Preis oterteljährlich 36 kr. mit Brtngerlohn. Durch die Post bezogen vterteljäbrlich 49 kr Gießener Anzeiger. Erscheint wöchentUcd brtr mal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberk. Ltt. B. Nr. 1 Mnzeige- und Mntsötatt für den Areis Kiefen. Rr. 123. Dienstag den 19. Octobcr 18«s. Besondere Bekanntmachung. 9733) Die am 1. d. Mts. fällig gewesenen städtischen Gelder: 1) Heugrasfteiggelder, 2) Schulgelder aus den städtischen und der Realschule pro III. Quartal, 3) Communalsteuer, III. Ziel, können in den ersten acht Tagen an den Zahltagen: Dienstags, Donnerstags und Samstags ohne Kosten zur hiesigen Stadtkaffe bezahlt werden. Gießen, am 11. October 1869. Der Stadt-Rentmeister: ___________________________________ Enders. Verweigerungen. Die Vergebung verschiedener Arbeiten bei der Stadt Gießen. 9742) Mittwoch den 20. October 1869, Vormittags 9 Uhr, sollen auf hiesigem Ralhhause folgende Arbeiten an den Wenigstfordernden vergeben werden, als: Maurerarbeit, veranschl. zu 52 fl. — kr. Planirarbeit, „ „ 131 „ 16 „ Anfuhr von Kies, „ „ 12 „ — „ Pflasterarbeit, „ „ 16 „ — „ Anfuhr von Steinen, „ „ 33 „ 48 „ Chaussirarbeit, „ „ 26 „ — „ Gießen, den 15. October 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen- _______________Vogt._____________ Die Verpachtung des Kellers unter dem Schulhause in der Schulftraße. 9776) Der vorbemerkte Keller soll Freitag den 22. d- Mts-, Vormittags 9 Uhr, in unserem Bureau anderweit auf 6 Jahre verpachtet werden. Gießen, den 18. October 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________Vogt._____________ Holzverkauf. 9754) Donerstag den 21. b. Mts-, um 2 Uhr, werden im Schul Hause I zu Wismar aus verschiedenen Schlägen des Gemeindewaldes versteigert: 10 Klftr. Buchen- und Eichen-Scheitholz, 7 „ Fichten-Knüppel, 6Vr „ Stockholz, 260 „ Reiser, 36 „ Ginster und 8 Stück Nadelholz-Stämmchen. Krofdorf, den 15. October 1869. Der Bürgermeister: Coln ot.______ Attkündilllmg. 9784) Versteigerung von Mobilien aller Art, namentlich Bettwerk, Weißzeug, Kü- chengeräthe u. s. w. im Gasthof zum Prinz Carl, Donnerstag den 21. October, 1 Uhr Nachmittags, und die folgenden Tage. C. Viering. M ü h l e n - V e r k a u f. 9750) Die an der Lahn gelegene Badenburger Mühle mit bedeutender Wasserkraft, 3 Mahlgängen und 1 Schlaggana, neuester Einrichtung — */t Stunde von der Main- Weser-Bahnstation Lollar und 3/< Stunden von Gießen entfernt — soll eingetretener Sterbfälle wegen Montag den 8. November d. I., Mittags 12 Uhr, in der Mühle selbst, unter günstigen Bedingungen, öffentlich versteigert werden. Sämmtliche sehr geräumige Mühl-, Wohn- und Oekonomie-Gebäude sind neu erbaut. Die Mühle läßt bei ihrer großen Wasserkraft noch eine Vergrößerung zu, und es kann in den großen Räumen auch noch ein Fabrikgeschäst mit dem besten Erfolge betrieben werden. Außerdem gehören zu der Mühle 25 Morgen Ackerland und Wiesen in guter Lage, welche, salls man darauf reflectiren sollte, ebenfalls käuflich abgegeben werden können. Nähere Auskunft er- theilen jederzeit die Unterzeichneten. Lollar, den 9. October 1869. Heinrich Geißler, Ludwig Frei. Feilgebotenes 9736) Ocfen und Kochherde zu Steinkohlen- und Holzbrand, Stcinkohlcnkasten, Fcucrungsgeräthschaftcn. Kochgeschirre aller Art, von Gußeisen, roh und emaillirt, verzinntes sog. Gesundheitsgcschirr, Pc- troleum-Kochapparate, Steinkohlen und Braunkohlen empfiehlt ____________________I. G. D. Bapst. 9778) Zu billigen Preisen Gorsctten, Crinolincn und englische Kordel-Kin- derlcibchen empfiehlt I. H. Fuhr. 9737) Portland-Ccment, frische Sen- dung, empfiehlt_______I. G- D- Bapst. 9731) Weißbuchcn-Schcidholz, sowie eine große Leipziger Nähmaschine ist, letztere zu dem Preise von 75 fl-, zu verkaufen bei I. Anzer, bei Herrn I. Rothenberger, Lindenplatz. 9741) Junge Hunde (Rattenfänger) sind zu verkaufen Asterweg Nr. 105. Vor Täuschung durch nachgeahmtc Etiquetts wird gewarnt! » ra i Preisgekrönt > auf der Ausstellung in A IN st t k Ü ll M. "6 h unter GefuudheitS Kaffee, rj o nach chemischer Untersuchung frei von Cichorien, Eicheln und sonstigen schäd-^« Js-fi l'chen Stoffen, ist wohlschmeckend wie indischer Caffee, jedoch vier Mal billiger -w*. als dieser, und bekommt auch denen vorzüglich, die an Blutandrang, Augen- Übeln, Magen- und Unterleibsbeschwerden leiden. Unser (und kein anderer) ° cX Gesundheits-Caffee wird empfohlen von den Herren Sanitätsrath Dr. Lutze tts €^*2- in Cöthen, Oberstabsarzt Dr. Schmidt in Fulda, Kurarzt Dr. Sack in ® s Wiesbaden rc. " £ g X Wo nicht unzweifelhaft unser echter Gesundheits-Kaffee zu haben, beliebe 2' man solchen direct bei uns zu bestellen. (9762) 5 ? Krause aritH' mWW6 titntn/' welche ir vortreten -® gkgnel' 1 zu ihr >' hoffen»' zunz! loft iit ti By>! W § ,,G Schuller „3< autzttlieir zurüilleh ,,r Wie l gtroinnti „3 lafftn ti mir un hier er M] M Schaup 3i an die Ziinme Faffun unrubi Will Z denn 1 unbesti schnell Ftlicie 3 unserer Luca« «H Du Ht SIi eine A velchei ttclion Was ßen d Sclav sind fi um fei hallen Gegen Herren in 9726) Ein möblirtes Zimmer ist zu oer- miethen bei______G g- Malkomesius. H. M. Jughardt. bei niien-L»ose sind überall zu kaufen und zu spielen erlaubt. „Gottes Segen bei Cohn!