Preis vierteljährlich 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 49 kr. Gichkiier Anzeiger. Erscheint wöchentlich dret- mal. Dienstags, Donnerstags und Samstags. — Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Mzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben. drr. la. Dienstag den 2. Februar 186». Amtliche Bekanntmachungen. Gießen, am 30. Januar 1869. Betreffend: Die Erhebung der Feldstrafen bei Großherzoglichem Rentamte Gießen von der 6. Periode 1868. Das G r o ft ft e r; o g 1 i ch e Rentamt Gieften 1 SN sämmtliche Groscher?ogt chcn Bürgermeistereien des Rent-unisbrstrks Gießen. Wir ersuchen Sie in Ihren Gemeinden alsbald durch die Schelle bekannt machen zu lassen, daß die Bezahlung der rubricirten Feldstrafen bis zum 15. Februar I. Z. zu geschehen hat, widrigenfalls den gesetzlichen Bestimmungen gemäß das Zwangsverfahren eintritt. ° L y n ck e r. Besondere Bekanntmachungen. Edictalladu ng. 740) Nachdem Großherzogliches Hofgericht über den Nachlaß der verstorbenen Wittwe des Bierbrauers Wilhelm Loos, gebornen Straub, von hier den förmlichen Eoncursprozeß erkannt hat, so werden hiermit alle.Gläubiger, welche Ansprüche an denselben bilden wollen, aufgefordert, dieselben so gewiß im Termine Montag den 1. März l. I., Pormittags 9 Uhr, vor unterzeichnetem Gerichte , gehörig anzumelden und zu begründen, indem von den Ausbleibendenstillschweigend unterstellt wird, sie hätten auf Befriedigung aus dem geringen, um 675 fl. 58 kr. überschuldeten Nachlasse verzichtet. Schließlich bemerkt man noch, daß der Vormund der minderjährigen Kinder der Wittwe Loos die Erbschaft ihrer Mutter ausgeschlagen hat und daß in genanntem Termin ein gütliches Arrangement versucht werden solle, wobei die etwaigen Beschlüsse der Mehrheit der Gläubiger die Minderheit binden. Gießen, den 21. Januar 1869. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, l)r. A- v. Grolman, Stadtrrchter. Stadtger.-Assessor. Die Spar- und Leihkasse zu Ach betreffend. 747) Der Vergleich der Gläubiger vom 18. März 1867 ist nun obergerichtlich bestätigt worden. Auch ist von Großherzoglichem Ministerium des Innern der Beschluß der General-Versammlung genehmigt worden, daß fernerhin, alle Gläubiger die Rechte der Mitglieder des Sparkasse-Vereins haben. — Ich lade demgemäß alle Gläubiger der Spar- und Leihkasse dahier hiermit ein, Montag den L März l. I., 1 Morgens 10 Uhr, in dem Rathhaussaale hiesiger Stadt zu erscheinen, zur Ausübung der Rechte der Vereinsmitglieder und zur Wahl, einer neuen Verwaltung. Ich bemerke zugleich, daß alle Gegenstände oder Vorschläge, welche Vereinsmitglieder bei dieser Zusammenkunft zur Berathung gebracht wünschen, nach den Statuten, vorher schriftlich mit Gründen belegt mir vorgelegt werden müssen, und zwar längstens bis zum 20. Februar. Gegenfalls können folche Gegenstände mit dem Ausschuß nicht berathen, und auch der Versammlung zur Entscheidung nicht vorgelegt werden. Einen übersichtlichen Bericht über den Vermögensstand der Kasse werde ich bei dieser Gelegenheit der Versammlung derlegen. Lich, den 27. Januar 1869. Der Director der Spar- und Leihkasse: _____________Weber.___________ E d i c t a l c it a r i o n. 739) Nachdem Großherzogliches Hofgericht der Provinz Oberhessen den förmlichen Concursprozeß über das Vermögen der beiden minderjährigen Kinder des verstorbenen hiesigen Bürgers und Bierbrauers Wilhelm Loos erkannt hat, fo werden hiermit alle Gläubiger derselben öffentlich aufgefordert, ihre Forderungen und sonstigen Ansprüche an das mit etwa 19664 st. 41 kr. überschuldete Vermögen genannter Minderjährigen vor dem unterzechneten Gerichte im Termin Montag den 1. März d. I., Vormittags 9 Uhr, entweder in Selbstperson oder durch einen gehörig bevollmächtigten Stellvertreter anzumelden und zu begründen, indem die Ausbleibenden ohne weitere besondere Verfügung mit ihren Ansprüchen an diese Con- cursmasse ausgeschlossen werden. In der angegebenen Tagfahrt soll gleichzeilig die definitive Wahl eines Gläubigerausschusses erfolgen und ein Contradictor bestellt werden, wenn nicht die Verhältnisse die Bestellung des letzteren schon vor dem Termine erheischen. Endlich wird in dem Termine nochmals ernstlichst der Versuch eines gütlichen Arrangements gemacht werden und wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß sowohl hierbei, wie auch bei allen in dem Termin von den anwesenden Gläubigern gefaßt werdenden Beschlüssen die Majorität die Minderheit bindet. Gießen, den 20. Januar 1869. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Muhl, Dr. A. v. Grolman, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor. Versteigerungen. 755) Mittwoch den 3. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, sollen 50 Haufen Ausputz-Reiser von den Bäumen auf der Schoor vom Wallthor nach der Neustadt versteigert und der Anfang am Wallthor gemacht werden. Gießen, am 1. Februar. 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V. d. B.: Felsing, 1r. Beigeordneter. Stammholz - Versteigerung. 738) Donnerstag den 4. Februar wird in den Domanialwald - Abtheilungen Rehhecke nnd Altengehegt nachverzeichnetes Stammholz versteigert: 337 Eichen-Stämme mit 12096 Cubikfuß, 64 Nadel- „ „ 2833 „ 4 Buchen- „ „ 238 „ Zusammenkunft Morgens 10 Uhr in der Nehhecke am Gießener Feld. Freitag den 5. Februar werden in der Abtheilung Altgehegt weiter versteigert: 364 Eichen-Stämme mit 10505 Cubikfuß, 5'Nadel- „ „ 341 „ 23 Buchen- „ „ 1156 „ , Zusammenkunft Morgens 10 Uhr un ^^Credtt^für beide Versteigerungen bis 30. ^Gießen, am 26. Januar 1869. Grobherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Dr. Draudt.