Preis vierteljährlich 36 fr. nit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich ' 49 kr. Oichmer Anzeiger. Erscheint wöchentlich dreimal. Dienstags, Doun*»- stagS und Samstags. — Expedition: Canzleibng Stt. B. Rr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben. _______—---------------------—— --r— Mx. 6 Donnerstag den 14. Januar 1869. Amtliche Bekanntmachungen. Bekanntmachung. Betreffend: Anmeldung und Prüfung der einjährig Freiwilligen. ^it-ipninen Webrvflicbtiaen, welche als einjährig Freiwillige dienen wollen und im Großherzogthum Hessen nach 8- 20 der Militär-Ersatz-Jnstruction für den Nord- deutsck>m^Bund^om26^Mär/1888 (Regierungsblatt Nr. 21) gestellungspflichtig sind, haben ihre Anmeldung schriftlich, unter Berücksichtigung der §. §. 148, 149, 151, 152, 153, 154 und 155 der erwähnten Militär-Ersatz-Jnstruction bis zum 1. Februar k. I. bei der unterzeichneten Commission -mznreichen. Der Meldung sind beizufügen: a. ein Geburtszeugnitz (Taufschein); b eine bealaubiate Einwilligung des Vaters oder Vormundes; ' ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) von dem Director, ’ beziehungsweise Rector der betreffenden Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute von der Polizeiobrigkeit ausmstellen ist. , Der Nachweis der Qualification kann durch Vorlegung von Schulzeugnissen oder durch Ablegung einer besonderen Prüfung geführt werden und tft m beiden Fallen bei Verlust des Anspruchs auf die Zulassung zum einjährig freiwilligen Dienst vor dem 1. April deszemgen Kalenderjahres zu erbringen, in welchem der Betreffende das 20. Lebensjahr vollendet. Bescheinigungen bei den Acten zu verbleiben haben, so sind dieselben in den geeigneten Fällen in beglaubigter Abschrift einzusenden. Bei Nichtbeachtung der bestehenden Vorschriften oder verspäteter Einreichung des Gesuchs wird der Anmeldung keine Folge gegeben. * Die Prüfung derjenigen Wehrpflichtigen, welche nicht schon vorher ihre Berechtigungsscheine erhalten haben, findet dahier im Locale der Handwerkcrschule Kirchstraße Nr. 22 statt und zwar. diejenigen aus der Provinz Starkenburg D i e n st a g den 2. März k. I. — für diejenigen aus den Provinzen Oberhessen und Rheinhessen Mittwoch den 3. März k. I. — für diejenigen aus den drei Provinzen, welche im Jahre 1852 geboren sind, Donner st ag den 4. März k. I. , , e d e S m a l von Morgens 8 Uhr a n. Eine spccielle Vorladung erfolgt nicht. Die unterzeichnete Commission macht außerdem auf folgende Bestimmungen ausdrücklich aufmerksam. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor dem vollendeten 17. Lebensjahre und muß bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. Februar des Kalenderjahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird. 2)fit der Anmeldung um Zulassung zum einjährigen Dienst ist die Aufgabe des Rechts, an der Loosung Theil zu nehmen, verbunden. Ausnahmsweise kann der durch die versäumte rechtzeitige Anmeldung verloren gegangene Anspruch durch Resolution der Ersatz-Behörden dritter Instanz roreber verlieben werden wenn der beteiligte Militärpflichtige noch nicht an einer Loosung Theil zu nehmen verpflichtet war oder vermöge seiner Loos-Nummer disponibel geblieben ist. In letzterem Falle darf diese Vergünstigung indeß nur dann eintreten, wenn der deßfallsige Antrag vor der zweiten Aushebung, bei welcher der betheiligte Militärpflichtige zu conmrnren ^'^^rve^eihüng der durch versäumte rechtzeitige Meldung verloren gegangenen Berechtigung sind an die zuständige Kreis-Ersatz-Commission zu richten. Darmstadt, den 28. December 1868. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. v. Grolm an. Strecker. B e so n d e r e Bekanntmachungen. 272) Die Sckulgelder aus den städtischen Schulen und der Realschule pro IV. Quartal 1868 können in den ersten 8 Tagen ohne Kosten zur hiesigen Städtkaffe bezahlt werden. ftahltaae: Dienstags, Donnerstags und Samstags. Gießen, am 8. Januar 1869. Der Stadt-Rentmeister: Enders. Das Kreis - Ersatz - Geschäft für das Jahr 1869. 317) Alle im Jahr 1849 geborenen M- litärpflichtigen, sowie Diejenigen, welche dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder bei der vorjährigen Musterung zuruckgestellt worden sind, verweisen wir auf die in Nr. 5 dieses Blattes in obigem Betreff erschienene Bekanntmachung Großh. Kreisamts vom 6. d. Mts. Gießen, am 13. Januar 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _____________Vogt.___________ Gehülfen - Stelle. 295) Bei dem Großh. Rentamt Gießen ist die zweite Gehülfen-Stelle zu besetzen. Hierauf Reflectirende wollen sich anmelden. Gießen, den 12. Januar 1869. Großherzogliches Rentamt Gießen. ________________Lyncker. __________ Das Kreis - Ersatz - Geschäft für 1869. 303) Den im Jahr 1849 geborenen Militärpflichtigen, welche eine einjährige Zurückstellung ansprechen zu können glauben, diene hiermit zur Nachricht, daß deßfallsige Ansprüche sofort bei der unterzeichneten Stelle vorzubringen sind. Gießen, den 12. Januar 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Versteigerungen. 