Gießener Anzeiger M<»V- Nv. 1. heben lassen. Erscheint wichmMch dret- mal. Dienstag-, Donnerstag« «nd SamstazS. - Expedition: Canzleiverg Stt. B. Nr. 1- • Für auswar- beträstt der ü^ahrige Sßtei, vtttt-ljährltch 36 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen^ vierteljährlich Mi. »cm HeuL« beginn, ein nenes Mhnges Mwnnemen. nnf den ... tiqe Abonnenten, weM jncl. PostausMaqs. . nnfmerffam, dafi nur dann voll- i-tz. bei den P°a ihr NekanntmaelDUNgen. Gj-ßen, am 2. Januar 1869. 78 24 5 Versteigerungen 35) des Dl5 ZU i5"UB Duiiyi, . 100 desgl. Stangen von 30 bls ou HUV berger resp. 36 24 Neisholz, Neisholz, 40 30 7 40 36 5 26 71 „ 563/4 „ 154 3 8 1) die'Lieferung von 39 Ellen naturell Tuch, veranfchll zu 2) die Lieferung von V. -3 Ellen ) dunkelgrünem Tuch, veran- abSfefe>en^ bep 2ß. December 1868. Großherzogliche Bürger-melstern Gießen- 23- D- 23-. Welsing, lr Beigeordneter- ^100 ^Stecken Buchen-, Kiefern- und Weich- Holz, Scheid- und Prugelholz, 50 Stecken desgl- Stockholz, ‘S&’S»..«-- 5 bis 12 Zoll Durchmesser und 30 bis 70 Fuß Länge, _ - - schlagt zu ■ • • • 3) die Lieferung von 80 Ellen marengograuem Tuch, veranschlagt zu - - - - - 4) die Lieferung von 1 Elle hell- blauem Tuch, seranWI- ju 5) das Decatiren üon 121 /6 Ellen Tuch, veranschlagt zu 6) die Lieferung von 120 großen und 24 kleinen glatten neusilbernen Knöpfen, veran- 7) de Lieferung von 14 Kap- pen, veranschlagt zu • • 8) die Anfertigung von b Um- forms-Oberröcken, veran- der zur UuterWtunfl der Staatsstraße^v°n «uT'b™_®«inbtUdj «n der Steinrutsche oder im Ste.Äacher F "S'ÄSS."»«"* g$,spjis-'tos w— machen zu lassen- Gießen, den 30- December 18b8- Grobherzogliches Kreisbauamt Gießen- An Verh- des Kreisbaumeisters. Sch ü ck e r, Kreisbauausseher. 3 ®k ©roKoglidjen Bürgermeistere.en ®k6m' Besondere Bekanntmachung. aax on cr-olge Mittheilung Großherzog' MWW patente eingelöst werden müssen- ^GrotzherzogUche Wirgerrneisterei Gießen. Vogt- Bersteigernng von Fichten-Ttämm- dien und Reisern. 19> Das jenseits der Wieseckbritcke an der Staatsstraße non Gießen nach Grun- Iberg angearbeitete S Fichten-Stärnmchen und 21 §aukn Jeenetn, ssoll Dienstag den o. Januar metstbtetends Der^Anfang ist am Burkhardsfelder Weg am Licher Feld. Lich, den 31. December 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Lia). Helm. ’ Schloßwall zu Hungen. 26) Montag den 4- Januar r. 3-, Stockholz, Holzversteigerung im Gießener Stadiwalde. ^eäÄ^lr.t ’Äe ,£mna®«S®^: H°l/ > «U "^A7^ecken"Nadel-Schetdhol-, ö , Prügelholz, 1701/1 « Stockholz, 11363 Wellen „ Reisholz, 11 1 Stecken Eichen-Prugelholz, i „ Stockholz, nsA Wellen ,, Neisholz. Die Zusammenkunft ist am alten Anne- 182 „ n « 27 Schichten „ ,, D emme. 4r)t Ein gutes Clavier ist zu verleihen, w?t 5 steinerne Thorpfeiler äu oer- faufen bet Nahrung,berg. bei Großherzoglichem Rentamte Gießen nom Jahre 1868. Betreffend: Die Erhebung der Doman.algetalle bet Großy z 9) ^e Änsertigung °°n 6 Hosen, veranschlagt zu - • • • • 10) die Anfertigung von 8 Man- teln, veranschlagt zu - - 30 sollen im Submisstonswege vergeben roev Ln und sind deßfallsige Offcvten in . tn nnrfiftexi 8 Tagen bei der Bürgermeisterei, woselbst Einsicht vom Kostenvoranschlag und den Tuchmustern genommen werden kann, rämmtliM Großheyogtichr Bürgermeistcreien dcg bie Bezahlung der mit Ende — ' '"'l "" Ää« Miß °°« Zwar»««.-- -MM«. 8 , „ Holrversteigerung. 47) Donnerstag den 7. Samiar, } von Morgens 9 Uhr an, kommen im Licher Stadtwalde in verschiedenen Districten folgende Holzsortimente zur 20) Montag den 4- Januar, Morgens 10 Uhr, , soll in dem Bramm'schcn Wirthslocal in der Neustadt dahier das Brechen, die Beisuhr, das Aufsetzen und Das Einkleiden der Flurschutzen 7nd Nachtwachemannschaft bei der Stadt Gießen. 13) Die zur Einkleidung der H-lur- sckützen und der Nachtwachemannschaft bet Stadt Gießen uöthigeu Lieferungen und Arbeiten, närnltch . Tb nerfteisert nnb b.er in der Nähe der Wieseckbrucke gemacht werden Gießen, den 30. December 1868- Großherzogliches Kreisbauamt Gießen- <>sn Pech, des Kreisbaumelsters. Schocker, Kreisbauauffeher- Dienstag den 16- ^fbruar, soll auf dahiesigem Rachhause die Hoftaithe ■ ■ Heinrich Ferber H., als. 5‘« Nr. oKlktr. ouj bfm Markt, 27 gibt 45fr. abgeloste Grundöffentlich meistbiltmd "Ersteigert werden. ^'Zr°ßherzogliches°Orlsgericht Gießen- Ebel- _ Feilgebotenes Martins Lcbcnswkin, Ahrweiler (Nheitwreußen). Preis a Flas». 15Ärlage bei Herrn Iuliu» Wnlla», in Gießen-_____ S» “»“i ” Eiserne feuerfeste Caffaschränke mit Dresor- und Brama-Schlössern, in allen Größen und elegantester Möbelform, für deren Güte garantirt wird, verfertigt ru den billigsten Preisen Butzbach. Georg Kunz, Schlossermeister. 