlcr. Tagesordnung: Berichterstattung. — Vorstandüwabl. — (Die bis zum Abend des 20. d. Mts. Angcmeldcten sind ausgenommen.) (7109) 7112) (Sin Kindermädchen wird gesucht. Von wem? sagt die Expev. d. BlttS. Für die hungernden Israeliten in Rußland sind weiter eingegangcn: von den Herren: I. Br. 1 ft. 30 fr., N. N 1 fl., Frl. v. M. 1 fl. 40 fr., von einer christlichen Familie 5 fl., von mehreren Israeliten in Gießen, gesammelt durch Herrn I. Rothschild 44 fl. 45 fr., durch Herrn Dr. Levi 10 fl., von den Mitgliedern der Israel. Gemeinde in Großen- Buscck: von den Herrn 9L 9L 1 fl. 45 fr-, Moses Katz 00 fl. 00 fr., Bär Wallenstein 36 fr-, Isaak Rosenberg 1 fl., Bär Bürlin 36 fr., Hei um Hinderland 1 fl.. Meier Waldorf 36 fr., David Wallenstein 1 fl., Herz Wallenstein I. 24 fr., Hirsch Rosenberg 36 fr., Simon Grünewald 1 fl. 45 fr., Löb Grünewald 1 fl., Herz Wallenstein II. 36 fr., Evraim Grünewald 1 fl., Moses Wallenstein 36 fr., Jonas Freimarf 1 fl. 30 fr., Frl. Hanne Wallenstein 36 fr., Feile Blondheim 12 fr. Wittwe Weill 18 fr. Summe 79 fl. 1 fr' Zur Empsangnahine weiterer Gaben sind wir ferner gerne bereit. Die Exped. d. Gieß. Anz Für die Hinterlassenen der verungßückten Bergleute im Plauen'schen Grunde sind weiter eingegangen: von den Mitgliedern des Stenographen - Vereins 9 fl., Ungenannt aus Trohe 30 fr., von Herrn H. W. 18 fr., Frau Rudolph 2 fl., A. R. 3 fl. 30 fr., S. 1 fl., durch Herrn Dr. Levi 5 fl., von den Steigern und Arbeitern des Gießener Braunstein-Bergwerks gesammelt 34 fl. 21 fr., von Herrn Maschinenführer Wehrum 1 fl., Dr. H 1 fl. Summe 57 fl. 39 fr. Weiteren Gaben sehen wir entgegen. Die Exped. d. Giesi Anz. Industrie-Ausstellung in Altona Projeftirt war die Ausstellung Anfang März, demnach wurde eine mäßige LandeS- AussteUuug erwartet, jetzt ist daraus volle Jnternationalität eutstanden. Bei über 2300 Ausstellern der Jndustriebranche und über 200 in der Viehabtheilung, mit über 800 Stück Pferde und Vieh nächst vielem Geflügel, ist außerdem eine Abtheilung für Hundeschau mit 400 Thieren in Aussicht gestellt. Die Größe des Platzes, dicht an der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn gelegen ist IV2 Million Quadrat-Fuß, davon wurden bebaut mit drei großen und vielen Heinere» Gebäuden eine Bodenfläche von reichlich 300,000 Quad.-Fuß, wozu noch eine große Restauration, mehrere Bierpavillons, Eonditorcien, Delifatessenbandlungcn u. s. w. kommen. In der Mitte des Raumes sind Gartenanlagen mit Wasser und Fontainen angebracht. Laut Programm findet die Eröffnung am 27. August statt. Die Viehausstcllung wird am 3. September eröffnet und dauert bis 7. September Abends, am 10. September Mittags Velocipedenrennen, am 11. und 12. September Trabrennen und Fahren, am 18. September Eröffnung der Hnndeausstellung bis 22. Abends dauernd. In den letzten Tagen werden Proben mit Maschicnen gemacht. Die Züge der Verbindungsbahn halten am Eingänge zum AuösteUungsfelde an. Extrazüge aus allen Gegenden sind in Einrichtung. Wohnungen besorgt die Firma O. Burghagcn zu mäßigen Preisen. Telegraphischer Bericht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten C. W. Dietz. Das Postdampfschiff des Rordd. Lloyd „New-Aork", am 4. August von Bremen abaegangen, ist am 19. August, 2 Uhr Morgens, wohlbehalten in New-York an- gckommen. Borsrnuaihrhhlen. 21. August 1869. Preuss. 4t/a0/0 Obi. 93 Frankf. 3* 1,a% Obi. 80*/ß Nass. 4« ao 0 Obi. 92»/* Kurh. 40/g Obi. 855/g Hess. 40/g Obi. b. Roths. 91V* n 3l/,0/g <10. do. 871/* Bayer. 5% Obi. 101 Vs n 4Va% 1jährige 94»,g „ 41/a% ' ziiihrige 94 Vs Wiirtemb. 4*/a0 0 Öbl. 927/s Baden 4V2o,0 Obi. 0. KL. 93 V* Oestr. 5°,o b. R. 59 Vs „ 5% National 57 „ 50/0 Metall. Obi. — „ M. steuerf. 52Vg Amor. 60 ,» 1882r Bds. 88* * „ 60/0 1885r 87 Adle». Frankf. Bank 1213/g O03ter. Bank 740 n Creditaot. 291 * 2 Darmst. Bankact. 316 Prioritiite». 5(l/o östr. F. St. E. B. 393 Vr Ludwigsh.-Bexbaidi 168 Maxbahn 106 Vs Bayer. Ostbahn 129 liess. Ludwigsbahn 141 * 4 3% östr. Stsb.-Prior. 585/ti 3°/o östr. s. Lombard. 5O3/8 3% Livornoser 33 Va Tosoaner 54®/* Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 98 50/0 Elisabeth-Prior. 