ireis Vierteljährlich 36 kr. nit Bringerlohn. Durch die Lost bezogen vierteljährlich 49 kr- Oicßmcr Aiyciger. Erscheint wöchentlich dreimal . Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Mnzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben. Mr. 3. Donnerstag den 7. Jannar ______ ___ । ■■■■■iwnnBaMMiMManag—e—MB—«Hgaiitn-nifiirr^MF'TUMgginana—r < Mi«MinnwaaBJ’HHM»wtfffiuui ? f|nio( m; 101) Fi ienstmäd :ür eine kleine Familie wird ein Zeugnissen versehen sein muß. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Cafe Kuhlmann. 133) Morgen Abend 7% Uhr: L o n r e r t der Familie Erber, der Sängerin Julie und deS Komikers Krämer. der anglo - amerikanischen Künstlerqesellschaft, unter Direction der faiferl. russische und königl. schwedische Hofkünstler. /r Uhr. Anfang präcis 7‘/z Ubr. D°s Naher- bte Bettet- Gebr. SRatula. Theater in Gießen. Im großen Saale des Cafe Leib. ^Donnerstag den 7. und Freitag den 8. Januar 1869: Große Vorstellungen 106) Ein schön möblirtes Zimmer ist zu 101) Fü. wtl,v „„ vermiethen und sogleich zu beziehen Kreuz Dienstmädchen gesucht, welches mit guten Llt. D. Nr. 6. P-----........f r r ■ - — - - - 107) Ein Familienloais (Parterre) ist zu vermiethen und im Marz zu beziehen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Vermischte Anzeigen. 123) Für ein gebildetes Mädchen, das in den Haushaltungsgeschäften und in Handarbeiten gewandt ist, bietet sich in einer Beamtenfamilie zur Stütze der Hausfrau angenehme Stellung. Die Exped. d. Bltts. ertheilt nähere Ausfunft. «Strucrcommiflamts - Gehülft. 115) Bei dem Großh. Steuercommissa- riat Gießen ist eine Gehülfenstelle zu besetzen. Hierauf Reflectirende wollen sich melden. 119) Ich suche einen ordentlichen, braven Jungen in meine Wirtschaft. Louis Busch Wittwe. 114) Ein junger Mensch sucht Beschäftigung. Zu erfragen bei der Exped. d. Bl- 117) Auf den 25. Marz wird ein braves, tüchtiges Mädchen in Dienst gesucht bei Advocat Rosenberg I. Temperatur in Gießen, December 1868 r *) Die größte innerhalb 18 Jahren im December beobachtete Höhe des Niederschlags. doppelte 9 niederste . mittlere . 9 5 9 Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankens!. Borsennachrichteii. 2. Januar 1869. Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 305 Ludwigsh.-Bexbach 159% Maxbahn 106 Bayer. Ostbahn 127 Hess. Ludwigsbahn 139 3% östr. Stsb.-Prior. 54% 3% östr. s. Lombard. 44% 3% Livorneser 32% Toscaner 49% Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 96 50/g Elisabeth-Prior. W/8 do. II. Emiss. 74 3,5° K. 4,17 , 0.34 „ 12,5 „ 3,72 Par. Zoll. *) 1,53 „ „ 50— 54-56 34-36 26i/2-27i/2 52-56 49-51 26-27 Wechsel. Amsterd. k. S. 99% Augsb. k. 8. 993/. Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 96% Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 873/, Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 1191/. Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 99?/, Disconto 3i/2o/o q. Engi. Souver. 11 Buss. Imper. 9 Doll, in Gold 2 Anleheneloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 55 V» Nassau fl. 25 b. Koth. 373/4 Gr. Hess. fl. 50 b. R. — Gr. Hess. fl. 25 b. R. 42 4% bayr. Präm. Anl. 103% 4% badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 54% 1858r Prioritätsloose 143 - 1860r Loose 78% 1864r „ — Mittel früherer Jahre............ höchste................. Niederschlag: an 23 Tagen .......... „ im Mittel früherer Jahre: an 17 Tagen . . 13^) Den Umtausch aller Oesterretchischen Obligationen in 5 pCt. Staatsschuldverschreibungen der einheitlichen öffentlichen Schuld nach Maßgabe des Gesetzes vom 20. Juni 1868 besorge ich kosten- Aron Heichelheim. Actien. J Frankf. Bank 123% Oester. Bank 675 „ Creditact. 244 । Darmst. Bankact. 267 deldsorten. Pr. Cass. Sch. 1 44%-45 Div. Cass.-A. __ Pr. Friedrdor. 9 57-58 Pistolen . . 9 49— In der neu errichteten Kunft-Farberei-, -Wascherei und -Druckerei von Jacob Küchel in Homburg v. d. H. ISäSSS KpMP-AchoBLr^Dch.-ier, AL Fraul. Susanne Weiß (Hutlager), Seltersweg, bei Herrn Kaufmann Worms. Großer Maskenball der Gesellschaft „Einigkeit" im Leib'schen Saale am 6. Februar 1869. harten sind zu haben bei Hermann Herbert, Neustadt. (125) Der Vorstand. Preuss. 4%0/0 Obi. 94 Frankf. 3V2% Obi. 813/4 Nass. 4i/2o/o Obi. 94% Kurh. 40/0 Obi. 86% Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 91% n. 3%% do. do. 87% Bayer. 5% Obi. 102% n 4,/2°/o 1jährige 95% n 41/2% jährige 96 Würtemb. 4%% Öbl. 94V, Baden 4%0/0 Obi. c. E.L. 94% Oestr. 50/0 b. R. 59% „ 50/g National 52% ■ 50/g Metall. Obi. 63 n M. steuerf. 51% Amer. 6% 1882r Bds. 79 » 60/g 1885r 77% . 99) In ein Material - Waarengeschäft '6981 avnuvJ g uaq 'uagai® Abgehend: Wegen Ausfünften und Passagen beliebe man sich an Obigen zu wenden. Palmyra Holfatia Atalanta Baltimore Bavaria Liverpool Hamburg Havre Bremen Hamburg Baltimore. New-Orleans. Von plus ttllrct / Höchst interestaut für alle Naturfreunde. 