___________ 750) Freitag den 12. Februar 1869, von Vormittags 10 Uhr an, sollen im Brächter Privatwalde bei Damm, 3-4 Stunde von der Station Frohnhausen ^58^ Eichen-Stämme von 10 bis 40 Fuß Länge und 14 bis 24 Zoll mittlerem Durchmesser, öffentlich meistbietend versteigert werdew Bemerkt wird, daß sich unter genanntem Holze zwei Stämme befinden, welche sich zu Mühlenwellen und noch viele andere zu gutem Schreiner- und Küferholz eignen. Damm, am 30. Januar 1869. Der Vorsteher: Spies. Oberhessische Eisenbahnen. Sektion Gießen. Vergebung von Bauarbeiten. 744) Nachstehende Bauarbeiten werden hiermit zur Submission ausgeschrieben: a. Die Erd-, Maurer, Steinhauer-, Zimmermanns-, Dachdecker-, Verputz-, Schreiner-, Schlosser-, Glaser- und Tüncher-Arbeiten an 9 Bahnwartswoh- mmgen und 8 Wächterhäuschen; ferner b. Die Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Zimmermanns -, Schlosser -, Dachdecker-, Spengler- und Verputz-Arbeiten für das Stationsgebäude zu Großen-Buseck- Die Pläne, Kostenanschläge und Bedingnisse können auf dem Sectionsbüreau dahier eingesehen werden, wo auch die Submissionsformulare zu erhalten sind- Offerten sind längstens bis zum 14. Februar, Abends 6 Uhr, daselbst einzureichen und wird bemerkt, daß sämmtliche Submittenten, unter welchen die Wahl vorbehalten wird, während der darauf folgenden vier Wochen an ihre Offerten gebunden sind. Gießen, den 1. Februar 1869. Der Sections-Ingenieur: ___________________H. Lipp old._______ Holzversteigerung in der Fürstlichen Oberförsterei Hohensolms. 745) Künftigen Montag, den 8. d- Mts-, Morgens 9 Uhr anfangend, soll im District „Eichelsberg", zunächst Hohensolms, folgendes Gehölz versteigert werden: 16 Stecken Tannen-Prügelholz, 71 „ „ Stockholz, 2875 Wellen „ Reisholz, 7000 „ Buchen--Forstreiser, 253 Stämme Fichten-Bauholz von 6 bis! 14 Zoll Durchmesser und 50 bis 100 Fuß Länge, 7593 Cubikf. enthaltend, 498 Stück Fichten-Stangen, 1008 Cubikfuß enthaltend, für Wagner' und Lattenschnitter geeignet. Hohensolms, am 1. Februar 1869. Fürstliche Oberförsterei Hohensolms. _______________Dörmer, Förster.___ Holzverstcigerung. 730) Donnerstag den 4. und Freitag den 5. Februar, jedesmal von Morgens 9 Uhr an, sollen im Steinbacher Gemeindewalde, Di- stricten Hegheck und Ameisenkopf, nachver- zeichnete Holzsortimente öffentlich versteigert werden, als: 8114 Stecken Puchen-Sckeidholz, 13972 „ „ Prügelholz, 93^/4 „ „ Stockholz, 3450 Wellen „ Reisholz, 967'4 Stecken Kiefern-Prügelholz, 69 „ „ Stockholz, 6775 Wellen „ u. Fichten-Reisholz, 389 Fichten- und Kiefern-Baustämme von 6 bis 13 Zoll Durchmesser und 20 bis Fuß Länge, 7058 Cubikf. enth., 2990 Fichten- und Kiefern-Stangen von 2 bis 5 Zoll Durchmesser und 20 bis 60 Fuß Länge, 5361 Cubikf. enth., 10050 Fichten-Bohnenstangen, 1 Eichen-Stamm, 72 Cubikf. enthaltend, 1 Buchen- „ 132 „ „ Der Anfang ist jedesmal in der Hegheck, in der Nähe an der Chaussee von Steinbach nach Annerod. Am ersten Tage kommt das Bau- und Werkholz und am zweiten Tage das Brennholz zur Versteigerung, und wird am ersten Tage der Anfang mit den Bohnenstangen gemacht. Steinbach, am 28. Januar 1869. Großherzogliche Bürgermeisterei Steinbach. 1 Horn. Feilgebotenes Für Militärs. 731) Muster in Faschinen-Meffern mit feinen damascirten Klingen und Semilar-Montur-Gefäße habe ich erhalten. Neflectanten ersuche ich, ihre Bestellungen baldigst abgeben zu wollen, damit für pünktliches Eintreffen garan- tirt werden kann. Preis pro Stück bei'Netto Compt. 4 fl. Louis Senner, Seltersweg. Nnivrrsai - Magen - Liqucur, genannt Victoria, von Franz von Metternich in Mainz, empfiehlt in ganzen Flaschen a 1 fl. 24 kr., „ halben „ « — „ 45 „ „ Viertel- „ ä — „24 „ Eduard Lind, Conditor in Gießen. NB. Leere Flaschen werden gegen Vergütung von 4, 3 und 2 kr. zurückgenommen. (737) 723) Steinkohlen und Braunkohlen erster Qualität empfiehlt Dan. Wirth's Nachfolger _____________________(Th. Geilfus.)_________ 728) Ein schöner eiserner Gcldschrank, fast neu. ist billig zu verkaufen Brauerei Hardt bei Heinz. 735) Ein Haufen guten Mistes ist zu verkaufen bei L- Textor, ____________Darmstädter Haus- 746) Ein Erkerfenster, ,70" hoch und 32" breit, steht zu verkaufen Seltersweg Lit- C. Nr. 190. 734) Ein gutes Zugpferd ist billig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bltts- 744) Euer Wohlgeboren ersuche ich hiermit ergebenst, mir für Patienten wiederholt 7 Töpfchen Ihrer höchst vorzüglichen Brnchsalbe zu senden, und zwar von der scknvächern Sorte 2 Töpfe, von der stärkern 5 Töpfe. Die bis jetzt von Ihnen erhaltenen Portionen haben den nie geahnten günstigen Erfolg gehabt, und ist mithin durch Sie der leidenden Menschheit ein Mittel geworden, welches nicht nur allen Theorien spottet, sondern auch die bruchkranken Mitmenschen Ihnen mit nicht zu beschreibenden Worten dankend segnend verpflichtet sind. . S t e u d n i tz - S i e g e n d 0 r f, Krers Hay- nau, Preußisch-Schlesien, 31. Juli 1867. ■>r. Kraudt. Diese durchaus unschädlich wirkende Wruch salbe von Gottlieb Sturzenegger in Herisau (Schweiz) ist in Töpfen zu 3 fl. nebst Gebrauchsanweisung und Zeugnissen ächt zu beziehen sowohl durch den Erfinder selbst, als durch Hrn. I. B. Lindt, Apotheker, Schnurgasse 58, in Frankfurt a. M. § Gebrüder Born, Erfurt, Samenhändler, Kunst- und Handelsgärtnei, gestatten sich, Gärtner, Gartenfreunde und Blumenliebhaber auf ihr reichhaltiges illustrirtes Preis-Verzeichniß aufmerksam zu machen. Bem. Dasselbe steht jedem Verlangenden gratis und franco zu Diensten. GROSSE PREIS-ERMÄSSIGUNG. Local-Veränderung. 