294) Die Lieferung des diesjährigen Bedarfs der Main-Weser-Bahn an Betriebs- Materialien, nämlich: Buchen-Scheidholz, Reiserwellen, Braunkohlen, Dochte, Rüböl, rohes und raffinirtes, Petroleum, Stearinkerzen, Zündhölzer, Hanf- und Flachsheede, Makulaturpapier, Putzbaumwolle, Reiser- besen, Seife, Schmirgelpapier, Wasch- Schwämme, Soda, Terpentinöl:, Talg, Waschleder, Kupfer-Vitriol, Bindfaden, Fruchtgummi, Kreide um Plomben, — soll auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Termin hierzu wird auf Mittwoch den 27. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, in dem Geschäftslocale der unterzeichneten Direction auf dem Bahnhofe zu Kassel anberaumt, bis zu welchem die Offerten fran- kirt, versiegelt und mit der Aufschrift „Submission auf Lieferung von Betriebsmaterialien" versehen, einzureichen sind. Die Eröffnung der Offerten findet in Gegenwart der etwa persönlich erschienenen Submittenten statt. Die Lieferungsbedingungen nebst Bedarfsnachweisung liegen bei unserem Central- büreau bahier, sowie bei den Stations- Vorstehern der Main-Weser-Bahn in Marburg, Gießen und Frankfurt zur Einsicht auS, und können auch abschriftlich bei unserem Centralbüreau gegen Erstattung der Copialien bezogen werden. Kassel, am 11. Januar 1869. Königliche Direction der Main-Weser-Bahn. Holzversteiqerung in der Fürstlichen Oberförsterei Lich. 275) Künftigen Montag, den 18. d. Mts., Morgens 9 Uhr. soll im District „Kellersberg" und „Reitschule", auf dem Garbenteicher Weg am Kolnhäuser Feld anfangend, versteigert werden: 11 Stecken Tannen-Rundscheidholz, 71 „ „ Stockholz, 7000 Wellen Eichen- und Tannen-Reisholz, 251 starke Tannen-Stämme bis zu 22 Zoll Durchmesser = 11294 Cubikfuß, 1425 Tannen-Stangen = 1433 Cubikfuß Lich, am 12. Januar 1869. Fürstliche Obersörsterei Lich. Eigenbrodt. Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. 302) Montag den 18. und Dienstag den 19. Januar d. I., jedesmal von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, Distric- ten Neuhege, Heingesboden, Tanne und Zollstockswaldchen, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, und zwar: a. des Vormittags von 9 Uhr an in den Districten Neuhege und Heingesboden : 217 Fichten-Stämme mit 2923 Cubikfuß, 622 „ Stangen „ 2425 „ b. des Nachmittags von 12 Uhr an in den Districten Tanne und Zollstockswäldchen : 22V, Stecken Eichen-Scheidholz, 75 „ „ Prügelholz, 97 Vz „ „ Stockbolz, 2738 Wellen „ Reisholz, 28s/4 Stecken Nadel-Stockholz, 1725 Wellen ., Reisholz; c. Dienstag den 19. Janar, des Vormittags von 9 Uhr an, in den Districten Tanne und Zollstockswäldchen : 657 Eichen-Stämme mit 21043 Cubikfuß, 234 Fichten- und Kiefern - Stämme mit 2501 Cubikfuß, 19 Eichen-Stangen mit 73 Cubikfuß, 656 Fichten- und Kiefern - Stangen mit 2907 Cubikfuß. Die Zusammenkunft ist an beiden Tagen auf der Grünberger Chaussee an der fünften Schneiße. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Mai d. I. gestattet. Die Grobherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 12. Januar 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. Holzversteigerung. 307) Donnerstag den 21. Januar wird in den Dominalwaldabtheilungen Töpferkaute, Schinderskopf, Wüstekopf und Tempel nachverzeichnetes Holz versteigert: Scheidh. Prugelh. Stockh. Reish. Stecken Stecken Stecken Wellen Eichen 15 99 71'/» 3125 Nadelholz 45 143V< 87 4850 Zusammenkunft Morgens 10 Uhr in der Töpferkaute an der Eisenbahnlinie. Freitag den 22. Januar wird ferner in den Abtheilungen Dörnergrund und Unterwald nachverzeichnetes Nadelholz versteigert : 7 Stecken Scheidholz, 178 Stecken Prü- gelholz, 159Vz Stecken Stockholz, 7850 Wellen Reisholz, 80 Stämme mit 1417 Cubikfuß und 315 Stangen mit 1428 Cubikfuß. Der Anfang wird mit dem Stamm- und Stangenholz gemacht. Zusammenkunft Morgens 10 Uhr. auf dem Watzenborner Weg an der Eisenbahnlinie. Credit für beide Versteigerungen bis 30. Juni d. I. Gießen, am 11. Januar 1869. Großherzogliche Oberförsterci Schiffenberg. Br. Draudt. Holzversteigerung. 318) Kommenden Dienstag, den 19. d. M-, Vormittags 10 Uhr anfangend, soll in dem Bcllersheimer Markwald nachbenanntes Holz, als: 33 Eichen-Baustämme, 5000 Cubikfuß haltend, und 3500 Cubikf. Fichten-Stangen u. Stammunter £en bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen meistbietend versteigert werden. Bellersheim, den 11. Januar 1869. Der Markmeister: Bopp. Brennholz - Bersteiqernug, 296) Mittwoch den 20. Januar d. I. kommt in dem durch versteinte Wege mit der Staatsstraße nach Lich und Grimberg in Verbindung stehenden Districte Dörrn- berg bei Gonterskirchen folgendes Holz zur öffentlichen Versteigerung: 200 Stecken Buchen-Scheidholz, 80 „ „ Prügelholz, 56 , „ Stockholz, das hiervon sich ergeben habende Reisholz in 3 Flächenabtheilungen. Die Zusammenkunft ist Vormittags um 8Vr Uhr bei Holznummer 1. Laubach, am 10. Januar 1869. Gräfliche Oberförsterei. Thum. Feilgebotenes. 300) Hiermit mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich eine Auswahl von Offizierssternen, Epaulcttcnstcacn und feinen Säbcltroddeln in Commission erhalten habe. I. Loth, Brandgasse. 297) Meinen im Gartfeld gelegenen Garten, mit Häuschen und Brunnen versehen und mit guten Obstbäumen bepflanzt, bin ich Willens, ganz oder getrennt zu verkaufen oder zu verpachten. Wilhelm Schneider. V Filzschuhe in reicher Auswahl billigst bei W. Seuling, ___in den Neuenbäuen. 276) Von der Loo s'sche.i Brauerei ist das neue Brauhaus zu verkaufen, eventuell zu verpachten.____________Emil Pistor. 