“ tirossartige wiederum mit tiewinnen bedeutend in Reichen!) all Z Vermietbu ugeu 9740) Das seither von Frau Kammer- dircctor Lang ermann bewohnt gewesene Logis ist alsbald anderweit zu vermiethen. Louis Busch Wittme. F. W. Kurz Gebr. Adami Conr. Weidig Carl Lony Carl Hoffmann 9781) Wandkalender pro 1870 bei A. Balser. 9767) Unserem L. Reifel zu seinem heutigen 20. Geburtstage ein donnerndes Hoch! Gießen, den 19. October 1869. Die Alten!!.' von nahe Z in Gießen bei I. Wallach am Markt. Bericht der National-Zeilnng über die Amsterdamer Ausstellung. Viele Surrogate für Kaffee und Chocolade präsentsten sich gleichfalls hier- Unter ihnen hat der „Gesundheits-Caffee" von Krause & Go. in Nordhauscn wohl den größten Werth. Es ist dies ein wirklich recht zu empfehlendes und recht genmdeS Surrogat, das verdient, eifrigst emvfohlen zu werden. Es enthält eine tüchtige Quantität reellen Nahrungsstoffes und ist das direkte Gegentheil der Cichorie, deren Nährwerth ein durchaus problematischer ist. 9758) Solide und gebildete Reisende für nur gediegene Werke finden sofort dauerndes Engagement in einer Buchhandlung Frankfurts- Auch Solche, die in dieser Branche noch nicht gearbeitet haben und auf obige Stelle reflecliren, belie- I den ihre Offerten sub P. II. 748 an die i Herren Haascnstein & Voglcrin s Frankfurt a. M. gelangen zu lassen. Die Verloosung 9779) Zu verkaufen im Velden'schen Haufe in der Bahnhofsstraße zu Marburg: a. zwei schöne große Dunkelschimmel, Wallachen, 5- und 6jährig, fehlerfrei, zugeritten und zugefahren, Preis 300 Rthlr-, b. ein leichter 4sitziger eleganter Glaswagen , Vorderverdeck abnehmbar, zwei- und einspännig zu fahren, Preis 250 Rthlr-, c. Chaisengeschirre, Sättel und Stallutensilien. Aetherisches dem Aroma einer dnften- denKiefernwaldnnggleich- vorzüglichste und beste sVVtffiVf für Wohn- Räucher- vvVUlli u. Kranken- Zimmer, be- SYlviiftv Lungen- sonders bei ’1sJl **|l"f u.Hals- Leiden, Inhalation ö ä Flacon 24 kr. — 7 sgr. In Gießen zu haben bei (9752) I. Wallach, Markt. 9729) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen Neuenweg Nr. 186. 9730) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei H. Rübsamen, Mäusburg. 9780) In Lit. B Nr. 101 in den Neuen- bäuen ist ein möblirtes Zimmer zu ver- miethen.____________________________________ 9725) Ein Familienlogis ist zu vermiethen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 9749) Alle Blumenfreunde und Gartenbesitzer erlaube ich mir, bei der für das Verpflanzen nun eingetretenen günstigen Jahreszeit auf die reichen Sortimente der Rosen, Zicrbäume und Sträucher, sowie der Obstbäume der Knaben-Arbeits- Anstalt dahier, unter Zusicherung billigster Preisansätze, aufmerksam zu machen. Schriftliche Mittheilungen werden franco erbeten. Darmstadt, den 10. October 1869. Klett, Verwalter der Anstalt. 9743) Mein Lager in Strickwolle, einfarbig, sowie geringelt, in den neuesten Dessins und verschiedenen Qualitäten, bringe ich hiermit zu den billigsten Preisen in em- pfehlenbe Erinnerung. I. H. Fuhr. Vermischte Anzeige« 9768) Das Rcpariren und Auftackiren von Korben und Korbmöbeln, sowie das Rohrstuhlflcchtcn, besorgt prompt und billigst Eduard Klemme, Kunst-Korbflechter, in der Neustadt Lit. D. Nr. 62. 9746) Ein gewandter Zavfjunge wird in eine auswärtige Bierwirthschaft zu sofortigem Eintritt gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 9722) Ein^ schönes Fami- lienlogis (1. Stock) ist zu ver- unethen bei Gebr. Wenzel, _____Krenz Nr. 7. 9766) Bei Frau Dr. Haustein ist ein möblirtes Zimmer mit Cabinet zu ver- miethcn.____________________________________ 9678) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen Neuenweg Lit- B- Nr. 194. 9723) Das von Herrn Oberbau-Secretär Moyat bisher bewohnte Logis im Russischen Hofe ist zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden____________________ 9724) Eine Wohnung von 4 Zimmern, 1 Cabinet, Küche und Zubehör in meinem Nebenhause wird bis zum 25. October frei ____________________________ Pitthan. 9771) Verschiedene möblirte und unmö- blirte Zimmer sind zu vermiethen im ___________ Zinßer'schen Garten. 9751) Neue Anlage, in H. Becker's Nebenhaus, ist die Mansarden-Wohnung, bestehend aus 7 Piecen, Küche und Bodenkammer, nebst allen Bequemlichkeiten, zu vermiethen und sogleich beziehbar. 9745) Ein guter Keller ist zu verpachten Auszuleihen. 9748) 3815 fl. sind in hiesiger Kirchen- kasse im Ganzen oder auch getrennt gegen genügende Sicherheit auszuleihen. Staufenberg, am 15. October 1869. __________Der Kirckenrechner: Vogel. 