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Die ty. «and tat Bereich bei W •ffian sagt, baS Mik .'d..aj|eD der Ltabt. 3o. r. rann mvjlitfift heschräiikin Tbantl Demanten vereinten Tu Etat! erlaubt uni ziv«, eben ic riaöert aber für an! rlb: .Scttttiiter anjuflelln aber H! TMitär ber Statt T ;-jitel sich denn bat Wacht- 3 litte ’o sehr, alt auf bem ie-Mn^. ber ivliWe- SltV ec bi grtnirt lein, <“ iPttlsnb eat -.w El Sich Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljäbrlich 49 fr Gießener Anzeiger. Erschein: wöchenillkb drep mal. Dienstags, Tomer- stagS und Samstags. - «rvedition: ^atidcibera Lit B. Nr 1 Htnzeige-und Amtsblatt für den Areis chiehen. Nr. 67. Donnerstag den 10. Inin 1869. — -■ ■ ■ — - . ------ ..1 — .!. . . "------- 91 at'i t n dr c B t* k r$ n «t m r< di ii tt .m »b .... ....... — Kein Porto! — Keine Spesen! Annoncen jeden Umfanges werden pon uns täglich für »I'e l.le8,sen “"J auswärtigen Leitungen angenommen und prompt — schneit — b"rgt © * “ alige Abschrift genügt für mehrere Zeitungen. B-, umfangr-.chen Aufträgen besondere Begünstigungen. Sachse & Comp., Anuoncen-Ekpcdtttou, Leipzig. Bern — Breslau — Cassel — Cöln — Stuttgart. preis flJfr. Zinßer'scher Garten Sonntag d e n 1 3. Juni: Ipreis fl. fr. Ausstellung: Industrie, Gewerbe, Ackerbau, Viehzucht. Anineldetermin: für Industrie bis jutn 15. Juni, für Vieh bis wm t 3ult. Ausstellungszeit: für Industrie vom 27. August bis zum -<• cepte , T °C7nkurren/°§r Rechnen ... allen Branchen Geldpreise und Ehrenpreise. Zollfreie Wiedereinfuhr. Ermäßigte Eisenbahnfracht. Programme und Anmeldebogen gratis, francc> gegen.franco- Adresse: Director Scheuet-, Generalsecr., HO Komgftr. Altona. fl-jkr- 71 101561 31. 31V 8;54 | — >126 i 8, 8 5139) Samstag den 12 Juni, Abends 8 Uhr. Bürger - Versammlung im D irr saa tr des Herrn L h r. Lo n y. Tagesordnung: Besprechung über die neu anzulegenden Abiritte, Abiritksgruben und Dungstätten. Um recht zahlreiche Beiheiligung wird dringend gebeten. Mehrere Burger. scvlaze g schnät doch aus Könige ; Königs | N ist ta: Gr. ^aiht io gkbtn iüc ^bgebkn. Der ??««in '»1(4(11 (11 9^tr ttnichl zebi Unc W ‘ nehmen, La gesB von sturer' Tit Wvlei flaruna gut 6odt. Düi a\4 pr Z Wit! VütNN, ü vrrnahln \ Ojj eben geft, (tH bom. 1 ßiiüchi 1 großen, I fintier, em antier beer. Ali Pflanze m HnMt, tun Hugli Hau-vantl auch starke ti nerdlul Mche sich ter Blnau ten Leben vertrauen. Daraus 1 Wohnung Ersparter 3<6 habe mehr bri die Auge ten. Gll wie man hielt frei Himmel 1 US, ein fic flumi Herz tot ver Han ifolttn. 4 5120) e) u O) r wird zum 1. Juli ein in der Küche und in sonstigen häuslichen Arbeiten erfahrenes Dienstmädchen. Bon wem? sagt die Exped. dieses Blattes.___________ 5112) Ein Schneidergeselle findet gegen guten Lohn auf Woche dauernde Beschaftr- gung bei Schneidermeister Germer, in Heuchelheim. preis fl.ckr. Z Epileptische Hrampfe w^., heilt der sTTcialarzt tor Epilepsie Dr. O. Äillisch in Berlin jetzt Mittel- strassc IVr. « — Auswärtige brieflich. Schon über Hundert Aenellt. 5121) Bei Joh. Müller in der Wall- thorstraße ist ein gut möblirtes Zrmmerl zu vermiethen. • --9- 8 5 10 I - 6 I 6 13 Telegraphischer Bericht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten E. W. Dietz. Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Ohio, am 19. Mai von Bremen abge- gangen? ist am 4. Juni, Morgens 6 Uhr, wohlbehalten tn Baltimore angeFommcn. Das Postdampsschiff des Nordd. Lloyd Deutschland, am 27. Mai von New- 3)ort abqegangen, ist am 7. Juni, borgens 1 Uhr, wohlbehalten unweit Cowes ein. getroffen und hat um 3 Uhr die Reise nach Bremen tortgesetzt. gegangm^istdan?E8uni,^Vormfttags ä^Uhr,^ach7inEfch^ellm"Re"ift"w^hlbehaltcn in New-York angekommen. unter Mitwirkung Herr» M. Wallenstein, Großh. Hess. Kummervirluos Frankfurt a. M. Die C o n c e r t d i r e c t i o n. M. M. 22,-1 22-, — i 521 2 2' - 1 Mifi- preis fl.jkr. M. M Mssflonsfkft pt Arnsburg. 5133) Der Arnsburger Missions-Verein gedenkt, so Gott will, sein diesjähriges Jahresfest am 16. Juni in Arnsburg, bei Lich, zu feiern. Hauptfestredner ist Herr Pastor Ribbeck aus Soldin; Anfang der Feier Vormittags halb 10 Uhr Zu recht zahlreichem Besuche ladet freundlichst ein __Der Vorstand. 5136) Ich bitte, die mir zur Reparalur gebrachte» Sckirmc gefälligst abhole» zu lasse». 5129) Ein braver Junge kann in die Lehre treten bei Philipp Mootz, Schuhmacher. 