765) Von heute au befindet sich das Ge- schästslocal von Markus Heinrich Budge vis-ä-vis im früheren Postlocal. Gießen, den 2. Februar 1869. (761) Ludwig Geissler W 759) Dienstag den 2. Febuar: CO Jeden Bandwurm gcjud)t. Ziähcres bei der Exved. d. Bltts. I G. Ebel W. Mosler wie Kleinverkauf unserer Weine Gebr. Ebel. ■<2> 8 Vermischte Anzeigen. 732) Ein solider, junger Mann wünscht bei einer anständigen Familie Kost und Logis zu erhalten. Gefällige Adressen nebst Preisangabe bitte bei der Exped. d. Bltts. niederzulegen. 727) Es wird ein braves Dienstmädchen, welches kochen und sofort eintreten kann, iSS’ Jede Bestellung auf p SmT meine Original-Staats- 3 in Hamburg, Bank- und Wechselgeschäft. Meinen verehelichen Stammgästen bin und bleibe ich erkenntlich Gießen, den 1. Februar 1869. 753) Durch Uebergang des Kaffeehauses au Herrn W. Mosler erleidet Groß- keine Veränderung. Das Comptoir bleibt wie bisher im Nebenhause. Gießen, den 1. Februar 1869. .H 8> m Mehrfache Anfragen veranlassen mich, hiermit zur Keuutniß des geehr- ttn Publikums zu bringen, daß ich das photographische Geschäft meines verstorbenen Mannes weiter betreibe. Durch langjähriges Zusammenarbeiten mit demselben ist eS mir möglich, das "Geschäft ganz in der seitherigen Weise fortzuführen und alle vorkommenden Arbeiten, auch größere Gruppen u. s. w-, liefern zu können. Mathilde Stix, Neuen-Bäuen Nr. 85. $ S> 3> K <9 3 Ä 8 Q 8 I Geschäfts - Empfehlung. | tH ^60) Einem diesigen und auswärtigen Publikum bie g; H ergebenste Anzeige, daß ich an hiesigem Platze ein W agn er- :l)geschäft eröffnet habe. Durch dauerhafte und gute Arbeit^ ti; werde ich das mir zu Theil werdende Zutrauen zu rechtfer- IP rß tigen suchen. fc tij Meine Wohnung befindet sich am Asterweg im Vogt'IP :tz schon Hinterhause, vis-ä-vis dem Metzger Stoß. -P M Gießen, den 2. Februar 1869. ' fc 2. Abonnements-Concert (ä la Strauß) hu Saale des Herrn Ph. Leib, ausgefuhrt vom ganzen Mnsikcorps des Großh. Hess. II. Jns-Regiments. Die verehrten Abonnenten werden freundlichst ersucht, ihre Karten mitzubringen. Anfang 7 Uhr. — Entrse für Nichtabonnenten ä Person 18 fr. Programme an der Kasse. (Man bittet, nicht zu rauchen.) Carl von Heugel, nm Kreuz Nr. 6, bei Herrn Tapezier Reiber. & Beginn der Ziehung am 15. Febr s >»» S TiiiiBer entfernt binnen 2 bis 4 Stunden vollständig, schmerz- und gefahrlos; ebenso sicher beseitigt auch Bleichsucht und Flechten und zwar brieflich Voigt, ArztzuCroppeustadt (Preußen). ^us.DbigeS höflichst Bezug nehmend, werde ich eifrigst bestrebt sein, den Wünschen und Anforderungen eines verehrlichen Publikums zu entsprechen und zeichne mit Hochachtung Gießen, den I. Febrnar 1869. A Es werden nur Gewinne gezogen. g Gewinngelder und amtiielie y Kiehungslisteil sende meinen In- J teressenten nach Entscheidung prompt % «P und verseh wiegen. <<> Durch meine von besonde- J % rem Glück begünstigten § & Loose habe meinen Interessenten be- & 8 reits allein in lleutscliland ® ■< die allerhöchsten Haupt- v Streifer von 300,000, 995,000,^' *1S7,5OO, 15*5,500, 150,000, » A 130,000 , mehrmals 195,000, mehrmals 100,000 , kürzlich v schon wieder das grosse & R OOS von 199,000 und am $ x Jüngsten Weihnacht schon $ 7 wieder den allergrössten & ;<• Haupt-Gewinn ausbezahlt. Loose kann man der Bcquemlich-^ <£££" keit halber auch ohne Brief, einfach auf eine Jetzt üb- L liehe Postkarte, machen. & Laz. Sanis. Lohn Versicherunsis-Gssellschast ju (Erfurt. @ta^mflon^i9e8 Grnndeapital Million Gulden ntr)-»-.•f d) Iu6 öoii Feuer-, Lcbenscapital-, Aussteuer - und Passa- feb7r'®S SPrämien empMlt sich und ist ,ur Ertheilung ^anuar 1869. Krauskopf, Hofger.-Advocat. •) Die Verloosung geschieht unter Staats- Aufsicht. V) kostet ein wirkliches Original- Staats - luOOS (nicht von den ver- -7. gbotenen Promessen), und werden solche @ >) gegen frankirte Einsendung des« 'Ä Betrages oder gegen Post- ® A Vorschuss, selbst nach den ent- @ ferntesten Gegenden van mir & versandt. 8 Heute Dienstag 4. Vorlesung über unfern Mond. 5. Kosmographifche Bovlefunq, ^'"woch den 3. Februar, Abends präcis 7 Uhr, in der kleinen Aula n , . _ der Universität. J111 unb Fluth. Tableau, das Egyptische, Ptolemäische, Copermcanische und Brahesche Sonnensystem zum Vergleich darstellend. ^kllurlum und Lunarium von Astronom Professor Gelpke, welches beim Erd- und Mondumlauf, lange Nacht der Pole, Sonnennähe hnv^unemerne, Phasenwechsel des Mondes, Sonnen- und Mondfinsternisse ?c. >c. öureb bewegliche Kugeln, für Jeden leicht faßlich erklärt. — (Speciellcres s. Programm). Mehrfachen Anfragen zu begegnen weit der Raum ausrcicht "- 4 für die zweite Hälfte ^Woitncmcnt, in welchem die Verhältnisse unserer Erde, Atter, ein Geologischer Ucbcrblick derselben, sowie die cn=^>eriobe, die Meteorologischen Erscheinungen und ein Aufblick zum mit Clt abgehandelt werden. — Die 4 letzten Vorlesungen sind auch ohne die früheren gehört zu haben Jedem leicht verständlich. Abonnements-Preis von incl. 3. bis 8. Vorlesung. hÄ ?• . Tarnilien-Billet 5 fl. Drei Damen zusammen auch 5 fl. J1? tn der- Univ.-Buchhandlung des Herrn I. Ricker und in meiner Wohnung zu haben. Billets zu einer Vorlesung 1-/2 fl SÄST Eine Kasse findet nicht statt! Freibwrger $ Staats-Präniieii-Anleilie. 8 748) Der Verkauf der Prämien- y ® Obligationen ist von allen Regie- & rungen des In- und Auslandes gestattet. 