Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 kr. Gitßkner Anzeiger. Erscheint wöchentlich drer- mal: Dienstags, Donner« stagS und Samstags. — Expedition: Canzleibetg Lit. B. Nr. 1. Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. Nr. U5 Donnerstag den 9. December 186». Besondere Bekanntmachungen. Oeffentliche Aufforderung. 11264) Nachdem Großherzogliches Hofgericht der Provinz Oberhessen über das vermögen des Konrad Müller IX von Lang-Göns den förmlichen Concurs erkannt hat, sind Forderungen und Ansprüche jeder Art an das erwähnte Vermögen Montag den 31. Januar 1870, Vormittags 10 Uhr, bei Meidung Ausschlusses von der Masse dahier anzumelden und nebst etwaigen (andernfalls nicht zu berücksichtigenden) Vorzugsrechten zu begründen. Im Termine soll zugleich Vergleich versucht und über Versilberung der Masse, Bestellung eines Massecurators und Gläu- bigerausschusses rc., sowie geeignetenfalls auch über Liquidität und Priorität der Forderungen, Beschluß gefaßt werden und wird von den nicht erscheinenden oder doch nicht gehörig vertretenen Gläubigern Beitritt zu den Beschlüssen der Mehrheit unterstellt. Gießen, den 11. November 1869. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Scriba, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. 11243) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Capitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine sestgesetzt, und zwar: 1) onnerstag den 9. December, 2) Samstag „ 11. „ 3) Dienstag „ 14. 4) Mittwoch , 15. „ 5) Donnerstag „16. „ 6) Samstag „ 18. „ 7) Dienstag „ 21. „ 8) Mittwoch „ 22. „ 9) Donnerstag „ 23. „ 10) Dienstag „ 28. „ 11) Mittwoch „ 29. „ 12) Donnerstag „ 30. „ 13) Freitag „ 31. Die Interessenten lperden daher aufgefordert, die Zahlung an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die auf Dienstag, Mittwoch und Samstag fallenden Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, am 23. November 1869. Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. Versteigerungen. 11281) Dienstag den 14. December d. I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhause der dem Wilhelm Schmall dahier zustehende Flur Nr. oKlftt. 40/223,3 j 171 Garten im Gartfeld, unter^den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, den 8. December 1869. In Auftrag: Sem ml er, Ortsgerichtsmann. 11254) Nächsten Freitag, den 10. d. Mts., Morgens 10 Uhr, läßt der Unterzeichnete den Lung-Steinbruch im Kern berg bei der Ganseburg auf mehrere Jahre, unter den daselbst bekannt gemacht werdenden Bedingungen, meistbietend verpachten. Die Gesellschaft. Feilgebotenes 11257) Bestecke für Mediciner und Veterinärs sind billig zu verkaufen bei K- Grünebaum, Schloßgasse. 11272) Ein noch sehr guter großer Kvch- ofen ist käuflich abzugeben bei PH. Mootz, Katharinengasse. M FRISIER & ROSSMANN mit der Fabrikfirma ^FRISTER & ROSSMANN“ auf der Stahlplatte garantiren wir Nur Maschinen E. Eichenber^ Aähmaschinen-Iabrik, Ilerlin. lloppelstcppslich- Nähmaschinen für Familiengebrauch, auf elegantem Nußbaum- oder Mahagonytisch, Nr. 2 mit sämmtlichen Apparaten und Verschluß 50 Thlr. — Nr. 1 mit den'nöthigsten Apparaten und ohne Verschluß 45 Thlr. — Jllu- strirte Preis-Courante und Nähproben werden gratis versandt- Verpackung frei. Garantie 2 Jahre. als unser Fabrikat. 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Zu Festgeschenken sich eignend, empfehle ich eine neue und greße Auswahl Capuzen, Seelenwärmer, Stauchen, Manschetten, Shäwlchen, Zephir, Kragen und Manschetten, Schleier, Hutstoffe, Federn, Blumen, Batisttaschentücher, Band, Blonden und Spitzen, Echarpes und dergl. und stelle ich bei sämmtlichen Artikeln meinen geehrten Kunden die billigsten Preise. Henriette Heß, gegenüber dem Lindenplatz, Lit. A. Nr. 64. 11263) Puppenköpfe und -Gestelle, sowie gekleidete Puppen, enipfiehlt ________________________I- H- Fuhr. 11249) Zwei Schlitten sind zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 11248) Schweres Druckzeug, Rockzeug, Schürzenleinen, Barchent, Bettzeug, Hausmacherleinen und noch viele andere in dieses Fach einschlagende Artikel empfiehlt in schöner Auswahl H. M. Jughardt. 10892) Mein Schuh-, Stiesel- u. Fihschuh- Lager bringe ich hiermit in empfehlende Erinnerung. PH. Löber's Wittwe, Neuemweg B- 194. 11216) Ein Mann vom Lande beabsichtigt, täglich frische Milch zum Verkauf nach Gießen zu bringen. Wer? sagt die Exped. d. Bltts. Zurückgksedtk Seibeulluffe! Gestreifte Seidenstoffe, circa 350 bis 400 Kleider, in Folge des Abschlags: ä 18 und 20 fl. das Kleid, frühere Preise: ä 26 und 28 fl. das Kleid, ä 22 und 24 fl. das Kleid, frühere Preise: ä 30 und 32 fl. das Kleid, sowie eine große Auswahl von schwarzen und farbigen Seidenstoffen, Sammt für Paletots zu ungewöhnlich billigen Preisen, in der Sei- denwaarenHandlung von Theodor Beer$ (11245) Reuekräme 32, in Frankfurt a. M. Frachtbriefe für die Mam-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie fammtliche zollamtlichen Formulare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Marktstraße. Frankfurt a. M 11276) Als 11251) 11296) Zinß er scher Garten Sonntag den 12. December: Vermischte Anzeigen 11300) Ein Mädchen wird auf Weihnachten in Dienst gesucht- Näheres bei der Exped. d. Blattes. Lehrlings-Gefnch. 