P «ts vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 kr Gicßcmr AiyciM. tzrschcink wöchentlich dreimal : Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition; Ccnnlkibery Ltt. B. Nr. 1. Mnzeige- und Mmtsökatt für den Kreis Kielen. Ne. 118. Donnerstag den 7. October 4»JJ___________.......... i i Amtliche Bekanntmachungen Gefundene Gegen ft ander Ein Hammer, ein grau carrirtes seidenes Umknüpftüchelchen, ein Haarring, J. M. gezeichnet, ein Portemonnaie mit 12 fr. und 3 Ringen, eine Wagenkette, ein schwarzer Glaceh^ndschuh^ine^ Scheeres $ 2ßocben bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. . . Gienen den 6. October 1869. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provmzialhauptstadt Gießen. Nover- Versteigerungen. 9333) Dienstag den 12. October d. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dabiesigem Nathhause die zum Nachlasse des Bäckern,eister Carl Wallenfels gehörigen Immobilien, bestehend in: Flur Nr. LKlstr. Vssr 27 Hofraithe in der Wallthor- straße, 1/1002 14 Hofraum mit Scheuer und Holzschuppen in der Flügelsgasse, •»//269u.27o 242 Acker auf dem Sand, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, meistbietend versteigert werden. In der Hofraithe wird seit langer Zeit eine frequente Bäckerei betrieben und soll dieselbe versuchsweise, getrennt von dem Hofraum, Scheuer rc-, sowie auch der Acker auf dem Sand, ganz oder auch in 3 Theile getheilt, versteigert werden. Gießen, den 4. October 1869. In Auftrag: _________Sem mler, Ortsgerichtsmann. Lieferung für das Landeszuchthaus. 9334) Montag den 18. October l. I-, Vormittags 10 Uhr, wird dahier im Soumissionswege zur Lieferung vergeben: 1) Rciserbesen (sind Muster einzusenden), 2) Papier und sonstige Schreibmaterialien (sind Muster einzusenden), 3) 25 Stück wollene Bett-Teppiche, zur Lieferung für 1869, 4) ungeleichte Leinwand, sog. Futterleinen, 5) blaues und graues Leinenzettelgarn, Nr. 20, 6) gebleichtes Leinengarn, Nr. 20, 7) Hessenzwillch, 8) Boy, 9) Halstücher, Sacktücher und Baumwollenwatten, .10) Arbeitsutensilien für Schuhmacher, Schneider und Näherinnen,, 11) Stahl- und Eisenwaarcn, 12) Seilerwaaren, 13) Dielen und Latten, 14) Holzbohlen in verschiedenen Sorten, 15) Roßhaare, 16) einfaches Fensterglas in verschiedenen Dimensionen, 17) Eichenholzdauben zu Küferwaaren, 18) Spiritus, 19) Soda, 20) Leim, I. Qualität (sind Proben em- zusenden), 21) ausgeschnittenes Leder zu Fußbekleidungen, Rindleder, sämisches Schafleder, rindlederne Weberschürzen und Sohllederabfälle. Schriftliche Offerten sind bis zu dem obigen Termin in den vor dem Directorial- Bureau aufgehänaten „Soumissionskasten" einzulegen und die Lieferungsbedingungen bei unterzeichneter Direktion einzusehen. Marienschloß, am 4. October 1869. Großherzogliche Landeszuchthaus-Direction. I. V. d. D-: ____________Dr. Fritzel.___________ Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. 9365) Montag den 11. October d. I-, von Vormittags 9 Uhr an, soll in dem Gießener Stadtwalde, Distric- ten Zollstockswäldchen und Neumark, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden , als: 1380 Wellen Buchen-Reisholz, 1V2 Stecken Eichen-Prügelholz, 33/4 „ „ Stockholz, 538 Wellen „ Reisholz, 143/4 Stecken Nadel-Prügelholz, 21 „ „ Stockholz, 6200 Wellen „ Reisholz, 14 Eichen-Stämme mit 481 Cubikfuß, 141 Nadel- „ „ 1766 48 Eichen-Stangen „ 117 „ 1236 Nadel- „ „ 2529 Die Zusammenkunft ist auf der Grünberger Straße an der 5. Schneiße. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis l. Februar 1870 gestattet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 1- October 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen- __________________V ogt. _____________ 9383) Montag den 11. d. Mts-, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ralhhause die Hofraithe in der Neustadt, den Andreas Plank Erben gehörig, einer nochmaligen Versteigerung erbvertheilungshalber ausgesetzt werden. Gießen, den 5. October 1869. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. _______K. Vogt, Ortsgerichtsmann. Main - Weser - Bahn. 7 9382) Die Lieferung des ? 