292) Ich empfehle hiermit meine guten Zithersaiten, mehrere Zither, Pulte und Zitherringe. Auch ertheile ich gründlichen Unterricht im Zitherspielen. Joh. Lerch, Hautboist, _________bei Herrn Kirchendiener Knoll. 311) Gutes Waizenftroh wird in dem Loos'schen Brauhofe verkauft.____________ 309) Au» der Loos'schen Brauerei verkaufe ich einen von Sandstein-Quadern aufgeführten Schweinestall von 24' Länge und 16' Breite._______________Emil Pistör. 278) Eine Partie gutgemachtes Grummet ist zu verkaufen. Bei wem? sag! die Exped. d. Bltts._____________________________ 277) Aus der ehemals L o o s'schen Brauerei werden verkauft: 2 Schrotmühlen mit Roßgang, 1 eiserner Maischbottich, 1 eisernes Kühlschiff 530 lDFuß, 2 Braukessel, ä 17 u. 5 Ohm, kupferne Pumpen, Pfannen und Röhren rc. rc. Emil Pi stör. 313) Der Universitäts Wand und Adreßkalender pro 1869 ist erschienen und zu haben bei Wilhelm Klee. 315) Die erwarteten Papierkragen und Manschetten für Damen und Herren sind angekommen. ______________________________L. Kattrein, Sonnenstraße. GROSSE PREIS-ERMÄSSIGUNG. LIEBIGS FLEISCH-EXTRACT DER LIEBIG’S FLEISCH-EXTRACT COMPAGNIE, LONDON. Nur ächt wenn jeder Topf mit Unterschrift der Herren Baron J. von LIEBIG und Dr. M. von PETTENKOFER versehen. DETAIL PREISE FUER GANZ DEUTSCHLAND 1 engl. Pfd.-Topf , beehrt sich, ihre reiche Auswahl anerkannt feiner und feinster Confitüren angelegentlich zu empfehlen. Die feit mehr als 30 Jahren sich eines stets vermehrten Rufes erfreuenden „Stollwcrck'schen Brust-Bonbons" sind das beste bis jetzt bekannte Hausmittel gegen catarrhalische Hals- und Brustleiden. Die Chocoladen von ausgesuchter Feinheit unterscheiden sich von jenen der ersten Pariser Fabriken nur durch ihre Wohlfeilheit. Gefüllte Chocoladen-Bonbons und Tafel- Desserts sind Specialität der Fabrikation. In Knall-Bonbons mit humoristischen Einlagen, komischen Atrappen, sowie feinen Präsent-Bonbonniöres und sujets ä Surprise stets das Neueste in großer Reichhaltigkeit. In Marcipan-Torten von V» bis 5 Pfund bieten 500 Dessins in künstlerischer Ausführung die Auswahl. Glacirte, candirte und eingemachte Früchte. Versendungen von mmdeftens 50 Pfund erfolgen innerhalb des Zollvereins franco bis zu der, dem Bestimmungsorte zunächstgelegenen, Bahnstation. Vollständige Preis- Courante auf Franco-Anfragen. Haasenstein & Vogler Zeitungs-Annoncen-Expedition in FRANKFURT AM MAIN. Filialgeschäfte: in Basel, Berlin, Hamburg. Leipzig, Wien. Turnverein. 288) Donnerstag den 14. Januar 1869, Abends präcis 8 Uhr: Generalversammlung im Darmstädter Haus. Tagesordnung: 1) Ergänzungswahl des Turnraths. 2) Antrag mehrerer Mitglieder um Abhaltung eines Balles. Der Vorstand. 299) Unterzeichneter bittet feine Kunden, ihre Adressen gefälligst bei Herrn Glockengießer Otto Sohn abgeben zu wollen. A. Seim, Tapezier, Wallthorstraße Lit. A. Nr. 151. 287) In ein Colonial -, Material- und Eisenwaaren - Geschäft in der Nähe von Gießen wird unter sehr vorthcilhastcn Bedingungen ein Lehrling gesucht. Nähere Auskunft ertheilt die Exped. d. Anzeigers. 285) Ein Mädchen, welches im Kochen und Putzen gründlich erfahren ist, wird womöglich bald in Dienst gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 298) Ein braves Dienstmädchen wird auf den 1. Februar in einen leichten Dienst gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 312) Ein auf Möbelarbeit geübter Schrep- ner wird zum sofortigen Eintritt gesucht. Th. Brück. Academischrs Hospital. 286) Für das medicinische Klinikum werden zwei in der Krankenpflege erfahrene, mit guten Zeugnissen versehene, Wärterinnen angenommen. Anmeldungen haben bei dem Unterzeichneten zu geschehen. Kuhlmann, Hospitalverwalter. 310) KS* Durch Ankauf der Loos'- schen Brauerei kann ich meinen auswärtigen Kunden jetzt mit Stallungen für ihre Gespanne rc. dienen. Emil Pi stör. Die Nummer 1 unseres Blattes von diesem Jahre kaufen wir wieder zurück; jedoch nur reingehaltene Eremplare. Die Cxped. des Gießener ___________Anzeigers._______ 234) Ein tüchtiger Schweizer wird auf ein Gut in der Nähe von Gießen gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 301) Bei der Kirchenkasse in Beuern liegen 374 fL 54 kr. zu 5 pCt. gegen genügende Sicherheit zum Ausleihen bereit. Hierauf Neflectirende wollen sich innerhalb 8 Tagen bei dem Unterzeichneten melden. Der Kirchenrechner: Lind enstruth. Fruchtmärkte. Gießen Alsfeld G ründ er g Lauterbach Mainz Jan. Frucht- und Mehlpreife in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten. Korn. Erbsen. Gerste Hafer. Linsen. Spelz. Wicken. Kartoffeln Auf dem Mit." Mit.