8 Die Haupt-Gewinne betragen Francs Abend \\ Nm teil auf tin 61,1 in etniq Wate b(i •*< «orte J1?1 l° s-hr "“W « s Mfa *hd)en bn8tn6 »a[ konnte." tu, tel fi, i U l b#4‘ ’« ’ '“Wai« Jin Verlage von I. Schneider in Mannheim ist soeben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Die Entstehung der geistlichen und weltlichen Macht des Papstthums Bon Carl Scholl, Prediger der freireligiösen Gemeinden in Mannheim und Heidelberg. Gr. 8°. geh. Preis 15 Sgr. 48 fr. rhein- Von demselben Verfasser sind früher erschienen: Dreie Stimmen aus dem heutigen Frankreich, England und Amerika über Lebensfragen der Religion. 40 Bogen gr. 8° geh. Preis 2 Thlr. 10 Sgr. - 4 fl. rhein. Der neueste Fastenhirtenbrief deS Erzbischofs von Freiburg, Herrmann von Vicari. Insbesondere für freisinnige Katholiken beleuchtet. Gr. 8° geh. Preis 4V2 Sgr. — 15 kr rhein. Die freien religiösen Gemeinden in ihrem weltgeschichtlichen Beruf für Reu- gestaltung der Zukunft durch die Religion der Humanität. Gr. 8° geh. Preis 2 Sgr. - 6 kr. rhein._______________________________________________________ Uebei* Ooaks - Heiz ung. Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, über die Heizung mittelst Eoaks, die sich bereits in vielen Städten als angenehme und billige Zimmerheizung eingebür- gert hat, und welcher auch in unserer Stadt mit jedem Winter mehr Beobachtung geschenkt wird, hier Näheres zu erfahren. Die Heizkraft der Eoaks ist denen der besten Steinkohlen gleich; fte geben, da sie bei ihrer Darstellung entschwefelt werden, nicht den unangenehmen Geruch der Steinkohlen, sind diesen gegenüber deshalb aus Gesundheitsrücksichten empfehlenswerther, verbrennen rußfrei, erfordern alfo nur selten das Ausputzen des Ofens und sind auch in Bezug auf Reinlichkeit den Steinkohlen sehr vorzuziehen. Jeder gutziehende Steinkohlen-Ofen ist zur Eoaks-Feuerung tauglich. Das Verfahren des Heizens ist Folgendes: Man macht zuerst, wie bei dem Steinkohlen-Feuer, auf dem gut gereinigten Roste ein gewöhnliches Holzfeuer an und wenn dieses im Niederbrennen begriffen ist, werden die trockenen Eoakes, die zuvor jedoch zu Stückchen von der Größe einer welschen Nuß zerkleinert sein müssen, in einer Höhe von ungefähr 1/2 Fuß aufgeschichtet. Das Zugthürchen muß während des Brennens geöffnet sein, nur wenn die Gluth zu stark werden sollte, kann dieselbe mittelst Schließen des Zugthürchens gedämpft werden. Das Auflegen neuer Eoaks — was übrigens nicht "so oft wie bei der Steinkohlen-Feuerung zu geschehen braucht — muß rechtzeitig (bevor das Feuer anfängt, schwarz zu werden) stattstnden, der Rost ist zuweilen, aber nur von unten, mittelst des Hakens von der Asche zu befreien. Hansen sie in & Vogler Zeitungs-Annoncen-Expedition in FRANKFURT AM MAIN. Filialgeschärte: in Basel, Berlin, Hamburg, Leipzig, Wien. (E i n g e s a n d t). Nachdem nun die Frage definitiv entschieden ist, daß der neue Bahnhof der oberhessischen Bahnen gleichfalls auf dem Seltersberg erbaut wird, kann man auch getrost der Ueberzeugung sein, daß auch die andern zu errichtenden Bahnhöfe dort ihren Platz finden werden. Nach den Bahnhöfen führt bis jetzt für Gießen nur etil Fahrweg, der Seltersberg. Für die nordwestlichen Theile der Stadt würde es von eminentem Vortheil sein, wenn für sie eine neue kürzere Verbindung hergestellt werben könnte. Eine solche natürlichste und bequemste Verbindung wäre die, wenn ein guter Fahrweg über den sog. LooS'schen Felsenkeller durch die Neustadt nach dem Tiefenweg oder Reichensand geführt würde. — Hierzu bedürfte es der Erbauung einer festen Brücke über die Wieseck und lieber» Deckung des Schoorgrabens. Schon längst ist es ein schreiender Uebelstand, daß der Weg in so derangirtem Zustande sich befindet. Wirklich zu verwundern ist, daß noch kein Unglücksfoll vorgekommen ist auf diesem oft bis in die Nachtzeit frequentirten Fußwege, welcher dicht an dem Graben vorbeiführt, ohne daß auch nur die geringste Umzäunung vorhanden. Unsere großen Jahrmärkte werden jedenfalls an Bedeutung gewinnen, wenn die verschiedenen, bereits in Bau begriffenen und noch projectirten Bahnen beendigt sind, auch für sie würde ein guter naher Fahrweg nach den Bahnhöfen von großem Vortheil sein. — Das Bedürfniß nach einem solchen Fahrwege wird, je mehr Gießen an Verkehr gewinnt, desto nachhaltiger fühlbar werden und auf diese Umwandlung des bisher schlechten Fußweges dringen. — Möge unser Stadtvorstand diese Angelegenheit in Erwägung ziehen und möge er den Jntereffen der Neustadt und des Walllhors gerecht werden. In diesen Stadttheilen sind bedeutende Firmen, welche sehr viel Maaren aus- und einführen; in ihrem Interesse und zuletzt zin dem der Stadt liegt eine rasche und schleunige Erledigung dieser Angelegenheit. F e u i l Verschwiegene Liebe. Erzählung von Hermann Semmig. (Fortsetzung und Schluß.) Es ist vielleicht noch Zeit," fiel er hastig ein, als Frau v. N. erschrocken auffuhr; „suchen Sie das Vertrauen Ihrer Fräulein Tochter zu gewinnen, aber seien Sie zart und vorsichtig." Als sie aber noch immer zweifelnd einwarf, daß bet der einfachen Lebensweise und dem beschränkten Freundeskreise der Familie an einen Roman, wie er es nenne, gar nicht zu denken gewesen sei, drang er mit Entschiedenheit auf eine sofortige Unterredung der Mutter mit der Tochter, wenn er noch länger nützen solle. Die Unterredung hatte noch am selben Abend statt. Bei der zu großen Vorsicht, die die Mutter anwandte, fand ihre Frage lange keine Antwort, nicht einmal ein Verständniß, wie es schien; endlich in der Höch- sten Seelenangst bestürmte sie das Herz ihrer Tochter mit den zärtlichsten, dringendsten Bitten um ein offenes, vertrauensvolles Bekenntniß. Da stand Marie auf, schien, während sie ihre Mutter ansah, einen heftigen inneren Kampf zu kämpfen und sank dann auf das Sopha