11280) In ein en-xros-Geschäft in Frankfurt a. M- wird ein Lehrling unter günstigen Bedingungen zu engagiren gesucht- — Franco-Offerten sub V. R. 795 an Daube's Ännoncen-Exped in Frankfurt a- M- Weihnachtsgeschenke. 11285) Eine kleine auserwählte Schmetterlings-Sammlung in Glaskasten, sowie mehrere leere Glaskasten, eine Sie gel- Sammlung von 1000 Stück, ebenso auch ein Reißzeug zu verkaufen- Meyer Rothenb erger, Neuenweg. 11293) Als passende Weihnachtsgeschenke empfehle ich mein Lager in Winterbandschuhen, Herren- und Damen-ttnt^hosen und Zacken, seidenen u. wollenen Filettüchern, Manschetten, Kraae» und Krausen, gestickten Taschentüchern, Corsetten und Crinolinen, weißen baumwollenen gewebten und gestrickten Strümpfen zc.; ferner verkauf eich, um damit zu räumen, eine Partie Seelenwärmer, Capuzen, Kinderjäckchen u. Röckchen, Palatins -c. zu äußerste billigen Preisen. Großes Ertra-Conen l (ä la Straut! ). ausgeführt von dem auf 33 Stimmen verstärkten Mnsikcorps der Wetzlarer Jäger, unter Leitung seines.Musikmeisters, Herrn Merstedt. Anfang 4 Uhr. Ende nach 10 Uhr. Ire für Damen empfehle ich eine reiche Auswahl neuer Schmuckgegenstände, sowie Ballkränze und Bouquets, Ballfächer, Handschuhe, Haarreife, Ketten, Krause« ä la 8iuart, Blou- sen, Ohrringe und Braches. Wilhelmine Fuhr, Welteröweg. Stadl Madrider 3 „ Frs. M Loose. qarantirt durch sämmtliche Einnahmen, foivte durch das sehr werthvolle Grundeigcnthum der Stadt. Zinsen und Capitalrnckzablung in Gotd ebne jeden Abzug. Jährlich 4 Gewinnziehnngen. Hanptaewinne Frs. 250,000, 100,000, 70,000, 50,000, 40,000, 35,000 re. Diese Obligations-Loose sind mit jährlichen Zinscoupons ä Frs. 3 versehen, und geben also zum heutigen Ankaufspreis bei größter Sicherheit und unter Anrechnung der Rückzahlung ca. 7l M 'ßaaiß-iajja^ uiaq juv atpuiunu qim aqv() uajjviiaa uuaH §aq -ajnü^ uiaq ui $unu(jo® abuatz M auiaui (pi tzva 'atyaSuß a^uaqabaa aiq liuuai^ (<=5211 VunaoquvasJz - A. Hlichliersiz Zeil 29, rmpftchlt ÄÄÄ6e«. Chevreaux - Handschuhe, Iknöpfig, von 1 fl- 18 kr. an das Paar. . , 2 „ „ 1 u 3U „ „ „ » Gefüttertee Glace-, Castor- und Winter - Handschuhe. Das Reuest in englischen und französischen Halsbinden. Kau de Cologne von Joh. Maria Farina, gegenüber dem Jülichs- Platze. r„,, _ _ .... , Bestellungen werden auf das Sorgfältigste ausgefuhrt. 11246) Ein junger Mann, der im Besitze einer guten Handschrift ist und die Kaufmannschaft zu erlernen beabsichtigt, wünscht zu diesem Behufe auf einem hiesigen Comptoir angemessen placirt zu sein- — Vorläufig hat derselbe nur die Absicht, sich mit den einschlägigen Comptoirarbeiten bis zu deren gründlichen Erlernung zu befassen. Gefälligen weiteren Ausschluß ertheilt auf Wunsch die Exped. d. Bltts. Mathematik-Stunden wünscht ein Student zu ertheilen. Adressen beliebe man in der Exped. d. Bltts. niederzu- legen. (11233) Neuer Turnverein. 11267) Freitag den 10. d. M-, Abends 8 Uhr: Generalversammlung im Cafs Mosler. ______________Der Vorstand. 11260) Ein Mädchen, welches alle häuslichen Arbeiten versteht, wird auf Weihnachten in Dienst gesucht- Näheres bei der Erped. d. Blattes. ____________ 11295) Schellfische, frisch aus der Nordsee, fortwährend zu haben bei Bäcker Vogt, Wallthor. 11271) In Folge Ablebens des pensio- nirten Ober-Rechnungs-Probators Lehr in Nieder-Ohmen (Eisenbahn-Station zwischen Grünberg und Alsfeld in Oberhessen) ist dessen hinterlassenes Feldgut, bestehend in einer geräumigen zu jedem Geschäft tauglichen, unweit des Stationshauses gelegenen Hofraithe mit etwa 50 Morgen Land, worunter eine entsprechende Anzahl guter Wiesen, aus freier Hand zu verkaufen. Zur Auskunft erbötig und zum Verkaufs- Abschluß ermächtigt ist Dr. Schüler, Hofgerichts-Advocat in Gießen. 11299) In der früher Katz en st ein & Eichenberg'schen Besitzung ist ein Wohnhaus, bestehend aus einigen Familienwohnungen, wobei Küche und Keller, sowie das Fabrikgebäude, zu Lagerräumen sich eignend, auf mehrere Jahre zu verpachten. Reflcctanten wollen sich an mich wenden- B- Katzenstein, Neuenweg Lit. B- Nr-139- 11252) Die Wostenwaarm Handlung von I. A. Busch Söhne ihr nut assortirtes Laaer in gerechten und gestrickten Herren- und Knabcn- ncken in gewebten Sayet- und Flanell GesundhcitShemden für Herren, Damen und Kinder, gewebttn Buxkinlsandschnhen, wollenen und baumwollenen Hosen für Damen und Kinder, Jaad-und gehSkelten Kindergamaschen, gestrickten farb.gen Kinderklcidchen, Eapuren, Fanchons, «eelenwarmern, Litzen, gerechten und Fil; schuhen mst und ohne Beia , feinen gestrickten Damen- und Kinder,trumpschen, sowie alle in dieses Fach einschlagenden Artikel. Vermiet billigen. 11278) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei __________________E- Ottm ann. 11247) Ein möblirtes Zimmer ist auf Neujahr zu vermiethen bei ________Louis Petri II., Neuenweg. 11241) Ein Familienlogis ist zu vermiethen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 11242) Im Cafe Ebel ist ein kleines Familienlogis, pr. 1. Januar 1870 beziehbar, zu vermiethen. 11298) Nürnberger Lebkuchen, Braunschweiger Honigkuchen, sowie die beliebten Lebkuchen-Figuren und Herzer, gla- sirte Hamburger Zucker-Figuren, Anis, Pfeffernüsse u. s. w., in bekannter Güte, empfiehlt Gg- Busch, am Kreuz. H270) Anisformen werden verliehen bell Adolph Hopfner, ' im Gasthaus zum Schwanen am Wallthor. Geschäfts - Empsehlung. 