98) Ein braver fleißiger Junge, der ich auf feineres Metalldrehen einüben will, Von Donnerstag den 7. d. Mts. an werden im Oswald'schen Garten dahier zwei von der Landenge Panama stammende Albinos-Damen von 16 und 21 Jahren zur Schau ausgestellt. Diese Menschengattung hat hellrothe Augensterne und schneeweißes Lufthaar. Ihre Augen stehen nicht still, sie sind in perpendiculärcr Bewegung. Der Unterzeichnete macht besonders darauf aufmerksam, daß derartige Albinos- Damen hier noch nicht gezeigt wurden und steht es jedem Kenner frei, die Aechtheit derselben zu untersuchen. Entree ä Person 6 Kreuzer, Kinder die Hälfte. Das Cabinet ist von Nachmittags 2 Uhr bis Abends 8 Uhr geöffnet. PH. Jeuck. 'ZLX -arL Z 113 osivSuzmgF 'lalpuuuaqpjjuawg* ^Vaostz) öiargnz ^03) Die Freunde des Lahrer Hinkenden Boten werden gebeten, beim Jahreswechsel ihre Bestellungen auf die Dorfzeitung des Hinkenden Boten bei einer f?11 -1!9. ober bei der Post oder auch bei der Expedition in Lahr zu machen. Dieselbe erscheint in vierwöchentlichen Lieferungen zu 3% Sgr. oder in Wochennummern ZuThlr. 1. 12 lahrlich. Die Prämie „Winterfrcuben- (Stahlstich) ist ein Kunstwerf nn schönsten Sinne des Wortes und wird mit den nachfolgenden (Frülilinqslust u. s. w) die herrlichste Zimmerzierde bilden. ' Abonnements Concerto. 9*) Die Musik des Großh. Hessischen 2. Infanterie-Regiments beehrt sich, hiermit die ergebenste Anzeige zu machen, daß dieselbe beabsichtigt, im Lause des Winters ein neues Abonnement zu 6 Con- certen im großen Saale des (Safe Leib zu eröffnen. Die Concerte werden abwechselnd in Militär- und Streichmusik (ü la Strauß) zur Aufführung kommen. Für diejenigen Herren, welche unsere Liste nicht erreichen sollte, liegt eine solche im Cafo Leib offen. Für die Musik des Großh. Hess. 2. Jnf.-Regim.: Reifert, Musikmeister. Wechsel auf alle größeren Plätze Amerikas ebenfalls bet Chr. Wallenfels jun. Haasenstein & Vogler Zeitung s-Annoncen-Expedition in FRANKFURT AM MAIN. Filialgeschäfte: in Basel, Berlin, Hamburg, Leipzig, Wien. u 13. „ „ 13. „ 1. Februar •ud)jö^3 nk nut Pnv a0]o^ 3iq ans uznva;nff auaqjooxaü ziztzx nk vmnZ I3)uuöua0 ßvq vunusiqzK 3(pijyunit qun ajjaai Panq '(pi slsotz qun qiiot uaqaupq uidjjö aiui uoa jtpiuunu Ijv(pj9^);ja(pöuuaqi9ijuawg‘ ozuuvgzq „vaaoA aomiZ" : vui'aiZ .raq aajun dvq ^vq /9bi3?u]g auaqaß.u aiq iiiuiaiq chi afpöiu uinjijqn^ udpq'aati rnaui^ (gOT Is Epileptische HrsiaMpfe (Fallsucht) heilt der Specialarzt für Epilepsie Br. O. Killisch in Berlin, jetzt Mittelstrasse ÄTr« tt. — Auswärtige brieflich. Schon über Hundert geheilt. Mogimtia, Verstchenmgs - Gefellfchaft in Maim. fin„. "0) D-c GcsMchast versichert gcgcn Feuerschaden, Blitzschlag und Explo- b"ic». Maaren, Fabrik- und Ackcrgcrathc, Getreide und Brey zu festen, btlltgst gestellten Prämien. reitwiMgst bemkTüI§b7fonbered,CrUnfl£n bUr4 bie 3tflattcn ber Gesellschaft be- in Allendorf a. d. Lda. durch Herrn Hch. Moll, m Gießen durch Herrn Wilh. Balfer, in Lang-Göns durch Herrn Geometer Henrich, rn Lich durch Herrn Ioh. Äämmcrer, tn Wieseck durch Herrn Balth. Seibert. wird ein gut geschulter junger Mann in . , ^We gesucht. Näheres bei der Exped. findet bet sofortiger Bezahlung dauernde d. BlttS. , Stellung. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl. Die Kleinfinderschule haben ferner mit ihren Gaben bedacht: Herr Justizrath Balser, Obereinnehmer Schuster, Assessor' Bramm, Superintendent Dr. Simon, Rentner Fulda, Geh. Hofgerichtsrath Wortmann, Georg Wortmann, Kaufmann Pistor, Frau Geheimerath Dietz, Frau Rentner Block Frl. Roloff, Frl. v. Haxthausen, Frl. Mühlbeck, Herr Provinzial-Director 0r. Goldmann, Gasfabrifant Heß, Geh. Medicinalrath Dr. Phoebus, Obristlieutenant Gandenberger, Realschul-Director Dr. Stein, Major Kreuter Professor Dr. Glaser, Tabaksfabrifant Bender, Director Dr. Geist, Rentner Peters, StadtgerichtS-Assessor v. Grolman, Professor Pflug, Mitprediger- Btcar Drescher, Privatdocent Dr. Höfner, Ungenannt, Herr Geheimerath Professor Dr. Birnbaum, Professor Dr. Hesse, Rendant Bieler, Ungenannt, Geh. Justtzrath Professor Dr. Wasserschleben, Buchhändler Ricker. T el earap h i sch e r Schiffs bericht, mitKtheilt von Chr. Wallenfels, jun. Angekommen in N^ew-Bork: Das Bremer Postdampfschiff Weser, Reisedauer 13 Tage — Stunden. Angekommcn in New-Orleans: Das Hamburger Postdampfschiff Teutonia, Reisedauer 23 Tage — Stunden. Am 7. Januar Dampfschiff Smidt von Bremen nach New-Bork. „ 9. „ Postdampfer Rhein „ „ „ Feuil Soldatrnglück. NooeÜette von Heinrich Hensler. (Fortsetzung.) Die Stimmung des jungen Burschen war zuletzt ruhiger und fast weich geworden, sein fernerer Redefluß wurde plötzlich unterbrochen, er trat an das Fenster und starrte hinaus