zurück, ihr Haupt unter lautem Schluchzen und Weinen in die Kissen verbergend. Ihre Mutter umschlang sie mit Küssen und Tdränen und entwand endlich ihrem Herzen das süße Gift, an dem es hinstarb; Marie gestand, daß seit dem Tage, wo Wilhelm sie mit Gefahr seines Lebens gerettet hatte, sie von einer unbezwinglichen Liebe zu ihm ergriffen worden war. Dieser Zug männlichen Muthes und aufopfernder Freundschaft hatte ihr auch die Augen für seine männliche Schönheit geöffnet, die nur der Wiederschein seines reinen edeln Herzes war. „Aber," sagte Marie, „er war arm und niedrigen Standes, ich bin reich und dazu von Adel; bei aller Freundlichkeit, mit der er bei uns ausgenommen war, fühlte ich wohl, daß Ihr in ihm nur das arme Nachbarkinv von unserm Dorfe saht, das durch unsere Annahme geehrt ward, nie, meinte ich, würdet Ihr meine Liebe billigen, die Euch nur Kummer bereiten würde, und ich habe lange und schmerzlich mit ihr gerungen ; aber sie war stärker als ich, ich unterlag ihr." Stumm und nachsinnend hatte ihre Mutter ihr zugehört, stumm hielt dieselbe fte noch eine Zeit lang in den Armen, dann küßte sie sie auf die Stirn und sprach mit tröstendem Tone: „Sei ruhig, meine Tochter, wir lieben Dich, und es kann noch Alles gut werden." Marie preßte ihre Mutter heftig an ihr Herz, dann schüttelte sie den Kopf und sagte: „Ich fürchte, es hat mich nur zu sehr angegriffen; Alles, was ich bitte, ist, daß meine Eltern ihrer Tochter nicht zürnen." Noch am feiten Abend sprach Frau von N. mit ihrem Gatten, und als derselbe am nächsten Morgen seine Tochter zum Spaziergang an den Arm nahm, sagte er: „Mache Dich auf eine Ueberraschung bereit, meine liebe Marie; ich glaube, Wilhelm wird in einigen Tagen kommen, ich habe ihm heute Morgen geschrieben." Marie zitterte bei diesen Worten zusammen und umschlang mit herzlichem Kuß ihren Vater, Worte aber konnte sie nicht finden. In der That waren die Eltern nicht so sehr von Standesvorurtheilen befangen, daß sie denselben, zumal in so drängender Gefahr, das Leben ihrer einzigen Tochter geopfert hätten. Herr von N. hatte sofort um einen Urlaub für Wilhelm und zugleich um seine gänzliche Dienstfreiheit geschrieben, und eine verweigernde Antwort stand bet seinen einflußreichen Verwandten nicht zu befürchten, wie auch die Erfüllung bald zeigte; übrigens war er fest entschlossen, fein Opfer zu scheuen, wofern er Marien retten könnte." Wilhelm kam an. Der erste Empfang war peinlich für Alle, für die Eltern, weil sie sich nicht erwehren konnten, in Wilhelm die erste, wenn gleich un- freiwillige Ursache deS Unglücks zu sehen; für diesen, weil ihn, der sich solchen Eindrucks auf Marien gar nicht versehen, nur eine rein freundschaftliche Neigung zu ihr gehegt und immer an einen äußeren Anlaß zur Krankheit gedacht hatte, die Nachricht gänzlich unvorbereitet getroffen und er daher nur mit Verlegenheit ein Glück begrüßen konnte, das er so schmerzlich erkaufte, und das ihm, wie er wohl empfand, nicht ganz leichten Herzens gegönnt ward; für Marien endlich, l e t o n. weil ihr zartes Herz dies Alles ahnte und fühlte und mit beiden Theilen, alfo doppelt litt. So ward der Balsam der Genesung selbst zu Gift. Indessen leuchteten doch einige schöne Tage tröstend in diese Trauer hinein; durch das Unglück sanfter gestimmt, schlossen sich die Herzen bald in weicher Ergebung an einander an und wurden durch die Hoffnung, daß nun Marie und mit ihr das Glück Aller wieder aufleben würde, noch inniger verkettet. Die selige Täuschung währte indessen nicht lange, die Kranke brach sichtlich zusammen, das Hebel hatte zu tief Wurzel geschlagen gehabt. Schmerzlos fühlte sie ihre Kräfte hinschwin- den, glücklich, mit dem Geliebten vereint zu sein und ihr Glück endlich vorder Welt bekennen zu dürfen, denn durch das Bekenntniß des Glückes fühlt sich das Herz erleichtert wie durch das der Schuld. Eines Abends entschlief sie sanft in Wilhelms Armen, sanft wie das Abendroth am Himmel verlosch. Sie starb an verschwiegener Liebe. Ich sage Nichts von dem Schmerz der Zurückgebliebenen. Die Mutter war untröstlich. Was Wilhelm leiden mußte, von welch' widerstreitenden Empfindungen sein Herz zerrissen ward, werden zartfühlende Seelen sich selbst sagen. Als die Unglücklichen nach längerer Zeit endlich wieder Worte fanden, sagte Herr von N. zu Wilhelm: „Mein lieber Wilhelm, Sie sind uns ein geliebtes Vermächtniß unserer unvergeßlichen Marie, das Vermögen der Dahingeschiedenen geht auf Sie über, Sie bilden von nun an ein Glied unserer Familie." Wilhelm erwiederte nichts, einige Tage daraus war er heimlich abgereist; man brachte Herrn von N. folgenden Brief: „Innig verehrter Herr! Meine bloße Gegenwart würde für Sie eine stete qualvolle Erinnerung fein. War ich schon unschuldiger Weise die Üuelle Ihres Unglücks, so will ich doch nicht wissentlich Wunden von Neuem aufreißen, die an sich schmerzlich genug sind. Ich verlasse Sie, um Sie nie wiederzusehen ; nur den Einen Trost wollen Sie dem Scheidenden nicht versagen, Ihren Segen und die Vergebung alles Elends, das er so unglücklich gewesen ist, über Sie zu bringen. Weiter bitte ich Nichts von Ihnen. Nachdem ich diesen Engel verloren habe, dessen Liebe allein mich glücklich machte, hat aus der Welt Nichts mehr Werth für mich. Leben Sie ewig wohl, ich küsse Ihnen mit Hochachtung die Hand. Tröste Gott die Mutter meiner Marie. Ihr Wilhelm." Die unglücklichen Eltern hatten wenigstens den Trost, daß Marie einen ihrer Würdigen geliebt hatte. Nie fanden sie eine Spur von ihm. — Lange nachher, gegen das Ende der dreißiger Jahre, konnte man durch die