■n®$tang Qtaen «VS „l,?nb 4jbit *ÄTS S»T, »-M. «ta. belief L 4l‘ Wlfh ' nL"' ii-tta» M®«, d» tu, 9(C!I< Mirich, t" m Tpnvd' tieftlbcn für 01 fl” d-r Hölsy ^Hrol vjcht ftb :°ifl 65| nämlich ^tttibfunblgtn " da« lanb «ü *> ö0 ü. jrboch. >«1 Kch bi« «rl)«in. Äuritt“ b«. vklch« tob a(|ge» Kinjqrtanfr. Hildebrandt'schen weissen Kräuter-Briist-Syrup, welcher in Flaschen ä 1 fl. 45 fr., 54 fr. und 27 fr. in Gießen allein ächt vorräthig ist bei (10175) Carl Frech. 10154) Strohdeckcn in großer Auswahl sind stets vorräthig bei Hermann DickorS, _______________________Neuenbäuen. 10188) Zimmerspäne sind zu verkaufen bei PH- Bauer, Schreiner, ______________________Mühlgasse.________ 10168) Eine gut erhaltene Mange wird zu billigem Preise abgegeben, weil der Ei- aenthümer verzogen ist. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts. 10180) Zwei junge Hunde, 4>/r Monat alt, von gleicher Größe, schön weiß und grau gefleckt und stark gewachsen, welche ein sehr schönes Gespann gäbe, sind aus freier Hand zu verkaufen. Johannes Feller L, ___________________in Großen-Linden. 10161) Ein Garten, am Wismarer Weg gelegen, ist zu verkaufen. Näheres bei _______________Carl Aug. Faber. 10186) Ich bin Willens, mein Haus nebst Wirthschaft und Flaschenbier-Verkauf über die Straße auf mehrere Jahre zu verpachten. E. Pausch, am Asterweg. Vermiethungen 10185) Drei Familienwohnungen sind zu vermiethen bei Philipp Schmal!, Mühlgasse. 10181) Ein Familienlogis ist zu vermiethen bei CarlMetzger, ____________________in der Marktstraße. 10163) In den Neuenbäuen Nr. 82 ist ein geräumiges unmöblirtes Zimmer (Parterre) sogleich zu vermiethen. 10167) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei Chr. Zinßer, Wallthorstraße. 10172) Ein möblirtes freundliches Zimmer. Fr. Bieler, am Kreuz. 10177) In Lit- B- Nr. 7 am Kirchenplatz ist eine möblirte Stube zu vermiethen. 10155) In meinem neu erbauten Hause vor dem Neuenweger Thor ist eine Man- sarden-Wohnung mit Cabinet, entweder mit oder auch ohne Möbel, zu vermiethen. Carl Kaspar, Maurermeister. 10159) Ein kleines möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei G- Vogt, Kupferschmied. 10150) Ein Familienlogis ist zu vermiethen. Bei wem? sagt die Exped. d. Bltts. 101571 Ein freundliches Familienlogis, bestehend aus 2 Stuben mit Cabinet und Mansardenzimmer, ist an eine stille Familie zu vermiethen und den 1. December d. I. zu beziehen. Auch ist ein Zimmer als Geschäftslocal mit geräumiger Werkstätte, nebst Kammer rc., auf denselben Termin zu vermiethen. Zu erfragen bei Heinrich Brauburger, ___________________________Lackirer.______________ 10152) Ein möblirtes Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei H. Rübsamen, Mäusburg. 10153) Das seither von Frau Kammerdirector Langermann bewohnt gewesene Logis ist alsbald anderweit zu vermiethen. Louis Busch Wittwe. 10162) Ein Familienlogis ist zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. 10149) Eine Wohnung von 4 Zimmern, 1 Cabinet, Küche und Zubehör in meinem Nebenhause ist sofort zu vermiethen. P i t t h a n. Vermischte Anzeigen. 10193) Am Sonntag den 24. October wurde in den oberen Localitäten des Cafä Ebel ein seidener gegen einen baumwollenen Regenschirm vertauscht und wird der Besitzer aufgefordert, den Umtausch bei Herrn W- Mosler zu veranlassen. Concordia. 10191) Samstag den 6. November, Abends halb 9 Uhr: Generalversammlung. __________________ Der Vorstand. 10174) An guter Lage der Stadt suchen wir, für den Monat März n. I. beziehbar womöglich ebener Erde — zwei ineinandergehende Zimmer, nebst Hof und Lager - Näumlichkeiten und Keller. — Wir bitten, gefällige Anerbietungen auf unser Comptoir gelangen zu lassen. Gebrüder Mayer. Bekanntmachung. 10184) Alle Gegenstände, welche bei mir über 3 Monate versetzt sind, bitte ich bis zum 14. d. Mts. gefälligst zu prolongiren, als sonst dieselben öffentlich versteigert werden. Gießen, den 1. November 1869. K Grünebaum, 10182) In der Schloßgasse Lit. A. Nr. 254, zwei Stiegen hoch, wird sofort ein tüchtiges Laufmädchen gesucht. Auch kann daselbst ein Faß abgegeben werden, in welchem seither Rothwein war. ioi64) Zugelaufen am 16. d. Mts. eine gelbe Mutterhündin englischer Race (Windspiel), und kann der Eigenthümer dieselbe gegen Entrichtung der Jnseratgebühren, sowie entsprechendes Futtergeld, bei mir wieder in Empfang nehmen. Der Sections-Vorsteher zu Lollar: ____________Schmulback._________ 10178) Ein weißeS Hündchen, etwa r hoch, mit schwarzer Schnauze, braunen Flecken um die Augen und einem auf dem Rücken, ist entlaufen. Der, dem es zugelaufen, wird gebeten, dasselbe gegen Belohnung bei Herrn Kaufm. Wallach (Markt) abzugeben.________________________________ 10176) Auf dem Wege von Gießen nach Heuchelheim ist eine Bergwerksflur-Karte verloren worden. Der redliche Finder wird gebeten, dieselbe gegen eine Belohnung bei der Exped. d. Bltts. wieder abzugeben. 