18) Die nach Vorschrift des Königlichen Geheimen Hofrathes und Universitäts- Professors Dr. Karketz in Wann gefertigten Stollwcrck'schen Brust - Bonbons finb ä 4 Sgr pr. Packet ächt ZU haben in Giessen bei C. W. Dietz, Louis Frohnhäuscr und Hofcond. E. Lind; in Hungen bei A. Buch; in Lieh bei H. C. Bingmann. 56 von 53 Zahnwehl von Mittel (34) 8 Uhr, Ende 11 Uhr. As Entree ä Person 6 kr. I 23 Avis für Damen!!! «MW verschwindet augenblicklich durch das berühmte amerikanische Gummiwaaren-Lager en gros & en detail. dem beliebten Blech-Sertett der hiesigen Regiments-Musik. Anfang des ersten Concertes 4 Uhr, Ende 7 Uhr. Unterzeichnete macht die geehrten Damen darauf aufmerksam, daß sie das gründ- lrche praktische Maasnehmen, Zuschnelden und Anfertigen von Damenkleidern, überhaupt , Alles, was zur Damengarderobe gehört, in 4 Wochen lehrt. In Folge meiner gründlichen, leicht faßlichen Methode wird jede Theilnehmerin nach bestimmter Zeit in den Stand gesetzt, jede? beliebige Kleidungsstück nach jeder neuen Mode auf daS Passendste und Pünktlichste anfertigen zu können. Anmeldungen bitte gefälligst baldigst zu machen. Frau Rothenberger, Lindenplatz. Vermischte Anzeigen. 48) Eine Familie von zwei Personen sucht eine Wohnung von zwei größeren und drei kleineren Zimmern. Näheres bei der Exped. d. Bltts. ., in Gießen; Aron Buch in Hungen; H. E. Bingmann in Lich. 23) Im Gasthaus zum Darmstädter Haus, Zimmer ^r. 3, logiren Ausländer, welche Menschenhaare ohne Unterschied der Farbe von jungen, wie alten Damen um hohe Preise einkaufen. Es diene zur Beachtung, daß die Haare nur vom Rückscheitel deS Kopses ausgeschnitten werden, und >er Ausschnitt nicht bemerkbar ist. Auch werden auf Ver- angen häusliche Besuche abaestattet. Die Stunden zum Im Biersaale des Herrn Ehr. Lony Sonntag den 3. Januar: Z Daiibitz-Liqueiir, von der Jury der Pariser Welt- Ausstellung von 1867 prämiirt. Fabricirt vom Apotheker R. F. Dau- bitz, Berlin, Charlottenstr. 19. — Unschätzbares Hausmittel bei schlechter Verdauung, Hämorrhoidal-, Unterleibs- u. Magenbefchwerden. Laaer halten die Herren: Julius Wallach in Gießen; Aron Buch in so) Amerikanische Nähmaschinen für alle häuslichen und gewerblichen Zwecke, versehen mit den neuesten und praktischsten Vorrichtungen, werden unter vollständiger Garantie und gegen erleichterte Zahlungsbedingungen empfohlen bei Alexander Mayer. Geschäfts -Kalender Mit breitem weißem Feld hinter jedem Monat zum Eintcaqen Notizen, zwe» Sorten, pr. Stück 4 Kreuzer • Comptoir-Zkale,wer, IN 4to., pr. Stück 3 Kreuzer; Kleine Etuis-Kalender. IN 8'°, pr. Stück 2 Kreuzer bei Wilhelm Klee. Wiederverkäufe» erhalten angemessenen Rabatt. 43 Epileptische Krämpfe (Fallsucht) heilt der Specialarzt für Epilepsie Dr. O. Killisch in Berlin, jetzt Mittelstrasse JVr. G. — Auswärtige brieflich. Schon über Hundert geheilt. Mogmttia, Uerslcherungs - Gesellschaft in Main;. 42) Die Gesellschaft versichert gegen Feuerschaden, Blitzschlag und Explo- sron: Mobilien, Waaren, Fabrik- und Ackergcräthe, Getreide untz Vieh zu festen, billigst gestellten Prämien. Die Aufnahme von Versicherungen wird durch die Agenten der Gesellschaft be- rettwilligst bewirkt, insbesondere in Allendorf a. d. Lda. durch Herrn Hch. Moll, in Gießen durch Herrn Wilh. Balser, in Lang-Göns durch Herrn Geometer Henrich, in Lich durch Herrn Ioh. Kämmerer, in Wieseck durch Herrn Balth. Seibert. 17) äW tyavifev neueste Ballkränre, sowie mem Hutlager in allen Farben und neuester Faeon, für Dame« uud Herren, empfehle ich bestens. ' Susanns Weiss. Herde zu Steinkohlen- und Holzbrand, Feuerungs- und Küchenaeräthschaften, Stern- und Braunkohlen, in ganzen unb geperlten Waggon-Ladungen und lm Einzelnen f55) empfiehlt A. G. D. Bapft. in Mainz. 5) Grosses Lager in Gummischuhen, Tuchschuhen und Stiefeletten mit Gummisohlen und Besatz. Gummi-Schläuche für Gas-, Dampf- und Wasserleitungen. Gummi-Platten, Schnüre zum Verdichten bei Dampfmaschinen. Kaout- chouc-Kämme. Federhalter, Falzbeine, Ledertuche. Waschtuche für Möbel und FussbocTen. Schweiss-Taffets. Regen-Röcke. Bettunterlagen, wasserdicht. Schuh-Gummizüge, Gürtel, Hosenträger, Strumpfbänder, elastische Litzen, Bänder und Kordel. Sauger auf Milchflaschen, Zahn- inge Zahnkitt. Trinkbecher. Schwämme, labak - und Schwammbeutel , Hosensteff bleiben unerwidert, da, wie schon in einer frühe- £21 J ber Gewinn des Zimmermann nicht so groß ist, sich ro» tf)er burch bte für seine Fabrikate empfang enen enormen Preise in ver- ur3cr % reicher Mann geworden ist, in einen Zeitungskrieg einlassen zu können. Das Publikum möge selbst urtheilen. V e r m i e t h u n g s n. 52) Ein großes Familienlogis ist zu ver- mtethen und Anfang März beziehbar bei Jacob Fromm, ________________________Schloßgasse. 36) Ein Familienlogis ist zu vermiethen und am 1. April beziehbar bei ____________________Fr. Schwaab. 1) Ein freundlich möblirtes Zimmer mtt Cabinet ist zu vermiethen Wallthor- traße Lit. A. Nr. 227.