5104) Es kann ein braver Junge gleich bei mir eintreten. I- Göbel- 5088) Ein geübter Scribent sucht bei einem hiesigen Anwalt Beschäftigung, in den ersten Monaten gegen geringes Salair. Wer? sagt die Exped. d. Bltts. 5118) 2500 fl. zusammen, oder auch theilweise, liegen gegen gerichtliche Sicherheit zum Ausleihen bereit. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. preis Mr. 11112« 45 45 11 101 — 1201 Melllvreise i» verflossener Woche von nachbenannte» Orten und Fruchimärklen.___ " 7 ------------------ Wicken. I Kartoffeln. 5109) Der 3- und 4. Stock in meinem Hause ist zu vermiethen. '__H. M- Jughardt. 5105) In unserem Mansarden- Stock ist ein kleines Logis, bestehend aus einem Zimmer mit Ca- binet, Küche und Bodenkammer, zu vermiethen. I. A. Busch Söhne. Agenten-Gesuch. 5128) Eme deutsche gegenseitige LebenS- VerffchcrnngS - Bank sucht unter v ortheil b a f t e n Bedingungen tüchtige Haupt- und Spezial-Agenten in allen Orten des Großherzogthums anzustellen. Bewerber wollen ihre Adressen unter R. S. 827 an die Herren Haasenstein &* Vogler in Frankfurt a. M. senden. 5127) Ein kräftiger Arbeiter findet sofort Beschäftigung. Gießener Mincralwaffer- Fabrik. Korn Auf dein Mark: Bermiethunge«. 5138) Das von Herrn Pfarrer Daudt bewohnte Logis ist zu vermiethen und den 1. October zu beziehen. _ ,r . . Ph. Schlatter. 5142) Ein kleines Logis, sogleich beziehbar, ist zu vermiethen Astermeg Nr. 103. 5103) Der untere Stock meines Hauses, bestehend aus 4 ineinandergehenden Zmt- mern, Magd- und Bodenkammer, Küche, Keller, Holzstall >c., ist sofort zu vermiethen. Ehr. Löb er, Neuenweger Thor. 5113) Broei Familienlogis sind zu vermiethen bei M- W e i tz b ä ck e r- Aus Sem IMU-- Markt preis Feuilleton. D i r Duppitche. Frei aus dem Französischen, von Emma v- Nindorf. (Fortsetzung.) 1 „3j, bei der ist sie erzogen," fuhr Bergniaud fort, „Hai wacker gelerni, nur ' u „i"i - aber ihr Herz ist frisch geblieben, so wahr ich ein achter Egvpter bin ! fliein Weib und ich, wir haben das Kind zu einer Weißzeugnäherin in die . Stabt aeihan: va ist sie gut aufgehoben mit ihren weißen, feinen Fingern, und ■ (liebelt . He, Kleine, bist so blaß! Was wirb die Mutter sagen, gieb Acht! dast mir gewiß wieder Nächte durch gearbeitet?" — Diesmal durste der redselige Veteran noch lange fvrtsprudeln, ohne daß der Anwalt an die Gvlvwage seiner Minuten dachte. Es lag etwas so Lieblich- Natürliche«, Tieswahres in jener einfachen Erscheinung, daß sich Derville ange. nehm davon überrascht fand, doppelt durch den Kontrast des Hellen Bildes mit ... tüiifrii, farblosen Umgebungen. Um das Köpfchen war ein buntes Tuch oefifclunaen, aus welchem sich einzelne verrätherische Locken stahlen. Große dunkle Auaen leuchteten au« dem runden Gesichtchen. Fülle der Gesundheit in der bieg, kirnen Gestalt. Der ärmliche, beinahe etwa« zu kurz gewordene Rock zeigte die niedlichsten Füße; blendend weiß die Schürze; am Arm ein kleiner Korb. Ni- nette mochte Manche« au« dem Gespräche gehört, aber zum Thetle mißverstan- den haben Sie zog ihren Vater mit ängstlicher Eile am Kleide und flüsterte: Vater laßt den unbekannten Herrn! Borgt nicht von Fremden, «eht, hier ■ S6r'bd)en f-lnC einige Goldstücke, die ich ernäht habe, und ein« hat mir meine $rQU ..schenk,, weil ich in den Feierstunden und Sonntag« ihren Kindern Un- ttrrichi gebe," setzte sie vergnüg, hinzu. „Glaubt Ihr nicht, daß e« reicht? Unb dann habe ich ja noch ein goldene« Herz von der Pathe; da« mußt Ihr nehmen Vater. Bald schaffe ich mehr; an Arbeit fehl, e« nicht und ich dm ja minnb'unb stark. Nehmt nur! Wollt Ihr e« denn lieber von Fremden, al« “ n Furer Nina? Und du« Stückchen Küche,i, seht, da« ist für unfern Oberst. Pie Madleine hat e« mir geschenkt vom Taufschmause," setzte sie mit ter Ver- fläruna guter Seelen hinzu, mit jenem Sonnenscheine in den Zügen, den die schönere Freude, die Freude Anderer, oft aus dunkeln Wolken de« Geschickes eckt Das hübsche Mädchen war in diesem Augenblicke schön, o weit reizender als 'jene Salonsgöttinnen, gefallene Engel, deren Unnatur den Jüngling anwte. oerte Nina hatte lispelnd begonnen, war aber im Eifer der Rede lauter ge- n,orten und Derville, der es sich nicht versagen konnte, die Ohren zu spitzen, v,mabm jede« Wort und hatte nun Gelegenheit, die Bemerkung sor,zusetzen, daß eben in den ungünstigsten Lagen, in den drückendsten Verhältnissen, weltver- a-ffen, selbstvergeffenv, Tugend