Gitßcmr Anzeiger Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kieszen. Nr. L3 Dienstag den 13. April 1869. 94 m t H d? e Bekirnntmtt ei-ungen. Preis vierteljährlich 36 kr. mit Brtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 kr. ► ):etz 1 lals I ?af.- x Erscheint wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. S-- ptmann. Me, baß ich an Vawn, Damast, > errichtet habe. ' Bedienung Mr ebr. Wenzel int ilumenfeld. ul ile ist halft. ibalcr. festen und billigen ik BedingMgen. - : Versicherung untn r Vermittlung von Sichen. r in Gießen. iflbt Sohn immde rsheim. eben der 6* NackniAags vot Birnhum- icrivS lädier Ha»^ IlpP'r^W im । ich im 6,anb ' (jrnomtnen u«d fS 'L w^Ät 17' JrÖ’,nfrltr(3052) Betreffend: Visitation der Feuerstätten in 1869. Gießen, am 7. April 1869. Das G r o h h r r r i> g l i ch r Kreisamt G j c fj t n an ‘ die Groscherxoglichen Bürgcrmeistercirn des Kreises mit Ausnahme von Gieken AVI ? rt A1 t C\ -wt. «k I . n . . ri /Y . C V • < .... 2Bir werben, rote im Vorjahre, so auch im lausenden Jahre, die ßerftelliUTa der bei der Feuervisitation entdeckten feiiernpFnFirrtrhi>n . "ufscher controliren lassen und kann daher die Controle durch Sic unterbleiben. Wir beauftragen Sie deßhalb sobald flhnen bie »Mtot^nSnrnfnrnn. bl‘v<6 b?e Bezirksbau- »ir Herstellung der Gebrechen sestsetzenden Verfügung zugegangcn sein werden, con dem Inhalt der letzteren die betreffenden b,e Laß und wann d.es geschehen, sowie, auch an wen d.e Eröffnung erfolgte, in den Visitationsprotocollen gehörig 3u 3efd)£im0/n unb biefe atobana faf ?t Unb "6nc8ben M- !tuna§beri(iit an rniS ntriirfinfenhpn 1 1 v vyuc ucu uy' antrog ro7rbBeCgif®toroc^beni6eVn @k bemerten' b“8 bie 5Rct,ifion but* di- Bczirksbauaufseher erfolgen unb daß bei nicht rechtzeitiger Herstellung unnachsichtlich Straf- hinzuwfE°^^"B^ ,0“m ®i£ Übri0Cn§ burtb Obi0e Anordnung nicht der Verpflichtung enthoben werden, auch Ihrerseits sopiel möglich auf Beseitigung der Gebrechen J'-ö1“'«'-11 l'-lll IVUVUl, ...... , ----- Eröffnung erfolgte, in vv» Mt|uuuv.i»uiv»nvMVH HU.UU„ lauf der den Gebäudceigenthümern bestimmten Fristen abzuwartcn, ohne Begleitungsbericht an uns zurückzusenden. TiPrt npfr M p n m i h ohoft ti orn wi a (f oh (o»«o S. «C. k: ind zu buben bei 0. Rahn. 3227) Eine Partie Bnx zum Aussehen ist billig abzugeben bei Obi. 2BnIl en fei 8, am Markt. 3201) Zimmcrspäne, a zcorb 6 fr., ver 3234) Den geehrten Damen ringe ich zur Nachricht, daß mein Geschäft während der Saison biö Abends IO Uhr geöffnet bleibt. Wilhelmine Fuhr. 3175) Ein braves Mädchen, welches in allen Hausarbeiten gründlich erfahren ist, wird zu sofortigem Eintritt gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 3188) Ein gesitteter Junge kann in die Lehre treten bei ______________H e i n v i cb Schaffstäd t. 3233) In die Vertiefung zwischen meiner Gartenmauer und der Grünberger Chaussee kann Schutt gegen die gewöhnliche VSrgü- tuiirf abgeladen werden. F unk, Stadtger.-Actuar. 3211) Ein braves Mädchen wird gegen hohen Lohn in Dienst gesucht. Nähere Aus- funft ertheilt die Exped. d. Bltts. 3187) Ein braver Junge kann in die Lehre treten bei H- Schäfer, Drechsler. 3173) Eine hiesige Cigarren- und Tabakfabrik sucht für jetzt oder nach Pfingsten einen jungen Mann in die Lehre. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 3239) Ein Dienstmädchen wird zum 15. Mai ober 1. Juni gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.