10105) Gesucht werden zwei Wagner, Küfer, oder Zimmerleute zum Holzaushauen. Dieselben haben den ganzen Winter Beschäftigung bei Laistettmacher John Anzer, Lindenplatz. Jmmobilien-Versteigerunq. 10194) Dienstag den 28. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, sollen auf dahiesigem Rathhause die dem Jacob Konrad Theodor Martin Braun gehörigen Grundstücke, wie solche nachstehend verzeichnet sind, versteigert werden, als: Klar Nr. □•Rlftr. 5/io.5U.io6 158 Acker an der Broßbrücke, gibt 43Vz fr- Grundrente; V462 734 Acker am Krofdorfer Weg, gibt 1 fl. 38V2 fr. 8/24 494 Acker zwischen dem Stadtgut und großem Grasweg; rjj. i Acker im Gänswinkel am J,62 io Mittelweg und theils im /“ 78 \ Gent. Gießen, den 30. October 1869. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. K. Vogt. Badische allgemeine Versmgungsanstalt irr Karlsruhe, gegründet im Jahre 183 5. Grundkapital Neun Millionen Gulden« 10107) Die für das Jahr 1869 zur Vertheilung kommenden nach den Rech- nungsergebnifsen wachsenden Leibrenten können vom 1. November an bei dem Unterzeichneten, gegen Vorzeigung der betreffenten Rentenscheine, von den Berechtigten in Empfang genommen werden. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die XXV. Jahresgesellschaft in Bildung begriffen ist und bereits 664 Einlagen mit einem Einlagekapital von 38,948 fl. zählt. Der Beitritt zu dieser Jahresgesellschaft kann noch bis zum 31. December d. I.; wo dieselbe geschlossen wird, erfolgen. Außerdem schließt die Anstalt alle Arten von Verforguugs- und Lebensver- sicherungSverträgen unter den vortheilhaftesten Bedingungen ab. Bei Lebensversicherungen beträgt die Prämie für ein versichertes Kapital von 1000 fl. bei einem Alter von 25 Jahren, 30 Jahren, 35 Jahren, 40 Jahren u. s. w. 18 fL " 21 fl. 20 fr. 25 fl. 40 fr. 30 fl. 5U tr. Dabei ist indessen noch zu berücksichtigen, daß die Anstalt an Dividenden durchschnittlich 44 pCt. der Jahresprämien bezahlt, wodurch letztere noch bedeutend vermindert werden. Den Abschluß von Verträgen vermittelt der Unterzeichnete, bei welchem auch specielle Auskunft, sowie Prospecte, Antragsformulare rc. rc. zu haben sind. (10107) I. B o e ck, Agent in Gießen. Aendemischer Gesangverein. 10156) Wir beehren uns, die verehrlichen Mitglieder in Kenntniß zu setzen, daß die Proben des Vereins Donnerstag den 4. November, abends 6 Uhr, in der kleinen Aula wieder ihren Anfang nehmen. Neue Anmeldungen zur Aufnahme in den Verein bittet man in den ersten 14 Tagen bei Herrn Musikdirector Mickler gefälligst persönlich abgeben zu wollen. Der Vorftand. Lebensversicherung- und Ersparniss-Bank in Stuttgart. Berficherungs-Capital: 30V2 Millionen Gulden. Neuer Zugang vom 1. Jan. bis Ende Sept.: 3601 Anträge mit 5,985,000 fl. Vers.- Summe, gegen pr. 1868 im gleichen Zeitraum: 2253 „ „ 4,401,000 „ „ Bankfonds........pr. September 1869: . . . . ca. 4,600,000 fl. Gesammt - Prämien - Reserv e „ „ „ . . . . „ 3,000,000 „ Jahreseinnahme an Prämien und Zinsen.......„ 1,400,000 „ Sicherheits- (Dividenden-) Fonds...........„ 890,000 „ welche in diesem und den nächsten 4 Jahren an die Versicherten zur Vertheilung kommen. Abzüglich der bis Juli l. I. vertheilten Durchschnitts-Dividende von 39,2 Procent der Jahres-Prämie reduciren sich die Brutto-Prämien von 1000 fl. z. B. im 25., 35., 45., 55. Jahr auf fl. 13. 36 fr. fl. 16. 48 fr. fl. 23. 42 fr. fl. 37. 30 fr. Die absolute Sicherheit der Banf in Verbindung mit ihren billigen Netto- Prämien erflärt das stets wachsende Vertrauen des Publifums zu diesem Institute. Statuten, Prospecte rc. unentgeldlich bei den Agenten: Emil Gail, Hutmacher, in Gießen. G. Nahn, Lehrer, in Kirchgöns. (10122) I. Faatz in Friedberg. | Auswanderer nach Amerika befördert wöchentlich vermittelst Dampf- nnd Segelschiffen bei reeller und billigster Bedienung I. M. Schulhof, am Durch langjährigen Aufenthalt in Amerika bin ich im Stande, jedem Auswanderer die beste Auskunft zu ertheilen. Providentia, Versicherungs - Gesellschaft in Frankfurt a. M. und Mainz, Geschäftsnachfolgerin der Rheinischen Versicherungs-Gesellschaft. Section Mainz. Begebenes Grundcapital: Acht Millionen Gulden südd.Währ Hierdurch bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß, nachdem Herr Adolph Noll in Gießen unsere Agentur niedergelegt hat, Herr Theodor Geilfus, in Firma Daniel Wirth's Nachfolger in Gießen, mit Führung der von Herrn Noll für uns versehenen Geschäfte beauftragt wurde. Mainz, im October 1869. Die Section: Carl Haack. Auf Vorstehendes Bezug nehmend, halte ich mich zur Entgegennahme von Anträgen auf Versicherungen gegen Feuersgefahr bestens empfohlen und werde jede gewünschte Auskunft gern ertheilen. Gießen, den 15. October 1869. Der Agent: (10077) Daniel Wirth s Nachfolger. 9 9 5 9 Börsennachrichten. 30. October 1869. Engi. Souver. 11 Rusa. Imper. 9 Doll, in Gold 2 Prioritäten. 