__________________' 57) Ein kleines Familienlogis ist zu vermiethen bei Gg. Schmehl, am Brand. 37) Die Schuldverschreibungen der hie- siaen Loge Nr. 38, 70, 76 und 103 «nd zur Rückzahlung ausgeloost worden nnd können die Beträge nebst Zmftn bis nun 1. Januar bei Herrn Sparkasserechner j?ebr in Empfang genommen werden. Gießen, den 25. Deceinber 1868. ^ür die Freimaurerloge: Dr. Eckstein. 38) Den Vormündern und Euratoren, welche über ihre Verwaltung Rechenschaft abzulegen haben, empfiehl; sich der Unterzeichnete zu Aufstellung der deßfallstgen Rechnungen. Lang. 10) Ein junger Bursche wird in eine Restaiiration gesucht. Das Nähere bei der Exped. d. Blys. 59) Ein braver fleißiger Junge, der sich auf feineres Metalldrehen einüben will, findet bei sofortiger Bezahlung dauernde Stellung. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl. 60) In ein Material-Waarengeschäft wird ein gut geschulter junger Mann in die Lehre gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. ____________________ 62) Ein Mädchen, welches gute Zeugnisse aufzuweisen hat, findet sogleich gegen hohen Lohn Stelle bei G g. Schmehl, am Brand. Geübte Schuhmacher finden für sich und ihre Gesellen dauernde und lohnende Beschäftigung bei der unterzeichneten Schuhfabrik; auch konneu solche, welche im Besitze einer Nähmaschine sind, mit Schäftchennähen ebenfalls beschaf- t,8t ""^Deeschseld & Wallerstei,i, (39) in Offenbach a. M- I. C. Clar^ Buchbinder, Sonnenstraße, empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens. (22) Börsennachrichteu. 31. Deceinber 1868. Preuss. 4*/2% Obi. 933/4 Frankf. 3‘/2% Obi. 813/4 Nass. 41/2°/o Obi- 941, g Kurh. 4% Obi. 865/» Hess. 4«/o Obi. b. Roths. 91 ‘/4 „ 31/2% 60. do. 871/2 Bayer. 5% Obi. 1021/» „ 4i/20/0 1jährige 953/g „ 41/2°/o jährige 96 Würtemb. 41/2% Öbl. 94V2 Baden 4'/2% Obi. c. E.L. 94?/g Oestr. 50 0 b. R. 593/4 „ 50/0 National 52ya „ 5% Metall. Obi. 63 „ M. steuerf. 51’/4 Amer. 6®/q 1882r Bds. 785/g w 6% 1885r 775/tz Actien, Frankf. Bank 1221/g Oester. Bank 661 „ Creditact. 232!/2 barmst. Bankact. 2631/2 __ Prioritäten. 50/0 östr. F. St. E. B. 300 Ludwigsh.-Bexbach 159i/2 Maxbahn 106 Bayer. Ostbahn 127 Hess. Ludwigsbahn 139 30/g östr. Stsb.-Prior. 54>/4 3°/q östr. s. Lombard. 443/4 30/g Livorneser 313/4 Toscaner 493/8 Frankf. Hypotb.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 50/0 Elisabeth-Prior. 733/4 do. II. Emiss. 73/4 Cöln k. 8. 105 Hamburg k. 8. 873/4 Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 1191/g Lyon k. 8. — Paris k. 8. 94i/2 Wien k. 8. 99', g Disconto 3i/2°/o G. Geldsorten. Anleliensloose. Kurh. 40 Thlr. Loose 54’ 2 Nassau fl. 25 b. Roth. 373/4 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 172 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 42 4°'o bayr. Präm. Anl. 103i/2 40/g badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 543/g 1858r Prioritätsloose 143 1860r Loose 785/g 1864r „ - Pr. Cass. Sch. 1 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 Pistolen . . 9 n doppelte 9 Holl. fl. 10 St. 9 Ducaten . . 5 20 Frankens!. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2 443/r45 57-58 49— 50— 54-56 34-36 26-27 52-56 49-51 26-27 Feuilleton. Nähe. (Fortsetzung folgt.) j5 0 l 6 a t e n g l ü ik. * Novellette von Heinrich Hensler. hatten den Jungen erweckt, er t dem mit den Wellen ringenden Mädchen gluck tch heraus. — Aber Maria! Was fällt Dir ein?" fragte der Junge; „wolltest Du Deine von der Hitze ermatteten Glieder durch ein frisches Bad erquicken und kamst dabei an eine Untiefe?" Ach nein!" erwiederte das erschrockene Mädchen mit niedergeschlagenen Auaen: ich habe das Essen für Dich und Seppi herausgetragen, da sah ich am Ufer die schonen Blumen und wollte sie mir brechen; eine stand zu tief unten, und da verlor ich das Gleichgewicht." Und bist hineingestürzt," ergänzte der Junge die Erzählung des Mädchens. Nun,' es ist noch gut abgelaufen; zum Glücke war ich nicht weit entfernt, hortt deshalb schon Deinen ersten Schrei und konnte gleich zur Stelle sein, um Dich herausiuuehen. Es wird Dir doch hoffentlich keinen Schaden bringen Warum nicht gar!" erwiederte das Mädchen. „Der Schrecken war nur augenblicklich, und das unfreiwillige Bad wird mir wohl bekommen. Ich will nur schnell nach Hause lausen und andere Kleider anziehen, damit es der Vater nicht merkt, sonst werde ich tüchtig ausgescholten. Dort steht Dein Essen, An- drea. Eile Dich ein wenig, daß ich den Topf wieder mitnehmen kann. „Gehe nur fort, Maria!" sagte der Junge, „ich nehme den Topf schon mit nach Hause, wenn ich die Ziegen eintreibe." Eine erdrückende Hitze lag auf der Gegend weit umher. Es war ein ungewöhnlich heißer Sommertag des Jahres 177b, — die Einwohner von Monzi in der Grafschaft Nizza harrten sehnsüchtig auf den Eindruck des Abends und dessen kühlende, erfrischende Luft, welche die fast unerträgliche, entnervende