im Duldersiege aufleuchtet, lächelnd unter Dornen- fronen Goldkörner im Flußsande! Tugend hat Veilchenart — unsichtbar Wohl- gerüdje hauchend, will sie gesucht fein im verschwiegenen Thale. Fernab der aroken breiten Straße blüht dieser Balsam für Eure Wunden, müde Menschen- | finber ' O zweifelt nicht an dem Wunderkraute! ES giebt Stirnen, denen nie ein anderer Kranz wird, als der Todtenkranz, dann aber die Cppreffe zum Lor- Heer Aus stiefmütterlicher Erde, du-ch Schutt und Trümmer ringt sich Vie edle Pflanze nicht selten am lebeiiSkrästigsten auf. Schon deßhalb Ehrfurcht dem Uaalücke wenn e« nicht ohnehin unserem Mitgefühle hetltg wäre! Ehrfurcht dem Unglücke auch da, wo es nicht auf hohem Kothurn, sondern im geflickten vausvantöffelchen einherschreitet. Noch mehr da! denn ein großer Schmerz hat audt starke Arme, un« über manche kleine Widerwärtigkeiten zu tragen. Muß es verblutet fein : ein Streich mit blinkendem Schwerte! Wenn aber Vie arme Bsvche sich an Nadelstichen zu Tode zappeln soll? Ein Biß der Schlange unter Blumen, nur nicht die zahllosen Stiche °e« JnseetenheereS, unter Venen wir den Lebenskarren keuchenv binschleppen müssen! Beruhigen Sie sich, mein Kind," sagte Derville. „Ihr Vater darf mir .„trauen. Ihm soll geholfen werten; vurch den Oberst oder durch mich. Daraus da« Wort eine« ehrlichen Manne«!" — Er frug sie nach Namen und Wohnung ihrer Nähfrau, unv reichte ihr ein Röllchen: „Legen Sie e« zu Ihrem Erkvarten das für Vater und Mutter bestimmt ist. Gott segnet kindlichen F-eiß. Ich habe auch für meine alte Mutter gearbeitet. Jetzt darf ich ihr freilich nicht« | mrhr hrinaen Sie schläft." — Purpur überflog Nino'« Wangen; sie senkte vt?Augen und zupfte an der Schürze; er ließ da« Röllchen in ihren Korb gle.- ten. Glanzend von einer schönen Thrane, erhob sie da« große Auge zu ihm, wie man zu seinem Heiligen emporschaut, sah 'hm lange und tief in da« seine, hielt freundlich, fest, ohne Erröthe», seinen Blick aus, der sich tn den Unschulds- Himmel dieser Augen versenkte. Derville la« |o viel in ihnen, langst Verwisch- te«, ein frischere«, neuerstandenes Jugendsein. Sie erhob beide Hande, preßte sie stumm auf vte wogende Brust. Er rannte mit fluchtigem Gruße davon; das Derz war ihm so wohlthätig erwärmt! Ueber sich selbst lächelnd, fuhr er m, der Hand durch die dunkeln Locken und legte da« Gesicht wieder >n ernste kalte 8dllenglun .um Gegner!" dachte Derville, während er wieder in sein Kabriolet flip. " »,inen Blick in unser Spiel, da« feindliche, erforscht, mit einem Haupt- Lge gewonmn ! Gut wäre e«, sie zu erschrecken ... sie ist ein Weib - wa« schreckt Weiber am meisten? Sie fürchten sich nur vor . . dm» taU nur doch auf in der Stellung de« Grafen Ferraud: er, der so reich, |o getieb vom Äibniae ist - warum noch nicht Pair von Frankreich < E« mag Politik de« flbnia« sein, der Pr-nrie durch sparsame Ertheilung hohe Bedeutung zu geben. Aucb ist der Sohn eines Parlamentrathes von Paris (ein Crillon, noch ein Jio» Han: Graf Ferraud muß auf Nebenwegen in die erste Kammer Dringen. Wenn über seine Ehe getrennt würde, könnte er nicht mit Zustimmung des Königs die Pairie von einem jener alten Senatoren, die nur Töchter h-beu aus sich über- geben lassen? Da« soll hoffentlich ein dienliches Schreckgespenst für die Gräfin abgehen^ —( ahnungslos die geheime Wunde berührt, war bis an den Krebsschaden gedrungen, der am Leben der Gräfin zehrte. Als der Advoeat ihr Haus in der Straße Varenne« erreichte, ward er von seiner Klientin in einem hübschen Speisesaale empfangen, wo sie frühstückte, dabei mit einem Affen spielte, ter mit Ketten an einem kleinen Pfahle hing. Ein Morgenkle.d nut ostbaren Spitzen umfloß die schöne Gestalt. Dem schelmischen Morgenhaubchen entschlüpfte VffcUe« der Locken Fülle. Die Gräfin war rosig und in der heitersten e 1m5 niung. Silber, Gold, Perlmutter glänzten auf dem Tische; ringsumher blühten seltene Blumen in prächtigen Porzellanvasen. Der Anwalt sah die Gattin des Grafen Ehabert, reich durch begangenen Raub, im Schooße des Luxus, auf der Höhe der Gesellschaft, während jener Unglückliche, bei einem armen Viehhalter, mittten unter Thieren lebte. Derville dachte: „Aus dem Ganzen ist als Mural zu entnehmen, daß eine hübsche Frau in einem Manne mit altem Graumantel, zersauster Perrücke und durchlöcherten Stiefeln nimmermehr ihren Gatten, selbst nicht