11292) Das von mir seit einer Reihe von Jahren betriebene Geschäft in Seibers wolle und Zupfelzeug habe ich unter dem Heutigen an den Herrn K. Jung dahier käuflich abgegeben, welcher dasselbe in gleicher Wei e fortzubctretben beabsichtigt, und bitte ich, das mir bisher geschenkte Vertrauen und Wohlwollen in geschäftlicher Beziehung auf den genannten Herrn übertragen zu wollen. Gießen, den 9. December 1869. Bezugnehmend auf obige Annonce, theile ich verehrlichem Publikum nut, datz ich stets ein reichhaltiges Lager in allen bekannten Artikeln halte, auch durch Umtausch, billige Preise und gute Waare meine Kunden zufrieden zu stellen mich bemühen werde. Uatimial-Uikh-Vkrstchkrungs-Gesillschiist in Cassel versichert Pferde, Rindvieh, Schweine und Schafe gegen alle Verluste mcl. Seuchen und Nnglücksfälle. Voll-Zahlungen der Schaden. Sofortige Regultrung. Wechsel im Vichstande gestattet ohne Anzeige. Für größere Landwirthe separate Abtheilung. Versicherung ganzer Gemeinden, sowie Rückversicherung bestehender Ortsvereine unter erleichterten Bedingungen. Statuten, Antragsformulare gratis. Auskünfte werden gern ertheilt von allen Spezial-Agenten.sowie von der General-Agentur in Darmstadt: I. Gg. Schroder. Au Jedem Orte werden Agenten angestcllt! (11275) 11269) Hessische Urkunden suche ich zu kaufen und wollen Besitzer solcher mir die betreffenden Documente gefälligst franco mit Preisangabe zusenden. — Nicht con- venirenden Falls werde ich solche franco retourniren. Ebenso kaufe ich auch alte Standuhren und Münzen. Meyer Rothenberger, Neuenweg. 11273) Am Sonntag Abend wurde in dem Biersaale des Herrn Ehr- Lony ein Hut aus Versehen vertauscht. Man bittet um gefälligen Austausch in Lit- B- Nr. 178 (Neuenweg.) ____________________ 11266) Für ein Material- und Farb- waaren-Geschäft en gros «fc en detail wird ein Lehrling gesucht. Kost und Logis kann auf Verlangen im Hause des Principals gegeben werden. Näheres unter P. B. durch das Frankfurter A n n o n c e n - B u r e a u in Frankfurt a. M., Schnurg. 19. Block-Chocolade I mit Vanille, pr. Pfund 28 kr., empfiehlt 1 (11282) Emil Fischbach, Seltersweg. , Irisch aus der Nordsee wöchentlich zweimal Seefische nicht mehr zu haben bei Bäcker Vogt, sondern bei mir in meiner Wohnung, bei -Herrn C aspar vor dem Neuenweger Thor, unb bitte ich deßhalb Diejenigen, welche bereits Bestellungen gemacht haben, solche an Herrn Bäcker Ronstadt in der Neustadt ab$|v neben, woselbst sie pünktlich besorgt werden. Heute, Donnerstag den 9. December, trifft eine frische Sendung 11288) Gesangbücher in schöner Auswahl, zu Weihnachtsgeschenken für Confirmanden , bei H- Sonntag, Buchbinder 11294) Die erwartete Sen- düng Gesellschaft^ u. Selbst- beschäftigungs-Spiele ist in schöner Auswahl wieder eingetroffen und empfehle ich solche zu billigen Preisen.Z. H. Fuhr. 11297) Da ich mein Lager in allen Sorten Strickgarne in bekannt guter Waare, sowie mit allen zur Stickerei no- thigen Artikeln auf das Beste assorttrt habe, bringe ich solche zu bedeutend herabgesetzten Preisen in empfehlende Erinnerung. I o h- Müller, _________________ Wallthorstraße. Zurückgesetzte Kleiderstoffe, sowie eine Partie Reste in Tuch und Buckskiu, empfehle ich zu sehr billigen Preisen. A u g. M o n t a nu s, (11286) Neustadt Lit. D. Nr. 20o- Di bald eft rs durch A unD fot1 3d \*. Wik i kanacb, erzählte flkittn 1 Ar D- mich " ner - des füll nen Lip loS zusc W W eine Si beslnnei meine W i das K im S ich kl meine den. mauer so mu sch, s ab, u meine es 9 Genfer ( jedoch einem Flüge konnte könnt mit, ersten glitt das ‘ daß habe, gernä und erschi hentl Lache Älost voll angel d)en, sagen die; für s noch Umgi ich d l«bt anse viel «nass so ö tode I mich Siui ®ifii Feuilleton. Aus dem Leben einer Nonne. Novelle von I. H. (Fortsetzung.) Die Folge davon war, daß man mich einschloß, aber meine Eltern sahen bald ein, daß man nicht mit Gewalt meinen Willen brechen könne, und beschloß es durch List zu thun. An einem schönen Sommermorgen trat mein Vater zu mir in das Gemach und forderte mich auf, ihn auf einer Spazierfahrt zu begleiten. Ich willigte freudig ein; nicht allein, weil ich mich wieder nach Freiheit sehnte, sondern weil ich darin ein Zeichen seiner Liebe zu entdecken glaubte. Meine Mutter sah ich vor unserer Abfahrt nicht, ich trug auch kein Verlangen danach, und bald rollte der Wagen mit meinem Vater und mir dahin. Er erzählte mir, daß er einen alten Freund besuchen wolle und ich ihn dahin begleiten könne, weil er sonst keine Gesellschaft habe. Arglos fuhr ich dahin. Nachdem wir vielleicht sechs Stunden gefahren waren, rollte der Wagen in ein Hofthor und mein Vater befahl mir, auszusteigen. Das düstere Aussehen des Gebäudes, vor welchem wir hielten, erschreckte mich — ein dumpfes Vorgefühl eines nahenden Unglücks bemächtigte sich meiner — aber ehe ich noch zur Besinnung kam, hatten wir bereits die Schwelle des düsteren Gebäudes überschritten — ein qualvoller Schrei entrann sich meinen Lippen — vor mir stand die Aebtissin des Klosters und ich sank bewußtlos zusammen. H Was weiter mit mir geschah, davon weiß ich nichts. Wochen waren verflossen, als ich wieder zum Bewußtsein erwachte, und