76V* do. II. Emiss. 737/b Anleheiulooae. Kurh. 40 Thlr. Loose 57 Nassau fl. 25 b. Roth. 40V* Gr. Hess. fl. 50 b. R. 177 Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 40 0 bayr. Präm. Anl. 1O5®,8 40/g badische Loose 1031 2 Badisclxe fl. 35 Loose 57 •/* 1858r Prioritiitsloose 157 1860r Loose 83 1864r „ 119 Wechsel. Amsterd. k. S. 1001/* Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 97Vx Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 88V* Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 120 Lyon k. 8. — Paris k. 8. 95Hg Wien k. 8. 96 V* Disconto 3*/a % G. tieldsorten. Pr. Cass. Soh. 1 447/s-45Va Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 581 ,-591 1 Pistolen . 9 48-50 „ doppelte 9 49-51 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Duoaten . 5 37-39 20 Frankenst. 9 32-33 Engi. Souver. 11 56 ä 12 Russ. Imper. 9 49-51 Doll, in Gold 2 28-29 zu ver- Abkunft sprechen obgleich seiner verstorbenen Schwester, als einen kostbaren Schatz, den sie durch Aufopferung ihres Lebens für ihn erkauft, und die arme kleine Hyacintha wurde die Adoptivtochter des Herrn von Bergen. Sie war ein ganz wunderliches kleines Mädchen mit rosigen Wangen, rothen, schwellenden Lippen, blauen Augen und goldenen Locken und sprach keine Sylbe schwedisch, sondern nur französisch, sehr stark mit Wörtern einer Sprache vermischt, die schlechterdings Niemand im Hause, selbst nicht einmal der Baron, der doch Frankreich und die meisten europäischen Länder bereist hatte, stehen vermochte. Felicie erklärte inzwischen, das Kind müsse jedenfalls von hoher sein, denn die Kleine pflege von ihrer Mama als „la Princesse“ zu und häufig nach ihrem weißen Pony und ihren Mädchen zu fragen. Außerdem wer auch der Anzug, in welchem sie an'S Land gekommen, durch Seewaffer verdorben, von sehr kostbarem Material und ihre Wäsche mit den feinsten Spitzen besetzt gewesen. Die beiden Knaben beteten Vas Kind förmlich an und Hyacintha war, sobald sie groß genug wurde, der steten Aufsicht ihrer Wärterin weniger zu bedürfen, fast st?ts in ihrer Gesellschaft anzutreffen. Bisweilen ritt sie, die Aermchen um Bertholv's Hals geschlungen, auf seinem Rücken auf dem großen, schönen Rasenplatze vor dem herrschaftlichen Hause umher, bisweilen wiegte der ältere der beiden Zwillingsbrüder sie auf dem Knie und erzählte ihr Feenmärchen, während ihre großen blauen Augen in kindlicher Verwunderung und hohem Entzücken an seinem Antlitz und Munde hafteten. Nur eine einzige, jedoch auch sehr ernste Sorge verursachte sein Adoptiv- töchterchen dem Baron. Felicie theilte ihm nämlich mit, daß seine Schwester ihr strenge eingeschärft habe, über Die religiöse Erziehung des Kindes zu wachen. Die Mutter war katholisch gewesen, Hyacintha selbst durch die Taufe in die Kirche von Rom ausgenommen worden und Mathilde von Bergen hatte das feste Versprechen gegeben, die Kleine ebenfalls in diesem Glauben aufzuziehen. „Bei uns zu Hause wird vaS allerdings seine Schwierigkeiten haben, Felicie," hatte die gute Dame dabei gegen ihr Kammermädchen bemerkt. Bergen gerieth über diese Mittheilung in nicht geringe Verlegenheit. Die Wünsche seiner Hingeschiedenen Schwester waren ihm heilig, er selbst dabei aber eifriger Protestant, und es wollte ihm sündhaft erscheinen, das arme Kind in der Religion erziehen zu lassen, die er schlechterdings nur für eine irrthümliche ansehen konnte. Doch Mathilde hatte einmal ihr Versprechen gegeben und dieses mußte auf alle Fälle erfüllt werben. Hyacintha wurde also dem Unterrichte Felicien's übergeben, bis sie endlich ein Alter erreichte, welches cs nöthig machte, eine Gouvernante für sie zu enaagiren. Dann nahm Bergen, obgleich erst nach vielen Seufzern des Widerwillens und unter bitteren Klagen gegen Willert, eine Französin für diesen Posten in's Haus, deren Anwesenheit dort aber so herbe Scenen und ärgerliche Auftritte verursachte, daß er sie so schnell, wie sich dies thun ließ, in ihr Heimathland zurücksandte und den Lehrer seiner Söhne aufforderte, den Unterricht der Kleinen mit dem der Knaben gemeinschaftlich zu übernehmen. Eine