ihren Geliebten anerkennen wird." — Ein beißendes Lächeln, das dieser Gedanke entlockte, verrieth alle theilö philosophischen, theilS neckenden Ansichten, die sich einem Manne ausdrängen mußten, welcher vermöge seines Berufes tief auf den Grund der Sache ging, trotz allen bunten Glanzlügen, hinter denen die Pariser Familien ihr Dasein verschleiern. „Guten Morgen, Herr Derville," sagte die Gräfin, und fuhr fort, ihren Affen mit Kaffee zu tränken. „Gnädige Frau," entgegnete er barsch, denn ihn wurmte der weggewursene Ton dieses „guten Morgen"; „ich komme, mich mit Ihnen über eine wichtige Angelegenheit zu besprechen." — „Ich bedauere, Graf Ferraud ist nicht zu Hause." — „Ich, meine Gnädige, freue mich darüber und müßte bedauern, wenn er unserer Berathung beiwohnte. Zudem weiß ich ja von Delbecq, daß Sie nicht ungern Ihre Geschäfte selbst abmachen, ohne den Herrn Grafen damit zu behelligen." — „Ich will also Delbecq rufen lassen." — „Er würde Ihnen hier nichts nützen, wie gewandt er auch immer sein mag. Hören Sie mich, Frau Gräfin, ein Wort wird genügen, Sie ernst zu stimmen: Graf Ehabert lebt." — „Wollen Sie mich durch solche Possen ernst stimmen?" fragte sie laut lachend, erbebte aber zugleich von dem seltsam leuchtenden Blicke, mit welchem Derville sie durchbohrte, als ob er in ihrem Herzen lesen wollte. „Gnädige Frau," entgegnete er mit schneidenv-kaltern Ernste, „Sie kennen den ganzen Umfang der Gefahr nicht, welche Ihnen droht. Ich verliere kein Wort über die unwiderlegliche Glaubwürdigkeit der Actenstücke, noch über ^oie sicheren Bürgschaften, die für das Dasein des Grafen Ehabert zeugen. Sie wissen, ich bin nicht der Mann, weicher sich mit einem schlimmen Handel befaßt. Widersetzen S,e sich unserer Einsprache gegen den Todtuschein, so verlieren Sie diesen ersten Prozeß; und die zu unseren Gunsten gelöste Streitfrage läßt uns alle folgenden gewinnen." — „Wovon wollen Sie denn also eigentlich mit mir re^n— ,Weder vom Obersten noch von Ihnen. Eben so wenig von den Denkschriften, "welche geistreiche Advocaten mit Hülfe so merkwürdiger Thatsachcn verfassen könnten; auch nicht von den Rollen, welche dabei gewisse Briefe jpielen dürften, die Sie von Ihrem ersten Gemahle noch vor Vollziehung Ihrer zweiten Ehe empfingen unv ... ." — ... , Da« ist nicht wahr!" sagte sie mit aller Heftigkeit einer verwohnten Schonen. Nie erhielt ich Briefe von Graf Ehabert, und wenn sich Jemand für ihn auägiebt, so Tann e« nur ein Betrüger fein, wohl gar irgend ein ent- svmngener Galeerenselave. Nur bei dem Gedanken überläuft e« mich falt! - . Äann der Oberst auferstehm! Bonaparte bat mir durch einen Adjutanten fein Beileid bezeugen lassen über den Todesfall, und noch heutigen Tags beziehe ich 3000 Franken Pension, die beide Kammirn der Wittwe des Grafen (Sbabert bereinigten Ich batte also tausendfach da« Recht, alle Ebabert« zurückzuweifen so wie ich alle zurückweise, die noch kämen." Ium Glücke sind wir allein, meim Gnädigr. Wir können nach Gefallen lügen? sagte Derville kaltblütig und machte sich den Spaß, den flammenden Jom der Gräfin noch mehr zu reizen, um ihr eine Blöße zu entlocken. ES ist I eine bewährte Kriegslist der Advocaten, dem Aufbrausen ihrer Klienten mit ro- Ufaer Ruhe au begegnen. „Nun denn," dachte er, „eS gilt!" und hatte blitzschnell eine Falle bei der Hand, um der Gräfin ihre Schwache recht augenschem- lich iu machen: „Gnädige Frau, für die Uebergabe de« ersten Schreiben« liegen Beweise vor. E« enthielt Geldwertb ■ • -" - ,,O, an Geldwerth war nicht« Darin— Sie erhielten also den ersten Brief," lächelte Derville. „In der ersten Schlinge, die Ihnen ein Advoeat legt, fangen Sie sich, und meinen, mit Der Justiz in Die Schranken treten zu können. Röthe und Blässe wechselten auf dem Angesichte der Gräfin; sie barg e« in beide Hände. Bald schüttelte sie jedoch die unbequeme Scham wieder ab, und nahm von Neuem mit einer Kaltblütigkeit das Wort, die nur Frauen zu erkünsteln vermögen: „Da Sie der Anwalt des angeblichen Ehabert sind, so tbun Sie mir den Gefallen ..." - „Frau Gräfin, ich bin für den Augenblick noch Ihr Sachwalter, wie der de« Obersten! Glauben Sie, daß ich eine so geschätzte Klientschaft, wie die Ihrige, verlieren mochte? Aber «le borm ia nicht auf mich . . ." — „Reden Sie, mein Herr," entgegnete sie huldvoll. Ihr Vermögen schreibt sich von dem Herrn Grasen Ehabert her. Sie haben" ihn verstoßen; sind