50/g öatr. F. St. E. B. 357 Ludwigsh.-Bexbach 1691/4 Maxbahn 1061/2 Bayer. Ostbahn 1233/4 Hess. Ludwigabahn 137 3O/o östr. Stab.-Prior. 56 */4 3% östr. s. Lombard. 477/a 30/g Livorneser 32 Tosoaner 511/4 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 961/2 5% Elisabeth-Prior. 74i/2 do. II. Emiss. 711/g n doppelte Holl. fl. 10 St. Ducaten . . 20 Frankens!. Aetien. Frankf. Bank 12O‘/s Oester. Bank 687 „ Creditact. 225 Darmst. Bankact. 305 Wechsel Amsterd. k. S. 997/g Augsb. k. S. 993/4 Berlin k. S. 1047/s Bremen k. S. 971/, Cöln k. 8. 1047/s Hamburg k. 8. 881/4 Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 1193/8 Lyon k. 8. — Paria k. 8. 95 Wien k. 8. 951/2 Disconto 4% G. 49-51 55-56 37-39 29i/2-30i/2 55-59 49-51 28-29 Anlehenslooee. Kurh. 40 Thlr. Loose 571/4 Nassau fl. 25 b. Roth. 381/2 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 178 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 453/4 40/o bayr. Präm. Anl. 1053/4 4% badische Loose 103 */4 Badische fl. 35 Loose 563/4 1858r Prioritätsloose 150 1860r Loose 77 */4 1864r „ 112 Sachse $ Co. Leipzig, Preuss. 41/2% Obi. 93 Frankf. 31/2% Obi. 80 Nass. 41/20/0 Obi. 93'/2 Kurh. 40/o Obi. 84i/8 Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 92i/2 „ 31/2% do. do. 885/g Bayer. 5% Obi. 1013/6 n 41/2°/q 1jährige 93 „ 41/2% Valährige 93 Würtemb. 4i/2% Öbl. 92i/4 Baden 41/2% Obi. c. E.L. 931/4 Oestr. 50/0 b. R. — „ 50/g National — , 50/g Metall. Obi. — „ M. steuerf. — Amer. 60/0 1 882r Bds. 88i/2 „ 60/0 1885r 873/8 Zeitungg-Annlmcen-ExpMion von Geldsorten. Pr. Cass. Sch. 1 447/a-45i/8 Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 58-59 Pistolen . . 9 48-50 Bern, Breslau, Cassel, Cöln S» Stuttgart. Dieselbe vermittelt ausschließlich Zeitungs-, Zeitschriften-, Kalender-, rc. Inserate iu alle Fachblätter und Zeitungen der fünf Welttheile, — berechnet ohne Aufschlag von Porto, Provision rc. stets die Originalpreise, — gewährt bei größeren Aufträgen angemessenen Rabatt, — liefert Belegblätter für jedes Inserat, — beseitigt alle Portoauslagen und sonstigen Nebenkosten, liefert vorherige Kostenanschläge, besorgt Uebersetzungen in alle Sprachen gratis und versendet auf Verlangen gratis und franco ein vollständiges Zeitungs-Preis-Verzeichniß. Mit sämmtlichen deutschen Zeitungen steht obiges Institut i in täglich directem Verkehr. D i e Namenlose. Novelle von Theodor König. (Fortsetzung.) „Treffe ich jemals mit dem Patron zusammen, bevor das Gericht seine Bestrafung übernommen hat, so wird er diese von meinen Händen in einer Weise erhalten, deren er während der ganzen Zeit seines Lebens eingedenk bleiben soll." „Ach, ich weiß nicht, lieber Papa, aber ich möchte Sie fast bitten, diesen Menschen ganz sich selbst zu überlassen," bemerkte Hyacintha schüchtern. „Für einen Charakter gleich diesem ist es schon Strafe genug, alle betrügerischen Pläne und Entwürfe auf immer in sich selbst zerfallen zu sehen." Der würdige alte Herr theilte diese Meinung augenscheinlich nicht, sondern fuhr vielmehr fort, in immer aufgeregterem, ärgerlicherem Tone über die gegen ihn ausgeübte Betrügerei zu reden, und Hyacintha mußte, so oft sie zu diesem unwillig aufflammenden Auge des alten Soltaten emporblickte, beben, wenn sie nur an die Möglichkeit dachte, daß er jemals mit dem Informator persönlich zusammentreffen könnte. Schon nach wenigen Stunden beurlaubte sich Obrist von Goldstern von seiner Tochter, da er, wie er sagte, fest entschlossen war, ohne den mindesten Zeitverlust mit einem tüchtigen Juristen zu consultiren, auf welche Weise der Informator am leichtesten und sichersten zur Rechenschaft und Strafe zu ziehen sein mochte. Es dunkelte noch nicht einmal, als er seiner Tochter Lebewohl sagte und das alte Haus verließ. „Ich werde zugleich alle nöthigen Arrangements treffen, liebe Tochter," sagte er, nachdem Hyacintha ihm auf seinen Wunsch Doctor Wilder'S Adresse übergeben, „die Verwaltung dieses kleinen Erbgutes hier gänzlich den Händen dieses Herrn zu übergeben, da Du jedenfalls so schnell wie nur irgend möglich nach dem Rhein mit mir übersiedeln mußt." * * * Nachdem Oberst von Goldstern mit Doctor Wilder eine längere Eonferenz gehabt, blickte er am folgenden Tage, als er wieder im Pachthause erschien, sehr ernst und mißgestimmt. „Es würde ganz zwecklos sein, diesen Willert gerichtlich zu belangen," sagte er. „Wir können ihm nichts anhaben. Wir vermögen nicht die geringsten Beweise dafür beizubringen, daß er sich jemals etwas von jenem Gelde ange- eignet habe, noch daß Dein guter, braver Adoptivvater nicht vollkommen über Dich und Alles, was Dich betrifft, unterrichtet gewesen sei, mein armes Kind. Unser Jurist behauptet geradezu, die Echtheit auch nur einer einzigen der Unterschriften des Barons in Zweifel zu ziehen, sei völlig unmöglich. Wir ließen Willert zu uns entbieten und ich beschuldigte ihn geradezu der Gelvunterschlagung. Er war