ganz bedeutende Gehaltserhöhung unterstützte dies Verlangen, dem der Informator denn auch entsprach. Hyacintha wurde von ihm mit dem Knaben zusammen unterrichtet bis diese auf das Gymnasium der nächsten Stadt geschickt wurden, und bann allein. Als balv darauf aber auch Willert das Haus seines Gönners verließ, um ruvörderst noch auf der Schule, dann jedoch auf der Universität auch fernerhin die Leitung der Privatstudieu seiner Zöglinge zu übernehmen und sie endlich auf Reisen zu begleiten, mußte für Hyacintha nothwendlger Weise noch einmal eine Gouvernante engagirt werden. Ein Glück war es für das junge Mädchen, daß Madame Winter sich in jeder Beziehung der Wahl des Informators für diesen Posten würdig bewies, denn unter ihrer Leitung verwandelte sich Hyacintha'S etwas wildes, knabenhaftes Wesen allmälig in weibliche Grazie, bildete siich nach und nach das feinste Gefühl für zarte Sitte und Anstand in ihr aus. Ohne irgend welche nennenswcrthe Ereignisse in der Familte des Barons rollten so vierzehn Jahre dahin. r , ,, , Endlich kehrte Karl von Bergen, der ältere der beiden Zwillingsbrüder auf das Gut zurück, dessen einziger Erbe, da es Majorat war, er als Stammhalter der Familie einst werden sollte, um dort, Mit Unterbrechung einiger Monate jährlich, die er in Berlin zuzubringen gedachte, für die Zukunft gänzlich seinen preußischen Militärdienst und stand in einer der südlichen Keilunaen dieses Staates in Garnison. Willert, der alte Informator, lebte noch immer auf dem Gute und ward jetzt die rechte Hand, der vertraut- Freund und^ stete Gefährte des Barons. In dem schönen, alten Speisezimmer der herrschaftlichen Hauses saßen an einem herrlichen Junitage der Baron, der Informator und Hyacintha bei der roar so eben erst halb vier Uhr, die Sonne strahlte hell und freundlich durch die bemalten Scheiben des südlichen Fensters des Gemaches und goß ein rosiges Licht über die schneeige Stirn des Mädchens und das Silberhaar des guten alten Barons aus. Ja, Hyacintha ist wirklich zu einer seltenen Schönheit herangewachsen. Dir Namenlose. Novelle von Theodor König. (Fortsetzung.) DaS Geheimniß ihrer Herkunft schien auf immer bei Arcona im Meere begraben zu liegen. Sie war augenscheinlich von den Ihrigen verlassen und gänzlich der Barm- Herzigkeit der Familie, in deren Mitte das Schicksal sie in so seltsamer Weise geführt, überantwortet. Der Baron betrachtete sein Pflegekind als ein geheiligtes Vermächtniß Ihr Teint von der zartesten, durchsichtigsten Klarheit, Vas reiche, nußbraune Haar quillt üppig unter einem coquetten Käppchen hervor. Ihr Kleid, von elegantem Zitz, mit langem Leibchen und einem Besätze kostbarer Spitzen, umfließt von der schlanken Taille an den ebenmäßigen Wuchs in werten, zierlichen Falten. Ihre großen, sanften Augen blickten mit dem Ausdrucke dir Unschuld ruhig und rein wie die eines Kindes in die Welt hinaus, Das rosige Mündchen wölbte sich zum schalkhaften und piquanten Bogen und die kleine zierlich geschnittene Nase ist relroussö zu nennen. Der gute alte Baron sah trotz der seit dem Beginne unserer Erzählung über seinem Haupte dahingezogenen vierzehn Jahre noch immer wohlerhalten und rüstig aus. Eine größere Veränderung ist mit Willert, dem würdigen Informator, vorgegangen, wiewohl seine Jahre die des Barons lange nicht erreichten. Seine Gestalt ist hagerer, fein ganzes Aussehen bedeutend älter geworden, obgleich er in seinem Wesen noch immer so einnehmend und liebenswürdig zu sein vermag, wie einst, wo er überhaupt einen angenehmen Eindruck hervorzubringen wünschte. Ein Phyfiognomist würde freilich dessenungeachtet sein Gesicht keineswegs ein durchaus Vertrauen erweckendes genannt haben. Carl von Bergen pflegte zu sagen, die Natur selbst habe dem biedern und gewissenhaften Informator schon durch die Stellung seiner Augen einen schlimmen Streich spielen wollen, denn diese lagen ganz merkwürdig dicht neben einander. Im Zustande der Ruhe trug das Gesicht einen scharfen, habichtähnlichen Ausdruck, "obgleich dieser, wenn er redete und seine Zuhörer freundlich und günstig für sich stimmen wollte, außerordentlich sanft