Hitze des Tages wenigstens /heilweise zu mildern versprach. /Die Leute wagten kaum ihre Hütten zu verlassen, obschon sie durch schlechte Wände und Dächer nur nothdürftig vor den sengenden und brennenden Strahle« der Sonne geschützt waren. Aber nicht allen Bewohnern dieses Dörfchens war es vergönnt, ui dieser Weise den ersehnten Abend zu erwarten; — wem das harte Loos gefallen, unter fremden Leuten sein Brod suchen zu müssen, oder wer durch die Arbeiten des Tages Etwas verdienen mußte, um sich und seine Familie erhalten und das tägliche Brod gewinnen zu können - der mußte es freilich wagen, Trotz zu bieten den Gluihen des Tagesgestirnes, auf die drohende Gefahr hm, bleibenCen Nachtheil davon ju tragen, denn der furchteritche Hunger kennt keine Rücksichten. Nur in einigen Mittagsstunden war es durchaus unmbghd), im Freien zu «er- weilen, und alle lebende Geschöpfe mußten Siesia halten. Eine ziemliche Strecke jenseits des Dorfes Monzi erhebt sich die sonst flache Gegend und bildet den Anfang eines Berges, welcher aber größten The,les au« unfruchtbaren, wildromantische Schluchten bildenden Felsen besteht, die bald einzeln in Ungeheuern Dimensionen umhcrliegen, bald zu beträchtlicher Hohe übereinander gethürmt sind, aber selten besucht werden. “ In einer Vieser Schluchten, unter einer großen, ein vorspringendes Dach bildenden Felsplatte lag an diesem heißen Tage ein Hirtenknabe, — em kleiner dürrer Junge mit scharf ausgeprägten Gesichtszugen, bräunlich gelber H-ut arbe, schwarzem, straff herabhängendem Haare und tiefliegenden dunkeln, lebhaft blitzenden Augen, dem man ein Alter von 18 Jahren nicht ansah. Er war barfüßig und nur mit alten zerrissenen Hosen und einem groben leinenen Hemde bekleidet. Der Junge kümmerte sich wenig um dte heiße Sonne; — er schlief bc- baalich in dem Schatten des sorgsam auSgewähiten, natürlichen Daches, wahrend um ihn herum eine Heerde Ziegen lag, gleich ihm von der druckenden Hitze unter da» schützende Obdach getrieben. So mochte er einige Stunden gelegen haben; die Sonne begann endlich -u sinken und längere Schatten zu werfen; die Ziegen verließen nach und nach ibren Ruheplatz und suchten an dem mageren Gestrüppe der umherlicgenden Fel- sen ihren Hunger zu stillen, — da durchzitterte ein heller durchdringender schrei die Lust — der Schläfer richtete sich rasch auf; dem lauten Schrei folgte unmittelbar ein klägliche« Hilferufen, und Der schnell ermunterte Junge eilte mit raschen Sprüngen nach der Gegend hm, woher das Rufen zu kommen schien. Am Fuße der Felsenanhöhe zieht sich ein klarer Bach in malerischen Wm- düngen durch Vie Ebene unv bewässert äußerst fruchtbare Felder und Wiesen. Eie Ufer dieses Bache« hatten die nöthige Feuchtigkeit, au« demselben anziehend, weniger von der Hitze gelitten; da, Gra« gedieh hier üppiger, unv hier unv da sproßten sogar Blumen in weithin glänzenvem Farbenschmucke hervor. Ein junger Mädchen hatte diese Blumen erblickt, sie wollte fit zu einem Sträußchen sammeln, war vabei unvorsichtig und, an einer abschüssigen Stelle de« Ufers sich zu weit hinüberneigend, in den Bach gefallen. Ihre Hulferufe Nun gut, Andrea! ich gehe," erwiederte das Mädchen, „aber ich bitte Dich 'recht sehr, sage ja Niemanden, daß ich in dar Wasser gefallen bin. Nicht wahr, lieber Andrea, Du verräthst mich nicht? , Wie magst Du nur zweifeln, Maria!" versetzte Jener. „Du weißt ,a doch, daß ich Dir nichts abschlagen kann, wenn Du bittest. Gehe nur fort und suche, daß Du neben der Scheune zur Hinterthüre hinein in den Hof kommst, da wird Dich Niemand sehen." Das Mädchen eilte mit flüchtigen Schritten nach Hause, wahrend Andrea sein Abendbrod verzehrte unv sich dann behaglich auf dem Boden ausstreckte, den Strahlen der scheidenden Sonne überlassend, seine nassen Kleider zu trocknen. Maria war die sieben,ehnjährige Tochter eine« Bauern in Monzi, welcher ein größeres, aber sehr verschuldetes Gut besaß. Sie war eine hübsche, schlank gewachsene Dirne, fleißig unv unverdrossen in der Arbeit, vom frühen Morgen bi« zum späten Abende thätig, dienstwillig und freundlich gegen Jedermann und von einer alle Herzen gewinnenden Güte. Andrea war Ziegenhirt bei dem Bauern. Obschon kleiner von Gestalt als das Mädchen und mehr als ein Jahr älter, war er doch, sowie tn seinem Aeuße- ren, so auch hinsichtlich seines Charakters sehr verschieden von demselben, für Vas in seinem Innern eine heftige Leivenschaft glühte. Er war allerdings zu jeder Arbeit geschickt, stark und gewandt, wenn er einmal Lust zur Arbeit hatte, was aber höchst selten sich ereignete, denn er war faul und trage, weßhalb er, sich auf seine kleine Gestalt verlassend, noch in diesem Alter die Stelle eine« Ziegenhirten versah, wozu in der Regel sich nur Knaben bi« zum vierzehnten Lebensjahre verwenden ließen. „ . . _ Bon verschlossenem