hierüber ganz außerordentlich erstaunt und so empört, als wäre er wirklich, was er so gerne scheinen möchte, ein ehrlicher Mann. Von dem Briefe, dem Du, wie Du sagst, als Exercitie für seine Unterrichtsstunde geschrieben und den ich ihm vorwies, wußte er nichts weiter, als daß der Baron ihm diesen eines Tages abgefordert und einem Briefe an mich beigeschlossen habe, welchen er dann auf Verlangen des alten Herrn adres- siren mußte. Der Behauptung dieses Schurken nach hat der Baron von vornherein nur zu wohl gewußt, wer Du seiest, und auch das für Dich eingezahlte Geld jedesmal zur rechten Zeit erhalten, eine Thatfache, die er verheimlichte, weil er es nicht bekannt haben wollte, daß überhaupt für Dich bezahlt würde. Um das Unrecht, was er Dir hierdurch erwiesen, einigermaßeu wenigstens wieder gut zu machen, veranlaßte er, sagte Willert, seinen Sohn Carl, Dir diesen Pachthof abzutreten. Daß der Informator selbst Dir niemals Aufklärung über Deine Abstam- mung gab, rührte seiner Aussage nach daher, daß der Baron ihm dies auf's Allerstrengste untersagt hatte. Der Schurke fügte hinzu, der Baron habe ihm vor einigen Jahren die Mittheilung gemacht, die Geldsendungen für Dich seien ausgeblieben. Er habe damals geglaubt, ich sei im Felde gefallen, und den Muth gefaßt, sich um Deine Hand zu bewerben. Alles, was der Hallunke vorbringt, klingt, wie Du siehst, außerordentlich plausibel, und ich muß Dir offen bekennen, wäre es nicht um Deiner so unend- lich hohen Meinung von dem Character Deines Adoptivvaters willen und dieser nicht der leibliche Bruder des guten Fräuleins Mathilde gewesen, ich selbst würde nur zu geneigt sein, ihm Glauben zu schenken." „Und Doctor Wilder? Was sagt Doctor Wilder?" fragte Hyacintha unmuthig. „Doctor Wilder ist zu lange in der juristischen Praxis gewesen, um sich überhaupt noch über die Entdeckung gemeiner ober betrügerischer Handlungen wundern zu können," war die Antwort. „Es seien schon Menschen der Versuchung erlegen, die sonst völlig so ehrenhaft dagestanden wie unser eben heim- gegangene Baron, meinte er mit großer Ruhe." Hyacintha brach, als sie diese Worte hörte, in Thränen aus. „Nun, nur nicht weinen, meine liebe Kleine," sagte ihr Vater, ihr die Wange streichelnd. „Laß uns nun über die ganze Sache auch kein einziges Wort weiter ver- lieren. Nach Allem, was ich höre, haben sich ja die Mitglieder der Familie von Bergen in der letzten Zeit überhaupt nicht eben als musterhafte Menschen bewiesen." Die Seufzer und Thränen Hyacintha's verdoppelten sich. Ueber die war- men, treuen, zärtlichen Freunde ihrer verlassenen Kindheit in so harter Weise aburtheilen zu hören, kränkte sie bis in'S tiefste Herz. „Und nun, mein liebes Töchterchen," fuhr der Obrist fort, „wünschte ich, von Dir zu erfahren, wie bald Du bereit sein wirst, mit mir nach unserer neuen schönen Heimath am großen Deutschen Flusse überzusiedeln. Dein Interesse in diesem Pachthofe wird während Deiner Abwesenheit auf'S Allersorgfältigste wahrgenommen werden, wenn Du nicht vielleicht Lust haben solltest, Dich des Geweses mit einem Male durch Verkauf zu entäußern." „Nein, nein, Vater, verkaufen möchte ich das Gewese nicht," entgegnete dajunge Mädchen. „Niemals, niemals würde ich mich entschließen können, es zu verkaufen, weil es so sehr lange zu den Besitzungen der Familie von Bergen gehört hat." Die Stirn des alten Herrn zog sich in düstere Falten zusammen. Ach, der so lange herbeigesehnte, erst jetzt aus der Dunkelheit hervorgetretene Vater war ein ganz, ganz Anderer wie der weiche, nachsichtige Baron. „Es ist mir auf gutem Wege zu Ohren gekommen," sagte er sehr kühl, „daß zwischen Dir und jenem jungen Berthold von Bergen, der sich jetzt verborgen hält, weil er, wie es allgemein heißt, aus Eifersucht seinen Bruder erschlagen, ein unglückseliges Liebesverhältniß bestehe. Höre nun ein ernstes, zugleich aber auch mein erstes und letztes Wort in dieser Angelegenheit von mir. Die Familie von Bergen hat Dich in dem Glauben heranwachsen lassen, daß Dein Vater Dich vernachlässige oder gänzlich verlassen habe. Ja, diese Familie hat Dich auf alle nur mögliche Weise hintergangen und Deine außerordentliche Eingenommenheit zu ihren Gunsten ist in Wahrheit Thorheit der allerschlimmsten Art. Jetzt aber, wo Dir die ganze Wahrheit bekannt ist, wo Du auch weißt, daß mir ein Recht zusteht, Gehorsam von Dir zu fordern, muß ich Dir auf's Strengste einschärfen, Dir diesen Berthold von Bergen ein für alle Mal gänzlich aus dem Sinne zu schlagen, denn ich werde niemals zugeben, daß Du die Gattin eines wegen Mordes beargwöhnten Mannes wirst." „Es ist Alles unwahr, Alles Lüge!" rief die arme Hyacintha fast außer sich. „Man täuscht Sie auf's Entsetzlichste, Vater! O Gott, Gott, Ihr theuren, vielgeliebten Freunde meiner Kindheit! Will denn Niemand auftreten, um für Euch zu sprechen, außer mir, außer mir ganz allein? „Niemand, Niemand, keine