__ 3204) Zwei gut möblirte Zimmer mit Cabtnetten, sowie ein Mansarden-Zimmer, ind zu vermiethen bei Wittwe Martin. 3194) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei _____________Carl Schulze. 3178) Eine möblirte Stube mit Cabinet ist zu vermiethen bei Buchbinder H. Kühn, Seltersweg. 3179) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei H. Bepler, Sonnenstraße. 3181) Im zweiten Stock der Restauration Brainm ist ein möblirtes Zimmer zu ver- iniethen.___________________________ 3171) Ein FamilienlogiS wird pr. 1. Juli frei bei S. Weimersheim. 3172) Eine möblirte Stube mit Kabine! ist zu vermiethen bei I. Hassen teufe! Wittwe. 3174) Eine Familienwohnung ist zu vermiethen und sogleich beziehbar Neuenweg Nr. 131._________ 3165) Bei Frau Hofger.-Secretär Stürz im Clubgebände ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 3168) Eine geräumige Scheuer ist An- sangs Juni oder Juli zu vermiethen Aster- iveg Lit. A. Nr. 101.___ 3170) Zwei freundlich möblirte Zimmer, das eine mit Cabinet, sind zu vermiethen 3197) Meine bekannten Fett-, Flamm- und Ziegel kohlen off eure einem geehrten Publikum zu den billigsten Preisen hiermit bestens. Bestellnugen beliebe man bei den Herren G e b r. Wenzel am Kreuz, sowie auch in meiner Wohnung, zu machen. Gießen, den 11. April 1869. St. Hillenbrand, wohnhaft an der Klein Lindener Chaussee im Chausseehaus. 3161) (frcineiit, gußeiserne Abtrittsrohre und .^upferwafser empfiehlt I. G. D. Bapst. Vermieth n ngcu 3196) Mein Nebenhans nebst Keller, zwei Gärtchen und Mitgebrauch der Waschküche ist anderweit zu vermiethen und An- angs Juli beziehbar. L. König Wittwe. 3232) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei P. Herbert, Neuenweg. 3209) ®in schön nröblirteS Zimmer mit Cabinet ist ;n vermiethen. LoniS Petri II., Neuenweg. Zur Nachricht. 3231) Donnerstag den 15. d. Mts. schicke ich wieder Gegenstände zum Färben und Drucken au die Bloch'sche Hofschönfärberei in Darmstadt nb. '________I. Schlund, Schloßgasse. 3237) Ich suche einen braven Jungen von auswärts bis zum 1. Mai in meine Wirthschaft._________________I- Göbel. 3176) fyvei gute Bauschreiner gesucht von Will). Hofmann, Schreinenneister, ________in Wetzlar._______________ 3177) Ich suche einen, auch zwei brauchbare Mechaniker - Gehülfen zu alsbaldigem Eintritt. Ehr. Jung, Mcchanikus. Ncstliuralioii Bramm. 3230) Mittwoch den 14. April: M Musik- (1 Gesang- Soiree des Komikers und Mimikers Simmedinger, genannt der „S ch w a b", in Gesellschaft der Familie Müller. Anfang 8 Uhr. 3236) Ich suche einen größeren vollkoni- men trockenen Lagerraum ans eine längere Reihe von Jahren zu mietljen. A. 9t i cf er, Buchhändler. 3163) Ein tüchtiger Hausbursche wird gesucht von A- Zinßer, im Garten. 3072) Ein junger Mensch, welcher das Schreinergeschäft erlernen will, kann auf Pfingsten in die Lehre treten bei I. Schneid cr, Schreiner, _______Asterweg.___ 3189) 3000 fl. sind gegen gute Sicherheit auszuleihen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. > \ w Jif 'M511 Ö(MW I“ um 0* 51 1" !-i 6t ,1 in '£ ” Al fitltii be'ü® r-Ä * ',on 6t wir ((jnitltntbc' 6’im, (tt wüliil nu ijir tm fprij fr, lv Trotz A UP naih 'öetnti Äench „Su am Arendt 3V bklvrzt bil Vlitk W Er s entrinnen 3b fyutytfabi ..3i U.n V -ürchi \v biallit) ai miderivettig „Sit Rr. Dunpi Non," en ordentlich b tijintlid) üu w«u< 5b mit einet ftb'n. 6j Rüber. 