zu werden pflegte. So eben war das Dessert aufgetragen und Hyacintha begann mit den zierlichen Fingern die schönen süßen Erdbeeren auf ihrem Teller in die Sahne zu tauchen. „Glaubst Du, daß Berthold und Carl heute Abend noch nach Hause zurück- kehren werden, Papa?" fragte sie,dabei. „Ich hoffe es, liebes Kind," war die Antwort. „Wie unendlich lange es doch schon her ist, seit wir den Heben guten Berthold zuletzt sahen," für das junge Mädchen fort. „Ich glaube fast, er wird mich gar nicht einmal wieder erkennen. Meinst Du nicht auch, Papa?" „Nun, stark gewachsen bist Du allerdings, Du kleiner Schelm," entgegnete Bergen lächelnd, indem er an seinem Glase nippte. „Er wird nicht wenig verwundert sein, statt des kleinen Fräuleins Cynthia eine so reizende Dame wiederzufinden," bewerte Willert scherzend. Sie schlug ein leichtes, musikalisches Gelächter auf. „Ich möchte mich ihm wohl unter einem anderen Namen vorstellen lassen, um wich zu überzeugen, ob er mich wirklich noch wiedererkennt," sagte sie schalkhaft. „ . „Er wird wahrscheinlich selbst nicht minder.verändert fein wie Sie, gnädiges Fräulein," warf der Informator hin. „Auch städtische und militärische freiere Sitten wird er sich natürlich angenommen haben." „Nun, bei Gott, das möcht ich doch nicht wünschen, ich hoffe vielmehr, das alte bittere, treuherzige Wesen an ihm wiederzufinden," fiel der Baron heftig ein. „O, das wirst Du auch sicherlich, Papa" sagte Hyacintha sehr eifrig. '„Ich bin ganz fest überzeugt, unser Berthold wird gewiß eben so schwer zum faden Gecken werden, wie der ehrliche Fivo hier zum schwanzwedelnden Schooßhündchen." Bei diesen Worten streichelte sie den Kopf eines mächtigen Hundes, der neben ihrem Stuhle saß. „Nun, ich werde dies Glas auf Bertholv's Wohl leeren, Cynthia! Wirst Du mir Bescheid thun?" t Hyacintha hielt Dem Informator ihr Glas hin, Der es füllte, dann stieß sie mit Dem ihres Pflegevaters zusammen. „Auf Bertholv's Wohl!" flüsterte sie, nippte und erhob sich Dann mit Den Worten: _ „Heute aber darfst Du mir nicht zu lange beim Weine sitzen, Denn Du mußt'mich auf einem Spaziergange begleiten, um Den Brüdern entgegen zu gehen !" „So blieb mir Denn wohl Nichts weiter übrig, wie Dir zu gehorsamen, Du eigenwilliges Kind," lächelte der Baron. „Ich werde zu guter Zeit bei Dir sein." „Dank, Dank!" entgegnete sie. „Ich wünschte, Papa, Du trankest gar keinen Wein mehr," setzte sie Dann auf Dem Wege zur Thür, neben ihm auf einen Augenblick ihren Schritt anhaltend und ihn auf die Stirn küssend, hinzu. „Du wünschtest, ich tränke niemals Wein? Sag' doch einmal, Kind, ist Dir das Köpfchen denn plötzlich verwirrt geworden?" entgegnete Bergen verwundert. , „Nein, mein Kind, Landedelleuten und Jägern kann es nun einmal nicht anstehen, gleich den Feen, von welchen Du mir früher so häufig erzähltest, den Durst mit Thau zu stillen." „Nun, heute aber wenigstens wirst Du thun, warum ich Dich bitte," sagte Hyacintha und schritt mit einer leichten Verbeugung gegen Willert, Der Die Thür für sie geöffnet hielt, zum Zimmer hinaus. Die junge Dame zog sich aus Dem Speisezimmer in ein Sommergemach mit einer Glasthür zurück, welche auf einen großen Rasenplatz des Parktes hin- ausführte, und nahm ihren Platz in einem tiefen, offenen Fenster, durch welches sich ein frischer, sanfter Lufthauch hereinstahl, Der Die Düfte von hundert ver- schiedenen Blumen auf seinen Fittigen trug. Sie nahm ein Dort neben ihr liegendes Buch aus und öffnete es, während sie sich mit Dem Taschentuche Kühlung zufächelte. Mochten ihre Augen aber auch Dann und wann auf die gedruckten Lettern niedersinken, sie blickten noch häufiger gedankenvoll zum Fenster hinaus in's Weite, fast als bemühten sie sich, in der Zukunst zu lesen, in jener Zukunft, von welcher Die Jugend stets gerne so reizende Träume von Freuden und Erdenglückseligkeit träumt. (Fortsetzung folgt.) a u 0 c K.1 jöctrc * Der Prc 3 I ijr Ä Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. r,L ! 