Straßen Leipzigs einen noch jungen, ärmlich gekleideten Mann schleichen sehen, dessen bleiches abgezehrtes Antlitz, von grauem Haar nachlässig umflattert, ein frühes Alter andeutete; Gram und Elend schienen zugleich an ihm zu nagen. Es war Wilhelm. Kümmerlich lebte er hier in strenger Zurückgezogenheit von Notenabschreiben nnd schien fast absichtlich nicht mehr verdienen zu wollen, als eben nöthig war, um ein ihm längst zur Last gewordenes Leben zu fristen, ohne gerade Hungers zu sterben. Sein einziger Trost, feine einzige Erquickung war die Musik. An schönen Sommerabenden, wenn die Spaziergänger aus dem Rosenthal über den alterthümlichen, fast reichsstädtischen Marktplatz der reichen Handelsstadt heimkamen, konnten sie oft an einem der hohen Häuser, mit denen hier die PeterSstraße auf den Markt ausläuft, eines der mondbeglänzten Fester im höchsten Stock sich offnen sehen; schmelzend süße Flötentöne quollen dann von dort, wehmüthig, innig, wie Nachtigallenlaute, durch die stille Abend- luft zum Vollmond auf und trugen die Seufzer des Schmerzes und der Sehnsucht aus Wilhelms müdem Herzen der himmlischen Heimath der Geliebten zu. Bald verstummten auch sie. Wilhelm war verschwunden. Ich weiß nicht, wo er geblieben, o b er geblieben. Alsfeld, 29. Jan. An Steve des jüngst verstorbenen Professors Sölden wurde von den auf heute zusammenberufenen Wahlmännrrn der vcnsio- nirte Hofgerichtsrath Schufz zu Darmstadt zum Land- tags-Deputirten unserer Stadt gewählt. Berlin, 29. Jan. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses führte im weiteren Verlaufe der Discussion über die, die Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg betreffende Regie- rungS-Vorlage Graf Bismarck aus, daß die Regierung beim Abschlüsse des Vertrags mit dem König Georg vom Wunsche geleitet worden sei, den Frieden zu erhalten. Da aber die Welfen-Agitation trotzdem nicht aufhörte und König Georg die Rolle eines kriegführenden Fürsten spielte, so befand sich Preußen im Stande der Rothwehr. Wir müssen — fuhr Graf BiSmcuck fort — dem frevelhaften Spiel ein Ende machen, welches aus erbärmlichen dynastischen Interessen das Wohl des Vaterlandes aufs Spiel setzt und selbst die Conspiration mit dem Auslande nicht verschmäht. Bei der Abstimmung wurde der Antrag von Schulze (Beschreitung des Rechtsweges) und der Antrag Virchow (Lossagung vom Vertrage) abgelehnt, dagegen der Commissionsantrag mit 256 gegen 70 Stimmen angenommen. Die hannover'schen Abgeordneten enthielten sich der Abstimmung. Berlin, 30. Jan. Im Abgeordnttenhausc fanden heute die Verhandlungen über die Regierungs- Vorlage, betreffend die Beschlagnahme des Vermögens des ehemaligen Kurfürsten von Hessen, statt. Graf Bismarck verlheidigte die Vorlage und erwähnte, daß vor einiger Zeit der Friede bedroht schien und die Spannung erst in Folge des Ministerwechsels in den Donaufürstenthümern nachließ. Die drohende Störung des Friedens war durch Mißverständnisse wie durch Verläumdung der rumänischen Regierung enistanvcn. Mit zunehmender Gefahr, den Krieg ausbrechcn zu sehen, hing die Steigerung der preußen- feindlichen Agitation zusammen. Diesen Aufhetzereien müsse ein Ende gemacht werden. Leider speculire man im Auslande noch immer, und nicht mit Unrecht, auf die Zerrissenheit und den Mangel patriotischer Gesinnung in Deutschland. Schließlich wurden sämmtliche Commissionsanträge mit großer Majorität angenommen. Heidelberg, 29. Jan. Heute geht von hier eine Zuschrift des Gemeinderaths und engeren Bürgerausschusses an Bürgermeister Strohmeyer in Konstanz ab, worin dem Gefühle der Entrüstung über die ihm von der Freiburger Curie widerfahrene Ex- communication, sowie auch der in allen Theilen des Landes von allen Confessionen ihm gezollten Hochachtung Ausdruck gegeben wird. Mannheim, 29. Jan. Zu dem bereits angezeigten Resultat der Abstimmung der hiesigen pro- testantisch'katholischen Einwohnerschaft über die Einführung der gemischten Volksschule kann nachträglich das ebenfalls erfreuliche Ergebniß der heute erfolgten Abstimmung unserer israelitischen Gemeinde ge- meldet werden. Aller von ultramontaner und orthodoxer Seite gemachten Anstrengung zum Trotz, Haden Aufklärung und Fortschritt in dieser wichtigen Lebensfrage ein Lebetwzeichen von sich gegeben, das unserer Stadt zur Ehre gereicht und eine Bürgschaft für den Geist des Friedens und Der Duldung ist, durch den die Gesittung sich auszeichnet. Die Befriedigung über das Resultat dieser Abstimmungen ist allgemein, und die Wenigen, welche ihren Groll darüber verbergen, suchen gute Miene zu machen. Die Stadt wurde heute Nachmittag festlich geschmückt, und Böllerschüsse verkündeten auch der Umgegend, daß etwas Außergewöhnliches sich ereignet habe. Aus Baden, 28. Jan. Die Kundgebungen zu Gunsten des excommunicirten Bürgermeisters Stro- meyer in Konstanz mehren sich. Ein in Lahr abge- halNner Bürgcrabend hat auf telegraphischem Wege den Herren Stromeyer und Fauler Dank und Anerkennung übermittelt. Dem „Mannh. Journ" zufolge berathen heute die Gemeindehörden über eine Kundgebung an Bürgermeister Stromeyer in Konstanz. In der gestrigen Sitzung des literarisch-ge- selligen Vereins brachte ein katholisches Mitglied in warmer Ansprache ein Lebehoch auf Herrn Stro- meycr aus, in welches die Versammlung jubelnd einstimmte. Ein Telegramm brachte demselben mit dem Ausdruck ehrendster Hochachtung davon sofort Kunde. Auf einem gestern in Konstanz abgehaltenen Bürgerabend wurde dem excommunicirten Bürgermeister ein Hoch gebracht. Derselbe dankte und wiederholte seine früher schon gemachte Zusicherung, daß