3b e „Nun Wf reitf Et ei NanyM Mit Ritz Miß jijji „Wuii Re. , worauf «Sie auf mich , „O j //Dir 7» ow( «’S ton Äin, "gler. rttin. so,ooa '26,846. <565. »3,312. -11.916. 28,078. en, iborf, '»ns. Rechnmg Uhr 'tllanb. i Gesang' ioiree [tr6 unü W» rfj© Müller. ;flnp 8 M____ M" ssS i-h welcher « . : wU,famI :ft£n ^L-hreincl- kann dauernde n braver Junge ^tbuhmlch«. llllllllilflD. Heute Dien- U.Hpxil: : HÄ Cc- l^oiret fcr» und Mimi- nmedinger, er „Sckweb", rast der Familie »üllcr. ng 8 Uhr. kickt. 5. d. Mts. ickicke i Färben und t( ftoriäönfär: , Schkotzgasse. braven JMen Mai in meine I. Hödel- einer gesucht von :chreinermeifter, ir. - mdi zwei brauch- in alsbaldigem j, Mechanikus jönBräm- Mittwoch deu Meiner Mutter Schicksale. Erzählung von Fanny Herbert. (Fortsetzung und Schluß.) Za erwähnen Darf ich nicht vergessen, Day ich, als wir am ersten Sonntage die Kirche besuchten, nachdem die Predigt bereits begonnen hatte, dort Lizzie in Begleitung eines sehr stutzerhaft gekleideten jungen Mannes eintreten sah, und daß sie M'.ch, als w r später an der Thur des Gotteshauses zusammentrafen, kaun einer fluchtigen Begrüßung, durch leichtes Neigen des Kop'es, würdigte. Etoa sechs Monate mochte ich meine jetzige Stellung inne gehabt haben, in welcher ich mich wirklich durchaus glücklich und zufrieden fühlte, als Miß Price sich eines Morgen;, nachdem sie ihre Briefe gelesen, mit den Worten an mich wandte: „Wir werden Besuch bekommen, Miß Mason. Mein Pathe schreibt mir, er beabsichtige, einen Monat lang bei mir za bleiben, und da er mich nur sehr selten besucht, so müff n wir Alles aufbieten, ihm den Aufenthalt hier so angenehm wie nur irgend möglich zu machen. Er ist ein prächtiger Zunge." Ih glaubte Anfangs, Der „prächtige Zange" von einem Pathen müsse noih- wmdiger Weise ein Knabe von fün'zehn oder sechzehn Zähren sein, begriff jedoch sogleich, daß ich m'ch seh- getäuscht haben müsse, als ich hörte, daß M.ß Price der Hmshälterin Aaftrag ertheilte, „das rothe 3 inner für Mr. Dampier in Ordnung zu bringen und Sorge dafür zu tragen, daß das Mittagsessen genau um sechs Uhr fertig sei." Mr. Danpier traf ein und hatte in seinem A ußern auch nicht das Allerwenigste von einem Romanhelden an sich- Er war weder „von hoher, stolzer Gestalt", noch durfte er sich „fein geschnittener, edler Gesichtszüge" schmeicheln. S ine „großen Augen strahlten nicht in schwermüthiger Gluth", sondern sie waren nur klein und blickten matt, zugleich aber auch freundlich und klug umher. Für einen Mann sah er, meinem Geschmacke nach, gut genug aus, doch sprach er, was mir Anfangs besonders auffiel, stets in kurz abgebrochenen Sätzen. Trotz Alledem besaß er eine vorzüglich schöne Stimme und sang auch sehr gut. Miß Price veranlaßte uns, Duette mit einander zu singen, und erklärte stets nach Beendigung jedes derselben, sie habe nie vorher einen so hohen musikalischen Genuß gehabt. „Sie und Leonard pissen herrlich zu einander, Miß Mason," sagte sie schon am Abende des Tages, au welchem ihr Pathe eingetroffen war. Ich würde mich übrigens in Gegenwart des jungen Mannes ungezwungener bewegt baden, hätte mir nicht der Umstand Befangenheit eingeflößt, daß ich seinen Blick häufig, wie prüfend, längere Z'it auf m'inem Gesichte haften sah Es schien m'r, als glaube