krösusreich und lassen ihn betteln, gnädige Frau, die Advocaten sind sehr beredt, wenn die Rechtssachen so mächtig für sich selbst sprechen, und in vorliegendem Falle stößt man aus Umstände, welche die öffentliche Meinung gegen Sie herausfordern könnte." — Aber mein Herr," sagte die Gräfin voll Ungeduld, daß Derville in so langsamer Qual sie auf die Folter spannte, „wenn selbst die Gerichte zugäben, daß Ehabert lebt, müßte e« doch schon um der Kinder willen meine zweite Ehe vertreten, unv ich käme mit 20,025 Franken vavon." «rau Gräfin, wir wissen nicht, wie der Gerichtshof die moralische streit- frage "behandelt. Haben wir auf der einen Seite Mutter und Kinder, so steht auf Der andern ein von Unglück gebeugter, durch Sie, durch Ihre Harte ergrau- ter Mann Wo fände er eine Frau? Können überhaupt Richter Gesetze über Den Hausen werfen? Ihre Ehe mit Dem Obersten hat da« Recht für sich, den Vorrang. Erscheinen Sie überdies in so ungünstigem Lichte, so mochte Ihnen leicht ein unerwarteter Gegner erwachsen. Hier liegt Die Gefahr, gnädige Grä »n vor Der ich Sie gern wahren möchte." - „Ein neuer Gegner! welcher?" Graf SerrauD selbst, gnädige Frau " - „Graf Ferraud hat zu innige Anhänglichkeit für mich, zu viel Achtung für die Mutter seiner Kinder . . ." - Nicht diese Possen un« Advocaten, die wir leider gewöhnt fein müssen, die Herzen zu durchschauen! Für den Augenblick bat Graf Ferraud nicht im Mindesten Lust feine Ehe zu zerreißen ; ick, bin überzeugt, daß er Sie anbetet; wenn ober Einer käme und ihm sagte, daß seine Helrath ungültig erklärt und ferne Ärflu als Verbrecherin vor Den Richterstuhl der öffentlichen Meinung gefordert werden kann . ." — „Er würde mich vertheldigen, Herr." — „Nein, gnädige Gräfin." — „Welchen Grund hätte er, mich zu verlassen?" — Den, Die ein zige Tochter eine« Pair« von Frankreich zu HeiratHrn. Dessen Pairtbum durch königliche Verfügung aus den Grasen Überginge." ^rtfegung folgt.) Politische R u n d s ch Darmstadt, 8. Juni. Die Rekruten-Aushe- düng in Bezirke ter Großherzogllchrn 1. Infanterie- Brigade wird am 11. September beginnen und in den einzelnen Aushebungs-Stationen, den Kreiestädten innerhalb des Bezirkes, an ten nachbenannten Tagen fiattfindcn: Gießen 11. bis 13. Septbr., Grünberg 15., Alsfeld 16. und 17., Lauterbach 18. bis 20., Schotten 22., Nidda 24. und 25., Büdingen 27., Friedberg 29. und 30. Septbr., Vilbel 1. und 2. Octbr., Offenbach 4. und 5., Dieburg 7. und 8. und Darmstadt 11. und 12. Octbr. Die Civilvor- sitzcnden der Departements-Erfatz-Commifstonen beider Brigaden haben ihre Stellen getauscht, und wird daher in Zukunft der Großherzogliche Regierungsrath, Hr. Strecker dahier, das Ersatzgeschäft in dem obengenannten Bezirke ausführen. Berlin, 5. Juni. Das Staatsministerium hat in Bezug auf die finanzielle Situation maßgebende Beschlüsse gefaßt, und sind hiernach für die gesammte Verwaltung Anweisungen ertheilt worden. Es sollen zur Verminderung des DeficitS des Jahres 1868 alle Resistance einer sorgfältigen Prüfung unterworfen und Ersparnisse in Bezug darauf überall auS- geführt werden, wo eS nur immer thunlich ist. Zur Vermiuderung des DeficitS pro 1869 sollen die Ausgaben auf das äußerste Maß beschränkt, noch nicht begonnene Bauten einstweilen ausgesetzt und angefangene Bauten langsam betrieben werden, um die Staatskasse möglichst wenig zu belasten. Für das Jahr 1870 sind alle Ausgaben streng untersagt worden, wofür nicht ausdrückliche Verpflichtungen vorhanden sind. Berlin, 7. Juni. In der heutigen Sitzung des Parlaments wurden die in den süddeutschen Staaten vollzogenen Neuwahlen der Deputirten Steinheim, Zu Rhein, v. Mittnacht, Petersen und Becker für gültig erklärt. Demnächst führte der baierische Ministerpräsident, Fürst Hohenlohe, aus, weßhalb die baierische Regierung den Beschlüssen des Zollparlaments in Betreff der baierischen Wahlgesetze nicht sofort nachgekommen sei. Nach dem nunmehr erfolgten Zustandekommen des Wahlgesetzes für den Reichstag werde die baierische Regierung dem Landtage ein adäquates Gesetz vorlegen. (Beifall.) Es wird darauf bezüglich der geschäftlichen Behandlung der Vorlagen über die Verträge mit der Schweiz und Japan die Schlußbcrathung, über das Zucker-Besteuerungs-Gesetz die Plenarvorbera- lhung beschlossen. Mittwoch findet die nächste Sitzung statt. — Der Zollparlamentsabgeordncte Frhr. Carl v. Rothschild aus Frankfurt a. M. hat eine der kostbarsten Baustellen, die in Berlin zu haben sind, angekaust, um einen Prachtbau auf derselben aus- führen zu lassen. Es ist dieß ein Theil jdes Fürst Raziwill'fchen Parks, der vis-ä-vis vom Thiergarten an der neuen KönigSgrätzer Straße liegt. Der Kaufpreis dürfte der höchste sein, der bis jetzt in Berlin freiwillig für Grund und Boden gezahlt worden ist. Er beträgt für 120 Quadrat-Ruthen 200,000 Tha- ler, die Ruthe kostet somit 16662/3 Thlr. Mit dem Neubau soll in kürzester Frist vorgegangen werden. Linz, 5. Juni. Die hiesige „Tagespost" schreibt: Artikel 2 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Decbr. 