4 Besor 7203) Ergänze gm'cht b( tat Quar 161 12 61 98 45 1 7264 'M V\W Nc von Fcue Gurten,! Sclbstreti Kappen i V Holzv D- ju Gunst Su Gv ■ilerti'* Uhl»- 7183) L , v foll in d lm Loüj verzeichnt dm, als <’/•€ Aus deren Gen zu ermiltel Grundstück der Bescha gung vmv Vermischtes. Darmstadt, 19. Aug. Daö heute erschienene Regierungsblatt Nr. 38 enthält: I. Publikation des zwischen dem deutschen Zoll- and Han- delöverein und der Schweiz abgeschlossenen Handels- und Zoll- vertrageS. Derselbe tritt bekanntlich mit dem 1. Sept. l. I. in Kraft. II. Ermächtigung zur Annahme eines fremden Ordens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigft geruht: am 2. Aug. dem Großherzogl. Professor Dr. I. A. Bullers zu Gießen die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen dcs ihm von Sr. Heil, dem Papste Pius IX. verliehenen St. Silvester-Ordens, genannt „goldene Miliz", zu ertheilen. VII. Crtheilung eines Erfindungspatentes. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigft geruht: am 12. Äug. dem Eduard Amand Robert D'Kur- court zu Paris auf dessen Nachsuchen ein Erfindungspatent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterten Apparate zur Mischung von Gasen fue die Verbrennung und Beleuchtung unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das verliehene Patent Niemand in der Anwendung bereits früher schon bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des GroßherzogthumS zu ertheilen. IV. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigft geruht: am 2. Aug. dem Schulamts-Aspiranten Dl unk aus Friesenheim die erledigte vierte evangelische Schulstellt zu Mainz, — und dem Schulamts-Aspiranten Pabst aus Bönstadt die erledigte evangelische Schulstelle zu Gumbsheim zu übertragen; — an demselben Tage den Gymnasial-LehramtS-Accesfisten Dr. Weiffenbach auS Bornheim zum Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen, — und am 3. Aug. den Hauptzollamts-Asfistenten 1. Elaste bei dem Hauptzollamte Darmstadt, Flath, zum Einnehmer bei dem Salzsteueramte Wimpfen mit dem AmtStitel als „Salz- steucramtS.Rendant" zu ernennen. V. Concurrenz für: die zweite katholische Schulstelle zu MoSbach mit einem Gehalte von 300 ft. nebst 4 Stecken Holz zur Heizung des SchullocalS; — die evangelische Pfarrstelle zu Volkartshain, mit einem Gehalte von 549 st. 7 fr.; dem Herrn Grafen zu Stolberg-Wernigerode und Gedern steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Dresden, 19. Aug. Die Liebesgaben zum Unterstützungs- Werke für die hülfsbedürftigen zahlreichen Hinterlassenen der im Plauen'schen Grunde verunglückten Bergleute fließen fortwährend von allen Seiten auf'S Reichlichste. Die hiesige königl. KreiSdirection hat heute ihre erste Quittung über die bei ihr eingegangenen Beiträge veröffentlicht. Dieselbe datirt vom 13. Aug. und weist bis dahin eine Gesammt Einnahme von circa 12,200 Thaler nach. Gleichzeitig ist die dritte Quittung des Herrn EafsirerS Fabrikanten Grahl, welcher in Döhlen die Caffengeschäfte deS „CentralhülfScomitä'S" führt, erschienen, und weist bis zum 17. August eine Gesammtsumme dem noch möglich, daß selbst der erste Präsident des Appellhofes von der saueren Arbeit sich im letzten Augenblick zurückziehen würde, damit dem Präsidenten Rouher die Vertheidigung des unverständlichen zweiten Artikels über die Zwitter-Verantwortlichkeit der Minister überlassen werde. Bis heute besorgt Hr. Devienne indeß noch sein Amt eines designirten Berichterstatters und gibt die Regierung im Punkte der Verantwortlichkeit in sofern wenigstens nach, als das SenatuSconsult in klaren Worten Das besagen soll, was es bezweckt, so wird er auch den Bericht liefern, — jedenfalls mit und nicht vor den ersten Tagen des Septembers. Durch die Ernennung des Hrn. Devienne ist der Senat nicht so sehr von der zu Troplong's Zeit üblichen Weise abgewichen, da Troplong in seiner Person die Würde des Präsidenten des Senats mit der des ersten Richters Frank- reichs vereinte. Ist daher nicht der SenatSprä- fident zum Berichterstatter bezeichnet worden, so ist diese Ehre doch dem Richter des Cassationshofes zu Theil geworden, der in diesem Amte Troplong ersetzte. Man sucht dem SenatuSconsult dadurch die legalste, juridischste Form zu verleihen. Erinnert man sich