Prei8 vierteljährlich 36 ft. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 49 kr Gießener o Erscheint wöchentlich breo» mal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Mnzeige- und Mmtsötatt für den Kreis Kießen. Nr. lOä. Dienstag den 7. September ISO». Amtliche Bek «anntmr? chnngeu. Gießen i am 27. August 1869. Betreffend: Die Einsendung der Handbuchsauszüge rc. der Gemeinde-Einnehmer. Das K r o ir l> e r , o g l i ch e K r r i s a in t Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. b. Lahn, Allendors a. b. Lba., Annerob, Beuern, Ettingshausen, Garbenteich, Großen-Linben, Hausen, Mainzlar, Münster, Treis a. b. Lba. unb Watzenborn. Wiederholt erinnern wir Sie an Einsendung der Handbnchsauszüge rc. binnen 8 Tagen bei Meidung von 1 fl. 30 kr. Straft. Dr. Gold m a n n. Abgang Ankunft Min. Abends Uhr 15 um 11 der 35 55 Besondere Bekanntmachungen. 7569) Im Firmen - Register des unterzeichneten Gerichts ist heule folgender Eintrag vollzogen worden: Die Firma : „Abraham Simon" ist durch das im Laufe dieses Jahres erfolgte Ableben des Abraham Simon von Großen- Linden und die Erklärung dessen Wittwe, daß sie das Geschäft ihres Mannes nicht fortsetzen wolle, und selbstverständlich damit auch die dem Sohne Joseph Simon ertheilte Procura erloschen. Gießen, den 1. September 1869. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Stadtrichter. in Gießen „ Laug-Göns „ Butzbach „ Nauheim (Bad) „ Friedberg „ Nieder-Wöllstadt „ Groß-Karben „ Dortelweil „ Vilbel „ Bouames „ Bockenheim „ Frankfurt Vergebung von Bauarbeiten. 7545) Die zur Einrichtung der Stein- kohlenseuerung in dem Garnison-Lazareth zu Friedberg erforderlichen Arbeiten und 7531) Das Verzeichniß über die vom 1. August 1868 bis Ende Juli 1869 in der Gemarkung Gießen cingetretenen Culturver- änderungen, sowie das Verzeichniß der im Laufe des Jahres 1869 neu erbauten oder durch Bauveränderungen im Werthe erhöhten oder verminderten Wohnhäuser, liegen 14 Tage lang auf dem Rathhause dahier o^GTeßen, den 2. September 1869. Vogt, Ortsgerichtsmann. Brod-Lieferung. 7535) Donnerstag den 9. d- Mts., Vormittags 10 Uhr, wird die Lieferung des Bedarfs an Brod für das 2. Infanterieregiment auf das IV. Quartal d. I. mittelst Soumission vergeben werden. Die Lieferungs-Bedingungen liegen Nachmittags von 2 bis 5 Uhr auf dem Bureau der Garnison-Verwaltung zur Einsicht offen. Gießen, den 4. September 1869. Großherzogliches 2. Infanterieregiment. Kraus. Versteigerung. 7559) Donnerstag den 9. September d. I., Nachmittags 2 Uhr, lasse ich, im Auftrag, auf meinem Büreau verschiedene Möbel, darunter eine Nähmaschine, großer Spiegel mit Goldrahmen, ein Damen-Reisekoffer, sowie Pack-Fässer und Kisten, öffentlich gegen gleich baare Zahlung versteigern. C. Pietsch I. (Dienstm.-Jnstitut) Grummetgras-Versteigerung. 7558) Mittwoch den 8. September, Vormittags halb 9 Uhr, soll vor Beginn der auf diesen Tag anberaumten Mobilien-Versteigerung das Grummetgras von sechs Normalmorgen dicht bei Laubach liegenden Wiesen I. Classe öffentlich verpachtet werden. Laubach, den 5. September 1869. Dr. Köhler. Lieferung von Bettstroh. 7536) Donnerstag den 9. d. Mts., Vormittags IOV2 Uhr, oll die Lieferung von circa 2140 Gebund Kornstroh, per Gebund 16 Pfund, auf die Bedarfsperiode 1869/70 mittelst Soumjssion vergeben werden. Die Lieferungs-Bedingungen liegen Nachmittags von 2 bis 5 Uhr auf dem Büreau der Garnisonverwaltung zur Einsicht offen. Gießen, den 4. September 1869. Großherzogliche Garnisonverwaltung. Kalbfleisch. Grummetgras-Versteigerung der Fürstlich Solmsischen Rentei Lich am 13., 14. und 16 September l. I. A. Gemarkung Lich. 7549) Montag den 13. September, Vormittags präcis 8 Uhr anfangend, Wiesen am Bräuerberg, Bleichgarten, Neuwiese, Lohmühlswiese, den Wiesengrund aufwärts, Stockwiese, Großer Wörth, Schlüsselwiese, Säumagen, Mittelgraben, bis Wiesen der Peinmühle gegenüber, zusammen 120 Morgen. Zusammenkunft an derBräuerbergsbrücke, Chaussee nach Gießen. B. Gemarkung Mühlsachsen, Ober- und Nied er-Bessin gen. Dienstag den 14. September, Vormittags präcis 8 Uhr anfangend, Hainwiese, Riedchcn, Seewiese, Sautenkor, im Ganzen 130 Morgen. Zusammenkunft zu Mühlsachsen. C. Gemarkung Burkhardsfelden. Donnerstag den 16. September, Vormittags 9 Uhr, die Mönchwiese, die Strauchwaldwiese, 67 Morgen. Zusammenkunft in der Mönchwiese. Die Ausgebote geschehen in Abtheilungen von ein bis zwei Morgen. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis Michaeli l. I. gestattet. Lich, den 4. September 1869. Fürstlich Solmsische Rentei daselbst. Kreutzer.___________ Main - Weser - Kahn. 7542) Vom 1. September an wird ein Güterzug mit Personenbeförderung zwischen Gießen und Frankfurt und zwischen Frankfurt und Gießen mit folgenden Curszeiten in den Fahrplan vom 15. Juli ausgenommen- Lefcrungen, als: Maurerarbeit, veranschl- zu 41 fl. 48 kr. Oefenlieferung, „ „ 432 Lieferung von Steinkohlengefäßen rc., veranschlagt zu 56 Schlosserarbeit, „ „ 197 Weißbinderarbeit, „ „ 26 „ „ sollen auf dem Submissionswege au den Wenigstfordernden vergeben werden- Voranschlag und Bedingungsheft liegen,von heute an 8 Tage lang auf dem Büreau des Garnison-Lazareth offen, woselbst auch die Offerten, mit der Aufschrift: „Submisston zur Uebernahme der Arbeiten bei Einrichtung der Steinkohlenfeuerung des Garnison- Lazareth Friedberg" versehen, versiegelt und frankirt bis spätestens den 13. September d. I., Vormittags 10 Uhr, einge- Versteigerungen. Grummetgras-Versteigerung bei ber Stadt Gießen. 7552) Montag den 13. und Dienstag den 14. September d- I-, jedesmal von Vormittags 9 an, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen versteigert werden, und zwar: Montag den 13. September 1869 von den Wiesen vor der Neustadt, am Neuenweger Thor, am Fürstenbrunnen, im Wie- seckthal und Hegstrauch; Dienstag den 14. September 1869 von den Ochsenwiesen, den Wiesen im vorderen und Hinteren Stolzenmorgen, der Hopfeneck, im Altentisch und Fernewald. Die Zusammenkunft findet am ersten Tage bei dem Neustädter Thor und am Metten Tage in den Ochsenwiesen, auf dem Nodger Vicinalwege Statt- Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 4. September 1869- Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V- d. B-: Felsing, Ir Beigeordneter. Verpachtung von Triebvierteln bei der Stadt Gießen. 7529) Mittwoch den 8- September d- I-, von Nachmittags 2 Uhr an, sollen 175 Stück leihfällige Triebviertel au weit ere 6 Jahre verpachtet werden. Die Zusammenkunft ist am Nassauerhos. Gießen, den 1. September 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt. reicht sein müssen. Friedberg, den 4. September 1869. Großherzogliche Garnison - Lazareth- Commission. Dr. Steinhäuser, Stabsarzt. I. A-: S t e g m a y e r, Oberlieutenant und Bezirksadjutant. Holzversteigerung im Anneröder Gemeindewalde. 7553) Freitag den 10. September, von Morgens 8 Uhr an, sollen im Anneröder Gemeindewalde, Di- stricten Köpfeln, Haarkopf und Tempel, nachverzeichnete Holzsortimente öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden, als: 11 Va Stecken Nadel-Prügelholz, 91/2 „ „ Stockholz, 10911 Wellen „ Neisholz, 3 Nadel-Stämme mit 21 Cubikfuß, 1138 Fichten-Stangen „ 1229 „ Die Zusammenkunft ist am Müllerweg, an der Grünberger Straße. Annerod, am 4. September 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Annerod. Groß. Von gleichem Datum an wird bis auf Weiteres und vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs Frankfurt abgehende Courierzug in Vilbel anhalten. (Abgang in Vilbel 11 Uhr M Minuten.) In Folge dieser Aenderungen wird ein neuer Fahrplan für die Mam-Wesir-Bahn, gültig vom 1. September 1869, ausgegeben, welcher auf den Stationen zu erhalten ist. Cassel den 26. August 1869. Königliche Direction der Main-Weser-Bahn. Die Vergebuug von Maurerarbeit bei der Stadt Gießen. 7557) Freitag den 10. September 1869, Vormittags 9 Uhr, wird auf hiesigem Rathhause Maurerarbeit, veranschlagt zu 292 fl. 32 kr., an den Wenigstfordernden vergeben werden. Gießen, den 6. September 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V. d. B.: ______Felsing, Ir. Beigeordneter. 7532) Donnerstag den 9. September, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause, auf Ansuchen der Jeremias Wallenfels Wittwe, die von deren Mann hinterlassenen Güterstücke einer freiwilligen Versteigerung ausgesetzt werden, als: luKtstr. 448 Acker hinter dem Weiher, 406 Acker hinter den Schießgärten, 619 Acker, auf die Nothgärten, 374 Wiese am Grüninger Pfad. Gießen, den 3. September 1869. Fr. Müller, Ortsgerichtsmann. 6 Uhr 15 6 „ 43 M- Vormittags. Abgang in Frankfurt Bockenheim 12 Uhr 30 12 „ 42 M. Nachmittags. 