81 nächstjährigen Bedarfs der Main-Weser-Bahn an Bu- chenscheitholz, Reiserwellen, VTy yiy Coats, Braunkohlen, Lampendochten, Rüböl, roh und raffinirt, Petroleum, Stearinkerzen, Zündhölzern, Hanf- Heede (Werg), Reiserbesen, Seife, Terpentinöl, Talg, Kupfervitriol, Bindfaden, Fruchtgummi und Plomben, — soll im Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Termin hierzu wird auf Mittwoch den 27. October d. I., Vormittags 9 Uhr, in dem Geschäftslocale der unterzeichneten Direction auf dem Bahnhofe zu Cassel anberaumt. Die Offerten, deren Eröffnung in Gegenwart der etwa persönlich erschienenen Submittenten stattfindet, sind frankirt, versiegelt und mit der Aufschrift: „Submission auf Lieferung von Betriebs-Materialien" versehen, vor dem bezeichneten Termine hierher einzureichen. Die Lieserungsbedingungen nebst zugehöriger Bedarfsnachweisung liegen bei unserer Central-Materialien-Controle dahier, sowie bei den Stations-Vorstehern der Main- Weser-Bahn in Marburg, Gießen und Frankfurt a. M.' zur Einsicht aus ; auch können Exemplare derselben, auf portofreies Ansuchen, gegen eine Gebühr von 4 Sgr. pr. Stück von den genannten Dienststellen bezogen werden. Cassel, den 27. September 1869. Königliche Direction der Main-Wescr-Bahn. Feilgebotenes. Kartoffeln. 9338) Dienstag den 12. October kommen pr. Bahn 100 Malter auserlesene Spät- Kartoffeln, in größeren und kleineren Partieen verkäuflich, auf den Lindenplatz. 9372) Frische Samen- und Leinkuchen, Roggenkleie und Futtermehl billigst zu haben bei I. M. Schulhof, __________________am Rathhaus. 9360) Korn- und Waizcnkleic ist stets vorräthig bei________Eduard Spier. 93(»6) Schone Winter- salat-Psianzen verkauft C. Pipp. Fuschoden-Anstrich. Fnsibodcnlack, sofort trocknend, Lcinölsiccatif zum Einölen, Qclfarbe, fertig zum Anstrich, rasch und hart trocknend, sowie alle sonstigen Ingredienzien zum Anstreichen und Wichsen der Fußböden, empfiehlt Emil Fischbach, (9379) Seltersweg. Rechts und Links! 9350) Die wolleneu farbigen Ringellängen zu Kinderstrümpfen, in diversen Größen, sind eingetroffen. I. A- Busch Söhne. | Süßer Aepfelwein bei Karl Heil, Schloßgasse. 9378) Schöne Brüncllen empfiehlt Emil Fischbach, Selterswcg- 9370) KeLterschrauben stets vorräthig und nach Maaß in der Maschinenfabrik von Klcycr Si Bc«k, in Darmstadt. 9362) Feinsten Gauda-, Edamer und Neufchatellcr Käse (bei Abnahme eines Käses derselbe Preis, wie bei Schweizerkäse), empfehlen in frischen Sendungen I. A. Busch Söhne. 9262) Zn verkaufen: ein lackir- ter, einthüriger Kleiderfchrank, mehrere Bettladen und große Bucher- Nepositorien; ferner werden Flaschen gekauft von Meyer Rothenberger, _____________Neuenweg.__ 9351) Neue Vollbückinge atm Rohessen empfehlen I. A. Busch Söhne. 9353) Ein Acker im Altenfeld, 140 Klftr. haltend, ist auf mehrere Jahre zu verpachten. H. M- Jughardt. ZZZZ Beliebte Studcntcnlieder r m 9340) Drei Lieder aus S ch effel's Gaudeamus, für eine Mittelstimme componirt von L- Attinger. Verlag von E. E b n er, Stuttgart. Vermiethungen 9384) Ein möblirtes Zimmer ist zu ver- miethen bei C. Rahn. 9359) In den Neuenbäuen Lit. B- Nr. 84 ist das untere Logis mit 3 Stuben und Schaufenster alsbald, und das von Fräul. Henry bewohnte Logis mit 4 Stuben und Zugehörigkeiten im Januar 1870 zu ver- miethen. A. Balser. 9337) Eine möblirte Stube, Kirchenplatz Lit- B- Nr. 7, ist zu vermiethen. 9343) Ein neu erbautes Familienlogis ist bis Mitte October zu vermiethen bei Musiklehrer Geller. 9369) Ein Familienlogis ist zu vermiethen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts- 9348) Das von Herrn Oberbau-Secretär Moyat bisher bewohnte Logis im Russischen Hofe ist zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden. 9381) Ein kleines Logis ist an eine stille Familie zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei P. Herbert, Schloßgassc. 9361) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Eduard Spier. 9368) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen bei Eduard Plank, Marktplatz. 9336) Bei Frau Advocat Buff sind zwei ineinandergehende möblirte Zimmer zu ver- miethen.___________________________________ 9344) Ein Zimmer, für eine geschlossene Gesellschaft geeignet, ist zu vermiethen. Näheres bei der Exped- d- Bltts- 9358) Ein gut möblirtes Zimmer ist zu vrrmiethen bei Georg Vogt, Kupferschmied. 9357) Eine Wohnung von 4 Zimmern, 1 Cabinet, Küche und Zubehör in meinem Nebenhause wird bis zum 25. October frei. _____________________________________Pitthan. 9356) Ein möblirtes Zimmer mit Cabi- nct ist zu vermiethen bei Ehr- Zinßer, Wallthorstraße. 9347) Eine freundliche Familienwohnung ist zu vermiethen Neuenweg Lit- B- Nr. 134. 9346) Ein freundliches möblirtes Zimmer mit Cabinet ist in der Neustadt Lit. D- Nr- 55 zu vermiethen. 9349) Ein Familienlogis ist zu vermiethen bei M- Weißbäcker. 9355) Verschiedene möblirte und unmöb- lirte Zimmer sind zu vermiethen im _________________Zinßer'schen Garten. 9388) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Gg- Malkomesius- 9385) Ein Familienlogis ist zu vermiethen bei H- Haßler, Schuhmacher, Wallthorstraße. Vermischte 'Anzeigen. 