ja doch der Finessen, zu denen frühere Consulte Anlaß gaben, — nur der juridischen Auslegung des Gesetzes über die Strafbarkeit ungetreuer Sitzungsberichte der Kammern zu gedenken. Die Amnestie, das Jahrhundertfest, der Tod und das Begräbniß Niel's haben die saumselige Arbeit des Senats noch verzögert. Jetzt eilt es den Herren wegen der Generalräthe nicht, an deren Versammlungen Viele Theil nehmen. Amendement- und Einwände werten genügend bei den Debatten vorkommen; die Commission scheint sich nur dem einen Vorschlag des reoctionär-clericalen Hrn. Segur- d'Agnesseau zugeneigt zu haben, der die Verhältnisse ter Staatsgewalten zu einander gesetzlich nicht mittelst Decrets bestimmt wissen will. Dabei wird die Wiedereinführung der Adresse zur Sprache kommen. London, 18. Aug. Das Abengblatt „Echo" bringt folgende mysteriöse Ankündigung: „Es wird behauptet, und offenbar mit Autorität, daß man bei dem bevorstehenden Concil in den Papst dringen wird, die Regel, welche bet der Geistlichkeit das Cö- libat erzwingt, zu lockern, in der Hoffnung, dadurch gewisse dem Priesterstande angehörige Mitglieder der anglicanischcn und anderer protestantischen Kirchen zu gewinnen." m offen Hvfgniä Dorgenor ®ies berger Gegen »ung < Die q der unuj ?'Kn lassen. Gro Mannheim, 19. Aug. Die Beratungen der Bevollmächtigten der Rheinuserstaaten über gemeinsame, die Fischerei im Rhein von Basel bis in das Meer, sowie in seinen Zuflüssen betreffende Grundsätze nehmen einen erfreulichen Fortgang. Zum Zweck der Erhaltung und Vermehrung der besseren Fisch- arten im Rheingebiet wird eine Uebereinkunft abgeschlossen werden, welche die geeigneten Bestimmungen zur Erreichung des bezeichneten Zweckes enthalten soll. München, 19. Aug. Der König, welcher gestern von Schloß Berg hier eintraf, besuchte diesen Nachmittag zum ersten Male die internationale Kunstausstellung. — Dem Vernehmen nach ließ der König die beiden Enkel Göthe's, die Großherzogl. sächsischen Kammerherrn Walther und Wolfgang Freihrn. v. Göthe, einladen, der feierlichen Enthüllung des Göthe- Standbildes am 28. d. beizuwohnen, und sind denselben als Gästen in München Appartements in der königl. Residenz zur Verfügung gestellt. — Der Hr. Erzbischof von Bamberg hat, wie von sehr verlässt-, ger Seite mitgctheilt wird, in einem Erlaß an die gesammte Geistlichkeit seiner Erzdiöcese den Geistlichen jeden Besuch eines Kaffee- oder Wirthshauses und sonstigen öffentlichen Locals auf das Strcngfte verboten. Man glaubt, daß ein gleiches Verbot auch in der Erzdiöcese München zu erwarten ist.— Man schreibt der „A. Postzig." aus Tübingen, 17. Aug.: „Um die Anschauung und Stellung unserer Regie- rung zu dem bevorstehenden Concil würdigen zu können, gebe ich Ihnen die bündigste Versicherung, daß der würtembergische Gesandte, Frhr. v. Soden, Ende Mai rem Fürsten Hohenlohe das Antwortschreiben unserer Regierung unterbreitete, des Inhalts: daß die königl. würtembergische Regierung sich nicht geneigt zeigen könne, irgend welche Maßregeln zu ergreifen, da keine genügenden Anhaltspunkte gegeben seien, daß die in der baierischen Circulardcpesche angedeuteten Plane in Rom auch wirklich in Aussicht genommen seien. Unsere Regierung werde deßhalb die Beschlüsse des Concils abwarten." Wien, 19. Aug. Ein ministerielles Organ sagt, indem es die Beust'sche Antwort auf die Thile'sche Depesche bespricht, die Bemerkung des Reichekanzlers über das Verhältniß der preußischen Militärverträge mit den süddeutschen Staaten zu dem Pra- ger Frieden enthalte den „Kern der ganzen Auseinandersetzung". Es sei darin „unzweideutig und osssciell constatirt, daß Oesterreich in jenen Verträgen die Nullisscirung der im Prager Friedcnsver- trage vorgesehenen internationalen Selbstständigkeit Süddeutschlands, mithin die Umgehung dieses Vertrags erblickt", und die ofsiciöse Stimme fügt hinzu: „Das wird bei der ferneren Entwicklung der deutschen Frage stets im Auge zu behalten sein." Da nun die preußische Regierung jene Militärverträge nicht freiwillig aufgeben wirb, so ist allerdings nicht abzusehen, wie eine Verständigung zwischen Wien und Berlin erfolgen