er auf ein von 150 Bürgern unterzeichnetes Mißtrauensvotum hin alsbald seinen Posten räumen werde. Wieu, 30. Jan. Wie die „N. fr. Pr." meldet, bestehen unter Den Großmächten Discrete Abmachungen, wonach für Den Fall, daß das Resultat der Conferenz wirkungslos bleiben sollte, Die collidi- r nDen Staaten sich allein zu überlassen wären; Die Mächte würden aber darauf bedacht fein, die heiklige Situation vor der Ausbeutung durch hierzu notorisch geneigte Elemente zu behüten. Paris, 28. Jan. Das „Pays" veröffentlicht folgende Einzelnheit aus einer in Der Pariser Vor- staDt Belleville abgehaltenen öffenilichen Versammlung, wie sie Das Verclnsgesetz autorisirt hat. Der Redner, Hr. Avray, sagt: Vor einigen Tagen fiel nur ein im Jahr 1844 geschriebenes Buch in die Hand, und wenn die Versammlung es mir gestattet, will ich ihr etwas daraus citiren : „Die arbeitende Klasse besitzt nichts.... (davon werden Sie Alle wohl etwas wrss.n) man muß sie zur Eigenthümerin machen..." Eine Stimme: Wir sind auf dem Wege, es zu werden. Herr Avray (liest) : „Man muß sie durch die Association und Disciplin auf» richten." Eine Stimme: Was die letztere betrifft, so mache ich mir nicht viel daraus. Zahlreiche Stimmen: Der Verfasser? Eine Stimme: Louis Bonaparte. Hr. Avray: Der Prinz Louis Bonaparte. Eine Stimme: Nun das ist ja schön! (Beifall.) Hr. Avray: Was aus dem Verfasser geworden ist, weiß ich nicht, er ist vielleichtgestorben. Eine Stimme: Nein, erlebt noch, aber man muß hoffen, daß das Andere bald kommen wird. Man sagt mir, er hätte seinen Namen verändert (Gelächter, Bravos.) Das brave „PayS" fügt hinzu: So erntet Der Kaiser die natürliche Frucht der Zugeständnisse, die er gemacht hat. Madrid, 25. Jan. Wie bereits bekannt, hat am gestrigen Tage der erste öffentliche Gottesdienst in Der neu eröffneten evangelischen Capelle Dahier, unter Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, statt- gefunDen. Alles ging in Der größten Ordnung vor sich. In Sevilla, Malaga und Granada bestehen übrigens bereits seit einiger Zeit anglikanische Capellen, in welchen regelmäßig öffentlicher Gottesdienst gefeiert wird. Zu verwundern ist Dagegen, daß die Israeliten nach Aufhebung des im 15. Jahrhundert gegen sie erlassenen Verbannungsoekrets, und obwohl ihrer viele schon seit einigen Jahrzehnten in verschiedenen Städten Spaniens, namentlich in Madrid, Barcelona, Gerona, Malaga, Sevilla und Cadix völlig ungehindert Handelsgeschäfte betreiben, nicht zahlreicher einwandern. Besonders nimmt dieß Wunder von den zahlreichen in England, Südfrankreich, Holland, Italien und Der Türkei wohnenden sog. „spanischen und portugiesischen Juden", umsomehr als in Den genannten Städten sich dem Un- ternehmungs- und Handelsgeiste Der Israeliten ein ausgeDehutes FelD Der ergiebigsten Thätigkeit dauernd eröffnen dürfte. Der Errichtung von Synagogen würde mit der größtes Bereitwilligkeit entgegen» gekouimcn und alle mögliche Förderung gewährt werden. Vermischtes. Darmstadt, 30. Jan. Daö heute erschienene Regierungsblatt Nr. 3 enthält: I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, dahin lauten» : Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Ludwig und Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Ludwig von Hessen haben am 26. November 1868 den Armen der Haupt * und Residenzstadt Darmstadt ein Geschenk von 2000 fl. zugewendet. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben diese Schenkung Allergnädigst zu bestätigen geruht, und wird dieses, zufolge Allerhöchsten Auftrags, hiermit zur öffentlichen Kcnntniß gebracht. 11. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des In. nern L die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend. III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz, die in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen lega- lisirten Grundbücher betreffend. IV. Bekanntmachung Großherzoglichen Kriegsministeriums, die Freiherrlich von Weyherische Eleonorenstiftung betreffend. V. Uebersicht der im Jahre 1868 in den Irrenanstalten des Großherzogthumö verpflegten Kranken. A. Im Großherzoglichen Landes-Hospital : Die Ge- sammtsumme der Pfleglinge betrug 252 Männer und 203 Frauen. Der Bestand der Pfleglinge am 1. Januar 1868 war: 211 Mr., 183 Fr. Im Laufe des Jahres gingen zu: 41 Mr., 20 Fr. Entlassen wurden 20 Mr., 17 Fr. Ab gang durch Tod: 25 Mr., 13 Fr. Bestand am Schluffe des Jahres 207 Mr., 173 Fr. Nach ihrer Heimath gehörten an: der Provinz Starkenburg 117 Mr., 97 Fr.; Oberheffen 76 Mr., 50 Fr. Rheinhessen 47 Fr., 45 Fr.; dem Königreich Preußen 12 Mr., 11 Fr. B. In der Großherzoglichen LandeS-Jrrenanstalt: Die Gesammtsumme der Pfleglinge betrug: 105 Mr., 97 Fr. Bestand der Pfleglinge am 1. Januar 1868: 52 Mr., 48 Fr. Im Laufe des Jahres gingen zu: 53 Mr.', 49 Fr. Entlassen wurden: 33 Mr., 22 Fr. Abgang durch Tod: 9 Mr., 5 Fr. Bestand am Schluffe des Jahres: 63 Mr., 70 Fr. Nach ihrer Heimath gehörten an: der Provinz Starkenburg 49 Mr., 50 Fr.; Overhessen 17 Mr., 21 Fr.; Rheinhessen 30 Mr , 19 Fr.; dem Auslande: 9 Mr., 7 Fr. VI. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 19. Dec. 1868 dem Schulamts-Aspiranten Zimmermann aus Frei-Laubersheim die erste evangelische Schulstelle daselbst, — dem Schulamts-Aspiranten Hofmann aus Fränkisch - Crumbach die 2. evangelische Schulstelle zu Spachbrücken zu übertragen; — dem evangelischen Pfarramts - Candidaten Werner aus Ober-Ramstadt die evangelische Pfarrstelle zi^ Lißberg zu übertragen; — die Hofstallbeikncchte Carl Marmuliau Schneider aus Höchst — und Conrad Weber aus Eicheisachsen zu Hofkutschern zu ernennen; — den Hauptpostamts-Conlroleur Gunderloch zu Bingen in gleicher Eigenschaft an das Hauptzollamt Worms und die damit verbundene Ortöeinneh- merei der inneren indirecten Auflagen zu versetzen, — den Hauptzollamts-Assistenten I Claffe, Blöcher zu Mainz, zum Contrvleur bei dem Hauptzollamt Bingen und der damit verbundenen Orteeinnehmerei der inneren indirecten Auflagen; — am 30. Decbr. 