er, m'ch schon früher gesehen zu haben, ohne sich entsinnen zu können, wo. „Konnte dem so sein? Konnte es vielleicht in Paris gewesen sein?" Ih benutzte die erste Gelegenheit, ihn zu fragen, ob er Die französische Hauptstadt jemals besucht habe. „Za wohl, er war vor fünf Zähren einmal dort gewesen." Um jene Zeit aber konnte er mit mir dort wenigstens noch nicht zusammen getroffen sein und dennoch sah ich seine Blicke nach w e vor forschend und nachdenklich an meinem Gesichte hangen, so oft er M'ine Aufmerksamkeit nur irgend anderweitig beschäftigt glaubte. „Sie lassen ja aber auch Ihre Augen kaum einmal von meinem G sichte, Mr. Dimpier," nahm ich mir endlich das Her; laut zu bemerken. „Zch weiß sehr wohl, daß ich Zhnen sehr unhöflich erscheinen muß, Miß Mason," entgegnete er, „die Wahrheit ist aber, daß mir Zhr Gesicht ganz außer- ordentlich bekannt ist, ohne daß ich mich doch entsinnen kann, wo ich es Denn eigentlich zuvor gesehen habe. Es muß mir am Ende im Traume erschienen sein," fuhr er lächelnd fort. Z h mir im Begriffe, eine scherzhafte Antwort zu geben, als Miß Price mit einer großen Rolle Papier in's Zimmer trat. „Hier, Kinder," sagte sie, „ich bitte, dies mit Eurer Unterschrift zu ver- sehen. Es ist eine Petition gegen Anlage eines Friedhofs unserem Gehölz gegenüber. Kommen Sie, Miß Mason, unterzeichnen Sie " IH ergriff eine Fever und schrieb: „Angelina Mason." „Run, Leonhard," wandte sie sich dann zu Mr. Damvier, indem sie ihm die Feder reichte. Er ergriff diese, schrieb jedoch nicht, sondern blickte gedankenvoll auf meine Namensunterschrift. Mit einem seltsamen Blicke wandte er sich dann plötzlich zu mir. „Ach, jetzt weiß ich's!" rief er lebhaft. Miß Price, die inzwischen zum Fenster hinauSgesehen, trat in diesem Augenblicke zum Tische zurück. „Run, Leonhard, hast Du unterschrieben?" Mr. Dampier unterzeichnete das Papier mit wenigen raschen Federzügen, worauf Miß Price mit demselben das Zimmer verließ. „Sie kannten Mr. Bergmann?" fragte Der junge Mann, inDem er rasch auf mich zutrat und meine HanD ergriff. „O ja," gab ich überrascht zurück. „Durch ihn eben lernte ich zuerst Zhr Gesicht kennen. Mr Bergmann'war mein Oheim und hinterließ mir bei seinem Tode sein ganzes Vermögen. Bei Durchsicht seiner Bilder fand ich zu meiner großen Verwunderung einige dreißig PortraitS vor, welche alle ein und dasselbe Gesicht darstellten. Hier blickte es traurig, dort fröhlich, bald suchten die Augen den Boden, bald blickten sie zum Himmel empor. Unter jedem dieser Bilder stand in meines Onkels Handschrift der Name „Angelina", und bei näherer Durchsuchung seiner Papiere fand ich gewisse Notizen über besagte Angelina, die ein ganz besonderes Interesse für diese Dame bei ihm voraussetzen ließen. Wie kam er eigentlich dazu, eine solche Menge PortraitS von Zhnen anzufertigen?" „Das will ich Ihnen sagen," entgegnete ich. „Es fehlte nicht viel, so wäre ich Ihre Tante geworden." „Dem Himmel sei Dank, daß er es verhindert hat!" rief Dampier leidenschaftlich. „Doch erzählen Sie, wie ging das Alles denn eigentlich zu?" Ich theilte ihm Astes ausführlich mit, was der freundliche Leser bereit- weiß, und vergaß auch nicht, der schmackhaften Torten zu erwähnen, welche ich in Mr. Bergmann'- Hause verzehrte. Er lachte, doch nahm sein Gesicht fast in demselben Augenblicke wieder einen ernsten Ausdruck an. „Sie ahnten