Charakter, mürrisch, eigensinnig un höchsten Grade und jähzornig, hatte er sich mit Niemanden befreundet; sein Dienstherr, sowie der Oberknecht hatten wegen seiner Arbeitsscheue beständig mit ihm zu kämpfen, unv jeven Sonntag gab e« in der Schenke, die er besuchte, Schlage denn er war streit- und händelsüchtig und höchst verwegen, während er die Zielscheibe des au- I gemeinen Spottes zu fein pflegte. Mehrmals - der Menge unterliegend - tüchtig vurchgeprügeft und mit blutigem Kopfe und zerdlautem Rucken zur Thur hinausgeworfen, drang er immer wieder zu einer anderen Thur hinein, bi« er zuletzt entweder halbtovt nach Haufe getragen werden mußte, oder die Wache ihn mit Gewalt zurückhielt, oder gar, - was nicht feiten geschah, - ihn m Vas Ortsgefängniß steckte, das er manchen Tag zur Strafe bewohnen mußte. Die natürliche Folge davon war, daß Andrea allenthalben gehaßt und gefürchtet wurde und nur Feinde in dem Dorfe unv Cer ganzen Umgegend hatte. Nur Per Bader in Monzi war ihm gewogen, Venn nicht allein war er dessen bester und treuester Kunde, weil er wenigstens einmal tn der Woche mit bluft- tigern, zerschlagenem Kopfe zu ihm kam, er lieferte ihm auch stets «ne Hubsehe Anzahl anderer Kunden in Folge seiner steten Raufhanvel, weshalb Andrea so- gar oftmals umsonst bedient wurde. „ ... - Seine Dienstherr hatte den nachlässigen und tragen Burschen schon langst fortgeschafft, wenn er nicht der Sohn eines früheren langjährigen treuen Knech- teä gewesen und als elternloser, armer Junge von ihm bemitleidet wotven roare. Auch fand er in Marien, der geliebten einzigen Tochter des Bauern, stets eine eifrige Fürsprecherin. ...... m ..... Zwischen Andrea und Marien bestand ein ganz eigenthumUches Berhaltmß. ugenv, in ven loat? gtjauen. jun vui|““i‘ i Im höchsten Grade unverträglich und eigenwillig , wie wir c 'tn gehört ha en, eilte herbei, stürzte sich in den Bach und half unt mit Jedermann au« seiner Umgebung, selbst mit seinem Brodherrn m b — - I ständigem Streite, war er nur gegen diese« Mädchen freundlich und dienstwillig, von ihr ließ er sich immer ohne den geringsten Widerspruch ausschelten, für sie wäre mit Freuden durch das Feuer gesprungen, und es bedurfte von^chr nur eines Wortes, ja nur eines Blicker ihres schonen Auges, und Andrea war selbst im Zustande der höchsten Aufregung augenblicklich besänftigt. Und ihr einen Ge- fallen zu erzeigen, oder wenn er für sie eine Arbeit trgenC einet Art "errichten konnte, war er wahrhaft unermüdlich, so träge und arbeitsscheu er tm Uebrigen itoer Zeit war. Ueberall trat seine heiße glühende Liebe tn schärfster Auspra- qung hervor, und seine wilde, unbändige Leidenschaftlichkeit war auch in dieser Beziehung ganz unverkennbar, obgleich die Umstände und Verhältnisse sowohl, als seine Klugheit ibn veranlaßten, diese Gefühle rote immer möglich tn feinem Innern zu verschließen, wenigstens vor jedem Dritten zu verbergen. Nur ein Mal hatte sich Andrea von seinen Empfindungen hinreißen lassen und Marien gestanden, wa« er für sie fühle ES war in der lErndte, alsI et mit dem Mädchen, der Letzte, auf dem Felde zuruckblieb. Matta hatte nicht Ja" nicht ,Nein" gesagt — aber daß sie Andrea liebe, war nicht zu verkennen. '(Siern hatte sie ihn, recht gern, und sie mochte ihn wohl leiden, aber — sollte man e« wohl glauben, — e« war ihr dennoch fast unheimlich tn feiner 9 Der Nachdruck ist nicht gestattet- Politische R n n d s ch Gießen, 27. Dec. Die von der Direction der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft mit dem konigl. Handelsminister vorläufig getroffene Vereinbarung über den Bau der Lenne-Lahnbahn hat noch mehrere Instanzen durchzugehen, ehe sie gesichert ist. Die Direction bedarf der Genehmigung der Actio- näre, der Minister der Genehmigung des Königs, und schließlich das Ganze der Zustimmung des Landtags. ' Doch ist wohl nicht zu zweifeln, daß die Zustimmung von diesen sämmtlichen Factoren erfolgen Wird, weil die Vortheile für alle ganz klar vorliegen. Durch diese Bahn erst wird den wesiphälischen Kohlen ganz Süddeutschland erschlossen und, während die strategische Rücksicht doch auch nicht unbedeutend ist, der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft ein wohl unzweifelhafter hoher Zinsengenuß gesichert. Zunächst wird eine außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Bergisch-Märkischen Eisenbahn zu Elberfeld am 9. Januar nächsten Jahres über Bau und Betrieb Beschluß fassen, zu welcher der hiesige Stadtmagistrat sein Mitglied, den Buchhändler R der, abgeordnet hat, um die Jn- tereflm der Stadt Gießen bei der Versammlung zu vertreten. Friedberg, 28. Dec. Die vom Fortschrittsverein auf gestern hierher berufene W ä h l e rv er sa m m- lung war nach Angabe der „M.