7 „ 6 Bonames 1 „ 3 11 « 7 „ 29 Vilbel 1 „ 17 tt 11 7 „ 48 Dortelweil 1 „ 29 II M 8 „ 7 Groß-Karben 1 „ 41 ff ff 8 „ 22 Rieder-Wöllstadt 1 „ 58 ff Ff 8 „ 33 Friedberg 2 „ 26 ff ff 8 „ 46 Nauheim (Bad) 2 „ 39 ff ff 9 „ 1 Butzbach 3 „ 9 ff ff 9 „ 21 Lang-Göns 3 „ 32 ff ff 9 „ 30 11 n Ankunft „ Gießen 3 „ 50 u 11 um vyuiunnc aui mngcie *$eir, günstigen Zahlungsbedingungen, I um billigsten Preise I- K a tz e n st e i n, -3 empfiehlt zum Awgust ScMessiuger, Mannheim, im August 1869. G. Köhler S» Koch, A. Katz. fi. 48 12 7567) 03 03 >n 77 57 33 11 niieii-Loose sind überall zu kaufen und zu spielen erlaubt. „Gottes Segen bei Cohn!" 7566) Ein Mädchen wünscht noch einige Tage in der Woche im Flicken besetzt zu haben. Näheres bei Herrn Schneidermeister Schmidt, am Neuenweg. 7563) Krippen von Sand- und Lung- stein, geschliffene Sandsteinplatteu, Ce- ment ?e. bei_____________Emil Pi st or. 7554) In einer der lebhafteren Straßen dahier, am liebsten auf dem Wochenmarkte oder in dessen Nähe, wird ein geräumiger Laden zu miethen gesucht. Offerten unter ll. nimmt die Exped. d. Bltts. entgegen. in unserem Geschäftslocale anberaumt, welchem die Interessenten beiwohnen können. Gießen, den 2. September 1869. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. In Verh. des Kreisbaumeisters: Wießell, Bauaccessist. Vergebung von Bauarbeiten. 7530) Die bei Verlegung des Einfahrt- thores und Zufuhrweges zur Entbindungsanstalt dahier vorkommendcn Arbeiten, und zwar: 7528) Aechte amerikanische Nähma- maschinen mit Garantie aus längere Zeit, sowie unter * • D Grossartige wiederum mit f Geuitinen bedeutend Fubrik künstlicher Dungmiltel. Bezugnehmend auf vorstehende Anzeige hatte ich mich bei Bedarf künstlicher Dnngmittel bestens empfohlen und stehen auf Verlangen Preisconranie gratis zu Diensten. Gießen, im August 1869. Vermischte Anzeigen 7520) Ein Dienstmädchen ivird zum so- artigen Eintritt gesucht- Wo? sagt die Exped. d. Bltts. grosse Loos von 127,000, und Jüngst am JuH schon wieder fünf der grössten Haupt - Gewinne in dieser Gegend ausbezahlt. - Jede Bestellung auf meine Original-Staats- IxOOSe kann man der Bequemlich- keit halber auch oliiie Brief, SK*" einfach auf eine jetzt üb- lieBie Postkarte, machen. (k Dieses ist gleichzeitig bedeu- tend billiger als I®ogt- Vorschuss. Laa. Nams» Cohn in Hamburg. ITaupt-Comptoir, Bank- und Wechselgeschäft. Arbeltsversteisterunst. 7550) Mittwoch den 8. l- Mts-, vermehrte Capital! en-3 Ver I o os u n g von nahe« 4 Millionen. H Dic Verloosung garaniift und A Ä voUzieht die Sfoots-Kegie- g i’WMjy selbst. Ä Beginn der Ziehung am 20. d. Mts. 1 Will* Ä Thlr. oder S Th6@*e | oder LL S^r. M kostet ein vom Staate garantir- 7? tes wirkliches Origiaial-Staats- j m Loos (nicht von den verbotenen Pro- H ® messen) und bin ich mit der C Versandung dieser wirkli- vortete Carl. „Das Erstere zu thun, wäre der Baron gegenwärtig gar nicht einmal im Stande," sagte Willert, der in allen Geschäftsangelegenheiten des alten Bergen's die rechte Hand war. „Doch, doch, Papa wäre sehr wohl dazu im Stande, wenn ich das kleine Geschäft verkaufte, welches mein Oheim mir testamentarisch hinterlassen hat," erwiderte Carl. „So würben aber Sie, statt des Barons, das Opfer der Ausschweifungen Bertholds sein," warf der Informator ein. „Immerhin. Besser, als daß Cynthia unglücklich würde. Berthold würde nach unserem Streite von gestern Abend von mir vielleicht gar nicht einmal Geldhülfe annehmen, doch wäre%s ja auch gar nicht nöthig, daß er erführe, woher diese eigentlich käme." „Für Sie wäre das aber ein wirklich großes Opfer," sagte Willert; „ich weiß ja, jenes alterthümliche Haus mit seiner malerischen, wenn auch eher ernsten wie freundlichen Umgebung, ist Ihnen sehr lieb." „Es würde mir um so schwerer werden, mich jenes Geweses zu entäußern, weil ich bereits ein Documcnt habe ausstellen lassen, welches es bei meinem Tove an Hyacintha überweist," antwortete Carl. „Wenn ich nicht ihr Gatte ^werden kann, — vielleicht nicht darf, so soll es, falls Vaters Tod sie seines Schutzes in der alten Heimath berauben sollte, sogar schon früher ihr Eigenthum werden. Ihr Glück, Willert," fügte er dann hinzu, betrachte ich als meinen höchsten Lebenszweck. Mag Berthold mich immerhin einen fischblütigen Stoiker nennen, für Hyacintha vermöchte ich mein Leben zu lassen." Die Stirn des Informators zog sich in düstere Falten zusammen. „Jenes Opfer soll Ihnen womöglich erspart bleiben," sagte er dann nach kurzer Pause. „Auch ich vermag wohl noch Gelder zu einigem