9773) 3000 und 1300 ft. sind auszuleihen bei Heinemann Hermann. | Verloren wurde am verflossenen Freitag Abend auf dem Wege von der Sonnenstraße bis zur Kaplansgassc eine goldene Broche, inmitten mit einem weißen Diamantsteinchen versehen. Bitte, dieselbe an die Exped. d. Bltts. gefälligst abzugeben. Dem Wiederbringer eine Belohnung. 9755) Eine tüchtige Haushälterin wird baldigst gewünscht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 9775) In guter Lage der Stadt suchen wir, für den Monat März n. I. beziehbar womöglich ebener Erde — zwei incinandcrgehende Zimmer, nebst Hof und Lager - Räumlichkeiten und Keller. — Wir bitten, gefällige An erbictungeu anf unser Comptoir gelangen zu lasten. Gebrüder Mayer. 9769) Mehrere Weißbindergesellen finden gegen guten Lohn dauernde Beschäftigung bei Christoph Bock, in Grünberg. 9739) Ein hiesiger Schneider, welcher gesonnen ist, Arbeit außer dem Hause anzunehmen , empfiehlt sich hiermit einem geehrten Publikum, unter Zusicherung prompter und reeller Bedienung, bestens. Näheres zu erfragen bei der Exped. d. Bltts. Grössere Quantitäten frische Butter werden regelmäßig zu kaufen gesucht. Offerten wolle man unter Chiffre 8 Nr 3 bei der Exped. d Bltts. abgeben. (9732) 9772) Die Unterzeichnete, früher Köchin im Zinßer'schen Garten, empfiehlt sich den geehrten Familien in vorkommcnden Fällen al? Kochfrau. Bestellungen können im Zinßer'schen Garten gemacht werden. Anna Hardt, Nahrungsberg. 9783) Gesucht i werden in der Nähe des Bahnhofs 2 bis 3 Zimmer — womöglich zu ebener Erde , — zur Errichtung eines Comptoirs. Offerten wolle man unter der Chiffre H. VV. Nr. 18 bei der Exped. d. Bltts. abgeben. , 9747) Privatunterricht im Französischen c und Englischen wird ertheilt. Näheres bei t der Exped. d. Bltts. Feuilleton. D i e U a m c n l o f r. Novelle von Theodor König. (Fortsetzung.) Die kleine Figur des jungen Mädchens richtete sich bei diesen Worten fast imponirend empor, während Willert todtenbleich wurde und am ganzen Körper vor unterdrückter Leidenschaft zitterte. „Er hat in der schändlichsten Weise Ihre Unschuld hintergangen," zischelte er zwischen den Zähnen hervor. „Niemals, niemals können Sie seine Gattin werden. Er wird es niemals wagen, zurückzukehren, um Ihre Hand zu verlangen. Inzwischen, mein liebes, gutes Kind, sind Sie völlig heimathlos. „So muß ich eben so gut arbeiten, wie schon so manche Andere meines Ranges dazu gezwungen gewesen sind!" rief Hyacintha entschlossen aus. „Ich klage nicht darüber, nicht im Geringsten. Ich will arbeiten und warten- Dessenungeachtet, Herr Willert, danke ich Ihnen herzlich für Ihr groß- müthiges Anerbieten und wünsche Ihnen aufrichtig alles Gute, was Sie ver- dienen," schloß sie ihre Rede, indem sie ihm die Hand mit einer Geberde reichte, welche in seinen Augen die Kluft zwischen ihr und ihm nur noch auffälliger her- vortreteu lassen mußte. „Aber, um Gotteswillcn, was haben Sie denn nur, was ist Ihnen be- gegne!', liebes Kind?" fragte die gute Felicie erschrocken, als Hyacintha wieder zu ihr in's Zimmer trat und sie das bleiche, verstörte Gesicht derselben sah. „Ach, nach all' dem schweren Kummer, der mich in letzter Zeit schon be- troffen, ist dieser neue noch verhältnißmäßig leicht zu ertragen," antwortete daS junge Mädchen seufzend. „Ich hübe so eben erfahren, daß ich nunmehr nichts bin wie eine heimath- lose Bcltlerin. Aber ich bin ja doch noch jung und kann ja arbeiten." „Arbeiten? Sie, Fräulein? So lange ich lebe, niemals, niemals! Wenn es nö't'hig wird, für unseren Lebensunterhalt zu arbeiten, so ist das meine Sache," sagte Felicie, indem sie Hyacintha's Hand nahm und liebkoste. „Gut, so arbeiten wir denn Beide," flüsterte Cynthia, den Kopf an die Schulter der guten Französin lehnend. „Ja, ja, wir arbeiten Beide. Laß' nur Dein Kopfschütteln! Es wird außerdem nur eine kurze Zeit lang nöthig sein, denn bald genug wird Berthold zurückkehren fönn n und dann ist ja Alles wieder gut." „Du lieber Gott, damit wird es wohl lange genug Zeit haben," dachte Felicie bei sich selbst, doch konnte sie es in diesem Augenblicke nicht über sich gewinnen, Hyacintha dieses letzten HoffnungSankers zu berauben. „Ich denke, Sie haben Recht," erwiderte sie, „aber sagen Sie, wann verlassen wir denn das Gut? „In acht Tagen," war die Antwort. „So lange, denke ich doch, können wir uns hier noch verweilen. Nach einer Woche wirb die ganze Dienerschaft hier entlassen sein und auch wir ziehen dann fort, um unser Glück in der weiten Welt zu versuchen." Morgen, morgen schon sollte Hyacintha die Heimath so vieler Jahre, den Schauplatz ihres Jugendglückes verlassen. In traurigen Gedanken verloren, eine stille Thräne wehmüthiger Erinnerung an die Theuren im Auge, in deren Kreise sie hier gelebt, lehnte sie auf ihrem Zimmer in der Ecke des Sophas, als plötzlich, aufgeregt und sichtlich außer Fassung, Felicie dort cintrat. „Es sind zwei Herren unten, die Sie zu sehen wünschen," berichtete sie. „Zwei Herren? Und