-Ztg." trotz des stürmischen Wetters von 4—500 Personen besucht. Ein Hr. Trapp IV. war Vorsitzender. Nachdem ein Schreiben der Herren v. Unruh, v. Benningsen, v. Henning, Twesten, Lasker und Forkenbeck verlesen worden, worin Hr. Dr. Oppenheimer als Candidat vorgeschlagen wird, legte der Empfohlene in einer „großtentheils vortrefflichen" Rede seine politischen Grundsätze dar und die Versammlung entschied sich mit allen gegen eine Stimme (die Hrn. Hofgcrichts- ratb Buff in Gießen vorgeschlagen hatte) für Hrn. Dr. Oppenheim. Hierauf eine „offenbar zündende" Ansprache, worin Herr A. Metz Propaganda für den Verein machte; Resultat: „60 Beitritte zum Verein." Berlin, 30. Dec. Die Prov.-Corresp. meldet: Frankreich hat an alle Mächte, welche den Pariser Vertrag unterzeichnet haben, auch an die Türkei und Italien, die Einladung zur Conferenz erlassen, deren allseitige Annahme zweifellos ist. Die Confe- renz soll sich ausschließlich damit befassen, den gegenwärtigen Zwist zwischen der Türker und Griechenland zu losen, und die sonstigen orientalischen Angelegenheiten bei Seite lassen. Der Beginn der Conferenz wird voraussichtlich am 2. Januar stattfinden. Bestimmte Vorschläge werten im Voraus nicht gemacht, jedoch dürste eine friedliche Beilegung des türkisch-griechischen Zwistes gesichert erscheinen. — Gegenüber der irrigen, namentlich durch eine Berliner Correspondenz der „Times" hervorgeru- fenen Auffassung der badischen^ Uebereinkunst mit dem norddeutschen Bunde, betreffend die Leistung der Militärdienstpflicht, bemerkt die „Norddeutsche Allg. Ztg." : Der diesbezügliche Vorschlag Badens wurde im Juni gemacht und am 30. November dem wieder zusammengetretenen Bundesrath vorgelegt. Die -Uebereinkunst bezwecke nur, den beiderseitigen Staatsangehörigen die Erfüllung der Militärdienstpflicht zu erleichtern. Heidelberg, 27. Dec. Unter dem Titel: „Das staatliche Veto bei Bischofswahlen nach dem Recht der oberrheinischen Kirchenprovinz" ist von Geheimenrath Herrmann, Professor der Rechte an hiesiger Universität (dem Nachfolger des verstorbenen Mittermaier's) eine Broschüre erschienen, welche in eingehender Weise die zwischen der badischen Staatsregierung und der erzbischöflichen Curie in Freiburg in Betreff der Besetzung des erledigten erzbischöflichen Stuhles obschwebenden Differenzen beleuchtet. Der Verfasser gelangt zuletzt zu der Schlußfolgerung, daß in einer solchen kirchenpolitischen Frage das volle Veto auf Seiten des Staates ein Bedürfniß sei. VZien, 29. Dec. Nachdem ein demokratisches Blatt den urkundlichen Nachweis geliefert, daß die jetzigen Minister Dr. Giskra und Dr. Berger vor zwanzig Jahren als Mitglieder des deutschen Parlaments und zwar in der Sitzung vom 6. Dec. 1848 bei namentlicher Abstimmung sich für die Abschaffung des Adels und aller Orden erklärt haben, sprechen die Verehrer der genannten „Bürgerminister" die zuversichtliche Erwartung aus, daß dieselben wenigstens von dem mit der ersten Classe der eisernen Krone verbundenen Freiherrntitel niemals Gebrauch machen werden. Dr. Giskra hat übrigens schon früher einen k. k. Orden angenommen. Seine Freunde verbreiten jetzt das Gerücht, er denke so wenig daran, sein Bürgerthum aufzugeben, daß er sogar seinen Kindern bei Strafe der Enterbung untersagt habe, jemals das Wörtchen „von" vor ihren Namen zu setzen. Theorie und Praxis stimmen jedoch nicht immer überein. Man erzählt sich z. B. von zwei Bürgerministern, welche in Der Wehrgesetzdebatte mit allem Pathos die „demokratische Idee" der allgemeinen Wehrpflicht anpriesen, daß sie noch vor Thor- schluß von dem undemokratischen jPrivilegium Ge- brauch machten, ihre sämmtlichen Söhne mit je 1000 Gulden von der allgemeinen Wehrpflicht loszukaufen. Die neuen Ritter der eisernen Krone könnten vielleicht über diesen interessanten Umstand nähere Auskunft ertheilcn. Der Finanzminister Dr. Brestel allein will seinen Principien durchaus consequent bleiben. Er hat, wie verlautet, den ihm zugedachten Orden mit der Bemerkung abgelehrt, daß er im Jahr 1848 als Mitglied des österreichischen Parlaments für die Abschaffung aller Orden gestimmt habe. Dr. Giskra und Dr. Berger sollen diese Bemerkung eben so unzart als inopportun gefunden haben. Paris, 30. Dec. Die „France" widmet dem heftigen Streit, welcher zwischen den leitenden Organen ter preußisichen und der österreichischen Presse entbrannnt ist, einen wichtigen, schon figna- lisirten Ariikel, in welchem es heißt: Es ist ziemlich schwer, sich über die geheimen Gründe dieses Antagonismus Rechenschaft zu geben. Wenn man indeß bemerkt, daß Ungarn beständig dircct oder indirekt in dieser Polemik Der preußischen und oft auch in jener Der russischeu Blatter vorgeschoben wird, so gewinnt man die Ueberzengung, daß die Haltung der Der ungarischen Regierung Der wahre Grund dieser Angriffe ist. Die Wiedererrichtung Ungarns ist in Der That ein politisches Ereigniß von großer Tragweite. Die Stärke, Die Energie, der