- AüfUm Ks preis Markt preis Markt Markt preis ft. fl-kr. fl. fr. fr. fl. fr. fl fr. fl. fr. ff.! fr. fl. fr. fl. fr. fl»|fr- fl.fr. Mf M. M. M. M. M- M. M. M. 10 15 ■21 5 6 11 10 10 11 32 11 55 3 5 222 191 11 43 7 7 10 49 5 5 Auf dem Markt 55uf dem Markt Mt7 preis Miti preis 20 20 20 16 5 56; Mt^ preis preis Mt^ preis Ä preis Aüf^dem Markt Aus dem Markt Auf dem Markt 815 8'43 Auf dem Markt Waizen. Aüs^emiMIt^ 6 108; 21 128; M. M. M. 2 Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund. Feu i t Soldstenglück. Novellette von Heinrich Hensler. (Fortsetzung.) Andrea lag stöhnend auf dem Boden des Stalles. Er war übel zugerichtet und in einem gefährlichen Zustand; an Händen und Füßen mit starken Stricken fest geknebelt, war er kaum im Stande, sich von einer Seite auf die andere zu wenden, und er konnte sich nicht die geringste Erleichterung verschaffen.' Die Ueberzeugung, daß er in der Gewalt seines in allen Stücken siegreichen Nebenbuhlers sei, quälte ihn am meisten. Die Aussicht, eine jedenfalls mehrjährige Galeerenstrafe zu erhalten, war ebenfalls nicht tröstlich, und so kam es, daß, während unsägliche Schmerzen seinen Körper durchzuckten, auch die Erregtheit seines Geistes keinerlei Trostgründe gestattete, um ihn, wenn auch nur auf Augenblicke zu beruhigen. Er wünschte sich hundertmal den Tod und rief ihn wiederholt herbei. Er suchte, wiewohl stets vergeblich, den Verband seiner Kopfwunden abzustreifen, in der Hoffnung, dadurch seinen Zustand zu verschlimmern und zu sterben, um auf einmal alle Schmerzen, alle Sorgen und besonders seine Verzweiflung los zu werden. So kam endlich der Abend herbei und dann die Nacht. Niemand hatte nach ihm gesehen, — da hörte er leise seinen Namen nennen. Es war Maria. Er kannte augenblicklich die sanfte Stimme des theil- nehmenden Mädchens. Wohl hatte Andrea während des ihm so lange währenden Tages, wenn in einzelnen Augenblicken die entsetzlichen Schmerzen erträglicher wurden und ihm gestatteten, seine Lage mit einiger Ruhe zu prüfen und zu überlegen, an Marien gedacht, und sich Alles wiederholt, was sie ihm bei der Unterredung am Tage vorher gesagt hatte, — und er mußte ihr leider in allen Stücken recht geben, so sehr es auch seine Pläne, seine Wünsche und Hoffnungen durchkreuzte. Nun kam sie zu ihm in das Gefängniß, — er hörte ihre Stimme und konnte nicht zweifeln, daß Mitleiden und Theilnahme an seiner schlimmen Lage sie in dieser Stunde zu ihm führe. „Andrea!" rief Jene noch einmal, „wachst Du?" „Ob ich wache, Maria?" antwortete er ächzend. „Die fürchterlichsten Schmerzen nagen an meinem Körper; noch keine Minute konnte ich schlafen!" „Andrea!" fuhr das Mädchen fort, „ich komme nicht, um Dir Vorwürfe zu machen wegen des schweren Verbrechens, das Du begangen hast, — Vorwürfe, die Du sehr verdientest. Ich halte mich, wenn auch ohne meine Schuld, für die Ursache davon, und will die bösen Folgen, welche die That für Dich haben muß, wenn es mir möglich ist, von Dir abwenden. Ich will Dich befreien und Dir Gelegenheit geben, zu entfliehen; Du mußt mir aber durch einen Eid geloben, daß Du die Gegend hier alsbald und ohne den geringsten Aufenthalt verlassen und nicht mehr zurückkehren, daß Du weder an Battista noch an sonst Jemanden Dich rächen, daß Du Niemanden ein Leid zufügen, und daß Du endlich ein besserer Mensch werden willst." „Maria," sagte Andrea, hast Du das Vertrauen zu mir, daß ich einen solchen Schwur halten werde?" „Du bist ein wilder, hitziger, jähzorniger, händelsüchtiger Mensch," entgegnete Maria, „das habe ich jederzeit gefunden, aber für schlecht habe ich Dich noch nicht gehalten, und so bin ich überzeugt, daß Du dies Alles halten kannst, wenn Du nur ernstlich willst, und daß es Dir auf dieser Welt noch ganz gut gehen wird, wenn Du keine Mühe scheuest." „Wenn das wirklich Deine Meinung ist," sagte Andrea nach einer Pause, „so mußt Du auch das Vertrauen zu mir haben, daß ich Deine Wünsche und Dein Verlangen erfülle, ohne daß ich einen Eid schwöre. Mache mich frei, Maria, Du sollst es nie zu bereuen zu haben. Ich schwöre nicht, ich schwöre in keinem Falle, — ja ich gebe nicht einmal ein einfaches Versprechen, so lange ich gefesselt in diesem Stalle liege. Willst Du nicht ohne alle Bedingung mich befreien, — so überlasse mich meinem Schicksale, Du wirst mich und meine Zudringlichkeiten ja doch los. Es kann Dir am Ende einerlei sein, ob ich in dec weiten Welt frei umhergehe, oder ob ich auf einer Ruderbank angeschmiedet bin, wenn ich nur Deinem Glücke nicht mehr im Wege stehe." Maria bedachte, daß Andrea ihr noch nie ungehorsam gewesen sei, und daß er gewiß alle Veranlassung habe, so schnell wie möglich die Gegend zu verlassen. Endlich nahm sie sich vor, wenn er wider alles Hoffen dennoch da bleiben wolle, ihren Bräutigam, der ja doch in .den nächsten acht Tagen die Stube nicht verlassen durfte, zu warnen und zu veranlassen, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Der Gedanke, Andrea werde jedenfalls von einer sehr harten Strafe getroffen, deren Veranlassung sie sei, wenn sie auch keine Schuld treffe, machte sie unglücklich. Sie ging entschlossen zu dem jungen Manne und schnitt mit dem scharfen Messer, das sie mitgebracht hatte, vorsichtig die Stricke entzwei. Andrea stand jetzt auf und ging aus dem Stalle, dann nahm er Maria an der Hand und ging schweigend neben ihr bis zur Hinterpforte. Er trat hinaus und zog das sich sträubende Mädchen ebenfalls hinaus, indem er sagte; „Fürchte Dich nicht, Maria! Ich thue Dir nichts zu Leide. Ehe ich aber fortgehe, und das soll in dieser Minute noch geschehen, habe ich noch ein Paar Worte mit D:r zu sprechen." Maria folgte ihm zögernd, und er fuhr fort: „Ich gehe jetzt und komme nicht wieder, — was soll ich auch hier thun? Aber, indem ich Abschied von Dir für dieses Leben nehme, mußt Du mich als l e t o n. einen Sterbenden betrachten, und an jedes Wort, das ich Dir jetzt sage, wie an das Evangelium glauben, denn ich will und werde Wahrheit — nichts als die reine Wahrheit sprechen. — Maria! Du