und sah an den Himmel; — er fing leise an zu weinen .... bald wurde dieses Weinen stärker, und zuletzt so krampfhaft, baß er nur mit Mühe sich aufrecht erhalten konnte. — Maria ließ auch diesen Sturm vorüber gehen, und erst als Jener ruhiger wurde, benutzte sie diesen Zeitpunkt, ihn wieder an ihre Seite zu rufen, worauf sie mit fester Stimme fragte: „Du liebst mich also, Andrea?" „Kannst Du noch fragen?" antwortete er. „So sprich mit meinem Vater,* fuhr Maria fort, „uno halte um meine Hand an !" „Ist das Dein Ernst?" fragte Andrea ernannt und sie scharf ansehend. „Mein völliger Ernst," erwieverte Maria, indem eine sanfte Röthe ihr schönes Gesicht verklärte. „Wird aber Dein Vater," fragte Andrea, „mir seine einzige Tochter zum Weibe geben?" „Ich glaube nicht," antwortete Maria. '„Was soll aber daraus werden, wenn Du das jetzt schon weißt?" fragte Andrea weiter. „Das eben will ich von Dir wissen," erwieverte Maria und fuhr nach einer Weile, während Jener stille vor sich hin sah, fort: Siehst Du nicht ein, daß, selbst wenn mein Vater so thöricht wäre, in unsere Heirath einzuwilligcn, doch nichts daraus werden könnte? Du weiß ja, daß wir nicht reich sind. Unser ganzes Vermögen besteht in dem Gute; — einige Mißjahre haben die darauf ruhende Schuldenlast so vermehrt, daß sie mit dem Werthe des Gutes in ziemlich gleicher Linie stehen. Wer das Gut einmal übernehmen will, muß die Landwirthschaft tüchtig verstehen und wenigstens etwas Vermögen haben. Beides ist bei Dir leider nicht der Fall, und deßhalb kannst Du es nicht übernehmen. Ich frage Dich aber: wie willst Du eine Familie ernähren, Andrea? Ich bin ein schichtes Bauernmädchen auf einem kleinen Torfe, kann, also keine großen Ansprüche machen, darum verlange ich auch kein glänzendes Loos; ist das aber Deine ganze Liebe zu mir, daß Du mir zumuthest, mit Dir betteln zu gehen — denn Dein Dienst ernährt ja kaum Dich selbst — so erkläre ich Dir hiermit, daß ich in keinem Falle darauf eingehen würde, einen Ziegenhirten zu heirathen, überhaupt Niemanden, der nicht im Stande ist, eine Familie zu ernähren, und selbst dann nicht, wenn mein Vater seine Einwilligung dazu gäbe, oder es haben wollte." Andrea hatte dem Mädchen, ruhig werdend, zugehört, und sagte nun, als dasselbe schwieg: „Glaubst Du denn, ich würde Dir je zumuthen, meine Frau zu werden, so lange ich nichts als ein verächtlicher Ziegenhirte bin? Zweifelst Du daran, daß ich den Muth in mir habe und die Kraft, etwas Tüchtiges zu werden, wenn ich die Hoffnung habe, Dich dereinst als mein Weib heimführen zu können? Sage mir, daß Du mich liebst, daß Du, wenn ich Dir ein anständiges Loos bieten kann, mich heirathen willst, dann gehe ich heute, in dieser Stunde fort, und die Welt soll sehen, daß ich zu etwas Anderem geboren bin, als mein Leben lang Ziegen zu hüten. Nur drei Jahre sollst Du warten; — Maria! wie schnell Hetzen drei Jahre vorüber! Ja, wenn ich Dir nicht schon in der Hälfte dieser Zeit schreiben kann, daß ich auf dem besten Wege bin, meine Absicht zu erreichen, dann bist Du von Deiner Zusage befreit und kannst thun, was Du willst. Ich muß Beweise darüber beibringen, triftige Beweise, daß es so ist, wie ich Dir schreibe. Du bist erst achtzehn Jahre alt und kannst recht gut warten; Du würdest es gewiß gerne thun, wenn Du mich nur halb so gerne hättest, wie ich Dich habe." „Seit vier Jahren bist Du Ziegenhirte bei uns," versetzte Maria, „warum hast Du während dieser ganzen Zeit nichts Besseres angefangen, wenn es Dir mit diesem Vorhaben Ernst ist? „Das will ich Dir sagen," erwieverte Andrea, ohne sich zu besinnen. „Als ich hier in das Haus kam, waren wir Beide noch Kinder. Ich hatte Dich wohl schon in den ersten Tagen lieb gewonnen, das waren aber Kindereien, und erst später, wie ich Dich zur schönen Jungfrau herannahen sah, Dein gutes Herz kennen lernte und Deinen Verstand, — und wie bei mir die Reife der Jahre eintrat, daß ich alle diese Eigenschaften schätzen lernte, — erst dann enstanv die Leidenschaft in mir, welche jetzt so mächtig ist, daß sie meine Brust zu zersprengen droht, und daß ich sie unmöglich bewältigen kann. Erst mit dem Entstehen und Wachsen dieser Leidenschaft fühlte ich das Unwürdige meiner Lage, — täglich wurde mein Verlangen größer, etwas Anderes zu ergreifen, um mich Deiner Gegenliebe würdig zu machen, — aber da trat Battista wie ein böser Geist zwischen mich und meine Pläne. Ich merkte bald, wie Dein Vater ihn lieb gewann, und daß er auch Dein Wohlgefallen sich zu erwerben gewußt hatte. Da entstand Eifersucht in mir, — sic wuchs mit meiner Liebe nnd machte mich unglücklich, je mehr ich Ursache dazu erhielt. Ich fühlte, daß ich ihm das Feld nicht räumen durfte, ihm, der mir das Liebste, das Einzige, was mir das Leben erträglich macht, zu entreißen drohte. Was hätte es mir geholfen, was