Belaufe aufzutreiben und stelle Ihnen jedenfalls die ganzen kleinen Ersparnisse meines Lebens zur Verfügung, ehe Sie jenes Erbgütchen verkaufen sollen." „Sie sind ein guter, braver Mann, Willert!" rief Carl aus, indem er die Hand des Informators ergriff und warm drückte, „und wenn es möglich wäre, die nötbigen Geldmittel herbeizuschaffen, ohne Heidenthal zu veräußern, so würde ich Ihnen natürlich sehr dankbar dafür sein." „Ich werde thun, was nur irgend in meinen Kräften liegt," antwortete der Informator. „In wenigen Tagen muß es sich ja zeigen, ob unsere Befürchtungen richtig oder grundlos sind, und wird es dann nöthig, so müssen wir allerdings offen zu Ihrem guten Vater sprechen. Ich werde nach Stralsund hinüberreisen und Gelder anzuschaffen suchen, um diesem Verschwender noch einmal aus der Noth zu helfen." Wie aber bandelte Berthold während dessen? Während des Morgens suchte er seinen Verdruß, seine Täuschung auf seinem Zimmer über einer leichten, französischen Novelle zu vergessen. Bei Tische verhielt er sich, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, so außer- ordentlich schweigsam, baß sein Vater ihn fragte, ob er sich unwohl befinde, und Hyacintha's Augen fortwährend ängstlich an seinem Antlitze hafteten. Er antwortete verneinend und Willert suchte die Aufmerksamkeit dadurch von ihm abzuleiten, daß er seiner für den folgenden Tag beabsichtigten Reise nach der Hafenstadt erwähnte, und Hyacintha bat er, ihm ihre Aufträge mitzutheilen, falls sie deren dort auszuführen habe. Das Anerbieten, in der Staot Besorgungen zu übernehmen, abzulehnen, war für eine jungs Dame, die in ländlicher Abgeschiedenheit lebte, selbstverständlich ganz unmöglich. Hyacintha erinnerte sich jetzt natürlich an tausend ihr durchaus nothwendige Dinge und der Baron mußte über die Menge von Aufträgen lachen, mit wel- chen der würdige Informator sich überladen sah. Dieser jedoch notirle mit großem Eifer jeden Auftrag des jungen Mädchens in sein Taschenbuch. Wie wenig er auch von Putz- und Toiletten-Gegenständen verstehe, sagte er, so werde er doch jedenfalls Alles so gut 'wie es ihm nur irgend möglich sein werde besorgen und zu diesem Zwecke ganz gewiß durchaus weder Muhe noch Zeit sparen. Im Laufe des Abends bat Berthold Hyacintha, ihm etwas vorzusingen. „Singe mir das reizende Lied von Weber: „Was zieht zu Deinem Zauberkreise Mich unwillkürlich hin," sagte er, als sie ihn aufforderte, ihr das Lied, welches er wünsche, zu nennen. „Und jetzt: „Seit ich Dich gesehen, Glaub' ich blind zu sein," bat er dann. „Reizend, reizend, Cyntbia!" flüsterte er, sich tief über die Lehne ihres Stuhles hinabbeugend, so daß sein Athem den ihrigen berührte, nur für sie hörbar, als sie mit zitternder Stimme endete: „Selig, für Dich zu leben und zu sterben !" „Cs ist Zeit, Papa zu wecken," sagte sie, sich vom Piano erhebend und quer durch's Zimmer auf den in seinem Lehnstubke eingffchlafenen Baron zu- schreitend. Als sie mit einer Rose, die sie so eben aus Berthold's Hand erhalten, leicht seine Wange berührte, erwachte der alte Herr mit freundlichem Lächeln. „Ah so, es ist wohl Zeit zum Abendessen, nicht wahr, Cynthia?" „Noch nicht ganz, Papa. Aber ich wünschte Dich reden zu hören, denn wir langweilen und." Die mädchenhafte Schüchternheit, mit welcher sie sich vor der allzuvertrau- lichen Annäherung Berthold's nach dem Stuhle des Barons zurückzog, berührte Carl wohlthuend, eines Gefühles schmerzlicher Eifersucht aber vermochte er sich nicht zu erwehren, als er dann die Unsicherheit der Stimme hörte, mit welcher er sprach. Zärtlicher wie je zuvor drückte Bertholc ihr die Hand, als Beide sich an jenem Abende trennten, und mit hochklopfendem Herzen suchte Hyacintha dann ihr Schlafgemach auf. Am Morgen darauf reifte Willen nach Stralsund ab, nachdem zwischen ihm und Carl noch einmal die Ucbcreinfunft getroffen war, genau zu ermitteln, welche Geldmittel sie zur Tilgung der Schulden Berthold's aufzubringen vermöchten, bevor sie den Baron auf das Benehmen des Letzteren der Pflegeschwester gegenüber aufmerksam machten. „Auf diese Weise werden mir dann noch einige Tage zur Beobachtung Hyacintha's übrig bleiben," sagte der liebenswürdige junge Mann. „Ich muß bestimmt wissen, daß die Trennung von Berthold ihr keinen Schmerz verursacht, bevor ich dahin mitwirke, diese herbeizuführen." „Gesetzt nun aber, Sie überzeugen sich, daß sie wirklich