menschliche Seele!" antwortete der alte Soldat mit rauher Stimme. „Nein, noch mehr. Deine Anhänglichkeit an diese Familie, — Dein bekanntes Verhältniß zu einem Manne, von welchem man glaubt, daß er um Deinetwillen zum Brudermörder geworden, haben Dich der ganzen Nachbarschaft entfremdet und Du stehst in diesem Augenblicke ohne einen einzigen Freund, ohne eine einzige Freundin da. Es ist die höchste Zeit, daß Du einen Ort verläßt, wo Du in den Augen Eines und Aller eine so arg compromittirende Stellung einnimmst." Hyacintha's Gehirn schwindelte. War dem denn in Wirklichkeit so? Hing ein solcher entsetzlicher, dunkler Verdacht denn wirklich auch sogar über ihr ? Ach, sie erinnerte sich jetzt nur zu wohl, daß seit der Bestattung des armen Carl auch nicht der Fuß eines einzigen Besuchers ihre Schwelle be- rührt hatte. Als jetzt mit einem Male die ganze volle Wahrheit über sie hereinbrach, als ihr Blick den trüben, kummervollen Ausdruck wahrnahm, der die reinen, edlen Züge des Obristen umflort hielt, sank sie mit einem schweren Seufzer zu den Füßen des Letzteren nieder. „Mein Vater, mein Vater, o, rette mich, rette mich!" rief sie schluchzend, die Hände zu ihm emporstrcckend, aus. Er hob sie auf. Sie war nicht ohnmächtig geworden, schien jedoch kaum ihrer vollen Besinnung mächtig zu sein. Auf seinen Ruf erschien Felicie, die selbst außerordentlich erschrocken und ängstlich, ihr Bestes that, die junge Dame, welche vom Kopfe bis zum Fuße wie Espenlaub bebte, zu beruhigen. Mit vieler Mühe gelang es endlich der treuen Französin, das junge Mädchen unter dem Beistände des Obristen in ihr Schlafgemach zu führen nnd dort auf das Bett niederzulassen. Hier lag nun Hyacintha, ohne irgend ein Lebenszeichen von sich zu geben, nur daß sich ihr dann und wann ein leiser Seufzer vom Munde stahl. In einem Zustande entsetzlicher Angst eilte Felicie zu dem Obersten zurück und schilderte ihm mit geläufiger, bebender Zunge, wie außerordentlich gefähr- lich es sei, Hyacintha jetzt in irgend einer Weise aufzuregen, — wie außerordentlich leicht jener fürchterliche Zustand des Starrkrampfes, der so häufig das Leben koste, noch einmal bei ihr wiederkehren könnte. Der arme Obrist befand sich, die in jeder Beziehung so plausibel klingenden Aussagen Willert'S nur zu sehr zu glauben geneigt, eigentlich eben in einer so aufgeregten, empörten GemüthSstimmung wie kaum jemals zuvor in seinem Leben, der Gedanke aber, daß seiner so eben erst wiedergefundenen schönen Tochter Gefahr drohe, verscheuchte sofort jeden anderen aus seiner Brust. Er stieg sogleich zu Pferde, um aus der nahen Landstadt den Arzt herbei zu holen. Dieser schüttelte bei der Beobachtung der jungen Kranken mit bedenklicher Miene den Kopf. „Armes, armes Kind," sagte er. Sie hat in letzter Zeit viel, sehr viel Schweres erleben müssen und das unerwartete Zusammentreffen mit Ihnen, Herr Oberst, war zweifelsohne gar zu viel für ihre Nerven. Daß sie in einen neuen Starrkrampf verfällt, fürchte ich allerdings nicht, wohl aber in eine Krankheit, die zwar weniger schlimm, dennoch aber ebenfalls traurig genug ist. Ich fürchte, Fräulein Hyacintha hat das Nervenfieber." Der Doctor hatte Recht. Wochen lang schwebte das junge Mädchen zwischen Leben und Tod, denn die Krankheit schlug ihren Hauptsitz im Gehirn auf, und als Hyacintha endlich ihr Bett und ihr Zimmer verlassen durfte, befand sie sich in einem außerordentlichen Zustande von Schwache, daß sie weder allein zu gehen, noch zu stehen vermochte. Während jener langen Krankheit und der langsamen Genesung vergaß Oberst von Goldstern die düstere, verbitterte Stimmung, deren Opfer er so lange gewesen war, gänzlich über den Eifer und die Zärtlichkeit, womit er die sieche Tochter nicht nur vom Morgen bis zum Abende, sondern häufig auch noch ganze Nächte hindurch pflegte (Fortsetzung folgt.) Politische Rundschau 30. October. Ein Erlaß des baierischen Ministeriums des Innern an die Präsidien der Kreisregierungen legt die Motive der Abänderung der Wahlbezirke dar und sagt, auf die ultramontanen .Agitationen hinweisend: Die Staatsregierung hält es mit Rück- sicht auf das Wohl des Landes für ihre Schuldigkeit, diesen Extremen mit allen gesetzlichen Mitteln ent; gegenzutreten. Steht sie auch nicht mit allen Forderungen der liberalen Parteien im Einklänge, wird sie insbesondere den Standpunkt der Wahrung der Selbstständigkeit Baierns auch künftig einnehmen und durchführen, so muß sie doch als dringendste nächst- liegende Aufgabe betrachten, vereint mit den liberalen Parteien den ultrakirchlich-ultramontancn Forderungen und Extremen vorzubeugen. Der „Allgem. Ztg." wird aus Berlin geschrieben: Die Aufmerksamkeit Berlins ist augenblicklich nicht so sehr auf den österreichischen Reichskanzler gerichtet, der sich ja eben anschickt nach Konstantinopel und Kairo zu gehen: man blickt letzt viel angelegentlicher nach