1868 den PfarramtS-Candidaten Marr aus Laubach zum Lehrer an dem evangelischen Schullehrer-Seminar zu Friedberg zu ernennen, — dem Schullehrer an der ersten evangelischen Schule zu Großen-Linden, Hardt, die erste evangelische Mädchenschulstelle zu Pfundstadt, — und dem Schullehrer an der evangelischen Schulstelle zu Friesenheim, Kisseberth, die evangelische Schulstelle zu Wald-UelverS- heim zu übertragen; — an demselben Tage dem Feldwebel im , viertem Infanterieregiment, Hering aus Raubach, zum Portier auf der Station Bensheim der Main-Neckar-Eisen- buhn zu ernennen; — am 2. Jan. 1869 dem Volksschullehrer Blickhahn aus Altheim die Lehrerstelle an der Realschule zu Friedberg, jedoch unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, zu übertragen. VII. Concurrenz für: die erste katholische Schulstelle zu Unterschönmattenwag mit einem Gehalte von 322 fl. 24 fr., nebst einer jährlichen Vergütung von 34 fl. für Heizung de6 SchustocalS; — die katholische Schulstelle zu Aschbach mit einem Gehalte von 300 fl. Darmstadt. Auf dem am Dienstag an einer Stelle zu schwachen Eis de« großen Woogs brach ein Knabe ein; ein Civilist, der ihn retten wollte, hatte das gleiche Schicksal; diesem folgte ein einjähriger Freiwllliger und diesem ein Infanterie-Lieutenant. Alle vier wurden schließlich mit Haken dem nassen Element entrissen. Worms. Kürzlich präsentirte sich in Zweibrücken ein sehr respectabel suSsehender Herr in den Häusern dortiger Israeliten, um für 15 abgebrannte israelitische Familien in Allendorf bei Gießen, woselbst er CultuSgemeindevorstand sei, persönlich zu collectiren, und hatte zu diesem Zwecke eine Anzahl amtlicher Schreiben, sowie auch Zeichnungen von Israeliten aus Saargemünd, Kaiserslautern, Neustadt, Landau ?c., die sehr namhafte Beiträge auswiesen, bei sich. Derselbe wurde indessen als ein gewisser Strauß von hier erkannt, der schon öfters solche Schwindeleien- verübt und in Hessen schon 3 Jahre im Zuchthaus gesessen hatte. Im Begriff abzureisen, wurde er, auf Anzeige bin, von einem Polizerdiener ersucht, ihm auf das Polizei-Commissariat zu folgen, entsprang aber unterwegs und scheint glücklich entkommen zu sein. — ES ist immer gut, wenn derartiger Schwindel bekannt wird, damit das gutmüthige Publikum nicht- so leicht ein Opfer desselben werden kann. Coblenz, 25. Jan. Eine hiesige Dame schenkte ihrem Gatten zum Neujahrsangebinde Drillinge. Dieselbe Dame hatte bei ihrer ersten Niederkunft dem Gatten nur ein Kind geschenkt, bei der zweiten aber Zwillinge, so daß die Sippe nach dem dritten Wochenbette sechs Köpfe stark ist, die sich, wie die Mutter, ungetrübten Wohlseins erfreuen. *** Verdächtige Wörtchen. „Bekanntlich" ist ein Wörtchen, das harmlos klingt, hat eS aber sehr hinter den Ohren. „Bekanntlich", sagt gern Jemand, wenn er etwas vorträgt, das voraussichtlich keinem der Zuhörer bekannt ist, und das er selbst eben erst gelernt ober sich - auch auSgedacht hat. Sagt Einer z. B.: „Bekanntlich liegt 39 Meilen oberhalb der Mündung des Danktsekiang die kleine Festung Brimborium" — so stellt er sich durch dies „Bekanntlich" nicht nur selbst in sehr vortheilteS Licht, sondern er schmeichelt auch gar sehr allen Zuhörern, bei denen er so außerordentliche Kenntnisse vorauSsetzt. — „Eigentlich' ist ein Wörtchen, auf das man in den meisten Fällen auch nicht einen Pfennig geben darf. „Eigentlich" — habe ich schon gefrühstückt" bedeutet so viel als: „®ieb her, was Du hast! mir ist als hätt' ich drei Tage lang nichts gegessen!" „Eigentlich muß ich nach Hause," sagt Schoppenstecher, indem er nach der Uhr sieht, und bleibt bis zum Morgen sitzen. Wer „eigentlich" mit dieser und jener Vorlage ter Regierung durchaus nicht einverstanden ist, auf dessen Stimme kann der Minister in jedem Falle am sichersten zählen. — „Gewiß" ist ein Wörtchen, das gewisse Leute, wenn sie noch im Ungewissen sind, dennoch gern als Antwort auf dringende Fragen gebrauchen. Z. B.: Sage mir, habe ich so nicht ganz recht gehandelt, wie ich gehandelt habe?" „Gewiß!" „'Du bist also fest entschlossen, Dich an dem Unternehmen zu betheiligen?" „Gewiß!" „Kann ich darauf rechnen, daß Du mir zu Jacobi die 100 Thaler zurückzahlest?" „Gewiß!" Wer viel mit „Gewiß" um sich wirft, auf den kann man sich selten verlassen. *** Die Verehrung der Flöhe in Indien geschieht in einem großen, eigens diesem Zwecke geweihten Tempel. Täglich werden in demselben eine Anzahl Parias, Menschen aus der niedrigsten Kaste, die Brahma aus Unrath gemacht haben soll, und die, nach dem Glauben der Hindu's, weit unter den wilden Thieren stehen, eingesperrt, um sich von den kleinen schwarzen Heiligen zerbeißen zu lassen. * Mutter und Tochter sind auf dem Balle. Sieh doch, mein Kind, sagte die Mutter, wie Fräulein A sich ein so bescheidenes Ansehen zu geben weiß. — Ach, liebe Mama, I wie bist du naiv: sie hat längere Augenwimpern, das ! ist alle-. — %* Sehnsucht. (Eine Frau an ihrezr Mann schreibend.) „Lieber Heinrich! Ich habe so großes Heimweh nach Dir; immer wenn ich Deinen Rock an der Thüre hängen seh', denke ich, wenn Du doch an . dessen Stelle wärest." Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Ar- Chr. Pietsch) in Gießen.