unter dieser Treu- nung leiden würde?" fragte der Informator etwas hastig. „Nun, in diesem Falle werde ich in Erfahrung zu bringen suchen, ob Berthold's Liebe stark genug ist, ihn zu vermögen, auf jeden Versuch, eine reiche Heirath zu schließen, zu verzichten und sich mit Hyacintha zu verbinden, wenn sie keine weitere Mitgift hat wie Heidenthal," gab Carl mit trübem Lächeln zurück. (Fortsetzung folgt.) Politische MunDscha» Vermischtes Redactton, Druck und Verlag der Brtthl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietfch) in Gießen. diae Feier dieses Tages beabsichtigt. DaS Fest wird in Vorträgen über das Leben und Wirken des großen ManneS bestehen, an welche sich am Abend eine gesellige Vereinigung bei Gesang, Instrumentalmusik und Restauration anreihen wird. Mit Rücksicht auf daS mit dem Namen unseres großen Mitbürgers verknüpfte allgemeine nationale Interesse und in der dadurch begründeten Voraussetzung einer sehr vielseitigen Betheiligung sind die Eintrittskarten auf einen sehr niedrigen Preis gesetzt ^worden. ,, _ _ „ Frankfurt, 1. Sept. Die in Km hiesigen Gefangniß noch untergebrachte, von den hiesigen Assisen jüngst abgeurtheilte Räuberbande hatte ein Eomplott zu ihrer Befreiung geschmiedet, was jedoch verrathen wurde. Den einzelnen Rädelsführern wurden daher Ketten angelegt, deren Schlösser sie jedoch wieder zu öffnen verstanden. Inzwischen wurden die Vorkehrungen getroffen, sie heute von hier wegzubringen. Als dieses geschehen sollte, fingen die Burschen an zu revoltiren, warfen die Wächter und Soldaten mit Krügen rc., rückten ihnen zu Leibe, so daß diese sich genöthigt sahen, der Gewalt Gewalt entgegen zu setzen, wobei der Räuber Schmidt und andere verwundet wurden, während auch auf der andern Seite Verwundungen vorfielen. Endlich gelang es, die Bande zu überwältigen und sie unschädlich don, Gortschakoff und Hohenlohe haben heute hier' selbst im Hotel Schrirder eine Conferenz gehabt. Dieselbe dauerte ungefähr 3 Stunden. Aus Thüringen, 1. Sept. Die militärischen Einquartierungen sind für dieses Mal beseitigt; es war aber damit doch auch eine erkleckliche Besteuerung der betroffenen Bevölkerung verbunden. Es werden für Logis und Verpflegung pro Mann und Tag 5 Sgr. vergütet, der wirkliche Aufwand beträgt aber mindestens 10 Sgr. Eine kleine -Dtadt, die ungefähr ein Bataillon Einquartierung nur auf zwei Tage bekommt, hat dafür mindestens 200 Thaler zu opfern. Es ist darüber im Eisenach'schen öffentlich geklagt worden; es hat hat auch über das Verfahren bei den Einquartierungen eine Bezirksverwaltung beim Staatsministerium Neclamtaicn erhoben. Mit welchem Erfolg dieß geschehen sein wird, bleibt vorerst noch abzuwarten. Bern, 2. Sept. Der Bundesrath hat eine Petition von 14 in der Schweiz naturalisirten Frank- furtern, welche seine Intervention gegen die bekannten Ausweisungsbeschlüffe anrufen, an da« politische Departement verwiesen, welches vorläufig noch Erkundigungen einziehen wird. Es dürfte sich bei denselben hauptsächlich darum handeln, ob die jetzt AuSgewiefenen sofort nach erfolgter Einbürgerung ihre Heimathscheine aus den betreffenden Cantonen bezogen, bei der Frankfurter Polizei deponirt und die Gestattung des Aufenthaltes nachgesucht haben. Sollte dieß nicht geschehen sein, so würde sich dann die Sache sür sie allerdings schlimmer gestalten. Paris, 3. Aug. Der „Constitutionnel" vernen- tirt die Angabe mehrerer Journale, daß der neue Kriegsminister seine Amtsführung damit begonnen habe, dem Kaiser die Abschaffung der großen Ar- mee-Commando's mit Ausnahme derer von Paris und Lyon vorzuschlagcn; derselbe sei vielmehr weit davon entfernt, mit Uebereilung zu handeln, und nur darauf bedacht, die verschiedenen auf der Tagesordnung stehenden militärischen Fragen auf das Sorgfältigste zu studiren und die Bahn weiter zu verfolgen, welche der Marschall Niel zur Umgestaltung der Armee eingeschlagen habe. Rom, 3. Sept. Die Behauptung, es sei beschlossen, daß die Repräsentation der Regierungen, welche sich bei dem Concile vertreten ließen, eine streng passive sein werde, wird als ungenau bestritten. Noch sei nichts darüber entschieden. Arbeitskräfte entzogen werden. Berlin, 4. Sept. Die „N. fr. Pr." sagt bei Besprechung des Moabiter Klosterscandals: „Es ist ein starkes Stück, welches die preußische Regierung dem Lande bietet. Sie begünstigt neue Klöster, während das baierische