wer sind sie denn?" fragte das junge Mädchen in unruhiger Verwunderung. „Doctor Wilder und der Herr, welcher jetzt gesetzlicher Erbe des Gutes ist. Will Fräulein sich hinunter verfügen?" „Ich muß ja wohl," entgegnete Hyacintha mit einem schweren Seufzer, denn der Ton, in welchem Felicie jene Herren gemeldet, hatte plötzlich allerlei unbestimmte Hoffnungen in ihr erweckt. „Was kann es nur fein, daß diese Männer zu mir herauefuhrt? Schnell, schnell etwas Wasser, Felicie! Ich muß mir zuvor die Augen waschen und dann, Felicie, bitte, ordne mir das Haar ein wenig." Ihre bleiche Gesichtsfarbe und der kummervolle Ausdruck desselben verliehen unserer jungen Freundin jetzt vielleicht nur eine noch zartere Schönheit wie sonst, Lucas von Bergen, der jetzige muthmaßliche Gutserbe, glaubte wenigstens, noch Politische niemals eine so liebliche weibliche Erscheinung gesehen zu haben, wie die des jungen Mädchens, welches jetzt mit ruhiger Grazie in das Zimmer trat, wo man ihrer harrte. Doctor Wilder, welcher Hyacintha feit ihren Kinderjahren gekannt hatte, näherte sich ihr, nahm ihre Hand und begrüßte sie mit fast väterlicher Wärme. „Ich beabsichtigte noch gar nicht einmal, mich schon in Ihre trauernde Einsamkeit einzudrängen," sagte er sanft, „ein Gerücht aber, das mir gestern zu Ohren kam, hat mich veranlaßt, mit meinem Besuche bei Ihnen nicht länger zu zögern. Wie ich höre, haben Sie sich in der Landstadt, eine Wohnung ge- miethet, welche Sie schon Morgen zu beziehen beabsichtigen?" „Das hat Felicie besorgt und wir werden Morgen wirklich nach jenem Logis übersiedeln," antwortete Hyacintha mit bebender Lippe und fast tonlos. „Ich hoffe, mein Fräulein, es wird meinem Freunde, Doctor Wilder, gelingen, Sie zu überreden, Ihre Wohnung, wenigstens bis jenes Pächterhaus zu Ihrer Aufnahme eingerichtet ist, bei meiner Schwester zu nehmen. Das Protägö der reizenden Mathilde von Bergen wird stets ganz besondere Ansprüche auf meinen Schutz und meine besondere Fürsorge haben." Hyacintha verbeugte sich dankbar. Es war ihr nicht unbekannt geblieben , daß Lucas von Bergen sich einst vergebens um die Hand Mathilden's beworben hatte und nur um ihretwillen unverheirathet geblieben war. Sein Anerbieten verdient den größten Dank. Was aber konnte er nur mit feiner Rede von dem Pächterhause meinen? Die Antwort darauf gab ihr der Doctor, ohne natürlich zu ahnen, was eben jetzt in ihrem Innern vorging. „Ich bin gekommen, Fräulein Cynthia," sagte er, „um Ihnen die Mit- theilung zu machen, daß Sie vermöge des mir durch Ihre französische Dienerin überbrachten Testamentes des verstorbenen Herrn Carl von Bergen Erbin des Pachthauses und der Ländereien von Heidenthal sind. Das Testament, von welchem ich rede, wurde auf das Verlangen des Testators von mir selbst aufgesetzt." „O Carl, mein theurer, unvergeßlicher (Sari!" murmelte Hyacintha tief ergriffen. „Ich habe den Inhalt des Testaments dem Herrn LucaS von Bergen, der das tiefste Interesse für Sie empsindet, mitgetheilt," fuhr der Jurist fort. „Wir haben das Gewese näher in Augenschein genommen, um uns zu überzeugen, ob das dortige Haus eine passende Wohnung für Sie bietet. Dieses befindet sich im besten baulichen Zustande, hat zwar im Ganzen genommen etwas Düsteres, sehr Altmodisches, ist jedoch im Innern hübsch und bequem. Sollten Sie Lust haben, sogleich dorthin überzusiedeln, so wird es bewohnbar sein, nachdem die Zimmer nur einen einzigen Tag wohl durchwärmt worden. Herr LucaS von Bergen wünscht indessen sehr Ihren Besuch bei seiner Schwester, bis Sie den jetzt noch so schwer auf Ihnen lastenden Kummer mehr überwunden haben werden." „Sie beweisen sich sehr, sehr freundlich gegen mich, Herr von Bergen, wandte sich Hyacintha mit dankbarem Blicke zu dem Edelmanne, „ober ich vermag es für jetzt wirklich schlechterdings nicht, Ihrer Fräulein Schwester einen Besuch abzustatten, sondern ich glaube vielmehr, daß die Abgeschlossenheit und Stille jenes kleinen Geweses besonders beruhigend und wohlthätig auf mich einwirken werden." , „Sei es also so," sagte LucaS von Bergen. „Es liegt durchaus nicht in unserer Absicht, Sie überreden zu wollen, Ihren eigenen Wünschen zuwider zu handeln, doch werden wir Ihren Besuch jedenfalls nur als aufgefchoben br- trachten. _ , , Wir kehren jetzt nach dem Pachthose zurück, um Ordre zu geben, das Haus sogleich zu Ihrer Aufnahme herzurichten. Ihre Dienerin, diese Felicie, die ich schon in meinen jüngeren Jahren sehr wohl kannte, werden Sie doch wahrscheinlich um sich zu behalten wünschen?' „Es wäre mir ganz unmöglich, mich von ihr zu trennen," entgegnete Hyacintha. . v . „Der Holzvogt hat seit vielen Jahren seine Amtswohnung in dem Hause gehabt und wünscht natürlich, daß eö auch in Zukunft so bleibe. Die Frau und ihr Mädchen werden wahrscheinlich zu Ihrer Bedienung genügen, mein Fräulein, denn es ist meine Pflicht, Ihnen zu bemerken, daß das Gütchen nur wenig über