eine Schwester des Klosters an meinem Lager sitzen sah. Ich mußte mich lange besinnen, ehe die Erinnerung in meiner Brust wieder erwachte und ich klar meine ganze jammervolle Stellung übersah. In demselben Augenblick aber faßte ich auch den Entschluß, mich durch kein Mittel dazu zwingen zu lassen, das Klostergelübde abzulegen. Dieser Vorsatz stärkte mich, und bald war ich im Stande, mein Lager zu verlassen. Aber finster und einsilbig ging in einher, ich klagte nicht, ich jammerte nicht, nur fühlte ich allmahlig jede Liebe für meine Eltern, die mich so mitleidlos in das Unglück gestürzt hatten, verschwinden. Ich sann nur darauf, wie ich mich befreien konnte, aber die Klostermauern geben nicht freiwillig bas heraus, was sie zu behalten wünschen, und so mußte ich mich schließlich in mein Schicksal ergeben und nur meinem Vorsätze, nicht das Klostergelübde abzulegen, getreu bleiben. Wenn meine Mutter mit mir zu sprechen wünschte, wies ich sie hartnäckig ab, und allmahlig flohen mich alle Novizen, sowie die Ordensschwestern wegen meines unzugänglichen Wesens. Aber bas kümmerte mich nicht, mir war es ganz gleich, wenn man mich nur in Ruhe ließ, damit ich an Hugo denken durfte. So hatte ich beinahe die Hälfte meines Noviziats zurückgelegt, ohne mich jedoch an mein einsiedlerisches Leben zu gewöhnen; mir war zu Sinne, wie einem gefangenen Vogel, der hinaus in's Freie möchte, und dem man die Flügel beschnitten hat. Aber keine Thräne hatte seit der Zeit meine brennenden Lider gekühlt; ich konnte nicht vor der Mutter Gottes niederknieen und sie um Hülfe anflehen, ich konnte nur an Hugo und meine Freiheit denken. Eines Morgens ließ mich die Aebtissin zu sich bescheiden und theilte mir mit, daß der Graf Brosenberg sich verheirathet habe. — Das war das erste Tröpflein Freude in den Becher des Leibens, und zum ersten Male, seitdem die Klosterpforte sich hinter meinem Rücken geschlossen, glitt ein Lächeln über meine Züge. Aber jetzt schien es, alt wendete sich mir das Glück wieder zu, bald nachher besuchte mich meine Mutter und sagte mir, daß sie nichts gegen meine Verbindung mit Hugo von Dallenberg einzuwenden habe, sobald mein Noviziat beendet sei, da Herr von Brosenberg bereits gewählt hätte. Voll unaussprechlichen Entzückens warf ich mich meiner Mutter zu Füßen und umklammerte ihre Kniee. O, nie war mir ihr Antlitz so schön, so mild erschienen, als in diesem Augenblicke, und ich bat sie für all' meinen Trotz flehentlich um Verzeihung. Ich armes Geschöpf, ich kannte die Welt mit ihren Fallstricken noch nicht. Ich war, nachdem meine Mutter mich verlassen hatte, wie umgewandelt. Lachend und jubeld durchlief ich das öde Kloster und die einsamen Gänge des Klostergartens — ich wußte meines Glückes kein Ende. An einem Morgen, es war noch sehr.früh, saß ich allein in meiner Zelle voll süßer, hoffnungsvoller Gedanken, als ich plötzlich — die Thür war nur angelehnt — draußen flüsternde Stimmen vernahm, die jedoch laut genug sprachen, so daß ich jedes Wort verstehen konnte. „O, mein Gott, beste Frau Gräfin," hörte ich die Stimme der Aebtissin sagen, „Sie wissen nicht, was Sie beginnen wollen. Martha liebt so, daß die Nachricht von Hugo von Dallenberg's Tode leicht die schlimmsten Folgen für sie haben kann." Wo ich die Kraft hernahm, noch weiter zu hören, Elisabeth, daß weiß ich noch heut zu Tage nicht, aber ich vernahm, wie meine Mutter entgegnete: „Mag es kommen, wie es will, es ist besssr, wenn sie es in der stillen Umgebung des Klosters erfährt, als wenn sie draußen in der Welt steht und ich plötzlich sagen muß: Hugo lebt nicht mehr." „Sie werden dennoch damit warten müssen, bis Martha das Kloster verläßt," sagte die Aebtissin wiederum, „ich werde den Jammer des Kindes nicht ansehen können." „O, warum muß diese Unglückliche wieder in die Welt hinaus, die doch jeden Reiz für sie verloren hat!" schluchzte meine Mutter. Der furchtbare Schmerz, der entsetzliche Schlag mußte mich gefühllos gemacht haben, fuhr Schwester Martha fort, ich fühlte nichts. ES war so still, so öde in mir, wie nie zuvor, ich wußte nur, daß Hugo gestorben war — auf welche Weile, das war mir gleichgültig — und daß die Welt jetzt leer für mich war. — Drei Stunden später hatte ich eine lange, ernste Unterredung mit meiner Mutter. Ich sah nur vorübergehend das triumphirende Lächeln, was über ihr Gesicht glitt, als ich ihr mittheilte, daß ich die Stille des Klosters nicht wieder mit dem Geräusch der Welt vertauschen wollte, und schon zwei Tage später das Klostergelübde ablegen wollte. Zwei Tage später stand ich wirklich als Braut vor dem Altar, um mich dem Himmel zu vermählen. Da fielen meine langen goldigen Locken unter der Scheers und ein Schleier umhüllte meinen Kopf. In demselben Augenblicke aber, als der Priester das Amen aussprach — in demselben Augenblick ertönte ein gellender Schrei durch die lautlose Stille der großen Domkirche. Mehr todt als lebend wandte ich mich um, ich hatte die Stimme erkannt, und obschon das triumphirende Lächeln meiner Mutter mich von der gräßlichen Wahrheit überzeugte, wollte ich doch mit eigenen Augen mein ganzes Unglück übersehen. Man hatte mich betrogen — schändlich betrogen. Man hatte auf meine leidenschaftliche Liebe für Hugo gebaut und von mir das Klostergelübde