hilft es mir heute noch, wenn ich fortgehe und nach drei Jahren wieder komme und Dir ein Loos anbieten kann, das Deiner würdig ist, — ich treffe Dich aber als die Frau eines Andern, des mir in den Tod verhaßten Nebenbuhlers — für mich auf immer verloren! O, ich darf das gar nicht denken, ich würde sonst wahnsinnig werden!" Damit sprang er auf und lief wie früher in heftigster Aufregung in der Stube hin und her. „Andrea," sagte nun Maria nach kurzer Puuse, „Du mußt ruhig bleiben und mich ruhig anhören, bis ich zu Ende bin. Komm, setze Dich wieder her zu mir und höre weiter und bis zu Ende, was ich Dir sagen will und nicht länger vorenthalten darf. Ich könnte allerdings noch recht gut drei Jahre und auch noch länger warten, es würde aber noch immer ein Anstand zu beseitigen sein, wenn auch der Vater einwilligte. Du weißt ja, daß mein Vater schon seit einigen Jahren krank ist und nichts mehr arbeiten kann, wenigstens nichts von Bedeutung. Es ist leider nicht die mindeste Hoffnung da, .daß es noch aw l e t o n. bers in seinem Leben wird. Du weißt auch, daß wir kein Vermögen Haben,— wovon soll mein Vater nun in diesen drei Jahren leben? Es ist doch nicht zu bezweifeln, daß Battista, so wie der Vater ihm meine Hand versagt, augenblicklich aus dem Dienste tritt und das Gut verläßt. Wo wird er einen andern Oberknecht finden, der im Stande ist, das zu leisten, was dieser leistet? Glaubst Du, er würde Tag und Nacht so unverdrossen arbeiten, wie er es dermalen schon seit zwei Jahren thut, wenn er nicht die Hoffnung und die Zusicherung hätte, dermal einst Eigenchümer des Gutes zu werden? Glaubst Du, ich würde auf dieser Welt noch eine ruhige Stunde haben, und in jener Welt mit gutem Gewissen und ohne Furcht vor einer ewigen Verdammniß vor meinem Richter stehen können, wenn ich Schuld daran wäre, daß mein Vater in seinen alten Tagen das Gut verlassen und darben müßte? Auf mich kommt doch bei der ganzen Sache am wenigsten an. Der Vater will und muß das Gut erhalten, damit er nicht darben oder gar, was unausbleiblich wäre, betteln muß. Das kann nur geschehen, wenn er mich an Battista verheirathet; dadurch bin ich auch im Stande, ihn kindlich zu verpflegen, was ja meine Schuldigkeit ist. Das hat er mir vorgestellt, wir haben Alles reiflich hin und her überlegt, aber keinen andern Ausweg gefunden. Deßhalb hat der Vater dem Battista meine Hand zugesagt, und deßhalb konnte ich mich unmöglich weigern, mein Jawort zu geben. Ich betrachte Dich als meinen Freund, lieber Andrea, als meinen verständigen, wohlmeinenden Freund, und ich frage Dich auf Dein Gewissen: was würdest Du in diesem Falle an meiner Stelle gethan haben? Denke aher dabei nicht an Dich, sondern nur an mich, an meine kindliche Pflicht, die mir das Nächste ist, worauf es hier allein ankommt, — und Du wirst gewiß, das bin ich überzeugt, auch keinen Augenblick zweifelhaft sein." Andrea war wieder aufgesprungen, — Maria war zu schwach, ihn zurückzuhalten — und war an das Fenster getreten, doch sah er nicht hinaus,-sondern er bedeckte das Gesicht mit seinen Händen. Gewaltig hob und senkte sich seine Brust, man sah deutlich, wie er sich Mühe gab, die Gefühle, welche sein Inneres durchtobten, zurückzudrängen . . . einzelne Thränen entfielen seinen Augen. Maria war leise an Andreas Seite getreten, sie legte ihre Hand auf seine Schulter und fuhr fort, zu ihm zu sprechen, doch war auch ihre Brust von mächtigen Gefühlen aufgeregt, weshalb ihre Stimme zitterte: „Siehe, lieber Andrea!" sagte sie, „wenn Du in die Fremde gehst, um Dein Glück zu suchen, so wirst Du bald unser stilles Dörfchen und seine Bewohner vergessen haben, — das ist so der Welt Lauf. Wenn Du ein anderes Leben anfängst und thätig wirst, so kann es nicht fehlen, daß die vielfachen neuen Eindrücke, welche sie Dir allenthalben darbieten werden, Dich — wenigstens nach und' nach — andern Sinnes machen. Du wirst bald Alles mit ganz anderen Augen ansehen, als wie hier, wo Du den ganzen Tag, ohne durch irgend eine Beschäftigung gestört zu werden, immer nur einerlei Gedanken hattest und Pläne^ machtest, die vielleicht recht schön waren, aber doch nicht verwirklicht werden konnten. Es gibt ja noch viele Mädchen in der Welt, die viel hübscher, besser und reicher sind, als ich, und deren Eine, die Dich lieben wird, Du gewiß findest, wenn Du Dir einmal Etwas erworben hast, oder im Stande bist, eine Familie zu ernähren. Füge Dich in-das Unvermeidliche, denke, es kann einmal nicht fein, und sei ein Mann!" Andrea wandte sich plötzlich um und sah Marien an; — sein Gesicht war blaß, aber seine Augen funkelten von einem unheimlichen Feuer, indem er mit unterdrückter Stimme fragte: „Liebst Du denn Battista?" Maria schlug erröthend die Augen nieder und sagte: „Ich bin, wie ich Dir schon gesagt habe, nur die zweite Person