Paris, wo nach allem Anschein ernste Ereignisse sich vorbereiten. Nach glaubwürdigen Mittheilungen aus der französischen Hauptstadt ist die parlamentarische Opposition nicht mehr im Stande die Geister zu bannen, welche sie heraufbeschworen hat, und wenn auch nicht gerade am 26., meint man doch in kurzer Frist einen gewaltsamen Zusammenstoß an der Seine erwarten zu müssen. Nun zweifelt freilich Niemand daran, daß die Chassepots und die Kugelspritzen die Oberhand behalten werden, aber gleich einem düsteren Schatten heftet sich an diese Ueberzeugung die Ahnung, daß eine innere Katastrophe in Frankreich auch auf die auswärtige Politik des Kaiserreichs zurückwirken werde, und es ist immerhin bezeichnend für die diesfälltgen Anschauungen der leitenden Kreise, daß der neue Botschafter in Paris, Frhr. v. Weither, nicht erst, wie üblich, hierher kommt, um persönlich seine neuen Accreditive abzuholen, sondern unverweilt von Wien nach Paris sich begeben wird. Der Berichterstatter der „Times" in Spanien entwirft ein düsteres Bild von dem Kampfe zwischen den Truppen und den Aufständischen in Valencia. Statt der 18 Bomben — bemerkt er unter Anderem—, die nach Ansicht mancher Leute hinreichen sollten, um die Aufrührer zu Paaren zu treiben, gab es ein vielstündiges Bombardement, ohne daß die Aufständischen Miene gemacht hätten, sich zu ergeben. Während einer sechsstündigen Kanonade wurden 190 zwölf- zollige Bomben, 150 neunzöllige Granaten und 1000 andere Geschosse in die Stadt geschleudert. Dann erst kam es zur Uebergabe oder vielmehr zur Flucht; denn Diejenigen, welche die Waffen streckten, bildeten nur die Masse. Die Führer waren todt oder verwundet oder aber, und das gilt von der Mehrzahl, sie hatten sich versteckt. Die Zerstörung ist ungemein groß und werden Jahre dazu gehören, um die Stadt wieder so aufzubauen, wie sie vorher war. Spitäler, Kirchen, Banken und zahlreiche Privatwohnungen sind vollständig zertrümmert und viele andere sehr übel mitgenommen. — Am 9. und 10. waren die Republikaner in der Offensive, welche natürlich ihr Bar- ricavensystem gleichzeitig nach allen Seiten vom Markt aus vorschoben; sie sollen nicht weniger als 940 Barrikaden errichtet haben. In der Nacht vom 10. auf den 11. kam die erste Verstärkung von 574 GenSd'armen an; am Nachmittage des 11. erschien das erste Dampfschiff mit 300 Mann, und nun kamen in rascher Aufeinanderfolge Truppen von Norden und Süden, zu Wasser und zu Land, in solcher Zahl, daß sich am 15. der Generalcapitain an der Spitze von 12—15,000 Mann sah; dabei ist es bemerkens» werth, daß auch die Freiwilligen von mehreren benachbarten Orten zu den Truppen stießen, während die Republikaner vom Lande keinerlei Unterstützung empfangen zu haben scheinen. Inzwischen batte der Commanvant unter täglichen Scharmützeln seine Stellungen beträchtlich vorgeschoben und rings um einen großen Theil der Stabt Batterien ausgepflanzt. So konnte er am Morgen des 16. die Feinde zur Capitulation auffordern. Aber auch jetzt wurden seine Parlamentäre zurückgewiesen. Darauf begann der Sturm. Sechs Stunden lang wurde die unglückliche Stadt von außen bombardirt, während im Innern die Angriffscolonnen, zum Theil wieder durch die Häuser brechend, vordrangen. Ein Brief des Wiener „Wanderer" aus den Bocche di Cattaro enthält folgende interessante Notizen : Die Insurgenten lagern auf den Gebirgen, gctheilt in kleine Gruppen von 30—40 Mann; ihr Führer heißt Broncic, und ist ein sehr reicher Bauer von Zuppa. Ein hoher, schöner Mann, leitet er mit zwölf anderen intelligenten Bocchesen den ganzen Aufstand, welcher nur von 1800 in Waffen tüchtig geübten jungen Leuten geführt wird. Jeder Mann besitzt^ ein Gewehr, 3 bis 4 Pistolen (die Waffen nach dem neuesten System), Handjar und kleinere scharf geschliffene Messer; gekleidet sind die Leute in ihr malerisches, mit Silber gesticktes orientalisches Costume; mit Nahrungsmitteln sind sie reichlich versorgt. All ihr Vieh, Esel, Ochsen, Schafe und Schweine haben sie, sowie ihre Familien nach Gra- hovo (türkisches Gebiet) geschickt. Eine Abteilung wird von der andern durch einen Gewehrschuß verständigt, und durch Boten über.jede Disposition des Besehlshabers mündlich in Kennlniß gesetzt. Wenn ein Lleyddampfer durch den Canal von Cattaro zieht, wird von jedem Gebirgshügel ein Schuß abgefeuert als Signal, aber nicht gegen die Passagiere oder das Schiffspersonal. Wenn sie eines Kriegsdampfers mit Truppenn ansichtig werden, so wird er durch zwei Gewehrschüsse avisirt. Alle Straßen, selbst die kleinsten Wege, haben sie durch hingeworfene Steinmaffen unfahrbar gemacht. Rings um ihre befestigten Lager haben sie tiefe Gruben gemacht, so daß ihnen schwer beizukommen ist. Gegen solche Streitkräfte wird unsere Armee schwere Kämpfe zu bestehen haben, man vernichtet sie zum Theil schon mit Steinmassen, die von den Hügeln geworfen werden, ohne daß ein