erschlichen. „Hugo," schrie ich wahnsinnig vor Schmerz, „man hat mir gesagt, Du seist gestorben." Ob er es verstanden, ich weiß es nicht, man schleppte mich in demselben Augenblick in einen bereitstehenden Wagen, der mit mir davon fuhr, ehe ich meine vollkommene Besinnung wieder erhielt. Schwester Martha machte eine Pause, während Elisabeth schaudernd flüsterte: „O, Schwester Martha, was Du gelitten." Die Nonne nickte schmerzlich lächelnd. Und dann kamen jene entsetzlichen Tage und Nächte — fuhr sie fort — wo ich an Gott und allem, was heilig war, verzweifelte, wo ich der Stunde meiner Geburt fluchte und meinen Kopf an die Wand meiner Zelle blutig schlug, daß das rothe Blut meine Kleider färbte. Dann kamen die Tage, wo ich auf meinen Knieen lag und kein Gebet über meine Lippen wollte, bis abermals die Verzweiflung sich einstellte. Das ging so viele Wochen, Monate hindurch, meine Eltern wollte ich nicht Wiedersehen, bis ich eines Tages entdeckte, daß silberne Fäden in zahlloser Menge mein blondes Haar durchzogen, und da hatte ich ausgetobt — da wurde ich ruhig, denn mit achtzehn Jahren hatte sich bei mir das Alter eingestellt. Elisabeth hatte schluchzend ihren Kopf in Schwester Martha's Schooß gelegt. Sie begriff nicht, wie man das Alles erdulden und doch noch leben könne, und darum fragte sie auch wohl endlich schüchtern: „Und jetzt, Schwester Martha?" „Jetzt, Elisabeth, kommen jene wahnsinnigen Augenblicke nur noch selten, und dann schließe ich mich in meine Zelle ein, damit Niemand sieht, wie ich leide — daß ich noch ein Herz habe. Aber ich fühle, daß mein Leben dahin schwindet, daß es nicht mehr lange dauern kann, bis ich die ersehnte Ruhe gefunden habe. Niemand von den Ordensschwestern kennt meine Lebensgeschichte, man hält mich zeitweilig für wahnsinnig, aber- Du, Elisabeth, Du kennst sie und Dir kann sie von Nutzen sein. Laß' Dich durch nichts dazu verleiten, das Klostergelübde abzulegen, wenn Du eine irdische Liebe im Herzen birgst — laß' keine Vorspiegelung Dich täuschen, damit Du nicht das Leid zu erdulden hast, was ich erduldet." Eben kündigte die nahe Thurmuhr die erste Morgenstunde an, und die beiden Freundinnen mußten sich trennen, indem der Pförtner gewöhnlich eine halbe Stunde später gewöhnlich seinen Rundgang antrat und dann Verdacht schöpfen konnte. Nach einem zärtlichen Abschied entfernte sich Schwester Martha, um sich zur Ruhe zu begeben, Elisabeth aber wachte noch voller Furcht und Hoffnung, als bereits das Tageslicht das vergitterte Fenster ihrer Zelle erhellte. Schwester Martha's Trost und ihre Ermunterungen zum Ausharren stärkten Elisabeth, so baß sie bald viel hoffnungsvoller und ruhiger in die Zukunft sah, obgleich ihre kindliche Heiterkeit spurlos verschwunden war. Das tiefe Mitleid, was sie mit Schwester Martha fühlte, ließ Jin ihr keinen Frohsinn mehr aufkommen. Der Glaube an edle Menschen war von ihr gewichen, ja sie hätte sie, ob des Leides, was sie Schwester Martha zugesagt, hassen mögen. Ihre Mutter lernte sie allmählig als ihre Peinigerin betrachten, und wenn die Gräfin Marion von Felseck sie in das Sprechzimmer bescheiden ließ, dann umgab Elisabeth ihr schüchternes Herz erst mit festem Willen und immer hoffnungsloser, daß sie je ihr Ziel erreichen werde, schied die Gräfin von ihr. Für Schwester Martha waren einmal wieder jene wahnsinnigen Augenblicke gekommen, wovon sie gesprochen hatte. Die Lebenslust war in ihrer Brust abermals erwacht und die Sehnsucht, das Kloster zu verlassen, erfüllte sie mit namenlosem Jammer. Sie ließ Niemanden zu sich, als Elisabeth und diese saß an Schwester Martha's Lager und suchte sie zu trösten. Aber sie nahm keinen Trost an; in dumpfer Verzweiflung vor sich hinbrütend, saß sie in ihrer Zelle und mit Schrecken gewahrte Elisabeth, wie die Unglückliche zusehends schwächer und lei- denber wurde. Aber endlich kam doch wieder die Ruhe. Mit Todesangst hatte Elisabeth die Nacht hindurch bei Schwester Martha gewacht und deren veezweiflungsvolles Jammern und Wehklagen mit angehört, bis die Leidende endlich in einen tiefen Schlummer sank, aus welchem sie anscheinend gestärkt erwachte, als eben die ersten Strahlen der Morzensonne durch das vergitterte Fenster der Zelle drangen. Ein friedliches Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie auf die schlummernde Elisabeth blickte, die ihren Kopf auf den Rand des Lagers herabgesenkt hatte, und Schwester Martha's feine durchsichtige Hand glättete das goldblonde Haar der jungen Novize. Aber von dieser Berührung erwachte Elisabeth; halb verwirrt sah sie empor, als sie Schwester Martha aufrecht im Bette sitzen sah. „Wie geht'- Dir, Schwester Martha?" fragte sie halb besorgt, halb hoffnungsvoll. Die Nonne lächelte — es war das schmerzliche Lächeln, das Elisabeth jedes Mal wie eine Welt voll Kummer erschien. „Es ist vorbei, Elisabeth," entgegnete sie dann, „aber ich müßte mich sehr irren, wenn dies nicht der letzte Erdenkampf gewesen wäre. Ich fühle es, daß bald die lang ersehnte Ruhe kommt." (Forsetzung folgt.) 