bei diesem Handel. Mein Vater befiehlt, — ich sehe, daß er Recht hat, daß es kein anderes Mittel giebt, um hier zu helfen, und ich gehorche, weil es die Kindes- pflicht so haben will. Ich gehorche sogar gerne, denn Battista ist ein braver Bursche, der meinen alten kränklichen Vater wie ein liebender Sohn behandelt; darum mag ich ihn auch wohl leiden. Wie kann es bei mir und in meinen Verhältnissen darauf ankommen, was mein Herz dazu sagt? „Du willst mir ausweichen, Maria," sagte Andrea, „ich lasse mich aber nicht täuschen. Du liebst den Battista, Du hast nicht nöthig, es mir zu sagen; ich habe es längst gemerkt, — sonst würdest Du auch auf meine Frage mit einem einfachen „Nein, ich liebe ihn nicht" geantwortet haben." „Uno wenn es so wäre," erwieverte Jene in größter Ruhe, „wäre VaS was Unrechtes? Wer gibt Dir überhaupt ein Recht, darnach zu fragen?" „Ich habe allerdings kein Recht dazu," antwortete Andrea, „doch sehe ich aus Allem, daß Du schon lange Zeit ein falsches Spiel mit mir getrieben hast." „Ein falsches Spiel hätte ich mit Dir getrieben?" unterbrach ihn Maria mit Lebhaftigkeit. „Wer kann das sagen? Habe ich Dir je ein Versprechen gegeben, das ich nicht gehalten hätte — habe ich Dir je Hoffnung auf meine Liebe gemacht? Es ist wahr, ich habe längst gemerkt, daß ich Dir nicht gleich- gültig bin — ich habe gesehen, wie Du Dir Mühe gabst, mir zu Gefallen zu leben, und wie Du mit aller Bereitwilligkeit jeden Dienst mir leistetest, um den ich ansprach, over von dem Du glaubtest, daß er mir angenehm oder doch erwünscht sei; — das habe ich mit Wohlgefallen bemerkt, und deshalb wurde ich Dir im Herzen gut und ich nahm Dich jederzeit in Schutz, wo und wie ich konnte, und wenn Alle über Dich klagten, und kein gutes Haar an Dir ließen, so vertheidigte ich Dich immer gerne. Und nie werde ich es Dir vergessen, daß Du mich gerettet hast, als ich aus Unachtsamkeit in den Bach gefallen war. Hast Du dieses Wohlwollen aber für Liebe genommen, — für eine Leidenschaft, welche im Stande sein könnte, mich die Pflicht vergessen zu lassen, die mir die Religion gegen den Vater auferlegt — so thut es mir leid, es war jedenfalls gegen meine Absicht. Ich werde Dir stets ein aufrichtiges Gefühl der Dankbarkeit und Theilnahme bewahren, und meine besten Wünsche für Dein Wohlergehen werden Dich auf Deinen ferneren Lebenswegen begleiten. Ueberlege Dir Alles wohl, was ich Dir gesagt habe, Dein Verstand wird Dir gewiß den richtigen Weg zeigen. Gehe jetzt hinaus, unsere Leute kommen, und die sollen Dich nicht bei mir antreffen, der Vater zankt uns sonst tüchtig." Andrea warf noch einen schmerzlichen Blick auf Maria — dann eilte er hinaus und ging in seine Kammer. Er war nicht bei dem Mittagessen — er war mit schnellen Schritten aus dem Hause gegangen, — Niemand wußte wohin. — (Fortsetzung folgt.) Berlin, 4. Ian. Die vfficiösen Hetzereien zwischen hier unv Wien nehmen tagtäglich zu. Das Publikum fragt sich, was der Streit zu bedeuten habe, und weiß nichts darauf zu erwiedern; es weiß nur, daß es unverzeihlich ist, in solcher Weise die Beziehungen zwischen Preußen und Oesterreich zu stören, deren Aufgabe es unmöglich sein kann, von Neuem Hader mit einander anzufangen. Der Vorwurf, Beust treibe eine kriegerische Politik, ist gerade so unsinnig, wie der andere, es werde hier auf allerhand neue Plane gesonnen, sei es, um Preußen zu vergrößern, oder Rumänien auf Kosten Oesterreichs zu begünstigen. B,s auf den türkisch - griechischen Streit, der seiner zeitweiligen Beilegung entgegen zu gehen scheint, existirt keine auswärtige Frage, die ernstlich beunruhigen könnte, und wenn gleichwohl die Osficiösen, bloS um beschäftigt zu sein und sich bei ihren Dienstherren angenehm zu machen, eine Menge Staub aufwirbeln, so sollte in diesem leichtfertigen Treiben eine Aufforderung an die Kammer liegen, noch bti Schlußberathung die für die officiöse Presse ausgeWorfenen Summen vom Etat ganz ab- zusctzen. In dem mit den österreichischen Officiösen angefangencn Streit wird nichts als leeres Stroh gedroschen; Hr. Braß benutzt obendrein die Gelegenheit, sein liebes Ich herauszukehren und diese Reklamen mit Staatszuschuß drucken zu lassen. — Die in Aussicht genommene Bundessteuer soll, wie verlautet, so angelegt werden, daß sie mindestens 20 Millionen per Jahr abwirft. Es heißt, sie solle eine indirrcte Steuer werden. Bei Brrathung derselben wird d»r Reichsrath zu zeigen haben, was er politisch zu leisten im Stande ist. Die Majorität gibt wahrscheinlich den Forderungen des Bundeskanzlers nach. Berlin, 4. Jan. Dem „Hamb. Corr." wird von hier gemeldet: „Der König empfing am Neu- jahr die Minister und die Generalität. An der Spitze der Letzteren verlas der General-Feltmarschall Wrangel eine kurze Ansprache, in welcher er die Glückwünsche der Generäle