nicht, wie innig mein armer Onkel Sie liebte 1" sagte er. „Ich war ja damals noch ein Kind," warf ich, tief erröthend, ein. „Das war's ja eben, weshalb er Sie so innig liebte," entgegnete Mr. Dampier, „und ich kann hinzufügen, daß er dieser Herzensneigung bis zu seinem Tove treu geblieben ist. Vielleicht lasse ich Sie noch einmal lesen, was er über Sie niedergeschrieben." Als Miß Price wieder im Zimmer erschien, erzählte er ihr sehr heiter, wie er so eben entdeckt habe, baß wir alte Freunde seien. Sie sah mich fragend an und ich erklärte ihr in kurzen Worten Den Sinn der Worte des jungen Mannes. Von diesem Tage an war Mr. Dampier'S Benehmen gegen mich gänzlich verändert und jen.'r forschende Blick nach meinem Gesichte für immer verschwunden, während mich der vielsagende Ausdruck seines Auges, wenn es mit dem meinigen zusammentraf, stets eigenthümlich befangen machte. Miß Price begann ihn damit zu necken, daß er der glückliche Besitzer fast eines halben Hunderts PortraitS von mir sei und schloß derartige Scherzreoen eines Tages mit der Bitte, ihr wenigstens ein Exemplar derselben zu überlassen. „Ich habe keines übrig," antwortete der junge Mann, „denn meine Sammlung ist noch nicht einmal vollständig." „Wie, Du Nimmersatt, Du verlangst noch mehr PortraitS?" rief Miß Price. „Vielleicht," antwortete Dampier der Fragenden mit einem bedeutungsvollen Blicke. Ich hatte während dieses Gespräches mit meiner Handarbeit am Fenster ge- sessen und war scheinbar zu eifrig mit derselben beschäftigt gewesen, um den Scherzen der Redenden Aufmerksamkeit zu schenken. Miß Price's plötzliches Stillschweigen nach Dampier'S letzter Bemerkung setzte mich in Erstaunen, in demselben Augenblicke jedoch flüsterte mir eine sanfte Stimme Die Frage in's Ohr: „Darf ich hoffen, Angelina, meine Sammlung vervollständig en zu können ?" In höchster Verwirrung blickte ich empor. M ß Price hatte das Zimmer verlassen und Dampier stand so tief über mich hingebeugt, daß sein Athem fast meine Wange berührte. „Was könnten Ihnen noch mehrere PortraitS von mir nützen, Da Sie deren schon eine so große Anzahl besitzen!" erwiederte ich, indem ich zu lachen ver- suchte. „Meine Sammlung wird erst vollständig, wenn ich auch das Original mein nennen darf. Soll ich es haben, Angelina?" W rS ich antwortete oder ob ich überhaupt eine Antwort gab, weiß ich mich wirklich nicht zu erinnern, und eben so wenig, was sich sonst noch zutrug, bis bald darauf M ß Price wieder in's Gemach trat. „Nun, Leonard," sagte sie, „ist Die Sache mit den PortraitS in Ordnung?" „Ja wohl," antwortete er, glücklich lachend, und küßte mich vor ihren Augen. Sie lachte herzlich über meine Verwirrung. „Das ist mir eine große Freude! Laßt mich die erste sein, die Euch aus voller Seele beglückwünscht." Ich will nun noch erzählen, daß bald darauf unsere Hochzeit stattfand, nach welcher wir sogleich England verließen, um den Kontinent zu bereifen. Auf der Rückreise verweilten wir eine kurze Zeit in Lyon, bet einem dort im kaufmännischen Geschäfte etablirten Freunde meines Gatten, und als ich eines Tages eine Zeitung zur Hand nahm, sand ich Darin folgenDe Notiz: „Am letzten Donnerstag Morgen wurde Die Leiche eines etwa fünfzig Jahre alten Mannes in Der Seine aufgefischt und nach Der Morgue beforDert. A>s man dieselbe untersuchte, fand man auf Der Schulter ein „U" eingebrannt, so Daß Der