6. December. „BerlinSke Tidende" enthält einen Artikel, überschrieben : „Die schleswig'sche Frage." Am Schluffe desselben heißt eS: „Wir räumen ein, daß es fchwie- rig ist, Vie Geduld unter unerträglichen Verhältnissen zu bewahren, schwierig für uns im Königreiche und noch schwieriger für die dänischen Schleswiger. Allein es ist Thatsache, daß, wenn ihre Geduld nicht ausreicht, ihre und unsere Sache verloren ist. Diese- nigen, welche die Bestimmungen des Prager Friedens- Vertrages zu einem tobten Buchstaben herabzudrücken wünschen, harren eben des Augenblickes, in welchem man, des Wartens müde, dahin getrieben wird, in der einen oder anderen Richtung durch Bevorzugung irgend einer Erledigung vor dem unsicheren, abwar- tenven Zustande eine Entscheidung herbeizuführen." In Belgien hat das neue Milizgcsetz die erste Lesung in der zweiten Kammer passirt. Das Gesetz ist nicht besser und schlechter als die Militärgesctze in den übrigen Ländern. Und doch muß wenigstens ein erfreulicher Fortschritt darin verzeichnetßwerden: die vom Kriegsminister erlassene Verordnung, welche den Soldaten außer Dienst das Tragen des Seitengewehrs untersagt. Es ist tas 19. Jahrhundert, in dem man es als einen Fortschritt bezeichnen muß, wenn friedliche Bürger der Furcht enthoben werden, unschuldig und vielleicht aus kleinem Anlaß todtge- schlagen zu werden. Dem „Globe" zufolge hat die englische Regierung die Rathsamkeit einer abermaligen Aufhebung der Habeas-CorpuS-Acte in Irland in Erwägung gezogen. Dieser Schritt soll sehr wahrscheinlich sein, wenn sich nicht innerhalb der nächsten zehn Tage ein be- deutender Wechsel in der Stimmung auf der grünen Insel bekundet. Die Regierung soll Beweise in Händen haben, daß die Fenier einen nahen Ausstand in Irland vordere ten; zugleich daß sie unter den vielen irischen Arbeitern in Lancashire heimlich Waffen vertheilen, um auch auf englischem Boden eine Diversion zu machen. Wie natürlich, dienen diese Umtriebe nicht dazu, die Stimmung der Engländer gegen Irland zu verbessern, und die Torypresse macht schadenfrohe Bemerkungen über den Gladstone'schen Ltberalismus. Dem „Pesthcr Lloyd" berichtet man aus Wien vom 29. Rov.: „Gestern ist hier ein Petersburger CabinetScourier mit Depeschen eingetroffen, deren Inhalt den Zusammentritt des GesellschaftspersonalS sammt dem Titularbischof Rajewski veranlaßte. In russischen Kreisen signalisirt man die Mission eines Gencraladjutanten des Ezaaren an Se. Majestät." Ein zweites Wiener Telegramm desselben Blattes sagt: „Das Cabinct von Petersburg äußerte seine Anerkennung über die neutrale Haltung Oesterreichs Montenegro gegenüber. Die „Allg. Ztg." schreibt: Die Absitzung des Khedive könnte nicht geschehen ohne Zustimmung der Großmächte, da bei Verwandlung des Vicekönig- thums aus einem Seniorat in der Familie Mehemed Ali'S in ein Majorat (1866) ausdrücklich der bezügliche Act den Großmächten unterbreitet wurde und jetzt die Erbfolge auf dem Thron Egyptens einen Theil des europäischen Staatsrechls bildet. Anders verhält es sich mit den Auslegungen der Bestimmungen des Fermans vom Jahre 1867 über die finanzielle und administrative Selbstständigkeit Egyptens im firm an explicativ. Diese Rechte wurden vom Sultan nur gegen eine Erhöhung des Tributs von 80,000 Beuteln auf 150,000 Beutel gewährt und bewegen sich nur im internen Gebiete der Pforte. Hierin können also Modificationen eintreten, welche Sultan und Khedive unter sich abmachen, nur dürfen sie nicht zu Verhältnissen führen, auf welche §. 7 des Pariser Vertrages Anwendung findet. Eine europäische Conferenz würde zusammentretcn, wenn isolirte Action der Großmächte in Konstantinopel und Kairo sich als ungenügend erweisen sollte. 7. December. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge schreitet die Bearbeitung des Entwurfs eines neuen Preßgesctzes im Ministerium des Innern vor. Man nimmt als gewiß an, daß der Entwurf in nächster Zeit an das Plenum des Staatsministeriums zur Beschlußnahme gelangen werde. Die Bearbeitung des Entwurfs eines Strafgesetzes für den norddeutschen Bund ist ihrer Beendigung nahe. Den Jahrestag der Gründung des französischen Kaiserreichs (2. December) feierten die Organe der Unversöhnlichen mit heftigen Artikeln. Der „Rappel" brachte einen Aufsatz von Victor Hugo, welcher die Daten de? 20 Dec. 1848 und des 2. Dec. 1851 einander gegenübcrstellt: die Ernennung Louis Napo- leone zum Präsidenten der Republik und seine Anmaßung des Kaisertitels. Außerdem enthält das genannte Blatt im Feuilleton ein Gedicht, gleichfalls von Victor Hugo, unter der Ueberschrift: „Jene Nacht." Darin wird die Nacht vom 2. December mit der Bartholomäusnacht verglichen, und ihre Urheber werden mit einigen Titeln belegt, welche der Verfasser selbst nur durch Gedankenstriche auszudrücken für gut findet. Der spanische Minister MartoS hat als Beitrittserklärung zu dem das Concil betreffenden Circular des Fürsten Hohenlohe in München die Copie e ms an den Papst gerichteten Protestes einreichen lassen, welcher sich in sehr bestimmter Weise gegen die Absicht ausspricht, auf dem Concil die Unfehlbarkeit des Papstes nnd den Syllabus als Dogmen .zu proclamiren. Der Pariser „Patrie" zufolge hätte der englische Botschafter bei der Pforte, der bei der Einweihung des Suezcanals zugegen gewesen und seitdem in Aegypten geblieben ist, am 2. December mit dem Vicekönig eine längere Besprechung gehabt und TagS darauf hätte Ismail Pascha mit seinen Ministern Rath gehalten, deren meiste für Nachgeben