könnte, und jede weitere Diskussion über die Bereitwilligkeit einer solchen Verständigung wäre pure Zeitverschwendung. Die unabhängige Presse diesseits und jenseits der Leitha gibt teßhalb dem Reichskanzler den Rath, auf wettere Provocationen von preußischer Seite nicht einzu- gehen und seinerseits Alles zu vermeiden, was die bestehenden Differenzen noch verschärfen müßte. Bern, 19. Aug. Gegenüber den Mittheilungen verschiedener Zeitungen kann auf das Bestimmteste veisichert werden, daß der Bundesrath wegen Ausweisung der das schweizerische Bürgerrecht besitzenden jungen Frankfurter bisher noch keinerlei Schritte gethan, da ihm nichts Officielles in der Sache vorliege. Basel, 20. Aug. Der Bundesrath dürfte eine Einmischung in die Frankfurter Ausweisungsaffaire, die er möglichst von sich fern zu halten bemüht scheint, in einem hier vorliegenden Falle kaum ablehnen dürfen. Ein in Kleinhüningen eingebürgerter Frankfurter befürchtet die Anwendung des preußischen Ausweisungstecretes auf sich und seine Familie, und hat sich deßhalb an den kleinen Rath von Basel gewendet mit der Bitte um guhn Rath. Die Behörde von Basel hat darauf beschlossen, unter Darlegung der Grundsätze, nach welchen Basel bei den Bürger- Ausnahmen verfahren sei, den BundeSrath anzugehen, den Betreffenden den Schutz des Bundes angedeihen zu lassen. Paris, 19. Aug. Die Senalscommisston fährt in ihren Arbeiten ununterbrochen fort, fördert ihre Beschlüsse aber nur langsam. Wurde auch Hr. Devienne von der Majorität als Berichterstatter bezeichnet, so schien cö, bei der sich täglich immer mehr geltend riechenden Verschiedenheit der Ansichten, trotz- fit iri »’r ta j von 26,323 Thaler nach, während der Dresdner Easfirer de» CentralhülfScomitv S eben mit der Zusammenstellung seiner zweiten Hauptquittuig beschäftigt ist. Bei Dresdner Mitglie- dern und Sammelstellen des „EentralhülfScomite'S" find auch heute wiederum namhafte Beiträge von auswärts eingegangen, so 200 Thaler vom Prinzen Albrecht von Preußen, 1000 Thaler als sechste Einzahlung deS königl. GeneralconsulS Ritter I. Gerson in Frankfurt a. M. (dessen Sendungen damit die Höhe von 6200 Thalern erreicht haben.) * In der Nähe des Odeons in Parts sammelten sich dieser Tage eine Menge Leute um ein Mädchen, welches ein hölzertteS Bein auf seiner Schulter trug, während aus dem Fenster der ersten Etage eine« nahe liegenden Hauses ein Mann schrie und gestikulirte, man möge jenes Mädchen festhalten. Dieses gab jedoch bald Aufschluß über den Zusammenhang der Dinge. Dasselbe war Wäscherin und der Herr der ersten Etage sein Kund«. Die Wäscherin hatte ihm ihre Rechnung überreicht, und da er nicht zahlen wollte, nahm die unbarmherzige Gläubigerin, um sich selbst bezahlt zu machen, da« künstliche, in einer Ecke stehende Bein, welches dessen Eigen- thümcr noch nicht angelegt hatte. Neapel, 9. Aug. Ein junger Reiterosfizier, Namens Negro, war in die Gräfin (Sattaneo, die von ihrem Manne getrennt lebte, sterblich verliebt und zwar nicht hoffnungslos, denn die Gräfin wohnte bei der Familie deS 9legro, und als dieser später nach Nola zu seiner Truppe einberufen wurde, miethete sie sich in San Paolo, einer kleinen Stadt von etwa 2500 Seelen, fünf Meilen von Nola, ein Haus, um ihrem Geliebten näher zu sein. Da sie nun aber hier auch von anderen Kameraden besucht wurde, so wurde Negro eifersüchtig und machte ihr einige heftige Vorstellungen, die einmal sogar in Gewaltthätigkeiten auSgeartet sein sollen. Sie verbot ihm in Folge dessen ihr HauS; allein dem kühnen Reitersmann war schwer etwa« zu verbieten, wobei er einigemal so gewaltthätig gegen sie auftrat, daß sie um Hülfe rief. Sie verließ nun in Begleitung dreier Offiziere ihre Wohnung, um sich nach Neapel und von da, wie man sagt, als reuige Magdalena zu ihrem Gemahle in Piemont zu begeben. Negro reiste ihr aber nach und wußte trotz ihres Verbotes im Gasthofe zu Neapel in ihr Zimmer zu kommen, wahrscheinlich um sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Allein sie ließ sich nicht abwendig machen und reiste Abends, und zwar ans Furcht vor Negro von zwei Offizieren bis (Saferta begleitet, auf der Eisenbahn nach Rom weiter. Negro hatte sich Civilkleider verschafft und fuhr unerkannt in einem Wagen dritter Claffe mit. Als man in Jsoletta den Wagen erster Eiaffe öffnete, wo die Gräfin eingestiegen war, lag sie tobt auf dem Boden, mit einer Pistolenkugel im Auge. Das Wagenfenster war eingeschlagen und ihre Hand von GlaS- splittern zerrissen. Negro war also während deS Zuges auf dem Trittbrett bi« an ihren Wagen gekommen, hatte das Fenster eingeschlagen und sie, die in Folge dessen an's Fenster kam und sich gegen ihren früheren Geliebten mit der Hand schützen wollte, erschossen. Negro war spurlos verschwunden; bald hörte man aber, baß er sich aus bem Fenster eines Gasthofes in Santa Maria bei Germano herabgestürzt hatte und auf der Stelle tobt geblieben war. Eine harmlose Schauergeschichte. Die berüchtigte Krakauer Klofteraffaire hat eine förmliche Manie für Kloster- mi)fierten hervorgerufen, so baß in diesem Genre überall die furchtbarsten Gräuel an das Tageslicht gezogen werben. Auch baS Franziskanerkloster zu Kerskemet in Ungarn war ber Schauplatz einer „erschrecklichen Einsperrung". Dieser Tage schrieb Jemanb einen Brief an ben Bürgermeister, daß im Franzis- kanerkloster ein Mönch eingemauert fei. Der Bürgermeister war zwar fern, aber ber Magistrat versammelte sich sofort, telegraphirte an bas Ministerium unb erhielt halb die Erlaub- niß, eine Untersuchung im Kloster vornehmen zu bürfen. Darauf erscheint die städtische Deputation im Kloster: „Wir wollen ben eingemauerten Mönch sehen." Die Patres scheinen nicht sehr entsetzt; man sucht einen Pater Ubryk, finbet ihn aber nicht. Schließlich bemerkt man an abgelegener Stelle eine geschlossene Thüre. Was ist da« ? Die muß geöffnet werden. Allgemein ist die Ueberzeugung, daß hier die Stätte des Entsetzens ist. Die Thüre öffnet sich, und im Halbdunkel sieht man wirklich einen Mönch, der aber weder unbekleidet, noch mager, noch traurig, sondern im Gegentheil sehr lustig ist; er war wirklich eingesperrt, aber nur, weil er sich de» Morgens betrunken hatte und man ihm im Kühlen Gelegenheit bieten wollte, ungestört seinen Rausch anszuschlafen .... Die Eommissiou entfernte sich befriedigt '. * Folgendes Verbrechen tbeilt ber officiette russische „Regierungs-Anzeiger" aus Volhynieu mit: „Am 1. Mai fanb man in dem Walde deS Kirchdorfes Wuikowitsch (im Kreise Wladimir-Wolynski) ben Leichnam beS Bauernknaben Asanassij Butalei mit abgeschnittener unb abgewogener Haut. Die für diesen Fall eingesetzte UntersuchungS - Eommissiou er- mittelte: Die Frau beS Bauers Kirill Dshuff hatte diesen überredet, Jemanden von ben Hausgenossen zu tobten, auf biefe Weise Menschenfett zu gewinnen und daraus ein Licht zu bereiten, welches gut zum Stehlen wäre. Dshuff lockte in Folge dessen den Knaben Asanassij unter dem Vorwande, daß er mit ihm Vogeleier suchen wolle, in den Wald, versetzte dem Unglücklichen einen Schlag vor die Brust und zog ihm, als er tobt war, mit Hülfe seines Taschenmessers die Haut ab. Als er mit berfelben nach Hause gehen wollte, ergriff ihn ein jäher Schrecken, der besonders beim Rauschen ber Blätter so stark wurde, baß er bte Haut von sich schleuderte unb nach Hause eilte. Auf Zureden seiner Frau war er noch einmal in ben Wald gegangen, um das Fett von der Haut zu nehmen, aber immer hatte ihn das Grauen wieder nach Hause getrieben. Die Frau des Schuldigen gestand jedoch nicht, irgend welchen Antheil an dem Morde gehabt, ja nicht einmal davon gewußt zu haben. *#* Als der Kaiser Nikolaus einst in Warschau verweilte, kam ein arme« Weib zu ihm, klagte, daß man ihren einzigen Sohn zum Soldaten gepreßt hätte unb bat um Schutz unb Rückgabe. Der Kaiser ließ den betreffenden Offizier rufen, doch dieser hatte die Stirn zu behaupten, die Frau habe zwei Söhne, es sei deßhalb genau nach dem Gesetz verfahren. Die Frau behauptet bas Gegentheil, so baß ber Kaiser nicht wissen kann, wer die Wahrheit sagt. „Sie haben ben ältesten Sohn eingezogen?" „Zu Befehl, Majestät." „Nun," fuhr der Kaiser mit gerunzelter Stirn fort, „bann lassen Sie ihn los und nehmen ben jüngeren!" |i||