eintausend Thaler das Jahr einträgt." (Fortsetzung folgt.) W u n d f ch a u. 14. October. Die englische und Vie französische Gesellschaft für die Abschaffung der Sklaverei haben gemeinschaftlich eine Adresse an den Marschall Serrano gerichtet, in welcher es u. A. heißt: „Eine gewaltsame Jnsur- rection bedeckt seit sechs Monaten Cuba mit Blut. Was gerecht war, wird nothwendig. Die Coloni- sten durch weitgehende Reformen befriedigen, sich die Sklaven durch ihre Emancipation versöhnen, dieses sind für Spanien die beiden einzigen, letzten Mittel, um seine schönen und unglücklichen Colonieen zu behalten. Ihr Name, Excellenz, ist in jenen entfernten Gegenden populär geblieben. Keiner hat vergessen, daß Sie bei Gelegenheit der Untersuchung von 1867 die denkwürdigen Worte gesprochen haben: „Die Klagen der Bewohner von Cuba sind gerecht, und ich muß mit Schmerz bekennen, daß die Sklaverei in der civilisirten Welt heute nur noch eine spanische Institution ist." Wir, Mitglieder der Gesellschaften, die, obgleich sehr bescheiden, beinahe alle Theile der civilisirten Welt, von der sie damals sprachen, reprä- sentiren, bitten Ew. Excellenz, Sich Ihrer Worte von 1867 zu erinnern und den Ruhm Ihres Namens an die Abschaffung einer von der Religion, der Gerechtigkeit, der universellen öffentlichen Meinung und von Ihnen selbst verdammten Ungerechtigkeit zu knüpfen." Dieses Aktenstück ist französischerseitS vom Herzog von Broglie, von Guizot, Laboulaye, Cochin und Eugen Joung unterzeichnet. Ueber den Stand der republikanischen Bewegung in Spanien wird dem „Temps aus Madrid vom 6. Oct. geschrieben: In Katalonien ist die Erhebung allgemein. Im Norden wird FigueraS von einer bedeutenden Truppe von vollkommen bewaffneten Bergbewohnern, welche der Abgeordnete Suner Capdevilla befehligt, bedroht; im Herzen wäre die (Solenne des Generals Palatino gezwungen worden, sich mit Mühe nach Barcelona zurückzuziehen, und die kleine Armee, welche der Abgeordnete Ioaristi befehligt, soll alle Umgebungen der catalonischen Hauptstadt beherrschen. Im Süden ist Reus, welches 12 Bataillone, die mit Artillerie zur See angekommen waren, bedrohten, von den Insurgenten geräumt worden, welche aber alle Berge des Priorato besetzt halten und mit den zahlreichen Banden in Verbindung stehen, die schon in Aragonien und in dem ehemaligen Königreich Valencia gebildet sind. In Aragonien gibt es drei große Banden, und zwar in den Provinzen Huesca, Lerida und Saragossa; sie werden von den Abgeordneten Blanc, Noguero und Castejan befehligt, und wenn es nicht an Waffen fehlte, würden sie eben so stark sein, wie die des Ioaristi. In Andalusien hat der Aufstand seit zwei Tagen große Fortschritte gemacht. Im Norden hat sich die ganze Provinz Cordova erhoben und bedroht die Hauptstadt; auf der anderen Seite des großen von dem Manzanares gebildeten Spaltes, hat sich die Bewegung den Städten Val-de-Peuas, Puerto-Lapiche und anderen in der Manchs mitgetheilt. In Süden stehen zwei Hauptcorps unter den Befehlen der Abgeordneten Paul und Fermin Salvocchea, welcher Letztere den Aufstand von Cadix befehligte; man versichert, daß dieser bei Algar ein glänzendes und sehr glückliches Treffen mit einer zu feiner Verfolgung ausgeschickten Eolonne geliefert hat. Heute Abend meldet man die Erhebung der Arbeiter von Rio Tinto, welche unter dem Befehle des Bruders des Generals Pierrad auf Huvelva loömarfchiren sollen. In Alt-Castilien hat sich Bejar empört, und obgleich man meldet, daß die Ausrührer die Stadt verlassen haben, ist die Bedeutung dieser mindestens im Her- zen Spaniens sehr ernsten Bewegung nicht zu verkennen. Endlich nahmen die Banden in Valencia, Galicien und Asturien offenbar an Zahl und Stärke zu. Diese Nachrichten sind natürlich nicht alle offi- ciell, da der Telegraph unS nur von den Hoffnungen und Erfolgen der Regierung Mittheilung macht; aber sie sind so stark beglaubigt, daß man sie immerhin den gleichfalls mit Vorsicht aufzunehmenden Angaben der Regierung gegenüberstellen kann. Der Beginn einer Revolution ist dieß wohl noch nicht. Es sind zerstreute, ohne Ordnung, ohne Plan ins Werk gesetzte Erhebungen, die auch allzu söveralisti- scher Natur sind. Man fühlt die Abwesenheit einer festen Idee einer solidarischen Thätigkeit, einer angenommenen Führung. Aber man kann nicht daran zweifeln, daß dieß ein schon in seinen Anfängen sehr ernster Aufstand ist, und die Regierung wird ihm mit ihren diktatorischen Anmaßungen wahrscheinlich die beiden einzigen Bedingungen gegeben haben, die ihm noch fehlten, um eine Revolution zu werden: die Verallgemeinerung und die Einheit. 