gestimmt sein sollen. Die conservative russische „Wiestj" unterzieht das seit dem Aufstand von 1863 in Polen in Anwendung gebrachte Regicrungssystem einer verurtheilenden Kritik und kennzeichnet das Resultat dieses Regie- rnngssystemS in folgender Weise: „Die letzten sechs Jahre des von uns in Polen geübten Regiments haben zwischen UNS und den Polen eine unauSfüll- bare Kluft geöffnet. Inmitten der polnischen Bevölkerung bilden die Regierung und ihre Vertreter eine besondere und isolirte Gesellschaft, deren feindseliger Charakter die erstere zwingt, sich in sich selbst abzuschließen ; denn die Gesellschaft fürchtet uns nicht, sondern sie verachtet uns. Die Zukunft wird zeigen, in wie weit das in Bezug auf die Polen in Anwendung gebrachte Regicrungssystem nützlich gewesen ist; aber uns Zeitgenossen sei es wenigstens gestattet, die sociale Desorganisation zu beklagen und zu ver- urtheilen, die durch die unmenschliche Handlungsweise von Heißspornen bewirkt worden ist. Der einzige Rath, den wir Der Regierung geben können, besteht darin, daß sie Der Verwaltung im Königreich Polen eine ganz andere politische Richtung gebe. Ein schnell zu bewirkender Systemwechsel würde uns wahrlich zu großem Vortheile gereichen " Auch das andere größere Organ Der russisch-conservativen Partei, Die „Nowoje Wremia", weist unaufhörlich auf die Schädigung des russischen Interesses hin, welches durch die Mißregierung in Polen bewirkt wird, und fordert gleichfalls Die schleunige Beseitigung dieser Mißregierung. _____________ Preußen. Berlin, 5. Dec. Graf Bismarck, der gestern Abend hier eintraf, ist in Folge einer aus Bonn erhaltenen Depesche, die ihm Besserung im Befinden seines SohneS meldete, hier zurückgeblieben. Die Gemahlin des Grafen hat die Reise nach Bonn fortgesetzt. Heute Morgen hat der Bundeskanzler den neuen Gesandten in Wien General von Schweinitz empfangen. Bonn, 5. Dec. Gräfin BiSmarck ist hier eingetroffen, um ihren im Duell am Kopfe schwer verwundeten Sohn Herbert zu besuchen. Geh.-Rath Prof. Dr. Busch gibt Hoffnung, daß das Leben erhallen bleibt. (Köln. Ztg.) Bayern. München, 6. Dec. Gestern hat zweimal ein mehrstündiger Ministerrath stattgefunden. Als Resultat der Bcrathungen verlautet, daß die Minister Hohenlohe, Pranckh, Psretzschner, Schlör und Lutz ihr Portefeuille bebalten werden. Die Minister des Innern und des CultuS, Hörmann und Gresser, beharren auf ihrer Demisfion. Höchstwahrscheinlich wird kein CoalitionSministerium zu Stande kommen, vielmehr werden Persönlichkeiten gewählt werden, die eine Versöhnungspolitik ermöglichen. A!S solche werden StaatSrath Schubert und Regierungöpräfident Feder bezeichnet. München, 3. Dec. Der spanische Minister MartoS hat heute als Beitrittserklärung zu dem das Concil betreffenden Circular des Fürsten Hohenlohe die Copie eines an den Papst gerichteten-Protestes einreichen lassen, weicher sich in sehr bestimmter Weise gegen die Absicht ausspricht, auf dem Concil die Unfehlbarkeit deS Papstes und den SyllabuS als Dogmen zu proclamiren. Oesterreich. Wien, 5. Dec. Nach einer Mittheilung der „Presse" wurde Feldmarschall-Lieutenant Wagner hierher berufen, um den Ministerrathssitzungen über Dalmatien beizuwohnen. — Die Belichte aus Cattaro sind nicht erfreulich. Tie hölzernen Blockhäuser bewähren sich schlecht, eine« wurde vom Sturme niedergcrissen. TaS 8. Iägerbataillon verlor beim Rückzüge nach Risano 17 Todle, 7 Verwundete und 33 Vermißte. Frankreich. Paris, 4. Dec. Die Officiere des kaiserlichen Hauses haben, um Mitglieder deS gesetzgebenden KöiperS bleiben zu können, um ihre Entlassung gebeten. — Die Wahlen von Bopuet, Granier de Cassagnac. Vilson und Du Miral sind für gültig erklärt worden. — Wie aus Toulon gemeldet wird, ist dort die Kaiserin auf pem „Aigle" gestern Abend 11 Uhr angekommen. Paris, 4. Dec. Die Kaiserin ist vergangene Nacht in Toulon angekommen. Sie wird Morgen in Paris erwartet. Ihre Gesundheit ist ausgezeichnet. Belgien. Brüssel, 6. Dec. Den hiesigen katholischen Kreisen ist aus Rom gemeldet worden, daß sich der Papst entschlossen habe, von der Proclamirung der päpstlichen Unfehlbarkeit Abstand zu nehmen. Italien. Rom, 5. Dec. Der Papst hat ein Decket der Congregation des Inder bestätigt, welches vier Werke verdammt, unter diesen das Buch von Ionas über den Papst und da« Concil. CS sind 520 Bischöfe hier angekommen. Rußland. Petersburg, 4. Dec. Die ausländischen Zeitungsberichte über eine Verschlimmernng der Krankheit deS Czars sind nicht begründet. Das Befinden des CzarS ist jetzt vortrefflich. Eine Reise desselben nach Nizza war nur zur Begleitung der Kaiserin beabsichtigt. Ob die Kaiserin die Reise nach Nizza Antritt, ist noch unzweifelhaft. (N. fr. Pr.) Türkei. Konst antinopel, 3. Dec. Die Pforte soll die Armirung ihrer ganzen Flotte anordnen wollen. ES sollen drei ArmeecorpS mobilisirt werden; nach der Herzegowina werden 10,000 Mann abgehen. Aegypten. Kairo, 5. Dec. Der Kronprinz von Preußen ist am 3. d. Abends hier eingetroffen, und empfing gestern den Besuch des VicekönigS und dessen Sohn, und erwiederte alsbald diesen Besuch. Am Abend wurde dem Prinzen von den hier wohnhaften Deutschen eine Serenade mit Fackelzug gebracht. Amerika. Am 10. Nov. wurde der 91jährige Admiral Charles Stewart in Philadelphia