9377) Ich mache hiermit die ergebene Anzeige, daß sämmtliche Gelder, welche mir entzogen werden sollten, von heute an wieder, mit Genehmigung Großh- Landgerichts Gießen, an mich bezahlt werden, und führe mein Geschäft unter der Firma: „Hch. Völzel" fort. Ich werde mich stets bemühen, meine Kunden nach wie vor reell zu bedienen. Carl Horn, Liqueurfabrikant- 9335) Ein Zimmer, mit Mittagessen in der Familie, wird für zwei Gymnasiasten aus guten Familien gesucht. Näheres bei Dr. Salzer am Wallthor._____________ „Einigkeit macht stark." Gesellschaft Einigkeit. 9376) Heute Abend 8 Uhr: Generalversammlung. 9386) Im oberen Stocke des Wind' eck er'schen Hauses am Kreuz ist ein Lausdienst vacant.________ 9375) Schncidergescllcn sucht _______________W- Brück 9341) Einen geübten Scribenten sucht pr. Mitte Oktober L. Labroisse, __________________ Hofgerichts-Advocat. 9354) Es wird ein braves Dienstmädchen zu sofortigem Eintritt gesucht Neue An- I laße Lit. C. Nr. 40. fe u; II j' ||‘1; L } ; i*. Gießen, im October 1869. 9373) Neuenweg. (9352) Anfang halb 6 Uhr. Entröe ä Person 9 fr. Hierzu ladet ganz ergebend ein: H. Kuhn. Gießen, den 2. October 1869. C. Pietsch I thä MW N- e-9’ Temperatur in Gießen, Scptemh-r 1869 : Erbsen. Linsen. Kartoffeln Wicken. reits v fr. fr. fl.jkr- fl.lfr. fl. fr. M- M- M- M. M- M- mit E, 36 33 Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten. kMiE- preis SluF dem Marft niederste mittlere Auf'dem Marft ■= verf. fl.fr. verf. fl.|fr. auf; ßef. fl.|fr. 1 auf-1 1 gef- i r verf., 1 fl. fr. ■jaO -jnv öerfJ fl. fr. Gießen — SJJ6 M. — — m. M. 1 M. M- M. M. M- M. Alsfeld 2. 30 30 11 10 64 52 8 15 3 3 7 25 _ _ 25 19 5 Grünberg 2. — 136 11 25 — 140 8 22 — 50 7 22 _ _ 91 5 15 Lauterbach 2. 8 8 11 50 34 30 9 40 11 7 7 30 _ 19 18i 5 10 Mainz 1. — 253 12 30 — 52 8 26 — 5 7 30 - — — — 13 5 31 Feuilleton. D i e Namenlose. Novelle von Theodor König. (Fortsetzung.) „Er hat mir gesagt, zwei Menschen von verschiedenen Religionen könnten in der heiligen Ehe niemals Frieden oder Freude finden," antwortete Hyacintha feierlich. „Er hat mir gesagt, ich dürfe Dich nicht heirathen, so lange Du dem Ketzerglauben anhingest." „Genau, was von so einem Padre zu erwarten steht," entgegnete Berthold spöttisch. „Und hat er Dir dafür Buße auferlegt, Cynthia, daß Du so einen Ketzer liebst?" „Ach Gott, ja," antwortete sie, „meine Buße soll darin bestehen, daß ich der Verbindung mit Dir entsage. Ach, Berthold, er hat mich schon schwer getadelt, weil ich überhaupt an diese Verbindung nur gedacht. Er sagt, es ist unweiblich, nicht ehrenhaft von mir, einen Geliebten zu haben, ohne daß mein Adoptivvater damit einverstanden sei." Berthold'S Stirn umdüsterte sich. „Der Vater hat sich kürzlich nicht in einem solchen GemüthSzustande befunden, daß ich über diese Angelegenheit hätte mit ihm reden dürfen," sagte er dann. „Das ist sowohl Deine wie meine Entschuldigung, Cynthia. Schon der schwere Kummer, der uns Alle drückt, sowie das furchtbare Ge- heimniß, das über unserem Hause schwebt, verbieten es mir ja, im gegenwärtigen Augenblicke zu irgend Jemandem, außer Dir, über meine Liebe, meine Freudenhoffnungen zu sprechen." Er nahm ihre Hand und küßte sie, Hyacintha aber antwortete nur durch einen Seufzer. e „Aber das ist noch nicht Alles, Berthold," fuhr sie dann weinend fort. „Der Abb6 sagt, man spreche entsetzliche Dinge von — Deine Ehre betreffend, — man hege allgemein im Stillen entsetzlichen Argwohn. „So sprich es aus!" rief der junge Mann und seine Finger zogen sich krampfhaft um Hyacintha's kleine Hand zusammen, „welchen Argwohn hegt man? „Daß — daß, — o mein Gott, — ich vermag es nicht auszusprechen." „Ich sei ein zweiter Cain," sagte Berthold mit Bitterkeit. „O, ich weiß cs ja nur zu wohl, Hyacintha. Ich bin von Anfang an beargwöhnt worden. Du aber, Du, — gewiß, Du wenigstens kannst mich einer so entsetzlichen That nicht für schuldig halten?" „Nein, o nein," entgegnete sie. „Ich vermöchte es nicht, — ich könnte es nicht — und wenn ich es selbst gesehen hätte. Ich würde eher meinen eigenen Sinnen mißtrauen wie Dir." „Ich danke Dir, o, ich danke Dir aus tiefster Seele für diese Worte! Möge Gott Dich dafür segnen, Cynthia!" rief der junge Mann lebhaft bewegt aus. , Aber mein gutes Kind, meine liebe, süße Cynthia, der Priester hat Recht," sagte Berthold nach einer Pause leise und traurig. „Du darfst Dich mit keinem Manne verbinden, auf welchem ein so fürchterlicher Argwohn lastet. Nun, so will ich zu dieser Stunde offen, ganz offen gegen Dich sein, mein armer, mutterloser Liebling. Ja, ich hatte in jener Nacht, als Carl verschwand im Walde einen Streit mit ihm, und zwar Deinetwegen. Wir liebten Dich Beide, Cynthia. Carl be- nahm sich edel, — ich hart und ungerecht." Dos junge Mädchen stieß einen schwachen Schrei der Ueberraschung aus. „O, mein Traum, — mein Traum \" murmelte sie. „Nein, nein, ein Traum war cs nicht," sagte Berthold. „Aber Cynthia, ich habe kein Haar auf dem Haupte meines Bruders