Ministerium die Jesuitenmis- sionrn unter Hinweis auf die Verfassung verbietet. Das geschieht in einem Lande, dessen Kammermehrheit ultramontan, dessen König so fromm ist, daß er unlängst in Landshut auf offener Straße vor einem Geistlichen mit dem Sacramente niederkniete. Der Widerspruch ist schreiend und muß da« preußische Selbstgefühl tief verletzen. Resolutionen nützen nicht gegen das System, welches jetzt in Berlin herrscht, da hilft nur Ein Mittel, das auch bereits mannichsach in Anwendung gebracht und in der Berliner Volksversammlung vom 1. d. nachdrücklich empfohlen ward: der massenhafte Austritt aus der Landeskirche. Es würde die Regierung, welche die evangelische Union schon als „königliches Werk" eines früheren preußischen Fürsten hochhält, mindestens stutzig machen." Karlsruhe, 3. Sept. Die Einberufung des Landtags ist gutem Vernehmen nach auf den 23. und die Eröffnung desselben auf den 24. d. M. festgesetzt. Heidelberg, 3. Sept. Die Minister Claren- zu machen. Hannover. Die Anwendung des Velocipödeö für den Postbtenst ist bereit« in der Praxis eingeführt. Der P-stfuß- bote, welcher die Postbotengange zwischen Eelle und Bergen bei Celle zu besorgen hat, legt sei einiger Zeit seine Touren auf dem Velocipöd« zurück, und zwar jetzt schon mit Abkürzung der Beförderungsfrist um eine Stunde und hofft man diese Frist noch weiter herabsetzen zu können. Ei» Correspondent der „Dorfzeitung" schreibt derselbe» au« Ludwigsstadt vom 31. Aug. : Vorige Woche will man Nacht« bei hellem Mondschein einen weißen Streifen, wie eine Schlange geformt, bemerkt haben, und de« andern Tag« fand man auf jedem Apfel- und Kirschbaumblatt diese« Schlangenzeichen gelb abgrdruckt. Wurde dieses Zeichen am Mond und Blatt auch anderwärts bemerkt? Auch daS möchte man wissen, wie ein« Photographie auf die Blätter durch den Mond gezeichnet werden kann. Zum Zeugniß sende ich Ihnen zwei Aepfel- und zwei Kirschblätter mit diesem Zeichen. Ein hundertjähriges Pflugfest wurde am 29. Aug. d. I. in dem kleinen mährischen Dorfe Slawikowitz begangen. Vor 100 Jahren an diesem Tage war auf einer Reise Kai,er Joseph II. aus dem Wagen gestiegen und hatte einem Bauern den Pflug aus der Hand genommen, um selbst eine Furche zu ziehen. Er wollte mit eigener Hand erproben, wie bart die Arbeit deS Sandmann« sei, und zugleich Allen zeigen, wie hoch er diese Arbeit schätze. An der Stell«, wo der Kaiser, „der Schätzer der Menschheit" den Pflug geführt, ist jetzt ein einfaches Denkmal errichtet und geweiht worden, 20—30000 Menschen wohnten der Feier bei, zu welcher von Wien om de« KaiserS Stelle der Erzherzog Ludwig und der Minister Giskra gekommen waren. Da zeigte sich so recht, wie dieser freisinnige und menschlich fühlende Fürst unvergessen im Volke war, obgleich er kurz regiert hatte und Alle« gethan worden war, um sein Andenken auszulosche». — Auch an das Wort, da« er im Juli 1784 eigenhändig an Papst Piu« VI. geschrieben, wurde erinnert: „Mir däuckt, es gibt Leut« in Rom, die es so „wollen, daß eS noch länger Finsterniß auf unserer Halbkugel „gebe.- — Vor fünfzig Jahren schon hat diesem Kaiser der geistvolle Fürst von Ligne, der Nestor im Fürstencongreß in Wien, eine Standredr gehalten. „D«r Soldat wird sagen: Joseph?!!- hat die Kanonenkugeln am Deiche von Beschania und die Flintenkugeln in den Vorstädten von Schabatz wacker abgehalten; er hat Medaillen für die Tapferkeit erdacht. Der Reisende wird sage» : Welche schon« Gebäude für die Schulen, Spitäler, Gefängnisse und für die Erziehung! Der Fabrikherr: Wie viele ErmuthiguugenDer Landmann: Er hat selbst gepflügt. Der Ketzer: Er war unser Vertheidiger. Präsidenten aller Bezirke, die Chefs aller Bureaur werden sa, gen: Er war unser erster Diener und Aufseher zu gleicher Zeit. Die Minister: Er opferte sich für den Staat, dessen erster Untertban er gewesen ist. Der Krank« wird sagen: Er besuchte uns unablässig. Der Bürger: Er verschönerte unsere Städte durch öffentliche Plätze und Anlagen. Der Bauer und der Arme werden sagen: Wir sprachen mit ihm, wann wir wollten. Die Familienväter: Er gab uns guten Rath. Die Gesellschaft wird sagen: Er war zuverlässig, liebenswürdig, er «.zählte angenehm; er war witzig in seinem Gespräche; man konnte mit ihm über Alle« der Wahrheit gemäß sprechen." — „Er hat für das öffentliche Wohl nicht lange, aber ganz gelebt", schloß der Fürst seine Rede und diese Worte hat