weißt, daß ich Dich liebe. Alle meine Anstrengungen, diese Leidenschaft, welche Du, wie ich deutlich fühlte, nicht erwidertest, zu beseitigen, oder nur in mein Inneres zurückzudrängen, waren vergebens ; die Gewißheit, keine Gegenliebe zu finden, machte mich wild bis zur Raserei, und da ich in jedem Gesichte Spott und Hohn zu sehen glaubte, so fing ich allenthalben Streit an, und suchte mich auf diese Weise an dem Schicksale zu rächen, das mir ohne Veranlassung von meiner Seite entgegentrat, und mit dem ich haderte, weil es mir eine so unansehnliche Gestalt und dieses häßliche Gesicht gab, — und so war ich bald mit aller Welt zerfallen. Maria! Du warst immer gütig und freundlich gegen mich, mehr wohl, als vielleicht recht, oder doch klug war, denn ich schöpfte dabei immer wieder Hoffnung, vielleicht dennoch Deine Gegenliebe erwerben zu können, bis Du mir gestern die Augen öffnetest. — Ich habe seit jener Stunde einen schweren Kampf in meinem Innern gekämpft und alle Qualen eines Verdammten empfunden, — jetzt ist cs aber vorbei. Ich fühle, daß ich fort muß — schnell — weit; — ich nehme aber meine Liebe mit mir, denn ich kann nur einmal lieben, und dieses für mein ganzes Leben. Maria! Ich gehe ohne Groll von hier, — ich werde ein besserer Mensch, — ich räche mich an Niemanden, am wenigsten an Battista; ich .habe ja ihn beleidigt und verwundet und er nicht mich. Siche, ich habe heute früh allerdings Streit mit ihm gesucht, aber so weit sollte es doch nicht kommen, und daß ich mein Stilet nach ihm warf, daran war mein Jähzorn schuld. Bitte ihn in meinem Namen um Vergebung. Du wirst sehen, daß ich Wort halte, fordere aber keinen Schwur von mir; freiwillig leiste ich Dir dieses Besprechen hier unter Gottes freiem Himmel, und Du wirst sehen, daß ich unter allen Verhältnissen in allen Stücken Wort halte." „Ja, der liebe Gott ist Zeuge Deines Versprechens," sagte Maria mit vor innerer Bewegung zitternder Stimme, „ich glaube fest daran. Glaube aber auch, daß, wenn Du Wort hältst, es Dir gewiß noch gut auf dieser Welt gehen wird. Aber auch das mußt Du mir noch versprechen, daß Du mir noch einmal Nachricht gibst, wie es Dir geht." Als Maria von dem wie in tiefer Zerknirschung dastehenden Andrea dieses Versprechen erheischte, schien der starrköpfige Bursche trotz seiner Anstrengung nahe daran zu sein, seine Fassung vollständig cinzubüßen. „Sei ein Mann, Andrea!" sagte das Mädchen, das nur mit Mühe ihre Thränen zurückhielt. „Hier habe ich ein kleines Reisegeld für Dich; es ist gar schwer, mit Nichts in die Welt hinaus zu gehen. Es sind zwanzig Scudi, die ich mir erspart habe, — verschmähe es nicht. Wenn Du kein Geschenk von mir annehmen willst, so betrachte es als ein Darlehen, das Du mir zurückbezahlen kannst, wenn es Dir besser geht. Du wirst dann auch nicht vergessen, uns Nachricht von Dir zu geben." Andrea nahm das Päckchen ohne Weigerung und sagte: , „Ich danke Dir nicht für dieses Darlehen, so nöthig ich es brauche, und so gute Dienste es mir leisten wird; — ich habe Dir mehr zu verdanken als dieses; wenn ich aber nach Jahr und Tag noch lebe, dann erhältst Du es mit Interessen wieder! Und nun — lebe wohl, und denke zuweilen an mich." Mit diesen Worten schlang er seinen Arm um das Mädchen, preßte es mit Heftigkeit an feine hochklopfenve Brust und drückte einen langen innigen Kuß auf dessen schwellende Lippen. Maria duldete dieses und erwiederte leise den Kuß des Scheidenden. Andrea riß sich laut weinend aus den Armen der so heiß Geliebten und eilte raschen Schrittes davon. Das Mädchen sah ihm mit bewegtem Herzen lange nach. Als er ihren Blicken entschwunden war, hörte sie noch seinen raschen festen Tritt. Als sie auch diesen nicht mehr hörte, blieb sie doch noch lange da stehen und sah nach der Gegend hin, nach der er gegangen, und ließ ihren reichlich fließenden Thränen freien Lauf. Als sie endlich in das Haus zurückschlich und wieder neben Battista's Bette saß, versuchte sie vergebens ihren Gedanken eine andere Richtung zu geben; sie folgten dem Flüchtlinge, dessen Vergehungen zu entschuldigen sie so gerne bereit war; — hatte er ja doch nur aus übergroßer Liebe zu ihr gesündigt! — Etwa drei Jahre nach diesen Vorfällen, an einem Sonntag Nachmittage kam ein schmucker Soldat, mit reichlichem Gepäcke versehen, nach Monzi gefahren. Der Wagen hielt vor der Schenke, der Soldat stieg ab und trat in die Gast- stube. Der Wirth erkannte ihn sogleich, — es war Andrea, der ehemalige Ziegenhirte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in dem Dörfchen und bald strömten die neugierigen Bewohner von allen Seiten nach der Schenke, um den Ankömmling zu sehen, — er war aber ausgegangen. Andrea hatte den Wirth sogleich nach seinem früheren Dienstherrn und dessen Tochter gefragt, und Jener hatte ihm erzählt, der alte Bauer sei noch am Leben und bei leidlicher Gesundheit. Maria habe bald nach seiner Flucht den Oberknecht Battista geheirathct und erwarte binnen Kurzem ihre zweite Niederkunft. Alle seien gesund und wohl auf, und so viel -man wisse und erfahren könne, gehe es den jungen Leuten ziemlich gut. Mehr wollte Andrea nicht wissen. (Fortsetzung folgt.) Darmstadt, 11. Jan. Der Abgeordnete Möl- linger hat bei der Stänvekammer den Antrag gestellt: die Staatsregierung um Vorlage