ToDe auf Den Galeeren gewesen fein muß. Die Leiche wurDe endlich als die eines gewissen Pierre Francois Charpentier wieder erkannt, der in letzterer Zeit den Namen Pierre Roussel führte und vor dreiundzwanzig Jahren zu zehnjähriger Galeerenstrafe verurtheilt wurde, weil er Betrügereien zu einem sehr großen Betrage verübt hatte. Nach feiner Entlassung aus dem Bagno ernährte er sich als Violon- cellspieler und führte ein anständiges Leben, bis er sich in Der letzten Zeit sehr stark dem Genüsse berauschender Getränke ergab. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er im berauschten Zustande in Den Fluß gefallen und ertrunken." Dieser Artikel entdeckte mir die Ursache des Todes meiner armen Mutter. Der Gedanke, einem Galeerensklaven als Gattin angetraut zu sein, hatte sie getödtet. P o I itis cd e Sk n ti d s d» a a. Berlin, 8. April. Die Gerüchte über eine beabsichtigte Reise des Königs nach Carlsbad haben heute auch ihren Weg in die Börsenzeitung gefunden und werden in Zusammenhang gebracht mit einer projectirten Zusammenkunft mit dem Kaiser von Oester- reich. Soweit wir unterr'chtet sind, ist in unseren Hofkreisen davon nichts bekannt. — Verschiedem- Blätter haben mit Befremden darauf aufmerksam gemacht, daß unter den Generalen das bürgerliche Element so spärlich vertreten sei. Man darf Dabei inDeffen nicht außer Augen lassen, Daß gewöhnlich bürgerliche Offiziere, wenn sie in Die höheren Chargen rücken, geadelt werden, und haben z. B. allein in Veranlassung des letzten Feldzuges an 50 Offiziere das Adelsprädikat erhalten. Ganz etwas ähnliches findet sich auch bei Der höheren Verwaltung, unD sind unter Den jetzigen Oberpräsidenten allem Drei Geadelte. Kassel, 7. April. Die „Hess. DolkSztg." schreibt: „Den beim Kurfürsten in Horzowitz in Dienst befindlichen Hofdienern ist auf ihre Anfrage bei der General-Verwaltung des kurfürstlichen Fideicommisses eröffnet worden, daß Gehalte nicht in das Ausland gezahlt würden, die Ansprüche der Dienerschaft jedoch mit ihrer jederzeitigen Rückkehr nach Kassel wieder in Kraft treten würben. Daraufhin haben sich die Hofbiener, bis auf einen, der aus anderen Gründen vollständig entlassen wurde, meist alle entschlossen, bei ihrem Herrn zu bleiben, ja ein noch hier weilender Leibreitknecht hat sich entschlossen, wieder in den Dienst des Kurfürsten zu treten, und ist vor einiger Zeit nach Prag abgereist. Herr v. Heeringen soll sich von seinem Eifer, seinem früheren Fürsten Vie Ausgabe eines Gehaltes zu ersparen, so weit haben hinreißen lassen, daß er den Leibreitknecht steckbrief» lich verfolgen läßt. Die Behörde in Prag verweigerte die Auslieferung. Paris, 10. April. Der Senat hat in seiner gestrigen Sitzung das RecrutirungSgesetz genehmigt. Admiral Bouet bemühte sich nachzuweifen, daß die stattgefundenen Rüstungen keine übertriebenen und die militärischen Ausgaben Frankreichs geringer seien, als die der andern Mächte. Neun Panzerschiffe würden im gegebenen Fall rasch ausgerüstet sein. Michel Chevalier tadelt die Regierung wegen ihrer Rüstungen. Rouland prostetirt. Kriegsminister Niel vergleicht die Dienstzeit und die Instructionen der französischen und preußischen Armee. Der Militär- Etat Frankreichs sei ein FriedentS-Etat und das Budget ein Friedens-Budget. Die Regierung erwarte keinen unmittelbar bevorstehenden Krieg, da sie 40,000 Mann beurlaubt oder