man an da« Reiterstandbild Joseph II. in Wien geschrieben. • Der sehr reiche Marquis d'OrcheS hatte einen Prei« von 20,000 Francs ausgesetzt für die Entdeckung einer praktischen Methode, den eingetrctenen Tod, auch in der ärmsten Hütte, deutlich zu erkenneu. Dr. (Saniere von St. Jean du Gard ge- wann diesen Preis. Sein einfaches untrügliches Erperiment besteht darin, in einem dunklen Raume die Hand de« Tobten oder Todtgeglaubten gegen eine Flamme zu halten. Ist der Tod noch nicht eingetreten, so scheinen die Finger, besonder« an den Umrissen, transparent mit einem rosigen Anfluge, hat aber da« Leben aufgehört, so verdeckt die Hand da« Licht wie ein« Hand von Marmor und grenzt sich scharf gegen di» Strahlen der Flamme ab. Odessa, 23. Aug. Gestern um 5 Uhr Morgens entgleiste auf der Kiew - Baltaer Bahn ein Zug, wobei die Locomotive und 14 Waggons urnstürzlen. Drei Personen wurden getobtet, 17 schwer und 10 leichter verwundet. ** Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt- Neuerdings wer. den vielfach Versuche gemacht, Auswanderer nach der argentinischen Republik zu locken; unter Andern soll ein dort an. sässiaer Deutscher, Namen« Schlegel, die Beförderung von Auswanderern als einen für ihn allein nutzbaren GeschaftSkrel« auszubeuten suchen. Nach zuverlässigen Berichten sind aber die Aussichten für solche Auswanderer durchaus nicht günstig, namentlich ist für Kopfarbeiter dort kein Terrain, und nicht ein* I mal Handelscommis finden ein erträgliches Unterkomme». Wuc» der Ackerbau liegt sehr darnieder, und einigermaßen gut« Aussichten bieten sich nur für Handwerker, Dienstboten und "nfachr Taglöhner. Doch dürfen auch diese »icht übersehen, daß dl« für die argentinische Republik werbenden Agente» sehr oft nur für den dortigen Militärdienst zu pressen suchen. Darmstadt, 2. Sept. Der Großherzog wirv nach emem längeren Aufenthalt in Friedberg am nächsten Dienstag hierher zurückkehren. — Heute starb dahier der Director des Hofgerichts für die Provinz Starkenburg, Geheimerath Decker. Derselbe vereinigte in sich die Eigenschaften eines ehrenhaften, charaktervollen Mannes und eines unparteiischen, mit großem Fleiß und in seinen gesunden Tagen nut einer seltenen Arbeitskraft ausgestatteten Richters.— Der GerichtSacc.ssist Dr. Andr. Breidert dahier ist der Großhcrzogl. Gesandtschaft in Berlin als Attache beigegeben worden. Darmstadt, 3. Sept. Einundachtzig evangelisch-lutherische Geistliche, denen sich neun, theilS reforrnirte, theils unirte Geistliche unter Reservation bezüglich des Bekenntnisses angeschlossen, haben eine Ansprache an ihre Gemeinden im Druck erscheinen lassen, in welcher sie zunächst Vie Tbätigkeit des Protestantenvereins in der Angelegenheit des Mitpredi- gerS Mitzenius besprechen und sodann sich gegen die von diesem Verein erstrebte Art einer gSynodal- und PreSbyterial-Verfaffung verwahren. Worms, 1. Sept. Die vom LandeSauSschuffe des Protestantenvereins verfaßte Petition an den Großherzog um Vorlage eines KirchenverfaffungS- EntwurfS nach den Grundsätzen der im Jahre 1848 begonnenen Verfassungsarbeiten wird, mit 537 Unterschriften von Mitgliedern der hiesigen evangelischen Gemeinde bedeckt, in diesen Tagen an den Ort ihrer Bestimmung abgehen. Berlin, 3. Sept. Es sind schriftliche und mündliche Aeußerungen von liberalen Abgeordneten bekannt geworden, die keinen Zweifel darüber lassen, daß die Klosterfrage im Landtag nachdrücklich zur Sprache kommen wird, und wäre es auch nur, um die Freundschaftserweisungen unserer orthodox-con- servativen Partei für die Möncherei an den Pranger zu stellen. Jeder Tag zeigt deutlicher die Intimität zwischen den Feudalen und den Uitramontanen. Die letzteren haben hier kein eigenes Organ, um sich zu verlheidigen, und sie gewahren zu ihrer Freude, daß sie das nicht nöthig haben, weil die hochconservaNve Press« die Vertbeidigung deS ultramontanen Unwesens freudigst übernommen hat. Das hält unsere Conscrvativen nicht ab, den Liberalen gleichzeitig vorzudemonstriren, was Alles zu dem ächten, guten Protestantismus gehöre, und daß der Schenkel sche Protestantenverein die gröbste Mißbildung innerhalb der evangelischen Gemeinden sei. So zieht der Hoch- wuth die Heuchelei nach sich. — Der Geh. Finanz- rath Scheele verläßt schon am 1. Oct. den Staatsdienst, so daß er nicht nöthig hat, noch einmal vor dem Abgeordnetenhause die Finanzpolitik des Hrn. v. d. Heydt