darbrachte; es möge dem Könige vergönnt sein, die Ziele zu erreichen, welche er sich vorgesteckt habe. Der König antwortete in längerer Rede, in welcher er auf die friedliche Situation bei Beginn des neuen Jahres hinwies und betonte, wie er mit Grund die Erhaltung des Friedens und unter dessen Auspicien die Erreichung seiner Zwecke zum Heile seines Vaterlandes erhoffe, wobei er der Mitwirkung des unter den Generalen anwesenden Grafen Bismarck gedachte." München, 5. Jan. Die „Eorrespondenz Hoffmann" meldet: mit der größten Bereitwilligkeit habe die preußische Staatsregierung die Erhebung von Permissionsgebühren und die Stellung der Eaution für die Angehörigen süddeutscher Staaten, welche ihren Wohnsitz in Frankfurt nehmen wollen, abgeschafft. Wien, 2, Jan. Die Neujahrsconferenz der beiden Grafen und Minister Beust und Andrassy soll zu einer vollständigen Aussöhnung geführt haben. Die Fama erzählt, daß der Reichskanzler durch die ungarischen Kundgebungen gegen seine „deutsche Po- litik" auf'S Aeußerste gereizt, dem Kaiser erklärt habe, er müsse sein Amt nitderlegen, wenn ihm von Pesth aus entgegengearbeitet werde. Hierauf habe Franz Joseph L den Grafen Andrassy nach Wien beschieden und demselben ein harmonisches Zusammengehen mit dem Reichskanzler anempfohlen. Graf Beust soll dem ungarischen Ministerpräsidenten die bestimmteste Versicherung gegeben haben, daß er et- waige französische Reclamationen wegen Nordschleswig oder wegen der preußischen Verträge mit den süddeutfchen Staaten in keiner Weise unterstützen werde. Ob die „Aussöhnung" Bestand hat, ist sehr fraglich. Der österreichisch ungarische Dualismus beweist ja durch sich selbst, daß feine Einheit der poli- tischen Int-ressen und des politischen Willens besteht. Die beiden Mittelpunkte Wien und Pesth sind die Centrcn divergirender politischer und staatswirth- schaftlichcr B strebungen. Die Niederlage der Deal- Partei bei den bevorstehenden Wahlen zum Abgeorv- netenhause würde sofort daS ganze dualistische System in Frage stellen, denn die siegreiche Opposition würde unverzüglich den letzten Rest von realer Gemeinsamkeit, das Institut der Del.gationen, beseitigen und nur noch die nominelle Verbindung Ungarns und Oesterreichs durch die Person des Königs und Kaisers bestehen lassen. Paris, 2. Jan. Die Eonferenz tritt, aller Wahrieoein ichkeit nach, am 9. Januar zusammen. An der ersten Sitzung sollen nur die Vertreter der Vertragsmaate von 1^56 Theil nehmen; Frankreich soll nach Eileeigung der üblichen Formalitäten t Prüfung der Vollmachten, Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Hrn. v. Lavalette,) den Antrag stellen, den Vertreter Griechenlands am hiesigen Hofe zur Theil- nahme an den ferneren Sitzungen einzuladen, und Hr. Rangabeh ist im Voraus ermächtigt, dieser Einladung zu folgen und der Eonferenz alle Aufschlüsse zu geben, jwelche diese von ihm fordern könnte. Vertraulich hat, wie man in diplomatischen Kreisen weiß, der griechische Gesandte die Instruction erhal- ten, sein Benehmen in zweifelhaften Fällen den Rath- schlägen des russischen Botschafters Grafen Stackel- berg anzupassen. Der letztere Diplomat wird am Ouai d'Orsay Gelegenheit finden, das Maß seiner Fähigkeiten zu geben, denn seine Regierung hat ihm die interessante Aufgabe gestellt, sachlich in keinem Punkte ernste Schwierigkeiten zu machen, und doch auf eine derartige Redaction der Conferenzbeschlüsse hinzuarbeiten, daß dieselben auch für das geübteste Auge die Niederlage der russischen Politik im Orient nicht erkennen ließen. Es bestätigt sich übrigens, daß nur Punkt 4 und 5 des türkischen Ultimatums zu einer längeren Discussion Anlaß geben werden. London, 4. Jan. Sir Richard Mayne, der am 27. Dec. v. I. verstorbene Pol'zeichef, war der erste Chef, welcher eine regelmäßige Polizei regierte. Bis zur Amtspcriode Sir Robert Peeles des Vaters befand sich die Aufrechthaltung der öffentlichen Si- cherheit nur in den Händen höheren Alters. Die „Charlies", wie der Volksmund sie nannte, bestanden in einem Corps von Tag - und Nachtwächtern, die sich zumeist vor den Bösewichtern mehr fürchteten, als diese vor ihnen. Es war dieß die Blüthe- zeit Londoner Straßenromantik, wie ein Ainsworth sie schildert. Ein anderer Schriftsteller meint, die Polizeigcwalt habe in jener Zeit sich unzulänglich erwiesen, weil menschliches Rühren den Pflichteifer bemeisterte, in dem Gedanken, daß jeder, der von ihnen zum Gewahrsam gebracht wurde, eigentlich als Toveöcandidat betrachtet werden konnte, sintemal für nichts weniger als 300 Vergehen der Strang in Aussicht stand. Es war jene Periode, und sie ging dem vor vierzig Jagren erfolgten Amtsantritt von Sir Richard Mayne nur um ein halbes Menschenalter voraus, wo man rudelweise hängte — ein summarisches Verfahren, welches nach Angabe bedeutender Gesetzes- und