verletzt. Wir gingen erbittert auseinander und diese Erinnerung hat seitdem mein Herz wie mit einer Centnerlast bedrückt, aber ihn körperlich verletzt, auch nur die Hand gegen ihn erhoben habe ich nicht. Wirst Du mir das glauben, meine Cynthia?" Sie nahm seine Hand und drückte sie warm. „Dafür möge Dich Gott segnen, Geliebte!" rief der junge Mann. „Du vermöchtest das nicht, wenn Du wirklich argwöhntest, daß Bruder- blut an dieser Hand klebe." „Höre mir zu, Berthold," sagte Hyacintha ruhiger. „Du mußt Dich von diesem Verdachte um jeden Preis reinigen, mußt Deine Nachforschungen nach Carl noch eifriger, noch sorgfältiger fortsetzen wie Du sie bisher betrieben. Lebend oder todt, wir bedürfen völliger Gewißheit über sein Schicksal. lieber dieses Gewißheit und Beweise zu schaffen, mußt Du Dir von jetzt an zum ganzen Lebenszwecke machen." „Das will ich, meinte Cynthia, das will ich und, bei Gott, das habe ich auch bisher schon getban, wiewohl ich es nicht für Sünde hielt, auch einige Stunden stillen Glückes in Deiner Nähe zu verbringen," entgegnete der junge Militär. „Wo aber, wo, nur das sage mir, wo — wo bleibt es mir jetzt noch übrig, meine Nachforschungen fortzusetzen, „Cynthia?" „Durchsuche die ganze Insel Rügen, Berthold," war die Antwort des jungen Mädchens, „jedes Wäldchen, jedes Gehölz, halte Nachfrage auf jedem Gute, jedem kleinen Gehöft, bei jedem Arbeiter im Felde, jedem Fischer an der Küste, bis Du Gewißheit über sein Schicksal erhalten wirst. Nicht hier, hier in unserer Nachbarschaft, spüre dem Verschwnndenen länger nach, sondern in weiterer Entfernung, selbst, wenn Du dies auch vergebens fin- den solltest, bis nach Pommern hinüber." „Aber ach, Cynthia, Meilen und Meilen weit sind die Nachsuchungen bereits vergebens ausgedehnt worden," warf Berthold zagend ein. „So wiederhole sie aus's Neue und immer auf's Neue!" rief Hyacintha mit Entschiedenheit aus. „Carl oder seine Leiche müssen und müssen gefunden werden, koste es, was es wolle!" „Und wirst Du meiner während meiner Abwesenheit auch nicht vergessen, Geliebte?" flüsterte der junge Mann zärtlich. „Dich vergessen? O, niemals, niemals!" entgegnete Hyacintha mit In- nigkeit. „Daß ich aber niemals Deine Gattin werden kann, Berthold, ist ja jetzt gewiß. Dein guter Vater liebt mich, als wäre ich sein eigenes Kind, aber er wird niemals zugeben, daß sein Erbe eine Katholikin, ein Mädchen von unbekannter Herkunft, heirathet. Auch ich," fügte sie, sich stolz in die Höhe richtend, hinzu, „gehöre sicherlich noch irgend Jemanden an, und bis ich älter, noch um manches Jahr älter werde, wird es mir gar nicht einmal zustehen, ganz eigenmächtig über mich zu verfügen. Ich werde niemals aushören, Dich zu lieben, Berthold, heirathen aber, heirathen kann ich Dich nicht." Sie schwieg und brach in Thränen aus, Berthold aber suchte sie zu be- ruhigen. Er umschlang sie mit den Armen, flüsterte ihr Worte der Zärtlichkeit und Hoffnung zu und gelobte ihr ewige Treue, während Willert aus einem Fenster an der südlichen Fronte des Hauses, vor Wuth kochend und von allen Qualen der Eifersucht gemartert, Zeuge der ganzen Scene war. * * * Sehr ruhig und öde erschien das alte große Herrenhaus jetzt. Das Geticke der großen Uhr allein unterbrach die dort fast allenthalben herrschende Todtenstille, — denn sämmtliche Zimmer des unteren Geschosses lagen leer und unbenutzt da. Hyacintha saß bei dem armen Baron in dem neben seinem Schlafgemache für ibn hergerichteten Wohnzimmer. Aus ihnen Beiden bestand jetzt, die Dienerschaft natürlich ungerechnet, die ganze Bewohnerschaft des Hauses. Berthold war behufs neuer Nachforschungen nach seinem Bruder abwesend und Willert bald nach ihm zu dem gleichen Zwecke fortgereist. Eine unbeschreibliche Stille, düstere Feierlichkeit, Tod, Zweifel und Argwohn herrschten in Dem alten Herrenhause. Die Diener schlichen leise und mit ernsten, scheu blickenden Gesichtern umher. Hyacintha bot das Aeußerste auf, unter ihrer schweren Prüfung Muth und Hoffnung aufrecht zu erhalten, was ihr in der Gegenwart des alten Herrn auch gelang. Dieser empfand das Elend feiner Lage und das düstere Verhängniß, welches über ihm und den ©einigen schwebte, gerade am allerwenigsten, weil sein Geist durch den Schlaganfall bedeutend geschwächt worden war. Fast zum Kinde geworden, fühlte er sich befriedigt, wenn er die langen Stunden verplaudern konnte und dabei eine so stille, geduldige Zuhörerin hatte wie Cynthia. In diesen halb gedankenlosen Plaudereien theilte er ihr sonderbarer Weise auch das Geheimniß mit, daß Carl sie Hebe, - er selbst aber seinem Erben die Zustimmung zu der Heirath mit einem Mädchen von unbekannter Abstammung entschieden verweigert habe. „Wenn Berthold Dich geliebt hätte, siehst Du, so