1867, welcher lautet: „Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich", ist heute zu Linz in befriedigendster Weise zum Vollzug gelangt. Der Bischof Joseph Rudigier ist heute um 10 Minuten vor 2 Uhr Nachmittage zu seiner Vernehmung zu dem hiesigen Landeögerichte abgeführt worden. Gestern erhielt die hiesige Gemeindevorstehung von cem Lanvesge- richte den Auftrag, den Bischof, welcher sich standhaft weigerte, auf mehrmalige Vorladungen zu erscheinen, auf den heutigen Tag unter Anwendung von Zwangsmittel zum Landesgerichte zu stellen. Demgemäß begab sich heute Mittag der Bürgermeister Victor Drouot zum Bischof, um denselben zu bewegen, freiwillig und mit Vermeidung alles Aufsehens vor Gericht zu erscheinen. Nachdem der Bischof, ungeachtet eines inständigen Zuredens, hierzu nicht zu bewegen war und erklärte, nur der Gewalt weichen zu wollen, begab sich der Gemeindesecretär Thum in Begleitung von zwei Polizeiwachtmännern in die bischöfliche Wohnung, um den Bischof nochmals zur freiwilligen Respectirung des Gesetzes aufzufordern. Auch diesem gegenüber erklärte der Bischof, daß er von seinem Standpunkte aus die Com- petenz des Landesgcrichtes nicht anerkenne, weil die Sache nur eine kirchliche Angelegenheit ist und das Concordat noch vor Gott und dem Gewissen vollkommen aufrecht bestehe; er werde daher nur der Gewalt weichen, und mache sowohl Jene, welche diese Gewaltthat angeordnet, als Jene, welche diese Grwaltthat vollfuhren, für die Folgen verantwortlich. Als hierauf Gemeidesecretär Thum erinnert, daß der Augenblick gekommen sei, in welchem die bereits 2 Stunden dauernde Verhandlung ein Ende nehmen müsse, und der Bischof, welcher sich in seinem vollen Ornate befand, bei seinem Widerstände verharrte, trat der Führer der städtischen Polizei an denselben heran und berührte ihn mit der Hand am Arme, worauf der Bischof ohne Widerrede die Wohnung verließ, in den seit zwei Stunden im Hofe befindlichen Fiakrr stieg, und im Geleite des Gemeinde- srcretärs Thum, des bischöflichen Secretärs Spann- lang und des Führers der städtischen Polizei, Bacher, in das Landesgericht fuhr. Als der Wagen aus dem Bischofshofe herausfuhr, trat zugleich mit dem Wagen der bischöfliche Kammerdiener auf die Gasse und fing an aus Leibeskräften „Vivat" zu rufen, worin von der zahlreich versammelten Menge einige fromme Seelen weiblichen Geschlechtes einstimmten, während andere „Brovo" riefen. So ist endlich dtm Gesetze, vor welchem alle Staatsbürger, mögen sie Taglöhner, Bischöfe oder Feldzeugmeister heißen, gleich sind, sein Recht geschehen. Allgemein verlautet, daß der Bischof vor Gericht alle Rede und Antwort verweigert habe, was vielleicht aus dem Umstande geschlossen wurde, daß derselbe in kaum einer Viertelstunde nach seinem Eintreffen beim Landesgerichte in seiner Privatequipage wieder in fein Palais zurückgekehrl ist. Paris, 5. Juni. Der „Rappel" schreibt: „Dor 25 Jahren, im Jahre 1844, schrieb ein junger Mann, der einen legcndenartigen Namen trug, Folgendes auf den Tisch eines Gefängnisses: „Die arbeitende Klaffe besitzt Nichts; man muß sie zum Besitzer machen. Sie hat keinen anderen Reichthum, als ihre Arme; man muß ihren Armen eine für Alle nützliche Anwendung geben. Sie ist wie ein Volk von Heloten inmitten eines Volkes von Sybariten. Man mutz ihr einen Platz in der Gesellschaft geben, und ihre Interessen an tiejenigen des Bodens knüpfen. Sie ist endlich ohne Organisation und ohne Band, ohne Rechte und ohne Zukunft: man muß ihr Rechte und eine Zukunft geben." Diese Zeilen gehörten zu einem Werke, welches unter dem Titel: „Ausrottung der Armuth" veröffentlicht worden ist. Die Hand, die sie schrieb, ist die allmächtige Hand, die feit 18 Jahren alle Gesetze und alle Decrete