eines Gesetzesentwurfes zu ersuchen, nach welchem Bau und Unterhaltung der chaussirten Vicinalwege nicht mehr den einzelnen Gemeinden obliegen soll, sondern den ganzen Kreisen, und alle einschläglichen Bestimmungen, namentlich über Richtung, Bau und Ausschlag der Kosten auf die einzelnen Gemeinden, den Kreisämtern in Verbindung mit den Bezirksräthen zustehen soll. Berlin, 5. Jan. Die Kanonenaffaire von Szo- zakowa, d. h. die Sistirung, resp. Beschlagnahme einer als „Ackergeräthschaftcn" declarirten Sendung von 80 Geschützen, ist noch immer Gegenstand der Controverse zwischen den Wiener Blättern und den hiesigen Officiösen. Gegenüber den positiven Behauptungen der beiden Wiener „Pressen" bringt jetzt auch die „Kreuzzeitung" ihr Dementi. Es heißt darin: „Die abenteuerliche Zahl von 80 Kanonen ergab uns sofort die Unrichtigkeit jener österreichischen Meldung. Nachdem wir uns näher erkundigt, können wir aufs Bestimmteste versichern, daß sich auch nicht eine Kanone bei jener Sendung befunden hat, daß dieselbe vielmehr aus Wagenrädern bestanden hat, die von Schlesien durch die Bukowina nach Rumänien gehen sollen, und daß der Begleitschein die vollständig richtige und genaue Declaration der Frachtstücke enthalten hat. Deßhalb sind dieselben eben auch bald— in Folge Anweisung aus Wien — weiter expedirt worden. Die furchtbaren 80 Kanonen aber scheint Jemand erfunden zu haben, der geschäftsmäßig über die „bedenkliche Gährung in Rumänien, die von Preußen aus genährt werde," zu erzählen hat." Berlin, 11. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg." führt heute aus, daß der Justizminister bezüglich der Hülfsrichterfrage mit vollster Legalität gegenüber dem Abgeordnetenhaufe verfahren fei; indem bis zum 3t. Dec. v. I. drei derselben entlassen sind, während die übrigen vier nicht aus öffentlichen Mitteln besoldet werden. Danzig, 3. Jan. Der Königsberger „Hart. Ztg." schreibt man von hier: „Der vorjährige Noth- stand in Ostpreußen scheint diesen Winter in einigen Ortschaften unseres Regierungsbezirks eine zweite Auflage erleben zu sollen, und zwar vornehmlich auf der Nehrung. Die Kartoffeln, fast die einzige, auf dem dürren Sandboden fortkommende Feldfrucht, sind bei der anhaltenden Dürre des letzten Sommers hier völlig mißrathen, und fehlt somit der armen Bevölkerung das Hauptnahrungsmittel. Dazu kommt noch, daß der Fischfang, welcher in den meisten Nehrungsdörfern den Haupterwerbszweig bildet, in der Ostsee und der Weichsel immer unergiebiger wird (die Nehrungsfischer haben seit den letzten Jahren fast keinen einzigen reichen Fang mehr gemacht). In Weich- selmünve und Heubude bricht in Folge dessen die Einwohnerschaft bereits zu großen Mengen in die städtischen Forsten, um durch unerlaubtes Graben nach Bernstein sich einige Subsistenzmittel zu ver- schaffen. Am schlimmsten aber ist das durchweg von armen Fischern bewohnte große Dorf Bodenwmkel daran, wo der Typhus mit besorgnißerregender Heftigkeit ausgebrochen ist. Wiesbaden, 10. Jan. Die heute dahier stattgehabte Generalversammlung des Wahlvereins der deutschen Fortschrittspartei in Nassau verwarf das seitherige Programm ter Partei und beschloß die Auflösung des Wahlvereins und den' Anschluß der Mitglieder desselben an die großen preußischen Parteien, an die Fortschritts- oder nationalliberale Partei, je nach ihrer Meinung. Dagegen nahm die Versammlung zwei Petitionen an das Abgeordnetenhaus an: um Ablehnung des Schulgesetzes und Abschaffung der LebenSlänglichkeit des nassauischen Bürgermeisteramts. Paris, 10. Jan. Man hat in diesen Tagen den Kaiser als unzufrieden mit Baroche's Vorgehen gegen Baron Svguier in Toulouse dargestellt. Dirß ist nur zur Hälfte wahr. Napoleon III., der sehr machteisersüchkig ist und stark auf die Prärogative seiner 1852ger Verfassung hält, wonach sich in feiner Person die gesammte Executive concentrirt, war sehr ungehalten, daß der Großsiegelbewahrer die Entlassung des Toulouser Staatsanwaltes angenommen, ohne ihn von dieser wichtigen Sache in Kenntniß zu setzen, aber im Grunde hatte er nichts gegen die Amtsführung Barochr's einzuwendcn. — Am letzten 1. Januar ereignete sich in den Tuilerien ein sehr komischer Vorfall. Der Sohn des Vicekönigs von Aegvvten, der hier erzogen wird, hatte sich nämlich um 5 Ubr Abends in die Tuilerien beaeben, um dem kaiserlichen Prinzen den Besuch zu erwiedern, den ihm dieser am nämlichen Tage abgestattet. Man lud den jungen Prinzen zum Diner ein, was dieser auch annahm, da man ihm sagte, daß dasselbe im vertraulichen Kreise stattfinden werde. Als er nun aber plötzlich mehrere Damen in reicher Toilette eintreten sah, ergriff ihn ein panischer Schrecken. Er stürzte zum Saale hinaus und lief spornstreichs in seine Wohnung zurück. Sein Gouverneur, der ihm nachjagte, holte ihn erst an seiner Wohnung ein, ohne ihn jedoch bestimmen zu können, wieder nach den Tuilerien zurückzukehren. Paris, 11. Jan. Gutem Vernehmen nach verlangte der griechische Bevollmächtigte in der ersten Conferenzsitzung, derselben mit gleicher Besugniß wie die Türkei beiwohnen zu dürfen und zeigte an, daß er nach Athen telegraphiren würde, um sich zu in- struiren, ob er an der Konferenz mit berathender Stimme theilnehmen oder sich zurückziehen solle. Trotzdem soll ein befriedigendes Resultat in