wäre das etwas ganz Anderes gewesen," fügte er hinzu, „weil dieser eben nicht der älteste Sohn des Hauses ist, deshalb ist er aber auch zugleich zu arm dazu, Dich zu heirathen. Du findest doch wohl nicht, liebes Kind, daß ich zu hart gegen Carl gewesen bin ? Der Gedanke hat mir, seit er nicht mehr bei uns ist, manchmal im Stillen Qual verursacht." „Das Darf er nicht, thcurer Papa," suchte Das junge Mädchen ihn zu beruhigen. „Wenn Du ihm erlaubt hättest, sich um meine Hand zu bewerben, so hätte ich ihn abweisen müssen, denn ich habe ihn zwar geliebt, doch immer nur als Bruder." Trotz des Versuches, ihr AeußereS zu beherrschen, bebten Hyacintha's Lippen bei diesen Worten und ihre Augen füllten sich mit heißen Thränen. „Es ist nun schon eine so lange Zeit verflossen, seit er fort ist. Ich begreife doch gar nicht, wo er eigentlich bleibt," seufzte der alte Herr, „und nun haben mich außerdem auch noch Berthold und Willert verlassen. Bisweilen fühle ich mich doch recht einsam, Cynthia, obgleich Du mich stets so angenehm unterhälst." Daß sie selten sprach, fast stets nur feine geduldige Zuhörerin war, schien er gar nicht zu wissen. „Ich wollte nur, Willert wenigstens wäre nicht auch fortgereist, denn dieser ist meine rechte Hand," fügte er mürrisch hinzu. „Schreib' doch an ihn, Cynthia, er solle zurückkommen, und daß ich den ihm gegebenen Urlaub widerrufe." „Ich weiß nur seine Adresse nicht, bester Papa," entgegnete Hyacintha. „Nicht? Nun so habe ich sic," sagte der Baron, „-sie liegt dort im Secretär. Geh' und hole sie. Sie befindet sich rechts in der obersten kleinen Schieblade." „Richtig, das ist sie," bestätigte Der alte Herr. „Du wirst nun sogleich an ihn schreiben. Ich lasse ihn auffordern, unverzüglich nach Hause zurückzu- kommen." Es war das erste Mal in ihrem Leben, daß Hyacintha dem Adoptivvater nicht gehorchte. Der Informator war ihr so außerordentlich zuwider, sie fürchtete, ohne so recht eigentlich zu wissen weshalb, seine Rückkehr so sehr daß sie nicht dazu im Stande war. Sie hoffte, Der Baron würde das geäußerte Verlangen über andere neue Gedanken vergessen, irrte sich hierin jedoch. Der Wunsch, Willert wieder in feiner Nähe zu haben, verschlang jeden anderen in ihm, und er äußerte täglich, fast stündlich seine Verwunderung darüber, daß der Informator noch nicht wieder auf dem Gute eingetroffen war. So stahl sich die Zeit langsam dahin. Berthold schrieb an Hyacintha und theilte ihr feine Adresse in Stralsund mit. (Fortsetzung folgt:) ft I * Pslitische W rr rr d s ch s u. 4. October. Die Wiener „Presse" schreibt: „Aus Paris geht rms eine Nachricht zu, von welcher wir vorläufig nur Notiz nehmen wollen. Es heißt nämlich, Napoleon III. bestehe hauptsächlich nur aus dem Grunde darauf, daß der gesetzgebende Körper noch auf einige । Wochen vertagt bleibe, weil er gegründete Hoffnung । habe, dann die Session mit einem Manifest eröffnen zu können, welches verkündet, es sei den Mächten gelungen, sich über eine allgemeine und gleichzeitige Entwaffnung zu verständigen." Wir haben in unserem Blatte bereits schon eine kurze Mittheilung gebracht, wonach man in Wiener Kreisen hinter der öfter- reichisch-preußischen Annäherung, die Frage der allgemeinen Entwaffnung verborgen glaubt. Die „Deutsche Lolkzeitung" in Hannover meint indeß, die Aus- führbarkcit einer allgemeinen Entwaffnung sei bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge mit seinen zahlreichen der Lösung harrenden politischen Fragen mehr als zweifelhaft. Der Status quo bedeute z. B. für Deutschland dessen Zerreißung in drei Gruppen. Diesem Status quo stehen in Deutschland zwei starke Richtungen entgegen: der Einigungsdrang des deutschen Volkes einerseits, der MachterweitcrungSdrang des preußischen Staates andererseits. Gelänge es nun auch etwas, den preußischen Staat zum auf- richtigen Verzichte auf seine Vcrgrößerungstendrnzen und zur gemeinsamen Wahrung des gegenwärtigen Standes der Dinge mit Oesterreich zu bewegen, so würde andererseits die deutsche Einigungsbewegung doch nur mit Mitteln niedergehalten werden können, welche die bezügliche österreichisch-preußische Vereinigung zu einer Wiederholung der heiligen Allianz machen würden: eine Vergleichung, gegen welche die Officiösen der Reichskanzlei sich bisher mit Händen und Füßen wehren. Die Entwaffnungsabsichten, welche der österreichisch-preußischen Verständigung zu Grunde liegen sollten, könnten nur dann glaubhaft werden, wenn gleichzeitig die Einberufung eines ge- sammtdeutschen Parlaments durch Oesterreich und Preußen zum Zwecke einer föderativen Wiedervereinigung Deutschlands gemeldet würde. Erst damit würbe für eine allgemeine Entwaffnung die Voraussetzung geschaffen werden, welche der Status quo der ungelösten