Ge- wehrschuß fällt. Bei der rumänischen Bevölkerung hat die Nachricht von der Verlobung des Fürsten Carl mit der Prin- zessin Elisabetha von Wied den allerschlechtesten Ein- druck gemacht. Die Enttäuschung ist groß. Man hoffte auf eine Prinzessin von Rußland, dann von Italien; weniger befriedigt war man bereits durch die in Aussicht genommene Verbindung mit einer dänischen Prinzessin. Eine Prinzessin von Wied kennt Niemand in Rumänien, und man weiß nur so viel, daß die Hoffnung, die Gemahlin werbe dem Fürsten Carol den Königstitel und dem Lande die Unabhängigkeit als Mitgift zubringen, durch die jetzige Braut nicht erfüllt werden wird. Bei der täglich größer werdenden Bedeutung des I Aufstandes wird österreichischer Scits Vermehrung und Concentrirung der Truppen nöthig, was Zeit erfordert und es dürfte somit ein entscheidender Schlag gegen die Insurgenten nicht sobald zu erwarten sein. Zur Niederwerfung des Ausstandes wird kaum we- । Niger als ein ganzes Armeecorps genügen. Die l Bocche di Cattaro zählen an 35,000 Seelen und können eine waffenfähige Mannschaft von 5000 Mann | stellen. Die Zuzüge aus Montenegro und der Her- : zegowina können aber diese Streitkräfte erheblich i vermehren. Montenegro zählt 130,000 Einwohner, 1 und die Zahl der Manner, vom 18. bis zum 50. Jahre nur zu 20 pCt. veranschlagt, gibt 26,000 Mann, welche, da fast alle dem primitivsten Stande angehörig, zu den Kampffähigen zu zählen sein dürften. Bosnien zählt über 1 Million Einwohner, bei 20 pCt. 200,000 Kampffähige; hiervon Vio iu dem an Dalmatien angrenzenden Gebietstheile gerechnet, gibt 20,000, aus welchen die Aufständischen sich, bei dem kriegerischen Charakter derselben, leicht ansehnlich rekrutiren können, namentlich wenn Rußland tüchtig vorgearbeitet hat. Es verlautet übrigens, daß der bekannte Wojwode Lula Vukalowitsch aus Odessa in seine Heimath, die Herzegowina, zurückge» kehrt sei, um die Führung in dem Aufstande gegen die Türken zu übernehmen. Hessen. Darmstadt. Nach einer Mittheilung des „Fr. I." hatte der hier anwesende Ehef beS preußischen Mili- tärcabinets, v. Treskow, ein Handschreiben deS Königs Wilhelm an den Großherzog überbracht, welches eine Reihe vvn Desiderien enthalt, die mehreren unserer höheren Offiziere bereits Veranlassung gegeben haben sollen, um ihre Pensioni- rung nachzusuchen. In diesem Schreiben soll dem Wunsche, die Organisation der Division einer gänzlichen Umgestaltung zu unterwerfen, in sehr bestimmter Form Ausdruck gegeben sein. Die Mission deS Hrn. v. TreSkow wird als eine Frucht der vom König gelegentlich der kürzlich abgehaltenen Manöver gemachten Wahrnehmungen betrachtet. Die „Hess. Landeöztg." schreibt über die Anwesenheit des Hrn. v. TreSkvw: Schon wieder beunruhigt das Gerücht von zahlreichen Pensionirungen in den Reihen unserer Armeedivision die militärischen und bürgerlichen Kreise. Man spricht von 1 Generalmajor, 3 Obersten, 1 Oberstlieutenant, 1 Major und 1 Hauptmann. Man bringt damit in Zusammenhang die Anwesenheit de«. Ehef« deS preußischen MUitärcabinets, welcher ein eigenhändiges Schreiben seines Königs an unfern Großherzog überbracht habe, in welchem eine vollständige neue Organisation der hessischen Truppen verlangt wird. Die Kostenrechnung wird wohl auch nicht auSbleiben, und sind wir nur begierig, zu erfahren, was unsere demnächst zusammentretenden Stände zu diesen weiteren Annerionsversuchen sagen werden. — Nach dem „Fr. 3." sollen Oberst Laut und Major Habermehl nach der Ankunft des Generalmajor v. TreSkow aus Berlin um ihre Penfionirung bereits gebeten haben. Außerdem sollen noch vier andere Stabsoffiziere aufgefordert worden fein, ihre Penfionirung zu verlangen. — Nach der „M. Ztg." wäre Generalmajor v. Jungenfeld bereits pensionirt, andere Stabsoffiziere hätten um Penfionirung nachgesucht. Das Blatt meint dazu: Steht dies richtig, dann haben wir nur die enorme neue Erhöhung der Militärlasten zu beklagen, wodurch eine günstige Stimmung für die neueren Zustände gewiß nicht gefördert werden kann. Preußen. Berlin, 28. Oct. Die Auswechselung der RatifieationSurkunden des zwischen dem Norddeutschen Bund und dem Großherzogthum Baden abgeschlossenen Vertrags über militärische Freizügigkeit fand gestern im Bundeskanzleramt Statt. Berlin, 28. Oct. Der Justizminister Dr. Leonhardt hat dem Landtage zunächst im Abgeordnetenhause zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, welche eine Reform deS Hypothekenrechts und eine neue Einrichtung der Grundbücher oder Hypotheken- bücher bezwecken. Der erste Entwurf ist bezeichnet als Entwurf eines Gesetzes über den EigenthumSerwerb und die dingliche Belastung der Grundstücke, Bergwerke und selbstständigen Gerechtigkeiten. Derselbe war schon im vorigen Jahre dem Abgeordnetenhause vorgelegt, aber nicht zur Erledigung gelangt. Die Regierung hatte inzwischen den Entwurf veröffentlicht. Bei der jetzigen Vorlage sind