15. Oktober. Ein osficiöser Wiener Correspondent der „Allg. Ztg." schreibt: Welche Annäherung zwischen Oester- reich und Preußen auch in Aussicht genommen, oder vielleicht schon eingeleitet sein mag, es dürfte thoricht sein zu glauben, daß diese Annäherung Oesterreich von Frankreich abwendig machen könnte. Gibt man zu, und man muß eS zugeben, daß keine Rücksicht auf Oesterreich, sondern lediglich die Besorgniß, Frankreich zur Action zu bringen, die preußische Politik abgehalten hat, Süddeutschland in den Rah- men ihres unmittelbaren Einflusses einzubeziehen, und daß Oesterreich das dringendste Interesse hat, die preußischen Vorposten nicht, statt an den Main, an den Inn vorgeschoben zu sehen, so ist es unmöglich anzunehmen, Oesterreich werde irgend eine Schwenkung machen, die es der mächtigsten Garantie gegen ein weiteres Vorrücken des Nordbundes berauben müßte. In Paris weiß man dieß sehr wohl. Man hat dort keinen Augenblick auch nur die leiseste Be- sorgniß gehegt, daß der Besuch des preußischen Kronprinzen in Wien eine Verständigung zuwege bringen könnte, die sich auf Kosten der durch die vitalsten beiderseitigen Interessen bedingten österreichisch.französischen Entente vollzöge, und schon deßhalb ist es sicher unrichtig, wenn die Existenz einer österreichischen Depesche behauptet wird, welche das Pariser Cabinet bezüglich des EharakierS jenes Besuches ausdrücklich zu „beruhigen" unternähme. Der im Vertrauen des ungarischen Ministeriums stehende „Pesther Lloyd" äußert sich über die Erfolge des kronprinzlichen Besuchs in Wien in folgender Weise: „Unsere indiduelle Anschauung über die sogenannte „Annäherung" zwischen Oesterreich und Preußen haben wir bereits vor zehn Tagen ausgesprochen, und wir finden keine Veranlassung, dieselbe in irgend einem Punkte zu modificiren. ES scheinen vielmehr gerade diejenigen Mittheilungen, welche aus den bestunterrichteten Quellen stammen, darauf hinzudeuten, daß wir der Wahrheit so ziemlich nahe gekommen sind, als wir sagten, daß es sich ursprüglich lediglich darum gehandelt habe, Oesterreich neuerdings politisch „einzusädeln" und womög- lich auf reaktionäre Bahnen hinüberzuvrängen, und daß man —.als dieser Zweck bereits nicht mehr erreicht schien — die Reise nur noch geschehen ließ, weil sie eben beschlossen war, und ohne Eclat nicht rückgängig gemacht werden konnte. Von allen ©eiten wird jetzt der Umstand zugegeben, daß die ersten Schritte der sogenannten „Annäherung" von Berlin auSgingen, und wenn beigefügt wird, daß Graf Bismarck der Sache keineswegs fern gestanden hat, vielmehr ihr Urheber war, so erblicken wir auch hierin eine Bestätigung des von uns Gesagten. Es Haden sich in Preuß.n offenbar die Reaktionäre aus Princip mit den Reaktionären aus Opportunität vereinigt, um über den Kops des Grafen Beust hinweg eine „Verständigung" anzubahnen, zu deren erstem Opfer natürlich der Liberalismus in Oesterreich und später vielleicht auch in Ungarn auSersehen war. Heute läßt sich vielleicht mit aller Bestimmtheit be- haupien, daß dieses Manöver mißglückt ist, sowie es auch keinem Zweifel unterliegt, daß wir diese Wen- düng der Dinge nächst der Standhastigkeit de« Monarchen der Energie und Geschicklichkeit des Grafen Beust zu verdanken haben. Es scheint, daß es dem Letzteren gelungen ist, an maßgebender Stelle über die wahren Tendenzen der preußischen Annaherungs- versuche, sowie über die thatsachUche Lage der vster- reichisch-unganschcn Monarchie Licht zu verbreiten, und daß dieß genügte, um jene Versuche vollständig scheitern zu machen." In lalmatün ist eS zu Unruhen gekommen. Der etwa 40,000 Einwohner zählende Kreis Cattaro, welcher in den früheren Jahrhunderten zur Republik Venedig gehört hatte und 1814 nach lebhaftem Widerstand von Oesterreich in Besitz genommen wurde, erfreute sich von jeher des Privilegs, keinen Mann zu den Landtruppen noch zur Marine zu stellen; dis 1854 zahlten die Bewohner nicht einmal Steuern. Das neue Wehrgesetz ließ zwar jenes Vorrecht noch bestehen, dehnte aber die Verpflichtung zur Landwehr auch auf diese Gegend aus und im September sollte die Stellung beginnen. In stürmischen Volksversammlungen wurde beschlossen, sich der Einführung der Landwehr mit allen Mitteln zu widersetzen. Als nun die Stellung in diesen Tagen vorgenommen werden sollte, nahm die Bevölkerung eine drohende Haltung an, Zusammenrottungen fanden statt, auch wanderten zahlreiche Einwohner der an Montenegro angrenzenden Bezirke mit ihren Heerden in jenes Gebirgsland aus. Ein förmlicher Aufstand wurde organifirt, und in der Bocche di Cattaro erfolgte bereits ein blutiger Zusammenstoß mit den Truppen. Wie die „Oesterreich. Correspondenz" meldet, ist ein Oberlieutenant mehrfach verwundet und weggcschleppt worden. Die Insurgenten erdolchten den Verwundeten und lieferten den Leichnam aus. Außerdem wurden 11 Mann verwundet, zwei Mann werden vermißt. Die Regierung hat landeskundige und erfahrene Offiziere in die Bocche entsendet, um mit den Anführern der irregeleiteten Bevölkerung in Verkehr zu treten und durch Aufklärung über das neue Wchrgesetz die falschen Anschauungen, welche zu dem Zusammenstöße Anlaß gegeben haben, zu berichtigen. Gleichzeitig sind die Dampfer „Lucia" und „Andreas