Fragen nicht zu bieten vermag. Von derartigen Absichten aber verlaute nichts. Das Blatt fügt diesen Betrachtungen die Auffassung eines hochgestellten mittelstaatlichen Politikers hinzu, welcher schreibt: „Die Wendung in Wien ist unzweifelhaft, trotz alles Vertuschenwollens in der Presse. Hand in Hand mit der Wendung in Wien geht die Thä- tigkeit der altlegitimischen Partei in Preußen (Fraktion Gerlach), welche, wie es scheint, dem Zeitgeifte einige Concessionen machen würbe, wenn ihre Hauptzwecke dadurch erreicht würden. Gegenüber der drohenden Krisis in Frankreich werden indeß diese Neigungen, die schiefe Ebene zu betreten, wohl dem Grundsätze principiis obsta weichen. Wir haben uns auf eine eiserne Reaclion gefaßt zu machen. Graf Bismarck wird als „persona ingrata“ bei Seite, aber in Reserve gehalten. Wenn das neue Gasteiner Abkom- men seine Dienste gethan hat, wird das „Werk" ruhig fortgesetzt. In Wien gehen jedenfalls, wie im Jahre 1865, zwei Strömungen. Dem „Vielgewand- ten" traue ich es zu, daß er in beiden schwimmt." Ein Rundschreiben des italienischen Iustizministers an die Staatsanwälte in Bezug auf das Verlangen der Bischöfe, das Concil zu besuchen, erklärt, die Regierung sei nicht dagegen, behalte sich jedoch spätere Beschlüsse über Alles vor, was die ReichSgesetze und die Rechte des Staats verletzen könne. Man schreibt der „Corresp. Havas" aus Madrid, 27. Sept.: Der gestrige Ministerrath hat nach sehr langer Sitzung die Thronrede endlich zur Erledigung gebracht. Alle Minister waren darüber einig, daß der Herzog von Genua der von den Umständen bezeichnete Candidat sei. Der Admiral Topete machte einige Bemerkungen über die Fortdauer der Regent- schäft uud das fortdauernde Provisorium, ein anderer Minister sprach sich zu Gunsten des Hauses Bra- ganza aus, schließlich jedoch wurde der Herzog von Genua mit Stimmeneinhelligkeit erwählt. Herr Eche- garay erhielt den Auftrag, diesen Beschluß dem zu diesem Zweck aus den Bävern von Alhama ange- kommcnen Regenten mitzutheilen. In Betreff der Regentschaft spricht man von den Herren Serrano, Prim und Rivero, welche die drei Parteien vertreten, von denen die Revolution ausgegangen ist, allein dieser Punkt ist noch nicht definitiv geregelt. Die Abgeordneten der drei Parteien haben gestern, jede Partei für sich, eine Versammlung abgehalien, um hierüber zu berathen. Die Demokraten und Socia- listen scheinen einig darüber, die Entscheidung des Ministeriums zu billigen, das Gleiche findet jedoch nicht von Seiten der Unionisten statt. Die Frage soll drei Commissionen von je fünf Mitgliedern, welche von den Abgeordneten der drei genannte:: Fractionen der Cortes gewählt werden, zur Prüf: ng vorgelegt werden. 5. October. Bet den Verhandlungen der ersten badischen Kammer über die Adresse äußerte sich der Ministerin!- präsident v. Freydorf über das Verhältniß zu Norddeutschland u. A.: Es ist Angesichts wiederholter Kundgebungen vom Thron, von der Bank der Minister und früherer fast einstimmiger Beschlüsse beider Häuser des Landtags wohl überflüssig, die Versicherung zu wiederholen, baß wir fortan bestrebt sein werden, die nationale Einigung des Südens mit dem Norden Deutschlands zu verwirklichen. Wir werden'ö erreichen. Es ist in der Thronrede gesagt, baß in der Frage der nationalen Einigung kein entscheidender Schritt geschehen. Doch hat der nationale Gedanke nicht nur in der Idee, sondern in der Wirklichkeit in gemeinschaftlichen Einrichtungen, Verträgen, Gesetzen erhebliche Fortschritte gemacht....... Die süddeutschen Staaten haben die Wahl, entweder ihre 8 Millionen Deutsche von der Wohlthat eines einheitlichen Rechts auszuschließen, oder aber die Gesetze, sowie sie aus dem norddeutschen Bunkesrath und Parlament hervorgegangen, ihren Ständen zur Zustimmung vorzulegen. Das ist eine sehr scheinbare Wahrnng der Souveränetät, und man wird wohl über kurz oder lang zu der Ueberzeugung kommen, daß es eine angemessenere, souveränen Staaten würdigere Stellung ist, diese Gesetze im erweiterten Bundesrath und Parlament zu berathen. Auf die Forderung der Gründung eines Südbundes sagt der Ministerpräsident: Es hat noch Niemand ein irgend greifbares Project eines Südbunves geliefert, mit Ausnahme des Stuttgarter „LevbachlcrS", der, hierüber interpellirt, erwiderte: sein Recept sei sehr einfach und wohlfeil, es koste nur einige Kronen. Wir werden nicht die Hand bieten zur Wiedereinführung des Dualismus in Deutschland. Dagegen stand seit 1848 auf dem Programm aller derjenigen Patrioten, welche die deutsche Frage durch ein Ausscheiden Oesterreichs und durch Einigung der Übrigen deutschen Staaten unter Preußens Führung lösen wollten, ein inniges Freundschafts - und Bun- desverhältniß mit Oesterreich. Dieß