Gerichtskundiger die Statistik um die Notiz bereicherte, wonach während der letzten 70 Jahre nicht weniger als 54 Unschuldige im Namen der anderthalb Millionen englischer Gesetze in die andere Welt spedirt worden sind. Daß es Sir Richard Mayne gelungen, das polizeiliche Chaos zu ordnen und einen Polizeidicnst herzurichtcn, der sich aus dem Volke, nicht aus dem Militär recru- tirt, und doch im Ganzen mit vorzüglicher Präcision zusammenarbeitet, ist ein bedeutendes Verdienst. Konstantinopel, 4. Jan. Die Vereinigten Staaten haben sich geweigert, die Hellenen zu schützen. Die Pforte hat entschieden, daß die Griechen, welche in Griechenland, oder in der Türkei von griechischen Eltern geboren sind, in der Türkei bleiben dürfen, unter der Bedingung, daß sie sich den türkischen Gesetzen unterwerfen. Die Pforte wird jedoch darauf bestehen, daß diejenigen Individuen, welche sich zur griechischen Nationalität zählen, ausgewiesen werden, wofern sie nicht türkische Untertanen werden. -r i. > ■ Vermischtes. Offenbach. Am Sylvestcrabeud starb dahier Herr I. Pirazzi sen., eine auch in weiteren Kreisen bekannte und allgemein geachtete Persönlichkeit. Frankfurt. In der verflossenen Neujahrsnacht ereignete sich ein sehr beklagenswertheS Unglück, indem ein fünfjähriger Knabe um Mitternacht auS dem vierten Stock auf die Straße fiel und augenblicklich todt war. Die Eltern hatten sich nach Sachsenhausen begeben, und das Kind, von dem glaubten, es werde fortschlafen, allein gelassen. Als Mitternacht herankam, machte es das Fenster auf, um auf die Straße zu sehen, und stürzte herab. Bremen. Auf der preußischen Barke „Cayaltil" (?), welche am 1. Februar v. I. mit einem Cargo von 50 Kulis an Bord unter amerikanischer Flagge von Callao nach Arequipa (etwa zwei Tagereisen) abgesegelt war, ist eine Meuterei ausgebrochen. Ter Eigenthümer des Schiffs und der auf dem französischen Fahrzeug „Providencia" au« China importirten Kulis befand sich an Bord und führte etwa 20,000 Dollar baar mit sich. Anr Morgen nach der Abreise bemächtigten die Kulis sich der Bemannung, tödteten den zweiten Steuermann und den am Ruder befindlichen Matrosen. Der Capitän und der erste Steuermann, welche sich in ihren Cajüten befanden, warfen einige Holzbänke zum Fenster hinaus und gedachten sich mit Hülfe derselben schwimmend an'S Ufer zu retten; doch kaum hatten die Kulis dieß gemerkt, als sie ein Boot herabließen, die beiden verfolgten und int Wasser tödteten. Dann kam die Reihe an die sRannschaft, welche — es waren ihrer 9, Amerikaner, Portugiesen und Spanier — zuerst an Händen und Fußen gefesselt, dann sämmtlich neben einander an ein Tau gebunden, und, nachdem letzteres noch durch einen Anker beschwert war, in« Meer gestürzt wurden, wo sie natürlich sofort sanken. Noch blieb der Eigenthümer mit seinem Diener, einem ergebenen Chinesen, vor welchem die Kuli« sich fürchteten, da dieselben mit Revolvern bewaffnet waren. Der Diener brachte eiüen Ausgleich zu Stande, aber erst nachdem sein Herr seine Waffen ausgeliefert hatte. Die Meuterer, de« Segelns unkundig, durchkreuzten den stillen Ocean, mehr als 10,000 Meilen, ohne unterwegs Land oder Schiffe anzutreffen, brs sie endlich am 23. April an der Halbinsel Kamschatka anlegten, und den SchiffSeigenthümer nebst seinem Diener «n« Land setzten. Diese erreichten bald eine kleine Ansiedlung, während die Kulis bei einem starken Ostwind gen Westen fuhren. Seitdem hat man uichtö mehr von ihnen gehört, und man glaubt, daß das Schiff, irgendwo im ochotzkischen Meer untergegangen ist. Heidelberg. „Wie der liebe Gott heut zu Tage Wunder macht", ist der Titel einer eben so einfach als ergreifend geschriebenen Erzählung im „Kalender de« Lahrer Hinkenden Boten", in welchem das Schicksal einer Bahnwarts-Familie geschildert wird. Die Wirkung auf die zahlreichen Leser des Kalenders ist eine so außerordentliche, daß von allen Seiten Beisteuern für die in der Nähe von Heidelberg lebende Bahn- wartSwitiwe mit ihren sieben Kidern eingehen. Wie wir vernehmen, hat der Verleger den Erzähler der Geschichte benachrichtigt, daß er der Witiwe zu Weihnachten als erstes Geschenk 1200 fl. übergeben könne. Schweiz. Vor derm Obergerichte des Cantons Appenzell a. R. ist soeben jener angeblich russische Fürst Obelinsky, der vorigen Sommer in Heiden als Curgast auftauchte und kurz darauf wegen Diebstahls verhaftet wurde, zu einem Jahr Zuchthaus und Cantonsverweisuug verurlheilt worden. Dieser „Fürst" ging auS der Untersuchung als ein Israelite auS dem russischen Gouvernement Grodno hervor und heißt Mereschinöky. Er war bei seiner Verhaftung im Besitze von mehr al« 9000 Francs, größtenteils in Gold, über welche Summe er keinen irgendwie haltbaren Ausweis zu leisten im Stande war. Während seiner kurzen Anwesenheit in Heiden war in dem Zimmer