Patriotismus, welche dieses Volk an Den Tag legt, indem es in Der Fülle seiner Unabhängigkeit und feiner Souve- ränetät w-edercrwacht, sind eine wahre Ueberraschung. Das österreichisch-ungarische Reich unter dem Scep- ter der Halsbucger zeigt zwei große Nationen durch die ausrichligste Sympathie und die enischieDenste Gemeinschaft stark geeint. Ungarn, welches eine Gefahr für Oesterreich sein konnte, ist im Gegentheil seine Stärke und Sicherheit geworden. Man war gewiß in Europa, namentlich aber in Berlin und St. Petersburg, auf solche Ergebniffe nicht gefaßt. Es ist nicht unmöglich, daß sie dort nicht bloS überrascht, sondern auch betrübt haben. Im Falle neuer Verwicklungen konnte der Zwiespalt zwischen Ungarn und Oesterreich eine bedeutende Rolle spielen und Die Haltung Der ungarischen Regierung mag Daher viele Hoffnungen enttäuscht und viele Pläne gestört haben. Soll man diesem Umstande die aggressive Sprache der Berliner Blätter gegen Oesterreich zuschreiben? Wir wissen cs nicht, aber wir glauben, daß ihre bitteren Anschuldigungen nicht hlos einen leicht zu erkennenden Aerger verrathen, sondern auch stark an Uebertreibung leiden. Diese Verdächtigungen, welche auf feiner genaueren Thatsache beruhen, sind ungemein bedauerlich. Vermischtes. Gießen, 31. Dec. Vor dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen vom I. Quartal 1869 werden während der nächsten Woche nachbemerkte Anklagen zur Verhandlung kommen. Den 4. Januar, Morgens 9 Uhr, gegen Easpar Jost von Stangenrod, wegen Verführung zur Unzucht; Vertheidiger Großherzogl. Hofg.- Advokat Hirschhorn. Den 5. Januar, Morgens 8 Uhr, gegen Johann Valentin Boll von Dorndiel. z wegen Diebstahls und EigenthumSbeschä- digung; Vertheidiger Großherzogl. Hofg.-Adv. Weidig. Den 6. Januar, Morgens 8 Uhr, gegen Heinrich Jäger IV., Felvschutze von Ulfa, wegen Bestechung; Vertheidiger Großherzogl. Hofg.-Adv. Kraft. Den 7. Januar, Morgens 8 Uhr, gegen Gottfried Staubach von Herbstein, wegen Munzverbrechen; Vertheidiger Großherzogl. Hofg.-Adv. Krauskopf. De» 8. Januar u. folgende Tage, jedesmal von Morgens 8 Uhr au, gegen Peter Feuerbach von Oberwöllstadt, wohnhaft in Rvdheim v. d. H., wegen Nothzucht und Mordes; Vertheidiger Großherzogl. Hofg.-Adv. Dr. Muhl. Darmstadt, 30. Dec. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 66 enthält: I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, das Octroi der Stadt Mainz insbesondere Octroi von Oelkuchen betreffend. II. Bekanntmachung Großherzoglicher Commission für Post- Angelegenheiten, den Personengeldtarif auf dem Personeupost- course zwischen Butzbuch und Laubach, beziehungsweise zwischen Butzbach und Grünberg betreffend. HL Bekanntmachung derselben Behörde, die Errichtung einer Personen - Annahmestelle für den Dieburg-Erbacher Per- soncn-PostcourS betreffend. IV. und V. Bekanntmachungen, bie_ Verkündigung gerichtlicher Anzeigen in der Provinz Rheinhessen betreffend. VI. Eoncurrenz für: die reformirte Pfarrstelle zu Heubach mit einem Gehalte von 661 fl. 23 kr.,; — die erste evangel. Schulstelle zu Nieder-Wöllstadt, mit einem Gehalte von 569 fl. 4 fr.; dem Gemeinderath zu Nieder-Wöllstadt steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. a u 9ft Dec Wie »othwendig die größte Vor- fid>t J Er°b«ichu,g ».n »i-s-m m ffie, schicht- M E-ldNm»»-- d-rm- -n ---komm,»den Mittel, ist, beweist -ch v.r wemgen T-^e» h>e- v.ege °mme- nee Fall. Zwei gremde. M »->- »”> ' i. einer «l-chh-k- ein Fi-schche» . D-r Apoth-k-rgehülfe, dem d-» Betragen der Bechen B-rdacht -m- stäßt, gibt stch den Anschein, b-r.tt- er »„selbe NIMM, aber adstchtlich Brechweinstein. Der Gasthaf, m welchem du Fremden lagiren, wird di- Nacht durch lhr.n »uifernf alar- mirt. Sie hatten die Lösung »-rschlx-it und lüten nun «n ihrer Wirkung, di- ihnen huffentllch dl- N-Igung >u «llen weiteren Selbstmordsversuchen auSgetrieben haben wird. Offenbach, 23. Dec. Am Montag Abend und zwei Metzger auf dem Heimwege von einem Gelchäftsgange m der Nahe hiesiger Stadt in einem Walde von 8 Kerlen angefallen un total ausbcraubt worden. An Widerstand war bei der großen Zahl der Angreifer nicht zu denken und wurden die beiden An- gefallenen unter den größten Drohungen genöthigt, sich ihrer Werthsachen und der nicht unbedeutenden Baarschaft zu entledigen. . . Offenbach, 28. Dec. In der Christnacht gegen 11 Uhr wurde ei» junger Mann von hier, Portefeuille-Arbeiter Bos. welcher seine Braut in Rumpenheim besucht hatte, auf dem Heimwege ermordet. Seine Leiche fand man mit zerschmettertem Schädel mitten im Wege. Eine Beraubung scheint nicht beabsichtigt gewesen zu sein, da er seine Baarschaft noch bei sich und die erhaltenen Christgeschenke in Händen hatte. Die Leiche wurde einstweilen nach Rumpenheim gebracht und eine Untersuchung eingeleitet. Berlin. Einen unerwarteten Gebrauch von der Erftirter