wirb um so eher zu Stande kommen, wenn die süddeutsche Frage aus der Welt geschafft ist. Die Thronrede des Königs von Dänemark bei Eröffnung des Reichstags enthält folgende bemer- kenswerthe Stelle: Wie die Nordschleswiger, vertrauen auch wir auf eine Wiedervereinigung mit dem, was Dänisch ist und sein will. Die preußische Regierung hat allerdings nicht in den Verhältnissen den genügenden Anlaß gefunden, um die begonnenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Unsere Ueberzeugung, Betreffs dessen, was die Gerechtigkeit und die wohlverstandenen Interessen beider Staaten fordern, ist so fest, daß wir hoffen, die entsprechende Auffassung werbe^jauch Seitens der preußischen Ne- gieruug sich geltend machen, und einen Ausgleich herbeiführen, welcher die Freunbschafts-Beziehungen Dänemarks und Preußens dauerhaft befestigen kann. Vermischte s. Darmstadt, 4. Oct. Der Kronprinz von Preußen ist hier um 11 Uhr eingetroffen und wurde von Prinz und Prinzessin Ludwig bis Bensheim geleitet. Wie verlautet wird sich der Kronprinz am 5. von Baden-Baden nach Wien begeben und dann am 9. seine Reise nach Venedig fortsetzen, wo er mit Prinz Ludwig von Hessen Zusammentreffen wird. Darmstadt. Bei einer land- und forflwirthschaftlichen Ausstellung in Belgien sind mehrere Preise hessischen Industriellen zugefallen. ES erhielten nämlich die Herren Heinrich Keller Sohn dahier den ersten Preis für die von seinem Repräsentanten ausgestellten GraSsaamen und eine silberne Medaille für ein Herbarium, Herr Konrad Appel dahier den ersten Preis für eine Collection von Saamensorten und Herr Unverzagt in Gießen den ersten Preis für Geräthschaften zum Waldbau. Mainz, 29. Sept. Hier sind von Neuem falsche badische Einhalb-Guldenstucke vom Jahre 1856 und mit der Umschrift: Friedrich, Prinz und Regent von Baden, aufgetaacht. Diese Falsificate sind sehr gut ausgeführt und können leicht für ächt angenommen werden. Sie kennzeichnen sich hauptsächlich durch schlechten Klang, leichtes Gewicht und die dunkle Bleifarbe. Mainz. Vom 1. October an ist auf der Schiffbrücke der ermäßigte Uebergangspreis von 1 kr. in Kraft getreten. Zur Feier dieses Ereignisses spielte eine Musikcapelle am Rheinufer zu Castel und sodann im Hotel Barth. Zum Schluffe wurde noch ein Feuerwerk abgebrannt. Frankfurt, 4 Oct. Gestern gab Herr Dr. Kugler in einer Wählerversammlung eine Art Rechenschaftsbericht über seine ständische Wirksamkeit. Nachdem derselbe sein Verhalten in der Receßsrage dargelegt, wurde er darüber interpellirt, wie er sich bezüglich der AueweisungSaffaire zu verhalten gedenke. Herr Kugler erklärte, daß er sich bezüglich dieser Angelegenheit nickt n.it der Mehrzahl der Frankfurter in Uebereinstimmung befü.de, denn auch er halte dafür, »aß die meisten der Ausgewanderten sich aus Feigheit der Militärpflicht entzogen hätten, obschon et die Maßregel der Ausweisung als unklug und an , Gehässigkeit streifend bezeichnen müsse. Dies veranlaßte einen ! Wähler (Hrn. Boh) zu der Bemerkung: „dies sei nicht die i Ansicht eines ehrlichen Mannes." Hierauf entstand große Aufregung in der Versammlung und eS erscholl der Ruf: „Hinaus! Hinaus!" Nach wieder hergestellter Ruhe schritt man zur Abstimmung über die eventuelle Wiederwahl des Herrn Dr. Kugler. Das Ergebniß war, daß die anwesenden Wähler, deren etwa 80 bis 100 gewesen sein mögen, sich mit mit allen gegen etwa 4 bis 5 Stimmen für die Wiederwahl des Herrn Dr. Kugler erklärten. Niederrod, 30. Sept. Heute Morgen stieß dahier ein mit dem Ausgraben einer Grube in dem Garten «imd Bäckers beauftragte Arbeiter in einer Tiefe von 2 Fuß auf einen Menschenschädel und Armknochen. Die nach Ankunft der Gerichtspersonen fortgesetzte Nachgrabung brachte noch einen verstümmelten und in Verwesung übergegangenen Rumpf zu Tage. Die Lage der Ueberreste und die Verletzungen am Schädel lassen auf eine gewaltsame Tödtung schließen. Man glaubt damit die Leiche eines alten Niederräder OrtSangrhörigen aufgefunden zu haben, der feit 2 Jahren vermißt wird, ohne baß seither über sein Verbleiben irgend eine Spur zu finden gewesen ist. Die gefundenen Ueberreste sind von dem Gerichte zur weiteren Untersuchung in Verwahrung genommen worden. Kronberg, 30. Sept. Unter den vielen Kurgästen, welche zur Zeit des Nachsommers sich an unserer herrlichen frischen Bergluft labten, befand sich auch Frau Lincoln, die Wittwe des berühmten Präsidenten. Sie wohnte in dem an der Königsteiner Chaussee schön gelegenen Aumüller'schen Hause. Der Gesundheitszustand der Dame, welcher durch eine langwierige Krankheit gelitten, soll sich, nach deren eignem Uriheil, hier sehr gebessert haben. Sie versäumte nicht, unsere malerische Umgebung kennen zu lernen, und oft sah man sie auf Spaziergängen am