unter großer Theilnahme zur Gruft bestattet, und am nämlichen Tage starb in Troy, Staat New-Dork, der 85jährige General E. Wool, der älteste Soldat der Armee und einer der verdienstvollsten Krieger der Republik. Tags nach seinem Tode starb in Washington einer der ehrlichsten Politiker und tüchtigsten Finanzmänner der vereinigten Staaten Robert I. Walker, welcher unter dem Präsidenten Pvlk vier Jahre lang zur allgemeinen Befriedigung das Amt des Flnanzministers bekleidete und den Tarif des Jahres 1847 ins Leben rief. C e t w i f d) t f Friedberg, 4. Dec. Gestern, um 4 Uhr Nachmittags, wurden die Bewohner unserer Stadt durch Feuerlärm aufge- schreckt, und sahen mit Entsetzen am südlichen Ende der Stabt die Helle Üohe gen Himmel schlagen. E« brannte in einem Magazingebäude der Kehr'schen Hofraithe, in dessen unteren Räumen zu ebener Erde etwa 10 Stückfaß und viele kleinere Fässer voll Spiritus und Branntwein lagerten, während der obere Raum bis unter die Dachfirst mit etwa 60 Fuder Stroh gefüllt war, welch' letzteres in Hellen Flammen stand. Durch das energische, muthvolle Vorgehen der schnell herbeigerilten Feuerlöschmannschaften, insbesondere unserer braven freiwilligen Feuerwehr, gelang es nicht nur, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, sondern auch sehr bald dasselbe so weit zu dämpfen und in die Gewalt zu bekommen, daß das Besteigen de« Stroh- boden« versucht und da« Auöräumen desselben allerdings nur mit größter Mühe und furchtbarer Arbeit vollständig bewirkt werden konnte, so daß dem Anfangs zu befürchtenden und befürchteten Durchbrennen deS Bodens über dem Branntweinlagrr und dem Entzünden dieses letzteren und weiterem großen Unglück glücklich vorgebeugt wurde. — Auch die zur Hülfte herbeigeeilten Spritzen unserer Nachbarorte haben zur Erreichung diese« glücklichen Erfolges mit einander wetteifernd das Ihrige redlich beigetragen, und mehrere Brauereibesitzer und Oeconomen unserer Stadt durch Zufuhr von Wasser dem eingetrctenen Mangel abgkholfen und die gänzliche Dämpfung des Brandes ermöglicht, wobei aber auch nicht unerwähnt bleiben darf, daß Diele fich von thätiger Hülfe fern hielten, oder höchstens al« müßige Zuschauer die Brandstätte umstanden und den Wenigen, welche Muth und Aufopferungsfähigkeit und Ausdauer besaßen, die harte und mühevolle Arbeit, aber auch die Ehre und den Ruhm, diese Arbeit gethan zu Haden, überließen. Nauheim. Ein zu unserer Spritzenmannschaft gehöriger hiefiger Einwohner, welcher von dem neulichen Brande in Friedberg nicht nach Hause zurückgekehrt war, wurde am Samstag Morgen zwischen hier und Friedberg tobt aufgefunden. Frankfurt, 6. Dec. Bei dem wegen Fälschung verhafteten Commiö wur'.e leider nicht, wie wir gemeldet, das Geld unberührt gefunden. Nur durch einen Zufall wurde da« Verbrechen entdeckt. Der Thäter hatte fich nämlich bei der Berechnung der österreichischen Loose einen Rechnenfehler zu Schulden kommen lassen. Wäre dies nicht gewesen, so wäre das Deficit nie aufgeklärt worden. Frankfurt. In hiesigen juristischen Kreisen wurde seit Samstag lebhaft die Frage diskutirt, wer der Eigenthümer de« angeblich auf der GalluSgasse gefundenen Geldes sei. Der Streit war jedoch wie um deS Kaisers Bart, denn wie sich heute herausstellte, war der ganze Fund nur eine Mystification. Am Samstag hielt Herr v. Schweitzer in Offenbach einen Vortrag, bei welchem auch die Stöcke mitsprachen. (Erd stürz.) Aus Künzelsau, 25. Nov., schreibt man dem „Schw. M." : Am Freitag Morgen, den 19. d. M, bemerkte ein Mann aus Ebersthal zwischen diesem Ort und Ingelfingen auf dem Rücken des Gebirgszugs zwischen Kocher- und Jagst- thal bei dem sogenannten Vogelsang eine Erdversenkung von viereckiger Gestalt. Das Gerücht hiervon verbreitete fich in der Umgegend. Eine in Folge dessen vorgenommene Untersuchung ergab Folgendes: Die Oeffnung hat einen Flächenraum von 12 Quadratsuß, ist nahezu quadratisch; so weit daS Auge in die Tiefe bringen kann, behält baS Loch seine viereckige Gestalt und ist mit Muschelkalkfelsen wie ummauert. Bei einer ! Tiefe von circa 25 Fuß scheint sich die Höhle zu erweitern, i Peim Hineinwerfen von großen Steinen hört man zwei Mal ; bestimmtes Auffallen, das erste Mal nach circa 2 Secunden, ! das zweite Mal nach- 3 Secunden; dann hört man ein wenige | Secunden andauerndes Fortrollen über Gestein und dann ein : dumpfes Auffallen, abu fein plätscherndes Geräusch. Bei der Untersuchung mit einer durch einen ungefähr 7 Psd. schweren . Stein belasteten Schnur fand, nachdem die Schnur ungefähr 60 Fuß in die Tiefe gelassen war, ein erstes Ausstößen des Steines statt, nachdem sie ungefähr 100 Fuß versenkt war, ein zweites Auffallen, dann konnte der Senkel allmälig noch 23 Fuß in die Tiefe gelassen werden: von da aus war ein tiefere« Cinsenkrn nicht mehr möglich. Ob diese Erdsenkung mit den in der letzten Zeit in weiten Kreisen, wie man sagt auch hier verspürten Erdbeben in Verbindung zu bringen ist, bleibt dahingestellt. In geringer Entfernung von dieser Stelle findet fich eine ganz ähnliche Erdsenkung älteren Datums vor, bfe * mit Wasser gefüllt ist, deren Tiefe mit einer Senkschnur von 150 Fuß Länge nicht ermessen werden konnte. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Cbr- Pi et sch) in Giessen