inbireden Anleitung zur Ueberwachung der Lehrer haben die Primaner eines Berliner Gymnasiums gemacht. Sie ertappten ihren Oberlehrer Preuß, ihren Lehrer der Religion und Geschichte, der mit der krassesten Orthodovie öffentlich kottetirte, auf den alleranstößigsten Schlichen und denunzirten den Heuchler. Er wurde sofort suspendirt, in Untersuchung genommen und ihnen tiefes Stillschweigen auserlegt. Man schreibt aus Melle in Hannover, 11. Deccmber: Die älteste und stärkste Eiche, der schönste Baum Hannovers, die tausendjährige Winter-Eiche auf Ledebur's Hof in Wetter, ist durch den Orcan am 7. d. M. umgestürzt worden. Am Boden hielt der gewaltige Stamm vierzig hannoversche Fuß im Umfange und breitete in einer Höhe von zwanzig Fuß rundum seine Niesenäste aus, welche er alle bis dahin behalten hatte. Unter seinen mächtigen laubreichen Aesten versammelten.sich im Mittelalter die Freien dieses Amtshofes, die sogenannten Wetter- Freien , um ihre Rechte zu wahren und Streitigkeit»): unter ihren Mitgliedern zu schlichten. Ta der Blitzer dieses Hofes im Kriege' als Reiter dienen mußte, ist eS nickt unmöglich, daß König Wittekind schon im Schatten dieser Eiche geruht hat. Kronach, 24. Dec. Heute wurde Chorinsky in Begleitung eines GenSd'armen und zweier Wärter an die Irrenanstalt in Erlangen abgeführt. England. Der „Cork Herald" erzählt die Einzelnheiten einer fast unerhörten Gräuelthal, die sich an Bord eines hol-. ländische« Schiffes „Finnechina" Kapitän Hotze, ereignet hat, welches am 14. December, von Südamerika kommend, in Cork eingelaufen ist, wie folgt: Die Mannschaft des Schiffes, welches längere Zeit Küstenfahrten zwischen den brasilianischen Häfen gemacht hatte, bestand aus dem Kapitän und sechs Mann, unter diesen ein Matrose,! Namens Rogers aus London. Das Sckiff befand sich auf der Reise nach Europa seit vier Tagen in See, als dieser Rogers eine Gelegenheit benutzte, den ersten Steuermann über Bord zü werfen. Auf dessen Hülferuf kam der Schiffskoch herbei und warf ihm ein Seil zu, was jener auch ergriff; in dem Augenblicke aber, wo der Koch beschäftigt war, das Seil anzuzrehen, faßte ihn Rogers bei den Beinen und warf ihn gleichfalls über Bord. Der zweite Steuermann eilte herzu, aber Rogers hieb mit einem Beile das Seil, welches die beiden Unglücklichen ergriffen hatten, durch, und wandte sich dann mit dem Beile gegen den Untersteuermann, der, von ihm verfolgt, sich nach der Kajüte flüchtete. Im Eingänge derselben stieß er gegen den hervortretenden Kapitän, so daß beide die Treppe herunterfielen, worauf Rogers die Luke über jenen schloß und befestigte. Die zwei noch übrigen Leute hielt er sodann durch Drohungen getrennt, den einen am Steuer, den andern auf dem Vorderschiffe, und zwang sie, das Schiff zu manövriren. Er steuerte dasselbe nun wieder, in der Richtung der südamerikanischen Küste zuruck, jedoch, wahrscheinlich durch die Abweichung der Magnetnadel getäuscht, fuhr er längs der Küste hin. Das dauerte vier Tage, während welcher der Mann keinen Augenblick schlief. Einmal näherte er sich dem Decklicht der Kajüte, um nach den darin Eingesperrten zu sehen, worauf der Kapitän zwei Scküsse auf ihn abfeuerte, ohne ihn jedoch zu treffen. Am Ende des vierten Tages endlich ward der schreckliche Mensch vom Schlafe überfallen und streckte sich auf's Deck, worauf der eine der beiden Matrosen, ein Irländer, das Veil, welches Rogers bis dahin nickt aus der Hand gelassen hatte, ergriff und ihn mit einem Schlage tödtete. Die beiden überlebenden Matrosen befreiten dann der Kapitän und den Steuermann aus der Kajüte, welche das Schiff'nach Rio de Janeiro führten, wo die Sache gerichtlich constatirt wurde. Amerika. Hr. Waylis aus New-Orleans hat sich eine interessante Erfindung patentiren lassen, ein Wagen, durch comprimirte Lust fortbewegt. Die Luft wird durch Dampfmaschinen auf den Hauptstationen in zwei auf dem Dache deS Wagens angebrachten Reservoirs comprimirt und setzt eine kleine, auf dem Wagen angebrachte Maschine und mit ihr den Wagen selbst in Bewegung. Die comprimirte Lust in den beiden Reservoirs soll zur Zurücklegung von 10 engl. Meilen hinreichen. Einfluß der Wälder auf das Klima. Die Trockenheit deS egyptischen Klimas ist derart, daß es in Ober-Egypten niemals regnet und daß man in dem Delta früher nie mehr als fünf bis sechs Diegentnge im Jahre zahlte. Aber der Vicekönig Mehemet'Ali ließ auf dem Delta 20 Millionen Baume anpflanzen. Seit einigen Jahren sind nun diese Bäume groß geworden und die mittlere Zahl der Regentage stieg von 5 oder 6 auf -40. Bezüglich dieser letzteren Thatsache stutzen wir uns auf das Zeugniß von Reisenden, die neuerlich Egypten besuchten, und insbesondere auf das eines ausgezeichneten verläßlichen Beobachters, des Herrn Ponchet. Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr. Pietsch) in Gießen.