zweier schwedischen Damen die Commode erbrochen, aber, wahrscheinlich weil sich keine Werthsachen in derselben befanden, nichts daraus entwendet, sodann einem der eben ange- kommencn Kurgäste ein Koffer geöffnet und einige Effekten (welche nun spurlos verspwunben sind) daraus genommen worden, und endlich einer Glarner Dame 200 Francs und einer englischen Lady 2000 Francs an Golb abhanden gekommen. Die beiden letzten Diebstähle waren e« denn auch, welche Mereschinsky zu Fall brachten. Es stellte sich heraus, daß derselbe in der Tepedance des Gasthofes, wo er zuerst wohnte, und wo die 200 Francs entwendet wurden, sich, angeblich eines kranken Fußes wegen, die Speisen auf sein Zimmer hatte bringen lassen und sodann, während et und da« Dienstmädchen sich allein im Hause befanden, diesem immer Aufträge zur Besorgung außer dem Hause übergab, sowie daß er im Gasthofe selbst, bevor er noch dort einziehrn konnte, sich in auffallendster Weise nach den Zimmern der englischen Damen und denjenigen ihrer Dienerschaft erkundigt und den Wunsch geäußert hat, in ihrer Nähe ein Zimmer zu erhalten. Es wurde ferner bemerkt, daß derselbe in Cannstatt, wo er sich fünf Tage aufge- halten, und in Bregenz, wo er einmal übernachtet hat, sich fremdes Eigenthum angeeignet, welche« zum größten Theile noch bei ihm gefunden wurde. Endlich ist wegen seine« Aufenthalt« in Vaden (Aargau) sein Zimmernachbar, ein römischer Graf, um 2000 Franc«, und nachdem er sich von da nach Ragatz begeben, an letzterem Orte eine Dame um circa 800 Franc« bestohlen worden, welche zwei Diebstähle er aber, obwohl auch von dort her die dringendsten Verdachtsgrüiide gegen ihn sprechen, eben so konsequent ableugnete, wie die in Heiden eingeklagten Diebereien. Man konnte auch unmöglich zu seinen Gunsten auslegen, daß er überall, wo er sich aufgehalten, sich einen falschen Namen beigelegt hat, indem er in Cannstatt „Bergmann aus der Nähe von Wien", in Bregenz „Karl Palmer aus Ofen", ix Baden „Legations Eecreiär Drenakin au« Wien", in Ragatz „Legations.Secretär Rosnoff au« Moskau" und endlich in Heiden „Fürst Obelinsky au« Rußland" beißen wollte. Der Berurtheilte muß übrigens ganz eigenthümlichen Begriff von der Schweizer Justiz gehabt haben, denn vor Gericht bat er, man möchte ihm statt Gefang- niß' eine „Giftftrafe" geben, wozu ihn namentlich die Aussicht einer viermaligen Auslieferung und einer wegen de« Gebrauches falscher Namen k. , nach seiner Aussage, in Rußland auf ihn wartenden Verbannung nach Sibirien bewogen haben mag. — (Eine praktische Erfindung ) Um da« Herab- trüpfeln von Wasser an dem Umfange von Regenschirmen zu verhindern, bringt man in Paris, wie die Jnduftrieblätter berichten, ring« nm deren äußeren Umfang eine Rmne an, welche an einer Stelle in einen Ausguß mündet, durch welchen sämmt- liches Wasser abfließt. Zu diesem Zweck ist ein 1 bi« l'/r Zoll breite« Band von gleichem Material, tote dte Schtrmdecke mit seiner unteren Kante fest auf die äußere Schirmfläche aufgenähet; an jedem Schirmstab ist ein kleiner hölzerner oder metallener Träger mit Charnier angebracht, an dem da« Band befestigt ist, und der, wenn der Schirm geschlossen ist, dicht gegen den Stab anliegt, da fein oberes Ende durch eine Feder ober ein Stück vulkanisirten Kautschuck einige Zoll höher mit dem Stabe verbunden ist. Beim Oeffnen des Schirmes dagegen stellen sich die Träger fast senkrecht und erhalten so die durch das Band gebildete Rinne offen; dieß wird durch Schnüre bewirkt, welche von den inneren Stegen aus durch Oeffnungen unter der Rinne nach dem Obertheile der Träger gehen und durch die Bewegung der Stege beim Oeffnen des Schirmes angezogen werden. — Al« Ursache des Tönen« der frei hängenden Telegra- phendrähte wirb gewöhnlich bet Winb angesehen, der die Drähte direct in Schwingungen versetze, wie er den Saiten der Aeolsharfe Töne entlockt. Bahnmeister Bug lZeitschr. d. d. - österreich. Telgrphn. Vrn.) hält jedoch diese Erklärung nicht für die richtige, da das Tönen bei vollständiger Windstille auftrete und die Drähte z. B. an stillen Wintermorgen, fingerdick mit Reif bedeckt, Schwingungen vollsuhrteu, auch wenn sich kein Lüftchen rührte. Die Enlstehungsursache des Tönen« sei nicht der Wind, sondern Temperalurschwankungen. Besonders trete daS Tönen bei Wirkung der Kälte auf, indem diese eine Verkürzung de« Drahte« erzeugt, welche sich über möglichst große Stellen desselben sortpflanzt, en den BefestigungsstelleU eine Reibung und somit ein Tönen bet Drähte und der Stan, gen veranlaßt. Hiermit stimmt auch die Thatsache, daß die Stangen mit einem oder wenigen Drähten viel lauter tönen, als die mit vielen Drähten belasteten, weil diese durch die Reibung weniger zum Schwingen gebischt werden. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fjr. CHr. Pietsch) in Gießen.