unterzeichnet, die in das officielle Journal" ausgenommen werden. Seit 18 Jahren! Und der Arbeiter, den man zum Besitzer machen muß, besitzt immer noch Nichts! Und man sehe nur, wie die Armuth ausgerottet ist, deren Ausrottung als nothwendig erklärt wurde! Ist denn das Versprechen des Ge- fangenen von Ham so Geringes für den Herrn der Tuilcrien?" Paris, 7. Juni. Die Nachwahlen zum gesetzgebenden Körper ergeben folgendes Resultat. Gewählt wurden in Paris: im zweiten Wahlbezirke Thiers mit 15,912 Stimmen gegen Devinck mit 9762 und Dalton mit 5741. Im fünften Wahl- bezirk: Garnier-Pages mit 19,474 gegen Raspail mit 14,771. Im sechsten Wahlbezirk: Ferry mit 15,729 gegen Cochin mit 13,537. Im siebenten Wahlbezirk: Jules Favre mit 18,350 gegen Rochefort mit 14,761. Die „Unversöhnlichen" sind demnach in Paris geschlagen. Der Eindruck auf die Börse ist ein günstiger. Paris, 8. Juni. Bis jetzt sind die Resultate von 58 Nachwahlen bekannt. Davon sind auf offi- cielle Candidaten 25, auf oppositionelle und sogen, unabhängige Candidaten 33 gefallen. Madrid, 6. Juni. Die Regierung wird am Montag m den Cortes eine Bill einbringen, nach welcher Marschall Serrano mit Der Regentschaft betraut wird, ohne ihm das Recht, Gesetze zu sanctio- niren und die Cortes aufzulösen, zu ertheilen. Vermischtes. Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 3. 3um.) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Gemeinde rathsmitglieder Ricker, Weidig, Felsing, Wallenfels, Petri, Berg, Kober, Nagel, Haustein, Bücking und Gail. ~ Auf erstatteten Bortrag des Großh. Bürgermeisters bezüglich der Erwerbung des Geländes zu dem nach der Silber- eifen'fchen Besitzung führenden Weg wurde die Commission des Gemeinderaths ermächtigt, mit den betreffenden Grundbesitzern Käufe definitiv abzufchließen; fodann wurden die von dem Ingenieur Leppold in feinem Schreiben vom 30. Mai gemachten Vorschläge angenommen und sollen von der Verwaltung zur Ausführung gebracht werden. Nachdem der in der Sitzung anwesende Großh. Provinzial- Direcior, Dr. Goldmann, in Betreff deS Grunderwerbs zum Bau der Eisenbahnen sich ausführlich ausgesprochen, >.nd die Annahme der Vorschläge deS Großh. MinisteliumS des Innern befürwortet hatte, beschloß der Gemeinderath nach kurzer DiS- cufsion, bei seiner früheren Ablehnung der Wahl von Bevollmächtigten zu beharren. a u. Nach erstattetem Vortrag >e< Großh. Bürgermeisters spricht sich der Gcmeinderath für Errichtung eines 3. Stocke- auf dem Realschulhaufe aus und beauftragt die combinirte Commission, dem Bauaufseher Straub zur beschleunigten Aufstellung eines Voranschlags die geeignete Instruction zu geben unter Zuziehung des DirectoriumS der Realschule. Die Kosten der Planirung der Straße am Hessischen Hof sollen durch ein Anlehen aufgebracht werden, da die Heber, schüffe deS laufenden Rechnungsjahre- dafür nicht au-reichen. Der Gemeinderath heißt sodann den über die Ausführung ihm vorgelegten (956 fl. 28 Vg fr. betragenden) Kostenüberschlag gut. Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art. Darmstadt, 1. Juni. Se. König!. Hoheit der Groß. Herzog haben mittelst Entschließung vom 23. Mai den Oberst Wolff, Commandant der Militäranstalt Babenhausen, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner mehr al- fünfzigjährigen mit Treue und Eifer geleisteten Dienste nach den Bestimmungen der Militärdienst-Pragmatik in den Ruhestand zu versetzen geruht. — Der Eonsul des Norddeutschen Bunde-, Earl August Christian Duisenburg in San Francisco, ist mittelst Allerhöchster Entschließung vom 28. Mai l. I. zum Großherzoglichen Consul daselbst für die nicht zum Norddeutschen Bunde gehörigen Gebietstheile de- GroßherzogthumS ernannt worden. — Seine Königliche Hoheit brr Groß- Herzog haben AUergnädigst geruht: am 30. Mai dem Director der Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt, Theodor W e n d e l st a d t, den Charakter al- Commerzienrath zu verleihen. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben AUergnädigst geruht: am 26. Mai den ständischen Archivar, Carl Witte manu, in den Ruhestand zu versetzen, und am 26. Mai den Canzleigehülfen bei der zweiten Kammer der Stände, Eduard Dornsei ff, zum landständischen Archi- var zu ernennen. Darmstadt, 5. Zuni. Vor einiger Zeit erhängte sich im Neckarlhale de- hessischen Odenwaldes ein Taglübner. Bei Ankunft der gerichtlichen UnkundSpersonen fragte der Landrichter einen der die Leiche Bewachenden, warum sie den Erhängten nicht abgeschnitten, worauf die christlich motivirte Antwort erfolgte: Naa, Herr Landrichter, S werd Kaaner meb’ abgeschnitte, mir hewwe vor e poar Johr emol an ab- geschnitte, der iS wirrer zu sich kumme un eS hott hernoch der greeschte Lump im Ort gewwe, so daß 'n die Gemaah noch erholte hott misse. Die Pactfic-Eisenbahn. Die Einweihung der Pacific- Eisenbahn, deren Vollendung wir bereit- in unserem Anzeiger mitgetheilt, hat unter entsprechenden Feierlichkeiten, an denen selbstverständlich das ganze Land, nah und fern, sich bethei- ligte, stattgefunden. Die „Associirte Presse" in Newyork er, hielt folgende- Telegramm: „Promontory Summit, Uta f). 10. Mai. Die letzte Schiene ist gelegt, der letzte Bolzen eingetrieben, die Pacifische Eisenbahn ist vollendet. Der Punkt der Vereinigung liegt 1080 Meilen östlich von der Stadt Sacramento." Während in den Oststädten die freudige Nachricht um 3 Uhr 16 Minuten Nachmittag- eintraf, wie- die San FranciSco-Uhr auf 11 Uhr 40 Minuten Vormittags. UeberaH wurden die Kanonen gelöst, in der Trinity-Kirche zu Newyork fand ein feierliches Tedeum statt, Flaggen wehten im Hafen und von den Häufen, in Chicago eine Procession 7 Meilen lang, in Philadelphia immenser Jubel, Glockengeläute auf der Jndependence-Hall, selbst in Omaha glänzende Illumination und eine Procession von 50,000 Menschen. An dem Punkte, wo die eigentliche Ceremonie vollzogen wurde, war mit dieser — wie die „Ncwyorker HandelSztg." berichtet, — eine Telegraphenfeier verbunden, welche etwas in hohem Grade Anregendes hatte. Die Arrangements waren so getroffen, daß jede Bewegung auf jenem obskuren Punkt deS Erdkreises sofort über das ganze Land telegraphirt wurde, so daß das ganze Vokt Zeuge dessen fein konnte, was dort im engsten Kreise stattfand. Die Einrichtung war, daß der Telegraphendraht an den letzten Bolzen befestigt wurde, und daß die Hammerschläge auf dielen in jeder.Telegraphenstation gefühlt, das Welt da-. Geschehene im gleichen Moment verkündeten. Omaha war der Centralpunkt dieses großartigen Arrangements; von dort wurden rings in der Runde die Befehle auSgetheilt. Der Vorsteher deS Telegraphen.DepartementS in Washington setzte den Draht mit einer Glocke in Verbindung. Jene Glocke mußte von den Hammerschlägen auf dem 2400 Meilen entfernten Promontory Summit getroffen und in Bewegung gefetzt werden '. DaS Signal wurde gegeben: „Macht Euch bereit!" Washington, NeworleanS, Chicago, Boston k. antworteten: „Wir sind fertig!" ES war nach 2 Uhr. Auf den Telegra- Phen-Büreau herrschte dieselbe Spannung, welche man unmittelbar vor dem Eintreffen leinet Sonnenfinsterniß empfindet. Einige wurden ungeduldig und richteten Fragen an Omaha. Von dort erfolgte die Antwort: „Seid ruhig. Stört den magnetischen Kreis nicht, sondern wartet den Hammerschlag ab." Um 2 Uhr 27 Minuten, nach der Washingtoner Zeit, sagte Promontory Sumuiit: „Beinahe fertig. Die Hüte ab! Es wir» gebetet!" Unwillkührlich gehorcht ein Zeder, dem das Signal kund ward. Tiefes, feierliches Schweigen. Um 3 Uhr 10 Minuten lautet das Wort: „Das Gebet ist zu Ende, der Bolzen soll eben überreicht werden!" Chicago er- wiedert: .Der Osten ist bereit!" Promontory Summit sprichi: „Fertig! Gleich kommt-! Dreimal wird gezuckt vor den Hammerschlägen!" Das Signal erfolgt. Ein-, zwei, drei! Eine Pause von einigen Minuten. Und dann fühlt man die Hammerschläge im Osten, im Westen, im Norden und Süden, die Glocke in Washington klingt, einmal, zweimal, dreimal! Die Fahnen fliegen empor, die Kanonen donnern, und hier läutet das Glockenspiel deS Trinity-Thur- mes: „Nun danket alle Goft!" Der Moment wird allen Denen unvergeßlich sein, welche an der Feier beteiligt waren. So bildet die Völkersamilie einen harmonischen Körper, dessen Nervensystem die Fäden deS electro-magnetischen Telegraphen repräsentiren, und was im entlegensten Winkelchea geschieht — daS beseelte Ganze kann eS spüren und empfinden. — Die Bahn ist dem Verkehr bereits übergeben. Zn Washington ist am 11. Mai dem Postmeister telegraphisch an- gezeigt, daß die erste Briefpost auf der Bahn befördert worden, und am 10. wurde die erste von Japan nach St. Louis bestimmte Theesendung vermittelst der Pacific-Gisenbahn tränt- portirt. Der Ueberlandverkehr mit Japan und China hat somit begonnen. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.