Arm« ihrer aufmerksamen Wirthin, Iran Aumuller. Frau Lincoln erhielt vielfach den Besuch distinguir- ter Amerikaner, Herren und Damen, aus den benachbarten Badeorten und Frankfurt, weßhalb es während ihres Verweilens dahier oft in unserem Kurorte ziemlich lebhaft war. Coblenz, 3. Oct. Verflossene Nacht 113/4 Uhr setzte ein starkes Erdbeben die Einwohnerschaft in Bestürzung. Dasselbe dauerte 3—4 Secunden. Einige Schornsteine stürzten ein und Bilder und Spiegel schwankten an den Wänden. Fulda, 30. Sept. Der Eisenbahnunfall bei Fljedcn ist dadurch veranlaßt worden, daß gerade bei Ankunft dcS Güter- zugS eine in der Nähe weidende Kuh den Bahndamm überschritt und von der Locomotive erfaßt wurde. Sofort entgleisten die nächsten fünf Waggons, von denen zwei gänzlich zertrümmert, drei (fremden Bahnen angehürende) mehr oder minder stark beschädigt find. Leiber wird nachträglich berichtet, daß ein Arbeiter beim Freimachen der Bahnstrecke schwere Verletzungen davongetrageen hat. Ob der betreffende Bahnwärter an dem Unglücke Schuld trägt, ist noch nicht festgestellt. Aus Herrieden, 27. Scpt., wird der „Fränk. Ztg." geschrieben: Die letzten Aequatvrialstürme haben uns warme Luft von den Trvpengegenden übermittelt, wodurch wir jetzt schöne Nachsommertage erhalten. DaS europäische Luftmeer ist bedeutend ruhiger geworden, die Barometerdifferenzen, welche am 20. bis auf 42,2mm. gestiegen waren, entzifferten am 24. nur mehr 19mm., 756,4 Nairn in Schottland und 775,4 Besan^on in Frankreich. Die Wärmeunterschiede des letztgenannten Tages waren Morgens 7 Uhr 19,4", 3,4 Haparanda und 22,8 Barcelona. Stockholm hatte am 21. das in Schweden überhaupt und besonders um diese Jahreszeit seltene Schauspiel eines heftigen Gewitters, dem am 22. ein prachtvolles Nordlicht folgte. Auch Nordamerika hat ein ruhigeres Luftmeer, auf der Station Hearls-Content veränderte sich der Barometerstand vom 21. bis zum 24. täglich durchschnittlich nur um 3mm., wobei der Himmel nur mäßig bewölkt war, und die Temperatur zwischen 7,8 und 12,8" schwankte. Brüssel, 1. Oct. Der König machte dem gestern hier eingetroffenen Fürsten Karl von Rumänien heute den ersten Besuch; Nachmittags fand beim Könige ein Galadtner zu Ehren des Fürsten Statt. Der König hat dem Fürsten das Grvßkreuz des LeopoldordenS verliehen. Der Fürst begibt stch heute Abend nach Baden und wird von da seine Reise nach Paris fortsetzen. Paris, 2. Oct. Einflußreiche Persönlichkeiten, sogar aus bonapartistischen Kreisen, sind bemüht, den Kaiser zur Vorlage eines Gesetzes zu bestimmen, wodurch das frühere Gesetz, welches die Familie Orleans aus Frankreich verbannt, aufgehoben werden soll. Ein Unglück seltener Art setzt gegenwärtig den Bezirk von SainteS (Frankreich) in Schrecken, sagt der „Figaro". Ein kleiner Bach, NamenS Parvillot, der durch mehrere Gemeinden des Kantons Gemozac fließt, lag seit einiger Zeit trocken. Der Grund des Schlammes war ohne Zweifel torfartig, denn es brach plötzlich darin eine Feuersbrunst aus, welche Alles auf ihrem Wege zerstörte. Man mußte die benachbarten Dörfer räumen. Das Land ist in Schrecken. Wenn der Regen kommt, wird er das Feuer löschen, allein der in einen Feuerstrom umgewandelte Bach wird die Asche aus einer ganzen Gegend mit sich fortrcißen. Auf jeden Fall find die Uferbewohner ruinirt. Die Stadt Cayenne ist am Napoleonstage von einem großen Unglücke betroffen worden. Am Regierungsplatze wurden Feuerwerke loSgelaffen ; einige Funken fielen in das Magazin de« Feuerwerkers, und im Nu fuhren Hunderte von Raketen und etwa ein Dutzend Bomben in allen Richtungen unter eine dichte Volksmenge. Zwanzig Personen erlitten schreckliche Brandwunden, andere wurden in der furchtbaren Aufregung der Masse zu Boden geworfen und erdrückt. Gegen 50 Verletzte mußte man in'S Krankenhaus bringen, und ein Theil derselben ist seinen Wunden bereits erlegen. In der Stadt herrscht tiefe Trauer. Madrid, 2. Oct. Die republikanischen Freiwilligen von Reuß haben eine Emeute gemacht. Die Bevölkerung von Bejar machte den Versuch, Pic und seine Mitschuldigen zu befreien, jedoch wurde di« Ordnung wieder hergestellt. Der republikanische Deputirte für Nagera organifirte eine Bande, welch« die Thore der Gefängnisse zu HueSca öffnete; die Truppen schlugen die von dem Deputlrten Joaritzio selbst befehligte Bande vollständig. In TereS ist eine Bewegung auSgebrochen ; man befürchtet ernste Ereignisse. Madrid ist ruhig. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Ehr. Pietsch) in Gießen. zu @i Bei und 1 zeit ’ neuer neben chem Mar! eigen find e tun? T und mit Mb feine 3JM wird sichte recht wolL D und Diel prnc geno Gi Gros 9474. soll der ( Doru Flur ' unter Mac tenb d Gie 943 Hann auf | W Flur i erbt G 941( soll ten