zu verlheidigen. Der Entschluß Scheele's, nicht länger im Amte zu bleiben, reifte in ihm bei der rühmlosen Niederlage, die seine Vcrtheidigung der Steuervorlagen im Reichstage fand. Scheele's Scheiden aus dem Staatsdienst ist ein sehr empfindlicher Verlust für das Finaniministerium. Es gibt Leute, die steif und fest behaupten, Scheele'- Ent- schluß werde Nachfolge finden, wenn die Heydt',che Finanzpolitik nicht wesentlich andere Principien aufstelle. Unsere großen industriellen wie Geld-Institute engagiren sehr erfahrene Räthe gerade aus dem Fi- nanzministerium, so daß Hr. v. d. Heydt in der steten Sorge leben muß, es könnten ihm seine besten Worms. Auf privatliche Anzeige, daß sich gewärtig gewisse hiesige Persönlichkeiten mit Ausgabe falscher Sachsen- Meiningrn'scher Halbguldenflucke befassen, gelang eS am 29. b der hiesigen Polizei, ben Verbächtigen wirklich auf bie Spur zu kommen unb sie zu verhaften. Bei einem derselben fanb sich noch eine Anzahl solcher falschen Geldstücke vor. unb bei sofort vorgenommenen Haussuchungen wurde bei Letzterem auch glücklicherweise bie in Lumpen eingcwickelte Gußform, bestehend in gut ausgeführten GyPSabbrücken, sowie ein kleiner Dorrath von Blei vorgefunben, unb waren dadurch bie oder bet Thäter ihre« Verbrechens vollkommen überwiesen. Berlin. Der 14. September b. I. ist ber lOOjäbrige Geburtstag Aleranber'S v. Humbolbt. Allerorten in Deutsch- lonb bereitet man bie toürbige Feier bieses Tageö vor. Unb mit Recht. Denn Humbolbt zählt unzweifelhaft zu ben «roßten unb ebelsten Söhnen unserer Nation. Wenn auch von ber jetzt- lebenben Generation vielleicht nur bie Erleuchteten unter Denen, welche ber Naturforschung hingegeben von ben Segnungen Humbolbt'schen Geistes zunächst berührt ftnb, bie Große dieses Mannes ganz zu toürbigen vermögen, wenn auch wahr ist, war bie Eingeweihten sagen, baß zum völligen Verstanbniß ber Bedeutung Humbolbt ö bie Welt noch ein volles Jahrhundert ber weiteren Reife bebürfe, so kann doch nicht bezweifelt werben, baß auch die Gebilbeten unserer Tage in Aleranber v. .numbolbt bereits ben großen Manu unb größten Naturforscher erkannt unb ihm in ber Reihe ber VerehrungSwurbigsten unserer Nation unb ber ganzen Menschheit eine hervorragenbe Stelle eingeräumt haben. In ber That bedarf es zur Wurbi- auna ber Verbienste Humboldt s des allergrößten Maßstabes unb zwar eines ganz neuen burchauS eigenartigen. Dieser große Mann war Zoologe, Botaniker, Mineralog. Geolog. Physiolog, Mathematiker. Astronom rc. rc., unb alle diese Gebiete, deren jedes einzeln die Lebensaufgabe eines vollbegabten Geistes darstellt durch selbstständige Forschungen bereichernd umfaßte er in einem Gesammtwissen, wie eS vor ihm noch fern Naturforscher der Welt besessen hat. Hier aber begann erst bie eigentlichste Aufgabe bieses munberbaren Geistes. Von biesem erhabenen Stanbpunkte eines Wissens auS. welches für gewöhnliche Kräfte gerabeju unbegreiflich und unübersehbar ist. legte er ben Grunb zu bem ungeheuren Gebäube einer bie Natur unseres ganzen WeltsystemeS umfaffenben Forschung. ber kosmischen Naturfor- schung. zu einem Gebäude, für dessen Plan bisher seit ber Griecheuzeit (unb ba in verhältnißrnäßig viel kleineren Dimen- fionen) in dem Kopfe keines einzigen Menschen zur Entstehung Raum genug vorhanden gewesen ist unb für besten Ausbau bie Kräfte ber Menschheit für Jahrhunberte hinaus noch werben thätig sein müssen. Daß einem solchen Manne, ber auch hinsichtlich seines Charakters unfere ganze unb volle Liebe unb Be- wunbernng heranSforbert, bie Hulbigung seiner Nation nicht fehlen kann, ist wohl begreiflich. Unb wie sich's benn allenthalben regt, um biesem Drange gerecht zu werben, so wirb auch in unserer Stabt, welche hier so wenig als bei anbei-en nationalen unb eblen Zwecken zurückbleiben barf unb will, eine wür- SS, Post W0 49 J $r5' Ober 7600) Jung auf die den Interims Actien. also n für dieZeitv Thlr. 1.12 S fl. 50.3 fr. ot In den werden. Wer bv sicatckummer dreimalige Bl sechs Procent des Betrages Solche Jnteri tercn zwei M die darauf bei Gunsten der ( Es sind folge der Zah! reichen, wozu; Die Za Gießei Baron R 9 5597) For dm Nachlaß l rich Frank Gießen, sind melden, roibri sehung der B. tigl werden. Gießen, den Großherzvj Mi lasse irft . rs Vers $ie $et6e( *> ‘ylfi, OOnttj W Alle § NQn Konrc JWunb sein 5M«rinit P binnen 8 Ä'S ESi «S«. den wrMerzo. JNi, Stabtrichi