Aussicht stehen. — Der „Armee-Moniteur" sagt in seiner Jahresrevue: „Der gegenwärtige militärische Zustand Frankreichs setzt es in die Lage, allen Eventualitäten gegenüber zu treten. Wir sind jetzt stark genug dazu. Wir leben mit allen Mächten Europas in so vollständiger Harmonie, daß wir derjenigen Macht, welche einen ungerechten Krieg unternehmen und und zwingen wollte, den Degen zu ziehen, leicht begegnen könnten." London, 5. Jan. In welchen Verhältnissen Pauperismus und Verbrechen in London im Wachsen sind, darüber gab ein kürzlich von Dr. Hawkelry gehaltener Vortrag statistische Angaben, welche gradezu schreckenerregend sind. Die Hauptstadt zählt im Ganzen über 1000 WohlthätigkeitSanstalten, welche jähr- lich über 4,000, 000 L. an Unterstützungen verausgaben. Dazu kommen 5,500,000 L., welche auf anderem Wege den Hülflosen zufließen und mehr durch Privatbände ihren Weg nehmen, während weitere 1,200,000 L. vom Staate beigesteuert werden. Man kann sagen, daß in runder Summe 8.000,000 jährlich zur Unterstützung Nothleidender vcnheilt werden, und doch ist das Elend im Wachsen. Während der letzten 10 Jahre hat die Ge- sammtbevölkerung Londons um ein Sechstel zugenommen, während sich die Unterstützungsbedürftigen zu gleicher Zeit um die Hälfte vermehrt haben. Das Verbrechen hält mit der Noth gleichen Schritt. Im Jahre 1867 befanden sich 8964 Verbrecher und Verdächtige in der Hauptstadt auf freiem Fuße und das Jahr 1868 weist schon 10,342 Personen dieses Gelichters auf. Durch Einstellen der Transportation werden alljährlich 2000 Verbrecher frei und daneben werfen die sonstigen Gefängnisse noch gegen 100,000 Menschen aus, indessen 100,000 Kinder hülflos und verlassen heranwachsen, um die Reihen der Bettler- und Diebsarmee zu füllen. Vermischtes. Gießen, 13. Jan. Schwurgericht der Provinz Ober- heffen vom ersten Quartal 1869. U r t h e i l e: Den 4. Januar wurde Kaspar Jost von Stangenrod, wegen Verführung zur Unzucht, in eine CorrectionShauSstrafe von 2 Jahren condemnirt. Den 5. Jan. wurde Johann Valentin Boll von Dorndiel, wegen Eigenthumsbeschäd'gung und Diebstahls, in eine geschärfte CorrectionShauSstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten verurtheilt. Den 6. Januar wurde Heinrich Jager IV., seither Feldschütze zu Ulfa, von der gegen ihn wegen Bestechung erhobenen Anklage, nachdem die Geschworenen auf die ihnen vorgelegte Frage ein „Nichtschuldig" erklärt hatten, freigesprochen. Den 7. Januar wurde Gottfried Staubach von Herbstein, wegen Münzverbrechen, zu einer 4jährigen ZuchthauShauSstrafe verurtheilt. Den 9. Januar wurde gegen Peter Feuerbach aus Ober- Wöllstadt, wohnhaft zu Rodheim v. d. H., 29 Jahre alt, Weißbinder, verheirathet, wegen Nothzucht und Mord«, die Todesstrafe erkannt. Gießen. Wie Seitens deS preußischen Hauptbank-Di- rectoriumö bekannt gemacht wird, ist eine Nachbildung der preußischen Banknoten ä 10 Thaler neuester Emission vom 18. Juni 1867 zum Vorschein gekommen, die zwar nach ihrem Gesammteindruck den ächten ähnlich erscheint, bei einiger Aufmerksamkeit jedoch von denselben durch die gröbere Ausführung des GuillocheeS auf der Vorderseite und der auf beiden Seiten befindlichen Minervaköpfe, sowie durch den weniger scharfen Abdruck deS königlichen Wappens und deS Eontrolstempelö leicht zu unterscheiden ist. Mainz, 6. Jan. Mit dem letzten Zuge von Frankfurt langte gestern Abend der von den Vereinigten Staaten Nord- amerika'S ausgelieferte Schäfer von Bretzenheim hier an. Derselbe, bekanntlich der Erniordung seiner Ehefrau beschuldigt, wurde von einem Bremer Gensd'armen eScortirt. Italien. Aehnlich wie bei uns die Tauben macht man in den Ebenen der Lombardei und Piemonts die Sperlinge zu Hausthieren, um der Unmasse von Jnsecten zu wehren, welche aus dem Bewässerungssystem zugleich mit der Fruchtbarkeit be'voraehen. und auch um für die Tafel billiaen und schmackhaf ten Braten zu gewinnen. Die Ueberschwewmungen hinterlassen viel verwesende Stoffe, welche durch Myriaden von Jnsecten und Würmern verzehrt werden, aber wenn die Vegetation kräftig geworden ist, so würden diese Jnsecten Alles zerstören, wenn nicht die Sperlinge zur Fütterung ihrer Jungen einen unablässtgen Krieg gegen sie führten. Dis Italiener stutzen deshalb den kleinen Sperlingen die Flügel, um sie möglichst lange im Neste zu halten, unk sie auf die Nahrung von Jnsecten anzuweisen. In den Mauern vieler Häuser sieht man Hunderte von Löchern zu Sperlingsnestern hergerichtet, ja man findet anHKirchen dieselben zu Tausenden. Eine ganz eigen- thümliche Erscheinung find hohe viereckige Thürme, die nur zu Sperlingsnestern erbaut sind, und an den Straße» in jenen Ebene» stehen, wo meilenweit nichts als Getreide oder Reis zu sehen ist. Der Eigenthümer steigt zu bestimmten Zeiten in seinen Thurm hinauf und kommt mit einem Korbe voll Sperlinge zurück, welche dann gerupft, gebraten und verspeist werden. England. Ein Theil der Passagiere des Dampfers „Starly Banner" (Sternenbanner), welcher zwischen Aleran- dria und Newyork fährt, ist in London angekommen und bringt die erschütternde Botschaft, daß das Schiff im atlantischen Ocean bei einem Sturme zu Gründe gegangen ist, welcher 122 das Leben gekostet habe. Das Unglück ereignete sich etwa 700 Meilen westwärts von Irland. Nachdem das Schiff