die demzufolge erschienenen Gutachten sorgfältig benutzt und erwogen worden. Daß eine tiefgreifende Reform deS Hypothekenrechts ein unabweisbares Bedürfniß ist, gilt als allgemein angenommene Thatfache. Dieselbe hat die Regierung seit dem Jahre 1863 unausgesetzt im Auge gehabt, und soll nunmehr zur erneuten Berathung mit der Landesvertretung kommen. Berlin, 29. Oct. Die National'Liberalen beabsichtigen, bei der EtatSberathung zu beantragen, die Seehandlung aufzulösen und das 7 Millionen betragende Vermögen zur Deficitdeckung zu verwenden. Sachsen. Dresden, 28. Oct. Vorberathung dis ,Gesetzentwurfs, betr. di« Gemeinderewrm in der Abgeordnetenkammer. Der Minister des Innern verspricht für den nächsten Landtag die Vorlage eines Gemeindegesetzes und die Reform der Verwaltung. Die Kammer beschloß: eine gemeinsame Gemeindeordnung für Stadt und Land mit allen gegen 20 Stimmen, ferner Wegfall deö BestätigungSrechteS der Regierungsbehörden mit allen gegen 15 Stimmen, endlich einstimmig die Herstellung einer ausgedehnten Selbstregierung der I Gemeinden. Baden. Karlsruhe, 28. Oct. Die Abgeordnetenkammer berieth in ihrer heutigen ^/zstündigen Sitzung den Gesetzentwurf, der die Aenderung einiger Bestimmungen der Verfassungsurkunde enthält. Unter diesen beabsichtigten Aenderungen befindet sich auch der Vorschlag allgemeiner und geheimer, jedoch indirecter Abgeordnetenwahlen. Die DiScussion drehte sich hauptsächlich um die Frage: Ob directe oder indirecte Wahlen? Es wurden verschiedene Anträge gestellt. Die Special- discusfion findet morgen Statt. Karlsruhe, 29. Oct. Die Abgeordnetenkammer lehnte mit großer Majorität den Antrag auf Einführung der directen Abgeordnetsnwahten ab. Es sollen sonach in allgemeiner geheimer Wahl Wahlmänner gewählt werden, durch welche die Abgeordneten zu wählen find. Für directe Wahl stimmten circa 12 Abgeordnete. Oesterreich. Wien, 28. Oct. Die „Wiener Ztg." veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, nach welcher dem jeweiligen Militärcommandanten des Bezirks von Cattaro die gesammte ErecutionSgewalt für die Dauer der dort obwaltenden außerordentlichen Verhältnisie übertragen wird. Ungarn. Pesth, 27. Oct. Das Stadtgericht hat dem Criminaigerichte die Acten im Prozeß Karageorgiewitsch vorgelegt. Das Stadtgericht beantragt gegen den Fürsten die Todesstrafe, gegen feine beiden Mitschuldigen Stankewitsch und Trifkowitsch 15, resp. 2Ojährigen schweren Kerker. Verrutschtes. Gießen, 1. Nov. Einer unserer Leser schreibt uns heute Folgendes: Gestern Abend gegen halb 6 Uhr etwa merkte ich, mit meiner Familie ruhig um den Ofen fitzend und bei vollständigster Ruhe im ganzen Haufe, ein plötzliches (wellenförmiges) Wanken deS HaufeS in der Richtung von N. W. nach 8 0. ungefähr. Das Krachen einer geschlossenen Thür ' ging dem Wanken unmittelbar voraus und erregte zunächst unsere Aufmerksamkeit. Ich schloß sofort, daß eine Erderschütte- rung stattgefunden und erfahre eben durch Andere, daß in verschiedenen Häusern ähnliche Beobachtungen gemacht worden seien. Auch zwischen 4 und 5 Uhr heut« Morgen will Jemand eine Erschütterung bemerkt haben. Vielleicht eignet sich die Beobachtung zur Mittheilung, um weitere Veröffentlichungen zu veranlassen. g z Darmstadt, 25. Oct. Auf Anregung de« Prinzen und der Prinzessin Ludwig wird im Laufe dieses Winters ein Cy- clus wissenschaftlicher Vorträge stattfinden. Von auswärtigen Gelthrten werden sich hieran betheiligen: Dr. Riehl aus München, Dr. Büdinger au« Zürich, Dr. v. Fritsch aus Frankfurt a. M., Jürgen Bona Meyer aus Bonn, Dr. Brehn au« Berlin, EmminghauS aus Karlsruhe, Köchly aus Heidelberg, Gottfried Kinkel aus Zürich, Pauli aus Marburg und Dr. Zöppritz au« Gießen. Der erste Vortrag: „Der Kampf deS Schriftsteller« und de« Gelehrten" von Dr. Riehl, wird am 30. Oct. stattfinden. Berlin, 29. Oct. Zastrow, der de« Morde« eines Knaben angeklagt war, wurde de« versuchten MordeS für nicht- | schuldig befunden, dagegen wegen widernatürlicher Unzucht, verübter Noihzucht und erheblicher Körperverletzung für schul- I big erklärt und zu 15jähriger Zuchthausstrafe verurtheilt. Nedaction, DrnS und Verlag der Rrühl'schen Druckerei (Fr. Cbr. Pietsch) in Gießen. viertel Post fr Besondere 10236)7*! lasses des M Äanck von Fl hier, EH wird den W" auf Weiteres std Mr Leistung u Gießen, den - Großherzogü Muhl,. Stadtrichtl S erst« Hch'chche 2 10218) Moni von Voi soll in bcm Sie ten Faulerboden doden, nachverze steigert werden, 6 Stecken Bi 2‘/2 „ 4,4 ii 119 Wellen 1 Stecken 0 3',4 97 Wellen 3 Stecken Nc 17 2663 Wellen 9 Eichen-Stä 1 BuchemSt 60 Nadel-Sta 3 EichemSb 3145 Nadel-Sti DieZusamme brunnen. Gegen vorschi Zahlungsfrist b Die Großh. . liegenden Orte i Gemeinden bekc Gießen, den i Großherzog! Nt d7r > 10211) Freitag Naci werden auf de, Fichtenbäumche versteigert. Gießen, den Großherzog! 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