Hofer", sowie die Kanonenboote „Reka" und „Kerka" nach dem Canal von Cattaro beordert. Daß die Unruhen einen ziemlichen Umfang gewonnen haben, geht aus der Thatsache hervor, daß bereits 3 Jnfanterieregimenter, 2 Jägerbataillone und 2 Gebirgsbatterien an Ort und Stelle entsendet wurden. — Neuere Nachrichten aus Ragusa (vom 14.) melden: Auf das Anerbieten des Fürsten von Montenegro, auf die renitente Bevölkerung von Bocche beschwichtigend einzuwirken, wurde von der kaiserlichen Regierung mit dem Bedeuten geantwortet, daß dieselbe mit aller Energie Ruhe und Gesetzlichkeit herzustellen wissen werde. Den Weibern und Kindern der Aufständischen wurde Übrigens gestattet, sich auf das benachbarte Gebiet von Montenegro zurückzuziehen. Die Rekrutirung des Bezirks von Ragusa geht ohne Anstand vor sich. Die Nachrichten, welche die französischen Blätter über den republikanischen Aufstand in Spanien veröffentlichen, lauten ganz anders, als die Depeschen des Regenten Serrano. Wahrscheinlich stammen ihre Nachrichten, deren Quelle nicht angegeben ist, aus Barcelona, wo, wie der «Siede mitlheilk, ein regelmäßiges revolutionäres Bulletin herausgegeben wird. Der Bericht des „Rappel" lautet noch günstiger; nach ihm wirkt z. B. General Toquierdo mit 11 Bataillonen und 3 Schwadronen in (Katalonien und im Ganzen stehen 30 Bataillone in dieser Provinz im Felde. In Malaga hat die republikanische Partei ihre Kundgebung gemacht. Der Priester Romero ist mit 500 Republikanern aus dieser Stadt auSge- zogen. In der Provinz Alicante ist der Abgeord- ncte Santa Maria an der Spitze einer Bande von 400 Mann. Die Officiösen verkündigen, daß die Aufständischen keinen Generalstab hätten, daß jede Bande ihren eigenen Feldzugsplan verfolge. Aber Thatsachen, die sich nicht abläugnen lassen, scheinen dem zu widersprechen. Jeder ist von der Aehnlich- keit betroffen worden, welche alle die vereinzelten Aufstände untereinander haben. Sie sind allenthalben am nämlichen Tage, fast zur nämlichen Stunde ausgebrochen. Bei den ersten Nachrichten von dem Ausbruch konnte sich der General Prim nicht enthalten, vor den erschreckten Cortes auszurufen: „Dieser Aufstand ist ein wohlgeplanter. Die Empörer haben eine Oberleitung und einen Feldzugsplan!" Aber freilich, ob der Aufstand siegreich bleiben wird, ist eine andere Frage. Dem „P. Lloyd" wird aus Konstantinopel, 11. Oct-, telegraphisch gemeldet: Die Pforte hat in den finanziellen Punkten dem Khedive gegenüber nach- gegeben, es steht somit einer vollständigen Aussöhnung nichts mehr entgegen. vermischtes. In Offenbach fand am Sonntag Nacht ein Gefecht mit «Inet GmbrecherBande Statt. Ein Nachtwächter bemerkte nämlich Licht in dem Schmidt'schen Etablissement und sah durch die Labenritzt, daß die Spitzbuben gerade in voller Arbeit waren; er holte so schnell als möglich polizeiliche Hülfe und drang nun mit derselben auf die überraschte Bande ein. Dieselbe setzte sich aber zur Wehre und erhielt ein GenSd'arm «inen Stich, während einer der Diebe mit einem Hieb über den > Kopf ni'edergesireckt wurde. Nach langem Ringen gelang eS, i die Diebe zu überwältigen. RüdcSheim, 14. Oct. Der unglückliche A. Siegl aus Wien, welcher sich mit seiner Gattin in einem hiesigen Gasthaus durch Gift tobten und, nachdem dieses Vorhaben bezüglich seiner Person mißlang, sich zwischen hier und AßmannS- hausen in den Fluthen deS Rheins ertränken wollte, bat letz, teren Entschluß nicht ausgeführt. Gestern fanden ihn die Traubenhüter in einem am südlichen Abhänge de» Niederwaldes gelegenen Weinberge, Aulhauser Gemarkung. Er wurde auf den Niederwald gebracht und von da von GenSd'armen begleitet auf einem Karren hierher gefahren. Eine große Menge Volkes fand sich vor der Stadt und in den Straßen, die zum Arrestlocale pafsirt werden mußten, ein, um ihn zu sehen. Sie sahen eine wahre Jammergestalt. Die Spuren der Vergiftung zeigten sich auf seinem Angesichte; er war so schwach und so hinfällig, daß man seinen Tod ganz nahe glaubte. Der Unglückliche verweigerte standhaft den Genuß d.S ihm dargereichten Gegengiftes und aller Nahrungsmittel. Er und seine Gattin sollen seiner Aussage nach den Selbstmord schon seit dem Jahre 1861 beabsichtigen und zu diesem Zwecke das hier zur Anwendung gekommene Gift in Konstantinopel gekauft haben (?). Siegl ist 53, seine Frau 35 Jahre alt. Gr hat einen Sohn aus erster Ehe, an den er am Tage vor der Thal ein Packet mit Geld per Post absandte. Heute wurde der bedauernSwerthe Mann nach Wiesbaden angeblich in das dortige Hospital gebracht. Kassel. Am Abend des 10. d. hat sich folgendes Unglück ereignet. Der Main-Weserbahnzug fuhr in die Geleise d«S Warburger ZugeS, weil die anderen Geleise besetzt waren, wie daS öfters dec Fall. Der Rangirer Reitz, der scholl 16 Jahre im gemeinschaftlichen Dienst der hessischen Nord- und Main. Weserbahn steht, glitschte auf dem Perron aus und die anbrausende Lokomotive zerschnitt ihn mit ihrem Aschenkasten und ihren Rädern förmlich in Stücke. Er hinterläßt eine Frau und drei Kinder. Kirchheimbolanden, 14. Oct. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich in der Nacht vom 8. auf den 9. d. M. auf dem Bolanderhofe. Die mit Latwergrübren beauftragte 19jährige Dienstmagd deS dortigen Gutsbesitzers Ruppert ließ sich wahrscheinlich vom Schlaf übermannen, siel in di« siedende Masse und fand in Folge dessen sofort ihren Tod. DaS Fleisch deS Kopfes soll von den Knochen gänzlich loSgekocht gewesen sein. Au« Würtemberg meldet der „Beobachter" folgende- naive Schmabengeschichtchen: Gin im fernen Ausland befindlicher Würtemberger wurde zur Erfüllung seiner Kriegsdienstpflicht nach Hause geladen, Er schrieb dem künigl. KriegS- ministerium seine Bereitwilligkeit, bat aber dasselbe — bei seiner gänzlichen Mittellosigkeit — um Reisegeld. Dieses wurde seiner HeimathSbchürde übermittelt; der Gemeinderath mußte aber erklären, daß auch die Mutter de« Pflichtigen im öffentlichen Almosen stehe, und der Gemeinderath nicht in der Lage sei, eine Ausgabe zur Erfüllung von StaatSzwecken zu genehmigen. Dresden, 11. Oct. Der in der Abgeordnetenkammer eingebrachte Antrag Streit u. Genossen fordert Vorlage einer neuen Städteordnung und eine- GemeindegcsetzeS, den Wegfall deS Dualismus in der städtischen Vertretung, di« Wahl der Bürgermeister und Stadträthe auf Zeil, die Einführung allgemeiner und directer Wahlen mit geheimer Abstimmung, den Wegfall der Rittergüter-Gremptionen vom Gemeindeverband«, fakultative Bildung von Bezirksgemeinden rc. Chemnitz, 14. Oct. Vorige Nacht hat In dem Städtchen Lichtenstein eine große FenerSbrunst stattgefunden. Ungefähr 40 Häuser brannten nieder ; die öffentlichen Gebäude wurden gerettet. lieber die Entstehung deS Brandes hat noch nichts verlautet. Wien. Hiestge Blätter melden einen am Samstag den 9. d. hier vorgefallenen Seldmord, der großes Aufsehen her» »orruft. Der Oberküchenmeister, Graf Joseph WratiSlaw von Mittrowitz und Schönfeld hat sich in einem Anfälle von Melancholie mit einem Dolche ums Leben gebracht. Der Verstorbene, einer der „beliebtesten Cavaliere der Residenz", stand im Alter von 50 Jahren. Wie mit Sicherheit verlautet, waren es Börsenverluste, die ihn zu dem verzweifelten Acte trieben. Man beziffert dieselben auf kolossale Summen und will wissen, daß es sich in jüngster Zeit wieder um eine Bör- sendifferenz von 200,000 (nach Andern sogar 700,000 Gulden) gehandelt habe, deren Deckung Seitens der Familie durch einen Ausgleich, durch den Verkauf der Güter de« Grafen, vermittelt werden sollte. Bern, 8. Ort. Die „Gidgenösfische Bank" hat ein harter Schlag getroffen, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind. Da« Deficit, welches der flüchtige Cassirer ihrer Filiale in Zürich, ein gewisser Schärr, hinterlassen, beträgt nach dem bis jetzt gewonnenen Resultat der Untersuchung nicht nur 400,000 Fr., sondern 1,700,000 Fr., also fast den dritten Thril de« eingezahltrn Actien-Capitals. Die Summe, welche der Flüchtige in Baar mitgenommen hat, soll fich nur auf 160,000 Fr. belaufen, der andere Theil der fehlenden Summe sei von ihm in Privatspeculationen an der Pariser und Genfer Börse verloren worden. Thatsache ist, daß der Direktor der Züricher Filiale, Hr. Stadler welcher vorübergehend verhaftet war, gegen Caution jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt ist, auf Anzeige von Pari«, Schärr speculirr auf eigene Faust an der dortigen Börse, Kassensturz verlangte, welches Verlangen die Flucht des Letzteren zur Folg« hatte. Director Stadler ist seiner Functionen entsetzt worden; ebenso Hr. v. Wyß, der Procuraträgrr. Wie eS heißt, soll Schirr auch Hand an Depositen gelegt und Zahlungen im Contocorrrnt unterschlagen haben. Auf seine Einbringung ist ein Preis von 10 OOO 8r. gesetzt. In Waldshut bat der Flüchtige rin Bittet nach Antwerpen genommen, wahrscheinlich nur, um die Verfolgung, auf eine falsche Spur zu leiten. Paris. Nach den Mittheilungen hiesiger Blätter ist Pater Hyacinthe nach Amerika abgereist, um in zwei Monaten, um die Zeit, wo das Concil in Rom zusammeulreten soll, wieder nach Europa zurückzukehren. Italien. Die Krise der Kaiserin der Franzosen durch Oberitalien sah rhrr einer Flucht al« einer Reise gleich. Von Susa bis Venedig waren nicht blo« all« Bahnhöfe, man möchte sagen, hermetisch abgesperrt, sondern auch selbst den Gisenbahn- beamten der Büreaus war von Seiten der Direktion verboten worden, auf den Perron herauSzutreten. Die Vorhänge aller Wagen de» kaiserlichen Zuges waren ganz heruatergezogen; er glich einem Todtenzuge. fommi tragen hält,' welche llnterl Be 98; laltn finget an bi M abgehl Hm & Die 9838) sollen beiten werde Schi vei Schl Weif Tie Liefe 9796) wird steiger 7) Mar Grvtzh Siel dklNIZ 9810 1 in uns vcrpac Tie Gi . 982( legenh |annec Corl \ Redactton, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.