das Mittelmeer verlassen, begegnete eS so heftigen Stürmen, das e» sich zu dem weiten Umwege nach Southampton entschloß, um stilleres Wetter abzuwarten. Nach kurzem Verweilen ging der Dampfer am 14. d. M. wieder in See, aber bald trat wieder einer der in diesem milden Winter so überaus zahlreichen Stürme ein und hielt mit ungeschwächter Kraft eine ganze Woche an. In diese Zeit fällt das Unglück. Man wußte an Bord, daß da« Schiff nicht zu den tüchtigsten gehörte, schon ziemlich alt sei, und dieß trug dazu bei, die Besorgniß beim Ein,ritt schlimmen Wetter- zu vermehren. Am 19. December wuchs der Sturm zu solcher Heftigkeit an, daß die Wogen hoch über da- Schiffsbord hinausschlugen, al- wäre e- nichts mehr al- ein rollender Balken und die Rettungsboote theil- weise entführten, theilweise unbrauchbar machten. Am 20. December verdoppelte sich die Wuth des Orkans und damit die Verzeiflung derer an Bord, namentlich als der Metallbeschlag dem fürchterlichen Anprall der wülhenden Wasser nicht mehr Stand hielt, sondern sich abzulösen begann. Der größte Theil der Passagiere nahm seine Zuflucht in den großen Salon oder in dessen Nähe, um den Wogenschnellen zu entgehen. Plötzlich folgte aber Wasserberg auf Wasserberg in reißender Schnelligkeit, zertrümmerte einen Theil der Seitenwände, zersplitterte den ganzen Salon in Atome und schwemmte durch die gewaltsam erweiterte Oeffnungen nicht weniger als 100 Personen, Männer, Frauen und Kinder in den schäumenden, tobenden Ocean hinaus. Das Jammergeschrei wird al» Herz und Sehnen lähmend geschildert. Ein junger Cavatterie-Offi- zier, der Vereinigten Staaten-Armee angehörig, Major H. Joy, bewies heroische Kühnheit. Er entledigte sich eine» TheileS seiner Kleider und eben so mit Gewalt der ihn festhaltenden Arme der Seeleute, die ihn für einen Wahnsinnigen hielten, und stürzte sich in die Wogen, um zu retten. Ein vorzüglicher Schwimmer, fand er seine Bemühungen reichlich belohnt; eS gelang ihm allein, wie der Bericht sagt, eine große Anzahl Menschenleben zu reiten, indem er die Sinkenden dem Schiffe so nahe brachte, daß mit Hülfe der Hände an Bord deren Rettung bewerkstelligt werden konnte. Während dessen begann das Schiff bedenkliche Riffe und Spalten zu zeigen und alle Hoffnung, an Bord desselben der Gefahr Trotz bieten zu können, mußte aufgegeben werden. In fliegender Eile zimmerte man ein Floß zusammen, in solcher Eile, daß man nicht die Zett gewonnen, einen Bissen Zwieback, ein Faß Wasser mit auf die Reise zu nehmen. Und auf diese Holzinsel von losen Massen und Tauwerk retteten sich die überlebenden 42 au» einer Gesammtzahl von 164 Köpfen unter Befehl M Oberoffizier» von Barem. Drei Tage und zwei Nächte dem unerbittlichen Sturme Preis gegeben, den Wogen und Waffer- stürzen ein hülfloses Spielzeug, ohne Stillung des Hungers und des Durstes trieben sie dahin, bis ein französische» Barkschiff in Sicht kam, die Geretteten aufnahm und an französischer Küste landete, von wo sie zum großen Theil nach England herübergekommen find. Der Amerikaner ist praktisch; schon lange weiß er sich auf der Reise mit dem Bahnzuge ein bequeme» Bett herzurichten und in nächster Zeit wird er außer dem Schlafsalon auch noch die Bequemlichkeit eine» Cpeisewaggons genießen. Zwischen Chicago und St. Loui» ist diese wohlthätrge Einrichtung schon in'- Leben getreten. In der Mitte des Zuge» gewähren zwei geräumige Salons zu beiden Seiten de» Küchendepartement- 48 hungrigen Mägen zu gleicher Zeit Raum und Gelegenheit zur Befriedigung ihrer desfallfigen Bedürfnisse, wiß jedem Besucher der Minen noch erinnerlich ist. Die Kapelle war im Jahr 1690 ausgebrochen und Alle» — Einfassungsmauer, Altar, Crucifir, Säulen, Statuen u. f. w. — waren au» Salzstein gemesselt. Die Kapelle gewährte namentlich bei Beleuchtung «inen eigenthümlich erhebenden Anblick und versammelte die unterirdischen Bewohner der Grube oftmals zum Gebete. Die Zerstörung der Kapelle hat auf die übergläublschen Bergleute einen großen Eindruck geübt, ja sie halten gegenwärtig das Bergwerk für unrettbar verloren. *** Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Der Magistrat einer preußischen Stadt schrieb an einen Bürger: „Herrn Tischlermeister N." — Diese» „Herrn" war auf dem Couvert au-gestrichen und darüber geschrieben „Dem". Der Tischlermeister fand dieß mit Recht beleidigend und beschwerte sich bei dem Magistrat. „Ach was," erwiederte ihm der Herr Bürgermeister, „was au-gestrichen ist, da» ist so gut, als ob eS nicht dasteht. Es heißt einfach: „Dem Tischlermeister N, und damit beruhigen Sie sich." — „Gut," sagte der Tischlermeister und ging. Am andern Tage richtete er an den Bürgermeister ein Schreiben, mit der Aufschrift: „An den naseweisen Magistrat zu X. Dieses „nase" hatte er ausgestrichen und darüber ganz klein „hoch" geschrieben. — Der Herr Bürgermeister ließ ihn vor sich kommen und fuhr ihn mit barschen Worten au, wie er sich eine solche Frechheit herausnehmen könne. — „Wa- wollen Sie denn," antwortete gelassen der Bürger. „Sie haben mir ja gestern selbst gesagt, was ausgestrichen ist, ist so gut, al- ob eS nicht dasteht. Ich habe „nase" auSqestrichen; es heißt also einfach : ' „An den hoch weisen Magistrat zu X.“ Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fjr. Chr. Pietsch) in Gießen.