entlassen habe. Wenn der Krieg dennoch käme, so wäre Frankreich rasch bereit. Mit dem gegenwärtigen System der Kriegsbereitschaft im Frieden sei die Kriegssührung leichter als jemals. Im Augenblick seien 400,000 Mann unter den Fahnen und eine Million neuer Gewehre vorhanden. Die Fabrikation von 30,000 Gewehren monatlich könnte verdoppelt werden. Paris, 10. April. In der heutigen Sitzung des gesetzgebenden Körpers sprach sich der Minister des Aeußcrn v. Lavalette über die gegenwärtigen Beziehungen Frankreichs aus. Deutschland betreffend, erklärte derselbe: Wir haben keine speciellen Verhandlungen mit Deutschland zu führen gehabt, diese Haltung ist der beste Beweis für unseren aufrichtigen Wunsch, mit demselben in guten Verhältnissen zu leben und jede Einmischung irgend einer Art in die rein deutschen Angelegenheiten zu vermeiden. Veränderungen wie diejenigen Deutschlands rufen vor vollständiger Beruhigung eine Zwischenperiode voll Aufstreben, Benachtheiligungen und Bedauern hervor. Die Zeit allein kann wieder gut machen, was die Zeit verschuldet hat. Für uns ist vieß ein Grund, jede Einmischung in Fragen zu vermeiden, welche uns nicht direkt interessiren. Nur Gründe von großem Gewicht könnten uns veranlassen, diese Haltung aufzugeben, aber nichts läßt etwas Derartiges voraussehen. Wir respectiren die Rechte Anderer, um so weniger brauchen wir zu fürchten, daß man die unserigen nicht respectiren werde. Bezüglich Italiens sagte Lavalette: Unsere Beziehungen zu Italien sind sehr freundlich, der Moment ist aber noch nicht da, um dem September-Vertrag gemäß Rom zu räumen. Bezüglich Griechenlands führte der Redner aus, daß Frankreich im Orient nur eine einzige Politik verfolge, die Politik des Friedens. Der Redner schloß mit den Worten: „Unsere äußern Beziehungen sind gut und wir fön- nen sagen, daß der Friede, der Gegenstand unserer Wünsche, weder bedroht noch unsicher ist. Wir werden den Frieden durch alle legitimen Mittel zu erhalten suchen, und, wenn auch unter verschiedenen Beringungen, im Westen dasselbe thun, was wir gethan haben, um im Orient den Frieden zu erhalten. Eine fürchterliche Verantwortlichkeit würde Derjenige auf sich laden, welcher, der Empfindlichkeit oder dem Ehrgeiz nachgebend, zwei Nationen auf einander Hetzen würde. Die Politik Frankreichs ist eine Politik des Friedens, und wir werden dieselbe mit Hülfe Gottes und der öffentlichen Körperschaften aufrecht erhalten." (Beifallsbezeugungen.) Madrid, 7. April. Cortes. Herr Mala, Mitglied der Commission, welcher Herrn Figueras antwortet, sagt, die Frage der Aufhebung der Scla- »erei werde nach Ankunft der Deputaten von den Colonien zur Verhandlung kommen. Er bestrebt sich sodann, zu zeigen, daß der Artikel bezüglich der reUgtösen Frage geeignet ist, selbst Diejenigen zu befriedigen, die die bedeutendsten Forderungen stellen. Emilio Castelar bedauert, zu sehen, daß die Verfassung den Monarchen eine so große Autorität etn- räumt. Er findet, die individuellen Rechte seien nicht genügend garantirt. Er erklärt, die Republik könne allein den Aspirationen der Semtember-Revo- lution Genüge leisten. Er tadelt schließlich lebhaft die Progressisteck, weil sie sich nicht im Voraus der Annahme des Don Fernando versichert haben, ehe sie ihre Wahl auf diesen Fürsten fallen ließen. Marschall Serrano antwortet Herrn Castellar kurz. Er erklärt, daß eine j